Shurangama-Sutra – Textstudium

Original · Arbeitsübersetzung · Kommentar

1 #
[1]新印大佛頂首楞嚴經序
前雄武軍節度推官許洞撰
楞嚴經者,括諸佛萬行之樞紐也。通幽洞微,非二乘所賾;開物成務,乃十地攸宗。其文曲而達,其旨隱而暢,入於至妙之域,出於無生之表,鏗鏘磅礴群彙率化,窮玄絕聖其在茲乎。是知大和無私雖幽必煦,至神無迹雖微必貫,玄功無宰雖遐必達,率由心絕有為而大千同照,道躋無作而至感必通。
Prolog zum Großen Buddha-Gipfel-Śūraṅgama-Sūtra (楞严经)
[Taishō 945, 新印大佛頂首楞嚴經序]
Verfasst von Xǔ Dòng, ziviler Verwaltungsoffizier des Militärkommandos Xióngwǔ

Das Śūraṅgama-Sūtra
ist der zentrale Knotenpunkt
aller zehntausend Übungsweisen der Buddhas.
Es durchdringt das Dunkle
und erschließt das Subtilste;
dies ist nichts,
was von den Anhängern der zwei Fahrzeuge
ergründet werden könnte.
Es öffnet die Erscheinungen
und vollendet das Wirken;
darauf gründen sich
die zehn Bodhisattva-Stufen.

Sein Wortlaut ist verschlungen
und doch unmittelbar,
sein Sinn verborgen
und doch weit entfaltet.
Es führt hinein
in den Bereich des äußersten Wunderbaren
und führt hinaus
über die Sphäre des Nicht-Geborenen.
Mächtig und klangvoll
durchdringt es die Gesamtheit der Dinge
und bringt sie zur Wandlung.
Das Äußerste des Geheimnisses,
jenseits selbst der Heiligkeit —
ist es nicht hierin verwirklicht?

Daraus erkennt man:
Die große Harmonie ist ohne Eigennutz;
obgleich verborgen,
wirkt sie wärmend.
Das höchste Geistige ist ohne Spur;
obgleich fein,
durchdringt es alles.
Das geheimnisvolle Wirken
kennt keinen Lenker;
obgleich fern,
erreicht es alles.
All dies geschieht,
weil der Geist
alles Bedingte hinter sich lässt
und dadurch
die gesamte Welt
gemeinsam erleuchtet wird.
Der Weg geht
jenseits des Machens,
und darum bleibt
keine echte Resonanz
unverbunden.
Kommentar öffnen
Dieser Prolog ist kein literarischer Auftakt, sondern eine präzise Positionsbestimmung des gesamten Sutras. In wenigen Sätzen werden hier Reichweite, Methode und ontologischer Status der Lehre festgelegt.

1. Das Śurangama als struktureller Knotenpunkt

Wenn das Sutra als „Dreh- und Angelpunkt aller zehntausend Praktiken“ bezeichnet wird, meint dies keine Zusammenfassung von Methoden, sondern einen Umschlagpunkt der Perspektive:

Nicht weitere Praxisformen stehen im Zentrum,
sondern das Prinzip, aus dem Praxis überhaupt erst sinnvoll wird.

Damit wird das Śurangama klar abgegrenzt von additiven Übungssystemen.

2. Überschreitung der Zwei-Fahrzeuge-Logik

Die explizite Aussage, dass dieses Sutra „nicht von den zwei Fahrzeugen ausgelotet werden kann“, markiert keine Abwertung, sondern eine Grenze des analytisch-progressiven Zugangs:

Wo Befreiung als schrittweises Verlassen verstanden wird,
bleibt das Ursprüngliche notwendig verdeckt.

Das Śurangama operiert nicht innerhalb dieser Logik,
sondern dreht die Blickrichtung um.

3. Nicht-erzeugt statt natürlich

Die Bewegung „hinein in das Höchste – hinaus über das Nicht-Erzeugte“ ist entscheidend:

Das Ziel ist kein natürlicher Zustand,
keine Rückkehr zu etwas Gewordenem,
sondern das nicht-erzeugte Ursprüngliche (本然).

Damit grenzt sich der Text implizit von jeder Romantisierung von „Natur“ oder „Spontaneität“ ab.

4. Wirken ohne Lenker

Die mehrfach wiederholte Formel:
• ohne Eigeninteresse
• ohne Spur
• ohne Lenker

beschreibt kein metaphysisches Prinzip,
sondern eine Weise von Wirksamkeit, die dort entsteht,
wo der Geist alles Bedingte loslässt.

Handeln geschieht,
aber nicht aus einem Zentrum von Kontrolle.

5. Moderne Anschlussfähigkeit

In moderner Sprache ließe sich sagen:

Das Śurangama beschreibt kein Weltmodell,
sondern eine Systemtransparenz ohne Steuerinstanz.

Wirkung entsteht nicht durch Optimierung,
sondern durch das Wegfallen von Verengung.
Resonanz ist kein Effekt,
sondern die natürliche Folge
nicht-erzeugten Handelns.

Damit ist der Prolog bereits eine stille Absage
an Leistungs-, Kontroll- und Selbstoptimierungslogiken —
und zugleich ihre präziseste Durchdringung.
中文原文
[1]新印大佛頂首楞嚴經序
前雄武軍節度推官許洞撰
楞嚴經者,括諸佛萬行之樞紐也。通幽洞微,非二乘所賾;開物成務,乃十地攸宗。其文曲而達,其旨隱而暢,入於至妙之域,出於無生之表,鏗鏘磅礴群彙率化,窮玄絕聖其在茲乎。是知大和無私雖幽必煦,至神無迹雖微必貫,玄功無宰雖遐必達,率由心絕有為而大千同照,道躋無作而至感必通。
Deutsch
Prolog zum Großen Buddha-Gipfel-Śūraṅgama-Sūtra (楞严经)
[Taishō 945, 新印大佛頂首楞嚴經序]
Verfasst von Xǔ Dòng, ziviler Verwaltungsoffizier des Militärkommandos Xióngwǔ

Das Śūraṅgama-Sūtra
ist der zentrale Knotenpunkt
aller zehntausend Übungsweisen der Buddhas.
Es durchdringt das Dunkle
und erschließt das Subtilste;
dies ist nichts,
was von den Anhängern der zwei Fahrzeuge
ergründet werden könnte.
Es öffnet die Erscheinungen
und vollendet das Wirken;
darauf gründen sich
die zehn Bodhisattva-Stufen.

Sein Wortlaut ist verschlungen
und doch unmittelbar,
sein Sinn verborgen
und doch weit entfaltet.
Es führt hinein
in den Bereich des äußersten Wunderbaren
und führt hinaus
über die Sphäre des Nicht-Geborenen.
Mächtig und klangvoll
durchdringt es die Gesamtheit der Dinge
und bringt sie zur Wandlung.
Das Äußerste des Geheimnisses,
jenseits selbst der Heiligkeit —
ist es nicht hierin verwirklicht?

Daraus erkennt man:
Die große Harmonie ist ohne Eigennutz;
obgleich verborgen,
wirkt sie wärmend.
Das höchste Geistige ist ohne Spur;
obgleich fein,
durchdringt es alles.
Das geheimnisvolle Wirken
kennt keinen Lenker;
obgleich fern,
erreicht es alles.
All dies geschieht,
weil der Geist
alles Bedingte hinter sich lässt
und dadurch
die gesamte Welt
gemeinsam erleuchtet wird.
Der Weg geht
jenseits des Machens,
und darum bleibt
keine echte Resonanz
unverbunden.
Kommentar
Dieser Prolog ist kein literarischer Auftakt, sondern eine präzise Positionsbestimmung des gesamten Sutras. In wenigen Sätzen werden hier Reichweite, Methode und ontologischer Status der Lehre festgelegt.

1. Das Śurangama als struktureller Knotenpunkt

Wenn das Sutra als „Dreh- und Angelpunkt aller zehntausend Praktiken“ bezeichnet wird, meint dies keine Zusammenfassung von Methoden, sondern einen Umschlagpunkt der Perspektive:

Nicht weitere Praxisformen stehen im Zentrum,
sondern das Prinzip, aus dem Praxis überhaupt erst sinnvoll wird.

Damit wird das Śurangama klar abgegrenzt von additiven Übungssystemen.

2. Überschreitung der Zwei-Fahrzeuge-Logik

Die explizite Aussage, dass dieses Sutra „nicht von den zwei Fahrzeugen ausgelotet werden kann“, markiert keine Abwertung, sondern eine Grenze des analytisch-progressiven Zugangs:

Wo Befreiung als schrittweises Verlassen verstanden wird,
bleibt das Ursprüngliche notwendig verdeckt.

Das Śurangama operiert nicht innerhalb dieser Logik,
sondern dreht die Blickrichtung um.

3. Nicht-erzeugt statt natürlich

Die Bewegung „hinein in das Höchste – hinaus über das Nicht-Erzeugte“ ist entscheidend:

Das Ziel ist kein natürlicher Zustand,
keine Rückkehr zu etwas Gewordenem,
sondern das nicht-erzeugte Ursprüngliche (本然).

Damit grenzt sich der Text implizit von jeder Romantisierung von „Natur“ oder „Spontaneität“ ab.

4. Wirken ohne Lenker

Die mehrfach wiederholte Formel:
• ohne Eigeninteresse
• ohne Spur
• ohne Lenker

beschreibt kein metaphysisches Prinzip,
sondern eine Weise von Wirksamkeit, die dort entsteht,
wo der Geist alles Bedingte loslässt.

Handeln geschieht,
aber nicht aus einem Zentrum von Kontrolle.

5. Moderne Anschlussfähigkeit

In moderner Sprache ließe sich sagen:

Das Śurangama beschreibt kein Weltmodell,
sondern eine Systemtransparenz ohne Steuerinstanz.

Wirkung entsteht nicht durch Optimierung,
sondern durch das Wegfallen von Verengung.
Resonanz ist kein Effekt,
sondern die natürliche Folge
nicht-erzeugten Handelns.

Damit ist der Prolog bereits eine stille Absage
an Leistungs-, Kontroll- und Selbstoptimierungslogiken —
und zugleich ihre präziseste Durchdringung.
2 #
如來謂斯經可以鼓吹乎群心、開決乎佛性,爰集大眾會于室羅筏城,天龍鬼神共覃斯教。嗚呼!三界以五欲而成,故摩登伽以宣淫為發題之始也;眾生以愛纏而起,故阿難以破惑為成道之基也。是以論有心則以無心為攝,悲有生則以無生為誘,談有相則破一切色境為主,示有作則脫一切煩惱為樂,此蓋覺虛妄而歸真實也。至若舉三十六地獄之因果、十鬼十類之緣業,此蓋昧真實而起虛妄也。不明實相無以煥菩提之心,不破妄塵無以悟眾生之性,是法微妙,知之者亦已鮮矣;能深究於此復廣其利於天下,余見其。
Der Tathāgata sagte,
dass dieses Sutra
die Herzen der Vielzahl
wachrütteln
und den Zugang zur Buddha-Natur öffnen könne.
Deshalb versammelte er
die große Gemeinschaft
in Śrāvastī,
und Götter, Nāgas,
Geister und Schutzwesen
hörten gemeinsam diese Lehre.

Ach!
Die drei Daseinsbereiche
werden durch die fünf Sinnesbegierden gebildet;
daher setzt Mātaṅgī
die Offenlegung sexueller Verstrickung
an den Anfang des Themas.
Die Lebewesen
entstehen aus Liebesverhaftung;
daher nimmt Ānanda
das Durchbrechen der Verblendung
als Grundlage des Weges.

So gilt:
Spricht man vom Geist,
so wird das Nicht-Geistige
als umfassender Horizont verwendet;
spricht man vom Geborenen,
so wird das Ungeborene
als führender Anreiz gesetzt;
spricht man von Gestalt,
so wird das Durchbrechen
aller Formbereiche
zum Hauptprinzip;
spricht man von Handeln,
so wird das Ablösen
aller Leidenschaften
als Freude aufgezeigt.
Dies bedeutet,
das Trügerische zu erkennen
und zum Wirklichen zurückzukehren.

Wenn hingegen
die karmischen Ursachen und Wirkungen
der sechsunddreißig Höllen
sowie die Bedingungen
der zehn Dämonen
und zehn Arten entfaltet werden,
so ist dies ein Darlegen dessen,
wie aus Verkennung des Wirklichen
das Trügerische entsteht.

Ohne Einsicht
in die wirkliche Erscheinungsweise
kann das Bodhi-Herz
nicht erstrahlen;
ohne das Durchbrechen
der trügerischen Staubobjekte
kann die Natur der Lebewesen
nicht erkannt werden.
Diese Lehre ist äußerst subtil;
jene, die sie erkennen,
sind sehr wenige.
Wer sie tiefgründig erfasst
und ihren Nutzen
weit in der Welt entfaltet —
einen solchen habe ich noch nicht gesehen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine hermeneutische Gebrauchsanweisung für das gesamte Śurangama-Sutra. Er erklärt nicht Inhalte, sondern die pädagogische Dramaturgie der Lehre.

1. Aufrütteln statt Belehren

Das Sutra soll die Herzen „aufwecken“, nicht informieren.
Erwachen geschieht hier nicht durch Wissenszuwachs,
sondern durch Erschütterung gewohnter Selbstdeutung.

Darum wird das Sutra öffentlich verkündet —
kosmisch adressiert,
nicht privat vermittelt.

2. Begehren als Einstieg, nicht als Thema

Dass die Erzählung mit sexueller Verstrickung beginnt,
ist keine Morallehre,
sondern eine didaktische Wahl:
Begehren ist die unmittelbarste,
für niemanden abstrakte Bindungsform.

Der Text setzt dort an,
wo Verblendung unübersehbar ist.

3. Geist wird durch Geistlosigkeit erschlossen

Die paradoxe Struktur ist zentral:
• Geist → durch Geistlosigkeit
• Geborenes → durch Ungeborenes
• Gestalt → durch Auflösung aller Gestalt
• Tun → durch Loslassen allen Tuns

Dies zeigt:
Das Ursprüngliche
wird nicht erreicht,
sondern freigelegt.

4. Zwei Bewegungen: Rückkehr und Verstrickung

Der Text unterscheidet klar:
• Lehre als Rückkehr zum Wirklichen
• Lehre als Darstellung von Verirrung

Höllen- und Dämonenlehren
sind keine Drohkulissen,
sondern Landkarten der Verkennung.

5. Bedingung des Erwachens

Zwei Voraussetzungen werden benannt:
1. Einsicht in die wirkliche Gestalt
2. Durchbrechen der trügerischen Staubwelten

Beides ist notwendig.
Ohne Klarheit bleibt Mitgefühl blind,
ohne Auflösung bleibt Erkenntnis abstrakt.

6. Zeitlose Diagnose

Die abschließende Klage,
dass nur wenige dies erkennen,
ist keine Elitenbehauptung,
sondern eine nüchterne Beobachtung:
Was nicht verwertbar,
nicht optimierbar
und nicht identitätsstiftend ist,
wird leicht übergangen.

Das Śurangama richtet sich
nicht an Suchende nach Trost,
sondern an jene,
die bereit sind,
Verblendung vollständig zu verlieren.
中文原文
如來謂斯經可以鼓吹乎群心、開決乎佛性,爰集大眾會于室羅筏城,天龍鬼神共覃斯教。嗚呼!三界以五欲而成,故摩登伽以宣淫為發題之始也;眾生以愛纏而起,故阿難以破惑為成道之基也。是以論有心則以無心為攝,悲有生則以無生為誘,談有相則破一切色境為主,示有作則脫一切煩惱為樂,此蓋覺虛妄而歸真實也。至若舉三十六地獄之因果、十鬼十類之緣業,此蓋昧真實而起虛妄也。不明實相無以煥菩提之心,不破妄塵無以悟眾生之性,是法微妙,知之者亦已鮮矣;能深究於此復廣其利於天下,余見其。
Deutsch
Der Tathāgata sagte,
dass dieses Sutra
die Herzen der Vielzahl
wachrütteln
und den Zugang zur Buddha-Natur öffnen könne.
Deshalb versammelte er
die große Gemeinschaft
in Śrāvastī,
und Götter, Nāgas,
Geister und Schutzwesen
hörten gemeinsam diese Lehre.

Ach!
Die drei Daseinsbereiche
werden durch die fünf Sinnesbegierden gebildet;
daher setzt Mātaṅgī
die Offenlegung sexueller Verstrickung
an den Anfang des Themas.
Die Lebewesen
entstehen aus Liebesverhaftung;
daher nimmt Ānanda
das Durchbrechen der Verblendung
als Grundlage des Weges.

So gilt:
Spricht man vom Geist,
so wird das Nicht-Geistige
als umfassender Horizont verwendet;
spricht man vom Geborenen,
so wird das Ungeborene
als führender Anreiz gesetzt;
spricht man von Gestalt,
so wird das Durchbrechen
aller Formbereiche
zum Hauptprinzip;
spricht man von Handeln,
so wird das Ablösen
aller Leidenschaften
als Freude aufgezeigt.
Dies bedeutet,
das Trügerische zu erkennen
und zum Wirklichen zurückzukehren.

Wenn hingegen
die karmischen Ursachen und Wirkungen
der sechsunddreißig Höllen
sowie die Bedingungen
der zehn Dämonen
und zehn Arten entfaltet werden,
so ist dies ein Darlegen dessen,
wie aus Verkennung des Wirklichen
das Trügerische entsteht.

Ohne Einsicht
in die wirkliche Erscheinungsweise
kann das Bodhi-Herz
nicht erstrahlen;
ohne das Durchbrechen
der trügerischen Staubobjekte
kann die Natur der Lebewesen
nicht erkannt werden.
Diese Lehre ist äußerst subtil;
jene, die sie erkennen,
sind sehr wenige.
Wer sie tiefgründig erfasst
und ihren Nutzen
weit in der Welt entfaltet —
einen solchen habe ich noch nicht gesehen.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine hermeneutische Gebrauchsanweisung für das gesamte Śurangama-Sutra. Er erklärt nicht Inhalte, sondern die pädagogische Dramaturgie der Lehre.

1. Aufrütteln statt Belehren

Das Sutra soll die Herzen „aufwecken“, nicht informieren.
Erwachen geschieht hier nicht durch Wissenszuwachs,
sondern durch Erschütterung gewohnter Selbstdeutung.

Darum wird das Sutra öffentlich verkündet —
kosmisch adressiert,
nicht privat vermittelt.

2. Begehren als Einstieg, nicht als Thema

Dass die Erzählung mit sexueller Verstrickung beginnt,
ist keine Morallehre,
sondern eine didaktische Wahl:
Begehren ist die unmittelbarste,
für niemanden abstrakte Bindungsform.

Der Text setzt dort an,
wo Verblendung unübersehbar ist.

3. Geist wird durch Geistlosigkeit erschlossen

Die paradoxe Struktur ist zentral:
• Geist → durch Geistlosigkeit
• Geborenes → durch Ungeborenes
• Gestalt → durch Auflösung aller Gestalt
• Tun → durch Loslassen allen Tuns

Dies zeigt:
Das Ursprüngliche
wird nicht erreicht,
sondern freigelegt.

4. Zwei Bewegungen: Rückkehr und Verstrickung

Der Text unterscheidet klar:
• Lehre als Rückkehr zum Wirklichen
• Lehre als Darstellung von Verirrung

Höllen- und Dämonenlehren
sind keine Drohkulissen,
sondern Landkarten der Verkennung.

5. Bedingung des Erwachens

Zwei Voraussetzungen werden benannt:
1. Einsicht in die wirkliche Gestalt
2. Durchbrechen der trügerischen Staubwelten

Beides ist notwendig.
Ohne Klarheit bleibt Mitgefühl blind,
ohne Auflösung bleibt Erkenntnis abstrakt.

6. Zeitlose Diagnose

Die abschließende Klage,
dass nur wenige dies erkennen,
ist keine Elitenbehauptung,
sondern eine nüchterne Beobachtung:
Was nicht verwertbar,
nicht optimierbar
und nicht identitätsstiftend ist,
wird leicht übergangen.

Das Śurangama richtet sich
nicht an Suchende nach Trost,
sondern an jene,
die bereit sind,
Verblendung vollständig zu verlieren.
3 #
[2]大佛頂如來萬行首楞嚴經序
趙宋泉南沙門釋祖[A1]派述
至心歸命禮南謨無見頂相首楞嚴王。圓如來之密因,具菩薩之萬行,真修行路,妙證悟門,大乘義以了明,一切事而究竟。爰自祇園休夏聖王延齋,紫金光聚耀十方,迦陵仙音流法界,恒沙薩埵咸來咨決心疑,闔國王臣畢集願聞法要。
Zweiter Prolog zum Großen Buddha-Gipfel-Tathāgata-Śūraṅgama-Sūtra der zehntausend Praktiken

Dargelegt von dem Mönch Shì Zǔpài aus Quánnán zur Zeit der Song-Dynastie

Mit ganzem Herzen
nehme ich Zuflucht
und erweise Verehrung
dem Śūraṅgama-König
mit dem unsichtbaren Scheitelzeichen.

Dieses Sutra
vervollständigt
das geheime Ursachenprinzip
des Tathāgata,
umfasst
die zehntausend Übungsweisen
der Bodhisattvas,
ist der wahre Weg der Praxis
und das wunderbare Tor der Verwirklichung.
Die Lehre des Großen Fahrzeugs
wird darin vollständig erhellt,
alle Bereiche
werden zur letzten Vollendung geführt.

Seit jener Begebenheit,
als im Jetavana
während der Sommerklausur
der heilige König
ein Mahl darbot,
sammelte sich purpurn-goldenes Licht
und erstrahlte in die zehn Richtungen;
der wunderbare Klang
der Kalaviṅka
durchströmte die gesamte Dharma-Welt.
Unzählige Wesen,
so zahlreich wie Sandkörner,
kamen herbei,
um Zweifel ihres Geistes
klären zu lassen;
Könige und Minister
des ganzen Reiches
versammelten sich vollständig,
um die wesentlichen Kernpunkte
der Lehre zu hören.
Kommentar öffnen
Dieser zweite Prolog verschiebt den Akzent deutlich:
von der diagnostischen Einordnung des Sutras
hin zu seiner rituellen und existenziellen Verankerung.

1. Verehrung als Ausrichtung, nicht als Kult

Die einleitende Zuflucht ist keine devotional-emotionale Geste,
sondern eine Ausrichtung des Geistes:
Anerkennung dessen,
was nicht sichtbar,
nicht greifbar
und nicht objektivierbar ist
(„unsichtbares Scheitelzeichen“).

Verehrung meint hier:
sich dem Ursprünglichen öffnen,
ohne es festzulegen.

2. Geheime Ursache statt äußerer Methode

Das Sutra wird als Vollendung des „geheimen Ursacheprinzips“ beschrieben.
Damit ist nicht etwas Verborgen-Esoterisches gemeint,
sondern das,
was vor aller Praxis liegt.

Übung ist nicht Mittel zum Ziel,
sondern Ausdruck
eines bereits wirksamen Ursprungs.

3. Einheit von Pfad und Verwirklichung

„Wahrer Pfad der Übung“
und „Tor der Verwirklichung“
werden nicht getrennt:
Der Weg ist bereits das Tor.

Dies korrigiert subtil jede Vorstellung,
man müsse sich erst „würdig machen“,
um Einsicht zu erlangen.

4. Kosmische Szene als Spiegel des Inneren

Die geschilderte Versammlung —
Licht, Klang, Wesen, Könige —
ist weniger historische Chronik
als Symbol einer offenen Ordnung:

Wo das Ursprüngliche berührt wird,
ordnet sich das Viele,
ohne Zwang,
ohne Zentrum.

5. Moderne Lesart

In heutiger Sprache:
Dieses Sutra setzt nicht auf Überzeugung,
sondern auf Resonanz.

Nicht Argumente versammeln die Vielen,
sondern die Klarheit eines nicht-erzeugten Grundes.

Darum kommen Zweifelnde,
Herrschende und Hörende gleichermaßen:
nicht um bestätigt zu werden,
sondern um sich ausrichten zu lassen.

Exkurs: Die „geheime Ursache“ (密因) im Śurangama

1. Was „Ursache“ hier nicht bedeutet

Das Wort Ursache ist hier leicht missverständlich, wenn es modern-kausal gelesen wird.

密因 meint nicht:
• einen zeitlichen Anfang
• eine verborgene metaphysische Entität
• einen ersten Auslöser im Sinne einer Kette

Das Śurangama spricht nicht von einer Ursache, die etwas hervorbringt,
sondern von einem Grund, aus dem nichts erzeugt wird – und gerade deshalb alles möglich ist.

Darum ist diese Ursache „geheim“:
nicht weil sie verborgen wäre,
sondern weil sie nicht objektivierbar ist.



2. 密因 als nicht-erzeugter Grund (本然)

Die geheime Ursache ist der nicht-erzeugte Grund,
der allem Wirken vorausliegt,
ohne selbst zu wirken.

Sie ist:
• nicht gemacht
• nicht erlangt
• nicht verloren
• nicht zu verbessern

Sie ist nicht natürlich (自然) im Sinne eines Zustands,
sondern ursprünglich (本然) – vor jeder Zustandsbildung.



3. Warum sie „Ursache“ genannt wird

Warum nennt der Text diesen Grund dennoch Ursache?

Weil:
• alles Verstricken aus Verkennung dieses Grundes entsteht
• alles Erwachen aus dem Wiedererkennen dieses Grundes geschieht

Nicht weil der Grund etwas tut,
sondern weil ohne ihn nichts sinnvoll erklärt werden kann.

In moderner Sprache:
Er ist kein Agent,
sondern die Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung.



4. Die geheime Ursache und Praxis

Ein zentraler Punkt des Śurangama:

Praxis erzeugt Erwachen nicht.
Praxis entfernt, was das Ursprüngliche verdeckt.

Darum:
• ist Übung kein Aufbau
• ist Reinigung kein Hinzufügen
• ist Erkenntnis kein Besitz

Die „zehntausend Praktiken“ sind nicht Wege zur Ursache,
sondern Ausdrucksformen, wenn der Geist nicht mehr gegen den Grund arbeitet.



5. Geheim – weil nicht instrumentalisierbar

密因 bleibt „geheim“, weil sie sich jeder Nutzung entzieht:

Man kann sie nicht:
• optimieren
• messen
• beschleunigen
• absichern

Sobald sie als Mittel benutzt wird,
ist sie bereits verfehlt.

Das Śurangama ist hier radikal:
Jede Spiritualität, die die Ursache haben will,
verfehlt sie notwendig.



6. Verhältnis zu Erwachen (覺)

Erwachen ist im Śurangama keine neue Einsicht,
sondern das Wegfallen der Verdeckung dieses Grundes.

Darum:
• ist Erwachen ohne Pathos
• ohne Ausnahmezustand
• ohne metaphysischen Überschuss

Es ist schlicht:
der Geist hört auf,
sich selbst zu verfehlen.



7. Moderne Spiegelung

In heutiger Begrifflichkeit ließe sich sagen:

Die geheime Ursache ist
kein metaphysischer „Grund der Welt“,
sondern die Grundlosigkeit,
die Welt erst offen hält.

Oder systemisch:
• kein Steuerzentrum
• kein Algorithmus
• kein Masterplan

sondern Transparenz ohne Lenker.



8. Warum dieses Motiv zentral ist

Mit der Einführung der 密因 entscheidet sich,
wie das gesamte Sutra gelesen werden muss:
• nicht als Morallehre
• nicht als Kosmologie
• nicht als Erlösungsversprechen

sondern als Rückführung des Geistes auf seinen nicht-erzeugten Grund.

Alles Weitere –
Hören, Sehen, Karma, Höllen, Dämonen, Befreiung –
ist Konsequenz dieser einen Klarstellung.
中文原文
[2]大佛頂如來萬行首楞嚴經序
趙宋泉南沙門釋祖[A1]派述
至心歸命禮南謨無見頂相首楞嚴王。圓如來之密因,具菩薩之萬行,真修行路,妙證悟門,大乘義以了明,一切事而究竟。爰自祇園休夏聖王延齋,紫金光聚耀十方,迦陵仙音流法界,恒沙薩埵咸來咨決心疑,闔國王臣畢集願聞法要。
Deutsch
Zweiter Prolog zum Großen Buddha-Gipfel-Tathāgata-Śūraṅgama-Sūtra der zehntausend Praktiken

Dargelegt von dem Mönch Shì Zǔpài aus Quánnán zur Zeit der Song-Dynastie

Mit ganzem Herzen
nehme ich Zuflucht
und erweise Verehrung
dem Śūraṅgama-König
mit dem unsichtbaren Scheitelzeichen.

Dieses Sutra
vervollständigt
das geheime Ursachenprinzip
des Tathāgata,
umfasst
die zehntausend Übungsweisen
der Bodhisattvas,
ist der wahre Weg der Praxis
und das wunderbare Tor der Verwirklichung.
Die Lehre des Großen Fahrzeugs
wird darin vollständig erhellt,
alle Bereiche
werden zur letzten Vollendung geführt.

Seit jener Begebenheit,
als im Jetavana
während der Sommerklausur
der heilige König
ein Mahl darbot,
sammelte sich purpurn-goldenes Licht
und erstrahlte in die zehn Richtungen;
der wunderbare Klang
der Kalaviṅka
durchströmte die gesamte Dharma-Welt.
Unzählige Wesen,
so zahlreich wie Sandkörner,
kamen herbei,
um Zweifel ihres Geistes
klären zu lassen;
Könige und Minister
des ganzen Reiches
versammelten sich vollständig,
um die wesentlichen Kernpunkte
der Lehre zu hören.
Kommentar
Dieser zweite Prolog verschiebt den Akzent deutlich:
von der diagnostischen Einordnung des Sutras
hin zu seiner rituellen und existenziellen Verankerung.

1. Verehrung als Ausrichtung, nicht als Kult

Die einleitende Zuflucht ist keine devotional-emotionale Geste,
sondern eine Ausrichtung des Geistes:
Anerkennung dessen,
was nicht sichtbar,
nicht greifbar
und nicht objektivierbar ist
(„unsichtbares Scheitelzeichen“).

Verehrung meint hier:
sich dem Ursprünglichen öffnen,
ohne es festzulegen.

2. Geheime Ursache statt äußerer Methode

Das Sutra wird als Vollendung des „geheimen Ursacheprinzips“ beschrieben.
Damit ist nicht etwas Verborgen-Esoterisches gemeint,
sondern das,
was vor aller Praxis liegt.

Übung ist nicht Mittel zum Ziel,
sondern Ausdruck
eines bereits wirksamen Ursprungs.

3. Einheit von Pfad und Verwirklichung

„Wahrer Pfad der Übung“
und „Tor der Verwirklichung“
werden nicht getrennt:
Der Weg ist bereits das Tor.

Dies korrigiert subtil jede Vorstellung,
man müsse sich erst „würdig machen“,
um Einsicht zu erlangen.

4. Kosmische Szene als Spiegel des Inneren

Die geschilderte Versammlung —
Licht, Klang, Wesen, Könige —
ist weniger historische Chronik
als Symbol einer offenen Ordnung:

Wo das Ursprüngliche berührt wird,
ordnet sich das Viele,
ohne Zwang,
ohne Zentrum.

5. Moderne Lesart

In heutiger Sprache:
Dieses Sutra setzt nicht auf Überzeugung,
sondern auf Resonanz.

Nicht Argumente versammeln die Vielen,
sondern die Klarheit eines nicht-erzeugten Grundes.

Darum kommen Zweifelnde,
Herrschende und Hörende gleichermaßen:
nicht um bestätigt zu werden,
sondern um sich ausrichten zu lassen.

Exkurs: Die „geheime Ursache“ (密因) im Śurangama

1. Was „Ursache“ hier nicht bedeutet

Das Wort Ursache ist hier leicht missverständlich, wenn es modern-kausal gelesen wird.

密因 meint nicht:
• einen zeitlichen Anfang
• eine verborgene metaphysische Entität
• einen ersten Auslöser im Sinne einer Kette

Das Śurangama spricht nicht von einer Ursache, die etwas hervorbringt,
sondern von einem Grund, aus dem nichts erzeugt wird – und gerade deshalb alles möglich ist.

Darum ist diese Ursache „geheim“:
nicht weil sie verborgen wäre,
sondern weil sie nicht objektivierbar ist.



2. 密因 als nicht-erzeugter Grund (本然)

Die geheime Ursache ist der nicht-erzeugte Grund,
der allem Wirken vorausliegt,
ohne selbst zu wirken.

Sie ist:
• nicht gemacht
• nicht erlangt
• nicht verloren
• nicht zu verbessern

Sie ist nicht natürlich (自然) im Sinne eines Zustands,
sondern ursprünglich (本然) – vor jeder Zustandsbildung.



3. Warum sie „Ursache“ genannt wird

Warum nennt der Text diesen Grund dennoch Ursache?

Weil:
• alles Verstricken aus Verkennung dieses Grundes entsteht
• alles Erwachen aus dem Wiedererkennen dieses Grundes geschieht

Nicht weil der Grund etwas tut,
sondern weil ohne ihn nichts sinnvoll erklärt werden kann.

In moderner Sprache:
Er ist kein Agent,
sondern die Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung.



4. Die geheime Ursache und Praxis

Ein zentraler Punkt des Śurangama:

Praxis erzeugt Erwachen nicht.
Praxis entfernt, was das Ursprüngliche verdeckt.

Darum:
• ist Übung kein Aufbau
• ist Reinigung kein Hinzufügen
• ist Erkenntnis kein Besitz

Die „zehntausend Praktiken“ sind nicht Wege zur Ursache,
sondern Ausdrucksformen, wenn der Geist nicht mehr gegen den Grund arbeitet.



5. Geheim – weil nicht instrumentalisierbar

密因 bleibt „geheim“, weil sie sich jeder Nutzung entzieht:

Man kann sie nicht:
• optimieren
• messen
• beschleunigen
• absichern

Sobald sie als Mittel benutzt wird,
ist sie bereits verfehlt.

Das Śurangama ist hier radikal:
Jede Spiritualität, die die Ursache haben will,
verfehlt sie notwendig.



6. Verhältnis zu Erwachen (覺)

Erwachen ist im Śurangama keine neue Einsicht,
sondern das Wegfallen der Verdeckung dieses Grundes.

Darum:
• ist Erwachen ohne Pathos
• ohne Ausnahmezustand
• ohne metaphysischen Überschuss

Es ist schlicht:
der Geist hört auf,
sich selbst zu verfehlen.



7. Moderne Spiegelung

In heutiger Begrifflichkeit ließe sich sagen:

Die geheime Ursache ist
kein metaphysischer „Grund der Welt“,
sondern die Grundlosigkeit,
die Welt erst offen hält.

Oder systemisch:
• kein Steuerzentrum
• kein Algorithmus
• kein Masterplan

sondern Transparenz ohne Lenker.



8. Warum dieses Motiv zentral ist

Mit der Einführung der 密因 entscheidet sich,
wie das gesamte Sutra gelesen werden muss:
• nicht als Morallehre
• nicht als Kosmologie
• nicht als Erlösungsversprechen

sondern als Rückführung des Geistes auf seinen nicht-erzeugten Grund.

Alles Weitere –
Hören, Sehen, Karma, Höllen, Dämonen, Befreiung –
ist Konsequenz dieser einen Klarstellung.
4 #
教由緣起,阿難被溺於婬坊,道假人弘,師利承宣於祕呪。由是七處徵心,全是妄性淨元明;八還顯見,本來真覺圓常住。標迷悟之根本,令諸闡提而墮彌戾車;示同別之狂勞,俾一顛迦而摧惡叉聚。富樓那執相難性,四緣本紀於異同;波斯匿惑斷為常,一念元無於生滅。
Die Lehre entfaltet sich
aus dem Prinzip des bedingten Entstehens.
Ānanda geriet in Verstrickung,
weil er im Haus der Sinneslust gefangen war;
doch der Weg
bedarf der Weitergabe durch Menschen,
und Mañjuśrī übernahm
die Verkündigung des geheimen Mantras.

Darauf folgen:
die sieben Orte,
an denen der Geist befragt wird —
sie legen vollständig
die trügerische Geist-Natur
und das reine, ursprüngliche Leuchten offen.
Die achtfache Rückführung des Sehens
enthüllt,
dass das wahre Erwachen
ursprünglich rund,
vollständig
und beständig gegenwärtig ist.

So wird
die Wurzel von Verblendung und Erwachen
klar aufgezeigt,
wodurch jene,
die das Gute grundlos verwerfen (Icchantikas),
in falsche Pfade abgleiten;
so wird
der erschöpfende Irrsinn
von Gleichsetzung und Trennung
offengelegt,
sodass einseitige Verhärtung
die Anhäufung
des zerstörerischen Karmas zerschlägt.

Pūrṇa haftet an Erscheinungen
und befragt die Natur;
die vier Bedingungen
werden in ihren Grundlagen
als Spiel von Gleichheit und Verschiedenheit dargelegt.
König Prasenajit
verkennt Abbruch als Beständigkeit;
doch in einem einzigen Gedanken
ist von jeher
kein Entstehen
und kein Vergehen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine komprimierte Landkarte des gesamten Sutras. In wenigen Zeilen werden nahezu alle Hauptbewegungen des Śurangama angedeutet.

1. Bedingtheit als Bühne, nicht als Ursache

„Die Lehre entsteht aus Bedingtheit“ bedeutet nicht,
dass Wahrheit bedingt wäre,
sondern dass sie nur dort wirksam wird,
wo Bedingtheit erkannt wird.

Bedingtes Erleben ist die Bühne,
nicht der Ursprung.

2. Ananda: moralischer Fehltritt als Erkenntnistor

Ānandas Verstrickung ist kein persönliches Versagen,
sondern der didaktische Einstieg:
Verblendung beginnt nicht im Denken,
sondern im unbemerkten Mitschwingen des Begehrens.

Darum folgt auf Gefahr
nicht Tadel,
sondern Offenlegung.

3. Menschliche Weitergabe statt automatischer Wahrheit

„Der Weg bedarf des Menschen“ ist zentral:
Wahrheit wirkt nicht von selbst.
Sie braucht Verkörperung, Sprache, Verantwortung.

Darum tritt Manjushri auf —
nicht als Retter,
sondern als Träger der Ausrichtung.

4. Siebenfaches Fragen, achtfache Rückführung

Die sieben Orte der Geistsuche
zerlegen jede Annahme,
wo Geist lokalisiert sein könnte.
Die achtfache Rückführung des Sehens
kehrt nicht zu einem Objekt zurück,
sondern löst die falsche Blickrichtung auf.

Beides dient einem Ziel:
die Freilegung des ursprünglichen Grundes.

5. Verblendung und Erwachen: eine Wurzel

Das Sutra markiert hier klar:
Verblendung und Erwachen
haben nicht zwei Ursprünge.
Sie unterscheiden sich nicht im Sein,
sondern in der Blickrichtung.

6. Gleichheit und Trennung als Grundirrtum

Der „Wahnsinn von Gleich und Verschieden“
ist hochaktuell:
Identität entsteht dort,
wo entweder alles gleichgemacht
oder absolut getrennt wird.

Beides erschöpft den Geist.

7. Zeit, Dauer und ein Gedanke

Prasenajits Irrtum ist subtil:
Er hält Aufhören für Dauer.
Das Sutra antwortet radikal:
In einem einzigen Gedanken
gibt es von jeher
kein Entstehen und Vergehen.

Zeit ist kein Problem der Dauer,
sondern der falschen Zuschreibung.
中文原文
教由緣起,阿難被溺於婬坊,道假人弘,師利承宣於祕呪。由是七處徵心,全是妄性淨元明;八還顯見,本來真覺圓常住。標迷悟之根本,令諸闡提而墮彌戾車;示同別之狂勞,俾一顛迦而摧惡叉聚。富樓那執相難性,四緣本紀於異同;波斯匿惑斷為常,一念元無於生滅。
Deutsch
Die Lehre entfaltet sich
aus dem Prinzip des bedingten Entstehens.
Ānanda geriet in Verstrickung,
weil er im Haus der Sinneslust gefangen war;
doch der Weg
bedarf der Weitergabe durch Menschen,
und Mañjuśrī übernahm
die Verkündigung des geheimen Mantras.

Darauf folgen:
die sieben Orte,
an denen der Geist befragt wird —
sie legen vollständig
die trügerische Geist-Natur
und das reine, ursprüngliche Leuchten offen.
Die achtfache Rückführung des Sehens
enthüllt,
dass das wahre Erwachen
ursprünglich rund,
vollständig
und beständig gegenwärtig ist.

So wird
die Wurzel von Verblendung und Erwachen
klar aufgezeigt,
wodurch jene,
die das Gute grundlos verwerfen (Icchantikas),
in falsche Pfade abgleiten;
so wird
der erschöpfende Irrsinn
von Gleichsetzung und Trennung
offengelegt,
sodass einseitige Verhärtung
die Anhäufung
des zerstörerischen Karmas zerschlägt.

Pūrṇa haftet an Erscheinungen
und befragt die Natur;
die vier Bedingungen
werden in ihren Grundlagen
als Spiel von Gleichheit und Verschiedenheit dargelegt.
König Prasenajit
verkennt Abbruch als Beständigkeit;
doch in einem einzigen Gedanken
ist von jeher
kein Entstehen
und kein Vergehen.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine komprimierte Landkarte des gesamten Sutras. In wenigen Zeilen werden nahezu alle Hauptbewegungen des Śurangama angedeutet.

1. Bedingtheit als Bühne, nicht als Ursache

„Die Lehre entsteht aus Bedingtheit“ bedeutet nicht,
dass Wahrheit bedingt wäre,
sondern dass sie nur dort wirksam wird,
wo Bedingtheit erkannt wird.

Bedingtes Erleben ist die Bühne,
nicht der Ursprung.

2. Ananda: moralischer Fehltritt als Erkenntnistor

Ānandas Verstrickung ist kein persönliches Versagen,
sondern der didaktische Einstieg:
Verblendung beginnt nicht im Denken,
sondern im unbemerkten Mitschwingen des Begehrens.

Darum folgt auf Gefahr
nicht Tadel,
sondern Offenlegung.

3. Menschliche Weitergabe statt automatischer Wahrheit

„Der Weg bedarf des Menschen“ ist zentral:
Wahrheit wirkt nicht von selbst.
Sie braucht Verkörperung, Sprache, Verantwortung.

Darum tritt Manjushri auf —
nicht als Retter,
sondern als Träger der Ausrichtung.

4. Siebenfaches Fragen, achtfache Rückführung

Die sieben Orte der Geistsuche
zerlegen jede Annahme,
wo Geist lokalisiert sein könnte.
Die achtfache Rückführung des Sehens
kehrt nicht zu einem Objekt zurück,
sondern löst die falsche Blickrichtung auf.

Beides dient einem Ziel:
die Freilegung des ursprünglichen Grundes.

5. Verblendung und Erwachen: eine Wurzel

Das Sutra markiert hier klar:
Verblendung und Erwachen
haben nicht zwei Ursprünge.
Sie unterscheiden sich nicht im Sein,
sondern in der Blickrichtung.

6. Gleichheit und Trennung als Grundirrtum

Der „Wahnsinn von Gleich und Verschieden“
ist hochaktuell:
Identität entsteht dort,
wo entweder alles gleichgemacht
oder absolut getrennt wird.

Beides erschöpft den Geist.

7. Zeit, Dauer und ein Gedanke

Prasenajits Irrtum ist subtil:
Er hält Aufhören für Dauer.
Das Sutra antwortet radikal:
In einem einzigen Gedanken
gibt es von jeher
kein Entstehen und Vergehen.

Zeit ist kein Problem der Dauer,
sondern der falschen Zuschreibung.
5 #
妙明覺體,非因非緣非自然;精真見元,不合不和不離即。以至六根虛妄無非菩提妙心,七大遍周盡是如來藏性。三緣永斷,不迷鏡裏之頭;二義斯明,頓悟衣中之寶;金鐘擊處,聲滅而聞自不消。華㲲綰時,六忘而一不可得。譬夫天王賜屋,二十五聖而各陳悟入之門;遠客遊方,十河沙眾而盡識歸還之路。勅文殊之揀選,誰當其根;指觀音之圓通,實從中入。
Die wunderbare, klare Substanz des Erwachens
ist weder aus Ursache
noch aus Bedingung entstanden,
auch nicht natürlich.
Der reine, wahre Ursprung des Sehens
ist weder verbunden noch vermischt,
weder getrennt
noch identisch.

Daraus folgt:
Die sechs Sinnesgrundlagen
sind in ihrer trügerischen Erscheinung
ohne Ausnahme
das wunderbare Herz des Erwachens;
die sieben großen Elemente
durchdringen den gesamten Bereich
und sind vollständig
die Natur des Tathāgata-Speichers.

Wenn die drei Bedingungen
endgültig abgeschnitten sind,
verirrt man sich nicht mehr
im Spiegelbild des Kopfes.
Wenn die zwei Bedeutungen
klar geworden sind,
erfolgt plötzliches Erwachen
zum Juwel im eigenen Gewand.

Beim Schlag der goldenen Glocke
vergeht der Klang,
doch das Hören selbst
vergeht nicht.
Beim Binden des Blumengewindes
werden die sechs vergessen,
doch das Eine
ist nicht greifbar.

Wie wenn der Himmelskönig
ein Haus verleiht
und die fünfundzwanzig Heiligen
jeweils ihr eigenes Tor
des Erwachens darlegen;
wie wenn ein weit gereister Gast
in fremden Ländern umherzieht
und zahllose Wesen
allesamt den Weg der Heimkehr erkennen.

So wird Mañjuśrī beauftragt,
die Wurzeln zu unterscheiden
und auszuwählen;
und Avalokiteśvara
wird als vollkommene Durchdringung bezeichnet:
tatsächlich erfolgt
der Eintritt
durch die Mitte.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die ontologische Verdichtung des gesamten Śurangama. Hier wird nicht mehr argumentiert, sondern zusammengezogen.

1. Jenseits aller Erklärungsmodelle

Die Negationen sind präzise:
nicht Ursache,
nicht Bedingung,
nicht natürlich.

Damit wird jede ontologische Erklärung zurückgewiesen.
Der ursprüngliche Grund ist nicht erklärbar,
weil er vor allen Erklärungen liegt.

2. Sehen ohne Beziehung

„Nicht vereint, nicht getrennt“ verweigert jede relationale Ontologie.
Erkennen ist hier kein Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt,
sondern das Wegfallen dieser Struktur.

3. Sinneswelt als Ort des Erwachens

Radikal ist die Aussage:
Die sechs Sinne sind nichts anderes
als Erwachen selbst.

Nicht trotz ihrer Trügerischkeit,
sondern in ihr.

Damit wird jede Weltflucht unterlaufen.

4. Tathagata-Speicher ohne Metaphysik

Die sieben großen Bereiche sind nicht in etwas enthalten,
sondern sind selbst Ausdruck des Ursprünglichen.

Der Tathagata-Speicher ist kein Behälter,
sondern die Offenheit aller Erscheinung.

5. Drei Bedingungen, zwei Bedeutungen

Die „drei Bedingungen“ stehen für kausales Verhaften.
Die „zwei Bedeutungen“ für Sein und Nichtsein.

Beides wird nicht ersetzt,
sondern durchschaut.

6. Beispiele ohne Mystik

Glocke, Klang, Hören:
Erfahrung vergeht,
Gewahrsein nicht.

Blumengewinde, sechs, eins:
Wenn die Vielfalt fällt,
bleibt kein greifbares Eins zurück.

7. Viele Tore, ein Eintritt

Die fünfundzwanzig Tore zeigen Vielfalt der Wege.
Doch der Text ist eindeutig:
Der tatsächliche Eintritt
geschieht durch die Mitte.

Nicht durch Auswahl,
sondern durch Nicht-Verfehlung.

8. Guanyin als paradigmatische Klarheit

Avalokiteshvara steht hier nicht für Mitgefühl allein,
sondern für eine Praxis ohne Umweg:
Hören kehrt sich auf sich selbst zurück
– ohne Objekt, ohne Zentrum.

Darum ist diese Durchdringung
nicht exemplarisch,
sondern maßgeblich.

空・假・中 im Śurangama – keine Lehre, sondern eine Blickbewegung

1. 空 – Leere als Nicht-Feststellbarkeit

Im Śurangama bedeutet 空 nicht:
• Nichts
• Abwesenheit
• Negation der Welt

空 heißt hier:

Kein Phänomen besitzt einen eigenständigen, fixierbaren Kern.

Darum die radikalen Negationen:
• nicht Ursache
• nicht Bedingung
• nicht natürlich
• nicht verbunden, nicht getrennt

Leere ist kein Zustand,
sondern die Auflösung jedes Erklärungsanspruchs.

Im Text:

妙明覺體,非因非緣非自然

Der wunderbar klare Grund des Erwachens
entzieht sich jedem Herkunftsmodell.

👉 空 = Der ursprüngliche Grund ist nicht greifbar, nicht begründbar, nicht erzeugt.



2. 假 – Erscheinung als funktionale Wirklichkeit

假 wird oft missverstanden als „bloßer Schein“.
Im Śurangama bedeutet 假:

Erscheinungen sind wirksam, aber nicht selbstbegründet.

Darum sagt der Text zugleich:
• Die sechs Sinne sind trügerisch
• und nichts anderes als Erwachen
• Die sieben Bereiche durchdringen alles
• und sind Tathagata-Speicher-Natur

Das ist entscheidend:

假 ist nicht falsch –
falsch ist, es für letztgültig zu halten.

Erscheinung ist:
• relational
• situationsabhängig
• funktional
• leer von Eigenwesen

👉 假 = Welt als Bühne des Wirkens, nicht als Substanz.



3. 中 – die Mitte als Nicht-Verfehlung

中 ist keine Mischung aus 空 und 假
und keine dritte metaphysische Instanz.

中 bedeutet im Śurangama:

Nicht in Leere fallen
und nicht an Erscheinung haften.

Darum:
• nicht Ursache, nicht Bedingung
• und doch: Sinneswelt = Erwachen
• Klang vergeht, Hören nicht
• Vielfalt fällt, kein Eins bleibt

Mitte ist hier:

die unhintergehbare Funktionsklarheit des Ursprünglichen

Nicht jenseits der Welt,
nicht innerhalb der Welt,
sondern als Welt unverfehlt.

👉 中 = Der ursprüngliche Grund wirkt, ohne sich zu vergegenständlichen.



4. Warum das Śurangama nicht bei 空 stehen bleibt

Viele Lehren enden bei 空:
• Alles ist leer
• Alles ist Täuschung

Das Śurangama geht darüber hinaus, weil es sieht:

Wer an Leere haftet, erzeugt eine neue Fixierung.

Darum:
• sechs Sinne = Erwachen
• sieben Bereiche = Tathagata-Speicher

Nicht trotz der Welt,
sondern als Welt.

Das ist 中.



5. 空假中 als eine einzige Bewegung

Im Śurangama sind 空・假・中 keine drei Thesen, sondern drei Momente eines einzigen Durchschauens:
1. 空
→ nichts hat eigenständigen Grund
2. 假
→ alles wirkt in Abhängigkeit
3. 中
→ dieses Wirken ist der Ort des Erwachens

Nicht nacheinander,
sondern ineins.



6. Warum Guanyin „durch die Mitte eintritt“

Darum heißt es:

實從中入

Guanyins Methode:
• nicht Weltverneinung (空-Fixierung)
• nicht Weltbejahung (假-Verhaftung)
• sondern Rückführung des Hörens

Hören:
• geschieht (假)
• ohne festen Ursprung (空)
• und wirkt als Durchdringung (中)

Darum ist diese Methode paradigmatisch.



7. Moderne Spiegelung (ohne Psychologisierung)

In heutiger Sprache:
• 空: kein festes Selbstmodell
• 假: funktionale Rollen, Wahrnehmungen, Systeme
• 中: handlungsfähig ohne Identifikation

Nicht:

„Ich bin nichts“

sondern:

Ich muss nichts festhalten,
damit alles klar wirken kann.



8. Warum dieses Dreieck das ganze Sutra trägt

Alles Weitere im Śurangama –
Karma, Höllen, Dämonen, Praxis, Zeit, Sinnestore –
ist konsequent aus 空・假・中 entfaltet.

Nicht als Philosophie,
sondern als Anleitung zur Nicht-Verfehlung des Ursprünglichen.
中文原文
妙明覺體,非因非緣非自然;精真見元,不合不和不離即。以至六根虛妄無非菩提妙心,七大遍周盡是如來藏性。三緣永斷,不迷鏡裏之頭;二義斯明,頓悟衣中之寶;金鐘擊處,聲滅而聞自不消。華㲲綰時,六忘而一不可得。譬夫天王賜屋,二十五聖而各陳悟入之門;遠客遊方,十河沙眾而盡識歸還之路。勅文殊之揀選,誰當其根;指觀音之圓通,實從中入。
Deutsch
Die wunderbare, klare Substanz des Erwachens
ist weder aus Ursache
noch aus Bedingung entstanden,
auch nicht natürlich.
Der reine, wahre Ursprung des Sehens
ist weder verbunden noch vermischt,
weder getrennt
noch identisch.

Daraus folgt:
Die sechs Sinnesgrundlagen
sind in ihrer trügerischen Erscheinung
ohne Ausnahme
das wunderbare Herz des Erwachens;
die sieben großen Elemente
durchdringen den gesamten Bereich
und sind vollständig
die Natur des Tathāgata-Speichers.

Wenn die drei Bedingungen
endgültig abgeschnitten sind,
verirrt man sich nicht mehr
im Spiegelbild des Kopfes.
Wenn die zwei Bedeutungen
klar geworden sind,
erfolgt plötzliches Erwachen
zum Juwel im eigenen Gewand.

Beim Schlag der goldenen Glocke
vergeht der Klang,
doch das Hören selbst
vergeht nicht.
Beim Binden des Blumengewindes
werden die sechs vergessen,
doch das Eine
ist nicht greifbar.

Wie wenn der Himmelskönig
ein Haus verleiht
und die fünfundzwanzig Heiligen
jeweils ihr eigenes Tor
des Erwachens darlegen;
wie wenn ein weit gereister Gast
in fremden Ländern umherzieht
und zahllose Wesen
allesamt den Weg der Heimkehr erkennen.

So wird Mañjuśrī beauftragt,
die Wurzeln zu unterscheiden
und auszuwählen;
und Avalokiteśvara
wird als vollkommene Durchdringung bezeichnet:
tatsächlich erfolgt
der Eintritt
durch die Mitte.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die ontologische Verdichtung des gesamten Śurangama. Hier wird nicht mehr argumentiert, sondern zusammengezogen.

1. Jenseits aller Erklärungsmodelle

Die Negationen sind präzise:
nicht Ursache,
nicht Bedingung,
nicht natürlich.

Damit wird jede ontologische Erklärung zurückgewiesen.
Der ursprüngliche Grund ist nicht erklärbar,
weil er vor allen Erklärungen liegt.

2. Sehen ohne Beziehung

„Nicht vereint, nicht getrennt“ verweigert jede relationale Ontologie.
Erkennen ist hier kein Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt,
sondern das Wegfallen dieser Struktur.

3. Sinneswelt als Ort des Erwachens

Radikal ist die Aussage:
Die sechs Sinne sind nichts anderes
als Erwachen selbst.

Nicht trotz ihrer Trügerischkeit,
sondern in ihr.

Damit wird jede Weltflucht unterlaufen.

4. Tathagata-Speicher ohne Metaphysik

Die sieben großen Bereiche sind nicht in etwas enthalten,
sondern sind selbst Ausdruck des Ursprünglichen.

Der Tathagata-Speicher ist kein Behälter,
sondern die Offenheit aller Erscheinung.

5. Drei Bedingungen, zwei Bedeutungen

Die „drei Bedingungen“ stehen für kausales Verhaften.
Die „zwei Bedeutungen“ für Sein und Nichtsein.

Beides wird nicht ersetzt,
sondern durchschaut.

6. Beispiele ohne Mystik

Glocke, Klang, Hören:
Erfahrung vergeht,
Gewahrsein nicht.

Blumengewinde, sechs, eins:
Wenn die Vielfalt fällt,
bleibt kein greifbares Eins zurück.

7. Viele Tore, ein Eintritt

Die fünfundzwanzig Tore zeigen Vielfalt der Wege.
Doch der Text ist eindeutig:
Der tatsächliche Eintritt
geschieht durch die Mitte.

Nicht durch Auswahl,
sondern durch Nicht-Verfehlung.

8. Guanyin als paradigmatische Klarheit

Avalokiteshvara steht hier nicht für Mitgefühl allein,
sondern für eine Praxis ohne Umweg:
Hören kehrt sich auf sich selbst zurück
– ohne Objekt, ohne Zentrum.

Darum ist diese Durchdringung
nicht exemplarisch,
sondern maßgeblich.

空・假・中 im Śurangama – keine Lehre, sondern eine Blickbewegung

1. 空 – Leere als Nicht-Feststellbarkeit

Im Śurangama bedeutet 空 nicht:
• Nichts
• Abwesenheit
• Negation der Welt

空 heißt hier:

Kein Phänomen besitzt einen eigenständigen, fixierbaren Kern.

Darum die radikalen Negationen:
• nicht Ursache
• nicht Bedingung
• nicht natürlich
• nicht verbunden, nicht getrennt

Leere ist kein Zustand,
sondern die Auflösung jedes Erklärungsanspruchs.

Im Text:

妙明覺體,非因非緣非自然

Der wunderbar klare Grund des Erwachens
entzieht sich jedem Herkunftsmodell.

👉 空 = Der ursprüngliche Grund ist nicht greifbar, nicht begründbar, nicht erzeugt.



2. 假 – Erscheinung als funktionale Wirklichkeit

假 wird oft missverstanden als „bloßer Schein“.
Im Śurangama bedeutet 假:

Erscheinungen sind wirksam, aber nicht selbstbegründet.

Darum sagt der Text zugleich:
• Die sechs Sinne sind trügerisch
• und nichts anderes als Erwachen
• Die sieben Bereiche durchdringen alles
• und sind Tathagata-Speicher-Natur

Das ist entscheidend:

假 ist nicht falsch –
falsch ist, es für letztgültig zu halten.

Erscheinung ist:
• relational
• situationsabhängig
• funktional
• leer von Eigenwesen

👉 假 = Welt als Bühne des Wirkens, nicht als Substanz.



3. 中 – die Mitte als Nicht-Verfehlung

中 ist keine Mischung aus 空 und 假
und keine dritte metaphysische Instanz.

中 bedeutet im Śurangama:

Nicht in Leere fallen
und nicht an Erscheinung haften.

Darum:
• nicht Ursache, nicht Bedingung
• und doch: Sinneswelt = Erwachen
• Klang vergeht, Hören nicht
• Vielfalt fällt, kein Eins bleibt

Mitte ist hier:

die unhintergehbare Funktionsklarheit des Ursprünglichen

Nicht jenseits der Welt,
nicht innerhalb der Welt,
sondern als Welt unverfehlt.

👉 中 = Der ursprüngliche Grund wirkt, ohne sich zu vergegenständlichen.



4. Warum das Śurangama nicht bei 空 stehen bleibt

Viele Lehren enden bei 空:
• Alles ist leer
• Alles ist Täuschung

Das Śurangama geht darüber hinaus, weil es sieht:

Wer an Leere haftet, erzeugt eine neue Fixierung.

Darum:
• sechs Sinne = Erwachen
• sieben Bereiche = Tathagata-Speicher

Nicht trotz der Welt,
sondern als Welt.

Das ist 中.



5. 空假中 als eine einzige Bewegung

Im Śurangama sind 空・假・中 keine drei Thesen, sondern drei Momente eines einzigen Durchschauens:
1. 空
→ nichts hat eigenständigen Grund
2. 假
→ alles wirkt in Abhängigkeit
3. 中
→ dieses Wirken ist der Ort des Erwachens

Nicht nacheinander,
sondern ineins.



6. Warum Guanyin „durch die Mitte eintritt“

Darum heißt es:

實從中入

Guanyins Methode:
• nicht Weltverneinung (空-Fixierung)
• nicht Weltbejahung (假-Verhaftung)
• sondern Rückführung des Hörens

Hören:
• geschieht (假)
• ohne festen Ursprung (空)
• und wirkt als Durchdringung (中)

Darum ist diese Methode paradigmatisch.



7. Moderne Spiegelung (ohne Psychologisierung)

In heutiger Sprache:
• 空: kein festes Selbstmodell
• 假: funktionale Rollen, Wahrnehmungen, Systeme
• 中: handlungsfähig ohne Identifikation

Nicht:

„Ich bin nichts“

sondern:

Ich muss nichts festhalten,
damit alles klar wirken kann.



8. Warum dieses Dreieck das ganze Sutra trägt

Alles Weitere im Śurangama –
Karma, Höllen, Dämonen, Praxis, Zeit, Sinnestore –
ist konsequent aus 空・假・中 entfaltet.

Nicht als Philosophie,
sondern als Anleitung zur Nicht-Verfehlung des Ursprünglichen.
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而況三無漏學,真為修習之要機,四淨律儀,實號秉持之明誨。欲誦祕密之章句,須嚴清淨之壇場,無邊積業悉氷消,一切所求皆果遂。復乃開三門之漸次,是先佛之規模;立五品之名題,作將來之眼目。良由兩種之顛倒,遂成十二之類生,歷七趣之輪迴,織五重之渾濁。於是迴千光相攬七寶床,深憐恣客迷主人,痛念認賊為己子。洗心非正,五十重之魔境現前;覺際入交,四十四之聖心超越。而後慶喜欽承於妙誨,能仁宣發於真慈,窮五陰之妄源,勝十方之獻寶。貧人七錢而布施,尚獲輪王;行者一念以流通,定登佛果。真乘奧典,祕字靈文,《大佛頂如來密因修證了義諸菩薩萬行首楞嚴經》甚深法藏。
大佛頂如來密因修證了義諸菩薩萬行首楞嚴經卷第一[1](一名中印度那蘭陀大道場經,於灌頂部錄出別行)
Erst recht gilt:
Die drei unbefleckten Schulungen
sind der eigentliche Schlüssel
für jede Übung;
die vier reinen Disziplinen
sind die klaren Anweisungen
für beständiges Bewahren.

Wer die geheimen Kapitel
und Mantra-Verse rezitieren will,
muss einen streng gereinigten Übungsraum errichten;
angesammeltes Karma ohne Grenze
löst sich dann
wie schmelzendes Eis,
und alles Ersehnte
gelangt zur Erfüllung.

Darüber hinaus
wird die stufenweise Öffnung
der drei Tore dargelegt —
dies entspricht dem Vorbild
der früheren Buddhas;
die Benennung der fünf Stufen
dient als Orientierung
für kommende Generationen.

Aufgrund zweier Arten von Verkennung
entstehen
die zwölf Klassen von Lebewesen,
sie kreisen
durch die sieben Daseinsbereiche
und verweben
die fünffachen Trübungen.

So wendet sich
das tausendfache Licht zurück
und sammelt sich
am Lager der sieben Kostbarkeiten —
aus tiefem Mitgefühl
für jene,
die als Gäste
den Hausherrn verkennen,
und aus schmerzlicher Einsicht
in jene,
die einen Dieb
für das eigene Kind halten.

Ist die Reinigung des Geistes
nicht korrekt,
manifestieren sich
die fünfzig Ebenen
dämonischer Zustände;
dringt Erwachen
in den Grenzbereich ein,
werden
die vierundvierzig heiligen Bewusstseinsstufen
überschritten.

Daraufhin nimmt
Ānanda ehrfürchtig
die wunderbare Lehre an,
der Fähige
entfaltet
wahres Mitgefühl;
er durchdringt
den trügerischen Ursprung
der fünf Aggregate
und übertrifft damit
alle Darbringungen
der zehn Richtungen.

Ein armer Mensch,
der sieben Münzen spendet,
erlangt dennoch
die Würde eines Weltenherrschers;
ein Übender,
der einen einzigen Gedanken
der Weitergabe widmet,
wird gewiss
die Frucht der Buddhaschaft erreichen.

Dies ist
das wahre Fahrzeug,
eine tiefgründige Schatzkammer,
geheime Zeichen
und wirkmächtige Worte:
das
„Große Buddha-Scheitel-Śūraṅgama-Sūtra
des Tathāgata
vom geheimen Ursacheprinzip,
von Übung und Verwirklichung,
von der endgültigen Bedeutung
und den zehntausend Praktiken
aller Bodhisattvas“.

Erster Band
des Großen Buddha-Scheitel-Śūraṅgama-Sūtra
(auch bekannt als:
Sūtra des großen Nālandā-Übungsplatzes
in Mittelindien,
als gesonderte Überlieferung
aus dem Abschnitt der Einweihungslehren)
Kommentar öffnen
Dieser Schluss des Prologs ist eine Verdichtung des gesamten Weges: Praxis, Verfehlung, Gefahr und Verwirklichung werden ohne Übergang zusammengeführt.

1. Ethik als Voraussetzung, nicht als Moral

Die drei Schulungen und vier Disziplinen
sind keine moralischen Gebote,
sondern Bedingungen für Klarheit.
Ohne sie wird Praxis wirksamkeitslos
oder gefährlich.

2. Ritual als Ausrichtung

Der „reine Übungsraum“ ist kein magischer Ort,
sondern eine radikale Sammlung der Intention.
Wo Ausrichtung klar ist,
verliert angesammeltes Wirken
seine Bindekraft.

3. Stufen ohne Teleologie

Die drei Tore und fünf Stufen
sind Orientierung, keine Leiter.
Sie schützen vor Verirrung,
nicht vor Unvollkommenheit.

4. Kosmologie als Psychodynamik

Die zwölf Klassen,
sieben Bereiche
und fünf Trübungen
beschreiben keine fremde Welt,
sondern Strukturen der Verkennung,
die sich aus zwei Grundverdrehungen speisen:
Festhalten und Ablehnen.

5. Zentrale Warnung des Sutras

Die stärksten Bilder des Prologs sind Warnungen:
• Gast vergisst den Hausherrn
• Kind wird mit dem Dieb verwechselt

Verblendung ist kein Irrtum im Detail,
sondern Vertauschung des Zentrums.

6. Gefahr falscher Praxis

Die fünfzig dämonischen Bereiche
entstehen nicht durch Praxis an sich,
sondern durch unklare Reinigung.
Das Sutra benennt dies ohne Schonung.

7. Erwachen als Durchdringung, nicht als Flucht

Die vierundvierzig Stufen
werden überschritten,
nicht gesammelt.
Erwachen geschieht
durch Eindringen in die Grenze,
nicht durch Umgehung.

8. Wert eines einzigen Gedankens

Am Ende steht eine radikale Umwertung:
Nicht Größe der Tat,
sondern Klarheit des Gedankens
entscheidet.

Ein Gedanke,
der frei weitergegeben wird,
übertrifft
alle äußeren Opfergaben.

9. Der Titel als Programm

Der lange Titel ist kein Schmuck,
sondern eine komprimierte Landkarte:
• geheimer Grund
• Übung und Verwirklichung
• endgültige Bedeutung
• Bodhisattva-Handeln

Damit ist der gesamte Weg
bereits im Namen gesagt.
中文原文
而況三無漏學,真為修習之要機,四淨律儀,實號秉持之明誨。欲誦祕密之章句,須嚴清淨之壇場,無邊積業悉氷消,一切所求皆果遂。復乃開三門之漸次,是先佛之規模;立五品之名題,作將來之眼目。良由兩種之顛倒,遂成十二之類生,歷七趣之輪迴,織五重之渾濁。於是迴千光相攬七寶床,深憐恣客迷主人,痛念認賊為己子。洗心非正,五十重之魔境現前;覺際入交,四十四之聖心超越。而後慶喜欽承於妙誨,能仁宣發於真慈,窮五陰之妄源,勝十方之獻寶。貧人七錢而布施,尚獲輪王;行者一念以流通,定登佛果。真乘奧典,祕字靈文,《大佛頂如來密因修證了義諸菩薩萬行首楞嚴經》甚深法藏。
大佛頂如來密因修證了義諸菩薩萬行首楞嚴經卷第一[1](一名中印度那蘭陀大道場經,於灌頂部錄出別行)
Deutsch
Erst recht gilt:
Die drei unbefleckten Schulungen
sind der eigentliche Schlüssel
für jede Übung;
die vier reinen Disziplinen
sind die klaren Anweisungen
für beständiges Bewahren.

Wer die geheimen Kapitel
und Mantra-Verse rezitieren will,
muss einen streng gereinigten Übungsraum errichten;
angesammeltes Karma ohne Grenze
löst sich dann
wie schmelzendes Eis,
und alles Ersehnte
gelangt zur Erfüllung.

Darüber hinaus
wird die stufenweise Öffnung
der drei Tore dargelegt —
dies entspricht dem Vorbild
der früheren Buddhas;
die Benennung der fünf Stufen
dient als Orientierung
für kommende Generationen.

Aufgrund zweier Arten von Verkennung
entstehen
die zwölf Klassen von Lebewesen,
sie kreisen
durch die sieben Daseinsbereiche
und verweben
die fünffachen Trübungen.

So wendet sich
das tausendfache Licht zurück
und sammelt sich
am Lager der sieben Kostbarkeiten —
aus tiefem Mitgefühl
für jene,
die als Gäste
den Hausherrn verkennen,
und aus schmerzlicher Einsicht
in jene,
die einen Dieb
für das eigene Kind halten.

Ist die Reinigung des Geistes
nicht korrekt,
manifestieren sich
die fünfzig Ebenen
dämonischer Zustände;
dringt Erwachen
in den Grenzbereich ein,
werden
die vierundvierzig heiligen Bewusstseinsstufen
überschritten.

Daraufhin nimmt
Ānanda ehrfürchtig
die wunderbare Lehre an,
der Fähige
entfaltet
wahres Mitgefühl;
er durchdringt
den trügerischen Ursprung
der fünf Aggregate
und übertrifft damit
alle Darbringungen
der zehn Richtungen.

Ein armer Mensch,
der sieben Münzen spendet,
erlangt dennoch
die Würde eines Weltenherrschers;
ein Übender,
der einen einzigen Gedanken
der Weitergabe widmet,
wird gewiss
die Frucht der Buddhaschaft erreichen.

Dies ist
das wahre Fahrzeug,
eine tiefgründige Schatzkammer,
geheime Zeichen
und wirkmächtige Worte:
das
„Große Buddha-Scheitel-Śūraṅgama-Sūtra
des Tathāgata
vom geheimen Ursacheprinzip,
von Übung und Verwirklichung,
von der endgültigen Bedeutung
und den zehntausend Praktiken
aller Bodhisattvas“.

Erster Band
des Großen Buddha-Scheitel-Śūraṅgama-Sūtra
(auch bekannt als:
Sūtra des großen Nālandā-Übungsplatzes
in Mittelindien,
als gesonderte Überlieferung
aus dem Abschnitt der Einweihungslehren)
Kommentar
Dieser Schluss des Prologs ist eine Verdichtung des gesamten Weges: Praxis, Verfehlung, Gefahr und Verwirklichung werden ohne Übergang zusammengeführt.

1. Ethik als Voraussetzung, nicht als Moral

Die drei Schulungen und vier Disziplinen
sind keine moralischen Gebote,
sondern Bedingungen für Klarheit.
Ohne sie wird Praxis wirksamkeitslos
oder gefährlich.

2. Ritual als Ausrichtung

Der „reine Übungsraum“ ist kein magischer Ort,
sondern eine radikale Sammlung der Intention.
Wo Ausrichtung klar ist,
verliert angesammeltes Wirken
seine Bindekraft.

3. Stufen ohne Teleologie

Die drei Tore und fünf Stufen
sind Orientierung, keine Leiter.
Sie schützen vor Verirrung,
nicht vor Unvollkommenheit.

4. Kosmologie als Psychodynamik

Die zwölf Klassen,
sieben Bereiche
und fünf Trübungen
beschreiben keine fremde Welt,
sondern Strukturen der Verkennung,
die sich aus zwei Grundverdrehungen speisen:
Festhalten und Ablehnen.

5. Zentrale Warnung des Sutras

Die stärksten Bilder des Prologs sind Warnungen:
• Gast vergisst den Hausherrn
• Kind wird mit dem Dieb verwechselt

Verblendung ist kein Irrtum im Detail,
sondern Vertauschung des Zentrums.

6. Gefahr falscher Praxis

Die fünfzig dämonischen Bereiche
entstehen nicht durch Praxis an sich,
sondern durch unklare Reinigung.
Das Sutra benennt dies ohne Schonung.

7. Erwachen als Durchdringung, nicht als Flucht

Die vierundvierzig Stufen
werden überschritten,
nicht gesammelt.
Erwachen geschieht
durch Eindringen in die Grenze,
nicht durch Umgehung.

8. Wert eines einzigen Gedankens

Am Ende steht eine radikale Umwertung:
Nicht Größe der Tat,
sondern Klarheit des Gedankens
entscheidet.

Ein Gedanke,
der frei weitergegeben wird,
übertrifft
alle äußeren Opfergaben.

9. Der Titel als Programm

Der lange Titel ist kein Schmuck,
sondern eine komprimierte Landkarte:
• geheimer Grund
• Übung und Verwirklichung
• endgültige Bedeutung
• Bodhisattva-Handeln

Damit ist der gesamte Weg
bereits im Namen gesagt.
7 #
如是我聞:
一時,佛在室羅筏城祇桓精舍,與大比丘眾千二百五十人俱,皆是無漏大阿羅漢——佛子住持,善超諸有,能於國土成就威儀;從佛轉輪,妙堪遺囑,嚴淨毘尼,弘範三界;應身無量,度脫眾生,拔濟未來,越諸塵累。
So habe ich gehört:

Einmal verweilte der Buddha in Śrāvastī,
im Jeta-Hain, im Kloster des Gebenden.
Bei ihm war die große Gemeinschaft der Mönche,
1.250 an der Zahl.

Alle waren frei von Ausflüssen,
große Arhats,
Söhne des Buddha, dem Erwachen zugewandt.
Sie hatten die Kreisläufe des Daseins durchschritten
und konnten in den Ländern Haltung, Würde und Ordnung verkörpern.

Sie drehten mit dem Buddha das Rad der Lehre,
waren reif, sein Vermächtnis weiterzugeben,
hielten und klärten die Disziplin
und öffneten ihr Vorbild für die drei Welten.

Ihre Erscheinungsweisen waren ohne Maß:
Sie führten Wesen über das Leiden hinaus,
retteten auch die kommenden Generationen
und überschritten alle staubhaften Verstrickungen.
Kommentar öffnen
Dieser Eingangstext ist formal ein klassischer Sutra-Nidāna, doch bereits hier setzt das Shurangama-Sutra deutliche Akzente:
1. Autorität durch Hörüberlieferung
„如是我聞“ verankert den Text nicht im spekulativen Denken, sondern in unmittelbarer Überlieferung – ein wichtiger Hinweis, da das Sutra später falsche Identifikationen des Geistes scharf kritisieren wird.
2. Die Versammlung als Spiegel des Ziels
Die 1.250 Arhats sind nicht nur historische Begleiter, sondern symbolisieren einen bereits geklärten Zustand:
• 無漏: kein Abfließen mehr – der Geist ist nicht mehr nach außen zerstreut.
• 善超諸有: das Überschreiten aller Existenzweisen – ein Vorausbild der späteren Lehre vom Nicht-Anhaften an Erscheinungen.
3. Praxis und Verkörperung
Auffällig ist die Betonung von 威儀 (Haltung, Würde) und 毘尼 (Vinaya).
Noch bevor über ursprünglichen Grund, Wahrnehmung oder Illusion gesprochen wird, zeigt das Sutra:
Erkenntnis ohne Verkörperung ist unvollständig.
4. Kosmische Verantwortung
Die Arhats wirken nicht nur für sich:
• 三界 (drei Welten)
• 未來 (Zukunft)
→ Erwachen ist hier transpersonal gedacht.
Befreiung bedeutet Verantwortung über Zeit, Raum und Form hinaus.
5. Vorausdeutung des Kernthemas
„越諸塵累“ – das Überschreiten aller staubhaften Verstrickungen – kündigt bereits an, worum es im gesamten Sutra gehen wird:
die Verwechslung des reinen ursprünglichen Grundes mit den „Staub-Objekten“ der Wahrnehmung.

Der Text öffnet damit nicht nur eine Szene, sondern spannt den ontologischen Rahmen für die spätere radikale Analyse von Geist und ursprünglichen Grund.
中文原文
如是我聞:
一時,佛在室羅筏城祇桓精舍,與大比丘眾千二百五十人俱,皆是無漏大阿羅漢——佛子住持,善超諸有,能於國土成就威儀;從佛轉輪,妙堪遺囑,嚴淨毘尼,弘範三界;應身無量,度脫眾生,拔濟未來,越諸塵累。
Deutsch
So habe ich gehört:

Einmal verweilte der Buddha in Śrāvastī,
im Jeta-Hain, im Kloster des Gebenden.
Bei ihm war die große Gemeinschaft der Mönche,
1.250 an der Zahl.

Alle waren frei von Ausflüssen,
große Arhats,
Söhne des Buddha, dem Erwachen zugewandt.
Sie hatten die Kreisläufe des Daseins durchschritten
und konnten in den Ländern Haltung, Würde und Ordnung verkörpern.

Sie drehten mit dem Buddha das Rad der Lehre,
waren reif, sein Vermächtnis weiterzugeben,
hielten und klärten die Disziplin
und öffneten ihr Vorbild für die drei Welten.

Ihre Erscheinungsweisen waren ohne Maß:
Sie führten Wesen über das Leiden hinaus,
retteten auch die kommenden Generationen
und überschritten alle staubhaften Verstrickungen.
Kommentar
Dieser Eingangstext ist formal ein klassischer Sutra-Nidāna, doch bereits hier setzt das Shurangama-Sutra deutliche Akzente:
1. Autorität durch Hörüberlieferung
„如是我聞“ verankert den Text nicht im spekulativen Denken, sondern in unmittelbarer Überlieferung – ein wichtiger Hinweis, da das Sutra später falsche Identifikationen des Geistes scharf kritisieren wird.
2. Die Versammlung als Spiegel des Ziels
Die 1.250 Arhats sind nicht nur historische Begleiter, sondern symbolisieren einen bereits geklärten Zustand:
• 無漏: kein Abfließen mehr – der Geist ist nicht mehr nach außen zerstreut.
• 善超諸有: das Überschreiten aller Existenzweisen – ein Vorausbild der späteren Lehre vom Nicht-Anhaften an Erscheinungen.
3. Praxis und Verkörperung
Auffällig ist die Betonung von 威儀 (Haltung, Würde) und 毘尼 (Vinaya).
Noch bevor über ursprünglichen Grund, Wahrnehmung oder Illusion gesprochen wird, zeigt das Sutra:
Erkenntnis ohne Verkörperung ist unvollständig.
4. Kosmische Verantwortung
Die Arhats wirken nicht nur für sich:
• 三界 (drei Welten)
• 未來 (Zukunft)
→ Erwachen ist hier transpersonal gedacht.
Befreiung bedeutet Verantwortung über Zeit, Raum und Form hinaus.
5. Vorausdeutung des Kernthemas
„越諸塵累“ – das Überschreiten aller staubhaften Verstrickungen – kündigt bereits an, worum es im gesamten Sutra gehen wird:
die Verwechslung des reinen ursprünglichen Grundes mit den „Staub-Objekten“ der Wahrnehmung.

Der Text öffnet damit nicht nur eine Szene, sondern spannt den ontologischen Rahmen für die spätere radikale Analyse von Geist und ursprünglichen Grund.
8 #
——其名曰大智舍利弗、摩訶目[10]犍連、摩訶拘絺羅、富樓那彌多羅尼子、須菩提、優波尼沙陀等而為上首。
Zu ihnen gehörten:

der Großweise Śāriputra,
Mahā-Maudgalyāyana,
Mahā-Kauṣṭhila,
Pūrṇa, Sohn der Maitrāyaṇī,
Subhūti,
Upaniṣad und andere.

Sie waren die Vordersten der Versammlung,
jene, die den Weg vorangingen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt wirkt rein listenhaft, erfüllt jedoch mehrere subtile Funktionen:
1. Verkörperte Aspekte des Weges
Die genannten Arhats stehen traditionell für unterschiedliche Qualitäten:
• Śāriputra: Weisheit und analytische Klarheit
• Maudgalyāyana: spirituelle Kraft und Wirksamkeit
• Subhūti: Einsicht in Leerheit (besonders bedeutsam im Kontext des Shurangama)
→ Die spätere Geistanalyse des Sutras ist kein abstraktes Gedankenspiel, sondern ruht auf vollständig realisierten Qualitäten.
2. Pluralität ohne Dualität
Mehrere Namen, mehrere Fähigkeiten – und doch eine Versammlung.
Das bereitet implizit die spätere Lehre vor:
Vielfalt der Funktionen ≠ Vielheit des ursprünglichen Grundes.
3. „上首“ – an der Spitze, nicht über den anderen
Der Ausdruck bezeichnet Führung durch Vorangehen, nicht durch Herrschaft.
Erkenntnis zeigt sich im Voran-Gehen, nicht im Über-Anderen-Stehen.
4. Rahmensetzung für spätere Dialoge
Einige dieser Figuren werden im Sutra direkt angesprochen oder implizit widerlegt.
Ihre anfängliche Hervorhebung macht spätere Korrekturen umso gewichtiger:
Selbst höchste Schüler können den Geist verfehlen, wenn sie ihn falsch verorten.
中文原文
——其名曰大智舍利弗、摩訶目[10]犍連、摩訶拘絺羅、富樓那彌多羅尼子、須菩提、優波尼沙陀等而為上首。
Deutsch
Zu ihnen gehörten:

der Großweise Śāriputra,
Mahā-Maudgalyāyana,
Mahā-Kauṣṭhila,
Pūrṇa, Sohn der Maitrāyaṇī,
Subhūti,
Upaniṣad und andere.

Sie waren die Vordersten der Versammlung,
jene, die den Weg vorangingen.
Kommentar
Dieser Abschnitt wirkt rein listenhaft, erfüllt jedoch mehrere subtile Funktionen:
1. Verkörperte Aspekte des Weges
Die genannten Arhats stehen traditionell für unterschiedliche Qualitäten:
• Śāriputra: Weisheit und analytische Klarheit
• Maudgalyāyana: spirituelle Kraft und Wirksamkeit
• Subhūti: Einsicht in Leerheit (besonders bedeutsam im Kontext des Shurangama)
→ Die spätere Geistanalyse des Sutras ist kein abstraktes Gedankenspiel, sondern ruht auf vollständig realisierten Qualitäten.
2. Pluralität ohne Dualität
Mehrere Namen, mehrere Fähigkeiten – und doch eine Versammlung.
Das bereitet implizit die spätere Lehre vor:
Vielfalt der Funktionen ≠ Vielheit des ursprünglichen Grundes.
3. „上首“ – an der Spitze, nicht über den anderen
Der Ausdruck bezeichnet Führung durch Vorangehen, nicht durch Herrschaft.
Erkenntnis zeigt sich im Voran-Gehen, nicht im Über-Anderen-Stehen.
4. Rahmensetzung für spätere Dialoge
Einige dieser Figuren werden im Sutra direkt angesprochen oder implizit widerlegt.
Ihre anfängliche Hervorhebung macht spätere Korrekturen umso gewichtiger:
Selbst höchste Schüler können den Geist verfehlen, wenn sie ihn falsch verorten.
9 #
復有無量辟支無學,并其初心同來佛所。屬諸比丘休夏自恣,十方菩薩諮決心疑,欽奉慈嚴,將求密義。
Zudem waren unzählige Einzelerwachte zugegen,
solche, die nichts mehr zu lernen hatten,
und solche, die gerade erst begonnen hatten.
Alle waren sie zum Buddha gekommen.

Es war die Zeit nach der Regenklausur,
in der die Mönche zur Selbstprüfung zusammenkamen.
Bodhisattvas aus allen zehn Richtungen
suchten Klärung für ihre Entschlüsse und Zweifel.

In ehrfürchtiger Hinwendung zu Mitgefühl und Klarheit
kamen sie,
um nach der verborgenen Tiefe der Lehre zu fragen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt öffnet den Horizont des Sutras entscheidend:
1. Alle Stufen des Weges sind anwesend
Die Versammlung umfasst:
• Anfänger
• Fortgeschrittene
• Vollendete (無學)
→ Das Shurangama-Sutra richtet sich nicht exklusiv an eine bestimmte Entwicklungsstufe.
Die spätere Geistanalyse beansprucht universelle Gültigkeit.
2. Pratyekabuddhas als Grenzfall
Ihre Erwähnung ist bemerkenswert:
• Sie stehen für individuelle Einsicht ohne umfassende Lehrtätigkeit.
• Dass auch sie kommen, deutet an:
Selbst tiefe persönliche Erkenntnis reicht nicht aus, um die „geheime Bedeutung“ vollständig zu erfassen.
3. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig
Die Beendigung der Regenklausur (安居 / 休夏) und das 自恣-Ritual markieren:
• Reinigung
• Offenlegung von Fehlern
• Bereitschaft zur Korrektur
→ Ein idealer Moment, um falsche Identifikationen des Geistes zu entlarven.
4. Bodhisattvas suchen, nicht aus Mangel, sondern aus Verantwortung
„諮決心疑“ meint kein persönliches Zweifeln aus Unsicherheit,
sondern die Klärung des Herzens zum Wohle aller Wesen.
5. Ankündigung des Kernthemas
„密義“ – die verborgene Bedeutung – verweist direkt auf das zentrale Anliegen des Sutras:
Nicht äußere Praxisformen,
sondern die richtige Verortung von Geist und ursprünglichem Grund.

Dieser Abschnitt fungiert somit als kosmische Einladung:
Alle Ebenen des Erwachens versammeln sich,
weil eine besonders feine Verirrung geklärt werden soll.
中文原文
復有無量辟支無學,并其初心同來佛所。屬諸比丘休夏自恣,十方菩薩諮決心疑,欽奉慈嚴,將求密義。
Deutsch
Zudem waren unzählige Einzelerwachte zugegen,
solche, die nichts mehr zu lernen hatten,
und solche, die gerade erst begonnen hatten.
Alle waren sie zum Buddha gekommen.

Es war die Zeit nach der Regenklausur,
in der die Mönche zur Selbstprüfung zusammenkamen.
Bodhisattvas aus allen zehn Richtungen
suchten Klärung für ihre Entschlüsse und Zweifel.

In ehrfürchtiger Hinwendung zu Mitgefühl und Klarheit
kamen sie,
um nach der verborgenen Tiefe der Lehre zu fragen.
Kommentar
Dieser Abschnitt öffnet den Horizont des Sutras entscheidend:
1. Alle Stufen des Weges sind anwesend
Die Versammlung umfasst:
• Anfänger
• Fortgeschrittene
• Vollendete (無學)
→ Das Shurangama-Sutra richtet sich nicht exklusiv an eine bestimmte Entwicklungsstufe.
Die spätere Geistanalyse beansprucht universelle Gültigkeit.
2. Pratyekabuddhas als Grenzfall
Ihre Erwähnung ist bemerkenswert:
• Sie stehen für individuelle Einsicht ohne umfassende Lehrtätigkeit.
• Dass auch sie kommen, deutet an:
Selbst tiefe persönliche Erkenntnis reicht nicht aus, um die „geheime Bedeutung“ vollständig zu erfassen.
3. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig
Die Beendigung der Regenklausur (安居 / 休夏) und das 自恣-Ritual markieren:
• Reinigung
• Offenlegung von Fehlern
• Bereitschaft zur Korrektur
→ Ein idealer Moment, um falsche Identifikationen des Geistes zu entlarven.
4. Bodhisattvas suchen, nicht aus Mangel, sondern aus Verantwortung
„諮決心疑“ meint kein persönliches Zweifeln aus Unsicherheit,
sondern die Klärung des Herzens zum Wohle aller Wesen.
5. Ankündigung des Kernthemas
„密義“ – die verborgene Bedeutung – verweist direkt auf das zentrale Anliegen des Sutras:
Nicht äußere Praxisformen,
sondern die richtige Verortung von Geist und ursprünglichem Grund.

Dieser Abschnitt fungiert somit als kosmische Einladung:
Alle Ebenen des Erwachens versammeln sich,
weil eine besonders feine Verirrung geklärt werden soll.
10 #
即時如來敷座宴安,為諸會中宣示深奧。法筵清眾得未曾有,迦陵仙音遍十方界。恒沙菩薩來聚道場,文殊師利而為上首。
Da bereitete der Tathāgata seinen Sitz
und ruhte in weiter, gelassener Sammlung.
Inmitten der Versammlung
öffnete er das Tiefgründige.

Die reine Gemeinschaft des Dharma
erfuhr, was es zuvor nie gegeben hatte.
Die Stimme des Kalaviṅka
durchklang alle Welten der zehn Richtungen.

Bodhisattvas zahlreich wie Sandkörner des Ganges
versammelten sich am Ort des Erwachens.
An ihrer Spitze: Mañjuśrī.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert einen klaren Wendepunkt: vom Sammeln der Versammlung zur Offenbarung.
1. „敷座宴安“ – Erkenntnis aus Ruhe
Der Buddha beginnt nicht mit Erklärung, sondern mit Ruhen.
Lehre entspringt hier nicht aus Anstrengung des Geistes,
sondern aus der Selbstklarheit des ursprünglichen Grundes.
2. „宣示深奧“ – Offenbarung, nicht Konstruktion
Das Tiefgründige wird gezeigt, nicht erdacht.
Damit grenzt sich das Sutra früh von rein begrifflicher Analyse ab.
3. Das „Nie-Dagewesene“ (未曾有)
Dieser Ausdruck kündigt an:
Was folgt, ist kein gewöhnliches Sutra-Thema.
Es geht um eine Einsicht, die selbst geübte Praktizierende noch verfehlen können.
4. Kalaviṅka-Stimme – Klang vor Begriff
Die Stimme steht für eine Lehre, die:
• vor dem Denken liegt
• den Geist unmittelbar berührt
→ Ein Vorzeichen der späteren Betonung des Hörens im Shurangama-Sutra.
5. Mañjuśrī an der Spitze
Dass Mañjuśrī – Verkörperung der Weisheit – den Bodhisattvas voransteht, ist programmatisch:
Die kommende Lehre wird radikal präzise, schneidend, nicht sentimental.
Mitgefühl folgt hier der Klarheit, nicht umgekehrt.

Dieser Abschnitt öffnet somit den Raum,
in dem nicht mehr gefragt wird was zu tun ist,
sondern wer eigentlich hört, erkennt und verweilt.
中文原文
即時如來敷座宴安,為諸會中宣示深奧。法筵清眾得未曾有,迦陵仙音遍十方界。恒沙菩薩來聚道場,文殊師利而為上首。
Deutsch
Da bereitete der Tathāgata seinen Sitz
und ruhte in weiter, gelassener Sammlung.
Inmitten der Versammlung
öffnete er das Tiefgründige.

Die reine Gemeinschaft des Dharma
erfuhr, was es zuvor nie gegeben hatte.
Die Stimme des Kalaviṅka
durchklang alle Welten der zehn Richtungen.

Bodhisattvas zahlreich wie Sandkörner des Ganges
versammelten sich am Ort des Erwachens.
An ihrer Spitze: Mañjuśrī.
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert einen klaren Wendepunkt: vom Sammeln der Versammlung zur Offenbarung.
1. „敷座宴安“ – Erkenntnis aus Ruhe
Der Buddha beginnt nicht mit Erklärung, sondern mit Ruhen.
Lehre entspringt hier nicht aus Anstrengung des Geistes,
sondern aus der Selbstklarheit des ursprünglichen Grundes.
2. „宣示深奧“ – Offenbarung, nicht Konstruktion
Das Tiefgründige wird gezeigt, nicht erdacht.
Damit grenzt sich das Sutra früh von rein begrifflicher Analyse ab.
3. Das „Nie-Dagewesene“ (未曾有)
Dieser Ausdruck kündigt an:
Was folgt, ist kein gewöhnliches Sutra-Thema.
Es geht um eine Einsicht, die selbst geübte Praktizierende noch verfehlen können.
4. Kalaviṅka-Stimme – Klang vor Begriff
Die Stimme steht für eine Lehre, die:
• vor dem Denken liegt
• den Geist unmittelbar berührt
→ Ein Vorzeichen der späteren Betonung des Hörens im Shurangama-Sutra.
5. Mañjuśrī an der Spitze
Dass Mañjuśrī – Verkörperung der Weisheit – den Bodhisattvas voransteht, ist programmatisch:
Die kommende Lehre wird radikal präzise, schneidend, nicht sentimental.
Mitgefühl folgt hier der Klarheit, nicht umgekehrt.

Dieser Abschnitt öffnet somit den Raum,
in dem nicht mehr gefragt wird was zu tun ist,
sondern wer eigentlich hört, erkennt und verweilt.
11 #
時波斯匿王為其父王諱日營齋,請佛宮掖。自迎如來,廣設珍羞無上妙味,兼復親延諸大菩薩。
Zu jener Zeit
bereitete König Prasenajit
zum Gedenktag seines verstorbenen Vaters ein Opfermahl
und lud den Buddha in den Palast ein.

Er empfing den Tathāgata selbst,
ließ kostbare Speisen von höchster Feinheit bereiten
und bat darüber hinaus persönlich
die großen Bodhisattvas zu kommen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt verschiebt den Fokus vom Kosmischen ins Menschliche:
1. Tod und Verdienst
Der Anlass ist ein Todestag – Vergänglichkeit tritt in den Vordergrund.
Königliches Handeln wird hier zur spirituellen Praxis:
Verdienst wird nicht für sich, sondern für einen Verstorbenen erzeugt.
2. Karma jenseits der Person
Das Ausrichten eines Mahls zeigt das Mahayana-Verständnis von Wirksamkeit:
• Handlungen reichen über den individuellen Tod hinaus
• Beziehung bleibt wirksam, auch wenn Form vergangen ist
3. Demut der Macht
Der König empfängt den Buddha persönlich.
Weltliche Autorität verneigt sich vor Erwachen –
ein stilles, aber starkes Bild für die Umkehrung gewöhnlicher Hierarchien.
4. Speise als Ausdruck von Geist
Die „höchsten, wunderbaren Geschmäcke“ sind kein Luxusmotiv,
sondern Ausdruck aufrichtiger Hingabe.
Äußere Fülle wird hier Träger innerer Ausrichtung.
5. Vorbereitung der kommenden Unterweisung
Diese Szene bildet den Übergang:
vom formellen Dharma-Vortrag
hin zur späteren Konfrontation mit Alltagsgeist, Begehren und Verstrickung.

Der Text erinnert subtil daran:
Auch Könige stehen unter den Bedingungen von Tod und Karma –
und genau dort beginnt die eigentliche Frage nach ursprünglichen Grund und Geist.
中文原文
時波斯匿王為其父王諱日營齋,請佛宮掖。自迎如來,廣設珍羞無上妙味,兼復親延諸大菩薩。
Deutsch
Zu jener Zeit
bereitete König Prasenajit
zum Gedenktag seines verstorbenen Vaters ein Opfermahl
und lud den Buddha in den Palast ein.

Er empfing den Tathāgata selbst,
ließ kostbare Speisen von höchster Feinheit bereiten
und bat darüber hinaus persönlich
die großen Bodhisattvas zu kommen.
Kommentar
Dieser Abschnitt verschiebt den Fokus vom Kosmischen ins Menschliche:
1. Tod und Verdienst
Der Anlass ist ein Todestag – Vergänglichkeit tritt in den Vordergrund.
Königliches Handeln wird hier zur spirituellen Praxis:
Verdienst wird nicht für sich, sondern für einen Verstorbenen erzeugt.
2. Karma jenseits der Person
Das Ausrichten eines Mahls zeigt das Mahayana-Verständnis von Wirksamkeit:
• Handlungen reichen über den individuellen Tod hinaus
• Beziehung bleibt wirksam, auch wenn Form vergangen ist
3. Demut der Macht
Der König empfängt den Buddha persönlich.
Weltliche Autorität verneigt sich vor Erwachen –
ein stilles, aber starkes Bild für die Umkehrung gewöhnlicher Hierarchien.
4. Speise als Ausdruck von Geist
Die „höchsten, wunderbaren Geschmäcke“ sind kein Luxusmotiv,
sondern Ausdruck aufrichtiger Hingabe.
Äußere Fülle wird hier Träger innerer Ausrichtung.
5. Vorbereitung der kommenden Unterweisung
Diese Szene bildet den Übergang:
vom formellen Dharma-Vortrag
hin zur späteren Konfrontation mit Alltagsgeist, Begehren und Verstrickung.

Der Text erinnert subtil daran:
Auch Könige stehen unter den Bedingungen von Tod und Karma –
und genau dort beginnt die eigentliche Frage nach ursprünglichen Grund und Geist.
12 #
城中復有長者、居士,同時飯僧,佇佛來應。佛勅文殊,分領菩薩及阿羅漢,應諸齋主。唯有阿難先受別請,遠遊未還,不遑僧次。
In der Stadt
gab es auch Älteste und Hausleute,
die zur selben Zeit den Sangha bewirteten
und auf den Buddha warteten.

Der Buddha wies Mañjuśrī an,
die Bodhisattvas und Arhats zu führen
und die Einladungen der Gastgeber anzunehmen.

Nur Ānanda
hatte bereits eine besondere Einladung erhalten,
war weit unterwegs
und noch nicht zurückgekehrt.
So befand er sich außerhalb der Gemeinschaft.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist dramaturgisch entscheidend, obwohl er äußerlich unscheinbar wirkt:
1. Alltägliche Praxis als Prüfstein
Essen, Einladungen, Reihenfolge – nichts Erhabenes.
Genau hier aber zeigt sich,
wo Geist noch in Gewohnheit und Bindung verflochten ist.
2. Ordnung des Sangha vs. individuelle Bewegung
Die Aufteilung durch Mañjuśrī wahrt Harmonie und Gleichgewicht.
Ānanda hingegen bewegt sich einzeln, getrennt vom Feld der Gemeinschaft.
3. Ānanda als notwendiger Kontrast
Dass nur Ānanda fehlt, ist kein Zufall:
• Er ist der Bewahrer des Gehörten
• zugleich aber noch anfällig für Verirrung
→ Das Sutra bereitet hier subtil seine spätere Rolle vor.
4. „別請“ – die besondere Einladung
Eine kleine Abweichung vom gemeinsamen Rahmen
öffnet den Raum für spätere Verstrickung.
Nicht aus Schuld, sondern aus Unachtsamkeit.
5. Vorausdeutung des Kernthemas
Noch bevor Lehre explizit wird, zeigt sich:
Trennung vom gemeinsamen Feld
begünstigt die Verwechslung von Geist und ursprünglichem Grund.

Der Text macht deutlich:
Nicht Sonderwege, sondern eingebettete Präsenz schützt vor Irrtum.
中文原文
城中復有長者、居士,同時飯僧,佇佛來應。佛勅文殊,分領菩薩及阿羅漢,應諸齋主。唯有阿難先受別請,遠遊未還,不遑僧次。
Deutsch
In der Stadt
gab es auch Älteste und Hausleute,
die zur selben Zeit den Sangha bewirteten
und auf den Buddha warteten.

Der Buddha wies Mañjuśrī an,
die Bodhisattvas und Arhats zu führen
und die Einladungen der Gastgeber anzunehmen.

Nur Ānanda
hatte bereits eine besondere Einladung erhalten,
war weit unterwegs
und noch nicht zurückgekehrt.
So befand er sich außerhalb der Gemeinschaft.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist dramaturgisch entscheidend, obwohl er äußerlich unscheinbar wirkt:
1. Alltägliche Praxis als Prüfstein
Essen, Einladungen, Reihenfolge – nichts Erhabenes.
Genau hier aber zeigt sich,
wo Geist noch in Gewohnheit und Bindung verflochten ist.
2. Ordnung des Sangha vs. individuelle Bewegung
Die Aufteilung durch Mañjuśrī wahrt Harmonie und Gleichgewicht.
Ānanda hingegen bewegt sich einzeln, getrennt vom Feld der Gemeinschaft.
3. Ānanda als notwendiger Kontrast
Dass nur Ānanda fehlt, ist kein Zufall:
• Er ist der Bewahrer des Gehörten
• zugleich aber noch anfällig für Verirrung
→ Das Sutra bereitet hier subtil seine spätere Rolle vor.
4. „別請“ – die besondere Einladung
Eine kleine Abweichung vom gemeinsamen Rahmen
öffnet den Raum für spätere Verstrickung.
Nicht aus Schuld, sondern aus Unachtsamkeit.
5. Vorausdeutung des Kernthemas
Noch bevor Lehre explizit wird, zeigt sich:
Trennung vom gemeinsamen Feld
begünstigt die Verwechslung von Geist und ursprünglichem Grund.

Der Text macht deutlich:
Nicht Sonderwege, sondern eingebettete Präsenz schützt vor Irrtum.
13 #
既無上座及阿闍[11]黎,[12]途中獨歸,其日無供,即時阿難執持應器,於所遊城次第循乞。心中初求最後檀越以為齋主,無問淨穢、剎利尊姓及旃陀羅。
Da weder ein Ältester
noch ein Lehrmeister bei ihm war,
ging Ānanda allein den Weg zurück.

An diesem Tag hatte er keine Bewirtung erhalten.
So nahm er seine Almosenschale
und ging durch die Stadt,
Haus um Haus um Speise bittend.

In seinem Geist
fasste er den ersten Gedanken,
am Ende irgendeinen Spender
als Mahlgeber anzunehmen –
ohne nach rein oder unrein zu unterscheiden,
ohne Rang, Herkunft oder Namen zu beachten:
Adliger oder Ausgestoßener.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist hochgradig subtil und zentral für das folgende Geschehen:
1. Alleinsein ohne Korrektiv
Dass Ānanda ohne 上座 (Senior) und ohne 阿闍黎 (Lehrmeister) unterwegs ist,
bedeutet:
kein äußeres Spiegeln, kein Halt durch die Gemeinschaft.
2. Formell korrekt – innerlich unbewacht
Das Almosengehen entspricht der Vinaya.
Äußerlich ist alles richtig.
Innerlich jedoch entsteht bereits eine geistige Setzung.
3. „心中初求“ – der erste Gedanke
Genau hier setzt das Sutra an:
Nicht die Handlung ist problematisch,
sondern der erste, unbemerkte Impuls des Geistes.
Dieser Geist ist noch nicht der ursprüngliche Grund,
sondern ein zielsetzender, wählender, planender Geist.
4. Gleichheit aus Konzept, nicht aus Einsicht
Die Gleichbehandlung von Kṣatriya und Caṇḍāla
entspringt hier nicht vollkommener Leerheit,
sondern einem gedanklichen Vorsatz.
Das macht ihn anfällig.
5. Vorbereitung der Verirrung
Das Sutra zeigt präzise:
Verstrickung beginnt nicht bei Begehren,
sondern bei einem unbeobachteten Gedanken.

Ānanda handelt korrekt, wohlmeinend und diszipliniert –
und genau deshalb ist dieser Moment so lehrreich.
Das folgende Geschehen wird nicht moralisch,
sondern ontologisch aufgelöst werden.
中文原文
既無上座及阿闍[11]黎,[12]途中獨歸,其日無供,即時阿難執持應器,於所遊城次第循乞。心中初求最後檀越以為齋主,無問淨穢、剎利尊姓及旃陀羅。
Deutsch
Da weder ein Ältester
noch ein Lehrmeister bei ihm war,
ging Ānanda allein den Weg zurück.

An diesem Tag hatte er keine Bewirtung erhalten.
So nahm er seine Almosenschale
und ging durch die Stadt,
Haus um Haus um Speise bittend.

In seinem Geist
fasste er den ersten Gedanken,
am Ende irgendeinen Spender
als Mahlgeber anzunehmen –
ohne nach rein oder unrein zu unterscheiden,
ohne Rang, Herkunft oder Namen zu beachten:
Adliger oder Ausgestoßener.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist hochgradig subtil und zentral für das folgende Geschehen:
1. Alleinsein ohne Korrektiv
Dass Ānanda ohne 上座 (Senior) und ohne 阿闍黎 (Lehrmeister) unterwegs ist,
bedeutet:
kein äußeres Spiegeln, kein Halt durch die Gemeinschaft.
2. Formell korrekt – innerlich unbewacht
Das Almosengehen entspricht der Vinaya.
Äußerlich ist alles richtig.
Innerlich jedoch entsteht bereits eine geistige Setzung.
3. „心中初求“ – der erste Gedanke
Genau hier setzt das Sutra an:
Nicht die Handlung ist problematisch,
sondern der erste, unbemerkte Impuls des Geistes.
Dieser Geist ist noch nicht der ursprüngliche Grund,
sondern ein zielsetzender, wählender, planender Geist.
4. Gleichheit aus Konzept, nicht aus Einsicht
Die Gleichbehandlung von Kṣatriya und Caṇḍāla
entspringt hier nicht vollkommener Leerheit,
sondern einem gedanklichen Vorsatz.
Das macht ihn anfällig.
5. Vorbereitung der Verirrung
Das Sutra zeigt präzise:
Verstrickung beginnt nicht bei Begehren,
sondern bei einem unbeobachteten Gedanken.

Ānanda handelt korrekt, wohlmeinend und diszipliniert –
und genau deshalb ist dieser Moment so lehrreich.
Das folgende Geschehen wird nicht moralisch,
sondern ontologisch aufgelöst werden.
14 #
方行等慈,不擇微賤,發意圓成一切眾生無量功德,阿難已知如來世尊訶須菩提及大迦葉,為阿羅漢心不均平。
So wollte Ānanda
gleiche Güte üben,
niemanden gering achten
und alle Wesen
zur Vollendung unermesslichen Verdienstes führen.

Doch Ānanda wusste auch:
Der Tathāgata hatte Subhūti
und den großen Kāśyapa getadelt,
weil selbst ihr Arhat-Geist
nicht vollkommen ausgeglichen war.
Kommentar öffnen
Hier erreicht die innere Spannung des Textes einen kritischen Punkt:
1. Gleichheit als Intention, nicht als Sein
Ānandas Motivation ist aufrichtig und mahāyānisch:
gleiche Güte, keine Unterscheidung, universelles Verdienst.
Doch sie entspringt noch einem wollenden Geist,
nicht dem ruhenden, ursprünglichen Grund.
2. Das subtile Missverständnis
„不擇微賤“ klingt wie vollkommene Nicht-Unterscheidung.
Tatsächlich ist es aber ein gesetzter Vorsatz:
ein Akt des Geistes, der Gleichheit machen will.
3. Die Erinnerung an den Tadel
Dass selbst Subhūti (Leerheit)
und Mahākāśyapa (asketische Reinheit)
vom Buddha getadelt wurden, ist entscheidend:
Auch höchste Verwirklichung kann noch einseitig sein.
4. Arhat-Geist ≠ ursprünglicher Grund
Der Ausdruck „阿羅漢心不均平“
unterscheidet klar:
• ein gereinigter, disziplinierter Geist
• ist noch nicht notwendig der ursprüngliche, ausgeglichene ursprünglicher Grund.
5. Vorausdeutung der Kernlehre
Das Sutra bereitet hier vor,
was später explizit entfaltet wird:
Wahre Gleichheit entsteht nicht durch moralische Entscheidung,
sondern durch das Durchschauen des identifizierenden Geistes.

Ānanda bewegt sich mit bestem Willen –
und gerade dadurch offenbart sich die Grenze
zwischen edlem Geist
und unverstelltem, ursprünglichem Grund.
中文原文
方行等慈,不擇微賤,發意圓成一切眾生無量功德,阿難已知如來世尊訶須菩提及大迦葉,為阿羅漢心不均平。
Deutsch
So wollte Ānanda
gleiche Güte üben,
niemanden gering achten
und alle Wesen
zur Vollendung unermesslichen Verdienstes führen.

Doch Ānanda wusste auch:
Der Tathāgata hatte Subhūti
und den großen Kāśyapa getadelt,
weil selbst ihr Arhat-Geist
nicht vollkommen ausgeglichen war.
Kommentar
Hier erreicht die innere Spannung des Textes einen kritischen Punkt:
1. Gleichheit als Intention, nicht als Sein
Ānandas Motivation ist aufrichtig und mahāyānisch:
gleiche Güte, keine Unterscheidung, universelles Verdienst.
Doch sie entspringt noch einem wollenden Geist,
nicht dem ruhenden, ursprünglichen Grund.
2. Das subtile Missverständnis
„不擇微賤“ klingt wie vollkommene Nicht-Unterscheidung.
Tatsächlich ist es aber ein gesetzter Vorsatz:
ein Akt des Geistes, der Gleichheit machen will.
3. Die Erinnerung an den Tadel
Dass selbst Subhūti (Leerheit)
und Mahākāśyapa (asketische Reinheit)
vom Buddha getadelt wurden, ist entscheidend:
Auch höchste Verwirklichung kann noch einseitig sein.
4. Arhat-Geist ≠ ursprünglicher Grund
Der Ausdruck „阿羅漢心不均平“
unterscheidet klar:
• ein gereinigter, disziplinierter Geist
• ist noch nicht notwendig der ursprüngliche, ausgeglichene ursprünglicher Grund.
5. Vorausdeutung der Kernlehre
Das Sutra bereitet hier vor,
was später explizit entfaltet wird:
Wahre Gleichheit entsteht nicht durch moralische Entscheidung,
sondern durch das Durchschauen des identifizierenden Geistes.

Ānanda bewegt sich mit bestem Willen –
und gerade dadurch offenbart sich die Grenze
zwischen edlem Geist
und unverstelltem, ursprünglichem Grund.
15 #
欽仰如來,開闡無遮,度諸疑謗。經彼城隍,徐步郭門,嚴整威儀,肅恭齋法。
In ehrfürchtiger Hinwendung zum Tathāgata
vertraute Ānanda darauf,
dass die Lehre offen und ohne Schranken
alle Zweifel durchdringen könne.

So ging er durch den Bereich der Stadt,
schritt langsam durch das Tor,
hielt seine Haltung gesammelt und geordnet
und vollzog das Almosengehen
in stiller, achtsamer Würde.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt eine feine, fast paradoxe Spannung:
1. Vertrauen nach außen, Unklarheit nach innen
Ānanda richtet seine Ehrfurcht vollständig auf den Buddha.
Doch dieses Vertrauen ersetzt noch nicht
die eigene Durchdringung von ursprünglichem Grund und Geist.
2. „開闡無遮“ – Offenheit als Ideal
Ānanda glaubt an eine Lehre ohne Schranken.
Unbemerkt bleibt jedoch:
Sein eigenes Erkennen ist noch nicht schrankenlos.
3. Vorbildliche Form – ungeschützter Geist
Die Beschreibung von Haltung, Gang und Ritual
ist bewusst makellos.
Das Sutra kontrastiert hier:
• vollendete äußere Disziplin
• mit einer inneren Offenheit, die noch nicht abgesichert ist.
4. Langsames Gehen als Übergang
Das ruhige Schreiten durch das Stadttor
markiert symbolisch eine Schwelle:
vom geschützten Raum der Gemeinschaft
in die offene Welt der Bedingungen.

Der Text macht deutlich:
Makellose Form kann den Geist beruhigen –
aber sie ersetzt nicht das Erkennen des ursprünglichen Grundes.
中文原文
欽仰如來,開闡無遮,度諸疑謗。經彼城隍,徐步郭門,嚴整威儀,肅恭齋法。
Deutsch
In ehrfürchtiger Hinwendung zum Tathāgata
vertraute Ānanda darauf,
dass die Lehre offen und ohne Schranken
alle Zweifel durchdringen könne.

So ging er durch den Bereich der Stadt,
schritt langsam durch das Tor,
hielt seine Haltung gesammelt und geordnet
und vollzog das Almosengehen
in stiller, achtsamer Würde.
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt eine feine, fast paradoxe Spannung:
1. Vertrauen nach außen, Unklarheit nach innen
Ānanda richtet seine Ehrfurcht vollständig auf den Buddha.
Doch dieses Vertrauen ersetzt noch nicht
die eigene Durchdringung von ursprünglichem Grund und Geist.
2. „開闡無遮“ – Offenheit als Ideal
Ānanda glaubt an eine Lehre ohne Schranken.
Unbemerkt bleibt jedoch:
Sein eigenes Erkennen ist noch nicht schrankenlos.
3. Vorbildliche Form – ungeschützter Geist
Die Beschreibung von Haltung, Gang und Ritual
ist bewusst makellos.
Das Sutra kontrastiert hier:
• vollendete äußere Disziplin
• mit einer inneren Offenheit, die noch nicht abgesichert ist.
4. Langsames Gehen als Übergang
Das ruhige Schreiten durch das Stadttor
markiert symbolisch eine Schwelle:
vom geschützten Raum der Gemeinschaft
in die offene Welt der Bedingungen.

Der Text macht deutlich:
Makellose Form kann den Geist beruhigen –
aber sie ersetzt nicht das Erkennen des ursprünglichen Grundes.
16 #
爾時,阿難因乞食次,經歷婬室,遭大幻術摩登伽女,以娑毘迦羅先梵天呪攝入婬席,婬躬撫摩,將毀戒體。
Zu jener Zeit
ging Ānanda um Almosen.

Dabei kam er an einen Ort der Verlockung
und begegnete Mātaṅgī,
mächtig in Illusion und Zauber.
Mit einem alten Brahmā-Mantra
band sie seinen Geist
und zog ihn in die Sphäre der Begierde.

Durch Nähe und Berührung
stand Ānanda kurz davor,
die Grundlage seiner Gelübde zu verlieren.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den entscheidenden Bruchpunkt der bisherigen Erzählung:
1. Nicht der Körper, sondern der Geist wird gebunden
Der Text spricht zuerst von „攝入“ – dem Einfangen des Geistes.
Die äußere Situation wirkt nur deshalb,
weil der Geist bereits ungeschützt ist.
2. 幻術 – Illusion, nicht rohe Gewalt
Mātaṅgīs Wirken ist keine physische Überwältigung,
sondern eine Täuschung des Wahrnehmens.
Das ist zentral für das Sutra:
Verblendung entsteht durch falsche Zuschreibung von Realität.
3. Begierde als sekundäres Phänomen
Das Sutra zeigt klar:
Begierde folgt der Verirrung des Geistes –
sie ist nicht deren Ursprung.
4. 戒體 – die „Substanz“ der Gelübde
Dass die „Körperlichkeit“ der Gelübde bedroht ist,
macht deutlich:
Gelübde sind kein bloßes Regelwerk,
sondern Ausdruck einer inneren Ausrichtung.
Wird der Geist verwirrt,
geraten selbst tief verankerte Disziplinen ins Wanken.
5. Notwendigkeit der kommenden Lehre
Bis hierher wurde alles korrekt getan:
Disziplin, Gleichmut, Ehrfurcht.
Und doch reicht es nicht aus.
Genau hier öffnet sich der Raum
für die radikale Untersuchung von Geist und ursprünglichem Grund,
die das Shurangama-Sutra nun entfalten wird.

Der Text macht unmissverständlich klar:
Ohne das Erkennen des ursprünglichen Grundes
bleibt selbst reine Praxis verwundbar.
中文原文
爾時,阿難因乞食次,經歷婬室,遭大幻術摩登伽女,以娑毘迦羅先梵天呪攝入婬席,婬躬撫摩,將毀戒體。
Deutsch
Zu jener Zeit
ging Ānanda um Almosen.

Dabei kam er an einen Ort der Verlockung
und begegnete Mātaṅgī,
mächtig in Illusion und Zauber.
Mit einem alten Brahmā-Mantra
band sie seinen Geist
und zog ihn in die Sphäre der Begierde.

Durch Nähe und Berührung
stand Ānanda kurz davor,
die Grundlage seiner Gelübde zu verlieren.
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den entscheidenden Bruchpunkt der bisherigen Erzählung:
1. Nicht der Körper, sondern der Geist wird gebunden
Der Text spricht zuerst von „攝入“ – dem Einfangen des Geistes.
Die äußere Situation wirkt nur deshalb,
weil der Geist bereits ungeschützt ist.
2. 幻術 – Illusion, nicht rohe Gewalt
Mātaṅgīs Wirken ist keine physische Überwältigung,
sondern eine Täuschung des Wahrnehmens.
Das ist zentral für das Sutra:
Verblendung entsteht durch falsche Zuschreibung von Realität.
3. Begierde als sekundäres Phänomen
Das Sutra zeigt klar:
Begierde folgt der Verirrung des Geistes –
sie ist nicht deren Ursprung.
4. 戒體 – die „Substanz“ der Gelübde
Dass die „Körperlichkeit“ der Gelübde bedroht ist,
macht deutlich:
Gelübde sind kein bloßes Regelwerk,
sondern Ausdruck einer inneren Ausrichtung.
Wird der Geist verwirrt,
geraten selbst tief verankerte Disziplinen ins Wanken.
5. Notwendigkeit der kommenden Lehre
Bis hierher wurde alles korrekt getan:
Disziplin, Gleichmut, Ehrfurcht.
Und doch reicht es nicht aus.
Genau hier öffnet sich der Raum
für die radikale Untersuchung von Geist und ursprünglichem Grund,
die das Shurangama-Sutra nun entfalten wird.

Der Text macht unmissverständlich klar:
Ohne das Erkennen des ursprünglichen Grundes
bleibt selbst reine Praxis verwundbar.
17 #
如來知彼婬術所加,齋畢旋歸,王及大臣、長者、居士,俱來隨佛,願聞法要。于時世尊頂放百寶無畏光明,光中出生千葉寶蓮,有佛化身結跏趺坐,宣說神呪。
Der Tathāgata erkannte,
dass Ānanda
unter den Einfluss einer begierdeverzerrenden Illusion geraten war.

Nach dem Mahl kehrte er sogleich zurück.
Der König, die Minister,
Ältesten und Hausleute
folgten dem Buddha geschlossen,
in dem Wunsch,
das Wesentliche der Lehre zu hören.

Da ließ der Weltverehrte
vom Scheitel seines Hauptes
strahlendes, furchtloses Licht erblühen.
Im Licht erschienen
tausendblättrige Lotusblumen,
auf denen sich Buddha-Erscheinungen zeigten,
im Lotossitz verweilend,
und heilige Mantren verkündend.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt leitet den Übergang von der Krise zur rettenden Offenbarung ein:
1. Allwissende Klarheit des Erwachten
Der Buddha erkennt Ānandas Lage unmittelbar.
Nicht durch Bericht,
sondern durch durchdringende Einsicht in die Bewegungen des Geistes.
2. Handlung ohne Verzögerung
Das sofortige Zurückkehren zeigt:
Mitgefühl ist nicht emotional,
sondern präzise und zeitlos wirksam.
3. Öffentliche Dimension der Rettung
Dass König, Beamte und Laien folgen,
macht deutlich:
Das folgende Geschehen betrifft nicht nur Ānanda,
sondern alle Wesen, die dem Geist vertrauen.
4. Licht vom Scheitel – Symbol des ursprünglichen Grundes
Das Licht entspringt nicht Worten,
sondern der Spitze des Körpers –
ein klassisches Zeichen der unverhüllten Weisheit.
5. Mantra vor Erklärung
Noch bevor gelehrt oder analysiert wird,
erscheint der Klang.
Das Shurangama-Sutra macht hier deutlich:
Manche Verstrickungen des Geistes
können nur durch unmittelbare Resonanz gelöst werden,
nicht durch begriffliches Verstehen.

Dieser Moment öffnet den Raum,
in dem der ursprüngliche Grund selbst handelnd erscheint,
um den verwirrten Geist zu lösen.
中文原文
如來知彼婬術所加,齋畢旋歸,王及大臣、長者、居士,俱來隨佛,願聞法要。于時世尊頂放百寶無畏光明,光中出生千葉寶蓮,有佛化身結跏趺坐,宣說神呪。
Deutsch
Der Tathāgata erkannte,
dass Ānanda
unter den Einfluss einer begierdeverzerrenden Illusion geraten war.

Nach dem Mahl kehrte er sogleich zurück.
Der König, die Minister,
Ältesten und Hausleute
folgten dem Buddha geschlossen,
in dem Wunsch,
das Wesentliche der Lehre zu hören.

Da ließ der Weltverehrte
vom Scheitel seines Hauptes
strahlendes, furchtloses Licht erblühen.
Im Licht erschienen
tausendblättrige Lotusblumen,
auf denen sich Buddha-Erscheinungen zeigten,
im Lotossitz verweilend,
und heilige Mantren verkündend.
Kommentar
Dieser Abschnitt leitet den Übergang von der Krise zur rettenden Offenbarung ein:
1. Allwissende Klarheit des Erwachten
Der Buddha erkennt Ānandas Lage unmittelbar.
Nicht durch Bericht,
sondern durch durchdringende Einsicht in die Bewegungen des Geistes.
2. Handlung ohne Verzögerung
Das sofortige Zurückkehren zeigt:
Mitgefühl ist nicht emotional,
sondern präzise und zeitlos wirksam.
3. Öffentliche Dimension der Rettung
Dass König, Beamte und Laien folgen,
macht deutlich:
Das folgende Geschehen betrifft nicht nur Ānanda,
sondern alle Wesen, die dem Geist vertrauen.
4. Licht vom Scheitel – Symbol des ursprünglichen Grundes
Das Licht entspringt nicht Worten,
sondern der Spitze des Körpers –
ein klassisches Zeichen der unverhüllten Weisheit.
5. Mantra vor Erklärung
Noch bevor gelehrt oder analysiert wird,
erscheint der Klang.
Das Shurangama-Sutra macht hier deutlich:
Manche Verstrickungen des Geistes
können nur durch unmittelbare Resonanz gelöst werden,
nicht durch begriffliches Verstehen.

Dieser Moment öffnet den Raum,
in dem der ursprüngliche Grund selbst handelnd erscheint,
um den verwirrten Geist zu lösen.
18 #
勅文殊師利將呪往護,惡呪銷滅,提[13]㢡阿難及摩登伽歸來佛所。
Der Buddha wies Mañjuśrī an,
das Mantra zu bringen
und Schutz zu wirken.

Die dunklen Zauber zerfielen.
Ānanda
und Mātaṅgī
wurden gelöst
und zum Buddha zurückgeführt.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Wirkweise der Befreiung, noch bevor sie erklärt wird:
1. Weisheit handelt zuerst
Mañjuśrī – Verkörperung unterscheidender Weisheit –
wird entsandt, nicht ein Beschützer aus Kraft.
Das zeigt: Verblendung wird durch Einsicht gelöst,
nicht durch Gegen-Gewalt.
2. Mantra als Resonanz, nicht als Magie
Das „呪“ wirkt nicht durch Zwang,
sondern durch Aufhebung der falschen Bindung.
Das Böse verschwindet nicht bekämpft,
sondern entkräftet.
3. Beide werden zurückgeführt
Ānanda und Mātaṅgī kehren zurück.
Das Sutra vermeidet Schuldzuweisung:
Beide waren in eine Illusion verstrickt.
4. Rückkehr zum Buddha als Rückkehr zur Klarheit
„歸來佛所“ ist mehr als Ortswechsel.
Es bedeutet die Rückkehr
vom verstrickten Geist
zur Möglichkeit des Erwachens.

Der Text zeigt hier still, aber eindeutig:
Befreiung geschieht,
wenn Verblendung ihren Halt verliert.
中文原文
勅文殊師利將呪往護,惡呪銷滅,提[13]㢡阿難及摩登伽歸來佛所。
Deutsch
Der Buddha wies Mañjuśrī an,
das Mantra zu bringen
und Schutz zu wirken.

Die dunklen Zauber zerfielen.
Ānanda
und Mātaṅgī
wurden gelöst
und zum Buddha zurückgeführt.
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Wirkweise der Befreiung, noch bevor sie erklärt wird:
1. Weisheit handelt zuerst
Mañjuśrī – Verkörperung unterscheidender Weisheit –
wird entsandt, nicht ein Beschützer aus Kraft.
Das zeigt: Verblendung wird durch Einsicht gelöst,
nicht durch Gegen-Gewalt.
2. Mantra als Resonanz, nicht als Magie
Das „呪“ wirkt nicht durch Zwang,
sondern durch Aufhebung der falschen Bindung.
Das Böse verschwindet nicht bekämpft,
sondern entkräftet.
3. Beide werden zurückgeführt
Ānanda und Mātaṅgī kehren zurück.
Das Sutra vermeidet Schuldzuweisung:
Beide waren in eine Illusion verstrickt.
4. Rückkehr zum Buddha als Rückkehr zur Klarheit
„歸來佛所“ ist mehr als Ortswechsel.
Es bedeutet die Rückkehr
vom verstrickten Geist
zur Möglichkeit des Erwachens.

Der Text zeigt hier still, aber eindeutig:
Befreiung geschieht,
wenn Verblendung ihren Halt verliert.
19 #
阿難見佛,頂禮悲泣,恨無始來一向多聞未全道力,殷勤啟請十方如來得成菩提、妙奢摩他、三摩、禪那最初方便。
Als Ānanda den Buddha erblickte,
warf er sich nieder,
berührte mit dem Haupt den Boden
und weinte.

Er erkannte schmerzlich,
dass er seit anfangsloser Zeit
einseitig viel gehört hatte,
doch die Kraft des Weges
nicht wirklich verkörpert hatte.

In tiefem Ernst bat er:
Die Buddhas der zehn Richtungen
mögen den Weg offenbaren,
auf dem Bodhi verwirklicht wird –
die wunderbare Ruhe des Śamatha,
die Sammlung des Samādhi
und die Klarheit des Dhyāna:
die ersten, grundlegenden Zugänge.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der existenzielle Wendepunkt des Sutras:
1. Zusammenbruch der reinen Gelehrsamkeit
„一向多聞“ bezeichnet genau Ānandas Stärke –
und zugleich seine Grenze.
Hören ohne Verkörperung bleibt ungeschützt.
2. Tränen als Einsicht, nicht als Reue
Ānandas Weinen ist kein moralisches Schuldbekenntnis,
sondern das Erkennen einer ontologischen Lücke:
Wissen ersetzt nicht Erwachen.
3. Von persönlichem Scheitern zur universellen Bitte
Ānanda bittet nicht nur für sich.
Er ruft die Buddhas der zehn Richtungen an –
seine Frage wird zur Frage aller Wesen.
4. Die klare Benennung der Praxisstufen
Śamatha, Samādhi und Dhyāna
erscheinen hier nicht als Techniken,
sondern als Wege zurück zum ursprünglichen Grund:
• Ruhe des verwirrten Geistes
• Sammlung ohne Fixierung
• klares Verweilen ohne Subjekt-Objekt-Spaltung
5. Der eigentliche Beginn der Lehre
Erst jetzt ist der Boden bereitet.
Nicht durch Ritual,
nicht durch Disziplin,
nicht durch Wissen –
sondern durch das ehrliche Eingeständnis,
dass der Geist den ursprünglichen Grund noch nicht erkannt hat.

Hier beginnt das Shurangama-Sutra
in seinem innersten Sinn.
中文原文
阿難見佛,頂禮悲泣,恨無始來一向多聞未全道力,殷勤啟請十方如來得成菩提、妙奢摩他、三摩、禪那最初方便。
Deutsch
Als Ānanda den Buddha erblickte,
warf er sich nieder,
berührte mit dem Haupt den Boden
und weinte.

Er erkannte schmerzlich,
dass er seit anfangsloser Zeit
einseitig viel gehört hatte,
doch die Kraft des Weges
nicht wirklich verkörpert hatte.

In tiefem Ernst bat er:
Die Buddhas der zehn Richtungen
mögen den Weg offenbaren,
auf dem Bodhi verwirklicht wird –
die wunderbare Ruhe des Śamatha,
die Sammlung des Samādhi
und die Klarheit des Dhyāna:
die ersten, grundlegenden Zugänge.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der existenzielle Wendepunkt des Sutras:
1. Zusammenbruch der reinen Gelehrsamkeit
„一向多聞“ bezeichnet genau Ānandas Stärke –
und zugleich seine Grenze.
Hören ohne Verkörperung bleibt ungeschützt.
2. Tränen als Einsicht, nicht als Reue
Ānandas Weinen ist kein moralisches Schuldbekenntnis,
sondern das Erkennen einer ontologischen Lücke:
Wissen ersetzt nicht Erwachen.
3. Von persönlichem Scheitern zur universellen Bitte
Ānanda bittet nicht nur für sich.
Er ruft die Buddhas der zehn Richtungen an –
seine Frage wird zur Frage aller Wesen.
4. Die klare Benennung der Praxisstufen
Śamatha, Samādhi und Dhyāna
erscheinen hier nicht als Techniken,
sondern als Wege zurück zum ursprünglichen Grund:
• Ruhe des verwirrten Geistes
• Sammlung ohne Fixierung
• klares Verweilen ohne Subjekt-Objekt-Spaltung
5. Der eigentliche Beginn der Lehre
Erst jetzt ist der Boden bereitet.
Nicht durch Ritual,
nicht durch Disziplin,
nicht durch Wissen –
sondern durch das ehrliche Eingeständnis,
dass der Geist den ursprünglichen Grund noch nicht erkannt hat.

Hier beginnt das Shurangama-Sutra
in seinem innersten Sinn.
20 #
於時復有恒沙菩薩,及諸十方大阿羅漢、辟支佛等,俱願樂聞。退坐默然,承受聖旨。
Zu jener Zeit
waren Bodhisattvas zahlreich wie der Sand des Ganges zugegen,
ebenso große Arhats
und Pratyekabuddhas aus allen Richtungen.

Alle wünschten aufrichtig zu hören.
Sie traten zurück,
nahmen Platz,
wurden still
und öffneten sich
dem Wort des Erwachten.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt den inneren Raum, in dem wahre Lehre möglich wird:
1. Universale Hörbereitschaft
Alle Stufen des Erwachens sind vertreten –
niemand steht außerhalb der kommenden Unterweisung.
Selbst Vollendete hören noch.
2. „願樂聞“ – Freude am Hören
Hören ist hier kein passives Aufnehmen,
sondern ein inneres Sich-Öffnen.
Freude zeigt Resonanz mit dem ursprünglichen Grund,
noch bevor Worte gesprochen werden.
3. Rückzug statt Vortritt
„退坐“ bedeutet:
niemand drängt sich vor,
niemand behauptet Erkenntnis.
Weisheit beginnt mit Zurücktreten.
4. Schweigen als Empfangsform
Das Schweigen ist nicht Leere,
sondern gespannte Präsenz.
Erst im Stillwerden des Geistes
kann der ursprüngliche Grund angesprochen werden.
5. „承受聖旨“ – Empfangen, nicht Ergreifen
Die Lehre wird nicht gemacht oder genommen,
sondern empfangen.
Das Sutra zeigt damit:
Erwachen geschieht nicht durch Aneignung,
sondern durch Durchlässigkeit.

Hier ist der Raum bereitet:
Der Geist schweigt,
die Versammlung hört –
nun kann der ursprüngliche Grund selbst sprechen.
中文原文
於時復有恒沙菩薩,及諸十方大阿羅漢、辟支佛等,俱願樂聞。退坐默然,承受聖旨。
Deutsch
Zu jener Zeit
waren Bodhisattvas zahlreich wie der Sand des Ganges zugegen,
ebenso große Arhats
und Pratyekabuddhas aus allen Richtungen.

Alle wünschten aufrichtig zu hören.
Sie traten zurück,
nahmen Platz,
wurden still
und öffneten sich
dem Wort des Erwachten.
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt den inneren Raum, in dem wahre Lehre möglich wird:
1. Universale Hörbereitschaft
Alle Stufen des Erwachens sind vertreten –
niemand steht außerhalb der kommenden Unterweisung.
Selbst Vollendete hören noch.
2. „願樂聞“ – Freude am Hören
Hören ist hier kein passives Aufnehmen,
sondern ein inneres Sich-Öffnen.
Freude zeigt Resonanz mit dem ursprünglichen Grund,
noch bevor Worte gesprochen werden.
3. Rückzug statt Vortritt
„退坐“ bedeutet:
niemand drängt sich vor,
niemand behauptet Erkenntnis.
Weisheit beginnt mit Zurücktreten.
4. Schweigen als Empfangsform
Das Schweigen ist nicht Leere,
sondern gespannte Präsenz.
Erst im Stillwerden des Geistes
kann der ursprüngliche Grund angesprochen werden.
5. „承受聖旨“ – Empfangen, nicht Ergreifen
Die Lehre wird nicht gemacht oder genommen,
sondern empfangen.
Das Sutra zeigt damit:
Erwachen geschieht nicht durch Aneignung,
sondern durch Durchlässigkeit.

Hier ist der Raum bereitet:
Der Geist schweigt,
die Versammlung hört –
nun kann der ursprüngliche Grund selbst sprechen.
21 #
佛告阿難:「汝我同氣,情均天倫,當初發心,於我法中見何勝相?頓捨世間深重恩愛!」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du und ich sind aus derselben Familie,
durch gleiche Bande verbunden.

Als du damals den ersten Entschluss fasstest –
was hast du in meiner Lehre gesehen,
das dich so unmittelbar berührt hat,
dass du die tiefen, schweren Verstrickungen
weltlicher Liebe
auf einen Schlag losgelassen hast?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt eröffnet die zentrale Untersuchung des Sutras – nicht abstrakt, sondern persönlich:
1. Nähe statt Distanz
Der Buddha beginnt nicht belehrend,
sondern stellt die gemeinsame menschliche Nähe heraus.
Erwachen negiert Beziehung nicht,
sondern durchdringt sie.
2. Die Frage nach dem ursprünglichen Motiv
Die Frage richtet sich nicht auf Praxis oder Disziplin,
sondern auf das erste Sehen:
Was wurde erkannt, bevor der Weg begann?
3. „見何勝相“ – welches überragende Merkmal
Entscheidend ist nicht was Ānanda tat,
sondern was er gesehen zu haben glaubte.
Damit lenkt der Buddha den Fokus
direkt auf Wahrnehmung und Zuschreibung.
4. Plötzlicher Verzicht als Prüfstein
Das sofortige Aufgeben tiefer Bindungen
ist kein Beweis von Reife,
sondern ein Hinweis auf eine starke,
möglicherweise noch ungeprüfte Einsicht.
5. Vorbereitung der späteren Korrektur
Die Frage ist offen, nicht wertend.
Sie bereitet den Raum,
in dem Ānandas ursprüngliche Verwechslung
zwischen Geist und ursprünglichem Grund
sichtbar gemacht werden kann.

Der Buddha fragt hier nicht,
um zu informieren,
sondern um Ānanda
zu seiner eigenen Quelle zurückzuführen.
中文原文
佛告阿難:「汝我同氣,情均天倫,當初發心,於我法中見何勝相?頓捨世間深重恩愛!」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du und ich sind aus derselben Familie,
durch gleiche Bande verbunden.

Als du damals den ersten Entschluss fasstest –
was hast du in meiner Lehre gesehen,
das dich so unmittelbar berührt hat,
dass du die tiefen, schweren Verstrickungen
weltlicher Liebe
auf einen Schlag losgelassen hast?“
Kommentar
Dieser Abschnitt eröffnet die zentrale Untersuchung des Sutras – nicht abstrakt, sondern persönlich:
1. Nähe statt Distanz
Der Buddha beginnt nicht belehrend,
sondern stellt die gemeinsame menschliche Nähe heraus.
Erwachen negiert Beziehung nicht,
sondern durchdringt sie.
2. Die Frage nach dem ursprünglichen Motiv
Die Frage richtet sich nicht auf Praxis oder Disziplin,
sondern auf das erste Sehen:
Was wurde erkannt, bevor der Weg begann?
3. „見何勝相“ – welches überragende Merkmal
Entscheidend ist nicht was Ānanda tat,
sondern was er gesehen zu haben glaubte.
Damit lenkt der Buddha den Fokus
direkt auf Wahrnehmung und Zuschreibung.
4. Plötzlicher Verzicht als Prüfstein
Das sofortige Aufgeben tiefer Bindungen
ist kein Beweis von Reife,
sondern ein Hinweis auf eine starke,
möglicherweise noch ungeprüfte Einsicht.
5. Vorbereitung der späteren Korrektur
Die Frage ist offen, nicht wertend.
Sie bereitet den Raum,
in dem Ānandas ursprüngliche Verwechslung
zwischen Geist und ursprünglichem Grund
sichtbar gemacht werden kann.

Der Buddha fragt hier nicht,
um zu informieren,
sondern um Ānanda
zu seiner eigenen Quelle zurückzuführen.
22 #
阿難白佛:「我見如來三十二相勝妙殊絕,形體映徹猶如瑠璃。常自思惟:『此相非是欲愛所生。何以故?欲氣麁濁,腥臊交遘,膿血雜亂,不能發生勝淨妙明紫金光聚。』是以渴仰,從佛剃落。」
Ānanda sprach zum Buddha:

„Ich sah an dir
die zweiunddreißig Zeichen des Erwachten –
überragend, klar und unvergleichlich.
Dein Körper erschien mir
durchscheinend wie reines Licht,
klar wie Lapislazuli.

Ich dachte bei mir:
‚Dies kann nicht aus begehrender Liebe hervorgegangen sein.
Denn Begierde ist grob und trüb,
vermischt, schwer und unrein.
Aus ihr kann kein
reines, wunderbares, leuchtendes
Licht von violett-goldener Klarheit entstehen.‘

Darum wuchs in mir tiefe Sehnsucht.
Ich folgte dem Buddha
und ließ Weltliches hinter mir.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt offenbart Ānandas ursprüngliche Verwechslung in ihrer reinsten Form:
1. Erkenntnis beginnt mit dem Auge
Ānandas Motivation gründet vollständig im Sehen:
Er sieht Form, Licht, Schönheit, Reinheit.
Noch ist der ursprüngliche Grund nicht erkannt –
nur eine außergewöhnliche Erscheinung.
2. Richtige Schlussfolgerung – falsche Ebene
Seine Analyse ist logisch korrekt:
Grobe Begierde kann keine reine Erscheinung hervorbringen.
Doch der Schluss bleibt auf der Ebene der Formursache stehen.
3. Verwechslung von Reinheit und Ursprung
Ānanda erkennt:
Diese Form ist nicht aus Begierde geboren.
Doch er erkennt noch nicht,
woher sie tatsächlich stammt.
Die Quelle bleibt unausgesprochen.
4. Begehren nach Reinheit bleibt Begehren
Die Sehnsucht richtet sich nun nicht mehr auf Sinnesobjekte,
sondern auf spirituelle Schönheit.
Das Begehren hat lediglich sein Objekt verfeinert.
5. Der Keim der späteren Korrektur
Genau hier setzt der Buddha später an:
Nicht die äußere Reinheit der Erscheinung
ist der Schlüssel,
sondern das Erkennen dessen,
was überhaupt sieht.

Ānandas Eintritt in den Weg
entspringt aufrichtiger Klarheit –
und doch noch dem verwirrten Geist,
der Form für Ursprung hält.
中文原文
阿難白佛:「我見如來三十二相勝妙殊絕,形體映徹猶如瑠璃。常自思惟:『此相非是欲愛所生。何以故?欲氣麁濁,腥臊交遘,膿血雜亂,不能發生勝淨妙明紫金光聚。』是以渴仰,從佛剃落。」
Deutsch
Ānanda sprach zum Buddha:

„Ich sah an dir
die zweiunddreißig Zeichen des Erwachten –
überragend, klar und unvergleichlich.
Dein Körper erschien mir
durchscheinend wie reines Licht,
klar wie Lapislazuli.

Ich dachte bei mir:
‚Dies kann nicht aus begehrender Liebe hervorgegangen sein.
Denn Begierde ist grob und trüb,
vermischt, schwer und unrein.
Aus ihr kann kein
reines, wunderbares, leuchtendes
Licht von violett-goldener Klarheit entstehen.‘

Darum wuchs in mir tiefe Sehnsucht.
Ich folgte dem Buddha
und ließ Weltliches hinter mir.“
Kommentar
Dieser Abschnitt offenbart Ānandas ursprüngliche Verwechslung in ihrer reinsten Form:
1. Erkenntnis beginnt mit dem Auge
Ānandas Motivation gründet vollständig im Sehen:
Er sieht Form, Licht, Schönheit, Reinheit.
Noch ist der ursprüngliche Grund nicht erkannt –
nur eine außergewöhnliche Erscheinung.
2. Richtige Schlussfolgerung – falsche Ebene
Seine Analyse ist logisch korrekt:
Grobe Begierde kann keine reine Erscheinung hervorbringen.
Doch der Schluss bleibt auf der Ebene der Formursache stehen.
3. Verwechslung von Reinheit und Ursprung
Ānanda erkennt:
Diese Form ist nicht aus Begierde geboren.
Doch er erkennt noch nicht,
woher sie tatsächlich stammt.
Die Quelle bleibt unausgesprochen.
4. Begehren nach Reinheit bleibt Begehren
Die Sehnsucht richtet sich nun nicht mehr auf Sinnesobjekte,
sondern auf spirituelle Schönheit.
Das Begehren hat lediglich sein Objekt verfeinert.
5. Der Keim der späteren Korrektur
Genau hier setzt der Buddha später an:
Nicht die äußere Reinheit der Erscheinung
ist der Schlüssel,
sondern das Erkennen dessen,
was überhaupt sieht.

Ānandas Eintritt in den Weg
entspringt aufrichtiger Klarheit –
und doch noch dem verwirrten Geist,
der Form für Ursprung hält.
23 #
佛言:「善哉!阿難!汝等當知:一切眾生從無始來生死相續,皆由不知常住真心性淨明體,用諸妄想,此想不真故有輪轉。汝今欲研無上菩提真發明性,應當直心詶我所問。
Der Buddha sprach:

„Gut so, Ānanda.
Ihr solltet wissen:

Alle Wesen
wandern seit anfangsloser Zeit
im Kreislauf von Geburt und Tod,
weil sie den beständig verweilenden
Grund der Wahrheit,
seiner Natur nach
unverstellt und klar,
nicht erkennen.

Stattdessen bedienen sie sich
des verwirrten Geistes
und seiner vielen Vorstellungen.
Diese Vorstellungen sind nicht wirklich –
und gerade deshalb
entsteht das Kreisen.

Wenn du nun
die wahre Natur des höchsten Bodhi
wirklich ergründen willst,
dann antworte mir
mit geradem Herzen
auf meine Frage.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der grundlegende Lehrsatz des gesamten Shurangama-Sutras:
1. Die Ursache von Samsara ist Erkenntnisverlust, nicht Moralversagen
Geburt und Tod dauern nicht an,
weil Wesen „schlecht“ handeln,
sondern weil sie den ursprünglichen Grund nicht erkennen.
2. Der ursprüngliche Grund ist ausdrücklich bestimmt
• 常住: beständig, nicht vergänglich
• 真: wahr, nicht konstruiert
• 性淨: seinem Wesen nach rein
• 明體: leuchtende Gegenwart
Damit ist klar:
Der ursprüngliche Grund ist keine Funktion des Geistes,
sondern dessen Grund.
3. Der verwirrte Geist ist sekundär
妄想 sind nicht einfach „Gedanken“,
sondern ein Ersatzmechanismus:
Weil der ursprüngliche Grund nicht erkannt wird,
tritt der Geist mit seinen Bildern an seine Stelle.
4. Unwirklichkeit als Ursache der Wirksamkeit
Paradox, aber zentral:
Gerade weil die Vorstellungen nicht wahr sind,
können sie binden.
Das Reale bindet nicht –
nur das Fälschlich-Realgenommene.
5. Der methodische Wendepunkt
Der Buddha kündigt nun keine Theorie an,
sondern eine Untersuchung.
„Gerades Herz“ bedeutet:
keine Ausflucht in Konzepte,
keine spirituelle Selbstdarstellung,
sondern unmittelbare Ehrlichkeit.

Ab hier spricht das Sutra
nicht mehr über den Weg,
sondern führt in ihn hinein.
中文原文
佛言:「善哉!阿難!汝等當知:一切眾生從無始來生死相續,皆由不知常住真心性淨明體,用諸妄想,此想不真故有輪轉。汝今欲研無上菩提真發明性,應當直心詶我所問。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Gut so, Ānanda.
Ihr solltet wissen:

Alle Wesen
wandern seit anfangsloser Zeit
im Kreislauf von Geburt und Tod,
weil sie den beständig verweilenden
Grund der Wahrheit,
seiner Natur nach
unverstellt und klar,
nicht erkennen.

Stattdessen bedienen sie sich
des verwirrten Geistes
und seiner vielen Vorstellungen.
Diese Vorstellungen sind nicht wirklich –
und gerade deshalb
entsteht das Kreisen.

Wenn du nun
die wahre Natur des höchsten Bodhi
wirklich ergründen willst,
dann antworte mir
mit geradem Herzen
auf meine Frage.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der grundlegende Lehrsatz des gesamten Shurangama-Sutras:
1. Die Ursache von Samsara ist Erkenntnisverlust, nicht Moralversagen
Geburt und Tod dauern nicht an,
weil Wesen „schlecht“ handeln,
sondern weil sie den ursprünglichen Grund nicht erkennen.
2. Der ursprüngliche Grund ist ausdrücklich bestimmt
• 常住: beständig, nicht vergänglich
• 真: wahr, nicht konstruiert
• 性淨: seinem Wesen nach rein
• 明體: leuchtende Gegenwart
Damit ist klar:
Der ursprüngliche Grund ist keine Funktion des Geistes,
sondern dessen Grund.
3. Der verwirrte Geist ist sekundär
妄想 sind nicht einfach „Gedanken“,
sondern ein Ersatzmechanismus:
Weil der ursprüngliche Grund nicht erkannt wird,
tritt der Geist mit seinen Bildern an seine Stelle.
4. Unwirklichkeit als Ursache der Wirksamkeit
Paradox, aber zentral:
Gerade weil die Vorstellungen nicht wahr sind,
können sie binden.
Das Reale bindet nicht –
nur das Fälschlich-Realgenommene.
5. Der methodische Wendepunkt
Der Buddha kündigt nun keine Theorie an,
sondern eine Untersuchung.
„Gerades Herz“ bedeutet:
keine Ausflucht in Konzepte,
keine spirituelle Selbstdarstellung,
sondern unmittelbare Ehrlichkeit.

Ab hier spricht das Sutra
nicht mehr über den Weg,
sondern führt in ihn hinein.
24 #
十方如來同一道故出離生死,皆以直心!心言直故,如是乃至終始地位,中間永無諸委曲相。
Die Buddhas der zehn Richtungen
verlassen Geburt und Tod
durch ein und denselben Weg.

Dieser Weg ist
das gerade Herz.

Weil Herz und Wort gerade sind,
bleibt der Weg
vom ersten Schritt
bis zur letzten Verwirklichung
durchgehend unverzerrt.
Es gibt kein Dazwischen,
kein Verbiegen,
kein Ausweichen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt präzisiert die Methode des Erwachens in äußerster Klarheit:
1. Ein Weg – keine Varianten
„同一道“ schließt jede esoterische Sonderroute aus.
Erwachen ist nicht individuell im Prinzip,
sondern nur in der Erscheinungsform.
2. Gerades Herz als ontologische Ausrichtung
„直心“ meint keine moralische Aufrichtigkeit,
sondern das Nicht-Abweichen
vom ursprünglichen Grund hin zum verwirrten Geist.
Gerade ist,
was nichts hinzufügt und nichts umgeht.
3. Einheit von Herz und Sprache
„心言直故“ zeigt:
Wahrheit ist nicht innerlich privat.
Wo der ursprüngliche Grund erkannt ist,
sind Denken, Sprechen und Handeln kohärent.
4. Der Weg ist vom Anfang bis zum Ende identisch
Es gibt keinen Punkt,
an dem man „umsteigen“ müsste.
Was am Anfang gerade ist,
bleibt es bis zur Buddhaschaft.
5. Implizite Warnung
Jede Krümmung –
spirituelle Umwege, raffinierte Konzepte,
Selbstoptimierung des Geistes –
ist bereits ein Verlassen des Weges.

Das Sutra formuliert hier eine radikale Einfachheit:
Nicht mehr Praxis,
nicht mehr Wissen,
sondern keine Abweichung vom ursprünglichen Grund.
中文原文
十方如來同一道故出離生死,皆以直心!心言直故,如是乃至終始地位,中間永無諸委曲相。
Deutsch
Die Buddhas der zehn Richtungen
verlassen Geburt und Tod
durch ein und denselben Weg.

Dieser Weg ist
das gerade Herz.

Weil Herz und Wort gerade sind,
bleibt der Weg
vom ersten Schritt
bis zur letzten Verwirklichung
durchgehend unverzerrt.
Es gibt kein Dazwischen,
kein Verbiegen,
kein Ausweichen.
Kommentar
Dieser Abschnitt präzisiert die Methode des Erwachens in äußerster Klarheit:
1. Ein Weg – keine Varianten
„同一道“ schließt jede esoterische Sonderroute aus.
Erwachen ist nicht individuell im Prinzip,
sondern nur in der Erscheinungsform.
2. Gerades Herz als ontologische Ausrichtung
„直心“ meint keine moralische Aufrichtigkeit,
sondern das Nicht-Abweichen
vom ursprünglichen Grund hin zum verwirrten Geist.
Gerade ist,
was nichts hinzufügt und nichts umgeht.
3. Einheit von Herz und Sprache
„心言直故“ zeigt:
Wahrheit ist nicht innerlich privat.
Wo der ursprüngliche Grund erkannt ist,
sind Denken, Sprechen und Handeln kohärent.
4. Der Weg ist vom Anfang bis zum Ende identisch
Es gibt keinen Punkt,
an dem man „umsteigen“ müsste.
Was am Anfang gerade ist,
bleibt es bis zur Buddhaschaft.
5. Implizite Warnung
Jede Krümmung –
spirituelle Umwege, raffinierte Konzepte,
Selbstoptimierung des Geistes –
ist bereits ein Verlassen des Weges.

Das Sutra formuliert hier eine radikale Einfachheit:
Nicht mehr Praxis,
nicht mehr Wissen,
sondern keine Abweichung vom ursprünglichen Grund.
25 #
「阿難!我今問汝,當汝發心緣於如來三十二相,將何所見?誰為愛樂?」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Als du deinen ersten Entschluss fasstest
und dich an meine zweiunddreißig Zeichen bandest –
womit hast du gesehen?
Und wer war es,
der sich daran erfreute
und Verlangen empfand?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt eröffnet die eigentliche Untersuchung des Geistes:
1. Zweiteilung der Erfahrung
Der Buddha trennt bewusst:
• das Sehen
• und das Lieben / Begehren
Beides wird nun nicht mehr als selbstverständlich hingenommen.
2. Die Frage nach dem Instrument
„將何所見“ fragt nicht was gesehen wurde,
sondern womit.
Damit wird der Blick vom Objekt
auf die Bedingung des Wahrnehmens gelenkt.
3. Die Frage nach dem Subjekt
„誰為愛樂“ zielt auf das Zentrum der Identifikation:
Wer ist es eigentlich,
der begehrt?
Diese Frage untergräbt das ungeprüfte „Ich“.
4. Form als Auslöser, nicht als Ursache
Die zweiunddreißig Merkmale
werden nicht verneint.
Aber sie werden als Anlass entlarvt,
nicht als Quelle des Weges.
5. Beginn der Entkoppelung von Geist und ursprünglichem Grund
Mit diesen zwei Fragen
beginnt der Buddha,
das Wahrnehmen selbst zu untersuchen.
Der verwirrte Geist wird sichtbar,
ohne ihn zu verurteilen.

Ab hier wird das Sutra
zu einer direkten Spiegelung:
Nicht die Erscheinung,
sondern das,
was sieht und liebt,
steht nun im Fokus.
中文原文
「阿難!我今問汝,當汝發心緣於如來三十二相,將何所見?誰為愛樂?」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Als du deinen ersten Entschluss fasstest
und dich an meine zweiunddreißig Zeichen bandest –
womit hast du gesehen?
Und wer war es,
der sich daran erfreute
und Verlangen empfand?“
Kommentar
Dieser Abschnitt eröffnet die eigentliche Untersuchung des Geistes:
1. Zweiteilung der Erfahrung
Der Buddha trennt bewusst:
• das Sehen
• und das Lieben / Begehren
Beides wird nun nicht mehr als selbstverständlich hingenommen.
2. Die Frage nach dem Instrument
„將何所見“ fragt nicht was gesehen wurde,
sondern womit.
Damit wird der Blick vom Objekt
auf die Bedingung des Wahrnehmens gelenkt.
3. Die Frage nach dem Subjekt
„誰為愛樂“ zielt auf das Zentrum der Identifikation:
Wer ist es eigentlich,
der begehrt?
Diese Frage untergräbt das ungeprüfte „Ich“.
4. Form als Auslöser, nicht als Ursache
Die zweiunddreißig Merkmale
werden nicht verneint.
Aber sie werden als Anlass entlarvt,
nicht als Quelle des Weges.
5. Beginn der Entkoppelung von Geist und ursprünglichem Grund
Mit diesen zwei Fragen
beginnt der Buddha,
das Wahrnehmen selbst zu untersuchen.
Der verwirrte Geist wird sichtbar,
ohne ihn zu verurteilen.

Ab hier wird das Sutra
zu einer direkten Spiegelung:
Nicht die Erscheinung,
sondern das,
was sieht und liebt,
steht nun im Fokus.
26 #
阿難白佛言:「世尊!如是愛樂,用我心目。由目觀見如來勝相,心生愛樂,故我發心,願捨生死。」
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
dieses Lieben und Sich-Erfreuen
geschah durch meinen Geist
und durch meine Augen.

Mit den Augen
sah ich die überragenden Zeichen des Erwachten.
Im Geist
entstand Freude und Verlangen.

Darum fasste ich den Entschluss,
Geburt und Tod hinter mir zu lassen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt macht Ānandas grundlegende Annahme explizit:
1. Ungeprüfte Identifikation
Ānanda antwortet ehrlich und direkt:
Er setzt selbstverständlich voraus,
dass Augen sehen
und Geist liebt.
Genau diese Selbstverständlichkeit
wird der Buddha nun auflösen.
2. Vermischung von Funktion und Wesen
Augen sind Bedingungen des Sehens,
der Geist ist Bedingung von Begehren –
doch Ānanda hält sie für die eigentlichen Akteure.
Der ursprüngliche Grund bleibt unerkannt.
3. Edle Motivation auf falscher Grundlage
Der Wunsch, Geburt und Tod zu verlassen,
ist aufrichtig.
Doch er gründet auf einer Erfahrung,
die vollständig innerhalb
von Wahrnehmung und Gefühl bleibt.
4. Form → Gefühl → Entschluss
Die Kette ist klar:
Erscheinung → Reaktion → Entschluss.
Der Buddha wird nun zeigen,
dass diese Kette selbst
bereits Teil des Samsara ist.
5. Der ideale Ausgangspunkt für die Untersuchung
Ānanda verteidigt nichts,
verschleiert nichts,
spirituellisiert nichts.
Gerade deshalb
kann der Buddha jetzt
Schritt für Schritt zeigen,
dass weder Augen noch Geist
der wahre Ursprung des Sehens sind.

Hier steht der verwirrte Geist
vollständig offen da –
bereit,
sich selbst zu durchschauen.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!如是愛樂,用我心目。由目觀見如來勝相,心生愛樂,故我發心,願捨生死。」
Deutsch
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
dieses Lieben und Sich-Erfreuen
geschah durch meinen Geist
und durch meine Augen.

Mit den Augen
sah ich die überragenden Zeichen des Erwachten.
Im Geist
entstand Freude und Verlangen.

Darum fasste ich den Entschluss,
Geburt und Tod hinter mir zu lassen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt macht Ānandas grundlegende Annahme explizit:
1. Ungeprüfte Identifikation
Ānanda antwortet ehrlich und direkt:
Er setzt selbstverständlich voraus,
dass Augen sehen
und Geist liebt.
Genau diese Selbstverständlichkeit
wird der Buddha nun auflösen.
2. Vermischung von Funktion und Wesen
Augen sind Bedingungen des Sehens,
der Geist ist Bedingung von Begehren –
doch Ānanda hält sie für die eigentlichen Akteure.
Der ursprüngliche Grund bleibt unerkannt.
3. Edle Motivation auf falscher Grundlage
Der Wunsch, Geburt und Tod zu verlassen,
ist aufrichtig.
Doch er gründet auf einer Erfahrung,
die vollständig innerhalb
von Wahrnehmung und Gefühl bleibt.
4. Form → Gefühl → Entschluss
Die Kette ist klar:
Erscheinung → Reaktion → Entschluss.
Der Buddha wird nun zeigen,
dass diese Kette selbst
bereits Teil des Samsara ist.
5. Der ideale Ausgangspunkt für die Untersuchung
Ānanda verteidigt nichts,
verschleiert nichts,
spirituellisiert nichts.
Gerade deshalb
kann der Buddha jetzt
Schritt für Schritt zeigen,
dass weder Augen noch Geist
der wahre Ursprung des Sehens sind.

Hier steht der verwirrte Geist
vollständig offen da –
bereit,
sich selbst zu durchschauen.
27 #
佛告阿難:「如汝所說真所愛樂因于心目,若不識知心目所在,則不能得降伏塵勞。譬如國王為賊所侵,發兵討除,是兵要當知賊所在。使汝流轉,心目為咎;吾今問汝,唯心與目,今何所在?」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn – wie du sagst –
Lieben und Begehren
durch Geist und Augen entstehen,
dann musst du auch wissen,
wo Geist und Augen sind.

Erkennt man ihren Ort nicht,
kann man die Verstrickungen der Welt
nicht überwinden.

Es ist wie bei einem König,
dessen Land von Räubern besetzt ist:
Er sendet Truppen aus,
doch diese müssen wissen,
wo die Räuber sind.

Dass du im Kreislauf umherwanderst,
liegt an Geist und Augen.
Darum frage ich dich jetzt:
Wenn es wirklich nur Geist und Augen sind –
wo befinden sie sich jetzt?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt verschärft die Untersuchung zu einer ontologischen Präzisionsfrage:
1. Von Funktion zur Lokalisierung
Bisher sprach Ānanda von dem,
was Geist und Augen tun.
Der Buddha fragt nun nach dem Ort.
Damit wird implizit klar:
Was nicht lokalisierbar ist,
kann nicht der feste Ursprung sein.
2. Staub-Arbeiten (塵勞)
Die Verstrickungen der Welt
sind nicht moralische Fehler,
sondern Arbeitsprozesse des Geistes,
der sich an Objekte bindet.
Ohne Kenntnis des Ursprungs
bleibt jede Bekämpfung oberflächlich.
3. Das Gleichnis vom König
Der Geist wird nicht bekämpft,
sondern verstanden.
Erkenntnis ersetzt Gewalt.
Wer den Ort des „Räubers“ nicht kennt,
kämpft im Leeren.
4. Implizite Umkehrung
Der Buddha sagt nicht:
„Herz und Augen sind falsch.“
Er sagt:
„Wenn du sie für den Ursprung hältst,
dann zeige mir ihren Ort.“
Die Untersuchung wird logisch,
nicht dogmatisch.
5. Vorbereitung der Dekonstruktion
Diese Frage wird Ānanda zwingen,
Schritt für Schritt zu erkennen:
Weder Auge noch Geist
lassen sich als fixer Sitz des Sehens finden.
Damit öffnet sich der Raum,
in dem der ursprüngliche Grund überhaupt erst
als Möglichkeit erscheinen kann.

Ab hier beginnt das Sutra,
den vermeintlich selbstverständlichen Geist
systematisch aufzulösen –
nicht durch Ablehnung,
sondern durch präzise Befragung.
中文原文
佛告阿難:「如汝所說真所愛樂因于心目,若不識知心目所在,則不能得降伏塵勞。譬如國王為賊所侵,發兵討除,是兵要當知賊所在。使汝流轉,心目為咎;吾今問汝,唯心與目,今何所在?」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn – wie du sagst –
Lieben und Begehren
durch Geist und Augen entstehen,
dann musst du auch wissen,
wo Geist und Augen sind.

Erkennt man ihren Ort nicht,
kann man die Verstrickungen der Welt
nicht überwinden.

Es ist wie bei einem König,
dessen Land von Räubern besetzt ist:
Er sendet Truppen aus,
doch diese müssen wissen,
wo die Räuber sind.

Dass du im Kreislauf umherwanderst,
liegt an Geist und Augen.
Darum frage ich dich jetzt:
Wenn es wirklich nur Geist und Augen sind –
wo befinden sie sich jetzt?“
Kommentar
Dieser Abschnitt verschärft die Untersuchung zu einer ontologischen Präzisionsfrage:
1. Von Funktion zur Lokalisierung
Bisher sprach Ānanda von dem,
was Geist und Augen tun.
Der Buddha fragt nun nach dem Ort.
Damit wird implizit klar:
Was nicht lokalisierbar ist,
kann nicht der feste Ursprung sein.
2. Staub-Arbeiten (塵勞)
Die Verstrickungen der Welt
sind nicht moralische Fehler,
sondern Arbeitsprozesse des Geistes,
der sich an Objekte bindet.
Ohne Kenntnis des Ursprungs
bleibt jede Bekämpfung oberflächlich.
3. Das Gleichnis vom König
Der Geist wird nicht bekämpft,
sondern verstanden.
Erkenntnis ersetzt Gewalt.
Wer den Ort des „Räubers“ nicht kennt,
kämpft im Leeren.
4. Implizite Umkehrung
Der Buddha sagt nicht:
„Herz und Augen sind falsch.“
Er sagt:
„Wenn du sie für den Ursprung hältst,
dann zeige mir ihren Ort.“
Die Untersuchung wird logisch,
nicht dogmatisch.
5. Vorbereitung der Dekonstruktion
Diese Frage wird Ānanda zwingen,
Schritt für Schritt zu erkennen:
Weder Auge noch Geist
lassen sich als fixer Sitz des Sehens finden.
Damit öffnet sich der Raum,
in dem der ursprüngliche Grund überhaupt erst
als Möglichkeit erscheinen kann.

Ab hier beginnt das Sutra,
den vermeintlich selbstverständlichen Geist
systematisch aufzulösen –
nicht durch Ablehnung,
sondern durch präzise Befragung.
28 #
阿難白佛言:「世尊!一切世間十種異生,同將識心居在身內;縱觀如來青蓮花眼,亦在佛面。我今觀此浮根四塵,秖在我面;如是識心,實居身內。」
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
alle weltlichen Wesen
gehen davon aus,
dass ihr erkennender Geist
im Inneren des Körpers wohnt.

Wenn ich die lotusgleichen Augen des Erwachten betrachte,
sind sie im Antlitz des Buddha.
Wenn ich meine Sinneswurzeln
und die vier Wahrnehmungsobjekte betrachte,
erscheinen sie vor meinem Gesicht.

Daher schließe ich:
Der erkennende Geist
befindet sich tatsächlich
im Inneren des Körpers.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert Ānandas erste explizite Ortsbestimmung des Geistes:
1. Berufung auf Allgemeinmeinung
Ānanda stützt sich auf das,
was „alle weltlichen Wesen“ annehmen.
Das Sutra zeigt hier bewusst:
Konsens ersetzt keine Erkenntnis.
2. Analogieschluss von Auge zu Geist
Weil die Augen im Gesicht sitzen
und Objekte vor ihnen erscheinen,
schließt Ānanda,
dass auch der Geist „innen“ sein müsse.
Dies ist logisch –
aber nur innerhalb eines ungeprüften Modells.
3. Verwechslung von Bedingung und Ursprung
Sinnesorgane sind Bedingungen der Wahrnehmung.
Der Geist reagiert auf sie.
Doch daraus folgt nicht,
dass der Geist selbst
einen festen Ort im Körper hat.
4. Der entscheidende Fehler
Ānanda nimmt an,
dass das, was erkennt,
räumlich lokalisierbar sein müsse.
Genau diese Annahme
wird der Buddha nun Schritt für Schritt auflösen.
5. Vorbereitung der systematischen Widerlegung
Diese Antwort ist notwendig:
Erst wenn der Geist „im Inneren“ verortet wird,
kann gezeigt werden,
dass er dort nicht gefunden werden kann.

Hier beginnt die berühmte Analyse des Shurangama-Sutras,
in der jede mögliche Ortszuweisung des Geistes
gründlich geprüft
und schließlich überschritten wird.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!一切世間十種異生,同將識心居在身內;縱觀如來青蓮花眼,亦在佛面。我今觀此浮根四塵,秖在我面;如是識心,實居身內。」
Deutsch
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
alle weltlichen Wesen
gehen davon aus,
dass ihr erkennender Geist
im Inneren des Körpers wohnt.

Wenn ich die lotusgleichen Augen des Erwachten betrachte,
sind sie im Antlitz des Buddha.
Wenn ich meine Sinneswurzeln
und die vier Wahrnehmungsobjekte betrachte,
erscheinen sie vor meinem Gesicht.

Daher schließe ich:
Der erkennende Geist
befindet sich tatsächlich
im Inneren des Körpers.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert Ānandas erste explizite Ortsbestimmung des Geistes:
1. Berufung auf Allgemeinmeinung
Ānanda stützt sich auf das,
was „alle weltlichen Wesen“ annehmen.
Das Sutra zeigt hier bewusst:
Konsens ersetzt keine Erkenntnis.
2. Analogieschluss von Auge zu Geist
Weil die Augen im Gesicht sitzen
und Objekte vor ihnen erscheinen,
schließt Ānanda,
dass auch der Geist „innen“ sein müsse.
Dies ist logisch –
aber nur innerhalb eines ungeprüften Modells.
3. Verwechslung von Bedingung und Ursprung
Sinnesorgane sind Bedingungen der Wahrnehmung.
Der Geist reagiert auf sie.
Doch daraus folgt nicht,
dass der Geist selbst
einen festen Ort im Körper hat.
4. Der entscheidende Fehler
Ānanda nimmt an,
dass das, was erkennt,
räumlich lokalisierbar sein müsse.
Genau diese Annahme
wird der Buddha nun Schritt für Schritt auflösen.
5. Vorbereitung der systematischen Widerlegung
Diese Antwort ist notwendig:
Erst wenn der Geist „im Inneren“ verortet wird,
kann gezeigt werden,
dass er dort nicht gefunden werden kann.

Hier beginnt die berühmte Analyse des Shurangama-Sutras,
in der jede mögliche Ortszuweisung des Geistes
gründlich geprüft
und schließlich überschritten wird.
29 #
佛告阿難:「汝今現坐如來講堂,觀祇陀林今何所在?」
「世尊!此大重閣清淨講堂在給孤園,今祇陀林實在堂外。」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du sitzt jetzt
in der Lehrhalle des Erwachten.
Wo ist deiner Meinung nach
in diesem Moment
der Jeta-Hain?“

Ānanda antwortete:

„Weltverehrter,
diese große, klare Lehrhalle
steht im Garten des Gebenden.
Der Jeta-Hain selbst
liegt außerhalb der Halle.“
Kommentar öffnen
Dieser kurze Dialog ist methodisch höchst präzise:
1. Verlagerung von Theorie zu unmittelbarer Anschauung
Der Buddha diskutiert nicht abstrakt über „innen“ und „außen“,
sondern wählt eine konkrete, gegenwärtige Situation.
Erkenntnis beginnt hier im Jetzt.
2. Klare räumliche Unterscheidung
Ānandas Antwort ist korrekt, nüchtern und unproblematisch.
Innen (Lehrhalle) und außen (Wald)
lassen sich eindeutig unterscheiden.
3. Vorbereitung der Analogie
Genau diese klare Unterscheidbarkeit
wird der Buddha nun nutzen,
um Ānandas Annahme über den Geist zu prüfen:
Wenn etwas innen ist,
muss es außen erkennen können –
und umgekehrt.
4. Didaktische Raffinesse
Der Buddha lässt Ānanda
selbst eine saubere Definition liefern.
Die spätere Widerlegung
wird nicht von außen aufgezwungen,
sondern aus Ānandas eigener Logik hervorgehen.

Der Boden ist nun bereitet:
Was für Räume gilt,
wird gleich auf den Geist übertragen –
mit überraschender Konsequenz.
中文原文
佛告阿難:「汝今現坐如來講堂,觀祇陀林今何所在?」
「世尊!此大重閣清淨講堂在給孤園,今祇陀林實在堂外。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du sitzt jetzt
in der Lehrhalle des Erwachten.
Wo ist deiner Meinung nach
in diesem Moment
der Jeta-Hain?“

Ānanda antwortete:

„Weltverehrter,
diese große, klare Lehrhalle
steht im Garten des Gebenden.
Der Jeta-Hain selbst
liegt außerhalb der Halle.“
Kommentar
Dieser kurze Dialog ist methodisch höchst präzise:
1. Verlagerung von Theorie zu unmittelbarer Anschauung
Der Buddha diskutiert nicht abstrakt über „innen“ und „außen“,
sondern wählt eine konkrete, gegenwärtige Situation.
Erkenntnis beginnt hier im Jetzt.
2. Klare räumliche Unterscheidung
Ānandas Antwort ist korrekt, nüchtern und unproblematisch.
Innen (Lehrhalle) und außen (Wald)
lassen sich eindeutig unterscheiden.
3. Vorbereitung der Analogie
Genau diese klare Unterscheidbarkeit
wird der Buddha nun nutzen,
um Ānandas Annahme über den Geist zu prüfen:
Wenn etwas innen ist,
muss es außen erkennen können –
und umgekehrt.
4. Didaktische Raffinesse
Der Buddha lässt Ānanda
selbst eine saubere Definition liefern.
Die spätere Widerlegung
wird nicht von außen aufgezwungen,
sondern aus Ānandas eigener Logik hervorgehen.

Der Boden ist nun bereitet:
Was für Räume gilt,
wird gleich auf den Geist übertragen –
mit überraschender Konsequenz.
30 #
「阿難!汝今堂中先何所見?」
「世尊!我在堂中先見如來,次觀大眾,如是外望方矚林園。」
「阿難!汝矚林園因何有見?」
「世尊!此大講堂戶牖開豁,故我在堂得遠瞻見。」
Der Buddha fragte:

„Ānanda,
was siehst du jetzt hier
in der Halle zuerst?“

Ānanda antwortete:

„Weltverehrter,
zuerst sehe ich dich,
den Erwachten.
Dann sehe ich die Versammlung.
Erst danach
blicke ich nach außen
und sehe Wald und Garten.“

Der Buddha fragte weiter:

„Wodurch
siehst du Wald und Garten?“

Ānanda antwortete:

„Weltverehrter,
weil diese Halle
weit geöffnete Türen und Fenster hat,
kann ich von innen aus
nach außen sehen.“
Kommentar öffnen
Dieser Dialog ist die präzise Vorbereitung der kommenden Widerlegung:
1. Abfolge des Sehens
Ānanda beschreibt eine klare Reihenfolge:
• zuerst das Nahe
• dann das Weitere
• zuletzt das Entfernte
Sehen erscheint als ein gerichteter Vorgang im Raum.
2. Sehen durch Öffnungen
Türen und Fenster fungieren als Bedingungen des Sehens.
Sie ermöglichen Durchblick,
sind aber nicht selbst das Sehen.
3. Übertragungsfalle
Genau diese räumliche Logik
wird Ānanda gleich
auf den Geist übertragen:
Wenn der Geist „im Inneren“ ist,
braucht er Öffnungen,
um nach außen zu sehen.
4. Vorläufige Plausibilität
Ānandas Erklärung ist vollkommen stimmig –
innerhalb eines räumlichen Modells.
Das Sutra zeigt hier,
wie überzeugend falsche Annahmen sein können,
solange sie nicht bis zum Ende durchdacht werden.
5. Der nächste Schritt
Der Buddha hat nun alle Bausteine gesammelt:
• innen und außen
• zuerst und danach
• Bedingung und Wahrnehmung
Im nächsten Abschnitt
wird er diese Logik
gegen sich selbst wenden.

Die Bühne ist bereitet,
damit der verwirrte Geist
sich selbst widerspricht –
und der Raum für den ursprünglichen Grund
überhaupt erst sichtbar wird.
中文原文
「阿難!汝今堂中先何所見?」
「世尊!我在堂中先見如來,次觀大眾,如是外望方矚林園。」
「阿難!汝矚林園因何有見?」
「世尊!此大講堂戶牖開豁,故我在堂得遠瞻見。」
Deutsch
Der Buddha fragte:

„Ānanda,
was siehst du jetzt hier
in der Halle zuerst?“

Ānanda antwortete:

„Weltverehrter,
zuerst sehe ich dich,
den Erwachten.
Dann sehe ich die Versammlung.
Erst danach
blicke ich nach außen
und sehe Wald und Garten.“

Der Buddha fragte weiter:

„Wodurch
siehst du Wald und Garten?“

Ānanda antwortete:

„Weltverehrter,
weil diese Halle
weit geöffnete Türen und Fenster hat,
kann ich von innen aus
nach außen sehen.“
Kommentar
Dieser Dialog ist die präzise Vorbereitung der kommenden Widerlegung:
1. Abfolge des Sehens
Ānanda beschreibt eine klare Reihenfolge:
• zuerst das Nahe
• dann das Weitere
• zuletzt das Entfernte
Sehen erscheint als ein gerichteter Vorgang im Raum.
2. Sehen durch Öffnungen
Türen und Fenster fungieren als Bedingungen des Sehens.
Sie ermöglichen Durchblick,
sind aber nicht selbst das Sehen.
3. Übertragungsfalle
Genau diese räumliche Logik
wird Ānanda gleich
auf den Geist übertragen:
Wenn der Geist „im Inneren“ ist,
braucht er Öffnungen,
um nach außen zu sehen.
4. Vorläufige Plausibilität
Ānandas Erklärung ist vollkommen stimmig –
innerhalb eines räumlichen Modells.
Das Sutra zeigt hier,
wie überzeugend falsche Annahmen sein können,
solange sie nicht bis zum Ende durchdacht werden.
5. Der nächste Schritt
Der Buddha hat nun alle Bausteine gesammelt:
• innen und außen
• zuerst und danach
• Bedingung und Wahrnehmung
Im nächsten Abschnitt
wird er diese Logik
gegen sich selbst wenden.

Die Bühne ist bereitet,
damit der verwirrte Geist
sich selbst widerspricht –
und der Raum für den ursprünglichen Grund
überhaupt erst sichtbar wird.
31 #
爾時,世尊在大眾中,舒金色臂摩阿難頂,告示阿難及諸大眾:「有三摩提,名大佛頂首楞嚴王具足萬行、十方如來一門超出妙莊嚴路,汝今諦聽!」阿難頂禮,伏受慈旨。
Da,
inmitten der Versammlung,
streckte der Buddha
seinen goldenen Arm aus
und berührte Ānandas Scheitel.

Er sprach zu Ānanda
und zur ganzen Versammlung:

„Es gibt ein Samādhi
namens
Großer Buddha-Scheitel – Shurangama-König.

Es umfasst alle Wege,
vollendet alle Praktiken
und ist die eine Pforte,
durch die die Buddhas der zehn Richtungen
Geburt und Tod überschreiten –
der wunderbar geschmückte Pfad.

Höre nun
mit voller Klarheit!“

Ānanda verneigte sich tief
und nahm
die mitfühlende Weisung
schweigend an.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die feierliche Öffnung der zentralen Lehre:
1. Berührung des Scheitels
Die Geste ist kein Trost,
sondern ein Hinweis:
Die kommende Lehre betrifft
nicht Denken oder Moral,
sondern den höchsten Bezugspunkt des ursprünglichen Grundes.
2. Benennung des Samādhi
Der Name ist programmatisch:
• Großer Buddha-Scheitel: höchste, unverhüllte Klarheit
• Śūraṅgama: unerschütterliche Festigkeit
• König: ordnendes Prinzip aller Wege
Das Samādhi ist nicht eine Praxis unter vielen,
sondern das,
was alle Praktiken trägt.
3. „具足萬行“ – alle Wege sind enthalten
Kein Ausschluss,
keine Konkurrenz der Methoden.
Vielfalt der Praxis
ruht in einer einzigen Klarheit.
4. „一門超出“ – eine Pforte
Das Sutra betont radikal:
Nicht viele Zugänge führen hinaus,
sondern eine unverfehlte Öffnung.
Diese ist kein Objekt,
sondern die Ausrichtung auf den ursprünglichen Grund selbst.
5. Vom Dialog zur Offenbarung
Die analytische Befragung des Geistes
hat ihren Zweck erfüllt.
Nun folgt nicht mehr Widerlegung,
sondern Darlegung des Auswegs.

Mit diesem Moment
ist der Raum vollständig bereitet:
Der verwirrte Geist wurde durchschaut –
nun kann der Śūraṅgama-Weg
als unmittelbare Wirklichkeit
offenbart werden.
中文原文
爾時,世尊在大眾中,舒金色臂摩阿難頂,告示阿難及諸大眾:「有三摩提,名大佛頂首楞嚴王具足萬行、十方如來一門超出妙莊嚴路,汝今諦聽!」阿難頂禮,伏受慈旨。
Deutsch
Da,
inmitten der Versammlung,
streckte der Buddha
seinen goldenen Arm aus
und berührte Ānandas Scheitel.

Er sprach zu Ānanda
und zur ganzen Versammlung:

„Es gibt ein Samādhi
namens
Großer Buddha-Scheitel – Shurangama-König.

Es umfasst alle Wege,
vollendet alle Praktiken
und ist die eine Pforte,
durch die die Buddhas der zehn Richtungen
Geburt und Tod überschreiten –
der wunderbar geschmückte Pfad.

Höre nun
mit voller Klarheit!“

Ānanda verneigte sich tief
und nahm
die mitfühlende Weisung
schweigend an.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die feierliche Öffnung der zentralen Lehre:
1. Berührung des Scheitels
Die Geste ist kein Trost,
sondern ein Hinweis:
Die kommende Lehre betrifft
nicht Denken oder Moral,
sondern den höchsten Bezugspunkt des ursprünglichen Grundes.
2. Benennung des Samādhi
Der Name ist programmatisch:
• Großer Buddha-Scheitel: höchste, unverhüllte Klarheit
• Śūraṅgama: unerschütterliche Festigkeit
• König: ordnendes Prinzip aller Wege
Das Samādhi ist nicht eine Praxis unter vielen,
sondern das,
was alle Praktiken trägt.
3. „具足萬行“ – alle Wege sind enthalten
Kein Ausschluss,
keine Konkurrenz der Methoden.
Vielfalt der Praxis
ruht in einer einzigen Klarheit.
4. „一門超出“ – eine Pforte
Das Sutra betont radikal:
Nicht viele Zugänge führen hinaus,
sondern eine unverfehlte Öffnung.
Diese ist kein Objekt,
sondern die Ausrichtung auf den ursprünglichen Grund selbst.
5. Vom Dialog zur Offenbarung
Die analytische Befragung des Geistes
hat ihren Zweck erfüllt.
Nun folgt nicht mehr Widerlegung,
sondern Darlegung des Auswegs.

Mit diesem Moment
ist der Raum vollständig bereitet:
Der verwirrte Geist wurde durchschaut –
nun kann der Śūraṅgama-Weg
als unmittelbare Wirklichkeit
offenbart werden.
32 #
佛告阿難:「如汝所言『身在講堂,戶牖開豁,遠矚林園』,亦有眾生在此堂中,不見如來見堂外者?」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du sagst:
Man sitzt in der Halle,
Türen und Fenster sind offen,
darum sieht man
Wald und Garten draußen.

Sag mir:
Gibt es hier in dieser Halle
auch nur ein Wesen,
das mich nicht sieht,
aber das Außen sieht?“
Kommentar öffnen
Dieser Satz ist der erste präzise Einschnitt in Ānandas Modell:
1. Prüfung der eigenen Logik
Der Buddha greift Ānandas Erklärung auf
und führt sie konsequent weiter.
Nicht mit Gegenbehauptung,
sondern mit einer prüfenden Frage.
2. Unmöglichkeit selektiven Sehens
Wenn jemand im Inneren sitzt
und durch Öffnungen nach außen sieht,
muss er notwendigerweise
auch das sehen,
was sich zwischen ihm und dem Außen befindet.
3. Übertragung auf Geist und Augen
Die Analogie ist klar vorbereitet:
Wenn der Geist „im Inneren“ sitzt
und durch die Augen nach außen sieht,
wie könnte er dann
das Nahe (Buddha, Körper, Empfindung)
übergehen
und nur das Entfernte wahrnehmen?
4. Beginn der Selbstwiderlegung
Der Buddha zwingt Ānanda nicht zu einer neuen These.
Er zeigt lediglich,
dass die bisherige Annahme
in sich unstimmig ist.
5. Öffnung für eine nicht-räumliche Sicht
Sobald das Innen-Außen-Modell brüchig wird,
entsteht Raum für die Einsicht,
dass Sehen nicht einfach
von einem inneren Punkt aus
nach außen gerichtet ist.

Hier beginnt die klare Demontage
der Vorstellung eines lokalisierten Geistes.
Nicht durch Negation,
sondern durch unbestechliche Logik.
中文原文
佛告阿難:「如汝所言『身在講堂,戶牖開豁,遠矚林園』,亦有眾生在此堂中,不見如來見堂外者?」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du sagst:
Man sitzt in der Halle,
Türen und Fenster sind offen,
darum sieht man
Wald und Garten draußen.

Sag mir:
Gibt es hier in dieser Halle
auch nur ein Wesen,
das mich nicht sieht,
aber das Außen sieht?“
Kommentar
Dieser Satz ist der erste präzise Einschnitt in Ānandas Modell:
1. Prüfung der eigenen Logik
Der Buddha greift Ānandas Erklärung auf
und führt sie konsequent weiter.
Nicht mit Gegenbehauptung,
sondern mit einer prüfenden Frage.
2. Unmöglichkeit selektiven Sehens
Wenn jemand im Inneren sitzt
und durch Öffnungen nach außen sieht,
muss er notwendigerweise
auch das sehen,
was sich zwischen ihm und dem Außen befindet.
3. Übertragung auf Geist und Augen
Die Analogie ist klar vorbereitet:
Wenn der Geist „im Inneren“ sitzt
und durch die Augen nach außen sieht,
wie könnte er dann
das Nahe (Buddha, Körper, Empfindung)
übergehen
und nur das Entfernte wahrnehmen?
4. Beginn der Selbstwiderlegung
Der Buddha zwingt Ānanda nicht zu einer neuen These.
Er zeigt lediglich,
dass die bisherige Annahme
in sich unstimmig ist.
5. Öffnung für eine nicht-räumliche Sicht
Sobald das Innen-Außen-Modell brüchig wird,
entsteht Raum für die Einsicht,
dass Sehen nicht einfach
von einem inneren Punkt aus
nach außen gerichtet ist.

Hier beginnt die klare Demontage
der Vorstellung eines lokalisierten Geistes.
Nicht durch Negation,
sondern durch unbestechliche Logik.
33 #
阿難答言:「世尊!在堂不見如來,能見林泉,無有是處。」
Ānanda antwortete:

„Weltverehrter,
das ist unmöglich:
In der Halle zu sein,
den Buddha nicht zu sehen
und dennoch das Außen zu sehen –
so etwas gibt es nicht.“
Kommentar öffnen
Dieser kurze Satz ist entscheidend, weil Ānanda nun selbst das Fundament für die Widerlegung legt:
1. Eingeständnis der Konsequenz
Ānanda erkennt,
dass seine eigene Erklärung
diese Situation ausschließt.
Das Innen-Außen-Modell
ist damit logisch festgelegt.
2. Fixierung der Analogie
Was für den Raum gilt,
wird nun unausweichlich
auf Geist und Augen übertragen.
Ein Rückzug ist nicht mehr möglich.
3. Die Falle der Selbstverständlichkeit
Die Antwort ist so selbstverständlich,
dass ihr späteres Scheitern
umso aufschlussreicher sein wird.
4. Bereitschaft zur Einsicht
Wichtig ist:
Ānanda widerspricht nicht.
Er verteidigt keine Position.
Er folgt der Logik
bis zu ihren Konsequenzen.

Der Boden ist nun vollständig bereitet,
damit der Buddha im nächsten Schritt zeigt:
Wenn der Geist wirklich „innen“ wäre,
müsste genau das geschehen,
was Ānanda soeben ausgeschlossen hat.
中文原文
阿難答言:「世尊!在堂不見如來,能見林泉,無有是處。」
Deutsch
Ānanda antwortete:

„Weltverehrter,
das ist unmöglich:
In der Halle zu sein,
den Buddha nicht zu sehen
und dennoch das Außen zu sehen –
so etwas gibt es nicht.“
Kommentar
Dieser kurze Satz ist entscheidend, weil Ānanda nun selbst das Fundament für die Widerlegung legt:
1. Eingeständnis der Konsequenz
Ānanda erkennt,
dass seine eigene Erklärung
diese Situation ausschließt.
Das Innen-Außen-Modell
ist damit logisch festgelegt.
2. Fixierung der Analogie
Was für den Raum gilt,
wird nun unausweichlich
auf Geist und Augen übertragen.
Ein Rückzug ist nicht mehr möglich.
3. Die Falle der Selbstverständlichkeit
Die Antwort ist so selbstverständlich,
dass ihr späteres Scheitern
umso aufschlussreicher sein wird.
4. Bereitschaft zur Einsicht
Wichtig ist:
Ānanda widerspricht nicht.
Er verteidigt keine Position.
Er folgt der Logik
bis zu ihren Konsequenzen.

Der Boden ist nun vollständig bereitet,
damit der Buddha im nächsten Schritt zeigt:
Wenn der Geist wirklich „innen“ wäre,
müsste genau das geschehen,
was Ānanda soeben ausgeschlossen hat.
34 #
「阿難!汝亦如是。汝之心靈一切明了,若汝現前所明了心實在身內,爾時先合了知內身;頗有眾生先見身中,後觀外物?縱不能見心、肝、脾、胃、爪生、髮長、筋轉、脈搖、誠合明了,如何不知?必不內知,云何知外?是故應知,汝言『覺了能知之心住在身內』,無有是處。」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Bei dir ist es genauso.
Dein Geist erkennt klar und unterscheidet.

Wenn dieser jetzt klar erkennende Geist
wirklich im Inneren des Körpers wäre,
dann müsstest du
zuerst dein inneres Körpergeschehen erkennen.

Gibt es irgendein Wesen,
das zuerst das Innere seines Körpers sieht
und erst danach äußere Dinge wahrnimmt?

Auch wenn man Herz, Leber, Milz und Magen
nicht sieht,
wenn man das Wachsen der Nägel,
das Längerwerden der Haare,
das Spannen der Sehnen
und das Schlagen der Adern
nicht beobachtet –
wenn Erkennen wirklich klar ist,
wie könnte man davon nichts wissen?

Wenn das Innere nicht erkannt wird,
wie sollte dann das Äußere erkannt werden?

Darum sollst du wissen:
Die Aussage,
der erkennende, wissende Geist
wohne im Inneren des Körpers,
ist unhaltbar.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die erste formale Widerlegung einer Geistsitz-Theorie:
1. Konsequenz des Innen-Modells
Der Buddha zeigt:
Wer behauptet, der Geist sei „innen“,
muss akzeptieren,
dass er zuerst das Innere erkennt.
Diese Konsequenz ist unausweichlich.
2. Erkennen ≠ Sehen
Selbst wenn man Organe nicht visuell wahrnimmt,
müsste ein innerlich lokalisierter Geist
zumindest ein unmittelbares Wissen
vom inneren Geschehen haben.
Dass dies nicht der Fall ist,
entlarvt die Annahme.
3. Asymmetrie von Innen und Außen
In der Erfahrung ist es genau umgekehrt:
Das Außen ist präsent,
das Innere bleibt weitgehend unbewusst.
Das widerspricht der These.
4. Logische Schließung
Der Buddha schließt nicht dogmatisch,
sondern zwingend logisch:
Wenn das Innere nicht erkannt wird,
kann es nicht der Sitz des Erkennens sein.
5. Erste Öffnung jenseits des Körpers
Mit dem Wegfall des „Innen“
wird der Raum frei
für eine nicht-körperliche,
nicht-lokale Betrachtung des Erkennens.

Der verwirrte Geist verliert hier
seinen scheinbar sicheren Ort.
Der Weg ist frei,
damit der ursprüngliche Grund
als nicht-räumliche Klarheit
überhaupt erst thematisiert werden kann.
中文原文
「阿難!汝亦如是。汝之心靈一切明了,若汝現前所明了心實在身內,爾時先合了知內身;頗有眾生先見身中,後觀外物?縱不能見心、肝、脾、胃、爪生、髮長、筋轉、脈搖、誠合明了,如何不知?必不內知,云何知外?是故應知,汝言『覺了能知之心住在身內』,無有是處。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Bei dir ist es genauso.
Dein Geist erkennt klar und unterscheidet.

Wenn dieser jetzt klar erkennende Geist
wirklich im Inneren des Körpers wäre,
dann müsstest du
zuerst dein inneres Körpergeschehen erkennen.

Gibt es irgendein Wesen,
das zuerst das Innere seines Körpers sieht
und erst danach äußere Dinge wahrnimmt?

Auch wenn man Herz, Leber, Milz und Magen
nicht sieht,
wenn man das Wachsen der Nägel,
das Längerwerden der Haare,
das Spannen der Sehnen
und das Schlagen der Adern
nicht beobachtet –
wenn Erkennen wirklich klar ist,
wie könnte man davon nichts wissen?

Wenn das Innere nicht erkannt wird,
wie sollte dann das Äußere erkannt werden?

Darum sollst du wissen:
Die Aussage,
der erkennende, wissende Geist
wohne im Inneren des Körpers,
ist unhaltbar.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die erste formale Widerlegung einer Geistsitz-Theorie:
1. Konsequenz des Innen-Modells
Der Buddha zeigt:
Wer behauptet, der Geist sei „innen“,
muss akzeptieren,
dass er zuerst das Innere erkennt.
Diese Konsequenz ist unausweichlich.
2. Erkennen ≠ Sehen
Selbst wenn man Organe nicht visuell wahrnimmt,
müsste ein innerlich lokalisierter Geist
zumindest ein unmittelbares Wissen
vom inneren Geschehen haben.
Dass dies nicht der Fall ist,
entlarvt die Annahme.
3. Asymmetrie von Innen und Außen
In der Erfahrung ist es genau umgekehrt:
Das Außen ist präsent,
das Innere bleibt weitgehend unbewusst.
Das widerspricht der These.
4. Logische Schließung
Der Buddha schließt nicht dogmatisch,
sondern zwingend logisch:
Wenn das Innere nicht erkannt wird,
kann es nicht der Sitz des Erkennens sein.
5. Erste Öffnung jenseits des Körpers
Mit dem Wegfall des „Innen“
wird der Raum frei
für eine nicht-körperliche,
nicht-lokale Betrachtung des Erkennens.

Der verwirrte Geist verliert hier
seinen scheinbar sicheren Ort.
Der Weg ist frei,
damit der ursprüngliche Grund
als nicht-räumliche Klarheit
überhaupt erst thematisiert werden kann.
35 #
阿難稽首而白佛言:「我聞如來如是法音,悟知我心實居身外。所以者何?譬如燈光然於室中,是燈必能先照室內,從其室門後及庭際。一切眾生不見身中獨見身外,亦如燈光居在室外,不能照室。是義必明,將無所惑;同佛了義,得無妄耶?」
Ānanda verneigte sich tief
und sprach zum Buddha:

„Nachdem ich deine Lehre gehört habe,
verstehe ich nun:
Der Geist verweilt tatsächlich außerhalb des Körpers.

Warum?
Es ist wie mit einer Lampe.
Brennt ihr Licht im Inneren eines Raumes,
erhellt sie zuerst den Raum selbst
und erst danach das Außen.

Wenn Wesen jedoch
ihr Inneres nicht erkennen,
wohl aber äußere Dinge wahrnehmen,
dann ist es so,
als befände sich das Licht außerhalb des Raumes
und könne den Raum nicht erhellen.

Diese Bedeutung ist für mich klar
und ohne Zweifel.
Sie entspricht der vom Buddha vollständig dargelegten Einsicht –
oder irre ich mich?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist kein Fortschritt, sondern eine verfeinerte Verirrung – und genau das macht ihn so wertvoll:
1. Ānanda lernt – aber schließt zu früh
Er hat die erste Widerlegung verstanden:
Der Geist kann nicht im Inneren sitzen.
Doch statt die Grundannahme zu prüfen,
verschiebt er sie einfach nach außen.
2. Das Gleichnis bleibt räumlich
Innen ↔ außen
Raum ↔ Lampe
Ānanda bleibt vollständig
innerhalb eines lokalisierenden Denkmodells.
3. Logisch korrekt – ontologisch falsch
Die Argumentation ist in sich sauber.
Genau deshalb ist sie gefährlich.
Der Buddha wird zeigen:
Ein falsches Grundmodell
produziert endlos plausible Antworten.
4. „同佛了義“ – Berufung auf die höchste Lehre
Besonders subtil:
Ānanda glaubt nun,
mit dem Buddha übereinzustimmen.
Das Sutra zeigt hier,
wie leicht man sich
mit der Lehre identifizieren kann,
ohne sie wirklich verstanden zu haben.
5. Didaktischer Meisterzug
Der Buddha lässt diesen Irrtum vollständig aussprechen.
Erst dadurch kann er im nächsten Schritt zeigen:
→ Der Geist ist weder innen noch außen.

Dieser Abschnitt markiert den Punkt,
an dem der Ort des Geistes
als Denkfehler selbst sichtbar werden muss.
中文原文
阿難稽首而白佛言:「我聞如來如是法音,悟知我心實居身外。所以者何?譬如燈光然於室中,是燈必能先照室內,從其室門後及庭際。一切眾生不見身中獨見身外,亦如燈光居在室外,不能照室。是義必明,將無所惑;同佛了義,得無妄耶?」
Deutsch
Ānanda verneigte sich tief
und sprach zum Buddha:

„Nachdem ich deine Lehre gehört habe,
verstehe ich nun:
Der Geist verweilt tatsächlich außerhalb des Körpers.

Warum?
Es ist wie mit einer Lampe.
Brennt ihr Licht im Inneren eines Raumes,
erhellt sie zuerst den Raum selbst
und erst danach das Außen.

Wenn Wesen jedoch
ihr Inneres nicht erkennen,
wohl aber äußere Dinge wahrnehmen,
dann ist es so,
als befände sich das Licht außerhalb des Raumes
und könne den Raum nicht erhellen.

Diese Bedeutung ist für mich klar
und ohne Zweifel.
Sie entspricht der vom Buddha vollständig dargelegten Einsicht –
oder irre ich mich?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist kein Fortschritt, sondern eine verfeinerte Verirrung – und genau das macht ihn so wertvoll:
1. Ānanda lernt – aber schließt zu früh
Er hat die erste Widerlegung verstanden:
Der Geist kann nicht im Inneren sitzen.
Doch statt die Grundannahme zu prüfen,
verschiebt er sie einfach nach außen.
2. Das Gleichnis bleibt räumlich
Innen ↔ außen
Raum ↔ Lampe
Ānanda bleibt vollständig
innerhalb eines lokalisierenden Denkmodells.
3. Logisch korrekt – ontologisch falsch
Die Argumentation ist in sich sauber.
Genau deshalb ist sie gefährlich.
Der Buddha wird zeigen:
Ein falsches Grundmodell
produziert endlos plausible Antworten.
4. „同佛了義“ – Berufung auf die höchste Lehre
Besonders subtil:
Ānanda glaubt nun,
mit dem Buddha übereinzustimmen.
Das Sutra zeigt hier,
wie leicht man sich
mit der Lehre identifizieren kann,
ohne sie wirklich verstanden zu haben.
5. Didaktischer Meisterzug
Der Buddha lässt diesen Irrtum vollständig aussprechen.
Erst dadurch kann er im nächsten Schritt zeigen:
→ Der Geist ist weder innen noch außen.

Dieser Abschnitt markiert den Punkt,
an dem der Ort des Geistes
als Denkfehler selbst sichtbar werden muss.
36 #
佛告阿難:「是諸比丘,適來從我室羅筏城循乞摶食,歸祇陀林,我已宿齋。汝觀比丘一人食時,諸人飽不?」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Diese Mönche
sind eben mit mir aus Śrāvastī zurückgekehrt,
nachdem sie um Almosen gegangen sind,
und wieder in den Jeta-Hain gekommen.
Ich selbst habe bereits gegessen.

Nun frage ich dich:
Wenn ein Mönch isst,
werden dadurch alle satt?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt eröffnet eine neue Argumentationslinie, äußerlich schlicht, innerlich präzise:
1. Wechsel des Gleichnisses
Der Buddha verlässt das Raum-Licht-Modell
und führt ein alltägliches, körperliches Beispiel ein.
Das verhindert weitere abstrakte Ausweichmanöver.
2. Einzelnes Erleben ist nicht übertragbar
Essen stillt Hunger nur dort,
wo es tatsächlich aufgenommen wird.
Damit wird eine klare Grenze individueller Erfahrung gezogen.
3. Vorbereitung der Analogie zum Erkennen
Wie Nahrung den Körper sättigt,
so „berührt“ Erkennen nur dort,
wo es wirklich geschieht.
Erkennen kann nicht von außen
pauschal verteilt werden.
4. Zielrichtung der Frage
Der Buddha lenkt Ānanda darauf,
implizit zuzugeben:
→ Wirkung setzt unmittelbare Beteiligung voraus.
Diese Einsicht wird im nächsten Schritt
auf den vermeintlich „außen sitzenden Geist“ angewendet.

Der Buddha führt Ānanda nun
vom räumlichen Denken
in ein Denken von Wirksamkeit und Teilhabe.
Damit wird auch das „Außen-Modell“
logisch unter Druck gesetzt.
中文原文
佛告阿難:「是諸比丘,適來從我室羅筏城循乞摶食,歸祇陀林,我已宿齋。汝觀比丘一人食時,諸人飽不?」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Diese Mönche
sind eben mit mir aus Śrāvastī zurückgekehrt,
nachdem sie um Almosen gegangen sind,
und wieder in den Jeta-Hain gekommen.
Ich selbst habe bereits gegessen.

Nun frage ich dich:
Wenn ein Mönch isst,
werden dadurch alle satt?“
Kommentar
Dieser Abschnitt eröffnet eine neue Argumentationslinie, äußerlich schlicht, innerlich präzise:
1. Wechsel des Gleichnisses
Der Buddha verlässt das Raum-Licht-Modell
und führt ein alltägliches, körperliches Beispiel ein.
Das verhindert weitere abstrakte Ausweichmanöver.
2. Einzelnes Erleben ist nicht übertragbar
Essen stillt Hunger nur dort,
wo es tatsächlich aufgenommen wird.
Damit wird eine klare Grenze individueller Erfahrung gezogen.
3. Vorbereitung der Analogie zum Erkennen
Wie Nahrung den Körper sättigt,
so „berührt“ Erkennen nur dort,
wo es wirklich geschieht.
Erkennen kann nicht von außen
pauschal verteilt werden.
4. Zielrichtung der Frage
Der Buddha lenkt Ānanda darauf,
implizit zuzugeben:
→ Wirkung setzt unmittelbare Beteiligung voraus.
Diese Einsicht wird im nächsten Schritt
auf den vermeintlich „außen sitzenden Geist“ angewendet.

Der Buddha führt Ānanda nun
vom räumlichen Denken
in ein Denken von Wirksamkeit und Teilhabe.
Damit wird auch das „Außen-Modell“
logisch unter Druck gesetzt.
37 #
阿難答言:「不也,世尊!何以故?是諸比丘雖阿羅漢,軀命不同,云何一人能令眾飽?」
Ānanda antwortete:

„Nein, Weltverehrter.
Denn auch wenn sie Arhats sind,
haben sie unterschiedliche Körper
und jeweils ihr eigenes Leben.

Wie könnte
das Essen eines Einzelnen
alle satt machen?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist Ānandas notwendige Selbstbindung:
1. Klare Anerkennung individueller Wirksamkeit
Ānanda erkennt ausdrücklich:
Körperliche Erfahrung ist nicht übertragbar.
Jede Wirkung ist an einen konkreten Träger gebunden.
2. Unterscheidung trotz hoher Verwirklichung
Selbst Arhats
teilen keine Körperlichkeit.
Erwachen hebt funktionale Verschiedenheit
nicht auf.
3. Vorbereitung der Spiegelung
Diese Einsicht wird der Buddha nun zurückspiegeln:
Wenn Essen nicht „von außen“ alle sättigt,
wie sollte Erkennen „von außen“
im Geist wirksam sein?
4. Īndividuelle Verantwortung
Implizit wird deutlich:
Befreiung kann nicht delegiert,
nicht stellvertretend vollzogen werden.
Genau dies wird gleich
auf das Erkennen selbst angewendet.

Ānanda hat nun selbst
die Voraussetzung geschaffen,
mit der sein „Außen-Geist“-Modell
unhaltbar wird.
中文原文
阿難答言:「不也,世尊!何以故?是諸比丘雖阿羅漢,軀命不同,云何一人能令眾飽?」
Deutsch
Ānanda antwortete:

„Nein, Weltverehrter.
Denn auch wenn sie Arhats sind,
haben sie unterschiedliche Körper
und jeweils ihr eigenes Leben.

Wie könnte
das Essen eines Einzelnen
alle satt machen?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist Ānandas notwendige Selbstbindung:
1. Klare Anerkennung individueller Wirksamkeit
Ānanda erkennt ausdrücklich:
Körperliche Erfahrung ist nicht übertragbar.
Jede Wirkung ist an einen konkreten Träger gebunden.
2. Unterscheidung trotz hoher Verwirklichung
Selbst Arhats
teilen keine Körperlichkeit.
Erwachen hebt funktionale Verschiedenheit
nicht auf.
3. Vorbereitung der Spiegelung
Diese Einsicht wird der Buddha nun zurückspiegeln:
Wenn Essen nicht „von außen“ alle sättigt,
wie sollte Erkennen „von außen“
im Geist wirksam sein?
4. Īndividuelle Verantwortung
Implizit wird deutlich:
Befreiung kann nicht delegiert,
nicht stellvertretend vollzogen werden.
Genau dies wird gleich
auf das Erkennen selbst angewendet.

Ānanda hat nun selbst
die Voraussetzung geschaffen,
mit der sein „Außen-Geist“-Modell
unhaltbar wird.
38 #
佛告阿難:「若汝覺了知見之心,實在身外,身心相外,自不相干。則心所知,身不能覺,覺在身際,心不能知。我今示汝兜羅綿手,汝眼見時,心分別不?」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn der Geist,
der wahrnimmt, erkennt und unterscheidet,
wirklich außerhalb des Körpers wäre,
dann wären Körper und Geist getrennt
und hätten nichts miteinander zu tun.

Dann könnte der Körper
nicht erfahren,
was der Geist erkennt;
und was am Körper erfahren wird,
könnte der Geist nicht wissen.

Nun zeige ich dir
meine weichen Hände.
Wenn deine Augen sie sehen –
unterscheidet dein Geist dann nicht?
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die direkte Zerschlagung des „Außen-Geist“-Modells:
1. Konsequente Trennung führt zur Absurdität
Wenn Geist und Körper wirklich getrennt wären,
müsste Erfahrung auseinanderfallen:
Wahrnehmen hier, Empfinden dort.
Dass dies nicht geschieht,
entlarvt die Annahme.
2. Erkennen ist integriert, nicht verteilt
Sehen, Fühlen, Unterscheiden
treten nicht als isolierte Prozesse auf,
sondern als unmittelbare Einheit der Erfahrung.
Diese Einheit kann nicht „außen sitzen“.
3. Didaktische Geste statt Theorie
Der Buddha argumentiert nicht weiter abstrakt,
sondern zeigt einfach seine Hand.
Erfahrung ersetzt Spekulation.
4. Unhintergehbare Evidenz
Ānanda kann nicht ausweichen:
Sehen und Unterscheiden
geschehen gleichzeitig.
Damit ist bewiesen:
Der Geist ist weder außen
noch unabhängig vom Erleben.
5. Annäherung an das Nicht-Ortbare
Mit dem Wegfall von „innen“ und „außen“
wird deutlich:
Das, was erkennt,
ist nicht räumlich verortbar.

Der Buddha führt Ānanda nun
an den Rand dessen,
was weder Körper noch Ort ist –
und bereitet damit den Übergang
zur eigentlichen Einsicht in den ursprünglichen Grund vor.
中文原文
佛告阿難:「若汝覺了知見之心,實在身外,身心相外,自不相干。則心所知,身不能覺,覺在身際,心不能知。我今示汝兜羅綿手,汝眼見時,心分別不?」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn der Geist,
der wahrnimmt, erkennt und unterscheidet,
wirklich außerhalb des Körpers wäre,
dann wären Körper und Geist getrennt
und hätten nichts miteinander zu tun.

Dann könnte der Körper
nicht erfahren,
was der Geist erkennt;
und was am Körper erfahren wird,
könnte der Geist nicht wissen.

Nun zeige ich dir
meine weichen Hände.
Wenn deine Augen sie sehen –
unterscheidet dein Geist dann nicht?
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die direkte Zerschlagung des „Außen-Geist“-Modells:
1. Konsequente Trennung führt zur Absurdität
Wenn Geist und Körper wirklich getrennt wären,
müsste Erfahrung auseinanderfallen:
Wahrnehmen hier, Empfinden dort.
Dass dies nicht geschieht,
entlarvt die Annahme.
2. Erkennen ist integriert, nicht verteilt
Sehen, Fühlen, Unterscheiden
treten nicht als isolierte Prozesse auf,
sondern als unmittelbare Einheit der Erfahrung.
Diese Einheit kann nicht „außen sitzen“.
3. Didaktische Geste statt Theorie
Der Buddha argumentiert nicht weiter abstrakt,
sondern zeigt einfach seine Hand.
Erfahrung ersetzt Spekulation.
4. Unhintergehbare Evidenz
Ānanda kann nicht ausweichen:
Sehen und Unterscheiden
geschehen gleichzeitig.
Damit ist bewiesen:
Der Geist ist weder außen
noch unabhängig vom Erleben.
5. Annäherung an das Nicht-Ortbare
Mit dem Wegfall von „innen“ und „außen“
wird deutlich:
Das, was erkennt,
ist nicht räumlich verortbar.

Der Buddha führt Ānanda nun
an den Rand dessen,
was weder Körper noch Ort ist –
und bereitet damit den Übergang
zur eigentlichen Einsicht in den ursprünglichen Grund vor.
39 #
阿難答言:「如是,世尊!」

佛告阿難:「若相知者,云何在外?是故應知,汝言『覺了能知之心住在身外』,無有是處。」
Ānanda antwortete:

„Ja, Weltverehrter.“

Der Buddha sprach:

„Wenn Wahrnehmen und Erkennen
unmittelbar zusammenwirken,
wie könnten sie dann außerhalb voneinander sein?

Darum sollst du wissen:
Die Ansicht,
der wahrnehmende, erkennende Geist
befinde sich außerhalb des Körpers,
ist unhaltbar.“
Kommentar öffnen
Dieser kurze Austausch ist der saubere logische Abschluss der zweiten Widerlegung:
1. Ānandas Zustimmung als Beweis
Das „如是“ ist kein bloßes Höflichkeitswort.
Ānanda bestätigt ausdrücklich
die Einheit von Sehen und Unterscheiden.
2. Innere Kohärenz der Erfahrung
Wahrnehmen und Erkennen
sind nicht zwei getrennte Ereignisse,
die später verbunden werden.
Sie sind von Anfang an eins im Vollzug.
3. Zusammenwirken schließt Außenlage aus
Wo unmittelbare Wechselwirkung stattfindet,
ist kein räumliches Außen möglich.
Das Argument ist schlicht
und unwiderlegbar.
4. Zweite Ortsbestimmung fällt
Nach „innen“
fällt nun auch „außen“.
Der Geist verliert erneut
einen vermeintlich sicheren Platz.
5. Methodische Klarheit
Der Buddha formuliert kein neues Dogma,
sondern schließt nur das aus,
was sich logisch selbst widerspricht.
Der Raum für das Nicht-Ortbare
wird dadurch weiter geöffnet.

Mit diesem Abschnitt ist klar:
Der Geist kann weder
im Körper
noch außerhalb des Körpers lokalisiert werden.
Die Untersuchung ist bereit
für die nächste, subtilere Zuschreibung.
中文原文
阿難答言:「如是,世尊!」

佛告阿難:「若相知者,云何在外?是故應知,汝言『覺了能知之心住在身外』,無有是處。」
Deutsch
Ānanda antwortete:

„Ja, Weltverehrter.“

Der Buddha sprach:

„Wenn Wahrnehmen und Erkennen
unmittelbar zusammenwirken,
wie könnten sie dann außerhalb voneinander sein?

Darum sollst du wissen:
Die Ansicht,
der wahrnehmende, erkennende Geist
befinde sich außerhalb des Körpers,
ist unhaltbar.“
Kommentar
Dieser kurze Austausch ist der saubere logische Abschluss der zweiten Widerlegung:
1. Ānandas Zustimmung als Beweis
Das „如是“ ist kein bloßes Höflichkeitswort.
Ānanda bestätigt ausdrücklich
die Einheit von Sehen und Unterscheiden.
2. Innere Kohärenz der Erfahrung
Wahrnehmen und Erkennen
sind nicht zwei getrennte Ereignisse,
die später verbunden werden.
Sie sind von Anfang an eins im Vollzug.
3. Zusammenwirken schließt Außenlage aus
Wo unmittelbare Wechselwirkung stattfindet,
ist kein räumliches Außen möglich.
Das Argument ist schlicht
und unwiderlegbar.
4. Zweite Ortsbestimmung fällt
Nach „innen“
fällt nun auch „außen“.
Der Geist verliert erneut
einen vermeintlich sicheren Platz.
5. Methodische Klarheit
Der Buddha formuliert kein neues Dogma,
sondern schließt nur das aus,
was sich logisch selbst widerspricht.
Der Raum für das Nicht-Ortbare
wird dadurch weiter geöffnet.

Mit diesem Abschnitt ist klar:
Der Geist kann weder
im Körper
noch außerhalb des Körpers lokalisiert werden.
Die Untersuchung ist bereit
für die nächste, subtilere Zuschreibung.
40 #
阿難白佛言:「世尊!如佛所言『不見內故,不居身內;身心相知,不相離故,不在身外』,我今思惟,知在一處。」

佛言:「處今何在?」
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
wie du gesagt hast:
Weil das Innere nicht erkannt wird,
kann der Geist nicht im Körper sein;
weil Körper und Geist
unmittelbar zusammenwirken,
kann er auch nicht außerhalb des Körpers sein.

Nun denke ich darüber nach
und meine zu erkennen:
Der Geist befindet sich
an einem bestimmten Ort.“

Der Buddha fragte:

„Wo ist dieser Ort?“
Kommentar öffnen
Dieser kurze Abschnitt ist psychologisch und didaktisch äußerst fein:
1. Ēinsicht ohne Loslassen der Grundannahme
Ānanda akzeptiert die Widerlegungen
von „innen“ und „außen“.
Doch er hält weiterhin daran fest,
dass der Geist irgendwo sein müsse.
2. Der unbewusste Restmaterialismus
„知在一處“ zeigt:
Auch nach logischer Korrektur
bleibt die Vorstellung eines festen Ortes bestehen.
Der Geist soll gerettet werden,
indem man ihn neu positioniert.
3. Der nächste Untersuchungszyklus
Der Buddha fragt nicht wertend,
sondern präzise:
„Wo?“
Damit beginnt die nächste,
noch subtilere Prüfung.
4. Die didaktische Geduld des Buddha
Kein Tadel,
kein Abbruch.
Jeder Irrtum darf vollständig erscheinen,
bevor er sich selbst auflöst.
5. Fortschreitende Entleerung des Ortsbegriffs
Mit jedem Schritt
wird der Ort feiner, abstrakter –
bis der Ortsbegriff selbst
nicht mehr haltbar ist.

Hier zeigt sich die Tiefe des Shurangama-Sutras:
Nicht nur grobe Irrtümer,
sondern auch die letzten subtilen Sicherheiten
werden systematisch untersucht.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!如佛所言『不見內故,不居身內;身心相知,不相離故,不在身外』,我今思惟,知在一處。」

佛言:「處今何在?」
Deutsch
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
wie du gesagt hast:
Weil das Innere nicht erkannt wird,
kann der Geist nicht im Körper sein;
weil Körper und Geist
unmittelbar zusammenwirken,
kann er auch nicht außerhalb des Körpers sein.

Nun denke ich darüber nach
und meine zu erkennen:
Der Geist befindet sich
an einem bestimmten Ort.“

Der Buddha fragte:

„Wo ist dieser Ort?“
Kommentar
Dieser kurze Abschnitt ist psychologisch und didaktisch äußerst fein:
1. Ēinsicht ohne Loslassen der Grundannahme
Ānanda akzeptiert die Widerlegungen
von „innen“ und „außen“.
Doch er hält weiterhin daran fest,
dass der Geist irgendwo sein müsse.
2. Der unbewusste Restmaterialismus
„知在一處“ zeigt:
Auch nach logischer Korrektur
bleibt die Vorstellung eines festen Ortes bestehen.
Der Geist soll gerettet werden,
indem man ihn neu positioniert.
3. Der nächste Untersuchungszyklus
Der Buddha fragt nicht wertend,
sondern präzise:
„Wo?“
Damit beginnt die nächste,
noch subtilere Prüfung.
4. Die didaktische Geduld des Buddha
Kein Tadel,
kein Abbruch.
Jeder Irrtum darf vollständig erscheinen,
bevor er sich selbst auflöst.
5. Fortschreitende Entleerung des Ortsbegriffs
Mit jedem Schritt
wird der Ort feiner, abstrakter –
bis der Ortsbegriff selbst
nicht mehr haltbar ist.

Hier zeigt sich die Tiefe des Shurangama-Sutras:
Nicht nur grobe Irrtümer,
sondern auch die letzten subtilen Sicherheiten
werden systematisch untersucht.
41 #
阿難言:「此了知心既不知內而能見外,如我思忖,潛伏根裏。猶如有人取瑠璃椀,合其兩眼,雖有物合而不留礙,彼根隨見隨即分別。然我覺了能知之心不見內者,為在根故;分明矚外無障礙者,潛根內故。」
Ānanda sprach:

„Dieser Geist,
der erkennt und unterscheidet,
nimmt das Innere nicht wahr
und kann doch das Äußere sehen.
So wie ich es verstehe,
ist er verborgen in den Sinneswurzeln.

Es ist wie bei jemandem,
der eine durchsichtige Kristallschale
über beide Augen legt:
Obwohl etwas die Augen bedeckt,
entsteht kein Hindernis.
Die Sinneswurzel sieht weiter
und unterscheidet unmittelbar.

So erkläre ich mir den Geist:
Dass er das Innere nicht erkennt,
liegt daran,
dass er in den Sinneswurzeln verborgen ist;
dass er das Äußere klar und ohne Hindernis wahrnimmt,
liegt daran,
dass er in den Wurzeln ruht.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt Ānandas dritte Rettungsstrategie für den Geist:
1. Verfeinerung statt Aufgabe
Ānanda gibt den Ortsgedanken nicht auf,
sondern macht ihn subtiler:
nicht im Körper,
nicht außerhalb,
sondern in den Sinneswurzeln.
2. Das raffinierte Gleichnis
Die Kristallschale ist durchsichtig:
Sie verdeckt, ohne zu blockieren.
Damit versucht Ānanda zu erklären,
wie „Verborgenheit“
und „ungehinderte Wahrnehmung“
zugleich möglich sein sollen.
3. Verwechslung von Medium und Ursprung
Sinneswurzeln sind Bedingungen der Wahrnehmung.
Ānanda macht sie nun
zum Aufenthaltsort des Erkennens.
Damit verschiebt er erneut
Funktion und Ursprung.
4. Der subtile Materialismus
Der Geist ist nun fast körperlos,
aber noch immer lokalisiert.
Genau diese letzte Feinheit
wird der Buddha im nächsten Schritt
auflösen.
5. Didaktische Konsequenz
Das Sutra zeigt hier exemplarisch:
Der Geist ist äußerst geschickt darin,
sich immer wieder
einen Ort zu sichern.
Erst wenn auch diese Feinheit fällt,
kann der ursprüngliche Grund
als nicht-ortbare Klarheit
überhaupt erkannt werden.

Ānanda steht nun an der Schwelle
der letzten Ortszuschreibung.
Der nächste Abschnitt
wird diese ebenfalls prüfen
– und verwerfen.
中文原文
阿難言:「此了知心既不知內而能見外,如我思忖,潛伏根裏。猶如有人取瑠璃椀,合其兩眼,雖有物合而不留礙,彼根隨見隨即分別。然我覺了能知之心不見內者,為在根故;分明矚外無障礙者,潛根內故。」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Dieser Geist,
der erkennt und unterscheidet,
nimmt das Innere nicht wahr
und kann doch das Äußere sehen.
So wie ich es verstehe,
ist er verborgen in den Sinneswurzeln.

Es ist wie bei jemandem,
der eine durchsichtige Kristallschale
über beide Augen legt:
Obwohl etwas die Augen bedeckt,
entsteht kein Hindernis.
Die Sinneswurzel sieht weiter
und unterscheidet unmittelbar.

So erkläre ich mir den Geist:
Dass er das Innere nicht erkennt,
liegt daran,
dass er in den Sinneswurzeln verborgen ist;
dass er das Äußere klar und ohne Hindernis wahrnimmt,
liegt daran,
dass er in den Wurzeln ruht.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt Ānandas dritte Rettungsstrategie für den Geist:
1. Verfeinerung statt Aufgabe
Ānanda gibt den Ortsgedanken nicht auf,
sondern macht ihn subtiler:
nicht im Körper,
nicht außerhalb,
sondern in den Sinneswurzeln.
2. Das raffinierte Gleichnis
Die Kristallschale ist durchsichtig:
Sie verdeckt, ohne zu blockieren.
Damit versucht Ānanda zu erklären,
wie „Verborgenheit“
und „ungehinderte Wahrnehmung“
zugleich möglich sein sollen.
3. Verwechslung von Medium und Ursprung
Sinneswurzeln sind Bedingungen der Wahrnehmung.
Ānanda macht sie nun
zum Aufenthaltsort des Erkennens.
Damit verschiebt er erneut
Funktion und Ursprung.
4. Der subtile Materialismus
Der Geist ist nun fast körperlos,
aber noch immer lokalisiert.
Genau diese letzte Feinheit
wird der Buddha im nächsten Schritt
auflösen.
5. Didaktische Konsequenz
Das Sutra zeigt hier exemplarisch:
Der Geist ist äußerst geschickt darin,
sich immer wieder
einen Ort zu sichern.
Erst wenn auch diese Feinheit fällt,
kann der ursprüngliche Grund
als nicht-ortbare Klarheit
überhaupt erkannt werden.

Ānanda steht nun an der Schwelle
der letzten Ortszuschreibung.
Der nächste Abschnitt
wird diese ebenfalls prüfen
– und verwerfen.
42 #
佛告阿難:「如汝所言『潛根內者猶如瑠璃』,彼人當以瑠璃籠眼,當見山河,見瑠璃不?」
「如是,世尊!是人當以瑠璃籠眼,實見瑠璃。」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du sagst,
der Geist sei in den Sinneswurzeln verborgen
wie durchsichtiger Kristall.

Wenn nun jemand
seine Augen mit Kristall bedeckt
und Berge und Flüsse sieht –
sieht er dabei
den Kristall selbst
oder nicht?“

Ānanda antwortete:

„Ja, Weltverehrter.
Bedeckt jemand seine Augen mit Kristall,
dann sieht er den Kristall tatsächlich.“
Kommentar öffnen
Dieser kurze Dialog ist die präzise Zuspitzung von Ānandas dritter Ortsannahme:
1. Konsequenzprüfung des Gleichnisses
Der Buddha nimmt Ānandas eigenes Bild
vollkommen ernst
und führt es logisch zu Ende.
Kein Gegenbild,
keine neue Theorie –
nur saubere Konsequenz.
2. Das Entscheidende Detail: Selbstwahrnehmung des Mediums
Ein durchsichtiges Medium
verschwindet nicht völlig.
Es ist mit-erfahrbar,
auch wenn es nicht blockiert.
3. Übertragung auf die Sinneswurzeln
Wenn der Geist wirklich
in den Sinneswurzeln verborgen wäre,
müsste er diese Wurzeln
mit-erkennen.
Genau das geschieht nicht.
4. Die Falle schließt sich
Ānanda bestätigt selbst die Prämisse,
die seine eigene Theorie
gleich im nächsten Schritt
zum Einsturz bringen wird.
5. Letzte Vorbereitung der Auflösung
Nach innen,
nach außen,
im Körper,
außerhalb,
in den Sinneswurzeln –
jede Ortszuschreibung
ist nun bis an ihre Grenze geführt.

Der Buddha hat Ānanda nun
an den Punkt gebracht,
an dem der Geist
keinen Ort mehr behalten kann.
中文原文
佛告阿難:「如汝所言『潛根內者猶如瑠璃』,彼人當以瑠璃籠眼,當見山河,見瑠璃不?」
「如是,世尊!是人當以瑠璃籠眼,實見瑠璃。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du sagst,
der Geist sei in den Sinneswurzeln verborgen
wie durchsichtiger Kristall.

Wenn nun jemand
seine Augen mit Kristall bedeckt
und Berge und Flüsse sieht –
sieht er dabei
den Kristall selbst
oder nicht?“

Ānanda antwortete:

„Ja, Weltverehrter.
Bedeckt jemand seine Augen mit Kristall,
dann sieht er den Kristall tatsächlich.“
Kommentar
Dieser kurze Dialog ist die präzise Zuspitzung von Ānandas dritter Ortsannahme:
1. Konsequenzprüfung des Gleichnisses
Der Buddha nimmt Ānandas eigenes Bild
vollkommen ernst
und führt es logisch zu Ende.
Kein Gegenbild,
keine neue Theorie –
nur saubere Konsequenz.
2. Das Entscheidende Detail: Selbstwahrnehmung des Mediums
Ein durchsichtiges Medium
verschwindet nicht völlig.
Es ist mit-erfahrbar,
auch wenn es nicht blockiert.
3. Übertragung auf die Sinneswurzeln
Wenn der Geist wirklich
in den Sinneswurzeln verborgen wäre,
müsste er diese Wurzeln
mit-erkennen.
Genau das geschieht nicht.
4. Die Falle schließt sich
Ānanda bestätigt selbst die Prämisse,
die seine eigene Theorie
gleich im nächsten Schritt
zum Einsturz bringen wird.
5. Letzte Vorbereitung der Auflösung
Nach innen,
nach außen,
im Körper,
außerhalb,
in den Sinneswurzeln –
jede Ortszuschreibung
ist nun bis an ihre Grenze geführt.

Der Buddha hat Ānanda nun
an den Punkt gebracht,
an dem der Geist
keinen Ort mehr behalten kann.
43 #
佛告阿難:「汝心若同瑠璃合者,當見山河,何不見眼?若見眼者,眼即同境,不得成隨;若不能見,云何說言『此了知心潛在根內如瑠璃合』?是故應知,汝言『覺了能知之心潛伏根裏如瑠璃合』,無有是處。」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn dein Geist
wirklich dem Kristall gliche,
der die Augen bedeckt,
dann müsstest du,
während du Berge und Flüsse siehst,
auch die Augen selbst sehen.
Warum geschieht das nicht?

Würdest du die Augen sehen,
wären sie selbst zu Objekten geworden
und könnten nicht mehr
als Sinneswurzeln wirken;
sie könnten dem Sehen nicht mehr folgen.

Kannst du sie aber nicht sehen,
wie kannst du dann sagen:
‚Der erkennende Geist
ist in den Sinneswurzeln verborgen
wie Kristall, der bedeckt‘?

Darum sollst du wissen:
Die Ansicht,
der erkennende, wissende Geist
sei in den Sinneswurzeln verborgen
wie Kristall,
ist unhaltbar.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die abschließende Widerlegung der dritten Ortsannahme:
1. Entweder–oder ohne Ausweg
Der Buddha zeigt eine klare Alternative:
• Entweder der Geist ist wie ein durchsichtiges Medium → dann müsste es mitgesehen werden.
• Oder er wird nicht gesehen → dann kann er nicht als solches Medium fungieren.
2. Zusammenbruch des „verborgenen Mediums“
Ein Medium, das alles ermöglicht
und selbst nie erscheint,
ist logisch widersprüchlich.
Genau diesen Widerspruch legt der Buddha offen.
3. Sinneswurzel ≠ Wahrnehmungsobjekt
Wird die Sinneswurzel selbst zum Objekt,
verliert sie ihre Funktion.
Damit zerfällt Ānandas Modell von innen heraus.
4. Vollständige Ausschöpfung der Ortslogik
Der Buddha hat nun gezeigt:
• nicht im Körper
• nicht außerhalb
• nicht in den Sinneswurzeln
Jede räumliche Zuschreibung des Geistes
ist geprüft und verworfen.
5. Schwelle zur nicht-räumlichen Einsicht
Nach dieser Stelle
kann der Geist nirgendwo mehr untergebracht werden.
Genau hier entsteht der notwendige Raum,
in dem das Sutra später
den ursprünglichen Grund als nicht-ortbare,
ursprüngliche Klarheit entfalten wird.

Dieser Abschnitt ist ein didaktischer Höhepunkt:
Der Geist verliert seinen letzten Zufluchtsort –
nicht durch Dogma,
sondern durch konsequente Einsicht.
中文原文
佛告阿難:「汝心若同瑠璃合者,當見山河,何不見眼?若見眼者,眼即同境,不得成隨;若不能見,云何說言『此了知心潛在根內如瑠璃合』?是故應知,汝言『覺了能知之心潛伏根裏如瑠璃合』,無有是處。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn dein Geist
wirklich dem Kristall gliche,
der die Augen bedeckt,
dann müsstest du,
während du Berge und Flüsse siehst,
auch die Augen selbst sehen.
Warum geschieht das nicht?

Würdest du die Augen sehen,
wären sie selbst zu Objekten geworden
und könnten nicht mehr
als Sinneswurzeln wirken;
sie könnten dem Sehen nicht mehr folgen.

Kannst du sie aber nicht sehen,
wie kannst du dann sagen:
‚Der erkennende Geist
ist in den Sinneswurzeln verborgen
wie Kristall, der bedeckt‘?

Darum sollst du wissen:
Die Ansicht,
der erkennende, wissende Geist
sei in den Sinneswurzeln verborgen
wie Kristall,
ist unhaltbar.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die abschließende Widerlegung der dritten Ortsannahme:
1. Entweder–oder ohne Ausweg
Der Buddha zeigt eine klare Alternative:
• Entweder der Geist ist wie ein durchsichtiges Medium → dann müsste es mitgesehen werden.
• Oder er wird nicht gesehen → dann kann er nicht als solches Medium fungieren.
2. Zusammenbruch des „verborgenen Mediums“
Ein Medium, das alles ermöglicht
und selbst nie erscheint,
ist logisch widersprüchlich.
Genau diesen Widerspruch legt der Buddha offen.
3. Sinneswurzel ≠ Wahrnehmungsobjekt
Wird die Sinneswurzel selbst zum Objekt,
verliert sie ihre Funktion.
Damit zerfällt Ānandas Modell von innen heraus.
4. Vollständige Ausschöpfung der Ortslogik
Der Buddha hat nun gezeigt:
• nicht im Körper
• nicht außerhalb
• nicht in den Sinneswurzeln
Jede räumliche Zuschreibung des Geistes
ist geprüft und verworfen.
5. Schwelle zur nicht-räumlichen Einsicht
Nach dieser Stelle
kann der Geist nirgendwo mehr untergebracht werden.
Genau hier entsteht der notwendige Raum,
in dem das Sutra später
den ursprünglichen Grund als nicht-ortbare,
ursprüngliche Klarheit entfalten wird.

Dieser Abschnitt ist ein didaktischer Höhepunkt:
Der Geist verliert seinen letzten Zufluchtsort –
nicht durch Dogma,
sondern durch konsequente Einsicht.
44 #
阿難白佛言:「世尊!我今又作如是思惟:『是眾生身,[1]府藏在中,竅穴居外;有藏則暗,有竅則明。』今我對佛,開眼見明,名為見外;閉眼見暗,名為見內。是義云何?」
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
ich habe erneut darüber nachgedacht:

Der Körper der Wesen
birgt seine Organe im Inneren,
während die Öffnungen nach außen führen.
Wo etwas eingeschlossen ist, ist es dunkel;
wo es Öffnungen gibt, ist es hell.

Wenn ich dir nun gegenüberstehe
und die Augen öffne und Helligkeit sehe,
nenne ich das Sehen nach außen.
Schließe ich die Augen und erfahre Dunkelheit,
nenne ich das Sehen nach innen.

Wie ist das zu verstehen?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt Ānandas vierte und letzte große Ortsstrategie:
1. Verschiebung von Ort zu Zustand
Nachdem feste Orte gescheitert sind,
wechselt Ānanda nun subtil die Kategorie:
Nicht mehr wo der Geist ist,
sondern hell oder dunkel soll Innen und Außen definieren.
2. Dunkelheit als vermeintliche Innenwahrnehmung
Ānanda interpretiert das Schließen der Augen
als „Sehen nach innen“.
Doch Dunkelheit ist bereits ein Wahrnehmungsinhalt,
kein Zugang zum Inneren.
3. Verwechslung von Abwesenheit und Erkenntnis
Nicht-Sehen wird hier als Sehen gedeutet.
Das Sutra bereitet vor zu zeigen:
Dunkelheit ist kein inneres Objekt,
sondern das Fehlen äußerer Reize.
4. Letzte Rettung des Raumdenkens
Innen und Außen werden nun
nicht mehr räumlich,
sondern phänomenologisch unterschieden.
Auch diese Strategie
wird der Buddha gleich widerlegen.
5. Didaktische Konsequenz
Der Text zeigt eindrücklich:
Solange der Geist sich selbst
über Erscheinungen bestimmen will –
hell, dunkel, offen, geschlossen –
bleibt er im Bereich des Bedingten.

Der nächste Abschnitt wird zeigen:
Auch Dunkelheit ist kein „Inneres“
und kein Aufenthaltsort des Geistes.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!我今又作如是思惟:『是眾生身,[1]府藏在中,竅穴居外;有藏則暗,有竅則明。』今我對佛,開眼見明,名為見外;閉眼見暗,名為見內。是義云何?」
Deutsch
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
ich habe erneut darüber nachgedacht:

Der Körper der Wesen
birgt seine Organe im Inneren,
während die Öffnungen nach außen führen.
Wo etwas eingeschlossen ist, ist es dunkel;
wo es Öffnungen gibt, ist es hell.

Wenn ich dir nun gegenüberstehe
und die Augen öffne und Helligkeit sehe,
nenne ich das Sehen nach außen.
Schließe ich die Augen und erfahre Dunkelheit,
nenne ich das Sehen nach innen.

Wie ist das zu verstehen?“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt Ānandas vierte und letzte große Ortsstrategie:
1. Verschiebung von Ort zu Zustand
Nachdem feste Orte gescheitert sind,
wechselt Ānanda nun subtil die Kategorie:
Nicht mehr wo der Geist ist,
sondern hell oder dunkel soll Innen und Außen definieren.
2. Dunkelheit als vermeintliche Innenwahrnehmung
Ānanda interpretiert das Schließen der Augen
als „Sehen nach innen“.
Doch Dunkelheit ist bereits ein Wahrnehmungsinhalt,
kein Zugang zum Inneren.
3. Verwechslung von Abwesenheit und Erkenntnis
Nicht-Sehen wird hier als Sehen gedeutet.
Das Sutra bereitet vor zu zeigen:
Dunkelheit ist kein inneres Objekt,
sondern das Fehlen äußerer Reize.
4. Letzte Rettung des Raumdenkens
Innen und Außen werden nun
nicht mehr räumlich,
sondern phänomenologisch unterschieden.
Auch diese Strategie
wird der Buddha gleich widerlegen.
5. Didaktische Konsequenz
Der Text zeigt eindrücklich:
Solange der Geist sich selbst
über Erscheinungen bestimmen will –
hell, dunkel, offen, geschlossen –
bleibt er im Bereich des Bedingten.

Der nächste Abschnitt wird zeigen:
Auch Dunkelheit ist kein „Inneres“
und kein Aufenthaltsort des Geistes.
45 #
佛告阿難:「汝當閉眼見暗之時,此暗境界為與眼對,為不對眼?若與眼對,暗在眼前,云何成內?若成內者,居暗室中無日月燈,此室暗中皆汝焦[*]府?若不對者,云何成見?若離外見,內對所成,合眼見暗,名為身中;開眼見明,何不見面?若不見面,內對不成。見面若成,此了知心及與眼根,乃在虛空,何成在內?若在虛空,自非汝體,即應如來今見汝面,亦是汝身。汝眼已知,身合非覺。必汝執言身,眼兩覺,應有二知,即汝一身應成兩佛!是故應知,汝言『見暗名見內』者,無有是處。」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn du die Augen schließt
und Dunkelheit erfährst,
sage mir:
Steht diese Dunkelheit
den Augen gegenüber
oder nicht?

Steht sie den Augen gegenüber,
ist sie vor den Augen –
wie könnte sie innen sein?
Wäre sie innen,
müsste in einem dunklen Raum
ohne Sonne, Mond oder Lampe
jede Dunkelheit
dein Inneres sein.

Steht sie den Augen nicht gegenüber,
wie kann man dann von Sehen sprechen?

Angenommen, es gäbe ein inneres Sehen:
Dann würdest du beim Schließen der Augen
Dunkelheit sehen
und dies Sehen im Körper nennen.
Öffnest du dann die Augen
und siehst Helligkeit –
warum siehst du nicht dein eigenes Gesicht?

Siehst du dein Gesicht nicht,
kommt kein inneres Gegenüber zustande.
Siehst du dein Gesicht doch,
dann befinden sich
der erkennende Geist
und die Augenwurzel
im offenen Raum.
Wie könnten sie dann im Körper sein?

Wären sie im Raum,
gehörten sie nicht zu dir.
Dann wäre ich,
der jetzt dein Gesicht sieht,
ebenfalls dein Körper.

Deine Augen wissen es bereits:
Der Körper erkennt nicht.

Behauptest du dennoch,
Körper und Augen
hätten jeweils eigenes Erkennen,
dann gäbe es zwei Erkenntnisse.
Ein einziger Körper
müsste zwei Buddhas sein!

Darum sollst du wissen:
Die Ansicht,
Dunkelheit sehen
sei ein Sehen nach innen,
ist unhaltbar.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die vollständige Demontage der letzten Innen-Außen-Rettung:
1. Dunkelheit ist ein Objekt, kein Innenraum
Der Buddha zeigt unerbittlich:
Dunkelheit ist bereits eine Erscheinung.
Sie kann daher kein „inneres Sehen“ begründen.
2. Sehen setzt Gegenüber voraus
Ohne Gegenüber kein Sehen.
Wo kein Objekt ist,
kann nicht von Wahrnehmung gesprochen werden.
3. Das Gesicht als Prüfstein
Das eigene Gesicht ist der nächste logische Schritt.
Dass es nicht gesehen wird,
entlarvt die Annahme eines inneren Gegenübers.
4. Auflösung des Körper-Geist-Dualismus
Die Absurdität von „zwei Erkenntnissen“
führt das Modell ad absurdum.
Der Buddha zwingt die Logik
bis zur letzten Konsequenz.
5. Ende aller Ortsmodelle
Innen, außen, dazwischen, verborgen, dunkel –
alle Varianten sind erschöpft.
Der Geist kann nirgendwo verortet werden.

Hier ist der Punkt erreicht,
an dem der Suchende
keinen Platz mehr findet,
an dem er den Geist ablegen kann.
Genau hier beginnt die Möglichkeit,
den ursprünglichen Grund
nicht als Ort,
sondern als ursprüngliche Klarheit
zu erkennen.
中文原文
佛告阿難:「汝當閉眼見暗之時,此暗境界為與眼對,為不對眼?若與眼對,暗在眼前,云何成內?若成內者,居暗室中無日月燈,此室暗中皆汝焦[*]府?若不對者,云何成見?若離外見,內對所成,合眼見暗,名為身中;開眼見明,何不見面?若不見面,內對不成。見面若成,此了知心及與眼根,乃在虛空,何成在內?若在虛空,自非汝體,即應如來今見汝面,亦是汝身。汝眼已知,身合非覺。必汝執言身,眼兩覺,應有二知,即汝一身應成兩佛!是故應知,汝言『見暗名見內』者,無有是處。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn du die Augen schließt
und Dunkelheit erfährst,
sage mir:
Steht diese Dunkelheit
den Augen gegenüber
oder nicht?

Steht sie den Augen gegenüber,
ist sie vor den Augen –
wie könnte sie innen sein?
Wäre sie innen,
müsste in einem dunklen Raum
ohne Sonne, Mond oder Lampe
jede Dunkelheit
dein Inneres sein.

Steht sie den Augen nicht gegenüber,
wie kann man dann von Sehen sprechen?

Angenommen, es gäbe ein inneres Sehen:
Dann würdest du beim Schließen der Augen
Dunkelheit sehen
und dies Sehen im Körper nennen.
Öffnest du dann die Augen
und siehst Helligkeit –
warum siehst du nicht dein eigenes Gesicht?

Siehst du dein Gesicht nicht,
kommt kein inneres Gegenüber zustande.
Siehst du dein Gesicht doch,
dann befinden sich
der erkennende Geist
und die Augenwurzel
im offenen Raum.
Wie könnten sie dann im Körper sein?

Wären sie im Raum,
gehörten sie nicht zu dir.
Dann wäre ich,
der jetzt dein Gesicht sieht,
ebenfalls dein Körper.

Deine Augen wissen es bereits:
Der Körper erkennt nicht.

Behauptest du dennoch,
Körper und Augen
hätten jeweils eigenes Erkennen,
dann gäbe es zwei Erkenntnisse.
Ein einziger Körper
müsste zwei Buddhas sein!

Darum sollst du wissen:
Die Ansicht,
Dunkelheit sehen
sei ein Sehen nach innen,
ist unhaltbar.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die vollständige Demontage der letzten Innen-Außen-Rettung:
1. Dunkelheit ist ein Objekt, kein Innenraum
Der Buddha zeigt unerbittlich:
Dunkelheit ist bereits eine Erscheinung.
Sie kann daher kein „inneres Sehen“ begründen.
2. Sehen setzt Gegenüber voraus
Ohne Gegenüber kein Sehen.
Wo kein Objekt ist,
kann nicht von Wahrnehmung gesprochen werden.
3. Das Gesicht als Prüfstein
Das eigene Gesicht ist der nächste logische Schritt.
Dass es nicht gesehen wird,
entlarvt die Annahme eines inneren Gegenübers.
4. Auflösung des Körper-Geist-Dualismus
Die Absurdität von „zwei Erkenntnissen“
führt das Modell ad absurdum.
Der Buddha zwingt die Logik
bis zur letzten Konsequenz.
5. Ende aller Ortsmodelle
Innen, außen, dazwischen, verborgen, dunkel –
alle Varianten sind erschöpft.
Der Geist kann nirgendwo verortet werden.

Hier ist der Punkt erreicht,
an dem der Suchende
keinen Platz mehr findet,
an dem er den Geist ablegen kann.
Genau hier beginnt die Möglichkeit,
den ursprünglichen Grund
nicht als Ort,
sondern als ursprüngliche Klarheit
zu erkennen.
46 #
阿難言:「我常聞佛開示四眾:『由心生故種種法生,由法生故種種心生。』我今思惟:『即思惟體實我心性。隨所合處,心則隨有;亦非內、外、中間三處。』」
Ānanda sprach:

„Ich habe oft gehört,
wie du den vier Versammlungen lehrtest:
‚Aus dem Geist entstehen die vielfältigen Erscheinungen;
aus den Erscheinungen
entstehen wiederum die vielfältigen Geister.‘

Nun habe ich darüber nachgedacht
und glaube zu erkennen:
Das Denken selbst
ist die Natur meines Geistes.
Je nachdem, womit es sich verbindet,
ist der Geist dort gegenwärtig.
Er ist weder innen,
noch außen,
noch dazwischen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist außerordentlich subtil und markiert eine neue Phase der Untersuchung:
1. Rückgriff auf buddhistische Lehre
Ānanda stützt sich nun nicht mehr
auf Alltagslogik oder Gleichnisse,
sondern auf authentische Lehrsätze des Buddha.
Das macht den Irrtum besonders schwer erkennbar.
2. Vom Ort zur Relation
Der Geist wird nicht mehr räumlich verortet,
sondern relational verstanden:
Er entsteht dort,
wo Kontakt entsteht.
Das ist ein großer Fortschritt –
aber noch nicht Befreiung.
3. Denken wird mit Natur verwechselt
Der entscheidende Satz ist:
„即思惟體實我心性“
→ Die Tätigkeit des Denkens
wird zur eigentlichen Natur erklärt.
Genau hier liegt der Fehler.
4. Gefahr der Verabsolutierung des Funktionalen
Denken ist eine Funktion des Geistes,
nicht sein Ursprung.
Ānanda ersetzt den Ort
nun durch Aktivität –
ein raffinierter, letzter Schutzmechanismus.
5. Vorbereitung der tiefsten Korrektur
Der Buddha wird nun zeigen,
dass auch „Mit-Entstehen“,
„Verbindung“ und „Relation“
nicht der ursprüngliche Grund sind.
Selbst das feinste Abhängigkeitsdenken
bleibt innerhalb des Bedingten.

Dieser Abschnitt ist der Übergang
von räumlicher Verortung
zu prozessualer Verwechslung.
Der Geist hat keinen Ort mehr –
nun erklärt er sich selbst zur Natur.
中文原文
阿難言:「我常聞佛開示四眾:『由心生故種種法生,由法生故種種心生。』我今思惟:『即思惟體實我心性。隨所合處,心則隨有;亦非內、外、中間三處。』」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Ich habe oft gehört,
wie du den vier Versammlungen lehrtest:
‚Aus dem Geist entstehen die vielfältigen Erscheinungen;
aus den Erscheinungen
entstehen wiederum die vielfältigen Geister.‘

Nun habe ich darüber nachgedacht
und glaube zu erkennen:
Das Denken selbst
ist die Natur meines Geistes.
Je nachdem, womit es sich verbindet,
ist der Geist dort gegenwärtig.
Er ist weder innen,
noch außen,
noch dazwischen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist außerordentlich subtil und markiert eine neue Phase der Untersuchung:
1. Rückgriff auf buddhistische Lehre
Ānanda stützt sich nun nicht mehr
auf Alltagslogik oder Gleichnisse,
sondern auf authentische Lehrsätze des Buddha.
Das macht den Irrtum besonders schwer erkennbar.
2. Vom Ort zur Relation
Der Geist wird nicht mehr räumlich verortet,
sondern relational verstanden:
Er entsteht dort,
wo Kontakt entsteht.
Das ist ein großer Fortschritt –
aber noch nicht Befreiung.
3. Denken wird mit Natur verwechselt
Der entscheidende Satz ist:
„即思惟體實我心性“
→ Die Tätigkeit des Denkens
wird zur eigentlichen Natur erklärt.
Genau hier liegt der Fehler.
4. Gefahr der Verabsolutierung des Funktionalen
Denken ist eine Funktion des Geistes,
nicht sein Ursprung.
Ānanda ersetzt den Ort
nun durch Aktivität –
ein raffinierter, letzter Schutzmechanismus.
5. Vorbereitung der tiefsten Korrektur
Der Buddha wird nun zeigen,
dass auch „Mit-Entstehen“,
„Verbindung“ und „Relation“
nicht der ursprüngliche Grund sind.
Selbst das feinste Abhängigkeitsdenken
bleibt innerhalb des Bedingten.

Dieser Abschnitt ist der Übergang
von räumlicher Verortung
zu prozessualer Verwechslung.
Der Geist hat keinen Ort mehr –
nun erklärt er sich selbst zur Natur.
47 #
佛告阿難:「汝今說言『由法生故種種心生,隨所合處心隨有』者,是心無體則無所合;若無有體而能合者,則十九界因七塵合,是義不然。若有體者,如汝以手自挃其體,汝所知心為復內出、為從外入?若復內出,還見身中;若從外來,先合見面?」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du sagst nun:
‚Aus den Erscheinungen
entsteht der Geist,
und je nachdem, womit er sich verbindet,
ist er dort gegenwärtig.‘

Dann frage ich dich:
Hat dieser Geist keine eigene Natur,
gibt es nichts,
womit er sich verbinden könnte.
Hat er aber keine Natur
und kann sich dennoch verbinden,
dann müssten die gesamten Wahrnehmungsbereiche
allein aus dem Zusammenkommen
der Sinnesobjekte entstehen –
das ist unhaltbar.

Hat der Geist jedoch
eine eigene Wirklichkeit,
dann prüfe es so:
Wenn du mit deiner Hand
deinen Körper berührst,
kommt das Erkennen
von innen
oder von außen?

Kommt es von innen,
müsstest du dein Inneres erkennen;
kommt es von außen,
müsstest du zuerst
dein eigenes Gesicht sehen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die präzise Widerlegung der letzten Zuflucht des Geistes:
1. Entweder substanzlos – oder prüfbar
Der Buddha zeigt:
Ein Geist ohne Natur
kann sich nicht verbinden;
ein Geist mit Natur
muss sich prüfen lassen.
Es gibt kein drittes Ausweichmanöver.
2. Kritik an falscher Abhängigkeitslehre
Ānandas Argument erinnert an
ein missverstandenes „Mit-Entstehen“.
Der Buddha korrigiert:
Relationen allein
erzeugen kein Erkennen.
3. Rückkehr zur unmittelbaren Erfahrung
Wieder wählt der Buddha
eine einfache, leibliche Erfahrung:
Berührung.
Sie ist nicht spekulativ,
sondern unmittelbar überprüfbar.
4. Zwang zur Ortsfrage – erneut
Auch die relationale Theorie
fällt zurück
auf Innen oder Außen.
Damit zeigt sich:
Solange man den Geist als Ding denkt,
bleibt man im gleichen Kreis.
5. Letzte Vorbereitung der Wendung
Nach diesem Punkt
wird deutlich:
Weder Ort,
noch Relation,
noch Funktion
können den Ursprung des Erkennens erklären.
Der Weg ist frei
für die klare Unterscheidung
zwischen verwirrtem Geist
und ursprünglichem Grund.

Der Buddha hat nun
jede denkbare Selbstrettung des Geistes
aufgebraucht.
Was folgt,
kann nur noch
eine Grundesätzliche Umkehr der Perspektive sein.
中文原文
佛告阿難:「汝今說言『由法生故種種心生,隨所合處心隨有』者,是心無體則無所合;若無有體而能合者,則十九界因七塵合,是義不然。若有體者,如汝以手自挃其體,汝所知心為復內出、為從外入?若復內出,還見身中;若從外來,先合見面?」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du sagst nun:
‚Aus den Erscheinungen
entsteht der Geist,
und je nachdem, womit er sich verbindet,
ist er dort gegenwärtig.‘

Dann frage ich dich:
Hat dieser Geist keine eigene Natur,
gibt es nichts,
womit er sich verbinden könnte.
Hat er aber keine Natur
und kann sich dennoch verbinden,
dann müssten die gesamten Wahrnehmungsbereiche
allein aus dem Zusammenkommen
der Sinnesobjekte entstehen –
das ist unhaltbar.

Hat der Geist jedoch
eine eigene Wirklichkeit,
dann prüfe es so:
Wenn du mit deiner Hand
deinen Körper berührst,
kommt das Erkennen
von innen
oder von außen?

Kommt es von innen,
müsstest du dein Inneres erkennen;
kommt es von außen,
müsstest du zuerst
dein eigenes Gesicht sehen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die präzise Widerlegung der letzten Zuflucht des Geistes:
1. Entweder substanzlos – oder prüfbar
Der Buddha zeigt:
Ein Geist ohne Natur
kann sich nicht verbinden;
ein Geist mit Natur
muss sich prüfen lassen.
Es gibt kein drittes Ausweichmanöver.
2. Kritik an falscher Abhängigkeitslehre
Ānandas Argument erinnert an
ein missverstandenes „Mit-Entstehen“.
Der Buddha korrigiert:
Relationen allein
erzeugen kein Erkennen.
3. Rückkehr zur unmittelbaren Erfahrung
Wieder wählt der Buddha
eine einfache, leibliche Erfahrung:
Berührung.
Sie ist nicht spekulativ,
sondern unmittelbar überprüfbar.
4. Zwang zur Ortsfrage – erneut
Auch die relationale Theorie
fällt zurück
auf Innen oder Außen.
Damit zeigt sich:
Solange man den Geist als Ding denkt,
bleibt man im gleichen Kreis.
5. Letzte Vorbereitung der Wendung
Nach diesem Punkt
wird deutlich:
Weder Ort,
noch Relation,
noch Funktion
können den Ursprung des Erkennens erklären.
Der Weg ist frei
für die klare Unterscheidung
zwischen verwirrtem Geist
und ursprünglichem Grund.

Der Buddha hat nun
jede denkbare Selbstrettung des Geistes
aufgebraucht.
Was folgt,
kann nur noch
eine Grundesätzliche Umkehr der Perspektive sein.
48 #
阿難言:「見是其眼,心知非眼,為見非義。」
Ānanda sprach:

„Sehen geschieht durch die Augen.
Der Geist erkennt dies,
ist aber nicht selbst die Augen.
Darum kann das Sehen
nicht die eigentliche Funktion
des Geistes sein.“
Kommentar öffnen
Dieser kurze Satz ist außerordentlich dicht und zeigt Ānandas letzten Versuch, den Geist zu retten:
1. Trennung von Sehen und Erkennen
Ānanda führt nun eine funktionale Aufspaltung ein:
• Augen sehen
• Geist weiß davon
Damit versucht er, den Geist
aus der Ortsfrage herauszuhalten.
2. Verlagerung auf Meta-Erkennen
Der Geist wird nicht mehr als Wahrnehmungsorgan gedacht,
sondern als Instanz,
die Wahrnehmung kennt.
Das ist subtiler –
aber noch immer dual.
3. Letzte Schutzbehauptung
„為見非義“ bedeutet:
Sehen sei nicht das Wesentliche des Geistes.
Der Geist soll sich dadurch
der bisherigen Widerlegung entziehen.
4. Unbewusste Selbstwiderlegung
Indem Ānanda sagt,
der Geist „wisse“ das Sehen,
gesteht er implizit ein:
Ohne Geist
gäbe es kein Sehen-als-Sehen.
Genau hier wird der Buddha ansetzen.
5. Vorbereitung der entscheidenden Wendung
Der Buddha wird nun zeigen:
Wenn der Geist nur „weiß“,
ohne zu sehen,
dann ist dieses Wissen
selbst nicht lokalisierbar,
nicht trennbar
und nicht funktional erklärbar.

Dieser Satz markiert den Punkt,
an dem der Geist
sich selbst in eine Ecke argumentiert.
Die nächste Antwort des Buddha
wird diese letzte Trennung
aufheben.
中文原文
阿難言:「見是其眼,心知非眼,為見非義。」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Sehen geschieht durch die Augen.
Der Geist erkennt dies,
ist aber nicht selbst die Augen.
Darum kann das Sehen
nicht die eigentliche Funktion
des Geistes sein.“
Kommentar
Dieser kurze Satz ist außerordentlich dicht und zeigt Ānandas letzten Versuch, den Geist zu retten:
1. Trennung von Sehen und Erkennen
Ānanda führt nun eine funktionale Aufspaltung ein:
• Augen sehen
• Geist weiß davon
Damit versucht er, den Geist
aus der Ortsfrage herauszuhalten.
2. Verlagerung auf Meta-Erkennen
Der Geist wird nicht mehr als Wahrnehmungsorgan gedacht,
sondern als Instanz,
die Wahrnehmung kennt.
Das ist subtiler –
aber noch immer dual.
3. Letzte Schutzbehauptung
„為見非義“ bedeutet:
Sehen sei nicht das Wesentliche des Geistes.
Der Geist soll sich dadurch
der bisherigen Widerlegung entziehen.
4. Unbewusste Selbstwiderlegung
Indem Ānanda sagt,
der Geist „wisse“ das Sehen,
gesteht er implizit ein:
Ohne Geist
gäbe es kein Sehen-als-Sehen.
Genau hier wird der Buddha ansetzen.
5. Vorbereitung der entscheidenden Wendung
Der Buddha wird nun zeigen:
Wenn der Geist nur „weiß“,
ohne zu sehen,
dann ist dieses Wissen
selbst nicht lokalisierbar,
nicht trennbar
und nicht funktional erklärbar.

Dieser Satz markiert den Punkt,
an dem der Geist
sich selbst in eine Ecke argumentiert.
Die nächste Antwort des Buddha
wird diese letzte Trennung
aufheben.
49 #
佛言:「若眼能見,汝在室中門能見不?則諸已死尚有眼存,應皆見物。若見物者,云何名死?阿難!又汝覺了能知之心,若必有體,為復一體?為有多體?今在汝身,為復遍體?為不遍體?若一體者,則汝以手挃一[1]時,四[*]應覺;若咸覺者,挃應無在。若挃有所,則汝一體自不能成。若多體者,則成多人。何體為汝?若遍體者,同前所挃!若不遍者,當汝觸頭亦觸其足,頭有所覺,足應無知。今汝不然。是故應知,隨所合處心則隨有,無有是處。」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn tatsächlich die Augen selbst sehen würden,
könnten dann,
während du in einem Raum bist,
auch die Türen sehen?
Dann müssten sogar Tote,
deren Augen noch vorhanden sind,
Dinge sehen können.
Wenn sie sehen könnten –
wie könnte man sie tot nennen?

Ānanda,
nun frage ich dich weiter:
Wenn der Geist,
der wahrnimmt und erkennt,
notwendig eine eigene Wirklichkeit hätte –
wäre er einer
oder viele?

Ist er in deinem Körper,
durchdringt er den ganzen Körper
oder nicht?

Wäre er einer,
müsstest du bei einer Berührung
den ganzen Körper zugleich empfinden.
Würden alle zugleich empfinden,
gäbe es keinen bestimmten Ort der Berührung.
Gibt es aber einen bestimmten Ort,
kann er nicht einer sein.

Wären es viele,
bestündest du aus mehreren Personen.
Welche davon wärst du?

Durchdringt er den ganzen Körper,
gilt dasselbe wie zuvor.
Durchdringt er ihn nicht,
dann müsste,
wenn du den Kopf berührst,
auch der Fuß berührt werden:
Empfindet der Kopf etwas,
müsste der Fuß nichts wissen.
Doch so ist es nicht.

Darum sollst du wissen:
Die Ansicht,
der Geist sei jeweils dort vorhanden,
wo er sich verbindet,
ist unhaltbar.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die systematische Zerschlagung der letzten substantiellen Geistannahme:
1. Sehen ist keine Eigenschaft der Augen
Der Buddha zeigt:
Augen ohne lebendiges Erkennen
sehen nichts.
Sehen ist kein mechanischer Vorgang.
2. Substanzprüfung des Geistes
Der Geist wird nun
nicht mehr räumlich,
sondern ontologisch geprüft:
Ist er einer?
Ist er viele?
Ist er überall?
Oder punktuell?
3. Alle Varianten führen in Widersprüche
Jede Möglichkeit erzeugt Absurditäten:
• eine Substanz → keine Lokalisierbarkeit
• viele Substanzen → kein Selbst
• überall → keine Differenz
• punktuell → widersprüchliche Empfindung
4. Zerfall des funktionalen Modells
Auch die Idee,
der Geist entstehe jeweils dort,
wo Kontakt ist,
hält der Prüfung nicht stand.
5. Ende der Objektivierbarkeit
Der Geist kann weder
als Ding,
noch als Prozess,
noch als Verteilung
gedacht werden.

Damit ist der Boden vollständig bereitet
für die Wendung vom analysierten Geist
hin zum nicht-objektivierbaren, ursprünglichen Grund,
der im Sutra bald
als ursprüngliche Klarheit
offenbart wird.
中文原文
佛言:「若眼能見,汝在室中門能見不?則諸已死尚有眼存,應皆見物。若見物者,云何名死?阿難!又汝覺了能知之心,若必有體,為復一體?為有多體?今在汝身,為復遍體?為不遍體?若一體者,則汝以手挃一[1]時,四[*]應覺;若咸覺者,挃應無在。若挃有所,則汝一體自不能成。若多體者,則成多人。何體為汝?若遍體者,同前所挃!若不遍者,當汝觸頭亦觸其足,頭有所覺,足應無知。今汝不然。是故應知,隨所合處心則隨有,無有是處。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn tatsächlich die Augen selbst sehen würden,
könnten dann,
während du in einem Raum bist,
auch die Türen sehen?
Dann müssten sogar Tote,
deren Augen noch vorhanden sind,
Dinge sehen können.
Wenn sie sehen könnten –
wie könnte man sie tot nennen?

Ānanda,
nun frage ich dich weiter:
Wenn der Geist,
der wahrnimmt und erkennt,
notwendig eine eigene Wirklichkeit hätte –
wäre er einer
oder viele?

Ist er in deinem Körper,
durchdringt er den ganzen Körper
oder nicht?

Wäre er einer,
müsstest du bei einer Berührung
den ganzen Körper zugleich empfinden.
Würden alle zugleich empfinden,
gäbe es keinen bestimmten Ort der Berührung.
Gibt es aber einen bestimmten Ort,
kann er nicht einer sein.

Wären es viele,
bestündest du aus mehreren Personen.
Welche davon wärst du?

Durchdringt er den ganzen Körper,
gilt dasselbe wie zuvor.
Durchdringt er ihn nicht,
dann müsste,
wenn du den Kopf berührst,
auch der Fuß berührt werden:
Empfindet der Kopf etwas,
müsste der Fuß nichts wissen.
Doch so ist es nicht.

Darum sollst du wissen:
Die Ansicht,
der Geist sei jeweils dort vorhanden,
wo er sich verbindet,
ist unhaltbar.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die systematische Zerschlagung der letzten substantiellen Geistannahme:
1. Sehen ist keine Eigenschaft der Augen
Der Buddha zeigt:
Augen ohne lebendiges Erkennen
sehen nichts.
Sehen ist kein mechanischer Vorgang.
2. Substanzprüfung des Geistes
Der Geist wird nun
nicht mehr räumlich,
sondern ontologisch geprüft:
Ist er einer?
Ist er viele?
Ist er überall?
Oder punktuell?
3. Alle Varianten führen in Widersprüche
Jede Möglichkeit erzeugt Absurditäten:
• eine Substanz → keine Lokalisierbarkeit
• viele Substanzen → kein Selbst
• überall → keine Differenz
• punktuell → widersprüchliche Empfindung
4. Zerfall des funktionalen Modells
Auch die Idee,
der Geist entstehe jeweils dort,
wo Kontakt ist,
hält der Prüfung nicht stand.
5. Ende der Objektivierbarkeit
Der Geist kann weder
als Ding,
noch als Prozess,
noch als Verteilung
gedacht werden.

Damit ist der Boden vollständig bereitet
für die Wendung vom analysierten Geist
hin zum nicht-objektivierbaren, ursprünglichen Grund,
der im Sutra bald
als ursprüngliche Klarheit
offenbart wird.
50 #
阿難白佛言:「世尊!我亦聞佛與文殊等諸法王子談實相時,世尊亦言:『心不在內,亦不在外。』如我思惟:『內無所見,外不相知。內無知故,在內不成;身心相知,在外非義。今相知故,復內無見,當在中間。』」
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
ich habe gehört,
wie du mit Mañjuśrī
und den Dharmafürstensöhnen
über die wahre Wirklichkeit sprachst.
Dabei sagtest du auch:
‚Der Geist ist weder innen
noch außen.‘

So denke ich nun:
Innen wird nichts gesehen,
außen gibt es kein getrenntes Erkennen.
Weil innen kein Erkennen ist,
kann der Geist nicht innen sein;
weil Körper und Geist sich erkennen,
kann er nicht außen sein.

Da nun Erkennen da ist
und innen kein Sehen stattfindet,
muss der Geist
in der Mitte sein.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist besonders heikel und tief, weil Ānanda sich nun auf authentische Lehraussagen des Buddha selbst beruft:
1. Berufung auf „wahre Wirklichkeit“ (實相)
Ānanda greift eine hochrangige Lehre auf,
die normalerweise erst nach tiefer Einsicht verstanden wird.
Das zeigt:
Auch richtige Worte können falsch verwendet werden.
2. Missverständnis von „weder innen noch außen“
Der Buddha meinte mit dieser Aussage
die Aufhebung räumlicher Zuschreibung.
Ānanda macht daraus eine neue räumliche Position:
die Mitte.
3. Die letzte Ortsflucht
Nachdem innen, außen,
Körper, Sinneswurzeln und Relation
gescheitert sind,
bleibt nur noch „dazwischen“.
Das ist die subtilste
und zugleich letzte Form der Lokalisierung.
4. Logische, aber falsche Ableitung
Ānandas Schluss ist folgerichtig
innerhalb eines Ortsdenkens.
Genau deshalb ist er gefährlich:
Er wirkt wie ein Kompromiss,
ist aber nur eine weitere Fixierung.
5. Vorbereitung der endgültigen Korrektur
Der Buddha wird nun zeigen:
„Mitte“ ist kein Ort,
sondern ein Begriff,
der nur Sinn macht,
solange innen und außen vorausgesetzt werden.

Dieser Abschnitt markiert den Punkt,
an dem selbst Lehrsätze des Buddha
zum Hindernis werden können,
wenn sie vom verwirrten Geist
statt vom ursprünglichen Grund aus verstanden werden.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!我亦聞佛與文殊等諸法王子談實相時,世尊亦言:『心不在內,亦不在外。』如我思惟:『內無所見,外不相知。內無知故,在內不成;身心相知,在外非義。今相知故,復內無見,當在中間。』」
Deutsch
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
ich habe gehört,
wie du mit Mañjuśrī
und den Dharmafürstensöhnen
über die wahre Wirklichkeit sprachst.
Dabei sagtest du auch:
‚Der Geist ist weder innen
noch außen.‘

So denke ich nun:
Innen wird nichts gesehen,
außen gibt es kein getrenntes Erkennen.
Weil innen kein Erkennen ist,
kann der Geist nicht innen sein;
weil Körper und Geist sich erkennen,
kann er nicht außen sein.

Da nun Erkennen da ist
und innen kein Sehen stattfindet,
muss der Geist
in der Mitte sein.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist besonders heikel und tief, weil Ānanda sich nun auf authentische Lehraussagen des Buddha selbst beruft:
1. Berufung auf „wahre Wirklichkeit“ (實相)
Ānanda greift eine hochrangige Lehre auf,
die normalerweise erst nach tiefer Einsicht verstanden wird.
Das zeigt:
Auch richtige Worte können falsch verwendet werden.
2. Missverständnis von „weder innen noch außen“
Der Buddha meinte mit dieser Aussage
die Aufhebung räumlicher Zuschreibung.
Ānanda macht daraus eine neue räumliche Position:
die Mitte.
3. Die letzte Ortsflucht
Nachdem innen, außen,
Körper, Sinneswurzeln und Relation
gescheitert sind,
bleibt nur noch „dazwischen“.
Das ist die subtilste
und zugleich letzte Form der Lokalisierung.
4. Logische, aber falsche Ableitung
Ānandas Schluss ist folgerichtig
innerhalb eines Ortsdenkens.
Genau deshalb ist er gefährlich:
Er wirkt wie ein Kompromiss,
ist aber nur eine weitere Fixierung.
5. Vorbereitung der endgültigen Korrektur
Der Buddha wird nun zeigen:
„Mitte“ ist kein Ort,
sondern ein Begriff,
der nur Sinn macht,
solange innen und außen vorausgesetzt werden.

Dieser Abschnitt markiert den Punkt,
an dem selbst Lehrsätze des Buddha
zum Hindernis werden können,
wenn sie vom verwirrten Geist
statt vom ursprünglichen Grund aus verstanden werden.
51 #
佛言:「汝言中間,中必不迷,非無所在。今汝推中,中何為在?為復在處?為當在身?若在身者,在邊非中,在中同內。若在處者,為有所表?為無所表?無表同無,表則無定。何以故?如人以表表為中時,東看則西,南觀成北;表體既混,心應雜亂?」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn du von einer Mitte sprichst,
dann kann sie nicht unbestimmt sein
und nicht ohne Bezug.

Sag mir also:
Wo ist diese Mitte?
Ist sie im Raum
oder im Körper?

Ist sie im Körper,
dann ist sie am Rand keine Mitte;
ist sie im Zentrum des Körpers,
ist sie nichts anderes als innen.

Ist sie im Raum,
hat sie dann ein Merkmal
oder keines?
Hat sie kein Merkmal,
ist sie nicht unterscheidbar;
hat sie eines,
ist sie nicht festgelegt.

Warum?
Wenn jemand eine Markierung setzt
und sie „Mitte“ nennt,
wird sie beim Blick nach Osten zu Westen
und beim Blick nach Süden zu Norden.
Ist die Markierung selbst wechselhaft,
müsste auch der Geist verwirrt sein.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die endgültige Auflösung der letzten Ortsflucht:
1. „Mitte“ setzt bereits Dualität voraus
Eine Mitte existiert nur,
wenn innen und außen vorausgesetzt sind.
Fällt diese Voraussetzung,
verliert die Mitte jede Bedeutung.
2. Reduktion auf alte Alternativen
Der Buddha zeigt:
Auch die Mitte ist letztlich
entweder innen
oder außen
– es gibt keinen dritten Ort.
3. Unmarkierte Mitte = Nichtsein
Ohne Kennzeichnung
ist „Mitte“ leerer Begriff.
Mit Kennzeichnung
wird sie relativ
und wechselhaft.
4. Relativität entlarvt Ortsdenken
Die Blickrichtungs-Analogie
zeigt eindrücklich:
Jede räumliche Bestimmung
hängt vom Standpunkt ab.
Was standpunktabhängig ist,
kann nicht Ursprung des Erkennens sein.
5. Zusammenbruch des letzten Konzepts
Mit der Auflösung der „Mitte“
ist jede räumliche Zuschreibung erschöpft.
Der Geist kann
nirgendwo mehr verortet werden.

Hier endet die gesamte Serie
der Ortsbestimmungen.
Was folgt,
kann nur noch die direkte Offenbarung
des ursprünglichen Grundes sein –
nicht als Ort,
sondern als ursprüngliche, unverrückbare Klarheit.
中文原文
佛言:「汝言中間,中必不迷,非無所在。今汝推中,中何為在?為復在處?為當在身?若在身者,在邊非中,在中同內。若在處者,為有所表?為無所表?無表同無,表則無定。何以故?如人以表表為中時,東看則西,南觀成北;表體既混,心應雜亂?」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn du von einer Mitte sprichst,
dann kann sie nicht unbestimmt sein
und nicht ohne Bezug.

Sag mir also:
Wo ist diese Mitte?
Ist sie im Raum
oder im Körper?

Ist sie im Körper,
dann ist sie am Rand keine Mitte;
ist sie im Zentrum des Körpers,
ist sie nichts anderes als innen.

Ist sie im Raum,
hat sie dann ein Merkmal
oder keines?
Hat sie kein Merkmal,
ist sie nicht unterscheidbar;
hat sie eines,
ist sie nicht festgelegt.

Warum?
Wenn jemand eine Markierung setzt
und sie „Mitte“ nennt,
wird sie beim Blick nach Osten zu Westen
und beim Blick nach Süden zu Norden.
Ist die Markierung selbst wechselhaft,
müsste auch der Geist verwirrt sein.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die endgültige Auflösung der letzten Ortsflucht:
1. „Mitte“ setzt bereits Dualität voraus
Eine Mitte existiert nur,
wenn innen und außen vorausgesetzt sind.
Fällt diese Voraussetzung,
verliert die Mitte jede Bedeutung.
2. Reduktion auf alte Alternativen
Der Buddha zeigt:
Auch die Mitte ist letztlich
entweder innen
oder außen
– es gibt keinen dritten Ort.
3. Unmarkierte Mitte = Nichtsein
Ohne Kennzeichnung
ist „Mitte“ leerer Begriff.
Mit Kennzeichnung
wird sie relativ
und wechselhaft.
4. Relativität entlarvt Ortsdenken
Die Blickrichtungs-Analogie
zeigt eindrücklich:
Jede räumliche Bestimmung
hängt vom Standpunkt ab.
Was standpunktabhängig ist,
kann nicht Ursprung des Erkennens sein.
5. Zusammenbruch des letzten Konzepts
Mit der Auflösung der „Mitte“
ist jede räumliche Zuschreibung erschöpft.
Der Geist kann
nirgendwo mehr verortet werden.

Hier endet die gesamte Serie
der Ortsbestimmungen.
Was folgt,
kann nur noch die direkte Offenbarung
des ursprünglichen Grundes sein –
nicht als Ort,
sondern als ursprüngliche, unverrückbare Klarheit.
52 #
阿難言:「我所說中,非此二種。如世尊言『眼、色為緣生於眼識』,眼有分別,色塵無知,識生其中則為心在。」
Ānanda sprach:

„Mit der Mitte, von der ich spreche,
meine ich etwas anderes.

Wie du lehrst:
Aus Auge und Erscheinung
entsteht bedingt
das Augenbewusstsein.

Das Auge kann unterscheiden,
die Erscheinung weiß nichts.
Das Bewusstsein entsteht zwischen beiden –
dort ist der Geist.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der subtilste Versuch Ānandas, den Geist zu verorten:
1. Berufung auf zentrale Abhidharma-Lehre
Ānanda zitiert korrekt
die Lehre vom abhängigen Entstehen des Bewusstseins
(Auge + Form → Augenbewusstsein).
Der Irrtum liegt nicht im Zitat,
sondern in der Ontologisierung des Vorgangs.
2. „Zwischen“ wird zum Ort gemacht
Das „Entstehen zwischen“
ist im Buddhismus prozessual,
nicht räumlich gemeint.
Ānanda macht daraus
einen Aufenthaltsort des Geistes.
3. Verwechslung von Bedingung und Träger
Dass Bewusstsein aus Bedingungen entsteht,
bedeutet nicht,
dass es zwischen ihnen sitzt.
Beziehung wird hier erneut
zu Substanz umgedeutet.
4. Letzter Schutzwall des konzeptuellen Denkens
Nach innen, außen und Mitte
bleibt nun nur noch
das relationale Feld.
Auch dieses wird
gleich als unhaltbar erkannt werden.
5. Nähe zur Wahrheit – ohne Durchbruch
Ānanda ist hier so nah wie nie:
Er verlässt feste Orte
und denkt in Abhängigkeiten.
Doch solange er
das Entstehen des Bewusstseins
für den Ursprung hält,
bleibt der ursprüngliche Grund verdeckt.

Der nächste Abschnitt wird zeigen:
Auch das Bewusstsein,
das zwischen Bedingungen entsteht,
kann nicht der wahre Ursprung des Erkennens sein.
中文原文
阿難言:「我所說中,非此二種。如世尊言『眼、色為緣生於眼識』,眼有分別,色塵無知,識生其中則為心在。」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Mit der Mitte, von der ich spreche,
meine ich etwas anderes.

Wie du lehrst:
Aus Auge und Erscheinung
entsteht bedingt
das Augenbewusstsein.

Das Auge kann unterscheiden,
die Erscheinung weiß nichts.
Das Bewusstsein entsteht zwischen beiden –
dort ist der Geist.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der subtilste Versuch Ānandas, den Geist zu verorten:
1. Berufung auf zentrale Abhidharma-Lehre
Ānanda zitiert korrekt
die Lehre vom abhängigen Entstehen des Bewusstseins
(Auge + Form → Augenbewusstsein).
Der Irrtum liegt nicht im Zitat,
sondern in der Ontologisierung des Vorgangs.
2. „Zwischen“ wird zum Ort gemacht
Das „Entstehen zwischen“
ist im Buddhismus prozessual,
nicht räumlich gemeint.
Ānanda macht daraus
einen Aufenthaltsort des Geistes.
3. Verwechslung von Bedingung und Träger
Dass Bewusstsein aus Bedingungen entsteht,
bedeutet nicht,
dass es zwischen ihnen sitzt.
Beziehung wird hier erneut
zu Substanz umgedeutet.
4. Letzter Schutzwall des konzeptuellen Denkens
Nach innen, außen und Mitte
bleibt nun nur noch
das relationale Feld.
Auch dieses wird
gleich als unhaltbar erkannt werden.
5. Nähe zur Wahrheit – ohne Durchbruch
Ānanda ist hier so nah wie nie:
Er verlässt feste Orte
und denkt in Abhängigkeiten.
Doch solange er
das Entstehen des Bewusstseins
für den Ursprung hält,
bleibt der ursprüngliche Grund verdeckt.

Der nächste Abschnitt wird zeigen:
Auch das Bewusstsein,
das zwischen Bedingungen entsteht,
kann nicht der wahre Ursprung des Erkennens sein.
53 #
佛言:「汝心若在根、塵之中,此之心體為復兼二?為不兼二?若兼二者,物體雜亂。物非體知,成敵兩立,云何為中?兼二不成。非知不知,即無體性,中何為相?是故應知,當在中間,無有是處。」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn du sagst,
der Geist befinde sich
zwischen Sinneswurzel und Erscheinung,
dann sage mir:
Gehört dieser Geist
zu beiden
oder zu keinem?

Gehört er zu beiden,
vermischen sich ihre Naturen.
Die Erscheinung erkennt nicht,
der Geist erkennt –
zwei Gegensätze stünden einander gegenüber.
Wie könnte das eine Mitte sein?
Ein solches Beides ist unmöglich.

Gehört er zu keinem von beiden,
dann ist er weder erkennend
noch nicht-erkennend
und hätte keine eigene Wirklichkeit.
Was sollte dann die Mitte bedeuten?

Darum sollst du wissen:
Die Ansicht,
der Geist befinde sich in der Mitte,
ist unhaltbar.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die endgültige Auflösung der „Zwischen-Position“:
1. Das Dilemma der Zugehörigkeit
Der Buddha zeigt:
Ein „Zwischen“ muss sich entweder
auf beide Seiten beziehen
oder auf keine.
Beides führt in einen Widerspruch.
2. Beides = Vermischung der Naturen
Sinnesobjekt und Geist
haben unterschiedliche Funktionen.
Werden sie vermischt,
zerfällt jede klare Bestimmung von Erkennen.
3. Keines = Bedeutungsleere
Ein Geist,
der weder erkennt noch nicht erkennt,
ist begrifflich leer.
Eine solche Mitte ist bloßes Wort.
4. Relation ist kein Ort
Dass Bewusstsein aus Bedingungen entsteht,
macht es nicht zu einem Ding
zwischen diesen Bedingungen.
Prozess ist kein Platz.
5. Vollständige Erschöpfung aller Ortsmodelle
Mit innen, außen, Körper, Sinneswurzel,
Dunkelheit, Relation und Mitte
ist jede Möglichkeit der Verortung
logisch ausgeschöpft.

Hier ist der Punkt erreicht,
an dem der Geist
nirgendwo mehr untergebracht werden kann.
Genau dadurch entsteht der Raum,
in dem der ursprüngliche Grund
nicht mehr gesucht,
sondern erkannt werden kann.
中文原文
佛言:「汝心若在根、塵之中,此之心體為復兼二?為不兼二?若兼二者,物體雜亂。物非體知,成敵兩立,云何為中?兼二不成。非知不知,即無體性,中何為相?是故應知,當在中間,無有是處。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn du sagst,
der Geist befinde sich
zwischen Sinneswurzel und Erscheinung,
dann sage mir:
Gehört dieser Geist
zu beiden
oder zu keinem?

Gehört er zu beiden,
vermischen sich ihre Naturen.
Die Erscheinung erkennt nicht,
der Geist erkennt –
zwei Gegensätze stünden einander gegenüber.
Wie könnte das eine Mitte sein?
Ein solches Beides ist unmöglich.

Gehört er zu keinem von beiden,
dann ist er weder erkennend
noch nicht-erkennend
und hätte keine eigene Wirklichkeit.
Was sollte dann die Mitte bedeuten?

Darum sollst du wissen:
Die Ansicht,
der Geist befinde sich in der Mitte,
ist unhaltbar.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die endgültige Auflösung der „Zwischen-Position“:
1. Das Dilemma der Zugehörigkeit
Der Buddha zeigt:
Ein „Zwischen“ muss sich entweder
auf beide Seiten beziehen
oder auf keine.
Beides führt in einen Widerspruch.
2. Beides = Vermischung der Naturen
Sinnesobjekt und Geist
haben unterschiedliche Funktionen.
Werden sie vermischt,
zerfällt jede klare Bestimmung von Erkennen.
3. Keines = Bedeutungsleere
Ein Geist,
der weder erkennt noch nicht erkennt,
ist begrifflich leer.
Eine solche Mitte ist bloßes Wort.
4. Relation ist kein Ort
Dass Bewusstsein aus Bedingungen entsteht,
macht es nicht zu einem Ding
zwischen diesen Bedingungen.
Prozess ist kein Platz.
5. Vollständige Erschöpfung aller Ortsmodelle
Mit innen, außen, Körper, Sinneswurzel,
Dunkelheit, Relation und Mitte
ist jede Möglichkeit der Verortung
logisch ausgeschöpft.

Hier ist der Punkt erreicht,
an dem der Geist
nirgendwo mehr untergebracht werden kann.
Genau dadurch entsteht der Raum,
in dem der ursprüngliche Grund
nicht mehr gesucht,
sondern erkannt werden kann.
54 #
阿難白佛言:「世尊!我昔見佛與大目連、須菩提、富樓那、舍利弗四大弟子共轉法輪,常言『覺知分別心性,既不在內,亦不在外,不在中間,俱無所在;一切無著,名之為心』,則我無著,名為心不?」
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
ich habe früher gehört,
wie du mit Maudgalyāyana, Subhūti, Pūrṇa
und Śāriputra
das Rad der Lehre gedreht hast.
Dabei sagtest du oft:

‚Der wahrnehmende, unterscheidende Geist
ist weder innen,
noch außen,
noch dazwischen;
er ist an keinem Ort festzuhalten.
Weil er an nichts haftet,
nennt man ihn Geist.‘

Wenn das so ist, frage ich:
Ist dieses Nicht-Haften,
das ich nun verstehe,
das,
was man Geist nennt –
oder nicht?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist außerordentlich heikel und markiert den Punkt,
an dem richtige Lehre beinahe zur letzten Verblendung wird:
1. Berufung auf höchste Autorität
Ānanda zitiert korrekt
eine tiefgehende Lehrformel des Buddha,
ausgesprochen im Kreis der großen Schüler.
Der Irrtum liegt nicht im Zitat,
sondern in der Aneignung.
2. Nicht-Haften wird vergegenständlicht
„無著“ bezeichnet ursprünglich
eine Abwesenheit von Fixierung,
keinen neuen Zustand.
Ānanda macht daraus nun etwas,
das man haben oder sein kann.
3. Subtile Selbstidentifikation
Der Gedanke „Ich hafte an nichts“
ist bereits eine neue Identität.
Genau hier liegt die Gefahr:
Nicht-Haften wird zum letzten Besitz.
4. Verwechslung von Eigenschaft und Ursprung
Der Buddha sagte:
Weil das Herz an nichts haftet,
nennt man es so.
Ānanda kehrt dies um:
Weil ich nichts festhalte,
muss das mein Herz sein.
5. Unmittelbare Nähe zum Durchbruch
Noch nie war Ānanda dem Kern so nah.
Doch gerade hier
ist die letzte Unterscheidung nötig:
Nicht-Haften ist Ausdruck des ursprünglichen Grundes,
nicht sein Ersatz.

Der nächste Abschnitt wird zeigen,
dass selbst „Nicht-Haften“
kein Objekt der Identifikation sein darf.
Erst wenn auch das losgelassen wird,
bleibt nichts mehr,
was der Geist festhalten kann –
und genau darin
öffnet sich der ursprüngliche Grund selbst.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!我昔見佛與大目連、須菩提、富樓那、舍利弗四大弟子共轉法輪,常言『覺知分別心性,既不在內,亦不在外,不在中間,俱無所在;一切無著,名之為心』,則我無著,名為心不?」
Deutsch
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
ich habe früher gehört,
wie du mit Maudgalyāyana, Subhūti, Pūrṇa
und Śāriputra
das Rad der Lehre gedreht hast.
Dabei sagtest du oft:

‚Der wahrnehmende, unterscheidende Geist
ist weder innen,
noch außen,
noch dazwischen;
er ist an keinem Ort festzuhalten.
Weil er an nichts haftet,
nennt man ihn Geist.‘

Wenn das so ist, frage ich:
Ist dieses Nicht-Haften,
das ich nun verstehe,
das,
was man Geist nennt –
oder nicht?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist außerordentlich heikel und markiert den Punkt,
an dem richtige Lehre beinahe zur letzten Verblendung wird:
1. Berufung auf höchste Autorität
Ānanda zitiert korrekt
eine tiefgehende Lehrformel des Buddha,
ausgesprochen im Kreis der großen Schüler.
Der Irrtum liegt nicht im Zitat,
sondern in der Aneignung.
2. Nicht-Haften wird vergegenständlicht
„無著“ bezeichnet ursprünglich
eine Abwesenheit von Fixierung,
keinen neuen Zustand.
Ānanda macht daraus nun etwas,
das man haben oder sein kann.
3. Subtile Selbstidentifikation
Der Gedanke „Ich hafte an nichts“
ist bereits eine neue Identität.
Genau hier liegt die Gefahr:
Nicht-Haften wird zum letzten Besitz.
4. Verwechslung von Eigenschaft und Ursprung
Der Buddha sagte:
Weil das Herz an nichts haftet,
nennt man es so.
Ānanda kehrt dies um:
Weil ich nichts festhalte,
muss das mein Herz sein.
5. Unmittelbare Nähe zum Durchbruch
Noch nie war Ānanda dem Kern so nah.
Doch gerade hier
ist die letzte Unterscheidung nötig:
Nicht-Haften ist Ausdruck des ursprünglichen Grundes,
nicht sein Ersatz.

Der nächste Abschnitt wird zeigen,
dass selbst „Nicht-Haften“
kein Objekt der Identifikation sein darf.
Erst wenn auch das losgelassen wird,
bleibt nichts mehr,
was der Geist festhalten kann –
und genau darin
öffnet sich der ursprüngliche Grund selbst.
55 #
佛告阿難:「汝言『覺知分別心性俱無在』者,世間虛空、水、陸、飛行諸所物象,名為一切。汝不著者,為在為無?無則同於龜毛、兔角,云何不著?有不著者,不可名無。無相則無,非無則相;相有則在,云何無著?是故應知『一切無著名覺知心』,無有是處。」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du sagst:
Der wahrnehmende, unterscheidende Geist
sei an nichts gebunden
und habe keinen Aufenthaltsort.

Dann frage ich dich:
Dieses Nicht-Haften –
ist es etwas
oder nichts?

Ist es nichts,
dann gleicht es
Schildkrötenhaaren
oder Hasenhörnern –
bloßen Vorstellungen.
Wie könnte man dann von Nicht-Haften sprechen?

Ist es etwas,
das nicht haftet,
dann ist es nicht Nichts.
Wo es kein Merkmal gibt,
ist Nicht-Sein;
wo es nicht Nicht-Sein ist,
gibt es ein Merkmal.
Wo ein Merkmal ist,
ist Anwesenheit –
wie könnte das Nicht-Haften sein?

Darum sollst du wissen:
Die Vorstellung,
alles Nicht-Haften
sei der wahrnehmende Geist,
ist unhaltbar.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die endgültige Entlarvung der letzten Zuflucht des Geistes:
1. Nicht-Haften wird ontologisch geprüft
Der Buddha akzeptiert „Nicht-Haften“ nicht als bloßen Begriff,
sondern fragt radikal:
Was ist sein ontologischer Status?
2. Die falsche Alternative: Etwas oder Nichts
Der verwirrte Geist kennt nur zwei Pole:
Existenz oder Nichtexistenz.
Der Buddha zeigt:
Nicht-Haften passt in keinen von beiden.
3. Kritik an leerem Nihilismus
Nicht-Haften als „Nichts“
wäre bloße Abstraktion ohne Wirklichkeit.
Das Sutra weist damit jede nihilistische Deutung zurück.
4. Kritik an subtiler Verdinglichung
Nicht-Haften als „etwas Besonderes“
wird ebenso verworfen.
Auch die feinste spirituelle Identität
bleibt eine Bindung.
5. Der letzte Halt fällt
Nachdem Ort, Relation, Funktion
und nun auch Nicht-Haften selbst
als Identifikationspunkt zerfallen sind,
bleibt dem Geist nichts mehr,
woran er sich klammern kann.

Hier endet die vollständige Selbst-Dekonstruktion des verwirrten Geistes.
Was folgt, ist nicht mehr Widerlegung,
sondern die positive Offenbarung des ursprünglichen Grundes –
nicht als Ding,
nicht als Zustand,
sondern als ursprüngliche, unverstellte Klarheit.
中文原文
佛告阿難:「汝言『覺知分別心性俱無在』者,世間虛空、水、陸、飛行諸所物象,名為一切。汝不著者,為在為無?無則同於龜毛、兔角,云何不著?有不著者,不可名無。無相則無,非無則相;相有則在,云何無著?是故應知『一切無著名覺知心』,無有是處。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du sagst:
Der wahrnehmende, unterscheidende Geist
sei an nichts gebunden
und habe keinen Aufenthaltsort.

Dann frage ich dich:
Dieses Nicht-Haften –
ist es etwas
oder nichts?

Ist es nichts,
dann gleicht es
Schildkrötenhaaren
oder Hasenhörnern –
bloßen Vorstellungen.
Wie könnte man dann von Nicht-Haften sprechen?

Ist es etwas,
das nicht haftet,
dann ist es nicht Nichts.
Wo es kein Merkmal gibt,
ist Nicht-Sein;
wo es nicht Nicht-Sein ist,
gibt es ein Merkmal.
Wo ein Merkmal ist,
ist Anwesenheit –
wie könnte das Nicht-Haften sein?

Darum sollst du wissen:
Die Vorstellung,
alles Nicht-Haften
sei der wahrnehmende Geist,
ist unhaltbar.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die endgültige Entlarvung der letzten Zuflucht des Geistes:
1. Nicht-Haften wird ontologisch geprüft
Der Buddha akzeptiert „Nicht-Haften“ nicht als bloßen Begriff,
sondern fragt radikal:
Was ist sein ontologischer Status?
2. Die falsche Alternative: Etwas oder Nichts
Der verwirrte Geist kennt nur zwei Pole:
Existenz oder Nichtexistenz.
Der Buddha zeigt:
Nicht-Haften passt in keinen von beiden.
3. Kritik an leerem Nihilismus
Nicht-Haften als „Nichts“
wäre bloße Abstraktion ohne Wirklichkeit.
Das Sutra weist damit jede nihilistische Deutung zurück.
4. Kritik an subtiler Verdinglichung
Nicht-Haften als „etwas Besonderes“
wird ebenso verworfen.
Auch die feinste spirituelle Identität
bleibt eine Bindung.
5. Der letzte Halt fällt
Nachdem Ort, Relation, Funktion
und nun auch Nicht-Haften selbst
als Identifikationspunkt zerfallen sind,
bleibt dem Geist nichts mehr,
woran er sich klammern kann.

Hier endet die vollständige Selbst-Dekonstruktion des verwirrten Geistes.
Was folgt, ist nicht mehr Widerlegung,
sondern die positive Offenbarung des ursprünglichen Grundes –
nicht als Ding,
nicht als Zustand,
sondern als ursprüngliche, unverstellte Klarheit.
56 #
爾時,阿難在大眾中,即從座起,偏袒右肩,右膝著地,合掌恭敬而白佛言:「我是如來最小之弟,蒙佛慈愛,雖今出家,猶恃憍憐,所以多聞未得無漏;不能折伏娑毘羅呪,為彼所轉,溺於婬舍,當由不知真際所[2]詣。唯願世尊大慈哀愍,開示我等奢摩他路,令諸闡提隳彌戾車!」作是語已,五體投地。及諸大眾,傾渴翹佇,欽聞示誨。
Da erhob sich Ānanda
inmitten der Versammlung,
trat von seinem Sitz herab,
entblößte die rechte Schulter,
kniete mit dem rechten Knie
und faltete die Hände.

Ehrfürchtig sprach er zum Buddha:

„Ich bin der jüngste Bruder des Tathāgata.
Von deiner Güte getragen,
bin ich zwar aus dem weltlichen Leben getreten,
habe mich jedoch noch immer
auf deine Nachsicht verlassen.
Darum bin ich vielhörend,
doch nicht frei von Ausflüssen.

Ich vermochte den fremden Zauber
nicht zu durchbrechen,
ließ mich von ihm forttragen
und sank in die Verstrickung der Begierde.
All dies geschah,
weil ich das wahre Ziel
nicht erkannt habe.

Ich bitte dich, Weltverehrter,
in großer Güte und mitfühlendem Erbarmen:
Öffne uns den Weg des Śamatha,
damit selbst jene,
die völlig verstrickt sind,
die irreführenden Pfade zerbrechen können.“

Nachdem er dies gesprochen hatte,
warf er sich mit dem ganzen Körper nieder.
Auch die große Versammlung
neigte sich vor
in tiefer Erwartung
und ehrfürchtigem Lauschen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der existentielle Wendepunkt der gesamten bisherigen Untersuchung:
1. Vom logischen Scheitern zur existenziellen Einsicht
Ānanda erkennt nun nicht nur,
dass seine Begriffe unhaltbar sind,
sondern dass sein Scheitern reale Folgen hatte.
Erkenntnis wird hier biografisch.
2. Vertrauen als verborgene Bindung
Seine Nähe zum Buddha
war zugleich Schutz und Hindernis.
Verlassen auf äußere Güte
ersetzte innere Verwirklichung.
3. Vielwissen ohne Befreiung
„多聞未得無漏“ ist der Kern:
Gelehrsamkeit ohne Durchbruch
schützt nicht vor Verblendung.
4. Die wahre Ursache der Verstrickung
Nicht Begierde selbst,
sondern das Nicht-Erkennen des wahren Ziels
führt in Verirrung.
Damit schließt sich der Kreis
zur anfänglichen Analyse von Geist und ursprünglichem Grund.
5. Die Bitte um Śamatha
Ānanda bittet nicht mehr um Erklärung,
sondern um einen Weg,
der den Geist zur Ruhe bringt,
bevor Weisheit offenbar werden kann.
6. Die Versammlung als Spiegel aller Wesen
Das sehnsüchtige Lauschen der Vielen
zeigt:
Ānandas Frage ist die Frage aller.

Hier ist der Punkt erreicht,
an dem der Buddha nicht mehr widerlegt,
sondern führt.
Die Bühne ist bereitet
für die Darlegung des Śūraṅgama-Weges.
中文原文
爾時,阿難在大眾中,即從座起,偏袒右肩,右膝著地,合掌恭敬而白佛言:「我是如來最小之弟,蒙佛慈愛,雖今出家,猶恃憍憐,所以多聞未得無漏;不能折伏娑毘羅呪,為彼所轉,溺於婬舍,當由不知真際所[2]詣。唯願世尊大慈哀愍,開示我等奢摩他路,令諸闡提隳彌戾車!」作是語已,五體投地。及諸大眾,傾渴翹佇,欽聞示誨。
Deutsch
Da erhob sich Ānanda
inmitten der Versammlung,
trat von seinem Sitz herab,
entblößte die rechte Schulter,
kniete mit dem rechten Knie
und faltete die Hände.

Ehrfürchtig sprach er zum Buddha:

„Ich bin der jüngste Bruder des Tathāgata.
Von deiner Güte getragen,
bin ich zwar aus dem weltlichen Leben getreten,
habe mich jedoch noch immer
auf deine Nachsicht verlassen.
Darum bin ich vielhörend,
doch nicht frei von Ausflüssen.

Ich vermochte den fremden Zauber
nicht zu durchbrechen,
ließ mich von ihm forttragen
und sank in die Verstrickung der Begierde.
All dies geschah,
weil ich das wahre Ziel
nicht erkannt habe.

Ich bitte dich, Weltverehrter,
in großer Güte und mitfühlendem Erbarmen:
Öffne uns den Weg des Śamatha,
damit selbst jene,
die völlig verstrickt sind,
die irreführenden Pfade zerbrechen können.“

Nachdem er dies gesprochen hatte,
warf er sich mit dem ganzen Körper nieder.
Auch die große Versammlung
neigte sich vor
in tiefer Erwartung
und ehrfürchtigem Lauschen.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der existentielle Wendepunkt der gesamten bisherigen Untersuchung:
1. Vom logischen Scheitern zur existenziellen Einsicht
Ānanda erkennt nun nicht nur,
dass seine Begriffe unhaltbar sind,
sondern dass sein Scheitern reale Folgen hatte.
Erkenntnis wird hier biografisch.
2. Vertrauen als verborgene Bindung
Seine Nähe zum Buddha
war zugleich Schutz und Hindernis.
Verlassen auf äußere Güte
ersetzte innere Verwirklichung.
3. Vielwissen ohne Befreiung
„多聞未得無漏“ ist der Kern:
Gelehrsamkeit ohne Durchbruch
schützt nicht vor Verblendung.
4. Die wahre Ursache der Verstrickung
Nicht Begierde selbst,
sondern das Nicht-Erkennen des wahren Ziels
führt in Verirrung.
Damit schließt sich der Kreis
zur anfänglichen Analyse von Geist und ursprünglichem Grund.
5. Die Bitte um Śamatha
Ānanda bittet nicht mehr um Erklärung,
sondern um einen Weg,
der den Geist zur Ruhe bringt,
bevor Weisheit offenbar werden kann.
6. Die Versammlung als Spiegel aller Wesen
Das sehnsüchtige Lauschen der Vielen
zeigt:
Ānandas Frage ist die Frage aller.

Hier ist der Punkt erreicht,
an dem der Buddha nicht mehr widerlegt,
sondern führt.
Die Bühne ist bereitet
für die Darlegung des Śūraṅgama-Weges.
57 #
爾時,世尊從其面門放種種光,其光晃耀如百千日,普佛世界六種震動。如是十方微塵國土一時開現,佛之威神,令諸世界合成一界。其世界中,所有一切諸大菩薩,皆住本國合掌承聽。
Da
ließ der Weltverehrte
aus seinem Antlitz
Licht in unzähligen Formen hervorgehen.

Es strahlte
wie hunderttausend Sonnen
und ließ alle Buddha-Welten
sechsfache Erschütterung erfahren.

Die unzähligen Länder
der zehn Richtungen
öffneten sich zugleich.
Durch die machtvolle Gegenwart des Buddha
wurden alle Welten
zu einer Welt.

In dieser einen Welt
standen alle großen Bodhisattvas
in ihren eigenen Ländern,
falteten die Hände
und hörten still und gesammelt zu.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von der Analyse zur Offenbarung:
1. Licht aus dem Antlitz – Weisheit wird sichtbar
Das Licht entspringt nicht Worten oder Gesten,
sondern dem Antlitz des Buddha:
Erkenntnis wird hier als unmittelbare Gegenwart gezeigt.
2. Sechsfache Erschütterung – Umbruch aller Ebenen
Die „sechs Erschütterungen“ symbolisieren
das Erbeben aller Bezugsrahmen:
Raum, Zeit, Identität und Weltordnung geraten in Bewegung.
3. Vereinigung der Welten – Aufhebung von Vielheit
Dass unzählige Buddha-Länder
zu einer Welt werden,
ist kein kosmologischer Effekt,
sondern ein Bild für Nicht-Zweiheit:
Vielfalt bleibt bestehen,
ohne getrennt zu sein.
4. Bodhisattvas bleiben an ihrem Ort
Bemerkenswert ist:
Sie reisen nicht,
sie verändern ihren Ort nicht.
Die Vereinigung geschieht
nicht durch Bewegung,
sondern durch Erkenntnis.
5. Hören in Sammlung
Das Falten der Hände und das stille Lauschen
zeigen:
Die kommende Lehre
kann nicht gemacht werden,
sondern wird empfangen,
wenn der Geist still geworden ist.

Mit diesem Abschnitt
endet die vorbereitende Phase des Sutras.
Die falschen Identifikationen sind erschöpft,
der Geist ist entwaffnet –
nun kann der Śūraṅgama-Weg
als direkte Offenbarung
in Erscheinung treten.
中文原文
爾時,世尊從其面門放種種光,其光晃耀如百千日,普佛世界六種震動。如是十方微塵國土一時開現,佛之威神,令諸世界合成一界。其世界中,所有一切諸大菩薩,皆住本國合掌承聽。
Deutsch
Da
ließ der Weltverehrte
aus seinem Antlitz
Licht in unzähligen Formen hervorgehen.

Es strahlte
wie hunderttausend Sonnen
und ließ alle Buddha-Welten
sechsfache Erschütterung erfahren.

Die unzähligen Länder
der zehn Richtungen
öffneten sich zugleich.
Durch die machtvolle Gegenwart des Buddha
wurden alle Welten
zu einer Welt.

In dieser einen Welt
standen alle großen Bodhisattvas
in ihren eigenen Ländern,
falteten die Hände
und hörten still und gesammelt zu.
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von der Analyse zur Offenbarung:
1. Licht aus dem Antlitz – Weisheit wird sichtbar
Das Licht entspringt nicht Worten oder Gesten,
sondern dem Antlitz des Buddha:
Erkenntnis wird hier als unmittelbare Gegenwart gezeigt.
2. Sechsfache Erschütterung – Umbruch aller Ebenen
Die „sechs Erschütterungen“ symbolisieren
das Erbeben aller Bezugsrahmen:
Raum, Zeit, Identität und Weltordnung geraten in Bewegung.
3. Vereinigung der Welten – Aufhebung von Vielheit
Dass unzählige Buddha-Länder
zu einer Welt werden,
ist kein kosmologischer Effekt,
sondern ein Bild für Nicht-Zweiheit:
Vielfalt bleibt bestehen,
ohne getrennt zu sein.
4. Bodhisattvas bleiben an ihrem Ort
Bemerkenswert ist:
Sie reisen nicht,
sie verändern ihren Ort nicht.
Die Vereinigung geschieht
nicht durch Bewegung,
sondern durch Erkenntnis.
5. Hören in Sammlung
Das Falten der Hände und das stille Lauschen
zeigen:
Die kommende Lehre
kann nicht gemacht werden,
sondern wird empfangen,
wenn der Geist still geworden ist.

Mit diesem Abschnitt
endet die vorbereitende Phase des Sutras.
Die falschen Identifikationen sind erschöpft,
der Geist ist entwaffnet –
nun kann der Śūraṅgama-Weg
als direkte Offenbarung
in Erscheinung treten.
58 #
佛告阿難:「一切眾生,從無始來種種顛倒,業種自然如惡叉聚。諸修行人,不能得成無上菩提乃至別成聲聞、緣覺,及成外道、諸天魔王及魔眷屬,皆由不知二種根本錯亂修習;猶如煮沙欲成嘉饌,縱經塵劫終不能得。云何二種?阿難!一者、無始生死根本,則汝今者與諸眾生用攀緣心為自性者。二者、無始菩提、涅槃元清淨體,則汝今者識精元明,能生諸緣緣所遺者。由諸眾生遺此本明,雖終日行而不自覺,枉入諸趣。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Alle Wesen
sind seit anfangsloser Zeit
in vielfältige Verdrehungen geraten.
Ihre karmischen Prägungen
häufen sich von selbst,
wie dicht gedrängte Früchte.

Darum vermögen selbst Übende
das höchste Erwachen nicht zu vollenden.
Sie enden als Hörer,
als Einzelerwachte,
oder verirren sich
auf die Pfade äußerer Lehren,
der Mächte und Dämonen.

Der Grund ist immer derselbe:
Sie verwechseln zwei grundlegende Wurzeln
und praktizieren daher verkehrt –
wie jemand,
der Sand kocht
und hofft,
daraus eine Speise zu gewinnen.

Welche zwei Wurzeln sind es?

Die erste ist
die anfangslose Wurzel von Geburt und Tod:
der Geist,
der an Erscheinungen haftet
und den du für dein wahres Selbst hältst.

Die zweite ist
die anfangslose Wurzel von Bodhi und Nirvāṇa:
der ursprünglich reine, klare Grund –
Er ist das leuchtende Erkennen selbst,
das alle Bedingungen hervorbringt
und doch von ihnen nicht ergriffen wird.

Weil die Wesen
diese ursprüngliche Klarheit übergehen,
handeln sie unaufhörlich,
ohne es zu bemerken,
und verirren sich sinnlos
durch alle Daseinsbereiche.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der zentrale Schlüsseltext des gesamten Śūraṅgama-Sutras:
1. Nicht falsche Praxis – falscher Ausgangspunkt
Der Buddha sagt nicht,
dass die Menschen zu wenig üben,
sondern dass sie vom falschen Fundament aus üben.
Darum bleibt selbst höchste Anstrengung wirkungslos.
2. Die zwei Wurzeln klar getrennt
• Geist: an Bedingungen haftend, reagierend, verstrickt
• ursprünglicher Grund: ursprünglich klar, nicht-bedingt, tragend
Das gesamte Sutra dient nur einem Zweck:
diese beiden unverwechselbar zu unterscheiden.
3. Warum selbst spirituelle Wege scheitern können
Auch Arhat- oder Pratyekabuddha-Wege
bleiben begrenzt,
wenn sie vom Geist
statt vom ursprünglichen Grund ausgehen.
4. „Kochen von Sand“ – radikale Kritik
Das Gleichnis ist unerbittlich:
Kein zeitlicher Aufwand,
kein Opfer,
keine Intensität
kann falschen Ausgang ersetzen.
5. Tragische Pointe
Die Wesen handeln unaufhörlich –
und gerade deshalb
verfehlen sie das Ziel.
Aktivität ohne Rückbindung
an den ursprünglichen Grund
verstärkt nur das Umherirren.

Mit diesem Abschnitt
ist der gesamte vorbereitende Teil abgeschlossen.
Alles Folgende wird nun zeigen,
wie der ursprüngliche Grund
nicht erzeugt,
sondern wiedererkannt wird.
中文原文
佛告阿難:「一切眾生,從無始來種種顛倒,業種自然如惡叉聚。諸修行人,不能得成無上菩提乃至別成聲聞、緣覺,及成外道、諸天魔王及魔眷屬,皆由不知二種根本錯亂修習;猶如煮沙欲成嘉饌,縱經塵劫終不能得。云何二種?阿難!一者、無始生死根本,則汝今者與諸眾生用攀緣心為自性者。二者、無始菩提、涅槃元清淨體,則汝今者識精元明,能生諸緣緣所遺者。由諸眾生遺此本明,雖終日行而不自覺,枉入諸趣。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Alle Wesen
sind seit anfangsloser Zeit
in vielfältige Verdrehungen geraten.
Ihre karmischen Prägungen
häufen sich von selbst,
wie dicht gedrängte Früchte.

Darum vermögen selbst Übende
das höchste Erwachen nicht zu vollenden.
Sie enden als Hörer,
als Einzelerwachte,
oder verirren sich
auf die Pfade äußerer Lehren,
der Mächte und Dämonen.

Der Grund ist immer derselbe:
Sie verwechseln zwei grundlegende Wurzeln
und praktizieren daher verkehrt –
wie jemand,
der Sand kocht
und hofft,
daraus eine Speise zu gewinnen.

Welche zwei Wurzeln sind es?

Die erste ist
die anfangslose Wurzel von Geburt und Tod:
der Geist,
der an Erscheinungen haftet
und den du für dein wahres Selbst hältst.

Die zweite ist
die anfangslose Wurzel von Bodhi und Nirvāṇa:
der ursprünglich reine, klare Grund –
Er ist das leuchtende Erkennen selbst,
das alle Bedingungen hervorbringt
und doch von ihnen nicht ergriffen wird.

Weil die Wesen
diese ursprüngliche Klarheit übergehen,
handeln sie unaufhörlich,
ohne es zu bemerken,
und verirren sich sinnlos
durch alle Daseinsbereiche.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der zentrale Schlüsseltext des gesamten Śūraṅgama-Sutras:
1. Nicht falsche Praxis – falscher Ausgangspunkt
Der Buddha sagt nicht,
dass die Menschen zu wenig üben,
sondern dass sie vom falschen Fundament aus üben.
Darum bleibt selbst höchste Anstrengung wirkungslos.
2. Die zwei Wurzeln klar getrennt
• Geist: an Bedingungen haftend, reagierend, verstrickt
• ursprünglicher Grund: ursprünglich klar, nicht-bedingt, tragend
Das gesamte Sutra dient nur einem Zweck:
diese beiden unverwechselbar zu unterscheiden.
3. Warum selbst spirituelle Wege scheitern können
Auch Arhat- oder Pratyekabuddha-Wege
bleiben begrenzt,
wenn sie vom Geist
statt vom ursprünglichen Grund ausgehen.
4. „Kochen von Sand“ – radikale Kritik
Das Gleichnis ist unerbittlich:
Kein zeitlicher Aufwand,
kein Opfer,
keine Intensität
kann falschen Ausgang ersetzen.
5. Tragische Pointe
Die Wesen handeln unaufhörlich –
und gerade deshalb
verfehlen sie das Ziel.
Aktivität ohne Rückbindung
an den ursprünglichen Grund
verstärkt nur das Umherirren.

Mit diesem Abschnitt
ist der gesamte vorbereitende Teil abgeschlossen.
Alles Folgende wird nun zeigen,
wie der ursprüngliche Grund
nicht erzeugt,
sondern wiedererkannt wird.
59 #
「阿難!汝今欲知奢摩他路,願出生死,今復問汝!」
即時如來舉金色臂,屈五輪指,語阿難言:「汝今見不?」
阿難言:「見。」
佛言:「汝何所見?」
阿難言:「我見如來舉臂屈指為光明拳,曜我心目。」
佛言:「汝將誰見?」
阿難言:「我與大眾同將眼見。」
佛告阿難:「汝今答我:如來屈指為光明拳,[3]耀汝心目,汝目可見,以何為心當我拳[*]耀?」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
wenn du nun den Weg des Śamatha erkennen
und Geburt und Tod überschreiten willst,
so höre gut zu –
ich frage dich jetzt.“

Da erhob der Buddha
seinen goldenen Arm,
beugte die fünf Finger
und sprach:

„Siehst du das?“

Ānanda antwortete:
„Ich sehe es.“

Der Buddha fragte:
„Was siehst du?“

Ānanda sagte:
„Ich sehe,
wie der Erwachte den Arm erhebt
und die Finger zur leuchtenden Faust beugt,
die meinen Geist und meine Augen erhellt.“

Der Buddha fragte weiter:
„Womit siehst du?“

Ānanda antwortete:
„Ich sehe gemeinsam mit der Versammlung
durch die Augen.“

Da sprach der Buddha:

„Du hast gesagt:
‚Die leuchtende Faust des Erwachten
erhellt deinen Geist und deine Augen,
und die Augen können sie sehen.‘

Sag mir nun:
Was ist dieser Geist,
der von meiner leuchtenden Faust erhellt wird?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den eigentlichen Eintritt in den Śamatha-Weg:
1. Wechsel von Widerlegung zu direkter Untersuchung
Die langen logischen Zerschlagungen enden hier.
Der Buddha wendet sich nun der unmittelbaren Erfahrung zu.
2. Die leuchtende Faust als Prüfstein
Sie ist kein Symbol,
sondern ein konkretes Wahrnehmungsereignis.
Alles Theoretische wird beiseitegelegt.
3. Dreistufige Präzisierung
• Siehst du? → Tatsache der Wahrnehmung
• Was siehst du? → Objekt
• Womit siehst du? → Organ
Nun folgt die entscheidende vierte Frage:
Was ist das, was erhellt wird?
4. Rückkehr zur Kernverwechslung
Ānanda spricht weiterhin selbstverständlich von
„Herz und Augen“.
Der Buddha greift genau diese Selbstverständlichkeit auf.
5. Beginn der positiven Führung
Śamatha beginnt nicht mit Technik,
sondern mit der klaren Unterscheidung
zwischen
• dem Wahrgenommenen
• dem Wahrnehmenden
• und dem Licht,
in dem beides erscheint.

Ab hier wird der Buddha
den Blick nicht mehr zerlegen,
sondern nach innen wenden –
nicht zum Geist als Objekt,
sondern zur Klarheit selbst,
die alles Sehen erst möglich macht.
中文原文
「阿難!汝今欲知奢摩他路,願出生死,今復問汝!」
即時如來舉金色臂,屈五輪指,語阿難言:「汝今見不?」
阿難言:「見。」
佛言:「汝何所見?」
阿難言:「我見如來舉臂屈指為光明拳,曜我心目。」
佛言:「汝將誰見?」
阿難言:「我與大眾同將眼見。」
佛告阿難:「汝今答我:如來屈指為光明拳,[3]耀汝心目,汝目可見,以何為心當我拳[*]耀?」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
wenn du nun den Weg des Śamatha erkennen
und Geburt und Tod überschreiten willst,
so höre gut zu –
ich frage dich jetzt.“

Da erhob der Buddha
seinen goldenen Arm,
beugte die fünf Finger
und sprach:

„Siehst du das?“

Ānanda antwortete:
„Ich sehe es.“

Der Buddha fragte:
„Was siehst du?“

Ānanda sagte:
„Ich sehe,
wie der Erwachte den Arm erhebt
und die Finger zur leuchtenden Faust beugt,
die meinen Geist und meine Augen erhellt.“

Der Buddha fragte weiter:
„Womit siehst du?“

Ānanda antwortete:
„Ich sehe gemeinsam mit der Versammlung
durch die Augen.“

Da sprach der Buddha:

„Du hast gesagt:
‚Die leuchtende Faust des Erwachten
erhellt deinen Geist und deine Augen,
und die Augen können sie sehen.‘

Sag mir nun:
Was ist dieser Geist,
der von meiner leuchtenden Faust erhellt wird?“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den eigentlichen Eintritt in den Śamatha-Weg:
1. Wechsel von Widerlegung zu direkter Untersuchung
Die langen logischen Zerschlagungen enden hier.
Der Buddha wendet sich nun der unmittelbaren Erfahrung zu.
2. Die leuchtende Faust als Prüfstein
Sie ist kein Symbol,
sondern ein konkretes Wahrnehmungsereignis.
Alles Theoretische wird beiseitegelegt.
3. Dreistufige Präzisierung
• Siehst du? → Tatsache der Wahrnehmung
• Was siehst du? → Objekt
• Womit siehst du? → Organ
Nun folgt die entscheidende vierte Frage:
Was ist das, was erhellt wird?
4. Rückkehr zur Kernverwechslung
Ānanda spricht weiterhin selbstverständlich von
„Herz und Augen“.
Der Buddha greift genau diese Selbstverständlichkeit auf.
5. Beginn der positiven Führung
Śamatha beginnt nicht mit Technik,
sondern mit der klaren Unterscheidung
zwischen
• dem Wahrgenommenen
• dem Wahrnehmenden
• und dem Licht,
in dem beides erscheint.

Ab hier wird der Buddha
den Blick nicht mehr zerlegen,
sondern nach innen wenden –
nicht zum Geist als Objekt,
sondern zur Klarheit selbst,
die alles Sehen erst möglich macht.
60 #
阿難言:「如來現今徵心所在,而我以心推窮尋逐,即能推者我將為心。」
佛言:「咄!阿難!此非汝心!」
阿難矍然,避座、合掌,起立白佛:「此非我心,當名何等?」
佛告阿難:「此是前塵虛妄相想,惑汝真性!由汝無始至于今生,認賊為子,失汝元常,故受輪轉。」
Ānanda sprach:

„Du fragst nach dem Ort des Geistes.
Ich habe mit dem Geist selbst gesucht,
alles prüfend und verfolg end;
das, was sucht,
halte ich für meinen Geist.“

Der Buddha rief:

„Halt, Ānanda!
Das ist nicht dein Geist!“

Ānanda erschrak zutiefst,
trat vom Sitz zurück,
faltete die Hände
und stand auf:

„Wenn das nicht mein Geist ist,
was ist es dann?“

Der Buddha sprach:

„Das sind
die trügerischen Denk- und Vorstellungsbilder
der vorausgehenden Erscheinungen.
Sie haben deine wahre Natur getäuscht.

Seit anfangsloser Zeit
bis zu diesem Leben
hast du den Räuber
für dein eigenes Kind gehalten,
hast das ursprünglich Beständige verloren
und bist deshalb
in den Kreislauf geraten.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der eigentliche Durchbruchspunkt des Śūraṅgama-Sutras:
1. Die letzte Identifikation wird entlarvt
Ānanda identifiziert sich nun
mit dem Suchenden selbst:
„Das, was sucht, bin ich.“
Genau diese Instanz wird hier radikal verneint.
2. „Dies ist nicht dein Geist“ – kein Trost, sondern Befreiung
Der Buddha zerstört den letzten Halt
des Ich-Gefühls.
Nicht grausam,
sondern präzise.
3. 前塵虛妄相想 – Projektion vergangener Eindrücke
Das Denken ist kein Ursprung,
sondern ein Nachhall
vergangener Sinneseindrücke.
Es wirkt lebendig,
ist aber abgeleitet.
4. Die stärkste Metapher des Sutras
„Den Räuber für den Sohn halten“
beschreibt nicht moralisches Versagen,
sondern eine existentielle Verwechslung:
Das Reaktive wird für das Ursprüngliche gehalten.
5. Verlust des 元常 – des ursprünglich Beständigen
Der ursprüngliche Grund wurde nie zerstört,
aber übersehen.
Das Umherirren ist nicht Strafe,
sondern Folge des Vergessens.

Hier endet jede Möglichkeit,
den Geist zu retten.
Und genau hier
öffnet sich erstmals der Raum,
in dem der ursprüngliche Grund
nicht mehr gesucht,
sondern wiedererkannt werden kann.

Der nächste Abschnitt wird zeigen,
wie Ānanda auf diesen Schock reagiert –
und wie der Buddha
nun positiv offenbart,
was nie verloren war.
中文原文
阿難言:「如來現今徵心所在,而我以心推窮尋逐,即能推者我將為心。」
佛言:「咄!阿難!此非汝心!」
阿難矍然,避座、合掌,起立白佛:「此非我心,當名何等?」
佛告阿難:「此是前塵虛妄相想,惑汝真性!由汝無始至于今生,認賊為子,失汝元常,故受輪轉。」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Du fragst nach dem Ort des Geistes.
Ich habe mit dem Geist selbst gesucht,
alles prüfend und verfolg end;
das, was sucht,
halte ich für meinen Geist.“

Der Buddha rief:

„Halt, Ānanda!
Das ist nicht dein Geist!“

Ānanda erschrak zutiefst,
trat vom Sitz zurück,
faltete die Hände
und stand auf:

„Wenn das nicht mein Geist ist,
was ist es dann?“

Der Buddha sprach:

„Das sind
die trügerischen Denk- und Vorstellungsbilder
der vorausgehenden Erscheinungen.
Sie haben deine wahre Natur getäuscht.

Seit anfangsloser Zeit
bis zu diesem Leben
hast du den Räuber
für dein eigenes Kind gehalten,
hast das ursprünglich Beständige verloren
und bist deshalb
in den Kreislauf geraten.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der eigentliche Durchbruchspunkt des Śūraṅgama-Sutras:
1. Die letzte Identifikation wird entlarvt
Ānanda identifiziert sich nun
mit dem Suchenden selbst:
„Das, was sucht, bin ich.“
Genau diese Instanz wird hier radikal verneint.
2. „Dies ist nicht dein Geist“ – kein Trost, sondern Befreiung
Der Buddha zerstört den letzten Halt
des Ich-Gefühls.
Nicht grausam,
sondern präzise.
3. 前塵虛妄相想 – Projektion vergangener Eindrücke
Das Denken ist kein Ursprung,
sondern ein Nachhall
vergangener Sinneseindrücke.
Es wirkt lebendig,
ist aber abgeleitet.
4. Die stärkste Metapher des Sutras
„Den Räuber für den Sohn halten“
beschreibt nicht moralisches Versagen,
sondern eine existentielle Verwechslung:
Das Reaktive wird für das Ursprüngliche gehalten.
5. Verlust des 元常 – des ursprünglich Beständigen
Der ursprüngliche Grund wurde nie zerstört,
aber übersehen.
Das Umherirren ist nicht Strafe,
sondern Folge des Vergessens.

Hier endet jede Möglichkeit,
den Geist zu retten.
Und genau hier
öffnet sich erstmals der Raum,
in dem der ursprüngliche Grund
nicht mehr gesucht,
sondern wiedererkannt werden kann.

Der nächste Abschnitt wird zeigen,
wie Ānanda auf diesen Schock reagiert –
und wie der Buddha
nun positiv offenbart,
was nie verloren war.
61 #
阿難白佛言:「世尊!我佛寵弟,心愛佛故,令我出家;我心何獨供養如來,乃至遍歷恒沙國土承事諸佛及善知識,發大勇猛行諸一切難行法事,皆用此心;縱令謗法永退善根,亦因此心。若此發明不是心者,我乃無心同諸土木,離此覺知更無所有,云何如來說此非心?我實驚怖,兼此大眾無不疑惑,唯垂大悲開示未悟!」
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
ich bin dein jüngster Bruder,
von deiner Güte getragen.
Aus Liebe zu dir
hat mich dieser Geist
aus dem weltlichen Leben geführt.

Mit eben diesem Geist
habe ich dem Buddha gedient,
bin durch Länder
so zahlreich wie der Sand des Ganges gezogen,
habe Buddhas
und weise Lehrer aufgesucht
und mit großem Mut
alle schwer zu vollbringenden Taten getan –
alles durch diesen Geist.

Und selbst wenn ich
das Dharma verleumden
und alle heilsamen Wurzeln verlieren würde,
geschähe auch das
durch eben diesen Geist.

Wenn dieses bewusste Erkennen
nicht der Geist sein soll,
dann wäre ich ohne Geist,
gleich Erde oder Holz.
Außer diesem Erkennen
gibt es nichts.

Wie kann der Erwachte sagen,
dies sei nicht der Geist?

Ich bin zutiefst erschüttert –
und ebenso die ganze Versammlung.
Niemand ist ohne Zweifel.
Ich bitte dich aus großem Mitgefühl:
Erkläre uns,
was wir noch nicht erkannt haben.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der emotionale und existentielle Tiefpunkt der bisherigen Untersuchung:
1. Die letzte Verteidigung des Geistes
Ānanda bringt nun das stärkste Argument überhaupt:
Alles Gute und alles Schlechte
geschieht durch diesen Geist.
Wie könnte er also nicht das Eigentliche sein?
2. Identität durch Funktion
Ānanda definiert sich vollständig
über Handeln, Motivation und Erfahrung.
Das ist menschlich –
und zugleich die tiefste Verwechslung.
3. Die Angst vor dem Nichts
„Dann wäre ich wie Erde oder Holz“
zeigt die existentielle Angst:
Ohne den funktionalen Geist
scheint nichts zu bleiben.
Genau hier liegt der Abgrund
zwischen Geist und ursprünglichem Grund.
4. Warum diese Angst notwendig ist
Der Buddha nimmt Ānanda
jede falsche Sicherheit.
Nicht um ihn zu zerstören,
sondern um ihn
an den Punkt zu führen,
an dem kein Ersatz mehr möglich ist.
5. Die Bitte um Mitgefühl
Jetzt bittet Ānanda nicht mehr
um logische Klärung,
sondern um Führung.
Das ist der Moment,
in dem echte Unterweisung
überhaupt erst fruchtbar werden kann.

Hier steht Ānanda
an der Schwelle:
Hält er am Geist fest,
verliert er den Weg.
Lässt er ihn fallen,
öffnet sich der Raum,
in dem der ursprüngliche Grund
nicht als Funktion,
sondern als ursprüngliches Sein
offenbart werden kann.

Der nächste Abschnitt wird zeigen,
wie der Buddha
diese Angst nicht wegdiskutiert,
sondern aufhebt.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!我佛寵弟,心愛佛故,令我出家;我心何獨供養如來,乃至遍歷恒沙國土承事諸佛及善知識,發大勇猛行諸一切難行法事,皆用此心;縱令謗法永退善根,亦因此心。若此發明不是心者,我乃無心同諸土木,離此覺知更無所有,云何如來說此非心?我實驚怖,兼此大眾無不疑惑,唯垂大悲開示未悟!」
Deutsch
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter,
ich bin dein jüngster Bruder,
von deiner Güte getragen.
Aus Liebe zu dir
hat mich dieser Geist
aus dem weltlichen Leben geführt.

Mit eben diesem Geist
habe ich dem Buddha gedient,
bin durch Länder
so zahlreich wie der Sand des Ganges gezogen,
habe Buddhas
und weise Lehrer aufgesucht
und mit großem Mut
alle schwer zu vollbringenden Taten getan –
alles durch diesen Geist.

Und selbst wenn ich
das Dharma verleumden
und alle heilsamen Wurzeln verlieren würde,
geschähe auch das
durch eben diesen Geist.

Wenn dieses bewusste Erkennen
nicht der Geist sein soll,
dann wäre ich ohne Geist,
gleich Erde oder Holz.
Außer diesem Erkennen
gibt es nichts.

Wie kann der Erwachte sagen,
dies sei nicht der Geist?

Ich bin zutiefst erschüttert –
und ebenso die ganze Versammlung.
Niemand ist ohne Zweifel.
Ich bitte dich aus großem Mitgefühl:
Erkläre uns,
was wir noch nicht erkannt haben.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der emotionale und existentielle Tiefpunkt der bisherigen Untersuchung:
1. Die letzte Verteidigung des Geistes
Ānanda bringt nun das stärkste Argument überhaupt:
Alles Gute und alles Schlechte
geschieht durch diesen Geist.
Wie könnte er also nicht das Eigentliche sein?
2. Identität durch Funktion
Ānanda definiert sich vollständig
über Handeln, Motivation und Erfahrung.
Das ist menschlich –
und zugleich die tiefste Verwechslung.
3. Die Angst vor dem Nichts
„Dann wäre ich wie Erde oder Holz“
zeigt die existentielle Angst:
Ohne den funktionalen Geist
scheint nichts zu bleiben.
Genau hier liegt der Abgrund
zwischen Geist und ursprünglichem Grund.
4. Warum diese Angst notwendig ist
Der Buddha nimmt Ānanda
jede falsche Sicherheit.
Nicht um ihn zu zerstören,
sondern um ihn
an den Punkt zu führen,
an dem kein Ersatz mehr möglich ist.
5. Die Bitte um Mitgefühl
Jetzt bittet Ānanda nicht mehr
um logische Klärung,
sondern um Führung.
Das ist der Moment,
in dem echte Unterweisung
überhaupt erst fruchtbar werden kann.

Hier steht Ānanda
an der Schwelle:
Hält er am Geist fest,
verliert er den Weg.
Lässt er ihn fallen,
öffnet sich der Raum,
in dem der ursprüngliche Grund
nicht als Funktion,
sondern als ursprüngliches Sein
offenbart werden kann.

Der nächste Abschnitt wird zeigen,
wie der Buddha
diese Angst nicht wegdiskutiert,
sondern aufhebt.
62 #
爾時,世尊開示阿難及諸大眾,欲令心入無生法忍。於師子座摩阿難頂而告之言:「如來常說諸法所生,唯心所現。一切因果、世界、微塵,因心成體。阿難!若諸世界一切所有,其中乃至草葉縷結,詰其根元咸有體性;縱令虛空亦有名貌;何況清淨妙淨明心、性一切心而自無體?若汝執悋分別覺觀所了知性必為心者,此心即應離諸一切色、香、味、觸諸塵事業別有全性。如汝今者承聽我法,此則因聲而有分別。
Da offenbarte der Buddha
Ānanda und der ganzen Versammlung die Lehre,
um den Geist
in die Geduld des Ungeborenen
einzuführen.

Vom Löwenthron aus
legte er seine Hand
auf Ānandas Scheitel
und sprach:

„Der Tathāgata lehrt seit jeher:
Alles, was erscheint,
ist Erscheinung des Geistes.
Alle Ursachen und Wirkungen,
alle Welten und selbst feinste Staubteilchen
werden durch den Geist
zu dem, was sie sind.

Ānanda,
wenn alles, was in den Welten existiert –
bis hin zu Grashalmen und Blattfasern –
bei genauer Betrachtung
eine eigene Beschaffenheit hat,
ja selbst der Raum
noch benannt und unterschieden wird:
Wie sollte dann
der reine, wunderbare, klare Grund,
die Natur aller Herzen,
allein keine eigene Wirklichkeit haben?

Wenn du jedoch meinst,
das unterscheidende Wahrnehmen
und das begreifende Erkennen
seien selbst schon der Geist,
dann müsste dieser Geist
auch ohne Form,
ohne Klang,
ohne Geruch, Geschmack und Berührung
eine vollständig eigenständige Natur besitzen.

So wie du jetzt
meine Worte hörst:
Dieses Unterscheiden
entsteht abhängig vom Klang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der Beginn der positiven Offenbarung des ursprünglichen Grundes:
1. Einführung in 無生法忍 – die Geduld des Ungeborenen
Der Buddha kündigt explizit an,
dass es nun nicht mehr um Analyse,
sondern um Ertragen der Wahrheit jenseits des Entstehens geht.
Erkenntnis hier ist kein Denken,
sondern Standhalten im Nicht-Gemachten.
2. Alles erscheint im Geist – aber ist nicht der Geist
„唯心所現“ bedeutet nicht Idealismus,
sondern:
Erscheinung ist abhängig vom Geist,
doch nicht identisch mit ihm.
3. Radikale Umkehrung von Ānandas Angst
Ānanda fürchtete,
ohne den funktionalen Geist
„nichts“ zu sein.
Der Buddha zeigt nun:
Gerade das Ursprüngliche
ist nicht leer an Wirklichkeit,
sondern jenseits bedingter Funktionen.
4. Der ursprüngliche Grund hat Wirklichkeit, nicht Funktion
Der ursprüngliche Grund ist nicht Denken,
nicht Unterscheiden,
nicht Wahrnehmen.
Diese entstehen abhängig –
der ursprüngliche Grund nicht.
5. Klang als Prüfstein
Dass Unterscheiden jetzt
durch Hören entsteht,
zeigt:
Das Erkennen, das kommt und geht,
kann nicht der Ursprung sein.

Hier beginnt der Übergang
vom verwechselten Geist
zum unverlierbaren, ursprünglichen Grund.
Nicht als Theorie,
sondern als unmittelbare Einsicht,
die der Geist nur aushalten kann,
wenn er aufhört,
sich selbst festzuhalten.
中文原文
爾時,世尊開示阿難及諸大眾,欲令心入無生法忍。於師子座摩阿難頂而告之言:「如來常說諸法所生,唯心所現。一切因果、世界、微塵,因心成體。阿難!若諸世界一切所有,其中乃至草葉縷結,詰其根元咸有體性;縱令虛空亦有名貌;何況清淨妙淨明心、性一切心而自無體?若汝執悋分別覺觀所了知性必為心者,此心即應離諸一切色、香、味、觸諸塵事業別有全性。如汝今者承聽我法,此則因聲而有分別。
Deutsch
Da offenbarte der Buddha
Ānanda und der ganzen Versammlung die Lehre,
um den Geist
in die Geduld des Ungeborenen
einzuführen.

Vom Löwenthron aus
legte er seine Hand
auf Ānandas Scheitel
und sprach:

„Der Tathāgata lehrt seit jeher:
Alles, was erscheint,
ist Erscheinung des Geistes.
Alle Ursachen und Wirkungen,
alle Welten und selbst feinste Staubteilchen
werden durch den Geist
zu dem, was sie sind.

Ānanda,
wenn alles, was in den Welten existiert –
bis hin zu Grashalmen und Blattfasern –
bei genauer Betrachtung
eine eigene Beschaffenheit hat,
ja selbst der Raum
noch benannt und unterschieden wird:
Wie sollte dann
der reine, wunderbare, klare Grund,
die Natur aller Herzen,
allein keine eigene Wirklichkeit haben?

Wenn du jedoch meinst,
das unterscheidende Wahrnehmen
und das begreifende Erkennen
seien selbst schon der Geist,
dann müsste dieser Geist
auch ohne Form,
ohne Klang,
ohne Geruch, Geschmack und Berührung
eine vollständig eigenständige Natur besitzen.

So wie du jetzt
meine Worte hörst:
Dieses Unterscheiden
entsteht abhängig vom Klang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der Beginn der positiven Offenbarung des ursprünglichen Grundes:
1. Einführung in 無生法忍 – die Geduld des Ungeborenen
Der Buddha kündigt explizit an,
dass es nun nicht mehr um Analyse,
sondern um Ertragen der Wahrheit jenseits des Entstehens geht.
Erkenntnis hier ist kein Denken,
sondern Standhalten im Nicht-Gemachten.
2. Alles erscheint im Geist – aber ist nicht der Geist
„唯心所現“ bedeutet nicht Idealismus,
sondern:
Erscheinung ist abhängig vom Geist,
doch nicht identisch mit ihm.
3. Radikale Umkehrung von Ānandas Angst
Ānanda fürchtete,
ohne den funktionalen Geist
„nichts“ zu sein.
Der Buddha zeigt nun:
Gerade das Ursprüngliche
ist nicht leer an Wirklichkeit,
sondern jenseits bedingter Funktionen.
4. Der ursprüngliche Grund hat Wirklichkeit, nicht Funktion
Der ursprüngliche Grund ist nicht Denken,
nicht Unterscheiden,
nicht Wahrnehmen.
Diese entstehen abhängig –
der ursprüngliche Grund nicht.
5. Klang als Prüfstein
Dass Unterscheiden jetzt
durch Hören entsteht,
zeigt:
Das Erkennen, das kommt und geht,
kann nicht der Ursprung sein.

Hier beginnt der Übergang
vom verwechselten Geist
zum unverlierbaren, ursprünglichen Grund.
Nicht als Theorie,
sondern als unmittelbare Einsicht,
die der Geist nur aushalten kann,
wenn er aufhört,
sich selbst festzuhalten.
63 #
縱滅一切見、聞、覺、知,內守幽閑,猶為法塵分別影事。我非勅汝執為非心,但汝於心微細揣摩,若離前塵有分別性,即真汝心;若分別性離塵無體,斯則前塵分別影事。塵非常住,若變滅時此心則同龜毛、兔角,則汝法身同於斷滅,其誰修證無生法忍?」即時阿難與諸大眾,默然自失。
Der Buddha sprach:

„Selbst wenn du
alles Sehen, Hören, Fühlen und Wissen beruhigst
und innerlich in stille Abgeschiedenheit gehst,
ist das noch immer
nur das Schattenwirken der Erscheinungen.

Ich fordere dich nicht auf,
dies alles als nicht Geist zu verwerfen.
Doch prüfe nun den Geist
in feinster Klarheit:

Wenn es – getrennt von allen Erscheinungen –
eine unterscheidende Kraft gibt,
dann ist dies dein wahrer Geist.

Gibt es aber
ohne Erscheinungen
keine unterscheidende Kraft,
dann ist das,
was du für Geist hältst,
nur der Nachhall vergangener Eindrücke.

Erscheinungen sind nicht beständig.
Wenn sie sich wandeln oder vergehen,
wäre ein solcher Geist
nichts als Vorstellung –
wie Schildkrötenhaare oder Hasenhörner.
Dann wäre auch dein Dharma-Leib
dem völligen Erlöschen gleich.

Wer sollte dann
das Nicht-Geborene verwirklichen?“

In diesem Moment
waren Ānanda
und die gesamte Versammlung
sprachlos,
orientierungslos
und ohne Halt.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der schärfste Schnitt des gesamten ersten Buches:
1. Meditative Leere ist noch nicht Befreiung
Selbst tiefste innere Ruhe
kann weiterhin im Bereich
der subtilen Erscheinungen liegen.
Stille allein ist kein Kriterium für Wahrheit.
2. Die entscheidende Prüfregel
Der Buddha gibt hier ein klares Kriterium:
👉 Was bleibt, wenn alle Erscheinungen wegfallen?
Nicht was ruhig ist,
sondern was unabhängig ist, zählt.
3. Trennung von Funktion und Ursprung
Unterscheiden ist eine Funktion.
Wenn sie ohne Objekte nicht existiert,
kann sie nicht der Ursprung sein.
4. Die existentielle Konsequenz
Würde man den Schattengeist
für das Eigentliche halten,
wäre selbst der Dharma-Leib vergänglich.
Das widerspricht jeder Befreiung.
5. Der Moment der Leere ohne Halt
„默然自失“ ist kein Versagen,
sondern der notwendige Stillstand,
wenn alle falschen Identifikationen gefallen sind.

Hier ist der Punkt erreicht,
an dem nichts mehr erklärt werden kann.
Der Geist hat keinen Boden mehr.
Genau hier beginnt
die Möglichkeit,
den ursprünglichen Grund nicht zu denken,
sondern zu erkennen.
中文原文
縱滅一切見、聞、覺、知,內守幽閑,猶為法塵分別影事。我非勅汝執為非心,但汝於心微細揣摩,若離前塵有分別性,即真汝心;若分別性離塵無體,斯則前塵分別影事。塵非常住,若變滅時此心則同龜毛、兔角,則汝法身同於斷滅,其誰修證無生法忍?」即時阿難與諸大眾,默然自失。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Selbst wenn du
alles Sehen, Hören, Fühlen und Wissen beruhigst
und innerlich in stille Abgeschiedenheit gehst,
ist das noch immer
nur das Schattenwirken der Erscheinungen.

Ich fordere dich nicht auf,
dies alles als nicht Geist zu verwerfen.
Doch prüfe nun den Geist
in feinster Klarheit:

Wenn es – getrennt von allen Erscheinungen –
eine unterscheidende Kraft gibt,
dann ist dies dein wahrer Geist.

Gibt es aber
ohne Erscheinungen
keine unterscheidende Kraft,
dann ist das,
was du für Geist hältst,
nur der Nachhall vergangener Eindrücke.

Erscheinungen sind nicht beständig.
Wenn sie sich wandeln oder vergehen,
wäre ein solcher Geist
nichts als Vorstellung –
wie Schildkrötenhaare oder Hasenhörner.
Dann wäre auch dein Dharma-Leib
dem völligen Erlöschen gleich.

Wer sollte dann
das Nicht-Geborene verwirklichen?“

In diesem Moment
waren Ānanda
und die gesamte Versammlung
sprachlos,
orientierungslos
und ohne Halt.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der schärfste Schnitt des gesamten ersten Buches:
1. Meditative Leere ist noch nicht Befreiung
Selbst tiefste innere Ruhe
kann weiterhin im Bereich
der subtilen Erscheinungen liegen.
Stille allein ist kein Kriterium für Wahrheit.
2. Die entscheidende Prüfregel
Der Buddha gibt hier ein klares Kriterium:
👉 Was bleibt, wenn alle Erscheinungen wegfallen?
Nicht was ruhig ist,
sondern was unabhängig ist, zählt.
3. Trennung von Funktion und Ursprung
Unterscheiden ist eine Funktion.
Wenn sie ohne Objekte nicht existiert,
kann sie nicht der Ursprung sein.
4. Die existentielle Konsequenz
Würde man den Schattengeist
für das Eigentliche halten,
wäre selbst der Dharma-Leib vergänglich.
Das widerspricht jeder Befreiung.
5. Der Moment der Leere ohne Halt
„默然自失“ ist kein Versagen,
sondern der notwendige Stillstand,
wenn alle falschen Identifikationen gefallen sind.

Hier ist der Punkt erreicht,
an dem nichts mehr erklärt werden kann.
Der Geist hat keinen Boden mehr.
Genau hier beginnt
die Möglichkeit,
den ursprünglichen Grund nicht zu denken,
sondern zu erkennen.
64 #
佛告阿難:「世間一切諸修學人,現前雖成九次第定,不得漏盡成阿羅漢,皆由執此生死妄想,誤為真實。是故汝今雖得多聞,不成聖果。」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Alle Übenden in der Welt,
die zwar
die neun Stufen tiefer Sammlung erreichen,
aber dennoch
die Ausflüsse nicht endgültig beenden
und keine Arhats werden,
scheitern aus einem einzigen Grund:

Sie halten
den aus Geburt und Tod hervorgehenden
verwirrten Geist
für etwas Wirkliches.

Darum gilt auch für dich:
So groß dein Wissen ist –
solange du daran festhältst,
kann keine heilige Frucht reifen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zieht eine klare Bilanz über alles Vorangegangene:
1. Meditative Höhe ersetzt keine Grundklärung
Selbst höchste Versenkungszustände
(die neun Stufen der Sammlung)
bleiben innerhalb des Bedingten,
wenn ihr Fundament falsch ist.
2. Der eigentliche Fehler: Verwechslung von Geist und Wirklichkeit
Nicht Mangel an Disziplin,
nicht fehlende Konzentration,
sondern das Festhalten
am geburts-und-tod-haften Geist
verhindert Befreiung.
3. Warum Fortschritt stagniert
Tiefe Meditation kann den Geist beruhigen,
ihn aber zugleich
in subtiler Form bestätigen.
Ruhe wird dann zur Verfeinerung der Illusion.
4. Ānanda als exemplarische Figur
Ānandas Situation ist kein Einzelfall.
Er steht für alle ernsthaft Übenden,
die viel lernen, viel üben
und doch am falschen Bezugspunkt festhalten.
5. Der unausgesprochene Appell
Der Buddha macht deutlich:
Solange der Geist
für den Ursprung gehalten wird,
kann der ursprüngliche Grund
nicht erkannt werden.

Dieser Abschnitt ist die letzte Warnung,
bevor der Buddha im nächsten Schritt
den positiven Zugang zur Befreiung
unmissverständlich öffnet.
中文原文
佛告阿難:「世間一切諸修學人,現前雖成九次第定,不得漏盡成阿羅漢,皆由執此生死妄想,誤為真實。是故汝今雖得多聞,不成聖果。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Alle Übenden in der Welt,
die zwar
die neun Stufen tiefer Sammlung erreichen,
aber dennoch
die Ausflüsse nicht endgültig beenden
und keine Arhats werden,
scheitern aus einem einzigen Grund:

Sie halten
den aus Geburt und Tod hervorgehenden
verwirrten Geist
für etwas Wirkliches.

Darum gilt auch für dich:
So groß dein Wissen ist –
solange du daran festhältst,
kann keine heilige Frucht reifen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zieht eine klare Bilanz über alles Vorangegangene:
1. Meditative Höhe ersetzt keine Grundklärung
Selbst höchste Versenkungszustände
(die neun Stufen der Sammlung)
bleiben innerhalb des Bedingten,
wenn ihr Fundament falsch ist.
2. Der eigentliche Fehler: Verwechslung von Geist und Wirklichkeit
Nicht Mangel an Disziplin,
nicht fehlende Konzentration,
sondern das Festhalten
am geburts-und-tod-haften Geist
verhindert Befreiung.
3. Warum Fortschritt stagniert
Tiefe Meditation kann den Geist beruhigen,
ihn aber zugleich
in subtiler Form bestätigen.
Ruhe wird dann zur Verfeinerung der Illusion.
4. Ānanda als exemplarische Figur
Ānandas Situation ist kein Einzelfall.
Er steht für alle ernsthaft Übenden,
die viel lernen, viel üben
und doch am falschen Bezugspunkt festhalten.
5. Der unausgesprochene Appell
Der Buddha macht deutlich:
Solange der Geist
für den Ursprung gehalten wird,
kann der ursprüngliche Grund
nicht erkannt werden.

Dieser Abschnitt ist die letzte Warnung,
bevor der Buddha im nächsten Schritt
den positiven Zugang zur Befreiung
unmissverständlich öffnet.
65 #
阿難聞已,重復悲淚,五體投地,長跪合掌而白佛言:「自我從佛發心出家,恃佛威神,常自思惟:『無勞我修,將謂如來惠我三昧,不知身心本不相代,失我本心;雖身出家,心不入道,譬如窮子捨父逃逝。今日乃知雖有多聞,若不修行與不聞等,如人說食終不能飽。』世尊!我等今者二障所纏,良由不知寂常心性,唯願如來哀愍窮露,發妙明心,開我道眼!」
Als Ānanda dies hörte,
kamen erneut Tränen.
Er warf sich mit dem ganzen Körper nieder,
kniete lange,
faltete die Hände
und sprach:

„Seit ich dem Buddha folgte
und aus dem weltlichen Leben trat,
verließ ich mich auf deine Kraft
und dachte insgeheim:
‚Ich muss mich nicht selbst bemühen –
der Erwachte wird mir Samādhi geben.‘

Ich erkannte nicht,
dass Körper und Geist
nicht füreinander eintreten können.
So verlor ich das Ursprüngliche aus dem Blick.
Mein Körper verließ zwar das Hausleben,
doch mein Geist trat nicht in den Weg ein.
Ich war wie ein armer Sohn,
der den Vater verlässt
und davonläuft.

Heute erkenne ich:
Vielwissen ohne Praxis
ist dem Nicht-Wissen gleich –
wie jemand,
der über Nahrung spricht
und niemals satt wird.

Weltverehrter,
wir sind jetzt
von den zwei Hindernissen umschlungen.
Der einzige Grund ist,
dass wir die stille, beständige Natur des ursprünglichen Grundes
nicht erkannt haben.

Ich bitte dich aus tiefem Mitgefühl:
Lass das wunderhelle Ursprüngliche aufleuchten
und öffne mir das Auge des Weges!“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist Ānandas vollständiges Erwachen zur eigenen Verantwortung:
1. Zusammenbruch der Stellvertretung
Der zentrale Satz lautet:
Körper und Geist können einander nicht ersetzen.
Erwachen ist nicht delegierbar –
nicht einmal an den Buddha.
2. Der Irrtum des „geschenkten Samādhi“
Ānandas Vertrauen war echt,
aber unbewusst passiv.
Der Buddha kann zeigen,
aber nicht für jemanden erkennen.
3. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn
Dieses Bild verbindet Mahayana und christliche Mystik:
Entfernung vom Ursprung
geschieht nicht aus Böswilligkeit,
sondern aus Unwissenheit.
4. Vielwissen ohne Praxis
Der Vergleich mit dem „Essen reden“
ist einer der schärfsten im gesamten Kanon:
Einsicht ohne Verkörperung
nährt nicht.
5. Die zwei Hindernisse
Gemeint sind
• das Hindernis der Leidenschaften
• das Hindernis des Wissens
Beides wurzelt darin,
den Geist für den ursprünglichen Grund zu halten.
6. Die Bitte ist nun richtig ausgerichtet
Ānanda bittet nicht mehr um Erklärung,
sondern um das Öffnen des Weg-Auge.
Das ist die Haltung,
in der die kommende Lehre
tatsächlich fruchtbar werden kann.

Hier ist Ānanda nicht mehr Schüler aus Nähe,
sondern Übender aus Einsicht.
Damit ist der Raum geöffnet
für die konkrete Darlegung des Śūraṅgama-Weges.
中文原文
阿難聞已,重復悲淚,五體投地,長跪合掌而白佛言:「自我從佛發心出家,恃佛威神,常自思惟:『無勞我修,將謂如來惠我三昧,不知身心本不相代,失我本心;雖身出家,心不入道,譬如窮子捨父逃逝。今日乃知雖有多聞,若不修行與不聞等,如人說食終不能飽。』世尊!我等今者二障所纏,良由不知寂常心性,唯願如來哀愍窮露,發妙明心,開我道眼!」
Deutsch
Als Ānanda dies hörte,
kamen erneut Tränen.
Er warf sich mit dem ganzen Körper nieder,
kniete lange,
faltete die Hände
und sprach:

„Seit ich dem Buddha folgte
und aus dem weltlichen Leben trat,
verließ ich mich auf deine Kraft
und dachte insgeheim:
‚Ich muss mich nicht selbst bemühen –
der Erwachte wird mir Samādhi geben.‘

Ich erkannte nicht,
dass Körper und Geist
nicht füreinander eintreten können.
So verlor ich das Ursprüngliche aus dem Blick.
Mein Körper verließ zwar das Hausleben,
doch mein Geist trat nicht in den Weg ein.
Ich war wie ein armer Sohn,
der den Vater verlässt
und davonläuft.

Heute erkenne ich:
Vielwissen ohne Praxis
ist dem Nicht-Wissen gleich –
wie jemand,
der über Nahrung spricht
und niemals satt wird.

Weltverehrter,
wir sind jetzt
von den zwei Hindernissen umschlungen.
Der einzige Grund ist,
dass wir die stille, beständige Natur des ursprünglichen Grundes
nicht erkannt haben.

Ich bitte dich aus tiefem Mitgefühl:
Lass das wunderhelle Ursprüngliche aufleuchten
und öffne mir das Auge des Weges!“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist Ānandas vollständiges Erwachen zur eigenen Verantwortung:
1. Zusammenbruch der Stellvertretung
Der zentrale Satz lautet:
Körper und Geist können einander nicht ersetzen.
Erwachen ist nicht delegierbar –
nicht einmal an den Buddha.
2. Der Irrtum des „geschenkten Samādhi“
Ānandas Vertrauen war echt,
aber unbewusst passiv.
Der Buddha kann zeigen,
aber nicht für jemanden erkennen.
3. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn
Dieses Bild verbindet Mahayana und christliche Mystik:
Entfernung vom Ursprung
geschieht nicht aus Böswilligkeit,
sondern aus Unwissenheit.
4. Vielwissen ohne Praxis
Der Vergleich mit dem „Essen reden“
ist einer der schärfsten im gesamten Kanon:
Einsicht ohne Verkörperung
nährt nicht.
5. Die zwei Hindernisse
Gemeint sind
• das Hindernis der Leidenschaften
• das Hindernis des Wissens
Beides wurzelt darin,
den Geist für den ursprünglichen Grund zu halten.
6. Die Bitte ist nun richtig ausgerichtet
Ānanda bittet nicht mehr um Erklärung,
sondern um das Öffnen des Weg-Auge.
Das ist die Haltung,
in der die kommende Lehre
tatsächlich fruchtbar werden kann.

Hier ist Ānanda nicht mehr Schüler aus Nähe,
sondern Übender aus Einsicht.
Damit ist der Raum geöffnet
für die konkrete Darlegung des Śūraṅgama-Weges.
66 #
即時如來從胸[1]卍字涌出寶光,其光晃昱有百千色。十方微塵普佛世界一時周遍,遍灌十方所有寶剎諸如來頂,旋至阿難及諸大眾。告阿難言:「吾今為汝建大法幢,亦令十方一切眾生獲妙微密性淨明心,得清淨眼。
「阿難!汝先答我見光明拳,此拳光明因何所有?云何成拳?汝將誰見?」
Da ließ der Tathāgata
aus dem 卍-Zeichen auf seiner Brust
kostbares Licht hervorströmen.
Es leuchtete
in hunderttausend Farben.

Die unzähligen Buddha-Welten
der zehn Richtungen
wurden in einem Augenblick durchdrungen.
Das Licht berührte
die Scheitel aller Buddhas
und kehrte dann zurück
zu Ānanda
und der ganzen Versammlung.

Der Buddha sprach:

„Jetzt errichte ich für dich
das große Banner des Dharma
und öffne zugleich
für alle Wesen der zehn Richtungen
den wunderbaren, feinen, verborgenen,
wesensmäßig reinen und leuchtenden ursprünglichen Grund,
damit sie das reine Auge erlangen.

Ānanda,
du hast zuvor gesagt,
dass du die leuchtende Faust siehst.
Sag mir nun:

Woher kommt dieses Licht?
Warum erscheint es als Faust?
Und womit siehst du es?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die feierliche Eröffnung der eigentlichen Offenbarung:
1. Das 卍-Zeichen – Quelle jenseits von Handlung
Das Licht entspringt nicht den Händen,
nicht dem Blick,
sondern der Brust des Buddha –
dem Ort der integrierten Weisheit und des Mitgefühls.
Erkenntnis wird hier als Ausstrahlung, nicht als Tun gezeigt.
2. Universale Resonanz
Dass das Licht alle Buddhas berührt
und dann zurückkehrt, zeigt:
Der ursprüngliche Grund ist nicht individuell,
sondern universell gegenwärtig,
ohne sich zu vervielfältigen.
3. „Dharma-Banner“ als Richtungsanzeige
Ein Banner markiert Orientierung.
Der Buddha kündigt an:
Ab hier gibt es keinen Abweg mehr,
sondern eine klare Ausrichtung
auf das Wesentliche.
4. Reines Auge ≠ Sinnesorgan
Das „reine Auge“ ist kein verbessertes Sehen,
sondern das Erkennen dessen,
was immer schon gesehen hat.
5. Rückkehr zur leuchtenden Faust – auf neuer Ebene
Die gleichen Fragen wie zuvor
werden erneut gestellt:
Licht – Form – Sehen.
Doch jetzt nicht mehr zur Widerlegung,
sondern zur direkten Einsicht.
Die Untersuchung kehrt zurück
an denselben Punkt,
aber auf höherer Klarheitsebene.

Hier beginnt der eigentliche Śūraṅgama-Unterricht:
Nicht mehr das Zerstören falscher Antworten,
sondern das Aufleuchten dessen,
was nie verborgen war.
中文原文
即時如來從胸[1]卍字涌出寶光,其光晃昱有百千色。十方微塵普佛世界一時周遍,遍灌十方所有寶剎諸如來頂,旋至阿難及諸大眾。告阿難言:「吾今為汝建大法幢,亦令十方一切眾生獲妙微密性淨明心,得清淨眼。
「阿難!汝先答我見光明拳,此拳光明因何所有?云何成拳?汝將誰見?」
Deutsch
Da ließ der Tathāgata
aus dem 卍-Zeichen auf seiner Brust
kostbares Licht hervorströmen.
Es leuchtete
in hunderttausend Farben.

Die unzähligen Buddha-Welten
der zehn Richtungen
wurden in einem Augenblick durchdrungen.
Das Licht berührte
die Scheitel aller Buddhas
und kehrte dann zurück
zu Ānanda
und der ganzen Versammlung.

Der Buddha sprach:

„Jetzt errichte ich für dich
das große Banner des Dharma
und öffne zugleich
für alle Wesen der zehn Richtungen
den wunderbaren, feinen, verborgenen,
wesensmäßig reinen und leuchtenden ursprünglichen Grund,
damit sie das reine Auge erlangen.

Ānanda,
du hast zuvor gesagt,
dass du die leuchtende Faust siehst.
Sag mir nun:

Woher kommt dieses Licht?
Warum erscheint es als Faust?
Und womit siehst du es?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die feierliche Eröffnung der eigentlichen Offenbarung:
1. Das 卍-Zeichen – Quelle jenseits von Handlung
Das Licht entspringt nicht den Händen,
nicht dem Blick,
sondern der Brust des Buddha –
dem Ort der integrierten Weisheit und des Mitgefühls.
Erkenntnis wird hier als Ausstrahlung, nicht als Tun gezeigt.
2. Universale Resonanz
Dass das Licht alle Buddhas berührt
und dann zurückkehrt, zeigt:
Der ursprüngliche Grund ist nicht individuell,
sondern universell gegenwärtig,
ohne sich zu vervielfältigen.
3. „Dharma-Banner“ als Richtungsanzeige
Ein Banner markiert Orientierung.
Der Buddha kündigt an:
Ab hier gibt es keinen Abweg mehr,
sondern eine klare Ausrichtung
auf das Wesentliche.
4. Reines Auge ≠ Sinnesorgan
Das „reine Auge“ ist kein verbessertes Sehen,
sondern das Erkennen dessen,
was immer schon gesehen hat.
5. Rückkehr zur leuchtenden Faust – auf neuer Ebene
Die gleichen Fragen wie zuvor
werden erneut gestellt:
Licht – Form – Sehen.
Doch jetzt nicht mehr zur Widerlegung,
sondern zur direkten Einsicht.
Die Untersuchung kehrt zurück
an denselben Punkt,
aber auf höherer Klarheitsebene.

Hier beginnt der eigentliche Śūraṅgama-Unterricht:
Nicht mehr das Zerstören falscher Antworten,
sondern das Aufleuchten dessen,
was nie verborgen war.
67 #
阿難言:「由佛全體閻浮檀金,赩如寶山,清淨所生,故有光明;我實眼觀;五輪指端屈握示人,故有拳相。」
佛告阿難:「如來今日實言告汝:諸有智者要以譬喻而得開悟。阿難!譬如我拳,若無我手不成我拳,若無汝眼不成汝見;以汝眼根例我拳理,其義均不?」
Ānanda sprach:

„Das Licht entsteht,
weil der Körper des Erwachten
ganz aus Jambūnada-Gold ist,
leuchtend wie ein kostbarer Berg,
hervorgegangen aus reiner Klarheit.
Darum ist Licht da –
und ich sehe es mit den Augen.

Die fünf Finger
werden gebeugt
und gezeigt;
so erscheint die Form einer Faust.“

Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Heute sage ich dir
ohne Umschweife:
Alle, die wirklich verstehen,
erwachen durch Gleichnisse.

Ānanda,
betrachte meine Faust:
Ohne meine Hand
gibt es keine Faust.
Und ohne deine Augen
gibt es kein Sehen.

Wenn du nun
die Augenwurzel
mit dem Prinzip der Faust vergleichst –
ist diese Bedeutung
nicht vollkommen entsprechend?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt verschiebt die Untersuchung von „Was ist Sehen?“ zu „Was ist Voraussetzung?“:
1. Form ist abhängig, nicht eigenständig
Die Faust existiert nicht aus sich selbst.
Sie ist eine Konfiguration der Hand.
Ebenso ist Sehen
eine Konfiguration von Bedingungen.
2. Das Gleichnis wird exakt gespiegelt
• Faust : Hand
• Sehen : Auge
Der Buddha bereitet hier vor,
dass weder Faust noch Sehen
eigenständige Substanzen sind.
3. Wichtige didaktische Wendung
Der Buddha erklärt offen seine Methode:
Einsicht geschieht durch Vergleich,
nicht durch metaphysische Behauptung.
4. Noch nicht die letzte Wahrheit
Wichtig:
Der Buddha setzt Auge = Hand
nicht absolut,
sondern vorläufig.
Er benutzt Ānandas eigenes Denken,
um es weiterzuführen.
5. Vorbereitung der nächsten Frage
Wenn Faust ohne Hand nicht existiert
und Sehen ohne Auge nicht existiert,
dann wird gleich gefragt werden:
👉 Ist das, was sieht, identisch mit dem Auge?
Genau hier wird die nächste
und noch tiefere Unterscheidung folgen.

Dieser Abschnitt ist ein ruhiger, präziser Übergang:
von der Zerschlagung falscher Annahmen
hin zur schrittweisen positiven Erkenntnis
der Bedingungen des Erkennens.
中文原文
阿難言:「由佛全體閻浮檀金,赩如寶山,清淨所生,故有光明;我實眼觀;五輪指端屈握示人,故有拳相。」
佛告阿難:「如來今日實言告汝:諸有智者要以譬喻而得開悟。阿難!譬如我拳,若無我手不成我拳,若無汝眼不成汝見;以汝眼根例我拳理,其義均不?」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Das Licht entsteht,
weil der Körper des Erwachten
ganz aus Jambūnada-Gold ist,
leuchtend wie ein kostbarer Berg,
hervorgegangen aus reiner Klarheit.
Darum ist Licht da –
und ich sehe es mit den Augen.

Die fünf Finger
werden gebeugt
und gezeigt;
so erscheint die Form einer Faust.“

Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Heute sage ich dir
ohne Umschweife:
Alle, die wirklich verstehen,
erwachen durch Gleichnisse.

Ānanda,
betrachte meine Faust:
Ohne meine Hand
gibt es keine Faust.
Und ohne deine Augen
gibt es kein Sehen.

Wenn du nun
die Augenwurzel
mit dem Prinzip der Faust vergleichst –
ist diese Bedeutung
nicht vollkommen entsprechend?“
Kommentar
Dieser Abschnitt verschiebt die Untersuchung von „Was ist Sehen?“ zu „Was ist Voraussetzung?“:
1. Form ist abhängig, nicht eigenständig
Die Faust existiert nicht aus sich selbst.
Sie ist eine Konfiguration der Hand.
Ebenso ist Sehen
eine Konfiguration von Bedingungen.
2. Das Gleichnis wird exakt gespiegelt
• Faust : Hand
• Sehen : Auge
Der Buddha bereitet hier vor,
dass weder Faust noch Sehen
eigenständige Substanzen sind.
3. Wichtige didaktische Wendung
Der Buddha erklärt offen seine Methode:
Einsicht geschieht durch Vergleich,
nicht durch metaphysische Behauptung.
4. Noch nicht die letzte Wahrheit
Wichtig:
Der Buddha setzt Auge = Hand
nicht absolut,
sondern vorläufig.
Er benutzt Ānandas eigenes Denken,
um es weiterzuführen.
5. Vorbereitung der nächsten Frage
Wenn Faust ohne Hand nicht existiert
und Sehen ohne Auge nicht existiert,
dann wird gleich gefragt werden:
👉 Ist das, was sieht, identisch mit dem Auge?
Genau hier wird die nächste
und noch tiefere Unterscheidung folgen.

Dieser Abschnitt ist ein ruhiger, präziser Übergang:
von der Zerschlagung falscher Annahmen
hin zur schrittweisen positiven Erkenntnis
der Bedingungen des Erkennens.
68 #
阿難言:「唯然!世尊!既無我眼,不成[2a]我見;[2b]以我眼根例如來拳,事義相類。」
佛[A2]告阿難:「汝言相類,是義不然。何以故?如無手人,拳畢竟滅;彼無眼者,非見全無。所以者何?汝試於[3]途詢問盲人:『汝何所見?』彼諸盲人必來答汝:『我今眼前唯見黑暗,更無他矚。』以是義觀,前塵自暗,見何虧損?」
Ānanda sprach:

„Ja, Weltverehrter.
Ohne meine Augen
gäbe es kein Sehen.
Vergleiche ich die Augenwurzel
mit der Faust des Erwachten,
scheinen Bedeutung und Sachverhalt gleich.“

Der Buddha sprach:

„Du sagst, es sei gleich –
doch das stimmt nicht.

Hat jemand keine Hand,
gibt es keine Faust mehr.
Hat jemand keine Augen,
ist das Sehen nicht ausgelöscht.

Warum?
Frage einen Blinden auf der Straße:
‚Was siehst du?‘
Er wird antworten:
‚Vor meinen Augen
ist nur Dunkelheit,
sonst nichts.‘

Wenn das so ist,
dann ist es die Erscheinung,
die dunkel ist –
nicht das Sehen selbst.
Wo wäre also ein Verlust des Sehens?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist entscheidend für die positive Wendung der Lehre:
1. Auflösung der falschen Analogie
Die Faust verschwindet vollständig ohne Hand.
Das Sehen verschwindet nicht vollständig ohne Augen.
Damit zerbricht die Gleichsetzung
Auge = Sehen.
2. Blinde sehen Dunkelheit
Das ist der Schlüsselpunkt:
Dunkelheit ist gesehen.
Sehen ist also nicht identisch
mit funktionierenden Augen.
3. Objekt fällt weg – Sehen bleibt
Beim Blinden fehlt das visuelle Objekt,
nicht das Sehen selbst.
Sehen wird hier als unabhängig vom Objekt sichtbar.
4. Unterscheidung von Bedingung und Wesen
Augen sind Bedingungen des Sehens,
nicht sein Wesen.
Der Buddha führt hier erstmals klar vor,
dass das Sehen selbst
nicht zerstört werden kann.
5. Vorbereitung der Offenbarung des ursprünglichen Grundes
Wenn Sehen nicht vom Auge abhängt,
dann ist sein Ursprung
weder Organ noch Objekt.
Genau hier beginnt die direkte Annäherung
an den ursprünglichen Grund
als ursprüngliche Klarheit,
die nicht kommt und nicht geht.

Dieser Abschnitt ist der Moment,
in dem das Sehen vom Auge gelöst wird –
ein entscheidender Schritt
auf dem Weg zur Erkenntnis dessen,
was immer schon sieht.
中文原文
阿難言:「唯然!世尊!既無我眼,不成[2a]我見;[2b]以我眼根例如來拳,事義相類。」
佛[A2]告阿難:「汝言相類,是義不然。何以故?如無手人,拳畢竟滅;彼無眼者,非見全無。所以者何?汝試於[3]途詢問盲人:『汝何所見?』彼諸盲人必來答汝:『我今眼前唯見黑暗,更無他矚。』以是義觀,前塵自暗,見何虧損?」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Ja, Weltverehrter.
Ohne meine Augen
gäbe es kein Sehen.
Vergleiche ich die Augenwurzel
mit der Faust des Erwachten,
scheinen Bedeutung und Sachverhalt gleich.“

Der Buddha sprach:

„Du sagst, es sei gleich –
doch das stimmt nicht.

Hat jemand keine Hand,
gibt es keine Faust mehr.
Hat jemand keine Augen,
ist das Sehen nicht ausgelöscht.

Warum?
Frage einen Blinden auf der Straße:
‚Was siehst du?‘
Er wird antworten:
‚Vor meinen Augen
ist nur Dunkelheit,
sonst nichts.‘

Wenn das so ist,
dann ist es die Erscheinung,
die dunkel ist –
nicht das Sehen selbst.
Wo wäre also ein Verlust des Sehens?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist entscheidend für die positive Wendung der Lehre:
1. Auflösung der falschen Analogie
Die Faust verschwindet vollständig ohne Hand.
Das Sehen verschwindet nicht vollständig ohne Augen.
Damit zerbricht die Gleichsetzung
Auge = Sehen.
2. Blinde sehen Dunkelheit
Das ist der Schlüsselpunkt:
Dunkelheit ist gesehen.
Sehen ist also nicht identisch
mit funktionierenden Augen.
3. Objekt fällt weg – Sehen bleibt
Beim Blinden fehlt das visuelle Objekt,
nicht das Sehen selbst.
Sehen wird hier als unabhängig vom Objekt sichtbar.
4. Unterscheidung von Bedingung und Wesen
Augen sind Bedingungen des Sehens,
nicht sein Wesen.
Der Buddha führt hier erstmals klar vor,
dass das Sehen selbst
nicht zerstört werden kann.
5. Vorbereitung der Offenbarung des ursprünglichen Grundes
Wenn Sehen nicht vom Auge abhängt,
dann ist sein Ursprung
weder Organ noch Objekt.
Genau hier beginnt die direkte Annäherung
an den ursprünglichen Grund
als ursprüngliche Klarheit,
die nicht kommt und nicht geht.

Dieser Abschnitt ist der Moment,
in dem das Sehen vom Auge gelöst wird –
ein entscheidender Schritt
auf dem Weg zur Erkenntnis dessen,
was immer schon sieht.
69 #
阿難言:「諸盲眼前唯覩黑暗,云何成見?」
佛告阿難:「諸盲無眼唯觀黑暗,與有眼人處於暗室,二黑有別、為無有別?」
「如是,世尊!此暗中人與彼群盲,二黑校量,曾無有異。」
Ānanda sprach:

„Wenn Blinde
nur Dunkelheit erfahren,
wie kann das Sehen sein?“

Der Buddha fragte:

„Ein Blinder ohne Augen
nimmt Dunkelheit wahr.
Ein Sehender
befindet sich in einem dunklen Raum.

Unterscheidet sich
die Dunkelheit des einen
von der des anderen –
oder nicht?“

Ānanda antwortete:

„Nein, Weltverehrter.
Die Dunkelheit des Sehenden im dunklen Raum
und die Dunkelheit der Blinden
sind vollkommen gleich.“
Kommentar öffnen
Dieser kurze Dialog ist entscheidend für die direkte Einsicht in das Sehen selbst:
1. Dunkelheit ist ein Wahrnehmungsinhalt
Der Buddha zeigt:
Dunkelheit ist nicht die Abwesenheit von Sehen,
sondern ein gesehenes Objekt.
2. Sehen ist unabhängig vom Organ
Ob jemand Augen hat oder nicht,
die Wahrnehmung von Dunkelheit
ist qualitativ dieselbe.
Das Sehen selbst bleibt intakt.
3. Bedingung vs. Wesen
Augen bestimmen, was gesehen wird,
nicht dass gesehen wird.
Das ist der entscheidende Unterschied.
4. Zerschlagung des letzten Materialismus
Sehen ist nicht materiell lokalisierbar
und nicht an körperliche Funktion gebunden.
Damit wird der Weg frei
für die Einsicht in das
nicht-geborene, nicht-vergehende Erkennen.
5. Unmittelbare Erfahrung statt Theorie
Der Buddha zwingt nicht zu Glauben,
sondern führt zur direkten Überprüfung
der eigenen Erfahrung.

Hier wird sichtbar:
Das, was sieht,
ist nicht das Auge.
Und genau dadurch
kann es auch nicht verloren gehen.
中文原文
阿難言:「諸盲眼前唯覩黑暗,云何成見?」
佛告阿難:「諸盲無眼唯觀黑暗,與有眼人處於暗室,二黑有別、為無有別?」
「如是,世尊!此暗中人與彼群盲,二黑校量,曾無有異。」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Wenn Blinde
nur Dunkelheit erfahren,
wie kann das Sehen sein?“

Der Buddha fragte:

„Ein Blinder ohne Augen
nimmt Dunkelheit wahr.
Ein Sehender
befindet sich in einem dunklen Raum.

Unterscheidet sich
die Dunkelheit des einen
von der des anderen –
oder nicht?“

Ānanda antwortete:

„Nein, Weltverehrter.
Die Dunkelheit des Sehenden im dunklen Raum
und die Dunkelheit der Blinden
sind vollkommen gleich.“
Kommentar
Dieser kurze Dialog ist entscheidend für die direkte Einsicht in das Sehen selbst:
1. Dunkelheit ist ein Wahrnehmungsinhalt
Der Buddha zeigt:
Dunkelheit ist nicht die Abwesenheit von Sehen,
sondern ein gesehenes Objekt.
2. Sehen ist unabhängig vom Organ
Ob jemand Augen hat oder nicht,
die Wahrnehmung von Dunkelheit
ist qualitativ dieselbe.
Das Sehen selbst bleibt intakt.
3. Bedingung vs. Wesen
Augen bestimmen, was gesehen wird,
nicht dass gesehen wird.
Das ist der entscheidende Unterschied.
4. Zerschlagung des letzten Materialismus
Sehen ist nicht materiell lokalisierbar
und nicht an körperliche Funktion gebunden.
Damit wird der Weg frei
für die Einsicht in das
nicht-geborene, nicht-vergehende Erkennen.
5. Unmittelbare Erfahrung statt Theorie
Der Buddha zwingt nicht zu Glauben,
sondern führt zur direkten Überprüfung
der eigenen Erfahrung.

Hier wird sichtbar:
Das, was sieht,
ist nicht das Auge.
Und genau dadurch
kann es auch nicht verloren gehen.
70 #
「阿難!若無眼人全見前黑,忽得眼光,還於前塵見種種色名眼見者;彼暗中人全見前黑,忽獲燈光,亦於前塵見種種色應名燈見。若燈見者,燈能有見,自不名燈。又則燈觀,何關汝事?是故當知,燈能顯色,如是見者是眼非燈;眼能顯色,如是見性是心非眼。」
阿難雖復得聞是言,與諸大眾口已默然,心未開悟。猶冀如來慈音宣示,合掌清心佇佛悲誨。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
ein Mensch ohne Augen
sieht nur Dunkelheit.
Erhält er Augenlicht,
sieht er an denselben Erscheinungen
vielfältige Farben –
und man nennt es Sehen durch die Augen.

Ein Mensch im Dunkeln
sieht ebenfalls nur Dunkelheit.
Erhält er Lampenlicht,
sieht er an denselben Erscheinungen
vielfältige Farben –
müsste man das dann
Sehen durch die Lampe nennen?

Wenn es aber Lampen-Sehen gäbe,
dann würde die Lampe selbst sehen
und wäre keine Lampe mehr.
Und selbst wenn die Lampe sehen könnte –
was hätte das mit dir zu tun?

Darum erkenne:
Die Lampe macht sichtbar,
aber sie sieht nicht.
Die Augen machen sichtbar,
aber sie sehen nicht.

Das, was sieht,
ist die Seh-Natur –
nicht Auge.“

Ānanda hörte diese Worte.
Er und die Versammlung
blieben still;
doch der Durchbruch war noch nicht geschehen.
In aufrichtiger Sammlung
warteten sie weiter
auf die mitfühlende Unterweisung des Buddha.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der entscheidende positive Lehrmoment zur Natur des Sehens:
1. Endgültige Trennung von Ursache und Wesen
Licht (Lampe) und Organ (Auge)
sind Bedingungen,
nicht der Ursprung des Sehens.
Sie machen sichtbar,
aber sie sehen nicht.
2. Klarer Stufenaufbau
• Lampe → macht Farben sichtbar
• Auge → macht Farben sichtbar
• Seh-Natur → sieht
Damit wird das Sehen
endgültig von allen äußeren Faktoren gelöst.
3. Durchbruch zur nicht-objektiven Klarheit
Das, was sieht,
ist keine Sache,
kein Organ,
kein Vorgang.
Es ist die grundlose Klarheit selbst.
4. Übergang von Geist zum ursprünglichen Grund
Bis hierher wurde der verwirrte Geist
vollständig zerlegt.
Nun wird erstmals positiv gezeigt:
->Das Sehen gehört nicht dem Geist als Funktion,
sondern dem ursprünglichen Grund als ursprünglicher Klarheit.
5. Warum Ānanda noch nicht erwacht
Verstehen ist noch nicht Erkennen.
Der Buddha hat den Weg gezeigt,
aber der letzte Schritt
– das unmittelbare Wiedererkennen –
steht noch aus.

Dieser Abschnitt ist das Tor:
Alles ist nun gesagt.
Was fehlt, ist kein weiteres Wort,
sondern das Umschlagen des Sehens
auf sich selbst.
中文原文
「阿難!若無眼人全見前黑,忽得眼光,還於前塵見種種色名眼見者;彼暗中人全見前黑,忽獲燈光,亦於前塵見種種色應名燈見。若燈見者,燈能有見,自不名燈。又則燈觀,何關汝事?是故當知,燈能顯色,如是見者是眼非燈;眼能顯色,如是見性是心非眼。」
阿難雖復得聞是言,與諸大眾口已默然,心未開悟。猶冀如來慈音宣示,合掌清心佇佛悲誨。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
ein Mensch ohne Augen
sieht nur Dunkelheit.
Erhält er Augenlicht,
sieht er an denselben Erscheinungen
vielfältige Farben –
und man nennt es Sehen durch die Augen.

Ein Mensch im Dunkeln
sieht ebenfalls nur Dunkelheit.
Erhält er Lampenlicht,
sieht er an denselben Erscheinungen
vielfältige Farben –
müsste man das dann
Sehen durch die Lampe nennen?

Wenn es aber Lampen-Sehen gäbe,
dann würde die Lampe selbst sehen
und wäre keine Lampe mehr.
Und selbst wenn die Lampe sehen könnte –
was hätte das mit dir zu tun?

Darum erkenne:
Die Lampe macht sichtbar,
aber sie sieht nicht.
Die Augen machen sichtbar,
aber sie sehen nicht.

Das, was sieht,
ist die Seh-Natur –
nicht Auge.“

Ānanda hörte diese Worte.
Er und die Versammlung
blieben still;
doch der Durchbruch war noch nicht geschehen.
In aufrichtiger Sammlung
warteten sie weiter
auf die mitfühlende Unterweisung des Buddha.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der entscheidende positive Lehrmoment zur Natur des Sehens:
1. Endgültige Trennung von Ursache und Wesen
Licht (Lampe) und Organ (Auge)
sind Bedingungen,
nicht der Ursprung des Sehens.
Sie machen sichtbar,
aber sie sehen nicht.
2. Klarer Stufenaufbau
• Lampe → macht Farben sichtbar
• Auge → macht Farben sichtbar
• Seh-Natur → sieht
Damit wird das Sehen
endgültig von allen äußeren Faktoren gelöst.
3. Durchbruch zur nicht-objektiven Klarheit
Das, was sieht,
ist keine Sache,
kein Organ,
kein Vorgang.
Es ist die grundlose Klarheit selbst.
4. Übergang von Geist zum ursprünglichen Grund
Bis hierher wurde der verwirrte Geist
vollständig zerlegt.
Nun wird erstmals positiv gezeigt:
->Das Sehen gehört nicht dem Geist als Funktion,
sondern dem ursprünglichen Grund als ursprünglicher Klarheit.
5. Warum Ānanda noch nicht erwacht
Verstehen ist noch nicht Erkennen.
Der Buddha hat den Weg gezeigt,
aber der letzte Schritt
– das unmittelbare Wiedererkennen –
steht noch aus.

Dieser Abschnitt ist das Tor:
Alles ist nun gesagt.
Was fehlt, ist kein weiteres Wort,
sondern das Umschlagen des Sehens
auf sich selbst.
71 #
爾時,世尊舒兜羅綿網相光手,開五輪指,誨勅阿難及諸大眾:「我初成道,於鹿園中,為阿若多五比丘等及汝四眾言:『一切眾生不成菩提及阿羅漢,皆由客塵煩惱所誤。』汝等當時因何開悟,今成聖果?」
Da erhob der Buddha
seine lichtdurchwirkte Hand
mit dem Zeichen des feinen Netzes,
öffnete die fünf Finger
und sprach zu Ānanda
und zur ganzen Versammlung:

„Als ich zu Beginn
das Erwachen vollendete
und im Hirschpark lehrte,
sagte ich zu Kauṇḍinya
und den fünf Bhikṣus
sowie zu euch allen:

‚Kein Wesen verfehlt Bodhi
und keine Arhat-Frucht
aus Mangel an Bemühung,
sondern weil es
die Gast- und Staub-Verwirrungen
für sich selbst hält.‘

Sagt mir:
Wodurch habt ihr euch damals
geöffnet,
erwacht
und die Frucht erlangt?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den entscheidenden Übergang von Erklärung zu direkter Rückfrage:
1. Rückbindung an die erste Lehrrede
Der Buddha verweist bewusst
auf den Anfang seiner Lehrtätigkeit.
Die Wahrheit war von Beginn an dieselbe.
2. „Gast“ und „Staub“ als Schlüsselbegriffe
• Gast (客): das Vorübergehende, Nicht-Eigene
• Staub (塵): das Verunreinigende, Verdeckende
Leiden entsteht,
weil das Vorübergehende
für das Eigene gehalten wird.
3. Nicht Praxisfehler, sondern Identifikationsfehler
Weder mangelnde Moral
noch fehlende Meditation
sind die Ursache des Verfehlens,
sondern falsche Identifikation.
4. Die entscheidende didaktische Wende
Der Buddha erklärt nun nicht weiter,
sondern fragt zurück.
Erkenntnis wird nicht mehr geliefert,
sondern erinnert.
5. Vorbereitung der eigentlichen Pointe
Die Antwort wird zeigen:
Erwachen geschieht nicht durch Hinzufügen,
sondern durch Durchschauen des Nicht-Eigenen.

Hier steht alles bereit.
Die Frage ist gestellt.
Im nächsten Abschnitt
wird sich zeigen,
was damals wie heute
den Durchbruch ermöglicht.
中文原文
爾時,世尊舒兜羅綿網相光手,開五輪指,誨勅阿難及諸大眾:「我初成道,於鹿園中,為阿若多五比丘等及汝四眾言:『一切眾生不成菩提及阿羅漢,皆由客塵煩惱所誤。』汝等當時因何開悟,今成聖果?」
Deutsch
Da erhob der Buddha
seine lichtdurchwirkte Hand
mit dem Zeichen des feinen Netzes,
öffnete die fünf Finger
und sprach zu Ānanda
und zur ganzen Versammlung:

„Als ich zu Beginn
das Erwachen vollendete
und im Hirschpark lehrte,
sagte ich zu Kauṇḍinya
und den fünf Bhikṣus
sowie zu euch allen:

‚Kein Wesen verfehlt Bodhi
und keine Arhat-Frucht
aus Mangel an Bemühung,
sondern weil es
die Gast- und Staub-Verwirrungen
für sich selbst hält.‘

Sagt mir:
Wodurch habt ihr euch damals
geöffnet,
erwacht
und die Frucht erlangt?“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den entscheidenden Übergang von Erklärung zu direkter Rückfrage:
1. Rückbindung an die erste Lehrrede
Der Buddha verweist bewusst
auf den Anfang seiner Lehrtätigkeit.
Die Wahrheit war von Beginn an dieselbe.
2. „Gast“ und „Staub“ als Schlüsselbegriffe
• Gast (客): das Vorübergehende, Nicht-Eigene
• Staub (塵): das Verunreinigende, Verdeckende
Leiden entsteht,
weil das Vorübergehende
für das Eigene gehalten wird.
3. Nicht Praxisfehler, sondern Identifikationsfehler
Weder mangelnde Moral
noch fehlende Meditation
sind die Ursache des Verfehlens,
sondern falsche Identifikation.
4. Die entscheidende didaktische Wende
Der Buddha erklärt nun nicht weiter,
sondern fragt zurück.
Erkenntnis wird nicht mehr geliefert,
sondern erinnert.
5. Vorbereitung der eigentlichen Pointe
Die Antwort wird zeigen:
Erwachen geschieht nicht durch Hinzufügen,
sondern durch Durchschauen des Nicht-Eigenen.

Hier steht alles bereit.
Die Frage ist gestellt.
Im nächsten Abschnitt
wird sich zeigen,
was damals wie heute
den Durchbruch ermöglicht.
72 #
時憍陳那起立白佛:「我今長老,於大眾中獨得解名,因悟客塵二字成果。世尊!譬如行客投寄旅亭,或宿或食,[4]食宿事畢,俶裝前[*]途,不遑安住;若實主人,自無攸往。如是思惟:『不住名客,住名主人,以不住者名為客義。』又如新霽,清暘[5]昇天,光入隙中,發明空中諸有塵相;塵質搖動,虛空寂然。如是思惟:『澄寂名空,搖動名塵,以搖動者名為塵義。』」
佛言:「如是。」
Da erhob sich Kauṇḍinya
und sprach zum Buddha:

„Ich bin nun ein Ältester
und habe inmitten der Versammlung
als Einziger wirklich verstanden,
weil ich durch die Einsicht
in Gast und Staub
die Frucht erlangt habe.

Weltverehrter,
es ist wie mit einem Reisenden:
Er kehrt in einer Herberge ein,
ruht oder isst dort;
ist dies beendet,
packt er seine Sachen
und zieht weiter.
Er verweilt nicht.
Wäre er der Hausherr,
gäbe es keinen Ort,
den er aufsuchen müsste.

So erkannte ich:
Nicht-Verweilen ist Gast,
Verweilen ist Hausherr.
Was nicht bleibt,
nennt man Gast.

Ebenso ist es,
wenn der Himmel nach Regen aufklart:
Die Sonne steigt empor,
ihr Licht fällt durch einen Spalt
und macht im Raum
die feinen Staubteilchen sichtbar.
Der Staub bewegt sich,
der Raum bleibt still.

So erkannte ich:
Stille ist Raum,
Bewegung ist Staub.
Was sich bewegt,
nennt man Staub.“

Der Buddha sprach:
„So ist es.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die erste klare Bestätigung der richtigen Einsicht:
1. Gast und Hausherr – Nicht-Verweilen vs. Verweilen
Kauṇḍinya erkennt präzise:
Alles, was kommt und geht,
ist Gast.
Das, was bleibt,
ist der eigentliche Hausherr.
Damit ist die Grundverwechslung aufgelöst.
2. Staub und Raum – Bewegung vs. Stille
Staub wird nur sichtbar,
wenn Licht da ist;
doch seine Bewegung
gehört ihm selbst an.
Der Raum bleibt unberührt.
So ist auch das Verhältnis
von Erscheinung und ursprünglichem Grund.
3. Der ursprüngliche Grund als das Unbewegte
Der ursprüngliche Grund ist nicht das,
was denkt, fühlt oder reagiert.
Er ist die stille Gegenwart,
in der all das erscheint.
4. Warum nur einer spricht
Nicht viele reden zugleich.
Einsicht ist nicht demokratisch,
sondern still und eindeutig.
Der Buddha bestätigt sie
mit einem einzigen Wort.
5. „So ist es.“ – höchste Bestätigung
Kein Zusatz,
keine Erklärung.
Die Einsicht ist vollständig.

Hier wird zum ersten Mal klar ausgesprochen,
was das ganze Sutra vorbereitet hat:
->Der verwirrte Geist ist Gast.
Der ursprüngliche Grund ist Hausherr.

Ab hier kann der Buddha
die weitere Lehre
auf dieses klare Fundament stellen.
中文原文
時憍陳那起立白佛:「我今長老,於大眾中獨得解名,因悟客塵二字成果。世尊!譬如行客投寄旅亭,或宿或食,[4]食宿事畢,俶裝前[*]途,不遑安住;若實主人,自無攸往。如是思惟:『不住名客,住名主人,以不住者名為客義。』又如新霽,清暘[5]昇天,光入隙中,發明空中諸有塵相;塵質搖動,虛空寂然。如是思惟:『澄寂名空,搖動名塵,以搖動者名為塵義。』」
佛言:「如是。」
Deutsch
Da erhob sich Kauṇḍinya
und sprach zum Buddha:

„Ich bin nun ein Ältester
und habe inmitten der Versammlung
als Einziger wirklich verstanden,
weil ich durch die Einsicht
in Gast und Staub
die Frucht erlangt habe.

Weltverehrter,
es ist wie mit einem Reisenden:
Er kehrt in einer Herberge ein,
ruht oder isst dort;
ist dies beendet,
packt er seine Sachen
und zieht weiter.
Er verweilt nicht.
Wäre er der Hausherr,
gäbe es keinen Ort,
den er aufsuchen müsste.

So erkannte ich:
Nicht-Verweilen ist Gast,
Verweilen ist Hausherr.
Was nicht bleibt,
nennt man Gast.

Ebenso ist es,
wenn der Himmel nach Regen aufklart:
Die Sonne steigt empor,
ihr Licht fällt durch einen Spalt
und macht im Raum
die feinen Staubteilchen sichtbar.
Der Staub bewegt sich,
der Raum bleibt still.

So erkannte ich:
Stille ist Raum,
Bewegung ist Staub.
Was sich bewegt,
nennt man Staub.“

Der Buddha sprach:
„So ist es.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die erste klare Bestätigung der richtigen Einsicht:
1. Gast und Hausherr – Nicht-Verweilen vs. Verweilen
Kauṇḍinya erkennt präzise:
Alles, was kommt und geht,
ist Gast.
Das, was bleibt,
ist der eigentliche Hausherr.
Damit ist die Grundverwechslung aufgelöst.
2. Staub und Raum – Bewegung vs. Stille
Staub wird nur sichtbar,
wenn Licht da ist;
doch seine Bewegung
gehört ihm selbst an.
Der Raum bleibt unberührt.
So ist auch das Verhältnis
von Erscheinung und ursprünglichem Grund.
3. Der ursprüngliche Grund als das Unbewegte
Der ursprüngliche Grund ist nicht das,
was denkt, fühlt oder reagiert.
Er ist die stille Gegenwart,
in der all das erscheint.
4. Warum nur einer spricht
Nicht viele reden zugleich.
Einsicht ist nicht demokratisch,
sondern still und eindeutig.
Der Buddha bestätigt sie
mit einem einzigen Wort.
5. „So ist es.“ – höchste Bestätigung
Kein Zusatz,
keine Erklärung.
Die Einsicht ist vollständig.

Hier wird zum ersten Mal klar ausgesprochen,
was das ganze Sutra vorbereitet hat:
->Der verwirrte Geist ist Gast.
Der ursprüngliche Grund ist Hausherr.

Ab hier kann der Buddha
die weitere Lehre
auf dieses klare Fundament stellen.
73 #
即時如來於大眾中,屈五輪指,屈已復開、開已又屈,謂阿難言:「汝今何見?」
阿難言:「我見如來百寶輪掌,眾中開合。」
佛告阿難:「汝見我手眾中開合,為是我手有開有合?為復汝見有開有合?」
阿難言:「世尊寶手眾中開合,我見如來手自開合,非我見性[6]自開[*]自合。」
佛言:「誰動誰靜?」
阿難言:「佛手不住,而我見性尚無有靜,誰為無住!」
佛言:「如是。」
Der Buddha
beugte inmitten der Versammlung
seine fünf Finger,
öffnete sie,
schloss sie wieder
und fragte Ānanda:

„Was siehst du jetzt?“

Ānanda antwortete:
„Ich sehe,
wie der Erwachte
seine leuchtende Rad-Hand
in der Versammlung
öffnet und schließt.“

Der Buddha fragte:

„Wenn du das Öffnen und Schließen siehst –
öffnet und schließt sich meine Hand,
oder öffnet und schließt sich dein Sehen?“

Ānanda sagte:

„Weltverehrter,
die Hand des Buddha
öffnet und schließt sich.
Ich sehe,
dass die Hand sich bewegt.
Meine Seh-Natur
öffnet und schließt sich nicht.“

Der Buddha fragte:

„Wer bewegt sich,
und wer ist still?“

Ānanda antwortete:

„Die Hand des Buddha
ist nicht im Verweilen.
Doch meine Seh-Natur
ist jenseits von Stillstand und Bewegung.
Wer sollte da
als nicht verweilend gelten?“

Der Buddha sprach:

„So ist es.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der klare, nicht mehr widerlegbare Wendepunkt:
1. Bewegung wird vom Erkennen getrennt
Die Hand bewegt sich.
Das Sehen selbst bewegt sich nicht.
Damit ist Bewegung endgültig
als Objektphänomen erkannt.
2. Seh-Natur ist weder Bewegung noch Ruhe
Ānandas Antwort ist bemerkenswert reif:
Er sagt nicht,
dass die Seh-Natur „ruhig“ sei,
sondern dass sie
jenseits von Bewegung und Stillstand liegt.
3. Der Hausherr ist erkannt
Was nicht kommt und geht,
nicht öffnet und schließt,
nicht verweilt und nicht wandert –
das ist der ursprüngliche Grund.
Der Gast (Erscheinung)
ist klar unterschieden.
4. „So ist es.“ als Siegel
Der Buddha bestätigt nicht mit Lehre,
sondern mit Anerkennung.
Das zeigt:
Die Einsicht ist nicht mehr konzeptuell,
sondern gesehen.
5. Ende der Verwechslung
Hier fällt die letzte Identifikation:
Nicht der wechselnde Geist sieht,
sondern die unveränderliche Klarheit,
in der Wechsel erscheint.

Mit diesem Abschnitt
ist die zentrale Erkenntnis des ersten Bandes
vollständig etabliert:

Erscheinungen bewegen sich.
Das Sehen bewegt sich nicht.
Das Nicht-Bewegte ist der ursprüngliche Grund.

Alles Weitere
wird diese Einsicht vertiefen,
schützen
und in Praxis überführen.
中文原文
即時如來於大眾中,屈五輪指,屈已復開、開已又屈,謂阿難言:「汝今何見?」
阿難言:「我見如來百寶輪掌,眾中開合。」
佛告阿難:「汝見我手眾中開合,為是我手有開有合?為復汝見有開有合?」
阿難言:「世尊寶手眾中開合,我見如來手自開合,非我見性[6]自開[*]自合。」
佛言:「誰動誰靜?」
阿難言:「佛手不住,而我見性尚無有靜,誰為無住!」
佛言:「如是。」
Deutsch
Der Buddha
beugte inmitten der Versammlung
seine fünf Finger,
öffnete sie,
schloss sie wieder
und fragte Ānanda:

„Was siehst du jetzt?“

Ānanda antwortete:
„Ich sehe,
wie der Erwachte
seine leuchtende Rad-Hand
in der Versammlung
öffnet und schließt.“

Der Buddha fragte:

„Wenn du das Öffnen und Schließen siehst –
öffnet und schließt sich meine Hand,
oder öffnet und schließt sich dein Sehen?“

Ānanda sagte:

„Weltverehrter,
die Hand des Buddha
öffnet und schließt sich.
Ich sehe,
dass die Hand sich bewegt.
Meine Seh-Natur
öffnet und schließt sich nicht.“

Der Buddha fragte:

„Wer bewegt sich,
und wer ist still?“

Ānanda antwortete:

„Die Hand des Buddha
ist nicht im Verweilen.
Doch meine Seh-Natur
ist jenseits von Stillstand und Bewegung.
Wer sollte da
als nicht verweilend gelten?“

Der Buddha sprach:

„So ist es.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der klare, nicht mehr widerlegbare Wendepunkt:
1. Bewegung wird vom Erkennen getrennt
Die Hand bewegt sich.
Das Sehen selbst bewegt sich nicht.
Damit ist Bewegung endgültig
als Objektphänomen erkannt.
2. Seh-Natur ist weder Bewegung noch Ruhe
Ānandas Antwort ist bemerkenswert reif:
Er sagt nicht,
dass die Seh-Natur „ruhig“ sei,
sondern dass sie
jenseits von Bewegung und Stillstand liegt.
3. Der Hausherr ist erkannt
Was nicht kommt und geht,
nicht öffnet und schließt,
nicht verweilt und nicht wandert –
das ist der ursprüngliche Grund.
Der Gast (Erscheinung)
ist klar unterschieden.
4. „So ist es.“ als Siegel
Der Buddha bestätigt nicht mit Lehre,
sondern mit Anerkennung.
Das zeigt:
Die Einsicht ist nicht mehr konzeptuell,
sondern gesehen.
5. Ende der Verwechslung
Hier fällt die letzte Identifikation:
Nicht der wechselnde Geist sieht,
sondern die unveränderliche Klarheit,
in der Wechsel erscheint.

Mit diesem Abschnitt
ist die zentrale Erkenntnis des ersten Bandes
vollständig etabliert:

Erscheinungen bewegen sich.
Das Sehen bewegt sich nicht.
Das Nicht-Bewegte ist der ursprüngliche Grund.

Alles Weitere
wird diese Einsicht vertiefen,
schützen
und in Praxis überführen.
74 #
如來於是從輪掌中,飛一寶光在阿難右,即時阿難迴首右[7];又放一光在阿難左,阿難又則迴首左[*]。佛告阿難:「汝頭今日[8]何因搖動?」
阿難言:「我見如來出妙寶光來我左右,故左右觀,頭自搖動。」
「阿難!汝[*]佛光左右動頭,為汝頭動?為復見動?」
「世尊!我頭自動,而我見性尚無有止,誰為搖動!」
佛言:「如是。」
Der Buddha
ließ aus seiner Rad-Hand
einen kostbaren Lichtstrahl erscheinen,
der rechts von Ānanda aufleuchtete.
Ānanda wandte sofort
den Kopf nach rechts.

Dann ließ der Buddha
einen Lichtstrahl links erscheinen.
Ānanda wandte
den Kopf nach links.

Der Buddha fragte:

„Warum bewegt sich dein Kopf?“

Ānanda antwortete:

„Ich sehe,
wie der Erwachte
wunderbares Licht
zu meiner Rechten und Linken aussendet.
Darum blicke ich nach rechts und links,
und mein Kopf bewegt sich.“

Der Buddha fragte weiter:

„Wenn du wegen des Lichts
den Kopf bewegst –
bewegt sich dein Kopf,
oder bewegt sich dein Sehen?“

Ānanda antwortete:

„Mein Kopf bewegt sich.
Doch meine Seh-Natur
kennt kein Stillstehen
und kein Bewegen.
Wer sollte da
als bewegt gelten?“

Der Buddha sprach:

„So ist es.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vertieft und vollendet die zuvor gewonnene Einsicht:
1. Bewegung wird eindeutig lokalisiert
Nicht nur die Hand,
sondern nun auch der eigene Körper
wird als bewegt erkannt.
Bewegung gehört zur Erscheinung,
nicht zum Erkennen.
2. Seh-Natur bleibt unverändert
Ob rechts oder links,
ob Kopfbewegung oder Stillstand –
das Sehen selbst
bleibt unberührt.
3. Nicht „ruhig“, sondern unbeweglich
Wichtig ist die Präzision:
Die Seh-Natur ist nicht „ruhig“
im Gegensatz zur Bewegung,
sondern jenseits von Bewegung und Stillstand.
4. Verlagerung der Identität
Ānanda identifiziert sich nun
nicht mehr mit dem Körper
und nicht mehr mit dem wechselnden Geist,
sondern mit dem,
was alle Wechsel sieht.
5. Das Siegel des Buddha
Das erneute „So ist es“
bestätigt:
Die Einsicht ist stabil.
Sie ist nicht mehr logisch erschlossen,
sondern direkt erkannt.

Mit diesem Abschnitt
ist der Kern der Lehre
unerschütterlich etabliert:

Der Körper bewegt sich.
Erscheinungen wechseln.
Das Sehen bleibt.
Das Bleibende ist der ursprüngliche Grund.

Alles Folgende
wird diese Einsicht
vor Verwechslung schützen
und in gelebte Praxis überführen.
中文原文
如來於是從輪掌中,飛一寶光在阿難右,即時阿難迴首右[7];又放一光在阿難左,阿難又則迴首左[*]。佛告阿難:「汝頭今日[8]何因搖動?」
阿難言:「我見如來出妙寶光來我左右,故左右觀,頭自搖動。」
「阿難!汝[*]佛光左右動頭,為汝頭動?為復見動?」
「世尊!我頭自動,而我見性尚無有止,誰為搖動!」
佛言:「如是。」
Deutsch
Der Buddha
ließ aus seiner Rad-Hand
einen kostbaren Lichtstrahl erscheinen,
der rechts von Ānanda aufleuchtete.
Ānanda wandte sofort
den Kopf nach rechts.

Dann ließ der Buddha
einen Lichtstrahl links erscheinen.
Ānanda wandte
den Kopf nach links.

Der Buddha fragte:

„Warum bewegt sich dein Kopf?“

Ānanda antwortete:

„Ich sehe,
wie der Erwachte
wunderbares Licht
zu meiner Rechten und Linken aussendet.
Darum blicke ich nach rechts und links,
und mein Kopf bewegt sich.“

Der Buddha fragte weiter:

„Wenn du wegen des Lichts
den Kopf bewegst –
bewegt sich dein Kopf,
oder bewegt sich dein Sehen?“

Ānanda antwortete:

„Mein Kopf bewegt sich.
Doch meine Seh-Natur
kennt kein Stillstehen
und kein Bewegen.
Wer sollte da
als bewegt gelten?“

Der Buddha sprach:

„So ist es.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vertieft und vollendet die zuvor gewonnene Einsicht:
1. Bewegung wird eindeutig lokalisiert
Nicht nur die Hand,
sondern nun auch der eigene Körper
wird als bewegt erkannt.
Bewegung gehört zur Erscheinung,
nicht zum Erkennen.
2. Seh-Natur bleibt unverändert
Ob rechts oder links,
ob Kopfbewegung oder Stillstand –
das Sehen selbst
bleibt unberührt.
3. Nicht „ruhig“, sondern unbeweglich
Wichtig ist die Präzision:
Die Seh-Natur ist nicht „ruhig“
im Gegensatz zur Bewegung,
sondern jenseits von Bewegung und Stillstand.
4. Verlagerung der Identität
Ānanda identifiziert sich nun
nicht mehr mit dem Körper
und nicht mehr mit dem wechselnden Geist,
sondern mit dem,
was alle Wechsel sieht.
5. Das Siegel des Buddha
Das erneute „So ist es“
bestätigt:
Die Einsicht ist stabil.
Sie ist nicht mehr logisch erschlossen,
sondern direkt erkannt.

Mit diesem Abschnitt
ist der Kern der Lehre
unerschütterlich etabliert:

Der Körper bewegt sich.
Erscheinungen wechseln.
Das Sehen bleibt.
Das Bleibende ist der ursprüngliche Grund.

Alles Folgende
wird diese Einsicht
vor Verwechslung schützen
und in gelebte Praxis überführen.
75 #
於是如來普告大眾:「若復眾生,以搖動者名之為塵,以不住者名之為客;汝觀阿難頭自動搖,[A3]見無所動。又汝觀我手自開合,見無舒卷。云何汝今以動為身?以動為境?從始洎終念念生滅遺失真性,顛倒行事,性心失真,認物為己;輪迴是中,自取流轉!」
大佛[1]頂萬行首楞嚴經卷第一
Da sprach der Buddha
zu allen Anwesenden:

„Wenn ihr
das Bewegte Staub nennt
und das Nicht-Verweilende Gast,
dann schaut genau hin:

Ānandas Kopf bewegt sich –
doch das Sehen bewegt sich nicht.

Meine Hand öffnet und schließt sich –
doch das Sehen
kennt kein Öffnen und kein Schließen.

Warum also
haltet ihr das Bewegte
für euren Körper
und das Bewegte
für eure Welt?

Vom Anfang bis zum Ende
entstehen und vergehen Gedanken
Augenblick für Augenblick.
So geht die wahre Natur verloren.

Aus verkehrter Übung
verliert ihr die Klarheit
des ursprünglichen Grundes aus dem Blick;
ihr haltet Erscheinungen
für euch selbst
und geratet dadurch
in den Kreislauf.

In diesem Kreislauf
seid ihr es selbst,
die das Umherwandern
immer neu ergreifen.“
Kommentar öffnen
Dieser Schlussabschnitt ist das präzise Siegel von 卷第一:
1. Gast und Staub werden endgültig verankert
• Staub = das Bewegte, Vergängliche
• Gast = das Nicht-Verweilende, Nicht-Eigene
Damit ist die Grundunterscheidung nicht mehr theoretisch,
sondern direkt gesehen.
2. Die zentrale Einsicht wird universell gemacht
Was zuvor an Ānanda demonstriert wurde,
gilt nun für alle Wesen.
Das Sutra wechselt von Dialog
zu universaler Ansprache.
3. Der Kernirrtum wird klar benannt
Der Irrtum besteht nicht darin,
dass Bewegung existiert,
sondern dass sie
für Selbst gehalten wird.
->Mit Bewegung identifizieren = Samsara.
4. Gedankenstrom als Verlustmechanismus
Nicht einzelne Gedanken sind das Problem,
sondern das fortlaufende Verwechseln
von Entstehen/Vergehen
mit Identität.
5. Keine äußere Schuld
Der Buddha macht unmissverständlich klar:
Niemand wird in Samsara „geworfen“.
Das Umherwandern wird
selbst ergriffen
– durch fortgesetzte Verkennung.
6. Der ursprüngliche Grund ist nie zerstört
Er wird „verloren“
nur im Sinn von übersehen.
Genau deshalb kann er
auch jederzeit wiedererkannt werden.



Abschluss von 卷第一

**Bewegung ist nicht Selbst.
Wahrnehmung ist nicht Selbst.
Gedanken sind nicht Selbst.

Das, was all dies sieht
und sich nicht bewegt –
das ist der ursprüngliche Grund.**

Mit diesem Punkt
ist die Grundlage gelegt.
Alles Folgende im Śūraṅgama-Sutra
wird nur noch eines tun:

-> diese Einsicht schützen, vertiefen
und in Praxis überführen.
中文原文
於是如來普告大眾:「若復眾生,以搖動者名之為塵,以不住者名之為客;汝觀阿難頭自動搖,[A3]見無所動。又汝觀我手自開合,見無舒卷。云何汝今以動為身?以動為境?從始洎終念念生滅遺失真性,顛倒行事,性心失真,認物為己;輪迴是中,自取流轉!」
大佛[1]頂萬行首楞嚴經卷第一
Deutsch
Da sprach der Buddha
zu allen Anwesenden:

„Wenn ihr
das Bewegte Staub nennt
und das Nicht-Verweilende Gast,
dann schaut genau hin:

Ānandas Kopf bewegt sich –
doch das Sehen bewegt sich nicht.

Meine Hand öffnet und schließt sich –
doch das Sehen
kennt kein Öffnen und kein Schließen.

Warum also
haltet ihr das Bewegte
für euren Körper
und das Bewegte
für eure Welt?

Vom Anfang bis zum Ende
entstehen und vergehen Gedanken
Augenblick für Augenblick.
So geht die wahre Natur verloren.

Aus verkehrter Übung
verliert ihr die Klarheit
des ursprünglichen Grundes aus dem Blick;
ihr haltet Erscheinungen
für euch selbst
und geratet dadurch
in den Kreislauf.

In diesem Kreislauf
seid ihr es selbst,
die das Umherwandern
immer neu ergreifen.“
Kommentar
Dieser Schlussabschnitt ist das präzise Siegel von 卷第一:
1. Gast und Staub werden endgültig verankert
• Staub = das Bewegte, Vergängliche
• Gast = das Nicht-Verweilende, Nicht-Eigene
Damit ist die Grundunterscheidung nicht mehr theoretisch,
sondern direkt gesehen.
2. Die zentrale Einsicht wird universell gemacht
Was zuvor an Ānanda demonstriert wurde,
gilt nun für alle Wesen.
Das Sutra wechselt von Dialog
zu universaler Ansprache.
3. Der Kernirrtum wird klar benannt
Der Irrtum besteht nicht darin,
dass Bewegung existiert,
sondern dass sie
für Selbst gehalten wird.
->Mit Bewegung identifizieren = Samsara.
4. Gedankenstrom als Verlustmechanismus
Nicht einzelne Gedanken sind das Problem,
sondern das fortlaufende Verwechseln
von Entstehen/Vergehen
mit Identität.
5. Keine äußere Schuld
Der Buddha macht unmissverständlich klar:
Niemand wird in Samsara „geworfen“.
Das Umherwandern wird
selbst ergriffen
– durch fortgesetzte Verkennung.
6. Der ursprüngliche Grund ist nie zerstört
Er wird „verloren“
nur im Sinn von übersehen.
Genau deshalb kann er
auch jederzeit wiedererkannt werden.



Abschluss von 卷第一

**Bewegung ist nicht Selbst.
Wahrnehmung ist nicht Selbst.
Gedanken sind nicht Selbst.

Das, was all dies sieht
und sich nicht bewegt –
das ist der ursprüngliche Grund.**

Mit diesem Punkt
ist die Grundlage gelegt.
Alles Folgende im Śūraṅgama-Sutra
wird nur noch eines tun:

-> diese Einsicht schützen, vertiefen
und in Praxis überführen.
76 #
爾時,阿難及諸大眾聞佛示誨,身心泰然。念無始來失却本心,妄認緣塵分別影事,今日開悟,如失乳兒忽遇慈母。合掌禮佛,願聞如來顯出身心真妄虛實,現前生滅與不生滅二發明性。
Zu jener Zeit
hörten Ānanda und die große Versammlung
die Unterweisung des Buddha.

Körper und Geist
kamen zur Ruhe.

Ānanda erkannte:
Seit anfangsloser Zeit
hatte er das Ursprüngliche verloren
und stattdessen
äußere Bedingungen,
staubhafte Erscheinungen
und die bloßen Schatten des Unterscheidens
für sich selbst gehalten.

Nun öffnete sich Einsicht –
wie bei einem Säugling,
der die Mutter verloren glaubte
und ihr plötzlich wieder begegnet.

Er faltete die Hände,
verneigte sich vor dem Buddha
und bat aus tiefstem Herzen:

Möge der Tathāgata
das Wahre und das Falsche
von Körper und Geist offenbaren,
das Gegenwärtige von Entstehen und Vergehen
und das Nicht-Geborene jenseits von Werden –
damit beide Naturen
klar erkannt werden.
Kommentar öffnen
Dieser kurze Abschnitt ist der eigentliche Auftakt der Rolle 2 und markiert einen tiefen inneren Umschlag:

1. „Körper und Geist wurden ruhig“

Dies ist kein meditativer Zustand im technischen Sinn,
sondern das Nachlassen der inneren Abwehr.
Erst wenn der Geist nicht mehr argumentiert,
kann der ursprüngliche Grund gehört werden.

2. Verlust des ursprünglichen Grundes als Grundirrtum

„失却本心“ bezeichnet keinen moralischen Fehler,
sondern eine ontologische Verwechslung:
Das Ursprüngliche wurde übergangen,
während das Bedingte
für Identität gehalten wurde.

Wichtig:
• 不是没有本心
• sondern: nicht erkannt

3. „Schatten des Unterscheidens“

„分別影事“ ist zentral:
Der Geist hält nicht einmal reale Dinge fest,
sondern Schatten von Schatten –
Abbilder mentaler Reaktionen
auf bedingte Erscheinungen.

Hier liegt die Wurzel
aller späteren Widerlegungen des Sutras.

4. Das Gleichnis vom verlorenen Säugling

Dieses Bild ist nicht sentimental,
sondern präzise:
• der ursprüngliche Grund war nie verloren
• aber die Beziehung war unterbrochen
• Wiedererkennen geschieht plötzlich,
nicht schrittweise

Erwachen ist Erinnern, nicht Erwerben.

5. Die zwei Naturen als Leitmotiv der Rolle 2

Mit der Bitte um Offenbarung von
• 生滅 (Entstehen und Vergehen)
• 不生滅 (Nicht-Entstehen, Nicht-Vergehen)
中文原文
爾時,阿難及諸大眾聞佛示誨,身心泰然。念無始來失却本心,妄認緣塵分別影事,今日開悟,如失乳兒忽遇慈母。合掌禮佛,願聞如來顯出身心真妄虛實,現前生滅與不生滅二發明性。
Deutsch
Zu jener Zeit
hörten Ānanda und die große Versammlung
die Unterweisung des Buddha.

Körper und Geist
kamen zur Ruhe.

Ānanda erkannte:
Seit anfangsloser Zeit
hatte er das Ursprüngliche verloren
und stattdessen
äußere Bedingungen,
staubhafte Erscheinungen
und die bloßen Schatten des Unterscheidens
für sich selbst gehalten.

Nun öffnete sich Einsicht –
wie bei einem Säugling,
der die Mutter verloren glaubte
und ihr plötzlich wieder begegnet.

Er faltete die Hände,
verneigte sich vor dem Buddha
und bat aus tiefstem Herzen:

Möge der Tathāgata
das Wahre und das Falsche
von Körper und Geist offenbaren,
das Gegenwärtige von Entstehen und Vergehen
und das Nicht-Geborene jenseits von Werden –
damit beide Naturen
klar erkannt werden.
Kommentar
Dieser kurze Abschnitt ist der eigentliche Auftakt der Rolle 2 und markiert einen tiefen inneren Umschlag:

1. „Körper und Geist wurden ruhig“

Dies ist kein meditativer Zustand im technischen Sinn,
sondern das Nachlassen der inneren Abwehr.
Erst wenn der Geist nicht mehr argumentiert,
kann der ursprüngliche Grund gehört werden.

2. Verlust des ursprünglichen Grundes als Grundirrtum

„失却本心“ bezeichnet keinen moralischen Fehler,
sondern eine ontologische Verwechslung:
Das Ursprüngliche wurde übergangen,
während das Bedingte
für Identität gehalten wurde.

Wichtig:
• 不是没有本心
• sondern: nicht erkannt

3. „Schatten des Unterscheidens“

„分別影事“ ist zentral:
Der Geist hält nicht einmal reale Dinge fest,
sondern Schatten von Schatten –
Abbilder mentaler Reaktionen
auf bedingte Erscheinungen.

Hier liegt die Wurzel
aller späteren Widerlegungen des Sutras.

4. Das Gleichnis vom verlorenen Säugling

Dieses Bild ist nicht sentimental,
sondern präzise:
• der ursprüngliche Grund war nie verloren
• aber die Beziehung war unterbrochen
• Wiedererkennen geschieht plötzlich,
nicht schrittweise

Erwachen ist Erinnern, nicht Erwerben.

5. Die zwei Naturen als Leitmotiv der Rolle 2

Mit der Bitte um Offenbarung von
• 生滅 (Entstehen und Vergehen)
• 不生滅 (Nicht-Entstehen, Nicht-Vergehen)
77 #
5]波斯匿王起立白佛:「我昔未承諸佛誨勅,見迦旃延、毘羅胝子,咸言:『此身死後斷滅,名為涅槃。』我雖值佛,今猶狐疑。云何發揮,證知此心不生滅地?[A1]今此大眾諸有漏者,咸皆願聞。」
Da erhob sich König Prasenajit,
trat vor den Buddha
und sprach:

„Früher,
bevor ich die Weisung der Buddhas empfing,
hörte ich Kātyāyana
und Virāṭiputra lehren:
‚Nach dem Tod dieses Körpers
ist alles ausgelöscht;
dies nennt man Nirvāṇa.‘

Obwohl ich dem Buddha begegnet bin,
ist dieser Zweifel in mir
noch nicht vollständig geklärt.

Wie kann dies entfaltet und erhellt werden,
damit zweifelsfrei erkannt wird,
dass dieses Herz
eine Wirklichkeit jenseits von Entstehen und Vergehen ist?

Nun wünscht auch
die gesamte Versammlung hier,
alle noch mit Ausflüssen Behafteten,
diese Klärung zu hören.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert einen entscheidenden Wendepunkt in Rolle 2.
Zum ersten Mal tritt eine explizite nihilistische Position offen hervor.

1. Die Begegnung mit dem Vernichtungsdenken

Die genannten Lehrer – Kātyāyana und Vairāṭī-putra – stehen hier exemplarisch für Strömungen, die man als Ucchedavāda (Vernichtungslehre) bezeichnen kann:

Nach dem Tod ist alles aus.
Das ist Nirvāṇa.

Das ist keine primitive Ansicht, sondern eine philosophische Position:
Sie identifiziert Erlöschen mit Nicht-Existenz.

Das Problem:
Hier wird Nirvāṇa mit ontologischer Auslöschung verwechselt.



2. Die innere Spannung des Königs

Prasenajit sagt etwas sehr Ehrliches:

„Ich begegne dem Buddha – und zweifle dennoch.“

Das ist bedeutsam.
Begegnung mit Wahrheit ersetzt nicht automatisch innere Überzeugung.

Hier spricht kein Gegner, sondern ein Suchender,
der zwischen zwei Weltdeutungen steht:
• Materialistische Vernichtung
• Lehre vom Nicht-Entstehen und Nicht-Vergehen

Das ist auch eine moderne Spannung:
• Naturalistischer Reduktionismus
• Bewusstseinsphilosophien, die Geist nicht auf Materie reduzieren



3. „證知此心不生滅地“

Der entscheidende Satz:

„Beweise und erkenne, dass dieser Geist
ein Bereich ist, der nicht entsteht und nicht vergeht.“

Mehrere Ebenen sind hier wichtig:
• 證 (pratyakṣa-sākṣātkāra) → existentielles Verifizieren, nicht bloß logisches Argument.
• 知 → unmittelbares Erkennen.
• 不生滅 → nicht-geboren, nicht-vernichtet.
• 地 → „Bereich“, „Grund“, „Ebene“.

Es geht also nicht um Metaphysik,
sondern um eine erfahrbare Dimension des Geistes,
die jenseits von Entstehen und Vergehen liegt.

Nicht:
„Gibt es eine Seele?“
Sondern:
„Gibt es im Erfahren selbst etwas Ungewordenes?“



4. 有漏 – Die Versammlung der „Leckenden“

有漏 (sāsrava) bezeichnet Wesen, deren Bewusstsein noch von Ausflüssen durchströmt ist:
• Gier
• Verblendung
• karmische Konditionierung

Das Wort āsrava bedeutet wörtlich „Ausfließen“, „Durchsickern“.

Das impliziert:

Das Problem ist nicht Sterblichkeit,
sondern Durchlässigkeit für Täuschung.



5. Moderne Parallele

In heutiger Sprache lautet die Frage:

Ist Bewusstsein nur ein neuronales Nebenprodukt,
das mit dem Gehirn endet?

Oder gibt es eine nicht-entstehende Dimension des Gewahrseins?

Das Shurangama-Sutra wird nun nicht argumentieren,
dass ein „Selbst“ weiterlebt.

Stattdessen wird es zeigen:

Was du für vergänglich hältst,
ist nicht der eigentliche Träger der Erfahrung.

Und was nicht vergeht,
ist nicht ein Objekt.



6. Dramatische Funktion im Sutra

Dieser Abschnitt bereitet vor:
• Die Untersuchung von Sehen und Wahrnehmen
• Die Unterscheidung von Bewusstsein und Sinnesfunktion
• Die radikale Dekonstruktion von Geburt und Tod

Der König stellt die Frage,
die implizit in allen vorherigen Diskussionen lag:

Ist Nirvāṇa Auslöschung –
oder das Erkennen des Nicht-Entstehenden?

Damit beginnt einer der zentralsten Argumentationsgänge des gesamten Sutras.
中文原文
5]波斯匿王起立白佛:「我昔未承諸佛誨勅,見迦旃延、毘羅胝子,咸言:『此身死後斷滅,名為涅槃。』我雖值佛,今猶狐疑。云何發揮,證知此心不生滅地?[A1]今此大眾諸有漏者,咸皆願聞。」
Deutsch
Da erhob sich König Prasenajit,
trat vor den Buddha
und sprach:

„Früher,
bevor ich die Weisung der Buddhas empfing,
hörte ich Kātyāyana
und Virāṭiputra lehren:
‚Nach dem Tod dieses Körpers
ist alles ausgelöscht;
dies nennt man Nirvāṇa.‘

Obwohl ich dem Buddha begegnet bin,
ist dieser Zweifel in mir
noch nicht vollständig geklärt.

Wie kann dies entfaltet und erhellt werden,
damit zweifelsfrei erkannt wird,
dass dieses Herz
eine Wirklichkeit jenseits von Entstehen und Vergehen ist?

Nun wünscht auch
die gesamte Versammlung hier,
alle noch mit Ausflüssen Behafteten,
diese Klärung zu hören.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert einen entscheidenden Wendepunkt in Rolle 2.
Zum ersten Mal tritt eine explizite nihilistische Position offen hervor.

1. Die Begegnung mit dem Vernichtungsdenken

Die genannten Lehrer – Kātyāyana und Vairāṭī-putra – stehen hier exemplarisch für Strömungen, die man als Ucchedavāda (Vernichtungslehre) bezeichnen kann:

Nach dem Tod ist alles aus.
Das ist Nirvāṇa.

Das ist keine primitive Ansicht, sondern eine philosophische Position:
Sie identifiziert Erlöschen mit Nicht-Existenz.

Das Problem:
Hier wird Nirvāṇa mit ontologischer Auslöschung verwechselt.



2. Die innere Spannung des Königs

Prasenajit sagt etwas sehr Ehrliches:

„Ich begegne dem Buddha – und zweifle dennoch.“

Das ist bedeutsam.
Begegnung mit Wahrheit ersetzt nicht automatisch innere Überzeugung.

Hier spricht kein Gegner, sondern ein Suchender,
der zwischen zwei Weltdeutungen steht:
• Materialistische Vernichtung
• Lehre vom Nicht-Entstehen und Nicht-Vergehen

Das ist auch eine moderne Spannung:
• Naturalistischer Reduktionismus
• Bewusstseinsphilosophien, die Geist nicht auf Materie reduzieren



3. „證知此心不生滅地“

Der entscheidende Satz:

„Beweise und erkenne, dass dieser Geist
ein Bereich ist, der nicht entsteht und nicht vergeht.“

Mehrere Ebenen sind hier wichtig:
• 證 (pratyakṣa-sākṣātkāra) → existentielles Verifizieren, nicht bloß logisches Argument.
• 知 → unmittelbares Erkennen.
• 不生滅 → nicht-geboren, nicht-vernichtet.
• 地 → „Bereich“, „Grund“, „Ebene“.

Es geht also nicht um Metaphysik,
sondern um eine erfahrbare Dimension des Geistes,
die jenseits von Entstehen und Vergehen liegt.

Nicht:
„Gibt es eine Seele?“
Sondern:
„Gibt es im Erfahren selbst etwas Ungewordenes?“



4. 有漏 – Die Versammlung der „Leckenden“

有漏 (sāsrava) bezeichnet Wesen, deren Bewusstsein noch von Ausflüssen durchströmt ist:
• Gier
• Verblendung
• karmische Konditionierung

Das Wort āsrava bedeutet wörtlich „Ausfließen“, „Durchsickern“.

Das impliziert:

Das Problem ist nicht Sterblichkeit,
sondern Durchlässigkeit für Täuschung.



5. Moderne Parallele

In heutiger Sprache lautet die Frage:

Ist Bewusstsein nur ein neuronales Nebenprodukt,
das mit dem Gehirn endet?

Oder gibt es eine nicht-entstehende Dimension des Gewahrseins?

Das Shurangama-Sutra wird nun nicht argumentieren,
dass ein „Selbst“ weiterlebt.

Stattdessen wird es zeigen:

Was du für vergänglich hältst,
ist nicht der eigentliche Träger der Erfahrung.

Und was nicht vergeht,
ist nicht ein Objekt.



6. Dramatische Funktion im Sutra

Dieser Abschnitt bereitet vor:
• Die Untersuchung von Sehen und Wahrnehmen
• Die Unterscheidung von Bewusstsein und Sinnesfunktion
• Die radikale Dekonstruktion von Geburt und Tod

Der König stellt die Frage,
die implizit in allen vorherigen Diskussionen lag:

Ist Nirvāṇa Auslöschung –
oder das Erkennen des Nicht-Entstehenden?

Damit beginnt einer der zentralsten Argumentationsgänge des gesamten Sutras.
78 #
佛告大王:「汝身現[6]存,今復問汝:汝此肉身為同金剛常住不朽?為復變壞?」
「世尊!我今此身終從變滅。」
佛言:「大王!汝未曾滅,云何知滅?」
「世尊!我此無常變壞之身雖未曾滅,我觀現前念念遷謝,新新不住;如火成灰,漸漸銷殞,殞亡不息,決知此身當從滅盡。」
Der Buddha sprach zum König:

„Dein Körper ist jetzt noch da.
Sag mir:
Ist dieser fleischliche Körper
vajragleich –
unvergänglich, unverletzbar?
Oder ist er dem Wandel unterworfen?“

Der König antwortete:
„Weltverehrter,
dieser mein Körper
wird gewiss vergehen.“

Der Buddha sprach:
„Großer König,
du bist noch nicht vergangen.
Wie weißt du also vom Vergehen?“

Der König antwortete:

„Weltverehrter,
dieser Körper ist unbeständig
und im Wandel begriffen.
Auch wenn er noch nicht vergangen ist,
sehe ich im unmittelbaren Erleben,
wie jeder Augenblick weicht,
wie nichts bleibt,
wie alles sich ständig erneuert.

Wie Feuer zu Asche wird,
schwindet er unaufhörlich.
Darum weiß ich gewiss:
Dieser Körper
wird vollständig vergehen.“
Kommentar öffnen
Dieser Dialog ist der präzise Auftakt zur Unterscheidung von Körper, Geist und ursprünglichem Grund.

1. Die Vajra-Frage – Ontologie statt Trost

Der Buddha fragt nicht:
„Glaubst du an Vergänglichkeit?“
sondern:
👉 Was für eine Art von Sein ist dein Körper?

Vajra steht für:
• Unzerstörbarkeit
• Unveränderlichkeit
• Bedingungslosigkeit

Der Körper fällt sofort durch.

2. Der entscheidende Einwand des Buddha

„Du bist noch nicht vergangen – woher weißt du vom Vergehen?“

Das ist kein rhetorischer Trick,
sondern ein epistemologischer Hebel:

Erkenntnis von Wandel
setzt einen Standpunkt voraus,
der nicht selbst im Wandel untergeht.

3. Der König argumentiert korrekt – aber unvollständig

Prasenajit verweist auf:
• Momenthaftigkeit
• ständiges Vergehen
• Vergleich mit Feuer → Asche

Das ist exakte buddhistische Analyse
(nahe an Abhidharma).

Und doch:
👉 Sie erklärt dass etwas vergeht,
nicht wer es erkennt.

4. Implizite Vorbereitung des ursprünglichen Grundes

Ohne es zu wissen,
liefert der König selbst das Argument
für den ursprünglichen Grund:

Wenn alles,
was beobachtet wird,
vergeht –
dann kann das,
was dieses Vergehen erkennt,
nicht identisch mit dem Vergehenden sein.

Der Buddha wird diesen Punkt
nun unaufhaltsam freilegen.

5. Übergang zur Kernlehre der Rolle 2

Ab hier verschiebt sich die Frage:
• nicht mehr: Was vergeht?
• sondern: Was weiß vom Vergehen?

Damit ist der Boden bereitet
für die Offenlegung
des nicht-geburtlichen, nicht-vergehenden, ursprünglichen Grundes.
中文原文
佛告大王:「汝身現[6]存,今復問汝:汝此肉身為同金剛常住不朽?為復變壞?」
「世尊!我今此身終從變滅。」
佛言:「大王!汝未曾滅,云何知滅?」
「世尊!我此無常變壞之身雖未曾滅,我觀現前念念遷謝,新新不住;如火成灰,漸漸銷殞,殞亡不息,決知此身當從滅盡。」
Deutsch
Der Buddha sprach zum König:

„Dein Körper ist jetzt noch da.
Sag mir:
Ist dieser fleischliche Körper
vajragleich –
unvergänglich, unverletzbar?
Oder ist er dem Wandel unterworfen?“

Der König antwortete:
„Weltverehrter,
dieser mein Körper
wird gewiss vergehen.“

Der Buddha sprach:
„Großer König,
du bist noch nicht vergangen.
Wie weißt du also vom Vergehen?“

Der König antwortete:

„Weltverehrter,
dieser Körper ist unbeständig
und im Wandel begriffen.
Auch wenn er noch nicht vergangen ist,
sehe ich im unmittelbaren Erleben,
wie jeder Augenblick weicht,
wie nichts bleibt,
wie alles sich ständig erneuert.

Wie Feuer zu Asche wird,
schwindet er unaufhörlich.
Darum weiß ich gewiss:
Dieser Körper
wird vollständig vergehen.“
Kommentar
Dieser Dialog ist der präzise Auftakt zur Unterscheidung von Körper, Geist und ursprünglichem Grund.

1. Die Vajra-Frage – Ontologie statt Trost

Der Buddha fragt nicht:
„Glaubst du an Vergänglichkeit?“
sondern:
👉 Was für eine Art von Sein ist dein Körper?

Vajra steht für:
• Unzerstörbarkeit
• Unveränderlichkeit
• Bedingungslosigkeit

Der Körper fällt sofort durch.

2. Der entscheidende Einwand des Buddha

„Du bist noch nicht vergangen – woher weißt du vom Vergehen?“

Das ist kein rhetorischer Trick,
sondern ein epistemologischer Hebel:

Erkenntnis von Wandel
setzt einen Standpunkt voraus,
der nicht selbst im Wandel untergeht.

3. Der König argumentiert korrekt – aber unvollständig

Prasenajit verweist auf:
• Momenthaftigkeit
• ständiges Vergehen
• Vergleich mit Feuer → Asche

Das ist exakte buddhistische Analyse
(nahe an Abhidharma).

Und doch:
👉 Sie erklärt dass etwas vergeht,
nicht wer es erkennt.

4. Implizite Vorbereitung des ursprünglichen Grundes

Ohne es zu wissen,
liefert der König selbst das Argument
für den ursprünglichen Grund:

Wenn alles,
was beobachtet wird,
vergeht –
dann kann das,
was dieses Vergehen erkennt,
nicht identisch mit dem Vergehenden sein.

Der Buddha wird diesen Punkt
nun unaufhaltsam freilegen.

5. Übergang zur Kernlehre der Rolle 2

Ab hier verschiebt sich die Frage:
• nicht mehr: Was vergeht?
• sondern: Was weiß vom Vergehen?

Damit ist der Boden bereitet
für die Offenlegung
des nicht-geburtlichen, nicht-vergehenden, ursprünglichen Grundes.
79 #
佛言:「如是,大王!汝今生齡已從衰老,顏貌何如童子之時?」
「世尊!我昔孩孺,膚腠潤澤,年至長成血氣充滿,而今頹齡迫於衰耄,形色枯悴,精神昏昧,髮白面皺,逮將不久,如何見比充盛之時!」
Der Buddha sprach:

„So ist es, großer König.
Dein jetziges Leben
ist bereits vom Altern berührt.
Wie ist dein heutiges Erscheinungsbild
im Vergleich zu deiner Kindheit?“

Der König antwortete:

„Weltverehrter,
als ich ein Kind war,
war Haut und Fleisch frisch und lebendig.
In den Jahren der Reife
waren Kraft und Blut in Fülle.
Jetzt aber
drängt mich das Alter zum Verfall:
Gestalt und Farbe sind vertrocknet,
die Lebenskraft ist getrübt,
das Haar ist weiß,
das Gesicht gefurcht.
Der Tod ist nicht mehr fern.
Wie könnte dies
mit der Fülle früherer Zeiten
verglichen werden?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine radikale Vergegenwärtigung der Vergänglichkeit – nicht abstrakt, sondern existenziell.

1. Der Buddha zwingt zur leiblichen Evidenz

Der Buddha argumentiert nicht mit Lehre,
sondern mit gelebter Erfahrung:
Der Körper selbst wird zum Beweis.

Vergänglichkeit wird nicht erklärt,
sondern gesehen.

2. Altern als Prozess, nicht als Ereignis

Wichtig ist die Struktur:
• Kindheit → Reife → Alter → Tod
nicht als Sprung,
sondern als kontinuierlicher Verfall.

Das stützt die spätere Argumentation:
👉 Was kontinuierlich vergeht,
kann nicht das sein,
was Kontinuität erkennt.

3. „Geist ist trüb“ – aber nicht ausgelöscht

Der König beschreibt:
• 精神昏昧
Trübung, Mattheit, Verdunkelung

Nicht: Auflösung.
Nicht: Verschwinden.

Der Geist ist beeinträchtigt, nicht vernichtet.
Das ist entscheidend.

4. Der implizite Widerspruch

Der König kann den gesamten Verfall
präzise benennen –
doch wer benennt ihn?

Der Beobachter des Alterns
altert nicht im selben Maß wie das Beobachtete.

Der Buddha führt den König
an den Rand einer Einsicht,
die noch unausgesprochen bleibt:

Was du altern siehst,
bist nicht du.

5. Vorbereitung der zentralen Offenbarung

Dieser Abschnitt dient als Anschärfung:
Wenn selbst Königtum,
Kraft, Schönheit
vollständig zerfallen –
dann muss das,
was Befreiung ermöglicht,
jenseits all dessen liegen.

Nicht im Körper.
Nicht im wechselhaften Geist.

Der nächste Schritt:
👉 Wer weiß vom Altern?
中文原文
佛言:「如是,大王!汝今生齡已從衰老,顏貌何如童子之時?」
「世尊!我昔孩孺,膚腠潤澤,年至長成血氣充滿,而今頹齡迫於衰耄,形色枯悴,精神昏昧,髮白面皺,逮將不久,如何見比充盛之時!」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„So ist es, großer König.
Dein jetziges Leben
ist bereits vom Altern berührt.
Wie ist dein heutiges Erscheinungsbild
im Vergleich zu deiner Kindheit?“

Der König antwortete:

„Weltverehrter,
als ich ein Kind war,
war Haut und Fleisch frisch und lebendig.
In den Jahren der Reife
waren Kraft und Blut in Fülle.
Jetzt aber
drängt mich das Alter zum Verfall:
Gestalt und Farbe sind vertrocknet,
die Lebenskraft ist getrübt,
das Haar ist weiß,
das Gesicht gefurcht.
Der Tod ist nicht mehr fern.
Wie könnte dies
mit der Fülle früherer Zeiten
verglichen werden?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine radikale Vergegenwärtigung der Vergänglichkeit – nicht abstrakt, sondern existenziell.

1. Der Buddha zwingt zur leiblichen Evidenz

Der Buddha argumentiert nicht mit Lehre,
sondern mit gelebter Erfahrung:
Der Körper selbst wird zum Beweis.

Vergänglichkeit wird nicht erklärt,
sondern gesehen.

2. Altern als Prozess, nicht als Ereignis

Wichtig ist die Struktur:
• Kindheit → Reife → Alter → Tod
nicht als Sprung,
sondern als kontinuierlicher Verfall.

Das stützt die spätere Argumentation:
👉 Was kontinuierlich vergeht,
kann nicht das sein,
was Kontinuität erkennt.

3. „Geist ist trüb“ – aber nicht ausgelöscht

Der König beschreibt:
• 精神昏昧
Trübung, Mattheit, Verdunkelung

Nicht: Auflösung.
Nicht: Verschwinden.

Der Geist ist beeinträchtigt, nicht vernichtet.
Das ist entscheidend.

4. Der implizite Widerspruch

Der König kann den gesamten Verfall
präzise benennen –
doch wer benennt ihn?

Der Beobachter des Alterns
altert nicht im selben Maß wie das Beobachtete.

Der Buddha führt den König
an den Rand einer Einsicht,
die noch unausgesprochen bleibt:

Was du altern siehst,
bist nicht du.

5. Vorbereitung der zentralen Offenbarung

Dieser Abschnitt dient als Anschärfung:
Wenn selbst Königtum,
Kraft, Schönheit
vollständig zerfallen –
dann muss das,
was Befreiung ermöglicht,
jenseits all dessen liegen.

Nicht im Körper.
Nicht im wechselhaften Geist.

Der nächste Schritt:
👉 Wer weiß vom Altern?
80 #
佛言:「大王!汝之形容應不頓朽?」
王言:「世尊!變化密移,我誠不覺,寒暑遷流,漸至於此。何以故?我年二十雖號年少,顏貌已老初十[7]年時;三十之年又衰二十;于今六十又過于二,觀五十時宛然強壯。世尊!我見密移,雖此殂落其間流易且限十年。若復令我微細思惟:『其變寧唯一紀二紀,實為年變;豈唯年變,亦兼月化;何直月化,兼又日遷。』沈思諦觀,剎那剎那、念念之間不得停住,故知我身終從變滅。」
Der Buddha sprach:

„Großer König,
deine Gestalt
ist also nicht plötzlich zerfallen?“

Der König antwortete:

„Weltverehrter,
der Wandel geschieht heimlich und schleichend.
Ich habe ihn nicht unmittelbar bemerkt.
Durch den Wechsel von Kälte und Wärme
bin ich allmählich
an diesen Punkt gelangt.

Mit zwanzig Jahren,
obwohl man mich jung nannte,
war mein Aussehen bereits älter
als mit zehn.
Mit dreißig
war ich wiederum älter als mit zwanzig.
Jetzt, mit über sechzig,
bin ich deutlich verfallener
als mit fünfzig,
das mir damals noch kraftvoll erschien.

Weltverehrter,
ich erkenne:
Dieser verborgene Wandel
vollzieht sich zwar
zwischen Verfall und Veränderung,
doch er lässt sich
in Jahrzehnten wahrnehmen.

Doch denke ich feiner nach,
so geschieht der Wandel
nicht nur in Jahrzehnten,
sondern Jahr für Jahr;
nicht nur jährlich,
sondern monatlich;
nicht nur monatlich,
sondern von Tag zu Tag.

Bei stiller, genauer Betrachtung
gibt es
von Augenblick zu Augenblick,
von Gedanke zu Gedanke
kein Innehalten.
Darum weiß ich gewiss:
Dieser Körper
wird vollständig vergehen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine präzise phänomenologische Analyse der Unbeständigkeit, bemerkenswert modern in seiner Struktur.

1. Keine plötzliche Zerstörung – sondern kontinuierlicher Wandel

Der Buddha verneint jede Idee eines abrupten Endes.
Vergänglichkeit geschieht nicht spektakulär,
sondern unscheinbar.

Das ist entscheidend:
👉 Illusion entsteht nicht durch Schock,
sondern durch Gewöhnung.

2. Zeitliche Auflösung der Identität

Der König zerlegt das Selbst
in Zeitfenster:
• Jahrzehnte
• Jahre
• Monate
• Tage
• Augenblicke (剎那)

Je feiner die Betrachtung,
desto weniger bleibt Identität übrig.

3. „Ich bemerke es nicht“ – der Kern des Problems

„我誠不覺“ ist zentral:
Nicht-Unwissenheit,
sondern Nicht-Bemerken.

Das ist die Definition von Samsara:
Wandel geschieht,
während man glaubt,
gleich zu bleiben.

4. Gedanke für Gedanke – keine Ruhe

„念念之間不得停住“
nimmt bereits die spätere Lehre vorweg:
Der Geist,
der sich mit diesen Gedanken identifiziert,
ist selbst unstet, getrieben, flüchtig.

Und doch:
👉 Etwas erkennt diese Unstetigkeit.

5. Vorbereitung der entscheidenden Wendung

Der König hat nun alles geliefert,
was der Buddha benötigt:
• völlige Vergänglichkeit des Körpers
• völlige Momenthaftigkeit des Erlebens

Was fehlt,
ist nur noch die Frage:

Wer erkennt diese Abfolge,
ohne selbst in ihr zu verschwinden?

Genau hier
setzt der Buddha im nächsten Abschnitt an.
中文原文
佛言:「大王!汝之形容應不頓朽?」
王言:「世尊!變化密移,我誠不覺,寒暑遷流,漸至於此。何以故?我年二十雖號年少,顏貌已老初十[7]年時;三十之年又衰二十;于今六十又過于二,觀五十時宛然強壯。世尊!我見密移,雖此殂落其間流易且限十年。若復令我微細思惟:『其變寧唯一紀二紀,實為年變;豈唯年變,亦兼月化;何直月化,兼又日遷。』沈思諦觀,剎那剎那、念念之間不得停住,故知我身終從變滅。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Großer König,
deine Gestalt
ist also nicht plötzlich zerfallen?“

Der König antwortete:

„Weltverehrter,
der Wandel geschieht heimlich und schleichend.
Ich habe ihn nicht unmittelbar bemerkt.
Durch den Wechsel von Kälte und Wärme
bin ich allmählich
an diesen Punkt gelangt.

Mit zwanzig Jahren,
obwohl man mich jung nannte,
war mein Aussehen bereits älter
als mit zehn.
Mit dreißig
war ich wiederum älter als mit zwanzig.
Jetzt, mit über sechzig,
bin ich deutlich verfallener
als mit fünfzig,
das mir damals noch kraftvoll erschien.

Weltverehrter,
ich erkenne:
Dieser verborgene Wandel
vollzieht sich zwar
zwischen Verfall und Veränderung,
doch er lässt sich
in Jahrzehnten wahrnehmen.

Doch denke ich feiner nach,
so geschieht der Wandel
nicht nur in Jahrzehnten,
sondern Jahr für Jahr;
nicht nur jährlich,
sondern monatlich;
nicht nur monatlich,
sondern von Tag zu Tag.

Bei stiller, genauer Betrachtung
gibt es
von Augenblick zu Augenblick,
von Gedanke zu Gedanke
kein Innehalten.
Darum weiß ich gewiss:
Dieser Körper
wird vollständig vergehen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine präzise phänomenologische Analyse der Unbeständigkeit, bemerkenswert modern in seiner Struktur.

1. Keine plötzliche Zerstörung – sondern kontinuierlicher Wandel

Der Buddha verneint jede Idee eines abrupten Endes.
Vergänglichkeit geschieht nicht spektakulär,
sondern unscheinbar.

Das ist entscheidend:
👉 Illusion entsteht nicht durch Schock,
sondern durch Gewöhnung.

2. Zeitliche Auflösung der Identität

Der König zerlegt das Selbst
in Zeitfenster:
• Jahrzehnte
• Jahre
• Monate
• Tage
• Augenblicke (剎那)

Je feiner die Betrachtung,
desto weniger bleibt Identität übrig.

3. „Ich bemerke es nicht“ – der Kern des Problems

„我誠不覺“ ist zentral:
Nicht-Unwissenheit,
sondern Nicht-Bemerken.

Das ist die Definition von Samsara:
Wandel geschieht,
während man glaubt,
gleich zu bleiben.

4. Gedanke für Gedanke – keine Ruhe

„念念之間不得停住“
nimmt bereits die spätere Lehre vorweg:
Der Geist,
der sich mit diesen Gedanken identifiziert,
ist selbst unstet, getrieben, flüchtig.

Und doch:
👉 Etwas erkennt diese Unstetigkeit.

5. Vorbereitung der entscheidenden Wendung

Der König hat nun alles geliefert,
was der Buddha benötigt:
• völlige Vergänglichkeit des Körpers
• völlige Momenthaftigkeit des Erlebens

Was fehlt,
ist nur noch die Frage:

Wer erkennt diese Abfolge,
ohne selbst in ihr zu verschwinden?

Genau hier
setzt der Buddha im nächsten Abschnitt an.
81 #
佛[8]言:「大王!汝見變化遷改不停,悟知汝滅;亦於滅時,[9]知汝身中有不滅耶?」
波斯匿王合掌白佛:「我實不知!」
佛言:「我今示汝不生滅性。大王!汝年幾時見恒河水?」
王言:「我生三歲,慈母携我謁耆婆天,經過此流,爾時即知是恒河水。」
Der Buddha sprach:

„Großer König,
du siehst,
wie alles sich wandelt
und unaufhörlich weiterzieht,
und daraus erkennst du:
Dieser Körper wird vergehen.

Doch sag mir:
Hast du
im Vergehen selbst
auch erkannt,
dass es in dir
etwas gibt,
das nicht vergeht?“

König Prasenajit
faltete die Hände
und antwortete:

„Weltverehrter,
das weiß ich wahrlich nicht.“

Der Buddha sprach:

„Dann will ich dir nun
die Natur des Nicht-Geborenen
und Nicht-Vergehenden offenbaren.

Großer König,
wie alt warst du,
als du erstmals
das Wasser des Ganges gesehen hast?“

Der König antwortete:

„Als ich drei Jahre alt war,
führte mich meine gütige Mutter
auf einen Besuch zu Jīva.
Auf dem Weg
kamen wir an diesem Fluss vorbei.
Damals wusste ich bereits:
Das ist der Ganges.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der exakte Wendepunkt der Argumentation.

1. Die entscheidende Zusatzfrage

Der Buddha akzeptiert vollständig
die Analyse des Königs:
Alles Wandelbare vergeht.

Dann aber fügt er eine einzige Frage hinzu:

Erkennt der, der das Vergehen sieht,
auch das Nicht-Vergehende?

Diese Frage verschiebt alles.
Nicht mehr was vergeht,
sondern was erkennt.

2. Das ehrliche Nicht-Wissen

Die Antwort des Königs ist vollkommen:
„Ich weiß es nicht.“

Keine Spekulation,
kein Dogma,
kein Trost.

Damit ist der Geist leer genug,
um der ursprüngliche Grund zu erkennen.

3. Ankündigung der Offenbarung

„Ich will dir die Natur des Nicht-Entstehens
und Nicht-Vergehens zeigen.“

Wichtig:
Der Buddha sagt nicht
„ich werde sie erschaffen“
oder
„ich werde sie lehren“,
sondern zeigen.

der ursprüngliche Grund ist bereits da.

4. Der Ganges als Zeitanker

Die Frage nach dem Ganges
ist kein Zufall.
Sie bindet Erkenntnis
an frühe Wahrnehmung.

Nicht Reflexion,
nicht Philosophie,
sondern:
👉 unmittelbares Erkennen.

5. Vorbereitung der zentralen Einsicht

Der König wusste mit drei Jahren:
„Das ist der Ganges.“

Der Körper von damals
ist längst vergangen.
Die Gedanken von damals
sind längst vergangen.

Doch das Erkennen,
das wusste,
ist nicht vergangen.

Genau diesen Punkt
wird der Buddha
im nächsten Abschnitt
unmissverständlich offenlegen.
中文原文
佛[8]言:「大王!汝見變化遷改不停,悟知汝滅;亦於滅時,[9]知汝身中有不滅耶?」
波斯匿王合掌白佛:「我實不知!」
佛言:「我今示汝不生滅性。大王!汝年幾時見恒河水?」
王言:「我生三歲,慈母携我謁耆婆天,經過此流,爾時即知是恒河水。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Großer König,
du siehst,
wie alles sich wandelt
und unaufhörlich weiterzieht,
und daraus erkennst du:
Dieser Körper wird vergehen.

Doch sag mir:
Hast du
im Vergehen selbst
auch erkannt,
dass es in dir
etwas gibt,
das nicht vergeht?“

König Prasenajit
faltete die Hände
und antwortete:

„Weltverehrter,
das weiß ich wahrlich nicht.“

Der Buddha sprach:

„Dann will ich dir nun
die Natur des Nicht-Geborenen
und Nicht-Vergehenden offenbaren.

Großer König,
wie alt warst du,
als du erstmals
das Wasser des Ganges gesehen hast?“

Der König antwortete:

„Als ich drei Jahre alt war,
führte mich meine gütige Mutter
auf einen Besuch zu Jīva.
Auf dem Weg
kamen wir an diesem Fluss vorbei.
Damals wusste ich bereits:
Das ist der Ganges.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der exakte Wendepunkt der Argumentation.

1. Die entscheidende Zusatzfrage

Der Buddha akzeptiert vollständig
die Analyse des Königs:
Alles Wandelbare vergeht.

Dann aber fügt er eine einzige Frage hinzu:

Erkennt der, der das Vergehen sieht,
auch das Nicht-Vergehende?

Diese Frage verschiebt alles.
Nicht mehr was vergeht,
sondern was erkennt.

2. Das ehrliche Nicht-Wissen

Die Antwort des Königs ist vollkommen:
„Ich weiß es nicht.“

Keine Spekulation,
kein Dogma,
kein Trost.

Damit ist der Geist leer genug,
um der ursprüngliche Grund zu erkennen.

3. Ankündigung der Offenbarung

„Ich will dir die Natur des Nicht-Entstehens
und Nicht-Vergehens zeigen.“

Wichtig:
Der Buddha sagt nicht
„ich werde sie erschaffen“
oder
„ich werde sie lehren“,
sondern zeigen.

der ursprüngliche Grund ist bereits da.

4. Der Ganges als Zeitanker

Die Frage nach dem Ganges
ist kein Zufall.
Sie bindet Erkenntnis
an frühe Wahrnehmung.

Nicht Reflexion,
nicht Philosophie,
sondern:
👉 unmittelbares Erkennen.

5. Vorbereitung der zentralen Einsicht

Der König wusste mit drei Jahren:
„Das ist der Ganges.“

Der Körper von damals
ist längst vergangen.
Die Gedanken von damals
sind längst vergangen.

Doch das Erkennen,
das wusste,
ist nicht vergangen.

Genau diesen Punkt
wird der Buddha
im nächsten Abschnitt
unmissverständlich offenlegen.
82 #
佛言:「大王!如汝所說,二十之時衰於十歲,乃至六十,日月歲時念念遷變;則汝三歲見此河時,至年十三其水云何?」
王言:「如三歲時宛然無異;乃至于今年六十二,亦無有異。」
佛言:「汝今自傷髮白面皺,其面必定皺於童年;則汝今時觀此恒河,與昔童時觀河之見,有童耄不?」
王言:「不也,世尊!」
Der Buddha sprach:

„Großer König,
wie du selbst gesagt hast:
Von zehn zu zwanzig,
von zwanzig zu sechzig
vergeht dein Leben
Tag für Tag,
Jahr für Jahr,
Gedanke für Gedanke.

Wenn das so ist,
wie war das Wasser dieses Flusses,
als du ihn mit drei Jahren sahst,
verglichen mit der Zeit,
als du dreizehn warst?“

Der König antwortete:

„So wie mit drei Jahren,
so war es auch mit dreizehn –
und ebenso ist es heute,
mit zweiundsechzig.
Es gibt keinen Unterschied.“

Der Buddha sprach:

„Du beklagst nun,
dass dein Haar weiß
und dein Gesicht gefurcht ist;
dein jetziges Gesicht
ist also gewiss
nicht mehr das eines Kindes.

Wenn du nun heute
den Ganges betrachtest:
Ist dein Sehen des Flusses
kindlich oder gealtert?“

Der König antwortete:

„Nein, Weltverehrter.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der klare Beweisgang, mit dem der Buddha das Nicht-Vergehende sichtbar macht, ohne es zu benennen.

1. Zwei Ströme: Körper und Wahrnehmung

Der Körper:
• altert
• verändert sich
• zerfällt

Der Ganges:
• erscheint gleich
• wird als „derselbe“ erkannt

Doch entscheidend ist nicht der Fluss,
sondern das Sehen des Flusses.

2. Das Sehen altert nicht

Der Buddha führt den König behutsam,
aber unentrinnbar,
zu einer Einsicht:

Das Gesicht altert.
Das Haar ergraut.
Doch das Sehen selbst
ist weder kindlich
noch greisenhaft.

Es trägt keine Zeitmarke.

3. Das implizite Auftauchen des ursprünglichen Grundes

Der König sagt:
„Kein Unterschied.“

Damit bestätigt er:
👉 Das Erkennen,
das den Fluss sah,
ist zeitlos in seiner Funktion.

Nicht Erinnerung.
Nicht Denken.
Nicht Vergleich.

Sondern unmittelbares Erkennen –
der ursprüngliche Grund.

4. Warum der Buddha noch schweigt

Der Buddha benennt es noch nicht,
weil Benennung
den Geist sofort greifen ließe.

Stattdessen lässt er den König
selbst sprechen
und sich selbst widersprechen:
• Alles vergeht.
• Doch das Sehen vergeht nicht.

5. Unumkehrbarkeit der Einsicht

Ab hier
kann der König
nicht mehr zur Vernichtungslehre zurück.

Etwas in ihm
hat nie gealtert,
nie gewechselt,
nie aufgehört.

Im nächsten Abschnitt
wird der Buddha
dieses Nicht-Vergehende
explizit vom Körper
und vom veränderlichen Geist lösen.
中文原文
佛言:「大王!如汝所說,二十之時衰於十歲,乃至六十,日月歲時念念遷變;則汝三歲見此河時,至年十三其水云何?」
王言:「如三歲時宛然無異;乃至于今年六十二,亦無有異。」
佛言:「汝今自傷髮白面皺,其面必定皺於童年;則汝今時觀此恒河,與昔童時觀河之見,有童耄不?」
王言:「不也,世尊!」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Großer König,
wie du selbst gesagt hast:
Von zehn zu zwanzig,
von zwanzig zu sechzig
vergeht dein Leben
Tag für Tag,
Jahr für Jahr,
Gedanke für Gedanke.

Wenn das so ist,
wie war das Wasser dieses Flusses,
als du ihn mit drei Jahren sahst,
verglichen mit der Zeit,
als du dreizehn warst?“

Der König antwortete:

„So wie mit drei Jahren,
so war es auch mit dreizehn –
und ebenso ist es heute,
mit zweiundsechzig.
Es gibt keinen Unterschied.“

Der Buddha sprach:

„Du beklagst nun,
dass dein Haar weiß
und dein Gesicht gefurcht ist;
dein jetziges Gesicht
ist also gewiss
nicht mehr das eines Kindes.

Wenn du nun heute
den Ganges betrachtest:
Ist dein Sehen des Flusses
kindlich oder gealtert?“

Der König antwortete:

„Nein, Weltverehrter.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der klare Beweisgang, mit dem der Buddha das Nicht-Vergehende sichtbar macht, ohne es zu benennen.

1. Zwei Ströme: Körper und Wahrnehmung

Der Körper:
• altert
• verändert sich
• zerfällt

Der Ganges:
• erscheint gleich
• wird als „derselbe“ erkannt

Doch entscheidend ist nicht der Fluss,
sondern das Sehen des Flusses.

2. Das Sehen altert nicht

Der Buddha führt den König behutsam,
aber unentrinnbar,
zu einer Einsicht:

Das Gesicht altert.
Das Haar ergraut.
Doch das Sehen selbst
ist weder kindlich
noch greisenhaft.

Es trägt keine Zeitmarke.

3. Das implizite Auftauchen des ursprünglichen Grundes

Der König sagt:
„Kein Unterschied.“

Damit bestätigt er:
👉 Das Erkennen,
das den Fluss sah,
ist zeitlos in seiner Funktion.

Nicht Erinnerung.
Nicht Denken.
Nicht Vergleich.

Sondern unmittelbares Erkennen –
der ursprüngliche Grund.

4. Warum der Buddha noch schweigt

Der Buddha benennt es noch nicht,
weil Benennung
den Geist sofort greifen ließe.

Stattdessen lässt er den König
selbst sprechen
und sich selbst widersprechen:
• Alles vergeht.
• Doch das Sehen vergeht nicht.

5. Unumkehrbarkeit der Einsicht

Ab hier
kann der König
nicht mehr zur Vernichtungslehre zurück.

Etwas in ihm
hat nie gealtert,
nie gewechselt,
nie aufgehört.

Im nächsten Abschnitt
wird der Buddha
dieses Nicht-Vergehende
explizit vom Körper
und vom veränderlichen Geist lösen.
83 #
佛言:「大王!汝面雖皺,而此見精性未曾皺!皺者為變,不皺非變;變者受滅,彼不變者元無生滅,云何於中受汝生死?而猶引彼末伽梨等,都言此身死後全滅!」
王聞是言,信知身後捨生趣生,與諸大眾踊躍歡喜,得未曾有。
Der Buddha sprach:

„Großer König,
dein Gesicht ist zwar gealtert,
doch die feine Natur deines Sehens
ist niemals gealtert.

Was Falten trägt,
ist dem Wandel unterworfen.
Was keine Falten trägt,
wandelt sich nicht.
Was sich wandelt,
vergeht;
doch was sich nicht wandelt,
hat von Ursprung an
kein Geborenwerden
und kein Vergehen.

Wie könnte das,
was nicht geboren ist,
in Geburt und Tod verstrickt sein?

Warum hältst du dennoch
an Lehren wie denen des Maskarin fest
und sagst:
‚Nach dem Tod dieses Körpers
ist alles ausgelöscht‘?“

Als der König diese Worte hörte,
erkannte er voller Vertrauen:
Nach dem Ablegen dieses Körpers
geht Leben weiter.
Zusammen mit der großen Versammlung
war er von jubelnder Freude erfüllt
und gewann eine Einsicht,
die es zuvor nie gegeben hatte.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die explizite Offenlegung des Nicht-Vergehenden – und damit der erste klare Hinweis auf den ursprünglichen Grund.

1. Die entscheidende Trennung

Der Buddha trennt nun unmissverständlich:
• Gesicht → altert, verändert sich
• Seh-Natur → altert nicht, verändert sich nicht

Damit ist der letzte Zweifel zerstört:
Das Erkennen selbst
trägt keine Zeitspur.

2. Wandel vs. Nicht-Wandel

Die Argumentation ist streng logisch:
• Wandel ⇒ Vergehen ⇒ Geburt & Tod
• Nicht-Wandel ⇒ kein Entstehen ⇒ kein Vergehen

Das Nicht-Wandelbare
kann nicht Teil des Samsara sein.

3. Implizite Definition des ursprünglichen Grundes

Ohne den Begriff zu verwenden,
definiert der Buddha exakt das,
was ihr ursprünglichen Grund nennt:
• nicht produziert
• nicht verändert
• nicht ausgelöscht
• nicht identisch mit Körper oder Geist

4. Widerlegung der Vernichtungslehre

Die Lehre des vollständigen Endes
wird nicht moralisch verurteilt,
sondern ontologisch widerlegt:
Sie übersieht
das Nicht-Geborene im Erleben selbst.

5. Warum die Freude ausbricht

Die Freude des Königs
ist kein emotionaler Überschwang,
sondern existentielle Erleichterung:
• Tod ist nicht Vernichtung
• Leben ist nicht Zufall
• Befreiung ist möglich

6. Übergang zur nächsten Phase der Rolle 2

Ab hier ist der Boden gelegt:
• Das Nicht-Vergehende ist erkannt
• Doch noch nicht vollständig integriert

Der weitere Verlauf der Rolle 2
wird nun zeigen,
wie der Geist dieses ursprünglichen Grundes
immer wieder verfehlt –
und wie der Buddha
jede falsche Identifikation
systematisch auflöst.
中文原文
佛言:「大王!汝面雖皺,而此見精性未曾皺!皺者為變,不皺非變;變者受滅,彼不變者元無生滅,云何於中受汝生死?而猶引彼末伽梨等,都言此身死後全滅!」
王聞是言,信知身後捨生趣生,與諸大眾踊躍歡喜,得未曾有。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Großer König,
dein Gesicht ist zwar gealtert,
doch die feine Natur deines Sehens
ist niemals gealtert.

Was Falten trägt,
ist dem Wandel unterworfen.
Was keine Falten trägt,
wandelt sich nicht.
Was sich wandelt,
vergeht;
doch was sich nicht wandelt,
hat von Ursprung an
kein Geborenwerden
und kein Vergehen.

Wie könnte das,
was nicht geboren ist,
in Geburt und Tod verstrickt sein?

Warum hältst du dennoch
an Lehren wie denen des Maskarin fest
und sagst:
‚Nach dem Tod dieses Körpers
ist alles ausgelöscht‘?“

Als der König diese Worte hörte,
erkannte er voller Vertrauen:
Nach dem Ablegen dieses Körpers
geht Leben weiter.
Zusammen mit der großen Versammlung
war er von jubelnder Freude erfüllt
und gewann eine Einsicht,
die es zuvor nie gegeben hatte.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die explizite Offenlegung des Nicht-Vergehenden – und damit der erste klare Hinweis auf den ursprünglichen Grund.

1. Die entscheidende Trennung

Der Buddha trennt nun unmissverständlich:
• Gesicht → altert, verändert sich
• Seh-Natur → altert nicht, verändert sich nicht

Damit ist der letzte Zweifel zerstört:
Das Erkennen selbst
trägt keine Zeitspur.

2. Wandel vs. Nicht-Wandel

Die Argumentation ist streng logisch:
• Wandel ⇒ Vergehen ⇒ Geburt & Tod
• Nicht-Wandel ⇒ kein Entstehen ⇒ kein Vergehen

Das Nicht-Wandelbare
kann nicht Teil des Samsara sein.

3. Implizite Definition des ursprünglichen Grundes

Ohne den Begriff zu verwenden,
definiert der Buddha exakt das,
was ihr ursprünglichen Grund nennt:
• nicht produziert
• nicht verändert
• nicht ausgelöscht
• nicht identisch mit Körper oder Geist

4. Widerlegung der Vernichtungslehre

Die Lehre des vollständigen Endes
wird nicht moralisch verurteilt,
sondern ontologisch widerlegt:
Sie übersieht
das Nicht-Geborene im Erleben selbst.

5. Warum die Freude ausbricht

Die Freude des Königs
ist kein emotionaler Überschwang,
sondern existentielle Erleichterung:
• Tod ist nicht Vernichtung
• Leben ist nicht Zufall
• Befreiung ist möglich

6. Übergang zur nächsten Phase der Rolle 2

Ab hier ist der Boden gelegt:
• Das Nicht-Vergehende ist erkannt
• Doch noch nicht vollständig integriert

Der weitere Verlauf der Rolle 2
wird nun zeigen,
wie der Geist dieses ursprünglichen Grundes
immer wieder verfehlt –
und wie der Buddha
jede falsche Identifikation
systematisch auflöst.
84 #
阿難即從座起,禮佛合掌,長跪白佛:「世尊!若此見聞必不生滅,云何世尊名我等輩遺失真性,顛倒行事?願興慈悲洗我塵垢!」
即時如來垂金色臂,輪手下指,示阿難言:「汝今見我母陀羅手為正為倒?」
阿難言:「世間眾生以此為倒,而我不知誰正誰倒。」
Da erhob sich Ānanda,
trat vor den Buddha,
faltete die Hände
und kniete nieder.

Er sprach:

„Weltverehrter,
wenn Sehen und Hören
ihrer Natur nach
nicht geboren werden
und nicht vergehen –
warum sagst du dann,
dass wir unsere wahre Natur verloren haben
und in verkehrter Weise handeln?

Ich bitte dich aus Mitgefühl:
Wasche den Staub von mir fort!“

Da ließ der Tathāgata
seinen goldenen Arm herab,
zeigte mit der Rad-Hand nach unten
und sprach zu Ānanda:

„Siehst du meine Hand:
ist sie richtig
oder verkehrt?“

Ānanda antwortete:

„Die Wesen der Welt
nennen dies verkehrt.
Doch ich weiß nicht,
wer recht
und wer verkehrt ist.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert eine feine, aber entscheidende Verschiebung der Lehre.

1. Ānandas berechtigter Einwand

Ānanda argumentiert logisch:
Wenn Sehen und Hören
nicht entstehen und nicht vergehen,
dann müsste der ursprüngliche Grund
doch bereits gegenwärtig sein.

Warum also spricht der Buddha
von Verlust
und Verirrung?

Dies ist keine naive Frage,
sondern der Punkt,
an dem viele Übende stecken bleiben:

„Wenn alles da ist –
warum bin ich dann nicht frei?“

2. Staub – nicht als Schuld, sondern als Verdeckung

„塵垢“ bedeutet nicht moralische Schuld,
sondern Bedeckung.
Der ursprüngliche Grund ist nicht verloren,
sondern überlagert.

Ānanda bittet nicht um neue Lehre,
sondern um Klärung des Blicks.

3. Die Hand-Geste – Beginn der Umkehrung

Der Buddha antwortet nicht mit Worten,
sondern mit einer Geste.

Damit verschiebt er die Ebene:
Nicht begriffliche Unterscheidung,
sondern unmittelbares Sehen
steht nun im Mittelpunkt.

4. „Aufrecht“ und „verkehrt“ sind relativ

Ānandas Antwort ist entscheidend:
Er übernimmt nicht mehr
die Konvention der Welt,
weiß aber auch noch nicht,
was wirklich gilt.

Er steht genau zwischen Geist und ursprünglichem Grund:
• Der alte Maßstab ist zerbrochen
• der neue noch nicht erkannt

5. Vorbereitung der großen Umkehr

Diese Szene ist die Schwelle:
Der Buddha wird nun zeigen,
dass „verkehrt“
nicht die Hand ist –
sondern der Standpunkt,
von dem aus gesehen wird.

Die kommende Lehre
wird nicht erklären,
sondern umkehren.
中文原文
阿難即從座起,禮佛合掌,長跪白佛:「世尊!若此見聞必不生滅,云何世尊名我等輩遺失真性,顛倒行事?願興慈悲洗我塵垢!」
即時如來垂金色臂,輪手下指,示阿難言:「汝今見我母陀羅手為正為倒?」
阿難言:「世間眾生以此為倒,而我不知誰正誰倒。」
Deutsch
Da erhob sich Ānanda,
trat vor den Buddha,
faltete die Hände
und kniete nieder.

Er sprach:

„Weltverehrter,
wenn Sehen und Hören
ihrer Natur nach
nicht geboren werden
und nicht vergehen –
warum sagst du dann,
dass wir unsere wahre Natur verloren haben
und in verkehrter Weise handeln?

Ich bitte dich aus Mitgefühl:
Wasche den Staub von mir fort!“

Da ließ der Tathāgata
seinen goldenen Arm herab,
zeigte mit der Rad-Hand nach unten
und sprach zu Ānanda:

„Siehst du meine Hand:
ist sie richtig
oder verkehrt?“

Ānanda antwortete:

„Die Wesen der Welt
nennen dies verkehrt.
Doch ich weiß nicht,
wer recht
und wer verkehrt ist.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert eine feine, aber entscheidende Verschiebung der Lehre.

1. Ānandas berechtigter Einwand

Ānanda argumentiert logisch:
Wenn Sehen und Hören
nicht entstehen und nicht vergehen,
dann müsste der ursprüngliche Grund
doch bereits gegenwärtig sein.

Warum also spricht der Buddha
von Verlust
und Verirrung?

Dies ist keine naive Frage,
sondern der Punkt,
an dem viele Übende stecken bleiben:

„Wenn alles da ist –
warum bin ich dann nicht frei?“

2. Staub – nicht als Schuld, sondern als Verdeckung

„塵垢“ bedeutet nicht moralische Schuld,
sondern Bedeckung.
Der ursprüngliche Grund ist nicht verloren,
sondern überlagert.

Ānanda bittet nicht um neue Lehre,
sondern um Klärung des Blicks.

3. Die Hand-Geste – Beginn der Umkehrung

Der Buddha antwortet nicht mit Worten,
sondern mit einer Geste.

Damit verschiebt er die Ebene:
Nicht begriffliche Unterscheidung,
sondern unmittelbares Sehen
steht nun im Mittelpunkt.

4. „Aufrecht“ und „verkehrt“ sind relativ

Ānandas Antwort ist entscheidend:
Er übernimmt nicht mehr
die Konvention der Welt,
weiß aber auch noch nicht,
was wirklich gilt.

Er steht genau zwischen Geist und ursprünglichem Grund:
• Der alte Maßstab ist zerbrochen
• der neue noch nicht erkannt

5. Vorbereitung der großen Umkehr

Diese Szene ist die Schwelle:
Der Buddha wird nun zeigen,
dass „verkehrt“
nicht die Hand ist –
sondern der Standpunkt,
von dem aus gesehen wird.

Die kommende Lehre
wird nicht erklären,
sondern umkehren.
85 #
佛告阿難:「若世間人以此為倒,即世間人將何為正?」
阿難言:「如來竪臂,兜羅綿手上指於空,則名為正。」
佛即竪臂,告阿難言:「若此顛倒首尾相換,諸世間人一倍瞻視,則知汝身與諸如來清淨法身比類發明;如來之身名正遍知,汝等之身號性顛倒。隨汝諦觀汝身、佛身,稱顛倒者,名字何處號為顛倒?」
Der Buddha fragte Ānanda:

„Wenn die Menschen der Welt
dies für verkehrt halten,
was nennen sie dann richtig?“

Ānanda antwortete:

„Wenn der Buddha
den Arm aufrichtet
und mit der weichen Hand
nach oben in den Raum weist,
nennt man dies richtig.“

Da richtete der Buddha den Arm auf
und sprach:

„Wenn bei diesem Verkehrten
oben und unten
vertauscht werden,
und die Menschen der Welt
dies genau betrachten,
dann erkennen sie:

Dein Körper
und der reine Dharma-Körper der Buddhas
lassen sich einander gegenüberstellen
und dadurch verstehen.

Der Körper des Buddha
heißt
‚rechtes, allumfassendes Erkennen‘.
Eure Körper jedoch
heißen
‚von Natur aus verkehrt‘.

Sieh nun genau hin:
Wenn du deinen Körper
und den Körper des Buddha betrachtest –
wo genau
ist das,
was ihr ‚verkehrt‘ nennt?
Wo sitzt dieses Verkehrtsein?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der methodische Schlüssel zur gesamten weiteren Argumentation des Sutras.

1. „Richtig“ und „verkehrt“ sind keine Eigenschaften der Dinge

Der Buddha zeigt:
Die Hand ist dieselbe.
Nur die Bezeichnung wechselt
mit der Perspektive.

👉 Verkehrtheit liegt nicht im Objekt,
sondern im Maßstab.

2. Die eigentliche Umkehrung

„首尾相換“ – Kopf und Ende vertauscht:
Das ist keine physische Verdrehung,
sondern eine epistemische.

Die Welt nimmt
das Bedingte als Ursprung
und das Ursprüngliche als abgeleitet.

Genau das ist die „Verkehrtheit“.

3. Dharma-Körper vs. bedingter Körper

Der Buddha kontrastiert nicht:
• heilig vs. profan

sondern:
• Erkennen aus dem ursprünglichen Grund
vs.
• erscheinungsbezogenes Erkennen

Der Buddha-Körper ist „正遍知“,
weil er vom ursprünglichen Grund aus erkennt.
Gewöhnliche Wesen erkennen
vom wandelbaren Geist aus.

4. Die radikale Frage

Der Buddha fragt nicht:
„Was ist verkehrt?“
sondern:

Wo ist das Verkehrte?

Damit entzieht er dem Geist
jede Möglichkeit,
es festzuhalten.

Denn:
• Der Körper ist es nicht
• Die Hand ist es nicht
• Die Richtung ist es nicht

👉 Verkehrtheit ist Identifikation,
nicht Substanz.

5. Vorbereitung der endgültigen Auflösung

Ab hier wird der Buddha
jede mögliche Verortung
des „Ich“,
des „Geistes“
und des „Sehens“
systematisch zerlegen.

Nicht um etwas Neues zu geben,
sondern um alles Falsche zu lösen,
bis der ursprüngliche Grund
unverstellt bleibt.
中文原文
佛告阿難:「若世間人以此為倒,即世間人將何為正?」
阿難言:「如來竪臂,兜羅綿手上指於空,則名為正。」
佛即竪臂,告阿難言:「若此顛倒首尾相換,諸世間人一倍瞻視,則知汝身與諸如來清淨法身比類發明;如來之身名正遍知,汝等之身號性顛倒。隨汝諦觀汝身、佛身,稱顛倒者,名字何處號為顛倒?」
Deutsch
Der Buddha fragte Ānanda:

„Wenn die Menschen der Welt
dies für verkehrt halten,
was nennen sie dann richtig?“

Ānanda antwortete:

„Wenn der Buddha
den Arm aufrichtet
und mit der weichen Hand
nach oben in den Raum weist,
nennt man dies richtig.“

Da richtete der Buddha den Arm auf
und sprach:

„Wenn bei diesem Verkehrten
oben und unten
vertauscht werden,
und die Menschen der Welt
dies genau betrachten,
dann erkennen sie:

Dein Körper
und der reine Dharma-Körper der Buddhas
lassen sich einander gegenüberstellen
und dadurch verstehen.

Der Körper des Buddha
heißt
‚rechtes, allumfassendes Erkennen‘.
Eure Körper jedoch
heißen
‚von Natur aus verkehrt‘.

Sieh nun genau hin:
Wenn du deinen Körper
und den Körper des Buddha betrachtest –
wo genau
ist das,
was ihr ‚verkehrt‘ nennt?
Wo sitzt dieses Verkehrtsein?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der methodische Schlüssel zur gesamten weiteren Argumentation des Sutras.

1. „Richtig“ und „verkehrt“ sind keine Eigenschaften der Dinge

Der Buddha zeigt:
Die Hand ist dieselbe.
Nur die Bezeichnung wechselt
mit der Perspektive.

👉 Verkehrtheit liegt nicht im Objekt,
sondern im Maßstab.

2. Die eigentliche Umkehrung

„首尾相換“ – Kopf und Ende vertauscht:
Das ist keine physische Verdrehung,
sondern eine epistemische.

Die Welt nimmt
das Bedingte als Ursprung
und das Ursprüngliche als abgeleitet.

Genau das ist die „Verkehrtheit“.

3. Dharma-Körper vs. bedingter Körper

Der Buddha kontrastiert nicht:
• heilig vs. profan

sondern:
• Erkennen aus dem ursprünglichen Grund
vs.
• erscheinungsbezogenes Erkennen

Der Buddha-Körper ist „正遍知“,
weil er vom ursprünglichen Grund aus erkennt.
Gewöhnliche Wesen erkennen
vom wandelbaren Geist aus.

4. Die radikale Frage

Der Buddha fragt nicht:
„Was ist verkehrt?“
sondern:

Wo ist das Verkehrte?

Damit entzieht er dem Geist
jede Möglichkeit,
es festzuhalten.

Denn:
• Der Körper ist es nicht
• Die Hand ist es nicht
• Die Richtung ist es nicht

👉 Verkehrtheit ist Identifikation,
nicht Substanz.

5. Vorbereitung der endgültigen Auflösung

Ab hier wird der Buddha
jede mögliche Verortung
des „Ich“,
des „Geistes“
und des „Sehens“
systematisch zerlegen.

Nicht um etwas Neues zu geben,
sondern um alles Falsche zu lösen,
bis der ursprüngliche Grund
unverstellt bleibt.
86 #
于時阿難與諸大眾,瞪矒瞻佛目[10]精不瞬,不知身心顛倒所在。佛興慈悲,哀愍阿難及諸大眾,發海潮音遍告同會:「諸善男子!我常說言:『色心諸緣及心所使、諸所緣法,唯心所現。』汝身、汝心,皆是妙明真精妙心中所現物。云何汝等遺失本妙圓妙明心寶明妙性、認悟中迷?晦昧為空;空晦暗中結暗為色;色雜妄想,想相為身;聚緣內搖,趣外奔逸,昏擾擾相以為心性。一迷為心,決定惑為色身之內,不知色身外[11]洎山河虛空大地,咸是妙明真心中物。譬如澄清百千大海,棄之、唯認一浮漚體目為全潮,窮盡瀛渤。汝等即是迷中倍人!如我垂手等無差別,如來說為可憐愍者。」
Zu jener Zeit
starrten Ānanda
und die große Versammlung
den Buddha an,
die Augen weit geöffnet,
ohne zu blinzeln.
Sie konnten nicht erkennen,
wo Körper und Geist
verkehrt sein sollten.

Da erhob der Buddha
großes Mitgefühl.
Seine Stimme
klang wie Meeresbrandung
und durchdrang die Versammlung:

„Ihr guten Menschen!
Ich habe immer gesagt:
Alle Formen,
alle geistigen Bedingungen,
alle vom Geist hervorgebrachten Regungen
und alle Objekte der Wahrnehmung
sind Erscheinungen des einen Geistes.

Euer Körper
und euer Geist
sind Erscheinungen
im wunderbar klaren,
wahren ursprünglichen Grund.

Wie könnt ihr
das ursprünglich wunderbare,
runde, klare Herz-Juwel –
die kostbare, leuchtende Natur –
verlieren
und mitten im Erwachen
in Verwirrung geraten?

Aus Verdunkelung
entsteht der Eindruck von Leerheit;
in der verdunkelten Leerheit
verdichtet sich Dunkelheit zu Form.
Form vermischt sich
mit trügerischem Denken;
die Gestalt dieser Gedanken
haltet ihr für euren Körper.

Bedingungen sammeln sich,
es entsteht inneres Schwanken;
nach außen gerichtet
entsteht rastloses Streben.
Dieses verwirrte, unruhige Treiben
haltet ihr für die Natur des Geistes.

Einmal so verwirrt,
nennt ihr dies ‚Geist‘
und meint,
er sei im Körper eingeschlossen.
Ihr erkennt nicht,
dass jenseits von Körper und Geist –
Berge, Flüsse,
Raum und Erde –
alles
Erscheinung
im wunderbar klaren ursprünglichen Grund ist.

Es ist,
als würdet ihr
das geklärte,
unermessliche große Meer
verwerfen
und eine einzelne Schaumblase
für das ganze Meer halten
und meinen,
damit sei alles erschöpft.

So seid ihr Menschen,
die im Irrtum
noch tiefer in den Irrtum geraten.
Wie meine herabhängende Hand
ohne jeden Unterschied ist,
so nennt der Tathāgata euch
wahrlich
der Erbarmung würdig.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine der zentralen Selbstoffenbarungen des Sutras und enthält in verdichteter Form die gesamte Diagnose des menschlichen Irrtums.

1. Sprachlosigkeit als Schwellenzustand

Ānanda und die Versammlung
wissen nicht mehr,
wo „verkehrt“ sein soll.
Das ist kein Scheitern,
sondern der Moment,
in dem begriffliches Denken
nicht mehr trägt.

Erst hier
kann der ursprüngliche Grund
direkt angesprochen werden.

2. „唯心所現“ – nicht Idealismus, sondern Ontologie

„Alles erscheint aus dem Geist“
bedeutet hier nicht:
„Alles ist nur Vorstellung“,
sondern:
👉 Alles erscheint im ursprünglichen Grund,
nicht außerhalb davon.

Es gibt kein „Außen“,
in dem Wahrheit gefunden werden könnte.

3. Der Sturz in die Verdunkelung

Die Abfolge ist präzise:
• Verdunkelung
• scheinbare Leerheit
• Verdichtung zu Form
• Vermischung mit Denken
• Identifikation als Körper
• rastloser Geist als Selbstbild

Das ist keine Kosmologie,
sondern eine phänomenologische Beschreibung der Ich-Entstehung.

4. Der zentrale Irrtum

Der entscheidende Satz:

Ihr haltet das Bewegte für Geist
und sperrt es in den Körper ein.

Damit ist alles gesagt:
der ursprüngliche Grund ist unbegrenzt,
doch der Geist
verengt es
zu einem inneren Objekt.

5. Das Gleichnis vom Meer

Das Meer ist der ursprüngliche Grund.
Die Schaumblase
ist der identifizierte Geist.

Nicht falsch –
aber unendlich unzureichend.

6. „Der Erbarmung würdig“

Das ist kein Tadel,
sondern Mitgefühl:
Nicht Schuld,
sondern Verwechslung
bindet die Wesen.
中文原文
于時阿難與諸大眾,瞪矒瞻佛目[10]精不瞬,不知身心顛倒所在。佛興慈悲,哀愍阿難及諸大眾,發海潮音遍告同會:「諸善男子!我常說言:『色心諸緣及心所使、諸所緣法,唯心所現。』汝身、汝心,皆是妙明真精妙心中所現物。云何汝等遺失本妙圓妙明心寶明妙性、認悟中迷?晦昧為空;空晦暗中結暗為色;色雜妄想,想相為身;聚緣內搖,趣外奔逸,昏擾擾相以為心性。一迷為心,決定惑為色身之內,不知色身外[11]洎山河虛空大地,咸是妙明真心中物。譬如澄清百千大海,棄之、唯認一浮漚體目為全潮,窮盡瀛渤。汝等即是迷中倍人!如我垂手等無差別,如來說為可憐愍者。」
Deutsch
Zu jener Zeit
starrten Ānanda
und die große Versammlung
den Buddha an,
die Augen weit geöffnet,
ohne zu blinzeln.
Sie konnten nicht erkennen,
wo Körper und Geist
verkehrt sein sollten.

Da erhob der Buddha
großes Mitgefühl.
Seine Stimme
klang wie Meeresbrandung
und durchdrang die Versammlung:

„Ihr guten Menschen!
Ich habe immer gesagt:
Alle Formen,
alle geistigen Bedingungen,
alle vom Geist hervorgebrachten Regungen
und alle Objekte der Wahrnehmung
sind Erscheinungen des einen Geistes.

Euer Körper
und euer Geist
sind Erscheinungen
im wunderbar klaren,
wahren ursprünglichen Grund.

Wie könnt ihr
das ursprünglich wunderbare,
runde, klare Herz-Juwel –
die kostbare, leuchtende Natur –
verlieren
und mitten im Erwachen
in Verwirrung geraten?

Aus Verdunkelung
entsteht der Eindruck von Leerheit;
in der verdunkelten Leerheit
verdichtet sich Dunkelheit zu Form.
Form vermischt sich
mit trügerischem Denken;
die Gestalt dieser Gedanken
haltet ihr für euren Körper.

Bedingungen sammeln sich,
es entsteht inneres Schwanken;
nach außen gerichtet
entsteht rastloses Streben.
Dieses verwirrte, unruhige Treiben
haltet ihr für die Natur des Geistes.

Einmal so verwirrt,
nennt ihr dies ‚Geist‘
und meint,
er sei im Körper eingeschlossen.
Ihr erkennt nicht,
dass jenseits von Körper und Geist –
Berge, Flüsse,
Raum und Erde –
alles
Erscheinung
im wunderbar klaren ursprünglichen Grund ist.

Es ist,
als würdet ihr
das geklärte,
unermessliche große Meer
verwerfen
und eine einzelne Schaumblase
für das ganze Meer halten
und meinen,
damit sei alles erschöpft.

So seid ihr Menschen,
die im Irrtum
noch tiefer in den Irrtum geraten.
Wie meine herabhängende Hand
ohne jeden Unterschied ist,
so nennt der Tathāgata euch
wahrlich
der Erbarmung würdig.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine der zentralen Selbstoffenbarungen des Sutras und enthält in verdichteter Form die gesamte Diagnose des menschlichen Irrtums.

1. Sprachlosigkeit als Schwellenzustand

Ānanda und die Versammlung
wissen nicht mehr,
wo „verkehrt“ sein soll.
Das ist kein Scheitern,
sondern der Moment,
in dem begriffliches Denken
nicht mehr trägt.

Erst hier
kann der ursprüngliche Grund
direkt angesprochen werden.

2. „唯心所現“ – nicht Idealismus, sondern Ontologie

„Alles erscheint aus dem Geist“
bedeutet hier nicht:
„Alles ist nur Vorstellung“,
sondern:
👉 Alles erscheint im ursprünglichen Grund,
nicht außerhalb davon.

Es gibt kein „Außen“,
in dem Wahrheit gefunden werden könnte.

3. Der Sturz in die Verdunkelung

Die Abfolge ist präzise:
• Verdunkelung
• scheinbare Leerheit
• Verdichtung zu Form
• Vermischung mit Denken
• Identifikation als Körper
• rastloser Geist als Selbstbild

Das ist keine Kosmologie,
sondern eine phänomenologische Beschreibung der Ich-Entstehung.

4. Der zentrale Irrtum

Der entscheidende Satz:

Ihr haltet das Bewegte für Geist
und sperrt es in den Körper ein.

Damit ist alles gesagt:
der ursprüngliche Grund ist unbegrenzt,
doch der Geist
verengt es
zu einem inneren Objekt.

5. Das Gleichnis vom Meer

Das Meer ist der ursprüngliche Grund.
Die Schaumblase
ist der identifizierte Geist.

Nicht falsch –
aber unendlich unzureichend.

6. „Der Erbarmung würdig“

Das ist kein Tadel,
sondern Mitgefühl:
Nicht Schuld,
sondern Verwechslung
bindet die Wesen.
87 #
阿難承佛悲救深[1]誨,垂泣叉手而白佛言:「我雖承佛如是妙音,悟妙明心元所圓滿常住心地,而我悟佛現說法音,現以緣心,允所瞻仰;徒獲此心,未敢認為本元心地。願佛哀愍宣示圓音,拔我疑根歸無上道!」
Ānanda,
von der tiefen Barmherzigkeit
und rettenden Weisung des Buddha berührt,
vergoss Tränen,
faltete die Hände
und sprach:

„Weltverehrter,
durch deine wunderbare Stimme
habe ich erkannt:
Der wunderbar klare ursprüngliche Grund
ist von Ursprung an
vollendet,
rund
und als Herzgrund
beständig gegenwärtig.

Doch das Hören dieser Lehre,
der Klang deiner Worte,
wird noch
durch den bedingten Geist erfasst –
durch jenen Geist,
der sich an Ursachen,
Wahrnehmung
und Verehrung bindet.

So habe ich diesen Geist zwar erkannt,
doch wage ich nicht,
ihn als den ursprünglichen Herzgrund
anzunehmen.

Ich bitte dich
aus tiefstem Mitgefühl:
Lass den vollkommenen Klang erklingen,
reiße die Wurzel meines Zweifels heraus
und führe mich zurück
auf den höchsten Weg!“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist ein Meisterstück spiritueller Ehrlichkeit und markiert eine entscheidende Feinunterscheidung.

1. Einsicht – aber noch keine Verankerung

Ānanda hat erkannt:
• der ursprüngliche Grund ist ursprünglich vollständig
• Es ist nicht neu zu erzeugen
• Es ist beständig gegenwärtig

Und doch:
👉 Diese Einsicht ist noch gehört, nicht gewohnt.

2. Der „bedingte Geist“ hört das Unbedingte

Ānandas Problem ist subtil:
Er erkennt der ursprüngliche Grund
noch mit dem Geist,
der selbst bedingt ist.

Das ist die klassische Schwelle:

Das Auge kann das Licht sehen,
aber nicht sich selbst.

3. „Ich wage nicht, es als Herzgrund anzuerkennen“

Das ist keine Schwäche,
sondern Reife.
Ānanda verweigert
vorschnelle Identifikation.

Er spürt:
Wenn er jetzt sagt „Das bin ich“,
wäre es wieder
der Geist,
der sich etwas aneignet.

4. Der „vollkommene Klang“

„圓音“ ist hier entscheidend:
Nicht neue Begriffe,
sondern eine Lehre,
die keinen Haltpunkt lässt,
an dem der Geist sich festsetzen kann.

Der Buddha wird nun
nicht erklären,
sondern entziehen.

5. Rückkehr – nicht Fortschritt

„歸無上道“:
Nicht Hinaufsteigen,
sondern Heimkehren.

Ānanda bittet nicht
um mehr Wissen,
sondern um
die endgültige Auflösung
des letzten Zweifels:

Wer hört der ursprüngliche Grund?

Genau hier
setzt der nächste Abschnitt an.
中文原文
阿難承佛悲救深[1]誨,垂泣叉手而白佛言:「我雖承佛如是妙音,悟妙明心元所圓滿常住心地,而我悟佛現說法音,現以緣心,允所瞻仰;徒獲此心,未敢認為本元心地。願佛哀愍宣示圓音,拔我疑根歸無上道!」
Deutsch
Ānanda,
von der tiefen Barmherzigkeit
und rettenden Weisung des Buddha berührt,
vergoss Tränen,
faltete die Hände
und sprach:

„Weltverehrter,
durch deine wunderbare Stimme
habe ich erkannt:
Der wunderbar klare ursprüngliche Grund
ist von Ursprung an
vollendet,
rund
und als Herzgrund
beständig gegenwärtig.

Doch das Hören dieser Lehre,
der Klang deiner Worte,
wird noch
durch den bedingten Geist erfasst –
durch jenen Geist,
der sich an Ursachen,
Wahrnehmung
und Verehrung bindet.

So habe ich diesen Geist zwar erkannt,
doch wage ich nicht,
ihn als den ursprünglichen Herzgrund
anzunehmen.

Ich bitte dich
aus tiefstem Mitgefühl:
Lass den vollkommenen Klang erklingen,
reiße die Wurzel meines Zweifels heraus
und führe mich zurück
auf den höchsten Weg!“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist ein Meisterstück spiritueller Ehrlichkeit und markiert eine entscheidende Feinunterscheidung.

1. Einsicht – aber noch keine Verankerung

Ānanda hat erkannt:
• der ursprüngliche Grund ist ursprünglich vollständig
• Es ist nicht neu zu erzeugen
• Es ist beständig gegenwärtig

Und doch:
👉 Diese Einsicht ist noch gehört, nicht gewohnt.

2. Der „bedingte Geist“ hört das Unbedingte

Ānandas Problem ist subtil:
Er erkennt der ursprüngliche Grund
noch mit dem Geist,
der selbst bedingt ist.

Das ist die klassische Schwelle:

Das Auge kann das Licht sehen,
aber nicht sich selbst.

3. „Ich wage nicht, es als Herzgrund anzuerkennen“

Das ist keine Schwäche,
sondern Reife.
Ānanda verweigert
vorschnelle Identifikation.

Er spürt:
Wenn er jetzt sagt „Das bin ich“,
wäre es wieder
der Geist,
der sich etwas aneignet.

4. Der „vollkommene Klang“

„圓音“ ist hier entscheidend:
Nicht neue Begriffe,
sondern eine Lehre,
die keinen Haltpunkt lässt,
an dem der Geist sich festsetzen kann.

Der Buddha wird nun
nicht erklären,
sondern entziehen.

5. Rückkehr – nicht Fortschritt

„歸無上道“:
Nicht Hinaufsteigen,
sondern Heimkehren.

Ānanda bittet nicht
um mehr Wissen,
sondern um
die endgültige Auflösung
des letzten Zweifels:

Wer hört der ursprüngliche Grund?

Genau hier
setzt der nächste Abschnitt an.
88 #
佛告阿難:「汝等尚以緣心聽法,此法亦緣,非得法性。如人以手指月示人,彼人因指當應看月,若復觀指以為月體,此人豈唯亡失月輪,亦亡其指。何以故?以所標指為明月故。豈唯亡指,亦復不識明之與暗。何以故?即以指體為月明性,明暗二性無所了故。汝亦如是,若以分別我說法音為汝心者,此心自應離分別音、有分別性。譬如有客寄宿旅亭,暫止便去,終不常住;而掌亭人都無所去,名為亭主。此亦如是,若真汝心,則無所去,云何離聲無分別性?斯則豈唯聲分別心,分別我容,離諸色相無分別性;如是乃至分別都無,非色非空,拘舍離等昧為冥諦,離諸法緣無分別性,則汝心性各有所還,云何為主?」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ihr hört das Dharma noch immer
mit dem bedingten Geist.
Doch auch dieses Dharma
ist bedingt
und kann das Wesen des Dharma
nicht selbst sein.

Es ist,
als würde jemand
mit dem Finger auf den Mond zeigen,
um den Mond sichtbar zu machen.
Der andere soll
dem Finger folgen
und den Mond sehen.
Hält er jedoch
den Finger selbst
für den Mond,
verliert er
nicht nur den Mond,
sondern auch den Finger.

Denn er verwechselt
das Hinweisende
mit dem Gemeinten.
So verliert er
nicht nur den Mond,
sondern erkennt auch
nicht mehr,
was hell
und was dunkel ist.

So ist es auch bei dir:
Wenn du das unterscheidende Erfassen
meiner Stimme
für dein Herz hältst,
dann müsste dieses Herz
auch ohne Klang
eine unterscheidende Natur besitzen.

Ein Gast in einer Herberge
verweilt nur kurz
und zieht weiter.
Der Hausherr hingegen
geht nirgends hin.
So erkennt man,
wer Gast
und wer Herr ist.

Ist das,
was du jetzt für Herz hältst,
wirklich dein wahres Herz,
dann dürfte es
nirgendwohin gehen.
Wie könnte es dann,
ohne Klang,
keine unterscheidende Kraft haben?

Dasselbe gilt
für das Unterscheiden von Formen,
ja selbst für den Fall,
dass alle Unterscheidung aufhört,
weder Form
noch Leerheit greifbar ist
und manche dies
für die letzte Wahrheit halten.

Wenn aber getrennt von allen Bedingungen
keine Unterscheidung mehr vorhanden ist,
dann hätte dieses Herz
jeweils einen Ort,
zu dem es zurückkehrt.
Wie könnte es dann
der wahre Hausherr sein?
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine der schärfsten und präzisesten Demontagen des subtilen Geist-Missverständnisses im gesamten Sutra.

1. Der letzte raffinierte Irrtum

Ānanda ist nicht mehr grob verhaftet
an Körper oder Sinnesobjekte,
sondern an das hörende, unterscheidende Erfassen selbst.

Der Buddha zeigt:
👉 Auch dieses Erfassen
ist noch bedingt.

2. Finger und Mond – nicht Metapher, sondern Diagnose

Der Finger ist nicht „falsch“,
sondern hinweisend.
Doch wer ihn festhält,
verliert beides:
• das Ziel (Mond)
• das Mittel (Finger)

So verliert der Geist:
• der ursprüngliche Grund
• und sogar den Geist als funktionales Werkzeug

3. Gast und Hausherr

Alles,
was kommt und geht,
ist Gast:
• Klang
• Form
• Gedanke
• selbst Nicht-Gedanke

Der Hausherr
ist das,
was niemals kommt oder geht.

👉 Das ist der ursprüngliche Grund.

4. Die Falle der „absoluten Leere“

Der Buddha schließt auch
die subtilste Flucht:
eine Leere ohne Unterscheidung,
jenseits von Form und Nicht-Form.

Auch das,
wenn es abhängig vom Abwesenheit von Bedingungen ist,
ist nicht der Hausherr.

5. Die unausgesprochene Pointe

Der Buddha benennt der ursprüngliche Grund nicht,
sondern stellt eine Frage,
die alles entzieht:

Wenn alles,
was du für Herz hältst,
einen Ort hat,
zu dem es zurückkehrt –
wer ist dann der Herr?

Hier endet jede begriffliche Bewegung.
中文原文
佛告阿難:「汝等尚以緣心聽法,此法亦緣,非得法性。如人以手指月示人,彼人因指當應看月,若復觀指以為月體,此人豈唯亡失月輪,亦亡其指。何以故?以所標指為明月故。豈唯亡指,亦復不識明之與暗。何以故?即以指體為月明性,明暗二性無所了故。汝亦如是,若以分別我說法音為汝心者,此心自應離分別音、有分別性。譬如有客寄宿旅亭,暫止便去,終不常住;而掌亭人都無所去,名為亭主。此亦如是,若真汝心,則無所去,云何離聲無分別性?斯則豈唯聲分別心,分別我容,離諸色相無分別性;如是乃至分別都無,非色非空,拘舍離等昧為冥諦,離諸法緣無分別性,則汝心性各有所還,云何為主?」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ihr hört das Dharma noch immer
mit dem bedingten Geist.
Doch auch dieses Dharma
ist bedingt
und kann das Wesen des Dharma
nicht selbst sein.

Es ist,
als würde jemand
mit dem Finger auf den Mond zeigen,
um den Mond sichtbar zu machen.
Der andere soll
dem Finger folgen
und den Mond sehen.
Hält er jedoch
den Finger selbst
für den Mond,
verliert er
nicht nur den Mond,
sondern auch den Finger.

Denn er verwechselt
das Hinweisende
mit dem Gemeinten.
So verliert er
nicht nur den Mond,
sondern erkennt auch
nicht mehr,
was hell
und was dunkel ist.

So ist es auch bei dir:
Wenn du das unterscheidende Erfassen
meiner Stimme
für dein Herz hältst,
dann müsste dieses Herz
auch ohne Klang
eine unterscheidende Natur besitzen.

Ein Gast in einer Herberge
verweilt nur kurz
und zieht weiter.
Der Hausherr hingegen
geht nirgends hin.
So erkennt man,
wer Gast
und wer Herr ist.

Ist das,
was du jetzt für Herz hältst,
wirklich dein wahres Herz,
dann dürfte es
nirgendwohin gehen.
Wie könnte es dann,
ohne Klang,
keine unterscheidende Kraft haben?

Dasselbe gilt
für das Unterscheiden von Formen,
ja selbst für den Fall,
dass alle Unterscheidung aufhört,
weder Form
noch Leerheit greifbar ist
und manche dies
für die letzte Wahrheit halten.

Wenn aber getrennt von allen Bedingungen
keine Unterscheidung mehr vorhanden ist,
dann hätte dieses Herz
jeweils einen Ort,
zu dem es zurückkehrt.
Wie könnte es dann
der wahre Hausherr sein?
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine der schärfsten und präzisesten Demontagen des subtilen Geist-Missverständnisses im gesamten Sutra.

1. Der letzte raffinierte Irrtum

Ānanda ist nicht mehr grob verhaftet
an Körper oder Sinnesobjekte,
sondern an das hörende, unterscheidende Erfassen selbst.

Der Buddha zeigt:
👉 Auch dieses Erfassen
ist noch bedingt.

2. Finger und Mond – nicht Metapher, sondern Diagnose

Der Finger ist nicht „falsch“,
sondern hinweisend.
Doch wer ihn festhält,
verliert beides:
• das Ziel (Mond)
• das Mittel (Finger)

So verliert der Geist:
• der ursprüngliche Grund
• und sogar den Geist als funktionales Werkzeug

3. Gast und Hausherr

Alles,
was kommt und geht,
ist Gast:
• Klang
• Form
• Gedanke
• selbst Nicht-Gedanke

Der Hausherr
ist das,
was niemals kommt oder geht.

👉 Das ist der ursprüngliche Grund.

4. Die Falle der „absoluten Leere“

Der Buddha schließt auch
die subtilste Flucht:
eine Leere ohne Unterscheidung,
jenseits von Form und Nicht-Form.

Auch das,
wenn es abhängig vom Abwesenheit von Bedingungen ist,
ist nicht der Hausherr.

5. Die unausgesprochene Pointe

Der Buddha benennt der ursprüngliche Grund nicht,
sondern stellt eine Frage,
die alles entzieht:

Wenn alles,
was du für Herz hältst,
einen Ort hat,
zu dem es zurückkehrt –
wer ist dann der Herr?

Hier endet jede begriffliche Bewegung.
89 #
阿難言:「若我心性各有所還,則如來說妙明元心,云何無還?[2]唯垂哀愍為我宣說!」
佛告阿難:「且汝見我見精明元,此見雖非妙精明心,如第二月;非是月影。汝應諦聽!今當示汝無所還地。阿難!此大講堂,洞開東方,日輪[3]昇天則有明[4]耀;中夜黑月,雲霧晦暝,則復昏暗;戶牖之隙則復見通;牆宇之間則復觀擁;分別之處則復見緣;頑虛之中遍是空性;欝[5]𡋯之象則紆昏塵;澄霽[6]斂氛又觀清淨。阿難!汝咸看此諸變化相,吾今各還本所因處。云何本因?阿難!此諸變化,明還日輪;何以故?無日不明,明因屬日,是故還日。暗還黑月;通還戶牖;擁還牆宇;
Ānanda sprach:

„Wenn alles,
was ich für Herz halte,
jeweils einen Ort hat,
zu dem es zurückkehrt –
wie kann dann
der wunderbar klare ursprüngliche Grund,
von dem du sprichst,
keinen Ort der Rückkehr haben?
Ich bitte dich
aus Mitgefühl:
erkläre es mir.“
Der Buddha sprach:

„Höre genau zu.
Das Sehen,
dessen du dir jetzt bewusst bist,
ist noch nicht
der wunderbar klare, ursprüngliche Grund selbst.
Es gleicht
einem zweiten Mond –
nicht bloß
einem Spiegelbild.

Achte gut!
Ich will dir nun zeigen,
was keinen Ort der Rückkehr hat.

Ānanda,
diese große Lehrhalle
ist nach Osten hin offen.
Wenn die Sonne aufgeht,
erscheint Helligkeit.
In der Nacht,
bei dunklem Mond,
Wolken und Nebel,
erscheint Dunkelheit.

Durch Türen und Fenster
erscheint Offenheit;
zwischen Mauern
erscheint Begrenzung;
wo unterschieden wird,
erscheinen Bedingungen;
im starren Leeren
erscheint Raum;
bei dichtem Staub
erscheint Trübung;
bei klarem Himmel
erscheint Reinheit.

Ānanda,
du siehst all diese
wechselnden Erscheinungen.
Nun führe ich sie
zu ihrem jeweiligen Ursprung zurück.

Die Helligkeit
kehrt zur Sonne zurück –
denn ohne Sonne
gibt es keine Helligkeit.
Darum gehört Helligkeit zur Sonne
und kehrt zu ihr zurück.

Ebenso:
Dunkelheit kehrt zur Nacht zurück;
Offenheit zu Türen und Fenstern;
Begrenzung zu Mauern und Gebäuden.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der methodische Höhepunkt der Rolle 2:
die systematische Rückführung aller Erscheinungen zu ihren Bedingungen, um das Nicht-Rückführbare freizulegen.

1. „Zweiter Mond“ – präzise Grenzziehung

Das bewusste Sehen ist real,
aber nicht der ursprüngliche Grund selbst.
Es ist funktional, nicht ursprünglich.

Wichtig:
• kein Schatten
• keine Illusion
• aber noch abhängig

2. Die Methode der Rückkehr

Der Buddha führt nun
jede Erscheinung
zu ihrer Ursache zurück:
• Helligkeit → Sonne
• Dunkelheit → Nacht
• Offenheit → Öffnungen
• Begrenzung → Mauern
• Trübung → Staub
• Reinheit → klare Luft

Alles,
was erscheint,
hat einen Rückkehr-Ort.

3. Die unausgesprochene Frage

Wenn alles,
was du siehst,
zurückgeführt werden kann –
was bleibt übrig,
das keinen Ort der Rückkehr hat?

Nicht als Objekt.
Nicht als Zustand.
Nicht als Funktion.

👉 der ursprüngliche Grund.

4. Warum der Buddha noch nicht schließt

Der Buddha lässt die Liste bewusst offen.
Denn der Geist
soll selbst sehen,
dass das Sehen selbst
nicht zurückgeführt werden kann.

Das ist keine Lehre,
sondern ein Erkennen.

5. Übergang

Im nächsten Abschnitt
wird der Buddha
die Rückführung vollenden
und dann
das Nicht-Rückführbare
klar benennen –
ohne es zu einem Ding zu machen.
中文原文
阿難言:「若我心性各有所還,則如來說妙明元心,云何無還?[2]唯垂哀愍為我宣說!」
佛告阿難:「且汝見我見精明元,此見雖非妙精明心,如第二月;非是月影。汝應諦聽!今當示汝無所還地。阿難!此大講堂,洞開東方,日輪[3]昇天則有明[4]耀;中夜黑月,雲霧晦暝,則復昏暗;戶牖之隙則復見通;牆宇之間則復觀擁;分別之處則復見緣;頑虛之中遍是空性;欝[5]𡋯之象則紆昏塵;澄霽[6]斂氛又觀清淨。阿難!汝咸看此諸變化相,吾今各還本所因處。云何本因?阿難!此諸變化,明還日輪;何以故?無日不明,明因屬日,是故還日。暗還黑月;通還戶牖;擁還牆宇;
Deutsch
Ānanda sprach:

„Wenn alles,
was ich für Herz halte,
jeweils einen Ort hat,
zu dem es zurückkehrt –
wie kann dann
der wunderbar klare ursprüngliche Grund,
von dem du sprichst,
keinen Ort der Rückkehr haben?
Ich bitte dich
aus Mitgefühl:
erkläre es mir.“
Der Buddha sprach:

„Höre genau zu.
Das Sehen,
dessen du dir jetzt bewusst bist,
ist noch nicht
der wunderbar klare, ursprüngliche Grund selbst.
Es gleicht
einem zweiten Mond –
nicht bloß
einem Spiegelbild.

Achte gut!
Ich will dir nun zeigen,
was keinen Ort der Rückkehr hat.

Ānanda,
diese große Lehrhalle
ist nach Osten hin offen.
Wenn die Sonne aufgeht,
erscheint Helligkeit.
In der Nacht,
bei dunklem Mond,
Wolken und Nebel,
erscheint Dunkelheit.

Durch Türen und Fenster
erscheint Offenheit;
zwischen Mauern
erscheint Begrenzung;
wo unterschieden wird,
erscheinen Bedingungen;
im starren Leeren
erscheint Raum;
bei dichtem Staub
erscheint Trübung;
bei klarem Himmel
erscheint Reinheit.

Ānanda,
du siehst all diese
wechselnden Erscheinungen.
Nun führe ich sie
zu ihrem jeweiligen Ursprung zurück.

Die Helligkeit
kehrt zur Sonne zurück –
denn ohne Sonne
gibt es keine Helligkeit.
Darum gehört Helligkeit zur Sonne
und kehrt zu ihr zurück.

Ebenso:
Dunkelheit kehrt zur Nacht zurück;
Offenheit zu Türen und Fenstern;
Begrenzung zu Mauern und Gebäuden.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der methodische Höhepunkt der Rolle 2:
die systematische Rückführung aller Erscheinungen zu ihren Bedingungen, um das Nicht-Rückführbare freizulegen.

1. „Zweiter Mond“ – präzise Grenzziehung

Das bewusste Sehen ist real,
aber nicht der ursprüngliche Grund selbst.
Es ist funktional, nicht ursprünglich.

Wichtig:
• kein Schatten
• keine Illusion
• aber noch abhängig

2. Die Methode der Rückkehr

Der Buddha führt nun
jede Erscheinung
zu ihrer Ursache zurück:
• Helligkeit → Sonne
• Dunkelheit → Nacht
• Offenheit → Öffnungen
• Begrenzung → Mauern
• Trübung → Staub
• Reinheit → klare Luft

Alles,
was erscheint,
hat einen Rückkehr-Ort.

3. Die unausgesprochene Frage

Wenn alles,
was du siehst,
zurückgeführt werden kann –
was bleibt übrig,
das keinen Ort der Rückkehr hat?

Nicht als Objekt.
Nicht als Zustand.
Nicht als Funktion.

👉 der ursprüngliche Grund.

4. Warum der Buddha noch nicht schließt

Der Buddha lässt die Liste bewusst offen.
Denn der Geist
soll selbst sehen,
dass das Sehen selbst
nicht zurückgeführt werden kann.

Das ist keine Lehre,
sondern ein Erkennen.

5. Übergang

Im nächsten Abschnitt
wird der Buddha
die Rückführung vollenden
und dann
das Nicht-Rückführbare
klar benennen –
ohne es zu einem Ding zu machen.
90 #
緣還分別;頑虛還空;欝[*]𡋯還塵;清明還霽。則諸世間一切所有,不出斯類。汝見八種見精明性,當欲誰還!何以故?若還於明,則不明時無復見暗。雖明暗等種種差別,見無差別,諸可還者自然非汝;不汝還者非汝而誰?則知汝心本妙明淨,汝自迷悶喪本受輪,於生死中常被漂溺,是故如來名可憐愍。」
Unterscheidung
kehrt zu den Bedingungen zurück;
das starre Leere
kehrt zum Raum zurück;
Trübung
kehrt zum Staub zurück;
Klarheit
kehrt zur heiteren Reinheit zurück.

So ist alles,
was in den Welten existiert,
in diesen Rückführungen enthalten.

Du erkennst
die acht Arten
der klaren Seh-Natur.
Zu welchem von ihnen
sollte sie zurückkehren?

Würde sie zur Helligkeit zurückkehren,
könnte sie im Dunkeln
nicht mehr sehen.
Doch obwohl
Helligkeit und Dunkelheit
sich ständig wandeln,
ist das Sehen selbst
ohne Unterschied.

Alles,
was zurückkehrt,
bist nicht du.
Was nicht zurückkehrt,
ist nicht du –
wer sollte es dann sein?

Darum erkenne:
Dein ursprünglicher Grund
ist von Ursprung an
wunderbar klar
und rein.

Doch du hast dich verirrt,
hast den ursprünglichen Drehpunkt verloren
und wirst im Strom von Geburt und Tod
immer wieder fortgespült.

Darum nennt der Tathāgata dich
der Erbarmung würdig.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die formale Vollendung der „Lehre vom Nicht-Zurückkehren“ und zugleich eine der klarsten Bestimmungen des ursprünglichen Grundes im gesamten Sutra.

1. Die vollständige Rückführung der Welt

Der Buddha schließt nun die Liste:
Alles Erscheinende
– physisch, mental, atmosphärisch –
hat eine Ursache
und damit einen Ort der Rückkehr.

👉 Alles Bedingte kehrt zurück.

2. Die acht Arten des Sehens

Die „acht Arten“ sind keine neuen Entitäten,
sondern Erscheinungsweisen des Sehens
unter wechselnden Bedingungen
(Helligkeit, Dunkelheit, Offenheit, Begrenzung usw.).

Der Clou:
Das Sehen selbst
bleibt in all dem unverändert.

3. Der logische Schnitt

Der Buddha führt eine einfache,
unumkehrbare Logik ein:
• Was zurückkehrt → nicht du
• Was nicht zurückkehrt → nicht du? unmöglich

👉 Also ist das Nicht-Zurückkehrende du.

Das ist keine Metaphysik,
sondern Ausschlussdiagnostik.

4. Positive Bestimmung ohne Verdinglichung

Der Text sagt nicht:
„Du bist dieses oder jenes“,
sondern:

Dein ursprünglicher Grund ist
klar und rein.

Ohne Ort,
ohne Rückkehr,
ohne Entstehen.

5. Warum dennoch „erbarmungswürdig“?

Nicht weil etwas fehlt,
sondern weil etwas verwechselt wurde.

Das Rad dreht sich weiter,
weil der Drehpunkt
übersehen wird.



Damit ist die große Erkenntnislinie der Rolle 2 abgeschlossen:
• Nicht der Körper
• nicht der unterscheidende Geist
• nicht einmal das funktionale Sehen
ist das Eigentliche
→ sondern das nicht rückführbare Ursprüngliche.
中文原文
緣還分別;頑虛還空;欝[*]𡋯還塵;清明還霽。則諸世間一切所有,不出斯類。汝見八種見精明性,當欲誰還!何以故?若還於明,則不明時無復見暗。雖明暗等種種差別,見無差別,諸可還者自然非汝;不汝還者非汝而誰?則知汝心本妙明淨,汝自迷悶喪本受輪,於生死中常被漂溺,是故如來名可憐愍。」
Deutsch
Unterscheidung
kehrt zu den Bedingungen zurück;
das starre Leere
kehrt zum Raum zurück;
Trübung
kehrt zum Staub zurück;
Klarheit
kehrt zur heiteren Reinheit zurück.

So ist alles,
was in den Welten existiert,
in diesen Rückführungen enthalten.

Du erkennst
die acht Arten
der klaren Seh-Natur.
Zu welchem von ihnen
sollte sie zurückkehren?

Würde sie zur Helligkeit zurückkehren,
könnte sie im Dunkeln
nicht mehr sehen.
Doch obwohl
Helligkeit und Dunkelheit
sich ständig wandeln,
ist das Sehen selbst
ohne Unterschied.

Alles,
was zurückkehrt,
bist nicht du.
Was nicht zurückkehrt,
ist nicht du –
wer sollte es dann sein?

Darum erkenne:
Dein ursprünglicher Grund
ist von Ursprung an
wunderbar klar
und rein.

Doch du hast dich verirrt,
hast den ursprünglichen Drehpunkt verloren
und wirst im Strom von Geburt und Tod
immer wieder fortgespült.

Darum nennt der Tathāgata dich
der Erbarmung würdig.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die formale Vollendung der „Lehre vom Nicht-Zurückkehren“ und zugleich eine der klarsten Bestimmungen des ursprünglichen Grundes im gesamten Sutra.

1. Die vollständige Rückführung der Welt

Der Buddha schließt nun die Liste:
Alles Erscheinende
– physisch, mental, atmosphärisch –
hat eine Ursache
und damit einen Ort der Rückkehr.

👉 Alles Bedingte kehrt zurück.

2. Die acht Arten des Sehens

Die „acht Arten“ sind keine neuen Entitäten,
sondern Erscheinungsweisen des Sehens
unter wechselnden Bedingungen
(Helligkeit, Dunkelheit, Offenheit, Begrenzung usw.).

Der Clou:
Das Sehen selbst
bleibt in all dem unverändert.

3. Der logische Schnitt

Der Buddha führt eine einfache,
unumkehrbare Logik ein:
• Was zurückkehrt → nicht du
• Was nicht zurückkehrt → nicht du? unmöglich

👉 Also ist das Nicht-Zurückkehrende du.

Das ist keine Metaphysik,
sondern Ausschlussdiagnostik.

4. Positive Bestimmung ohne Verdinglichung

Der Text sagt nicht:
„Du bist dieses oder jenes“,
sondern:

Dein ursprünglicher Grund ist
klar und rein.

Ohne Ort,
ohne Rückkehr,
ohne Entstehen.

5. Warum dennoch „erbarmungswürdig“?

Nicht weil etwas fehlt,
sondern weil etwas verwechselt wurde.

Das Rad dreht sich weiter,
weil der Drehpunkt
übersehen wird.



Damit ist die große Erkenntnislinie der Rolle 2 abgeschlossen:
• Nicht der Körper
• nicht der unterscheidende Geist
• nicht einmal das funktionale Sehen
ist das Eigentliche
→ sondern das nicht rückführbare Ursprüngliche.
91 #
Kommentar öffnen
Systematische Kerndiagnose der Rolle 2 (Shurangama-Sutra)

I. Ausgangsproblem: Wo ist der Geist – und was ist er?

Die Rolle 2 beginnt mit einer existenziellen Frage:

Wenn alles vergeht –
was weiß vom Vergehen?

Der Buddha zeigt Schritt für Schritt:
• Der Körper vergeht.
• Der unruhige, unterscheidende Geist vergeht.
• Selbst Wahrnehmungsfunktionen (Sehen, Hören etc.) erscheinen nur bedingt.

Doch:
👉 Das Erkennen des Vergehens selbst vergeht nicht.



II. Die Grundunterscheidung: Gast und Hausherr

Der Buddha etabliert ein zentrales Strukturprinzip:

1. Gast (客)

Alles, was:
• kommt und geht
• erscheint und verschwindet
• von Bedingungen abhängt

ist Gast.

Dazu gehören:
• Sinneseindrücke (Klang, Form, Helligkeit, Dunkelheit)
• Gedanken, Emotionen, Unterscheidungen
• sogar meditative Zustände
• sogar das Erleben von Leerheit

2. Hausherr (主)

Das, was:
• nicht kommt
• nicht geht
• nicht zurückkehrt
• nicht abhängig ist

ist der Hausherr.

👉 Das ist das, was hier „ursprünglicher Grund“ genannt wird.



III. Die Methode der Rückführung (還)

Der Buddha verwendet eine ausschließende Methode:

Er zeigt:
• Helligkeit → kehrt zur Sonne zurück
• Dunkelheit → kehrt zur Nacht zurück
• Offenheit → kehrt zu Türen/Fenstern zurück
• Begrenzung → kehrt zu Mauern zurück
• Trübung → kehrt zu Staub zurück
• Klarheit → kehrt zu klarer Luft zurück
• Unterscheidung → kehrt zu Bedingungen zurück
• Raumhaftigkeit → kehrt zum Raum zurück

Prinzip:

Alles, was zurückgeführt werden kann,
ist nicht das Eigentliche.



IV. Der entscheidende logische Schnitt

Der Buddha führt eine einfache, aber unumkehrbare Logik ein:
1. Alles, was zurückkehrt, bist nicht du.
2. Das, was nicht zurückkehrt,
kann nicht „nicht du“ sein –
sonst gäbe es niemanden, der all dies erkennt.

👉 Also ist das Nicht-Rückkehrende
das wahre Herz / das Ursprüngliche.



V. Das Sehen als Schlüssel – aber nicht als Ziel

Ein besonders feiner Punkt:
• Das Sehen altert nicht.
• Doch das funktionale „Sehen-Können“
ist noch nicht der ursprüngliche Grund selbst.

Der Buddha nennt es:

„wie ein zweiter Mond“
– real, aber noch abhängig.

👉 Auch das Sehen ist nicht der Hausherr,
sondern ein Werkzeug, das im ursprünglichen Grund erscheint.



VI. Die subtilste Flucht – und warum sie nicht trägt

Jetzt zum entscheidenden Punkt.

1. Die subtilste Flucht

Wenn der Übende erkennt:
• Körper ist es nicht
• Gedanken sind es nicht
• Wahrnehmung ist es nicht

entsteht die Versuchung, sich zurückzuziehen in:

eine Leere ohne Unterscheidung,
jenseits von Form und Nicht-Form,
ohne Wahrnehmung, ohne Objekt.

Oft formuliert als:
• „reines Nicht-Unterscheiden“
• „reines Leer-Sein“
• „absolute Stille“
• „reine Leere“

2. Warum der Buddha auch das schließt

Der Buddha sagt sinngemäß:

Wenn diese „Leere“
nur dann da ist,
wenn Bedingungen abwesend sind
(kein Klang, keine Form, keine Unterscheidung),
dann ist sie bedingt durch Abwesenheit.

Und damit gilt:
• Sie kommt, wenn Bedingungen wegfallen
• Sie geht, wenn Bedingungen zurückkehren

👉 Also ist auch diese Leere Gast, nicht Hausherr.

3. Der entscheidende Prüfstein

Der Buddha stellt unausgesprochen diese Frage:

Wenn diese Leere verschwindet,
wer weiß dann, dass sie verschwunden ist?

Das, was das Kommen und Gehen der Leere erkennt,
kann selbst nicht diese Leere sein.

👉 der ursprüngliche Grund ist nicht:
• Form
• Nicht-Form
• Unterscheidung
• Nicht-Unterscheidung

sondern das, in dem all das erscheint
– ohne selbst zu erscheinen.



VII. Positive Bestimmung ohne Verdinglichung

Der Buddha vermeidet jede neue Identifikation.

Er sagt nicht:
• „Du bist X“
• „Das ist ein Ding“
• „Das ist ein Zustand“

Sondern nur:

Dein ursprünglicher Grund ist
wunderbar klar
rein
nicht geboren
nicht vergehend

Alles Weitere wäre bereits wieder
eine neue Schaumblase im Meer.



VIII. Warum die Wesen „erbarmungswürdig“ sind

Nicht, weil etwas fehlt.

Sondern weil:
• der Drehpunkt übersehen wird
• das Rad sich weiter dreht
• das Meer als Schaumblase missverstanden wird

Samsara ist kein Ort,
sondern eine Verwechslung der Perspektive.



IX. Kurzform

Alles, was kommt und geht, ist Gast.
Auch Gedanken, auch Leere.

Das, was nie kommt und nie geht,
ist der Hausherr.

Dieses ist nicht zu finden,
nicht zu halten,
nicht zu machen.

Es ist das,
wodurch Finden, Halten und Machen
überhaupt erscheinen.
中文原文
Deutsch
Kommentar
Systematische Kerndiagnose der Rolle 2 (Shurangama-Sutra)

I. Ausgangsproblem: Wo ist der Geist – und was ist er?

Die Rolle 2 beginnt mit einer existenziellen Frage:

Wenn alles vergeht –
was weiß vom Vergehen?

Der Buddha zeigt Schritt für Schritt:
• Der Körper vergeht.
• Der unruhige, unterscheidende Geist vergeht.
• Selbst Wahrnehmungsfunktionen (Sehen, Hören etc.) erscheinen nur bedingt.

Doch:
👉 Das Erkennen des Vergehens selbst vergeht nicht.



II. Die Grundunterscheidung: Gast und Hausherr

Der Buddha etabliert ein zentrales Strukturprinzip:

1. Gast (客)

Alles, was:
• kommt und geht
• erscheint und verschwindet
• von Bedingungen abhängt

ist Gast.

Dazu gehören:
• Sinneseindrücke (Klang, Form, Helligkeit, Dunkelheit)
• Gedanken, Emotionen, Unterscheidungen
• sogar meditative Zustände
• sogar das Erleben von Leerheit

2. Hausherr (主)

Das, was:
• nicht kommt
• nicht geht
• nicht zurückkehrt
• nicht abhängig ist

ist der Hausherr.

👉 Das ist das, was hier „ursprünglicher Grund“ genannt wird.



III. Die Methode der Rückführung (還)

Der Buddha verwendet eine ausschließende Methode:

Er zeigt:
• Helligkeit → kehrt zur Sonne zurück
• Dunkelheit → kehrt zur Nacht zurück
• Offenheit → kehrt zu Türen/Fenstern zurück
• Begrenzung → kehrt zu Mauern zurück
• Trübung → kehrt zu Staub zurück
• Klarheit → kehrt zu klarer Luft zurück
• Unterscheidung → kehrt zu Bedingungen zurück
• Raumhaftigkeit → kehrt zum Raum zurück

Prinzip:

Alles, was zurückgeführt werden kann,
ist nicht das Eigentliche.



IV. Der entscheidende logische Schnitt

Der Buddha führt eine einfache, aber unumkehrbare Logik ein:
1. Alles, was zurückkehrt, bist nicht du.
2. Das, was nicht zurückkehrt,
kann nicht „nicht du“ sein –
sonst gäbe es niemanden, der all dies erkennt.

👉 Also ist das Nicht-Rückkehrende
das wahre Herz / das Ursprüngliche.



V. Das Sehen als Schlüssel – aber nicht als Ziel

Ein besonders feiner Punkt:
• Das Sehen altert nicht.
• Doch das funktionale „Sehen-Können“
ist noch nicht der ursprüngliche Grund selbst.

Der Buddha nennt es:

„wie ein zweiter Mond“
– real, aber noch abhängig.

👉 Auch das Sehen ist nicht der Hausherr,
sondern ein Werkzeug, das im ursprünglichen Grund erscheint.



VI. Die subtilste Flucht – und warum sie nicht trägt

Jetzt zum entscheidenden Punkt.

1. Die subtilste Flucht

Wenn der Übende erkennt:
• Körper ist es nicht
• Gedanken sind es nicht
• Wahrnehmung ist es nicht

entsteht die Versuchung, sich zurückzuziehen in:

eine Leere ohne Unterscheidung,
jenseits von Form und Nicht-Form,
ohne Wahrnehmung, ohne Objekt.

Oft formuliert als:
• „reines Nicht-Unterscheiden“
• „reines Leer-Sein“
• „absolute Stille“
• „reine Leere“

2. Warum der Buddha auch das schließt

Der Buddha sagt sinngemäß:

Wenn diese „Leere“
nur dann da ist,
wenn Bedingungen abwesend sind
(kein Klang, keine Form, keine Unterscheidung),
dann ist sie bedingt durch Abwesenheit.

Und damit gilt:
• Sie kommt, wenn Bedingungen wegfallen
• Sie geht, wenn Bedingungen zurückkehren

👉 Also ist auch diese Leere Gast, nicht Hausherr.

3. Der entscheidende Prüfstein

Der Buddha stellt unausgesprochen diese Frage:

Wenn diese Leere verschwindet,
wer weiß dann, dass sie verschwunden ist?

Das, was das Kommen und Gehen der Leere erkennt,
kann selbst nicht diese Leere sein.

👉 der ursprüngliche Grund ist nicht:
• Form
• Nicht-Form
• Unterscheidung
• Nicht-Unterscheidung

sondern das, in dem all das erscheint
– ohne selbst zu erscheinen.



VII. Positive Bestimmung ohne Verdinglichung

Der Buddha vermeidet jede neue Identifikation.

Er sagt nicht:
• „Du bist X“
• „Das ist ein Ding“
• „Das ist ein Zustand“

Sondern nur:

Dein ursprünglicher Grund ist
wunderbar klar
rein
nicht geboren
nicht vergehend

Alles Weitere wäre bereits wieder
eine neue Schaumblase im Meer.



VIII. Warum die Wesen „erbarmungswürdig“ sind

Nicht, weil etwas fehlt.

Sondern weil:
• der Drehpunkt übersehen wird
• das Rad sich weiter dreht
• das Meer als Schaumblase missverstanden wird

Samsara ist kein Ort,
sondern eine Verwechslung der Perspektive.



IX. Kurzform

Alles, was kommt und geht, ist Gast.
Auch Gedanken, auch Leere.

Das, was nie kommt und nie geht,
ist der Hausherr.

Dieses ist nicht zu finden,
nicht zu halten,
nicht zu machen.

Es ist das,
wodurch Finden, Halten und Machen
überhaupt erscheinen.
92 #
阿難言:「我雖識此見性無還,云何得知是我真性?」
佛告阿難:「吾今問汝:今汝未得無漏清淨,承佛神力見於初禪,得無障礙;而阿那律見閻浮提,如觀掌中菴摩羅[A2]菓;諸菩薩等見百千界;十方如來窮盡微塵清淨國土無所不矚;眾生洞視不過分寸。阿難!且吾與汝觀四天王所住宮殿,中間遍覽水陸空行,雖有昏明種種形像,無非前塵分別留礙。汝應於此分別自他,[7]今吾將汝擇於見中,誰是我體?誰為物象?
Ānanda sprach:

„Auch wenn ich erkannt habe,
dass diese Seh-Natur
keinen Ort der Rückkehr hat –
wie kann ich sicher wissen,
dass sie
meine wahre Natur ist?“

Der Buddha sprach:

„Nun frage ich dich.
Du hast die Ausflüsse noch nicht beendet,
und doch kannst du –
getragen von der Kraft des Buddha –
in der ersten Sammlung
ohne Hindernis sehen.
Aniruddha hingegen
überblickt ganz Jambudvīpa,
als läge eine Frucht
in seiner Hand.
Bodhisattvas
sehen hunderttausend Welten.
Die Buddhas der zehn Richtungen
durchdringen
alle reinen Länder
bis in die feinsten Staubteilchen.
Gewöhnliche Wesen
sehen kaum weiter
als eine Armlänge.

Ānanda,
lass uns nun gemeinsam
die Paläste der Vier Himmelskönige betrachten
und alles dazwischen:
was sich im Wasser,
auf dem Land
und in der Luft bewegt.
So vielfältig
Helligkeit und Dunkelheit,
Formen und Gestalten auch sind –
all dies
sind nur
vordere Erscheinungen,
die durch Unterscheidung
als Hindernisse festgehalten werden.

Unterscheide nun
zwischen Selbst und Anderem.
Ich lasse dich jetzt
im Sehen selbst wählen:
Was davon
ist mein Körper?
Was davon
sind bloße Objekte?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von der ontologischen zur identitätskritischen Phase der Rolle 2.

1. Ānandas letzte berechtigte Frage

Ānanda akzeptiert die Logik des Buddha,
doch stellt nun die einzig verbleibende Frage:

Wenn etwas nicht zurückkehrt –
woher weiß ich, dass es ich bin?

Das ist kein Ego-Reflex,
sondern die letzte Schwelle:
Nicht mehr was ist wahr,
sondern was bin ich.

2. Sehen ist skalierbar – der ursprüngliche Grund nicht

Der Buddha führt eine Hierarchie des Sehens ein:
• gewöhnliche Wesen: wenige Schritte
• Ānanda: erweiterte Wahrnehmung
• Aniruddha: weltumspannend
• Bodhisattvas: kosmisch
• Buddhas: grenzenlos

Der entscheidende Punkt:
👉 Der Umfang des Sehens ändert sich –
das Sehen selbst nicht.

Damit wird klar:
der ursprüngliche Grund ist nicht identisch mit
einem bestimmten Wahrnehmungsradius
oder einer Fähigkeit.

3. Objekte bleiben Objekte – auch im Kosmos

Selbst wenn man:
• Himmelspaläste
• Wasser-, Land- und Luftwesen
• feinste Formen

sieht –
all dies bleibt „vorderer Staub“,
also Objekte,
die durch Unterscheidung
zu scheinbaren Hindernissen werden.

der ursprüngliche Grund ist nicht das Gesehene,
egal wie subtil oder weit.

4. Die entscheidende Übung

Der Buddha fordert keine neue Meditation,
sondern eine klare Scheidung:

Innerhalb des Sehens selbst:
Was ist Selbst?
Was ist Objekt?

Diese Frage lässt dem Geist
keinen Fluchtpunkt mehr:
• Nicht Identifikation mit Objekten
• Nicht Identifikation mit Weite
• Nicht Identifikation mit Fähigkeit

5. Vorbereitung der finalen Auflösung

Der Buddha wird nun
jede mögliche Antwort,
die Ānanda geben könnte,
auflösen:
• Körper? → Objekt
• Sehinhalte? → Objekt
• Reichweite? → Objekt
• Klarheit? → Objekt

Übrig bleibt nur das,
was niemals Objekt werden kann.

👉 Genau dort
wird der ursprüngliche Grund
nicht erkannt,
sondern selbst-evident.
中文原文
阿難言:「我雖識此見性無還,云何得知是我真性?」
佛告阿難:「吾今問汝:今汝未得無漏清淨,承佛神力見於初禪,得無障礙;而阿那律見閻浮提,如觀掌中菴摩羅[A2]菓;諸菩薩等見百千界;十方如來窮盡微塵清淨國土無所不矚;眾生洞視不過分寸。阿難!且吾與汝觀四天王所住宮殿,中間遍覽水陸空行,雖有昏明種種形像,無非前塵分別留礙。汝應於此分別自他,[7]今吾將汝擇於見中,誰是我體?誰為物象?
Deutsch
Ānanda sprach:

„Auch wenn ich erkannt habe,
dass diese Seh-Natur
keinen Ort der Rückkehr hat –
wie kann ich sicher wissen,
dass sie
meine wahre Natur ist?“

Der Buddha sprach:

„Nun frage ich dich.
Du hast die Ausflüsse noch nicht beendet,
und doch kannst du –
getragen von der Kraft des Buddha –
in der ersten Sammlung
ohne Hindernis sehen.
Aniruddha hingegen
überblickt ganz Jambudvīpa,
als läge eine Frucht
in seiner Hand.
Bodhisattvas
sehen hunderttausend Welten.
Die Buddhas der zehn Richtungen
durchdringen
alle reinen Länder
bis in die feinsten Staubteilchen.
Gewöhnliche Wesen
sehen kaum weiter
als eine Armlänge.

Ānanda,
lass uns nun gemeinsam
die Paläste der Vier Himmelskönige betrachten
und alles dazwischen:
was sich im Wasser,
auf dem Land
und in der Luft bewegt.
So vielfältig
Helligkeit und Dunkelheit,
Formen und Gestalten auch sind –
all dies
sind nur
vordere Erscheinungen,
die durch Unterscheidung
als Hindernisse festgehalten werden.

Unterscheide nun
zwischen Selbst und Anderem.
Ich lasse dich jetzt
im Sehen selbst wählen:
Was davon
ist mein Körper?
Was davon
sind bloße Objekte?“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von der ontologischen zur identitätskritischen Phase der Rolle 2.

1. Ānandas letzte berechtigte Frage

Ānanda akzeptiert die Logik des Buddha,
doch stellt nun die einzig verbleibende Frage:

Wenn etwas nicht zurückkehrt –
woher weiß ich, dass es ich bin?

Das ist kein Ego-Reflex,
sondern die letzte Schwelle:
Nicht mehr was ist wahr,
sondern was bin ich.

2. Sehen ist skalierbar – der ursprüngliche Grund nicht

Der Buddha führt eine Hierarchie des Sehens ein:
• gewöhnliche Wesen: wenige Schritte
• Ānanda: erweiterte Wahrnehmung
• Aniruddha: weltumspannend
• Bodhisattvas: kosmisch
• Buddhas: grenzenlos

Der entscheidende Punkt:
👉 Der Umfang des Sehens ändert sich –
das Sehen selbst nicht.

Damit wird klar:
der ursprüngliche Grund ist nicht identisch mit
einem bestimmten Wahrnehmungsradius
oder einer Fähigkeit.

3. Objekte bleiben Objekte – auch im Kosmos

Selbst wenn man:
• Himmelspaläste
• Wasser-, Land- und Luftwesen
• feinste Formen

sieht –
all dies bleibt „vorderer Staub“,
also Objekte,
die durch Unterscheidung
zu scheinbaren Hindernissen werden.

der ursprüngliche Grund ist nicht das Gesehene,
egal wie subtil oder weit.

4. Die entscheidende Übung

Der Buddha fordert keine neue Meditation,
sondern eine klare Scheidung:

Innerhalb des Sehens selbst:
Was ist Selbst?
Was ist Objekt?

Diese Frage lässt dem Geist
keinen Fluchtpunkt mehr:
• Nicht Identifikation mit Objekten
• Nicht Identifikation mit Weite
• Nicht Identifikation mit Fähigkeit

5. Vorbereitung der finalen Auflösung

Der Buddha wird nun
jede mögliche Antwort,
die Ānanda geben könnte,
auflösen:
• Körper? → Objekt
• Sehinhalte? → Objekt
• Reichweite? → Objekt
• Klarheit? → Objekt

Übrig bleibt nur das,
was niemals Objekt werden kann.

👉 Genau dort
wird der ursprüngliche Grund
nicht erkannt,
sondern selbst-evident.
93 #
阿難!極汝見源,從日月宮是物非汝,至七金山周遍諦觀,雖種種光亦物非汝;漸漸更觀雲騰、鳥飛、風動、塵起、樹木、山川、草芥、人畜,咸物非汝。阿難!是諸近遠諸有物性,雖復差殊,同汝見精清淨所矚。則諸物類自有差別,見性無殊。此精妙明,誠汝見性。若見是物,則汝亦可見吾之見。若同見者名為見吾,吾不見時,何不見吾不見之處?若見不見,自然非彼不見之相。若不見吾不見之地,自然非物,云何非汝?又則汝今見物之時,汝既見物,物亦見汝;體性紛雜,則汝與我并諸世間不成安立。阿難!若汝見時,是汝非我;見性周遍,非汝而誰?云何自疑汝之真性,性汝不真,取我求實!」
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
folge deinem Sehen
bis an seinen äußersten Rand.

Sonne und Mond,
ihre himmlischen Paläste –
sie sind Dinge,
nicht du.
Die sieben goldenen Berge,
ihr vielfältiges Leuchten –
Dinge,
nicht du.

Schau weiter:
Wolken steigen,
Vögel fliegen,
Wind bewegt sich,
Staub wirbelt auf,
Bäume, Wälder,
Berge, Flüsse,
Gras, Staub,
Menschen und Tiere –
alles Dinge,
nicht du.

Ānanda,
all diese nahen und fernen Erscheinungen
sind verschieden.
Doch sie werden alle
vom gleichen,
reinen Sehen erfasst.

Die Dinge sind verschieden,
das Sehen ist nicht verschieden.
Dieses feine,
wunderbar klare Erkennen
ist wahrlich
deine Seh-Natur.

Wäre das Sehen selbst ein Ding,
könntest du auch
mein Sehen sehen.
Wenn wir dasselbe Sehen teilten,
würde man das
‚mich sehen‘ nennen.
Wenn ich aber nicht sehe,
warum siehst du dann
mein Nicht-Sehen?

Kannst du mein Nicht-Sehen sehen,
ist es nicht das Nicht-Sehen.
Kannst du es nicht sehen,
ist es kein Ding.
Ist es kein Ding –
wie könnte es
nicht du sein?

Wenn du jetzt
die Dinge siehst,
und die Dinge
dich sehen würden,
wären Wesen und Welt
vermischt
und nichts wäre fest begründet.

Ānanda,
wenn Sehen da ist,
dann bist du es –
nicht ich.
Das Sehen ist allgegenwärtig.
Wenn nicht du,
wer sollte es dann sein?

Warum also
zweifelst du an deiner wahren Natur
und suchst,
indem du dich selbst verleugnest,
bei mir
nach Wirklichkeit?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die finale Selbstverifikation des ursprünglichen Grundes innerhalb der Rolle 2.

1. Radikaler Ausschluss aller Objekte

Der Buddha geht systematisch vor:
Kosmos → Natur → Lebewesen → Staub.
Alles, was gesehen werden kann,
wird eindeutig als nicht-du markiert.

Damit wird jede subtile Objekt-Identifikation abgeschnitten.

2. Einheit des Sehens bei Vielfalt der Dinge

Die Dinge sind verschieden,
doch das Sehen,
durch das sie erscheinen,
ist immer dasselbe.

👉 Unterschied liegt im Objekt,
nicht im Erkennen.

3. Unmöglichkeit der Objektivierung des Sehens

Das Sehen kann nicht selbst gesehen werden:
• Könnte es gesehen werden → wäre es Objekt
• Wird es nicht gesehen → ist es kein Ding

👉 Was kein Ding ist,
kann nicht „nicht-du“ sein.

4. Auflösung von Subjekt–Objekt-Vermischung

Würden Dinge „dich sehen“,
gäbe es keine stabile Welt,
kein Ich,
keinen Buddha.

Dass Welt geordnet erscheint,
zeigt:
👉 Sehen ist nicht Objekt,
sondern Bedingung von Objektivität.

5. Der letzte Vorwurf des Buddha

„Warum suchst du bei mir?“

Das ist kein Tadel,
sondern die letzte Korrektur:
Ānanda sucht noch außen,
beim Buddha als Person,
statt der ursprüngliche Grund
als unmittelbare Selbst-Evidenz zu erkennen.

6. Abschluss der Rolle-2-Linie

Damit ist klar:
• der ursprüngliche Grund ist nicht Körper
• nicht Geist
• nicht Wahrnehmung
• nicht Leere
• nicht kosmische Weite

sondern das,
was all dies erscheinen lässt,
ohne selbst zu erscheinen.
中文原文
阿難!極汝見源,從日月宮是物非汝,至七金山周遍諦觀,雖種種光亦物非汝;漸漸更觀雲騰、鳥飛、風動、塵起、樹木、山川、草芥、人畜,咸物非汝。阿難!是諸近遠諸有物性,雖復差殊,同汝見精清淨所矚。則諸物類自有差別,見性無殊。此精妙明,誠汝見性。若見是物,則汝亦可見吾之見。若同見者名為見吾,吾不見時,何不見吾不見之處?若見不見,自然非彼不見之相。若不見吾不見之地,自然非物,云何非汝?又則汝今見物之時,汝既見物,物亦見汝;體性紛雜,則汝與我并諸世間不成安立。阿難!若汝見時,是汝非我;見性周遍,非汝而誰?云何自疑汝之真性,性汝不真,取我求實!」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
folge deinem Sehen
bis an seinen äußersten Rand.

Sonne und Mond,
ihre himmlischen Paläste –
sie sind Dinge,
nicht du.
Die sieben goldenen Berge,
ihr vielfältiges Leuchten –
Dinge,
nicht du.

Schau weiter:
Wolken steigen,
Vögel fliegen,
Wind bewegt sich,
Staub wirbelt auf,
Bäume, Wälder,
Berge, Flüsse,
Gras, Staub,
Menschen und Tiere –
alles Dinge,
nicht du.

Ānanda,
all diese nahen und fernen Erscheinungen
sind verschieden.
Doch sie werden alle
vom gleichen,
reinen Sehen erfasst.

Die Dinge sind verschieden,
das Sehen ist nicht verschieden.
Dieses feine,
wunderbar klare Erkennen
ist wahrlich
deine Seh-Natur.

Wäre das Sehen selbst ein Ding,
könntest du auch
mein Sehen sehen.
Wenn wir dasselbe Sehen teilten,
würde man das
‚mich sehen‘ nennen.
Wenn ich aber nicht sehe,
warum siehst du dann
mein Nicht-Sehen?

Kannst du mein Nicht-Sehen sehen,
ist es nicht das Nicht-Sehen.
Kannst du es nicht sehen,
ist es kein Ding.
Ist es kein Ding –
wie könnte es
nicht du sein?

Wenn du jetzt
die Dinge siehst,
und die Dinge
dich sehen würden,
wären Wesen und Welt
vermischt
und nichts wäre fest begründet.

Ānanda,
wenn Sehen da ist,
dann bist du es –
nicht ich.
Das Sehen ist allgegenwärtig.
Wenn nicht du,
wer sollte es dann sein?

Warum also
zweifelst du an deiner wahren Natur
und suchst,
indem du dich selbst verleugnest,
bei mir
nach Wirklichkeit?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die finale Selbstverifikation des ursprünglichen Grundes innerhalb der Rolle 2.

1. Radikaler Ausschluss aller Objekte

Der Buddha geht systematisch vor:
Kosmos → Natur → Lebewesen → Staub.
Alles, was gesehen werden kann,
wird eindeutig als nicht-du markiert.

Damit wird jede subtile Objekt-Identifikation abgeschnitten.

2. Einheit des Sehens bei Vielfalt der Dinge

Die Dinge sind verschieden,
doch das Sehen,
durch das sie erscheinen,
ist immer dasselbe.

👉 Unterschied liegt im Objekt,
nicht im Erkennen.

3. Unmöglichkeit der Objektivierung des Sehens

Das Sehen kann nicht selbst gesehen werden:
• Könnte es gesehen werden → wäre es Objekt
• Wird es nicht gesehen → ist es kein Ding

👉 Was kein Ding ist,
kann nicht „nicht-du“ sein.

4. Auflösung von Subjekt–Objekt-Vermischung

Würden Dinge „dich sehen“,
gäbe es keine stabile Welt,
kein Ich,
keinen Buddha.

Dass Welt geordnet erscheint,
zeigt:
👉 Sehen ist nicht Objekt,
sondern Bedingung von Objektivität.

5. Der letzte Vorwurf des Buddha

„Warum suchst du bei mir?“

Das ist kein Tadel,
sondern die letzte Korrektur:
Ānanda sucht noch außen,
beim Buddha als Person,
statt der ursprüngliche Grund
als unmittelbare Selbst-Evidenz zu erkennen.

6. Abschluss der Rolle-2-Linie

Damit ist klar:
• der ursprüngliche Grund ist nicht Körper
• nicht Geist
• nicht Wahrnehmung
• nicht Leere
• nicht kosmische Weite

sondern das,
was all dies erscheinen lässt,
ohne selbst zu erscheinen.
94 #
阿難白佛言:「世尊!若此見性必我非餘,我與如來觀四天王勝藏寶殿,居日月宮,此見周圓遍娑婆國;退歸精舍[8]只見伽藍,清心戶堂但瞻簷廡。世尊!此見如是,其體本來周遍一界,今在室中唯滿一室,為復此見縮大為小?為當牆宇夾令斷絕?我今不知斯義所在,願垂弘慈為我敷演!」
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
wenn diese Seh-Natur
wirklich mein eigenes Wesen ist
und nichts anderes,

dann geschieht Folgendes:
Gemeinsam mit dir
sehe ich die Schatzpaläste
der Vier Himmelskönige,
verweile in den Palästen
von Sonne und Mond,
und dieses Sehen
durchdringt
die ganze Sahā-Welt.

Kehre ich jedoch
in die klösterliche Unterkunft zurück,
sehe ich nur noch
die Gebäude des Tempels.
Sitze ich still im Raum,
blicke ich lediglich
auf Wände und Dachtraufe.

Dieses Sehen
war seinem Wesen nach
ursprünglich allumfassend,
jetzt aber
scheint es
nur einen Raum zu füllen.

Hat sich dieses Sehen
also verkleinert?
Oder wird es
von Mauern und Gebäuden
eingeschlossen
und dadurch begrenzt?

Ich verstehe dies nicht.
Bitte erkläre es mir
aus großem Mitgefühl.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert die letzte raffinierte Verwechslung, bevor der Buddha die Unbegrenztheit des ursprünglichen Grundes endgültig klärt.

1. Die scheinbar logische Verwirrung

Ānandas Frage ist vollkommen nachvollziehbar:
• Wenn Sehen ich selbst ist
• warum ist es einmal grenzenlos,
ein anderes Mal raumgebunden?

Das ist die klassische Alltagsintuition:

Sehen scheint vom Ort abhängig.

2. Die verdeckte Annahme

Ānanda setzt stillschweigend voraus:
• Sehen sei etwas Räumliches
• es könne sich ausdehnen oder zusammenziehen

Genau diese Annahme
wird der Buddha nun auflösen.

3. Raum ist Objekt, nicht Grenze

Was Ānanda als „Begrenzung“ erlebt,
sind Objekte im Sehen:
• Mauern
• Dach
• Raumstrukturen

Nicht aber Grenzen des Sehens selbst.

der ursprüngliche Grund
wird nicht kleiner,
sondern zeigt andere Inhalte.

4. Der Kategorienfehler

Ānanda wendet
räumliche Kategorien
(„groß“, „klein“, „innen“, „außen“)
auf etwas an,
das nicht räumlich ist.

der ursprüngliche Grund
ist nicht im Raum,
sondern Raum erscheint im ursprünglichen Grund.

5. Vorbereitung der entscheidenden Klärung

Der Buddha wird im nächsten Abschnitt zeigen:
• Sehen wird nicht eingeschlossen
• sondern Erscheinungen wechseln
• Grenzen liegen im Objektfeld,
nicht im Erkennen

Damit wird endgültig klar:
👉 der ursprüngliche Grund ist unbegrenzt,
auch wenn Erscheinungen begrenzt sind.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!若此見性必我非餘,我與如來觀四天王勝藏寶殿,居日月宮,此見周圓遍娑婆國;退歸精舍[8]只見伽藍,清心戶堂但瞻簷廡。世尊!此見如是,其體本來周遍一界,今在室中唯滿一室,為復此見縮大為小?為當牆宇夾令斷絕?我今不知斯義所在,願垂弘慈為我敷演!」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
wenn diese Seh-Natur
wirklich mein eigenes Wesen ist
und nichts anderes,

dann geschieht Folgendes:
Gemeinsam mit dir
sehe ich die Schatzpaläste
der Vier Himmelskönige,
verweile in den Palästen
von Sonne und Mond,
und dieses Sehen
durchdringt
die ganze Sahā-Welt.

Kehre ich jedoch
in die klösterliche Unterkunft zurück,
sehe ich nur noch
die Gebäude des Tempels.
Sitze ich still im Raum,
blicke ich lediglich
auf Wände und Dachtraufe.

Dieses Sehen
war seinem Wesen nach
ursprünglich allumfassend,
jetzt aber
scheint es
nur einen Raum zu füllen.

Hat sich dieses Sehen
also verkleinert?
Oder wird es
von Mauern und Gebäuden
eingeschlossen
und dadurch begrenzt?

Ich verstehe dies nicht.
Bitte erkläre es mir
aus großem Mitgefühl.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert die letzte raffinierte Verwechslung, bevor der Buddha die Unbegrenztheit des ursprünglichen Grundes endgültig klärt.

1. Die scheinbar logische Verwirrung

Ānandas Frage ist vollkommen nachvollziehbar:
• Wenn Sehen ich selbst ist
• warum ist es einmal grenzenlos,
ein anderes Mal raumgebunden?

Das ist die klassische Alltagsintuition:

Sehen scheint vom Ort abhängig.

2. Die verdeckte Annahme

Ānanda setzt stillschweigend voraus:
• Sehen sei etwas Räumliches
• es könne sich ausdehnen oder zusammenziehen

Genau diese Annahme
wird der Buddha nun auflösen.

3. Raum ist Objekt, nicht Grenze

Was Ānanda als „Begrenzung“ erlebt,
sind Objekte im Sehen:
• Mauern
• Dach
• Raumstrukturen

Nicht aber Grenzen des Sehens selbst.

der ursprüngliche Grund
wird nicht kleiner,
sondern zeigt andere Inhalte.

4. Der Kategorienfehler

Ānanda wendet
räumliche Kategorien
(„groß“, „klein“, „innen“, „außen“)
auf etwas an,
das nicht räumlich ist.

der ursprüngliche Grund
ist nicht im Raum,
sondern Raum erscheint im ursprünglichen Grund.

5. Vorbereitung der entscheidenden Klärung

Der Buddha wird im nächsten Abschnitt zeigen:
• Sehen wird nicht eingeschlossen
• sondern Erscheinungen wechseln
• Grenzen liegen im Objektfeld,
nicht im Erkennen

Damit wird endgültig klar:
👉 der ursprüngliche Grund ist unbegrenzt,
auch wenn Erscheinungen begrenzt sind.
95 #
佛告阿難:「一切世間大小、內外諸所事業,各屬前塵,不應說言見有舒縮。譬如方器中見方空,吾復問汝,此方器中所見方空,為復定方?為不定方?若定方者,別安圓器空應不圓;若不定者,在方器中應無方空。汝言不知斯義所在,義性如是,云何為在?阿難!若復欲令入無方圓,但除器方。空體無方,不應說言更除虛空方相所在。若如汝問『入室之時縮見令小』,仰觀日時,汝豈挽見齊於日面?若築牆宇能夾見斷,穿為小竇,寧無[9]續迹?是義不然。一切眾生從無始來迷己為物,失於本心,為物所轉;故於是中觀大、觀小。若能轉物,則同如來身心圓明,不動道場,於一毛端遍能含受十方國土。」
Der Buddha sprach:

„Alles,
was in der Welt
als groß oder klein,
innen oder außen erscheint,
gehört zu den Erscheinungen.
Man sollte daher nicht sagen,
das Sehen
dehne sich aus
oder ziehe sich zusammen.

Es ist wie mit einem eckigen Gefäß,
in dem eckiger Raum erscheint.
Sag mir:
Ist dieser Raum
von sich aus eckig –
oder nicht?

Wäre er von sich aus eckig,
müsste Raum
auch im runden Gefäß
eckig erscheinen.
Wäre er nicht eckig,
gäbe es im eckigen Gefäß
keinen eckigen Raum.

Wenn du Eckiges und Rundes
nicht sehen willst,
entferne nur das Gefäß.
Der Raum selbst
ist weder eckig noch rund.

So ist es auch hier:
Das Sehen
ist nicht im Raum.
Raum erscheint im Sehen.

Wenn du meinst,
beim Betreten eines Raumes
werde das Sehen klein –
ziehst du beim Blick zur Sonne
dein Sehen
auf Sonnengröße zusammen?

Wenn Mauern
das Sehen abschneiden könnten,
müsste es
durch ein Loch
wieder weitergehen.
Doch so ist es nicht.

Der Grund ist:
Seit anfangsloser Zeit
halten Wesen sich selbst
für Dinge,
verlieren ihr ursprüngliches ursprünglicher Grund
und lassen sich von den Dingen treiben.
Darum sehen sie
einmal groß,
einmal klein.

Kannst du jedoch
die Dinge wenden,
statt von ihnen gewendet zu werden,
dann bist du wie der Buddha:
Körper und Geist
sind rund und klar,
unbeweglich im Ort des Erwachens.
Dann vermagst du
auf der Spitze eines Haares
die Welten der zehn Richtungen
zu bergen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt schließt die Raumfrage endgültig und vollendet die Argumentation der Rolle 2.

1. Sehen ist nicht räumlich

Der Buddha zeigt:
• Raumformen gehören zu den Objekten
• nicht zum Erkennen

Das Sehen wird
nicht „größer“ oder „kleiner“,
sondern zeigt andere Inhalte.

2. Das Gleichnis vom Gefäß

Eckig und rund
sind Eigenschaften des Gefäßes,
nicht des Raumes.

Ebenso:
Innen und außen
sind Eigenschaften der Erscheinungen,
nicht des ursprünglichen Grundes.

3. Der Kategorienfehler des Geistes

Der Geist
wendet räumliche Kategorien
auf etwas an,
das nicht räumlich ist.

der ursprüngliche Grund
ist nicht im Raum –
Raum ist im ursprünglichen Grund.

4. Die Wurzel des Samsara

„Sich selbst für Dinge halten“:
Das ist die tiefste Diagnose.

Nicht falsches Denken,
sondern verkehrte Identifikation
hält das Rad in Bewegung.

5. Die positive Wendung

„Die Dinge wenden“ heißt:
Nicht mehr von Erscheinungen
definiert sein.

Dann gilt:
• kein Innen / Außen
• kein Groß / Klein
• kein Eingeschlossen / Offen

Die poetische Spitze:

Auf der Spitze eines Haares
die zehn Richtungen bergen

ist keine Metapher,
sondern die logische Konsequenz
eines nicht-räumlichen, ursprünglichen Grundes.
中文原文
佛告阿難:「一切世間大小、內外諸所事業,各屬前塵,不應說言見有舒縮。譬如方器中見方空,吾復問汝,此方器中所見方空,為復定方?為不定方?若定方者,別安圓器空應不圓;若不定者,在方器中應無方空。汝言不知斯義所在,義性如是,云何為在?阿難!若復欲令入無方圓,但除器方。空體無方,不應說言更除虛空方相所在。若如汝問『入室之時縮見令小』,仰觀日時,汝豈挽見齊於日面?若築牆宇能夾見斷,穿為小竇,寧無[9]續迹?是義不然。一切眾生從無始來迷己為物,失於本心,為物所轉;故於是中觀大、觀小。若能轉物,則同如來身心圓明,不動道場,於一毛端遍能含受十方國土。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Alles,
was in der Welt
als groß oder klein,
innen oder außen erscheint,
gehört zu den Erscheinungen.
Man sollte daher nicht sagen,
das Sehen
dehne sich aus
oder ziehe sich zusammen.

Es ist wie mit einem eckigen Gefäß,
in dem eckiger Raum erscheint.
Sag mir:
Ist dieser Raum
von sich aus eckig –
oder nicht?

Wäre er von sich aus eckig,
müsste Raum
auch im runden Gefäß
eckig erscheinen.
Wäre er nicht eckig,
gäbe es im eckigen Gefäß
keinen eckigen Raum.

Wenn du Eckiges und Rundes
nicht sehen willst,
entferne nur das Gefäß.
Der Raum selbst
ist weder eckig noch rund.

So ist es auch hier:
Das Sehen
ist nicht im Raum.
Raum erscheint im Sehen.

Wenn du meinst,
beim Betreten eines Raumes
werde das Sehen klein –
ziehst du beim Blick zur Sonne
dein Sehen
auf Sonnengröße zusammen?

Wenn Mauern
das Sehen abschneiden könnten,
müsste es
durch ein Loch
wieder weitergehen.
Doch so ist es nicht.

Der Grund ist:
Seit anfangsloser Zeit
halten Wesen sich selbst
für Dinge,
verlieren ihr ursprüngliches ursprünglicher Grund
und lassen sich von den Dingen treiben.
Darum sehen sie
einmal groß,
einmal klein.

Kannst du jedoch
die Dinge wenden,
statt von ihnen gewendet zu werden,
dann bist du wie der Buddha:
Körper und Geist
sind rund und klar,
unbeweglich im Ort des Erwachens.
Dann vermagst du
auf der Spitze eines Haares
die Welten der zehn Richtungen
zu bergen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt schließt die Raumfrage endgültig und vollendet die Argumentation der Rolle 2.

1. Sehen ist nicht räumlich

Der Buddha zeigt:
• Raumformen gehören zu den Objekten
• nicht zum Erkennen

Das Sehen wird
nicht „größer“ oder „kleiner“,
sondern zeigt andere Inhalte.

2. Das Gleichnis vom Gefäß

Eckig und rund
sind Eigenschaften des Gefäßes,
nicht des Raumes.

Ebenso:
Innen und außen
sind Eigenschaften der Erscheinungen,
nicht des ursprünglichen Grundes.

3. Der Kategorienfehler des Geistes

Der Geist
wendet räumliche Kategorien
auf etwas an,
das nicht räumlich ist.

der ursprüngliche Grund
ist nicht im Raum –
Raum ist im ursprünglichen Grund.

4. Die Wurzel des Samsara

„Sich selbst für Dinge halten“:
Das ist die tiefste Diagnose.

Nicht falsches Denken,
sondern verkehrte Identifikation
hält das Rad in Bewegung.

5. Die positive Wendung

„Die Dinge wenden“ heißt:
Nicht mehr von Erscheinungen
definiert sein.

Dann gilt:
• kein Innen / Außen
• kein Groß / Klein
• kein Eingeschlossen / Offen

Die poetische Spitze:

Auf der Spitze eines Haares
die zehn Richtungen bergen

ist keine Metapher,
sondern die logische Konsequenz
eines nicht-räumlichen, ursprünglichen Grundes.
96 #
阿難白佛言:「世尊!若此見精必我妙性,[10]今此妙性現在我前,見必我真,我今身心復是何物?而今身心分別有實,彼見無別分[1]辨我身。若實我心,令我今見,見性實我而身非我,何殊如來先所難言『物能見我』?[*]唯垂大慈,開發未悟!」
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
wenn diese feine Seh-Natur
wirklich meine wunderbare Natur ist
und sie jetzt
unmittelbar vor mir gegenwärtig ist –
wenn also das Sehen
mein wahres Selbst ist –

was sind dann
mein jetziger Körper
und mein Geist?

Denn Körper und Geist
erscheinen mir jetzt
als unterscheidend
und wirklich vorhanden,
während dieses Sehen
keine Unterscheidung kennt
und meinen Körper
nicht von mir abgrenzt.

Wenn dieses Sehen
wirklich mein Herz wäre,
durch das ich jetzt sehe,
und die Seh-Natur
tatsächlich ich selbst wäre,
während der Körper
nicht ich wäre –
wie unterschiede sich das
von der Ansicht,
die du zuvor verworfen hast:
‚Die Dinge sehen mich‘?

Ich bitte dich
aus tiefem Mitgefühl:
Öffne mir,
was ich noch nicht durchschaut habe!“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert eine der subtilsten Schwellen der gesamten Rolle 2.

1. Ānandas ehrliche Sackgasse

Ānanda hat nun fast alles verstanden:
• Das Sehen ist nicht Objekt
• Es ist nicht räumlich
• Es ist nicht rückkehrfähig

Doch nun stößt er auf einen scheinbaren Widerspruch:

Wenn das Sehen ich bin –
warum unterscheidet es dann nicht
klar zwischen mir und meinem Körper?

2. Verwechslung von Funktion und Wesen

Ānanda setzt stillschweigend voraus:
• „Ich“ müsse unterscheiden können
• „Ich“ müsse Grenzen ziehen
• „Ich“ müsse sagen können: das bin ich – das nicht

Doch genau diese unterscheidende Funktion
gehört bereits zum Geist,
nicht zum ursprünglichen Grund.

der ursprüngliche Grund
ist nicht dadurch „Ich“,
dass es abgrenzt,
sondern dadurch,
dass es alles trägt.

3. Die Angst vor Objektivierung

Ānanda fürchtet,
in eine neue Verkehrung zu geraten:
Wenn das Sehen ich bin
und der Körper nicht ich –
ist das nicht wieder
eine Spaltung wie zuvor,
nur umgekehrt?

Diese Vorsicht ist berechtigt.

4. Warum dies nicht „die Dinge sehen mich“ ist

Der entscheidende Unterschied:
• „Die Dinge sehen mich“ → Objekt übernimmt Subjektfunktion
• „der ursprüngliche Grund trägt Körper und Geist“ → kein Objekt, kein Gegenüber

Ānanda übersieht hier noch,
dass der ursprüngliche Grund
nicht gegenüber dem Körper steht,
sondern als dessen Bedingung.

5. Vorbereitung der entscheidenden Klärung

Der Buddha wird im nächsten Abschnitt zeigen:
• der ursprüngliche Grund ist weder
• identisch mit dem Körper
• noch getrennt von ihm
• sondern nicht-dual:
weder Objekt
noch Gegenstand der Unterscheidung

Damit wird die letzte begriffliche Klammer
des Geistes gelöst.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!若此見精必我妙性,[10]今此妙性現在我前,見必我真,我今身心復是何物?而今身心分別有實,彼見無別分[1]辨我身。若實我心,令我今見,見性實我而身非我,何殊如來先所難言『物能見我』?[*]唯垂大慈,開發未悟!」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
wenn diese feine Seh-Natur
wirklich meine wunderbare Natur ist
und sie jetzt
unmittelbar vor mir gegenwärtig ist –
wenn also das Sehen
mein wahres Selbst ist –

was sind dann
mein jetziger Körper
und mein Geist?

Denn Körper und Geist
erscheinen mir jetzt
als unterscheidend
und wirklich vorhanden,
während dieses Sehen
keine Unterscheidung kennt
und meinen Körper
nicht von mir abgrenzt.

Wenn dieses Sehen
wirklich mein Herz wäre,
durch das ich jetzt sehe,
und die Seh-Natur
tatsächlich ich selbst wäre,
während der Körper
nicht ich wäre –
wie unterschiede sich das
von der Ansicht,
die du zuvor verworfen hast:
‚Die Dinge sehen mich‘?

Ich bitte dich
aus tiefem Mitgefühl:
Öffne mir,
was ich noch nicht durchschaut habe!“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert eine der subtilsten Schwellen der gesamten Rolle 2.

1. Ānandas ehrliche Sackgasse

Ānanda hat nun fast alles verstanden:
• Das Sehen ist nicht Objekt
• Es ist nicht räumlich
• Es ist nicht rückkehrfähig

Doch nun stößt er auf einen scheinbaren Widerspruch:

Wenn das Sehen ich bin –
warum unterscheidet es dann nicht
klar zwischen mir und meinem Körper?

2. Verwechslung von Funktion und Wesen

Ānanda setzt stillschweigend voraus:
• „Ich“ müsse unterscheiden können
• „Ich“ müsse Grenzen ziehen
• „Ich“ müsse sagen können: das bin ich – das nicht

Doch genau diese unterscheidende Funktion
gehört bereits zum Geist,
nicht zum ursprünglichen Grund.

der ursprüngliche Grund
ist nicht dadurch „Ich“,
dass es abgrenzt,
sondern dadurch,
dass es alles trägt.

3. Die Angst vor Objektivierung

Ānanda fürchtet,
in eine neue Verkehrung zu geraten:
Wenn das Sehen ich bin
und der Körper nicht ich –
ist das nicht wieder
eine Spaltung wie zuvor,
nur umgekehrt?

Diese Vorsicht ist berechtigt.

4. Warum dies nicht „die Dinge sehen mich“ ist

Der entscheidende Unterschied:
• „Die Dinge sehen mich“ → Objekt übernimmt Subjektfunktion
• „der ursprüngliche Grund trägt Körper und Geist“ → kein Objekt, kein Gegenüber

Ānanda übersieht hier noch,
dass der ursprüngliche Grund
nicht gegenüber dem Körper steht,
sondern als dessen Bedingung.

5. Vorbereitung der entscheidenden Klärung

Der Buddha wird im nächsten Abschnitt zeigen:
• der ursprüngliche Grund ist weder
• identisch mit dem Körper
• noch getrennt von ihm
• sondern nicht-dual:
weder Objekt
noch Gegenstand der Unterscheidung

Damit wird die letzte begriffliche Klammer
des Geistes gelöst.
97 #
佛告阿難:「今汝所言『見在汝前』,是義非實。若實汝前,汝實見者,則此見精既有方所,非無指示。且今與汝坐祇陀林,遍觀林渠及與殿堂,上至日月,前對恒河。汝今於我師子座前,舉手指陳是種種相——陰者是林,明者是日,礙者是壁,通者是空,如是乃至草樹纖毫——大小雖殊,但可有形無不指著。若必[2]有見現在汝前,汝應以手[A3]礭實指陳何者是見?阿難當知,若空是見,既已成見,何者是空?若物是見,既已是見,何者為物?汝可微細披剝萬象,析出精明淨妙見元,指陳示我,同彼諸物分明無惑。」
Der Buddha sprach:

„Was du sagst –
‚das Sehen ist vor mir‘ –
ist nicht zutreffend.

Wäre das Sehen
wirklich vor dir gegenwärtig,
dann müsstest du es sehen können
wie ein Ding
und mit dem Finger anzeigen.

Wir sitzen hier
im Jeta-Hain.
Du kannst alles bezeichnen:
Wald und Wasser,
Hallen und Dächer,
Sonne und Mond,
den Fluss vor uns.
Du zeigst:
Das ist Wald,
das ist Sonne,
das ist Wand,
das ist Raum –
bis hin zu Gras und Staub.
Alles,
was Gestalt hat,
kannst du zeigen.

Wenn es aber
ein Sehen gäbe,
das vor dir steht,
zeige es mir.

Wenn Raum das Sehen wäre,
gäbe es keinen Raum mehr.
Wenn Dinge das Sehen wären,
gäbe es keine Dinge mehr.

Du kannst die Welt
noch so fein zerlegen –
du wirst kein
klares, reines, wunderbares Sehen
heraustrennen können,
das wie ein Objekt
vor dir liegt
und sich zeigen lässt.

Darum wisse:
der ursprüngliche Grund
ist nicht vor dir.
Es ist auch nicht hinter dir.
Es ist nicht irgendwo.

Es ist das,
wodurch überhaupt
‚vor‘ und ‚zeigen‘
möglich werden.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine präzise Zerstörung der letzten Objektivierungsfalle.

1. „Vor mir“ – der letzte subtile Irrtum

Ānanda sagt nicht mehr:
• „Das Sehen ist ein Ding“
sondern:
• „Es ist vor mir“

Doch auch das ist
eine räumliche Objektivierung.

Der Buddha zeigt:
👉 Alles, was „vor dir“ ist,
ist bereits Objekt.

2. Der Zeige-Test

Der Buddha nutzt einen einfachen,
aber vernichtenden Prüfstein:

Was wirklich da ist,
kannst du zeigen.

Alles Zeigbare:
• Wald
• Sonne
• Wand
• Raum
ist nicht das Sehen.

Das Sehen selbst
entzieht sich dem Zeigen.

3. Raum-Falle und Objekt-Falle

Der Buddha schließt beide Möglichkeiten:
• Wenn Raum = Sehen → kein Raum mehr
• Wenn Dinge = Sehen → keine Dinge mehr

Damit ist klar:
👉 Sehen ist keine Kategorie unter Kategorien.

4. Keine Extraktion möglich

Entscheidend ist der letzte Satz:
Man kann das Sehen
nicht aus den Erscheinungen
„herausdestillieren“.

Es ist nicht ein Teil der Welt,
sondern deren Bedingung.

5. Präzise Position des ursprünglichen Grundes

der ursprüngliche Grund ist:
• nicht sichtbar
• nicht lokalisierbar
• nicht trennbar
• nicht zeigbar

Aber:
• ohne es
gäbe es nichts Zeigbares.

6. Warum das wichtig ist

Hier endet jede metaphysische Spekulation.
Wer der ursprüngliche Grund
als „etwas“ sucht,
verfehlt es.
Wer es „vor sich“ sucht,
verfehlt es.
Wer es „finden“ will,
verfehlt es.

Erkennen geschieht hier
nicht durch Finden,
sondern durch Aufgeben der falschen Suche.
中文原文
佛告阿難:「今汝所言『見在汝前』,是義非實。若實汝前,汝實見者,則此見精既有方所,非無指示。且今與汝坐祇陀林,遍觀林渠及與殿堂,上至日月,前對恒河。汝今於我師子座前,舉手指陳是種種相——陰者是林,明者是日,礙者是壁,通者是空,如是乃至草樹纖毫——大小雖殊,但可有形無不指著。若必[2]有見現在汝前,汝應以手[A3]礭實指陳何者是見?阿難當知,若空是見,既已成見,何者是空?若物是見,既已是見,何者為物?汝可微細披剝萬象,析出精明淨妙見元,指陳示我,同彼諸物分明無惑。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Was du sagst –
‚das Sehen ist vor mir‘ –
ist nicht zutreffend.

Wäre das Sehen
wirklich vor dir gegenwärtig,
dann müsstest du es sehen können
wie ein Ding
und mit dem Finger anzeigen.

Wir sitzen hier
im Jeta-Hain.
Du kannst alles bezeichnen:
Wald und Wasser,
Hallen und Dächer,
Sonne und Mond,
den Fluss vor uns.
Du zeigst:
Das ist Wald,
das ist Sonne,
das ist Wand,
das ist Raum –
bis hin zu Gras und Staub.
Alles,
was Gestalt hat,
kannst du zeigen.

Wenn es aber
ein Sehen gäbe,
das vor dir steht,
zeige es mir.

Wenn Raum das Sehen wäre,
gäbe es keinen Raum mehr.
Wenn Dinge das Sehen wären,
gäbe es keine Dinge mehr.

Du kannst die Welt
noch so fein zerlegen –
du wirst kein
klares, reines, wunderbares Sehen
heraustrennen können,
das wie ein Objekt
vor dir liegt
und sich zeigen lässt.

Darum wisse:
der ursprüngliche Grund
ist nicht vor dir.
Es ist auch nicht hinter dir.
Es ist nicht irgendwo.

Es ist das,
wodurch überhaupt
‚vor‘ und ‚zeigen‘
möglich werden.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine präzise Zerstörung der letzten Objektivierungsfalle.

1. „Vor mir“ – der letzte subtile Irrtum

Ānanda sagt nicht mehr:
• „Das Sehen ist ein Ding“
sondern:
• „Es ist vor mir“

Doch auch das ist
eine räumliche Objektivierung.

Der Buddha zeigt:
👉 Alles, was „vor dir“ ist,
ist bereits Objekt.

2. Der Zeige-Test

Der Buddha nutzt einen einfachen,
aber vernichtenden Prüfstein:

Was wirklich da ist,
kannst du zeigen.

Alles Zeigbare:
• Wald
• Sonne
• Wand
• Raum
ist nicht das Sehen.

Das Sehen selbst
entzieht sich dem Zeigen.

3. Raum-Falle und Objekt-Falle

Der Buddha schließt beide Möglichkeiten:
• Wenn Raum = Sehen → kein Raum mehr
• Wenn Dinge = Sehen → keine Dinge mehr

Damit ist klar:
👉 Sehen ist keine Kategorie unter Kategorien.

4. Keine Extraktion möglich

Entscheidend ist der letzte Satz:
Man kann das Sehen
nicht aus den Erscheinungen
„herausdestillieren“.

Es ist nicht ein Teil der Welt,
sondern deren Bedingung.

5. Präzise Position des ursprünglichen Grundes

der ursprüngliche Grund ist:
• nicht sichtbar
• nicht lokalisierbar
• nicht trennbar
• nicht zeigbar

Aber:
• ohne es
gäbe es nichts Zeigbares.

6. Warum das wichtig ist

Hier endet jede metaphysische Spekulation.
Wer der ursprüngliche Grund
als „etwas“ sucht,
verfehlt es.
Wer es „vor sich“ sucht,
verfehlt es.
Wer es „finden“ will,
verfehlt es.

Erkennen geschieht hier
nicht durch Finden,
sondern durch Aufgeben der falschen Suche.
98 #
阿難言:「我今於此重閣講堂,遠洎恒河、上觀日月,舉手所指、縱目所觀,指皆是物,無是見者。世尊!如佛所說,況我有漏初學聲聞,乃至菩薩亦不能於萬物象前剖出精見離一切物別有自性!」
Ānanda sprach:

„Hier in dieser Lehrhalle,
bis hin zum fernen Ganges,
hinauf zu Sonne und Mond –
alles,
was ich mit der Hand zeigen
oder mit den Augen erfassen kann,
ist jeweils ein Ding.
Nirgends
gibt es etwas,
das ‚das Sehen selbst‘ wäre.

Weltverehrter,
wie du gesagt hast:
Selbst ich,
als noch ungeklärter Hörer,
und selbst die Bodhisattvas,
vermögen es nicht,
aus der Fülle der Erscheinungen
ein reines Sehen herauszulösen,
das getrennt von allen Dingen
eine eigene Natur hätte.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist Ānandas vollständige Kapitulation vor jeder Objektivierung – und genau darin liegt der Durchbruch.

1. Das Ende der Suchbewegung

Ānanda bestätigt nun selbst,
was der Buddha Schritt für Schritt erzwungen hat:

Alles, was gezeigt werden kann,
ist Objekt.

Das Sehen selbst
ist nicht zeigbar.

Damit bricht die letzte Hoffnung,
der ursprüngliche Grund
als etwas auffindbares,
abtrennbares
oder definierbares
zu lokalisieren.

2. Ein entscheidender Satz

Ānandas Einsicht ist präzise formuliert:

„無是見者“ –
Es gibt nichts, was das Sehen wäre (als Ding).

Das ist kein Nihilismus,
sondern die klare Erkenntnis:
👉 der ursprüngliche Grund ist nicht unter den Dingen.

3. Warum selbst Bodhisattvas „scheitern“

Ānanda schließt ausdrücklich auch die Bodhisattvas ein.
Nicht aus Respektlosigkeit,
sondern um klarzustellen:

Selbst höchste Einsicht
kann der ursprüngliche Grund nicht extrahieren.

Denn:
• Extrahieren hieße: zum Objekt machen
• Objekt machen hieße: verfehlen

4. Der Wendepunkt der Methode

Bis hierher war die Lehre analytisch-negativ:
• nicht dies
• nicht das
• nicht dort
• nicht so

Jetzt ist der Punkt erreicht,
an dem Analyse
nichts mehr zu tun hat.

Was bleibt,
ist kein neues Wissen,
sondern ein Zur-Ruhe-Kommen der Suche.

5. Vorbereitung der nächsten Phase

Nach diesem Eingeständnis
wird der Buddha
nicht weiter widerlegen,
sondern umkehren:

Nicht:

„Finde der ursprüngliche Grund“

sondern:

„Warum suchst du noch?“

Die folgende Lehre
wird nicht mehr trennen,
sondern direkt wenden –
vom suchenden Geist
zum selbst-evidenten, ursprünglichen Grund.
中文原文
阿難言:「我今於此重閣講堂,遠洎恒河、上觀日月,舉手所指、縱目所觀,指皆是物,無是見者。世尊!如佛所說,況我有漏初學聲聞,乃至菩薩亦不能於萬物象前剖出精見離一切物別有自性!」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Hier in dieser Lehrhalle,
bis hin zum fernen Ganges,
hinauf zu Sonne und Mond –
alles,
was ich mit der Hand zeigen
oder mit den Augen erfassen kann,
ist jeweils ein Ding.
Nirgends
gibt es etwas,
das ‚das Sehen selbst‘ wäre.

Weltverehrter,
wie du gesagt hast:
Selbst ich,
als noch ungeklärter Hörer,
und selbst die Bodhisattvas,
vermögen es nicht,
aus der Fülle der Erscheinungen
ein reines Sehen herauszulösen,
das getrennt von allen Dingen
eine eigene Natur hätte.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist Ānandas vollständige Kapitulation vor jeder Objektivierung – und genau darin liegt der Durchbruch.

1. Das Ende der Suchbewegung

Ānanda bestätigt nun selbst,
was der Buddha Schritt für Schritt erzwungen hat:

Alles, was gezeigt werden kann,
ist Objekt.

Das Sehen selbst
ist nicht zeigbar.

Damit bricht die letzte Hoffnung,
der ursprüngliche Grund
als etwas auffindbares,
abtrennbares
oder definierbares
zu lokalisieren.

2. Ein entscheidender Satz

Ānandas Einsicht ist präzise formuliert:

„無是見者“ –
Es gibt nichts, was das Sehen wäre (als Ding).

Das ist kein Nihilismus,
sondern die klare Erkenntnis:
👉 der ursprüngliche Grund ist nicht unter den Dingen.

3. Warum selbst Bodhisattvas „scheitern“

Ānanda schließt ausdrücklich auch die Bodhisattvas ein.
Nicht aus Respektlosigkeit,
sondern um klarzustellen:

Selbst höchste Einsicht
kann der ursprüngliche Grund nicht extrahieren.

Denn:
• Extrahieren hieße: zum Objekt machen
• Objekt machen hieße: verfehlen

4. Der Wendepunkt der Methode

Bis hierher war die Lehre analytisch-negativ:
• nicht dies
• nicht das
• nicht dort
• nicht so

Jetzt ist der Punkt erreicht,
an dem Analyse
nichts mehr zu tun hat.

Was bleibt,
ist kein neues Wissen,
sondern ein Zur-Ruhe-Kommen der Suche.

5. Vorbereitung der nächsten Phase

Nach diesem Eingeständnis
wird der Buddha
nicht weiter widerlegen,
sondern umkehren:

Nicht:

„Finde der ursprüngliche Grund“

sondern:

„Warum suchst du noch?“

Die folgende Lehre
wird nicht mehr trennen,
sondern direkt wenden –
vom suchenden Geist
zum selbst-evidenten, ursprünglichen Grund.
99 #
佛言:「如是,如是!」
佛復告阿難:「如汝所言『無有[3]精見離一切物別有自性』,則汝所指是物之中無是見者。今復告汝,汝與如來坐祇陀林,更觀林苑乃至日月種種象殊,必無見精受汝所指;汝又發明此諸物中何者非見?」
Der Buddha sprach:

„So ist es. Genau so.“

Dann fuhr er fort:

„Wie du selbst gesagt hast:
Es gibt kein reines Sehen,
das getrennt von allen Dingen
für sich bestehen könnte.
Daher gilt:
Unter all den Dingen,
die du zeigst,
gibt es kein Sehen.

Nun aber sage ich dir:
Du sitzt hier mit mir
im Jeta-Hain.
Betrachte nochmals
Wald und Garten,
Sonne und Mond,
all die verschiedenen Erscheinungen.
Gewiss findest du darin
kein Sehen,
das du zeigen könntest.

Doch nun sage mir:
Unter all diesen Dingen –
welches davon
ist nicht Sehen?“
Kommentar öffnen
Dieser kurze Abschnitt ist der entscheidende Umschlagpunkt von Analyse zu direkter Einsicht.

1. „So ist es, so ist es!“ – Bestätigung des Durchbruchs

Der Buddha bestätigt nicht eine Theorie,
sondern Ānandas Einsicht:
Das Sehen ist nirgends als Objekt auffindbar.

Damit ist die analytische Negation abgeschlossen.

2. Die Umkehrfrage

Nun stellt der Buddha keine widerlegende, sondern eine umkehrende Frage:

„Welches davon ist nicht Sehen?“

Bis hierher lautete die Suche:
• Wo ist das Sehen?

Jetzt wird sie umgedreht:
• Wo ist es nicht?

Diese Umkehr ist methodisch zentral.

3. Auflösung der Objekt–Subjekt-Spaltung

Wenn:
• unter allen Dingen kein Sehen zu finden ist
• und doch nichts ohne Sehen erscheint

dann kann Sehen
weder Objekt noch
Gegenüber der Dinge sein.

👉 Es ist das Feld, in dem Dinge erscheinen.

4. Warum der Buddha nicht erklärt

Der Buddha gibt keine Antwort.
Denn jede Antwort
würde das Sehen
wieder zu etwas machen.

Stattdessen zwingt die Frage
den Geist
in eine Sackgasse,
in der nur noch
unmittelbare Evidenz
bleibt.

5. Nähe zum ursprünglichen Grund

Ohne den Begriff zu nennen,
führt der Buddha genau hier
an der ursprüngliche Grund heran:

Nicht als Ding,
nicht als Eigenschaft,
nicht als Zustand,
sondern als
allgegenwärtige, nicht lokalisierbare Evidenz.
中文原文
佛言:「如是,如是!」
佛復告阿難:「如汝所言『無有[3]精見離一切物別有自性』,則汝所指是物之中無是見者。今復告汝,汝與如來坐祇陀林,更觀林苑乃至日月種種象殊,必無見精受汝所指;汝又發明此諸物中何者非見?」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„So ist es. Genau so.“

Dann fuhr er fort:

„Wie du selbst gesagt hast:
Es gibt kein reines Sehen,
das getrennt von allen Dingen
für sich bestehen könnte.
Daher gilt:
Unter all den Dingen,
die du zeigst,
gibt es kein Sehen.

Nun aber sage ich dir:
Du sitzt hier mit mir
im Jeta-Hain.
Betrachte nochmals
Wald und Garten,
Sonne und Mond,
all die verschiedenen Erscheinungen.
Gewiss findest du darin
kein Sehen,
das du zeigen könntest.

Doch nun sage mir:
Unter all diesen Dingen –
welches davon
ist nicht Sehen?“
Kommentar
Dieser kurze Abschnitt ist der entscheidende Umschlagpunkt von Analyse zu direkter Einsicht.

1. „So ist es, so ist es!“ – Bestätigung des Durchbruchs

Der Buddha bestätigt nicht eine Theorie,
sondern Ānandas Einsicht:
Das Sehen ist nirgends als Objekt auffindbar.

Damit ist die analytische Negation abgeschlossen.

2. Die Umkehrfrage

Nun stellt der Buddha keine widerlegende, sondern eine umkehrende Frage:

„Welches davon ist nicht Sehen?“

Bis hierher lautete die Suche:
• Wo ist das Sehen?

Jetzt wird sie umgedreht:
• Wo ist es nicht?

Diese Umkehr ist methodisch zentral.

3. Auflösung der Objekt–Subjekt-Spaltung

Wenn:
• unter allen Dingen kein Sehen zu finden ist
• und doch nichts ohne Sehen erscheint

dann kann Sehen
weder Objekt noch
Gegenüber der Dinge sein.

👉 Es ist das Feld, in dem Dinge erscheinen.

4. Warum der Buddha nicht erklärt

Der Buddha gibt keine Antwort.
Denn jede Antwort
würde das Sehen
wieder zu etwas machen.

Stattdessen zwingt die Frage
den Geist
in eine Sackgasse,
in der nur noch
unmittelbare Evidenz
bleibt.

5. Nähe zum ursprünglichen Grund

Ohne den Begriff zu nennen,
führt der Buddha genau hier
an der ursprüngliche Grund heran:

Nicht als Ding,
nicht als Eigenschaft,
nicht als Zustand,
sondern als
allgegenwärtige, nicht lokalisierbare Evidenz.
100 #
阿難言:「我實遍見此祇陀林,不知是中何者非見。何以故?若樹非見,云何見樹?若樹即見,復云何樹?如是乃至若空非見,云何[4]為空?若空即見,復云何空?我又思惟:『是萬象中微細發明無非見者!』」
Ānanda sprach:

„Ich sehe den ganzen Jeta-Hain
überall
und kann nicht erkennen,
was darin
nicht Sehen wäre.

Wenn der Baum
nicht Sehen wäre –
wie könnte er gesehen werden?
Wenn der Baum
Sehen wäre –
wie könnte er Baum sein?

Dasselbe gilt für den Raum:
Wäre der Raum
nicht Sehen,
wie könnte er
als Raum erscheinen?
Wäre der Raum
Sehen,
wie könnte er dann
noch Raum sein?

So erkenne ich:
In allen Erscheinungen,
bis in die feinsten Unterschiede hinein,
gibt es nichts,
was nicht
im Sehen erscheint.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt Ānandas entscheidenden Fortschritt – und zugleich seine letzte feine Verfehlung.

1. Der große Durchbruch

Ānanda erkennt nun klar:
• Es gibt kein Objekt, das außerhalb des Sehens steht.
• Alles Erscheinende erscheint im Sehen.

Das ist eine echte Einsicht
und markiert das Ende
jeder groben Dualität von
„Sehen hier – Dinge dort“.

2. Die verbleibende subtile Verwechslung

Doch Ānanda macht nun einen entscheidenden Fehlschritt:
Er sagt nicht nur

„Alles erscheint im Sehen“

sondern implizit:

„Alles ist Sehen.“

Damit kippt er von Dualismus
in Substanz-Monismus.

Das ist die letzte raffinierte Falle:
Nicht mehr Trennung,
sondern Vermengung.

3. Warum „alles ist Sehen“ nicht stimmt

Der Buddha hat präzise unterschieden:
• Dinge sind nicht Sehen
• Sehen ist nicht Dinge

Dass Dinge ohne Sehen nicht erscheinen können,
macht sie nicht identisch mit Sehen.

👉 Erscheinung ≠ Träger der Erscheinung

4. Die drohende Konsequenz

Wenn alles Sehen wäre:
• gäbe es keine Dinge mehr
• keine Ordnung
• keine Unterscheidbarkeit
• keinen Buddha
• keinen Ānanda

Genau diese Konsequenz
hat der Buddha zuvor bereits angedeutet:
Würden Dinge „sehen“,
wäre Welt nicht mehr stabil.

5. Die letzte notwendige Klärung

Ānanda steht nun
direkt vor der nicht-dualen Einsicht,
verfehlt sie aber noch minimal:

Er erkennt die Durchdringung,
aber verwechselt sie mit Identität.

Der Buddha wird im nächsten Abschnitt
diese letzte Verwechslung
auflösen:
Nicht alles ist Sehen,
sondern

Alles erscheint im ursprünglichen Grund,
ohne selbst ursprünglicher Grund zu sein.
中文原文
阿難言:「我實遍見此祇陀林,不知是中何者非見。何以故?若樹非見,云何見樹?若樹即見,復云何樹?如是乃至若空非見,云何[4]為空?若空即見,復云何空?我又思惟:『是萬象中微細發明無非見者!』」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Ich sehe den ganzen Jeta-Hain
überall
und kann nicht erkennen,
was darin
nicht Sehen wäre.

Wenn der Baum
nicht Sehen wäre –
wie könnte er gesehen werden?
Wenn der Baum
Sehen wäre –
wie könnte er Baum sein?

Dasselbe gilt für den Raum:
Wäre der Raum
nicht Sehen,
wie könnte er
als Raum erscheinen?
Wäre der Raum
Sehen,
wie könnte er dann
noch Raum sein?

So erkenne ich:
In allen Erscheinungen,
bis in die feinsten Unterschiede hinein,
gibt es nichts,
was nicht
im Sehen erscheint.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt Ānandas entscheidenden Fortschritt – und zugleich seine letzte feine Verfehlung.

1. Der große Durchbruch

Ānanda erkennt nun klar:
• Es gibt kein Objekt, das außerhalb des Sehens steht.
• Alles Erscheinende erscheint im Sehen.

Das ist eine echte Einsicht
und markiert das Ende
jeder groben Dualität von
„Sehen hier – Dinge dort“.

2. Die verbleibende subtile Verwechslung

Doch Ānanda macht nun einen entscheidenden Fehlschritt:
Er sagt nicht nur

„Alles erscheint im Sehen“

sondern implizit:

„Alles ist Sehen.“

Damit kippt er von Dualismus
in Substanz-Monismus.

Das ist die letzte raffinierte Falle:
Nicht mehr Trennung,
sondern Vermengung.

3. Warum „alles ist Sehen“ nicht stimmt

Der Buddha hat präzise unterschieden:
• Dinge sind nicht Sehen
• Sehen ist nicht Dinge

Dass Dinge ohne Sehen nicht erscheinen können,
macht sie nicht identisch mit Sehen.

👉 Erscheinung ≠ Träger der Erscheinung

4. Die drohende Konsequenz

Wenn alles Sehen wäre:
• gäbe es keine Dinge mehr
• keine Ordnung
• keine Unterscheidbarkeit
• keinen Buddha
• keinen Ānanda

Genau diese Konsequenz
hat der Buddha zuvor bereits angedeutet:
Würden Dinge „sehen“,
wäre Welt nicht mehr stabil.

5. Die letzte notwendige Klärung

Ānanda steht nun
direkt vor der nicht-dualen Einsicht,
verfehlt sie aber noch minimal:

Er erkennt die Durchdringung,
aber verwechselt sie mit Identität.

Der Buddha wird im nächsten Abschnitt
diese letzte Verwechslung
auflösen:
Nicht alles ist Sehen,
sondern

Alles erscheint im ursprünglichen Grund,
ohne selbst ursprünglicher Grund zu sein.
101 #
佛言:「如是,如是。」
於是大眾非無學者,聞佛此言,茫然不知是義終始,一時惶悚,失其所守。如來知其魂慮變慴,心生憐愍,安慰阿難及諸大眾:「諸善男子!無上法王是真實語!如所如說不誑不妄,非末伽梨四種不死矯亂論議。汝諦思惟,無忝哀慕。」
Der Buddha sprach:

„So ist es. Genau so.“

Da gerieten alle Anwesenden,
die noch nicht zur Vollendung gelangt waren,
in tiefe Verwirrung.
Sie wussten nicht mehr,
wo diese Bedeutung
begann
oder endete.
Erschrecken
und Haltlosigkeit
erfassten sie;
ihr bisheriger Standpunkt
war verloren.

Der Tathāgata erkannte,
dass ihre Gedanken
erschüttert waren.
Aus Mitgefühl
entstand in ihm Erbarmen.
Er beruhigte Ānanda
und die große Versammlung
und sprach:

„Ihr guten Menschen!
Der höchste König des Dharma
spricht wahrhaftige Worte.
Was so gesagt wird,
ist so,
ohne Täuschung
und ohne Trug.
Dies ist nicht
die verwirrende Sophistik
der sogenannten
‚vier unsterblichen Lehren‘.

Denkt sorgfältig darüber nach.
Entwürdigt nicht
eure ehrfürchtige Hinwendung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt den notwendigen Schockpunkt der Lehre – einen Moment, der im Shurangama-Sutra bewusst herbeigeführt wird.

1. „So ist es“ – ohne Ausweichbewegung

Der Buddha bestätigt Ānandas Aussage,
ohne sie weiter zu erklären.
Damit entzieht er dem Geist
jede Möglichkeit,
sich an einer neuen Definition festzuhalten.

Das ist kein didaktisches Versäumnis,
sondern Methode.

2. Warum Verwirrung unvermeidlich ist

Die Versammlung verliert ihren Halt,
weil:
• Dualität wurde aufgelöst
• Gleichsetzung wurde zurückgewiesen
• Objektive Begriffe greifen nicht mehr

Der Geist hat keinen Ort mehr,
an dem er stehen kann.

Genau das ist die Schwelle
zwischen Denken
und direkter Einsicht.

3. Abgrenzung gegen falsche „Nicht-Lehren“

Der Buddha grenzt sich ausdrücklich ab:
Dies ist kein skeptischer Relativismus,
keine sophistischen „unentscheidbaren Lehren“.

Nicht:

„Man kann nichts wissen“

sondern:

„Was hier erkannt wird,
entzieht sich begrifflicher Fixierung.“

Das ist ein fundamentaler Unterschied.

4. „Denkt sorgfältig darüber nach“

Der Buddha fordert keine blinde Akzeptanz.
Er fordert:
• gründliche Kontemplation
• geduldiges Durchdringen
• Verweilen ohne Ausweichen

Nicht denken, um zu greifen,
sondern denken, bis Greifen unmöglich wird.

5. Der pädagogische Kern

Dieser Abschnitt markiert:
• das Ende der begrifflichen Analyse
• den Beginn der reifenden Einsicht

Die Verwirrung ist kein Fehler,
sondern ein Zeichen dafür,
dass die falschen Stützen gefallen sind.
中文原文
佛言:「如是,如是。」
於是大眾非無學者,聞佛此言,茫然不知是義終始,一時惶悚,失其所守。如來知其魂慮變慴,心生憐愍,安慰阿難及諸大眾:「諸善男子!無上法王是真實語!如所如說不誑不妄,非末伽梨四種不死矯亂論議。汝諦思惟,無忝哀慕。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„So ist es. Genau so.“

Da gerieten alle Anwesenden,
die noch nicht zur Vollendung gelangt waren,
in tiefe Verwirrung.
Sie wussten nicht mehr,
wo diese Bedeutung
begann
oder endete.
Erschrecken
und Haltlosigkeit
erfassten sie;
ihr bisheriger Standpunkt
war verloren.

Der Tathāgata erkannte,
dass ihre Gedanken
erschüttert waren.
Aus Mitgefühl
entstand in ihm Erbarmen.
Er beruhigte Ānanda
und die große Versammlung
und sprach:

„Ihr guten Menschen!
Der höchste König des Dharma
spricht wahrhaftige Worte.
Was so gesagt wird,
ist so,
ohne Täuschung
und ohne Trug.
Dies ist nicht
die verwirrende Sophistik
der sogenannten
‚vier unsterblichen Lehren‘.

Denkt sorgfältig darüber nach.
Entwürdigt nicht
eure ehrfürchtige Hinwendung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt den notwendigen Schockpunkt der Lehre – einen Moment, der im Shurangama-Sutra bewusst herbeigeführt wird.

1. „So ist es“ – ohne Ausweichbewegung

Der Buddha bestätigt Ānandas Aussage,
ohne sie weiter zu erklären.
Damit entzieht er dem Geist
jede Möglichkeit,
sich an einer neuen Definition festzuhalten.

Das ist kein didaktisches Versäumnis,
sondern Methode.

2. Warum Verwirrung unvermeidlich ist

Die Versammlung verliert ihren Halt,
weil:
• Dualität wurde aufgelöst
• Gleichsetzung wurde zurückgewiesen
• Objektive Begriffe greifen nicht mehr

Der Geist hat keinen Ort mehr,
an dem er stehen kann.

Genau das ist die Schwelle
zwischen Denken
und direkter Einsicht.

3. Abgrenzung gegen falsche „Nicht-Lehren“

Der Buddha grenzt sich ausdrücklich ab:
Dies ist kein skeptischer Relativismus,
keine sophistischen „unentscheidbaren Lehren“.

Nicht:

„Man kann nichts wissen“

sondern:

„Was hier erkannt wird,
entzieht sich begrifflicher Fixierung.“

Das ist ein fundamentaler Unterschied.

4. „Denkt sorgfältig darüber nach“

Der Buddha fordert keine blinde Akzeptanz.
Er fordert:
• gründliche Kontemplation
• geduldiges Durchdringen
• Verweilen ohne Ausweichen

Nicht denken, um zu greifen,
sondern denken, bis Greifen unmöglich wird.

5. Der pädagogische Kern

Dieser Abschnitt markiert:
• das Ende der begrifflichen Analyse
• den Beginn der reifenden Einsicht

Die Verwirrung ist kein Fehler,
sondern ein Zeichen dafür,
dass die falschen Stützen gefallen sind.
102 #
是時,文殊師利法王子愍諸四眾,在大眾中即從座起,頂禮佛足,合掌恭敬而白佛言:「世尊!此諸大眾,不悟如來發明二種精見色空、是非是義。世尊!若此前緣色空等象,若是見者,應有所指;若非見者,應無所矚。而今不知是義所歸,故有驚怖,非是疇昔善根輕尠。唯願如來大慈發明,此諸物象與此見精元是何物,於其中間無是非是。」
Zu jener Zeit
erbarmte sich Mañjuśrī,
als Kronprinz des Dharma,
der vier Versammlungen.
Er erhob sich,
verneigte sich tief
vor den Füßen des Buddha,
faltete die Hände
und sprach:

„Weltverehrter!
Diese große Versammlung
hat noch nicht verstanden,
wie du
die zwei feinen Aspekte des Sehens
sowie Form und Leerheit
und das Spiel von
‚ist‘ und ‚ist nicht‘
offenbart hast.

Wenn diese erscheinenden Dinge –
Form, Leerheit und Ähnliches –
Sehen wären,
müssten sie
zeigbar sein.
Wären sie nicht Sehen,
gäbe es
nichts,
was gesehen wird.

Nun wissen die Anwesenden nicht,
wo diese Bedeutung ruht,
und sind deshalb
in Furcht geraten.
Dies geschieht nicht,
weil ihre heilsamen Wurzeln gering wären.

Wir bitten dich
aus großem Mitgefühl:
Erhelle,
was diese Erscheinungen
und was dieses feine Sehen
in ihrem ursprünglichen Wesen sind –
und zeige,
dass zwischen ihnen
kein ‚ist‘
und kein ‚ist nicht‘ liegt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von der destruktiven Analyse zur stabilisierenden Weisheitslehre – und Mañjuśrī übernimmt hier bewusst die Rolle des Vermittlers.

1. Warum Mañjuśrī spricht

Mañjuśrī steht traditionell für Prajñā – unterscheidende Weisheit ohne Verhaftung.
Er erkennt:
• Die Versammlung ist nicht unfähig
• sondern zwischen zwei Extremen gefangen

Deshalb greift er ein,
wo reine Negation
zu Verunsicherung wird.

2. Die zwei feinen Extreme

Die Versammlung schwankt zwischen:
• „Alles ist Sehen“ (Identitätsmonismus)
• „Nichts ist Sehen“ (nihilistische Trennung)

Beides sind begriffliche Extreme.

3. „Ist“ und „ist nicht“ als Denkfallen

Mañjuśrī benennt explizit:
Das Problem liegt
nicht in den Erscheinungen,
sondern in der Anwendung
der Kategorien:
• 是 (ist)
• 非 (ist nicht)

Diese Kategorien
sind Werkzeuge des Geistes,
nicht Beschreibungen des ursprünglichen Grundes.

4. Der Kern seiner Bitte

Mañjuśrī bittet nicht um neue Ontologie,
sondern um Auflösung der falschen Alternative:

Erscheinung vs. Sehen
ist keine Entweder-oder-Frage.

der ursprüngliche Grund ist
• nicht identisch mit Erscheinungen
• nicht getrennt von ihnen

5. „Weder ist noch ist-nicht“

Dies ist keine logische Spitzfindigkeit,
sondern die klassische
Madhyamaka-Einsicht:
• jenseits von Sein
• jenseits von Nicht-Sein
• jenseits von Identität
• jenseits von Trennung

Genau hier
setzt der Buddha
im nächsten Abschnitt an.
中文原文
是時,文殊師利法王子愍諸四眾,在大眾中即從座起,頂禮佛足,合掌恭敬而白佛言:「世尊!此諸大眾,不悟如來發明二種精見色空、是非是義。世尊!若此前緣色空等象,若是見者,應有所指;若非見者,應無所矚。而今不知是義所歸,故有驚怖,非是疇昔善根輕尠。唯願如來大慈發明,此諸物象與此見精元是何物,於其中間無是非是。」
Deutsch
Zu jener Zeit
erbarmte sich Mañjuśrī,
als Kronprinz des Dharma,
der vier Versammlungen.
Er erhob sich,
verneigte sich tief
vor den Füßen des Buddha,
faltete die Hände
und sprach:

„Weltverehrter!
Diese große Versammlung
hat noch nicht verstanden,
wie du
die zwei feinen Aspekte des Sehens
sowie Form und Leerheit
und das Spiel von
‚ist‘ und ‚ist nicht‘
offenbart hast.

Wenn diese erscheinenden Dinge –
Form, Leerheit und Ähnliches –
Sehen wären,
müssten sie
zeigbar sein.
Wären sie nicht Sehen,
gäbe es
nichts,
was gesehen wird.

Nun wissen die Anwesenden nicht,
wo diese Bedeutung ruht,
und sind deshalb
in Furcht geraten.
Dies geschieht nicht,
weil ihre heilsamen Wurzeln gering wären.

Wir bitten dich
aus großem Mitgefühl:
Erhelle,
was diese Erscheinungen
und was dieses feine Sehen
in ihrem ursprünglichen Wesen sind –
und zeige,
dass zwischen ihnen
kein ‚ist‘
und kein ‚ist nicht‘ liegt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von der destruktiven Analyse zur stabilisierenden Weisheitslehre – und Mañjuśrī übernimmt hier bewusst die Rolle des Vermittlers.

1. Warum Mañjuśrī spricht

Mañjuśrī steht traditionell für Prajñā – unterscheidende Weisheit ohne Verhaftung.
Er erkennt:
• Die Versammlung ist nicht unfähig
• sondern zwischen zwei Extremen gefangen

Deshalb greift er ein,
wo reine Negation
zu Verunsicherung wird.

2. Die zwei feinen Extreme

Die Versammlung schwankt zwischen:
• „Alles ist Sehen“ (Identitätsmonismus)
• „Nichts ist Sehen“ (nihilistische Trennung)

Beides sind begriffliche Extreme.

3. „Ist“ und „ist nicht“ als Denkfallen

Mañjuśrī benennt explizit:
Das Problem liegt
nicht in den Erscheinungen,
sondern in der Anwendung
der Kategorien:
• 是 (ist)
• 非 (ist nicht)

Diese Kategorien
sind Werkzeuge des Geistes,
nicht Beschreibungen des ursprünglichen Grundes.

4. Der Kern seiner Bitte

Mañjuśrī bittet nicht um neue Ontologie,
sondern um Auflösung der falschen Alternative:

Erscheinung vs. Sehen
ist keine Entweder-oder-Frage.

der ursprüngliche Grund ist
• nicht identisch mit Erscheinungen
• nicht getrennt von ihnen

5. „Weder ist noch ist-nicht“

Dies ist keine logische Spitzfindigkeit,
sondern die klassische
Madhyamaka-Einsicht:
• jenseits von Sein
• jenseits von Nicht-Sein
• jenseits von Identität
• jenseits von Trennung

Genau hier
setzt der Buddha
im nächsten Abschnitt an.
103 #
佛告文殊及諸大眾:「十方如來及大菩薩,於其自住三摩地中,見與見緣并所想相,如虛空花本無所有;此見及緣,元是菩提妙淨明體,云何於中有是非是?文殊!吾今問汝,如汝文殊,更有文殊是文殊者?為無文殊?」
「如是,世尊!我真文殊,無是文殊。何以故?若有是者,則二文殊。然我今日非無文殊,於中實無是非二相。」
Der Buddha sprach zu Mañjuśrī
und zur großen Versammlung:

„Die Buddhas der zehn Richtungen
und die großen Bodhisattvas
sehen im Samādhi,
in dem sie ruhen,
Sehen,
Seh-Bedingungen
und alle vorgestellten Bilder
wie Blumen im leeren Raum:
von Ursprung an
ohne wirkliche Existenz.

Dieses Sehen
und diese Bedingungen
sind ursprünglich
der wunderbar reine,
klare Leib des Bodhi.
Wie könnte es darin
ein ‚ist‘
oder ein ‚ist nicht‘ geben?

Mañjuśrī!
Sag mir:
Gibt es zu dir,
dem Mañjuśrī,
noch einen weiteren Mañjuśrī,
der Mañjuśrī wäre?
Oder gibt es keinen Mañjuśrī?“

Mañjuśrī antwortete:

„So ist es, Weltverehrter!
Ich bin wahrlich Mañjuśrī,
doch es gibt keinen
‚Mañjuśrī‘ als zusätzliches Etwas.
Denn gäbe es ein solches,
wären es zwei Mañjuśrīs.
Doch ebenso bin ich
nicht ohne Mañjuśrī.
Hier gibt es in Wahrheit
keine zwei Gegensätze von
‚ist‘
und
‚ist nicht‘.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die explizite Auflösung der letzten begrifflichen Dualität der Rolle 2 und gehört zu den tiefsten Passagen des gesamten Sutras.

1. „Blumen im leeren Raum“

Das Bild ist entscheidend:
• Die Blumen erscheinen
• doch sie haben nie Substanz

So sind:
• Sehen
• Sehbedingungen
• mentale Bilder

Sie sind nicht nichts (sie erscheinen),
aber auch nicht etwas (sie haben kein Eigenwesen).

👉 Genau hier zerfallen „ist“ und „ist nicht“.

2. Bodhi als tragender Grund

Der Buddha macht nun explizit:
Was als Sehen und Bedingung erscheint,
ist nicht getrennt vom Bodhi,
sondern Ausdruck seines
wunderbar reinen, klaren Leibes.

Das ist keine Identität
und keine Trennung,
sondern Nicht-Zweiheit.

3. Warum der Buddha Mañjuśrī fragt

Der Buddha nutzt Mañjuśrī
als lebendiges Gleichnis:
• Person
• Name
• Identität

Er zeigt:
Weder kann man sagen:
„Es gibt einen zusätzlichen Mañjuśrī“
noch:
„Es gibt keinen Mañjuśrī“.

Beides wäre Verfehlung.

4. „Nicht-zwei“ ist kein drittes Ding

Mañjuśrīs Antwort ist präzise:
• nicht zwei Mañjuśrīs
• nicht Null Mañjuśrīs

👉 Nicht-Zweiheit ist kein Kompromiss,
sondern das Ende der Zählung.

5. Übertragung auf den ursprünglichen Grund

Genau so verhält es sich mit dem ursprünglichen Grund:
• Nicht ein „Ich“ neben den Erscheinungen
• Nicht die Auflösung aller Erscheinungen

Sondern:

Erscheinungen erscheinen
im ursprünglichen Grund,
ohne es zu verdoppeln
oder zu negieren.

6. Abschluss der erkenntnistheoretischen Linie

Mit diesem Abschnitt ist geklärt:
• warum „alles ist Sehen“ falsch ist
• warum „nichts ist Sehen“ falsch ist
• warum „ist / ist nicht“ hier versagen

Damit ist die logische Reinigung abgeschlossen.
中文原文
佛告文殊及諸大眾:「十方如來及大菩薩,於其自住三摩地中,見與見緣并所想相,如虛空花本無所有;此見及緣,元是菩提妙淨明體,云何於中有是非是?文殊!吾今問汝,如汝文殊,更有文殊是文殊者?為無文殊?」
「如是,世尊!我真文殊,無是文殊。何以故?若有是者,則二文殊。然我今日非無文殊,於中實無是非二相。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Mañjuśrī
und zur großen Versammlung:

„Die Buddhas der zehn Richtungen
und die großen Bodhisattvas
sehen im Samādhi,
in dem sie ruhen,
Sehen,
Seh-Bedingungen
und alle vorgestellten Bilder
wie Blumen im leeren Raum:
von Ursprung an
ohne wirkliche Existenz.

Dieses Sehen
und diese Bedingungen
sind ursprünglich
der wunderbar reine,
klare Leib des Bodhi.
Wie könnte es darin
ein ‚ist‘
oder ein ‚ist nicht‘ geben?

Mañjuśrī!
Sag mir:
Gibt es zu dir,
dem Mañjuśrī,
noch einen weiteren Mañjuśrī,
der Mañjuśrī wäre?
Oder gibt es keinen Mañjuśrī?“

Mañjuśrī antwortete:

„So ist es, Weltverehrter!
Ich bin wahrlich Mañjuśrī,
doch es gibt keinen
‚Mañjuśrī‘ als zusätzliches Etwas.
Denn gäbe es ein solches,
wären es zwei Mañjuśrīs.
Doch ebenso bin ich
nicht ohne Mañjuśrī.
Hier gibt es in Wahrheit
keine zwei Gegensätze von
‚ist‘
und
‚ist nicht‘.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die explizite Auflösung der letzten begrifflichen Dualität der Rolle 2 und gehört zu den tiefsten Passagen des gesamten Sutras.

1. „Blumen im leeren Raum“

Das Bild ist entscheidend:
• Die Blumen erscheinen
• doch sie haben nie Substanz

So sind:
• Sehen
• Sehbedingungen
• mentale Bilder

Sie sind nicht nichts (sie erscheinen),
aber auch nicht etwas (sie haben kein Eigenwesen).

👉 Genau hier zerfallen „ist“ und „ist nicht“.

2. Bodhi als tragender Grund

Der Buddha macht nun explizit:
Was als Sehen und Bedingung erscheint,
ist nicht getrennt vom Bodhi,
sondern Ausdruck seines
wunderbar reinen, klaren Leibes.

Das ist keine Identität
und keine Trennung,
sondern Nicht-Zweiheit.

3. Warum der Buddha Mañjuśrī fragt

Der Buddha nutzt Mañjuśrī
als lebendiges Gleichnis:
• Person
• Name
• Identität

Er zeigt:
Weder kann man sagen:
„Es gibt einen zusätzlichen Mañjuśrī“
noch:
„Es gibt keinen Mañjuśrī“.

Beides wäre Verfehlung.

4. „Nicht-zwei“ ist kein drittes Ding

Mañjuśrīs Antwort ist präzise:
• nicht zwei Mañjuśrīs
• nicht Null Mañjuśrīs

👉 Nicht-Zweiheit ist kein Kompromiss,
sondern das Ende der Zählung.

5. Übertragung auf den ursprünglichen Grund

Genau so verhält es sich mit dem ursprünglichen Grund:
• Nicht ein „Ich“ neben den Erscheinungen
• Nicht die Auflösung aller Erscheinungen

Sondern:

Erscheinungen erscheinen
im ursprünglichen Grund,
ohne es zu verdoppeln
oder zu negieren.

6. Abschluss der erkenntnistheoretischen Linie

Mit diesem Abschnitt ist geklärt:
• warum „alles ist Sehen“ falsch ist
• warum „nichts ist Sehen“ falsch ist
• warum „ist / ist nicht“ hier versagen

Damit ist die logische Reinigung abgeschlossen.
104 #
佛言:「此見妙明與諸空塵,亦復如是。本是妙明無上菩提淨圓真心,妄為色空及與聞見,如第二月,誰為是月?又誰非月?文殊!但一月真,中間自無是月、非月。是以汝今觀見與塵種種發明,名為妄想,不能於中出是非是。由是精真妙覺明性,故能令汝出指非指!」
Der Buddha sprach:

„Dieses wunderbar klare Sehen
und all die Erscheinungen
von Raum und Staub
sind von derselben Art.
Von Ursprung an
sind sie
das wunderbar klare,
höchste Bodhi –
der reine,
vollrunde,
wahre ursprünglicher Grund.

Durch Verblendung
werden sie zu
Form und Leerheit,
zu Hören und Sehen –
wie ein zweiter Mond.
Doch wer ist dann der Mond?
Und wer wäre
nicht der Mond?

Mañjuśrī,
es gibt nur
den einen wirklichen Mond.
In ihm selbst
gibt es kein
‚das ist der Mond‘
und kein
‚das ist nicht der Mond‘.

Darum erscheinen jetzt
Sehen
und Erscheinungen
in vielerlei Gestalt
als verblendete Vorstellungen.
In ihnen
lässt sich kein
‚ist‘
und kein
‚ist nicht‘
festmachen.

Gerade weil
die feine,
wahre,
wunderbar klare Erwachensnatur
so ist,
vermag sie dich
aus dem bloßen Zeigen
von
‚dies‘
und
‚nicht dies‘
herauszuführen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die endgültige Synthese der gesamten erkenntnistheoretischen Linie der Rolle 2.

1. Identität ohne Gleichsetzung

Der Buddha sagt nun explizit:
• Sehen
• Raum
• Staub (Erscheinungen)

sind von Ursprung an Bodhi selbst.

Aber:
👉 nicht im Sinne von
„alles ist Bodhi“,
sondern:
„alles erscheint aus Bodhi“.

Das verhindert sowohl
Dualismus
als auch
plumpen Monismus.

2. Der zweite Mond – die letzte Illusion

Der „zweite Mond“ steht für:
• verdoppelte Wirklichkeit
• begriffliche Spiegelung
• geistige Projektion

Die Frage
„Wer ist der Mond?“
zerlegt jede
identifizierende Antwort.

3. Warum „ist / ist nicht“ hier unmöglich ist

Sobald man sagt:
• „Das ist der Mond“
oder
• „Das ist nicht der Mond“

hat man bereits
eine Spaltung eingeführt,
die es auf dieser Ebene
nicht gibt.

Darum:
👉 „Ist“ und „ist nicht“
sind Werkzeuge des Geistes,
nicht Beschreibungen des ursprünglichen Grundes.

4. „Verblendete Vorstellungen“

Erscheinungen werden nicht verneint.
Sie werden als verblendete Vorstellungen
bezeichnet,
weil man sie
für sich selbst
oder für letztgültig hält.

Nicht das Erscheinen ist das Problem,
sondern die Identifikation.

5. Der eigentliche Befreiungsakt

Der letzte Satz ist entscheidend:
der ursprüngliche Grund
führt nicht zu neuen Aussagen,
sondern heraus aus dem Zeigen selbst.

Nicht:

„Das ist es.“

sondern:

Ende des Zeigens.

Hier endet
die begriffliche Lehre
und beginnt
das Verweilen.
中文原文
佛言:「此見妙明與諸空塵,亦復如是。本是妙明無上菩提淨圓真心,妄為色空及與聞見,如第二月,誰為是月?又誰非月?文殊!但一月真,中間自無是月、非月。是以汝今觀見與塵種種發明,名為妄想,不能於中出是非是。由是精真妙覺明性,故能令汝出指非指!」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Dieses wunderbar klare Sehen
und all die Erscheinungen
von Raum und Staub
sind von derselben Art.
Von Ursprung an
sind sie
das wunderbar klare,
höchste Bodhi –
der reine,
vollrunde,
wahre ursprünglicher Grund.

Durch Verblendung
werden sie zu
Form und Leerheit,
zu Hören und Sehen –
wie ein zweiter Mond.
Doch wer ist dann der Mond?
Und wer wäre
nicht der Mond?

Mañjuśrī,
es gibt nur
den einen wirklichen Mond.
In ihm selbst
gibt es kein
‚das ist der Mond‘
und kein
‚das ist nicht der Mond‘.

Darum erscheinen jetzt
Sehen
und Erscheinungen
in vielerlei Gestalt
als verblendete Vorstellungen.
In ihnen
lässt sich kein
‚ist‘
und kein
‚ist nicht‘
festmachen.

Gerade weil
die feine,
wahre,
wunderbar klare Erwachensnatur
so ist,
vermag sie dich
aus dem bloßen Zeigen
von
‚dies‘
und
‚nicht dies‘
herauszuführen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die endgültige Synthese der gesamten erkenntnistheoretischen Linie der Rolle 2.

1. Identität ohne Gleichsetzung

Der Buddha sagt nun explizit:
• Sehen
• Raum
• Staub (Erscheinungen)

sind von Ursprung an Bodhi selbst.

Aber:
👉 nicht im Sinne von
„alles ist Bodhi“,
sondern:
„alles erscheint aus Bodhi“.

Das verhindert sowohl
Dualismus
als auch
plumpen Monismus.

2. Der zweite Mond – die letzte Illusion

Der „zweite Mond“ steht für:
• verdoppelte Wirklichkeit
• begriffliche Spiegelung
• geistige Projektion

Die Frage
„Wer ist der Mond?“
zerlegt jede
identifizierende Antwort.

3. Warum „ist / ist nicht“ hier unmöglich ist

Sobald man sagt:
• „Das ist der Mond“
oder
• „Das ist nicht der Mond“

hat man bereits
eine Spaltung eingeführt,
die es auf dieser Ebene
nicht gibt.

Darum:
👉 „Ist“ und „ist nicht“
sind Werkzeuge des Geistes,
nicht Beschreibungen des ursprünglichen Grundes.

4. „Verblendete Vorstellungen“

Erscheinungen werden nicht verneint.
Sie werden als verblendete Vorstellungen
bezeichnet,
weil man sie
für sich selbst
oder für letztgültig hält.

Nicht das Erscheinen ist das Problem,
sondern die Identifikation.

5. Der eigentliche Befreiungsakt

Der letzte Satz ist entscheidend:
der ursprüngliche Grund
führt nicht zu neuen Aussagen,
sondern heraus aus dem Zeigen selbst.

Nicht:

„Das ist es.“

sondern:

Ende des Zeigens.

Hier endet
die begriffliche Lehre
und beginnt
das Verweilen.
105 #
阿難白佛言:「世尊!誠如法王所說,覺緣遍十方界湛然常住,性非生滅;與先梵志[A4]娑毘迦羅所談冥諦,及投灰等諸外道種說有真我遍滿十方,有何差別?世尊亦曾於楞伽山為大[A5]慧等敷演斯義——彼外道等常說自然,我說因緣非彼境界。——我今觀此覺性自然,非生非滅,遠離一切虛妄顛倒,似非因緣與彼自然;云何開示,不入群邪,獲真實心妙覺明性?」
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
wie du gelehrt hast,
durchdringt das Erwachen
die zehn Richtungen,
ist still,
beständig
und jenseits von Geburt und Vergehen.

Worin unterscheidet sich dies
von den Lehren der alten Brahmanen
oder der äußeren Wege,
die von einem wahren Selbst sprechen,
das die Welt erfüllt?

Du selbst hast auf dem Berg Laṅkā erklärt:
Die äußeren Wege reden von ‚Natur‘,
der Buddha aber lehrt
nicht in ihren Kategorien
von Natur oder bloßen Ursachen.

Nun betrachte ich
diese erwachte Natur:
Sie ist von selbst,
nicht geboren, nicht vergehend,
frei von aller Täuschung.
Sie scheint weder
durch Ursachen entstanden
noch einfach ‚natürlich‘ zu sein.

Wie soll ich dies verstehen,
damit ich nicht
in die Lehren der falschen Wege falle,
sondern die wahre,
wunderbar klare Erwachensnatur
wirklich erkenne?“
Kommentar öffnen
Abschnitt markiert die letzte große Grenzfrage der Rolle 2:
die Abgrenzung der Lehre des ursprünglichen Grundes von allen nicht-buddhistischen Absolutheitslehren.

1. Die berechtigte Sorge Ānandas

Ānanda erkennt klar:
• der ursprüngliche Grund ist nicht vergänglich
• Es ist allgegenwärtig
• Es ist nicht produziert

Doch genau diese Merkmale
scheinen auch in
• Atman-Lehren
• Natur-Absolutismen
• eternalistischen Systemen
aufzutauchen.

Seine Frage ist daher entscheidend:

Worin unterscheidet sich Erwachen
von metaphysischem „wahren Selbst“?

2. Die doppelte Abgrenzung: nicht Ursache – nicht Natur

Ānanda erinnert korrekt:
• Der Buddha hat „Natur“ (自然) verworfen
• aber auch bloße Kausalmechanik relativiert

Damit bleibt scheinbar nichts übrig.

Diese Spannung ist absichtlich:
der ursprüngliche Grund liegt jenseits der Alternative
• verursacht ↔ unverursacht
• konstruiert ↔ natürlich

3. Warum der ursprüngliche Grund kein Atman ist

Der entscheidende Unterschied:
• Atman-Lehren reifizieren ein Absolutes
• sie machen es zu etwas, das ist

der ursprüngliche Grund hingegen:
• ist nicht lokalisierbar
• nicht identifizierbar
• nicht besitzbar
• nicht „jemandem gehörig“

Es ist kein Seiendes,
sondern der Grund des Erscheinens.

4. Warum es auch nicht „Natur“ im äußeren Sinn ist

„Natur“ (自然) bei äußeren Wegen bedeutet:
• etwas Festes
• Unveränderliches
• Selbstbestehendes

der ursprüngliche Grund ist zwar
nicht erzeugt,
aber auch nicht festgelegt.

Es ist leer von Eigenwesen
und gerade deshalb
frei, klar und wirksam.

5. Der noch fehlende Schlüssel

Ānandas Frage zeigt:
Die erkenntnistheoretische Reinigung
ist abgeschlossen.

Was nun fehlt,
ist die präzise Unterscheidung
zwischen:
• leerer Klarheit (Śūnyatā)
• und metaphysischer Substanz

Genau hier
setzt der Buddha im nächsten Abschnitt an:
mit der Unterscheidung von Ursache, Natur und Nicht-Verhaftung
(因緣・自然・離二邊).
中文原文
阿難白佛言:「世尊!誠如法王所說,覺緣遍十方界湛然常住,性非生滅;與先梵志[A4]娑毘迦羅所談冥諦,及投灰等諸外道種說有真我遍滿十方,有何差別?世尊亦曾於楞伽山為大[A5]慧等敷演斯義——彼外道等常說自然,我說因緣非彼境界。——我今觀此覺性自然,非生非滅,遠離一切虛妄顛倒,似非因緣與彼自然;云何開示,不入群邪,獲真實心妙覺明性?」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
wie du gelehrt hast,
durchdringt das Erwachen
die zehn Richtungen,
ist still,
beständig
und jenseits von Geburt und Vergehen.

Worin unterscheidet sich dies
von den Lehren der alten Brahmanen
oder der äußeren Wege,
die von einem wahren Selbst sprechen,
das die Welt erfüllt?

Du selbst hast auf dem Berg Laṅkā erklärt:
Die äußeren Wege reden von ‚Natur‘,
der Buddha aber lehrt
nicht in ihren Kategorien
von Natur oder bloßen Ursachen.

Nun betrachte ich
diese erwachte Natur:
Sie ist von selbst,
nicht geboren, nicht vergehend,
frei von aller Täuschung.
Sie scheint weder
durch Ursachen entstanden
noch einfach ‚natürlich‘ zu sein.

Wie soll ich dies verstehen,
damit ich nicht
in die Lehren der falschen Wege falle,
sondern die wahre,
wunderbar klare Erwachensnatur
wirklich erkenne?“
Kommentar
Abschnitt markiert die letzte große Grenzfrage der Rolle 2:
die Abgrenzung der Lehre des ursprünglichen Grundes von allen nicht-buddhistischen Absolutheitslehren.

1. Die berechtigte Sorge Ānandas

Ānanda erkennt klar:
• der ursprüngliche Grund ist nicht vergänglich
• Es ist allgegenwärtig
• Es ist nicht produziert

Doch genau diese Merkmale
scheinen auch in
• Atman-Lehren
• Natur-Absolutismen
• eternalistischen Systemen
aufzutauchen.

Seine Frage ist daher entscheidend:

Worin unterscheidet sich Erwachen
von metaphysischem „wahren Selbst“?

2. Die doppelte Abgrenzung: nicht Ursache – nicht Natur

Ānanda erinnert korrekt:
• Der Buddha hat „Natur“ (自然) verworfen
• aber auch bloße Kausalmechanik relativiert

Damit bleibt scheinbar nichts übrig.

Diese Spannung ist absichtlich:
der ursprüngliche Grund liegt jenseits der Alternative
• verursacht ↔ unverursacht
• konstruiert ↔ natürlich

3. Warum der ursprüngliche Grund kein Atman ist

Der entscheidende Unterschied:
• Atman-Lehren reifizieren ein Absolutes
• sie machen es zu etwas, das ist

der ursprüngliche Grund hingegen:
• ist nicht lokalisierbar
• nicht identifizierbar
• nicht besitzbar
• nicht „jemandem gehörig“

Es ist kein Seiendes,
sondern der Grund des Erscheinens.

4. Warum es auch nicht „Natur“ im äußeren Sinn ist

„Natur“ (自然) bei äußeren Wegen bedeutet:
• etwas Festes
• Unveränderliches
• Selbstbestehendes

der ursprüngliche Grund ist zwar
nicht erzeugt,
aber auch nicht festgelegt.

Es ist leer von Eigenwesen
und gerade deshalb
frei, klar und wirksam.

5. Der noch fehlende Schlüssel

Ānandas Frage zeigt:
Die erkenntnistheoretische Reinigung
ist abgeschlossen.

Was nun fehlt,
ist die präzise Unterscheidung
zwischen:
• leerer Klarheit (Śūnyatā)
• und metaphysischer Substanz

Genau hier
setzt der Buddha im nächsten Abschnitt an:
mit der Unterscheidung von Ursache, Natur und Nicht-Verhaftung
(因緣・自然・離二邊).
106 #
佛告阿難:「我今如是開示方便,真實告汝,汝猶未悟,惑為自然。阿難!若必自然,自須甄明有自然體。汝且觀此妙明見中,以何為自?此見為復以明為自?以暗為自?以空為自?以塞為自?阿難!若明為自,應不見暗?若復以空為自體者,應不見塞?如是乃至諸暗等相以為自者,則於明時見性斷滅,云何見明?」
阿難言:「必此妙見性非自然,我今發明是因緣[5]性。心猶未明,諮詢如來,是義云何合因緣性?」
Der Buddha sprach:

„So, wie ich es dir jetzt
schrittweise erläutere,
verstehst du es noch nicht ganz
und hältst es immer noch
für ein Prinzip der ‚Natur‘.

Ānanda,
wenn es wirklich ‚Natur‘ wäre,
müsste es
eine festlegbare Wesenheit haben.
Untersuche nun
dieses wunderbar klare Sehen:
Wodurch ist es
es selbst?

Ist es
durch Helligkeit es selbst?
Oder durch Dunkelheit?
Oder durch Raum?
Oder durch Begrenzung?

Wenn Helligkeit
sein Wesen wäre,
könnte es
keine Dunkelheit sehen.
Wenn Raum
sein Wesen wäre,
könnte es
keine Begrenzung sehen.

Wenn Dunkelheit
sein Wesen wäre,
würde beim Erscheinen von Helligkeit
die Seh-Natur vergehen.
Wie könnte dann
Helligkeit gesehen werden?“

Ānanda sprach:

„Dieses wunderbar klare Sehen
ist gewiss nicht ‚Natur‘.
Nun erkenne ich:
Es ist auch nicht
ein eigenständiges Wesen,
sondern steht
in Beziehung zu Bedingungen.
Doch mein Verständnis
ist noch nicht klar.
Bitte erkläre mir,
wie dies
mit der Lehre von Ursachen und Bedingungen
zusammenpasst.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die präzise Zurückweisung des Eternalismus („Natur“, 自然) und zugleich die Vorbereitung der noch feineren Zurückweisung eines verkürzten Kausalismus.

1. Warum „Natur“ hier verfehlt

„Natur“ im Sinne der äußeren Wege bedeutet:
• etwas Festes
• etwas Selbstbestehendes
• etwas mit eigener Wesenheit

Der Buddha zeigt logisch:
Wenn das Sehen „Natur“ wäre,
müsste es
durch eine Eigenschaft
definiert sein.

Doch:
• Es sieht Helligkeit und Dunkelheit
• Raum und Begrenzung

👉 Also kann es
mit keiner dieser Eigenschaften
identisch sein.

2. Der Prüfstein der Konstanz

Das Argument ist streng:
• Wäre Dunkelheit sein Wesen → Sehen würde bei Helligkeit vergehen
• Wäre Helligkeit sein Wesen → Sehen würde bei Dunkelheit vergehen

Dass Sehen beides sieht,
zeigt:
👉 Es ist nicht festgelegt,
also keine Natur im metaphysischen Sinn.

3. Ānandas zweite Flucht: „Dann eben Ursachen“

Ānanda wechselt nun die Strategie:
Wenn es nicht Natur ist,
dann vielleicht
„Ursachen und Bedingungen“.

Das ist verständlich,
aber noch nicht korrekt.

4. Warum auch ein naiver Kausalismus nicht reicht

„因緣“ im gewöhnlichen Sinn meint:
• etwas wird hervorgebracht
• durch Bedingungen erzeugt

Doch der ursprüngliche Grund:
• wird nicht erzeugt
• erscheint aber mit Bedingungen

Der nächste Abschnitt wird zeigen:
👉 der ursprüngliche Grund ist nicht verursacht,
aber Erscheinungen sind bedingt.

5. Die mittlere Klärung steht bevor

Ānanda steht nun
zwischen zwei falschen Extremen:
• Natur (Eternalismus)
• Ursache (Produktionsdenken)

Der Buddha wird im nächsten Schritt
die mittlere Wahrheit klären:

Nicht verursacht,
nicht natürlich,
sondern frei von beiden Zuschreibungen.
中文原文
佛告阿難:「我今如是開示方便,真實告汝,汝猶未悟,惑為自然。阿難!若必自然,自須甄明有自然體。汝且觀此妙明見中,以何為自?此見為復以明為自?以暗為自?以空為自?以塞為自?阿難!若明為自,應不見暗?若復以空為自體者,應不見塞?如是乃至諸暗等相以為自者,則於明時見性斷滅,云何見明?」
阿難言:「必此妙見性非自然,我今發明是因緣[5]性。心猶未明,諮詢如來,是義云何合因緣性?」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„So, wie ich es dir jetzt
schrittweise erläutere,
verstehst du es noch nicht ganz
und hältst es immer noch
für ein Prinzip der ‚Natur‘.

Ānanda,
wenn es wirklich ‚Natur‘ wäre,
müsste es
eine festlegbare Wesenheit haben.
Untersuche nun
dieses wunderbar klare Sehen:
Wodurch ist es
es selbst?

Ist es
durch Helligkeit es selbst?
Oder durch Dunkelheit?
Oder durch Raum?
Oder durch Begrenzung?

Wenn Helligkeit
sein Wesen wäre,
könnte es
keine Dunkelheit sehen.
Wenn Raum
sein Wesen wäre,
könnte es
keine Begrenzung sehen.

Wenn Dunkelheit
sein Wesen wäre,
würde beim Erscheinen von Helligkeit
die Seh-Natur vergehen.
Wie könnte dann
Helligkeit gesehen werden?“

Ānanda sprach:

„Dieses wunderbar klare Sehen
ist gewiss nicht ‚Natur‘.
Nun erkenne ich:
Es ist auch nicht
ein eigenständiges Wesen,
sondern steht
in Beziehung zu Bedingungen.
Doch mein Verständnis
ist noch nicht klar.
Bitte erkläre mir,
wie dies
mit der Lehre von Ursachen und Bedingungen
zusammenpasst.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die präzise Zurückweisung des Eternalismus („Natur“, 自然) und zugleich die Vorbereitung der noch feineren Zurückweisung eines verkürzten Kausalismus.

1. Warum „Natur“ hier verfehlt

„Natur“ im Sinne der äußeren Wege bedeutet:
• etwas Festes
• etwas Selbstbestehendes
• etwas mit eigener Wesenheit

Der Buddha zeigt logisch:
Wenn das Sehen „Natur“ wäre,
müsste es
durch eine Eigenschaft
definiert sein.

Doch:
• Es sieht Helligkeit und Dunkelheit
• Raum und Begrenzung

👉 Also kann es
mit keiner dieser Eigenschaften
identisch sein.

2. Der Prüfstein der Konstanz

Das Argument ist streng:
• Wäre Dunkelheit sein Wesen → Sehen würde bei Helligkeit vergehen
• Wäre Helligkeit sein Wesen → Sehen würde bei Dunkelheit vergehen

Dass Sehen beides sieht,
zeigt:
👉 Es ist nicht festgelegt,
also keine Natur im metaphysischen Sinn.

3. Ānandas zweite Flucht: „Dann eben Ursachen“

Ānanda wechselt nun die Strategie:
Wenn es nicht Natur ist,
dann vielleicht
„Ursachen und Bedingungen“.

Das ist verständlich,
aber noch nicht korrekt.

4. Warum auch ein naiver Kausalismus nicht reicht

„因緣“ im gewöhnlichen Sinn meint:
• etwas wird hervorgebracht
• durch Bedingungen erzeugt

Doch der ursprüngliche Grund:
• wird nicht erzeugt
• erscheint aber mit Bedingungen

Der nächste Abschnitt wird zeigen:
👉 der ursprüngliche Grund ist nicht verursacht,
aber Erscheinungen sind bedingt.

5. Die mittlere Klärung steht bevor

Ānanda steht nun
zwischen zwei falschen Extremen:
• Natur (Eternalismus)
• Ursache (Produktionsdenken)

Der Buddha wird im nächsten Schritt
die mittlere Wahrheit klären:

Nicht verursacht,
nicht natürlich,
sondern frei von beiden Zuschreibungen.
107 #
佛言:「汝言因緣,吾復問汝,汝今[6]因見,見性現前,此見為復因明有見?因暗有見?因空有見?因塞有見?阿難!若因明有,應不見暗,如因暗有,應不見明;如是乃至因空、因塞,同於明、暗。復次,阿難!此見又復緣明有見?緣暗有見?緣空有見?緣塞有見?阿難!若緣空有,應不見塞;若緣塞有,應不見空;如是乃至緣明、緣暗,同於空、塞。當知如是精覺妙明,非因、非緣,亦非自然、非不自然;無非、不非,無是、非是;離一切相,即一切法。汝今云何於中措心,以諸世間戲論名相而得分別!如以手掌撮摩虛空,[*]只益自勞;虛空云何隨汝執捉?」
Der Buddha sprach:

„Du sprichst nun von Ursachen und Bedingungen.
Dann frage ich dich:
Jetzt, da das Sehen gegenwärtig ist –
entsteht es
durch Helligkeit?
Durch Dunkelheit?
Durch Raum?
Oder durch Begrenzung?

Wäre es durch Helligkeit entstanden,
könnte es Dunkelheit nicht sehen.
Wäre es durch Dunkelheit entstanden,
könnte es Helligkeit nicht sehen.
Dasselbe gilt
für Raum und Begrenzung.

Weiter frage ich:
Entsteht dieses Sehen
abhängig von Helligkeit?
Von Dunkelheit?
Von Raum?
Von Begrenzung?

Wäre es abhängig von Raum,
könnte es Begrenzung nicht sehen.
Wäre es abhängig von Begrenzung,
könnte es Raum nicht sehen.
Entsprechend gilt dies
auch für Helligkeit und Dunkelheit.

Darum erkenne:
Dieses feine,
erwachende,
wunderbar klare Erkennen
ist weder Ursache
noch Bedingung,
weder Natur
noch Nicht-Natur;
es ist weder Sein
noch Nicht-Sein,
weder ‚ist‘
noch ‚ist nicht‘.

Es ist frei von allen Merkmalen
und zugleich
alle Dharmas.

Wie kannst du darin
deinen Geist festmachen
und mit den spielerischen Begriffen
und Namen der Welt
Unterscheidungen erzeugen?

Das ist,
als wolltest du
mit der Handfläche
den Raum greifen:
Du erschöpfst nur dich selbst.
Der Raum
lässt sich nicht
festhalten.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die endgültige Zurückweisung aller metaphysischen Zuschreibungen und bildet den philosophischen Kulminationspunkt der Rolle 2.

1. Die vierfache Auflösung

Der Buddha schließt systematisch alle Fluchtwege:
1. Ursache – das Sehen entsteht nicht aus etwas
2. Bedingung – es ist nicht abhängig von etwas
3. Natur – es ist kein festes Prinzip
4. Nicht-Natur – auch kein bloßes Gegenprinzip

Damit ist jede ontologische Kategorie
unbrauchbar geworden.

2. Warum weder Ursache noch Bedingung

Das Argument ist strikt phänomenologisch:
Das Sehen ist gleichzeitig offen für
• Helligkeit und Dunkelheit
• Raum und Begrenzung

Was Gegensätze zugleich erfährt,
kann nicht
durch einen Pol hervorgebracht sein.

3. Die mittlere Wahrheit – präzise, nicht nebulös

„非因非緣,亦非自然非不自然“
ist keine Mystik,
sondern eine exakte Negation
aller falschen Zuschreibungen.

der ursprüngliche Grund ist:
• nicht produziert
• nicht selbstbestehend
• nicht relativ
• nicht absolut

Es entzieht sich Begriffspaaren.

4. „離一切相,即一切法“

Ein Schlüsselsatz:

Frei von allen Merkmalen –
gerade dadurch alle Dharmas.

Nicht Abwesenheit,
sondern Nicht-Verhaftung
macht die volle Wirksamkeit möglich.

5. Kritik der „戲論“

„Spielerische Begriffe“
bezeichnen hier
jede begriffliche Konstruktion,
die das Denken für Realität hält.

Der Buddha macht klar:
👉 Begriffe sind Werkzeuge,
keine Zugänge zum ursprünglichen Grund.

6. Das Raum-Gleichnis – die letzte Mahnung

Das Greifen nach dem ursprünglichen Grund
ist Selbstermüdung.

Nicht,
weil es verborgen wäre,
sondern weil es niemals Objekt sein kann.



Damit ist die erkenntnistheoretische Arbeit der Rolle 2 vollendet:
• kein Ort
• kein Ding
• keine Ursache
• keine Bedingung
• keine Natur
• kein Gegenprinzip

Was bleibt,
ist nicht Leere,
sondern unmittelbare Klarheit ohne Haltpunkt.
中文原文
佛言:「汝言因緣,吾復問汝,汝今[6]因見,見性現前,此見為復因明有見?因暗有見?因空有見?因塞有見?阿難!若因明有,應不見暗,如因暗有,應不見明;如是乃至因空、因塞,同於明、暗。復次,阿難!此見又復緣明有見?緣暗有見?緣空有見?緣塞有見?阿難!若緣空有,應不見塞;若緣塞有,應不見空;如是乃至緣明、緣暗,同於空、塞。當知如是精覺妙明,非因、非緣,亦非自然、非不自然;無非、不非,無是、非是;離一切相,即一切法。汝今云何於中措心,以諸世間戲論名相而得分別!如以手掌撮摩虛空,[*]只益自勞;虛空云何隨汝執捉?」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Du sprichst nun von Ursachen und Bedingungen.
Dann frage ich dich:
Jetzt, da das Sehen gegenwärtig ist –
entsteht es
durch Helligkeit?
Durch Dunkelheit?
Durch Raum?
Oder durch Begrenzung?

Wäre es durch Helligkeit entstanden,
könnte es Dunkelheit nicht sehen.
Wäre es durch Dunkelheit entstanden,
könnte es Helligkeit nicht sehen.
Dasselbe gilt
für Raum und Begrenzung.

Weiter frage ich:
Entsteht dieses Sehen
abhängig von Helligkeit?
Von Dunkelheit?
Von Raum?
Von Begrenzung?

Wäre es abhängig von Raum,
könnte es Begrenzung nicht sehen.
Wäre es abhängig von Begrenzung,
könnte es Raum nicht sehen.
Entsprechend gilt dies
auch für Helligkeit und Dunkelheit.

Darum erkenne:
Dieses feine,
erwachende,
wunderbar klare Erkennen
ist weder Ursache
noch Bedingung,
weder Natur
noch Nicht-Natur;
es ist weder Sein
noch Nicht-Sein,
weder ‚ist‘
noch ‚ist nicht‘.

Es ist frei von allen Merkmalen
und zugleich
alle Dharmas.

Wie kannst du darin
deinen Geist festmachen
und mit den spielerischen Begriffen
und Namen der Welt
Unterscheidungen erzeugen?

Das ist,
als wolltest du
mit der Handfläche
den Raum greifen:
Du erschöpfst nur dich selbst.
Der Raum
lässt sich nicht
festhalten.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die endgültige Zurückweisung aller metaphysischen Zuschreibungen und bildet den philosophischen Kulminationspunkt der Rolle 2.

1. Die vierfache Auflösung

Der Buddha schließt systematisch alle Fluchtwege:
1. Ursache – das Sehen entsteht nicht aus etwas
2. Bedingung – es ist nicht abhängig von etwas
3. Natur – es ist kein festes Prinzip
4. Nicht-Natur – auch kein bloßes Gegenprinzip

Damit ist jede ontologische Kategorie
unbrauchbar geworden.

2. Warum weder Ursache noch Bedingung

Das Argument ist strikt phänomenologisch:
Das Sehen ist gleichzeitig offen für
• Helligkeit und Dunkelheit
• Raum und Begrenzung

Was Gegensätze zugleich erfährt,
kann nicht
durch einen Pol hervorgebracht sein.

3. Die mittlere Wahrheit – präzise, nicht nebulös

„非因非緣,亦非自然非不自然“
ist keine Mystik,
sondern eine exakte Negation
aller falschen Zuschreibungen.

der ursprüngliche Grund ist:
• nicht produziert
• nicht selbstbestehend
• nicht relativ
• nicht absolut

Es entzieht sich Begriffspaaren.

4. „離一切相,即一切法“

Ein Schlüsselsatz:

Frei von allen Merkmalen –
gerade dadurch alle Dharmas.

Nicht Abwesenheit,
sondern Nicht-Verhaftung
macht die volle Wirksamkeit möglich.

5. Kritik der „戲論“

„Spielerische Begriffe“
bezeichnen hier
jede begriffliche Konstruktion,
die das Denken für Realität hält.

Der Buddha macht klar:
👉 Begriffe sind Werkzeuge,
keine Zugänge zum ursprünglichen Grund.

6. Das Raum-Gleichnis – die letzte Mahnung

Das Greifen nach dem ursprünglichen Grund
ist Selbstermüdung.

Nicht,
weil es verborgen wäre,
sondern weil es niemals Objekt sein kann.



Damit ist die erkenntnistheoretische Arbeit der Rolle 2 vollendet:
• kein Ort
• kein Ding
• keine Ursache
• keine Bedingung
• keine Natur
• kein Gegenprinzip

Was bleibt,
ist nicht Leere,
sondern unmittelbare Klarheit ohne Haltpunkt.
108 #
阿難白佛言:「世尊!必妙覺性非因非緣,世尊!云何常與比丘宣說見性具四種緣——所謂因空、因明、因心、因眼,是義云何?」
佛言:「阿難!我說世間諸因緣相,非第一義。阿難!吾復問汝,諸世間人說我能見,云何名見?云何不見?」
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
wenn die wunderbar erwachte Natur
weder Ursache noch Bedingung ist,
warum lehrst du dann
die Mönche,
dass das Sehen
vier Bedingungen habe:
Raum,
Licht,
Geist
und Auge?

Wie ist das zu verstehen?“

Der Buddha antwortete:

„Ānanda,
was ich über
Ursachen und Bedingungen
in der Welt lehre,
ist nicht die höchste Wahrheit.

Nun frage ich dich:
Wenn Menschen sagen:
‚Ich sehe‘ –
was genau meinen sie
mit ‚Sehen‘?
Und was meinen sie
mit ‚Nicht-Sehen‘?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt öffnet eine entscheidende didaktische Klärung:
den Unterschied zwischen Lehrweise (方便) und letzter Wahrheit (第一義).

1. Der scheinbare Widerspruch

Ānanda bemerkt korrekt:
Der Buddha hat
• der ursprüngliche Grund als nicht verursacht
• und doch das Sehen als bedingt gelehrt.

Das wirkt widersprüchlich –
ist es aber nicht.

2. Zwei Ebenen der Lehre

Der Buddha macht nun explizit,
was bisher implizit war:
• Weltliche Lehre:
Sehen erscheint abhängig von
Auge, Licht, Raum und Geist.
→ hilfreich für Praxis, Ethik, Schulung.
• Höchste Wahrheit:
der ursprüngliche Grund selbst
ist weder Ursache noch Bedingung.
→ nicht herstellbar, nicht erklärbar.

Beides widerspricht sich nicht,
sondern dient unterschiedlichen Ebenen.

3. Warum der Buddha jetzt fragt

Mit der Frage

„Was nennt man Sehen? Was Nicht-Sehen?“
verschiebt der Buddha den Fokus:

Nicht:
• Welche Bedingungen sind da?

sondern:
• Wie wird überhaupt definiert, dass gesehen wird?

Er bereitet damit
die Unterscheidung vor zwischen:
• funktionalem Sehen (bedingt)
• und der tragenden Seh-Natur (unbedingt)

4. Pädagogische Präzision

Der Buddha zeigt:
Begriffe wie „vier Bedingungen“
sind didaktische Krücken,
keine ontologischen Aussagen
über der ursprüngliche Grund.

Sie erklären Funktion,
nicht Wesen.

5. Übergang zur nächsten Klärung

Im nächsten Abschnitt
wird der Buddha zeigen:
• „Sehen“ und „Nicht-Sehen“
sind selbst schon
konventionelle Zuschreibungen,
die den Blick verengen.

Erst wenn diese Zuschreibungen
durchschaut werden,
kann die nicht-bedingte Klarheit
unverstellt erscheinen.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!必妙覺性非因非緣,世尊!云何常與比丘宣說見性具四種緣——所謂因空、因明、因心、因眼,是義云何?」
佛言:「阿難!我說世間諸因緣相,非第一義。阿難!吾復問汝,諸世間人說我能見,云何名見?云何不見?」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
wenn die wunderbar erwachte Natur
weder Ursache noch Bedingung ist,
warum lehrst du dann
die Mönche,
dass das Sehen
vier Bedingungen habe:
Raum,
Licht,
Geist
und Auge?

Wie ist das zu verstehen?“

Der Buddha antwortete:

„Ānanda,
was ich über
Ursachen und Bedingungen
in der Welt lehre,
ist nicht die höchste Wahrheit.

Nun frage ich dich:
Wenn Menschen sagen:
‚Ich sehe‘ –
was genau meinen sie
mit ‚Sehen‘?
Und was meinen sie
mit ‚Nicht-Sehen‘?“
Kommentar
Dieser Abschnitt öffnet eine entscheidende didaktische Klärung:
den Unterschied zwischen Lehrweise (方便) und letzter Wahrheit (第一義).

1. Der scheinbare Widerspruch

Ānanda bemerkt korrekt:
Der Buddha hat
• der ursprüngliche Grund als nicht verursacht
• und doch das Sehen als bedingt gelehrt.

Das wirkt widersprüchlich –
ist es aber nicht.

2. Zwei Ebenen der Lehre

Der Buddha macht nun explizit,
was bisher implizit war:
• Weltliche Lehre:
Sehen erscheint abhängig von
Auge, Licht, Raum und Geist.
→ hilfreich für Praxis, Ethik, Schulung.
• Höchste Wahrheit:
der ursprüngliche Grund selbst
ist weder Ursache noch Bedingung.
→ nicht herstellbar, nicht erklärbar.

Beides widerspricht sich nicht,
sondern dient unterschiedlichen Ebenen.

3. Warum der Buddha jetzt fragt

Mit der Frage

„Was nennt man Sehen? Was Nicht-Sehen?“
verschiebt der Buddha den Fokus:

Nicht:
• Welche Bedingungen sind da?

sondern:
• Wie wird überhaupt definiert, dass gesehen wird?

Er bereitet damit
die Unterscheidung vor zwischen:
• funktionalem Sehen (bedingt)
• und der tragenden Seh-Natur (unbedingt)

4. Pädagogische Präzision

Der Buddha zeigt:
Begriffe wie „vier Bedingungen“
sind didaktische Krücken,
keine ontologischen Aussagen
über der ursprüngliche Grund.

Sie erklären Funktion,
nicht Wesen.

5. Übergang zur nächsten Klärung

Im nächsten Abschnitt
wird der Buddha zeigen:
• „Sehen“ und „Nicht-Sehen“
sind selbst schon
konventionelle Zuschreibungen,
die den Blick verengen.

Erst wenn diese Zuschreibungen
durchschaut werden,
kann die nicht-bedingte Klarheit
unverstellt erscheinen.
109 #
阿難言:「世人因於日、月、燈光見種種相,名之為見。若復無此三種光明,則不能見。」
「阿難!若無明時名不見者,應不見暗;若必見暗,此但無明云何無見?阿難!若在暗時,不見明故名為不見;今在明時,不見暗相還名不見;如是二相俱名不見?若復二相自相[1]𣣋奪,非汝見性於中暫無;如是則知二俱名見,云何不見?是故阿難!汝今當知,見明之時,見非是明;見暗之時,見非是暗;見空之時,見非是空;見塞之時,見非是塞,四義成就。汝復應知,見見之時,見非是見,見猶離見,見不能及,云何復說因緣自然及和合相?汝等聲聞狹劣無識,不能通達清淨實相。吾今誨汝,當善思惟,無得疲怠妙菩提路!」
Ānanda sprach:

„Die Menschen der Welt
sehen die Dinge
durch Sonne, Mond und Lampenlicht
und nennen dies ‚Sehen‘.
Fehlt dieses Licht,
sprechen sie von Nicht-Sehen.“

Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn bei fehlendem Licht
Nicht-Sehen wäre,
dürftest du auch
die Dunkelheit nicht sehen.
Siehst du aber Dunkelheit,
ist dies nur
das Fehlen von Licht –
wie könnte man
von Nicht-Sehen sprechen?

Wenn man in der Dunkelheit,
weil man das Licht nicht sieht,
Nicht-Sehen sagt,
und im Licht,
weil man die Dunkelheit nicht sieht,
ebenfalls Nicht-Sehen sagt –
wären dann
beide Zustände
Nicht-Sehen?

Da sich diese Zustände
nur ablösen,
ist deine Seh-Natur
niemals unterbrochen.

Darum erkenne:
Beides heißt Sehen.

So wisse:
Wenn Helligkeit erscheint,
ist das Sehen
nicht die Helligkeit.
Wenn Dunkelheit erscheint,
ist das Sehen
nicht die Dunkelheit.
Wenn Raum erscheint,
ist das Sehen
nicht der Raum.
Wenn Begrenzung erscheint,
ist das Sehen
nicht die Begrenzung.
Diese vier Einsichten
stehen fest.

Und weiter:
Wenn Sehen
das Sehen sehen wollte,
wäre es nicht mehr Sehen.
Sehen
liegt jenseits dessen,
was gesehen werden kann;
es kann sich selbst
nicht erreichen.

Wie könntest du da noch
von Ursache,
Bedingung,
Natur
oder Verbindung sprechen?

Ihr Hörer
seid eng im Verständnis
und erkennt
die reine Wirklichkeit nicht.
Darum mahne ich euch:
Denkt sorgfältig darüber nach
und werdet nicht müde
auf dem wunderbaren Weg
des Bodhi.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die abschließende Präzisierung der Seh-Lehre und zugleich eine der klarsten Passagen des Sutras.

1. Sehen ≠ Licht

Der Buddha zerstört die Alltagsthese:

Sehen entsteht durch Licht.

Licht ermöglicht Objekte,
aber nicht das Sehen selbst.

Dunkelheit wird gesehen –
also ist Sehen
nicht an Licht gebunden.

2. Vierfache Negation

Der Buddha formuliert vier klare Unterscheidungen:
• Sehen ist nicht Licht
• nicht Dunkelheit
• nicht Raum
• nicht Begrenzung

Damit ist Sehen
vollständig ent-objektiviert.

3. Kein Moment ohne Sehen

Da Licht und Dunkelheit
sich nur ablösen,
ist Sehen
niemals unterbrochen.

der ursprüngliche Grund
ist kontinuierlich präsent,
auch ohne Objekt.

4. „Sehen sieht Sehen nicht“

Dies ist der subtilste Punkt:
der ursprüngliche Grund
kann sich nicht
zum Objekt machen.

Jeder Versuch,
es zu „sehen“,
ist bereits
eine Verfehlung.

5. Ende aller Erklärungsmodelle

Damit fallen:
• Ursache
• Bedingung
• Natur
• Verbindung

Nicht,
weil sie falsch wären,
sondern weil sie
auf dieser Ebene
nicht greifen.

6. Die pädagogische Mahnung

Der Buddha tadelt nicht,
sondern ermutigt:
Nicht intellektuell ermüden,
nicht aufgeben,
sondern still und gründlich durchdringen.
中文原文
阿難言:「世人因於日、月、燈光見種種相,名之為見。若復無此三種光明,則不能見。」
「阿難!若無明時名不見者,應不見暗;若必見暗,此但無明云何無見?阿難!若在暗時,不見明故名為不見;今在明時,不見暗相還名不見;如是二相俱名不見?若復二相自相[1]𣣋奪,非汝見性於中暫無;如是則知二俱名見,云何不見?是故阿難!汝今當知,見明之時,見非是明;見暗之時,見非是暗;見空之時,見非是空;見塞之時,見非是塞,四義成就。汝復應知,見見之時,見非是見,見猶離見,見不能及,云何復說因緣自然及和合相?汝等聲聞狹劣無識,不能通達清淨實相。吾今誨汝,當善思惟,無得疲怠妙菩提路!」
Deutsch
Ānanda sprach:

„Die Menschen der Welt
sehen die Dinge
durch Sonne, Mond und Lampenlicht
und nennen dies ‚Sehen‘.
Fehlt dieses Licht,
sprechen sie von Nicht-Sehen.“

Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn bei fehlendem Licht
Nicht-Sehen wäre,
dürftest du auch
die Dunkelheit nicht sehen.
Siehst du aber Dunkelheit,
ist dies nur
das Fehlen von Licht –
wie könnte man
von Nicht-Sehen sprechen?

Wenn man in der Dunkelheit,
weil man das Licht nicht sieht,
Nicht-Sehen sagt,
und im Licht,
weil man die Dunkelheit nicht sieht,
ebenfalls Nicht-Sehen sagt –
wären dann
beide Zustände
Nicht-Sehen?

Da sich diese Zustände
nur ablösen,
ist deine Seh-Natur
niemals unterbrochen.

Darum erkenne:
Beides heißt Sehen.

So wisse:
Wenn Helligkeit erscheint,
ist das Sehen
nicht die Helligkeit.
Wenn Dunkelheit erscheint,
ist das Sehen
nicht die Dunkelheit.
Wenn Raum erscheint,
ist das Sehen
nicht der Raum.
Wenn Begrenzung erscheint,
ist das Sehen
nicht die Begrenzung.
Diese vier Einsichten
stehen fest.

Und weiter:
Wenn Sehen
das Sehen sehen wollte,
wäre es nicht mehr Sehen.
Sehen
liegt jenseits dessen,
was gesehen werden kann;
es kann sich selbst
nicht erreichen.

Wie könntest du da noch
von Ursache,
Bedingung,
Natur
oder Verbindung sprechen?

Ihr Hörer
seid eng im Verständnis
und erkennt
die reine Wirklichkeit nicht.
Darum mahne ich euch:
Denkt sorgfältig darüber nach
und werdet nicht müde
auf dem wunderbaren Weg
des Bodhi.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die abschließende Präzisierung der Seh-Lehre und zugleich eine der klarsten Passagen des Sutras.

1. Sehen ≠ Licht

Der Buddha zerstört die Alltagsthese:

Sehen entsteht durch Licht.

Licht ermöglicht Objekte,
aber nicht das Sehen selbst.

Dunkelheit wird gesehen –
also ist Sehen
nicht an Licht gebunden.

2. Vierfache Negation

Der Buddha formuliert vier klare Unterscheidungen:
• Sehen ist nicht Licht
• nicht Dunkelheit
• nicht Raum
• nicht Begrenzung

Damit ist Sehen
vollständig ent-objektiviert.

3. Kein Moment ohne Sehen

Da Licht und Dunkelheit
sich nur ablösen,
ist Sehen
niemals unterbrochen.

der ursprüngliche Grund
ist kontinuierlich präsent,
auch ohne Objekt.

4. „Sehen sieht Sehen nicht“

Dies ist der subtilste Punkt:
der ursprüngliche Grund
kann sich nicht
zum Objekt machen.

Jeder Versuch,
es zu „sehen“,
ist bereits
eine Verfehlung.

5. Ende aller Erklärungsmodelle

Damit fallen:
• Ursache
• Bedingung
• Natur
• Verbindung

Nicht,
weil sie falsch wären,
sondern weil sie
auf dieser Ebene
nicht greifen.

6. Die pädagogische Mahnung

Der Buddha tadelt nicht,
sondern ermutigt:
Nicht intellektuell ermüden,
nicht aufgeben,
sondern still und gründlich durchdringen.
110 #
阿難白佛言:「世尊!如佛世尊為我等輩宣說因緣及與自然,諸和合相與不和合,心猶未開;而今更聞見見非見,重增迷悶。伏願弘慈施大慧目,開示我等覺心明淨!」作是語已,悲淚頂禮,承受聖旨。
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
auch nachdem du uns
Ursache und Bedingung,
Natur,
Vereinigung und Nicht-Vereinigung
erklärt hast,
ist mein Geist
noch nicht wirklich offen.

Und nun,
da ich höre,
dass
‚Sehen das Sehen nicht sehen kann‘,
ist meine Verwirrung
noch größer geworden.

Ich bitte dich
aus tiefstem Mitgefühl:
Schenke uns
das große Auge der Weisheit
und öffne uns
das erwachte,
klare und reine ursprünglicher Grund!“

Nachdem er dies gesagt hatte,
verneigte er sich weinend,
berührte mit dem Haupt den Boden
und nahm
die heilige Weisung
in Ehrfurcht entgegen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den existenziellen Wendepunkt der Rolle 2.

1. Die heilsame Verwirrung

Ānandas Verwirrung ist kein Rückschritt.
Sie zeigt, dass:
• alle begrifflichen Erklärungsmodelle
(Ursache, Natur, Vereinigung, Trennung)
aufgebraucht sind
• selbst die subtilste Einsicht
(„Sehen sieht Sehen nicht“)
nicht mehr begrifflich integrierbar ist

Dies ist die klassische Schwelle,
an der Denken
nicht weiterführen kann.

2. Warum die Verwirrung größer wird

Die Aussage

„Sehen sieht Sehen nicht“

zerstört den letzten Halt des Geistes:
die Hoffnung,
das Erwachte
noch irgendwie
als Objekt
oder Erfahrung
zu erfassen.

Der Geist erkennt:

Ich kann das,
was erkennt,
nicht erkennen.

Das ist keine Paradoxie,
sondern das Ende
der Selbstobjektivierung.

3. Die Bitte um das „große Auge“

Ānanda bittet nicht mehr
um Erklärung,
sondern um Wandlung der Perspektive.

Das „große Auge der Weisheit“
ist kein neues Wissen,
sondern:
• das Wegfallen des Suchblicks
• das Stillwerden der Aneignung
• das unmittelbare Aufleuchten des ursprünglichen Grundes

4. Tränen als Reifung

Die Tränen sind kein emotionaler Zusammenbruch,
sondern das Zeichen,
dass der Geist
seine letzte Stütze loslässt.

Ānanda ist nun
nicht mehr auf der Ebene
des Verstehens,
sondern an der Schwelle
des Erkennens ohne Objekt.

5. Vorbereitung des nächsten Abschnitts

Ab hier
ändert sich der Ton des Sutras:
• weniger Analyse
• mehr direkte Offenbarung
• Übergang von Widerlegung
zu Vergegenwärtigung

Der Buddha wird nun
nicht mehr erklären,
warum der Geist scheitert,
sondern
der ursprüngliche Grund selbst
direkt zum Tragen bringen.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!如佛世尊為我等輩宣說因緣及與自然,諸和合相與不和合,心猶未開;而今更聞見見非見,重增迷悶。伏願弘慈施大慧目,開示我等覺心明淨!」作是語已,悲淚頂禮,承受聖旨。
Deutsch
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
auch nachdem du uns
Ursache und Bedingung,
Natur,
Vereinigung und Nicht-Vereinigung
erklärt hast,
ist mein Geist
noch nicht wirklich offen.

Und nun,
da ich höre,
dass
‚Sehen das Sehen nicht sehen kann‘,
ist meine Verwirrung
noch größer geworden.

Ich bitte dich
aus tiefstem Mitgefühl:
Schenke uns
das große Auge der Weisheit
und öffne uns
das erwachte,
klare und reine ursprünglicher Grund!“

Nachdem er dies gesagt hatte,
verneigte er sich weinend,
berührte mit dem Haupt den Boden
und nahm
die heilige Weisung
in Ehrfurcht entgegen.
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den existenziellen Wendepunkt der Rolle 2.

1. Die heilsame Verwirrung

Ānandas Verwirrung ist kein Rückschritt.
Sie zeigt, dass:
• alle begrifflichen Erklärungsmodelle
(Ursache, Natur, Vereinigung, Trennung)
aufgebraucht sind
• selbst die subtilste Einsicht
(„Sehen sieht Sehen nicht“)
nicht mehr begrifflich integrierbar ist

Dies ist die klassische Schwelle,
an der Denken
nicht weiterführen kann.

2. Warum die Verwirrung größer wird

Die Aussage

„Sehen sieht Sehen nicht“

zerstört den letzten Halt des Geistes:
die Hoffnung,
das Erwachte
noch irgendwie
als Objekt
oder Erfahrung
zu erfassen.

Der Geist erkennt:

Ich kann das,
was erkennt,
nicht erkennen.

Das ist keine Paradoxie,
sondern das Ende
der Selbstobjektivierung.

3. Die Bitte um das „große Auge“

Ānanda bittet nicht mehr
um Erklärung,
sondern um Wandlung der Perspektive.

Das „große Auge der Weisheit“
ist kein neues Wissen,
sondern:
• das Wegfallen des Suchblicks
• das Stillwerden der Aneignung
• das unmittelbare Aufleuchten des ursprünglichen Grundes

4. Tränen als Reifung

Die Tränen sind kein emotionaler Zusammenbruch,
sondern das Zeichen,
dass der Geist
seine letzte Stütze loslässt.

Ānanda ist nun
nicht mehr auf der Ebene
des Verstehens,
sondern an der Schwelle
des Erkennens ohne Objekt.

5. Vorbereitung des nächsten Abschnitts

Ab hier
ändert sich der Ton des Sutras:
• weniger Analyse
• mehr direkte Offenbarung
• Übergang von Widerlegung
zu Vergegenwärtigung

Der Buddha wird nun
nicht mehr erklären,
warum der Geist scheitert,
sondern
der ursprüngliche Grund selbst
direkt zum Tragen bringen.
111 #
爾時,世尊憐愍阿難及諸大眾,將欲敷演大陀羅尼諸三摩提妙修行路,告阿難言:「汝雖強記,但益多聞,於奢摩他微密觀照,心猶未了。汝今諦聽!吾[2]當為汝分別開示,亦令將來諸有漏者獲菩提果。阿難!一切眾生輪迴世間,由二顛倒分別見妄,當處發生,當業輪轉。云何二見?一者、眾生別業妄見,二者、眾生同分妄見。
Zu jener Zeit
erbarmte sich der Buddha
Ānandas
und der großen Versammlung.
Nun wollte er
den Weg der großen Dhāraṇī,
die tiefen Samādhi
und den feinen Übungsweg offenlegen.

Er sprach zu Ānanda:

„Du hast
ein starkes Gedächtnis
und viel gehört,
doch in der stillen,
feinen Schau
des Śamatha
ist dein Geist
noch nicht zur Ruhe gekommen.

Höre nun aufmerksam!
Ich werde dir
unterscheidend darlegen,
und zugleich
den künftigen Wesen,
die noch gebunden sind,
den Weg öffnen,
die Frucht des Bodhi zu erlangen.

Ānanda!
Alle Wesen
verstricken sich
im Kreislauf der Welt,
weil sie
durch zwei verkehrte Arten
des unterscheidenden Sehens
Verblendung hervorbringen
und dadurch
an Ort und Stelle entstehen
und im karmischen Rad rotieren.

Welche zwei Arten sind es?
Erstens:
die verkehrte Sicht
aus individuellem Karma.
Zweitens:
die verkehrte Sicht
aus gemeinsamem Karma.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den formalen Übergang von Erkenntniskritik zu Praxislehre innerhalb der Rolle 2.

1. Warum der Buddha jetzt „Praxis“ eröffnet

Bis hierher wurde:
• jede falsche Identifikation zerlegt
• jede begriffliche Zuflucht entzogen
• der Geist an seine Grenze geführt

Nun erst
ist der Boden bereit
für wirkliche Übung.

Nicht Technik,
sondern Ausrichtung des Geistes
steht nun im Zentrum.

2. Die feine Kritik an Ānandas Stärke

„Viel gehört“ (多聞)
war Ānandas größte Stärke –
und sein Hindernis.

Der Buddha macht klar:

Wissen ersetzt keine Schau.

Śamatha
ist hier kein Beruhigungsverfahren,
sondern
die Fähigkeit,
den Geist
ohne Projektion
ruhen zu lassen.

3. Der Kern des Samsara

Die Diagnose ist präzise:
Samsara entsteht
nicht durch Welt,
sondern durch verkehrte Sicht.

Nicht Dinge binden,
sondern Interpretationen.

4. Die zwei Grundverblendungen

Mit den zwei „verkehrten Sichtweisen“
führt der Buddha nun
die Grundestruktur allen Leidens ein:
1. Individuelle karmische Verkennung
– persönliche Projektionen,
subjektive Verzerrungen
2. Gemeinsame karmische Verkennung
– kollektiv geteilte Weltbilder,
kulturelle und kosmische Illusionen

Diese Unterscheidung
wird im nächsten Abschnitt
durch Beispiele konkretisiert
und bildet die Brücke
zur eigentlichen Übungspraxis.

5. Bezug zum ursprünglichen Grund

Beide Verkennungen
sind Bewegungen des Geistes,
nicht Eigenschaften des ursprünglichen Grundes.

Praxis bedeutet hier:

Nicht etwas Neues erzeugen,
sondern der ursprüngliche Grund
von individueller und kollektiver Projektion lösen.
中文原文
爾時,世尊憐愍阿難及諸大眾,將欲敷演大陀羅尼諸三摩提妙修行路,告阿難言:「汝雖強記,但益多聞,於奢摩他微密觀照,心猶未了。汝今諦聽!吾[2]當為汝分別開示,亦令將來諸有漏者獲菩提果。阿難!一切眾生輪迴世間,由二顛倒分別見妄,當處發生,當業輪轉。云何二見?一者、眾生別業妄見,二者、眾生同分妄見。
Deutsch
Zu jener Zeit
erbarmte sich der Buddha
Ānandas
und der großen Versammlung.
Nun wollte er
den Weg der großen Dhāraṇī,
die tiefen Samādhi
und den feinen Übungsweg offenlegen.

Er sprach zu Ānanda:

„Du hast
ein starkes Gedächtnis
und viel gehört,
doch in der stillen,
feinen Schau
des Śamatha
ist dein Geist
noch nicht zur Ruhe gekommen.

Höre nun aufmerksam!
Ich werde dir
unterscheidend darlegen,
und zugleich
den künftigen Wesen,
die noch gebunden sind,
den Weg öffnen,
die Frucht des Bodhi zu erlangen.

Ānanda!
Alle Wesen
verstricken sich
im Kreislauf der Welt,
weil sie
durch zwei verkehrte Arten
des unterscheidenden Sehens
Verblendung hervorbringen
und dadurch
an Ort und Stelle entstehen
und im karmischen Rad rotieren.

Welche zwei Arten sind es?
Erstens:
die verkehrte Sicht
aus individuellem Karma.
Zweitens:
die verkehrte Sicht
aus gemeinsamem Karma.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den formalen Übergang von Erkenntniskritik zu Praxislehre innerhalb der Rolle 2.

1. Warum der Buddha jetzt „Praxis“ eröffnet

Bis hierher wurde:
• jede falsche Identifikation zerlegt
• jede begriffliche Zuflucht entzogen
• der Geist an seine Grenze geführt

Nun erst
ist der Boden bereit
für wirkliche Übung.

Nicht Technik,
sondern Ausrichtung des Geistes
steht nun im Zentrum.

2. Die feine Kritik an Ānandas Stärke

„Viel gehört“ (多聞)
war Ānandas größte Stärke –
und sein Hindernis.

Der Buddha macht klar:

Wissen ersetzt keine Schau.

Śamatha
ist hier kein Beruhigungsverfahren,
sondern
die Fähigkeit,
den Geist
ohne Projektion
ruhen zu lassen.

3. Der Kern des Samsara

Die Diagnose ist präzise:
Samsara entsteht
nicht durch Welt,
sondern durch verkehrte Sicht.

Nicht Dinge binden,
sondern Interpretationen.

4. Die zwei Grundverblendungen

Mit den zwei „verkehrten Sichtweisen“
führt der Buddha nun
die Grundestruktur allen Leidens ein:
1. Individuelle karmische Verkennung
– persönliche Projektionen,
subjektive Verzerrungen
2. Gemeinsame karmische Verkennung
– kollektiv geteilte Weltbilder,
kulturelle und kosmische Illusionen

Diese Unterscheidung
wird im nächsten Abschnitt
durch Beispiele konkretisiert
und bildet die Brücke
zur eigentlichen Übungspraxis.

5. Bezug zum ursprünglichen Grund

Beide Verkennungen
sind Bewegungen des Geistes,
nicht Eigenschaften des ursprünglichen Grundes.

Praxis bedeutet hier:

Nicht etwas Neues erzeugen,
sondern der ursprüngliche Grund
von individueller und kollektiver Projektion lösen.
112 #
「云何名為別業妄見?阿難!如世間人目有赤眚,夜見燈光別有圓影五色重疊。於意云何?此夜燈明所現圓光,為是燈色?為當見色?阿難!此若燈色,則非眚人何不同見,而此圓影唯眚之觀。若是見色,見已成色,則彼眚人見圓影者名為何等?復次,阿難!若此圓影離燈別有,則合傍觀屏帳、几筵有圓影出。離見別有,應非眼矚,云何眚人目見圓影?是故當知色實在燈,見病為影;影、見俱眚,見眚非病。終不應言『是燈是見,於是中有非燈非見』,如第二月非體非影。何以故?第二之觀,揑所成故。諸有智者不應說言『此揑根元,是形非形,離見非見』,此亦如是,目眚所成,今欲名誰是燈、是見?何況分別非燈、非見!
Was bezeichnet man
als die verkehrte Sicht
des individuellen karmischen Erlebens?

Ānanda,
stelle dir einen Menschen vor,
dessen Augen
durch eine rötliche Trübung beeinträchtigt sind.
Nachts
sieht er um das Licht einer Lampe
zusätzliche, runde Lichtscheiben,
mehrfach überlagert
und in Farben schillernd.

Sag mir:
Sind diese runden Lichtbilder
die Farbe der Lampe?
Oder sind sie
eine Eigenschaft des Sehens?

Wären sie
die Farbe der Lampe,
müssten Gesunde
sie ebenso sehen.
Wären sie
die Farbe des Sehens,
wäre Sehen selbst
zur Farbe geworden.

Wären sie
vom Licht getrennt,
müssten sie
auch an anderen Orten erscheinen.
Wären sie
vom Sehen getrennt,
könnten sie
nicht gesehen werden.

Darum erkenne:
Das Licht gehört der Lampe;
die Trübung des Auges
erzeugt das Bild.
Bild und krankhafte Wahrnehmung
sind verkehrt,
doch das Sehen selbst
ist nicht krank.

So wie beim zweiten Mond
weder gesagt werden kann:
‚Er ist wirklich der Mond‘
noch:
‚Er ist bloß ein Schatten‘,
so ist es auch hier.

Denn:
Der zweite Mond
entsteht durch das Zusammenpressen
der Sehorgane.
Weise Menschen
sollten nicht behaupten:
‚Diese gepresste Wurzel
ist Form oder Nicht-Form,
Sehen oder Nicht-Sehen‘.
Ebenso ist es hier:
Die Erscheinung entsteht
durch eine Störung der Wahrnehmung.
Wen solltest du nun
Lampe nennen?
Wen Sehen?
Und wie könntest du sinnvoll sagen:
‚nicht Lampe‘
oder
‚nicht Sehen‘?““
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist das Schlüsselgleichnis für individuelle karmische Verblendung (別業妄見) und zugleich eine methodische Anleitung zur richtigen Unterscheidung.

1. Das Krankheitsgleichnis – präzise, nicht metaphorisch

Der Buddha benutzt keine poetische Metapher,
sondern ein medizinisch klares Beispiel:
Eine reale Funktionsstörung
erzeugt eine reale Erscheinung,
die jedoch keine eigenständige Wirklichkeit besitzt.

So ist individuelles Karma:
• Es erzeugt wirkliche Erfahrung
• aber keine wirkliche Entität

2. Weder Objekt noch Subjekt sind „schuld“

Der Buddha vermeidet zwei Extreme:
• „Die Lampe ist schuld“ (Objekt-Realismus)
• „Das Sehen ist schuld“ (Subjekt-Realismus)

Die Störung liegt in der Bedingtheit,
nicht im ursprünglichen Grund selbst.

3. Der entscheidende Satz

„影、見俱眚,見眚非病“
Erscheinung und fehlerhaftes Sehen sind krankhaft,
doch das Sehvermögen selbst ist nicht krank.

Das ist zentral für eure Terminologie:
👉 der ursprüngliche Grund bleibt unversehrt,
auch wenn Geist und Wahrnehmung verzerrt sind.

4. Warum „ist / ist nicht“ hier verboten ist

Der Buddha zeigt:
Sobald man fragt
„Ist es Lampe oder Sehen?“
ist man bereits im falschen Rahmen.

Die Erscheinung
ist abhängig entstanden
und entzieht sich
substanzieller Zuschreibung.

5. Verbindung zur vorherigen Lehre

Das Gleichnis greift direkt
die Lehre vom „zweiten Mond“ auf:
• real erlebt
• nicht real im Wesen

So funktioniert individuelles Karma:
Nicht illusionär,
aber auch nicht wahr im ontologischen Sinn.

6. Übergang zur nächsten Stufe

Nachdem die individuelle Verblendung geklärt ist,
wird der Buddha als Nächstes
die kollektive karmische Verblendung (同分妄見) erklären –
also warum ganze Welten,
Kosmen und Gesellschaften
„gemeinsam“ falsch gesehen werden.
中文原文
「云何名為別業妄見?阿難!如世間人目有赤眚,夜見燈光別有圓影五色重疊。於意云何?此夜燈明所現圓光,為是燈色?為當見色?阿難!此若燈色,則非眚人何不同見,而此圓影唯眚之觀。若是見色,見已成色,則彼眚人見圓影者名為何等?復次,阿難!若此圓影離燈別有,則合傍觀屏帳、几筵有圓影出。離見別有,應非眼矚,云何眚人目見圓影?是故當知色實在燈,見病為影;影、見俱眚,見眚非病。終不應言『是燈是見,於是中有非燈非見』,如第二月非體非影。何以故?第二之觀,揑所成故。諸有智者不應說言『此揑根元,是形非形,離見非見』,此亦如是,目眚所成,今欲名誰是燈、是見?何況分別非燈、非見!
Deutsch
Was bezeichnet man
als die verkehrte Sicht
des individuellen karmischen Erlebens?

Ānanda,
stelle dir einen Menschen vor,
dessen Augen
durch eine rötliche Trübung beeinträchtigt sind.
Nachts
sieht er um das Licht einer Lampe
zusätzliche, runde Lichtscheiben,
mehrfach überlagert
und in Farben schillernd.

Sag mir:
Sind diese runden Lichtbilder
die Farbe der Lampe?
Oder sind sie
eine Eigenschaft des Sehens?

Wären sie
die Farbe der Lampe,
müssten Gesunde
sie ebenso sehen.
Wären sie
die Farbe des Sehens,
wäre Sehen selbst
zur Farbe geworden.

Wären sie
vom Licht getrennt,
müssten sie
auch an anderen Orten erscheinen.
Wären sie
vom Sehen getrennt,
könnten sie
nicht gesehen werden.

Darum erkenne:
Das Licht gehört der Lampe;
die Trübung des Auges
erzeugt das Bild.
Bild und krankhafte Wahrnehmung
sind verkehrt,
doch das Sehen selbst
ist nicht krank.

So wie beim zweiten Mond
weder gesagt werden kann:
‚Er ist wirklich der Mond‘
noch:
‚Er ist bloß ein Schatten‘,
so ist es auch hier.

Denn:
Der zweite Mond
entsteht durch das Zusammenpressen
der Sehorgane.
Weise Menschen
sollten nicht behaupten:
‚Diese gepresste Wurzel
ist Form oder Nicht-Form,
Sehen oder Nicht-Sehen‘.
Ebenso ist es hier:
Die Erscheinung entsteht
durch eine Störung der Wahrnehmung.
Wen solltest du nun
Lampe nennen?
Wen Sehen?
Und wie könntest du sinnvoll sagen:
‚nicht Lampe‘
oder
‚nicht Sehen‘?““
Kommentar
Dieser Abschnitt ist das Schlüsselgleichnis für individuelle karmische Verblendung (別業妄見) und zugleich eine methodische Anleitung zur richtigen Unterscheidung.

1. Das Krankheitsgleichnis – präzise, nicht metaphorisch

Der Buddha benutzt keine poetische Metapher,
sondern ein medizinisch klares Beispiel:
Eine reale Funktionsstörung
erzeugt eine reale Erscheinung,
die jedoch keine eigenständige Wirklichkeit besitzt.

So ist individuelles Karma:
• Es erzeugt wirkliche Erfahrung
• aber keine wirkliche Entität

2. Weder Objekt noch Subjekt sind „schuld“

Der Buddha vermeidet zwei Extreme:
• „Die Lampe ist schuld“ (Objekt-Realismus)
• „Das Sehen ist schuld“ (Subjekt-Realismus)

Die Störung liegt in der Bedingtheit,
nicht im ursprünglichen Grund selbst.

3. Der entscheidende Satz

„影、見俱眚,見眚非病“
Erscheinung und fehlerhaftes Sehen sind krankhaft,
doch das Sehvermögen selbst ist nicht krank.

Das ist zentral für eure Terminologie:
👉 der ursprüngliche Grund bleibt unversehrt,
auch wenn Geist und Wahrnehmung verzerrt sind.

4. Warum „ist / ist nicht“ hier verboten ist

Der Buddha zeigt:
Sobald man fragt
„Ist es Lampe oder Sehen?“
ist man bereits im falschen Rahmen.

Die Erscheinung
ist abhängig entstanden
und entzieht sich
substanzieller Zuschreibung.

5. Verbindung zur vorherigen Lehre

Das Gleichnis greift direkt
die Lehre vom „zweiten Mond“ auf:
• real erlebt
• nicht real im Wesen

So funktioniert individuelles Karma:
Nicht illusionär,
aber auch nicht wahr im ontologischen Sinn.

6. Übergang zur nächsten Stufe

Nachdem die individuelle Verblendung geklärt ist,
wird der Buddha als Nächstes
die kollektive karmische Verblendung (同分妄見) erklären –
also warum ganze Welten,
Kosmen und Gesellschaften
„gemeinsam“ falsch gesehen werden.
113 #
「云何名為同分妄見?阿難!此閻浮提,除大海水,中間平陸有三千洲。正中大洲,東西括量,大國凡有二千三百;其餘小洲,在諸海中,其間或有三兩百國,或一或二,至于三十、四十、五十。阿難!若復此中有一小洲,[*]只有兩國。唯一國人同感惡緣,則彼小洲當土眾生,覩諸一切不祥境界,或見二日,或見兩月,其中乃至暈[3]蝕珮玦、彗[4]勃飛流、負耳虹蜺。種種惡相,但此國見;彼國眾生,本所不見,亦復不聞。阿難!吾今為汝以此二事進退合明。
Der Buddha sprach:

„Was bezeichnet man
als die verkehrte Sicht
des gemeinsam geteilten karmischen Erlebens?

Ānanda,
in dieser Welt Jambudvīpa
gibt es viele Kontinente und Länder.
Manche sind groß,
manche klein,
manche tragen viele Reiche,
manche nur wenige.

Stell dir nun vor,
auf einem kleinen Kontinent
gäbe es nur zwei Länder.
Wenn die Menschen
in einem dieser Länder
gemeinsam ein unheilsames karmisches Band tragen,
dann sehen die Lebewesen
dieses Landes
in ihrem eigenen Gebiet
allerlei unheilvolle Zeichen:
zwei Sonnen,
zwei Monde,
Lichthöfe, Finsternisse,
Kometen, Sternschnuppen,
tief hängende Regenbögen.

Diese Zeichen
werden nur von diesem Land gesehen.
Die Menschen
des anderen Landes
sehen sie nicht
und hören auch nichts davon.

Ānanda,
mit diesen beiden Beispielen
werde ich dir nun
die Sache zusammenführend erklären.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt erklärt die zweite Grundform der Verblendung: die kollektive karmische Fehlwahrnehmung (同分妄見).

1. Von individueller zu kollektiver Illusion

Nach dem Beispiel der Augenkrankheit (individuelles Karma)
zeigt der Buddha nun:
Verblendung wirkt nicht nur individuell,
sondern kollektiv.

Nicht nur einzelne sehen „falsch“ –
ganze Gemeinschaften
können dieselbe Verzerrung teilen.

2. Gemeinsames Karma erzeugt gemeinsame Welt

Die unheilvollen Zeichen
(zwei Sonnen, zwei Monde, Kometen usw.)
sind real erlebt,
aber nicht universell gültig.

Sie erscheinen:
• für diejenigen,
die dasselbe Karma teilen
• nicht für diejenigen,
die es nicht teilen

👉 Realität ist hier karmisch-kollektiv,
nicht absolut.

3. Keine objektive Welt – aber auch kein bloßer Irrtum

Der Buddha sagt nicht:
„Diese Zeichen existieren nicht.“

Er sagt:
• Sie existieren nicht unabhängig
• Sie existieren abhängig vom gemeinsamen Karma

Das ist weder
naiver Realismus
noch bloßer Subjektivismus.

4. Warum andere nichts sehen oder hören

Das ist entscheidend:
Nicht einmal Hören oder Berichte
gelangen zu den anderen.

Kollektives Karma
schafft geschlossene Wahrnehmungsräume.

Das ist hochaktuell:
Kulturen, Gesellschaften,
Weltbilder
funktionieren genau so.

5. Verbindung zum ursprünglichen Grund

Wichtig:
Diese kollektive Illusion
verändert nicht der ursprüngliche Grund.

Wie beim individuellen Beispiel:
• Erscheinung ist verzerrt
• Wahrnehmung ist geprägt
• das tragende Ursprüngliche bleibt unverändert

6. Vorbereitung der Zusammenführung

Der letzte Satz ist entscheidend:

„Mit diesen beiden Begebenheiten
werde ich dir eine zusammenführende Erklärung geben.“

Das heißt:
• individuelle Verblendung
• kollektive Verblendung

werden nun gemeinsam ausgewertet,
um zu zeigen:

Samsara entsteht vollständig
aus verkehrter Sicht –
nicht aus einer falschen Wirklichkeit.
中文原文
「云何名為同分妄見?阿難!此閻浮提,除大海水,中間平陸有三千洲。正中大洲,東西括量,大國凡有二千三百;其餘小洲,在諸海中,其間或有三兩百國,或一或二,至于三十、四十、五十。阿難!若復此中有一小洲,[*]只有兩國。唯一國人同感惡緣,則彼小洲當土眾生,覩諸一切不祥境界,或見二日,或見兩月,其中乃至暈[3]蝕珮玦、彗[4]勃飛流、負耳虹蜺。種種惡相,但此國見;彼國眾生,本所不見,亦復不聞。阿難!吾今為汝以此二事進退合明。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Was bezeichnet man
als die verkehrte Sicht
des gemeinsam geteilten karmischen Erlebens?

Ānanda,
in dieser Welt Jambudvīpa
gibt es viele Kontinente und Länder.
Manche sind groß,
manche klein,
manche tragen viele Reiche,
manche nur wenige.

Stell dir nun vor,
auf einem kleinen Kontinent
gäbe es nur zwei Länder.
Wenn die Menschen
in einem dieser Länder
gemeinsam ein unheilsames karmisches Band tragen,
dann sehen die Lebewesen
dieses Landes
in ihrem eigenen Gebiet
allerlei unheilvolle Zeichen:
zwei Sonnen,
zwei Monde,
Lichthöfe, Finsternisse,
Kometen, Sternschnuppen,
tief hängende Regenbögen.

Diese Zeichen
werden nur von diesem Land gesehen.
Die Menschen
des anderen Landes
sehen sie nicht
und hören auch nichts davon.

Ānanda,
mit diesen beiden Beispielen
werde ich dir nun
die Sache zusammenführend erklären.“
Kommentar
Dieser Abschnitt erklärt die zweite Grundform der Verblendung: die kollektive karmische Fehlwahrnehmung (同分妄見).

1. Von individueller zu kollektiver Illusion

Nach dem Beispiel der Augenkrankheit (individuelles Karma)
zeigt der Buddha nun:
Verblendung wirkt nicht nur individuell,
sondern kollektiv.

Nicht nur einzelne sehen „falsch“ –
ganze Gemeinschaften
können dieselbe Verzerrung teilen.

2. Gemeinsames Karma erzeugt gemeinsame Welt

Die unheilvollen Zeichen
(zwei Sonnen, zwei Monde, Kometen usw.)
sind real erlebt,
aber nicht universell gültig.

Sie erscheinen:
• für diejenigen,
die dasselbe Karma teilen
• nicht für diejenigen,
die es nicht teilen

👉 Realität ist hier karmisch-kollektiv,
nicht absolut.

3. Keine objektive Welt – aber auch kein bloßer Irrtum

Der Buddha sagt nicht:
„Diese Zeichen existieren nicht.“

Er sagt:
• Sie existieren nicht unabhängig
• Sie existieren abhängig vom gemeinsamen Karma

Das ist weder
naiver Realismus
noch bloßer Subjektivismus.

4. Warum andere nichts sehen oder hören

Das ist entscheidend:
Nicht einmal Hören oder Berichte
gelangen zu den anderen.

Kollektives Karma
schafft geschlossene Wahrnehmungsräume.

Das ist hochaktuell:
Kulturen, Gesellschaften,
Weltbilder
funktionieren genau so.

5. Verbindung zum ursprünglichen Grund

Wichtig:
Diese kollektive Illusion
verändert nicht der ursprüngliche Grund.

Wie beim individuellen Beispiel:
• Erscheinung ist verzerrt
• Wahrnehmung ist geprägt
• das tragende Ursprüngliche bleibt unverändert

6. Vorbereitung der Zusammenführung

Der letzte Satz ist entscheidend:

„Mit diesen beiden Begebenheiten
werde ich dir eine zusammenführende Erklärung geben.“

Das heißt:
• individuelle Verblendung
• kollektive Verblendung

werden nun gemeinsam ausgewertet,
um zu zeigen:

Samsara entsteht vollständig
aus verkehrter Sicht –
nicht aus einer falschen Wirklichkeit.
114 #
「阿難!如彼眾生別業妄見,矚燈光中所現圓影,雖[5]現似境,終彼見者目眚所成。眚即見勞,非色所造;然見眚者終無見咎。例汝今日,以目觀見山河國土及諸眾生,皆是無始見病所成。見與見緣似現前境,元我覺明見所緣眚。覺見即眚,本覺明心覺緣非眚;覺所覺眚,覺非眚中,此實見見,云何復名覺、聞、知、見?是故汝今見我及汝并諸世間十類眾生,皆即見眚,非見眚者;彼見真精性非眚者,故不名見。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wie bei der individuellen karmischen Verblendung:
Ein Mensch mit Augenkrankheit
sieht im Lampenlicht
runde Lichtbilder.
Sie erscheinen
wie wirkliche Dinge,
doch entstehen sie
durch eine Ermüdung des Sehens –
nicht durch die Farbe selbst.

Entscheidend ist:
Wer die Augenkrankheit erkennt,
ist selbst nicht krank.

So ist es auch bei dir:
Was du jetzt siehst –
Berge, Flüsse, Länder,
alle Wesen –
entsteht aus anfangsloser
Verblendung des Sehens.

Sehen
und seine Bedingungen
erscheinen als Welt;
in Wahrheit aber
sind sie die Verblendung,
auf die sich
das erwachte, klare ursprünglicher Grund richtet.

Das unterscheidende Sehen
ist selbst Verblendung;
das ursprünglich erwachte,
klare ursprünglicher Grund
erkennt die Bedingungen,
ist aber nicht die Verblendung.

Das Erkennen
der erkannten Verblendung
ist selbst nicht verblendet.
Das ist
das wahre ‚Sehen des Sehens‘.

Darum:
Wenn du mich,
dich selbst
und alle Wesen siehst,
ist dies
das Sehen der Verblendung –
nicht das verblendete Sehen selbst.

Die wahre,
feine Wesenheit
ist nicht krank
und wird deshalb
nicht mehr
‚Sehen‘ genannt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die präziseste Zusammenführung der gesamten Argumentation der Rolle 2 und gehört zu den tiefsten Passagen des Shurangama-Sutras.

1. Die entscheidende Unterscheidung

Der Buddha trennt nun endgültig drei Ebenen:
1. Erscheinung
– das, was gesehen wird (Welt, Wesen, Formen)
2. Verblendetes Sehen (見眚)
– das unterscheidende, karmisch geprägte Wahrnehmen
3. Erkennen der Verblendung
– das nicht-verblendete Ursprüngliche

Nur die mittlere Ebene ist „krank“.

2. „Sehen der Krankheit ist nicht krank“

Das ist der Kernsatz:

Wer die Verblendung erkennt,
ist nicht mehr verblendet.

Befreiung ist daher
kein Zustand,
sondern Durchschauen.

3. Warum der ursprüngliche Grund nicht mehr „Sehen“ heißt

Der Buddha sagt bewusst:
Das wahre Erkennen
soll nicht mehr
„Sehen, Hören, Wissen“
genannt werden.

Warum?
Weil all diese Begriffe
zur Ebene der Verblendung gehören.

der ursprüngliche Grund ist
nicht eine bessere Wahrnehmung,
sondern jenseits aller Sinneskategorien.

4. Verbindung zu „見見非見“

Hier schließt sich der Kreis:
• „Sehen sieht Sehen nicht“
• „Erkennen der Verblendung ist nicht Verblendung“

Das ist keine Paradoxie,
sondern die exakte Grenzbestimmung.

5. Praktische Pointe

Praxis bedeutet nun:
• nicht Welt vernichten
• nicht Wahrnehmung abschalten
• sondern Verwechslung lösen

Welt bleibt Welt,
doch sie bindet nicht mehr.

6. Abschluss der Lehre von den zwei Verblendungen

Mit diesem Abschnitt sind:
• individuelle Verblendung
• kollektive Verblendung

beide auf
eine einzige Wurzel zurückgeführt:
die Identifikation
des unterscheidenden Sehens
mit dem ursprünglichen Grund.
中文原文
「阿難!如彼眾生別業妄見,矚燈光中所現圓影,雖[5]現似境,終彼見者目眚所成。眚即見勞,非色所造;然見眚者終無見咎。例汝今日,以目觀見山河國土及諸眾生,皆是無始見病所成。見與見緣似現前境,元我覺明見所緣眚。覺見即眚,本覺明心覺緣非眚;覺所覺眚,覺非眚中,此實見見,云何復名覺、聞、知、見?是故汝今見我及汝并諸世間十類眾生,皆即見眚,非見眚者;彼見真精性非眚者,故不名見。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wie bei der individuellen karmischen Verblendung:
Ein Mensch mit Augenkrankheit
sieht im Lampenlicht
runde Lichtbilder.
Sie erscheinen
wie wirkliche Dinge,
doch entstehen sie
durch eine Ermüdung des Sehens –
nicht durch die Farbe selbst.

Entscheidend ist:
Wer die Augenkrankheit erkennt,
ist selbst nicht krank.

So ist es auch bei dir:
Was du jetzt siehst –
Berge, Flüsse, Länder,
alle Wesen –
entsteht aus anfangsloser
Verblendung des Sehens.

Sehen
und seine Bedingungen
erscheinen als Welt;
in Wahrheit aber
sind sie die Verblendung,
auf die sich
das erwachte, klare ursprünglicher Grund richtet.

Das unterscheidende Sehen
ist selbst Verblendung;
das ursprünglich erwachte,
klare ursprünglicher Grund
erkennt die Bedingungen,
ist aber nicht die Verblendung.

Das Erkennen
der erkannten Verblendung
ist selbst nicht verblendet.
Das ist
das wahre ‚Sehen des Sehens‘.

Darum:
Wenn du mich,
dich selbst
und alle Wesen siehst,
ist dies
das Sehen der Verblendung –
nicht das verblendete Sehen selbst.

Die wahre,
feine Wesenheit
ist nicht krank
und wird deshalb
nicht mehr
‚Sehen‘ genannt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die präziseste Zusammenführung der gesamten Argumentation der Rolle 2 und gehört zu den tiefsten Passagen des Shurangama-Sutras.

1. Die entscheidende Unterscheidung

Der Buddha trennt nun endgültig drei Ebenen:
1. Erscheinung
– das, was gesehen wird (Welt, Wesen, Formen)
2. Verblendetes Sehen (見眚)
– das unterscheidende, karmisch geprägte Wahrnehmen
3. Erkennen der Verblendung
– das nicht-verblendete Ursprüngliche

Nur die mittlere Ebene ist „krank“.

2. „Sehen der Krankheit ist nicht krank“

Das ist der Kernsatz:

Wer die Verblendung erkennt,
ist nicht mehr verblendet.

Befreiung ist daher
kein Zustand,
sondern Durchschauen.

3. Warum der ursprüngliche Grund nicht mehr „Sehen“ heißt

Der Buddha sagt bewusst:
Das wahre Erkennen
soll nicht mehr
„Sehen, Hören, Wissen“
genannt werden.

Warum?
Weil all diese Begriffe
zur Ebene der Verblendung gehören.

der ursprüngliche Grund ist
nicht eine bessere Wahrnehmung,
sondern jenseits aller Sinneskategorien.

4. Verbindung zu „見見非見“

Hier schließt sich der Kreis:
• „Sehen sieht Sehen nicht“
• „Erkennen der Verblendung ist nicht Verblendung“

Das ist keine Paradoxie,
sondern die exakte Grenzbestimmung.

5. Praktische Pointe

Praxis bedeutet nun:
• nicht Welt vernichten
• nicht Wahrnehmung abschalten
• sondern Verwechslung lösen

Welt bleibt Welt,
doch sie bindet nicht mehr.

6. Abschluss der Lehre von den zwei Verblendungen

Mit diesem Abschnitt sind:
• individuelle Verblendung
• kollektive Verblendung

beide auf
eine einzige Wurzel zurückgeführt:
die Identifikation
des unterscheidenden Sehens
mit dem ursprünglichen Grund.
115 #
「阿難!如彼眾生同分妄見,例彼妄見別業一人,一病目人同彼一國。彼見圓影,眚妄所生。此眾同分所現不祥,同見業中瘴惡所起,俱是無始見妄所生。例閻浮提三千洲中,兼四大海娑婆世界,并洎十方諸有漏國及諸眾生,同是覺明無漏妙心,見、聞、覺、知虛妄病緣、和合妄生,和合妄死。若能遠離諸和合緣及不和合,則復滅除諸生死因;圓滿菩提不生滅性,清淨本心本覺常住。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
die gemeinsame karmische Verblendung
entspricht
der individuellen falschen Wahrnehmung
eines Einzelnen mit Augenkrankheit –
nur dass sie
von vielen gemeinsam getragen wird.

Die runden Lichtbilder
entstehen aus der Verblendung des Sehens.
Ebenso entstehen
die unheilvollen Zeichen,
die viele gemeinsam sehen,
aus gemeinsamem Karma.

Beides
geht auf anfangslose
Verblendung des Sehens zurück.

So ist es:
Jambudvīpa
mit seinen dreitausend Kontinenten,
die vier großen Meere,
die Sahā-Welt,
die Länder der zehn Richtungen
und alle noch gebundenen Wesen –
sie alle sind ursprünglich
der wunderbar klare,
unbefleckte,
feine, ursprüngliche Grund.

Doch durch
Sehen, Hören, Erkennen und Wissen
entstehen
verblendete Bedingungen;
durch ihr Zusammenkommen
entstehen Geburt und Tod,
durch ihr Auseinandergehen
vergehen sie wieder.

Wenn du jedoch
alle Bedingungen
des Zusammenkommens
und des Getrenntseins
fernhältst,
erlöschen damit
alle Ursachen von Geburt und Tod.

Dann ist
das vollendete Bodhi
seiner Natur nach
nicht geboren und nicht vergehend;
das reine ursprüngliche ursprünglicher Grund,
das ursprüngliche Erwachen,
verweilt beständig.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der formale Abschluss der Lehre von den zwei Verblendungen und zugleich die klare Brücke zur Befreiungspraxis.

1. Einheitlicher Ursprung beider Verblendungen

Der Buddha macht unmissverständlich klar:
• individuelle Verblendung
• kollektive Verblendung

haben denselben Ursprung:
👉 anfangslose Verwechslung
des unterscheidenden Sehens
mit dem ursprünglichen Grund.

2. Welt als karmisches Erscheinungsfeld

Nicht nur einzelne Wahrnehmungen,
sondern ganze Welten
entstehen aus
gemeinsam geteilten karmischen Bedingungen.

Wichtig:
Das bedeutet keine Abwertung der Welt,
sondern ihre Ent-Substantialisierung.

3. Das Ursprüngliche als ursprünglicher Grund

Ein zentraler Satz:

Alle Welten und Wesen
sind ursprünglich
der wunderbar klare, unbefleckte Herz-Geist.

Nicht geschaffen,
nicht verdorben,
nicht verbessert.

Verblendung ist aufgesetzt,
nicht ursprünglich.

4. Geburt und Tod als Prozess, nicht als Fakt

Geburt und Tod entstehen:
• durch Zusammenkommen von Bedingungen
• durch deren Auseinandergehen

Sie sind Prozess, nicht Wesen.

5. Der entscheidende Praxis-Hinweis

Der Buddha sagt nicht:
„Zerstöre die Welt“,
sondern:

Löse die Bedingungen des Verhaftens.

Das ist die eigentliche Praxis:
• nicht reagieren
• nicht festhalten
• nicht abstoßen

6. Positive Bestimmung des Zieles

Befreiung ist kein Zustand,
sondern das Wegfallen der Ursachen.

Dann bleibt:
• nicht entstehendes,
• nicht vergehendes,
• stets gegenwärtiger, ursprünglicher Grund.
中文原文
「阿難!如彼眾生同分妄見,例彼妄見別業一人,一病目人同彼一國。彼見圓影,眚妄所生。此眾同分所現不祥,同見業中瘴惡所起,俱是無始見妄所生。例閻浮提三千洲中,兼四大海娑婆世界,并洎十方諸有漏國及諸眾生,同是覺明無漏妙心,見、聞、覺、知虛妄病緣、和合妄生,和合妄死。若能遠離諸和合緣及不和合,則復滅除諸生死因;圓滿菩提不生滅性,清淨本心本覺常住。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
die gemeinsame karmische Verblendung
entspricht
der individuellen falschen Wahrnehmung
eines Einzelnen mit Augenkrankheit –
nur dass sie
von vielen gemeinsam getragen wird.

Die runden Lichtbilder
entstehen aus der Verblendung des Sehens.
Ebenso entstehen
die unheilvollen Zeichen,
die viele gemeinsam sehen,
aus gemeinsamem Karma.

Beides
geht auf anfangslose
Verblendung des Sehens zurück.

So ist es:
Jambudvīpa
mit seinen dreitausend Kontinenten,
die vier großen Meere,
die Sahā-Welt,
die Länder der zehn Richtungen
und alle noch gebundenen Wesen –
sie alle sind ursprünglich
der wunderbar klare,
unbefleckte,
feine, ursprüngliche Grund.

Doch durch
Sehen, Hören, Erkennen und Wissen
entstehen
verblendete Bedingungen;
durch ihr Zusammenkommen
entstehen Geburt und Tod,
durch ihr Auseinandergehen
vergehen sie wieder.

Wenn du jedoch
alle Bedingungen
des Zusammenkommens
und des Getrenntseins
fernhältst,
erlöschen damit
alle Ursachen von Geburt und Tod.

Dann ist
das vollendete Bodhi
seiner Natur nach
nicht geboren und nicht vergehend;
das reine ursprüngliche ursprünglicher Grund,
das ursprüngliche Erwachen,
verweilt beständig.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der formale Abschluss der Lehre von den zwei Verblendungen und zugleich die klare Brücke zur Befreiungspraxis.

1. Einheitlicher Ursprung beider Verblendungen

Der Buddha macht unmissverständlich klar:
• individuelle Verblendung
• kollektive Verblendung

haben denselben Ursprung:
👉 anfangslose Verwechslung
des unterscheidenden Sehens
mit dem ursprünglichen Grund.

2. Welt als karmisches Erscheinungsfeld

Nicht nur einzelne Wahrnehmungen,
sondern ganze Welten
entstehen aus
gemeinsam geteilten karmischen Bedingungen.

Wichtig:
Das bedeutet keine Abwertung der Welt,
sondern ihre Ent-Substantialisierung.

3. Das Ursprüngliche als ursprünglicher Grund

Ein zentraler Satz:

Alle Welten und Wesen
sind ursprünglich
der wunderbar klare, unbefleckte Herz-Geist.

Nicht geschaffen,
nicht verdorben,
nicht verbessert.

Verblendung ist aufgesetzt,
nicht ursprünglich.

4. Geburt und Tod als Prozess, nicht als Fakt

Geburt und Tod entstehen:
• durch Zusammenkommen von Bedingungen
• durch deren Auseinandergehen

Sie sind Prozess, nicht Wesen.

5. Der entscheidende Praxis-Hinweis

Der Buddha sagt nicht:
„Zerstöre die Welt“,
sondern:

Löse die Bedingungen des Verhaftens.

Das ist die eigentliche Praxis:
• nicht reagieren
• nicht festhalten
• nicht abstoßen

6. Positive Bestimmung des Zieles

Befreiung ist kein Zustand,
sondern das Wegfallen der Ursachen.

Dann bleibt:
• nicht entstehendes,
• nicht vergehendes,
• stets gegenwärtiger, ursprünglicher Grund.
116 #
「阿難!汝雖先悟本覺妙明性非因緣非自然性,而猶未明如是覺元非和合生及不和合。阿難!吾今復以前塵問汝,汝今猶以一切世間妄想和合諸因緣性,而自疑惑證菩提心和合起者。則汝今者妙淨見精,為與明和?為與闇和?為與通和?為與塞和?若明和者,且汝觀明,當明現前,何處雜見?見相可辨,雜何形像?若非見者,云何見明?若即見者,云何見見?必見圓滿,何處和明?若明圓滿不合見和,見必異明,雜則失彼性明名字;雜失明性,和明非義。彼暗與通及諸群塞,亦復如是。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du hast bereits erkannt,
dass das ursprüngliche,
wunderbar klare ursprünglicher Grund
weder aus Ursachen
noch aus Bedingungen entsteht
und auch keine ‚Natur‘ im äußeren Sinn ist.
Doch du hast noch nicht durchschaut,
dass dieses Erwachen
ebenso wenig
durch Vereinigung entsteht
noch durch Getrenntsein.

Du hältst noch immer
die verwirrten Vorstellungen der Welt
für ein Zusammenspiel von Ursachen
und zweifelst deshalb,
ob das Bodhi-Soheit
durch Vereinigung entsteht.

So frage ich dich:
Dieses jetzt gegenwärtige,
wunderbar reine Erkennen –
vereinigt es sich mit Helligkeit?
Mit Dunkelheit?
Mit Offenheit?
Oder mit Begrenzung?

Wenn es sich mit Helligkeit vereinigte,
wo wäre dann
das vermischte Sehen,
wenn Helligkeit erscheint?
Welche Gestalt
sollte diese Vermischung haben?

Ist es nicht Sehen,
wie könnte es Helligkeit sehen?
Ist es Sehen selbst,
wie könnte Sehen
sich selbst sehen?

Wenn das Erkennen vollständig ist,
wo sollte es sich
mit Helligkeit vereinen?
Wenn Helligkeit vollständig ist
und nicht mit Erkennen vereint wird,
müsste Erkennen
von Helligkeit verschieden sein.
Dann ginge jedoch
die eigene Natur des Lichtes verloren –
und Vereinigung
wäre sinnlos.

Dasselbe gilt
für Dunkelheit,
für Offenheit
und für jede Form von Begrenzung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt schließt den letzten verbliebenen metaphysischen Fluchtweg:
die Vorstellung, das Erwachen entstehe durch Vereinigung (和合).

1. Warum „Vereinigung“ verführerisch ist

Nachdem ausgeschlossen wurden:
• Ursache
• Bedingung
• Natur

bleibt für den denkenden Geist oft nur noch:

Vielleicht entsteht Erwachen
durch das Zusammenkommen von Erkennen und Objekt.

Das ist subtil –
und genau deshalb gefährlich.

2. Die präzise Widerlegung

Der Buddha zeigt:
Vereinigung setzt voraus,
dass es zwei gibt,
die sich verbinden.

Doch:
• Wenn Erkennen sich mit Licht verbindet,
muss eine Mischform auffindbar sein.
• Ist diese Mischform sichtbar,
ist sie Objekt – nicht Erkennen.
• Ist sie nicht sichtbar,
ist keine Vereinigung nachweisbar.

3. Der Selbstwiderspruch der Vereinigung

Wenn:
• Erkennen = vollständig
• Licht = vollständig

dann braucht keines
das andere,
und Vereinigung ist sinnlos.

Wenn eines unvollständig wäre,
wäre es nicht das,
was es zu sein vorgibt.

4. Konsequenz für der ursprüngliche Grund

der ursprüngliche Grund:
• entsteht nicht
• verbindet sich nicht
• trennt sich nicht

Es ist nicht relational.

Beziehungen erscheinen in ihm,
aber es selbst
tritt in keine Beziehung ein.

5. Warum das wichtig für die Praxis ist

Solange man glaubt,
Erwachen entstehe
durch „Zusammenbringen“
von Geist und Objekt,
bleibt Praxis
eine subtile Manipulation.

Der Buddha beendet hier
jede Form spiritueller Technik
auf ontologischer Ebene.
中文原文
「阿難!汝雖先悟本覺妙明性非因緣非自然性,而猶未明如是覺元非和合生及不和合。阿難!吾今復以前塵問汝,汝今猶以一切世間妄想和合諸因緣性,而自疑惑證菩提心和合起者。則汝今者妙淨見精,為與明和?為與闇和?為與通和?為與塞和?若明和者,且汝觀明,當明現前,何處雜見?見相可辨,雜何形像?若非見者,云何見明?若即見者,云何見見?必見圓滿,何處和明?若明圓滿不合見和,見必異明,雜則失彼性明名字;雜失明性,和明非義。彼暗與通及諸群塞,亦復如是。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du hast bereits erkannt,
dass das ursprüngliche,
wunderbar klare ursprünglicher Grund
weder aus Ursachen
noch aus Bedingungen entsteht
und auch keine ‚Natur‘ im äußeren Sinn ist.
Doch du hast noch nicht durchschaut,
dass dieses Erwachen
ebenso wenig
durch Vereinigung entsteht
noch durch Getrenntsein.

Du hältst noch immer
die verwirrten Vorstellungen der Welt
für ein Zusammenspiel von Ursachen
und zweifelst deshalb,
ob das Bodhi-Soheit
durch Vereinigung entsteht.

So frage ich dich:
Dieses jetzt gegenwärtige,
wunderbar reine Erkennen –
vereinigt es sich mit Helligkeit?
Mit Dunkelheit?
Mit Offenheit?
Oder mit Begrenzung?

Wenn es sich mit Helligkeit vereinigte,
wo wäre dann
das vermischte Sehen,
wenn Helligkeit erscheint?
Welche Gestalt
sollte diese Vermischung haben?

Ist es nicht Sehen,
wie könnte es Helligkeit sehen?
Ist es Sehen selbst,
wie könnte Sehen
sich selbst sehen?

Wenn das Erkennen vollständig ist,
wo sollte es sich
mit Helligkeit vereinen?
Wenn Helligkeit vollständig ist
und nicht mit Erkennen vereint wird,
müsste Erkennen
von Helligkeit verschieden sein.
Dann ginge jedoch
die eigene Natur des Lichtes verloren –
und Vereinigung
wäre sinnlos.

Dasselbe gilt
für Dunkelheit,
für Offenheit
und für jede Form von Begrenzung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt schließt den letzten verbliebenen metaphysischen Fluchtweg:
die Vorstellung, das Erwachen entstehe durch Vereinigung (和合).

1. Warum „Vereinigung“ verführerisch ist

Nachdem ausgeschlossen wurden:
• Ursache
• Bedingung
• Natur

bleibt für den denkenden Geist oft nur noch:

Vielleicht entsteht Erwachen
durch das Zusammenkommen von Erkennen und Objekt.

Das ist subtil –
und genau deshalb gefährlich.

2. Die präzise Widerlegung

Der Buddha zeigt:
Vereinigung setzt voraus,
dass es zwei gibt,
die sich verbinden.

Doch:
• Wenn Erkennen sich mit Licht verbindet,
muss eine Mischform auffindbar sein.
• Ist diese Mischform sichtbar,
ist sie Objekt – nicht Erkennen.
• Ist sie nicht sichtbar,
ist keine Vereinigung nachweisbar.

3. Der Selbstwiderspruch der Vereinigung

Wenn:
• Erkennen = vollständig
• Licht = vollständig

dann braucht keines
das andere,
und Vereinigung ist sinnlos.

Wenn eines unvollständig wäre,
wäre es nicht das,
was es zu sein vorgibt.

4. Konsequenz für der ursprüngliche Grund

der ursprüngliche Grund:
• entsteht nicht
• verbindet sich nicht
• trennt sich nicht

Es ist nicht relational.

Beziehungen erscheinen in ihm,
aber es selbst
tritt in keine Beziehung ein.

5. Warum das wichtig für die Praxis ist

Solange man glaubt,
Erwachen entstehe
durch „Zusammenbringen“
von Geist und Objekt,
bleibt Praxis
eine subtile Manipulation.

Der Buddha beendet hier
jede Form spiritueller Technik
auf ontologischer Ebene.
117 #
「復次,阿難!又汝今者妙淨見精,為與明合?為與暗合?為與通合?為與塞合?若明合者,至於暗時明相已滅,此見即不與諸暗合,云何見暗?若見暗時不與暗合,與明合者應非見明?既不見明,云何明合了明非暗?彼暗與通及諸群塞,亦復如是。」
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
dieses jetzt gegenwärtige,
wunderbar reine Erkennen –
vereint es sich mit Helligkeit?
Mit Dunkelheit?
Mit Offenheit?
Oder mit Begrenzung?

Wenn es sich mit Helligkeit vereinigte,
wäre beim Eintritt der Dunkelheit
die Helligkeit bereits verschwunden.
Dann könnte dieses Erkennen
nicht mit Dunkelheit vereint sein –
wie sollte es Dunkelheit erkennen?

Wenn es beim Erkennen der Dunkelheit
nicht mit Dunkelheit vereint ist,
sondern mit Helligkeit vereint wäre,
dürfte es
die Helligkeit nicht erkennen.
Erkennt es die Helligkeit nicht,
wie könnte dann
die Vereinigung mit Helligkeit
Helligkeit als Helligkeit erkennen
und nicht als Dunkelheit?

Dasselbe gilt
für Dunkelheit,
für Offenheit
und für jede Art von Begrenzung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vollendet die Zurückweisung der letzten relationalen Zuschreibung:
dass das Erwachen durch Vereinigung (和合) mit Erscheinungen entstehe.

1. Vereinigung setzt Exklusivität voraus

„Sich vereinen“ heißt:
• mit einem Pol verbunden sein
• andere Pole ausschließen

Doch das Erkennen
nimmt alle Gegensätze wahr:
• Helligkeit und Dunkelheit
• Offenheit und Begrenzung

👉 Es kann daher
mit keinem Pol exklusiv vereint sein.

2. Der Selbstwiderspruch der Vereinigung

Wäre Erkennen
mit Helligkeit vereint,
könnte es Dunkelheit nicht sehen.
Dass es Dunkelheit sieht,
widerlegt die Annahme.

Dasselbe Argument
zerlegt jede andere „Vereinigung“.

3. Das Ursprüngliche ist nicht relational

der ursprüngliche Grund:
• tritt in keine Beziehung ein
• verbindet sich nicht
• trennt sich nicht

Beziehungen erscheinen in ihm,
nicht zwischen ihm und etwas anderem.

4. Praxisrelevanz

Dieser Punkt ist entscheidend für Übende:
Solange man glaubt,
Erwachen entstehe
durch „Zusammengehen“ von Geist und Objekt,
bleibt Praxis
eine subtile Manipulation.

Der Buddha beendet hier
jede ontologische Technik.

5. Abschluss der Argumentationslinie

Mit diesem Abschnitt sind alle Entstehungsmodelle ausgeschaltet:
• Ursache
• Bedingung
• Natur
• Nicht-Natur
• Vereinigung
• Nicht-Vereinigung

Was bleibt,
ist nicht ein neues Konzept,
sondern das Ende des Konzeptualisierens.
中文原文
「復次,阿難!又汝今者妙淨見精,為與明合?為與暗合?為與通合?為與塞合?若明合者,至於暗時明相已滅,此見即不與諸暗合,云何見暗?若見暗時不與暗合,與明合者應非見明?既不見明,云何明合了明非暗?彼暗與通及諸群塞,亦復如是。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
dieses jetzt gegenwärtige,
wunderbar reine Erkennen –
vereint es sich mit Helligkeit?
Mit Dunkelheit?
Mit Offenheit?
Oder mit Begrenzung?

Wenn es sich mit Helligkeit vereinigte,
wäre beim Eintritt der Dunkelheit
die Helligkeit bereits verschwunden.
Dann könnte dieses Erkennen
nicht mit Dunkelheit vereint sein –
wie sollte es Dunkelheit erkennen?

Wenn es beim Erkennen der Dunkelheit
nicht mit Dunkelheit vereint ist,
sondern mit Helligkeit vereint wäre,
dürfte es
die Helligkeit nicht erkennen.
Erkennt es die Helligkeit nicht,
wie könnte dann
die Vereinigung mit Helligkeit
Helligkeit als Helligkeit erkennen
und nicht als Dunkelheit?

Dasselbe gilt
für Dunkelheit,
für Offenheit
und für jede Art von Begrenzung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vollendet die Zurückweisung der letzten relationalen Zuschreibung:
dass das Erwachen durch Vereinigung (和合) mit Erscheinungen entstehe.

1. Vereinigung setzt Exklusivität voraus

„Sich vereinen“ heißt:
• mit einem Pol verbunden sein
• andere Pole ausschließen

Doch das Erkennen
nimmt alle Gegensätze wahr:
• Helligkeit und Dunkelheit
• Offenheit und Begrenzung

👉 Es kann daher
mit keinem Pol exklusiv vereint sein.

2. Der Selbstwiderspruch der Vereinigung

Wäre Erkennen
mit Helligkeit vereint,
könnte es Dunkelheit nicht sehen.
Dass es Dunkelheit sieht,
widerlegt die Annahme.

Dasselbe Argument
zerlegt jede andere „Vereinigung“.

3. Das Ursprüngliche ist nicht relational

der ursprüngliche Grund:
• tritt in keine Beziehung ein
• verbindet sich nicht
• trennt sich nicht

Beziehungen erscheinen in ihm,
nicht zwischen ihm und etwas anderem.

4. Praxisrelevanz

Dieser Punkt ist entscheidend für Übende:
Solange man glaubt,
Erwachen entstehe
durch „Zusammengehen“ von Geist und Objekt,
bleibt Praxis
eine subtile Manipulation.

Der Buddha beendet hier
jede ontologische Technik.

5. Abschluss der Argumentationslinie

Mit diesem Abschnitt sind alle Entstehungsmodelle ausgeschaltet:
• Ursache
• Bedingung
• Natur
• Nicht-Natur
• Vereinigung
• Nicht-Vereinigung

Was bleibt,
ist nicht ein neues Konzept,
sondern das Ende des Konzeptualisierens.
118 #
阿難白佛言:「世尊!如我思惟,此妙覺元與諸緣塵及心念慮非和合耶?」
佛言:「汝今又言覺非和合,吾復問汝,此妙見精非和合者,為非明和?為非暗和?為非通和?為非塞和?若非明和,則見與明必有邊畔。汝且諦觀,何處是明?何處是見?在見在明,自何為畔?阿難!若明際中必無見者,則不相及;自不知其明相所在,畔云何成?彼暗與通及諸群塞,亦復如是。
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
nach meinem jetzigen Verständnis
ist dieser ursprüngliche,
wunderbar klare Erwachensgrund
mit Bedingungen,
Erscheinungen
und gedanklichen Regungen
nicht vereint – oder?“

Der Buddha sprach:

„Du sagst nun,
das Erwachen
sei keine Vereinigung.
Dann frage ich dich:
Wenn dieses wunderbar reine Erkennen
nicht vereint ist –
ist es dann
nicht mit Helligkeit vereint?
Nicht mit Dunkelheit?
Nicht mit Offenheit?
Nicht mit Begrenzung?

Wenn es nicht mit Helligkeit vereint wäre,
müsste es zwischen Sehen und Helligkeit
eine Grenze geben.
Schau genau:
Wo ist Helligkeit?
Wo ist Sehen?
Wenn Sehen hier
und Helligkeit dort wäre –
woran wäre ihre Grenze zu erkennen?

Ānanda,
wenn im Bereich der Helligkeit
kein Erkennen wäre,
würden sie sich nicht berühren.
Dann wüsstest du selbst nicht,
wo sich die Helligkeit zeigt.
Wie könnte dann
eine Grenze entstehen?

Dasselbe gilt
für Dunkelheit,
für Offenheit
und für jede Form von Begrenzung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist einer der methodisch präzisesten des Sutras.
Hier beginnt die systematische Dekonstruktion des Dualismus.



1. Ānandas subtile Annahme

Ānanda bewegt sich zwischen zwei Extremen:
• Zuvor: vielleicht ist Erwachen mit Bedingungen verbunden.
• Jetzt: vielleicht ist es nicht verbunden.

Das Problem ist nicht seine Unsicherheit –
sondern die Struktur der Frage.

Er denkt weiterhin in Kategorien von:
• Vereinigung (和合, saṃyoga)
• Trennung (非和合)

Beides setzt zwei voneinander getrennte Dinge voraus.



2. Die Strategie des Buddha: Grenzprüfung

Der Buddha antwortet nicht mit Metaphysik,
sondern mit einer phänomenologischen Analyse.

Er wählt das einfachste Beispiel:
Sehen und Licht.

Wenn Sehen nicht mit Licht „vereint“ ist,
dann müssten sie zwei voneinander abgegrenzte Entitäten sein.

Und wo ist diese Grenze?

Das ist der Kern:

Eine Grenze setzt zwei voneinander unabhängige Dinge voraus.

Aber:
• Sehen ohne Helligkeit erscheint nicht.
• Helligkeit ohne Wahrnehmung ist nicht erfahrbar.



3. Die Unauffindbarkeit der Grenze

Der Buddha stellt eine radikale Frage:

„Wo ist die Grenze?“

Nicht:

„Glaubst du daran?“

Sondern:

„Zeig sie.“

Wenn Sehen und Helligkeit getrennt wären:
• müsste Sehen ohne Licht existieren
• oder Licht ohne Sehen

Doch sobald man versucht, die Grenze zu lokalisieren,
zerfällt die Annahme.

Die Trennung ist konzeptuell,
nicht erfahrungsmäßig auffindbar.



4. Moderne Parallele

Das entspricht heutigen Debatten über:
• Subjekt vs. Objekt
• Gehirn vs. Welt
• Innen vs. Außen

Man sucht die Grenze zwischen:
• Bewusstsein
• und Wahrgenommenem

Doch jede Grenzbestimmung erscheint selbst wieder im Bewusstsein.

Die Grenze ist nie unabhängig lokalisierbar.



5. Nicht-Vereinigung ≠ Trennung

Das Sutra zielt nicht darauf ab zu sagen:

„Alles ist eins.“

Sondern:

Die Kategorien „vereint“ und „getrennt“ greifen beide zu kurz.

Denn sie setzen Dinge voraus,
die unabhängig existieren.

Hier beginnt die Auflösung von:
• Wahrnehmung als Subjekt
• Welt als Objekt

Was bleibt,
ist ein Feld wechselseitiger Bedingtheit,
ohne lokalisierbare Trennlinie.



6. Dramatische Funktion

Dieser Abschnitt bereitet vor:
• die Analyse des Sehvermögens als nicht entstehend
• die Unterscheidung zwischen Sinnesfunktion und wahrer Natur
• die spätere Entfaltung des Tathāgata-Speichers

Ānandas Frage ist subtil,
aber noch dualistisch.

Der Buddha führt ihn nun Schritt für Schritt
an den Punkt,
an dem die Frage selbst kollabiert.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!如我思惟,此妙覺元與諸緣塵及心念慮非和合耶?」
佛言:「汝今又言覺非和合,吾復問汝,此妙見精非和合者,為非明和?為非暗和?為非通和?為非塞和?若非明和,則見與明必有邊畔。汝且諦觀,何處是明?何處是見?在見在明,自何為畔?阿難!若明際中必無見者,則不相及;自不知其明相所在,畔云何成?彼暗與通及諸群塞,亦復如是。
Deutsch
Ānanda sprach:

„Weltverehrter,
nach meinem jetzigen Verständnis
ist dieser ursprüngliche,
wunderbar klare Erwachensgrund
mit Bedingungen,
Erscheinungen
und gedanklichen Regungen
nicht vereint – oder?“

Der Buddha sprach:

„Du sagst nun,
das Erwachen
sei keine Vereinigung.
Dann frage ich dich:
Wenn dieses wunderbar reine Erkennen
nicht vereint ist –
ist es dann
nicht mit Helligkeit vereint?
Nicht mit Dunkelheit?
Nicht mit Offenheit?
Nicht mit Begrenzung?

Wenn es nicht mit Helligkeit vereint wäre,
müsste es zwischen Sehen und Helligkeit
eine Grenze geben.
Schau genau:
Wo ist Helligkeit?
Wo ist Sehen?
Wenn Sehen hier
und Helligkeit dort wäre –
woran wäre ihre Grenze zu erkennen?

Ānanda,
wenn im Bereich der Helligkeit
kein Erkennen wäre,
würden sie sich nicht berühren.
Dann wüsstest du selbst nicht,
wo sich die Helligkeit zeigt.
Wie könnte dann
eine Grenze entstehen?

Dasselbe gilt
für Dunkelheit,
für Offenheit
und für jede Form von Begrenzung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist einer der methodisch präzisesten des Sutras.
Hier beginnt die systematische Dekonstruktion des Dualismus.



1. Ānandas subtile Annahme

Ānanda bewegt sich zwischen zwei Extremen:
• Zuvor: vielleicht ist Erwachen mit Bedingungen verbunden.
• Jetzt: vielleicht ist es nicht verbunden.

Das Problem ist nicht seine Unsicherheit –
sondern die Struktur der Frage.

Er denkt weiterhin in Kategorien von:
• Vereinigung (和合, saṃyoga)
• Trennung (非和合)

Beides setzt zwei voneinander getrennte Dinge voraus.



2. Die Strategie des Buddha: Grenzprüfung

Der Buddha antwortet nicht mit Metaphysik,
sondern mit einer phänomenologischen Analyse.

Er wählt das einfachste Beispiel:
Sehen und Licht.

Wenn Sehen nicht mit Licht „vereint“ ist,
dann müssten sie zwei voneinander abgegrenzte Entitäten sein.

Und wo ist diese Grenze?

Das ist der Kern:

Eine Grenze setzt zwei voneinander unabhängige Dinge voraus.

Aber:
• Sehen ohne Helligkeit erscheint nicht.
• Helligkeit ohne Wahrnehmung ist nicht erfahrbar.



3. Die Unauffindbarkeit der Grenze

Der Buddha stellt eine radikale Frage:

„Wo ist die Grenze?“

Nicht:

„Glaubst du daran?“

Sondern:

„Zeig sie.“

Wenn Sehen und Helligkeit getrennt wären:
• müsste Sehen ohne Licht existieren
• oder Licht ohne Sehen

Doch sobald man versucht, die Grenze zu lokalisieren,
zerfällt die Annahme.

Die Trennung ist konzeptuell,
nicht erfahrungsmäßig auffindbar.



4. Moderne Parallele

Das entspricht heutigen Debatten über:
• Subjekt vs. Objekt
• Gehirn vs. Welt
• Innen vs. Außen

Man sucht die Grenze zwischen:
• Bewusstsein
• und Wahrgenommenem

Doch jede Grenzbestimmung erscheint selbst wieder im Bewusstsein.

Die Grenze ist nie unabhängig lokalisierbar.



5. Nicht-Vereinigung ≠ Trennung

Das Sutra zielt nicht darauf ab zu sagen:

„Alles ist eins.“

Sondern:

Die Kategorien „vereint“ und „getrennt“ greifen beide zu kurz.

Denn sie setzen Dinge voraus,
die unabhängig existieren.

Hier beginnt die Auflösung von:
• Wahrnehmung als Subjekt
• Welt als Objekt

Was bleibt,
ist ein Feld wechselseitiger Bedingtheit,
ohne lokalisierbare Trennlinie.



6. Dramatische Funktion

Dieser Abschnitt bereitet vor:
• die Analyse des Sehvermögens als nicht entstehend
• die Unterscheidung zwischen Sinnesfunktion und wahrer Natur
• die spätere Entfaltung des Tathāgata-Speichers

Ānandas Frage ist subtil,
aber noch dualistisch.

Der Buddha führt ihn nun Schritt für Schritt
an den Punkt,
an dem die Frage selbst kollabiert.
119 #
「又妙見精非和合者,為非明合?為非暗合?為非通合?為非塞合?若非明合,則見與明性相乖角,如耳與明了不相觸;見且不知明相所在,云何甄明合非合理?彼暗與通及諸群塞,亦復如是。
「阿難!汝猶未明一切浮塵諸幻化相,當處出生,隨處滅盡;幻妄稱相,其性真為妙覺明體。如是乃至五陰、六入,從十二處至十八界,因緣和合虛妄有生,因緣別離虛妄名滅;殊不能知生滅去來,本如來藏常住妙明不動周圓妙真如性,性真常中求於去來、迷悟、[1]死生了無所得。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn dieses wunderbar klare Erkennen
nicht Vereinigung ist –
ist es dann
nicht mit Helligkeit vereint?
Nicht mit Dunkelheit?
Nicht mit Offenheit?
Nicht mit Begrenzung?

Wäre es nicht mit Helligkeit vereint,
müssten Erkennen und Helligkeit
einander fremd sein
wie Ohr und Licht,
die einander nicht berühren.
Dann wüsste das Erkennen
nicht einmal,
wo Helligkeit erscheint.
Wie sollte man dann
über Vereinigung
oder Nicht-Vereinigung sprechen?

Dasselbe gilt
für Dunkelheit,
für Offenheit
und für jede Form von Begrenzung.

Ānanda,
du hast noch nicht erkannt,
dass alle flüchtigen Erscheinungen,
alle Staubphänomene
und alle Illusionen
genau dort entstehen,
wo sie erscheinen,
und dort wieder vergehen.
Man nennt sie nur aus Täuschung
‚Erscheinungen‘;
ihrer wahren Natur nach
sind sie
der wunderbar klare,
erwachte Grund –
der ursprüngliche Grund.

So ist es auch
mit den fünf Aggregaten,
den sechs Sinnesgrundlagen,
den zwölf Bereichen
und den achtzehn Sphären:
Durch Ursachen und Bedingungen
entstehen sie scheinbar,
durch das Auseinandergehen der Bedingungen
vergehen sie scheinbar.

In Wahrheit aber
sind Entstehen und Vergehen,
Kommen und Gehen
von jeher
der Tathāgata-Speicher –
die stets verweilende,
wunderbar klare,
unbewegliche,
allumfassende,
wahre Soheit.

In dieser wahren,
beständigen Natur
nach Kommen und Gehen,
Verblendung und Erwachen,
Tod und Geburt zu suchen,
ist schlechthin
nichts zu finden.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt setzt den endgültigen Schlusspunkt unter alle relationalen Denkmodelle und öffnet explizit den Blick auf 如來藏 / Tathāgatagarbha als Beschreibung des ursprünglichen Grundes.

1. Letzte Widerlegung von „Nicht-Vereinigung“

Der Buddha zeigt:
Nicht-Vereinigung
ist ebenso problematisch wie Vereinigung,
denn sie setzt
eine trennbare Grenze voraus.

Doch zwischen
Erkennen und Erscheinung
existiert keine solche Grenze.

2. Illusion entsteht und vergeht „am Ort“

Ein zentraler Satz:

幻化相,當處出生,隨處滅盡

Illusionen
wandern nicht,
sie haben keine eigene Existenz.
Sie entstehen dort,
wo sie erscheinen,
und vergehen dort.

Das nimmt Samsara
jede ontologische Schwere.

3. Radikale Umdeutung der buddhistischen Kategorien

Der Buddha integriert nun
die gesamte klassische Analyse:
• fünf Skandhas
• sechs Sinnesgrundlagen
• zwölf Bereiche
• achtzehn Sphären

Nicht als letztgültige Realität,
sondern als scheinbare Erscheinungsweise.

4. 如來藏 als Bezeichnung, nicht als Substanz

Wichtig:
如來藏 wird hier nicht als „inneres Selbst“ eingeführt,
sondern als Bezeichnung für das,
was Entstehen und Vergehen trägt,
ohne selbst zu entstehen oder zu vergehen.

Das ist exakt euer ursprünglicher Grund.

5. Konsequenz für Praxis

Der Buddha sagt nicht:
„Verwerfe die Welt“,
sondern:

Höre auf,
im Unbeweglichen
nach Bewegung zu suchen.

Befreiung ist
das Ende der Fehlfrage,
nicht das Finden einer neuen Antwort.
中文原文
「又妙見精非和合者,為非明合?為非暗合?為非通合?為非塞合?若非明合,則見與明性相乖角,如耳與明了不相觸;見且不知明相所在,云何甄明合非合理?彼暗與通及諸群塞,亦復如是。
「阿難!汝猶未明一切浮塵諸幻化相,當處出生,隨處滅盡;幻妄稱相,其性真為妙覺明體。如是乃至五陰、六入,從十二處至十八界,因緣和合虛妄有生,因緣別離虛妄名滅;殊不能知生滅去來,本如來藏常住妙明不動周圓妙真如性,性真常中求於去來、迷悟、[1]死生了無所得。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn dieses wunderbar klare Erkennen
nicht Vereinigung ist –
ist es dann
nicht mit Helligkeit vereint?
Nicht mit Dunkelheit?
Nicht mit Offenheit?
Nicht mit Begrenzung?

Wäre es nicht mit Helligkeit vereint,
müssten Erkennen und Helligkeit
einander fremd sein
wie Ohr und Licht,
die einander nicht berühren.
Dann wüsste das Erkennen
nicht einmal,
wo Helligkeit erscheint.
Wie sollte man dann
über Vereinigung
oder Nicht-Vereinigung sprechen?

Dasselbe gilt
für Dunkelheit,
für Offenheit
und für jede Form von Begrenzung.

Ānanda,
du hast noch nicht erkannt,
dass alle flüchtigen Erscheinungen,
alle Staubphänomene
und alle Illusionen
genau dort entstehen,
wo sie erscheinen,
und dort wieder vergehen.
Man nennt sie nur aus Täuschung
‚Erscheinungen‘;
ihrer wahren Natur nach
sind sie
der wunderbar klare,
erwachte Grund –
der ursprüngliche Grund.

So ist es auch
mit den fünf Aggregaten,
den sechs Sinnesgrundlagen,
den zwölf Bereichen
und den achtzehn Sphären:
Durch Ursachen und Bedingungen
entstehen sie scheinbar,
durch das Auseinandergehen der Bedingungen
vergehen sie scheinbar.

In Wahrheit aber
sind Entstehen und Vergehen,
Kommen und Gehen
von jeher
der Tathāgata-Speicher –
die stets verweilende,
wunderbar klare,
unbewegliche,
allumfassende,
wahre Soheit.

In dieser wahren,
beständigen Natur
nach Kommen und Gehen,
Verblendung und Erwachen,
Tod und Geburt zu suchen,
ist schlechthin
nichts zu finden.“
Kommentar
Dieser Abschnitt setzt den endgültigen Schlusspunkt unter alle relationalen Denkmodelle und öffnet explizit den Blick auf 如來藏 / Tathāgatagarbha als Beschreibung des ursprünglichen Grundes.

1. Letzte Widerlegung von „Nicht-Vereinigung“

Der Buddha zeigt:
Nicht-Vereinigung
ist ebenso problematisch wie Vereinigung,
denn sie setzt
eine trennbare Grenze voraus.

Doch zwischen
Erkennen und Erscheinung
existiert keine solche Grenze.

2. Illusion entsteht und vergeht „am Ort“

Ein zentraler Satz:

幻化相,當處出生,隨處滅盡

Illusionen
wandern nicht,
sie haben keine eigene Existenz.
Sie entstehen dort,
wo sie erscheinen,
und vergehen dort.

Das nimmt Samsara
jede ontologische Schwere.

3. Radikale Umdeutung der buddhistischen Kategorien

Der Buddha integriert nun
die gesamte klassische Analyse:
• fünf Skandhas
• sechs Sinnesgrundlagen
• zwölf Bereiche
• achtzehn Sphären

Nicht als letztgültige Realität,
sondern als scheinbare Erscheinungsweise.

4. 如來藏 als Bezeichnung, nicht als Substanz

Wichtig:
如來藏 wird hier nicht als „inneres Selbst“ eingeführt,
sondern als Bezeichnung für das,
was Entstehen und Vergehen trägt,
ohne selbst zu entstehen oder zu vergehen.

Das ist exakt euer ursprünglicher Grund.

5. Konsequenz für Praxis

Der Buddha sagt nicht:
„Verwerfe die Welt“,
sondern:

Höre auf,
im Unbeweglichen
nach Bewegung zu suchen.

Befreiung ist
das Ende der Fehlfrage,
nicht das Finden einer neuen Antwort.
120 #
「阿難!云何五陰本如來藏妙真如性?
「阿難!譬如有人,以清淨目觀晴明空,唯一[2]晴虛,逈無所有。其人無故不動目睛、瞪以發勞,則於虛空別見狂花,復有一切狂亂非相。色陰當知亦復如是。阿難!是諸狂花,非從空來,非從目出。如是阿難!若空來者,既從空來還從空入,若有出入即非虛空。空若非空,自不容其花相起滅,如阿難體不容阿難。若目出者,既從目出還從目入;即此花性從目出故,當合有見。若有見者,去既花空,旋合見眼。若無見者,出既翳空,旋當翳眼。又見花時目應無[A6]瞖,云何晴空號清明眼?是故當知色陰虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wie sind die fünf Aggregate
in ihrem Ursprung
der Tathāgata-Speicher,
die wunderbare, wahre Soheit?

Stell dir einen Menschen vor,
der mit gesunden, klaren Augen
den heiteren Himmel betrachtet.
Er sieht nur
weiten, leeren Raum,
ohne irgendeine Erscheinung.

Wenn dieser Mensch
ohne äußeren Anlass
die Augen starr anspannt
und dadurch Ermüdung erzeugt,
erscheinen im leeren Raum
zusätzliche, wirre Blumen
und allerlei trügerische Gestalten.

So ist es auch
mit dem Form-Aggregat.

Diese wirren Blumen
kommen weder aus dem Raum
noch aus dem Auge.
Wären sie aus dem Raum,
müssten sie in ihn zurückkehren –
dann wäre Raum
nicht mehr Raum.
Wären sie aus dem Auge,
müssten sie sehen können
oder das Auge trüben –
beides ist nicht der Fall.

Darum erkenne:
Das Form-Aggregat
ist eine trügerische Erscheinung.
Es entsteht nicht wirklich
aus Ursachen
und nicht aus einer festen Natur.

In Wahrheit
ist es eine Erscheinungsweise
des ursprünglichen Grundes.“
Kommentar öffnen
Mit diesem Abschnitt beginnt die systematische Durchleuchtung der fünf Skandhas aus der Perspektive des ursprünglichen Grundes.

1. Übergang von Weltanalyse zu Aggregatanalyse

Nach der Auflösung:
• von Ursache, Bedingung, Natur
• von individueller und kollektiver Verblendung

wendet sich der Buddha nun
der inneren Struktur des „Ich“ zu:
den fünf Aggregaten.

Das ist kein Themenwechsel,
sondern die konsequente Vertiefung.

2. Das Augenkrankheits-Gleichnis vertieft

Das bekannte Motiv
(wirre Blumen im Himmel)
wird nun präzise
auf 色陰 (Form-Aggregat) angewandt.

Form erscheint:
• real erlebt
• aber nicht real entstanden

3. Weder außen noch innen

Der Buddha schließt erneut
beide Extreme:
• nicht aus dem Raum (Objektivismus)
• nicht aus dem Auge (Subjektivismus)

Form entsteht scheinbar,
weil der ursprüngliche Grund
durch ermüdete Wahrnehmung
fehlgedeutet wird.

4. Wichtig: Form wird nicht verneint

Der Text sagt nicht:
„Form existiert nicht“,
sondern:

Form ist trügerisch in ihrer Zuschreibung,
nicht im Erscheinen.

Das ist entscheidend
für eine nicht-nihilistische Lehre.

5. Bezug zur Praxis

„Nicht die Augen anstrengen“ heißt hier:
• nicht greifen
• nicht fixieren
• nicht verkrampfen

Śamatha ist genau dies:
Nicht-Verkrampfung des Sehens.

6. Vorbereitung der nächsten Skandhas

Dieser Abschnitt ist ausdrücklich
der erste von fünf.

Im Folgenden werden:
• Gefühl (受)
• Denken / Konzeption (想)
• Formkräfte (行)
• Bewusstsein (識)

in derselben Weise
als Erscheinungsweisen des ursprünglichen Grundes
durchleuchtet werden.
中文原文
「阿難!云何五陰本如來藏妙真如性?
「阿難!譬如有人,以清淨目觀晴明空,唯一[2]晴虛,逈無所有。其人無故不動目睛、瞪以發勞,則於虛空別見狂花,復有一切狂亂非相。色陰當知亦復如是。阿難!是諸狂花,非從空來,非從目出。如是阿難!若空來者,既從空來還從空入,若有出入即非虛空。空若非空,自不容其花相起滅,如阿難體不容阿難。若目出者,既從目出還從目入;即此花性從目出故,當合有見。若有見者,去既花空,旋合見眼。若無見者,出既翳空,旋當翳眼。又見花時目應無[A6]瞖,云何晴空號清明眼?是故當知色陰虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wie sind die fünf Aggregate
in ihrem Ursprung
der Tathāgata-Speicher,
die wunderbare, wahre Soheit?

Stell dir einen Menschen vor,
der mit gesunden, klaren Augen
den heiteren Himmel betrachtet.
Er sieht nur
weiten, leeren Raum,
ohne irgendeine Erscheinung.

Wenn dieser Mensch
ohne äußeren Anlass
die Augen starr anspannt
und dadurch Ermüdung erzeugt,
erscheinen im leeren Raum
zusätzliche, wirre Blumen
und allerlei trügerische Gestalten.

So ist es auch
mit dem Form-Aggregat.

Diese wirren Blumen
kommen weder aus dem Raum
noch aus dem Auge.
Wären sie aus dem Raum,
müssten sie in ihn zurückkehren –
dann wäre Raum
nicht mehr Raum.
Wären sie aus dem Auge,
müssten sie sehen können
oder das Auge trüben –
beides ist nicht der Fall.

Darum erkenne:
Das Form-Aggregat
ist eine trügerische Erscheinung.
Es entsteht nicht wirklich
aus Ursachen
und nicht aus einer festen Natur.

In Wahrheit
ist es eine Erscheinungsweise
des ursprünglichen Grundes.“
Kommentar
Mit diesem Abschnitt beginnt die systematische Durchleuchtung der fünf Skandhas aus der Perspektive des ursprünglichen Grundes.

1. Übergang von Weltanalyse zu Aggregatanalyse

Nach der Auflösung:
• von Ursache, Bedingung, Natur
• von individueller und kollektiver Verblendung

wendet sich der Buddha nun
der inneren Struktur des „Ich“ zu:
den fünf Aggregaten.

Das ist kein Themenwechsel,
sondern die konsequente Vertiefung.

2. Das Augenkrankheits-Gleichnis vertieft

Das bekannte Motiv
(wirre Blumen im Himmel)
wird nun präzise
auf 色陰 (Form-Aggregat) angewandt.

Form erscheint:
• real erlebt
• aber nicht real entstanden

3. Weder außen noch innen

Der Buddha schließt erneut
beide Extreme:
• nicht aus dem Raum (Objektivismus)
• nicht aus dem Auge (Subjektivismus)

Form entsteht scheinbar,
weil der ursprüngliche Grund
durch ermüdete Wahrnehmung
fehlgedeutet wird.

4. Wichtig: Form wird nicht verneint

Der Text sagt nicht:
„Form existiert nicht“,
sondern:

Form ist trügerisch in ihrer Zuschreibung,
nicht im Erscheinen.

Das ist entscheidend
für eine nicht-nihilistische Lehre.

5. Bezug zur Praxis

„Nicht die Augen anstrengen“ heißt hier:
• nicht greifen
• nicht fixieren
• nicht verkrampfen

Śamatha ist genau dies:
Nicht-Verkrampfung des Sehens.

6. Vorbereitung der nächsten Skandhas

Dieser Abschnitt ist ausdrücklich
der erste von fünf.

Im Folgenden werden:
• Gefühl (受)
• Denken / Konzeption (想)
• Formkräfte (行)
• Bewusstsein (識)

in derselben Weise
als Erscheinungsweisen des ursprünglichen Grundes
durchleuchtet werden.
121 #
「阿難!譬如有人,手足宴安,百骸調適,忽如忘生,性無違順。其人無故以二手掌於空相摩,於二手中妄生澁、滑、冷、熱諸相。受陰當知亦復如是。阿難!是諸幻觸,不從空來,不從掌出。如是阿難!若空來者,既能觸掌何不觸身?不應虛空選擇來觸。若從掌出,應非待合。又掌出故,合則掌知,離[3]即觸入;臂腕骨髓,應亦覺知入時蹤跡。必有覺心知出知入,自有一物身中往來,何待合知要名為觸?是故當知受陰虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stelle dir einen Menschen vor,
dessen Körper ruhig
und ausgeglichen ist,
dessen Glieder entspannt sind
und dessen Wesen
weder Abwehr noch Zuwendung kennt.

Ohne äußeren Anlass
reibt er seine beiden Handflächen
aneinander in der Luft.
Zwischen den Händen
entstehen trügerisch
Empfindungen von
Rauheit und Glätte,
Kälte und Wärme.

So ist es auch
mit dem Empfindungs-Aggregat.

Diese trügerischen Berührungen
kommen weder aus dem Raum
noch aus den Handflächen.
Wären sie aus dem Raum,
müsste der ganze Körper berührt werden.
Wären sie aus den Handflächen,
müssten sie auch ohne Berührung bestehen.

Gäbe es ein Etwas,
das beim Zusammenkommen
hinaus- und hineingeht,
müsste es im Körper
hin- und herwandern.
Dann wäre Berührung
kein Ergebnis des Kontakts mehr.

Darum erkenne:
Das Empfindungs-Aggregat
ist trügerisch.
Es ist nicht wirklich
aus Ursachen entstanden
und nicht aus einer festen Natur.

In Wahrheit
ist es eine Erscheinungsweise
des ursprünglichen Grundes.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt analysiert 受陰 (Empfindung) mit derselben methodischen Schärfe wie zuvor 色陰 (Form).

1. Empfindung als sekundäre Illusion

Empfindung entsteht nicht primär aus Objekten,
sondern aus der Bewegung des Geistes,
der Kontakt interpretiert.

Der Buddha zeigt:
• Kein Außen (Raum)
• Kein Innen (Hand)

trägt die Empfindung in sich.

2. Warum Empfindung so überzeugend ist

Empfindung wirkt besonders real,
weil sie unmittelbar erlebt wird:
warm / kalt,
angenehm / unangenehm.

Gerade deshalb
ist sie ein zentrales Bindeglied
des Leidens.

3. Der logische Kern

Der Buddha zeigt:
Wenn Empfindung ein eigenes Wesen hätte,
müsste sie
• ohne Kontakt bestehen
• im Körper umherwandern
• lokalisiert werden können

Da nichts davon zutrifft,
ist sie abhängig entstanden – aber nicht real begründet.

4. Wichtig: Empfindung wird nicht negiert

Der Text sagt nicht:
„Empfindung ist falsch“,
sondern:

Empfindung ist trügerisch in ihrer Zuschreibung.

Sie erscheint,
aber sie ist nicht der ursprüngliche Grund.

5. Praxisbezug

Das Gleichnis zielt direkt auf Praxis:
• Reiben der Hände = willentliche Aktivierung
• daraus entstehende Empfindung = Geistbewegung

Śamatha bedeutet hier:
👉 Nicht nach Empfindung greifen
👉 Nicht gegen Empfindung kämpfen

6. Übergang zur nächsten Stufe

Nach Form (色)
und Empfindung (受)
folgt als Nächstes:
👉 想陰 – Denken, Vorstellen, Konzeption.

Dort wird gezeigt,
wie der Geist
Empfindung in Bedeutung verwandelt.
中文原文
「阿難!譬如有人,手足宴安,百骸調適,忽如忘生,性無違順。其人無故以二手掌於空相摩,於二手中妄生澁、滑、冷、熱諸相。受陰當知亦復如是。阿難!是諸幻觸,不從空來,不從掌出。如是阿難!若空來者,既能觸掌何不觸身?不應虛空選擇來觸。若從掌出,應非待合。又掌出故,合則掌知,離[3]即觸入;臂腕骨髓,應亦覺知入時蹤跡。必有覺心知出知入,自有一物身中往來,何待合知要名為觸?是故當知受陰虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stelle dir einen Menschen vor,
dessen Körper ruhig
und ausgeglichen ist,
dessen Glieder entspannt sind
und dessen Wesen
weder Abwehr noch Zuwendung kennt.

Ohne äußeren Anlass
reibt er seine beiden Handflächen
aneinander in der Luft.
Zwischen den Händen
entstehen trügerisch
Empfindungen von
Rauheit und Glätte,
Kälte und Wärme.

So ist es auch
mit dem Empfindungs-Aggregat.

Diese trügerischen Berührungen
kommen weder aus dem Raum
noch aus den Handflächen.
Wären sie aus dem Raum,
müsste der ganze Körper berührt werden.
Wären sie aus den Handflächen,
müssten sie auch ohne Berührung bestehen.

Gäbe es ein Etwas,
das beim Zusammenkommen
hinaus- und hineingeht,
müsste es im Körper
hin- und herwandern.
Dann wäre Berührung
kein Ergebnis des Kontakts mehr.

Darum erkenne:
Das Empfindungs-Aggregat
ist trügerisch.
Es ist nicht wirklich
aus Ursachen entstanden
und nicht aus einer festen Natur.

In Wahrheit
ist es eine Erscheinungsweise
des ursprünglichen Grundes.“
Kommentar
Dieser Abschnitt analysiert 受陰 (Empfindung) mit derselben methodischen Schärfe wie zuvor 色陰 (Form).

1. Empfindung als sekundäre Illusion

Empfindung entsteht nicht primär aus Objekten,
sondern aus der Bewegung des Geistes,
der Kontakt interpretiert.

Der Buddha zeigt:
• Kein Außen (Raum)
• Kein Innen (Hand)

trägt die Empfindung in sich.

2. Warum Empfindung so überzeugend ist

Empfindung wirkt besonders real,
weil sie unmittelbar erlebt wird:
warm / kalt,
angenehm / unangenehm.

Gerade deshalb
ist sie ein zentrales Bindeglied
des Leidens.

3. Der logische Kern

Der Buddha zeigt:
Wenn Empfindung ein eigenes Wesen hätte,
müsste sie
• ohne Kontakt bestehen
• im Körper umherwandern
• lokalisiert werden können

Da nichts davon zutrifft,
ist sie abhängig entstanden – aber nicht real begründet.

4. Wichtig: Empfindung wird nicht negiert

Der Text sagt nicht:
„Empfindung ist falsch“,
sondern:

Empfindung ist trügerisch in ihrer Zuschreibung.

Sie erscheint,
aber sie ist nicht der ursprüngliche Grund.

5. Praxisbezug

Das Gleichnis zielt direkt auf Praxis:
• Reiben der Hände = willentliche Aktivierung
• daraus entstehende Empfindung = Geistbewegung

Śamatha bedeutet hier:
👉 Nicht nach Empfindung greifen
👉 Nicht gegen Empfindung kämpfen

6. Übergang zur nächsten Stufe

Nach Form (色)
und Empfindung (受)
folgt als Nächstes:
👉 想陰 – Denken, Vorstellen, Konzeption.

Dort wird gezeigt,
wie der Geist
Empfindung in Bedeutung verwandelt.
122 #
「阿難!譬如有人,談說[4]醋梅口中水出,思[5]踏懸崖足心酸澁。想陰當知亦復如是。阿難!如是[*]醋說不從梅生,非從口入。如是阿難!若梅生者,梅合自談何待人說?若從口入,自合口聞,何須待耳?若獨耳聞,此水何不耳中而出?想[*]踏懸崖,與說相類。是故當知想陰虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stell dir einen Menschen vor,
der von sauren Pflaumen spricht:
Schon beim bloßen Reden
tritt ihm Speichel in den Mund.
Oder jemanden,
der sich vorstellt,
auf einen steilen Abgrund zu treten:
In den Fußsohlen
entsteht augenblicklich
ein unangenehmes Ziehen.

So ist es auch
mit dem Vorstellungs-Aggregat.

Der Speichel
entsteht weder aus der Pflaume
noch tritt er von außen
in den Mund ein.
Wäre er aus der Pflaume,
müsste die Pflaume selbst sprechen.
Wäre er aus dem Mund,
müsste der Mund hören.
Würde allein das Ohr hören,
müsste der Speichel
aus dem Ohr hervortreten.

Dasselbe gilt
für die Vorstellung des AbGrundes:
Gedanke erzeugt Wirkung,
ohne dass ein Objekt berührt wird.

Darum erkenne:
Das Vorstellungs-Aggregat
ist trügerisch.
Es ist nicht wirklich
aus Ursachen entstanden
und nicht aus einer festen Natur.

In Wahrheit
ist es eine Erscheinungsweise
des ursprünglichen Grundes.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt analysiert 想陰 (Vorstellung, Denken, Konzeption) – die Schlüsselstelle für mentale Projektion.

1. Denken erzeugt Körperreaktion

Der Buddha zeigt eindrucksvoll:
Gedanken allein
erzeugen körperliche Reaktionen:
• Speichelfluss
• Beklemmung
• Spannung

Ohne Objekt,
ohne Berührung,
ohne äußere Ursache.

2. Zerstörung des Objekt-Primats

Der Text widerlegt erneut:
• nicht das Objekt (Pflaume, Abgrund)
• nicht das Sinnesorgan

sondern die konzeptuelle Bewegung ist ausschlaggebend.

3. Warum 想陰 so bindend ist

Vorstellung:
• verknüpft Empfindung mit Bedeutung
• erzeugt Erwartung, Angst, Begehren
• formt Karma vor Handlung

Deshalb ist 想陰
das Herzstück des Leidenskreislaufs.

4. Nicht-Verneinung, sondern Entlarvung

Der Buddha sagt nicht:
„Denken ist falsch“,
sondern:

Denken ist wirkungsmächtig,
aber nicht substantiell.

Gedanken sind real erlebt,
aber leer im Wesen.

5. Praxisbezug

Hier wird klar:
Meditation bedeutet nicht,
Gedanken zu bekämpfen,
sondern:
👉 ihre scheinbare Objektivität zu durchschauen.

6. Fortgang der Analyse

Nach:
• Form (色)
• Empfindung (受)
• Vorstellung (想)

folgt als Nächstes:
👉 行陰 – die tiefen Willens- und Formkräfte,
die Gewohnheit und Karma tragen.
中文原文
「阿難!譬如有人,談說[4]醋梅口中水出,思[5]踏懸崖足心酸澁。想陰當知亦復如是。阿難!如是[*]醋說不從梅生,非從口入。如是阿難!若梅生者,梅合自談何待人說?若從口入,自合口聞,何須待耳?若獨耳聞,此水何不耳中而出?想[*]踏懸崖,與說相類。是故當知想陰虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stell dir einen Menschen vor,
der von sauren Pflaumen spricht:
Schon beim bloßen Reden
tritt ihm Speichel in den Mund.
Oder jemanden,
der sich vorstellt,
auf einen steilen Abgrund zu treten:
In den Fußsohlen
entsteht augenblicklich
ein unangenehmes Ziehen.

So ist es auch
mit dem Vorstellungs-Aggregat.

Der Speichel
entsteht weder aus der Pflaume
noch tritt er von außen
in den Mund ein.
Wäre er aus der Pflaume,
müsste die Pflaume selbst sprechen.
Wäre er aus dem Mund,
müsste der Mund hören.
Würde allein das Ohr hören,
müsste der Speichel
aus dem Ohr hervortreten.

Dasselbe gilt
für die Vorstellung des AbGrundes:
Gedanke erzeugt Wirkung,
ohne dass ein Objekt berührt wird.

Darum erkenne:
Das Vorstellungs-Aggregat
ist trügerisch.
Es ist nicht wirklich
aus Ursachen entstanden
und nicht aus einer festen Natur.

In Wahrheit
ist es eine Erscheinungsweise
des ursprünglichen Grundes.“
Kommentar
Dieser Abschnitt analysiert 想陰 (Vorstellung, Denken, Konzeption) – die Schlüsselstelle für mentale Projektion.

1. Denken erzeugt Körperreaktion

Der Buddha zeigt eindrucksvoll:
Gedanken allein
erzeugen körperliche Reaktionen:
• Speichelfluss
• Beklemmung
• Spannung

Ohne Objekt,
ohne Berührung,
ohne äußere Ursache.

2. Zerstörung des Objekt-Primats

Der Text widerlegt erneut:
• nicht das Objekt (Pflaume, Abgrund)
• nicht das Sinnesorgan

sondern die konzeptuelle Bewegung ist ausschlaggebend.

3. Warum 想陰 so bindend ist

Vorstellung:
• verknüpft Empfindung mit Bedeutung
• erzeugt Erwartung, Angst, Begehren
• formt Karma vor Handlung

Deshalb ist 想陰
das Herzstück des Leidenskreislaufs.

4. Nicht-Verneinung, sondern Entlarvung

Der Buddha sagt nicht:
„Denken ist falsch“,
sondern:

Denken ist wirkungsmächtig,
aber nicht substantiell.

Gedanken sind real erlebt,
aber leer im Wesen.

5. Praxisbezug

Hier wird klar:
Meditation bedeutet nicht,
Gedanken zu bekämpfen,
sondern:
👉 ihre scheinbare Objektivität zu durchschauen.

6. Fortgang der Analyse

Nach:
• Form (色)
• Empfindung (受)
• Vorstellung (想)

folgt als Nächstes:
👉 行陰 – die tiefen Willens- und Formkräfte,
die Gewohnheit und Karma tragen.
123 #
「阿難!譬如暴流波浪相續,前際後際不相踰越。行陰當知亦復如是。阿難!如是流性,不因空生,不因水有;亦非水性,非離空水。如是阿難!若因空生,則諸十方無盡虛空成無盡流,世界自然俱受淪溺。若因水有,則此暴流性應非水,有所、有相,今應現在。若即水性,則澄清時應非水體;若離空水,空非有外,水外無流。是故當知行陰虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stelle dir einen reißenden Strom vor:
Welle folgt auf Welle,
ohne dass eine
die andere überschreitet.

So ist es auch
mit dem Aggregat der Gestaltungen.

Diese Strömung
entsteht nicht aus dem Raum,
nicht aus dem Wasser;
sie ist nicht
die Natur des Wassers
und auch nicht
getrennt von Raum und Wasser.

Wäre sie aus dem Raum,
würde aller Raum
zu Strömung werden.
Wäre sie aus dem Wasser,
müsste sie
als etwas Eigenständiges erscheinen.
Wäre sie identisch mit dem Wasser,
gäbe es beim Klarwerden
kein Wasser mehr.
Wäre sie getrennt
von Raum und Wasser,
gäbe es keinen Strom.

Darum erkenne:
Das Aggregat der Gestaltungen
ist trügerisch.
Es ist nicht wirklich
aus Ursachen entstanden
und nicht aus einer festen Natur.

In Wahrheit
ist es eine Erscheinungsweise
des ursprünglichen Grundes.“
Kommentar öffnen
Hier wird das vierte Aggregat – 行陰 (saṃskāra-skandha) – analysiert.

Dieses Aggregat umfasst:
• Willensimpulse
• karmische Tendenzen
• latente Bewegungen
• psychische Dynamik

Es ist das „Strömen“ des Werdens.



1. Das Gleichnis des reißenden Stroms

Das Bild ist präzise gewählt:
• Wellen folgen einander
• Keine Welle überschreitet die andere
• Dennoch scheint ein Kontinuum vorhanden

Das ist eine Beschreibung von:

Zeitlicher Kontinuität ohne Substanz.

Das Saṃskāra-Aggregat ist kein Ding,
sondern ein Prozess.



2. Die Dekonstruktion der Ursachenzuschreibung

Der Buddha prüft vier Möglichkeiten:
1. Entsteht die Strömung aus dem Raum?
2. Entsteht sie aus dem Wasser?
3. Ist sie identisch mit Wasser?
4. Ist sie getrennt von Raum und Wasser?

Jede Option wird logisch aufgelöst.

Das Ziel ist nicht,
eine neue Theorie einzuführen,
sondern zu zeigen:

„Strömung“ ist eine Benennung für ein Muster,
nicht eine eigenständige Entität.



3. Anwendung auf das Saṃskāra-Aggregat

Was wir „Willen“, „Tendenz“, „Charakter“ nennen,
ist wie eine Welle.
• Nicht unabhängig existierend
• Nicht völlig identisch mit Bedingungen
• Nicht getrennt von ihnen

Ein Prozess ohne Kern.



4. Nicht durch Ursachen, nicht natürlich

Der letzte Satz ist zentral:

„本非因緣、非自然性“

Nicht durch Ursachen,
nicht von Natur aus.

Das ist radikal.

Das Sutra lehnt hier zwei Extreme ab:
• Reiner Determinismus (alles durch Ursachen)
• Essenzialismus (es hat eine feste Natur)

Das Saṃskāra-Aggregat ist:
• Bedingt erscheinend
• Aber nicht substanziell verursacht
• Funktional
• Doch ohne Eigenwesen



5. Moderne Parallele

In heutiger Sprache:

Persönlichkeit ist kein Ding.
Charakter ist kein Kern.
Identität ist kein fester Block.

Neurowissenschaftlich gesprochen:
• Es gibt neuronale Dynamik,
• aber kein festes „Selbstzentrum“.

Psychologisch:
• Es gibt Gewohnheitsmuster,
• aber keinen ontologischen Träger dieser Muster.



6. Zeit als Illusion der Kontinuität

Die Wellen überschreiten sich nicht –
und doch wirkt der Strom kontinuierlich.

Das ist eine subtile Analyse von Zeit.

Zeit entsteht aus:
• aufeinanderfolgenden Impulsen
• die wir als Einheit interpretieren

Das Saṃskāra-Aggregat ist die Dynamik,
die Kontinuität suggeriert.



7. Dramatische Funktion

Mit diesem Abschnitt ist das vierte Aggregat dekonstruiert.

Übrig bleibt nur noch:
• das Bewusstseins-Aggregat (識陰, vijñāna-skandha)

Und genau dort
wird das Sutra am radikalsten.

Denn wenn sogar Bewusstsein
nicht eigenständig ist,
fällt die letzte Bastion des Ichs.
中文原文
「阿難!譬如暴流波浪相續,前際後際不相踰越。行陰當知亦復如是。阿難!如是流性,不因空生,不因水有;亦非水性,非離空水。如是阿難!若因空生,則諸十方無盡虛空成無盡流,世界自然俱受淪溺。若因水有,則此暴流性應非水,有所、有相,今應現在。若即水性,則澄清時應非水體;若離空水,空非有外,水外無流。是故當知行陰虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stelle dir einen reißenden Strom vor:
Welle folgt auf Welle,
ohne dass eine
die andere überschreitet.

So ist es auch
mit dem Aggregat der Gestaltungen.

Diese Strömung
entsteht nicht aus dem Raum,
nicht aus dem Wasser;
sie ist nicht
die Natur des Wassers
und auch nicht
getrennt von Raum und Wasser.

Wäre sie aus dem Raum,
würde aller Raum
zu Strömung werden.
Wäre sie aus dem Wasser,
müsste sie
als etwas Eigenständiges erscheinen.
Wäre sie identisch mit dem Wasser,
gäbe es beim Klarwerden
kein Wasser mehr.
Wäre sie getrennt
von Raum und Wasser,
gäbe es keinen Strom.

Darum erkenne:
Das Aggregat der Gestaltungen
ist trügerisch.
Es ist nicht wirklich
aus Ursachen entstanden
und nicht aus einer festen Natur.

In Wahrheit
ist es eine Erscheinungsweise
des ursprünglichen Grundes.“
Kommentar
Hier wird das vierte Aggregat – 行陰 (saṃskāra-skandha) – analysiert.

Dieses Aggregat umfasst:
• Willensimpulse
• karmische Tendenzen
• latente Bewegungen
• psychische Dynamik

Es ist das „Strömen“ des Werdens.



1. Das Gleichnis des reißenden Stroms

Das Bild ist präzise gewählt:
• Wellen folgen einander
• Keine Welle überschreitet die andere
• Dennoch scheint ein Kontinuum vorhanden

Das ist eine Beschreibung von:

Zeitlicher Kontinuität ohne Substanz.

Das Saṃskāra-Aggregat ist kein Ding,
sondern ein Prozess.



2. Die Dekonstruktion der Ursachenzuschreibung

Der Buddha prüft vier Möglichkeiten:
1. Entsteht die Strömung aus dem Raum?
2. Entsteht sie aus dem Wasser?
3. Ist sie identisch mit Wasser?
4. Ist sie getrennt von Raum und Wasser?

Jede Option wird logisch aufgelöst.

Das Ziel ist nicht,
eine neue Theorie einzuführen,
sondern zu zeigen:

„Strömung“ ist eine Benennung für ein Muster,
nicht eine eigenständige Entität.



3. Anwendung auf das Saṃskāra-Aggregat

Was wir „Willen“, „Tendenz“, „Charakter“ nennen,
ist wie eine Welle.
• Nicht unabhängig existierend
• Nicht völlig identisch mit Bedingungen
• Nicht getrennt von ihnen

Ein Prozess ohne Kern.



4. Nicht durch Ursachen, nicht natürlich

Der letzte Satz ist zentral:

„本非因緣、非自然性“

Nicht durch Ursachen,
nicht von Natur aus.

Das ist radikal.

Das Sutra lehnt hier zwei Extreme ab:
• Reiner Determinismus (alles durch Ursachen)
• Essenzialismus (es hat eine feste Natur)

Das Saṃskāra-Aggregat ist:
• Bedingt erscheinend
• Aber nicht substanziell verursacht
• Funktional
• Doch ohne Eigenwesen



5. Moderne Parallele

In heutiger Sprache:

Persönlichkeit ist kein Ding.
Charakter ist kein Kern.
Identität ist kein fester Block.

Neurowissenschaftlich gesprochen:
• Es gibt neuronale Dynamik,
• aber kein festes „Selbstzentrum“.

Psychologisch:
• Es gibt Gewohnheitsmuster,
• aber keinen ontologischen Träger dieser Muster.



6. Zeit als Illusion der Kontinuität

Die Wellen überschreiten sich nicht –
und doch wirkt der Strom kontinuierlich.

Das ist eine subtile Analyse von Zeit.

Zeit entsteht aus:
• aufeinanderfolgenden Impulsen
• die wir als Einheit interpretieren

Das Saṃskāra-Aggregat ist die Dynamik,
die Kontinuität suggeriert.



7. Dramatische Funktion

Mit diesem Abschnitt ist das vierte Aggregat dekonstruiert.

Übrig bleibt nur noch:
• das Bewusstseins-Aggregat (識陰, vijñāna-skandha)

Und genau dort
wird das Sutra am radikalsten.

Denn wenn sogar Bewusstsein
nicht eigenständig ist,
fällt die letzte Bastion des Ichs.
124 #
「阿難!譬如有人,取頻伽瓶塞其兩孔,滿中擎空,千里遠行用餉他國。識陰當知亦復如是。阿難!如是虛空,非彼方來,非此方入。如是阿難,若彼方來,則本瓶中既貯空去,於本瓶地應少虛空。若此方入,開孔倒瓶,應見空出。是故當知識陰虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stelle dir einen Menschen vor,
der einen Krug nimmt,
dessen Öffnungen verschließt
und meint,
den Raum darin
eingeschlossen zu haben.
Er trägt den Krug
über weite Entfernung
in ein anderes Land.

So ist es auch
mit dem Bewusstseins-Aggregat.

Der Raum im Krug
kommt weder
von einem anderen Ort
noch tritt er
hier neu ein.
Wäre er von dort gekommen,
müsste dort
weniger Raum sein.
Wäre er hier eingetreten,
müsste man beim Öffnen
sehen,
wie der Raum entweicht.

Darum erkenne:
Das Bewusstseins-Aggregat
ist trügerisch.
Es ist nicht wirklich
aus Ursachen entstanden
und nicht aus einer festen Natur.

In Wahrheit
ist es eine Erscheinungsweise
des ursprünglichen Grundes.“
Kommentar öffnen
Mit diesem Abschnitt schließt der Buddha die vollständige Analyse der fünf Skandhas ab und löst die letzte Identifikationsfalle auf:
👉 „Ich bin Bewusstsein.“

1. Warum das Raum-Krug-Gleichnis so präzise ist

Bewusstsein erscheint oft als:
• etwas „Innenliegendes“
• transportierbar
• individuell
• ein Container von Erfahrung

Das Gleichnis zeigt:
👉 Bewusstsein enthält nicht Raum –
Raum erscheint relativ zur Begrenzung.

Ebenso:
👉 Bewusstsein enthält nicht Welt –
Welt erscheint relativ zu Bedingungen.

2. Keine Migration des Bewusstseins

Der Buddha zerstört subtil die Idee:

Bewusstsein wandert von Ort zu Ort.

Weder kommt es von „dort“,
noch geht es „hier hinein“.

Das ist zentral für:
• Wiedergeburtsverständnis
• Auflösung eines wandernden Selbst
• Entschärfung des Eternalismus

3. Bewusstsein ist nicht der Träger

Wenn Bewusstsein ein Träger wäre:
• müsste es transportierbar sein
• müsste es lokalisiert werden können

Da dies unmöglich ist,
ist Bewusstsein nicht der ursprüngliche Grund.

4. Abschluss der Skandha-Lehre

Alle fünf Aggregate wurden nun gezeigt als:
• real erlebt
• wirksam
• aber ontologisch leer

Keines davon:
• ist Ursache
• ist Natur
• ist Träger
• ist Selbst

5. Was nach der Auflösung bleibt

Nach dem Zerfall aller fünf Aggregate
bleibt nicht Nichts,
sondern:

👉 der ursprüngliche Grund
– das, was:
• Form trägt
• Empfindung ermöglicht
• Vorstellung zulässt
• Gestaltung erscheinen lässt
• Bewusstsein spiegelt

ohne selbst
Form, Empfindung, Vorstellung,
Gestaltung oder Bewusstsein zu sein.

6. Rolle 2 – innerer Abschluss

Mit diesem Abschnitt ist Rolle 2 inhaltlich abgeschlossen:
• Ontologie geklärt
• Erkenntnistheorie gereinigt
• Skandhas durchleuchtet
• ursprünglicher Grund eindeutig freigelegt

Der weitere Text
wendet sich nun:
• der Praxisvertiefung
• der Dhāraṇī
• der stabilisierenden Samādhi-Lehre

zu.
中文原文
「阿難!譬如有人,取頻伽瓶塞其兩孔,滿中擎空,千里遠行用餉他國。識陰當知亦復如是。阿難!如是虛空,非彼方來,非此方入。如是阿難,若彼方來,則本瓶中既貯空去,於本瓶地應少虛空。若此方入,開孔倒瓶,應見空出。是故當知識陰虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stelle dir einen Menschen vor,
der einen Krug nimmt,
dessen Öffnungen verschließt
und meint,
den Raum darin
eingeschlossen zu haben.
Er trägt den Krug
über weite Entfernung
in ein anderes Land.

So ist es auch
mit dem Bewusstseins-Aggregat.

Der Raum im Krug
kommt weder
von einem anderen Ort
noch tritt er
hier neu ein.
Wäre er von dort gekommen,
müsste dort
weniger Raum sein.
Wäre er hier eingetreten,
müsste man beim Öffnen
sehen,
wie der Raum entweicht.

Darum erkenne:
Das Bewusstseins-Aggregat
ist trügerisch.
Es ist nicht wirklich
aus Ursachen entstanden
und nicht aus einer festen Natur.

In Wahrheit
ist es eine Erscheinungsweise
des ursprünglichen Grundes.“
Kommentar
Mit diesem Abschnitt schließt der Buddha die vollständige Analyse der fünf Skandhas ab und löst die letzte Identifikationsfalle auf:
👉 „Ich bin Bewusstsein.“

1. Warum das Raum-Krug-Gleichnis so präzise ist

Bewusstsein erscheint oft als:
• etwas „Innenliegendes“
• transportierbar
• individuell
• ein Container von Erfahrung

Das Gleichnis zeigt:
👉 Bewusstsein enthält nicht Raum –
Raum erscheint relativ zur Begrenzung.

Ebenso:
👉 Bewusstsein enthält nicht Welt –
Welt erscheint relativ zu Bedingungen.

2. Keine Migration des Bewusstseins

Der Buddha zerstört subtil die Idee:

Bewusstsein wandert von Ort zu Ort.

Weder kommt es von „dort“,
noch geht es „hier hinein“.

Das ist zentral für:
• Wiedergeburtsverständnis
• Auflösung eines wandernden Selbst
• Entschärfung des Eternalismus

3. Bewusstsein ist nicht der Träger

Wenn Bewusstsein ein Träger wäre:
• müsste es transportierbar sein
• müsste es lokalisiert werden können

Da dies unmöglich ist,
ist Bewusstsein nicht der ursprüngliche Grund.

4. Abschluss der Skandha-Lehre

Alle fünf Aggregate wurden nun gezeigt als:
• real erlebt
• wirksam
• aber ontologisch leer

Keines davon:
• ist Ursache
• ist Natur
• ist Träger
• ist Selbst

5. Was nach der Auflösung bleibt

Nach dem Zerfall aller fünf Aggregate
bleibt nicht Nichts,
sondern:

👉 der ursprüngliche Grund
– das, was:
• Form trägt
• Empfindung ermöglicht
• Vorstellung zulässt
• Gestaltung erscheinen lässt
• Bewusstsein spiegelt

ohne selbst
Form, Empfindung, Vorstellung,
Gestaltung oder Bewusstsein zu sein.

6. Rolle 2 – innerer Abschluss

Mit diesem Abschnitt ist Rolle 2 inhaltlich abgeschlossen:
• Ontologie geklärt
• Erkenntnistheorie gereinigt
• Skandhas durchleuchtet
• ursprünglicher Grund eindeutig freigelegt

Der weitere Text
wendet sich nun:
• der Praxisvertiefung
• der Dhāraṇī
• der stabilisierenden Samādhi-Lehre

zu.
125 #
「復次,阿難!云何六入本如來藏妙真如性?
「阿難!即彼目[6]精瞪發勞者,兼目與勞,同是菩提瞪發勞相。因于明暗二種妄塵,發見居中,吸此塵象,名為見性。此見離彼明暗二塵,畢竟無體。如是阿難!當知是見非明暗來,非於根出,不於空生。何以故?若從明來,暗即隨滅,應非見暗。若從暗來,明即隨滅,應無見明。若從根生,必無明暗,如是見精本無自性。若於空出,前矚塵象,歸當見根;又空自觀,何關汝入?是故當知眼入虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach weiter:

„Ānanda,
wie kann es sein,
dass die sechs Sinneseingänge
in Wahrheit
der Tathāgata-Speicher,
die wunderbare, wahre Soheit,
sind?

Sieh auf das Auge:
Wenn das Sehen sich anspannt,
ermüdet es.
Auge und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Helligkeit und Dunkelheit,
diese beiden trügerischen Staubzustände,
entsteht ein Sehen,
das scheinbar dazwischen steht,
Erscheinungen aufnimmt
und
‚Sehen‘ genannt wird.

Doch löst du dieses Sehen
von Helligkeit und Dunkelheit,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Das Sehen
kommt nicht aus dem Licht,
nicht aus der Dunkelheit,
nicht aus dem Auge,
nicht aus dem Raum.

Wäre es aus dem Licht,
ginge es mit der Dunkelheit verloren.
Wäre es aus der Dunkelheit,
ginge es mit dem Licht verloren.

Wäre es aus dem Auge selbst,
bräuchte es kein Licht und keinen Schatten –
doch dann hätte es
keine eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste der Raum zuerst sehen;
und was hätte das
mit deinem Sehen zu tun?

Darum wisse:
Der Augeneingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt eröffnet den Kern der Rolle 3
und vertieft die bisherige Ent-Identifikation
radikal.
1. Vom Geist zum Sinneseingang

Nachdem zuvor
der Geist als falscher Identifikationspunkt
entlarvt wurde,
wendet sich der Buddha nun
den Sinneseingängen zu.

Nicht nur der Geist,
sondern auch das,
worauf er sich stützt,
ist leer.

Die sechs Eingänge
sind keine Tore zur Wirklichkeit,
sondern Erscheinungsweisen
innerhalb der Verblendung.
2. Ermüdung als Schlüsselmotiv

Die „Ermüdung des Sehens“
ist kein physiologischer Vorgang,
sondern ein Gleichnis:

Erwachen an sich
ist klar und unangestrengt.
Erst die subtile Anspannung –
das Wollen-Erkennen,
das Festhalten –
erzeugt Erscheinung.

Auge und Ermüdung
sind bereits
Sekundärphänomene.
3. Die Illusion eines „Dazwischen“

Das Sehen erscheint,
als wäre es
zwischen Objekt und Subjekt lokalisiert.

Genau dieses „Dazwischen“
ist die Täuschung.

Das Sutra zeigt:
• Es kommt nicht vom Objekt
• nicht vom Organ
• nicht vom Raum
• nicht von einer eigenständigen Ursache

Damit wird jede ontologische Zuflucht
systematisch entzogen.
4. Zerstörung von Ursache und Natur

Der Buddha verneint hier ausdrücklich:
• 因緣 (Ursache und Bedingung)
• 自然 (Selbstnatur)

Dies ist entscheidend:
Nicht nur
kausale Erklärungen sind falsch,
sondern auch
jede Vorstellung
einer ursprünglichen Substanz
auf Ebene der Sinnesfunktionen.
5. Vorbereitung der Umkehr

Indem das Sehen
nirgendwo verortet werden kann,
entsteht Raum
für eine radikale Umkehr:

Nicht:
„Woher kommt mein Sehen?“
sondern:
„Was ist das,
in dem Sehen erscheint?“

Damit wird der Blick
vom Geist
und von den Sinnen
zurückgeführt
auf das,
was nie ermüdet:

der ursprüngliche Grund selbst,
der weder sieht
noch nicht sieht,
sondern
alle Erscheinung
trägt,
ohne sich zu verlieren.
中文原文
「復次,阿難!云何六入本如來藏妙真如性?
「阿難!即彼目[6]精瞪發勞者,兼目與勞,同是菩提瞪發勞相。因于明暗二種妄塵,發見居中,吸此塵象,名為見性。此見離彼明暗二塵,畢竟無體。如是阿難!當知是見非明暗來,非於根出,不於空生。何以故?若從明來,暗即隨滅,應非見暗。若從暗來,明即隨滅,應無見明。若從根生,必無明暗,如是見精本無自性。若於空出,前矚塵象,歸當見根;又空自觀,何關汝入?是故當知眼入虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach weiter:

„Ānanda,
wie kann es sein,
dass die sechs Sinneseingänge
in Wahrheit
der Tathāgata-Speicher,
die wunderbare, wahre Soheit,
sind?

Sieh auf das Auge:
Wenn das Sehen sich anspannt,
ermüdet es.
Auge und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Helligkeit und Dunkelheit,
diese beiden trügerischen Staubzustände,
entsteht ein Sehen,
das scheinbar dazwischen steht,
Erscheinungen aufnimmt
und
‚Sehen‘ genannt wird.

Doch löst du dieses Sehen
von Helligkeit und Dunkelheit,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Das Sehen
kommt nicht aus dem Licht,
nicht aus der Dunkelheit,
nicht aus dem Auge,
nicht aus dem Raum.

Wäre es aus dem Licht,
ginge es mit der Dunkelheit verloren.
Wäre es aus der Dunkelheit,
ginge es mit dem Licht verloren.

Wäre es aus dem Auge selbst,
bräuchte es kein Licht und keinen Schatten –
doch dann hätte es
keine eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste der Raum zuerst sehen;
und was hätte das
mit deinem Sehen zu tun?

Darum wisse:
Der Augeneingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.
Kommentar
Dieser Abschnitt eröffnet den Kern der Rolle 3
und vertieft die bisherige Ent-Identifikation
radikal.
1. Vom Geist zum Sinneseingang

Nachdem zuvor
der Geist als falscher Identifikationspunkt
entlarvt wurde,
wendet sich der Buddha nun
den Sinneseingängen zu.

Nicht nur der Geist,
sondern auch das,
worauf er sich stützt,
ist leer.

Die sechs Eingänge
sind keine Tore zur Wirklichkeit,
sondern Erscheinungsweisen
innerhalb der Verblendung.
2. Ermüdung als Schlüsselmotiv

Die „Ermüdung des Sehens“
ist kein physiologischer Vorgang,
sondern ein Gleichnis:

Erwachen an sich
ist klar und unangestrengt.
Erst die subtile Anspannung –
das Wollen-Erkennen,
das Festhalten –
erzeugt Erscheinung.

Auge und Ermüdung
sind bereits
Sekundärphänomene.
3. Die Illusion eines „Dazwischen“

Das Sehen erscheint,
als wäre es
zwischen Objekt und Subjekt lokalisiert.

Genau dieses „Dazwischen“
ist die Täuschung.

Das Sutra zeigt:
• Es kommt nicht vom Objekt
• nicht vom Organ
• nicht vom Raum
• nicht von einer eigenständigen Ursache

Damit wird jede ontologische Zuflucht
systematisch entzogen.
4. Zerstörung von Ursache und Natur

Der Buddha verneint hier ausdrücklich:
• 因緣 (Ursache und Bedingung)
• 自然 (Selbstnatur)

Dies ist entscheidend:
Nicht nur
kausale Erklärungen sind falsch,
sondern auch
jede Vorstellung
einer ursprünglichen Substanz
auf Ebene der Sinnesfunktionen.
5. Vorbereitung der Umkehr

Indem das Sehen
nirgendwo verortet werden kann,
entsteht Raum
für eine radikale Umkehr:

Nicht:
„Woher kommt mein Sehen?“
sondern:
„Was ist das,
in dem Sehen erscheint?“

Damit wird der Blick
vom Geist
und von den Sinnen
zurückgeführt
auf das,
was nie ermüdet:

der ursprüngliche Grund selbst,
der weder sieht
noch nicht sieht,
sondern
alle Erscheinung
trägt,
ohne sich zu verlieren.
126 #
「阿難!譬如有人,以兩手指急塞其耳,耳根勞故頭中作聲;兼耳與勞,同是菩提瞪發勞相。因于動靜二種妄塵,發聞居中,吸此塵象,名聽聞性。此聞離彼動靜二塵,畢竟無體。如是阿難!當知是聞,非動靜來,非於根出,不於空生。何以故?若從靜來,動即隨滅,應非聞動;若從動來,靜即隨滅,應無覺靜。若從根生,必無動靜,如是聞體本無自性。若於空出,有聞成性,即非虛空;又空自聞,何關汝入?是故當知耳入虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stell dir jemanden vor,
der sich mit beiden Fingern
die Ohren fest verschließt.
Durch die Ermüdung der Ohren
entsteht im Kopf ein Klang.
Ohr und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Bewegung und Ruhe,
diese beiden trügerischen Staubzustände,
entsteht ein Hören,
das scheinbar dazwischen steht,
Erscheinungen aufnimmt
und
‚Hören‘ genannt wird.

Doch löst du dieses Hören
von Bewegung und Ruhe,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Das Hören
kommt nicht aus der Bewegung,
nicht aus der Ruhe,
nicht aus dem Ohr,
nicht aus dem Raum.

Wäre es aus der Ruhe,
ginge es mit der Bewegung verloren.
Wäre es aus der Bewegung,
ginge es mit der Ruhe verloren.

Wäre es aus dem Ohr selbst,
bräuchte es
weder Bewegung noch Ruhe –
doch dann hätte es
keine eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste der Raum selbst hören.
Doch dann wäre er nicht mehr leer.
Und was hätte
das Hören des Raumes
mit deinem Ohr zu tun?

Darum wisse:
Der Ohreneingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die exakte Entsprechung
zum vorherigen Kapitel über das Sehen
und vollzieht dieselbe Dekonstruktion
nun auf der Ebene des Hörens.
1. Die innere Klangillusion

Das Beispiel des verstopften Ohres zeigt:
Klang
ist kein verlässlicher Hinweis
auf eine äußere Quelle.

Er entsteht hier
durch Reizung und Ermüdung
der Sinneswurzel selbst.

Damit wird deutlich:
Hören ist nicht identisch
mit Schall.
2. Bewegung und Ruhe als Hör-Gegensätze

So wie Helligkeit und Dunkelheit
das Sehen strukturieren,
strukturieren Bewegung und Ruhe
das Hören.

Doch beide sind
„Staubzustände“:
flüchtige Bedingungen,
die keinen eigenen Bestand haben.

Das Hören erscheint nur,
solange es sich
an diese Gegensätze bindet.
3. Die Ent-Ortung des Hörens

Der Buddha schließt systematisch
alle möglichen Ursprünge aus:
• nicht Bewegung
• nicht Ruhe
• nicht Sinnesorgan
• nicht Raum

Damit wird das Hören
vollständig ent-ortet.

Es kann nirgends
festgemacht werden.
4. Raum als Grenzargument

Das Argument,
der Raum könne nicht hören,
verhindert subtilen Realismus.

Würde der Raum hören,
wäre er nicht leer.
Leere
ist hier kein Nichts,
sondern
Nicht-Funktionalität.
5. Vorbereitung der Vertiefung

Mit dem Hören
wird die zweite Sinneswurzel
durchleuchtet.

Die Bewegung des Sutras ist klar:
Nicht nur das Sehen,
sondern jede Sinnestätigkeit
ist leer,
bedingt
und ohne eigene Natur.

Damit wird der Blick
weiter gelöst
von den Sinnesfunktionen
hin auf das,
was sie alle trägt,
ohne selbst
Sinnesfunktion zu sein:

der ursprüngliche Grund,
der hört,
ohne zu hören,
und gerade dadurch
alle Klänge
aufnimmt,
ohne sich zu verlieren.
Vergleichender Rückbilck zu Rolle 1 ("Seh-Natur" vs. "Hör-Natur")

Im Sinn des Shurangama-Sutras hat das Hören keine eigene, selbständige Natur
(無自性).

Aber:
Das bedeutet nicht, dass es „nicht existiert“,
sondern dass es nicht aus sich selbst heraus besteht.



2. Der logische Kern des Arguments

Die betreffende Passage lautet:

若從根生,必無動靜,如是聞體本無自性

wörtlich strukturiert:
• 若從根生 – Wenn es aus der Sinneswurzel (dem Ohr) entstünde
• 必無動靜 – müsste es notwendigerweise ohne Bewegung und Ruhe sein
• 如是聞體本無自性 – so hätte der Körper/die Wesenheit des Hörens von Grund auf keine eigene Natur

Warum dieser Schluss zwingend ist:



3. Schritt 1 – Annahme: Hören entsteht aus dem Ohr selbst

Der Buddha prüft eine hypothetische Annahme:

Angenommen, das Hören würde aus dem Ohr selbst hervorgehen.

Dann gilt logisch:
• Das Ohr ist physisch vorhanden
• Also müsste das Hören ständig vorhanden sein
• Unabhängig davon, ob es gerade:
• Klang gibt (Bewegung)
• oder Stille (Ruhe)



4. Schritt 2 – Konsequenz: Bewegung und Ruhe wären irrelevant

Wenn Hören aus dem Ohr selbst entstünde, dann:
• dürfte es keinen Unterschied machen,
ob Klang vorhanden ist oder nicht
• Hören müsste immer gleich aktiv sein

Aber:
• Ohne Klang gibt es kein unterscheidbares Hören
• Ohne Ruhe gibt es keine Wahrnehmung von Stille

👉 Bewegung und Ruhe sind also konstitutiv
für das, was wir „Hören“ nennen.



5. Schritt 3 – Der entscheidende Punkt: Selbst-Natur

Nun kommt der zentrale Gedanke:

Wenn etwas eine eigene Natur (自性) hätte,
dann müsste es ohne Abhängigkeit funktionieren.

Das ist die implizite Definition von 自性 im Sutra:
• selbsttragend
• unabhängig
• nicht bedingt
• nicht situationsabhängig



6. Warum das Hören keine eigene Natur hat

Da das Hören:
• Bewegung braucht, um Klang zu hören
• Ruhe braucht, um Stille zu hören
• je nach Bedingung erscheint oder verschwindet

kann es nicht:
• aus dem Ohr allein entstehen
• aus sich selbst bestehen

Darum sagt der Text nicht nur:

„Hören entsteht nicht aus dem Ohr“

sondern radikaler:

„Die Wesenheit des Hörens hat von Grund auf keine eigene Natur.“



7. Missverständnis vermeiden: „keine eigene Natur“ ≠ „nicht vorhanden“

Das Sutra verneint nicht das Hören als Erfahrung.

Es verneint:
• ein eigenständiges, ontologisch fixes Hören
• ein „Hör-Selbst“
• eine dauerhaft lokalisierbare Hör-Instanz

Anders gesagt:
• Hören ist funktional real
• aber wesenlos im ontologischen Sinn



8. Einfache Analogie (sutragerecht gedacht)

Wie bei einer Spiegelung:
• Das Bild erscheint
• ist klar erfahrbar
• aber hat keine eigene Substanz
• es existiert nur in Abhängigkeit

Niemand würde sagen:

„Das Spiegelbild wohnt im Spiegel.“

Ebenso wenig:

„Das Hören wohnt im Ohr.“



9. Einordnung im Gesamtbogen der Rolle 3

Dieses Argument dient nicht dazu,
das Hören „wegzuerklären“.

Es dient dazu:
• jede Identifikation mit Sinnesfunktionen zu lösen
• jede subtile Zuflucht zu zerstören:
• „Vielleicht bin ich ja dieses Hören …“

Nach Sehen → jetzt Hören → danach die übrigen Eingänge.

Am Ende bleibt:
• kein Sinn
• kein Geist
• kein Ort

sondern das, was nie bedingt war:

👉 ursprünglicher Grund
– nicht als Hören
– nicht als Nicht-Hören
– sondern als der Grund, in dem beides erscheint.



10. Präzise Antwort auf die Frage

„Das Hören hat keine eigene Natur?“

Ja.
Im Sinn des Shurangama-Sutras:
• Das Hören hat keine eigene Natur (無自性)
• aber es erscheint
• und sein Erscheinen ist genau der Hinweis darauf,
dass etwas Unbedingtes es trägt.


Innerer Umschlagpunkt des Shurangama-Sutras.




1. Rolle 1
– Einführung der beständigen Seh-Natur
– didaktischer Zwischenschritt:
„Das bin ich“ → „Nein, das ist der zweite Mond“
2. Jetzt (Rolle 3)
– dieser Zwischenschritt wird nicht mehr gemacht
– das Hören wird direkt als leer / falsch entlarvt
3. Implizite Schlussfolgerung
– es gibt hier nur noch
• das falsche Hören (bedingt, leer)
• und das reine Erkennen des ursprünglichen Grundes
– und dieses Erkennen ist:
• weder Sehen noch Nicht-Sehen
• weder Hören noch Nicht-Hören

Und: es ist kein Versäumnis, sondern eine bewusste Straffung der Lehre.



2. Warum der „zweite Mond“ hier nicht mehr eingeführt wird

Rolle 1: pädagogische Notwendigkeit

In Rolle 1 war Ānanda noch in einer subtilen Identifikation:

„Wenn nicht das Auge, dann vielleicht das Sehen selbst.“

Darum musste der Buddha:
• zuerst eine beständige Seh-Natur zulassen
• dann zeigen:
Das ist nur ein zweiter Mond

Der zweite Mond war kein metaphysischer Irrtum,
sondern ein didaktischer Spiegel:

„Du hast etwas erkannt — aber du hast es wieder vergegenständlicht.“



Rolle 3: diese Identifikation ist bereits durchschaut

Jetzt gilt:
• Die Grundverwechslung ist bereits entlarvt
• Der „zweite Mond“ wurde als Falle erkannt
• Ānanda sucht nicht mehr nach einem neuen Träger

Darum wäre ein erneutes Einführen von:

„Hör-Natur“ als Zwischenstufe

sogar rückschrittlich.



3. Der entscheidende Wechsel der Ebene

In Rolle 1:

Der Buddha arbeitete noch mit:
• funktionalen Identifikationen
• kontrollierter Aufhebung von Stützen

Ab Rolle 3:

Der Buddha arbeitet mit:
• radikaler Negation aller Sinnesfunktionen
• ohne neue Ersatz-Instanzen

Deshalb:
• kein „beständiges Hören“
• kein „reines Hören“
• kein „Hör-Bewusstsein“

Nur noch:

bedingtes Erscheinen
vs.
unbedingtes Erkennen



4. Schlussformulierung

Du schreibst:

„… das reine Erkennen des ursprünglichen Grundes,
das weder Sehen, Hören etc. ist
noch Nicht-Sehen, Nicht-Hören etc.“

Das ist wortgetreu die mittlere Position des Sutras.

Denn:
• Wäre es Sehen oder Hören → wäre es bedingt
• Wäre es Nicht-Sehen oder Nicht-Hören → wäre es Auslöschung
• Beides wäre verfehlt

Darum:

der ursprüngliche Grund erkennt,
aber nicht als Funktion.

Oder sutragerecht:

Erkennen ist da,
aber nichts Erkennendes ist auffindbar.



5. Warum jetzt nur noch „falsch“ vs. „nicht-funktional“ bleibt

Ab hier gilt:

Ebene Status
Sehen / Hören bedingt, leer, falsch identifiziert
Nicht-Sehen / Nicht-Hören bloße Negation, ebenfalls verfehlt
ursprünglicher Grund jenseits dieser Paare

Das ist kein Nihilismus, sondern Nicht-Verortbarkeit.



6. Ein wichtiges Detail: „Erkennen“ ist hier bereits metaphorisch

Wenn wir sagen:

„das reine Erkennen des ursprünglichen Grundes“

dann ist selbst „Erkennen“ schon:
• ein Hinweiswort
• kein Funktionsbegriff
• kein Vorgang

Genau deshalb sagt das Sutra später:

„Wenn Sehen das Sehen sehen wollte …“

→ jede Funktion, die sich selbst greifen will, verfehlt.



7. Warum das Sutra jetzt schneller wird

Du spürst richtig:
• Die Argumentation wird knapper
• weniger Gleichnisse
• weniger pädagogische Schleifen

Das liegt daran:
• Der Leser/Hörer ist nicht mehr Anfänger
• die Verwechslung ist Grundesätzlich erkannt
• jetzt geht es nur noch um:
• Rest-Identifikationen
• feine Gewohnheiten
• Reflexe des Festhaltens



8. Zusammenfassung

Ab Rolle 3 gibt es keinen legitimen Zwischenhalt mehr:
Sinnesfunktionen sind nur noch als falsche Zuschreibungen sichtbar,
und der ursprüngliche Grund ist weder Funktion noch deren Negation,
sondern das unverortbare, unbedingte Erkennen,
in dem Sehen und Hören erscheinen,
ohne dass es selbst zu Sehen oder Hören wird.
dass der „zweite Mond“ nicht mehr betreten wird.
中文原文
「阿難!譬如有人,以兩手指急塞其耳,耳根勞故頭中作聲;兼耳與勞,同是菩提瞪發勞相。因于動靜二種妄塵,發聞居中,吸此塵象,名聽聞性。此聞離彼動靜二塵,畢竟無體。如是阿難!當知是聞,非動靜來,非於根出,不於空生。何以故?若從靜來,動即隨滅,應非聞動;若從動來,靜即隨滅,應無覺靜。若從根生,必無動靜,如是聞體本無自性。若於空出,有聞成性,即非虛空;又空自聞,何關汝入?是故當知耳入虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stell dir jemanden vor,
der sich mit beiden Fingern
die Ohren fest verschließt.
Durch die Ermüdung der Ohren
entsteht im Kopf ein Klang.
Ohr und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Bewegung und Ruhe,
diese beiden trügerischen Staubzustände,
entsteht ein Hören,
das scheinbar dazwischen steht,
Erscheinungen aufnimmt
und
‚Hören‘ genannt wird.

Doch löst du dieses Hören
von Bewegung und Ruhe,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Das Hören
kommt nicht aus der Bewegung,
nicht aus der Ruhe,
nicht aus dem Ohr,
nicht aus dem Raum.

Wäre es aus der Ruhe,
ginge es mit der Bewegung verloren.
Wäre es aus der Bewegung,
ginge es mit der Ruhe verloren.

Wäre es aus dem Ohr selbst,
bräuchte es
weder Bewegung noch Ruhe –
doch dann hätte es
keine eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste der Raum selbst hören.
Doch dann wäre er nicht mehr leer.
Und was hätte
das Hören des Raumes
mit deinem Ohr zu tun?

Darum wisse:
Der Ohreneingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die exakte Entsprechung
zum vorherigen Kapitel über das Sehen
und vollzieht dieselbe Dekonstruktion
nun auf der Ebene des Hörens.
1. Die innere Klangillusion

Das Beispiel des verstopften Ohres zeigt:
Klang
ist kein verlässlicher Hinweis
auf eine äußere Quelle.

Er entsteht hier
durch Reizung und Ermüdung
der Sinneswurzel selbst.

Damit wird deutlich:
Hören ist nicht identisch
mit Schall.
2. Bewegung und Ruhe als Hör-Gegensätze

So wie Helligkeit und Dunkelheit
das Sehen strukturieren,
strukturieren Bewegung und Ruhe
das Hören.

Doch beide sind
„Staubzustände“:
flüchtige Bedingungen,
die keinen eigenen Bestand haben.

Das Hören erscheint nur,
solange es sich
an diese Gegensätze bindet.
3. Die Ent-Ortung des Hörens

Der Buddha schließt systematisch
alle möglichen Ursprünge aus:
• nicht Bewegung
• nicht Ruhe
• nicht Sinnesorgan
• nicht Raum

Damit wird das Hören
vollständig ent-ortet.

Es kann nirgends
festgemacht werden.
4. Raum als Grenzargument

Das Argument,
der Raum könne nicht hören,
verhindert subtilen Realismus.

Würde der Raum hören,
wäre er nicht leer.
Leere
ist hier kein Nichts,
sondern
Nicht-Funktionalität.
5. Vorbereitung der Vertiefung

Mit dem Hören
wird die zweite Sinneswurzel
durchleuchtet.

Die Bewegung des Sutras ist klar:
Nicht nur das Sehen,
sondern jede Sinnestätigkeit
ist leer,
bedingt
und ohne eigene Natur.

Damit wird der Blick
weiter gelöst
von den Sinnesfunktionen
hin auf das,
was sie alle trägt,
ohne selbst
Sinnesfunktion zu sein:

der ursprüngliche Grund,
der hört,
ohne zu hören,
und gerade dadurch
alle Klänge
aufnimmt,
ohne sich zu verlieren.
Vergleichender Rückbilck zu Rolle 1 ("Seh-Natur" vs. "Hör-Natur")

Im Sinn des Shurangama-Sutras hat das Hören keine eigene, selbständige Natur
(無自性).

Aber:
Das bedeutet nicht, dass es „nicht existiert“,
sondern dass es nicht aus sich selbst heraus besteht.



2. Der logische Kern des Arguments

Die betreffende Passage lautet:

若從根生,必無動靜,如是聞體本無自性

wörtlich strukturiert:
• 若從根生 – Wenn es aus der Sinneswurzel (dem Ohr) entstünde
• 必無動靜 – müsste es notwendigerweise ohne Bewegung und Ruhe sein
• 如是聞體本無自性 – so hätte der Körper/die Wesenheit des Hörens von Grund auf keine eigene Natur

Warum dieser Schluss zwingend ist:



3. Schritt 1 – Annahme: Hören entsteht aus dem Ohr selbst

Der Buddha prüft eine hypothetische Annahme:

Angenommen, das Hören würde aus dem Ohr selbst hervorgehen.

Dann gilt logisch:
• Das Ohr ist physisch vorhanden
• Also müsste das Hören ständig vorhanden sein
• Unabhängig davon, ob es gerade:
• Klang gibt (Bewegung)
• oder Stille (Ruhe)



4. Schritt 2 – Konsequenz: Bewegung und Ruhe wären irrelevant

Wenn Hören aus dem Ohr selbst entstünde, dann:
• dürfte es keinen Unterschied machen,
ob Klang vorhanden ist oder nicht
• Hören müsste immer gleich aktiv sein

Aber:
• Ohne Klang gibt es kein unterscheidbares Hören
• Ohne Ruhe gibt es keine Wahrnehmung von Stille

👉 Bewegung und Ruhe sind also konstitutiv
für das, was wir „Hören“ nennen.



5. Schritt 3 – Der entscheidende Punkt: Selbst-Natur

Nun kommt der zentrale Gedanke:

Wenn etwas eine eigene Natur (自性) hätte,
dann müsste es ohne Abhängigkeit funktionieren.

Das ist die implizite Definition von 自性 im Sutra:
• selbsttragend
• unabhängig
• nicht bedingt
• nicht situationsabhängig



6. Warum das Hören keine eigene Natur hat

Da das Hören:
• Bewegung braucht, um Klang zu hören
• Ruhe braucht, um Stille zu hören
• je nach Bedingung erscheint oder verschwindet

kann es nicht:
• aus dem Ohr allein entstehen
• aus sich selbst bestehen

Darum sagt der Text nicht nur:

„Hören entsteht nicht aus dem Ohr“

sondern radikaler:

„Die Wesenheit des Hörens hat von Grund auf keine eigene Natur.“



7. Missverständnis vermeiden: „keine eigene Natur“ ≠ „nicht vorhanden“

Das Sutra verneint nicht das Hören als Erfahrung.

Es verneint:
• ein eigenständiges, ontologisch fixes Hören
• ein „Hör-Selbst“
• eine dauerhaft lokalisierbare Hör-Instanz

Anders gesagt:
• Hören ist funktional real
• aber wesenlos im ontologischen Sinn



8. Einfache Analogie (sutragerecht gedacht)

Wie bei einer Spiegelung:
• Das Bild erscheint
• ist klar erfahrbar
• aber hat keine eigene Substanz
• es existiert nur in Abhängigkeit

Niemand würde sagen:

„Das Spiegelbild wohnt im Spiegel.“

Ebenso wenig:

„Das Hören wohnt im Ohr.“



9. Einordnung im Gesamtbogen der Rolle 3

Dieses Argument dient nicht dazu,
das Hören „wegzuerklären“.

Es dient dazu:
• jede Identifikation mit Sinnesfunktionen zu lösen
• jede subtile Zuflucht zu zerstören:
• „Vielleicht bin ich ja dieses Hören …“

Nach Sehen → jetzt Hören → danach die übrigen Eingänge.

Am Ende bleibt:
• kein Sinn
• kein Geist
• kein Ort

sondern das, was nie bedingt war:

👉 ursprünglicher Grund
– nicht als Hören
– nicht als Nicht-Hören
– sondern als der Grund, in dem beides erscheint.



10. Präzise Antwort auf die Frage

„Das Hören hat keine eigene Natur?“

Ja.
Im Sinn des Shurangama-Sutras:
• Das Hören hat keine eigene Natur (無自性)
• aber es erscheint
• und sein Erscheinen ist genau der Hinweis darauf,
dass etwas Unbedingtes es trägt.


Innerer Umschlagpunkt des Shurangama-Sutras.




1. Rolle 1
– Einführung der beständigen Seh-Natur
– didaktischer Zwischenschritt:
„Das bin ich“ → „Nein, das ist der zweite Mond“
2. Jetzt (Rolle 3)
– dieser Zwischenschritt wird nicht mehr gemacht
– das Hören wird direkt als leer / falsch entlarvt
3. Implizite Schlussfolgerung
– es gibt hier nur noch
• das falsche Hören (bedingt, leer)
• und das reine Erkennen des ursprünglichen Grundes
– und dieses Erkennen ist:
• weder Sehen noch Nicht-Sehen
• weder Hören noch Nicht-Hören

Und: es ist kein Versäumnis, sondern eine bewusste Straffung der Lehre.



2. Warum der „zweite Mond“ hier nicht mehr eingeführt wird

Rolle 1: pädagogische Notwendigkeit

In Rolle 1 war Ānanda noch in einer subtilen Identifikation:

„Wenn nicht das Auge, dann vielleicht das Sehen selbst.“

Darum musste der Buddha:
• zuerst eine beständige Seh-Natur zulassen
• dann zeigen:
Das ist nur ein zweiter Mond

Der zweite Mond war kein metaphysischer Irrtum,
sondern ein didaktischer Spiegel:

„Du hast etwas erkannt — aber du hast es wieder vergegenständlicht.“



Rolle 3: diese Identifikation ist bereits durchschaut

Jetzt gilt:
• Die Grundverwechslung ist bereits entlarvt
• Der „zweite Mond“ wurde als Falle erkannt
• Ānanda sucht nicht mehr nach einem neuen Träger

Darum wäre ein erneutes Einführen von:

„Hör-Natur“ als Zwischenstufe

sogar rückschrittlich.



3. Der entscheidende Wechsel der Ebene

In Rolle 1:

Der Buddha arbeitete noch mit:
• funktionalen Identifikationen
• kontrollierter Aufhebung von Stützen

Ab Rolle 3:

Der Buddha arbeitet mit:
• radikaler Negation aller Sinnesfunktionen
• ohne neue Ersatz-Instanzen

Deshalb:
• kein „beständiges Hören“
• kein „reines Hören“
• kein „Hör-Bewusstsein“

Nur noch:

bedingtes Erscheinen
vs.
unbedingtes Erkennen



4. Schlussformulierung

Du schreibst:

„… das reine Erkennen des ursprünglichen Grundes,
das weder Sehen, Hören etc. ist
noch Nicht-Sehen, Nicht-Hören etc.“

Das ist wortgetreu die mittlere Position des Sutras.

Denn:
• Wäre es Sehen oder Hören → wäre es bedingt
• Wäre es Nicht-Sehen oder Nicht-Hören → wäre es Auslöschung
• Beides wäre verfehlt

Darum:

der ursprüngliche Grund erkennt,
aber nicht als Funktion.

Oder sutragerecht:

Erkennen ist da,
aber nichts Erkennendes ist auffindbar.



5. Warum jetzt nur noch „falsch“ vs. „nicht-funktional“ bleibt

Ab hier gilt:

Ebene Status
Sehen / Hören bedingt, leer, falsch identifiziert
Nicht-Sehen / Nicht-Hören bloße Negation, ebenfalls verfehlt
ursprünglicher Grund jenseits dieser Paare

Das ist kein Nihilismus, sondern Nicht-Verortbarkeit.



6. Ein wichtiges Detail: „Erkennen“ ist hier bereits metaphorisch

Wenn wir sagen:

„das reine Erkennen des ursprünglichen Grundes“

dann ist selbst „Erkennen“ schon:
• ein Hinweiswort
• kein Funktionsbegriff
• kein Vorgang

Genau deshalb sagt das Sutra später:

„Wenn Sehen das Sehen sehen wollte …“

→ jede Funktion, die sich selbst greifen will, verfehlt.



7. Warum das Sutra jetzt schneller wird

Du spürst richtig:
• Die Argumentation wird knapper
• weniger Gleichnisse
• weniger pädagogische Schleifen

Das liegt daran:
• Der Leser/Hörer ist nicht mehr Anfänger
• die Verwechslung ist Grundesätzlich erkannt
• jetzt geht es nur noch um:
• Rest-Identifikationen
• feine Gewohnheiten
• Reflexe des Festhaltens



8. Zusammenfassung

Ab Rolle 3 gibt es keinen legitimen Zwischenhalt mehr:
Sinnesfunktionen sind nur noch als falsche Zuschreibungen sichtbar,
und der ursprüngliche Grund ist weder Funktion noch deren Negation,
sondern das unverortbare, unbedingte Erkennen,
in dem Sehen und Hören erscheinen,
ohne dass es selbst zu Sehen oder Hören wird.
dass der „zweite Mond“ nicht mehr betreten wird.
127 #
「阿難!譬如有人急畜其鼻,畜久成勞,則於鼻中聞有冷觸。因觸分別通塞、虛實,如是乃至諸香、臭氣;兼鼻與勞,同是菩提瞪發勞相。因于通塞二種妄塵,發聞居中,吸此塵象,名嗅聞性。此聞離彼通塞二塵,畢竟無體。當知是聞,非通塞來,非於根出,不於空生。何以故?若從通來,塞[1]自隨滅,云何知塞?如因塞有,通則無聞,云何發明香、臭等觸?若從根生,必無通塞,如是聞[2]體本無自性。若從空出,是聞自當迴嗅汝鼻;空自有聞,何關汝入?是故當知鼻入虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stell dir jemanden vor,
der seine Nase fest zusammendrückt.
Hält er dies lange,
entsteht Ermüdung,
und in der Nase
zeigt sich eine kalte Berührung.

Aus dieser Berührung
entstehen Unterscheidungen:
durchlässig und verstopft,
leer und fest –
und daraus
alle Düfte
und üblen Gerüche.

Nase und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Durchgang und Verstopfung,
diese beiden trügerischen Staubzustände,
entsteht ein Wahrnehmen,
das scheinbar dazwischen steht,
Erscheinungen aufnimmt
und
‚Riechen‘ genannt wird.

Doch löst du dieses Wahrnehmen
von Durchgang und Verstopfung,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Das Riechen
kommt nicht aus dem Durchgang,
nicht aus der Verstopfung,
nicht aus der Nase,
nicht aus dem Raum.

Wäre es aus dem Durchgang,
ginge es mit der Verstopfung verloren.
Wäre es aus der Verstopfung,
gäbe es beim Durchgang
kein Wahrnehmen von Duft oder Gestank.

Wäre es aus der Nase selbst,
bräuchte es
weder Durchgang noch Verstopfung –
doch dann hätte es
keine eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste das Wahrnehmen
von selbst zur Nase zurückkehren.
Und was hätte
das Wahrnehmen des Raumes
mit deinem Sinneseingang zu tun?

Darum wisse:
Der Naseneingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt setzt die systematische Durchleuchtung
der Sinneseingänge fort
und verschärft die Argumentation
auf einer noch subtileren Ebene.
1. Riechen ohne Duft

Das Gleichnis zeigt:
Schon ohne äußeren Duft
kann durch mechanische Einwirkung
eine Wahrnehmung entstehen.

Damit wird deutlich:
Geruch
ist nicht identisch
mit einem äußeren Stoff,
sondern ein bedingtes Erscheinen.
2. Durchgang und Verstopfung als Grundpolarität

Für den Geruchssinn
ersetzt das Paar
Durchgang / Verstopfung
die früheren Gegensätze
Bewegung / Ruhe
oder Helligkeit / Dunkelheit.

Diese Polarität
ermöglicht erst
die Erfahrung von Duft und Gestank,
hat aber selbst
keinen eigenständigen Bestand.
3. Die Auflösung der Riech-Natur

Wie zuvor
wird jeder mögliche Ursprung ausgeschlossen:
• nicht Durchgang
• nicht Verstopfung
• nicht Sinneswurzel
• nicht Raum

Damit bleibt
keine ontologische Stütze
für ein „Riechen an sich“.
4. Die Radikalität des Arguments

Besonders deutlich wird hier:
Wenn das Wahrnehmen
aus der Nase selbst käme,
müsste es
ohne jede Bedingung funktionieren.

Dass es dies nicht tut,
zeigt:
Das Wahrnehmen
hat keine eigene Natur.
5. Vertiefung der Lehre

Nach Sehen und Hören
wird nun auch das Riechen
vollständig ent-identifiziert.

Die Richtung ist eindeutig:
Kein Sinn,
keine Wahrnehmungsart,
kein subtiler Erfahrungsrest
kann als Träger
des Erwachens dienen.

der ursprüngliche Grund
erscheint hier nicht mehr
als „reines Riechen“
oder „feine Wahrnehmung“,
sondern nur noch indirekt:
als das,
in dem Wahrnehmen entsteht
und vergeht,
ohne dass es selbst
je Wahrnehmen würde.
中文原文
「阿難!譬如有人急畜其鼻,畜久成勞,則於鼻中聞有冷觸。因觸分別通塞、虛實,如是乃至諸香、臭氣;兼鼻與勞,同是菩提瞪發勞相。因于通塞二種妄塵,發聞居中,吸此塵象,名嗅聞性。此聞離彼通塞二塵,畢竟無體。當知是聞,非通塞來,非於根出,不於空生。何以故?若從通來,塞[1]自隨滅,云何知塞?如因塞有,通則無聞,云何發明香、臭等觸?若從根生,必無通塞,如是聞[2]體本無自性。若從空出,是聞自當迴嗅汝鼻;空自有聞,何關汝入?是故當知鼻入虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stell dir jemanden vor,
der seine Nase fest zusammendrückt.
Hält er dies lange,
entsteht Ermüdung,
und in der Nase
zeigt sich eine kalte Berührung.

Aus dieser Berührung
entstehen Unterscheidungen:
durchlässig und verstopft,
leer und fest –
und daraus
alle Düfte
und üblen Gerüche.

Nase und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Durchgang und Verstopfung,
diese beiden trügerischen Staubzustände,
entsteht ein Wahrnehmen,
das scheinbar dazwischen steht,
Erscheinungen aufnimmt
und
‚Riechen‘ genannt wird.

Doch löst du dieses Wahrnehmen
von Durchgang und Verstopfung,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Das Riechen
kommt nicht aus dem Durchgang,
nicht aus der Verstopfung,
nicht aus der Nase,
nicht aus dem Raum.

Wäre es aus dem Durchgang,
ginge es mit der Verstopfung verloren.
Wäre es aus der Verstopfung,
gäbe es beim Durchgang
kein Wahrnehmen von Duft oder Gestank.

Wäre es aus der Nase selbst,
bräuchte es
weder Durchgang noch Verstopfung –
doch dann hätte es
keine eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste das Wahrnehmen
von selbst zur Nase zurückkehren.
Und was hätte
das Wahrnehmen des Raumes
mit deinem Sinneseingang zu tun?

Darum wisse:
Der Naseneingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt setzt die systematische Durchleuchtung
der Sinneseingänge fort
und verschärft die Argumentation
auf einer noch subtileren Ebene.
1. Riechen ohne Duft

Das Gleichnis zeigt:
Schon ohne äußeren Duft
kann durch mechanische Einwirkung
eine Wahrnehmung entstehen.

Damit wird deutlich:
Geruch
ist nicht identisch
mit einem äußeren Stoff,
sondern ein bedingtes Erscheinen.
2. Durchgang und Verstopfung als Grundpolarität

Für den Geruchssinn
ersetzt das Paar
Durchgang / Verstopfung
die früheren Gegensätze
Bewegung / Ruhe
oder Helligkeit / Dunkelheit.

Diese Polarität
ermöglicht erst
die Erfahrung von Duft und Gestank,
hat aber selbst
keinen eigenständigen Bestand.
3. Die Auflösung der Riech-Natur

Wie zuvor
wird jeder mögliche Ursprung ausgeschlossen:
• nicht Durchgang
• nicht Verstopfung
• nicht Sinneswurzel
• nicht Raum

Damit bleibt
keine ontologische Stütze
für ein „Riechen an sich“.
4. Die Radikalität des Arguments

Besonders deutlich wird hier:
Wenn das Wahrnehmen
aus der Nase selbst käme,
müsste es
ohne jede Bedingung funktionieren.

Dass es dies nicht tut,
zeigt:
Das Wahrnehmen
hat keine eigene Natur.
5. Vertiefung der Lehre

Nach Sehen und Hören
wird nun auch das Riechen
vollständig ent-identifiziert.

Die Richtung ist eindeutig:
Kein Sinn,
keine Wahrnehmungsart,
kein subtiler Erfahrungsrest
kann als Träger
des Erwachens dienen.

der ursprüngliche Grund
erscheint hier nicht mehr
als „reines Riechen“
oder „feine Wahrnehmung“,
sondern nur noch indirekt:
als das,
in dem Wahrnehmen entsteht
und vergeht,
ohne dass es selbst
je Wahrnehmen würde.
128 #
「阿難!譬如有人以舌舐吻,熟舐令勞,其人若病則有苦味,無病之人微有甜觸;由甜與苦顯此舌根,不動之時淡性常在。兼舌與勞,同是菩提瞪發勞相。因甜苦、淡二種妄塵,發知居中,吸此塵象,名知味性。此知味性,離彼甜、苦及淡二塵,畢竟無體。如是阿難!當知如是嘗苦、淡知,非甜、苦來,非因淡有,又非根出,不於空生。何以故?若甜、苦來,淡[3]即知滅,云何知淡?若從淡出,甜即知亡,復云何知甜、苦二相?若從舌生,必無甜、淡及與苦塵,斯知味根本無自性。若於空出,虛空自味,非汝口知;又空自知,何關汝入?是故當知舌入虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stell dir jemanden vor,
der mit der Zunge
immer wieder seine Lippen leckt.
Durch häufige Reizung
entsteht Ermüdung.
Ist der Körper krank,
zeigt sich Bitterkeit;
ist er gesund,
eine feine Süße.

Durch Süße und Bitterkeit
tritt die Zunge hervor;
ist keine Bewegung da,
bleibt eine fade Grundempfindung.

Zunge und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Süße, Bitterkeit
und Fade,
diese trügerischen Staubzustände,
entsteht ein Erkennen,
das scheinbar dazwischen steht,
Erscheinungen aufnimmt
und
‚Schmecken‘ genannt wird.

Doch löst du dieses Erkennen
von Süße, Bitterkeit und Fade,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Das Schmecken
kommt nicht aus Süße,
nicht aus Bitterkeit,
nicht aus dem Faden,
nicht aus der Zunge,
nicht aus dem Raum.

Wäre es aus Süße oder Bitterkeit,
ginge es mit dem Faden verloren.
Wäre es aus dem Faden,
ginge es mit Süße und Bitterkeit verloren.

Wäre es aus der Zunge selbst,
bräuchte es
weder Süße noch Bitterkeit
noch Fade –
doch dann hätte es
keine eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste der Raum selbst schmecken.
Doch nicht dein Mund würde erkennen.
Und was hätte
das Erkennen des Raumes
mit deiner Zunge zu tun?

Darum wisse:
Der Zungeneingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt über das Schmecken
vertieft die bereits etablierte Logik
auf einer noch feineren,
körpernäheren Ebene.
1. Geschmack ohne Objekt

Das Gleichnis zeigt:
Geschmack
kann auch ohne äußere Nahrung erscheinen.

Krankheit, Reizung,
oder bloße Zungenbewegung
genügen,
um Süße oder Bitterkeit
hervorzubringen.

Damit wird klar:
Geschmack
ist kein verlässlicher Hinweis
auf ein äußeres Objekt.
2. Süße, Bitterkeit und Fade als Struktur

Hier tritt ein drittes Moment hinzu:
das Fade.

Es ist weder Süße
noch Bitterkeit,
sondern der Hintergrund,
auf dem beide erscheinen.

Doch auch dieses Fade
ist kein Träger,
sondern selbst
eine bedingte Erscheinung.
3. Auflösung der Geschmacks-Natur

Wie zuvor
wird jeder mögliche Ursprung
systematisch ausgeschlossen:
• nicht Süße
• nicht Bitterkeit
• nicht Fade
• nicht Zunge
• nicht Raum

Damit bleibt
kein Ort,
keine Substanz,
keine Instanz
für ein „Schmecken an sich“.
4. Radikalisierung der Ent-Identifikation

Der Text zeigt hier besonders deutlich:
Selbst feinste,
scheinbar neutrale Empfindung
(Fade)
taugt nicht
als letzter Halt.

Auch sie
hat keine eigene Natur.
5. Kontinuität der Lehre

Nach Sehen, Hören, Riechen
wird nun auch das Schmecken
vollständig entleert.

Die Richtung bleibt dieselbe:
Alles Sinnliche
ist bedingt,
leer
und nicht haltbar.

der ursprüngliche Grund
wird nicht als
„reines Schmecken“
oder
„höhere Empfindung“
eingeführt,
sondern bleibt
jenseits aller Sinnesfunktionen:
als das,
in dem Empfindung erscheint
und vergeht,
ohne je
selbst Empfindung zu sein.
中文原文
「阿難!譬如有人以舌舐吻,熟舐令勞,其人若病則有苦味,無病之人微有甜觸;由甜與苦顯此舌根,不動之時淡性常在。兼舌與勞,同是菩提瞪發勞相。因甜苦、淡二種妄塵,發知居中,吸此塵象,名知味性。此知味性,離彼甜、苦及淡二塵,畢竟無體。如是阿難!當知如是嘗苦、淡知,非甜、苦來,非因淡有,又非根出,不於空生。何以故?若甜、苦來,淡[3]即知滅,云何知淡?若從淡出,甜即知亡,復云何知甜、苦二相?若從舌生,必無甜、淡及與苦塵,斯知味根本無自性。若於空出,虛空自味,非汝口知;又空自知,何關汝入?是故當知舌入虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stell dir jemanden vor,
der mit der Zunge
immer wieder seine Lippen leckt.
Durch häufige Reizung
entsteht Ermüdung.
Ist der Körper krank,
zeigt sich Bitterkeit;
ist er gesund,
eine feine Süße.

Durch Süße und Bitterkeit
tritt die Zunge hervor;
ist keine Bewegung da,
bleibt eine fade Grundempfindung.

Zunge und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Süße, Bitterkeit
und Fade,
diese trügerischen Staubzustände,
entsteht ein Erkennen,
das scheinbar dazwischen steht,
Erscheinungen aufnimmt
und
‚Schmecken‘ genannt wird.

Doch löst du dieses Erkennen
von Süße, Bitterkeit und Fade,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Das Schmecken
kommt nicht aus Süße,
nicht aus Bitterkeit,
nicht aus dem Faden,
nicht aus der Zunge,
nicht aus dem Raum.

Wäre es aus Süße oder Bitterkeit,
ginge es mit dem Faden verloren.
Wäre es aus dem Faden,
ginge es mit Süße und Bitterkeit verloren.

Wäre es aus der Zunge selbst,
bräuchte es
weder Süße noch Bitterkeit
noch Fade –
doch dann hätte es
keine eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste der Raum selbst schmecken.
Doch nicht dein Mund würde erkennen.
Und was hätte
das Erkennen des Raumes
mit deiner Zunge zu tun?

Darum wisse:
Der Zungeneingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt über das Schmecken
vertieft die bereits etablierte Logik
auf einer noch feineren,
körpernäheren Ebene.
1. Geschmack ohne Objekt

Das Gleichnis zeigt:
Geschmack
kann auch ohne äußere Nahrung erscheinen.

Krankheit, Reizung,
oder bloße Zungenbewegung
genügen,
um Süße oder Bitterkeit
hervorzubringen.

Damit wird klar:
Geschmack
ist kein verlässlicher Hinweis
auf ein äußeres Objekt.
2. Süße, Bitterkeit und Fade als Struktur

Hier tritt ein drittes Moment hinzu:
das Fade.

Es ist weder Süße
noch Bitterkeit,
sondern der Hintergrund,
auf dem beide erscheinen.

Doch auch dieses Fade
ist kein Träger,
sondern selbst
eine bedingte Erscheinung.
3. Auflösung der Geschmacks-Natur

Wie zuvor
wird jeder mögliche Ursprung
systematisch ausgeschlossen:
• nicht Süße
• nicht Bitterkeit
• nicht Fade
• nicht Zunge
• nicht Raum

Damit bleibt
kein Ort,
keine Substanz,
keine Instanz
für ein „Schmecken an sich“.
4. Radikalisierung der Ent-Identifikation

Der Text zeigt hier besonders deutlich:
Selbst feinste,
scheinbar neutrale Empfindung
(Fade)
taugt nicht
als letzter Halt.

Auch sie
hat keine eigene Natur.
5. Kontinuität der Lehre

Nach Sehen, Hören, Riechen
wird nun auch das Schmecken
vollständig entleert.

Die Richtung bleibt dieselbe:
Alles Sinnliche
ist bedingt,
leer
und nicht haltbar.

der ursprüngliche Grund
wird nicht als
„reines Schmecken“
oder
„höhere Empfindung“
eingeführt,
sondern bleibt
jenseits aller Sinnesfunktionen:
als das,
in dem Empfindung erscheint
und vergeht,
ohne je
selbst Empfindung zu sein.
129 #
「阿難!譬如有人,以一冷手觸於熱手,若冷勢多熱者從冷,若熱功勝冷者成熱。如是以此合覺之觸,顯於離知;涉勢若成,因于勞觸。兼身與勞,同是菩提瞪發勞相。因于離、合二種妄塵,發覺居中,吸此塵象,名知覺性。此知覺體,離彼離、合、違、順二塵,畢竟無體。如是阿難!當知是覺,非離、合來,非違、順有,不於根出,又非空生。何以故?若合時來,離當已滅,云何覺離?違、順二相,亦復如是。若從根出,必無離、合、違、順四相,則汝身知元無自性。必於空出,空自知覺,何關汝入?是故當知身入虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stell dir jemanden vor,
der mit einer kalten Hand
eine warme Hand berührt.
Überwiegt die Kälte,
erscheint Kälte;
überwiegt die Wärme,
erscheint Hitze.

Durch das Vereintsein
wird Berührung erfahrbar,
und zugleich
das Gewahrsein von Trennung.
Je nach Überwiegen
entsteht Berührung
durch Reizung und Ermüdung.

Körper und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Trennung und Vereinigung,
diese beiden trügerischen Staubzustände,
entsteht ein Gewahrsein,
das scheinbar dazwischen steht,
Erscheinungen aufnimmt
und
‚Körperempfinden‘ genannt wird.

Doch löst du dieses Gewahrsein
von Trennung und Vereinigung
sowie von Widerstreben und Entsprechen,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Das Körperempfinden
kommt nicht aus Trennung,
nicht aus Vereinigung,
nicht aus Widerstreben,
nicht aus Entsprechen,
nicht aus dem Körper,
nicht aus dem Raum.

Wäre es beim Vereintsein entstanden,
ginge es mit der Trennung verloren.
Dasselbe gilt
für Widerstreben und Entsprechen.

Wäre es aus dem Körper selbst,
bräuchte es
keine Trennung,
keine Vereinigung,
kein Widerstreben
und kein Entsprechen –
doch dann hätte es
keine eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste der Raum selbst empfinden.
Und was hätte
das Empfinden des Raumes
mit deinem Körper zu tun?

Darum wisse:
Der Körpereingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vollendet die Durchleuchtung
der körperlichen Wahrnehmung
und schließt den Kreis
der äußeren Sinneseingänge.
1. Berührung als Verhältnis, nicht als Ding

Das Gleichnis zeigt:
Empfindung entsteht
nicht aus einem festen Objekt,
sondern aus einem Verhältnis
von Kräften.

Kälte und Wärme
sind keine stabilen Eigenschaften,
sondern relationale Erscheinungen.
2. Trennung und Vereinigung als Grundestruktur

Berührung ist nur möglich,
weil es Vereinigung gibt.
Doch zugleich
wird Trennung erkennbar.

Ebenso treten
Widerstreben und Entsprechen
als feine Bewertungen hinzu.

All diese Pole
sind Bedingungen,
keine Träger.
3. Auflösung des Körpergewahrseins

Wie zuvor
wird jeder mögliche Ursprung
systematisch ausgeschlossen:
• nicht Trennung
• nicht Vereinigung
• nicht Widerstreben
• nicht Entsprechen
• nicht Körper
• nicht Raum

Damit wird auch das Körperempfinden
vollständig ent-ontologisiert.
4. Der letzte Halt fällt

Der Körper
gilt oft als
„das Sicherste“:
Berührung scheint unmittelbarer
als Sehen oder Hören.

Gerade deshalb
wird sie hier
besonders gründlich aufgelöst.

Auch Körpergewahrsein
hat keine eigene Natur.
5. Vorbereitung des nächsten Schrittes

Nach Sehen, Hören, Riechen, Schmecken
und nun Berühren
ist der äußere Wahrnehmungsraum
vollständig entleert.

Was bleibt,
kann nicht mehr
an den Körper
oder an Sinnesfunktionen
gebunden sein.

Damit ist der Weg frei
für die letzte Durchleuchtung:
nicht mehr der äußeren Sinne,
sondern
des inneren Sinnes selbst.
中文原文
「阿難!譬如有人,以一冷手觸於熱手,若冷勢多熱者從冷,若熱功勝冷者成熱。如是以此合覺之觸,顯於離知;涉勢若成,因于勞觸。兼身與勞,同是菩提瞪發勞相。因于離、合二種妄塵,發覺居中,吸此塵象,名知覺性。此知覺體,離彼離、合、違、順二塵,畢竟無體。如是阿難!當知是覺,非離、合來,非違、順有,不於根出,又非空生。何以故?若合時來,離當已滅,云何覺離?違、順二相,亦復如是。若從根出,必無離、合、違、順四相,則汝身知元無自性。必於空出,空自知覺,何關汝入?是故當知身入虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
stell dir jemanden vor,
der mit einer kalten Hand
eine warme Hand berührt.
Überwiegt die Kälte,
erscheint Kälte;
überwiegt die Wärme,
erscheint Hitze.

Durch das Vereintsein
wird Berührung erfahrbar,
und zugleich
das Gewahrsein von Trennung.
Je nach Überwiegen
entsteht Berührung
durch Reizung und Ermüdung.

Körper und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Trennung und Vereinigung,
diese beiden trügerischen Staubzustände,
entsteht ein Gewahrsein,
das scheinbar dazwischen steht,
Erscheinungen aufnimmt
und
‚Körperempfinden‘ genannt wird.

Doch löst du dieses Gewahrsein
von Trennung und Vereinigung
sowie von Widerstreben und Entsprechen,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Das Körperempfinden
kommt nicht aus Trennung,
nicht aus Vereinigung,
nicht aus Widerstreben,
nicht aus Entsprechen,
nicht aus dem Körper,
nicht aus dem Raum.

Wäre es beim Vereintsein entstanden,
ginge es mit der Trennung verloren.
Dasselbe gilt
für Widerstreben und Entsprechen.

Wäre es aus dem Körper selbst,
bräuchte es
keine Trennung,
keine Vereinigung,
kein Widerstreben
und kein Entsprechen –
doch dann hätte es
keine eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste der Raum selbst empfinden.
Und was hätte
das Empfinden des Raumes
mit deinem Körper zu tun?

Darum wisse:
Der Körpereingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vollendet die Durchleuchtung
der körperlichen Wahrnehmung
und schließt den Kreis
der äußeren Sinneseingänge.
1. Berührung als Verhältnis, nicht als Ding

Das Gleichnis zeigt:
Empfindung entsteht
nicht aus einem festen Objekt,
sondern aus einem Verhältnis
von Kräften.

Kälte und Wärme
sind keine stabilen Eigenschaften,
sondern relationale Erscheinungen.
2. Trennung und Vereinigung als Grundestruktur

Berührung ist nur möglich,
weil es Vereinigung gibt.
Doch zugleich
wird Trennung erkennbar.

Ebenso treten
Widerstreben und Entsprechen
als feine Bewertungen hinzu.

All diese Pole
sind Bedingungen,
keine Träger.
3. Auflösung des Körpergewahrseins

Wie zuvor
wird jeder mögliche Ursprung
systematisch ausgeschlossen:
• nicht Trennung
• nicht Vereinigung
• nicht Widerstreben
• nicht Entsprechen
• nicht Körper
• nicht Raum

Damit wird auch das Körperempfinden
vollständig ent-ontologisiert.
4. Der letzte Halt fällt

Der Körper
gilt oft als
„das Sicherste“:
Berührung scheint unmittelbarer
als Sehen oder Hören.

Gerade deshalb
wird sie hier
besonders gründlich aufgelöst.

Auch Körpergewahrsein
hat keine eigene Natur.
5. Vorbereitung des nächsten Schrittes

Nach Sehen, Hören, Riechen, Schmecken
und nun Berühren
ist der äußere Wahrnehmungsraum
vollständig entleert.

Was bleibt,
kann nicht mehr
an den Körper
oder an Sinnesfunktionen
gebunden sein.

Damit ist der Weg frei
für die letzte Durchleuchtung:
nicht mehr der äußeren Sinne,
sondern
des inneren Sinnes selbst.
130 #
「阿難!譬如有人,勞倦則眠,睡熟便寤,覽塵斯憶,失憶為[A1]忘;是其顛倒生、住、異、滅,吸習中歸,不相踰越,稱意知根。兼意與勞,同是菩提瞪發勞相。因于生、滅二種妄塵,集知居中,吸撮內塵,見聞逆流,流不及地,名覺知性。此覺知性,離彼寤寐、生滅二塵,畢竟無體。如是阿難!當知如是覺知之根,非寤寐來,非生滅有,不於根出,亦非空生。何以故?若從寤來,寐即隨滅,將何為寐?必生時有,滅即同無,令誰受滅?若從滅有,生即滅無,[4]孰知生者?若從根出,寤、寐二相隨身開合,離斯二體,此覺知者同於空花,畢竟無性。若從空生,自是空知,何關汝入?是故當知意入虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn ein Mensch ermüdet,
schläft er;
nach tiefem Schlaf
erwacht er.
Beim Aufnehmen von Eindrücken
entsteht Erinnerung;
geht sie verloren,
nennt man es Vergessen.

So entstehen verkehrt
Geburt, Verweilen,
Veränderung und Vergehen.
Gewohnheiten werden aufgenommen
und nach innen zurückgeführt,
ohne sich zu vermischen.
Dies nennt man
den Denk-Sinn.

Geist und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Entstehen und Vergehen,
diese trügerischen Staubzustände,
sammelt sich Erkennen,
nimmt innere Eindrücke auf;
Sehen und Hören
kehren nach innen zurück,
doch dieser Strom
reicht nicht mehr
zu den äußeren Dingen.
Dies nennt man
‚Erkennen‘.

Doch löst du dieses Erkennen
von Wachen und Schlaf
sowie von Entstehen und Vergehen,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Dieses Erkennen
kommt nicht aus dem Wachen,
nicht aus dem Schlaf,
nicht aus Entstehen,
nicht aus Vergehen,
nicht aus dem Geist,
nicht aus dem Raum.

Wäre es aus dem Wachen,
ginge es mit dem Schlaf verloren.
Wäre es aus dem Entstehen,
gäbe es niemanden,
der das Vergehen erfährt.
Wäre es aus dem Vergehen,
gäbe es niemanden,
der das Entstehen erkennt.

Wäre es aus dem Geist selbst,
wäre es ohne Wachen und Schlaf –
leer
wie eine Blume im Raum,
ohne eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste der Raum selbst erkennen.
Und was hätte
das mit dir zu tun?

Darum wisse:
Der Denk-Eingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Mit diesem Abschnitt erreicht die Analyse
den entscheidenden Kulminationspunkt
der Rolle 3:
die Durchleuchtung
des inneren Sinnes selbst.
1. Vom äußeren Sinn zum inneren Sinn

Nach der Auflösung
aller äußeren Sinneseingänge
wendet sich der Buddha nun
dem Denken zu:
Erinnern, Vergessen,
Wachen, Schlafen,
Entstehen und Vergehen.

Was gewöhnlich
als „innerstes Ich“
oder „Bewusstsein“
gilt,
wird nun
derselben Analyse unterzogen.
2. Erinnerung und Vergessen

Erinnerung erscheint
nur im Kontakt
mit Eindrücken.
Geht dieser Kontakt verloren,
erscheint Vergessen.

Beides
sind keine Substanzen,
sondern Funktionen
innerhalb von Gewohnheit.
3. Geburt und Vergehen als Denkformen

Entstehen und Vergehen
werden hier nicht ontologisch,
sondern psychologisch sichtbar:
als Muster
des Denkens.

Das Denken ordnet Erfahrung
in Abfolgen
und hält diese Ordnung
für wirklich.
4. Der Umkehrpunkt

Besonders wichtig ist:
Das Sutra
führt hier keinen
neuen Zwischenhalt ein.

Es gibt
kein „reines Denken“,
kein „subtiles Bewusstsein“
und kein
„inneres Erkennen“
als letzte Instanz.

Auch dieses Erkennen
hat keine eigene Natur.
5. Der letzte Verlust aller Stützen

Wenn selbst das Erkennen
von Wachen und Schlaf,
von Geburt und Vergehen,
keinen Ursprung hat,
fällt die letzte Identifikation.

Was bleibt,
kann nicht mehr
als Funktion beschrieben werden.
6. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

der ursprüngliche Grund
erscheint hier
nicht als Erkennen,
nicht als Nicht-Erkennen.

Es wird
nicht benannt,
sondern
freigelegt
durch vollständige Entleerung.

Alles,
was erkannt,
erinnert,
vergessen,
gedacht
oder gewusst wird,
ist nicht der Grund.

Der Grund
bleibt,
ohne zu erscheinen,
und gerade dadurch
ermöglicht er
alle Erscheinung.
中文原文
「阿難!譬如有人,勞倦則眠,睡熟便寤,覽塵斯憶,失憶為[A1]忘;是其顛倒生、住、異、滅,吸習中歸,不相踰越,稱意知根。兼意與勞,同是菩提瞪發勞相。因于生、滅二種妄塵,集知居中,吸撮內塵,見聞逆流,流不及地,名覺知性。此覺知性,離彼寤寐、生滅二塵,畢竟無體。如是阿難!當知如是覺知之根,非寤寐來,非生滅有,不於根出,亦非空生。何以故?若從寤來,寐即隨滅,將何為寐?必生時有,滅即同無,令誰受滅?若從滅有,生即滅無,[4]孰知生者?若從根出,寤、寐二相隨身開合,離斯二體,此覺知者同於空花,畢竟無性。若從空生,自是空知,何關汝入?是故當知意入虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn ein Mensch ermüdet,
schläft er;
nach tiefem Schlaf
erwacht er.
Beim Aufnehmen von Eindrücken
entsteht Erinnerung;
geht sie verloren,
nennt man es Vergessen.

So entstehen verkehrt
Geburt, Verweilen,
Veränderung und Vergehen.
Gewohnheiten werden aufgenommen
und nach innen zurückgeführt,
ohne sich zu vermischen.
Dies nennt man
den Denk-Sinn.

Geist und Ermüdung
sind dann
nur Erscheinungen
einer Fehlbewegung
im Erwachen selbst.

Durch Entstehen und Vergehen,
diese trügerischen Staubzustände,
sammelt sich Erkennen,
nimmt innere Eindrücke auf;
Sehen und Hören
kehren nach innen zurück,
doch dieser Strom
reicht nicht mehr
zu den äußeren Dingen.
Dies nennt man
‚Erkennen‘.

Doch löst du dieses Erkennen
von Wachen und Schlaf
sowie von Entstehen und Vergehen,
bleibt nichts Greifbares zurück.

Darum erkenne:
Dieses Erkennen
kommt nicht aus dem Wachen,
nicht aus dem Schlaf,
nicht aus Entstehen,
nicht aus Vergehen,
nicht aus dem Geist,
nicht aus dem Raum.

Wäre es aus dem Wachen,
ginge es mit dem Schlaf verloren.
Wäre es aus dem Entstehen,
gäbe es niemanden,
der das Vergehen erfährt.
Wäre es aus dem Vergehen,
gäbe es niemanden,
der das Entstehen erkennt.

Wäre es aus dem Geist selbst,
wäre es ohne Wachen und Schlaf –
leer
wie eine Blume im Raum,
ohne eigene Natur.

Wäre es aus dem Raum,
müsste der Raum selbst erkennen.
Und was hätte
das mit dir zu tun?

Darum wisse:
Der Denk-Eingang
ist leer und trügerisch.
Er ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Mit diesem Abschnitt erreicht die Analyse
den entscheidenden Kulminationspunkt
der Rolle 3:
die Durchleuchtung
des inneren Sinnes selbst.
1. Vom äußeren Sinn zum inneren Sinn

Nach der Auflösung
aller äußeren Sinneseingänge
wendet sich der Buddha nun
dem Denken zu:
Erinnern, Vergessen,
Wachen, Schlafen,
Entstehen und Vergehen.

Was gewöhnlich
als „innerstes Ich“
oder „Bewusstsein“
gilt,
wird nun
derselben Analyse unterzogen.
2. Erinnerung und Vergessen

Erinnerung erscheint
nur im Kontakt
mit Eindrücken.
Geht dieser Kontakt verloren,
erscheint Vergessen.

Beides
sind keine Substanzen,
sondern Funktionen
innerhalb von Gewohnheit.
3. Geburt und Vergehen als Denkformen

Entstehen und Vergehen
werden hier nicht ontologisch,
sondern psychologisch sichtbar:
als Muster
des Denkens.

Das Denken ordnet Erfahrung
in Abfolgen
und hält diese Ordnung
für wirklich.
4. Der Umkehrpunkt

Besonders wichtig ist:
Das Sutra
führt hier keinen
neuen Zwischenhalt ein.

Es gibt
kein „reines Denken“,
kein „subtiles Bewusstsein“
und kein
„inneres Erkennen“
als letzte Instanz.

Auch dieses Erkennen
hat keine eigene Natur.
5. Der letzte Verlust aller Stützen

Wenn selbst das Erkennen
von Wachen und Schlaf,
von Geburt und Vergehen,
keinen Ursprung hat,
fällt die letzte Identifikation.

Was bleibt,
kann nicht mehr
als Funktion beschrieben werden.
6. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

der ursprüngliche Grund
erscheint hier
nicht als Erkennen,
nicht als Nicht-Erkennen.

Es wird
nicht benannt,
sondern
freigelegt
durch vollständige Entleerung.

Alles,
was erkannt,
erinnert,
vergessen,
gedacht
oder gewusst wird,
ist nicht der Grund.

Der Grund
bleibt,
ohne zu erscheinen,
und gerade dadurch
ermöglicht er
alle Erscheinung.
131 #
「復次,阿難!云何十二處本如來藏妙真如性?
「阿難!汝且觀此祇陀樹林及諸泉池,於意云何?此等為是色生眼見,眼生色相?阿難!若復眼根生色相者,見空非色,色性應銷;銷則顯發一切都無;色相既無,誰明空質?空亦如是。若復色塵生眼見者,觀空非色,見即銷亡;亡則都無,誰明空色?是故當知見與色、空俱無處所,即色與見二處虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach weiter:

„Ānanda,
wie kann es sein,
dass die zwölf Bereiche
in Wahrheit
der Tathāgata-Speicher sind –
die wunderbare, wahre Soheit?

Betrachte diesen Jeta-Hain,
die Bäume,
die Quellen und Teiche.
Was meinst du:
Entsteht das Sehen
aus den Formen?
Oder entstehen die Formen,
weil das Auge sieht?

Wenn das Auge
die Formen hervorbrächte,
dann müsste beim Sehen des Raumes,
der keine Form ist,
die Form-Natur vergehen.
Vergeht sie,
wäre alles
vollständig nichtig.
Wenn es aber keine Formen gäbe,
wer würde dann
den Raum erkennen?

Wenn hingegen die Formen
das Sehen hervorbrächten,
dann müsste beim Anblick des Raumes,
der keine Form ist,
das Sehen vergehen.
Vergeht das Sehen,
wäre alles
vollständig nichtig.
Wer würde dann
Form und Raum unterscheiden?

Darum erkenne:
Sehen,
Form
und Raum
haben keinen Ort,
an dem sie bestehen.

Form
und Sehen
sind beide
trügerische Bereiche.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Mit diesem Abschnitt
öffnet das Sutra
eine neue Ebene der Analyse.
1. Übergang von den sechs Eingängen zu den zwölf Bereichen

Nachdem die sechs Sinneseingänge
vollständig entleert wurden,
wird nun
die nächste Struktur
durchleuchtet:
die zwölf Bereiche
(Sinneswurzel + Objekt).

Nicht nur
der Wahrnehmende
ist leer,
sondern auch
die scheinbare Zweiteilung
in Wahrnehmung
und Wahrgenommenes.
2. Die falsche Alternative

Der Buddha stellt absichtlich
eine falsche Wahl:
• Entsteht Sehen aus Form?
• Oder entsteht Form aus Sehen?

Beide Optionen
setzen bereits
eine Substanz voraus.

Das Sutra zeigt:
Beide Annahmen
führen notwendig
zur Auflösung
jeglicher Erfahrung.
3. Die Leere von Form und Raum

Form
und Raum
werden hier gemeinsam behandelt.

Raum ist nicht
der „Gegenteil“ von Form,
sondern ebenso
eine Wahrnehmungskategorie.

Beide
existieren nur
im Zusammenspiel
von Bedingungen.
4. Verlust jedes Ortes

Entscheidend ist der Satz:

„Sehen und Form sowie Raum haben keinen Aufenthaltsort.“

Das bedeutet:
Sie sind weder
im Subjekt,
noch im Objekt,
noch dazwischen.

Damit bricht
die letzte räumliche Metapher
der Wahrnehmung zusammen.
5. Implizite Rückbindung an der ursprüngliche Grund

Indem weder Sehen
noch Form
noch Raum
einen Ort haben,
können sie
nicht Träger
des Erwachens sein.

Und doch
erscheinen sie.

Das,
worin sie erscheinen,
ist nicht benannt
als Ding,
sondern nur angedeutet
als das,
was nicht zerfällt,
wenn alle Bereiche
als leer erkannt werden:

der ursprüngliche Grund,
das weder sieht
noch nicht sieht,
und gerade dadurch
alle Bereiche
als Spiel erscheinen lässt.
中文原文
「復次,阿難!云何十二處本如來藏妙真如性?
「阿難!汝且觀此祇陀樹林及諸泉池,於意云何?此等為是色生眼見,眼生色相?阿難!若復眼根生色相者,見空非色,色性應銷;銷則顯發一切都無;色相既無,誰明空質?空亦如是。若復色塵生眼見者,觀空非色,見即銷亡;亡則都無,誰明空色?是故當知見與色、空俱無處所,即色與見二處虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach weiter:

„Ānanda,
wie kann es sein,
dass die zwölf Bereiche
in Wahrheit
der Tathāgata-Speicher sind –
die wunderbare, wahre Soheit?

Betrachte diesen Jeta-Hain,
die Bäume,
die Quellen und Teiche.
Was meinst du:
Entsteht das Sehen
aus den Formen?
Oder entstehen die Formen,
weil das Auge sieht?

Wenn das Auge
die Formen hervorbrächte,
dann müsste beim Sehen des Raumes,
der keine Form ist,
die Form-Natur vergehen.
Vergeht sie,
wäre alles
vollständig nichtig.
Wenn es aber keine Formen gäbe,
wer würde dann
den Raum erkennen?

Wenn hingegen die Formen
das Sehen hervorbrächten,
dann müsste beim Anblick des Raumes,
der keine Form ist,
das Sehen vergehen.
Vergeht das Sehen,
wäre alles
vollständig nichtig.
Wer würde dann
Form und Raum unterscheiden?

Darum erkenne:
Sehen,
Form
und Raum
haben keinen Ort,
an dem sie bestehen.

Form
und Sehen
sind beide
trügerische Bereiche.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Mit diesem Abschnitt
öffnet das Sutra
eine neue Ebene der Analyse.
1. Übergang von den sechs Eingängen zu den zwölf Bereichen

Nachdem die sechs Sinneseingänge
vollständig entleert wurden,
wird nun
die nächste Struktur
durchleuchtet:
die zwölf Bereiche
(Sinneswurzel + Objekt).

Nicht nur
der Wahrnehmende
ist leer,
sondern auch
die scheinbare Zweiteilung
in Wahrnehmung
und Wahrgenommenes.
2. Die falsche Alternative

Der Buddha stellt absichtlich
eine falsche Wahl:
• Entsteht Sehen aus Form?
• Oder entsteht Form aus Sehen?

Beide Optionen
setzen bereits
eine Substanz voraus.

Das Sutra zeigt:
Beide Annahmen
führen notwendig
zur Auflösung
jeglicher Erfahrung.
3. Die Leere von Form und Raum

Form
und Raum
werden hier gemeinsam behandelt.

Raum ist nicht
der „Gegenteil“ von Form,
sondern ebenso
eine Wahrnehmungskategorie.

Beide
existieren nur
im Zusammenspiel
von Bedingungen.
4. Verlust jedes Ortes

Entscheidend ist der Satz:

„Sehen und Form sowie Raum haben keinen Aufenthaltsort.“

Das bedeutet:
Sie sind weder
im Subjekt,
noch im Objekt,
noch dazwischen.

Damit bricht
die letzte räumliche Metapher
der Wahrnehmung zusammen.
5. Implizite Rückbindung an der ursprüngliche Grund

Indem weder Sehen
noch Form
noch Raum
einen Ort haben,
können sie
nicht Träger
des Erwachens sein.

Und doch
erscheinen sie.

Das,
worin sie erscheinen,
ist nicht benannt
als Ding,
sondern nur angedeutet
als das,
was nicht zerfällt,
wenn alle Bereiche
als leer erkannt werden:

der ursprüngliche Grund,
das weder sieht
noch nicht sieht,
und gerade dadurch
alle Bereiche
als Spiel erscheinen lässt.
132 #
「阿難!汝更聽此祇陀園中食辦擊鼓,眾集撞鐘,鐘鼓音聲前後相續。於意云何?此等為是聲來耳邊,耳往聲處?阿難!若復此聲來於耳邊,如我乞食室羅筏城,在祇陀林則無有我;此聲必來阿難耳處,目連、迦葉、應不俱聞?何況其中一千二百五十沙門,一聞鐘聲同來食處?若復汝耳往彼聲邊,如我歸住祇陀林中,在室羅城則無有我。汝聞鼓聲,其耳已往擊鼓之處;鐘聲齊出,應不俱聞?何況其中象、馬、牛、羊種種音響?若無來、往,亦復無聞?是故當知聽與音聲俱無處所,即聽與聲二處虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
höre genau:
Im Jeta-Hain
wird zur Essenszeit
die Trommel geschlagen,
die Glocke ruft die Versammlung.
Trommel- und Glockenklang
folgen einander
ohne Unterbrechung.

Was meinst du:
Kommen die Klänge
zu deinem Ohr?
Oder geht dein Ohr
zu den Klängen?

Wenn die Klänge
zu deinem Ohr kämen,
wäre es,
als wäre ich
in Śrāvastī
und zugleich
nicht im Jeta-Hain.
Dann müssten
auch Maudgalyāyana
und Kāśyapa
dieselben Klänge hören –
und ebenso
die ganze Versammlung,
die beim Glockenklang
gemeinsam
zum Essen kommt.

Wenn aber dein Ohr
zu den Klängen ginge,
wäre es,
als wäre ich
im Jeta-Hain
und zugleich
nicht in Śrāvastī.
Hörst du den Trommelschlag,
wäre dein Ohr
bereits dort;
erklingt zugleich die Glocke,
müsstest du
beides hören.
Und ebenso
alle anderen gleichzeitigen Geräusche.

Gibt es also
weder Kommen
noch Gehen –
gibt es dann
überhaupt Hören?

Darum erkenne:
Hören
und Klang
haben keinen Ort,
an dem sie bestehen.
Beides
ist leer und trügerisch.
Es ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vertieft
die Analyse der zwölf Bereiche
am Beispiel von
Hören und Klang
und schließt die letzte räumliche Intuition aus.
1. Die Auflösung von Nähe und Ferne

Die Frage
„Kommt der Klang zum Ohr
oder geht das Ohr zum Klang?“
unterläuft die
alltägliche Raumvorstellung
von Wahrnehmung.

Beide Optionen
setzen Bewegung
und Ort voraus –
und beide
führen in Widersprüche.
2. Gleichzeitigkeit als Gegenbeweis

Dass viele Menschen
denselben Klang hören,
zeigt:
Der Klang
kann nicht
zu einem einzelnen Ohr
„wandern“.

Ebenso zeigt
das gleichzeitige Erklingen
mehrerer Geräusche:
Das Ohr
kann nicht
zu jedem Klang
hin- und hergehen.
3. Der Kollaps des Modells

Wenn weder
Kommen
noch
Gehen
zutreffen,
zerfällt
das gesamte Modell
von Wahrnehmung
als räumlichem Vorgang.

Damit fällt
die letzte subtile Vorstellung:
dass Wahrnehmung
sich irgendwo
„abspielt“.
4. Leere von Hören und Klang

Der Buddha schließt:
Hören
und Klang
haben keinen Aufenthaltsort.

Das bedeutet nicht,
dass es keine Klänge gibt,
sondern dass
Hören und Klang
nicht als getrennte Entitäten
verortet werden können.
5. Rückbindung an der ursprüngliche Grund

Wenn weder
Hören
noch
Klang
einen Ort haben,
können sie
nicht der Grund
des Erwachens sein.

Und doch
erscheinen sie.

Was bleibt,
ist nicht ein neues Objekt,
sondern
das,
in dem
Erscheinen geschieht,
ohne Ort,
ohne Bewegung,
ohne Träger:

der ursprüngliche Grund,
das weder hört
noch nicht hört,
und gerade deshalb
alle Klänge
frei erscheinen lässt.
中文原文
「阿難!汝更聽此祇陀園中食辦擊鼓,眾集撞鐘,鐘鼓音聲前後相續。於意云何?此等為是聲來耳邊,耳往聲處?阿難!若復此聲來於耳邊,如我乞食室羅筏城,在祇陀林則無有我;此聲必來阿難耳處,目連、迦葉、應不俱聞?何況其中一千二百五十沙門,一聞鐘聲同來食處?若復汝耳往彼聲邊,如我歸住祇陀林中,在室羅城則無有我。汝聞鼓聲,其耳已往擊鼓之處;鐘聲齊出,應不俱聞?何況其中象、馬、牛、羊種種音響?若無來、往,亦復無聞?是故當知聽與音聲俱無處所,即聽與聲二處虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
höre genau:
Im Jeta-Hain
wird zur Essenszeit
die Trommel geschlagen,
die Glocke ruft die Versammlung.
Trommel- und Glockenklang
folgen einander
ohne Unterbrechung.

Was meinst du:
Kommen die Klänge
zu deinem Ohr?
Oder geht dein Ohr
zu den Klängen?

Wenn die Klänge
zu deinem Ohr kämen,
wäre es,
als wäre ich
in Śrāvastī
und zugleich
nicht im Jeta-Hain.
Dann müssten
auch Maudgalyāyana
und Kāśyapa
dieselben Klänge hören –
und ebenso
die ganze Versammlung,
die beim Glockenklang
gemeinsam
zum Essen kommt.

Wenn aber dein Ohr
zu den Klängen ginge,
wäre es,
als wäre ich
im Jeta-Hain
und zugleich
nicht in Śrāvastī.
Hörst du den Trommelschlag,
wäre dein Ohr
bereits dort;
erklingt zugleich die Glocke,
müsstest du
beides hören.
Und ebenso
alle anderen gleichzeitigen Geräusche.

Gibt es also
weder Kommen
noch Gehen –
gibt es dann
überhaupt Hören?

Darum erkenne:
Hören
und Klang
haben keinen Ort,
an dem sie bestehen.
Beides
ist leer und trügerisch.
Es ist
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vertieft
die Analyse der zwölf Bereiche
am Beispiel von
Hören und Klang
und schließt die letzte räumliche Intuition aus.
1. Die Auflösung von Nähe und Ferne

Die Frage
„Kommt der Klang zum Ohr
oder geht das Ohr zum Klang?“
unterläuft die
alltägliche Raumvorstellung
von Wahrnehmung.

Beide Optionen
setzen Bewegung
und Ort voraus –
und beide
führen in Widersprüche.
2. Gleichzeitigkeit als Gegenbeweis

Dass viele Menschen
denselben Klang hören,
zeigt:
Der Klang
kann nicht
zu einem einzelnen Ohr
„wandern“.

Ebenso zeigt
das gleichzeitige Erklingen
mehrerer Geräusche:
Das Ohr
kann nicht
zu jedem Klang
hin- und hergehen.
3. Der Kollaps des Modells

Wenn weder
Kommen
noch
Gehen
zutreffen,
zerfällt
das gesamte Modell
von Wahrnehmung
als räumlichem Vorgang.

Damit fällt
die letzte subtile Vorstellung:
dass Wahrnehmung
sich irgendwo
„abspielt“.
4. Leere von Hören und Klang

Der Buddha schließt:
Hören
und Klang
haben keinen Aufenthaltsort.

Das bedeutet nicht,
dass es keine Klänge gibt,
sondern dass
Hören und Klang
nicht als getrennte Entitäten
verortet werden können.
5. Rückbindung an der ursprüngliche Grund

Wenn weder
Hören
noch
Klang
einen Ort haben,
können sie
nicht der Grund
des Erwachens sein.

Und doch
erscheinen sie.

Was bleibt,
ist nicht ein neues Objekt,
sondern
das,
in dem
Erscheinen geschieht,
ohne Ort,
ohne Bewegung,
ohne Träger:

der ursprüngliche Grund,
das weder hört
noch nicht hört,
und gerade deshalb
alle Klänge
frei erscheinen lässt.
133 #
「阿難!汝又嗅此鑪中栴檀,此香若復然於一銖,室羅筏城四十里內同時聞氣。於意云何?此香為復生栴檀木,生於汝鼻,為生於空?阿難!若復此香生於汝鼻,稱鼻所生,當從鼻出;鼻非栴檀,云何鼻中有栴檀氣?稱汝聞香,當於鼻入,鼻中出香,說聞非義。若生於空,空性常恒,香應常在,何藉鑪中爇此枯木?若生於木,則此香質因爇成煙,若鼻得聞,合蒙煙氣?其煙騰空未及遙遠,四十里內云何[1]已聞?是故當知香、[2]鼻與聞俱無處所,即嗅與香二處虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
rieche diesen Sandelholzduft
aus dem Räucherbecken.
Wird auch nur eine geringe Menge
davon verbrannt,
so wird sein Duft
im Umkreis von vierzig Li
zur selben Zeit wahrgenommen.

Was meinst du:
Entsteht dieser Duft
aus dem Holz?
Entsteht er
in deiner Nase?
Oder entsteht er
im Raum?

Wenn der Duft
in deiner Nase entstünde,
müsste er
aus der Nase hervorkommen.
Doch die Nase
ist kein Sandelholz.
Wie könnte sich in ihr
Sandelholzduft befinden?
Sagt man,
du riechst den Duft,
dann tritt der Duft
in die Nase ein.
Käme er zugleich
aus der Nase,
wäre Riechen
bedeutungslos.

Wenn der Duft
im Raum entstünde,
müsste er
ständig vorhanden sein.
Warum müsste man dann
im Räucherbecken
dieses trockene Holz verbrennen?

Wenn der Duft
aus dem Holz entstünde,
würde er
durch das Verbrennen
zu Rauch.
Dann müsste man,
wenn man den Duft riecht,
auch den Rauch riechen.
Doch der Rauch
steigt nur begrenzt auf
und erreicht keine große Entfernung.
Wie könnten dann
im Umkreis von vierzig Li
alle zugleich
den Duft wahrnehmen?

Darum erkenne:
Duft,
Nase
und Riechen
haben keinen Ort,
an dem sie bestehen.
Riechen
und Duft
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vertieft
die Analyse der zwölf Bereiche
am Beispiel von
Riechen und Duft
und schärft die Einsicht
in ihre vollständige Nicht-Verortbarkeit.
1. Gleichzeitigkeit als Schlüsselargument

Dass ein Duft
über weite Entfernung
gleichzeitig wahrgenommen wird,
widerlegt jede Vorstellung,
er müsse sich
physisch
von Ort zu Ort bewegen.

Damit fällt
das naive Modell
einer räumlich wandernden Ursache.
2. Die vier ausgeschlossenen Ursprünge

Der Buddha prüft systematisch
alle naheliegenden Erklärungen:
• Entsteht der Duft aus der Nase?
• Entsteht er aus dem Raum?
• Entsteht er aus dem Holz?
• Entsteht er im Akt des Riechens?

Jede Annahme
führt in Widersprüche.
3. Entleerung von Objekt und Sinn

Nicht nur
der Duft als Objekt,
sondern auch
die Nase
und das Riechen selbst
werden
als ortlos erkannt.

Damit zerfällt
die gesamte Struktur
von „Subjekt riecht Objekt“.
4. Die Konsequenz für die Lehre

Der Text zeigt:
Riechen
ist kein Vorgang,
der sich
in Raum und Zeit
lokalisieren ließe.

Und doch
wird gerochen.

Diese Spannung
kann nicht
durch neue Begriffe
aufgelöst werden,
sondern nur
durch das Loslassen
aller Verortung.
5. Rückbindung an der ursprüngliche Grund

Was bleibt,
wenn weder Duft,
noch Nase,
noch Riechen
einen Ort haben,
ist nicht ein neues Objekt,
sondern
das,
worin Erscheinung
überhaupt möglich ist.

Dieses
wird nicht benannt
als Riechen,
nicht als Nicht-Riechen,
sondern bleibt
das unverfügbare,
unbewegte
Ursprüngliche,
in dem
Duft
und Wahrnehmung
zugleich erscheinen
und vergehen.
中文原文
「阿難!汝又嗅此鑪中栴檀,此香若復然於一銖,室羅筏城四十里內同時聞氣。於意云何?此香為復生栴檀木,生於汝鼻,為生於空?阿難!若復此香生於汝鼻,稱鼻所生,當從鼻出;鼻非栴檀,云何鼻中有栴檀氣?稱汝聞香,當於鼻入,鼻中出香,說聞非義。若生於空,空性常恒,香應常在,何藉鑪中爇此枯木?若生於木,則此香質因爇成煙,若鼻得聞,合蒙煙氣?其煙騰空未及遙遠,四十里內云何[1]已聞?是故當知香、[2]鼻與聞俱無處所,即嗅與香二處虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
rieche diesen Sandelholzduft
aus dem Räucherbecken.
Wird auch nur eine geringe Menge
davon verbrannt,
so wird sein Duft
im Umkreis von vierzig Li
zur selben Zeit wahrgenommen.

Was meinst du:
Entsteht dieser Duft
aus dem Holz?
Entsteht er
in deiner Nase?
Oder entsteht er
im Raum?

Wenn der Duft
in deiner Nase entstünde,
müsste er
aus der Nase hervorkommen.
Doch die Nase
ist kein Sandelholz.
Wie könnte sich in ihr
Sandelholzduft befinden?
Sagt man,
du riechst den Duft,
dann tritt der Duft
in die Nase ein.
Käme er zugleich
aus der Nase,
wäre Riechen
bedeutungslos.

Wenn der Duft
im Raum entstünde,
müsste er
ständig vorhanden sein.
Warum müsste man dann
im Räucherbecken
dieses trockene Holz verbrennen?

Wenn der Duft
aus dem Holz entstünde,
würde er
durch das Verbrennen
zu Rauch.
Dann müsste man,
wenn man den Duft riecht,
auch den Rauch riechen.
Doch der Rauch
steigt nur begrenzt auf
und erreicht keine große Entfernung.
Wie könnten dann
im Umkreis von vierzig Li
alle zugleich
den Duft wahrnehmen?

Darum erkenne:
Duft,
Nase
und Riechen
haben keinen Ort,
an dem sie bestehen.
Riechen
und Duft
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vertieft
die Analyse der zwölf Bereiche
am Beispiel von
Riechen und Duft
und schärft die Einsicht
in ihre vollständige Nicht-Verortbarkeit.
1. Gleichzeitigkeit als Schlüsselargument

Dass ein Duft
über weite Entfernung
gleichzeitig wahrgenommen wird,
widerlegt jede Vorstellung,
er müsse sich
physisch
von Ort zu Ort bewegen.

Damit fällt
das naive Modell
einer räumlich wandernden Ursache.
2. Die vier ausgeschlossenen Ursprünge

Der Buddha prüft systematisch
alle naheliegenden Erklärungen:
• Entsteht der Duft aus der Nase?
• Entsteht er aus dem Raum?
• Entsteht er aus dem Holz?
• Entsteht er im Akt des Riechens?

Jede Annahme
führt in Widersprüche.
3. Entleerung von Objekt und Sinn

Nicht nur
der Duft als Objekt,
sondern auch
die Nase
und das Riechen selbst
werden
als ortlos erkannt.

Damit zerfällt
die gesamte Struktur
von „Subjekt riecht Objekt“.
4. Die Konsequenz für die Lehre

Der Text zeigt:
Riechen
ist kein Vorgang,
der sich
in Raum und Zeit
lokalisieren ließe.

Und doch
wird gerochen.

Diese Spannung
kann nicht
durch neue Begriffe
aufgelöst werden,
sondern nur
durch das Loslassen
aller Verortung.
5. Rückbindung an der ursprüngliche Grund

Was bleibt,
wenn weder Duft,
noch Nase,
noch Riechen
einen Ort haben,
ist nicht ein neues Objekt,
sondern
das,
worin Erscheinung
überhaupt möglich ist.

Dieses
wird nicht benannt
als Riechen,
nicht als Nicht-Riechen,
sondern bleibt
das unverfügbare,
unbewegte
Ursprüngliche,
in dem
Duft
und Wahrnehmung
zugleich erscheinen
und vergehen.
134 #
「阿難!汝常二時眾中持鉢,其間或遇[3]酥酪醍醐,名為上味。於意云何?此味為復生於空中?生於舌中?為生食中?阿難!若復此味生於汝舌,在汝口中秖有一舌,其舌爾時已成[*]酥味,遇黑石蜜應不推移。若不變移,不名知味;若變移者,舌非多體,云何多味一舌之知?若生於食,食非有識,云何自知?又食自知,即同他食,何預於汝名味之知?若生於空,汝噉虛空,當作何味?必其虛空若作鹹味,既鹹汝舌亦鹹汝面,則此界人同於海魚。既常受鹹,了不知淡,若不識淡亦不覺鹹;必無所知,云何名味?是故當知味、舌與甞俱無處所,即甞與味二俱虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du gehst täglich
mit der Schale
durch die Versammlung.
Manchmal begegnest du
Butter, Rahm oder Ghee –
man nennt dies
den höchsten Geschmack.

Was meinst du:
Entsteht dieser Geschmack
im Raum?
Entsteht er
auf deiner Zunge?
Oder entsteht er
in der Speise?

Wenn der Geschmack
auf deiner Zunge entstünde,
gäbe es in deinem Mund
nur eine Zunge.
Dann wäre diese Zunge
in diesem Moment
bereits ganz Geschmack.
Trätest du danach
auf einen anderen Geschmack,
dürfte sich nichts ändern.
Ohne Veränderung
gäbe es kein Schmecken.
Gäbe es Veränderung,
müsste eine Zunge
mehrere Naturen haben.

Wenn der Geschmack
in der Speise entstünde,
müsste die Speise
sich selbst erkennen.
Da Speise
kein Bewusstsein hat,
kann sie
nicht schmecken.
Und schmeckte sie sich selbst,
was hätte das
mit deinem Schmecken zu tun?

Wenn der Geschmack
im Raum entstünde,
und du würdest
den Raum schmecken –
welchen Geschmack
hätte er?
Wäre der Raum salzig,
wären
Zunge und Gesicht
zugleich salzig.
Dann wären
alle Wesen
wie Fische im Meer.
Wer ständig salzig schmeckt,
kennt kein Fade.
Wer kein Fade kennt,
kennt auch kein Salzig.
Wo nichts erkannt wird,
wie könnte man
von Geschmack sprechen?

Darum erkenne:
Geschmack,
Zunge
und Schmecken
haben keinen Ort.
Schmecken
und Geschmack
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vertieft
die Analyse der zwölf Bereiche
am Beispiel
von Schmecken und Geschmack
und schließt
jede verbleibende Substanzannahme aus.
1. Der höchste Geschmack als Prüfstein

Gerade der „höchste Geschmack“
wird gewählt,
weil hier
Anhaftung am stärksten ist.
Was als besonders real
und wertvoll erscheint,
wird zuerst geprüft.
2. Die Unmöglichkeit einer festen Quelle

Der Buddha schließt
systematisch aus:
• Geschmack entsteht nicht in der Zunge
• nicht in der Speise
• nicht im Raum

Jede Annahme
führt zu logischen Widersprüchen.
3. Veränderung als Bedingung des Schmeckens

Schmecken
existiert nur
durch Wechsel.
Ohne Kontrast
gäbe es
keine Wahrnehmung.

Was nur
durch Wechsel besteht,
kann keine
eigene Natur haben.
4. Auflösung von Subjekt und Objekt

Weder die Zunge
noch die Speise
noch der Raum
können Träger
des Geschmacks sein.

Damit zerfällt
die gesamte Struktur
von „Ich schmecke etwas“.
5. Rückbindung an der ursprüngliche Grund

Wenn Geschmack,
Zunge
und Schmecken
keinen Ort haben,
bleibt nur das,
in dem
Geschmack erscheint
und vergeht.

Nicht als Schmecken,
nicht als Nicht-Schmecken,
sondern als das
unbewegte,
nicht-funktionale
Ursprüngliche,
in dem selbst
der höchste Geschmack
keine Spur hinterlässt.
中文原文
「阿難!汝常二時眾中持鉢,其間或遇[3]酥酪醍醐,名為上味。於意云何?此味為復生於空中?生於舌中?為生食中?阿難!若復此味生於汝舌,在汝口中秖有一舌,其舌爾時已成[*]酥味,遇黑石蜜應不推移。若不變移,不名知味;若變移者,舌非多體,云何多味一舌之知?若生於食,食非有識,云何自知?又食自知,即同他食,何預於汝名味之知?若生於空,汝噉虛空,當作何味?必其虛空若作鹹味,既鹹汝舌亦鹹汝面,則此界人同於海魚。既常受鹹,了不知淡,若不識淡亦不覺鹹;必無所知,云何名味?是故當知味、舌與甞俱無處所,即甞與味二俱虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du gehst täglich
mit der Schale
durch die Versammlung.
Manchmal begegnest du
Butter, Rahm oder Ghee –
man nennt dies
den höchsten Geschmack.

Was meinst du:
Entsteht dieser Geschmack
im Raum?
Entsteht er
auf deiner Zunge?
Oder entsteht er
in der Speise?

Wenn der Geschmack
auf deiner Zunge entstünde,
gäbe es in deinem Mund
nur eine Zunge.
Dann wäre diese Zunge
in diesem Moment
bereits ganz Geschmack.
Trätest du danach
auf einen anderen Geschmack,
dürfte sich nichts ändern.
Ohne Veränderung
gäbe es kein Schmecken.
Gäbe es Veränderung,
müsste eine Zunge
mehrere Naturen haben.

Wenn der Geschmack
in der Speise entstünde,
müsste die Speise
sich selbst erkennen.
Da Speise
kein Bewusstsein hat,
kann sie
nicht schmecken.
Und schmeckte sie sich selbst,
was hätte das
mit deinem Schmecken zu tun?

Wenn der Geschmack
im Raum entstünde,
und du würdest
den Raum schmecken –
welchen Geschmack
hätte er?
Wäre der Raum salzig,
wären
Zunge und Gesicht
zugleich salzig.
Dann wären
alle Wesen
wie Fische im Meer.
Wer ständig salzig schmeckt,
kennt kein Fade.
Wer kein Fade kennt,
kennt auch kein Salzig.
Wo nichts erkannt wird,
wie könnte man
von Geschmack sprechen?

Darum erkenne:
Geschmack,
Zunge
und Schmecken
haben keinen Ort.
Schmecken
und Geschmack
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vertieft
die Analyse der zwölf Bereiche
am Beispiel
von Schmecken und Geschmack
und schließt
jede verbleibende Substanzannahme aus.
1. Der höchste Geschmack als Prüfstein

Gerade der „höchste Geschmack“
wird gewählt,
weil hier
Anhaftung am stärksten ist.
Was als besonders real
und wertvoll erscheint,
wird zuerst geprüft.
2. Die Unmöglichkeit einer festen Quelle

Der Buddha schließt
systematisch aus:
• Geschmack entsteht nicht in der Zunge
• nicht in der Speise
• nicht im Raum

Jede Annahme
führt zu logischen Widersprüchen.
3. Veränderung als Bedingung des Schmeckens

Schmecken
existiert nur
durch Wechsel.
Ohne Kontrast
gäbe es
keine Wahrnehmung.

Was nur
durch Wechsel besteht,
kann keine
eigene Natur haben.
4. Auflösung von Subjekt und Objekt

Weder die Zunge
noch die Speise
noch der Raum
können Träger
des Geschmacks sein.

Damit zerfällt
die gesamte Struktur
von „Ich schmecke etwas“.
5. Rückbindung an der ursprüngliche Grund

Wenn Geschmack,
Zunge
und Schmecken
keinen Ort haben,
bleibt nur das,
in dem
Geschmack erscheint
und vergeht.

Nicht als Schmecken,
nicht als Nicht-Schmecken,
sondern als das
unbewegte,
nicht-funktionale
Ursprüngliche,
in dem selbst
der höchste Geschmack
keine Spur hinterlässt.
135 #
「阿難!汝常晨朝以手摩頭,於意云何?此摩所知,[A2]誰為能觸?能為在手、為復在頭?若在於手,頭則無知,云何成觸?若在於頭,手則無用,云何名觸?若各各有,則汝阿難應有二身。若頭與手,一觸所生,則手與頭當為一體;若一體者,觸則無成。若二體者,觸誰為在?在能非所,在所非能;不應虛空與汝成觸。是故當知覺、觸與身俱無處所,即身與觸二俱虛妄,本非因緣、非自然性。
「阿難!汝常意中所緣善、惡、無記三性,生成法則;此法為復即心所生?為當離心別有方所?
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du reibst am Morgen
mit der Hand deinen Kopf.
Sag mir:
Wer ist es,
der hier berührt?
Ist es die Hand?
Oder ist es der Kopf?

Wäre es die Hand,
wäre der Kopf
ohne Empfinden
und Berührung unmöglich.
Wäre es der Kopf,
wäre die Hand
ohne Bedeutung.

Hätten beide
je eigenes Empfinden,
müsstest du
zwei Körper haben.
Wären Kopf und Hand
ein Körper,
gäbe es
keine Berührung.
Wären sie zwei,
wüsste man nicht,
wo Berührung ist:
Im Aktiven?
Im Passiven?

Ist sie im einen,
ist sie nicht im anderen.
Sollte dann
der Raum
mit dir berühren?

Darum erkenne:
Gewahrsein,
Berührung
und Körper
haben keinen Ort.
Körper
und Berührung
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“

Der Buddha sprach weiter:

„Ānanda,
in deinem Denken
richtest du dich fortwährend
auf heilsam,
unheilsam
oder neutral aus.
So entstehen
Ordnungen und Regeln
des Denkens.

Sag mir:
Entstehen diese Dharmas
aus dem Geist selbst?
Oder existieren sie
getrennt vom Geist
an einem anderen Ort?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt schließt
die Analyse der Berührung
innerhalb der zwölf Bereiche
und öffnet unmittelbar
den Übergang
zur letzten,
subtilsten Ebene.
1. Die Unauffindbarkeit der Berührung

Berührung scheint
die unmittelbarste Erfahrung zu sein.
Gerade deshalb
wird sie hier
besonders gründlich zerlegt.

Weder Hand
noch Kopf
können Träger
der Berührung sein.
Auch ihre Einheit
oder Trennung
erklärt nichts.

Berührung
ist nicht lokalisierbar.
2. Der Zusammenbruch von Aktiv und Passiv

Die Unterscheidung
in Berührendes
und Berührtes
zerfällt.
Ohne diese Polarität
kann Berührung
nicht festgemacht werden.

Damit fällt
das letzte körperliche Fundament
für ein Selbstgefühl.
3. Der implizite Übergang zum Geist

Unmittelbar danach
wendet sich der Text
dem Denken zu:
heilsam,
unheilsam,
neutral.

Das ist kein Themenwechsel,
sondern die logische Fortsetzung:
Nachdem selbst Berührung
keinen Ort hat,
muss auch
die innere Ordnung des Denkens
durchleuchtet werden.
4. Vorbereitung der Dharmabereiche

Die Frage
nach Gut, Böse und Neutral
führt direkt
in die Analyse
der Dharmas selbst.

Nicht nur Sinn
und Objekt,
sondern auch
Bewertung,
Gesetzmäßigkeit
und Bedeutung
stehen nun
zur Disposition.
5. Stille Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Wie zuvor
wird kein neues Zentrum
eingeführt.

Der Text fragt nur:
Ist es Geist?
Ist es nicht Geist?

Beide Optionen
werden gleich
fragwürdig gemacht.

Damit bleibt
kein Ort mehr übrig,
an dem sich
ein „innerer Richter“
oder „ordnendes Selbst“
verstecken könnte.

Was bleibt,
ist nicht Denken
und nicht Nicht-Denken,
sondern das,
worin Denken
als Bewegung erscheint
und vergeht:

der ursprüngliche Grund,
das nicht urteilt
und gerade dadurch
alles durchdringt.
中文原文
「阿難!汝常晨朝以手摩頭,於意云何?此摩所知,[A2]誰為能觸?能為在手、為復在頭?若在於手,頭則無知,云何成觸?若在於頭,手則無用,云何名觸?若各各有,則汝阿難應有二身。若頭與手,一觸所生,則手與頭當為一體;若一體者,觸則無成。若二體者,觸誰為在?在能非所,在所非能;不應虛空與汝成觸。是故當知覺、觸與身俱無處所,即身與觸二俱虛妄,本非因緣、非自然性。
「阿難!汝常意中所緣善、惡、無記三性,生成法則;此法為復即心所生?為當離心別有方所?
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du reibst am Morgen
mit der Hand deinen Kopf.
Sag mir:
Wer ist es,
der hier berührt?
Ist es die Hand?
Oder ist es der Kopf?

Wäre es die Hand,
wäre der Kopf
ohne Empfinden
und Berührung unmöglich.
Wäre es der Kopf,
wäre die Hand
ohne Bedeutung.

Hätten beide
je eigenes Empfinden,
müsstest du
zwei Körper haben.
Wären Kopf und Hand
ein Körper,
gäbe es
keine Berührung.
Wären sie zwei,
wüsste man nicht,
wo Berührung ist:
Im Aktiven?
Im Passiven?

Ist sie im einen,
ist sie nicht im anderen.
Sollte dann
der Raum
mit dir berühren?

Darum erkenne:
Gewahrsein,
Berührung
und Körper
haben keinen Ort.
Körper
und Berührung
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“

Der Buddha sprach weiter:

„Ānanda,
in deinem Denken
richtest du dich fortwährend
auf heilsam,
unheilsam
oder neutral aus.
So entstehen
Ordnungen und Regeln
des Denkens.

Sag mir:
Entstehen diese Dharmas
aus dem Geist selbst?
Oder existieren sie
getrennt vom Geist
an einem anderen Ort?“
Kommentar
Dieser Abschnitt schließt
die Analyse der Berührung
innerhalb der zwölf Bereiche
und öffnet unmittelbar
den Übergang
zur letzten,
subtilsten Ebene.
1. Die Unauffindbarkeit der Berührung

Berührung scheint
die unmittelbarste Erfahrung zu sein.
Gerade deshalb
wird sie hier
besonders gründlich zerlegt.

Weder Hand
noch Kopf
können Träger
der Berührung sein.
Auch ihre Einheit
oder Trennung
erklärt nichts.

Berührung
ist nicht lokalisierbar.
2. Der Zusammenbruch von Aktiv und Passiv

Die Unterscheidung
in Berührendes
und Berührtes
zerfällt.
Ohne diese Polarität
kann Berührung
nicht festgemacht werden.

Damit fällt
das letzte körperliche Fundament
für ein Selbstgefühl.
3. Der implizite Übergang zum Geist

Unmittelbar danach
wendet sich der Text
dem Denken zu:
heilsam,
unheilsam,
neutral.

Das ist kein Themenwechsel,
sondern die logische Fortsetzung:
Nachdem selbst Berührung
keinen Ort hat,
muss auch
die innere Ordnung des Denkens
durchleuchtet werden.
4. Vorbereitung der Dharmabereiche

Die Frage
nach Gut, Böse und Neutral
führt direkt
in die Analyse
der Dharmas selbst.

Nicht nur Sinn
und Objekt,
sondern auch
Bewertung,
Gesetzmäßigkeit
und Bedeutung
stehen nun
zur Disposition.
5. Stille Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Wie zuvor
wird kein neues Zentrum
eingeführt.

Der Text fragt nur:
Ist es Geist?
Ist es nicht Geist?

Beide Optionen
werden gleich
fragwürdig gemacht.

Damit bleibt
kein Ort mehr übrig,
an dem sich
ein „innerer Richter“
oder „ordnendes Selbst“
verstecken könnte.

Was bleibt,
ist nicht Denken
und nicht Nicht-Denken,
sondern das,
worin Denken
als Bewegung erscheint
und vergeht:

der ursprüngliche Grund,
das nicht urteilt
und gerade dadurch
alles durchdringt.
136 #
「阿難!若即心者,法則非塵,非心所緣,云何成處?若離於心別有方所,則法自性為知非知?知則名心,異汝非塵,同他心量。即汝即心,云何汝心更二於汝?若非知者,此塵既非色、聲、香、味、離、合、冷、煖及虛空相,當於何在?今於色、空都無表示,不應人間更有空外。心非所緣,處從誰立?是故當知法則與心俱無處所,則意與法二俱虛妄,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn die Ordnungen
des Denkens
unmittelbar
aus dem Geist selbst entstünden,
wären sie
keine Objekte
und nichts,
worauf sich der Geist richtet.
Wie könnten sie dann
als Bereich gelten?

Wenn sie aber
getrennt vom Geist
einen eigenen Ort hätten,
dann frage ich:
Hätten sie
erkennende Natur
oder nicht?

Hätten sie
erkennende Natur,
wären sie selbst
Geist.
Dann wären sie
nicht verschieden von dir
und keine Objekte,
sondern
wie ein zweiter Geist.
Wären sie zugleich
du selbst
und doch eigenständig,
müsste dein Geist
zweifach sein.

Hätten sie aber
keine erkennende Natur,
wären sie
weder Form
noch Klang,
noch Duft,
noch Geschmack,
noch Berührung,
noch Trennung,
noch Raum.
Wo sollten sie dann
sein?

Da sie
weder in Form
noch im Raum
irgendwie erscheinen,
kann es
keinen Ort
außerhalb aller Erscheinung geben.
Wenn der Geist
sie nicht ergreift,
wer sollte dann
einen Bereich festlegen?

Darum erkenne:
Dharmas
und Geist
haben keinen Ort.
Denken
und Gedachtes
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Mit diesem Abschnitt
vollendet das Sutra
die Durchleuchtung
der zwölf Bereiche
auf ihrer subtilsten Ebene:
der Dharmas selbst.
1. Zusammenbruch der letzten Zuflucht

Bis hierhin
konnte man sich noch
in Bedeutungen,
Werten,
Gesetzmäßigkeiten
oder moralischen Kategorien
verbergen.

Gut, Böse und Neutral
schienen
eine letzte Ordnung –
nun werden auch sie
als nicht verortbar erkannt.
2. Die Unmöglichkeit einer geistigen Substanz

Der Text zeigt:
Wenn Dharmas
wirklich im Geist wären,
könnten sie
nicht als Objekte erscheinen.
Wären sie außerhalb des Geistes,
müssten sie
entweder selbst Geist sein
oder völlig bedeutungslos.

Beides ist unmöglich.
3. Die Leere der Bedeutung

Dharmas
sind weder Dinge
noch reiner Geist.
Sie haben
keine eigene Erkenntnis
und keinen Ort.

Bedeutung
ist hier
kein Träger mehr,
sondern ein Geschehen.
4. Vollständige Ent-Identifikation

Nach Sinnesobjekten,
Sinneswurzeln,
Berührung,
Bewertung
und Denken
bleibt nichts mehr übrig,
worin sich
ein „Ich“
verstecken könnte.

Das ist der Punkt,
an dem jede
philosophische Position
zusammenbricht.
5. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

der ursprüngliche Grund
wird nicht genannt,
weil jede Benennung
es wieder
zu einem Dharma machen würde.

Es bleibt
als das,
in dem
Geist
und Dharmas
zugleich leer sind,
ohne dass
etwas vernichtet würde.

Nicht Denken.
Nicht Nicht-Denken.
Sondern
das,
in dem Denken
als Bewegung erscheint
und vergeht.
中文原文
「阿難!若即心者,法則非塵,非心所緣,云何成處?若離於心別有方所,則法自性為知非知?知則名心,異汝非塵,同他心量。即汝即心,云何汝心更二於汝?若非知者,此塵既非色、聲、香、味、離、合、冷、煖及虛空相,當於何在?今於色、空都無表示,不應人間更有空外。心非所緣,處從誰立?是故當知法則與心俱無處所,則意與法二俱虛妄,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn die Ordnungen
des Denkens
unmittelbar
aus dem Geist selbst entstünden,
wären sie
keine Objekte
und nichts,
worauf sich der Geist richtet.
Wie könnten sie dann
als Bereich gelten?

Wenn sie aber
getrennt vom Geist
einen eigenen Ort hätten,
dann frage ich:
Hätten sie
erkennende Natur
oder nicht?

Hätten sie
erkennende Natur,
wären sie selbst
Geist.
Dann wären sie
nicht verschieden von dir
und keine Objekte,
sondern
wie ein zweiter Geist.
Wären sie zugleich
du selbst
und doch eigenständig,
müsste dein Geist
zweifach sein.

Hätten sie aber
keine erkennende Natur,
wären sie
weder Form
noch Klang,
noch Duft,
noch Geschmack,
noch Berührung,
noch Trennung,
noch Raum.
Wo sollten sie dann
sein?

Da sie
weder in Form
noch im Raum
irgendwie erscheinen,
kann es
keinen Ort
außerhalb aller Erscheinung geben.
Wenn der Geist
sie nicht ergreift,
wer sollte dann
einen Bereich festlegen?

Darum erkenne:
Dharmas
und Geist
haben keinen Ort.
Denken
und Gedachtes
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Mit diesem Abschnitt
vollendet das Sutra
die Durchleuchtung
der zwölf Bereiche
auf ihrer subtilsten Ebene:
der Dharmas selbst.
1. Zusammenbruch der letzten Zuflucht

Bis hierhin
konnte man sich noch
in Bedeutungen,
Werten,
Gesetzmäßigkeiten
oder moralischen Kategorien
verbergen.

Gut, Böse und Neutral
schienen
eine letzte Ordnung –
nun werden auch sie
als nicht verortbar erkannt.
2. Die Unmöglichkeit einer geistigen Substanz

Der Text zeigt:
Wenn Dharmas
wirklich im Geist wären,
könnten sie
nicht als Objekte erscheinen.
Wären sie außerhalb des Geistes,
müssten sie
entweder selbst Geist sein
oder völlig bedeutungslos.

Beides ist unmöglich.
3. Die Leere der Bedeutung

Dharmas
sind weder Dinge
noch reiner Geist.
Sie haben
keine eigene Erkenntnis
und keinen Ort.

Bedeutung
ist hier
kein Träger mehr,
sondern ein Geschehen.
4. Vollständige Ent-Identifikation

Nach Sinnesobjekten,
Sinneswurzeln,
Berührung,
Bewertung
und Denken
bleibt nichts mehr übrig,
worin sich
ein „Ich“
verstecken könnte.

Das ist der Punkt,
an dem jede
philosophische Position
zusammenbricht.
5. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

der ursprüngliche Grund
wird nicht genannt,
weil jede Benennung
es wieder
zu einem Dharma machen würde.

Es bleibt
als das,
in dem
Geist
und Dharmas
zugleich leer sind,
ohne dass
etwas vernichtet würde.

Nicht Denken.
Nicht Nicht-Denken.
Sondern
das,
in dem Denken
als Bewegung erscheint
und vergeht.
137 #
Kommentar öffnen
1. Was das Sutra eigentlich dekonstruiert (zeitlos)

Das Sutra richtet sich nicht gegen Sinnesdaten,
sondern gegen Fehlverortung von Wahrnehmung.

Es zerlegt systematisch drei Annahmen:
1. Wahrnehmung sitzt im Objekt
2. Wahrnehmung sitzt im Organ
3. Wahrnehmung sitzt im Raum dazwischen

Und erweitert das später zu:
4. Wahrnehmung sitzt im Geist
5. Wahrnehmung sitzt in Bedeutungen / Dharmas

👉 Kein Ort hält stand.

Das ist der eigentliche Kern —
nicht die damaligen Bilder von „Klang kommt zum Ohr“ usw.



2. Moderne Biologie: was sich ändert – und was nicht

2.1 Nervensystem statt Sinnestor

Aus heutiger Sicht würden wir sagen:
• Schall → Druckwellen → Trommelfell → Nervensignale
• Geruch → Moleküle → Rezeptoren → neuronale Muster
• Berührung → mechanische Reize → Aktionspotenziale

👉 Nichts davon ist „Hören“, „Riechen“ oder „Fühlen“
Es sind physikalisch-chemische Prozesse, keine Erfahrung.

Das Sutra würde hier nicht widersprechen, sondern sagen:

Gut. Dann zeig mir jetzt:
Wo ist das Hören?

Nicht:
• im Trommelfell
• nicht im Nerv
• nicht im Gehirn
• nicht im Signal
• nicht im Muster



2.2 Das moderne „Ich-Problem“

Die Neurowissenschaft bestätigt heute empirisch:
• Es gibt kein lokalisierbares Zentrum
• Kein Punkt, an dem „das Ich sitzt“
• Kein Ort, an dem Wahrnehmung „ankommt“

Was wir finden:
• verteilte Prozesse
• Rückkopplung
• Integration ohne Zentrum

👉 Das ist exakt das, was das Sutra logisch zeigt,
nur ohne Elektronenmikroskop.



3. Physik: Klang und Geruch neu gelesen

3.1 Klang (Schallwellen)

Modern formuliert:
• Schall ist Druckvariation im Medium
• Diese Variation ist nicht „Klang“
• Klang entsteht erst als Erfahrung

Das Sutra würde heute sagen:

Wenn Schall Klang wäre,
müsste jeder Schall immer gehört werden.

Wenn das Gehirn Klang wäre,
müsste jedes Gehirn immer hören.

Beides ist falsch.



3.2 Geruch (Moleküle)

Ähnlich bei Geruch:
• Moleküle binden an Rezeptoren
• Rezeptoren feuern
• Gehirn erzeugt Muster

Aber:
• Dasselbe Molekül riecht je nach Kontext anders
• Manche riechen es gar nicht
• Andere erinnern sich an etwas ganz anderes

👉 Der Geruch ist kein Ding,
sondern ein Ereignis ohne Ort.

Das Sutra nennt das:

„香、鼻與聞俱無處所“
Duft, Nase und Riechen haben keinen Aufenthaltsort



4. Wo die moderne Sprache helfen kann (Kommentar-Ebene)

Hier hast du vollkommen recht:
Die Bilder können modernisiert werden, ohne die Lehre zu verändern.

4.1 Beispiel: Klang

Klassisches Bild im Sutra

„Kommt der Klang zum Ohr oder geht das Ohr zum Klang?“

Moderner Kommentar

Schall ist eine physikalische Welle,
Wahrnehmung ein neuronales Ereignis.
Doch weder Welle noch Nervensignal sind das Hören selbst.
Hören ist kein Ding im Raum.



4.2 Beispiel: Geruch

Sutra-Bild

„Kommt der Duft aus dem Holz, aus der Nase oder aus dem Raum?“

Moderner Kommentar

Moleküle sind messbar,
Rezeptoren feuern,
doch der erlebte Duft
ist nicht lokalisierbar.
Er entsteht ohne Ort.



4.3 Beispiel: Denken

Sutra-Bild

„Sind Dharmas im Geist oder außerhalb?“

Moderner Kommentar

Gedanken sind neuronale Prozesse,
aber Bedeutung ist kein Neuron.
Bewertung entsteht ohne Substanz.



5. Entscheidender Punkt: Das Sutra geht weiter als die Wissenschaft

Die moderne Wissenschaft sagt:

„Wir finden kein Ich.“

Das Sutra sagt:

„Gut. Dann hör auf zu suchen, wo es nicht ist.“

Und weiter:

„Das, was nicht gefunden wird,
ist nicht Nichts —
sondern nicht verortbar.“

👉 Das ist kein Naturalismus,
👉 kein Reduktionismus,
👉 kein Nihilismus.

Sondern radikale Ent-Ortung.



6. Fazit
• ✅ Ja, wir können und sollten die Analogien modern kommentieren
• ✅ Ja, Biologie und Physik schärfen das Verständnis
• ❌ Nein, sie ersetzen die Lehre nicht
• ❌ Nein, sie liefern keinen neuen „Ort“

Die moderne Wissenschaft bestätigt im Grunde:

Alles, was wir messen können,
ist nicht das, was erlebt.

Das Sutra fügt hinzu:

Und das, was erlebt,
ist nicht auffindbar —
darum ist es frei.
中文原文
Deutsch
Kommentar
1. Was das Sutra eigentlich dekonstruiert (zeitlos)

Das Sutra richtet sich nicht gegen Sinnesdaten,
sondern gegen Fehlverortung von Wahrnehmung.

Es zerlegt systematisch drei Annahmen:
1. Wahrnehmung sitzt im Objekt
2. Wahrnehmung sitzt im Organ
3. Wahrnehmung sitzt im Raum dazwischen

Und erweitert das später zu:
4. Wahrnehmung sitzt im Geist
5. Wahrnehmung sitzt in Bedeutungen / Dharmas

👉 Kein Ort hält stand.

Das ist der eigentliche Kern —
nicht die damaligen Bilder von „Klang kommt zum Ohr“ usw.



2. Moderne Biologie: was sich ändert – und was nicht

2.1 Nervensystem statt Sinnestor

Aus heutiger Sicht würden wir sagen:
• Schall → Druckwellen → Trommelfell → Nervensignale
• Geruch → Moleküle → Rezeptoren → neuronale Muster
• Berührung → mechanische Reize → Aktionspotenziale

👉 Nichts davon ist „Hören“, „Riechen“ oder „Fühlen“
Es sind physikalisch-chemische Prozesse, keine Erfahrung.

Das Sutra würde hier nicht widersprechen, sondern sagen:

Gut. Dann zeig mir jetzt:
Wo ist das Hören?

Nicht:
• im Trommelfell
• nicht im Nerv
• nicht im Gehirn
• nicht im Signal
• nicht im Muster



2.2 Das moderne „Ich-Problem“

Die Neurowissenschaft bestätigt heute empirisch:
• Es gibt kein lokalisierbares Zentrum
• Kein Punkt, an dem „das Ich sitzt“
• Kein Ort, an dem Wahrnehmung „ankommt“

Was wir finden:
• verteilte Prozesse
• Rückkopplung
• Integration ohne Zentrum

👉 Das ist exakt das, was das Sutra logisch zeigt,
nur ohne Elektronenmikroskop.



3. Physik: Klang und Geruch neu gelesen

3.1 Klang (Schallwellen)

Modern formuliert:
• Schall ist Druckvariation im Medium
• Diese Variation ist nicht „Klang“
• Klang entsteht erst als Erfahrung

Das Sutra würde heute sagen:

Wenn Schall Klang wäre,
müsste jeder Schall immer gehört werden.

Wenn das Gehirn Klang wäre,
müsste jedes Gehirn immer hören.

Beides ist falsch.



3.2 Geruch (Moleküle)

Ähnlich bei Geruch:
• Moleküle binden an Rezeptoren
• Rezeptoren feuern
• Gehirn erzeugt Muster

Aber:
• Dasselbe Molekül riecht je nach Kontext anders
• Manche riechen es gar nicht
• Andere erinnern sich an etwas ganz anderes

👉 Der Geruch ist kein Ding,
sondern ein Ereignis ohne Ort.

Das Sutra nennt das:

„香、鼻與聞俱無處所“
Duft, Nase und Riechen haben keinen Aufenthaltsort



4. Wo die moderne Sprache helfen kann (Kommentar-Ebene)

Hier hast du vollkommen recht:
Die Bilder können modernisiert werden, ohne die Lehre zu verändern.

4.1 Beispiel: Klang

Klassisches Bild im Sutra

„Kommt der Klang zum Ohr oder geht das Ohr zum Klang?“

Moderner Kommentar

Schall ist eine physikalische Welle,
Wahrnehmung ein neuronales Ereignis.
Doch weder Welle noch Nervensignal sind das Hören selbst.
Hören ist kein Ding im Raum.



4.2 Beispiel: Geruch

Sutra-Bild

„Kommt der Duft aus dem Holz, aus der Nase oder aus dem Raum?“

Moderner Kommentar

Moleküle sind messbar,
Rezeptoren feuern,
doch der erlebte Duft
ist nicht lokalisierbar.
Er entsteht ohne Ort.



4.3 Beispiel: Denken

Sutra-Bild

„Sind Dharmas im Geist oder außerhalb?“

Moderner Kommentar

Gedanken sind neuronale Prozesse,
aber Bedeutung ist kein Neuron.
Bewertung entsteht ohne Substanz.



5. Entscheidender Punkt: Das Sutra geht weiter als die Wissenschaft

Die moderne Wissenschaft sagt:

„Wir finden kein Ich.“

Das Sutra sagt:

„Gut. Dann hör auf zu suchen, wo es nicht ist.“

Und weiter:

„Das, was nicht gefunden wird,
ist nicht Nichts —
sondern nicht verortbar.“

👉 Das ist kein Naturalismus,
👉 kein Reduktionismus,
👉 kein Nihilismus.

Sondern radikale Ent-Ortung.



6. Fazit
• ✅ Ja, wir können und sollten die Analogien modern kommentieren
• ✅ Ja, Biologie und Physik schärfen das Verständnis
• ❌ Nein, sie ersetzen die Lehre nicht
• ❌ Nein, sie liefern keinen neuen „Ort“

Die moderne Wissenschaft bestätigt im Grunde:

Alles, was wir messen können,
ist nicht das, was erlebt.

Das Sutra fügt hinzu:

Und das, was erlebt,
ist nicht auffindbar —
darum ist es frei.
138 #
「復次,阿難!云何十八界本如來藏妙真如性?
「阿難!如汝所明眼、色為緣生於眼識,此識為復因眼所生、以眼為界?因色所生、以色為界?阿難!若因眼生,既無色、空,無可分別,縱有汝識,欲將何用?汝見又非青、黃、赤、白,無所表示,從何立界?若因色生,空無色時汝識應滅,云何識知是虛空性?若色變時,汝亦識其色相遷變;汝識不遷,界從何立?從變則變,界相自無;不變則恒。既從色生,應不識知虛空所在?若兼二種眼、色共生,合則中離、離則兩合,體性雜亂,云何成界?是故當知眼、色為緣生眼識界,三處都無,則眼與色及色界三,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach weiter:

„Ānanda,
wie kann es sein,
dass die achtzehn Bereiche
in Wahrheit
der Tathāgata-Speicher sind –
die wunderbare, wahre Soheit?

Du meinst,
Auge und Form
seien Bedingungen,
aus denen das Sehen entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus dem Auge?
Oder entsteht es
aus der Form?

Wäre es aus dem Auge,
gäbe es ohne Form und Raum
nichts zu unterscheiden.
Selbst wenn Erkennen da wäre,
wüsste es nichts,
was es erkennen könnte.
Da dein Sehen
keine eigene Farbe trägt,
lässt sich
kein Bereich festmachen.

Wäre es aus der Form,
müsste das Erkennen
beim Erscheinen von Raum
vergehen.
Doch du erkennst den Raum.
Wenn sich Formen wandeln,
erkennst du ihren Wandel.
Doch das Erkennen selbst
wandelt sich nicht.
Wo sollte dann
ein Bereich bestehen?

Entstünde Erkennen
aus Auge und Form gemeinsam,
wäre alles vermischt:
Trennung und Vereinigung
ohne Ordnung.
So könnte
kein Bereich entstehen.

Darum erkenne:
Auge,
Form
und Erkennen
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Mit diesem Abschnitt beginnt
die letzte große Entleerung:
die Analyse der achtzehn Bereiche
(Sinneswurzel – Objekt – Bewusstsein).
1. Der letzte Rettungsversuch: Bewusstsein

Nachdem Sinnesorgane
und Sinnesobjekte
entleert wurden,
könnte man meinen,
das Bewusstsein selbst
sei der eigentliche Träger.

Genau diese Annahme
wird hier geprüft.
2. Bewusstsein hat keinen Ursprung

Der Buddha zeigt:
Bewusstsein kann weder
aus dem Organ
noch aus dem Objekt
noch aus beiden entstehen.

Jede Möglichkeit
führt in Widersprüche:
• ohne Objekt kein Unterscheiden
• mit Objekt keine Beständigkeit
• mit beiden keine klare Struktur
3. Wandel und Nicht-Wandel

Ein zentrales Argument:
Formen verändern sich,
doch das Erkennen
ist nicht selbst farbig,
nicht geformt,
nicht wandelbar wie ein Objekt.

Gerade deshalb
kann es
kein Bereich
unter anderen Bereichen sein.
4. Zusammenbruch der Dreiteilung

Mit Auge,
Form
und Bewusstsein
bricht die letzte
dreigliedrige Struktur
der Erfahrung zusammen.

Es bleibt
kein Ort,
keine Instanz,
kein Zentrum.
5. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Dass alles
als leer erkannt wird,
bedeutet nicht
Nichtung.

Es bedeutet:
Das,
was trägt,
ist nicht
als Bereich erfassbar.

der ursprüngliche Grund
ist nicht Bewusstsein,
nicht Nicht-Bewusstsein,
sondern
das,
in dem Bewusstsein
als leer erkannt wird,
ohne zu verschwinden.
中文原文
「復次,阿難!云何十八界本如來藏妙真如性?
「阿難!如汝所明眼、色為緣生於眼識,此識為復因眼所生、以眼為界?因色所生、以色為界?阿難!若因眼生,既無色、空,無可分別,縱有汝識,欲將何用?汝見又非青、黃、赤、白,無所表示,從何立界?若因色生,空無色時汝識應滅,云何識知是虛空性?若色變時,汝亦識其色相遷變;汝識不遷,界從何立?從變則變,界相自無;不變則恒。既從色生,應不識知虛空所在?若兼二種眼、色共生,合則中離、離則兩合,體性雜亂,云何成界?是故當知眼、色為緣生眼識界,三處都無,則眼與色及色界三,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach weiter:

„Ānanda,
wie kann es sein,
dass die achtzehn Bereiche
in Wahrheit
der Tathāgata-Speicher sind –
die wunderbare, wahre Soheit?

Du meinst,
Auge und Form
seien Bedingungen,
aus denen das Sehen entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus dem Auge?
Oder entsteht es
aus der Form?

Wäre es aus dem Auge,
gäbe es ohne Form und Raum
nichts zu unterscheiden.
Selbst wenn Erkennen da wäre,
wüsste es nichts,
was es erkennen könnte.
Da dein Sehen
keine eigene Farbe trägt,
lässt sich
kein Bereich festmachen.

Wäre es aus der Form,
müsste das Erkennen
beim Erscheinen von Raum
vergehen.
Doch du erkennst den Raum.
Wenn sich Formen wandeln,
erkennst du ihren Wandel.
Doch das Erkennen selbst
wandelt sich nicht.
Wo sollte dann
ein Bereich bestehen?

Entstünde Erkennen
aus Auge und Form gemeinsam,
wäre alles vermischt:
Trennung und Vereinigung
ohne Ordnung.
So könnte
kein Bereich entstehen.

Darum erkenne:
Auge,
Form
und Erkennen
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Mit diesem Abschnitt beginnt
die letzte große Entleerung:
die Analyse der achtzehn Bereiche
(Sinneswurzel – Objekt – Bewusstsein).
1. Der letzte Rettungsversuch: Bewusstsein

Nachdem Sinnesorgane
und Sinnesobjekte
entleert wurden,
könnte man meinen,
das Bewusstsein selbst
sei der eigentliche Träger.

Genau diese Annahme
wird hier geprüft.
2. Bewusstsein hat keinen Ursprung

Der Buddha zeigt:
Bewusstsein kann weder
aus dem Organ
noch aus dem Objekt
noch aus beiden entstehen.

Jede Möglichkeit
führt in Widersprüche:
• ohne Objekt kein Unterscheiden
• mit Objekt keine Beständigkeit
• mit beiden keine klare Struktur
3. Wandel und Nicht-Wandel

Ein zentrales Argument:
Formen verändern sich,
doch das Erkennen
ist nicht selbst farbig,
nicht geformt,
nicht wandelbar wie ein Objekt.

Gerade deshalb
kann es
kein Bereich
unter anderen Bereichen sein.
4. Zusammenbruch der Dreiteilung

Mit Auge,
Form
und Bewusstsein
bricht die letzte
dreigliedrige Struktur
der Erfahrung zusammen.

Es bleibt
kein Ort,
keine Instanz,
kein Zentrum.
5. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Dass alles
als leer erkannt wird,
bedeutet nicht
Nichtung.

Es bedeutet:
Das,
was trägt,
ist nicht
als Bereich erfassbar.

der ursprüngliche Grund
ist nicht Bewusstsein,
nicht Nicht-Bewusstsein,
sondern
das,
in dem Bewusstsein
als leer erkannt wird,
ohne zu verschwinden.
139 #
「阿難!又汝所明耳、聲為緣生於耳識,此識為復因耳所生、以耳為界?因聲所生、以聲為界?
「阿難!若因耳生,動、靜二相既不現前,根不成知,必無所知。知尚無成,識何形貌?若取耳聞,無動、靜故,聞無所成。云何耳形雜色、觸塵名為識界?則耳識界復從誰立!若生於聲,識因聲有、則不關聞,無聞則亡聲相所在。識從聲生,許聲因聞而有聲相,聞應聞識,不聞非界。聞則同聲,識已被聞,誰知聞識?若無知者,終如草木,不應聲、聞雜成中界。界無中位,則內、外相復從何成?是故當知耳、聲為緣生耳識界,三處都無,則耳與聲及聲界三,本非因緣、非自然性。
「阿難!又汝所明鼻、香為緣生於鼻識,此識為復因鼻所生、以鼻為界?因香所生、以香為界?
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du meinst,
Ohr und Klang
seien Bedingungen,
aus denen Hören entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus dem Ohr?
Oder entsteht es
aus dem Klang?

Wäre es aus dem Ohr,
gäbe es ohne Bewegung und Ruhe
kein Erkennen.
Ohne Erkennen
gäbe es kein Bewusstsein,
das bestimmt werden könnte.

Wäre es aus dem Klang,
wäre Erkennen
vom Hören getrennt.
Dann müsste das Hören
das Erkennen selbst hören.
Würde es das,
wäre Erkennen
selbst nur Klang –
wer sollte dann
das Hören erkennen?

Ohne ein mittleres Erkennen
gäbe es keinen Übergang
zwischen Innen und Außen.
Ohne Übergang
gäbe es kein Innen
und kein Außen.

Darum erkenne:
Ohr,
Klang
und Erkennen
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“

Der Buddha sprach weiter:

„Ānanda,
du meinst,
Nase und Duft
seien Bedingungen,
aus denen Riechen entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus der Nase
oder aus dem Duft?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vertieft
die Analyse der achtzehn Bereiche
am Beispiel von
Ohr – Klang – Bewusstsein
und führt die zuvor etablierte Logik
konsequent fort.
1. Bewusstsein ist nicht hörbar

Ein zentrales Argument lautet:
Wenn Bewusstsein
aus dem Klang entstünde,
müsste es
selbst gehört werden können.

Doch Bewusstsein
ist nicht hörbar,
nicht beweglich,
nicht zeitlich gestaffelt
wie Klang.

Damit ist es
kein Objekt
unter Objekten.
2. Der Zusammenbruch des „Mittleren“

Das Sutra spricht hier explizit
vom „mittleren Bereich“,
der Innen und Außen
verbinden soll.

Gerade dieser Bereich
wird als unmöglich gezeigt.
Ohne ihn
kann Wahrnehmung
nicht als räumlicher Prozess
verstanden werden.
3. Keine Dreiteilung bleibt bestehen

Wie zuvor bei Auge–Form–Bewusstsein
zerfällt auch hier
die Dreiteilung
von Organ,
Objekt
und Bewusstsein.

Keines der drei
kann Ursprung
oder Träger der Erfahrung sein.
4. Übergang zur nächsten Analyse

Der Text öffnet unmittelbar
die nächste Prüfung:
Nase – Duft – Bewusstsein.

Die Struktur bleibt dieselbe,
doch die Beispiele wechseln,
um jede Restidentifikation
auszuschließen.
5. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Dass weder
Ohr,
Klang
noch
Ohrenbewusstsein
einen Ort haben,
bedeutet nicht,
dass Hören verschwindet.

Es bedeutet:
Hören
ist kein Ding,
kein Prozess,
kein Zentrum.

Das,
in dem Hören erscheint,
wird nicht benannt,
sondern nur
freigelegt
durch den vollständigen Zusammenbruch
aller falschen Träger:

der ursprüngliche Grund,
das weder hört
noch nicht hört,
und gerade dadurch
alle Klänge
frei erscheinen lässt.
中文原文
「阿難!又汝所明耳、聲為緣生於耳識,此識為復因耳所生、以耳為界?因聲所生、以聲為界?
「阿難!若因耳生,動、靜二相既不現前,根不成知,必無所知。知尚無成,識何形貌?若取耳聞,無動、靜故,聞無所成。云何耳形雜色、觸塵名為識界?則耳識界復從誰立!若生於聲,識因聲有、則不關聞,無聞則亡聲相所在。識從聲生,許聲因聞而有聲相,聞應聞識,不聞非界。聞則同聲,識已被聞,誰知聞識?若無知者,終如草木,不應聲、聞雜成中界。界無中位,則內、外相復從何成?是故當知耳、聲為緣生耳識界,三處都無,則耳與聲及聲界三,本非因緣、非自然性。
「阿難!又汝所明鼻、香為緣生於鼻識,此識為復因鼻所生、以鼻為界?因香所生、以香為界?
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du meinst,
Ohr und Klang
seien Bedingungen,
aus denen Hören entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus dem Ohr?
Oder entsteht es
aus dem Klang?

Wäre es aus dem Ohr,
gäbe es ohne Bewegung und Ruhe
kein Erkennen.
Ohne Erkennen
gäbe es kein Bewusstsein,
das bestimmt werden könnte.

Wäre es aus dem Klang,
wäre Erkennen
vom Hören getrennt.
Dann müsste das Hören
das Erkennen selbst hören.
Würde es das,
wäre Erkennen
selbst nur Klang –
wer sollte dann
das Hören erkennen?

Ohne ein mittleres Erkennen
gäbe es keinen Übergang
zwischen Innen und Außen.
Ohne Übergang
gäbe es kein Innen
und kein Außen.

Darum erkenne:
Ohr,
Klang
und Erkennen
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“

Der Buddha sprach weiter:

„Ānanda,
du meinst,
Nase und Duft
seien Bedingungen,
aus denen Riechen entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus der Nase
oder aus dem Duft?“
Kommentar
Dieser Abschnitt vertieft
die Analyse der achtzehn Bereiche
am Beispiel von
Ohr – Klang – Bewusstsein
und führt die zuvor etablierte Logik
konsequent fort.
1. Bewusstsein ist nicht hörbar

Ein zentrales Argument lautet:
Wenn Bewusstsein
aus dem Klang entstünde,
müsste es
selbst gehört werden können.

Doch Bewusstsein
ist nicht hörbar,
nicht beweglich,
nicht zeitlich gestaffelt
wie Klang.

Damit ist es
kein Objekt
unter Objekten.
2. Der Zusammenbruch des „Mittleren“

Das Sutra spricht hier explizit
vom „mittleren Bereich“,
der Innen und Außen
verbinden soll.

Gerade dieser Bereich
wird als unmöglich gezeigt.
Ohne ihn
kann Wahrnehmung
nicht als räumlicher Prozess
verstanden werden.
3. Keine Dreiteilung bleibt bestehen

Wie zuvor bei Auge–Form–Bewusstsein
zerfällt auch hier
die Dreiteilung
von Organ,
Objekt
und Bewusstsein.

Keines der drei
kann Ursprung
oder Träger der Erfahrung sein.
4. Übergang zur nächsten Analyse

Der Text öffnet unmittelbar
die nächste Prüfung:
Nase – Duft – Bewusstsein.

Die Struktur bleibt dieselbe,
doch die Beispiele wechseln,
um jede Restidentifikation
auszuschließen.
5. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Dass weder
Ohr,
Klang
noch
Ohrenbewusstsein
einen Ort haben,
bedeutet nicht,
dass Hören verschwindet.

Es bedeutet:
Hören
ist kein Ding,
kein Prozess,
kein Zentrum.

Das,
in dem Hören erscheint,
wird nicht benannt,
sondern nur
freigelegt
durch den vollständigen Zusammenbruch
aller falschen Träger:

der ursprüngliche Grund,
das weder hört
noch nicht hört,
und gerade dadurch
alle Klänge
frei erscheinen lässt.
140 #
「阿難!若因鼻生,則汝心中以何為鼻?為取肉形雙爪之相?為取嗅知動搖之性?若取肉形,肉質乃身,身知即觸,名身非鼻,名觸即塵;鼻尚無名,云何立界?若取嗅知,又汝心中以何為知?以肉為知,則肉之知元觸非鼻。以空為知,空則自知,肉應非覺。如是則應虛空是汝,汝身非知,今日阿難應無所在。以香為知,知自屬香,何預於汝?若香、臭氣必生汝鼻,則彼香、臭二種流氣,不生伊蘭及栴檀木。二物不來,汝自嗅鼻為香為臭?臭則非香、香應非臭。若香、臭二俱能聞者,則汝一人應有兩鼻,對我問道有二阿難,誰為汝體?若鼻是一,香、臭無二,臭既為香,香復成臭,二性不有,界從誰立?若因香生,識因香有,如眼有見不能觀眼,因香有故應不知香。知[4]則非生,不知非識,香非知有,香界不成。識不知香,因界則非從香建立。既無中間,不成內、外,彼諸聞性畢竟虛妄!是故當知鼻、香為緣生鼻識界,三處都無,則鼻與香及香界三,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn das Riechen
aus der Nase entstünde,
sage mir:
Was ist dann
die Nase?

Ist es die Fleischform,
so gehört sie zum Körper
und zur Berührung –
nicht zum Riechen.
Wie könnte daraus
ein Bereich entstehen?

Ist es die Fähigkeit zu riechen,
frage ich:
Wodurch wird erkannt?
Durch Fleisch,
ist es Berührung.
Durch Raum,
ist der Raum selbst
der Erkennende.

Dann wärst du
der Raum,
und dein Körper
hätte kein Gewahrsein.

Ist der Duft selbst
das Erkennen,
gehört das Erkennen
dem Duft –
nicht dir.
Entstünden Duft und Gestank
notwendig aus deiner Nase,
müssten sie
nicht aus Dingen entstehen.
Riechst du dann
an deiner Nase:
ist sie Duft oder Gestank?

Könnten Duft und Gestank
beide zugleich erkannt werden,
müsstest du
zwei Nasen haben.
Gibt es aber nur eine,
können die beiden
nicht bestehen.

Wenn das Erkennen
aus dem Duft entstünde,
könnte es
den Duft nicht erkennen.
Erkennt es,
ist es nicht aus ihm;
erkennt es nicht,
ist es kein Erkennen.

Ohne ein Mittleres
gibt es kein Innen und Außen.

Darum erkenne:
Nase,
Duft
und Erkennen
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist einer der
argumentativ dichtesten
des gesamten Sutras
und zeigt die Methode
in maximaler Konsequenz.
1. Zerlegung bis in die letzte Unterscheidung

Der Text lässt
keine Ausweichbewegung mehr zu:
nicht Fleisch,
nicht Funktion,
nicht Raum,
nicht Objekt,
nicht Bewusstsein.

Jeder mögliche Träger
wird einzeln geprüft
und verworfen.
2. Die Unmöglichkeit eines „Riech-Zentrums“

Besonders scharf ist hier
die Kritik an der Vorstellung,
das Erkennen könne
„in der Nase“ sitzen.

Sobald man versucht,
dies festzulegen,
verwandelt sich alles
entweder in Körper,
Raum
oder Objekt –
nie in Erkennen selbst.
3. Identitätsargumente

Die Beispiele mit
zwei Nasen,
zwei Ānandas,
oder dem Menschen,
der selbst Raum wäre,
zeigen:
Jede Ontologisierung
führt zu Absurditäten.

Das ist keine Polemik,
sondern
präzise logische Reduktion.
4. Kein Mittleres – kein Innen und Außen

Der entscheidende Satz:

„既無中間,不成內、外“

Ohne ein mittleres Trägerelement
können Innen und Außen
nicht entstehen.

Das ist
die vollständige Auflösung
der Subjekt–Objekt-Struktur.
5. Rückbindung an der ursprüngliche Grund

Am Ende bleibt
kein Riechen,
kein Nicht-Riechen,
kein Bewusstsein,
kein Objekt.

Und doch
wird gerochen.

Was bleibt,
kann nicht
als Funktion benannt werden.

Es ist
das unverortbare,
nicht-duale
Ursprüngliche,
in dem selbst
die feinste Unterscheidung
von Duft und Gestank
keinen festen Halt findet.
中文原文
「阿難!若因鼻生,則汝心中以何為鼻?為取肉形雙爪之相?為取嗅知動搖之性?若取肉形,肉質乃身,身知即觸,名身非鼻,名觸即塵;鼻尚無名,云何立界?若取嗅知,又汝心中以何為知?以肉為知,則肉之知元觸非鼻。以空為知,空則自知,肉應非覺。如是則應虛空是汝,汝身非知,今日阿難應無所在。以香為知,知自屬香,何預於汝?若香、臭氣必生汝鼻,則彼香、臭二種流氣,不生伊蘭及栴檀木。二物不來,汝自嗅鼻為香為臭?臭則非香、香應非臭。若香、臭二俱能聞者,則汝一人應有兩鼻,對我問道有二阿難,誰為汝體?若鼻是一,香、臭無二,臭既為香,香復成臭,二性不有,界從誰立?若因香生,識因香有,如眼有見不能觀眼,因香有故應不知香。知[4]則非生,不知非識,香非知有,香界不成。識不知香,因界則非從香建立。既無中間,不成內、外,彼諸聞性畢竟虛妄!是故當知鼻、香為緣生鼻識界,三處都無,則鼻與香及香界三,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn das Riechen
aus der Nase entstünde,
sage mir:
Was ist dann
die Nase?

Ist es die Fleischform,
so gehört sie zum Körper
und zur Berührung –
nicht zum Riechen.
Wie könnte daraus
ein Bereich entstehen?

Ist es die Fähigkeit zu riechen,
frage ich:
Wodurch wird erkannt?
Durch Fleisch,
ist es Berührung.
Durch Raum,
ist der Raum selbst
der Erkennende.

Dann wärst du
der Raum,
und dein Körper
hätte kein Gewahrsein.

Ist der Duft selbst
das Erkennen,
gehört das Erkennen
dem Duft –
nicht dir.
Entstünden Duft und Gestank
notwendig aus deiner Nase,
müssten sie
nicht aus Dingen entstehen.
Riechst du dann
an deiner Nase:
ist sie Duft oder Gestank?

Könnten Duft und Gestank
beide zugleich erkannt werden,
müsstest du
zwei Nasen haben.
Gibt es aber nur eine,
können die beiden
nicht bestehen.

Wenn das Erkennen
aus dem Duft entstünde,
könnte es
den Duft nicht erkennen.
Erkennt es,
ist es nicht aus ihm;
erkennt es nicht,
ist es kein Erkennen.

Ohne ein Mittleres
gibt es kein Innen und Außen.

Darum erkenne:
Nase,
Duft
und Erkennen
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist einer der
argumentativ dichtesten
des gesamten Sutras
und zeigt die Methode
in maximaler Konsequenz.
1. Zerlegung bis in die letzte Unterscheidung

Der Text lässt
keine Ausweichbewegung mehr zu:
nicht Fleisch,
nicht Funktion,
nicht Raum,
nicht Objekt,
nicht Bewusstsein.

Jeder mögliche Träger
wird einzeln geprüft
und verworfen.
2. Die Unmöglichkeit eines „Riech-Zentrums“

Besonders scharf ist hier
die Kritik an der Vorstellung,
das Erkennen könne
„in der Nase“ sitzen.

Sobald man versucht,
dies festzulegen,
verwandelt sich alles
entweder in Körper,
Raum
oder Objekt –
nie in Erkennen selbst.
3. Identitätsargumente

Die Beispiele mit
zwei Nasen,
zwei Ānandas,
oder dem Menschen,
der selbst Raum wäre,
zeigen:
Jede Ontologisierung
führt zu Absurditäten.

Das ist keine Polemik,
sondern
präzise logische Reduktion.
4. Kein Mittleres – kein Innen und Außen

Der entscheidende Satz:

„既無中間,不成內、外“

Ohne ein mittleres Trägerelement
können Innen und Außen
nicht entstehen.

Das ist
die vollständige Auflösung
der Subjekt–Objekt-Struktur.
5. Rückbindung an der ursprüngliche Grund

Am Ende bleibt
kein Riechen,
kein Nicht-Riechen,
kein Bewusstsein,
kein Objekt.

Und doch
wird gerochen.

Was bleibt,
kann nicht
als Funktion benannt werden.

Es ist
das unverortbare,
nicht-duale
Ursprüngliche,
in dem selbst
die feinste Unterscheidung
von Duft und Gestank
keinen festen Halt findet.
141 #
「阿難!又汝所明舌、味為緣生於舌識,此識為復因舌所生、以舌為界?因味所生、以味為界?
「阿難!若因舌生,則諸世間甘蔗、烏梅、黃連、石鹽、細辛、薑、桂、都無有味。汝自嘗舌為甜、為苦?若舌性苦,誰來嘗舌?舌不自嘗,孰為知覺?舌性非苦,味自不生,云何立界?若因味生,識自為味,同於舌根,應不自嘗,云何識知是味非味?又一切味非一物生,味既多生,識應多體!識體若一,體必味生,鹹、淡、甘、辛、和合俱生諸變異相,同為一味,應無分別!分別既無則不名識,云何復名舌味識界?不應虛空生汝心識!舌、味和合,即於是中元無自性,云何界生?是故當知舌、味為緣生舌識界,三處都無,則舌與味及舌界三,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du meinst,
Zunge und Geschmack
seien Bedingungen,
aus denen Schmecken entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus der Zunge?
Oder entsteht es
aus dem Geschmack?

Wäre es aus der Zunge,
hätten alle Dinge
keinen Geschmack.
Dann wäre die Zunge selbst
süß oder bitter.
Wäre sie bitter,
wer würde sie schmecken?
Schmeckt sie sich nicht selbst,
wer erkennt dann Geschmack?

Ist die Zunge
nicht von Natur bitter,
kann Geschmack
nicht aus ihr entstehen.
Wie sollte man dann
einen Bereich festlegen?

Wäre Erkennen
aus dem Geschmack,
wäre es selbst Geschmack
und könnte sich
nicht erkennen.
Wie sollte es dann
zwischen Geschmack
und Nicht-Geschmack unterscheiden?

Da es viele Geschmäcker gibt,
müsste Erkennen
viele Wesenheiten haben.
Hätte es nur eine,
würden alle Geschmäcker
zu einem einzigen werden
und jede Unterscheidung
wäre unmöglich.

Ohne Unterscheidung
gibt es kein Erkennen.
Wie sollte man es dann
Zungen-Geschmacks-Bewusstsein nennen?

Zunge und Geschmack
kommen zwar zusammen,
doch haben sie
keine eigene Natur.
Wie sollte daraus
ein Bereich entstehen?

Darum erkenne:
Zunge,
Geschmack
und Erkennen
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt führt
die Analyse der achtzehn Bereiche
mit äußerster Konsequenz fort
und entzieht auch dem Geschmack
jede ontologische Stütze.
1. Geschmack ist kein Träger

Gerade das scheinbar
Unmittelbarste –
süß, bitter, salzig –
wird hier
radikal hinterfragt.

Geschmack
ist weder in der Zunge
noch im Objekt
noch im Bewusstsein verortbar.
2. Die Absurdität der Selbstschmeckung

Das Argument,
die Zunge müsse sich selbst schmecken,
zeigt die Unmöglichkeit
eines geschmacklichen Selbstzentrums.

Erkennen
kann sich nicht
als Objekt begegnen.
3. Einheit und Vielheit

Das Sutra zeigt:
Weder ein einheitliches
noch ein vielfaches Bewusstsein
kann Geschmack tragen.

Einheit löscht Unterscheidung,
Vielheit zerstört Identität.
4. Zusammenbruch des Bereichs

Wenn weder Zunge,
noch Geschmack,
noch Bewusstsein
Träger sein können,
bricht der „Bereich“
selbst zusammen.
5. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Was bleibt,
ist nicht Schmecken
und nicht Nicht-Schmecken.

Es ist das,
in dem Geschmack
als Erscheinung aufkommt
und vergeht,
ohne je
zu etwas Festem zu werden.

der ursprüngliche Grund
erscheint hier
nicht als Sinn,
sondern als
der grundlose Grund,
in dem selbst
süß und bitter
keine Spur hinterlassen.
中文原文
「阿難!又汝所明舌、味為緣生於舌識,此識為復因舌所生、以舌為界?因味所生、以味為界?
「阿難!若因舌生,則諸世間甘蔗、烏梅、黃連、石鹽、細辛、薑、桂、都無有味。汝自嘗舌為甜、為苦?若舌性苦,誰來嘗舌?舌不自嘗,孰為知覺?舌性非苦,味自不生,云何立界?若因味生,識自為味,同於舌根,應不自嘗,云何識知是味非味?又一切味非一物生,味既多生,識應多體!識體若一,體必味生,鹹、淡、甘、辛、和合俱生諸變異相,同為一味,應無分別!分別既無則不名識,云何復名舌味識界?不應虛空生汝心識!舌、味和合,即於是中元無自性,云何界生?是故當知舌、味為緣生舌識界,三處都無,則舌與味及舌界三,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du meinst,
Zunge und Geschmack
seien Bedingungen,
aus denen Schmecken entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus der Zunge?
Oder entsteht es
aus dem Geschmack?

Wäre es aus der Zunge,
hätten alle Dinge
keinen Geschmack.
Dann wäre die Zunge selbst
süß oder bitter.
Wäre sie bitter,
wer würde sie schmecken?
Schmeckt sie sich nicht selbst,
wer erkennt dann Geschmack?

Ist die Zunge
nicht von Natur bitter,
kann Geschmack
nicht aus ihr entstehen.
Wie sollte man dann
einen Bereich festlegen?

Wäre Erkennen
aus dem Geschmack,
wäre es selbst Geschmack
und könnte sich
nicht erkennen.
Wie sollte es dann
zwischen Geschmack
und Nicht-Geschmack unterscheiden?

Da es viele Geschmäcker gibt,
müsste Erkennen
viele Wesenheiten haben.
Hätte es nur eine,
würden alle Geschmäcker
zu einem einzigen werden
und jede Unterscheidung
wäre unmöglich.

Ohne Unterscheidung
gibt es kein Erkennen.
Wie sollte man es dann
Zungen-Geschmacks-Bewusstsein nennen?

Zunge und Geschmack
kommen zwar zusammen,
doch haben sie
keine eigene Natur.
Wie sollte daraus
ein Bereich entstehen?

Darum erkenne:
Zunge,
Geschmack
und Erkennen
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt führt
die Analyse der achtzehn Bereiche
mit äußerster Konsequenz fort
und entzieht auch dem Geschmack
jede ontologische Stütze.
1. Geschmack ist kein Träger

Gerade das scheinbar
Unmittelbarste –
süß, bitter, salzig –
wird hier
radikal hinterfragt.

Geschmack
ist weder in der Zunge
noch im Objekt
noch im Bewusstsein verortbar.
2. Die Absurdität der Selbstschmeckung

Das Argument,
die Zunge müsse sich selbst schmecken,
zeigt die Unmöglichkeit
eines geschmacklichen Selbstzentrums.

Erkennen
kann sich nicht
als Objekt begegnen.
3. Einheit und Vielheit

Das Sutra zeigt:
Weder ein einheitliches
noch ein vielfaches Bewusstsein
kann Geschmack tragen.

Einheit löscht Unterscheidung,
Vielheit zerstört Identität.
4. Zusammenbruch des Bereichs

Wenn weder Zunge,
noch Geschmack,
noch Bewusstsein
Träger sein können,
bricht der „Bereich“
selbst zusammen.
5. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Was bleibt,
ist nicht Schmecken
und nicht Nicht-Schmecken.

Es ist das,
in dem Geschmack
als Erscheinung aufkommt
und vergeht,
ohne je
zu etwas Festem zu werden.

der ursprüngliche Grund
erscheint hier
nicht als Sinn,
sondern als
der grundlose Grund,
in dem selbst
süß und bitter
keine Spur hinterlassen.
142 #
「阿難!又汝所明身、觸為緣生於身識,此識為復因身所生、以身為界?因觸所生、以觸為界?
「阿難!若因身生,必無合、離二覺觀緣,身何所識?若因觸生,必無汝身,誰有非身知合、離者?阿難!物不觸知,身知有觸;知身即觸,知觸即身;即觸非身,即身非觸,身、觸二相元無處所。合身即為身自體性,離身即是虛空等相,內、外不成,中云何立?中不復立,內、外性空,[1]即汝識生從誰立界?是故當知身、觸為緣生身識界,三處都無,則身與觸及身界三,本非因緣、非自然性。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du meinst,
Körper und Berührung
seien Bedingungen,
aus denen Körpergewahrsein entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus dem Körper?
Oder entsteht es
aus der Berührung?

Wäre es aus dem Körper,
gäbe es
keine Wahrnehmung
von Vereinigung und Trennung.
Der Körper
hätte nichts zu erkennen.

Wäre es aus der Berührung,
gäbe es
keinen Körper.
Wer sollte dann
Vereinigung oder Trennung erkennen?

Die Dinge
kennen keine Berührung.
Der Körper
kennt Berührung.
Doch Körper erkennen
ist Berührung,
und Berührung erkennen
ist Körper.

Ist Berührung nicht Körper,
ist Körper nicht Berührung.
Beide
haben keinen Ort.

Ist Berührung
eins mit dem Körper,
ist sie seine eigene Wesenheit.
Ist sie vom Körper getrennt,
ist sie wie Raum.
Dann gibt es
kein Innen und kein Außen.
Ohne Innen und Außen
gibt es kein Dazwischen.
Ohne Dazwischen
gibt es keinen Bereich.

Darum erkenne:
Körper,
Berührung
und Erkennen
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt schließt
die Analyse der achtzehn Bereiche
für den Körper
mit größter Präzision ab.
1. Berührung als letzte Zuflucht

Berührung gilt intuitiv
als die unmittelbarste Erfahrung.
Gerade deshalb
wird sie hier
bis zur Unhaltbarkeit geprüft.
2. Keine Trennung von Körper und Empfinden

Der Text zeigt:
Körper und Berührung
sind nicht zwei getrennte Entitäten.
Versucht man,
sie zu trennen,
zerfällt jede Erklärung.
Identifiziert man sie,
verschwindet jede Unterscheidung.
3. Zusammenbruch von Innen, Außen und Dazwischen

Ohne klare Trennung
von Körper und Berührung
können weder
Innen
noch Außen
noch ein Mittleres bestehen.

Damit kollabiert
das räumliche Modell
der Wahrnehmung vollständig.
4. Bewusstsein ohne Ort

Wenn weder Körper
noch Berührung
einen Bereich begründen können,
kann auch
das Körperbewusstsein
nirgendwo verortet werden.

Es ist weder
im Körper,
noch in der Berührung,
noch dazwischen.
5. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Was hier übrig bleibt,
ist nicht ein „feines Körpergewahrsein“,
sondern
die vollständige Entleerung
aller körperlichen Identifikation.

der ursprüngliche Grund
erscheint nicht als Empfinden
und nicht als Nicht-Empfinden,
sondern als das,
in dem selbst
Berührung
keinen festen Halt findet
und frei aufscheint.
中文原文
「阿難!又汝所明身、觸為緣生於身識,此識為復因身所生、以身為界?因觸所生、以觸為界?
「阿難!若因身生,必無合、離二覺觀緣,身何所識?若因觸生,必無汝身,誰有非身知合、離者?阿難!物不觸知,身知有觸;知身即觸,知觸即身;即觸非身,即身非觸,身、觸二相元無處所。合身即為身自體性,離身即是虛空等相,內、外不成,中云何立?中不復立,內、外性空,[1]即汝識生從誰立界?是故當知身、觸為緣生身識界,三處都無,則身與觸及身界三,本非因緣、非自然性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du meinst,
Körper und Berührung
seien Bedingungen,
aus denen Körpergewahrsein entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus dem Körper?
Oder entsteht es
aus der Berührung?

Wäre es aus dem Körper,
gäbe es
keine Wahrnehmung
von Vereinigung und Trennung.
Der Körper
hätte nichts zu erkennen.

Wäre es aus der Berührung,
gäbe es
keinen Körper.
Wer sollte dann
Vereinigung oder Trennung erkennen?

Die Dinge
kennen keine Berührung.
Der Körper
kennt Berührung.
Doch Körper erkennen
ist Berührung,
und Berührung erkennen
ist Körper.

Ist Berührung nicht Körper,
ist Körper nicht Berührung.
Beide
haben keinen Ort.

Ist Berührung
eins mit dem Körper,
ist sie seine eigene Wesenheit.
Ist sie vom Körper getrennt,
ist sie wie Raum.
Dann gibt es
kein Innen und kein Außen.
Ohne Innen und Außen
gibt es kein Dazwischen.
Ohne Dazwischen
gibt es keinen Bereich.

Darum erkenne:
Körper,
Berührung
und Erkennen
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt schließt
die Analyse der achtzehn Bereiche
für den Körper
mit größter Präzision ab.
1. Berührung als letzte Zuflucht

Berührung gilt intuitiv
als die unmittelbarste Erfahrung.
Gerade deshalb
wird sie hier
bis zur Unhaltbarkeit geprüft.
2. Keine Trennung von Körper und Empfinden

Der Text zeigt:
Körper und Berührung
sind nicht zwei getrennte Entitäten.
Versucht man,
sie zu trennen,
zerfällt jede Erklärung.
Identifiziert man sie,
verschwindet jede Unterscheidung.
3. Zusammenbruch von Innen, Außen und Dazwischen

Ohne klare Trennung
von Körper und Berührung
können weder
Innen
noch Außen
noch ein Mittleres bestehen.

Damit kollabiert
das räumliche Modell
der Wahrnehmung vollständig.
4. Bewusstsein ohne Ort

Wenn weder Körper
noch Berührung
einen Bereich begründen können,
kann auch
das Körperbewusstsein
nirgendwo verortet werden.

Es ist weder
im Körper,
noch in der Berührung,
noch dazwischen.
5. Implizite Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Was hier übrig bleibt,
ist nicht ein „feines Körpergewahrsein“,
sondern
die vollständige Entleerung
aller körperlichen Identifikation.

der ursprüngliche Grund
erscheint nicht als Empfinden
und nicht als Nicht-Empfinden,
sondern als das,
in dem selbst
Berührung
keinen festen Halt findet
und frei aufscheint.
143 #
「阿難!又汝所明意、法為緣生於意識,此識為復因意所生、以意為界?因法所生、以法為界?
「阿難!若因意生,於汝意中必有所思發明汝意,若無前法,意無所生,離緣無形,識將何用?又汝識心、與諸思量、兼了別性,為同為異?同意即意,云何所生?異意不同,應無所識!若無所識,云何意生?若有所識,云何識意?唯同與異二性無成,界云何立?若因法生,世間諸法不離五塵。汝觀色法及諸聲法、香法、味法、及與觸法,相狀分明以對五根,非意所攝。汝識決定依於法生,[2]汝今諦觀法法何狀?若離色空、動靜、通塞、合離、生滅,越此諸相,終無所得。生則色、空諸法等生,滅則色、空諸法等滅;所因既無,因生有識,作何形相?相狀不有,界云何生?是故當知意、法為緣生意識界,三處都無,則意與法及意界三,本非因緣、非自然性。」
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du meinst,
Geist und Dharmas
seien Bedingungen,
aus denen Denken entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus dem Geist?
Oder entsteht es
aus den Dharmas?

Wäre es aus dem Geist,
müsste der Geist
sich selbst hervorbringen.
Ohne vorausgehende Inhalte
gäbe es jedoch
nichts,
woraus Denken entstehen könnte.
Ohne Bedingungen
hat Denken keine Gestalt –
wozu sollte es dienen?

Sind Bewusstsein,
Denken
und Unterscheiden
ein und dasselbe,
kann nichts
aus sich selbst entstehen.
Sind sie verschieden,
gibt es
keine Verbindung
und kein Erkennen.

Da weder
Gleichheit
noch
Verschiedenheit
haltbar ist,
kann kein Bereich entstehen.

Wäre Denken
aus den Dharmas,
so prüfe:
Was sind diese Dharmas?
Getrennt von
Form und Raum,
Bewegung und Ruhe,
Durchgang und Verstopfung,
Vereinigung und Trennung,
Entstehen und Vergehen –
ist da überhaupt etwas?

Gibt es dort nichts,
kann auch
kein Denken entstehen.
Ohne Gestalt
gibt es keinen Bereich.

Darum erkenne:
Geist,
Dharmas
und Denken
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vollendet
die Durchleuchtung
der achtzehn Bereiche
und schließt
jede verbleibende Zuflucht
im Denken selbst.
1. Der letzte Rückzugsort: Denken

Nachdem Sinnesorgane,
Objekte
und körperliches Gewahrsein
entleert wurden,
bleibt scheinbar
nur noch das Denken.

Genau dieses
wird hier
bis in seine feinste Struktur
aufgelöst.
2. Selbstentstehung ist unmöglich

Der Text zeigt:
Geist kann sich
nicht selbst hervorbringen.
Ohne Inhalte
kein Denken;
mit Inhalten
keine Selbstursache.

Damit scheitert
jede Theorie
eines autonomen
mentalen Zentrums.
3. Identität und Differenz brechen zusammen

Ob Denken und Bewusstsein
gleich
oder verschieden gedacht werden –
beides
führt in Widersprüche.

Das ist die endgültige
logische Sackgasse
für jedes „Ich im Geist“.
4. Die Leere der Dharmas

Dharmas
sind keine eigenständigen Entitäten,
sondern nur
relationale Bezeichnungen
innerhalb von Erfahrung.

Getrennt von allen Erscheinungsmerkmalen
ist nichts auffindbar.
5. Vollständige Entleerung der Struktur

Mit Geist–Dharma–Bewusstsein
zerfällt die letzte
dreigliedrige Struktur.

Es gibt
keinen Innenraum,
keinen Außenraum
und kein Dazwischen mehr.
6. Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Was bleibt,
ist nicht Denken
und nicht Nicht-Denken.

Es ist das,
in dem Denken
erscheint
und vergeht,
ohne Ursprung,
ohne Ort,
ohne Träger.

der ursprüngliche Grund
ist hier
nicht mehr Gegenstand der Lehre,
sondern
das,
was übrig bleibt,
wenn jede Lehre
ihren Halt verloren hat.
中文原文
「阿難!又汝所明意、法為緣生於意識,此識為復因意所生、以意為界?因法所生、以法為界?
「阿難!若因意生,於汝意中必有所思發明汝意,若無前法,意無所生,離緣無形,識將何用?又汝識心、與諸思量、兼了別性,為同為異?同意即意,云何所生?異意不同,應無所識!若無所識,云何意生?若有所識,云何識意?唯同與異二性無成,界云何立?若因法生,世間諸法不離五塵。汝觀色法及諸聲法、香法、味法、及與觸法,相狀分明以對五根,非意所攝。汝識決定依於法生,[2]汝今諦觀法法何狀?若離色空、動靜、通塞、合離、生滅,越此諸相,終無所得。生則色、空諸法等生,滅則色、空諸法等滅;所因既無,因生有識,作何形相?相狀不有,界云何生?是故當知意、法為緣生意識界,三處都無,則意與法及意界三,本非因緣、非自然性。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du meinst,
Geist und Dharmas
seien Bedingungen,
aus denen Denken entsteht.
Sag mir:
Entsteht dieses Erkennen
aus dem Geist?
Oder entsteht es
aus den Dharmas?

Wäre es aus dem Geist,
müsste der Geist
sich selbst hervorbringen.
Ohne vorausgehende Inhalte
gäbe es jedoch
nichts,
woraus Denken entstehen könnte.
Ohne Bedingungen
hat Denken keine Gestalt –
wozu sollte es dienen?

Sind Bewusstsein,
Denken
und Unterscheiden
ein und dasselbe,
kann nichts
aus sich selbst entstehen.
Sind sie verschieden,
gibt es
keine Verbindung
und kein Erkennen.

Da weder
Gleichheit
noch
Verschiedenheit
haltbar ist,
kann kein Bereich entstehen.

Wäre Denken
aus den Dharmas,
so prüfe:
Was sind diese Dharmas?
Getrennt von
Form und Raum,
Bewegung und Ruhe,
Durchgang und Verstopfung,
Vereinigung und Trennung,
Entstehen und Vergehen –
ist da überhaupt etwas?

Gibt es dort nichts,
kann auch
kein Denken entstehen.
Ohne Gestalt
gibt es keinen Bereich.

Darum erkenne:
Geist,
Dharmas
und Denken
haben keinen Ort.
Alle drei
sind leer und trügerisch.
Sie sind
nicht aus Ursachen entstanden
und
nicht von sich selbst bestehend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vollendet
die Durchleuchtung
der achtzehn Bereiche
und schließt
jede verbleibende Zuflucht
im Denken selbst.
1. Der letzte Rückzugsort: Denken

Nachdem Sinnesorgane,
Objekte
und körperliches Gewahrsein
entleert wurden,
bleibt scheinbar
nur noch das Denken.

Genau dieses
wird hier
bis in seine feinste Struktur
aufgelöst.
2. Selbstentstehung ist unmöglich

Der Text zeigt:
Geist kann sich
nicht selbst hervorbringen.
Ohne Inhalte
kein Denken;
mit Inhalten
keine Selbstursache.

Damit scheitert
jede Theorie
eines autonomen
mentalen Zentrums.
3. Identität und Differenz brechen zusammen

Ob Denken und Bewusstsein
gleich
oder verschieden gedacht werden –
beides
führt in Widersprüche.

Das ist die endgültige
logische Sackgasse
für jedes „Ich im Geist“.
4. Die Leere der Dharmas

Dharmas
sind keine eigenständigen Entitäten,
sondern nur
relationale Bezeichnungen
innerhalb von Erfahrung.

Getrennt von allen Erscheinungsmerkmalen
ist nichts auffindbar.
5. Vollständige Entleerung der Struktur

Mit Geist–Dharma–Bewusstsein
zerfällt die letzte
dreigliedrige Struktur.

Es gibt
keinen Innenraum,
keinen Außenraum
und kein Dazwischen mehr.
6. Öffnung auf der ursprüngliche Grund

Was bleibt,
ist nicht Denken
und nicht Nicht-Denken.

Es ist das,
in dem Denken
erscheint
und vergeht,
ohne Ursprung,
ohne Ort,
ohne Träger.

der ursprüngliche Grund
ist hier
nicht mehr Gegenstand der Lehre,
sondern
das,
was übrig bleibt,
wenn jede Lehre
ihren Halt verloren hat.
144 #
阿難白佛言:「世尊!如來常說和合因緣,一切世間種種變化,皆因四大和合發明。云何如來因緣、自然二俱排擯?我今不知斯義所屬,[3]唯垂哀愍,開示眾生中道了義無戲論法!」
爾時,世尊告阿難言:「汝先厭離聲聞、緣覺諸小乘法,發心勤求無上菩提,故我今時為汝開示第一義諦;如何復將世間戲論、妄想因緣而自纏繞?汝雖多聞,如說藥人,真藥現前不能分別,如來說為真可憐愍!汝今諦聽!吾當為汝分別開示;亦令當來修大乘者通達實相。」阿難默然,承佛聖旨。
Ānanda fragte:

„Weltverehrter,
du hast stets gelehrt,
dass die Wandlungen der Welt
durch Bedingungen
und ihr Zusammenwirken entstehen.
Warum verwirfst du nun
sowohl
Ursache-und-Bedingung
als auch
Natur?
Ich verstehe
diese Bedeutung nicht.
Ich bitte dich
aus Mitgefühl:
Öffne den Wesen
den mittleren Weg,
das wahre Dharma
ohne Spiel der Begriffe.“

Der Buddha antwortete:

„Du hast dich
von den begrenzten Wegen
der Hörer
und Einzelerwachten abgewandt
und suchst
das unübertreffliche Erwachen.
Darum offenbare ich dir jetzt
die höchste Wahrheit.
Warum aber
verstrickst du dich erneut
in weltliche Denkspiele
und irrtümliche Kausalannahmen?

Du hast viel gehört,
doch gleichst jemandem,
der über Medizin spricht,
aber die echte Arznei
nicht erkennt,
wenn sie vor ihm liegt.
Das ist wahrlich
bedauernswert.

Höre nun
in aller Klarheit!
Ich werde dir
die Bedeutung offenlegen
und zugleich bewirken,
dass auch künftige
Übende des Mahāyāna
die wahre Wirklichkeit
durchdringen.“

Ānanda schwieg
und öffnete sich
der Weisung des Buddha.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert
einen entscheidenden Wendepunkt
im Sutra.
1. Ānandas letzte Verwirrung

Ānandas Frage ist berechtigt:
Bisher lehrte der Buddha
Kausalität,
Bedingtheit
und das Zusammenwirken
der Elemente.
Nun jedoch
werden sowohl
Ursache-und-Bedingung
als auch
Natur verworfen.

Das scheint widersprüchlich,
ist es aber nicht.
2. Zwei Ebenen der Lehre

Der Buddha unterscheidet hier
klar zwischen
• konventioneller Lehre
• erster, höchster Wahrheit

Ursache-und-Bedingung
ist ein heilsames Mittel,
um Verblendung zu lösen.
Doch wird daran festgehalten,
wird es selbst
zur Verblendung.
3. Warum auch „Natur“ verworfen wird

„Natur“ wäre die andere Falle:
eine feste Substanz,
ein verborgenes Selbst,
ein metaphysischer Grund.

Darum verwirft der Buddha
beide Extreme:
• Kausalismus
• Essentialismus

Das ist der eigentliche
mittlere Weg.
4. Die Medizin-Metapher

Ānanda kennt die Lehre,
doch er greift
nach ihren Begriffen,
nicht nach ihrer Wirkung.

Die Medizin ist da,
doch er analysiert sie,
statt sie zu nehmen.

Das Sutra macht hier deutlich:
Verstehen ist nicht Erwachen.
5. Vorbereitung der höchsten Offenbarung

Mit dieser Mahnung
schließt der Buddha
die gesamte Analyse
von Sinnen, Bereichen
und Bewusstsein ab.

Nun geht es
nicht mehr um Widerlegung,
sondern um
direkte Offenbarung
der ersten Wahrheit:

nicht als Theorie,
sondern als
unmittelbare Einsicht
in die Wirklichkeit,
jenseits von
Ursache,
Natur
und begrifflichem Spiel.

Ānandas Schweigen
zeigt:
Jetzt ist
kein Denken mehr gefragt,
sondern
Hören ohne Greifen.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!如來常說和合因緣,一切世間種種變化,皆因四大和合發明。云何如來因緣、自然二俱排擯?我今不知斯義所屬,[3]唯垂哀愍,開示眾生中道了義無戲論法!」
爾時,世尊告阿難言:「汝先厭離聲聞、緣覺諸小乘法,發心勤求無上菩提,故我今時為汝開示第一義諦;如何復將世間戲論、妄想因緣而自纏繞?汝雖多聞,如說藥人,真藥現前不能分別,如來說為真可憐愍!汝今諦聽!吾當為汝分別開示;亦令當來修大乘者通達實相。」阿難默然,承佛聖旨。
Deutsch
Ānanda fragte:

„Weltverehrter,
du hast stets gelehrt,
dass die Wandlungen der Welt
durch Bedingungen
und ihr Zusammenwirken entstehen.
Warum verwirfst du nun
sowohl
Ursache-und-Bedingung
als auch
Natur?
Ich verstehe
diese Bedeutung nicht.
Ich bitte dich
aus Mitgefühl:
Öffne den Wesen
den mittleren Weg,
das wahre Dharma
ohne Spiel der Begriffe.“

Der Buddha antwortete:

„Du hast dich
von den begrenzten Wegen
der Hörer
und Einzelerwachten abgewandt
und suchst
das unübertreffliche Erwachen.
Darum offenbare ich dir jetzt
die höchste Wahrheit.
Warum aber
verstrickst du dich erneut
in weltliche Denkspiele
und irrtümliche Kausalannahmen?

Du hast viel gehört,
doch gleichst jemandem,
der über Medizin spricht,
aber die echte Arznei
nicht erkennt,
wenn sie vor ihm liegt.
Das ist wahrlich
bedauernswert.

Höre nun
in aller Klarheit!
Ich werde dir
die Bedeutung offenlegen
und zugleich bewirken,
dass auch künftige
Übende des Mahāyāna
die wahre Wirklichkeit
durchdringen.“

Ānanda schwieg
und öffnete sich
der Weisung des Buddha.
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert
einen entscheidenden Wendepunkt
im Sutra.
1. Ānandas letzte Verwirrung

Ānandas Frage ist berechtigt:
Bisher lehrte der Buddha
Kausalität,
Bedingtheit
und das Zusammenwirken
der Elemente.
Nun jedoch
werden sowohl
Ursache-und-Bedingung
als auch
Natur verworfen.

Das scheint widersprüchlich,
ist es aber nicht.
2. Zwei Ebenen der Lehre

Der Buddha unterscheidet hier
klar zwischen
• konventioneller Lehre
• erster, höchster Wahrheit

Ursache-und-Bedingung
ist ein heilsames Mittel,
um Verblendung zu lösen.
Doch wird daran festgehalten,
wird es selbst
zur Verblendung.
3. Warum auch „Natur“ verworfen wird

„Natur“ wäre die andere Falle:
eine feste Substanz,
ein verborgenes Selbst,
ein metaphysischer Grund.

Darum verwirft der Buddha
beide Extreme:
• Kausalismus
• Essentialismus

Das ist der eigentliche
mittlere Weg.
4. Die Medizin-Metapher

Ānanda kennt die Lehre,
doch er greift
nach ihren Begriffen,
nicht nach ihrer Wirkung.

Die Medizin ist da,
doch er analysiert sie,
statt sie zu nehmen.

Das Sutra macht hier deutlich:
Verstehen ist nicht Erwachen.
5. Vorbereitung der höchsten Offenbarung

Mit dieser Mahnung
schließt der Buddha
die gesamte Analyse
von Sinnen, Bereichen
und Bewusstsein ab.

Nun geht es
nicht mehr um Widerlegung,
sondern um
direkte Offenbarung
der ersten Wahrheit:

nicht als Theorie,
sondern als
unmittelbare Einsicht
in die Wirklichkeit,
jenseits von
Ursache,
Natur
und begrifflichem Spiel.

Ānandas Schweigen
zeigt:
Jetzt ist
kein Denken mehr gefragt,
sondern
Hören ohne Greifen.
145 #
「阿難!如汝所言『四大和合發明世間種種變化』,阿難!若彼大性體非和合,則不能與諸大雜和,猶如虛空不和諸色。若和合者同於變化,始終相成,生滅相續,生死死生,生生死死,如旋火輪未有休息。阿難!如水成氷,氷還成水。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du sagst,
dass die Wandlungen der Welt
aus dem Zusammenwirken
der vier Elemente hervorgehen.

Wenn die Wesenheit
der Elemente
nicht Vereinigung wäre,
könnten sie
nicht miteinander wirken –
wie der Raum,
der sich
nicht mit Formen verbindet.

Wäre ihre Wesenheit
aber Vereinigung,
dann wären sie
reinem Wandel unterworfen:
Anfang und Ende
erzeugen einander,
Entstehen und Vergehen
reißen nicht ab,
Geburt folgt auf Tod,
Tod auf Geburt –
wie ein kreisender Feuerring,
ohne Ruhepunkt.

So ist es:
Wasser
wird zu Eis,
Eis
wird wieder zu Wasser.“
Kommentar öffnen
Dieser kurze Abschnitt ist
außerordentlich dicht
und leitet unmittelbar
in die positive Klärung
der ersten Wahrheit über.
1. Das Dilemma der „Vereinigung“

Ānanda greift
die klassische Erklärung der Welt auf:
Die vier Elemente
vereinigen sich
und erzeugen Wandel.

Der Buddha zeigt:
Beide möglichen Deutungen
führen in Probleme.
2. Wenn die Elemente nicht vereinigbar wären

Wären die Elemente
in ihrer Wesenheit
nicht vereinbar,
gäbe es
keinen Wandel,
keine Welt,
keine Erfahrung.

So wie Raum
nicht mit Formen
verschmilzt,
könnten die Elemente
keine Erscheinungen bilden.
3. Wenn die Elemente Vereinigung wären

Wären sie
in ihrer Wesenheit
Vereinigung,
wären sie
reiner Prozess:
endlose Abfolge
von Entstehen und Vergehen,
ohne Träger,
ohne Ruhe,
ohne Befreiung.

Das Bild des
kreisenden Feuerrings
zeigt:
Bewegung erscheint
als Gestalt,
doch sie ist
nur Illusion der Geschwindigkeit.
4. Wasser und Eis – kein Substanzwechsel

Das Gleichnis
von Wasser und Eis
ist entscheidend:
Es wird nichts Neues geschaffen
und nichts vernichtet.

Form wandelt sich,
doch die Grundlage
geht nicht verloren.

Der Buddha bereitet hier vor,
was gleich
explizit entfaltet wird:
Wandel ist real
auf der Ebene der Erscheinung,
doch nicht
auf der Ebene der wahren Natur.
5. Brücke zur ersten Wahrheit

Dieser Abschnitt
schlägt die Brücke
zwischen
konventioneller Erklärung
und
höchster Wahrheit.

Er zeigt:
Weder „reine Vereinigung“
noch „reine Trennung“
erklärt die Wirklichkeit.

Was folgt,
ist keine neue Theorie,
sondern
die Offenlegung
dessen,
was im Wandel
nie mitwandelt.
中文原文
「阿難!如汝所言『四大和合發明世間種種變化』,阿難!若彼大性體非和合,則不能與諸大雜和,猶如虛空不和諸色。若和合者同於變化,始終相成,生滅相續,生死死生,生生死死,如旋火輪未有休息。阿難!如水成氷,氷還成水。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du sagst,
dass die Wandlungen der Welt
aus dem Zusammenwirken
der vier Elemente hervorgehen.

Wenn die Wesenheit
der Elemente
nicht Vereinigung wäre,
könnten sie
nicht miteinander wirken –
wie der Raum,
der sich
nicht mit Formen verbindet.

Wäre ihre Wesenheit
aber Vereinigung,
dann wären sie
reinem Wandel unterworfen:
Anfang und Ende
erzeugen einander,
Entstehen und Vergehen
reißen nicht ab,
Geburt folgt auf Tod,
Tod auf Geburt –
wie ein kreisender Feuerring,
ohne Ruhepunkt.

So ist es:
Wasser
wird zu Eis,
Eis
wird wieder zu Wasser.“
Kommentar
Dieser kurze Abschnitt ist
außerordentlich dicht
und leitet unmittelbar
in die positive Klärung
der ersten Wahrheit über.
1. Das Dilemma der „Vereinigung“

Ānanda greift
die klassische Erklärung der Welt auf:
Die vier Elemente
vereinigen sich
und erzeugen Wandel.

Der Buddha zeigt:
Beide möglichen Deutungen
führen in Probleme.
2. Wenn die Elemente nicht vereinigbar wären

Wären die Elemente
in ihrer Wesenheit
nicht vereinbar,
gäbe es
keinen Wandel,
keine Welt,
keine Erfahrung.

So wie Raum
nicht mit Formen
verschmilzt,
könnten die Elemente
keine Erscheinungen bilden.
3. Wenn die Elemente Vereinigung wären

Wären sie
in ihrer Wesenheit
Vereinigung,
wären sie
reiner Prozess:
endlose Abfolge
von Entstehen und Vergehen,
ohne Träger,
ohne Ruhe,
ohne Befreiung.

Das Bild des
kreisenden Feuerrings
zeigt:
Bewegung erscheint
als Gestalt,
doch sie ist
nur Illusion der Geschwindigkeit.
4. Wasser und Eis – kein Substanzwechsel

Das Gleichnis
von Wasser und Eis
ist entscheidend:
Es wird nichts Neues geschaffen
und nichts vernichtet.

Form wandelt sich,
doch die Grundlage
geht nicht verloren.

Der Buddha bereitet hier vor,
was gleich
explizit entfaltet wird:
Wandel ist real
auf der Ebene der Erscheinung,
doch nicht
auf der Ebene der wahren Natur.
5. Brücke zur ersten Wahrheit

Dieser Abschnitt
schlägt die Brücke
zwischen
konventioneller Erklärung
und
höchster Wahrheit.

Er zeigt:
Weder „reine Vereinigung“
noch „reine Trennung“
erklärt die Wirklichkeit.

Was folgt,
ist keine neue Theorie,
sondern
die Offenlegung
dessen,
was im Wandel
nie mitwandelt.
146 #
「汝觀地性,麁為大地,細為微塵;至隣虛塵,析彼極微色邊際相,七分所成;更析隣虛,即實空性。阿難!若此隣虛析成虛空,當知虛空出生色相。汝今問言『由和合故出生世間諸變化相』,汝且觀此一隣虛塵,用幾虛空和合而有?不應隣虛合成隣虛。又隣虛塵析入空者,用幾色相合成虛空?若色合時,合色非空,若空合時,合空非色。色猶可析,空云何合?汝元不知如來藏中性色真空、性空真色,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
Der Buddha sprach:

„Sieh auf die Erde:
Grob erscheint sie
als feste Erde,
fein als Staub.
Verfeinerst du weiter
bis an die Grenze
des äußersten Staubes
und zerlegst ihn,
so zerfällt er
in Teile.
Zerlegst du weiter,
bleibt
nur Raum.

Ānanda,
wenn Staub
durch Zerlegung
zu Raum würde,
dann müsste Raum
Form hervorbringen.

Du sagst,
durch Vereinigung
entstünden
die Wandlungen der Welt.
Dann frage ich:
Wie viele Räume
müssten sich vereinen,
um einen einzigen
feinsten Staub zu bilden?
Ein solcher Staub
entsteht nicht
durch Vereinigung.

Und wenn Staub
durch Zerlegung
zu Raum wird,
wie viele Formen
müssten sich vereinen,
um Raum zu bilden?

Vereinigte Formen
bleiben Form,
vereinigter Raum
bleibt Raum.
Form lässt sich zerlegen,
Raum
lässt sich nicht vereinen.

Du erkennst nicht,
dass im Tathāgata-Speicher
Form ihrer Natur nach
wahre Leerheit ist
und Leerheit ihrer Natur nach
wahre Form:
ursprünglich rein,
von selbst so,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend.

Entsprechend dem Herzen der Wesen
erscheint dies
im Maß ihres Erkennens.
Durch karmische Gewohnheit
zeigt sich die Welt.
Die Menschen wissen dies nicht
und halten es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist einer der Schlüsseltexte des gesamten Sutras.
Hier wird erstmals positiv und ausdrücklich ausgesprochen, was zuvor nur durch Verneinung vorbereitet wurde.
1. Die Demontage der atomistischen Welterklärung

Der Buddha greift die damals feinste Physik auf:
Teilung von Materie
bis zur äußersten Grenze.

Doch die Argumentation ist nicht naturwissenschaftlich,
sondern logisch:
Weder Zerlegung
noch Vereinigung
erklären,
wie Form und Raum entstehen.

Damit wird jede
substanziell-atomistische
oder
prozessual-kausale
Erklärung unterlaufen.
2. Der Denkfehler der Vereinigung

„Vereinigung“ scheint plausibel,
doch sie erklärt nichts:
• Vereinigte Form bleibt Form
• Vereinigter Raum bleibt Raum
• Raum kann nicht „zusammengefügt“ werden

Die Vorstellung,
Raum und Form
entstünden aus einander,
ist ein Denkreflex,
kein Erkennen.
3. Der Wendepunkt: 如來藏

Hier geschieht der Übergang:
Nicht mehr nur
Widerlegung,
sondern
Offenbarung.

Im Tathāgata-Speicher gilt:
• Form ist ihrer Natur nach
wahre Leerheit
• Leerheit ist ihrer Natur nach
wahre Form

Das ist keine Metaphysik,
sondern
die Aufhebung
der Trennung
von Erscheinung und Grund.
4. 清淨本然 周遍法界

Der Text betont:
Diese Wirklichkeit ist
• ursprünglich rein
• nicht gemacht
• allgegenwärtig

Sie ist nicht das Ergebnis
von Prozessen,
sondern
das,
in dem Prozesse erscheinen.
5. Warum die Welt sich irrt

Die Welt hält dies
für
• Kausalität
• Natur
• Objektivität

Doch all das
sind Projektionen
des unterscheidenden Geistes.

Worte,
Modelle,
Theorien
haben
keine eigene Wirklichkeit.
6. ursprünglicher Grund – still benannt

Hier ist klar:
Das hier Gemeinte
ist der ursprüngliche Grund.

Nicht als Ding,
nicht als Prinzip,
sondern als
der unverortbare Grund,
in dem
Form und Leerheit
zugleich wahr sind.

Darum endet der Abschnitt
nicht mit einer Theorie,
sondern mit einer Warnung:

„Nur Worte – keine wirkliche Bedeutung.“

Damit ist alles gesagt.
中文原文
「汝觀地性,麁為大地,細為微塵;至隣虛塵,析彼極微色邊際相,七分所成;更析隣虛,即實空性。阿難!若此隣虛析成虛空,當知虛空出生色相。汝今問言『由和合故出生世間諸變化相』,汝且觀此一隣虛塵,用幾虛空和合而有?不應隣虛合成隣虛。又隣虛塵析入空者,用幾色相合成虛空?若色合時,合色非空,若空合時,合空非色。色猶可析,空云何合?汝元不知如來藏中性色真空、性空真色,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Sieh auf die Erde:
Grob erscheint sie
als feste Erde,
fein als Staub.
Verfeinerst du weiter
bis an die Grenze
des äußersten Staubes
und zerlegst ihn,
so zerfällt er
in Teile.
Zerlegst du weiter,
bleibt
nur Raum.

Ānanda,
wenn Staub
durch Zerlegung
zu Raum würde,
dann müsste Raum
Form hervorbringen.

Du sagst,
durch Vereinigung
entstünden
die Wandlungen der Welt.
Dann frage ich:
Wie viele Räume
müssten sich vereinen,
um einen einzigen
feinsten Staub zu bilden?
Ein solcher Staub
entsteht nicht
durch Vereinigung.

Und wenn Staub
durch Zerlegung
zu Raum wird,
wie viele Formen
müssten sich vereinen,
um Raum zu bilden?

Vereinigte Formen
bleiben Form,
vereinigter Raum
bleibt Raum.
Form lässt sich zerlegen,
Raum
lässt sich nicht vereinen.

Du erkennst nicht,
dass im Tathāgata-Speicher
Form ihrer Natur nach
wahre Leerheit ist
und Leerheit ihrer Natur nach
wahre Form:
ursprünglich rein,
von selbst so,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend.

Entsprechend dem Herzen der Wesen
erscheint dies
im Maß ihres Erkennens.
Durch karmische Gewohnheit
zeigt sich die Welt.
Die Menschen wissen dies nicht
und halten es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist einer der Schlüsseltexte des gesamten Sutras.
Hier wird erstmals positiv und ausdrücklich ausgesprochen, was zuvor nur durch Verneinung vorbereitet wurde.
1. Die Demontage der atomistischen Welterklärung

Der Buddha greift die damals feinste Physik auf:
Teilung von Materie
bis zur äußersten Grenze.

Doch die Argumentation ist nicht naturwissenschaftlich,
sondern logisch:
Weder Zerlegung
noch Vereinigung
erklären,
wie Form und Raum entstehen.

Damit wird jede
substanziell-atomistische
oder
prozessual-kausale
Erklärung unterlaufen.
2. Der Denkfehler der Vereinigung

„Vereinigung“ scheint plausibel,
doch sie erklärt nichts:
• Vereinigte Form bleibt Form
• Vereinigter Raum bleibt Raum
• Raum kann nicht „zusammengefügt“ werden

Die Vorstellung,
Raum und Form
entstünden aus einander,
ist ein Denkreflex,
kein Erkennen.
3. Der Wendepunkt: 如來藏

Hier geschieht der Übergang:
Nicht mehr nur
Widerlegung,
sondern
Offenbarung.

Im Tathāgata-Speicher gilt:
• Form ist ihrer Natur nach
wahre Leerheit
• Leerheit ist ihrer Natur nach
wahre Form

Das ist keine Metaphysik,
sondern
die Aufhebung
der Trennung
von Erscheinung und Grund.
4. 清淨本然 周遍法界

Der Text betont:
Diese Wirklichkeit ist
• ursprünglich rein
• nicht gemacht
• allgegenwärtig

Sie ist nicht das Ergebnis
von Prozessen,
sondern
das,
in dem Prozesse erscheinen.
5. Warum die Welt sich irrt

Die Welt hält dies
für
• Kausalität
• Natur
• Objektivität

Doch all das
sind Projektionen
des unterscheidenden Geistes.

Worte,
Modelle,
Theorien
haben
keine eigene Wirklichkeit.
6. ursprünglicher Grund – still benannt

Hier ist klar:
Das hier Gemeinte
ist der ursprüngliche Grund.

Nicht als Ding,
nicht als Prinzip,
sondern als
der unverortbare Grund,
in dem
Form und Leerheit
zugleich wahr sind.

Darum endet der Abschnitt
nicht mit einer Theorie,
sondern mit einer Warnung:

„Nur Worte – keine wirkliche Bedeutung.“

Damit ist alles gesagt.
147 #
「阿難!火性無我,寄於諸緣。汝觀城中未食之家,欲炊爨時,手執陽燧日前求火。阿難!名和合者,如我與汝一千二百五十比丘今為一眾;眾雖為一,詰其根本各各有身,皆有所生氏族名字。如舍利弗、婆羅門種,優盧頻螺、迦葉波種,乃至阿難、瞿曇種姓。阿難!若此火性因和合有,彼手執鏡於日求火,此火為從鏡中而出?為從艾出?為於日來?阿難!若日來者,自能燒汝手中之艾,來處林木皆應受焚?若鏡中出,自能於鏡出然[4]于艾,鏡何不鎔?紆汝手執尚無熱相,云何融泮?若生於艾,何藉日、鏡、光明相接,然後火生?汝又諦觀,鏡因手執,日從天來,艾本地生,火從何方遊歷於此?日、鏡相遠,非和非合,不應火光無從自有。汝猶不知如來藏中性火真空、性空真火,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。阿難!當知世人一處執鏡一處火生,遍法界執滿世間起,起遍世間,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
die Natur des Feuers
hat kein eigenes Selbst.
Sie zeigt sich
in Abhängigkeit von Bedingungen.

Sieh in der Stadt:
Will man kochen,
nimmt man den Sonnenstein,
hält ihn ins Licht
und entzündet Zunder.

Was man Vereinigung nennt,
ist wie diese Versammlung:
Wir sind eine Gemeinschaft,
doch jeder
hat seinen eigenen Körper,
seine Herkunft,
seinen Namen.

Wenn Feuer
durch Vereinigung entstünde,
sage mir:
Kommt es aus dem Spiegel?
Kommt es aus dem Zunder?
Oder kommt es von der Sonne?

Käme es von der Sonne,
müsste alles,
was sie berührt,
verbrennen.
Käme es aus dem Spiegel,
müsste der Spiegel
schmelzen.
Käme es aus dem Zunder,
bräuchte es
kein Licht.

Betrachte es genau:
Der Spiegel
ist in der Hand,
die Sonne
steht am Himmel,
der Zunder
kommt aus der Erde.
Woher
kommt dann das Feuer?

Sonne und Spiegel
sind weder vereint
noch getrennt.
Feuer entsteht nicht
aus dem Nichts.

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Feuer seiner Natur nach
wahre Leerheit ist
und Leerheit ihrer Natur nach
wahres Feuer:
ursprünglich rein,
von selbst so,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
entsprechend dem Geist der Wesen
erscheinend
im Maß ihres Erkennens.

Ānanda,
wisse:
Hält man an einem Ort
einen Spiegel,
entsteht dort Feuer.
Hielte man Spiegel überall,
würde überall
Feuer erscheinen.
Wenn es überall erscheint,
hat es dann
einen Ort?

Durch karmische Gewohnheit
zeigt sich die Welt.
Die Menschen erkennen dies nicht
und halten es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die konkrete Ausfaltung dessen,
was zuvor abstrakt über Form und Leerheit gesagt wurde.
1. Feuer als Beispiel reiner Bedingtheit

Feuer ist ideal,
weil es:
• sichtbar
• wirksam
• aber nicht greifbar ist

Es scheint
„zu entstehen“,
doch nirgends
ist ein Ursprung festzumachen.
2. Die falsche Idee von Vereinigung

Das Beispiel der Versammlung zeigt:
„Vereinigung“ ist ein Sammelbegriff,
kein ontologischer Vorgang.

So wie eine Gemeinschaft
nicht zu einem Körper wird,
wird auch Feuer
nicht zu einem Ding
durch Bedingungen.
3. Weder Quelle noch Träger

Sonne,
Spiegel
und Zunder
sind Bedingungen,
aber keine Quelle.

Feuer ist
weder in ihnen
noch zwischen ihnen
noch außerhalb.
4. 真空真火 – der Schlüssel

Hier wird erneut
explizit ausgesprochen:
• Feuer ist seiner Natur nach
wahre Leerheit
• Leerheit ist ihrer Natur nach
wahres Feuer

Nicht als Theorie,
sondern als
Durchsicht der Erfahrung.
5. Allgegenwärtigkeit ohne Ort

Das Bild der überall gehaltenen Spiegel
zerstört endgültig
jede Ortsvorstellung.

Wenn etwas
überall erscheinen kann,
hat es keinen Ort.
6. Rückkehr zur Warnung

Der Abschnitt endet erneut
mit der Mahnung:
Ursache,
Bedingung
und Natur
sind Denkmodelle.

Sie helfen im Alltag,
doch sie erklären
die Wirklichkeit nicht.

Was bleibt,
ist der ursprüngliche Grund:
nicht als Feuer,
nicht als Nicht-Feuer,
sondern als
der unverortbare Grund,
in dem selbst
Feuer
nur Erscheinung ist.

Die kritische Stelle ist:

「清淨本然」
wörtlich etwa: „ursprünglich rein, ursprünglich so“

In der Arbeitsfassung steht:

„ursprünglich rein,
von selbst so“

„‚von selbst so‘ könnte – trotz vorheriger Negation –
wieder als Naturbehauptung gelesen werden.“

Gerade nachdem Ursache und Natur explizit verworfen wurden, kann „von selbst so“ bei einer ersten Lektüre wieder eine quasi-ontologische Rücktür öffnen:
• etwas ist einfach so
• etwas ist an sich so
• etwas existiert aus sich heraus

Das ist nicht gemeint, aber sprachlich möglich.



2. Was der chinesische Ausdruck hier wirklich meint

Wichtig ist:
「本然」 meint nicht „selbstexistierend“, sondern:
• nicht gemacht
• nicht hervorgebracht
• nicht durch Tun entstanden
• nicht Ergebnis eines Prozesses

Es ist eine Negation von Gemachtheit, nicht eine Behauptung von Substanz.

Im Mahāyāna-Kontext heißt das:

nicht hergestellt,
nicht bedingt,
nicht konstruiert –
aber auch nicht „da als Ding“.

Genau deshalb folgt im Text unmittelbar:

„世間無知,惑為因緣及自然性“
Die Welt irrt und hält es für Ursache oder Natur.

Der Ausdruck steht also bewusst auf einer messerscharfen Kante.



3. Warum „von selbst so“ heikel ist (gerade heute)

Im heutigen Deutsch hat „von selbst so“ leider drei Assoziationen:
1. Essentialistisch
„Es ist halt so.“
2. Naturalistisch
„Es gehört zur Natur.“
3. Metaphysisch-beruhigend
„Es ist immer schon da.“

Alle drei sind genau das, wovor der Text warnt.
中文原文
「阿難!火性無我,寄於諸緣。汝觀城中未食之家,欲炊爨時,手執陽燧日前求火。阿難!名和合者,如我與汝一千二百五十比丘今為一眾;眾雖為一,詰其根本各各有身,皆有所生氏族名字。如舍利弗、婆羅門種,優盧頻螺、迦葉波種,乃至阿難、瞿曇種姓。阿難!若此火性因和合有,彼手執鏡於日求火,此火為從鏡中而出?為從艾出?為於日來?阿難!若日來者,自能燒汝手中之艾,來處林木皆應受焚?若鏡中出,自能於鏡出然[4]于艾,鏡何不鎔?紆汝手執尚無熱相,云何融泮?若生於艾,何藉日、鏡、光明相接,然後火生?汝又諦觀,鏡因手執,日從天來,艾本地生,火從何方遊歷於此?日、鏡相遠,非和非合,不應火光無從自有。汝猶不知如來藏中性火真空、性空真火,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。阿難!當知世人一處執鏡一處火生,遍法界執滿世間起,起遍世間,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
die Natur des Feuers
hat kein eigenes Selbst.
Sie zeigt sich
in Abhängigkeit von Bedingungen.

Sieh in der Stadt:
Will man kochen,
nimmt man den Sonnenstein,
hält ihn ins Licht
und entzündet Zunder.

Was man Vereinigung nennt,
ist wie diese Versammlung:
Wir sind eine Gemeinschaft,
doch jeder
hat seinen eigenen Körper,
seine Herkunft,
seinen Namen.

Wenn Feuer
durch Vereinigung entstünde,
sage mir:
Kommt es aus dem Spiegel?
Kommt es aus dem Zunder?
Oder kommt es von der Sonne?

Käme es von der Sonne,
müsste alles,
was sie berührt,
verbrennen.
Käme es aus dem Spiegel,
müsste der Spiegel
schmelzen.
Käme es aus dem Zunder,
bräuchte es
kein Licht.

Betrachte es genau:
Der Spiegel
ist in der Hand,
die Sonne
steht am Himmel,
der Zunder
kommt aus der Erde.
Woher
kommt dann das Feuer?

Sonne und Spiegel
sind weder vereint
noch getrennt.
Feuer entsteht nicht
aus dem Nichts.

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Feuer seiner Natur nach
wahre Leerheit ist
und Leerheit ihrer Natur nach
wahres Feuer:
ursprünglich rein,
von selbst so,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
entsprechend dem Geist der Wesen
erscheinend
im Maß ihres Erkennens.

Ānanda,
wisse:
Hält man an einem Ort
einen Spiegel,
entsteht dort Feuer.
Hielte man Spiegel überall,
würde überall
Feuer erscheinen.
Wenn es überall erscheint,
hat es dann
einen Ort?

Durch karmische Gewohnheit
zeigt sich die Welt.
Die Menschen erkennen dies nicht
und halten es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die konkrete Ausfaltung dessen,
was zuvor abstrakt über Form und Leerheit gesagt wurde.
1. Feuer als Beispiel reiner Bedingtheit

Feuer ist ideal,
weil es:
• sichtbar
• wirksam
• aber nicht greifbar ist

Es scheint
„zu entstehen“,
doch nirgends
ist ein Ursprung festzumachen.
2. Die falsche Idee von Vereinigung

Das Beispiel der Versammlung zeigt:
„Vereinigung“ ist ein Sammelbegriff,
kein ontologischer Vorgang.

So wie eine Gemeinschaft
nicht zu einem Körper wird,
wird auch Feuer
nicht zu einem Ding
durch Bedingungen.
3. Weder Quelle noch Träger

Sonne,
Spiegel
und Zunder
sind Bedingungen,
aber keine Quelle.

Feuer ist
weder in ihnen
noch zwischen ihnen
noch außerhalb.
4. 真空真火 – der Schlüssel

Hier wird erneut
explizit ausgesprochen:
• Feuer ist seiner Natur nach
wahre Leerheit
• Leerheit ist ihrer Natur nach
wahres Feuer

Nicht als Theorie,
sondern als
Durchsicht der Erfahrung.
5. Allgegenwärtigkeit ohne Ort

Das Bild der überall gehaltenen Spiegel
zerstört endgültig
jede Ortsvorstellung.

Wenn etwas
überall erscheinen kann,
hat es keinen Ort.
6. Rückkehr zur Warnung

Der Abschnitt endet erneut
mit der Mahnung:
Ursache,
Bedingung
und Natur
sind Denkmodelle.

Sie helfen im Alltag,
doch sie erklären
die Wirklichkeit nicht.

Was bleibt,
ist der ursprüngliche Grund:
nicht als Feuer,
nicht als Nicht-Feuer,
sondern als
der unverortbare Grund,
in dem selbst
Feuer
nur Erscheinung ist.

Die kritische Stelle ist:

「清淨本然」
wörtlich etwa: „ursprünglich rein, ursprünglich so“

In der Arbeitsfassung steht:

„ursprünglich rein,
von selbst so“

„‚von selbst so‘ könnte – trotz vorheriger Negation –
wieder als Naturbehauptung gelesen werden.“

Gerade nachdem Ursache und Natur explizit verworfen wurden, kann „von selbst so“ bei einer ersten Lektüre wieder eine quasi-ontologische Rücktür öffnen:
• etwas ist einfach so
• etwas ist an sich so
• etwas existiert aus sich heraus

Das ist nicht gemeint, aber sprachlich möglich.



2. Was der chinesische Ausdruck hier wirklich meint

Wichtig ist:
「本然」 meint nicht „selbstexistierend“, sondern:
• nicht gemacht
• nicht hervorgebracht
• nicht durch Tun entstanden
• nicht Ergebnis eines Prozesses

Es ist eine Negation von Gemachtheit, nicht eine Behauptung von Substanz.

Im Mahāyāna-Kontext heißt das:

nicht hergestellt,
nicht bedingt,
nicht konstruiert –
aber auch nicht „da als Ding“.

Genau deshalb folgt im Text unmittelbar:

„世間無知,惑為因緣及自然性“
Die Welt irrt und hält es für Ursache oder Natur.

Der Ausdruck steht also bewusst auf einer messerscharfen Kante.



3. Warum „von selbst so“ heikel ist (gerade heute)

Im heutigen Deutsch hat „von selbst so“ leider drei Assoziationen:
1. Essentialistisch
„Es ist halt so.“
2. Naturalistisch
„Es gehört zur Natur.“
3. Metaphysisch-beruhigend
„Es ist immer schon da.“

Alle drei sind genau das, wovor der Text warnt.
148 #
「阿難!水性不定,流息無恒。如室羅城迦毘羅仙、斫迦羅仙、及鉢頭摩訶薩多等諸大幻師,求太陰精用和幻藥。是諸師等,於白月晝,手執方諸,承月中水。此水為復從珠中出?空中自有?為從月來?阿難!若從月來,尚能遠方令珠出水,所經林木皆應吐流。流則何待方[1]諸所出?不流明水非從月降。若從珠出,則此珠中常應流水;何待中宵承白月晝?若從空生,空性無邊,水當無際;從人洎天,皆同[2]滔溺,云何復有水、陸、空行?汝更諦觀,月從天陟,珠因手持,承珠水[3]盤本人敷設,水從何方流注於此?月珠相遠,非和非合,不應水精無從自有。汝尚不知如來藏中性水真空、性空真水,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。一處執珠一處水出,遍法界執滿法界生,生滿世間,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
die Natur des Wassers
ist nicht festgelegt.
Fließen und Stillstand
sind ohne Beständigkeit.

In der Stadt
gibt es große Magier,
die mit Mitteln der Täuschung
die Essenz des Mondes suchen.
Bei hellem Vollmond
halten sie die Mondperle
und fangen Mondwasser.

Sag mir:
Kommt dieses Wasser
aus der Perle?
Kommt es
aus dem Raum?
Oder kommt es
vom Mond?

Käme es vom Mond,
müsste alles,
was der Mond berührt,
Wasser hervorbringen.
Dann wäre die Perle unnötig.
Geschieht dies nicht,
kommt das Wasser
nicht vom Mond.

Käme es aus der Perle,
müsste sie ständig Wasser geben.
Warum wartet man dann
auf den Vollmond?

Käme es aus dem Raum,
wäre Wasser grenzenlos.
Alles würde
in Fluten versinken.
Wie könnte es dann
noch Wasser,
Land
und Luftraum geben?

Betrachte es genau:
Der Mond
steht am Himmel,
die Perle
wird in der Hand gehalten,
das Gefäß
steht bereit.
Von wo
fließt das Wasser
hierher?

Mond und Perle
sind weder vereint
noch getrennt.
Wasser entsteht nicht
grundlos.

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Wasser seiner Natur nach
wahre Leerheit ist
und Leerheit ihrer Natur nach
wahres Wasser:
ursprünglich rein,
nicht erzeugt,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
entsprechend dem Geist der Wesen
erscheinend
im Maß ihres Erkennens.

Wo eine Perle gehalten wird,
tritt Wasser hervor.
Hielte man Perlen überall,
würde überall
Wasser erscheinen.
Wenn es überall erscheint,
hat es dann
einen Ort?

Durch karmische Gewohnheit
zeigt sich die Welt.
Die Menschen erkennen dies nicht
und halten es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt setzt
die positive Darlegung
der ersten Wahrheit fort
und spiegelt exakt
die Argumentation
zum Feuer.
1. Wasser als Gegenpol zum Feuer

Wasser steht für:
• Fließen und Stillstand
• Form und Formlosigkeit
• Sichtbarkeit und Verschwinden

Gerade deshalb
ist es geeignet,
die Unfestigkeit
aller Naturannahmen
zu zeigen.
2. Die Illusion der Quelle

Mond,
Perle,
Raum
und Wasser
werden systematisch geprüft.

Keine Quelle hält stand.
Alle sind Bedingungen,
keine Ursprünge.
3. Das Bild der Allgegenwart

Wo die Perle ist,
erscheint Wasser.
Wäre die Perle überall,
erschiene Wasser überall.

Allgegenwart
bedeutet hier
nicht Substanz,
sondern
Nicht-Ort.
4. 性水真空 / 性空真水

Die Formel wird erneut entfaltet:
• Wasser ist seiner Natur nach
wahre Leerheit
• Leerheit ist ihrer Natur nach
wahres Wasser

Nicht als Theorie,
sondern als
Durchsicht der Erfahrung.
5. 本然 → „nicht erzeugt“

Die Übersetzung
„nicht erzeugt“
verhindert jede
naturalistische
oder essenzialistische
Fehllesung.

Sie hält den Text
konsequent
im Raum der Negation
von Gemachtheit.
6. Schluss: Worte ohne Halt

Wie zuvor
endet der Abschnitt
mit der gleichen Mahnung:
Ursache,
Bedingung
und Natur
sind Denkfiguren.

Sie sind nützlich
für Orientierung,
aber sie erklären
nicht den Grund.

Was bleibt,
ist der ursprüngliche Grund:
nicht Wasser,
nicht Nicht-Wasser,
sondern der unverortbare Grund,
in dem selbst Wasser
nur Erscheinung ist.
中文原文
「阿難!水性不定,流息無恒。如室羅城迦毘羅仙、斫迦羅仙、及鉢頭摩訶薩多等諸大幻師,求太陰精用和幻藥。是諸師等,於白月晝,手執方諸,承月中水。此水為復從珠中出?空中自有?為從月來?阿難!若從月來,尚能遠方令珠出水,所經林木皆應吐流。流則何待方[1]諸所出?不流明水非從月降。若從珠出,則此珠中常應流水;何待中宵承白月晝?若從空生,空性無邊,水當無際;從人洎天,皆同[2]滔溺,云何復有水、陸、空行?汝更諦觀,月從天陟,珠因手持,承珠水[3]盤本人敷設,水從何方流注於此?月珠相遠,非和非合,不應水精無從自有。汝尚不知如來藏中性水真空、性空真水,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。一處執珠一處水出,遍法界執滿法界生,生滿世間,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
die Natur des Wassers
ist nicht festgelegt.
Fließen und Stillstand
sind ohne Beständigkeit.

In der Stadt
gibt es große Magier,
die mit Mitteln der Täuschung
die Essenz des Mondes suchen.
Bei hellem Vollmond
halten sie die Mondperle
und fangen Mondwasser.

Sag mir:
Kommt dieses Wasser
aus der Perle?
Kommt es
aus dem Raum?
Oder kommt es
vom Mond?

Käme es vom Mond,
müsste alles,
was der Mond berührt,
Wasser hervorbringen.
Dann wäre die Perle unnötig.
Geschieht dies nicht,
kommt das Wasser
nicht vom Mond.

Käme es aus der Perle,
müsste sie ständig Wasser geben.
Warum wartet man dann
auf den Vollmond?

Käme es aus dem Raum,
wäre Wasser grenzenlos.
Alles würde
in Fluten versinken.
Wie könnte es dann
noch Wasser,
Land
und Luftraum geben?

Betrachte es genau:
Der Mond
steht am Himmel,
die Perle
wird in der Hand gehalten,
das Gefäß
steht bereit.
Von wo
fließt das Wasser
hierher?

Mond und Perle
sind weder vereint
noch getrennt.
Wasser entsteht nicht
grundlos.

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Wasser seiner Natur nach
wahre Leerheit ist
und Leerheit ihrer Natur nach
wahres Wasser:
ursprünglich rein,
nicht erzeugt,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
entsprechend dem Geist der Wesen
erscheinend
im Maß ihres Erkennens.

Wo eine Perle gehalten wird,
tritt Wasser hervor.
Hielte man Perlen überall,
würde überall
Wasser erscheinen.
Wenn es überall erscheint,
hat es dann
einen Ort?

Durch karmische Gewohnheit
zeigt sich die Welt.
Die Menschen erkennen dies nicht
und halten es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt setzt
die positive Darlegung
der ersten Wahrheit fort
und spiegelt exakt
die Argumentation
zum Feuer.
1. Wasser als Gegenpol zum Feuer

Wasser steht für:
• Fließen und Stillstand
• Form und Formlosigkeit
• Sichtbarkeit und Verschwinden

Gerade deshalb
ist es geeignet,
die Unfestigkeit
aller Naturannahmen
zu zeigen.
2. Die Illusion der Quelle

Mond,
Perle,
Raum
und Wasser
werden systematisch geprüft.

Keine Quelle hält stand.
Alle sind Bedingungen,
keine Ursprünge.
3. Das Bild der Allgegenwart

Wo die Perle ist,
erscheint Wasser.
Wäre die Perle überall,
erschiene Wasser überall.

Allgegenwart
bedeutet hier
nicht Substanz,
sondern
Nicht-Ort.
4. 性水真空 / 性空真水

Die Formel wird erneut entfaltet:
• Wasser ist seiner Natur nach
wahre Leerheit
• Leerheit ist ihrer Natur nach
wahres Wasser

Nicht als Theorie,
sondern als
Durchsicht der Erfahrung.
5. 本然 → „nicht erzeugt“

Die Übersetzung
„nicht erzeugt“
verhindert jede
naturalistische
oder essenzialistische
Fehllesung.

Sie hält den Text
konsequent
im Raum der Negation
von Gemachtheit.
6. Schluss: Worte ohne Halt

Wie zuvor
endet der Abschnitt
mit der gleichen Mahnung:
Ursache,
Bedingung
und Natur
sind Denkfiguren.

Sie sind nützlich
für Orientierung,
aber sie erklären
nicht den Grund.

Was bleibt,
ist der ursprüngliche Grund:
nicht Wasser,
nicht Nicht-Wasser,
sondern der unverortbare Grund,
in dem selbst Wasser
nur Erscheinung ist.
149 #
Kommentar öffnen
Moderner Kontext (Feuer & Wasser):

Physikalisch sind Feuer und Wasser keine Substanzen, sondern Prozesse bzw. Zustandsweisen unter bestimmten Bedingungen. Sie besitzen keinen festen Ort und keine eigenständige Quelle. Das Sutra geht über diese Einsicht hinaus, indem es zeigt, dass auch die Zuschreibung von Ursache, Bedingung oder Natur selbst eine Projektion des unterscheidenden Geistes ist. Erscheinung ist möglich, ohne dass ein verortbarer Ursprung existiert.
中文原文
Deutsch
Kommentar
Moderner Kontext (Feuer & Wasser):

Physikalisch sind Feuer und Wasser keine Substanzen, sondern Prozesse bzw. Zustandsweisen unter bestimmten Bedingungen. Sie besitzen keinen festen Ort und keine eigenständige Quelle. Das Sutra geht über diese Einsicht hinaus, indem es zeigt, dass auch die Zuschreibung von Ursache, Bedingung oder Natur selbst eine Projektion des unterscheidenden Geistes ist. Erscheinung ist möglich, ohne dass ein verortbarer Ursprung existiert.
150 #
「阿難!風性無體,動靜不常。汝常整衣入於大眾,僧伽梨角動及傍人,則有微風拂彼人面。此風為復出袈裟角?發於虛空?生彼人面?阿難!此風若復出袈裟角,汝乃披風;其衣飛搖,應離汝體!我今說法會中垂衣,汝看我衣風何所在?不應衣中有藏風地。若生虛空,汝衣不動,何因無拂?空性常住,風應常生;若無風時虛空當滅。滅風可見,滅空何狀!若有生滅,不名虛空;名為虛空,云何風出?若風自生[4]彼拂之面,從彼面生,當應拂汝!自汝整衣,云何倒拂?汝審諦觀,整衣在汝,面屬彼人,虛空寂然不參流動,風自誰方鼓動來此?風、空性隔,非和非合;不應風[5]性無從自有。汝宛不知如來藏中性風真空、性空真風,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。阿難!如汝一人微動服衣有微風出,遍法界拂滿國土生,周遍世間,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
„Ānanda,
die Natur des Windes
hat keinen Körper.
Bewegung und Ruhe
sind ohne Beständigkeit.

Wenn du dein Gewand ordnest
und ein feiner Wind
das Gesicht eines Anderen berührt,
sage mir:
Kommt dieser Wind
aus dem Gewand?
Aus dem Raum?
Oder aus dem Gesicht?

Nicht aus dem Gewand,
sonst würdest du
Wind tragen.
Nicht aus dem Raum,
sonst müsste er
immer wehen.
Nicht aus dem Gesicht,
sonst müsste er
dich selbst berühren.

Betrachte es genau:
Die Bewegung ist bei dir,
das Gesicht ist dort,
der Raum ist still.
Von wo
kommt der Wind?

Wind und Raum
sind weder vereint
noch getrennt.
Wind entsteht nicht
grundlos.

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Wind seiner Natur nach
wahre Leerheit ist
und Leerheit ihrer Natur nach
wahrer Wind:
ursprünglich rein,
nicht erzeugt,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
entsprechend dem Geist der Wesen
erscheinend
im Maß ihres Erkennens.

Eine geringe Bewegung
lässt Wind erscheinen.
Würde überall Bewegung sein,
erschiene überall Wind.
Wenn er überall erscheint,
hat er dann
einen Ort?

Durch karmische Gewohnheit
zeigt sich die Welt.
Die Menschen erkennen dies nicht
und halten es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt schließt
die Reihe der vier Elemente
mit maximaler Klarheit ab.
1. Wind als reine Relationalität
Wind ist das sichtbarste Beispiel
für ein Phänomen ohne Substanz.
Er ist nur als Bewegung erfahrbar,
nicht als Ding.
2. Keine Quelle, kein Träger
Weder Objekt,
noch Raum,
noch Körper
können Ursprung sein.
Wind ist Erscheinung,
kein Besitz.
3. Vollendung der Formel
Wie bei Feuer und Wasser
wird erneut ausgesprochen:
Form (Wind)
und Leerheit
sind nicht zwei.
4. Allgegenwart ohne Ort
Wo Bewegung ist,
erscheint Wind.
Allgegenwart bedeutet hier
Nicht-Verortbarkeit.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Moderne Physik / Strömungslehre
• Wind ist kein Ding
• Er ist ein Druck- und Geschwindigkeitsfeld
• Entsteht durch Gradienten:
Temperatur, Druck, Bewegung
• Es gibt kein „Windteilchen“

Genau wie das Sutra zeigt:
• Wind ist nirgendwo
• aber abhängig von Bedingungen

Feldtheoretische Parallele
• Wind existiert nur als Zustandsänderung
• Kein fester Ort
• Kein Träger
• Kein Ursprungspunkt

Das Sutra geht jedoch weiter als die Physik:
• Es zeigt,
dass auch „Ursache“ und „Bedingung“
bereits mentale Zuschreibungen sind
• Modelle beschreiben,
erklären aber nicht den Grund

Erkenntnistheoretischer Kern

Wind erscheint,
ohne dass etwas „kommt“.

Bewegung ist da,
ohne dass ein Träger gefunden wird.

Das entspricht modernen Einsichten:
• Prozesse ohne Substanz
• Erscheinung ohne Objektkern

Unterschied zur Wissenschaft
• Wissenschaft bleibt beim Modell
• Das Sutra entzieht auch
den Modellbildner selbst



6. Zusammenfassung

Moderner Kontext (Wind):

Wind ist physikalisch kein Objekt, sondern ein Feld- bzw. Prozessphänomen, abhängig von Bewegungs- und Druckunterschieden. Er besitzt keinen festen Ort und keinen Träger. Das Sutra nutzt Wind, um zu zeigen, dass Erscheinungen ohne Substanz und ohne Ursprung auftreten können. Es geht über die naturwissenschaftliche Beschreibung hinaus, indem es auch Ursache, Bedingung und Natur als begriffliche Zuschreibungen des unterscheidenden Geistes erkennt.
中文原文
「阿難!風性無體,動靜不常。汝常整衣入於大眾,僧伽梨角動及傍人,則有微風拂彼人面。此風為復出袈裟角?發於虛空?生彼人面?阿難!此風若復出袈裟角,汝乃披風;其衣飛搖,應離汝體!我今說法會中垂衣,汝看我衣風何所在?不應衣中有藏風地。若生虛空,汝衣不動,何因無拂?空性常住,風應常生;若無風時虛空當滅。滅風可見,滅空何狀!若有生滅,不名虛空;名為虛空,云何風出?若風自生[4]彼拂之面,從彼面生,當應拂汝!自汝整衣,云何倒拂?汝審諦觀,整衣在汝,面屬彼人,虛空寂然不參流動,風自誰方鼓動來此?風、空性隔,非和非合;不應風[5]性無從自有。汝宛不知如來藏中性風真空、性空真風,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。阿難!如汝一人微動服衣有微風出,遍法界拂滿國土生,周遍世間,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
Deutsch
„Ānanda,
die Natur des Windes
hat keinen Körper.
Bewegung und Ruhe
sind ohne Beständigkeit.

Wenn du dein Gewand ordnest
und ein feiner Wind
das Gesicht eines Anderen berührt,
sage mir:
Kommt dieser Wind
aus dem Gewand?
Aus dem Raum?
Oder aus dem Gesicht?

Nicht aus dem Gewand,
sonst würdest du
Wind tragen.
Nicht aus dem Raum,
sonst müsste er
immer wehen.
Nicht aus dem Gesicht,
sonst müsste er
dich selbst berühren.

Betrachte es genau:
Die Bewegung ist bei dir,
das Gesicht ist dort,
der Raum ist still.
Von wo
kommt der Wind?

Wind und Raum
sind weder vereint
noch getrennt.
Wind entsteht nicht
grundlos.

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Wind seiner Natur nach
wahre Leerheit ist
und Leerheit ihrer Natur nach
wahrer Wind:
ursprünglich rein,
nicht erzeugt,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
entsprechend dem Geist der Wesen
erscheinend
im Maß ihres Erkennens.

Eine geringe Bewegung
lässt Wind erscheinen.
Würde überall Bewegung sein,
erschiene überall Wind.
Wenn er überall erscheint,
hat er dann
einen Ort?

Durch karmische Gewohnheit
zeigt sich die Welt.
Die Menschen erkennen dies nicht
und halten es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt schließt
die Reihe der vier Elemente
mit maximaler Klarheit ab.
1. Wind als reine Relationalität
Wind ist das sichtbarste Beispiel
für ein Phänomen ohne Substanz.
Er ist nur als Bewegung erfahrbar,
nicht als Ding.
2. Keine Quelle, kein Träger
Weder Objekt,
noch Raum,
noch Körper
können Ursprung sein.
Wind ist Erscheinung,
kein Besitz.
3. Vollendung der Formel
Wie bei Feuer und Wasser
wird erneut ausgesprochen:
Form (Wind)
und Leerheit
sind nicht zwei.
4. Allgegenwart ohne Ort
Wo Bewegung ist,
erscheint Wind.
Allgegenwart bedeutet hier
Nicht-Verortbarkeit.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Moderne Physik / Strömungslehre
• Wind ist kein Ding
• Er ist ein Druck- und Geschwindigkeitsfeld
• Entsteht durch Gradienten:
Temperatur, Druck, Bewegung
• Es gibt kein „Windteilchen“

Genau wie das Sutra zeigt:
• Wind ist nirgendwo
• aber abhängig von Bedingungen

Feldtheoretische Parallele
• Wind existiert nur als Zustandsänderung
• Kein fester Ort
• Kein Träger
• Kein Ursprungspunkt

Das Sutra geht jedoch weiter als die Physik:
• Es zeigt,
dass auch „Ursache“ und „Bedingung“
bereits mentale Zuschreibungen sind
• Modelle beschreiben,
erklären aber nicht den Grund

Erkenntnistheoretischer Kern

Wind erscheint,
ohne dass etwas „kommt“.

Bewegung ist da,
ohne dass ein Träger gefunden wird.

Das entspricht modernen Einsichten:
• Prozesse ohne Substanz
• Erscheinung ohne Objektkern

Unterschied zur Wissenschaft
• Wissenschaft bleibt beim Modell
• Das Sutra entzieht auch
den Modellbildner selbst



6. Zusammenfassung

Moderner Kontext (Wind):

Wind ist physikalisch kein Objekt, sondern ein Feld- bzw. Prozessphänomen, abhängig von Bewegungs- und Druckunterschieden. Er besitzt keinen festen Ort und keinen Träger. Das Sutra nutzt Wind, um zu zeigen, dass Erscheinungen ohne Substanz und ohne Ursprung auftreten können. Es geht über die naturwissenschaftliche Beschreibung hinaus, indem es auch Ursache, Bedingung und Natur als begriffliche Zuschreibungen des unterscheidenden Geistes erkennt.
151 #
「阿難!空性無形,因色顯發。如[6]室羅城去河遙處,諸剎利種及婆羅門、毘舍、首陀,兼頗羅墮、旃陀羅等,新立安居,鑿井求水。出土一尺,於中則有一尺虛空;如是乃至出土一丈,中間還得一丈虛空。[7]虛空淺深,隨出多少。此空為當因土所出?因鑿所有?無因自生?阿難!若復此空無因自生,未鑿土前何不無礙?唯見大地逈無通達。若因土出,則土出時應見空入。若土先出無空入者,云何虛空因土而出?若無出入,則應空、土元無異因;無異則同,則土出時空何不出?若因鑿出,則鑿出空,應非出土;不因鑿出,鑿自出土,云何見空?汝更審諦、諦審、諦觀,鑿從人手隨方運轉,土因地移,如是虛空因何所出?鑿、空虛實不相為用,非和非合,不應虛空無從自出。若此虛空性圓周遍本不動搖,當知現前地、水、火、風均名五大,性真圓融,皆如來藏,本無生滅。阿難!汝心昏迷,不悟四大元如來藏,當觀虛空為出為入?為非出入?汝全不知如來藏中性覺真空、性空真覺,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
Raum hat keine Gestalt
und wird nur
durch Form sichtbar.

Hebt man Erde aus,
erscheint Raum.
Hebt man mehr aus,
erscheint mehr Raum.
Doch der Raum
wird nicht erzeugt.

Er kommt nicht aus der Erde,
nicht aus dem Graben
und nicht aus sich selbst.

Graben entfernt Erde.
Es bringt keinen Raum hervor.

Betrachte es genau:
Die Bewegung ist bei der Hand,
die Erde wird verlagert,
der Raum
wird nicht bewegt.
Von wo also
sollte er kommen?

Wenn die Natur des Raumes
von Ursprung an
rund und allgegenwärtig
unbeweglich ist,
dann wisse:
Erde,
Wasser,
Feuer
und Wind
sind nicht verschieden.
Sie sind
der Tathāgata-Speicher,
ursprünglich
ohne Entstehen und Vergehen.

Ānanda,
dein Geist erkennt dies nicht.
Betrachte den Raum:
Geht er hinaus?
Geht er hinein?
Oder weder noch?

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Erwachen seiner Natur nach
wahre Leerheit ist
und Leerheit ihrer Natur nach
wahres Erwachen:
ursprünglich rein,
nicht erzeugt,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
entsprechend dem Geist der Wesen
erscheinend
im Maß ihres Erkennens.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt bildet den Kulminationspunkt der fünf Elemente.
1. Raum als Grenzfall aller Ontologien
Raum ist kein Ding,
kein Stoff,
keine Energie.
Gerade deshalb
eignet er sich,
alle Fehlzuschreibungen
offenzulegen.
2. Das Brunnen-Gleichnis
Beim Graben
wird nichts erzeugt,
sondern nur
verdeckt Gewesenes
freigelegt.
Der Raum war nie „nicht da“.
3. Aufhebung von Entstehen und Vergehen
Raum wird nicht mehr,
nicht weniger.
Er wird nicht bewegt.
Damit fällt jede
kausale Erklärung.
4. Rückbindung der vier Elemente
Erde, Wasser, Feuer und Wind
sind keine Substanzen,
sondern Erscheinungsweisen
innerhalb desselben Grundes.
5. Übergang zu 覺 / Erwachen
Der Text wechselt nun explizit:
Nicht nur Raum,
sondern auch Erwachen
hat keine erzeugte Natur.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Moderne Physik / Raumverständnis
• Raum ist kein Behälter
• Kein „leeres Nichts“
• In der Relativitätstheorie:
Raumzeit ist relational,
nicht substanziell
• In der Quantenfeldtheorie:
„leerer Raum“ ist dynamisch,
voller Felder,
aber ohne lokalisierbaren Träger

Das Sutra trifft hier einen erstaunlich präzisen Punkt:

Raum wird nicht erzeugt,
nicht vermehrt,
nicht transportiert.

Brunnen-Gleichnis modern gelesen
• Graben entfernt Materie
• Es schafft keinen Raum
• Raum war immer da
• Sichtbarkeit ≠ Erzeugung

Epistemologischer Kern

Was wir „Raum“ nennen,
ist keine Entität,
sondern eine Bedingung des Erscheinens.

Unterschied zur Physik
• Physik beschreibt Strukturen
• Das Sutra fragt:
Warum verorten wir überhaupt?

Es zeigt:
• Ursache
• Bedingung
• Natur

sind mentale Hilfsmodelle,
keine letzte Wirklichkeit.



6. Kommentar – ursprünglicher Grund & Moderne

Der ursprüngliche Grund ist hier nicht:
• Raum
• Feld
• Bewusstsein
• Vakuum

Sondern:

der unverortbare Grund,
in dem Raum, Erwachen
und Erscheinung
zugleich leer und wirklich sind,
ohne je ein Ding zu werden.

Das ist keine physikalische Aussage,
sondern eine Grenzbestimmung des Erkennens.



7. Zusammenfassungung

Moderner Kontext (Raum):

Raum ist physikalisch keine Substanz, sondern eine relationale Struktur. Beim Graben eines Brunnens wird kein Raum erzeugt, sondern nur Materie entfernt. Das Sutra nutzt dieses Gleichnis, um zu zeigen, dass Raum weder entsteht noch vergeht. Es geht über naturwissenschaftliche Beschreibungen hinaus, indem es auch die Zuschreibung von Ursache, Bedingung und Natur als Projektionen des unterscheidenden Geistes erkennt.
中文原文
「阿難!空性無形,因色顯發。如[6]室羅城去河遙處,諸剎利種及婆羅門、毘舍、首陀,兼頗羅墮、旃陀羅等,新立安居,鑿井求水。出土一尺,於中則有一尺虛空;如是乃至出土一丈,中間還得一丈虛空。[7]虛空淺深,隨出多少。此空為當因土所出?因鑿所有?無因自生?阿難!若復此空無因自生,未鑿土前何不無礙?唯見大地逈無通達。若因土出,則土出時應見空入。若土先出無空入者,云何虛空因土而出?若無出入,則應空、土元無異因;無異則同,則土出時空何不出?若因鑿出,則鑿出空,應非出土;不因鑿出,鑿自出土,云何見空?汝更審諦、諦審、諦觀,鑿從人手隨方運轉,土因地移,如是虛空因何所出?鑿、空虛實不相為用,非和非合,不應虛空無從自出。若此虛空性圓周遍本不動搖,當知現前地、水、火、風均名五大,性真圓融,皆如來藏,本無生滅。阿難!汝心昏迷,不悟四大元如來藏,當觀虛空為出為入?為非出入?汝全不知如來藏中性覺真空、性空真覺,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
Raum hat keine Gestalt
und wird nur
durch Form sichtbar.

Hebt man Erde aus,
erscheint Raum.
Hebt man mehr aus,
erscheint mehr Raum.
Doch der Raum
wird nicht erzeugt.

Er kommt nicht aus der Erde,
nicht aus dem Graben
und nicht aus sich selbst.

Graben entfernt Erde.
Es bringt keinen Raum hervor.

Betrachte es genau:
Die Bewegung ist bei der Hand,
die Erde wird verlagert,
der Raum
wird nicht bewegt.
Von wo also
sollte er kommen?

Wenn die Natur des Raumes
von Ursprung an
rund und allgegenwärtig
unbeweglich ist,
dann wisse:
Erde,
Wasser,
Feuer
und Wind
sind nicht verschieden.
Sie sind
der Tathāgata-Speicher,
ursprünglich
ohne Entstehen und Vergehen.

Ānanda,
dein Geist erkennt dies nicht.
Betrachte den Raum:
Geht er hinaus?
Geht er hinein?
Oder weder noch?

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Erwachen seiner Natur nach
wahre Leerheit ist
und Leerheit ihrer Natur nach
wahres Erwachen:
ursprünglich rein,
nicht erzeugt,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
entsprechend dem Geist der Wesen
erscheinend
im Maß ihres Erkennens.“
Kommentar
Dieser Abschnitt bildet den Kulminationspunkt der fünf Elemente.
1. Raum als Grenzfall aller Ontologien
Raum ist kein Ding,
kein Stoff,
keine Energie.
Gerade deshalb
eignet er sich,
alle Fehlzuschreibungen
offenzulegen.
2. Das Brunnen-Gleichnis
Beim Graben
wird nichts erzeugt,
sondern nur
verdeckt Gewesenes
freigelegt.
Der Raum war nie „nicht da“.
3. Aufhebung von Entstehen und Vergehen
Raum wird nicht mehr,
nicht weniger.
Er wird nicht bewegt.
Damit fällt jede
kausale Erklärung.
4. Rückbindung der vier Elemente
Erde, Wasser, Feuer und Wind
sind keine Substanzen,
sondern Erscheinungsweisen
innerhalb desselben Grundes.
5. Übergang zu 覺 / Erwachen
Der Text wechselt nun explizit:
Nicht nur Raum,
sondern auch Erwachen
hat keine erzeugte Natur.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Moderne Physik / Raumverständnis
• Raum ist kein Behälter
• Kein „leeres Nichts“
• In der Relativitätstheorie:
Raumzeit ist relational,
nicht substanziell
• In der Quantenfeldtheorie:
„leerer Raum“ ist dynamisch,
voller Felder,
aber ohne lokalisierbaren Träger

Das Sutra trifft hier einen erstaunlich präzisen Punkt:

Raum wird nicht erzeugt,
nicht vermehrt,
nicht transportiert.

Brunnen-Gleichnis modern gelesen
• Graben entfernt Materie
• Es schafft keinen Raum
• Raum war immer da
• Sichtbarkeit ≠ Erzeugung

Epistemologischer Kern

Was wir „Raum“ nennen,
ist keine Entität,
sondern eine Bedingung des Erscheinens.

Unterschied zur Physik
• Physik beschreibt Strukturen
• Das Sutra fragt:
Warum verorten wir überhaupt?

Es zeigt:
• Ursache
• Bedingung
• Natur

sind mentale Hilfsmodelle,
keine letzte Wirklichkeit.



6. Kommentar – ursprünglicher Grund & Moderne

Der ursprüngliche Grund ist hier nicht:
• Raum
• Feld
• Bewusstsein
• Vakuum

Sondern:

der unverortbare Grund,
in dem Raum, Erwachen
und Erscheinung
zugleich leer und wirklich sind,
ohne je ein Ding zu werden.

Das ist keine physikalische Aussage,
sondern eine Grenzbestimmung des Erkennens.



7. Zusammenfassungung

Moderner Kontext (Raum):

Raum ist physikalisch keine Substanz, sondern eine relationale Struktur. Beim Graben eines Brunnens wird kein Raum erzeugt, sondern nur Materie entfernt. Das Sutra nutzt dieses Gleichnis, um zu zeigen, dass Raum weder entsteht noch vergeht. Es geht über naturwissenschaftliche Beschreibungen hinaus, indem es auch die Zuschreibung von Ursache, Bedingung und Natur als Projektionen des unterscheidenden Geistes erkennt.
152 #
「阿難!如一井空、空生一井,十方虛空亦復如是,圓滿十方,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wie der Raum
eines einzelnen Brunnens
erscheint,
ohne erzeugt zu sein,
so ist auch
der Raum der zehn Richtungen:
vollständig erfüllend,
ohne Grenze,
ohne Ort.

Entsprechend karmischer Gewohnheit
zeigt sich dies.
Die Menschen erkennen es nicht
und halten es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar öffnen
Dieser kurze Abschnitt
schließt die Darlegung
über Raum
mit äußerster Prägnanz ab.
1. Ein Brunnen – kein Teilraum
Der Raum im Brunnen
ist kein „Stück Raum“,
das dem großen Raum entnommen wäre.
Er ist
derselbe Raum,
nicht kleiner,
nicht größer.
2. Aufhebung der Lokalität
Wenn ein Brunnen
keinen eigenen Raum erzeugt,
kann auch
kein Ort
eigenständigen Raum besitzen.

Damit fällt
jede Vorstellung
von „hier Raum“ und „dort Raum“.
3. Vollendung der Argumentation
Mit diesem Bild
wird klar:
Raum ist nicht addierbar,
nicht teilbar,
nicht verortbar.

Damit ist
die letzte räumliche Zuflucht
des Denkens aufgehoben.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Moderne Physik / Raumverständnis
• Raum ist kein Behälter,
der in Teile zerfällt
• Ein „Raum im Brunnen“
ist nicht weniger Raum
• Raum wird nicht vermehrt
durch Hinzufügen von Hohlräumen

In moderner Physik:
• Raumzeit ist global,
nicht lokal addierbar
• Es gibt keine „kleinen Räume“
innerhalb eines großen Raumes

Das Brunnen-Gleichnis
trifft damit exakt
eine heute anerkannte Einsicht:

Sichtbarkeit eines Raumes
ist keine Erzeugung von Raum.



Erkenntnistheoretische Parallele
• Wahrnehmung gliedert,
was nicht geteilt ist
• Lokalität ist eine
Funktion des Erkennens,
nicht der Wirklichkeit

Das Sutra macht sichtbar:
• „Ort“
• „Richtung“
• „Ausdehnung“

sind kognitive Ordnungsmittel,
keine Eigenschaften des Grundes.



6. Kommentar – ursprünglicher Grund & Nicht-Ort

Hier wird das zuvor Entfaltete
endgültig zusammengezogen:
• Wenn Raum keinen Ort hat,
• und Erscheinung dennoch geschieht,

dann kann auch das,
was Raum ermöglicht,
kein Ort sein.

Das Sutra benennt dies nicht
als Theorie,
sondern lässt es
unausweichlich stehen:

Erscheinung ohne Ort
→ Zuschreibung ohne Substanz

Das ist die Funktion
der wiederholten Schlussformel:

„nur Worte – keine wirkliche Bedeutung“

Nicht als Abwertung,
sondern als
Befreiung vom Festhalten.



7. Zusammenfassung

Moderner Kontext (Raum – Brunnen):

Der Raum eines Brunnens ist kein Teilraum, der vom größeren Raum getrennt wäre. Er ist derselbe Raum, lediglich sichtbar gemacht durch Entfernung von Materie. Moderne Physik bestätigt, dass Raum nicht addierbar oder lokalisierbar ist. Das Sutra nutzt dieses Gleichnis, um zu zeigen, dass Lokalität eine Zuschreibung des erkennenden Geistes ist, nicht eine Eigenschaft der Wirklichkeit.
中文原文
「阿難!如一井空、空生一井,十方虛空亦復如是,圓滿十方,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wie der Raum
eines einzelnen Brunnens
erscheint,
ohne erzeugt zu sein,
so ist auch
der Raum der zehn Richtungen:
vollständig erfüllend,
ohne Grenze,
ohne Ort.

Entsprechend karmischer Gewohnheit
zeigt sich dies.
Die Menschen erkennen es nicht
und halten es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar
Dieser kurze Abschnitt
schließt die Darlegung
über Raum
mit äußerster Prägnanz ab.
1. Ein Brunnen – kein Teilraum
Der Raum im Brunnen
ist kein „Stück Raum“,
das dem großen Raum entnommen wäre.
Er ist
derselbe Raum,
nicht kleiner,
nicht größer.
2. Aufhebung der Lokalität
Wenn ein Brunnen
keinen eigenen Raum erzeugt,
kann auch
kein Ort
eigenständigen Raum besitzen.

Damit fällt
jede Vorstellung
von „hier Raum“ und „dort Raum“.
3. Vollendung der Argumentation
Mit diesem Bild
wird klar:
Raum ist nicht addierbar,
nicht teilbar,
nicht verortbar.

Damit ist
die letzte räumliche Zuflucht
des Denkens aufgehoben.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Moderne Physik / Raumverständnis
• Raum ist kein Behälter,
der in Teile zerfällt
• Ein „Raum im Brunnen“
ist nicht weniger Raum
• Raum wird nicht vermehrt
durch Hinzufügen von Hohlräumen

In moderner Physik:
• Raumzeit ist global,
nicht lokal addierbar
• Es gibt keine „kleinen Räume“
innerhalb eines großen Raumes

Das Brunnen-Gleichnis
trifft damit exakt
eine heute anerkannte Einsicht:

Sichtbarkeit eines Raumes
ist keine Erzeugung von Raum.



Erkenntnistheoretische Parallele
• Wahrnehmung gliedert,
was nicht geteilt ist
• Lokalität ist eine
Funktion des Erkennens,
nicht der Wirklichkeit

Das Sutra macht sichtbar:
• „Ort“
• „Richtung“
• „Ausdehnung“

sind kognitive Ordnungsmittel,
keine Eigenschaften des Grundes.



6. Kommentar – ursprünglicher Grund & Nicht-Ort

Hier wird das zuvor Entfaltete
endgültig zusammengezogen:
• Wenn Raum keinen Ort hat,
• und Erscheinung dennoch geschieht,

dann kann auch das,
was Raum ermöglicht,
kein Ort sein.

Das Sutra benennt dies nicht
als Theorie,
sondern lässt es
unausweichlich stehen:

Erscheinung ohne Ort
→ Zuschreibung ohne Substanz

Das ist die Funktion
der wiederholten Schlussformel:

„nur Worte – keine wirkliche Bedeutung“

Nicht als Abwertung,
sondern als
Befreiung vom Festhalten.



7. Zusammenfassung

Moderner Kontext (Raum – Brunnen):

Der Raum eines Brunnens ist kein Teilraum, der vom größeren Raum getrennt wäre. Er ist derselbe Raum, lediglich sichtbar gemacht durch Entfernung von Materie. Moderne Physik bestätigt, dass Raum nicht addierbar oder lokalisierbar ist. Das Sutra nutzt dieses Gleichnis, um zu zeigen, dass Lokalität eine Zuschreibung des erkennenden Geistes ist, nicht eine Eigenschaft der Wirklichkeit.
153 #
Kommentar öffnen
Gesamtschau – Die fünf Elemente:

Das Shurangama-Sutra zeigt, dass Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum keine Substanzen und keine Ursprünge sind, sondern stabile Erscheinungsweisen ohne festen Ort. Moderne Wissenschaft bestätigt ihre Prozesshaftigkeit und Nicht-Substantialität, bleibt jedoch auf der Ebene der Beschreibung. Das Sutra geht weiter, indem es auch Ursache, Bedingung und Natur als Zuschreibungen des unterscheidenden Geistes erkennt. Was bleibt, ist kein neues Prinzip, sondern das nicht erzeugte Ursprüngliche – der unverortbare Grund, in dem Erscheinung möglich ist, ohne jemals zu einem Ding zu werden.
中文原文
Deutsch
Kommentar
Gesamtschau – Die fünf Elemente:

Das Shurangama-Sutra zeigt, dass Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum keine Substanzen und keine Ursprünge sind, sondern stabile Erscheinungsweisen ohne festen Ort. Moderne Wissenschaft bestätigt ihre Prozesshaftigkeit und Nicht-Substantialität, bleibt jedoch auf der Ebene der Beschreibung. Das Sutra geht weiter, indem es auch Ursache, Bedingung und Natur als Zuschreibungen des unterscheidenden Geistes erkennt. Was bleibt, ist kein neues Prinzip, sondern das nicht erzeugte Ursprüngliche – der unverortbare Grund, in dem Erscheinung möglich ist, ohne jemals zu einem Ding zu werden.
154 #
「阿難!見覺無知,因色空有。如汝今者在祇陀林,朝明、夕昏,設居中宵,白月則光、黑月便暗;則明暗等因見分析。此見為復與明、暗相并太虛空為同一體?為非一體?或同非同?或異非異?阿難!此見若復與明與暗及與虛空元一體者,則明與暗二體相亡,暗時無明,明時[8]非暗。若與暗一,明則見亡;必一於明,暗時當滅,滅則云何見明見暗?若[9]暗明殊,見無生滅,一云何成?若此見精與暗與明非一體者,汝離明暗及與虛空,分析見元作何形相?離明、離暗及離虛空,是見元同龜毛、兔角。明、暗、虛空三事俱異,從何立見?明、暗相背,云何或同?離三元無,云何或異?分空、分見本無邊畔,云何非同?見暗、見明性非遷改,云何非異?汝更細審、微細審、詳審、諦審觀,明從太陽,暗隨黑月,通屬虛空,[A3]壅歸大地,如是見精因何所出?見覺、空頑,非和非合,不應見精無從自出。若見、聞、知性圓周遍,本不動搖,當知無邊不動虛空并其動搖地、水、火,風,均名六大。性真圓融,皆如來藏,本無生滅。
Der Buddha sprach:

„Ananda,
Sehen
ist kein Wissen an sich.
Es erscheint
mit Helligkeit
Dunkelheit
und Raum.

Am Morgen ist es hell,
am Abend dunkel.
Bei hellem Mond ist Licht,
bei dunklem Mond Finsternis.
Durch das Sehen
werden diese Unterschiede
erkannt.

Sag mir:
Ist dieses Sehen
eins
mit Helligkeit,
Dunkelheit
und Raum?
Oder ist es
nicht eins?
Oder zugleich
eins und nicht eins?
Oder verschieden?

Wäre es eins
mit Helligkeit
oder Dunkelheit,
würde es
mit ihnen vergehen.
Wäre es verschieden,
müsste es
ohne sie bestehen –
doch dann wäre es
nirgendwo auffindbar.

Trennst du Sehen
von Licht,
von Dunkelheit
und vom Raum,
bleibt nichts zurück,
das man Sehen nennen könnte.

Prüfe es genau:
Helligkeit
kommt von der Sonne,
Dunkelheit
folgt dem Mond,
Durchlässigkeit
gehört zum Raum,
Schwere
zur Erde.
Von wo
kommt das Sehen?

Sehen
ist weder vereint
noch getrennt
von dem,
was erscheint.
Es entsteht nicht
grundlos.

Wenn Sehen,
Hören
und Erkennen
von Grund auf
rund und allgegenwärtig sind,
ohne Bewegung,
dann wisse:
Raum
und die bewegten
Erde,
Wasser,
Feuer
und Wind
heißen gemeinsam
die sechs großen Elemente.
In ihrer wahren Natur
sind sie vollkommen durchdringend,
alle
der Tathagata-Speicher,
nicht erzeugt,
ohne Entstehen
und ohne Vergehen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert
einen weiteren entscheidenden Übergang:
von den fünf
zu den sechs großen Elementen.
1. Sehen als Grenzphänomen
Sehen ist weder rein materiell
noch rein geistig.
Gerade deshalb
kann es nicht
verortet werden.
2. Aufhebung von Identität und Differenz
Das Sutra zeigt:
„eins“ und „verschieden“
sind Denkformen,
keine Beschreibungen
der Wirklichkeit.
3. Keine Quelle, kein Träger
Sehen hat
keinen Ursprungspunkt,
keinen Sitz,
keine Substanz.
4. Erweiterung zu den sechs Elementen
Raum + vier Elemente + Erkennen
bilden nun
die vollständige Weltstruktur –
und werden gemeinsam
als leer erkannt.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Neurowissenschaft & Wahrnehmung
• Sehen ist kein Bild im Gehirn
• Kein innerer Beobachter
• Wahrnehmung entsteht
aus verteilten Prozessen
• Es gibt keinen Ort,
an dem „das Sehen sitzt“

Physik & Licht
• Helligkeit ist elektromagnetische Strahlung
• Dunkelheit ist kein Ding
• Wahrnehmung ist nicht Licht,
sondern Interpretation

Erkenntnistheoretischer Kern

Das Sutra zeigt:
• Wahrnehmung ist real,
aber nicht lokalisierbar
• Sie ist kein Objekt,
keine Funktion,
kein Produkt

Die Wissenschaft bestätigt
die Ortlosigkeit der Prozesse,
das Sutra entzieht zusätzlich
die Zuschreibung eines Zentrums.



6. Zusammenfassung

Moderner Kontext (Sehen):

Neurowissenschaftlich ist Sehen kein lokalisierbarer Vorgang, sondern das Ergebnis verteilter Prozesse ohne Zentrum. Das Sutra zeigt darüber hinaus, dass Kategorien wie Identität und Trennung ungeeignet sind, um Wahrnehmung zu verorten. Sehen erscheint zuverlässig, besitzt jedoch keinen Ursprungspunkt. Damit wird auch Erkennen selbst als Element ohne Substanz erkannt.
中文原文
「阿難!見覺無知,因色空有。如汝今者在祇陀林,朝明、夕昏,設居中宵,白月則光、黑月便暗;則明暗等因見分析。此見為復與明、暗相并太虛空為同一體?為非一體?或同非同?或異非異?阿難!此見若復與明與暗及與虛空元一體者,則明與暗二體相亡,暗時無明,明時[8]非暗。若與暗一,明則見亡;必一於明,暗時當滅,滅則云何見明見暗?若[9]暗明殊,見無生滅,一云何成?若此見精與暗與明非一體者,汝離明暗及與虛空,分析見元作何形相?離明、離暗及離虛空,是見元同龜毛、兔角。明、暗、虛空三事俱異,從何立見?明、暗相背,云何或同?離三元無,云何或異?分空、分見本無邊畔,云何非同?見暗、見明性非遷改,云何非異?汝更細審、微細審、詳審、諦審觀,明從太陽,暗隨黑月,通屬虛空,[A3]壅歸大地,如是見精因何所出?見覺、空頑,非和非合,不應見精無從自出。若見、聞、知性圓周遍,本不動搖,當知無邊不動虛空并其動搖地、水、火,風,均名六大。性真圓融,皆如來藏,本無生滅。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ananda,
Sehen
ist kein Wissen an sich.
Es erscheint
mit Helligkeit
Dunkelheit
und Raum.

Am Morgen ist es hell,
am Abend dunkel.
Bei hellem Mond ist Licht,
bei dunklem Mond Finsternis.
Durch das Sehen
werden diese Unterschiede
erkannt.

Sag mir:
Ist dieses Sehen
eins
mit Helligkeit,
Dunkelheit
und Raum?
Oder ist es
nicht eins?
Oder zugleich
eins und nicht eins?
Oder verschieden?

Wäre es eins
mit Helligkeit
oder Dunkelheit,
würde es
mit ihnen vergehen.
Wäre es verschieden,
müsste es
ohne sie bestehen –
doch dann wäre es
nirgendwo auffindbar.

Trennst du Sehen
von Licht,
von Dunkelheit
und vom Raum,
bleibt nichts zurück,
das man Sehen nennen könnte.

Prüfe es genau:
Helligkeit
kommt von der Sonne,
Dunkelheit
folgt dem Mond,
Durchlässigkeit
gehört zum Raum,
Schwere
zur Erde.
Von wo
kommt das Sehen?

Sehen
ist weder vereint
noch getrennt
von dem,
was erscheint.
Es entsteht nicht
grundlos.

Wenn Sehen,
Hören
und Erkennen
von Grund auf
rund und allgegenwärtig sind,
ohne Bewegung,
dann wisse:
Raum
und die bewegten
Erde,
Wasser,
Feuer
und Wind
heißen gemeinsam
die sechs großen Elemente.
In ihrer wahren Natur
sind sie vollkommen durchdringend,
alle
der Tathagata-Speicher,
nicht erzeugt,
ohne Entstehen
und ohne Vergehen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert
einen weiteren entscheidenden Übergang:
von den fünf
zu den sechs großen Elementen.
1. Sehen als Grenzphänomen
Sehen ist weder rein materiell
noch rein geistig.
Gerade deshalb
kann es nicht
verortet werden.
2. Aufhebung von Identität und Differenz
Das Sutra zeigt:
„eins“ und „verschieden“
sind Denkformen,
keine Beschreibungen
der Wirklichkeit.
3. Keine Quelle, kein Träger
Sehen hat
keinen Ursprungspunkt,
keinen Sitz,
keine Substanz.
4. Erweiterung zu den sechs Elementen
Raum + vier Elemente + Erkennen
bilden nun
die vollständige Weltstruktur –
und werden gemeinsam
als leer erkannt.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Neurowissenschaft & Wahrnehmung
• Sehen ist kein Bild im Gehirn
• Kein innerer Beobachter
• Wahrnehmung entsteht
aus verteilten Prozessen
• Es gibt keinen Ort,
an dem „das Sehen sitzt“

Physik & Licht
• Helligkeit ist elektromagnetische Strahlung
• Dunkelheit ist kein Ding
• Wahrnehmung ist nicht Licht,
sondern Interpretation

Erkenntnistheoretischer Kern

Das Sutra zeigt:
• Wahrnehmung ist real,
aber nicht lokalisierbar
• Sie ist kein Objekt,
keine Funktion,
kein Produkt

Die Wissenschaft bestätigt
die Ortlosigkeit der Prozesse,
das Sutra entzieht zusätzlich
die Zuschreibung eines Zentrums.



6. Zusammenfassung

Moderner Kontext (Sehen):

Neurowissenschaftlich ist Sehen kein lokalisierbarer Vorgang, sondern das Ergebnis verteilter Prozesse ohne Zentrum. Das Sutra zeigt darüber hinaus, dass Kategorien wie Identität und Trennung ungeeignet sind, um Wahrnehmung zu verorten. Sehen erscheint zuverlässig, besitzt jedoch keinen Ursprungspunkt. Damit wird auch Erkennen selbst als Element ohne Substanz erkannt.
155 #
阿難!汝性沈淪,不悟汝之見、聞、覺,知本如來藏。汝當觀此見、聞、覺、知,為生、為滅?為同、為異?為非生滅?為非同異?汝曾不知如來藏中性見覺明、覺精明見,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。如一見根見周法界,聽、嗅、嘗、觸、覺觸覺知,妙德瑩然,遍周法界,圓滿十虛,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性。皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du bist
im Gewohnten versunken
und erkennst nicht,
dass dein
Sehen,
Hören,
Gewahren
und Erkennen
von Grund auf
der Tathagata-Speicher sind.

Betrachte nun:
Sind Sehen
und Erkennen
entstanden
oder vergehend?
Sind sie
gleich
oder verschieden?
Oder sind sie
weder entstehend noch vergehend,
weder gleich noch verschieden?

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Sehen
und Erwachen
nicht zwei sind:
ursprünglich rein,
nicht erzeugt,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
entsprechend dem Geist der Wesen
erscheinend
im Maß ihres Erkennens.

So wie ein einziges Sehen
den gesamten Bereich des Dharma durchdringt,
so durchdringen
Hören,
Riechen,
Schmecken,
Berühren
und Erkennen
in ihrem klaren Leuchten
die zehn Richtungen.
Wo sollte da
ein Ort sein?

Entsprechend karmischer Gewohnheit
erscheint dies.
Die Welt erkennt es nicht
und hält es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die explizite Zusammenfassung der gesamten bisherigen Analyse.
1. Umkehr der Perspektive
Bis hierhin wurde gezeigt,
dass alle Objekte,
Elemente
und Bewusstseinsformen
keinen Ort haben.
Nun wird klar ausgesprochen:
Nicht etwas anderes ist der Grund,
sondern
das,
was immer schon erkennt.
2. Vierfache Negation
Der Buddha führt Ānanda
durch die klassischen Denkfallen:

• Entstehen / Vergehen
• Gleichheit / Verschiedenheit

Beide Paare werden vollständig
aufgehoben.
Das ist die klassische
mittlere Position
ohne Rest.
3. Sehen und Erwachen
„Sehen“ ist hier
kein Sinnesvorgang mehr,
sondern
das Sinnbild
für unmittelbares Gewahrsein.

Nicht:
Ich sehe etwas.
Sondern:
Sehen ist da.
4. Allgegenwart ohne Ort
Dass ein einziges Sehen
den ganzen Bereich des Dharma durchdringt,
bedeutet:
Erkennen ist nicht verteilt,
nicht fragmentiert,
nicht lokal.
5. Letzte Warnung
Die erneute Mahnung
gegen Ursache,
Bedingung
und Natur
zeigt:
Auch diese höchste Einsicht
darf nicht
zu einem neuen Begriff werden.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Neurowissenschaft & Bewusstsein
• Es gibt kein zentrales „Ich“
• Kein Ort,
an dem Sehen,
Hören oder Erkennen „sitzen“
• Wahrnehmung ist verteilt,
dynamisch,
ohne Kern

Das Sutra geht weiter:
Es zeigt,
dass auch die Suche
nach einem Träger
selbst
eine Gewohnheit ist.

Philosophie des Geistes
• Subjekt / Objekt
ist ein Modell
• Identität / Differenz
sind Denkoperationen
• Bewusstsein ist nicht lokalisierbar,
aber nicht nicht-da

Präzise Parallele

Erkennen ist real,
aber nicht auffindbar.

Genau hier liegt
die Schnittstelle
zwischen moderner Erkenntnistheorie
und der Darlegung des Sutras.



6. Kommentar – Der ursprüngliche Grund in diesem Abschnitt

Der ursprüngliche Grund ist hier nicht:
• ein höheres Bewusstsein
• ein metaphysischer Grund
• ein spirituelles Selbst

Sondern:

das nicht erzeugte,
ortlose,
nicht funktionale
Gewahrsein,
in dem alle Funktionen erscheinen.

Das ist der Punkt,
an dem das Sutra
nicht mehr argumentiert,
sondern
offenlegt.



7. Kompakte Fassung

Gesamtaussage (Sehen–Hören–Erkennen):

Das Sutra zeigt, dass Wahrnehmung und Erkennen weder entstehen noch vergehen und weder identisch noch verschieden sind. Moderne Neurowissenschaft bestätigt die Nicht-Lokalisierbarkeit von Bewusstsein. Das Sutra geht darüber hinaus, indem es auch diese Nicht-Lokalisierbarkeit nicht als neues Objekt fasst. Erkennen ist real, aber nicht erzeugt – und gerade deshalb ohne Ort.
中文原文
阿難!汝性沈淪,不悟汝之見、聞、覺,知本如來藏。汝當觀此見、聞、覺、知,為生、為滅?為同、為異?為非生滅?為非同異?汝曾不知如來藏中性見覺明、覺精明見,清淨本然周遍法界,隨眾生心應所知量。如一見根見周法界,聽、嗅、嘗、觸、覺觸覺知,妙德瑩然,遍周法界,圓滿十虛,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性。皆是識心分別計度,但有言說,都無實義!
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
du bist
im Gewohnten versunken
und erkennst nicht,
dass dein
Sehen,
Hören,
Gewahren
und Erkennen
von Grund auf
der Tathagata-Speicher sind.

Betrachte nun:
Sind Sehen
und Erkennen
entstanden
oder vergehend?
Sind sie
gleich
oder verschieden?
Oder sind sie
weder entstehend noch vergehend,
weder gleich noch verschieden?

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Sehen
und Erwachen
nicht zwei sind:
ursprünglich rein,
nicht erzeugt,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
entsprechend dem Geist der Wesen
erscheinend
im Maß ihres Erkennens.

So wie ein einziges Sehen
den gesamten Bereich des Dharma durchdringt,
so durchdringen
Hören,
Riechen,
Schmecken,
Berühren
und Erkennen
in ihrem klaren Leuchten
die zehn Richtungen.
Wo sollte da
ein Ort sein?

Entsprechend karmischer Gewohnheit
erscheint dies.
Die Welt erkennt es nicht
und hält es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die explizite Zusammenfassung der gesamten bisherigen Analyse.
1. Umkehr der Perspektive
Bis hierhin wurde gezeigt,
dass alle Objekte,
Elemente
und Bewusstseinsformen
keinen Ort haben.
Nun wird klar ausgesprochen:
Nicht etwas anderes ist der Grund,
sondern
das,
was immer schon erkennt.
2. Vierfache Negation
Der Buddha führt Ānanda
durch die klassischen Denkfallen:

• Entstehen / Vergehen
• Gleichheit / Verschiedenheit

Beide Paare werden vollständig
aufgehoben.
Das ist die klassische
mittlere Position
ohne Rest.
3. Sehen und Erwachen
„Sehen“ ist hier
kein Sinnesvorgang mehr,
sondern
das Sinnbild
für unmittelbares Gewahrsein.

Nicht:
Ich sehe etwas.
Sondern:
Sehen ist da.
4. Allgegenwart ohne Ort
Dass ein einziges Sehen
den ganzen Bereich des Dharma durchdringt,
bedeutet:
Erkennen ist nicht verteilt,
nicht fragmentiert,
nicht lokal.
5. Letzte Warnung
Die erneute Mahnung
gegen Ursache,
Bedingung
und Natur
zeigt:
Auch diese höchste Einsicht
darf nicht
zu einem neuen Begriff werden.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Neurowissenschaft & Bewusstsein
• Es gibt kein zentrales „Ich“
• Kein Ort,
an dem Sehen,
Hören oder Erkennen „sitzen“
• Wahrnehmung ist verteilt,
dynamisch,
ohne Kern

Das Sutra geht weiter:
Es zeigt,
dass auch die Suche
nach einem Träger
selbst
eine Gewohnheit ist.

Philosophie des Geistes
• Subjekt / Objekt
ist ein Modell
• Identität / Differenz
sind Denkoperationen
• Bewusstsein ist nicht lokalisierbar,
aber nicht nicht-da

Präzise Parallele

Erkennen ist real,
aber nicht auffindbar.

Genau hier liegt
die Schnittstelle
zwischen moderner Erkenntnistheorie
und der Darlegung des Sutras.



6. Kommentar – Der ursprüngliche Grund in diesem Abschnitt

Der ursprüngliche Grund ist hier nicht:
• ein höheres Bewusstsein
• ein metaphysischer Grund
• ein spirituelles Selbst

Sondern:

das nicht erzeugte,
ortlose,
nicht funktionale
Gewahrsein,
in dem alle Funktionen erscheinen.

Das ist der Punkt,
an dem das Sutra
nicht mehr argumentiert,
sondern
offenlegt.



7. Kompakte Fassung

Gesamtaussage (Sehen–Hören–Erkennen):

Das Sutra zeigt, dass Wahrnehmung und Erkennen weder entstehen noch vergehen und weder identisch noch verschieden sind. Moderne Neurowissenschaft bestätigt die Nicht-Lokalisierbarkeit von Bewusstsein. Das Sutra geht darüber hinaus, indem es auch diese Nicht-Lokalisierbarkeit nicht als neues Objekt fasst. Erkennen ist real, aber nicht erzeugt – und gerade deshalb ohne Ort.
156 #
「阿難!識性無源,因於六種根塵妄出。汝今遍觀此會聖眾,用目循歷,其目周視,但如鏡中無別分析;汝識於中次第標指,此是文殊、此富樓那、此目[1]犍連、此須菩提、此舍利弗。此識了知,為生於見?為生於相?為生虛空?為無所因突然而出?阿難!若汝識性生於見中,如無明、暗及與色、空,四種必無,元無汝見;見性尚無,從何發識?若汝識性生於相中、不從見生,既不見明、亦不見暗,明暗不矚,即無色、空;彼相尚無,識從何發?若生於空,非相、非見,非見無[2]辯,自不能知明、暗、色、空;非相滅緣,見、聞、覺、知無處安立。處此二非,空[3]非同無,有非同物;縱發汝識,欲何分別?若無所因突然而出,何不日中別識明月?汝更細詳、微細詳審,見託汝睛,相[4]推前境,可狀成有,不相成無,如是識緣因何所出?識動、見澄,非和非合;聞、聽、覺、知亦復如是,不應識緣無從自出。若此識心本無所從,當知了別見、聞、覺、知,圓滿湛然,性非從所;兼彼虛空、地、水、火、風,均名七大。性真圓融,皆如來藏,本無生滅。阿難!汝心麁浮,不悟見、聞發明了知,本如來藏。汝應觀此六處識心,為同、為異?為空、為有?為非同異?為非空有?汝元不知如來藏中性識明知、覺明真識,妙覺湛然,[5]遍周法界,含吐十虛,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義。」
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
Bewusstsein
hat keinen Ursprung.
Es erscheint
im Zusammenspiel
von Sinn
und Erscheinung.

Dein Blick
umfasst die Versammlung
wie ein Spiegel,
doch das Bewusstsein
ordnet und benennt.

Sag mir:
Entsteht dieses Unterscheiden
aus dem Sehen?
Aus den Erscheinungen?
Aus dem Raum?
Oder ohne Ursache?

Entstünde es aus dem Sehen,
gäbe es ohne Licht und Dunkelheit
kein Sehen.
Entstünde es aus den Erscheinungen,
gäbe es ohne Sehen
keine Erscheinung.
Entstünde es aus dem Raum,
gäbe es
keine Unterscheidung.

Entstünde es grundlos,
warum erkennst du
nicht alles zugleich?

Prüfe es genau:
Sehen ist klar,
Bewusstsein bewegt.
Beides ist
weder vereint
noch getrennt.

Dasselbe gilt
für Hören,
Gewahren
und Erkennen.

Es darf kein Bewusstsein geben,
das grundlos entsteht.

Wenn Bewusstsein
keinen Ursprung hat,
so wisse:
Das klare Unterscheiden
von Sehen, Hören, Gewahren und Erkennen
ist still,
vollständig
und ohne Ort.

Zusammen mit
Raum
und Erde, Wasser, Feuer und Wind
heißen sie
die sieben großen Elemente.
In ihrer wahren Natur
sind sie vollkommen durchdringend,
alle
der Tathagata-Speicher,
nicht erzeugt,
ohne Entstehen
und ohne Vergehen.

Ānanda,
du erkennst nicht,
dass dieses Erkennen
von Grund auf
der Tathagata-Speicher ist.

Betrachte nun:
Ist Bewusstsein
gleich
oder verschieden?
Leer
oder vorhanden?
Oder weder noch?

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Bewusstsein
leuchtendes Erkennen ist
und Erwachen
wahres Bewusstsein:
klar,
still,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
die zehn Richtungen umfassend –
wo sollte es da
einen Ort geben?

Entsprechend karmischer Gewohnheit
erscheint dies.
Die Welt erkennt es nicht
und hält es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die letzte und tiefste Entleerung.
1. Bewusstsein als letzter Zufluchtsort
Nachdem Sinnesobjekte,
Elemente
und Wahrnehmung entleert wurden,
bleibt scheinbar
nur noch Bewusstsein.
Auch dieses
wird nun vollständig
aufgelöst.
2. Keine Quelle, kein Träger
Bewusstsein entsteht
weder aus Sinn
noch aus Objekt
noch aus Raum
noch grundlos.
3. Bewegung und Klarheit
Bewusstsein ist bewegt,
Gewahrsein klar.
Sie sind nicht identisch
und nicht getrennt.
4. Die sieben großen Elemente
Erkennen selbst
wird als Element benannt –
nicht um es zu verfestigen,
sondern um zu zeigen:
Auch hier
gibt es keinen Ursprung.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Neurowissenschaft
• Es gibt kein „Bewusstseinszentrum“
• Kein Ort,
an dem Identifikation sitzt
• Wahrnehmung ist verteilt,
dynamisch,
ohne Ursprungspunkt

Kognitionswissenschaft
• Benennen ist
ein nachgelagerter Prozess
• „Ich sehe X“
ist eine Konstruktion
• Bewusstsein ist nicht
Quelle der Wahrnehmung,
sondern ihre Beschreibung

Erkenntnistheoretische Pointe

Die Wissenschaft zeigt:
• kein Zentrum
• keine Quelle

Das Sutra zeigt zusätzlich:
• die Suche nach der Quelle
ist selbst Gewohnheit



6. Kommentar – ursprünglicher Grund hier

Der ursprüngliche Grund ist hier nicht Bewusstsein
und nicht Nicht-Bewusstsein.

Es ist:

das nicht erzeugte,
ortlose,
stille Erkennen,
in dem Bewusstsein
als Bewegung erscheint.



7. Kompakte Fassung

Moderner Kontext (Bewusstsein):

Moderne Neurowissenschaft findet kein lokalisierbares Bewusstsein und kein zentrales Ich. Das Sutra geht darüber hinaus, indem es zeigt, dass auch die Suche nach einem Ursprung des Bewusstseins selbst eine Projektion des unterscheidenden Geistes ist. Erkennen ist real, aber nicht erzeugt – und gerade deshalb ohne Ort.
中文原文
「阿難!識性無源,因於六種根塵妄出。汝今遍觀此會聖眾,用目循歷,其目周視,但如鏡中無別分析;汝識於中次第標指,此是文殊、此富樓那、此目[1]犍連、此須菩提、此舍利弗。此識了知,為生於見?為生於相?為生虛空?為無所因突然而出?阿難!若汝識性生於見中,如無明、暗及與色、空,四種必無,元無汝見;見性尚無,從何發識?若汝識性生於相中、不從見生,既不見明、亦不見暗,明暗不矚,即無色、空;彼相尚無,識從何發?若生於空,非相、非見,非見無[2]辯,自不能知明、暗、色、空;非相滅緣,見、聞、覺、知無處安立。處此二非,空[3]非同無,有非同物;縱發汝識,欲何分別?若無所因突然而出,何不日中別識明月?汝更細詳、微細詳審,見託汝睛,相[4]推前境,可狀成有,不相成無,如是識緣因何所出?識動、見澄,非和非合;聞、聽、覺、知亦復如是,不應識緣無從自出。若此識心本無所從,當知了別見、聞、覺、知,圓滿湛然,性非從所;兼彼虛空、地、水、火、風,均名七大。性真圓融,皆如來藏,本無生滅。阿難!汝心麁浮,不悟見、聞發明了知,本如來藏。汝應觀此六處識心,為同、為異?為空、為有?為非同異?為非空有?汝元不知如來藏中性識明知、覺明真識,妙覺湛然,[5]遍周法界,含吐十虛,寧有方所?循業發現,世間無知,惑為因緣及自然性;皆是識心分別計度,但有言說,都無實義。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
Bewusstsein
hat keinen Ursprung.
Es erscheint
im Zusammenspiel
von Sinn
und Erscheinung.

Dein Blick
umfasst die Versammlung
wie ein Spiegel,
doch das Bewusstsein
ordnet und benennt.

Sag mir:
Entsteht dieses Unterscheiden
aus dem Sehen?
Aus den Erscheinungen?
Aus dem Raum?
Oder ohne Ursache?

Entstünde es aus dem Sehen,
gäbe es ohne Licht und Dunkelheit
kein Sehen.
Entstünde es aus den Erscheinungen,
gäbe es ohne Sehen
keine Erscheinung.
Entstünde es aus dem Raum,
gäbe es
keine Unterscheidung.

Entstünde es grundlos,
warum erkennst du
nicht alles zugleich?

Prüfe es genau:
Sehen ist klar,
Bewusstsein bewegt.
Beides ist
weder vereint
noch getrennt.

Dasselbe gilt
für Hören,
Gewahren
und Erkennen.

Es darf kein Bewusstsein geben,
das grundlos entsteht.

Wenn Bewusstsein
keinen Ursprung hat,
so wisse:
Das klare Unterscheiden
von Sehen, Hören, Gewahren und Erkennen
ist still,
vollständig
und ohne Ort.

Zusammen mit
Raum
und Erde, Wasser, Feuer und Wind
heißen sie
die sieben großen Elemente.
In ihrer wahren Natur
sind sie vollkommen durchdringend,
alle
der Tathagata-Speicher,
nicht erzeugt,
ohne Entstehen
und ohne Vergehen.

Ānanda,
du erkennst nicht,
dass dieses Erkennen
von Grund auf
der Tathagata-Speicher ist.

Betrachte nun:
Ist Bewusstsein
gleich
oder verschieden?
Leer
oder vorhanden?
Oder weder noch?

Du erkennst nicht,
dass im Tathagata-Speicher
Bewusstsein
leuchtendes Erkennen ist
und Erwachen
wahres Bewusstsein:
klar,
still,
den ganzen Bereich des Dharma
durchdringend,
die zehn Richtungen umfassend –
wo sollte es da
einen Ort geben?

Entsprechend karmischer Gewohnheit
erscheint dies.
Die Welt erkennt es nicht
und hält es
für Ursache,
für Bedingung
oder für Natur.

Doch all dies
sind nur
Berechnungen
des unterscheidenden Geistes.
Es bleibt bei Worten
und besitzt
keine wirkliche Bedeutung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die letzte und tiefste Entleerung.
1. Bewusstsein als letzter Zufluchtsort
Nachdem Sinnesobjekte,
Elemente
und Wahrnehmung entleert wurden,
bleibt scheinbar
nur noch Bewusstsein.
Auch dieses
wird nun vollständig
aufgelöst.
2. Keine Quelle, kein Träger
Bewusstsein entsteht
weder aus Sinn
noch aus Objekt
noch aus Raum
noch grundlos.
3. Bewegung und Klarheit
Bewusstsein ist bewegt,
Gewahrsein klar.
Sie sind nicht identisch
und nicht getrennt.
4. Die sieben großen Elemente
Erkennen selbst
wird als Element benannt –
nicht um es zu verfestigen,
sondern um zu zeigen:
Auch hier
gibt es keinen Ursprung.



5. Kommentar – Brücke zur modernen Wissenschaft

Neurowissenschaft
• Es gibt kein „Bewusstseinszentrum“
• Kein Ort,
an dem Identifikation sitzt
• Wahrnehmung ist verteilt,
dynamisch,
ohne Ursprungspunkt

Kognitionswissenschaft
• Benennen ist
ein nachgelagerter Prozess
• „Ich sehe X“
ist eine Konstruktion
• Bewusstsein ist nicht
Quelle der Wahrnehmung,
sondern ihre Beschreibung

Erkenntnistheoretische Pointe

Die Wissenschaft zeigt:
• kein Zentrum
• keine Quelle

Das Sutra zeigt zusätzlich:
• die Suche nach der Quelle
ist selbst Gewohnheit



6. Kommentar – ursprünglicher Grund hier

Der ursprüngliche Grund ist hier nicht Bewusstsein
und nicht Nicht-Bewusstsein.

Es ist:

das nicht erzeugte,
ortlose,
stille Erkennen,
in dem Bewusstsein
als Bewegung erscheint.



7. Kompakte Fassung

Moderner Kontext (Bewusstsein):

Moderne Neurowissenschaft findet kein lokalisierbares Bewusstsein und kein zentrales Ich. Das Sutra geht darüber hinaus, indem es zeigt, dass auch die Suche nach einem Ursprung des Bewusstseins selbst eine Projektion des unterscheidenden Geistes ist. Erkennen ist real, aber nicht erzeugt – und gerade deshalb ohne Ort.
157 #
爾時,阿難及諸大眾,蒙佛如來微妙開示,身心蕩然得無罣礙。是諸大眾,各各自知心遍十方,見十方空如觀[6]掌中所持葉物。一切世間諸所有物,皆即菩提妙明元心,心精遍圓含裹十方。反觀父母所生之身,猶彼十方虛空之中吹一微塵,若存若亡;如湛巨海流一浮漚,起滅無從。了然自知獲本妙心,常住不滅。禮佛合掌,得未曾有,於如來前說偈讚佛:
Da
erhielten Ānanda
und die große Versammlung
durch die feine Unterweisung
des Buddha
eine stille Öffnung.

Körper und Geist
wurden weit
und ungehindert.

Jeder erkannte:
Der Geist
durchdringt
die zehn Richtungen.
Der Raum der Welt
war so klar,
wie ein Blatt
in der eigenen Hand.

Alles,
was in der Welt erscheint,
zeigt sich
als das wunderbar leuchtende
ursprüngliche ursprünglicher Grund.
Die Essenz des ursprünglichen Grundes
ist vollkommen
und umfasst
die zehn Richtungen.

Der von Vater und Mutter
geborene Körper
erschien nun
wie ein feines Staubkorn
im weiten Raum –
kaum vorhanden,
kaum nicht vorhanden.

Wie eine Blase
auf dem stillen Meer:
auftauchend
und vergehend,
ohne Halt.

So erkannten sie
klar und unmittelbar,
dass ihnen
das ursprüngliche,
wunderbare ursprünglicher Grund
gegenwärtig geworden war,
beständig
und unvergehend.

Sie verneigten sich
vor dem Buddha,
falteten die Hände
und erfuhren
etwas,
das sie nie zuvor
erlebt hatten.

Vor dem Buddha
stimmten sie
einen Lobvers an.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist kein Lehrtext mehr, sondern Erlebnisbericht.
1. Übergang von Analyse zu Einsicht
Alle vorherigen Darlegungen
haben ihren Zweck erfüllt.
Nun tritt
keine neue Erklärung hinzu,
sondern
eine Veränderung der Perspektive.
2. „Körper und Geist wurden weit“
Das ist keine emotionale Erhebung,
sondern das Wegfallen
der Verengung
durch Identifikation.
3. Umkehr der Größenverhältnisse
Der Raum der zehn Richtungen
wird handgroß,
der eigene Körper
staubfein.
Nicht weil der Körper entwertet wird,
sondern weil
der Fixpunkt
verschwindet.
4. Alles als Ausdruck des ursprünglichen Grundes
Dies ist keine Ontologie:
Die Dinge werden nicht
zu „ursprünglicher Grund-Dingen“.

Vielmehr:
Die Trennung
zwischen Träger und Erscheinung
ist gefallen.
5. Beständigkeit ohne Ding
„Beständig und unvergehend“
bedeutet hier:
nicht erzeugt,
nicht zerstört,
nicht verloren.

Nicht etwas,
das bleibt,
sondern
das,
was nie gegangen ist.
6. Natürliche Geste
Die Verneigung
und der Lobvers
sind keine Pflicht,
sondern
spontaner Ausdruck
von Dankbarkeit.
中文原文
爾時,阿難及諸大眾,蒙佛如來微妙開示,身心蕩然得無罣礙。是諸大眾,各各自知心遍十方,見十方空如觀[6]掌中所持葉物。一切世間諸所有物,皆即菩提妙明元心,心精遍圓含裹十方。反觀父母所生之身,猶彼十方虛空之中吹一微塵,若存若亡;如湛巨海流一浮漚,起滅無從。了然自知獲本妙心,常住不滅。禮佛合掌,得未曾有,於如來前說偈讚佛:
Deutsch
Da
erhielten Ānanda
und die große Versammlung
durch die feine Unterweisung
des Buddha
eine stille Öffnung.

Körper und Geist
wurden weit
und ungehindert.

Jeder erkannte:
Der Geist
durchdringt
die zehn Richtungen.
Der Raum der Welt
war so klar,
wie ein Blatt
in der eigenen Hand.

Alles,
was in der Welt erscheint,
zeigt sich
als das wunderbar leuchtende
ursprüngliche ursprünglicher Grund.
Die Essenz des ursprünglichen Grundes
ist vollkommen
und umfasst
die zehn Richtungen.

Der von Vater und Mutter
geborene Körper
erschien nun
wie ein feines Staubkorn
im weiten Raum –
kaum vorhanden,
kaum nicht vorhanden.

Wie eine Blase
auf dem stillen Meer:
auftauchend
und vergehend,
ohne Halt.

So erkannten sie
klar und unmittelbar,
dass ihnen
das ursprüngliche,
wunderbare ursprünglicher Grund
gegenwärtig geworden war,
beständig
und unvergehend.

Sie verneigten sich
vor dem Buddha,
falteten die Hände
und erfuhren
etwas,
das sie nie zuvor
erlebt hatten.

Vor dem Buddha
stimmten sie
einen Lobvers an.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist kein Lehrtext mehr, sondern Erlebnisbericht.
1. Übergang von Analyse zu Einsicht
Alle vorherigen Darlegungen
haben ihren Zweck erfüllt.
Nun tritt
keine neue Erklärung hinzu,
sondern
eine Veränderung der Perspektive.
2. „Körper und Geist wurden weit“
Das ist keine emotionale Erhebung,
sondern das Wegfallen
der Verengung
durch Identifikation.
3. Umkehr der Größenverhältnisse
Der Raum der zehn Richtungen
wird handgroß,
der eigene Körper
staubfein.
Nicht weil der Körper entwertet wird,
sondern weil
der Fixpunkt
verschwindet.
4. Alles als Ausdruck des ursprünglichen Grundes
Dies ist keine Ontologie:
Die Dinge werden nicht
zu „ursprünglicher Grund-Dingen“.

Vielmehr:
Die Trennung
zwischen Träger und Erscheinung
ist gefallen.
5. Beständigkeit ohne Ding
„Beständig und unvergehend“
bedeutet hier:
nicht erzeugt,
nicht zerstört,
nicht verloren.

Nicht etwas,
das bleibt,
sondern
das,
was nie gegangen ist.
6. Natürliche Geste
Die Verneigung
und der Lobvers
sind keine Pflicht,
sondern
spontaner Ausdruck
von Dankbarkeit.
158 #
「妙湛總持不動尊, 首楞嚴王世希有!
銷我億劫顛倒想, 不歷僧祇獲法身。
願今得果成[7]寶王, 還度如是恒沙眾;
將此深心奉塵剎, 是則名為報佛恩。
伏請世尊為證明, 五濁惡世誓先入,
如一眾生未成佛, 終不於此取泥洹。
大雄大力大慈悲! 希更審除微細惑;
令我早登無上覺, 於十方界坐道場。
舜若多性可[A4]銷亡, 爍迦[8]囉心無動轉!」
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第三
„Schau klar: ruhend, so ewig still und wahr,
Shurangama-Kraft – in der Welt so rar.
Sie löscht den Wahn aus Äonen der Pein,
ohn Askese, der Dharmaleib stets rein.

Ich gelobe, Frucht zu tragn, ganz zu sein,
zahllos Wesen aus dem Leid zu befrein.
Mein tiefstes Herz den Welten weih ich ein,
so ist’s der Buddhas Gnade Dankesschrein.

Bitte, Lichtmeer, hör das Gelübde frei,
in trübe Welt will ich zuerst hinein.
Solang ein Wesen noch nicht Buddha sei,
trete ich nicht in das Nirvana ein.

Groß ist dein Mut, dein Mitgefühl, dein Schein,
beseitige letzte Zweif’l, mach mich rein.
Lass mich der höchsten Weisheit bald erfreun,
auf dem Dharma-Thron alle Welten säum.

Leerheitsbegriff vergeht, doch fest und fein,
bleibt das Vajra-Herz, das ewig will gedeihn.“
Kommentar öffnen
Editorische Notiz zum Lobvers (Kommentar)

Der folgende Lobvers bildet keinen weiteren Lehrabschnitt, sondern ist die spontane Antwort der Versammlung auf die zuvor gewonnene Einsicht.
Nach der vollständigen Analyse von Sinneswahrnehmung, Elementen, Bewusstsein und Erkenntnis schlägt der Text hier von begrifflicher Klärung in Gelübde, Dank und Ausrichtung um.

1. Funktion des Lobverses

Der Lobvers ist nicht als theoretische Zusammenfassung gedacht, sondern als verkörperte Antwort:
• Dankbarkeit für das Offenbarwerden des Ursprünglichen
• Gelübde, diese Einsicht nicht für sich zu behalten
• Rückbindung an den Bodhisattva-Weg

Er gehört damit wesentlich in den Bereich der Praxis (Rezitation, Andacht, Gesang) und nicht primär in die diskursive Auslegung.



2. Zur gewählten Übersetzungsform

Diese Fassung wird bewusst als Praxisfassung wiedergegeben:
• mit fester Paarreimstruktur,
• gesangstauglicher Silbenlänge,
• und langziehbaren Reimvokalen, die sich für langsamen Sprechgesang eignen.

Sie orientiert sich weniger an wörtlicher Philologie als an der rezitativen Funktion des chinesischen Originals, das selbst für klangliche Praxis bestimmt ist.

Semantische Nuancen, die zugunsten von Rhythmus und Atem vereinfacht wurden, werden im Kommentar erläutert und nicht im Vers selbst erklärt.



3. Zu den Schlüsselbegriffen

Shurangama-Kraft
übersetzt 首楞嚴王 nicht als „König“ im personalen Sinn, sondern als Vollendung unerschütterlichen Erwachens. Gemeint ist keine Person, sondern die Qualität standhafter, nicht zerfallender Klarheit.

Dharmaleib (法身)
bezeichnet hier nicht einen metaphysischen Körper, sondern das nicht erzeugte, nicht vergängliche Erwachen, das im Sutra zuvor als ursprünglicher Grund entfaltet wurde.

Vajra-Herz
ist Symbol für Unerschütterlichkeit und Unverlierbarkeit, nicht für eine Substanz. Es verweist auf das, was weder entsteht noch vergeht, ohne selbst ein Ding zu sein.



4. Zur Anrede „Lichtmeer“

Die Anrede „Lichtmeer“ ist bewusst nicht personal gewählt:
• Sie bezeichnet kein Wesen und keinen Gott.
• Sie verweist auf die lichtgleiche Weite des Erwachens, wie sie im Sutra mit 妙明 / 覺明 beschrieben wird.
• Der Lobvers richtet sich damit nicht nach außen, sondern spricht das Gelübde im offenen Grund des Erkennens selbst aus.



5. Zum Gelübde

Die zentralen Gelübdezeilen:

Solang ein Wesen noch nicht Buddha sei,
Tret’ ich nicht in das Nirvana ein.

stehen in direkter Kontinuität zur klassischen Mahāyāna-Tradition.
Sie sind keine heroische Selbstverpflichtung, sondern Ausdruck der Einsicht, dass Erwachen nicht privat ist.



6. Zur Schlusszeile

Die letzte Zeile:

Die „Leerheit“ mag vergehn, doch fest und fein,
Bleibt das Vajra-Herz, das ewig will gedeihn.

versteht „Leerheit“ bewusst in Anführungszeichen:
Gemeint ist das Begriffsbild von Leerheit, nicht die Wirklichkeit selbst.

Was „vergeht“, ist die Vorstellung –
nicht das nicht erzeugte Ursprüngliche, das als Vajra-Herz sinnbildlich bezeichnet wird.



7. Zusammenfassung

Dieser Lobvers:
• ist keine Lehre, sondern Antwort
• ist kein Kommentar, sondern Gelübde
• ist kein Abschluss, sondern Ausrichtung

Seine Kraft liegt nicht im Erklären, sondern im Sprechen aus der erkannten Weite.
中文原文
「妙湛總持不動尊, 首楞嚴王世希有!
銷我億劫顛倒想, 不歷僧祇獲法身。
願今得果成[7]寶王, 還度如是恒沙眾;
將此深心奉塵剎, 是則名為報佛恩。
伏請世尊為證明, 五濁惡世誓先入,
如一眾生未成佛, 終不於此取泥洹。
大雄大力大慈悲! 希更審除微細惑;
令我早登無上覺, 於十方界坐道場。
舜若多性可[A4]銷亡, 爍迦[8]囉心無動轉!」
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第三
Deutsch
„Schau klar: ruhend, so ewig still und wahr,
Shurangama-Kraft – in der Welt so rar.
Sie löscht den Wahn aus Äonen der Pein,
ohn Askese, der Dharmaleib stets rein.

Ich gelobe, Frucht zu tragn, ganz zu sein,
zahllos Wesen aus dem Leid zu befrein.
Mein tiefstes Herz den Welten weih ich ein,
so ist’s der Buddhas Gnade Dankesschrein.

Bitte, Lichtmeer, hör das Gelübde frei,
in trübe Welt will ich zuerst hinein.
Solang ein Wesen noch nicht Buddha sei,
trete ich nicht in das Nirvana ein.

Groß ist dein Mut, dein Mitgefühl, dein Schein,
beseitige letzte Zweif’l, mach mich rein.
Lass mich der höchsten Weisheit bald erfreun,
auf dem Dharma-Thron alle Welten säum.

Leerheitsbegriff vergeht, doch fest und fein,
bleibt das Vajra-Herz, das ewig will gedeihn.“
Kommentar
Editorische Notiz zum Lobvers (Kommentar)

Der folgende Lobvers bildet keinen weiteren Lehrabschnitt, sondern ist die spontane Antwort der Versammlung auf die zuvor gewonnene Einsicht.
Nach der vollständigen Analyse von Sinneswahrnehmung, Elementen, Bewusstsein und Erkenntnis schlägt der Text hier von begrifflicher Klärung in Gelübde, Dank und Ausrichtung um.

1. Funktion des Lobverses

Der Lobvers ist nicht als theoretische Zusammenfassung gedacht, sondern als verkörperte Antwort:
• Dankbarkeit für das Offenbarwerden des Ursprünglichen
• Gelübde, diese Einsicht nicht für sich zu behalten
• Rückbindung an den Bodhisattva-Weg

Er gehört damit wesentlich in den Bereich der Praxis (Rezitation, Andacht, Gesang) und nicht primär in die diskursive Auslegung.



2. Zur gewählten Übersetzungsform

Diese Fassung wird bewusst als Praxisfassung wiedergegeben:
• mit fester Paarreimstruktur,
• gesangstauglicher Silbenlänge,
• und langziehbaren Reimvokalen, die sich für langsamen Sprechgesang eignen.

Sie orientiert sich weniger an wörtlicher Philologie als an der rezitativen Funktion des chinesischen Originals, das selbst für klangliche Praxis bestimmt ist.

Semantische Nuancen, die zugunsten von Rhythmus und Atem vereinfacht wurden, werden im Kommentar erläutert und nicht im Vers selbst erklärt.



3. Zu den Schlüsselbegriffen

Shurangama-Kraft
übersetzt 首楞嚴王 nicht als „König“ im personalen Sinn, sondern als Vollendung unerschütterlichen Erwachens. Gemeint ist keine Person, sondern die Qualität standhafter, nicht zerfallender Klarheit.

Dharmaleib (法身)
bezeichnet hier nicht einen metaphysischen Körper, sondern das nicht erzeugte, nicht vergängliche Erwachen, das im Sutra zuvor als ursprünglicher Grund entfaltet wurde.

Vajra-Herz
ist Symbol für Unerschütterlichkeit und Unverlierbarkeit, nicht für eine Substanz. Es verweist auf das, was weder entsteht noch vergeht, ohne selbst ein Ding zu sein.



4. Zur Anrede „Lichtmeer“

Die Anrede „Lichtmeer“ ist bewusst nicht personal gewählt:
• Sie bezeichnet kein Wesen und keinen Gott.
• Sie verweist auf die lichtgleiche Weite des Erwachens, wie sie im Sutra mit 妙明 / 覺明 beschrieben wird.
• Der Lobvers richtet sich damit nicht nach außen, sondern spricht das Gelübde im offenen Grund des Erkennens selbst aus.



5. Zum Gelübde

Die zentralen Gelübdezeilen:

Solang ein Wesen noch nicht Buddha sei,
Tret’ ich nicht in das Nirvana ein.

stehen in direkter Kontinuität zur klassischen Mahāyāna-Tradition.
Sie sind keine heroische Selbstverpflichtung, sondern Ausdruck der Einsicht, dass Erwachen nicht privat ist.



6. Zur Schlusszeile

Die letzte Zeile:

Die „Leerheit“ mag vergehn, doch fest und fein,
Bleibt das Vajra-Herz, das ewig will gedeihn.

versteht „Leerheit“ bewusst in Anführungszeichen:
Gemeint ist das Begriffsbild von Leerheit, nicht die Wirklichkeit selbst.

Was „vergeht“, ist die Vorstellung –
nicht das nicht erzeugte Ursprüngliche, das als Vajra-Herz sinnbildlich bezeichnet wird.



7. Zusammenfassung

Dieser Lobvers:
• ist keine Lehre, sondern Antwort
• ist kein Kommentar, sondern Gelübde
• ist kein Abschluss, sondern Ausrichtung

Seine Kraft liegt nicht im Erklären, sondern im Sprechen aus der erkannten Weite.
159 #
爾時,富樓那彌多羅尼子在大眾中即從座起,偏袒右肩,右膝著地,合掌恭敬而白佛言:「大威德世尊!善為眾生敷演如來第一義諦。世尊常推說法人中我為第一,今聞如來微妙法音,猶如聾人逾百步外聆於蚊蚋,本所不見,何況得聞?佛雖宣明令我除惑,今猶未詳斯義究竟無疑惑地。世尊!如阿難輩,雖則開悟,習漏未除;我等會中登無漏者,雖盡諸漏,今聞如來所說法音,尚紆疑悔。世尊!若復世間一切根、塵、陰、處、界等皆如來藏清淨本然,云何忽生山河大地諸有為相,次第遷流,終而復始?又如來說地、水、火、風本性圓融、周遍法界,湛然常住,世尊!若地性遍,云何容水?水性周遍,火則不生。復云何明水、火二性俱遍虛空不相[9]𣣋滅?世尊!地性障礙,空性虛通,云何二俱周遍法界?而我不知是義攸往,[10]唯願如來宣流大慈,開我迷雲,及諸大眾!」作是語已,五體投地,欽渴如來無上慈誨。
Zu jener Zeit
trat Purna
aus der Versammlung hervor.
Er entblößte die rechte Schulter,
kniete nieder,
faltete die Hände
und sprach ehrfürchtig:

„Großmächtiger Weltverehrter,
du hast den Wesen
die höchste Wahrheit
des Tathagata
weit und klar entfaltet.

Du sagst oft,
dass ich unter den Lehrern des Dharma
an erster Stelle stehe.
Doch nun,
da ich deinen feinsinnigen,
wunderbaren Klang des Dharma höre,
ist es,
als lausche ein Tauber
dem Summen einer Mücke
aus großer Entfernung:
Nicht einmal Sehen ist möglich –
wie sollte Hören gelingen?

Obwohl du die Lehre klar dargelegt hast,
ist mir ihr letzter Sinn
noch nicht völlig ohne Zweifel
gegenwärtig.

Weltverehrter,
Ananda hat Einsicht gewonnen,
doch seine Gewohnheiten
sind noch nicht erschöpft.
Und selbst wir hier,
die wir die Ausflüsse überwunden haben,
verharren beim Hören
deiner Lehre
noch in Zögern,
Zweifel und innerer Bewegung.

Wenn aber
alle Wurzeln,
alle Erscheinungen,
alle Skandhas,
Bereiche
und Elemente
nichts anderes sind
als der Tathagata-Speicher
in seiner reinen,
nicht erzeugten Grundnatur –
wie entstehen dann plötzlich
Berge,
Flüsse
und die große Erde
als bedingte Formen,
die sich fortwährend wandeln
und immer neu beginnen?

Du hast gelehrt,
dass Erde,
Wasser,
Feuer
und Wind
in ihrer Wesensnatur
rundum durchdringend,
den gesamten Bereich des Dharma umfassend,
klar,
still
und beständig sind.

Wenn die Natur der Erde
überall ist,
wie kann sie Wasser tragen?
Wenn die Natur des Wassers
überall ist,
wie kann Feuer entstehen?
Und wie können Wasser und Feuer
zugleich
den Raum durchdringen,
ohne sich gegenseitig zu vernichten?

Die Erdnatur ist hemmend,
die Natur des Raumes ist offen.
Wie können beide
zugleich
den gesamten Bereich des Dharma erfüllen?

Ich sehe nicht,
wohin diese Bedeutung weist.
Möge der Weltverehrte
sein großes Mitgefühl ausströmen,
die Wolken meiner Verblendung öffnen
und ebenso
die der großen Versammlung.“

Nachdem er gesprochen hatte,
warf er sich vollständig zu Boden
und begehrte in tiefer Ehrfurcht
die höchste,
mitfühlende Weisung
des Buddha.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt eröffnet den Kern der kosmologischen Spannung des Shurangama-Sutra – jedoch nicht als naturkundliche oder metaphysische Kosmologie, sondern als Grenzerfahrung des begrifflichen Denkens.

1. Die Stimme des Zweifelnden auf höchster Ebene

Pūrṇa ist kein Suchender am Anfang des Weges.
Er gilt als der Erste unter den Lehrern des Dharma, als Meister der Erklärung und der Unterscheidung.

Gerade deshalb ist seine Verwirrung entscheidend:
Sie zeigt, dass selbst höchste begriffliche Klarheit nicht ausreicht, um die Einheit von ursprünglichem Grund und Welt zu durchdringen.

Der Zweifel kommt nicht aus Unwissen,
sondern aus Überreife des Denkens.

2. Das zentrale Paradox

Pūrṇas Frage ist präzise formuliert:

Wenn alle Wurzeln, Erscheinungen, Skandhas, Bereiche und Elemente
nichts anderes sind als der Tathāgata-Speicher
in seiner reinen, nicht erzeugten Grundnatur –

warum erscheinen dann plötzlich
Berge, Flüsse und die große Erde
als bedingte, sich wandelnde Formen?

Dies ist kein naiver Widerspruch,
sondern die klare Benennung des Grundproblems:

Wie kann aus dem Unbedingten Bedingtes erscheinen,
ohne dass das Unbedingte dadurch verletzt wird?

3. Elemente als Denkprüfsteine

Erde, Wasser, Feuer und Wind werden hier nicht als Stoffe behandelt,
sondern als Grenzfälle des Denkens.

Die Fragen:
• Wie kann Durchdringung ohne Vermischung geschehen?
• Wie kann Hemmung und Offenheit zugleich bestehen?
• Wie kann Gegensätzliches koexistieren, ohne sich aufzuheben?

zeigen, dass der Geist in Widersprüche gerät,
sobald er Durchdringung räumlich oder stofflich denkt.

Hier scheitert jede naive Ontologie.

4. ursprünglicher Grund und Geist – zwei Blickrichtungen

Pūrṇas Fragen entstehen nicht aus falschen Prämissen,
sondern aus einer falschen Blickrichtung.

Der Geist denkt relational:
• Wie passt A in B?
• Wie behindert sich C nicht mit D?

der ursprüngliche Grund hingegen ist:
• kein Raum
• keine Substanz
• keine Summe von Teilen

Es ist nicht das, worin Dinge sind,
sondern das, aus dem die Unterscheidung selbst hervorgeht.

Solange der ursprüngliche Grund vom Geist her gedacht wird,
erscheint es zwangsläufig widersprüchlich.

5. Die Bedeutung des „Tathāgata-Speichers“

Der Tathāgata-Speicher wird hier ausdrücklich als
„rein“ und „nicht erzeugt“ benannt.

Das Problem liegt daher nicht im Ursprung,
sondern in der Art des Fragens.

Pūrṇa fragt noch:
Wie entsteht etwas aus dem ursprünglichen Grund?

Der folgende Abschnitt wird zeigen:
Diese Frage setzt bereits Trennung voraus.

6. Moderne Anschlussfähigkeit

Auch moderne Denkmodelle stoßen an dieselbe Grenze:
• Feldtheorien beschreiben Durchdringung ohne Ort
• Systemtheorie beschreibt Emergenz ohne Substanz
• Bewusstseinsforschung beschreibt Prozesse ohne Zentrum

Doch auch sie geraten an einen Punkt,
an dem die Beobachterposition selbst ungeklärt bleibt.

Das Sutra geht tiefer:
Es analysiert nicht die Welt,
sondern den Akt der Objektivierung,
durch den Welt überhaupt erscheint.

7. Übergangspunkt der Rolle 4

Mit Pūrṇas Fragen ist das intellektuelle Maximum erreicht.

Alles, was gedacht werden kann,
ist gedacht worden.
Alles, was erklärt werden kann,
ist erklärt worden.

Ab hier wird der Buddha
nicht mehr argumentieren.

Er wird den Blick
vom Geist
auf der ursprüngliche Grund selbst wenden –
nicht durch neue Antworten,
sondern durch das Auflösen der Fragestellung.

Die kosmologische Spannung
wird nicht gelöst,
sondern durchschaut.
中文原文
爾時,富樓那彌多羅尼子在大眾中即從座起,偏袒右肩,右膝著地,合掌恭敬而白佛言:「大威德世尊!善為眾生敷演如來第一義諦。世尊常推說法人中我為第一,今聞如來微妙法音,猶如聾人逾百步外聆於蚊蚋,本所不見,何況得聞?佛雖宣明令我除惑,今猶未詳斯義究竟無疑惑地。世尊!如阿難輩,雖則開悟,習漏未除;我等會中登無漏者,雖盡諸漏,今聞如來所說法音,尚紆疑悔。世尊!若復世間一切根、塵、陰、處、界等皆如來藏清淨本然,云何忽生山河大地諸有為相,次第遷流,終而復始?又如來說地、水、火、風本性圓融、周遍法界,湛然常住,世尊!若地性遍,云何容水?水性周遍,火則不生。復云何明水、火二性俱遍虛空不相[9]𣣋滅?世尊!地性障礙,空性虛通,云何二俱周遍法界?而我不知是義攸往,[10]唯願如來宣流大慈,開我迷雲,及諸大眾!」作是語已,五體投地,欽渴如來無上慈誨。
Deutsch
Zu jener Zeit
trat Purna
aus der Versammlung hervor.
Er entblößte die rechte Schulter,
kniete nieder,
faltete die Hände
und sprach ehrfürchtig:

„Großmächtiger Weltverehrter,
du hast den Wesen
die höchste Wahrheit
des Tathagata
weit und klar entfaltet.

Du sagst oft,
dass ich unter den Lehrern des Dharma
an erster Stelle stehe.
Doch nun,
da ich deinen feinsinnigen,
wunderbaren Klang des Dharma höre,
ist es,
als lausche ein Tauber
dem Summen einer Mücke
aus großer Entfernung:
Nicht einmal Sehen ist möglich –
wie sollte Hören gelingen?

Obwohl du die Lehre klar dargelegt hast,
ist mir ihr letzter Sinn
noch nicht völlig ohne Zweifel
gegenwärtig.

Weltverehrter,
Ananda hat Einsicht gewonnen,
doch seine Gewohnheiten
sind noch nicht erschöpft.
Und selbst wir hier,
die wir die Ausflüsse überwunden haben,
verharren beim Hören
deiner Lehre
noch in Zögern,
Zweifel und innerer Bewegung.

Wenn aber
alle Wurzeln,
alle Erscheinungen,
alle Skandhas,
Bereiche
und Elemente
nichts anderes sind
als der Tathagata-Speicher
in seiner reinen,
nicht erzeugten Grundnatur –
wie entstehen dann plötzlich
Berge,
Flüsse
und die große Erde
als bedingte Formen,
die sich fortwährend wandeln
und immer neu beginnen?

Du hast gelehrt,
dass Erde,
Wasser,
Feuer
und Wind
in ihrer Wesensnatur
rundum durchdringend,
den gesamten Bereich des Dharma umfassend,
klar,
still
und beständig sind.

Wenn die Natur der Erde
überall ist,
wie kann sie Wasser tragen?
Wenn die Natur des Wassers
überall ist,
wie kann Feuer entstehen?
Und wie können Wasser und Feuer
zugleich
den Raum durchdringen,
ohne sich gegenseitig zu vernichten?

Die Erdnatur ist hemmend,
die Natur des Raumes ist offen.
Wie können beide
zugleich
den gesamten Bereich des Dharma erfüllen?

Ich sehe nicht,
wohin diese Bedeutung weist.
Möge der Weltverehrte
sein großes Mitgefühl ausströmen,
die Wolken meiner Verblendung öffnen
und ebenso
die der großen Versammlung.“

Nachdem er gesprochen hatte,
warf er sich vollständig zu Boden
und begehrte in tiefer Ehrfurcht
die höchste,
mitfühlende Weisung
des Buddha.
Kommentar
Dieser Abschnitt eröffnet den Kern der kosmologischen Spannung des Shurangama-Sutra – jedoch nicht als naturkundliche oder metaphysische Kosmologie, sondern als Grenzerfahrung des begrifflichen Denkens.

1. Die Stimme des Zweifelnden auf höchster Ebene

Pūrṇa ist kein Suchender am Anfang des Weges.
Er gilt als der Erste unter den Lehrern des Dharma, als Meister der Erklärung und der Unterscheidung.

Gerade deshalb ist seine Verwirrung entscheidend:
Sie zeigt, dass selbst höchste begriffliche Klarheit nicht ausreicht, um die Einheit von ursprünglichem Grund und Welt zu durchdringen.

Der Zweifel kommt nicht aus Unwissen,
sondern aus Überreife des Denkens.

2. Das zentrale Paradox

Pūrṇas Frage ist präzise formuliert:

Wenn alle Wurzeln, Erscheinungen, Skandhas, Bereiche und Elemente
nichts anderes sind als der Tathāgata-Speicher
in seiner reinen, nicht erzeugten Grundnatur –

warum erscheinen dann plötzlich
Berge, Flüsse und die große Erde
als bedingte, sich wandelnde Formen?

Dies ist kein naiver Widerspruch,
sondern die klare Benennung des Grundproblems:

Wie kann aus dem Unbedingten Bedingtes erscheinen,
ohne dass das Unbedingte dadurch verletzt wird?

3. Elemente als Denkprüfsteine

Erde, Wasser, Feuer und Wind werden hier nicht als Stoffe behandelt,
sondern als Grenzfälle des Denkens.

Die Fragen:
• Wie kann Durchdringung ohne Vermischung geschehen?
• Wie kann Hemmung und Offenheit zugleich bestehen?
• Wie kann Gegensätzliches koexistieren, ohne sich aufzuheben?

zeigen, dass der Geist in Widersprüche gerät,
sobald er Durchdringung räumlich oder stofflich denkt.

Hier scheitert jede naive Ontologie.

4. ursprünglicher Grund und Geist – zwei Blickrichtungen

Pūrṇas Fragen entstehen nicht aus falschen Prämissen,
sondern aus einer falschen Blickrichtung.

Der Geist denkt relational:
• Wie passt A in B?
• Wie behindert sich C nicht mit D?

der ursprüngliche Grund hingegen ist:
• kein Raum
• keine Substanz
• keine Summe von Teilen

Es ist nicht das, worin Dinge sind,
sondern das, aus dem die Unterscheidung selbst hervorgeht.

Solange der ursprüngliche Grund vom Geist her gedacht wird,
erscheint es zwangsläufig widersprüchlich.

5. Die Bedeutung des „Tathāgata-Speichers“

Der Tathāgata-Speicher wird hier ausdrücklich als
„rein“ und „nicht erzeugt“ benannt.

Das Problem liegt daher nicht im Ursprung,
sondern in der Art des Fragens.

Pūrṇa fragt noch:
Wie entsteht etwas aus dem ursprünglichen Grund?

Der folgende Abschnitt wird zeigen:
Diese Frage setzt bereits Trennung voraus.

6. Moderne Anschlussfähigkeit

Auch moderne Denkmodelle stoßen an dieselbe Grenze:
• Feldtheorien beschreiben Durchdringung ohne Ort
• Systemtheorie beschreibt Emergenz ohne Substanz
• Bewusstseinsforschung beschreibt Prozesse ohne Zentrum

Doch auch sie geraten an einen Punkt,
an dem die Beobachterposition selbst ungeklärt bleibt.

Das Sutra geht tiefer:
Es analysiert nicht die Welt,
sondern den Akt der Objektivierung,
durch den Welt überhaupt erscheint.

7. Übergangspunkt der Rolle 4

Mit Pūrṇas Fragen ist das intellektuelle Maximum erreicht.

Alles, was gedacht werden kann,
ist gedacht worden.
Alles, was erklärt werden kann,
ist erklärt worden.

Ab hier wird der Buddha
nicht mehr argumentieren.

Er wird den Blick
vom Geist
auf der ursprüngliche Grund selbst wenden –
nicht durch neue Antworten,
sondern durch das Auflösen der Fragestellung.

Die kosmologische Spannung
wird nicht gelöst,
sondern durchschaut.
160 #
爾時,世尊告富樓那及諸會中漏盡無學諸阿羅漢:「如來今日普為此會宣勝義中真勝義性,令汝會中定性聲聞,及諸一切未得二空迴向上乘阿羅漢等,皆獲一乘寂滅場地、真阿練若正修行處。汝今諦聽!當為汝說。」富樓那等欽佛法音,默然承聽。
佛言:「富樓那!如汝所言『清淨本然,云何忽生山河大地?』汝常不聞如來宣說性覺妙明本覺明妙?」
富樓那言:「唯然,世尊!我常聞佛宣說斯義。」
佛言:「汝稱覺明,為復性明稱名為覺?為覺不明稱為明覺?」
富樓那言:「若此不明名為覺者,則無[1]所明。」
Zu jener Zeit
sprach der Weltverehrte
zu Purna
und zu den
vollendeten Arhats
der Versammlung:

„Heute
verkündet der Tathagata
für diese gesamte Versammlung
die höchste Bedeutung
innerhalb der höchsten Bedeutung:
das wahrhaftige
Wesen, des höchsten Prinzips.

Damit sollen
die festgelegten Hörenden
und alle Arhats,
die die zwei Leerheiten
noch nicht vollständig verwirklicht
und sich dem Großen Fahrzeug zugewandt haben,
allesamt
das eine Fahrzeug
der stillen Erlöschung
als Wirkungsraum erlangen
und den wahren Ort
rechter Übung
in der Einsamkeit betreten.

Höre nun aufmerksam!
Ich werde es dir darlegen.“

Purna
und die Versammlung
nahmen den Klang des Dharma
in Ehrfurcht an
und hörten schweigend zu.

Der Buddha sprach:

„Purna,
du fragst:
‚Rein
und ursprünglich nicht erzeugt –
wie entstehen dann plötzlich
Berge,
Flüsse
und die große Erde?‘

Hast du nicht immer gehört,
wie der Buddha sagt:
‚Das Wesen des Erwachens
ist wundersame Klarheit,
das ursprüngliche Erwachen
ist klare Wunderbarkeit.‘?“


Purna antwortete:

„Ja, Weltverehrter.
Ich habe diese Bedeutung
immer wieder
vom Buddha gehört.“

Der Buddha fragte:

Du gebrauchst die Begriffe
'Erwachen' und 'Klarheit'.
Bezeichnet man
mit 'Erwachen'
ein Klarsein,
das zum Wesen
selbst gehört?
Oder nennt man es
'Klarheit des Erwachens',
weil das Erwachen
an sich nicht klar ist?

Purna erwiderte:

„Wenn das Nicht-Klare
‚Erwachen‘ genannt würde,
gäbe es nichts,
was klar sein könnte.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den entscheidenden Übergang
von kosmologischer Fragestellung
zur begrifflichen Demontage des Erkennens selbst.

Der Buddha beantwortet die Fragen Pūrṇas nicht unmittelbar,
sondern verschiebt den Fokus:
weg von der Weltbeschreibung
hin zur Art des Fragens.

1. „Die höchste Bedeutung innerhalb der höchsten Bedeutung“

Wenn der Buddha ankündigt,
die „höchste Bedeutung innerhalb der höchsten Bedeutung“
zu verkünden,
meint er keinen neuen metaphysischen Inhalt.

Gemeint ist eine Korrektur der Perspektive.

Die „wahrhaftige Wesensnatur des höchsten Prinzips“
liegt nicht hinter der Welt,
nicht über ihr
und nicht jenseits ihrer Erscheinungen.

Sie liegt in der Einsicht,
dass die bisherigen Fragen
bereits aus einer verfehlten Benennung
und einer unbemerkten Objektivierung hervorgehen.

Nicht die Welt ist unklar,
sondern die Blickrichtung.

2. Das eine Fahrzeug: Ende der Suchbewegung

Das „eine Fahrzeug der stillen Erlöschung“
ist kein neues Lehrsystem,
keine höhere Stufe
und kein exklusiver Pfad.

Es bezeichnet den Zustand,
in dem:
• Suche zur Ruhe kommt
• Erklärung nicht mehr greift
• Fortschritt seine Richtung verliert

„Stille Erlöschung“
bedeutet hier nicht Auslöschung,
sondern das Erlöschen der begrifflichen Aktivität,
die sich selbst forttreibt.

Nicht etwas wird erreicht –
etwas hört auf.

3. Āraṇya: der Ort ohne Gegenüber

Obwohl Āraṇya in diesem Abschnitt
nicht explizit erläutert wird,
ist seine Bedeutung zentral.

Āraṇya ist kein geografischer Ort.
Es ist auch kein Rückzug in Abgeschiedenheit
im äußeren Sinn.

Āraṇya bezeichnet den Zustand,
in dem der Geist
nicht mehr nach außen greift,
keine Objekte fixiert
und keine Gegensätze aufrechterhält.

Es ist der „Ort“,
an dem:
• Wahrnehmen ohne Aneignung geschieht
• Klarheit nicht festgehalten wird
• Welt nicht verlassen,
aber auch nicht vergegenständlicht wird

Āraṇya ist damit
kein Rückzug aus der Welt,
sondern das Aufhören, ihr gegenüberzustehen.

4. Die begriffliche Falle: Erwachen und Klarheit

Der Buddha setzt nun gezielt an
der Kopplung der Begriffe
覺 (Erwachen)
und 明 (Klarheit) an.

Pūrṇa gebraucht diese Begriffe,
als wären sie Eigenschaften,
die man kombinieren oder trennen könnte.

Die Frage lautet:
• Ist Erwachen klar,
weil Klarheit zu seinem Wesen gehört?
• Oder nennt man es „klares Erwachen“,
weil Erwachen an sich unklar wäre?

Damit wird sichtbar:
Sobald Erwachen
als etwas gedacht wird,
das erst klar werden müsste,
ist es bereits verfehlt.

Nicht weil es dunkel wäre,
sondern weil es als Objekt gedacht wird.

5. Klarheit ist nicht Ergebnis, sondern Voraussetzung

Pūrṇas Antwort ist logisch korrekt
und zugleich nur ein erster Schritt:

Wenn Erwachen nicht klar wäre,
gäbe es nichts,
das erkannt werden könnte.

Damit wird implizit gesagt:
Klarheit ist nicht das Resultat von Erwachen,
sondern dessen untrennbares Wesen.

Doch auch diese Einsicht
kann subtil verfehlt werden,
wenn Klarheit nun
als Eigenschaft des ursprünglichen Grundes
verstanden wird.

6. Die Vorbereitung der Umwendung

Der Buddha wird im nächsten Abschnitt zeigen,
dass selbst diese richtige Einsicht
noch im Denken verbleibt.

Denn solange Klarheit
als etwas am ursprünglichen Grund gedacht wird,
besteht immer noch
eine minimale Trennung.

Die kommende Lehre
wird daher nicht weiter erklären,
sondern das Denken selbst
umdrehen.

Nicht durch neue Begriffe,
sondern durch das Auflösen
der letzten stillen Annahme:
dass Erwachen etwas sei,
das erkannt werden könnte.

7. Stellung dieses Abschnitts in Rolle 4

Hier erreicht die Rolle 4
ihren inneren Wendepunkt.
• Die kosmologischen Fragen
sind vollständig ausgesprochen.
• Die begrifflichen Mittel
sind ausgeschöpft.
• Die höchste Einsicht
ist berührt –
aber noch nicht losgelassen.

Was folgt,
ist keine Antwort auf die Welt,
sondern eine Rückkehr in den Ort von Āraṇya:
dorthin,
wo Erkenntnis
nicht gesucht,
sondern zugelassen wird.
中文原文
爾時,世尊告富樓那及諸會中漏盡無學諸阿羅漢:「如來今日普為此會宣勝義中真勝義性,令汝會中定性聲聞,及諸一切未得二空迴向上乘阿羅漢等,皆獲一乘寂滅場地、真阿練若正修行處。汝今諦聽!當為汝說。」富樓那等欽佛法音,默然承聽。
佛言:「富樓那!如汝所言『清淨本然,云何忽生山河大地?』汝常不聞如來宣說性覺妙明本覺明妙?」
富樓那言:「唯然,世尊!我常聞佛宣說斯義。」
佛言:「汝稱覺明,為復性明稱名為覺?為覺不明稱為明覺?」
富樓那言:「若此不明名為覺者,則無[1]所明。」
Deutsch
Zu jener Zeit
sprach der Weltverehrte
zu Purna
und zu den
vollendeten Arhats
der Versammlung:

„Heute
verkündet der Tathagata
für diese gesamte Versammlung
die höchste Bedeutung
innerhalb der höchsten Bedeutung:
das wahrhaftige
Wesen, des höchsten Prinzips.

Damit sollen
die festgelegten Hörenden
und alle Arhats,
die die zwei Leerheiten
noch nicht vollständig verwirklicht
und sich dem Großen Fahrzeug zugewandt haben,
allesamt
das eine Fahrzeug
der stillen Erlöschung
als Wirkungsraum erlangen
und den wahren Ort
rechter Übung
in der Einsamkeit betreten.

Höre nun aufmerksam!
Ich werde es dir darlegen.“

Purna
und die Versammlung
nahmen den Klang des Dharma
in Ehrfurcht an
und hörten schweigend zu.

Der Buddha sprach:

„Purna,
du fragst:
‚Rein
und ursprünglich nicht erzeugt –
wie entstehen dann plötzlich
Berge,
Flüsse
und die große Erde?‘

Hast du nicht immer gehört,
wie der Buddha sagt:
‚Das Wesen des Erwachens
ist wundersame Klarheit,
das ursprüngliche Erwachen
ist klare Wunderbarkeit.‘?“


Purna antwortete:

„Ja, Weltverehrter.
Ich habe diese Bedeutung
immer wieder
vom Buddha gehört.“

Der Buddha fragte:

Du gebrauchst die Begriffe
'Erwachen' und 'Klarheit'.
Bezeichnet man
mit 'Erwachen'
ein Klarsein,
das zum Wesen
selbst gehört?
Oder nennt man es
'Klarheit des Erwachens',
weil das Erwachen
an sich nicht klar ist?

Purna erwiderte:

„Wenn das Nicht-Klare
‚Erwachen‘ genannt würde,
gäbe es nichts,
was klar sein könnte.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den entscheidenden Übergang
von kosmologischer Fragestellung
zur begrifflichen Demontage des Erkennens selbst.

Der Buddha beantwortet die Fragen Pūrṇas nicht unmittelbar,
sondern verschiebt den Fokus:
weg von der Weltbeschreibung
hin zur Art des Fragens.

1. „Die höchste Bedeutung innerhalb der höchsten Bedeutung“

Wenn der Buddha ankündigt,
die „höchste Bedeutung innerhalb der höchsten Bedeutung“
zu verkünden,
meint er keinen neuen metaphysischen Inhalt.

Gemeint ist eine Korrektur der Perspektive.

Die „wahrhaftige Wesensnatur des höchsten Prinzips“
liegt nicht hinter der Welt,
nicht über ihr
und nicht jenseits ihrer Erscheinungen.

Sie liegt in der Einsicht,
dass die bisherigen Fragen
bereits aus einer verfehlten Benennung
und einer unbemerkten Objektivierung hervorgehen.

Nicht die Welt ist unklar,
sondern die Blickrichtung.

2. Das eine Fahrzeug: Ende der Suchbewegung

Das „eine Fahrzeug der stillen Erlöschung“
ist kein neues Lehrsystem,
keine höhere Stufe
und kein exklusiver Pfad.

Es bezeichnet den Zustand,
in dem:
• Suche zur Ruhe kommt
• Erklärung nicht mehr greift
• Fortschritt seine Richtung verliert

„Stille Erlöschung“
bedeutet hier nicht Auslöschung,
sondern das Erlöschen der begrifflichen Aktivität,
die sich selbst forttreibt.

Nicht etwas wird erreicht –
etwas hört auf.

3. Āraṇya: der Ort ohne Gegenüber

Obwohl Āraṇya in diesem Abschnitt
nicht explizit erläutert wird,
ist seine Bedeutung zentral.

Āraṇya ist kein geografischer Ort.
Es ist auch kein Rückzug in Abgeschiedenheit
im äußeren Sinn.

Āraṇya bezeichnet den Zustand,
in dem der Geist
nicht mehr nach außen greift,
keine Objekte fixiert
und keine Gegensätze aufrechterhält.

Es ist der „Ort“,
an dem:
• Wahrnehmen ohne Aneignung geschieht
• Klarheit nicht festgehalten wird
• Welt nicht verlassen,
aber auch nicht vergegenständlicht wird

Āraṇya ist damit
kein Rückzug aus der Welt,
sondern das Aufhören, ihr gegenüberzustehen.

4. Die begriffliche Falle: Erwachen und Klarheit

Der Buddha setzt nun gezielt an
der Kopplung der Begriffe
覺 (Erwachen)
und 明 (Klarheit) an.

Pūrṇa gebraucht diese Begriffe,
als wären sie Eigenschaften,
die man kombinieren oder trennen könnte.

Die Frage lautet:
• Ist Erwachen klar,
weil Klarheit zu seinem Wesen gehört?
• Oder nennt man es „klares Erwachen“,
weil Erwachen an sich unklar wäre?

Damit wird sichtbar:
Sobald Erwachen
als etwas gedacht wird,
das erst klar werden müsste,
ist es bereits verfehlt.

Nicht weil es dunkel wäre,
sondern weil es als Objekt gedacht wird.

5. Klarheit ist nicht Ergebnis, sondern Voraussetzung

Pūrṇas Antwort ist logisch korrekt
und zugleich nur ein erster Schritt:

Wenn Erwachen nicht klar wäre,
gäbe es nichts,
das erkannt werden könnte.

Damit wird implizit gesagt:
Klarheit ist nicht das Resultat von Erwachen,
sondern dessen untrennbares Wesen.

Doch auch diese Einsicht
kann subtil verfehlt werden,
wenn Klarheit nun
als Eigenschaft des ursprünglichen Grundes
verstanden wird.

6. Die Vorbereitung der Umwendung

Der Buddha wird im nächsten Abschnitt zeigen,
dass selbst diese richtige Einsicht
noch im Denken verbleibt.

Denn solange Klarheit
als etwas am ursprünglichen Grund gedacht wird,
besteht immer noch
eine minimale Trennung.

Die kommende Lehre
wird daher nicht weiter erklären,
sondern das Denken selbst
umdrehen.

Nicht durch neue Begriffe,
sondern durch das Auflösen
der letzten stillen Annahme:
dass Erwachen etwas sei,
das erkannt werden könnte.

7. Stellung dieses Abschnitts in Rolle 4

Hier erreicht die Rolle 4
ihren inneren Wendepunkt.
• Die kosmologischen Fragen
sind vollständig ausgesprochen.
• Die begrifflichen Mittel
sind ausgeschöpft.
• Die höchste Einsicht
ist berührt –
aber noch nicht losgelassen.

Was folgt,
ist keine Antwort auf die Welt,
sondern eine Rückkehr in den Ort von Āraṇya:
dorthin,
wo Erkenntnis
nicht gesucht,
sondern zugelassen wird.
161 #
佛言:「若無所明,則無明覺。有所非覺,無所非明,無明又非覺湛明性。性覺必明,妄為明覺。覺非所明,因明立所,所既妄立,生汝妄能,無同異中熾然成異。異彼所異,因異立同,同異發明,因此復立無同無異。如是擾亂相待生勞,勞久發塵自相渾濁,由是引起塵勞煩惱。起為世界,靜成虛空,虛空為同,世界為異。彼無同異真有為法,覺明、空昧相待成搖,故有風輪執持世界。因空生搖,堅明立礙,彼金寶者明覺立堅,故有金輪保持國土。堅覺寶成,搖明風出,風、金相摩故有火光為變化性;寶明生潤,火光上[2]蒸,故有水輪含十方界。火騰、水降,交發立堅,濕為巨海,乾為洲潬。以是義故,彼大海中火光常起;彼洲潬中江河常注。水勢劣火,結為高山;是故山石擊則成炎,融則成水。土勢劣水,抽為草木;是故林藪遇燒成土,因絞成水,交妄發生,遞相為種;以是因緣世界相續。
Der Buddha sprach:

„Wenn es nichts gibt,
das klar ist,
gibt es kein
‚klares Erwachen‘.
Wo es ein 'Etwas' gibt,
ist es nicht das Erwachen;
wo es nichts gibt,
kann keine Klarheit sein.
Doch ein Erwachen,
das nicht klar ist,
ist nicht
das stille,
klare Wesen
des ursprünglicher Grund.

Das Wesen des Erwachens
ist von sich aus klar.
Doch durch Verblendung
wird es
zu ‚klarem Erwachen‘ gemacht.

Erwachen
wird nicht erkannt,
ist kein Objekt.
Doch aus Klarheit
wird ein Objekt gemacht;
sobald ein Objekt
gesetzt ist,
entsteht
deine täuschende Fähigkeit
des Erkennens.

Wo weder Gleichheit
noch Verschiedenheit ist,
entsteht plötzlich
Verschiedenheit.
Daran gemessen
entsteht Gleichheit.
Aus Gleichheit und Verschiedenheit
wird gegenseitige Bestimmung,
und daraus wiederum
der Zustand
von ‚weder gleich
noch verschieden‘.

Diese Unruhe
bedingt sich selbst.
Aus Erschöpfung
wird Verdichtung;
aus Verdichtung
entstehen Verstrickung
und Leid.

Bewegung
erscheint als Welt,
Ruhe
als Raum.
Raum gilt als gleich,
Welt als verschieden.

Dieses ‚weder gleich
noch verschieden‘
ist bedingt wirkendes
Geschehen.
Erwachte Klarheit
und getrübter Raum
bedingen einander –
und geraten ins Schwingen:
so entsteht
das Windrad,
das die Welt trägt.

Die Bewegung des Raumes
speist fortwährend die Unruhe;
aus verdichtender Klarheit
entsteht Widerstand.
Was als Gold
und Kostbarkeit erscheint,
entsteht,
weil sich verdichtete Klarheit
festsetzt;
so trägt das Goldrad
die Länder.

Die Bewegung der Klarheit
erzeugt den Wind;
Wind und Festigkeit
reiben einander:
Feuer erscheint
als Wandlung.

Aus kostbarer Klarheit
entsteht Befeuchtung;
Feuer steigt auf,
Wasser entsteht
und erfüllt die Welt.

Feuer steigt,
Wasser sinkt;
ihr Zusammenwirken
bringt Substanz hervor.
Feuchtigkeit wird Meer,
Trockenheit wird Land.

Darum brennt im Meer
verborgenes Feuer,
und auf dem Land
fließen die Flüsse.

Wo Wasser dem Feuer unterliegt,
entstehen Berge.
Darum schlagen Steine Funken
und werden geschmolzen
zu Wasser.

Wo Erde dem Wasser unterliegt,
entstehen Pflanzen.
Darum werden Wälder
durch Feuer zu Erde
und durch Pressen
zu Wasser.

So entstehen die Welten
aus wechselseitiger Täuschung,
die einander
als Samen dienen.
Aus diesen Bedingungen
setzt sich die Welt fort.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt nicht die Entstehung der Welt,
sondern die Entstehung von Objektivität aus dem ursprünglichen Grund.

Er zeigt Schritt für Schritt,
wie aus dem Nicht-Objektiven
eine Welt von Unterschieden,
Bewegungen und Verfestigungen hervorgeht –
ohne dass der ursprüngliche Grund je verloren geht.

1. Der erste Irrtum: Klarheit als „Etwas“

Der entscheidende Punkt lautet:

Erwachen wird nicht erkannt,
ist kein Objekt.

Erwachen ist nicht etwas,
das erkannt werden könnte,
denn Erkennen setzt bereits ein Gegenüber voraus.

Sobald Klarheit
auch nur implizit
als etwas Gedachtes,
Benanntes oder Festgehaltenes erscheint,
ist die ursprüngliche Offenheit
bereits verlassen.

Nicht Unwissen,
sondern Objektivierung
ist der Anfang der Verfehlung.

2. Warum „klares Erwachen“ bereits Verblendung ist

Das Wesen des Erwachens
ist von sich aus klar.
Klarheit ist kein Attribut,
kein Zusatz,
keine Qualität,
die man hinzufügen oder verlieren könnte.

Wird jedoch von „klarem Erwachen“ gesprochen,
entsteht unmerklich eine Trennung:
Etwas soll klar sein.

Damit ist Klarheit nicht mehr
das ungeteilte Feld,
sondern eine Eigenschaft,
die einem vermeintlichen Träger zugeschrieben wird.

So entsteht nicht Dunkelheit,
sondern Distanz.

3. Die Geburt des Geistes

Aus dieser Distanz
entsteht der Geist.

Nicht als ursprüngliche Instanz,
sondern als Folgeoperation:
• Klarheit wird objektiviert
• ein „Erkanntes“ entsteht
• daraus bildet sich eine Fähigkeit des Erkennens

Der Geist ist kein Ursprung,
sondern ein Produkt der Verwechslung.

Er ist die Bewegung,
die entsteht,
wenn Klarheit sich selbst gegenübertritt.

4. Gleichheit und Verschiedenheit als Denkbewegung

Sobald ein Objekt erscheint,
muss unterschieden werden.

Wo zuvor weder Gleichheit
noch Verschiedenheit war,
entsteht Verschiedenheit.
Daran gemessen entsteht Gleichheit.
Aus beidem bildet sich
der Gedanke von „weder gleich noch verschieden“.

Dies ist kein ontologisches Modell,
sondern die Mechanik des Denkens selbst.

Denken ist Bewegung zwischen Polen.
Diese Bewegung erzeugt Unruhe,
und diese Unruhe stabilisiert sich,
wenn sie lange anhält.

5. Erschöpfung statt Schöpfung

Die Welt entsteht nicht durch einen Akt,
sondern durch Erschöpfung.

Unterscheidung,
die sich selbst fortsetzt,
wird schwer,
träge,
verdichtet.

Verdichtung ist kein Stoff,
sondern geronnene Bewegung.

So entstehen Verstrickung und Leid
nicht aus Schuld oder Fall,
sondern aus Müdigkeit im Festhalten.

6. Welt und Raum als Deutungen

Bewegung wird als Welt gedeutet,
Ruhe als Raum.

Beides sind keine Substanzen,
keine Gegensätze,
keine Behälter.

Sie sind Lesarten
eines bereits verengten Erlebens.

Der Raum ist „gleich“,
weil Unterschiede nicht mehr gesehen werden.
Die Welt ist „verschieden“,
weil Unterschiede fixiert werden.

7. Die Elemente als Prozessmetaphern

Wind, Feuer, Wasser, Erde
sind keine Stoffe,
sondern Zustände der Verblendung:
• Wind: fortgesetzte Unruhe
• Feuer: reibende Wandlung
• Wasser: fließende Befeuchtung
• Erde: geronnene Stabilität

Die sogenannte Kosmologie
ist eine Psychodynamik des ursprünglichen Grundes.

Die Welt ist
nicht gegenüber dem ursprünglichen Grund,
sondern dessen
verfestigte Bewegung.

8. Parallele zum Dao De Jing, Kapitel 42

„Der Weg erzeugt die Eins,
die Eins erzeugt die Zwei,
die Zwei erzeugt die Drei,
die Drei erzeugt die zehntausend Dinge.“

Diese Aussage ist strukturell identisch
mit dem hier beschriebenen Prozess.
• Der Weg (Dao) entspricht dem ursprünglichen Grund:
ungeteilt, nicht-objektiv, namenlos.
• Die Eins ist keine Zahl,
sondern der erste Anschein von Einheit
– Klarheit, die sich selbst gegenübertritt.
• Die Zwei ist die Entstehung von Gegenüber:
Subjekt und Objekt,
Klarheit und das Erhellte.
• Die Drei ist die Dynamik zwischen beiden:
Bewegung, Wechselwirkung, Beziehung.
• Die zehntausend Dinge
sind die Verdichtungen dieser Bewegung
zu stabilen Erscheinungen.

Weder im Dao De Jing
noch im Shurangama-Sutra
handelt es sich um eine Schöpfungslehre.

Beide beschreiben,
wie Ungeteiltes durch Benennung und Beziehung
zu Vielheit gerinnt.

9. Keine Abwertung der Welt

Entscheidend ist:
Die Welt ist kein Fehler.

Sie ist nicht falsch,
nicht sündig,
nicht zu verwerfen.

Sie ist leer von Eigenwesen,
weil sie aus Beziehung besteht.

der ursprüngliche Grund ist nie verloren gegangen.
Es hat sich nur
in Bewegung vergessen.

10. Vorbereitung der Rückwendung

Nach diesem Abschnitt ist klar:
• Erwachen ist kein Zustand
• Welt ist kein Hindernis
• Geist ist kein Feind

Was folgt,
ist keine Zerstörung der Welt,
sondern die Entspannung der Unterscheidung.

Nicht durch Rückzug,
sondern durch das Aufhören,
Klarheit zu vergegenständlichen.
中文原文
佛言:「若無所明,則無明覺。有所非覺,無所非明,無明又非覺湛明性。性覺必明,妄為明覺。覺非所明,因明立所,所既妄立,生汝妄能,無同異中熾然成異。異彼所異,因異立同,同異發明,因此復立無同無異。如是擾亂相待生勞,勞久發塵自相渾濁,由是引起塵勞煩惱。起為世界,靜成虛空,虛空為同,世界為異。彼無同異真有為法,覺明、空昧相待成搖,故有風輪執持世界。因空生搖,堅明立礙,彼金寶者明覺立堅,故有金輪保持國土。堅覺寶成,搖明風出,風、金相摩故有火光為變化性;寶明生潤,火光上[2]蒸,故有水輪含十方界。火騰、水降,交發立堅,濕為巨海,乾為洲潬。以是義故,彼大海中火光常起;彼洲潬中江河常注。水勢劣火,結為高山;是故山石擊則成炎,融則成水。土勢劣水,抽為草木;是故林藪遇燒成土,因絞成水,交妄發生,遞相為種;以是因緣世界相續。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Wenn es nichts gibt,
das klar ist,
gibt es kein
‚klares Erwachen‘.
Wo es ein 'Etwas' gibt,
ist es nicht das Erwachen;
wo es nichts gibt,
kann keine Klarheit sein.
Doch ein Erwachen,
das nicht klar ist,
ist nicht
das stille,
klare Wesen
des ursprünglicher Grund.

Das Wesen des Erwachens
ist von sich aus klar.
Doch durch Verblendung
wird es
zu ‚klarem Erwachen‘ gemacht.

Erwachen
wird nicht erkannt,
ist kein Objekt.
Doch aus Klarheit
wird ein Objekt gemacht;
sobald ein Objekt
gesetzt ist,
entsteht
deine täuschende Fähigkeit
des Erkennens.

Wo weder Gleichheit
noch Verschiedenheit ist,
entsteht plötzlich
Verschiedenheit.
Daran gemessen
entsteht Gleichheit.
Aus Gleichheit und Verschiedenheit
wird gegenseitige Bestimmung,
und daraus wiederum
der Zustand
von ‚weder gleich
noch verschieden‘.

Diese Unruhe
bedingt sich selbst.
Aus Erschöpfung
wird Verdichtung;
aus Verdichtung
entstehen Verstrickung
und Leid.

Bewegung
erscheint als Welt,
Ruhe
als Raum.
Raum gilt als gleich,
Welt als verschieden.

Dieses ‚weder gleich
noch verschieden‘
ist bedingt wirkendes
Geschehen.
Erwachte Klarheit
und getrübter Raum
bedingen einander –
und geraten ins Schwingen:
so entsteht
das Windrad,
das die Welt trägt.

Die Bewegung des Raumes
speist fortwährend die Unruhe;
aus verdichtender Klarheit
entsteht Widerstand.
Was als Gold
und Kostbarkeit erscheint,
entsteht,
weil sich verdichtete Klarheit
festsetzt;
so trägt das Goldrad
die Länder.

Die Bewegung der Klarheit
erzeugt den Wind;
Wind und Festigkeit
reiben einander:
Feuer erscheint
als Wandlung.

Aus kostbarer Klarheit
entsteht Befeuchtung;
Feuer steigt auf,
Wasser entsteht
und erfüllt die Welt.

Feuer steigt,
Wasser sinkt;
ihr Zusammenwirken
bringt Substanz hervor.
Feuchtigkeit wird Meer,
Trockenheit wird Land.

Darum brennt im Meer
verborgenes Feuer,
und auf dem Land
fließen die Flüsse.

Wo Wasser dem Feuer unterliegt,
entstehen Berge.
Darum schlagen Steine Funken
und werden geschmolzen
zu Wasser.

Wo Erde dem Wasser unterliegt,
entstehen Pflanzen.
Darum werden Wälder
durch Feuer zu Erde
und durch Pressen
zu Wasser.

So entstehen die Welten
aus wechselseitiger Täuschung,
die einander
als Samen dienen.
Aus diesen Bedingungen
setzt sich die Welt fort.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt nicht die Entstehung der Welt,
sondern die Entstehung von Objektivität aus dem ursprünglichen Grund.

Er zeigt Schritt für Schritt,
wie aus dem Nicht-Objektiven
eine Welt von Unterschieden,
Bewegungen und Verfestigungen hervorgeht –
ohne dass der ursprüngliche Grund je verloren geht.

1. Der erste Irrtum: Klarheit als „Etwas“

Der entscheidende Punkt lautet:

Erwachen wird nicht erkannt,
ist kein Objekt.

Erwachen ist nicht etwas,
das erkannt werden könnte,
denn Erkennen setzt bereits ein Gegenüber voraus.

Sobald Klarheit
auch nur implizit
als etwas Gedachtes,
Benanntes oder Festgehaltenes erscheint,
ist die ursprüngliche Offenheit
bereits verlassen.

Nicht Unwissen,
sondern Objektivierung
ist der Anfang der Verfehlung.

2. Warum „klares Erwachen“ bereits Verblendung ist

Das Wesen des Erwachens
ist von sich aus klar.
Klarheit ist kein Attribut,
kein Zusatz,
keine Qualität,
die man hinzufügen oder verlieren könnte.

Wird jedoch von „klarem Erwachen“ gesprochen,
entsteht unmerklich eine Trennung:
Etwas soll klar sein.

Damit ist Klarheit nicht mehr
das ungeteilte Feld,
sondern eine Eigenschaft,
die einem vermeintlichen Träger zugeschrieben wird.

So entsteht nicht Dunkelheit,
sondern Distanz.

3. Die Geburt des Geistes

Aus dieser Distanz
entsteht der Geist.

Nicht als ursprüngliche Instanz,
sondern als Folgeoperation:
• Klarheit wird objektiviert
• ein „Erkanntes“ entsteht
• daraus bildet sich eine Fähigkeit des Erkennens

Der Geist ist kein Ursprung,
sondern ein Produkt der Verwechslung.

Er ist die Bewegung,
die entsteht,
wenn Klarheit sich selbst gegenübertritt.

4. Gleichheit und Verschiedenheit als Denkbewegung

Sobald ein Objekt erscheint,
muss unterschieden werden.

Wo zuvor weder Gleichheit
noch Verschiedenheit war,
entsteht Verschiedenheit.
Daran gemessen entsteht Gleichheit.
Aus beidem bildet sich
der Gedanke von „weder gleich noch verschieden“.

Dies ist kein ontologisches Modell,
sondern die Mechanik des Denkens selbst.

Denken ist Bewegung zwischen Polen.
Diese Bewegung erzeugt Unruhe,
und diese Unruhe stabilisiert sich,
wenn sie lange anhält.

5. Erschöpfung statt Schöpfung

Die Welt entsteht nicht durch einen Akt,
sondern durch Erschöpfung.

Unterscheidung,
die sich selbst fortsetzt,
wird schwer,
träge,
verdichtet.

Verdichtung ist kein Stoff,
sondern geronnene Bewegung.

So entstehen Verstrickung und Leid
nicht aus Schuld oder Fall,
sondern aus Müdigkeit im Festhalten.

6. Welt und Raum als Deutungen

Bewegung wird als Welt gedeutet,
Ruhe als Raum.

Beides sind keine Substanzen,
keine Gegensätze,
keine Behälter.

Sie sind Lesarten
eines bereits verengten Erlebens.

Der Raum ist „gleich“,
weil Unterschiede nicht mehr gesehen werden.
Die Welt ist „verschieden“,
weil Unterschiede fixiert werden.

7. Die Elemente als Prozessmetaphern

Wind, Feuer, Wasser, Erde
sind keine Stoffe,
sondern Zustände der Verblendung:
• Wind: fortgesetzte Unruhe
• Feuer: reibende Wandlung
• Wasser: fließende Befeuchtung
• Erde: geronnene Stabilität

Die sogenannte Kosmologie
ist eine Psychodynamik des ursprünglichen Grundes.

Die Welt ist
nicht gegenüber dem ursprünglichen Grund,
sondern dessen
verfestigte Bewegung.

8. Parallele zum Dao De Jing, Kapitel 42

„Der Weg erzeugt die Eins,
die Eins erzeugt die Zwei,
die Zwei erzeugt die Drei,
die Drei erzeugt die zehntausend Dinge.“

Diese Aussage ist strukturell identisch
mit dem hier beschriebenen Prozess.
• Der Weg (Dao) entspricht dem ursprünglichen Grund:
ungeteilt, nicht-objektiv, namenlos.
• Die Eins ist keine Zahl,
sondern der erste Anschein von Einheit
– Klarheit, die sich selbst gegenübertritt.
• Die Zwei ist die Entstehung von Gegenüber:
Subjekt und Objekt,
Klarheit und das Erhellte.
• Die Drei ist die Dynamik zwischen beiden:
Bewegung, Wechselwirkung, Beziehung.
• Die zehntausend Dinge
sind die Verdichtungen dieser Bewegung
zu stabilen Erscheinungen.

Weder im Dao De Jing
noch im Shurangama-Sutra
handelt es sich um eine Schöpfungslehre.

Beide beschreiben,
wie Ungeteiltes durch Benennung und Beziehung
zu Vielheit gerinnt.

9. Keine Abwertung der Welt

Entscheidend ist:
Die Welt ist kein Fehler.

Sie ist nicht falsch,
nicht sündig,
nicht zu verwerfen.

Sie ist leer von Eigenwesen,
weil sie aus Beziehung besteht.

der ursprüngliche Grund ist nie verloren gegangen.
Es hat sich nur
in Bewegung vergessen.

10. Vorbereitung der Rückwendung

Nach diesem Abschnitt ist klar:
• Erwachen ist kein Zustand
• Welt ist kein Hindernis
• Geist ist kein Feind

Was folgt,
ist keine Zerstörung der Welt,
sondern die Entspannung der Unterscheidung.

Nicht durch Rückzug,
sondern durch das Aufhören,
Klarheit zu vergegenständlichen.
162 #
「復次,富樓那,明妄非他,覺明為咎!所妄既立,明理不踰。以是因緣,聽不出聲,見不超色;色、香、味、觸六妄成就,由是分開見、覺、聞、知。同業相纏,合離成化,見明色發,明見想成。異見成憎,同想成愛,流愛為種,納想為胎。交遘發生,吸引同業,故有因緣生羯[3]囉藍、遏蒱曇等。胎、卵、濕、化,隨其所應。卵唯想生,胎因情有,濕以合感,化以離應。情、想、合、離更相變易,所有受業逐其飛沈,以是因緣眾生相續。
Der Buddha sprach:

„Weiter, Purna:
Die Verblendung der Klarheit
kommt nicht von außen.
Ihr Fehler liegt darin,
dass Erwachen
zu Klarheit gemacht wird.

Sobald ein Falsches
als Objekt entsteht,
bleibt diese Klarheit
in den Grenzen
ihres eigenen Prinzips
und verliert den
Zugang zur Wahrheit.

Darum reicht
Hören nur bis zum Klang,
Sehen nur bis zur Form.
Form,
Geruch,
Geschmack,
Berührung
und die übrigen Sinnesfelder
verfestigen sich
als Täuschung.

So werden
Sehen,
Erwachen,
Hören
und Wissen
auseinandergezogen.

Gleichartige Wirkungen
verstricken sich;
Begegnung und Trennung
werden zu Wandlung.
Aus Sehen und Klarheit
entsteht Form,
aus Klarheit und Sehen
entstehen Vorstellungen.

Verschiedene Sicht
wird zu Abwehr,
gleiche Vorstellung
zu Anziehung.
Fließende Anziehung
wird zum Samen,
aufgenommene Vorstellung
wird zum Leib.

Begegnung lässt Entstehen aufkommen,
Anziehung zieht Gleiches an;
so formen sich
durch Ursachen und Bedingungen
die Stadien des Werdens.

Geburt aus Leib,
Ei,
Feuchtigkeit
oder Wandlung
folgt jeweils
ihrer Bedingung.

Vorstellung gebiert das Ei,
Gefühl den Leib,
Berührung die Feuchtigkeit,
Trennung die Wandlung.

Gefühl,
Vorstellung,
Vereinigung
und Trennung
wandeln sich fortwährend;
alle empfangenen Wirkungen
folgen ihrem Steigen und Sinken.

So setzt sich
das Dasein der Wesen
ununterbrochen fort.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vollzieht den Übergang
von kosmologischer Entstehung
zu psychophänomenologischer Verkettung und vertieft die zuvor eröffnete Einsicht:
Nicht die Welt ist das Problem,
nicht die Sinne,
nicht einmal der Geist –
sondern eine subtile Selbstverengung des Erwachens, sobald es funktional gemacht wird.

1. Die Verblendung kommt nicht von außen

Der Buddha stellt gleich zu Beginn klar:

Die Verblendung der Klarheit
hat keine äußere Ursache.

Weder Welt,
noch Objekte,
noch Sinneseindrücke
führen zur Verirrung.

Der Fehler liegt allein darin,
dass Erwachen zu Klarheit gemacht wird –
also zu etwas,
das leisten,
erkennen,
durchdringen soll.

Damit wird Erwachen
aus seinem eigenen Wesen gelöst
und in den Dienst
eines Prinzips gestellt.

2. Klarheit im eigenen Prinzip gefangen

Die entscheidende Präzisierung lautet:

„… bleibt diese Klarheit
in den Grenzen
ihres eigenen Prinzips
und verliert den Zugang zur Wahrheit.“

Hier wird keine moralische Verfehlung beschrieben,
sondern eine strukturelle Begrenzung.

Klarheit wird nicht falsch,
sondern selbstbezüglich.
Sie erkennt nur noch
nach ihren eigenen Regeln,
innerhalb ihres eigenen Rahmens.

Wahrheit wird nicht verneint,
sondern nicht mehr überschritten.

3. Die Sinnesfelder als geschlossene Kreisläufe

Aus dieser Selbstbegrenzung folgt:

Hören reicht nur bis zum Klang.
Sehen reicht nur bis zur Form.

Die Sinne sind nicht das Problem,
aber sie werden zu geschlossenen Systemen.

Form, Geruch, Geschmack, Berührung
verfestigen sich,
weil sie nicht mehr
vom ursprünglichen Grund her offen sind,
sondern vom Prinzip der Klarheit
verwaltet werden.

Täuschung ist hier
keine falsche Wahrnehmung,
sondern Begrenzung auf das Wahrnehmbare.

4. Die Aufspaltung des einheitlichen Erlebens

Was ursprünglich
ein ungeteiltes Erleben war,
zerfällt nun in Funktionen:
• Sehen
• Hören
• Wissen
• Erwachen

Diese Trennung ist kein natürlicher Vorgang,
sondern eine Folge
der Objektivierung von Klarheit.

Der Geist entsteht
als Koordinator dieser Fragmente.

5. Von Wahrnehmung zu Vorstellung

Die Formulierung:

„Aus Sehen und Klarheit entsteht Form,
aus Klarheit und Sehen entstehen Vorstellungen“

zeigt eine feine Verschiebung:

Nicht Sehen allein erzeugt Form,
sondern Sehen unter Klarheit.
Und nicht Wahrnehmung allein erzeugt Vorstellung,
sondern Klarheit, die sehen will.

Vorstellungen sind
verfestigte Versuche,
Klarheit zu stabilisieren.

6. Affekt als Folge von Übereinstimmung und Differenz

Aus Vorstellungen entstehen:
• Abwehr bei Verschiedenheit
• Anziehung bei Gleichheit

Liebe und Abwehr
sind keine primären Emotionen,
sondern affektive Antworten auf begriffliche Ordnung.

Sie stabilisieren das,
was unterschieden wurde,
und treiben den Prozess weiter.

7. Geburt als Fortsetzung einer Perspektive

Samen, Leib, Geburt
sind hier keine biologische Beschreibung,
sondern eine Struktur der Fortsetzung.

Geburt bedeutet:
Eine bestimmte Weise des Erlebens
setzt sich fort,
zieht Gleiches an
und formt neue Bedingungen.

Die vier Geburtsarten
beschreiben Modi der Verstrickung:
• Vorstellung → Ei
• Gefühl → Leib
• Berührung → Feuchtigkeit
• Trennung → Wandlung

Nicht Wesen wechseln die Form,
sondern Verstrickung wechselt die Gestalt.

8. Kein Anfang – nur Fortgang

Auffällig ist:
Es gibt keinen ersten Ursprung.

Der Text beschreibt
keinen Beginn,
sondern eine ununterbrochene Fortsetzung.

Das Dasein der Wesen
setzt sich fort,
weil Klarheit
sich immer wieder
innerhalb ihres eigenen Prinzips bewegt.

9. Die implizite Öffnung

Gerade weil die Ursache
so präzise benannt ist,
wird Befreiung möglich.

Nicht durch:
• Bekämpfung der Sinne
• Verneinung der Welt
• Zerstörung des Geistes

sondern durch das Aufhören,
Erwachen zu instrumentalisieren.

Was sich lösen wird,
ist nicht Klarheit,
sondern ihre Selbstbindung.
中文原文
「復次,富樓那,明妄非他,覺明為咎!所妄既立,明理不踰。以是因緣,聽不出聲,見不超色;色、香、味、觸六妄成就,由是分開見、覺、聞、知。同業相纏,合離成化,見明色發,明見想成。異見成憎,同想成愛,流愛為種,納想為胎。交遘發生,吸引同業,故有因緣生羯[3]囉藍、遏蒱曇等。胎、卵、濕、化,隨其所應。卵唯想生,胎因情有,濕以合感,化以離應。情、想、合、離更相變易,所有受業逐其飛沈,以是因緣眾生相續。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Weiter, Purna:
Die Verblendung der Klarheit
kommt nicht von außen.
Ihr Fehler liegt darin,
dass Erwachen
zu Klarheit gemacht wird.

Sobald ein Falsches
als Objekt entsteht,
bleibt diese Klarheit
in den Grenzen
ihres eigenen Prinzips
und verliert den
Zugang zur Wahrheit.

Darum reicht
Hören nur bis zum Klang,
Sehen nur bis zur Form.
Form,
Geruch,
Geschmack,
Berührung
und die übrigen Sinnesfelder
verfestigen sich
als Täuschung.

So werden
Sehen,
Erwachen,
Hören
und Wissen
auseinandergezogen.

Gleichartige Wirkungen
verstricken sich;
Begegnung und Trennung
werden zu Wandlung.
Aus Sehen und Klarheit
entsteht Form,
aus Klarheit und Sehen
entstehen Vorstellungen.

Verschiedene Sicht
wird zu Abwehr,
gleiche Vorstellung
zu Anziehung.
Fließende Anziehung
wird zum Samen,
aufgenommene Vorstellung
wird zum Leib.

Begegnung lässt Entstehen aufkommen,
Anziehung zieht Gleiches an;
so formen sich
durch Ursachen und Bedingungen
die Stadien des Werdens.

Geburt aus Leib,
Ei,
Feuchtigkeit
oder Wandlung
folgt jeweils
ihrer Bedingung.

Vorstellung gebiert das Ei,
Gefühl den Leib,
Berührung die Feuchtigkeit,
Trennung die Wandlung.

Gefühl,
Vorstellung,
Vereinigung
und Trennung
wandeln sich fortwährend;
alle empfangenen Wirkungen
folgen ihrem Steigen und Sinken.

So setzt sich
das Dasein der Wesen
ununterbrochen fort.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vollzieht den Übergang
von kosmologischer Entstehung
zu psychophänomenologischer Verkettung und vertieft die zuvor eröffnete Einsicht:
Nicht die Welt ist das Problem,
nicht die Sinne,
nicht einmal der Geist –
sondern eine subtile Selbstverengung des Erwachens, sobald es funktional gemacht wird.

1. Die Verblendung kommt nicht von außen

Der Buddha stellt gleich zu Beginn klar:

Die Verblendung der Klarheit
hat keine äußere Ursache.

Weder Welt,
noch Objekte,
noch Sinneseindrücke
führen zur Verirrung.

Der Fehler liegt allein darin,
dass Erwachen zu Klarheit gemacht wird –
also zu etwas,
das leisten,
erkennen,
durchdringen soll.

Damit wird Erwachen
aus seinem eigenen Wesen gelöst
und in den Dienst
eines Prinzips gestellt.

2. Klarheit im eigenen Prinzip gefangen

Die entscheidende Präzisierung lautet:

„… bleibt diese Klarheit
in den Grenzen
ihres eigenen Prinzips
und verliert den Zugang zur Wahrheit.“

Hier wird keine moralische Verfehlung beschrieben,
sondern eine strukturelle Begrenzung.

Klarheit wird nicht falsch,
sondern selbstbezüglich.
Sie erkennt nur noch
nach ihren eigenen Regeln,
innerhalb ihres eigenen Rahmens.

Wahrheit wird nicht verneint,
sondern nicht mehr überschritten.

3. Die Sinnesfelder als geschlossene Kreisläufe

Aus dieser Selbstbegrenzung folgt:

Hören reicht nur bis zum Klang.
Sehen reicht nur bis zur Form.

Die Sinne sind nicht das Problem,
aber sie werden zu geschlossenen Systemen.

Form, Geruch, Geschmack, Berührung
verfestigen sich,
weil sie nicht mehr
vom ursprünglichen Grund her offen sind,
sondern vom Prinzip der Klarheit
verwaltet werden.

Täuschung ist hier
keine falsche Wahrnehmung,
sondern Begrenzung auf das Wahrnehmbare.

4. Die Aufspaltung des einheitlichen Erlebens

Was ursprünglich
ein ungeteiltes Erleben war,
zerfällt nun in Funktionen:
• Sehen
• Hören
• Wissen
• Erwachen

Diese Trennung ist kein natürlicher Vorgang,
sondern eine Folge
der Objektivierung von Klarheit.

Der Geist entsteht
als Koordinator dieser Fragmente.

5. Von Wahrnehmung zu Vorstellung

Die Formulierung:

„Aus Sehen und Klarheit entsteht Form,
aus Klarheit und Sehen entstehen Vorstellungen“

zeigt eine feine Verschiebung:

Nicht Sehen allein erzeugt Form,
sondern Sehen unter Klarheit.
Und nicht Wahrnehmung allein erzeugt Vorstellung,
sondern Klarheit, die sehen will.

Vorstellungen sind
verfestigte Versuche,
Klarheit zu stabilisieren.

6. Affekt als Folge von Übereinstimmung und Differenz

Aus Vorstellungen entstehen:
• Abwehr bei Verschiedenheit
• Anziehung bei Gleichheit

Liebe und Abwehr
sind keine primären Emotionen,
sondern affektive Antworten auf begriffliche Ordnung.

Sie stabilisieren das,
was unterschieden wurde,
und treiben den Prozess weiter.

7. Geburt als Fortsetzung einer Perspektive

Samen, Leib, Geburt
sind hier keine biologische Beschreibung,
sondern eine Struktur der Fortsetzung.

Geburt bedeutet:
Eine bestimmte Weise des Erlebens
setzt sich fort,
zieht Gleiches an
und formt neue Bedingungen.

Die vier Geburtsarten
beschreiben Modi der Verstrickung:
• Vorstellung → Ei
• Gefühl → Leib
• Berührung → Feuchtigkeit
• Trennung → Wandlung

Nicht Wesen wechseln die Form,
sondern Verstrickung wechselt die Gestalt.

8. Kein Anfang – nur Fortgang

Auffällig ist:
Es gibt keinen ersten Ursprung.

Der Text beschreibt
keinen Beginn,
sondern eine ununterbrochene Fortsetzung.

Das Dasein der Wesen
setzt sich fort,
weil Klarheit
sich immer wieder
innerhalb ihres eigenen Prinzips bewegt.

9. Die implizite Öffnung

Gerade weil die Ursache
so präzise benannt ist,
wird Befreiung möglich.

Nicht durch:
• Bekämpfung der Sinne
• Verneinung der Welt
• Zerstörung des Geistes

sondern durch das Aufhören,
Erwachen zu instrumentalisieren.

Was sich lösen wird,
ist nicht Klarheit,
sondern ihre Selbstbindung.
163 #
「富樓那!想愛同結,愛不能離;則諸世間父母子孫相生不斷;是等則以欲貪為本。貪愛同滋,貪不能止,則諸世間卵、化、濕、胎,隨力強弱遞相吞食;是等則以殺貪為本。以人食羊,羊死為人,人死為羊,如是乃至十生之類,死死生生互來相噉,惡業俱生窮未來際;是等則以盜貪為本。汝負我命,我還[4]汝債,以是因緣,經百千劫常在生死。汝愛我心,我憐汝色,以是因緣,經百千劫常在纏縛。唯殺、盜、婬三為根本,以是因緣業果相續。富樓那!如是三種顛倒相續,皆是覺明明了知性,因了發相,從妄見生。山河大地諸有為相,次第遷流;因此虛妄,終而復始。」
Der Buddha sprach:

„Purna,
wo Vorstellung
und Begehren
sich verknüpfen,
kann Begehren sich nicht lösen.
So entstehen
Eltern,
Kinder
und Nachkommen
ohne Ende.
Dies alles hat
lustvolle Begierde
zum Ursprung.

Wo Begierde
sich selbst nährt
und nicht zur Ruhe kommt,
verschlingen sich
die Wesen der Welt
je nach Stärke ihrer Kräfte:
Ei-,
Feucht-,
Leib-
und Wandlungsgeborene.
Dies alles
hat Tötungslust
zum Ursprung.

Der Mensch isst das Schaf,
das Schaf stirbt
und wird Mensch;
der Mensch stirbt
und wird Schaf.
So geht es weiter,
Leben um Leben,
Sterben um Sterben,
sie nähren sich gegenseitig.
Schwere Taten
entstehen gemeinsam
und reichen
bis in fernste Zeiten.
Dies alles
hat anmaßende Gier
zum Ursprung.

Du nimmst mir mein Leben,
ich fordere meine Schuld zurück.
So bleiben sie
über unzählige Zeiten
im Kreislauf von Geburt und Tod.

Du begehrst mein Inneres,
ich hänge an deiner Gestalt.
So bleiben sie
über unzählige Zeiten
in Bindung verstrickt.

Töten,
Nehmen
und Begehren
sind die drei Wurzeln.
Aus ihnen
setzen sich
Tat und Wirkung
unaufhörlich fort.

Purna,
diese drei verkehrten Kontinuitäten
entspringen alle
der klar wissenden Natur
des Erwachens:
weil Wissen
Erscheinungen hervorbringt
und aus trügerischer Wahrnehmung entsteht.

So wandeln sich
Berge,
Flüsse
und die große Erde,
alle bedingten Formen,
in fortlaufender Abfolge –
aus Täuschung
endend
und erneut beginnend.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt führt die zuvor beschriebene Dynamik der Verblendung zu ihrem existentiellen Kern.
Er zeigt, wie aus einer inneren Fehlstellung des Erwachens nicht nur Welt erscheint, sondern ethische, biologische und karmische Kontinuität entsteht.

1. Drei Wurzeln – eine Bewegung

Töten, Nehmen und Begehren sind hier keine moralischen Kategorien,
sondern drei Verdichtungsstufen ein und derselben Bewegung.

Sie lassen sich klar spiegeln als die drei grundlegenden Fehlhaltungen:
• Geist, der sich sucht
→ Begehren (欲貪)
• Vorstellung, die Anspruch erhebt
→ Anmaßende Gier (盜貪)
• Bindung, die keinen Raum lässt
→ Tötungslust (殺貪)

Nicht zeitlich getrennt, sondern strukturell aufeinander aufbauend.

2. Begehren – Geist in Selbstbezug

„Wo Vorstellung
und Begehren
sich verknüpfen …
Dies alles hat lustvolle Begierde
zum Ursprung.“

Begehren ist die erste Verengung des Geistes.
Der Geist richtet sich nicht mehr offen aus,
sondern auf sich selbst zurück,
indem er ein angenehmes Bild festhält.

Begehren bedeutet:
Der Geist will fortsetzen,
was ihm entspricht.

So entsteht endlose Fortpflanzung –
nicht primär biologisch,
sondern als Wiederholung derselben Ausrichtung.

3. Töten – Bindung ohne Grenze

„Wo Begierde
sich selbst nährt
und nicht zur Ruhe kommt …
Dies alles hat Tötungslust
zum Ursprung.“

Töten entsteht nicht aus Hass,
sondern aus grenzenloser Bindung.

Wenn Bindung sich nicht lösen kann,
wird alles andere
zum Mittel für das Eigene.

Das gegenseitige Verschlingen der Lebensformen
beschreibt keine Brutalität der Natur,
sondern die Logik ungehemmter Aneignung:

Leben nährt Leben,
indem es anderes Leben verbraucht.

Bindung ohne Loslassen
wird zerstörerisch.

4. Nehmen – Vorstellung als Schuldverhältnis

„Der Mensch isst das Schaf …
Dies alles hat anmaßende Gier
zum Ursprung.“

Nehmen ist nicht bloß Besitz,
sondern Vorstellung von Anspruch.

Die Metapher der Schuld ist entscheidend:

„Du nimmst mir mein Leben,
ich fordere meine Schuld zurück.“

Karma erscheint hier
nicht als moralisches Gericht,
sondern als unausgeglichene Beziehung.

Vorstellung fixiert:
• Wer etwas ist
• wem etwas gehört
• was ausgeglichen werden muss

So entsteht der Kreislauf
von Leben und Tod
als offene Rechnung.

5. Liebe als Bindungsform

„Du begehrst mein Inneres,
ich hänge an deiner Gestalt.“

Hier wird Liebe nicht verneint,
sondern präzise unterschieden.

Es geht nicht um Mitgefühl,
sondern um wechselseitiges Festhalten:
Innen an Außen,
Außen an Innen.

Bindung entsteht,
wo das Eigene
im Anderen gesucht wird.

So bleiben Wesen
„in Bindung verstrickt“ –
nicht durch Zwang,
sondern durch Resonanz.

6. Die drei Wurzeln im Spiegel

Zusammengefasst:
• Begehren
→ Geist, der sich selbst sucht
• Nehmen
→ Vorstellung, die Anspruch erhebt
• Töten
→ Bindung, die keinen Raum lässt

Alle drei sind
keine Taten,
sondern Haltungen des Erwachens,
sobald es funktional wird.

7. Die radikale Pointe: Ursprung im Erwachen

Der entscheidende Satz lautet:

„… entspringen alle
der klar wissenden Natur
des Erwachens“

Nicht Dunkelheit,
nicht Unwissen,
nicht Materie
sind der Ursprung.

Sondern:
Wissen, das sich selbst genügt.

Erwachen wird wissend,
wissend wird haltend,
haltend wird bindend.

So entsteht Welt.

8. Welt als fortgesetzte Täuschung

Berge, Flüsse und Erde
sind nicht Ursache,
sondern Resultat.

Sie sind die verfestigte Spur
einer Bewegung,
die sich nicht gelöst hat.

Die Welt endet und beginnt neu,
weil die Haltung
sich fortsetzt.

9. Implizite Befreiung

Gerade weil alles
auf eine innere Fehlstellung
zurückgeführt wird,
ist Befreiung möglich.

Nicht durch moralische Korrektur,
sondern durch Loslassen der Haltung:
• Geist muss nichts begehren
• Vorstellung nichts nehmen
• Bindung nichts festhalten

Wenn Erwachen
nicht mehr wissen will,
was es ist,
endet die Kette von selbst.
中文原文
「富樓那!想愛同結,愛不能離;則諸世間父母子孫相生不斷;是等則以欲貪為本。貪愛同滋,貪不能止,則諸世間卵、化、濕、胎,隨力強弱遞相吞食;是等則以殺貪為本。以人食羊,羊死為人,人死為羊,如是乃至十生之類,死死生生互來相噉,惡業俱生窮未來際;是等則以盜貪為本。汝負我命,我還[4]汝債,以是因緣,經百千劫常在生死。汝愛我心,我憐汝色,以是因緣,經百千劫常在纏縛。唯殺、盜、婬三為根本,以是因緣業果相續。富樓那!如是三種顛倒相續,皆是覺明明了知性,因了發相,從妄見生。山河大地諸有為相,次第遷流;因此虛妄,終而復始。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Purna,
wo Vorstellung
und Begehren
sich verknüpfen,
kann Begehren sich nicht lösen.
So entstehen
Eltern,
Kinder
und Nachkommen
ohne Ende.
Dies alles hat
lustvolle Begierde
zum Ursprung.

Wo Begierde
sich selbst nährt
und nicht zur Ruhe kommt,
verschlingen sich
die Wesen der Welt
je nach Stärke ihrer Kräfte:
Ei-,
Feucht-,
Leib-
und Wandlungsgeborene.
Dies alles
hat Tötungslust
zum Ursprung.

Der Mensch isst das Schaf,
das Schaf stirbt
und wird Mensch;
der Mensch stirbt
und wird Schaf.
So geht es weiter,
Leben um Leben,
Sterben um Sterben,
sie nähren sich gegenseitig.
Schwere Taten
entstehen gemeinsam
und reichen
bis in fernste Zeiten.
Dies alles
hat anmaßende Gier
zum Ursprung.

Du nimmst mir mein Leben,
ich fordere meine Schuld zurück.
So bleiben sie
über unzählige Zeiten
im Kreislauf von Geburt und Tod.

Du begehrst mein Inneres,
ich hänge an deiner Gestalt.
So bleiben sie
über unzählige Zeiten
in Bindung verstrickt.

Töten,
Nehmen
und Begehren
sind die drei Wurzeln.
Aus ihnen
setzen sich
Tat und Wirkung
unaufhörlich fort.

Purna,
diese drei verkehrten Kontinuitäten
entspringen alle
der klar wissenden Natur
des Erwachens:
weil Wissen
Erscheinungen hervorbringt
und aus trügerischer Wahrnehmung entsteht.

So wandeln sich
Berge,
Flüsse
und die große Erde,
alle bedingten Formen,
in fortlaufender Abfolge –
aus Täuschung
endend
und erneut beginnend.“
Kommentar
Dieser Abschnitt führt die zuvor beschriebene Dynamik der Verblendung zu ihrem existentiellen Kern.
Er zeigt, wie aus einer inneren Fehlstellung des Erwachens nicht nur Welt erscheint, sondern ethische, biologische und karmische Kontinuität entsteht.

1. Drei Wurzeln – eine Bewegung

Töten, Nehmen und Begehren sind hier keine moralischen Kategorien,
sondern drei Verdichtungsstufen ein und derselben Bewegung.

Sie lassen sich klar spiegeln als die drei grundlegenden Fehlhaltungen:
• Geist, der sich sucht
→ Begehren (欲貪)
• Vorstellung, die Anspruch erhebt
→ Anmaßende Gier (盜貪)
• Bindung, die keinen Raum lässt
→ Tötungslust (殺貪)

Nicht zeitlich getrennt, sondern strukturell aufeinander aufbauend.

2. Begehren – Geist in Selbstbezug

„Wo Vorstellung
und Begehren
sich verknüpfen …
Dies alles hat lustvolle Begierde
zum Ursprung.“

Begehren ist die erste Verengung des Geistes.
Der Geist richtet sich nicht mehr offen aus,
sondern auf sich selbst zurück,
indem er ein angenehmes Bild festhält.

Begehren bedeutet:
Der Geist will fortsetzen,
was ihm entspricht.

So entsteht endlose Fortpflanzung –
nicht primär biologisch,
sondern als Wiederholung derselben Ausrichtung.

3. Töten – Bindung ohne Grenze

„Wo Begierde
sich selbst nährt
und nicht zur Ruhe kommt …
Dies alles hat Tötungslust
zum Ursprung.“

Töten entsteht nicht aus Hass,
sondern aus grenzenloser Bindung.

Wenn Bindung sich nicht lösen kann,
wird alles andere
zum Mittel für das Eigene.

Das gegenseitige Verschlingen der Lebensformen
beschreibt keine Brutalität der Natur,
sondern die Logik ungehemmter Aneignung:

Leben nährt Leben,
indem es anderes Leben verbraucht.

Bindung ohne Loslassen
wird zerstörerisch.

4. Nehmen – Vorstellung als Schuldverhältnis

„Der Mensch isst das Schaf …
Dies alles hat anmaßende Gier
zum Ursprung.“

Nehmen ist nicht bloß Besitz,
sondern Vorstellung von Anspruch.

Die Metapher der Schuld ist entscheidend:

„Du nimmst mir mein Leben,
ich fordere meine Schuld zurück.“

Karma erscheint hier
nicht als moralisches Gericht,
sondern als unausgeglichene Beziehung.

Vorstellung fixiert:
• Wer etwas ist
• wem etwas gehört
• was ausgeglichen werden muss

So entsteht der Kreislauf
von Leben und Tod
als offene Rechnung.

5. Liebe als Bindungsform

„Du begehrst mein Inneres,
ich hänge an deiner Gestalt.“

Hier wird Liebe nicht verneint,
sondern präzise unterschieden.

Es geht nicht um Mitgefühl,
sondern um wechselseitiges Festhalten:
Innen an Außen,
Außen an Innen.

Bindung entsteht,
wo das Eigene
im Anderen gesucht wird.

So bleiben Wesen
„in Bindung verstrickt“ –
nicht durch Zwang,
sondern durch Resonanz.

6. Die drei Wurzeln im Spiegel

Zusammengefasst:
• Begehren
→ Geist, der sich selbst sucht
• Nehmen
→ Vorstellung, die Anspruch erhebt
• Töten
→ Bindung, die keinen Raum lässt

Alle drei sind
keine Taten,
sondern Haltungen des Erwachens,
sobald es funktional wird.

7. Die radikale Pointe: Ursprung im Erwachen

Der entscheidende Satz lautet:

„… entspringen alle
der klar wissenden Natur
des Erwachens“

Nicht Dunkelheit,
nicht Unwissen,
nicht Materie
sind der Ursprung.

Sondern:
Wissen, das sich selbst genügt.

Erwachen wird wissend,
wissend wird haltend,
haltend wird bindend.

So entsteht Welt.

8. Welt als fortgesetzte Täuschung

Berge, Flüsse und Erde
sind nicht Ursache,
sondern Resultat.

Sie sind die verfestigte Spur
einer Bewegung,
die sich nicht gelöst hat.

Die Welt endet und beginnt neu,
weil die Haltung
sich fortsetzt.

9. Implizite Befreiung

Gerade weil alles
auf eine innere Fehlstellung
zurückgeführt wird,
ist Befreiung möglich.

Nicht durch moralische Korrektur,
sondern durch Loslassen der Haltung:
• Geist muss nichts begehren
• Vorstellung nichts nehmen
• Bindung nichts festhalten

Wenn Erwachen
nicht mehr wissen will,
was es ist,
endet die Kette von selbst.
164 #
富樓那言:「若此妙覺本妙覺明與如來心不增不減,無狀忽生山河大地諸有為相;如來今得妙空明覺,山河大地有為習漏何當復生?」
佛告富樓那:「譬如迷人,於一聚落惑南為北,此迷為復因迷而有?因悟[5]所出?」
富樓那言:「如是迷人,亦不因迷又不因悟。何以故?迷本無根,云何因迷?悟非生迷,云何因悟?」
佛言:「彼之迷人正在迷時,倐有悟人指示令悟;富樓那!於意云何?此人縱迷,於此聚落更生迷不?」
「不也。世尊!」
Purna sprach:

„Wenn das wunderbare Erwachen
in seinem Wesen
ursprünglich klare Wunderbarkeit ist
und mit dem Erwachen des Buddha
weder mehr
noch weniger wird,
wie können dann
ohne jede Gestalt
plötzlich
Berge,
Flüsse
und die große Erde
als bedingte Formen erscheinen?

Und wenn der Tathagata
die wunderbare,
leere Klarheit des Erwachens
verwirklicht hat –
wann sollten dann
die gewohnheitsmäßigen Verstrickungen
der Welt
je wieder entstehen?“

Der Buddha sagte:

„Purna,
es ist wie mit einem Menschen,
der sich verirrt
und in einer Siedlung
Süden für Norden hält.
Entsteht diese Verirrung
aus der Verirrung selbst?
Oder entsteht sie
aus dem Erwachen?“

Purna antwortete:

„Eine solche Verirrung
entsteht weder aus Verirrung
noch aus Erwachen.
Denn Verirrung
hat keinen eigenen Grund –
wie sollte sie aus sich selbst entstehen?
Und Erwachen
bringt keine Verirrung hervor –
wie sollte sie aus Erwachen entstehen?“

Der Buddha sprach:

„Wenn dieser Mensch
gerade verwirrt ist
und plötzlich
ein Erwachter kommt,
der ihm den Weg zeigt –
Purna,
wie ist es dann?
Wird dieser Mensch,
auch wenn er zuvor verwirrt war,
in derselben Siedlung
erneut verwirrt werden?“

Purna sagte:

„Nein, Weltverehrter.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist einer der entscheidenden Scharniere des Shurangama-Sutra.
Hier wird nicht mehr erklärt, wie Welt entsteht,
sondern warum die Frage nach ihrem Entstehen selbst fehlgeht.

1. Pūrṇas subtile Fehlannahme

Pūrṇas Frage ist logisch stringent,
doch sie enthält eine feine, letzte Zuordnung:

„… und mit dem Erwachen des Buddha
weder mehr noch weniger wird …“

Damit setzt er noch voraus:
• ein Erwachen, das als Maßstab dient
• ein Erwachen, das verwirklicht wird
• ein Verhältnis zwischen Erwachen und Welt

Diese Annahme ist nicht grob falsch –
sie ist didaktisch notwendig, um sie vollständig aufzulösen.

Der Buddha widerspricht ihr nicht direkt,
sondern führt Pūrṇa an den Punkt,
an dem diese Annahme von selbst zerfällt.



2. Die falsche Grundfrage: Entsteht Verblendung?

Pūrṇa fragt sinngemäß:

Wenn Erwachen vollkommen ist,
wie kann dann Welt entstehen?
Und wenn sie einmal überwunden ist,
warum sollte sie je wiederkehren?

Diese Frage setzt bereits voraus:
• Verblendung habe einen Ursprung
• Verblendung sei ein Ereignis
• Verblendung könne erneut auftreten

Der Buddha greift nicht diese Inhalte an,
sondern die Struktur der Frage selbst.



3. Das Gleichnis der Verirrung: ohne Ursache, ohne Substanz

Das Gleichnis ist radikal einfach:

Ein Mensch hält Süden für Norden.

Die entscheidenden Punkte:
• Die Verirrung entsteht nicht aus Verirrung
• Sie entsteht nicht aus Erwachen
• Sie hat keinen eigenen Grund

Verirrung ist kein Ding.
Sie ist eine Fehlorientierung, kein Ereignis.

Damit wird deutlich:
Verblendung entsteht nicht –
sie tritt auf, ohne Ursache.



4. Erwachen als Aufhebung, nicht als Gegenursache

Erwachen ist nicht der Gegenspieler der Verblendung.

Es produziert nichts,
es korrigiert nichts,
es beseitigt nichts.

Es zeigt den Weg.

Sobald der Weg erkannt ist,
ist die Verirrung beendet –
nicht graduell,
nicht durch Übung,
sondern unmittelbar.



5. Warum Verirrung nicht zurückkehrt

Die Schlüsselfrage des Buddha lautet:

Kann dieselbe Verirrung
im selben Kontext
noch einmal entstehen?

Die Antwort ist eindeutig: Nein.

Denn:
• Verirrung hatte nie Substanz
• sie war abhängig von Nicht-Erkennen
• Erkenntnis hinterlässt keinen Raum,
in dem dieselbe Verirrung erneut greifen könnte

Das ist die tiefste Bedeutung von Nicht-Wiederkehr.



6. Konsequenz für Praxis (entscheidend)

Aus diesem Abschnitt folgt eine radikale Umorientierung der Praxis.

Praxis ist nicht:
• Verblendung bekämpfen
• Gewohnheiten ausmerzen
• Welt transformieren
• Geist reinigen

Praxis ist:

Nicht erneut falsch orientieren.

Das bedeutet konkret:
• nicht weiter nach Ursachen suchen
• nicht fragen, warum Welt da ist
• nicht versuchen, Welt zu verhindern

Āraṇya ist hier kein Rückzug,
sondern Nicht-Verfehlen.



7. Welt nach dem Erwachen

Nach dem Erwachen:
• erscheinen Berge weiterhin
• fließen Flüsse weiterhin
• Formen sind weiterhin da

Aber:
• sie sind keine „Folge von Verblendung“
• sie sind kein Problem
• sie verlangen keine Erklärung

Darum lautet die implizite Antwort auf Pūrṇas Frage:

Sie entstehen nicht wieder,
weil sie nie wirklich entstanden sind.



8. Kontrast: Yogācāra – Chan – Shurangama

Yogācāra
• Nicht-Wiederkehr = karmische Samen erschöpft
• Transformation ist graduell
• Modelle von Bewusstsein bleiben wirksam
• Rückfall ist theoretisch erklärbar

→ strukturelle Stabilisierung

Chan
• Nicht-Wiederkehr = Einsicht
• Rückfall unmöglich, weil Einsicht nicht verloren geht
• Wer zurückfällt, war nie erwacht

→ existentielle Unumkehrbarkeit

Shurangama
• Nicht-Wiederkehr = Auflösung der Ursprungsfrage
• Verblendung hatte nie Ursache
• Rückkehr ist bedeutungslos, nicht verhindert

→ Auflösung der gesamten Fragelogik

Das Shurangama-Sutra ist hier am radikalsten:
Es beseitigt nicht den Irrtum,
sondern die Annahme, dass es je einen gab.



9. Die eigentliche Pointe

Der Buddha zeigt:
• Erwachen gewinnt nichts
• Verblendung verliert nichts
• Welt wird nicht aufgehoben
• Praxis wird nicht optimiert

Sondern:

Die Verirrung findet keinen Halt mehr.

Nicht, weil sie bekämpft wird,
sondern weil sie keinen Ort mehr hat.
中文原文
富樓那言:「若此妙覺本妙覺明與如來心不增不減,無狀忽生山河大地諸有為相;如來今得妙空明覺,山河大地有為習漏何當復生?」
佛告富樓那:「譬如迷人,於一聚落惑南為北,此迷為復因迷而有?因悟[5]所出?」
富樓那言:「如是迷人,亦不因迷又不因悟。何以故?迷本無根,云何因迷?悟非生迷,云何因悟?」
佛言:「彼之迷人正在迷時,倐有悟人指示令悟;富樓那!於意云何?此人縱迷,於此聚落更生迷不?」
「不也。世尊!」
Deutsch
Purna sprach:

„Wenn das wunderbare Erwachen
in seinem Wesen
ursprünglich klare Wunderbarkeit ist
und mit dem Erwachen des Buddha
weder mehr
noch weniger wird,
wie können dann
ohne jede Gestalt
plötzlich
Berge,
Flüsse
und die große Erde
als bedingte Formen erscheinen?

Und wenn der Tathagata
die wunderbare,
leere Klarheit des Erwachens
verwirklicht hat –
wann sollten dann
die gewohnheitsmäßigen Verstrickungen
der Welt
je wieder entstehen?“

Der Buddha sagte:

„Purna,
es ist wie mit einem Menschen,
der sich verirrt
und in einer Siedlung
Süden für Norden hält.
Entsteht diese Verirrung
aus der Verirrung selbst?
Oder entsteht sie
aus dem Erwachen?“

Purna antwortete:

„Eine solche Verirrung
entsteht weder aus Verirrung
noch aus Erwachen.
Denn Verirrung
hat keinen eigenen Grund –
wie sollte sie aus sich selbst entstehen?
Und Erwachen
bringt keine Verirrung hervor –
wie sollte sie aus Erwachen entstehen?“

Der Buddha sprach:

„Wenn dieser Mensch
gerade verwirrt ist
und plötzlich
ein Erwachter kommt,
der ihm den Weg zeigt –
Purna,
wie ist es dann?
Wird dieser Mensch,
auch wenn er zuvor verwirrt war,
in derselben Siedlung
erneut verwirrt werden?“

Purna sagte:

„Nein, Weltverehrter.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist einer der entscheidenden Scharniere des Shurangama-Sutra.
Hier wird nicht mehr erklärt, wie Welt entsteht,
sondern warum die Frage nach ihrem Entstehen selbst fehlgeht.

1. Pūrṇas subtile Fehlannahme

Pūrṇas Frage ist logisch stringent,
doch sie enthält eine feine, letzte Zuordnung:

„… und mit dem Erwachen des Buddha
weder mehr noch weniger wird …“

Damit setzt er noch voraus:
• ein Erwachen, das als Maßstab dient
• ein Erwachen, das verwirklicht wird
• ein Verhältnis zwischen Erwachen und Welt

Diese Annahme ist nicht grob falsch –
sie ist didaktisch notwendig, um sie vollständig aufzulösen.

Der Buddha widerspricht ihr nicht direkt,
sondern führt Pūrṇa an den Punkt,
an dem diese Annahme von selbst zerfällt.



2. Die falsche Grundfrage: Entsteht Verblendung?

Pūrṇa fragt sinngemäß:

Wenn Erwachen vollkommen ist,
wie kann dann Welt entstehen?
Und wenn sie einmal überwunden ist,
warum sollte sie je wiederkehren?

Diese Frage setzt bereits voraus:
• Verblendung habe einen Ursprung
• Verblendung sei ein Ereignis
• Verblendung könne erneut auftreten

Der Buddha greift nicht diese Inhalte an,
sondern die Struktur der Frage selbst.



3. Das Gleichnis der Verirrung: ohne Ursache, ohne Substanz

Das Gleichnis ist radikal einfach:

Ein Mensch hält Süden für Norden.

Die entscheidenden Punkte:
• Die Verirrung entsteht nicht aus Verirrung
• Sie entsteht nicht aus Erwachen
• Sie hat keinen eigenen Grund

Verirrung ist kein Ding.
Sie ist eine Fehlorientierung, kein Ereignis.

Damit wird deutlich:
Verblendung entsteht nicht –
sie tritt auf, ohne Ursache.



4. Erwachen als Aufhebung, nicht als Gegenursache

Erwachen ist nicht der Gegenspieler der Verblendung.

Es produziert nichts,
es korrigiert nichts,
es beseitigt nichts.

Es zeigt den Weg.

Sobald der Weg erkannt ist,
ist die Verirrung beendet –
nicht graduell,
nicht durch Übung,
sondern unmittelbar.



5. Warum Verirrung nicht zurückkehrt

Die Schlüsselfrage des Buddha lautet:

Kann dieselbe Verirrung
im selben Kontext
noch einmal entstehen?

Die Antwort ist eindeutig: Nein.

Denn:
• Verirrung hatte nie Substanz
• sie war abhängig von Nicht-Erkennen
• Erkenntnis hinterlässt keinen Raum,
in dem dieselbe Verirrung erneut greifen könnte

Das ist die tiefste Bedeutung von Nicht-Wiederkehr.



6. Konsequenz für Praxis (entscheidend)

Aus diesem Abschnitt folgt eine radikale Umorientierung der Praxis.

Praxis ist nicht:
• Verblendung bekämpfen
• Gewohnheiten ausmerzen
• Welt transformieren
• Geist reinigen

Praxis ist:

Nicht erneut falsch orientieren.

Das bedeutet konkret:
• nicht weiter nach Ursachen suchen
• nicht fragen, warum Welt da ist
• nicht versuchen, Welt zu verhindern

Āraṇya ist hier kein Rückzug,
sondern Nicht-Verfehlen.



7. Welt nach dem Erwachen

Nach dem Erwachen:
• erscheinen Berge weiterhin
• fließen Flüsse weiterhin
• Formen sind weiterhin da

Aber:
• sie sind keine „Folge von Verblendung“
• sie sind kein Problem
• sie verlangen keine Erklärung

Darum lautet die implizite Antwort auf Pūrṇas Frage:

Sie entstehen nicht wieder,
weil sie nie wirklich entstanden sind.



8. Kontrast: Yogācāra – Chan – Shurangama

Yogācāra
• Nicht-Wiederkehr = karmische Samen erschöpft
• Transformation ist graduell
• Modelle von Bewusstsein bleiben wirksam
• Rückfall ist theoretisch erklärbar

→ strukturelle Stabilisierung

Chan
• Nicht-Wiederkehr = Einsicht
• Rückfall unmöglich, weil Einsicht nicht verloren geht
• Wer zurückfällt, war nie erwacht

→ existentielle Unumkehrbarkeit

Shurangama
• Nicht-Wiederkehr = Auflösung der Ursprungsfrage
• Verblendung hatte nie Ursache
• Rückkehr ist bedeutungslos, nicht verhindert

→ Auflösung der gesamten Fragelogik

Das Shurangama-Sutra ist hier am radikalsten:
Es beseitigt nicht den Irrtum,
sondern die Annahme, dass es je einen gab.



9. Die eigentliche Pointe

Der Buddha zeigt:
• Erwachen gewinnt nichts
• Verblendung verliert nichts
• Welt wird nicht aufgehoben
• Praxis wird nicht optimiert

Sondern:

Die Verirrung findet keinen Halt mehr.

Nicht, weil sie bekämpft wird,
sondern weil sie keinen Ort mehr hat.
165 #
「富樓那!十方如來,亦復如是。此迷無本,性畢竟空。昔本無迷,似有迷覺,覺迷迷滅,覺不生迷。亦如瞖人見空中花,瞖病若除,[A1]花於空滅。忽有愚人,於彼空花所滅空地,待花更生;汝觀是人為愚為慧?」
富樓那言:「空元無花,妄見生滅,見花滅空已是顛倒,勅令更出斯實狂癡;云何更名如是狂人為愚為慧?」
佛言:「如汝所解,云何問言:『諸佛如來妙覺明空,何當更出山河大地?』又如金鑛雜於精金,其金一純,更不成雜;如木成灰,不重為木;諸佛如來菩提涅槃,亦復如是。
Der Buddha sprach:

„Purna,
so ist es auch
bei allen Tathagatas
der zehn Richtungen.

Diese Verirrung
hat keinen Ursprung;
ihr Wesen ist
gänzlich leer.
Ursprünglich
gab es keine Verirrung –
es scheint nur so,
als gäbe es
Verirrung und Erwachen.
Sobald Erwachen
die Verirrung erkennt,
erlischt sie;
Erwachen selbst
bringt keine Verirrung hervor.

Es ist wie bei einem Menschen,
der durch eine Augenkrankheit
Blumen
im leeren Raum sieht.
Heilt die Krankheit,
verschwinden
die Blumen im Raum.

Wenn nun jemand
an dem Ort im leeren Raum,
wo die Blumen verschwunden sind,
darauf wartet,
dass sie wieder erscheinen –
ist das weise
oder töricht?“

Purna antwortete:

„Der Raum
hat niemals Blumen.
Durch falsches Sehen
entsteht der
Schein von Entstehen und Vergehen.
Schon das Sehen
der Blumen im Raum
ist verkehrt;
sie wieder erscheinen lassen
zu wollen,
ist reiner Wahn.
Wie könnte man
einen solchen Menschen
noch weise oder töricht nennen?“

Der Buddha sprach:

„So wie du es selbst verstanden hast,
warum fragst du dann:
‚Wenn Buddhas
die erwachte Klarheit der Leere
verwirklicht haben,
wann sollten dann
Berge,
Flüsse
und die große Erde
wieder entstehen?‘

Es ist wie bei Gold,
das aus Erz geläutert wurde:
Ist es einmal rein,
wird es nie wieder unrein.

Oder wie bei Holz,
das zu Asche geworden ist:
Es wird niemals
wieder zu Holz.

So ist es auch
mit dem Erwachen,
dem Nirvana
der Buddhas.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vollendet die Umwendung der Rolle 4.
Er zeigt nicht nur, dass Verblendung nicht zurückkehrt,
sondern warum schon die Frage nach ihrer Rückkehr verfehlt ist.

Die didaktische Kraft dieses Abschnitts liegt darin,
dass eine scheinbar vollkommen korrekte Formulierung
als letzte Verirrung entlarvt wird.

1. Die bewusst stehen gelassene Verfehlung

Die Frage Pūrṇas lautet:

„Wenn Buddhas
die erwachte Klarheit der Leere
verwirklicht haben,
wann sollten dann
Berge, Flüsse und die große Erde
wieder entstehen?“

Diese Formulierung ist nicht zufällig problematisch.

„Erwachte Klarheit“ klingt hochgradig richtig,
enthält aber bereits die erste und feinste Stufe der Verfehlung:
• Erwachen wird als etwas gedacht, das klar ist
• Klarheit wird als Eigenschaft verstanden
• diese Klarheit wird verwirklicht
• damit erscheint Erwachen erneut als etwas Funktionales

Genau diese funktionale Auffassung
hat der Buddha zuvor als Ursprung der Verblendung benannt.

Die Formulierung bleibt stehen,
weil sie Pūrṇas Denkrahmen sichtbar macht.

2. Die eigentliche Fehlannahme

Die Frage setzt stillschweigend voraus:
• Erwachen sei ein Zustand
• Klarheit sei dessen Merkmal
• dieser Zustand stehe der Welt gegenüber
• Welt könne daher „wieder entstehen“

Damit ist Erwachen noch immer in Relation zur Welt gedacht.

Der Buddha korrigiert dies nicht sprachlich,
sondern lässt die Frage im Gleichnis kollabieren.

3. Verirrung ohne Ursprung – der Kern des Gleichnisses

Der Buddha erklärt:
• Verirrung hat keinen Ursprung
• sie entsteht weder aus Verirrung
• noch aus Erwachen
• ihr Wesen ist letztlich leer

Damit wird klar:
Verblendung ist kein Ereignis,
kein Prozess,
kein Zustand.

Sie ist eine Fehlorientierung ohne Substanz.

4. Erwachen als Erkennen, nicht als Zustand

Der entscheidende Satz lautet:

„Wenn Erwachen die Verirrung erkennt,
erlischt die Verirrung;
Erwachen selbst bringt keine Verirrung hervor.“

Erwachen ist hier:
• kein Besitz
• keine Klarheit
• kein Zustand

sondern Erkennen ohne Gegenstand.

Sobald erkannt wird,
gibt es nichts mehr,
was sich verirren könnte.

5. Die Raumblumen: zweite Verblendung

Das Gleichnis der Raumblumen zeigt zwei Ebenen des Irrtums:
1. Blumen im Raum sehen
2. Nach ihrem Wiedererscheinen fragen

Die zweite Verblendung ist subtiler:
Sie nimmt die erste als real an.

Genau hier steht Pūrṇas Frage:
Sie akzeptiert die Verirrung implizit
und fragt nur noch nach ihrer Wiederkehr.

6. Warum Nicht-Wiederkehr unausweichlich ist

Nicht-Wiederkehr bedeutet hier nicht:
• Welt verschwindet
• Erscheinungen hören auf
• Formen werden ausgelöscht

Sondern:

Die Verirrung findet keinen Ort mehr.

Wie Gold,
das nicht wieder Erz wird,
und Asche,
die nicht wieder Holz wird,
kann eine grundlose Fehlorientierung
nicht erneut greifen,
wenn sie durchschaut ist.

7. Konsequenz für Praxis

Die Praxis, die hier sichtbar wird, ist radikal schlicht:
• nicht Verblendung vermeiden
• nicht Klarheit kultivieren
• nicht Welt überwinden
• nicht Erwachen stabilisieren

Sondern:

Die funktionale Auffassung von Erwachen loslassen.

Praxis heißt hier:
• keine falsche Frage mehr stellen
• keine Klarheit festhalten
• keine Welt erklären müssen

Āraṇya ist genau dieser Ort:
nicht Abgeschiedenheit,
sondern Nicht-Verfehlen.

8. Stellung im Vergleich: Yogācāra – Chan – Shurangama

Yogācāra
Nicht-Wiederkehr bedeutet:
karmische Samen erschöpfen,
Strukturen transformieren,
Rückfall theoretisch erklärbar.

Chan
Nicht-Wiederkehr bedeutet:
Einsicht ist unumkehrbar,
Rückfall ist begrifflich ausgeschlossen.

Shurangama
Nicht-Wiederkehr bedeutet:
die Frage nach Rückkehr zerfällt,
weil Verblendung nie entstanden war.

Das Shurangama geht nicht einen Schritt weiter,
sondern untergräbt den Boden,
auf dem alle Schritte überhaupt möglich erscheinen.

9. Die endgültige Pointe

Die Formulierung „erwachte Klarheit“ bleibt stehen,
damit sie sich selbst entlarvt.

Nicht weil sie falsch ist,
sondern weil sie noch zu viel tut.

Was bleibt, ist kein Zustand,
keine Klarheit,
kein Erwachen.

Sondern:

Offenheit ohne Frage.
中文原文
「富樓那!十方如來,亦復如是。此迷無本,性畢竟空。昔本無迷,似有迷覺,覺迷迷滅,覺不生迷。亦如瞖人見空中花,瞖病若除,[A1]花於空滅。忽有愚人,於彼空花所滅空地,待花更生;汝觀是人為愚為慧?」
富樓那言:「空元無花,妄見生滅,見花滅空已是顛倒,勅令更出斯實狂癡;云何更名如是狂人為愚為慧?」
佛言:「如汝所解,云何問言:『諸佛如來妙覺明空,何當更出山河大地?』又如金鑛雜於精金,其金一純,更不成雜;如木成灰,不重為木;諸佛如來菩提涅槃,亦復如是。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Purna,
so ist es auch
bei allen Tathagatas
der zehn Richtungen.

Diese Verirrung
hat keinen Ursprung;
ihr Wesen ist
gänzlich leer.
Ursprünglich
gab es keine Verirrung –
es scheint nur so,
als gäbe es
Verirrung und Erwachen.
Sobald Erwachen
die Verirrung erkennt,
erlischt sie;
Erwachen selbst
bringt keine Verirrung hervor.

Es ist wie bei einem Menschen,
der durch eine Augenkrankheit
Blumen
im leeren Raum sieht.
Heilt die Krankheit,
verschwinden
die Blumen im Raum.

Wenn nun jemand
an dem Ort im leeren Raum,
wo die Blumen verschwunden sind,
darauf wartet,
dass sie wieder erscheinen –
ist das weise
oder töricht?“

Purna antwortete:

„Der Raum
hat niemals Blumen.
Durch falsches Sehen
entsteht der
Schein von Entstehen und Vergehen.
Schon das Sehen
der Blumen im Raum
ist verkehrt;
sie wieder erscheinen lassen
zu wollen,
ist reiner Wahn.
Wie könnte man
einen solchen Menschen
noch weise oder töricht nennen?“

Der Buddha sprach:

„So wie du es selbst verstanden hast,
warum fragst du dann:
‚Wenn Buddhas
die erwachte Klarheit der Leere
verwirklicht haben,
wann sollten dann
Berge,
Flüsse
und die große Erde
wieder entstehen?‘

Es ist wie bei Gold,
das aus Erz geläutert wurde:
Ist es einmal rein,
wird es nie wieder unrein.

Oder wie bei Holz,
das zu Asche geworden ist:
Es wird niemals
wieder zu Holz.

So ist es auch
mit dem Erwachen,
dem Nirvana
der Buddhas.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vollendet die Umwendung der Rolle 4.
Er zeigt nicht nur, dass Verblendung nicht zurückkehrt,
sondern warum schon die Frage nach ihrer Rückkehr verfehlt ist.

Die didaktische Kraft dieses Abschnitts liegt darin,
dass eine scheinbar vollkommen korrekte Formulierung
als letzte Verirrung entlarvt wird.

1. Die bewusst stehen gelassene Verfehlung

Die Frage Pūrṇas lautet:

„Wenn Buddhas
die erwachte Klarheit der Leere
verwirklicht haben,
wann sollten dann
Berge, Flüsse und die große Erde
wieder entstehen?“

Diese Formulierung ist nicht zufällig problematisch.

„Erwachte Klarheit“ klingt hochgradig richtig,
enthält aber bereits die erste und feinste Stufe der Verfehlung:
• Erwachen wird als etwas gedacht, das klar ist
• Klarheit wird als Eigenschaft verstanden
• diese Klarheit wird verwirklicht
• damit erscheint Erwachen erneut als etwas Funktionales

Genau diese funktionale Auffassung
hat der Buddha zuvor als Ursprung der Verblendung benannt.

Die Formulierung bleibt stehen,
weil sie Pūrṇas Denkrahmen sichtbar macht.

2. Die eigentliche Fehlannahme

Die Frage setzt stillschweigend voraus:
• Erwachen sei ein Zustand
• Klarheit sei dessen Merkmal
• dieser Zustand stehe der Welt gegenüber
• Welt könne daher „wieder entstehen“

Damit ist Erwachen noch immer in Relation zur Welt gedacht.

Der Buddha korrigiert dies nicht sprachlich,
sondern lässt die Frage im Gleichnis kollabieren.

3. Verirrung ohne Ursprung – der Kern des Gleichnisses

Der Buddha erklärt:
• Verirrung hat keinen Ursprung
• sie entsteht weder aus Verirrung
• noch aus Erwachen
• ihr Wesen ist letztlich leer

Damit wird klar:
Verblendung ist kein Ereignis,
kein Prozess,
kein Zustand.

Sie ist eine Fehlorientierung ohne Substanz.

4. Erwachen als Erkennen, nicht als Zustand

Der entscheidende Satz lautet:

„Wenn Erwachen die Verirrung erkennt,
erlischt die Verirrung;
Erwachen selbst bringt keine Verirrung hervor.“

Erwachen ist hier:
• kein Besitz
• keine Klarheit
• kein Zustand

sondern Erkennen ohne Gegenstand.

Sobald erkannt wird,
gibt es nichts mehr,
was sich verirren könnte.

5. Die Raumblumen: zweite Verblendung

Das Gleichnis der Raumblumen zeigt zwei Ebenen des Irrtums:
1. Blumen im Raum sehen
2. Nach ihrem Wiedererscheinen fragen

Die zweite Verblendung ist subtiler:
Sie nimmt die erste als real an.

Genau hier steht Pūrṇas Frage:
Sie akzeptiert die Verirrung implizit
und fragt nur noch nach ihrer Wiederkehr.

6. Warum Nicht-Wiederkehr unausweichlich ist

Nicht-Wiederkehr bedeutet hier nicht:
• Welt verschwindet
• Erscheinungen hören auf
• Formen werden ausgelöscht

Sondern:

Die Verirrung findet keinen Ort mehr.

Wie Gold,
das nicht wieder Erz wird,
und Asche,
die nicht wieder Holz wird,
kann eine grundlose Fehlorientierung
nicht erneut greifen,
wenn sie durchschaut ist.

7. Konsequenz für Praxis

Die Praxis, die hier sichtbar wird, ist radikal schlicht:
• nicht Verblendung vermeiden
• nicht Klarheit kultivieren
• nicht Welt überwinden
• nicht Erwachen stabilisieren

Sondern:

Die funktionale Auffassung von Erwachen loslassen.

Praxis heißt hier:
• keine falsche Frage mehr stellen
• keine Klarheit festhalten
• keine Welt erklären müssen

Āraṇya ist genau dieser Ort:
nicht Abgeschiedenheit,
sondern Nicht-Verfehlen.

8. Stellung im Vergleich: Yogācāra – Chan – Shurangama

Yogācāra
Nicht-Wiederkehr bedeutet:
karmische Samen erschöpfen,
Strukturen transformieren,
Rückfall theoretisch erklärbar.

Chan
Nicht-Wiederkehr bedeutet:
Einsicht ist unumkehrbar,
Rückfall ist begrifflich ausgeschlossen.

Shurangama
Nicht-Wiederkehr bedeutet:
die Frage nach Rückkehr zerfällt,
weil Verblendung nie entstanden war.

Das Shurangama geht nicht einen Schritt weiter,
sondern untergräbt den Boden,
auf dem alle Schritte überhaupt möglich erscheinen.

9. Die endgültige Pointe

Die Formulierung „erwachte Klarheit“ bleibt stehen,
damit sie sich selbst entlarvt.

Nicht weil sie falsch ist,
sondern weil sie noch zu viel tut.

Was bleibt, ist kein Zustand,
keine Klarheit,
kein Erwachen.

Sondern:

Offenheit ohne Frage.
166 #
「富樓那!又汝問言:『地、水、火、風本性圓融周遍法界,疑水、火性不相[*][A2]𣣋滅?又徵虛空及諸大地俱遍法界,不合相容。』富樓那!譬如虛空體非群相,而不拒彼諸相發揮。所以者何?富樓那!彼太虛空,日照則明,雲屯則暗,風搖則動,霽澄則清,氣凝則濁,土積成霾,水澄成映。於意云何?如是殊方諸有為相,為因彼生?為復空有?若彼所生,富樓那!且日照時既是日明,十方世界同為日色,云何空中更見圓日?若是空明,空應自照,云何中宵雲霧之時,不生光耀?當知是明,非日、非空,不異空、日。觀相元妄,無可指陳,猶邀空花結為空[A3]菓,云何詰其相[*][A4]𣣋滅義?觀性元真,唯妙覺明,妙覺明心先非水、火;云何復問不相容者!真妙覺明,亦復如是。汝以空明則有空現,地、水、火、風各各發明,則各各現;若俱發明,則有俱現。云何俱現?富樓那!如一水中現於日影,兩人同觀水中之日,東西各行,則各有日隨二人去;一東一西,先無准的。不應難言:『此日是一,云何各行?各日既雙,云何現一?』宛轉虛妄,無可憑據。
Der Buddha sprach:

„Purna,
du fragst:
Wenn Erde, Wasser, Feuer und Wind
in ihrer Grundnatur
rundum durchdringend
und den Bereich des Dharma allumfassend sind,
warum vernichten sich
Wasser und Feuer nicht?
Und wenn Raum und große Erde
beide den Bereich des Dharma erfüllen,
wie können sie einander aufnehmen?

Sieh den Raum:
Er ist nicht die Formen,
und doch weist er Formen nicht zurück.

Der große Raum
scheint hell,
wenn die Sonne scheint,
dunkel,
wenn Wolken sich sammeln,
bewegt,
wenn Wind weht,
klar,
wenn es aufklart,
trüb,
wenn sich Dunst verdichtet,
dunstig,
wenn Staub sich sammelt,
spiegelnd,
wenn Wasser sich klärt.

Sind diese Erscheinungen
aus den Bedingungen entstanden?
Oder sind sie im Raum?

Wenn sie aus den Bedingungen entstanden,
müsste beim Sonnenschein
alles Sonnenhelligkeit sein
und die zehn Richtungen
müssten eine einzige Sonnenfarbe tragen.
Warum sieht man dann
im Raum
noch die runde Sonne?

Wenn es Raum-Helligkeit wäre,
müsste Raum sich selbst erleuchten.
Warum gibt es dann
bei Nacht,
Wolken und Nebel
kein eigenes Leuchten?

Wisse:
Diese Helligkeit
ist weder Sonne noch Raum,
und doch nicht getrennt
von Sonne und Raum.

An Erscheinungen zu haften
ist von Anfang an verfehlt:
Nichts lässt sich
fest benennen.
Es ist,
als wolle man
aus Raumblumen
Raumfrüchte machen.
Wie könnte man dann
nach Unvereinbarkeit fragen?

Sieh das Wesentliche:
Es ist ursprünglich wahr –
wunderbar, ohne vorgestelltes Erwachen oder Klarheit.
Das ursprünglicher Grund
war nie Wasser, nie Feuer.
Wie könntest du dann
von Nicht-Aufnahme sprechen?

Wahre, wunderbare Erwachens-Klarheit
ist ebenso:
Weil du Raum und Klarheit annimmst,
erscheint Raum.
Wenn Erde, Wasser, Feuer, Wind
jeweils aufleuchten,
erscheinen sie jeweils.
Wenn sie gemeinsam aufleuchten,
erscheinen sie gemeinsam.

Wie zeigt sich das?
Wie die Sonne im Wasser:
Zwei Menschen
sehen die Sonne im Wasser.
Geht einer nach Osten,
einer nach Westen,
scheint jedem
eine Sonne zu folgen.
Es gab nie
einen festen Maßpunkt.

Darum verstricke dich nicht
in die Frage:
‚Eine Sonne – wie können zwei gehen?
Zwei Sonnen – wie kann eine erscheinen?‘

Es ist nur
kreisende Täuschung,
ohne Halt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beantwortet Pūrṇas Frage nach den Elementen nicht naturkundlich, sondern methodisch: Er zeigt, dass der Widerspruch nur entsteht, wenn Erscheinungen als Dinge mit Eigenwesen behandelt werden.

1. Der Kernfehler: Durchdringung wird räumlich gedacht

Pūrṇa fragt:
Wie kann etwas überall sein und doch nicht kollidieren?

Das setzt bereits voraus:
• „überall“ sei ein Ort im Raum
• Elemente seien Stoffe
• Koexistenz müsse wie Materie im Behälter funktionieren

Der Buddha nimmt genau diese Annahme auseinander, indem er Raum als Beispiel nimmt: Raum ist nicht Form, aber Form erscheint in ihm, ohne dass Raum „zu Form wird“.

2. Bedingungen sind nicht Ursachen im stofflichen Sinn

Die Reihe „Sonne–Wolken–Wind–Klarheit–Dunst–Staub–Wasser“ zeigt:
• Helligkeit, Dunkelheit, Bewegung, Klarheit, Trübheit sind Erscheinungsweisen
• sie sind nicht „Dinge“, die aus Raum geboren werden
• sie hängen von Bedingungen ab, ohne als Substanzen zu existieren

Damit wird der Denkfehler sichtbar: Wir verwechseln bedingt erscheinend mit real entstanden.

3. Weder Sonne noch Raum – und doch nicht getrennt

Die Pointe „weder Sonne noch Raum, und doch nicht getrennt“ ist der Schlüssel:
• nicht dual: entweder–oder
• nicht monistisch: alles ist nur Sonne oder nur Raum
• sondern: Erscheinung entsteht relational, ohne Eigenwesen

Damit wird Pūrṇas Entweder-oder-Logik unterlaufen.

4. „Raumblumen“ als Warnschild gegen Reifikation

„Raumblumen“ sind der Hinweis:
Wenn du Erscheinungen als Dinge behandelst, wirst du zwangsläufig nach ihrem „Vernichten“ oder „Nicht-Vernichten“ fragen.

Die Frage nach Unvereinbarkeit ist hier wie:
aus einer Raumblume eine Raumfrucht machen wollen.

Das ist nicht nur falsch, sondern kategorial verfehlt.

5. Das Wesentliche jenseits von Elementen und Eigenschaften

Die Wendung

„Sieh das Wesentliche:
Es ist ursprünglich wahr –
wunderbar, ohne vorgestelltes Erwachen oder Klarheit“

bedeutet:
• Es gibt kein zugrunde liegendes Ding hinter den Erscheinungen
• Wasser und Feuer sind keine Bestandteile des ursprünglichen Grundes
• „Erwachen“ und „Klarheit“ sind keine Eigenschaften, die dem ursprünglichen Grund zukämen

Damit wird jede Frage nach stofflicher Vereinbarkeit
oder räumlicher Durchdringung gegenstandslos.

Die Frage:

„Wie können sie einander nicht aufnehmen?“

löst sich auf,
weil der ursprüngliche Grund nicht im Register von Stoff, Raum oder Elementen liegt.

Nicht Wasser und Feuer stehen einander gegenüber,
sondern der Geist versucht,
Erscheinungen in Kategorien zu pressen,
die hier nicht greifen.


6. Das Wasser-Sonne-Gleichnis: eine Erscheinung, viele Perspektiven

Das Beispiel „Sonne im Wasser“ zeigt präzise:
• ein Spiegelbild ist nicht die Sonne selbst
• es ist nicht „eine Sonne im Wasser“ als Ding
• es ist erscheinungsabhängig von Blick, Ort, Bedingung

Dass zwei Menschen beim Gehen je „ihre Sonne“ sehen, zeigt:
• Erscheinung folgt Perspektive
• ohne dass die Sonne sich vervielfacht
• ohne dass man eine „wahre“ lokale Sonne im Wasser finden kann

Damit ist Pūrṇas Widerspruch formal beantwortet: Er entsteht nur, weil man ein perspektivisches Erscheinen wie ein Ding zählen will.

7. Praxis-Konsequenz im Hintergrund

Die Schlussformel „kreisende Täuschung, ohne Halt“ ist nicht Abwertung, sondern Anweisung:
Höre auf, die Erscheinung festzunageln.

Praxis heißt hier:
• nicht nach „Wie passt das zusammen?“ im stofflichen Sinn fragen
• die Tendenz zum Zählen, Festlegen, Verorten lösen
• erkennen: Das Problem ist nicht die Welt, sondern die Art des Greifens
中文原文
「富樓那!又汝問言:『地、水、火、風本性圓融周遍法界,疑水、火性不相[*][A2]𣣋滅?又徵虛空及諸大地俱遍法界,不合相容。』富樓那!譬如虛空體非群相,而不拒彼諸相發揮。所以者何?富樓那!彼太虛空,日照則明,雲屯則暗,風搖則動,霽澄則清,氣凝則濁,土積成霾,水澄成映。於意云何?如是殊方諸有為相,為因彼生?為復空有?若彼所生,富樓那!且日照時既是日明,十方世界同為日色,云何空中更見圓日?若是空明,空應自照,云何中宵雲霧之時,不生光耀?當知是明,非日、非空,不異空、日。觀相元妄,無可指陳,猶邀空花結為空[A3]菓,云何詰其相[*][A4]𣣋滅義?觀性元真,唯妙覺明,妙覺明心先非水、火;云何復問不相容者!真妙覺明,亦復如是。汝以空明則有空現,地、水、火、風各各發明,則各各現;若俱發明,則有俱現。云何俱現?富樓那!如一水中現於日影,兩人同觀水中之日,東西各行,則各有日隨二人去;一東一西,先無准的。不應難言:『此日是一,云何各行?各日既雙,云何現一?』宛轉虛妄,無可憑據。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Purna,
du fragst:
Wenn Erde, Wasser, Feuer und Wind
in ihrer Grundnatur
rundum durchdringend
und den Bereich des Dharma allumfassend sind,
warum vernichten sich
Wasser und Feuer nicht?
Und wenn Raum und große Erde
beide den Bereich des Dharma erfüllen,
wie können sie einander aufnehmen?

Sieh den Raum:
Er ist nicht die Formen,
und doch weist er Formen nicht zurück.

Der große Raum
scheint hell,
wenn die Sonne scheint,
dunkel,
wenn Wolken sich sammeln,
bewegt,
wenn Wind weht,
klar,
wenn es aufklart,
trüb,
wenn sich Dunst verdichtet,
dunstig,
wenn Staub sich sammelt,
spiegelnd,
wenn Wasser sich klärt.

Sind diese Erscheinungen
aus den Bedingungen entstanden?
Oder sind sie im Raum?

Wenn sie aus den Bedingungen entstanden,
müsste beim Sonnenschein
alles Sonnenhelligkeit sein
und die zehn Richtungen
müssten eine einzige Sonnenfarbe tragen.
Warum sieht man dann
im Raum
noch die runde Sonne?

Wenn es Raum-Helligkeit wäre,
müsste Raum sich selbst erleuchten.
Warum gibt es dann
bei Nacht,
Wolken und Nebel
kein eigenes Leuchten?

Wisse:
Diese Helligkeit
ist weder Sonne noch Raum,
und doch nicht getrennt
von Sonne und Raum.

An Erscheinungen zu haften
ist von Anfang an verfehlt:
Nichts lässt sich
fest benennen.
Es ist,
als wolle man
aus Raumblumen
Raumfrüchte machen.
Wie könnte man dann
nach Unvereinbarkeit fragen?

Sieh das Wesentliche:
Es ist ursprünglich wahr –
wunderbar, ohne vorgestelltes Erwachen oder Klarheit.
Das ursprünglicher Grund
war nie Wasser, nie Feuer.
Wie könntest du dann
von Nicht-Aufnahme sprechen?

Wahre, wunderbare Erwachens-Klarheit
ist ebenso:
Weil du Raum und Klarheit annimmst,
erscheint Raum.
Wenn Erde, Wasser, Feuer, Wind
jeweils aufleuchten,
erscheinen sie jeweils.
Wenn sie gemeinsam aufleuchten,
erscheinen sie gemeinsam.

Wie zeigt sich das?
Wie die Sonne im Wasser:
Zwei Menschen
sehen die Sonne im Wasser.
Geht einer nach Osten,
einer nach Westen,
scheint jedem
eine Sonne zu folgen.
Es gab nie
einen festen Maßpunkt.

Darum verstricke dich nicht
in die Frage:
‚Eine Sonne – wie können zwei gehen?
Zwei Sonnen – wie kann eine erscheinen?‘

Es ist nur
kreisende Täuschung,
ohne Halt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beantwortet Pūrṇas Frage nach den Elementen nicht naturkundlich, sondern methodisch: Er zeigt, dass der Widerspruch nur entsteht, wenn Erscheinungen als Dinge mit Eigenwesen behandelt werden.

1. Der Kernfehler: Durchdringung wird räumlich gedacht

Pūrṇa fragt:
Wie kann etwas überall sein und doch nicht kollidieren?

Das setzt bereits voraus:
• „überall“ sei ein Ort im Raum
• Elemente seien Stoffe
• Koexistenz müsse wie Materie im Behälter funktionieren

Der Buddha nimmt genau diese Annahme auseinander, indem er Raum als Beispiel nimmt: Raum ist nicht Form, aber Form erscheint in ihm, ohne dass Raum „zu Form wird“.

2. Bedingungen sind nicht Ursachen im stofflichen Sinn

Die Reihe „Sonne–Wolken–Wind–Klarheit–Dunst–Staub–Wasser“ zeigt:
• Helligkeit, Dunkelheit, Bewegung, Klarheit, Trübheit sind Erscheinungsweisen
• sie sind nicht „Dinge“, die aus Raum geboren werden
• sie hängen von Bedingungen ab, ohne als Substanzen zu existieren

Damit wird der Denkfehler sichtbar: Wir verwechseln bedingt erscheinend mit real entstanden.

3. Weder Sonne noch Raum – und doch nicht getrennt

Die Pointe „weder Sonne noch Raum, und doch nicht getrennt“ ist der Schlüssel:
• nicht dual: entweder–oder
• nicht monistisch: alles ist nur Sonne oder nur Raum
• sondern: Erscheinung entsteht relational, ohne Eigenwesen

Damit wird Pūrṇas Entweder-oder-Logik unterlaufen.

4. „Raumblumen“ als Warnschild gegen Reifikation

„Raumblumen“ sind der Hinweis:
Wenn du Erscheinungen als Dinge behandelst, wirst du zwangsläufig nach ihrem „Vernichten“ oder „Nicht-Vernichten“ fragen.

Die Frage nach Unvereinbarkeit ist hier wie:
aus einer Raumblume eine Raumfrucht machen wollen.

Das ist nicht nur falsch, sondern kategorial verfehlt.

5. Das Wesentliche jenseits von Elementen und Eigenschaften

Die Wendung

„Sieh das Wesentliche:
Es ist ursprünglich wahr –
wunderbar, ohne vorgestelltes Erwachen oder Klarheit“

bedeutet:
• Es gibt kein zugrunde liegendes Ding hinter den Erscheinungen
• Wasser und Feuer sind keine Bestandteile des ursprünglichen Grundes
• „Erwachen“ und „Klarheit“ sind keine Eigenschaften, die dem ursprünglichen Grund zukämen

Damit wird jede Frage nach stofflicher Vereinbarkeit
oder räumlicher Durchdringung gegenstandslos.

Die Frage:

„Wie können sie einander nicht aufnehmen?“

löst sich auf,
weil der ursprüngliche Grund nicht im Register von Stoff, Raum oder Elementen liegt.

Nicht Wasser und Feuer stehen einander gegenüber,
sondern der Geist versucht,
Erscheinungen in Kategorien zu pressen,
die hier nicht greifen.


6. Das Wasser-Sonne-Gleichnis: eine Erscheinung, viele Perspektiven

Das Beispiel „Sonne im Wasser“ zeigt präzise:
• ein Spiegelbild ist nicht die Sonne selbst
• es ist nicht „eine Sonne im Wasser“ als Ding
• es ist erscheinungsabhängig von Blick, Ort, Bedingung

Dass zwei Menschen beim Gehen je „ihre Sonne“ sehen, zeigt:
• Erscheinung folgt Perspektive
• ohne dass die Sonne sich vervielfacht
• ohne dass man eine „wahre“ lokale Sonne im Wasser finden kann

Damit ist Pūrṇas Widerspruch formal beantwortet: Er entsteht nur, weil man ein perspektivisches Erscheinen wie ein Ding zählen will.

7. Praxis-Konsequenz im Hintergrund

Die Schlussformel „kreisende Täuschung, ohne Halt“ ist nicht Abwertung, sondern Anweisung:
Höre auf, die Erscheinung festzunageln.

Praxis heißt hier:
• nicht nach „Wie passt das zusammen?“ im stofflichen Sinn fragen
• die Tendenz zum Zählen, Festlegen, Verorten lösen
• erkennen: Das Problem ist nicht die Welt, sondern die Art des Greifens
167 #
「富樓那!汝以色空相傾相奪於如來藏,而如來藏隨為色空,周遍法界,是故於中風動、空澄、日明、雲暗。眾生迷悶背覺合塵,故發塵勞有世間相。我以妙明不滅不生合如來藏,而如來藏唯妙覺明,圓照法界,是故於中一為無量、無量為一,小中現大、大中現小,不動道場遍十方界,身含十方無盡虛空,於一毛端現寶王剎,坐微塵裏轉大法輪。滅塵合覺,故發真如妙覺明性。
Der Buddha sprach:

„Purna,
du lässt
Form und Leere
einander bekämpfen
im Tathagata-Speicher.
Doch der Tathagata-Speicher
erscheint als Form
und als Leere
und durchdringt
den gesamten Bereich des Dharma.
Darum gibt es darin
Windbewegung,
Raumklarheit,
Sonnenlicht
und Wolkendunkel.

Die Wesen
sind verwirrt,
wenden sich vom Erwachen ab
und haften am Staub;
so entstehen
Verstrickung
und Welt.

Ich aber
halte nicht am Entstehen
und nicht am Vergehen fest
und verbinde dies
mit dem Tathagata-Speicher.
Der Tathagata-Speicher
ist nur
wunderbares Erwachen,
das alles durchleuchtet.
Darum gilt:
Eines ist unermesslich,
Unermessliches ist eines;
im Kleinen erscheint das Große,
im Großen das Kleine.
Der Ort des Erwachens
ist unbewegt
und doch überall;
der Körper umfasst
den grenzenlosen Raum;
auf einer Haarspitze
erscheint ein reines Buddha-Land,
in einem Staubkorn
dreht sich das große Dharma-Rad.

Wenn Staub vergeht
und Erwachen gegenwärtig ist,
entfaltet sich
die wahre,
wunderbare
Erwachens-Wirklichkeit.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von Auflösung zur positiven Sicht, ohne dabei in Ontologie oder Mystizismus zu verfallen.

1. Form und Leere als falsche Gegensätze

Pūrṇas Irrtum besteht darin,
Form und Leere
als konkurrierende Prinzipien zu behandeln,
die sich im Tathāgata-Speicher
gegenseitig verdrängen.

Der Buddha zeigt:
Form und Leere
sind Erscheinungsweisen,
keine Gegenspieler.

Der Tathāgata-Speicher
ist nicht „hinter“ Form und Leere,
sondern erscheint als beides,
ohne sich darin zu verlieren.

2. Welt als Folge von Abwendung

Die Welt entsteht nicht,
weil der Tathāgata-Speicher begrenzt wäre,
sondern weil die Wesen
„dem Erwachen den Rücken kehren“
und sich an Erscheinungen binden.

Welt ist kein kosmischer Fehler,
sondern eine Beziehungsweise:
Abwendung von Erwachen
und Hinwendung zum Staub.

3. „Ich“ des Buddha als didaktischer Kontrast

Wenn der Buddha sagt „Ich“,
ist kein individuelles Selbst gemeint,
sondern die Sicht des nicht-anhaftenden Erwachens.

Dieses „Ich“
steht nicht der Welt gegenüber,
sondern zeigt,
was geschieht,
wenn Entstehen und Vergehen
nicht mehr als Bezugspunkt dienen.

4. Eines und Unendliches

Die berühmten Wendungen
„Eines ist unermesslich,
Unermessliches ist eines“
sind keine Metaphysik,
sondern eine Aussage
über nicht-lokale Erscheinung:

Wo kein Festhalten ist,
gibt es keine Maßstäbe,
keine Begrenzung,
keine Hierarchie von groß und klein.

5. Haarspitze und Staubkorn

Die Bilder
von der Haarspitze
und vom Staubkorn
sind keine Wunderberichte,
sondern Anti-Maß-Bilder.

Sie zerschlagen
die Vorstellung,
dass Größe, Ort oder Ausdehnung
Bedeutung für Wirklichkeit hätten.

6. Staub vergeht – Erwachen wird nicht erzeugt

Der Schlusssatz ist entscheidend:
Nicht Erwachen wird erzeugt,
sondern Staub vergeht.

Wenn Verstrickung endet,
ist nichts Neues da –
nur das,
was nie gefehlt hat.

真如妙覺明性 bezeichnet hier nicht eine neue Eigenschaft,
sondern das freigelegte Ursprüngliche,
sobald Staubverstrickung endet und Erwachen nicht mehr verfehlt wird.
中文原文
「富樓那!汝以色空相傾相奪於如來藏,而如來藏隨為色空,周遍法界,是故於中風動、空澄、日明、雲暗。眾生迷悶背覺合塵,故發塵勞有世間相。我以妙明不滅不生合如來藏,而如來藏唯妙覺明,圓照法界,是故於中一為無量、無量為一,小中現大、大中現小,不動道場遍十方界,身含十方無盡虛空,於一毛端現寶王剎,坐微塵裏轉大法輪。滅塵合覺,故發真如妙覺明性。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Purna,
du lässt
Form und Leere
einander bekämpfen
im Tathagata-Speicher.
Doch der Tathagata-Speicher
erscheint als Form
und als Leere
und durchdringt
den gesamten Bereich des Dharma.
Darum gibt es darin
Windbewegung,
Raumklarheit,
Sonnenlicht
und Wolkendunkel.

Die Wesen
sind verwirrt,
wenden sich vom Erwachen ab
und haften am Staub;
so entstehen
Verstrickung
und Welt.

Ich aber
halte nicht am Entstehen
und nicht am Vergehen fest
und verbinde dies
mit dem Tathagata-Speicher.
Der Tathagata-Speicher
ist nur
wunderbares Erwachen,
das alles durchleuchtet.
Darum gilt:
Eines ist unermesslich,
Unermessliches ist eines;
im Kleinen erscheint das Große,
im Großen das Kleine.
Der Ort des Erwachens
ist unbewegt
und doch überall;
der Körper umfasst
den grenzenlosen Raum;
auf einer Haarspitze
erscheint ein reines Buddha-Land,
in einem Staubkorn
dreht sich das große Dharma-Rad.

Wenn Staub vergeht
und Erwachen gegenwärtig ist,
entfaltet sich
die wahre,
wunderbare
Erwachens-Wirklichkeit.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von Auflösung zur positiven Sicht, ohne dabei in Ontologie oder Mystizismus zu verfallen.

1. Form und Leere als falsche Gegensätze

Pūrṇas Irrtum besteht darin,
Form und Leere
als konkurrierende Prinzipien zu behandeln,
die sich im Tathāgata-Speicher
gegenseitig verdrängen.

Der Buddha zeigt:
Form und Leere
sind Erscheinungsweisen,
keine Gegenspieler.

Der Tathāgata-Speicher
ist nicht „hinter“ Form und Leere,
sondern erscheint als beides,
ohne sich darin zu verlieren.

2. Welt als Folge von Abwendung

Die Welt entsteht nicht,
weil der Tathāgata-Speicher begrenzt wäre,
sondern weil die Wesen
„dem Erwachen den Rücken kehren“
und sich an Erscheinungen binden.

Welt ist kein kosmischer Fehler,
sondern eine Beziehungsweise:
Abwendung von Erwachen
und Hinwendung zum Staub.

3. „Ich“ des Buddha als didaktischer Kontrast

Wenn der Buddha sagt „Ich“,
ist kein individuelles Selbst gemeint,
sondern die Sicht des nicht-anhaftenden Erwachens.

Dieses „Ich“
steht nicht der Welt gegenüber,
sondern zeigt,
was geschieht,
wenn Entstehen und Vergehen
nicht mehr als Bezugspunkt dienen.

4. Eines und Unendliches

Die berühmten Wendungen
„Eines ist unermesslich,
Unermessliches ist eines“
sind keine Metaphysik,
sondern eine Aussage
über nicht-lokale Erscheinung:

Wo kein Festhalten ist,
gibt es keine Maßstäbe,
keine Begrenzung,
keine Hierarchie von groß und klein.

5. Haarspitze und Staubkorn

Die Bilder
von der Haarspitze
und vom Staubkorn
sind keine Wunderberichte,
sondern Anti-Maß-Bilder.

Sie zerschlagen
die Vorstellung,
dass Größe, Ort oder Ausdehnung
Bedeutung für Wirklichkeit hätten.

6. Staub vergeht – Erwachen wird nicht erzeugt

Der Schlusssatz ist entscheidend:
Nicht Erwachen wird erzeugt,
sondern Staub vergeht.

Wenn Verstrickung endet,
ist nichts Neues da –
nur das,
was nie gefehlt hat.

真如妙覺明性 bezeichnet hier nicht eine neue Eigenschaft,
sondern das freigelegte Ursprüngliche,
sobald Staubverstrickung endet und Erwachen nicht mehr verfehlt wird.
168 #
而如來藏本妙圓心,非心、非空,非地、非水、非風、非火;非眼、非耳、鼻、舌、身、意,非色、非聲、香、味、觸、法;非眼識界、如是乃至非意識界;[A5]非明、無明、明、無明盡,如是乃至非老、非死、非老死盡;非苦、非集、非滅、非道;非智、非得;非檀那、非尸羅、非毘梨耶、非羼提、非禪那、非[1]鉢剌若、非波羅蜜多;如是乃至非怛闥阿竭,非阿羅訶、三耶三菩;非大涅槃,非常、非樂、非我、非淨,以是俱非世出世故。
Der Buddha sprach:

„Der Tathagata-Speicher
ist von Grund auf
die vollkommen runde,
wunderbare Mitte.

Er ist
nicht Grund
und nicht Raum,
nicht Erde,
nicht Wasser,
nicht Wind,
nicht Feuer.

Er ist
nicht Auge,
nicht Ohr,
nicht Nase,
nicht Zunge,
nicht Körper,
nicht Geist;
nicht Form,
nicht Klang,
nicht Duft,
nicht Geschmack,
nicht Berührung,
nicht Gedanke.

Er ist
nicht Bewusstsein,
nicht Nicht-Bewusstsein,
nicht deren Anfang
und nicht deren Ende;
nicht Altern,
nicht Tod,
nicht das Ende von Altern und Tod.

Er ist
nicht Leiden,
nicht Ursache,
nicht Erlösung,
nicht Weg;
nicht Wissen
und nicht Erlangen.

Er ist
nicht Freigebigkeit,
nicht Sittlichkeit,
nicht Tatkraft,
nicht Geduld,
nicht Versenkung,
nicht Weisheit,
nicht Vollkommenheit,
nicht Buddha,
nicht Erwachter,
nicht Nirvana;
nicht beständig,
nicht freudvoll,
nicht Selbst,
nicht rein.

Weil er all dies
nicht ist,
liegt er jenseits
von weltlich
und außerweltlich.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die radikalste Negationspassage der Rolle 4.
Hier wird jede denkbare Zuordnung – kosmisch, psychologisch, soteriologisch und religiös – konsequent zurückgenommen.

1. Warum hier noch „Tathāgata-Speicher“

Obwohl der Text bereits auf vollständige Auflösung zielt, bleibt der Begriff Tathāgata-Speicher bewusst stehen:
• nicht als Besitz
• nicht als Substanz
• sondern als letzter Lehrrahmen, der nun vollständig ausgehöhlt wird

Der Buddha benutzt den Begriff,
um alle falschen Identifikationen systematisch zu negieren.

2. Die Struktur der Negation

Die Aufzählung folgt einer klaren inneren Ordnung:
1. Kosmische Kategorien (Elemente, Raum)
2. Anthropologische Kategorien (Sinne, Körper, Geist)
3. Bewusstseinsmodelle (sechs Bewusstseinsbereiche)
4. Erkenntniskategorien (Wissen, Unwissen)
5. Existenzkategorien (Altern, Tod)
6. Vier Edle Wahrheiten
7. Praxis- und Pfadmodelle
8. Buddhologische Endbegriffe (Buddha, Nirvāṇa)
9. Metaphysische Attribute (beständig, rein, Selbst)

Nichts bleibt übrig,
was als Referenzpunkt dienen könnte.

3. Keine Lehre wird verschont – auch nicht die höchste

Besonders wichtig:
Auch Nirvāṇa, Buddha, Erwachen, Vollkommenheiten
werden nicht bestätigt,
sondern verneint.

Das zeigt:
Der Buddha ersetzt kein falsches Objekt
durch ein höheres,
sondern zieht dem Objektdenken insgesamt den Boden weg.

4. „Nicht weltlich, nicht außerweltlich“

Der Schlusssatz ist entscheidend:

Der Tathāgata-Speicher
ist weder Teil der Welt
noch jenseits der Welt.

Damit werden
Samsāra-Dualismus
und Transzendenz-Dualismus
gleichermaßen aufgehoben.

5. Übergang zur Enthüllung

Diese Negation ist kein Nihilismus,
sondern die vollständige Leerung des begrifflichen Raums.

Erst wenn
• nichts mehr benannt werden kann
• kein Pfad mehr greift
• kein Ziel mehr übrig bleibt

kann sich das zeigen,
was nicht gemacht, nicht gedacht und nicht erworben ist.

Im nächsten Abschnitt
wird der Text
von dieser Negation
zur positiven, aber nicht reifizierenden Enthüllung übergehen.
中文原文
而如來藏本妙圓心,非心、非空,非地、非水、非風、非火;非眼、非耳、鼻、舌、身、意,非色、非聲、香、味、觸、法;非眼識界、如是乃至非意識界;[A5]非明、無明、明、無明盡,如是乃至非老、非死、非老死盡;非苦、非集、非滅、非道;非智、非得;非檀那、非尸羅、非毘梨耶、非羼提、非禪那、非[1]鉢剌若、非波羅蜜多;如是乃至非怛闥阿竭,非阿羅訶、三耶三菩;非大涅槃,非常、非樂、非我、非淨,以是俱非世出世故。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Der Tathagata-Speicher
ist von Grund auf
die vollkommen runde,
wunderbare Mitte.

Er ist
nicht Grund
und nicht Raum,
nicht Erde,
nicht Wasser,
nicht Wind,
nicht Feuer.

Er ist
nicht Auge,
nicht Ohr,
nicht Nase,
nicht Zunge,
nicht Körper,
nicht Geist;
nicht Form,
nicht Klang,
nicht Duft,
nicht Geschmack,
nicht Berührung,
nicht Gedanke.

Er ist
nicht Bewusstsein,
nicht Nicht-Bewusstsein,
nicht deren Anfang
und nicht deren Ende;
nicht Altern,
nicht Tod,
nicht das Ende von Altern und Tod.

Er ist
nicht Leiden,
nicht Ursache,
nicht Erlösung,
nicht Weg;
nicht Wissen
und nicht Erlangen.

Er ist
nicht Freigebigkeit,
nicht Sittlichkeit,
nicht Tatkraft,
nicht Geduld,
nicht Versenkung,
nicht Weisheit,
nicht Vollkommenheit,
nicht Buddha,
nicht Erwachter,
nicht Nirvana;
nicht beständig,
nicht freudvoll,
nicht Selbst,
nicht rein.

Weil er all dies
nicht ist,
liegt er jenseits
von weltlich
und außerweltlich.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die radikalste Negationspassage der Rolle 4.
Hier wird jede denkbare Zuordnung – kosmisch, psychologisch, soteriologisch und religiös – konsequent zurückgenommen.

1. Warum hier noch „Tathāgata-Speicher“

Obwohl der Text bereits auf vollständige Auflösung zielt, bleibt der Begriff Tathāgata-Speicher bewusst stehen:
• nicht als Besitz
• nicht als Substanz
• sondern als letzter Lehrrahmen, der nun vollständig ausgehöhlt wird

Der Buddha benutzt den Begriff,
um alle falschen Identifikationen systematisch zu negieren.

2. Die Struktur der Negation

Die Aufzählung folgt einer klaren inneren Ordnung:
1. Kosmische Kategorien (Elemente, Raum)
2. Anthropologische Kategorien (Sinne, Körper, Geist)
3. Bewusstseinsmodelle (sechs Bewusstseinsbereiche)
4. Erkenntniskategorien (Wissen, Unwissen)
5. Existenzkategorien (Altern, Tod)
6. Vier Edle Wahrheiten
7. Praxis- und Pfadmodelle
8. Buddhologische Endbegriffe (Buddha, Nirvāṇa)
9. Metaphysische Attribute (beständig, rein, Selbst)

Nichts bleibt übrig,
was als Referenzpunkt dienen könnte.

3. Keine Lehre wird verschont – auch nicht die höchste

Besonders wichtig:
Auch Nirvāṇa, Buddha, Erwachen, Vollkommenheiten
werden nicht bestätigt,
sondern verneint.

Das zeigt:
Der Buddha ersetzt kein falsches Objekt
durch ein höheres,
sondern zieht dem Objektdenken insgesamt den Boden weg.

4. „Nicht weltlich, nicht außerweltlich“

Der Schlusssatz ist entscheidend:

Der Tathāgata-Speicher
ist weder Teil der Welt
noch jenseits der Welt.

Damit werden
Samsāra-Dualismus
und Transzendenz-Dualismus
gleichermaßen aufgehoben.

5. Übergang zur Enthüllung

Diese Negation ist kein Nihilismus,
sondern die vollständige Leerung des begrifflichen Raums.

Erst wenn
• nichts mehr benannt werden kann
• kein Pfad mehr greift
• kein Ziel mehr übrig bleibt

kann sich das zeigen,
was nicht gemacht, nicht gedacht und nicht erworben ist.

Im nächsten Abschnitt
wird der Text
von dieser Negation
zur positiven, aber nicht reifizierenden Enthüllung übergehen.
169 #
即如來藏元明心妙,即心、即空、即地、即水、即風、即火;即眼、即耳、鼻、舌、身、意、即色、即聲、香、味、觸、法;即眼識界、如是乃至即意識界;[A6]即明、無明、明、無明盡,如是乃至即老、即死、即老死盡;即苦、即集、即滅、即道;即智、即得;即檀那、即尸羅、即毘梨耶、即羼提、即禪那、即[2]鉢剌若、即波羅蜜多;如是乃至即怛闥阿竭,即阿羅訶、三耶三菩;即大涅槃,即常、即樂、即我、即淨,以是[3]即俱世出世故。即如來藏妙明心元,離即、離非,是即、非即。如何世間三有眾生,及出世間聲聞、緣覺,以所知心測度如來無上菩提!用世語言入佛知見!譬如琴、瑟、箜篌、琵琶,雖有妙音,若無妙指終不能發。汝與眾生亦復如是。寶覺真心各各圓滿,如我按指,海印發光;汝暫舉心,塵勞先起,由不勤求無上覺道,愛念小乘,得少為足。」
Der Buddha sprach:

„Gerade der Tathagata-Speicher
ist ursprünglich
das wunderbar Leuchtende.
Er ist
Grund
und Raum,
Erde,
Wasser,
Wind
und Feuer.

Er ist
Sinnesorgane
und Sinnesobjekte,
Bewusstsein
und Nicht-Bewusstsein,
Geburt
und Vergehen,
Leiden
und Befreiung.

Er ist
Freigebigkeit,
Sittlichkeit,
Tatkraft,
Geduld,
Versenkung,
Weisheit,
und Vollkommenheit,
Buddha
und Nirvana,
Welt
und Über-Welt.

Doch dieses
ursprünglich Leuchtende
liegt jenseits von
‚ist‘
und ‚ist nicht‘;
er ist
und ist zugleich
nicht festzulegen.

Wie könnten Wesen
mit ihrem Wissen
Bodhi ermessen?
Wie könnte Sprache
die Buddha-Erkenntnis fassen?

Es ist wie bei einem Instrument:
Alle Klänge sind da,
doch ohne
die lebendige Berührung
bleibt es stumm.

So ist es auch
bei euch.
Das kostbare Erwachen
ist in jedem vollständig.
Doch sobald ihr
den Geist erhebt,
entsteht Verstrickung.
Weil ihr den höchsten Weg
nicht entschlossen sucht,
begnügt ihr euch
mit dem Kleinen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt bildet das komplementäre Gegenstück zur vorherigen totalen Negation.
Nachdem alles „nicht dies, nicht das“ war, wird nun gezeigt, warum dennoch alles erscheinen kann, ohne dass etwas festgelegt wird.

1. Dialektik von „nicht“ und „gerade so“

Die Abfolge
„nicht dies“ → „gerade dies“
ist keine Rücknahme der Negation,
sondern ihre Vollendung.

Erst wenn nichts mehr festgehalten wird,
kann gesagt werden:
Es ist alles –
ohne etwas zu sein.

2. „Gerade er ist …“ bedeutet nicht Identität

Die vielen „ist“-Aussagen
meinen keine Gleichsetzung.

Der Tathāgata-Speicher
ist nicht identisch mit Wasser, Feuer, Sinnesorganen oder Nirvāṇa,
sondern:
All dies erscheint in ihm,
ohne dass er darauf reduziert werden kann.

3. Jenseits von Sein und Nichtsein

Der Schlüsselsatz:

frei von ‚ist‘ und frei von ‚ist nicht‘

verhindert,
dass die vorherigen Aussagen
metaphysisch missverstanden werden.

Dies ist keine Ontologie,
sondern Anti-Fixierung.

4. Kritik an begrifflichem Erfassen

Die Frage:

Wie könnten Wesen mit dem wissenden Geist Bodhi ermessen?

zeigt:
Nicht mangelnde Information,
sondern falsche Methode verhindert Einsicht.

Begriffliches Wissen
kann nicht erfassen,
was nicht fixierbar ist.

5. Das Instrumenten-Gleichnis

Die Instrumente enthalten alle Klänge,
doch sie erklingen nur
durch lebendige Berührung.

Ebenso ist Erwachen
nicht zu „haben“,
sondern zuzulassen.

6. Praxis-Hinweis

Der letzte Satz ist scharf:

Sobald der Geist „gehoben“ wird,
tritt Verstrickung ein.

Das Problem ist nicht
fehlende Lehre,
sondern vorschnelle Genügsamkeit:
Man gibt sich
mit Teilwahrheiten zufrieden.

Damit ist die Brücke geschlagen
zur nächsten Passage,
in der der Buddha
die Gefahr des bloßen Hörens
ohne Übung entfaltet.
中文原文
即如來藏元明心妙,即心、即空、即地、即水、即風、即火;即眼、即耳、鼻、舌、身、意、即色、即聲、香、味、觸、法;即眼識界、如是乃至即意識界;[A6]即明、無明、明、無明盡,如是乃至即老、即死、即老死盡;即苦、即集、即滅、即道;即智、即得;即檀那、即尸羅、即毘梨耶、即羼提、即禪那、即[2]鉢剌若、即波羅蜜多;如是乃至即怛闥阿竭,即阿羅訶、三耶三菩;即大涅槃,即常、即樂、即我、即淨,以是[3]即俱世出世故。即如來藏妙明心元,離即、離非,是即、非即。如何世間三有眾生,及出世間聲聞、緣覺,以所知心測度如來無上菩提!用世語言入佛知見!譬如琴、瑟、箜篌、琵琶,雖有妙音,若無妙指終不能發。汝與眾生亦復如是。寶覺真心各各圓滿,如我按指,海印發光;汝暫舉心,塵勞先起,由不勤求無上覺道,愛念小乘,得少為足。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Gerade der Tathagata-Speicher
ist ursprünglich
das wunderbar Leuchtende.
Er ist
Grund
und Raum,
Erde,
Wasser,
Wind
und Feuer.

Er ist
Sinnesorgane
und Sinnesobjekte,
Bewusstsein
und Nicht-Bewusstsein,
Geburt
und Vergehen,
Leiden
und Befreiung.

Er ist
Freigebigkeit,
Sittlichkeit,
Tatkraft,
Geduld,
Versenkung,
Weisheit,
und Vollkommenheit,
Buddha
und Nirvana,
Welt
und Über-Welt.

Doch dieses
ursprünglich Leuchtende
liegt jenseits von
‚ist‘
und ‚ist nicht‘;
er ist
und ist zugleich
nicht festzulegen.

Wie könnten Wesen
mit ihrem Wissen
Bodhi ermessen?
Wie könnte Sprache
die Buddha-Erkenntnis fassen?

Es ist wie bei einem Instrument:
Alle Klänge sind da,
doch ohne
die lebendige Berührung
bleibt es stumm.

So ist es auch
bei euch.
Das kostbare Erwachen
ist in jedem vollständig.
Doch sobald ihr
den Geist erhebt,
entsteht Verstrickung.
Weil ihr den höchsten Weg
nicht entschlossen sucht,
begnügt ihr euch
mit dem Kleinen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt bildet das komplementäre Gegenstück zur vorherigen totalen Negation.
Nachdem alles „nicht dies, nicht das“ war, wird nun gezeigt, warum dennoch alles erscheinen kann, ohne dass etwas festgelegt wird.

1. Dialektik von „nicht“ und „gerade so“

Die Abfolge
„nicht dies“ → „gerade dies“
ist keine Rücknahme der Negation,
sondern ihre Vollendung.

Erst wenn nichts mehr festgehalten wird,
kann gesagt werden:
Es ist alles –
ohne etwas zu sein.

2. „Gerade er ist …“ bedeutet nicht Identität

Die vielen „ist“-Aussagen
meinen keine Gleichsetzung.

Der Tathāgata-Speicher
ist nicht identisch mit Wasser, Feuer, Sinnesorganen oder Nirvāṇa,
sondern:
All dies erscheint in ihm,
ohne dass er darauf reduziert werden kann.

3. Jenseits von Sein und Nichtsein

Der Schlüsselsatz:

frei von ‚ist‘ und frei von ‚ist nicht‘

verhindert,
dass die vorherigen Aussagen
metaphysisch missverstanden werden.

Dies ist keine Ontologie,
sondern Anti-Fixierung.

4. Kritik an begrifflichem Erfassen

Die Frage:

Wie könnten Wesen mit dem wissenden Geist Bodhi ermessen?

zeigt:
Nicht mangelnde Information,
sondern falsche Methode verhindert Einsicht.

Begriffliches Wissen
kann nicht erfassen,
was nicht fixierbar ist.

5. Das Instrumenten-Gleichnis

Die Instrumente enthalten alle Klänge,
doch sie erklingen nur
durch lebendige Berührung.

Ebenso ist Erwachen
nicht zu „haben“,
sondern zuzulassen.

6. Praxis-Hinweis

Der letzte Satz ist scharf:

Sobald der Geist „gehoben“ wird,
tritt Verstrickung ein.

Das Problem ist nicht
fehlende Lehre,
sondern vorschnelle Genügsamkeit:
Man gibt sich
mit Teilwahrheiten zufrieden.

Damit ist die Brücke geschlagen
zur nächsten Passage,
in der der Buddha
die Gefahr des bloßen Hörens
ohne Übung entfaltet.
170 #
富樓那言:「我與如來寶覺圓明真妙淨心無二圓滿;而我昔遭無始妄想久在輪迴,今得聖乘猶未究竟;世尊諸妄一切圓滅,獨妙真常。敢問如來,一切眾生何因有妄,自蔽妙明,受此淪溺?」
佛告富樓那:「汝雖除疑,餘惑未盡。吾以世間現前諸事,今復問汝,汝豈不聞室羅城中演若達多,忽於晨朝以鏡照面,愛鏡中頭眉目可見,瞋責己頭不見面目,以為魑魅,無狀狂走。於意云何?此人何因無故狂走?」
富樓那言:「是人心狂,更無他故。」
Purna sprach:

„Im kostbaren Erwachen,
in runder Klarheit,
im wahren,
wunderbaren
und reinen Erleben
sind der Buddha und ich
nicht zwei
und vollständig.

Doch seit anfangsloser Zeit
bin ich in falsche Vorstellungen verstrickt
und habe lange
im Kreislauf verweilt.
Auch jetzt,
da ich den heiligen Pfad betreten habe,
ist es noch nicht endgültig.

Weltverehrter,
bei dir
sind alle Täuschungen
vollständig erloschen,
allein das wunderbar Wahre
und Beständige bleibt.

Ich frage:
Warum haben alle Wesen
Täuschung,
verdecken damit
das wunderbare Leuchten
und geraten
in dieses Hinabsinken?“

Der Buddha antwortete:

„Du hast Zweifel gelöst,
doch nicht alle Verwirrung ist beendet.

Ich frage dich nun
mit etwas,
das jedem bekannt ist:

In der Stadt Sravasti
gab es einen Mann,
namens Yajnadatta,
der eines Morgens
in einen Spiegel blickte,
Gefallen an seinem Spiegelbild fand,
aber darüber zornig wurde,
dass er seinen eigenen Kopf
nicht sehen konnte,
ihn für ein Trugwesen hielt
und ohne Grund
wahnsinnig davonlief.

Was meinst du:
Warum wurde dieser Mensch
ohne Ursache wahnsinnig?“

Purna sagte:

„Der Geist dieses Menschen
war verwirrt –
es gab keinen anderen Grund.“i
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt leitet den letzten großen Gleichniszyklus der Rolle 4 ein.
Hier verschiebt sich der Fokus endgültig von kosmologischer Verwirrung zu psychischer Verkennung.

1. Die letzte subtile Annahme Pūrṇas

Pūrṇa formuliert nun eine scheinbar ausgereifte Position:
• Erwachen ist ohne Zweiheit
• der Buddha ist frei von Täuschung
• doch Wesen bleiben verstrickt

Die Frage:

„Aus welchem Grund haben Wesen Täuschung?“

setzt jedoch erneut voraus,
dass Täuschung einen Ursprung habe.

Genau diese Annahme
wird nun geprüft.

2. Der Übergang vom Kosmos zum Spiegel

Der Buddha antwortet nicht abstrakt,
sondern mit einem alltäglichen Beispiel.

Das ist entscheidend:
Verblendung ist kein kosmisches Problem,
sondern ein Fehler der Selbstwahrnehmung.

3. Der Spiegel als Struktur des Ichs

Der Mann liebt das Spiegelbild,
weil es sichtbar ist,
und verachtet den eigenen Kopf,
weil er ihn nicht sehen kann.

Das zeigt:
• Sichtbarkeit wird mit Existenz verwechselt
• Unsichtbarkeit mit Mangel

Das Ich entsteht dort,
wo Wahrnehmung
falsch auf sich selbst angewandt wird.

4. Wahnsinn ohne Ursache

Der Buddha fragt:

„Aus welchem Grund lief er grundlos davon?“

Pūrṇas Antwort ist entscheidend:

„Der Geist war verwirrt; es gab keinen anderen Grund.“

Damit ist der Kern benannt:
Verblendung entsteht nicht aus einer Ursache,
sondern aus Fehlwahrnehmung ohne Grund.

5. Vorbereitung der radikalen Auflösung

Dieses Gleichnis wird im nächsten Abschnitt
auf alle Wesen ausgedehnt:
• Niemand verliert etwas
• Niemand gewinnt etwas
• Es gibt keinen Ursprung der Täuschung

Was fehlt,
ist kein Inhalt,
sondern Erkennen.

Damit ist die Bühne bereitet
für die endgültige Aussage:
Täuschung ist grundlos –
und gerade deshalb
auflösbar.
中文原文
富樓那言:「我與如來寶覺圓明真妙淨心無二圓滿;而我昔遭無始妄想久在輪迴,今得聖乘猶未究竟;世尊諸妄一切圓滅,獨妙真常。敢問如來,一切眾生何因有妄,自蔽妙明,受此淪溺?」
佛告富樓那:「汝雖除疑,餘惑未盡。吾以世間現前諸事,今復問汝,汝豈不聞室羅城中演若達多,忽於晨朝以鏡照面,愛鏡中頭眉目可見,瞋責己頭不見面目,以為魑魅,無狀狂走。於意云何?此人何因無故狂走?」
富樓那言:「是人心狂,更無他故。」
Deutsch
Purna sprach:

„Im kostbaren Erwachen,
in runder Klarheit,
im wahren,
wunderbaren
und reinen Erleben
sind der Buddha und ich
nicht zwei
und vollständig.

Doch seit anfangsloser Zeit
bin ich in falsche Vorstellungen verstrickt
und habe lange
im Kreislauf verweilt.
Auch jetzt,
da ich den heiligen Pfad betreten habe,
ist es noch nicht endgültig.

Weltverehrter,
bei dir
sind alle Täuschungen
vollständig erloschen,
allein das wunderbar Wahre
und Beständige bleibt.

Ich frage:
Warum haben alle Wesen
Täuschung,
verdecken damit
das wunderbare Leuchten
und geraten
in dieses Hinabsinken?“

Der Buddha antwortete:

„Du hast Zweifel gelöst,
doch nicht alle Verwirrung ist beendet.

Ich frage dich nun
mit etwas,
das jedem bekannt ist:

In der Stadt Sravasti
gab es einen Mann,
namens Yajnadatta,
der eines Morgens
in einen Spiegel blickte,
Gefallen an seinem Spiegelbild fand,
aber darüber zornig wurde,
dass er seinen eigenen Kopf
nicht sehen konnte,
ihn für ein Trugwesen hielt
und ohne Grund
wahnsinnig davonlief.

Was meinst du:
Warum wurde dieser Mensch
ohne Ursache wahnsinnig?“

Purna sagte:

„Der Geist dieses Menschen
war verwirrt –
es gab keinen anderen Grund.“i
Kommentar
Dieser Abschnitt leitet den letzten großen Gleichniszyklus der Rolle 4 ein.
Hier verschiebt sich der Fokus endgültig von kosmologischer Verwirrung zu psychischer Verkennung.

1. Die letzte subtile Annahme Pūrṇas

Pūrṇa formuliert nun eine scheinbar ausgereifte Position:
• Erwachen ist ohne Zweiheit
• der Buddha ist frei von Täuschung
• doch Wesen bleiben verstrickt

Die Frage:

„Aus welchem Grund haben Wesen Täuschung?“

setzt jedoch erneut voraus,
dass Täuschung einen Ursprung habe.

Genau diese Annahme
wird nun geprüft.

2. Der Übergang vom Kosmos zum Spiegel

Der Buddha antwortet nicht abstrakt,
sondern mit einem alltäglichen Beispiel.

Das ist entscheidend:
Verblendung ist kein kosmisches Problem,
sondern ein Fehler der Selbstwahrnehmung.

3. Der Spiegel als Struktur des Ichs

Der Mann liebt das Spiegelbild,
weil es sichtbar ist,
und verachtet den eigenen Kopf,
weil er ihn nicht sehen kann.

Das zeigt:
• Sichtbarkeit wird mit Existenz verwechselt
• Unsichtbarkeit mit Mangel

Das Ich entsteht dort,
wo Wahrnehmung
falsch auf sich selbst angewandt wird.

4. Wahnsinn ohne Ursache

Der Buddha fragt:

„Aus welchem Grund lief er grundlos davon?“

Pūrṇas Antwort ist entscheidend:

„Der Geist war verwirrt; es gab keinen anderen Grund.“

Damit ist der Kern benannt:
Verblendung entsteht nicht aus einer Ursache,
sondern aus Fehlwahrnehmung ohne Grund.

5. Vorbereitung der radikalen Auflösung

Dieses Gleichnis wird im nächsten Abschnitt
auf alle Wesen ausgedehnt:
• Niemand verliert etwas
• Niemand gewinnt etwas
• Es gibt keinen Ursprung der Täuschung

Was fehlt,
ist kein Inhalt,
sondern Erkennen.

Damit ist die Bühne bereitet
für die endgültige Aussage:
Täuschung ist grundlos –
und gerade deshalb
auflösbar.
171 #
佛言:「妙覺明圓、本圓明妙,既稱為妄,云何有因?若有所因,云何名妄?自諸妄想展轉相因,從迷積迷以歷塵劫;雖佛發明,猶不能返。如是迷因,因迷自有。識迷無因,妄無所依;尚無有生,欲何為滅?得菩提者,如寤時人、說夢中事;心縱精明,欲何因緣取夢中物?況復無因本無所有。如彼城中演若達多,豈有因緣自怖頭走?忽然狂歇,頭非外得。縱未歇狂,亦何遺失?富樓那!妄性如是,因何為在?汝但不隨分別世間、業果、眾生、三種相續,三緣斷故,三因不生;則汝心中演若達多狂性自歇。歇即菩提,勝淨明心本周法界,不從人得;何藉劬勞肯綮修證?
Der Buddha sprach:

„Das wunderbare Erwachen
ist von sich aus
rund und klar.
Nennt man es
Verblendung,
wie könnte es
eine Ursache haben?
Hätte es eine Ursache,
wäre es keine Verblendung.

Verirrung
vermehrt sich
durch Verirrung;
aus Täuschung
häuft sich Täuschung
über unzählige Zeiten.
Doch selbst wenn sie
offengelegt wird,
gibt es nichts,
zu dem man zurückkehren müsste.

Täuschung
hat keine Ursache,
keinen Halt,
kein Entstehen.
Wo nichts entsteht,
gibt es nichts,
was vernichtet werden müsste.

Wer Bodhi verwirklicht,
ist wie jemand,
der aus einem Traum erwacht
und davon erzählt.
Mit welchem Grund
könnte man
Traumdinge
an sich nehmen?
Erst recht,
wenn sie
nie wirklich da waren.

Wie bei dem Mann,
der vor seinem eigenen Kopf davonlief:
Als der Wahnsinn endete,
war nichts
neu hinzugekommen.
Und selbst wenn er
nicht geendet hätte,
war nichts
verloren.

Purna,
so ist die Natur
der Täuschung:
grundlos.

Folge nur nicht
den Unterscheidungen
von Welt,
karmischer Wirkung
und Wesen –
den drei Fortsetzungen.
Wenn diese drei
nicht genährt werden,
hört der Wahnsinn
von selbst auf.

Dieses Aufhören
ist Bodhi.
Das klare,
reine Leuchtende
durchdringt alles
und gehört niemandem.
Warum also
mit Mühe
nach etwas streben,
das nie gefehlt hat?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die radikalste Analyse von Verblendung im gesamten Sutra.
Hier wird nicht nur der Ursprung von Täuschung bestritten, sondern die Frage nach dem Ursprung selbst aufgelöst.

1. Verblendung ohne Ursache

Der Buddha sagt ausdrücklich:
Wenn man Verblendung
eine Ursache zuschreibt,
ist sie keine Verblendung mehr.

Denn Verblendung ist
kein Ereignis,
kein Prozess,
kein Ding,
sondern ein grundloser Irrtum.

2. Warum es kein „Erlöschen“ zu bewirken gibt

Wo es kein Entstehen gibt,
gibt es auch nichts,
was ausgelöscht werden müsste.

Das ist der Kernpunkt:
Praxis ist nicht
das Vernichten von etwas,
sondern das Aufhören,
etwas zu unterstellen.

3. Der Traumvergleich

Der Erwachte
spricht über den Traum,
ohne ihn zu glauben.

Niemand versucht,
Traumgegenstände
nach dem Erwachen
zu bergen.

Genauso ist Welt:
Sie wird nicht bekämpft,
sondern durchschaut.

4. Der Wahnsinn des Yajñadatta

Der Mann
verlor nie seinen Kopf
und gewann ihn nicht zurück.

Verblendung ist
kein Verlust
und kein Mangel,
sondern Fehlorientierung.

5. Die drei Fortsetzungen

Welt,
karmische Wirkung
und Wesen
sind keine Ursachen,
sondern sich selbst erhaltende Denkbewegungen.

Folgt man ihnen nicht,
brechen sie zusammen –
ohne Gegenkraft.

6. Aufhören ist Bodhi

Der entscheidende Satz:

„Dieses Aufhören ist Bodhi.“

Bodhi ist
kein Zustand,
kein Besitz,
kein Ergebnis von Anstrengung.

Es ist das Ende
der Fehlannahme,
dass etwas fehlt.

7. Praxis ohne Mühe

Der Schluss ist provokant:
Warum mühsam üben,
wenn nichts zu erreichen ist?

Nicht, um Übung zu verneinen,
sondern um
falsche Zielgerichtetheit
zu durchtrennen.
中文原文
佛言:「妙覺明圓、本圓明妙,既稱為妄,云何有因?若有所因,云何名妄?自諸妄想展轉相因,從迷積迷以歷塵劫;雖佛發明,猶不能返。如是迷因,因迷自有。識迷無因,妄無所依;尚無有生,欲何為滅?得菩提者,如寤時人、說夢中事;心縱精明,欲何因緣取夢中物?況復無因本無所有。如彼城中演若達多,豈有因緣自怖頭走?忽然狂歇,頭非外得。縱未歇狂,亦何遺失?富樓那!妄性如是,因何為在?汝但不隨分別世間、業果、眾生、三種相續,三緣斷故,三因不生;則汝心中演若達多狂性自歇。歇即菩提,勝淨明心本周法界,不從人得;何藉劬勞肯綮修證?
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Das wunderbare Erwachen
ist von sich aus
rund und klar.
Nennt man es
Verblendung,
wie könnte es
eine Ursache haben?
Hätte es eine Ursache,
wäre es keine Verblendung.

Verirrung
vermehrt sich
durch Verirrung;
aus Täuschung
häuft sich Täuschung
über unzählige Zeiten.
Doch selbst wenn sie
offengelegt wird,
gibt es nichts,
zu dem man zurückkehren müsste.

Täuschung
hat keine Ursache,
keinen Halt,
kein Entstehen.
Wo nichts entsteht,
gibt es nichts,
was vernichtet werden müsste.

Wer Bodhi verwirklicht,
ist wie jemand,
der aus einem Traum erwacht
und davon erzählt.
Mit welchem Grund
könnte man
Traumdinge
an sich nehmen?
Erst recht,
wenn sie
nie wirklich da waren.

Wie bei dem Mann,
der vor seinem eigenen Kopf davonlief:
Als der Wahnsinn endete,
war nichts
neu hinzugekommen.
Und selbst wenn er
nicht geendet hätte,
war nichts
verloren.

Purna,
so ist die Natur
der Täuschung:
grundlos.

Folge nur nicht
den Unterscheidungen
von Welt,
karmischer Wirkung
und Wesen –
den drei Fortsetzungen.
Wenn diese drei
nicht genährt werden,
hört der Wahnsinn
von selbst auf.

Dieses Aufhören
ist Bodhi.
Das klare,
reine Leuchtende
durchdringt alles
und gehört niemandem.
Warum also
mit Mühe
nach etwas streben,
das nie gefehlt hat?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die radikalste Analyse von Verblendung im gesamten Sutra.
Hier wird nicht nur der Ursprung von Täuschung bestritten, sondern die Frage nach dem Ursprung selbst aufgelöst.

1. Verblendung ohne Ursache

Der Buddha sagt ausdrücklich:
Wenn man Verblendung
eine Ursache zuschreibt,
ist sie keine Verblendung mehr.

Denn Verblendung ist
kein Ereignis,
kein Prozess,
kein Ding,
sondern ein grundloser Irrtum.

2. Warum es kein „Erlöschen“ zu bewirken gibt

Wo es kein Entstehen gibt,
gibt es auch nichts,
was ausgelöscht werden müsste.

Das ist der Kernpunkt:
Praxis ist nicht
das Vernichten von etwas,
sondern das Aufhören,
etwas zu unterstellen.

3. Der Traumvergleich

Der Erwachte
spricht über den Traum,
ohne ihn zu glauben.

Niemand versucht,
Traumgegenstände
nach dem Erwachen
zu bergen.

Genauso ist Welt:
Sie wird nicht bekämpft,
sondern durchschaut.

4. Der Wahnsinn des Yajñadatta

Der Mann
verlor nie seinen Kopf
und gewann ihn nicht zurück.

Verblendung ist
kein Verlust
und kein Mangel,
sondern Fehlorientierung.

5. Die drei Fortsetzungen

Welt,
karmische Wirkung
und Wesen
sind keine Ursachen,
sondern sich selbst erhaltende Denkbewegungen.

Folgt man ihnen nicht,
brechen sie zusammen –
ohne Gegenkraft.

6. Aufhören ist Bodhi

Der entscheidende Satz:

„Dieses Aufhören ist Bodhi.“

Bodhi ist
kein Zustand,
kein Besitz,
kein Ergebnis von Anstrengung.

Es ist das Ende
der Fehlannahme,
dass etwas fehlt.

7. Praxis ohne Mühe

Der Schluss ist provokant:
Warum mühsam üben,
wenn nichts zu erreichen ist?

Nicht, um Übung zu verneinen,
sondern um
falsche Zielgerichtetheit
zu durchtrennen.
172 #
「譬如有人,於自衣中、繫如意珠,不自覺知,窮露他方,乞食馳走;雖實貧窮,珠不曾失,忽有智者指示其珠,所願從心,致大饒富,方悟神珠非從外得。」
即時阿難在大眾中,頂禮佛足,起立白佛:「世尊現說殺、盜、婬業三緣斷故,三因不生;心中達多狂性自歇,歇即菩提,不從人得。斯則因緣皎然明白,云何如來頓棄因緣?我從因緣心得開悟。世尊!此義何獨我等年少有學聲聞,今此會中大目[4]犍連,及舍利弗、須菩提等,從老梵志聞佛因緣,發心開悟得成無漏。今說菩提不從因緣,則王舍城拘舍梨等所說自然,成第一義![5]唯垂大悲開發迷悶!」
Der Buddha sprach:

„Es ist wie bei einem Menschen,
der in seinem eigenen Gewand
ein kostbares Juwel trägt
und es nicht weiß.
Er lebt in Armut,
zieht in fremde Länder
und bittet um Nahrung.
Doch das Juwel
ist nie verloren gegangen.

Erst als ein Weiser
ihn darauf hinweist,
erfüllen sich seine Wünsche,
und er erlangt Reichtum.
Dann erkennt er:
Dieses Juwel
kam nie von außen.“

Da erhob sich Ananda,
verneigte sich tief
und sprach:

„Weltverehrter,
du hast gelehrt,
dass mit dem Aufhören
von Töten,
Nehmen
und Begehren
die Ursachen des Leidens enden;
dass der Wahnsinn
im Geist von selbst aufhört;
dass dieses Aufhören
Bodhi ist
und nicht von außen erlangt wird.

Doch ich habe
durch das Verständnis
von Ursachen und Bedingungen
Einsicht gewonnen.
Und auch große Schüler
haben auf diesem Weg
die Ausflüsse beendet.

Wenn Bodhi
nicht aus Ursachen und Bedingungen entsteht,
würden dann nicht
die Lehren vom bloß Natürlichen
zur höchsten Wahrheit?

Ich bitte dich,
unsere Verwirrung
zu öffnen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt verbindet radikale Nicht-Erwerblichkeit mit pädagogischer Führung.

1. Das Juwel im Gewand

Das Wunschjuwel ist das klassische Mahāyāna-Gleichnis:
• nichts geht verloren
• nichts muss hinzugefügt werden
• Mangel ist Unwissen, nicht Verlust

Der Mensch ist arm,
nicht weil er nichts hat,
sondern weil er es nicht erkennt.

2. Der Weiser fügt nichts hinzu

Der Weiser gibt nichts.
Er zeigt nur hin.

Erkenntnis ist kein Erwerb,
sondern Entdeckung dessen,
was nie fehlte.

3. Ānandas berechtigter Einwand

Ānandas Frage ist nicht dumm,
sondern konsequent:
• Ursache–Wirkung
• Praxis
• Übung
haben ihn getragen

Wie kann das nun
plötzlich „falsch“ sein?

4. Ursache und Bedingung – relativ, nicht absolut

Der Buddha verwirft
Ursachen und Bedingungen
nicht absolut.

Er zeigt:
Sie erklären Veränderung,
aber nicht das,
was nicht entsteht.

Praxis wirkt dort,
wo Verstrickung besteht;
sie erzeugt aber nicht Bodhi.

5. Gefahr des Naturalismus

Ānanda fürchtet,
dass das „Natürliche“
zum höchsten Prinzip wird.

Diese Sorge ist berechtigt –
und wird im nächsten Abschnitt
präzise aufgefangen:
Nicht Ursache,
nicht Natürlichkeit,
sondern das Ende der falschen Zuschreibung
ist entscheidend.

6. Übergang zur letzten Klärung

Dieser Abschnitt bereitet
die endgültige Klärung vor:
• Ursache–Wirkung
• Natürlichkeit
• Erwachen

werden nicht gegeneinander ausgespielt,
sondern jeweils relativiert.

Der Buddha wird nun zeigen,
warum weder „Ursache“
noch „Natur“
als letzte Erklärung taugen.
中文原文
「譬如有人,於自衣中、繫如意珠,不自覺知,窮露他方,乞食馳走;雖實貧窮,珠不曾失,忽有智者指示其珠,所願從心,致大饒富,方悟神珠非從外得。」
即時阿難在大眾中,頂禮佛足,起立白佛:「世尊現說殺、盜、婬業三緣斷故,三因不生;心中達多狂性自歇,歇即菩提,不從人得。斯則因緣皎然明白,云何如來頓棄因緣?我從因緣心得開悟。世尊!此義何獨我等年少有學聲聞,今此會中大目[4]犍連,及舍利弗、須菩提等,從老梵志聞佛因緣,發心開悟得成無漏。今說菩提不從因緣,則王舍城拘舍梨等所說自然,成第一義![5]唯垂大悲開發迷悶!」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Es ist wie bei einem Menschen,
der in seinem eigenen Gewand
ein kostbares Juwel trägt
und es nicht weiß.
Er lebt in Armut,
zieht in fremde Länder
und bittet um Nahrung.
Doch das Juwel
ist nie verloren gegangen.

Erst als ein Weiser
ihn darauf hinweist,
erfüllen sich seine Wünsche,
und er erlangt Reichtum.
Dann erkennt er:
Dieses Juwel
kam nie von außen.“

Da erhob sich Ananda,
verneigte sich tief
und sprach:

„Weltverehrter,
du hast gelehrt,
dass mit dem Aufhören
von Töten,
Nehmen
und Begehren
die Ursachen des Leidens enden;
dass der Wahnsinn
im Geist von selbst aufhört;
dass dieses Aufhören
Bodhi ist
und nicht von außen erlangt wird.

Doch ich habe
durch das Verständnis
von Ursachen und Bedingungen
Einsicht gewonnen.
Und auch große Schüler
haben auf diesem Weg
die Ausflüsse beendet.

Wenn Bodhi
nicht aus Ursachen und Bedingungen entsteht,
würden dann nicht
die Lehren vom bloß Natürlichen
zur höchsten Wahrheit?

Ich bitte dich,
unsere Verwirrung
zu öffnen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt verbindet radikale Nicht-Erwerblichkeit mit pädagogischer Führung.

1. Das Juwel im Gewand

Das Wunschjuwel ist das klassische Mahāyāna-Gleichnis:
• nichts geht verloren
• nichts muss hinzugefügt werden
• Mangel ist Unwissen, nicht Verlust

Der Mensch ist arm,
nicht weil er nichts hat,
sondern weil er es nicht erkennt.

2. Der Weiser fügt nichts hinzu

Der Weiser gibt nichts.
Er zeigt nur hin.

Erkenntnis ist kein Erwerb,
sondern Entdeckung dessen,
was nie fehlte.

3. Ānandas berechtigter Einwand

Ānandas Frage ist nicht dumm,
sondern konsequent:
• Ursache–Wirkung
• Praxis
• Übung
haben ihn getragen

Wie kann das nun
plötzlich „falsch“ sein?

4. Ursache und Bedingung – relativ, nicht absolut

Der Buddha verwirft
Ursachen und Bedingungen
nicht absolut.

Er zeigt:
Sie erklären Veränderung,
aber nicht das,
was nicht entsteht.

Praxis wirkt dort,
wo Verstrickung besteht;
sie erzeugt aber nicht Bodhi.

5. Gefahr des Naturalismus

Ānanda fürchtet,
dass das „Natürliche“
zum höchsten Prinzip wird.

Diese Sorge ist berechtigt –
und wird im nächsten Abschnitt
präzise aufgefangen:
Nicht Ursache,
nicht Natürlichkeit,
sondern das Ende der falschen Zuschreibung
ist entscheidend.

6. Übergang zur letzten Klärung

Dieser Abschnitt bereitet
die endgültige Klärung vor:
• Ursache–Wirkung
• Natürlichkeit
• Erwachen

werden nicht gegeneinander ausgespielt,
sondern jeweils relativiert.

Der Buddha wird nun zeigen,
warum weder „Ursache“
noch „Natur“
als letzte Erklärung taugen.
173 #
佛告阿難:「即如城中演若達多,狂性因緣,若得滅除,則不狂性自然而出。因緣、自然,理窮於是。阿難!演若達多頭本自然,本自其然,無然非自,何因緣故怖頭狂走?若自然頭因緣故狂,何不自然因緣故失?本頭不失,狂怖妄出,曾無變易,何藉因緣?本狂自然,本有狂怖,未狂之際狂何所潛?不狂自然,頭本無妄,何為狂走?若悟本頭,識知狂走,因緣、自然俱為戲論。
Der Buddha sprach zu Ananda:

„Wie bei Yajnadatta:
Wenn der Wahnsinn,
der sich aus Ursachen und Bedingungen nährt,
aufhört,
tritt das Nicht-Wahnsinnige
von selbst hervor.

Damit stoßen
Ursache und Bedingung
und auch
die Idee des Natürlichen
an ihre Grenze.

Ananda,
der Kopf Yajnadattas
war von Anfang an so, wie er ist.
Warum sollte er
aus Ursachen und Bedingungen
in Angst vor seinem eigenen Kopf
davonlaufen?

Wenn der Kopf
durch Ursachen wahnsinnig geworden wäre,
hätte er
durch Ursachen auch verloren gehen müssen.
Doch nichts ging verloren;
nur grundlose Angst
trat auf.

Wenn Wahnsinn
von Natur aus da gewesen wäre,
wo war er,
bevor er ausbrach?
Wenn Nicht-Wahnsinn
die natürliche Verfassung ist,
warum dann
das wahnsinnige Davonlaufen?

Sobald man erkennt,
dass der Kopf nie verloren war
und das Davonlaufen nur Verkennung war,
werden sowohl
Ursache
als auch Natürlichkeit
zu bloßem Gedankenspiel.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die endgültige Klärung der Spannung zwischen
因緣 (Ursache/Bedingung) und 自然 (Natürlichkeit).

1. Warum Ursache und Natürlichkeit hier beide enden

Der Buddha zeigt:
• Verblendung ist nicht erklärbar durch Ursache
• aber ebenso wenig durch Natürlichkeit

Beide Modelle setzen voraus,
dass es etwas Reales zu erklären gäbe.

Hier wird gezeigt:
Es gab nie etwas,
das erklärt werden müsste.

2. Der Kopf als Prüfstein

Der Kopf ist:
• nie entstanden
• nie verloren
• nie verändert

Angst und Davonlaufen
sind grundlose Fehlorientierung.

Damit scheitert:
• Ursache → weil nichts bewirkt wurde
• Natürlichkeit → weil nichts von sich aus entstanden ist

3. Der falsche Gegensatz

Ursache und Natürlichkeit
sind hier zwei Seiten derselben Fehlannahme:
dass Verblendung
einen ontologischen Status habe.

Der Buddha sprengt diesen Gegensatz,
statt sich für eine Seite zu entscheiden.

4. Erkenntnis statt Erklärung

Sobald erkannt wird,
dass der Kopf nie verloren war,
lösen sich
Ursache
und Natürlichkeit
gleichermaßen auf.

Darum nennt der Buddha sie
„Spiel“:
gedankliche Modelle
ohne letzte Gültigkeit.

5. Konsequenz für Praxis

Praxis besteht hier nicht darin,
• Ursachen zu analysieren
• Natürlichkeit zu postulieren

sondern darin,
die Fehlannahme selbst zu durchschauen.

Nicht:
„Warum ist etwas geschehen?“
sondern:
„Ist überhaupt etwas geschehen?“

Damit ist der Boden bereitet
für den folgenden Abschnitt,
in dem der Buddha
die eigentliche Praxis
jenseits von Ursache und Natur formuliert.
中文原文
佛告阿難:「即如城中演若達多,狂性因緣,若得滅除,則不狂性自然而出。因緣、自然,理窮於是。阿難!演若達多頭本自然,本自其然,無然非自,何因緣故怖頭狂走?若自然頭因緣故狂,何不自然因緣故失?本頭不失,狂怖妄出,曾無變易,何藉因緣?本狂自然,本有狂怖,未狂之際狂何所潛?不狂自然,頭本無妄,何為狂走?若悟本頭,識知狂走,因緣、自然俱為戲論。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ananda:

„Wie bei Yajnadatta:
Wenn der Wahnsinn,
der sich aus Ursachen und Bedingungen nährt,
aufhört,
tritt das Nicht-Wahnsinnige
von selbst hervor.

Damit stoßen
Ursache und Bedingung
und auch
die Idee des Natürlichen
an ihre Grenze.

Ananda,
der Kopf Yajnadattas
war von Anfang an so, wie er ist.
Warum sollte er
aus Ursachen und Bedingungen
in Angst vor seinem eigenen Kopf
davonlaufen?

Wenn der Kopf
durch Ursachen wahnsinnig geworden wäre,
hätte er
durch Ursachen auch verloren gehen müssen.
Doch nichts ging verloren;
nur grundlose Angst
trat auf.

Wenn Wahnsinn
von Natur aus da gewesen wäre,
wo war er,
bevor er ausbrach?
Wenn Nicht-Wahnsinn
die natürliche Verfassung ist,
warum dann
das wahnsinnige Davonlaufen?

Sobald man erkennt,
dass der Kopf nie verloren war
und das Davonlaufen nur Verkennung war,
werden sowohl
Ursache
als auch Natürlichkeit
zu bloßem Gedankenspiel.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die endgültige Klärung der Spannung zwischen
因緣 (Ursache/Bedingung) und 自然 (Natürlichkeit).

1. Warum Ursache und Natürlichkeit hier beide enden

Der Buddha zeigt:
• Verblendung ist nicht erklärbar durch Ursache
• aber ebenso wenig durch Natürlichkeit

Beide Modelle setzen voraus,
dass es etwas Reales zu erklären gäbe.

Hier wird gezeigt:
Es gab nie etwas,
das erklärt werden müsste.

2. Der Kopf als Prüfstein

Der Kopf ist:
• nie entstanden
• nie verloren
• nie verändert

Angst und Davonlaufen
sind grundlose Fehlorientierung.

Damit scheitert:
• Ursache → weil nichts bewirkt wurde
• Natürlichkeit → weil nichts von sich aus entstanden ist

3. Der falsche Gegensatz

Ursache und Natürlichkeit
sind hier zwei Seiten derselben Fehlannahme:
dass Verblendung
einen ontologischen Status habe.

Der Buddha sprengt diesen Gegensatz,
statt sich für eine Seite zu entscheiden.

4. Erkenntnis statt Erklärung

Sobald erkannt wird,
dass der Kopf nie verloren war,
lösen sich
Ursache
und Natürlichkeit
gleichermaßen auf.

Darum nennt der Buddha sie
„Spiel“:
gedankliche Modelle
ohne letzte Gültigkeit.

5. Konsequenz für Praxis

Praxis besteht hier nicht darin,
• Ursachen zu analysieren
• Natürlichkeit zu postulieren

sondern darin,
die Fehlannahme selbst zu durchschauen.

Nicht:
„Warum ist etwas geschehen?“
sondern:
„Ist überhaupt etwas geschehen?“

Damit ist der Boden bereitet
für den folgenden Abschnitt,
in dem der Buddha
die eigentliche Praxis
jenseits von Ursache und Natur formuliert.
174 #
是故我言『三緣斷故即菩提心』,菩提心生,生滅心滅。此但生滅,滅生俱盡,無功用道。若有自然,如是則明自然心生,生滅心滅,此亦生滅;無生滅者名為自然。猶如世間諸相雜和成一體者,名和合性;非和合者稱本然性。本然非然,和合非合,合、然俱離,離、合俱非,此句方名無戲論法。
Der Buddha sprach:

„Darum sage ich:
Wenn die drei Bedingungen enden,
ist dies die Bodhi-Soheit.
Wenn die Bodhi-Soheit aufscheint,
erlischt der Geist
von Entstehen und Vergehen.

Doch auch dies
gehört noch
zum Bereich des Entstehenden.
Wenn Entstehen und Vergehen
vollständig enden,
zeigt sich
der Weg ohne Tun.

Spricht man von Natürlichkeit,
so gilt:
Bringt Natürlichkeit
einen Geist hervor,
so gehört auch dies
noch zum Entstehenden.
Was jenseits
von Entstehen und Vergehen ist,
erst das
nennt man natürlich.

Wie in der Welt
Erscheinungen
durch Vermischung
als Einheit erscheinen,
nennt man dies
Zusammenfügung.
Was nicht vermischt ist,
nennt man
das Ursprüngliche.

Doch das Ursprüngliche
ist nicht einfach „natürlich“,
und Zusammenfügung
ist nicht wirklich „zusammengefügt“.
Natürlichkeit
und Zusammenfügung
werden beide verlassen;
auch das Verlassen
ist kein Halt.
Erst dies
ist die Lehre
ohne Spiel und ohne Streit.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt bildet den formalen Abschluss der Auseinandersetzung mit
因緣 (Ursache/Bedingung), 自然 (Natürlichkeit) und allen vermittelnden Erklärungsmodellen.

1. „Drei Bedingungen enden“ – was damit gemeint ist

Die „drei Bedingungen“ beziehen sich auf die zuvor benannten
Fortsetzungen von Welt, Wirken und Wesen.

Ihr Ende bedeutet nicht,
dass etwas zerstört wird,
sondern dass keine falsche Zuschreibung mehr genährt wird.

Darum heißt es:
Wenn diese Bedingungen enden,
tritt die Bodhi-Soheit hervor.

2. Bodhi-Soheit und der Geist von Entstehen und Vergehen

Der Text unterscheidet klar:
• Bodhi-Soheit: nicht-vergehendes Aufscheinen
• Geist von Entstehen und Vergehen: funktionaler, verwirrter Geist

Wenn Bodhi-Soheit erscheint,
erlischt der Geist von Entstehen und Vergehen.

Doch auch dieses „Erscheinen“
ist noch sprachlich im Bereich des Entstehenden formuliert
und wird deshalb sofort relativiert.

3. Der „Weg ohne Tun“

Wenn Entstehen und Vergehen
vollständig erschöpft sind,
bleibt kein Tun,
kein Machen,
keine Technik.

Dies ist der klassische Ausdruck
für Nicht-Intentionalität:
kein Weg, der begangen wird,
sondern ein Aufhören
der Fehlbewegung.

4. Die Kritik an „Natürlichkeit“

Der Buddha zeigt,
dass auch „Natürlichkeit“
keine letzte Erklärung ist.

Sobald Natürlichkeit
als etwas gedacht wird,
das einen Geist hervorbringt,
gehört sie noch
zum Bereich von Entstehen und Vergehen.

Wirklich natürlich
ist nur das,
was nicht entsteht.

5. Zusammenfügung und Ursprünglichkeit

„Zusammenfügung“
steht für jede Erklärung,
die auf Kombination,
Mischung
oder Konstruktion beruht.

„Ursprünglichkeit“
steht für jede Erklärung,
die auf ein von sich aus Bestehendes verweist.

Der Buddha verwirft beide:
• Zusammengesetztes
• Ursprüngliches

Beide sind Denkmodelle,
keine Wirklichkeit.

6. Die Lehre ohne Spiel und Streit

Erst wenn:
• Ursache
• Natürlichkeit
• Zusammenfügung
• Ursprünglichkeit
• sogar das Verlassen dieser Begriffe

nicht mehr als Halt dienen,

spricht der Text von
der „Lehre ohne Spiel und Streit“.

Das bedeutet:
keine begriffliche Auseinandersetzung mehr,
kein Gegenstand,
keine Position.

Hier endet
jede Philosophie
und jede Ontologie.
中文原文
是故我言『三緣斷故即菩提心』,菩提心生,生滅心滅。此但生滅,滅生俱盡,無功用道。若有自然,如是則明自然心生,生滅心滅,此亦生滅;無生滅者名為自然。猶如世間諸相雜和成一體者,名和合性;非和合者稱本然性。本然非然,和合非合,合、然俱離,離、合俱非,此句方名無戲論法。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Darum sage ich:
Wenn die drei Bedingungen enden,
ist dies die Bodhi-Soheit.
Wenn die Bodhi-Soheit aufscheint,
erlischt der Geist
von Entstehen und Vergehen.

Doch auch dies
gehört noch
zum Bereich des Entstehenden.
Wenn Entstehen und Vergehen
vollständig enden,
zeigt sich
der Weg ohne Tun.

Spricht man von Natürlichkeit,
so gilt:
Bringt Natürlichkeit
einen Geist hervor,
so gehört auch dies
noch zum Entstehenden.
Was jenseits
von Entstehen und Vergehen ist,
erst das
nennt man natürlich.

Wie in der Welt
Erscheinungen
durch Vermischung
als Einheit erscheinen,
nennt man dies
Zusammenfügung.
Was nicht vermischt ist,
nennt man
das Ursprüngliche.

Doch das Ursprüngliche
ist nicht einfach „natürlich“,
und Zusammenfügung
ist nicht wirklich „zusammengefügt“.
Natürlichkeit
und Zusammenfügung
werden beide verlassen;
auch das Verlassen
ist kein Halt.
Erst dies
ist die Lehre
ohne Spiel und ohne Streit.“
Kommentar
Dieser Abschnitt bildet den formalen Abschluss der Auseinandersetzung mit
因緣 (Ursache/Bedingung), 自然 (Natürlichkeit) und allen vermittelnden Erklärungsmodellen.

1. „Drei Bedingungen enden“ – was damit gemeint ist

Die „drei Bedingungen“ beziehen sich auf die zuvor benannten
Fortsetzungen von Welt, Wirken und Wesen.

Ihr Ende bedeutet nicht,
dass etwas zerstört wird,
sondern dass keine falsche Zuschreibung mehr genährt wird.

Darum heißt es:
Wenn diese Bedingungen enden,
tritt die Bodhi-Soheit hervor.

2. Bodhi-Soheit und der Geist von Entstehen und Vergehen

Der Text unterscheidet klar:
• Bodhi-Soheit: nicht-vergehendes Aufscheinen
• Geist von Entstehen und Vergehen: funktionaler, verwirrter Geist

Wenn Bodhi-Soheit erscheint,
erlischt der Geist von Entstehen und Vergehen.

Doch auch dieses „Erscheinen“
ist noch sprachlich im Bereich des Entstehenden formuliert
und wird deshalb sofort relativiert.

3. Der „Weg ohne Tun“

Wenn Entstehen und Vergehen
vollständig erschöpft sind,
bleibt kein Tun,
kein Machen,
keine Technik.

Dies ist der klassische Ausdruck
für Nicht-Intentionalität:
kein Weg, der begangen wird,
sondern ein Aufhören
der Fehlbewegung.

4. Die Kritik an „Natürlichkeit“

Der Buddha zeigt,
dass auch „Natürlichkeit“
keine letzte Erklärung ist.

Sobald Natürlichkeit
als etwas gedacht wird,
das einen Geist hervorbringt,
gehört sie noch
zum Bereich von Entstehen und Vergehen.

Wirklich natürlich
ist nur das,
was nicht entsteht.

5. Zusammenfügung und Ursprünglichkeit

„Zusammenfügung“
steht für jede Erklärung,
die auf Kombination,
Mischung
oder Konstruktion beruht.

„Ursprünglichkeit“
steht für jede Erklärung,
die auf ein von sich aus Bestehendes verweist.

Der Buddha verwirft beide:
• Zusammengesetztes
• Ursprüngliches

Beide sind Denkmodelle,
keine Wirklichkeit.

6. Die Lehre ohne Spiel und Streit

Erst wenn:
• Ursache
• Natürlichkeit
• Zusammenfügung
• Ursprünglichkeit
• sogar das Verlassen dieser Begriffe

nicht mehr als Halt dienen,

spricht der Text von
der „Lehre ohne Spiel und Streit“.

Das bedeutet:
keine begriffliche Auseinandersetzung mehr,
kein Gegenstand,
keine Position.

Hier endet
jede Philosophie
und jede Ontologie.
175 #
菩提涅槃尚在遙遠,非汝歷劫辛勤修證,雖復憶持十方如來十二部經清淨妙理如恒河沙,秖益戲論。汝雖談說因緣、自然決定明了,人間稱汝多聞第一,以此積劫多聞[A7]薰習,不能免離摩登伽難。何[1]須待我佛頂神呪,摩登伽心婬火頓歇得阿那含;於我法中成精進林,愛河乾枯,令汝解脫。是故阿難!汝雖歷劫憶持如來祕密妙嚴,不如一日修無漏業,遠離世間憎、愛二苦。如摩登伽宿為婬女,由神呪力[A8]銷其愛欲,法中今名性比丘尼。與羅睺[2]羅母耶輸陀羅同悟宿因,知歷世因貪愛為苦,一念薰修無漏善故,或得出纏,或蒙授記。如何自欺,尚留觀聽!」
Der Buddha sprach:

„Bodhi und Nirvana
liegen nicht nahe
für den,
der sie
durch kalpa-lange Anstrengung
oder bloßes Lernen
erreichen will.
Selbst wenn du
die Lehren aller Buddhas
auswendig bewahrtest,
würde dies
nur weiteres Spiel
der Gedanken nähren.

Auch du, Ananda,
den man den Ersten
unter den Vielhörenden nennt,
konntest dich
durch all dieses Wissen
nicht vor Verstrickung schützen.
Erst als das Feuer der Begierde
durch die Kraft des Dharma
erlöschte,
wurde Befreiung möglich.

Sieh Matangi:
Einst lebte sie
in der Bindung der Begierde.
Doch als das Verlangen
durch die Kraft des Mantras
zur Ruhe kam,
versiegte der Strom der Anhaftung,
und Befreiung wurde wirklich.
Im Dharma
wird sie nun
als Bhikshuni der Wesens-Reinheit
genannt.

Und sieh Yasodhara,
die Mutter Rahulas:
Auch sie erkannte
die Ursachen früherer Leben
und wusste,
dass Anhaftung
über viele Existenzen hinweg
Leiden hervorbringt.
Durch eine einzige,
durchdringende Regung
ausflussloser Übung
konnten einige
die Fesseln abstreifen,
andere
eine Verheißung empfangen.

Darum sage ich:
Ein einziger Tag
ausflussloser Übung,
fern von Anhaftung
und Abneigung,
wiegt mehr
als Kalpas
des bloßen Bewahrens.

Was verloren ging,
war nicht Reinheit,
sondern Klarheit.
Was sich löste,
war nicht etwas Neues,
sondern das Alte,
das band.

Warum also
täuschst du dich selbst
und bleibst
beim bloßen Hören stehen?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die unmissverständliche Abrechnung des Sutras mit
Vielhörigkeit, Begriffswissen und bloßer Theorie.

1. Warum Bodhi und Nirvāṇa „fern“ genannt werden

„Fern“ meint hier nicht zeitlich,
sondern methodisch.

Solange man versucht,
Bodhi
durch Anhäufung,
Anstrengung
oder begriffliche Durchdringung
zu erreichen,
bleibt es unerreichbar.

Nicht, weil es fehlt,
sondern weil es verfehlt wird.

2. Die Kritik an Vielhörigkeit

Der Buddha richtet die Kritik
nicht gegen Lernen,
sondern gegen
Lernen ohne Aufhören der Fehlbewegung.

Viel Wissen
kann den verwirrten Geist
verfeinern,
aber nicht beenden.

Darum nennt der Text
alles bloße Memorieren
„Spiel der Begriffe“.

3. Mātaṅgī als Gegenbeispiel

Mātaṅgī steht
für unmittelbare Wandlung,
nicht für moralische Leistung.

Ihr Beispiel zeigt:
• Befreiung geschieht nicht
durch Vorwissen
• sondern durch
das Erlöschen der Anhaftung

Nicht Zeit,
sondern Richtung
ist entscheidend.

4. „Ausflusslose Übung“

Die ausflusslose Übung
ist kein Tun,
sondern Nicht-Weiterfließen
von Anhaftung und Abneigung.

Ein einziger Augenblick,
in dem diese Bewegung endet,
wiegt mehr
als Äonen
des bloßen Sammelns.

5. Der eigentliche Vorwurf

Der Buddha wirft Ānanda
nicht Unwissen vor,
sondern Selbsttäuschung.

Nicht:
„Du weißt zu wenig.“
Sondern:
„Du hältst Wissen für genug.“

6. Übergang zum Schluss von Rolle 4

Mit diesem Abschnitt
ist alles gesagt,
was gesagt werden kann.

Was folgt,
ist keine neue Lehre,
sondern die Aufforderung zur Entscheidung:

weiter hören
oder aufhören zu verfehlen.
中文原文
菩提涅槃尚在遙遠,非汝歷劫辛勤修證,雖復憶持十方如來十二部經清淨妙理如恒河沙,秖益戲論。汝雖談說因緣、自然決定明了,人間稱汝多聞第一,以此積劫多聞[A7]薰習,不能免離摩登伽難。何[1]須待我佛頂神呪,摩登伽心婬火頓歇得阿那含;於我法中成精進林,愛河乾枯,令汝解脫。是故阿難!汝雖歷劫憶持如來祕密妙嚴,不如一日修無漏業,遠離世間憎、愛二苦。如摩登伽宿為婬女,由神呪力[A8]銷其愛欲,法中今名性比丘尼。與羅睺[2]羅母耶輸陀羅同悟宿因,知歷世因貪愛為苦,一念薰修無漏善故,或得出纏,或蒙授記。如何自欺,尚留觀聽!」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Bodhi und Nirvana
liegen nicht nahe
für den,
der sie
durch kalpa-lange Anstrengung
oder bloßes Lernen
erreichen will.
Selbst wenn du
die Lehren aller Buddhas
auswendig bewahrtest,
würde dies
nur weiteres Spiel
der Gedanken nähren.

Auch du, Ananda,
den man den Ersten
unter den Vielhörenden nennt,
konntest dich
durch all dieses Wissen
nicht vor Verstrickung schützen.
Erst als das Feuer der Begierde
durch die Kraft des Dharma
erlöschte,
wurde Befreiung möglich.

Sieh Matangi:
Einst lebte sie
in der Bindung der Begierde.
Doch als das Verlangen
durch die Kraft des Mantras
zur Ruhe kam,
versiegte der Strom der Anhaftung,
und Befreiung wurde wirklich.
Im Dharma
wird sie nun
als Bhikshuni der Wesens-Reinheit
genannt.

Und sieh Yasodhara,
die Mutter Rahulas:
Auch sie erkannte
die Ursachen früherer Leben
und wusste,
dass Anhaftung
über viele Existenzen hinweg
Leiden hervorbringt.
Durch eine einzige,
durchdringende Regung
ausflussloser Übung
konnten einige
die Fesseln abstreifen,
andere
eine Verheißung empfangen.

Darum sage ich:
Ein einziger Tag
ausflussloser Übung,
fern von Anhaftung
und Abneigung,
wiegt mehr
als Kalpas
des bloßen Bewahrens.

Was verloren ging,
war nicht Reinheit,
sondern Klarheit.
Was sich löste,
war nicht etwas Neues,
sondern das Alte,
das band.

Warum also
täuschst du dich selbst
und bleibst
beim bloßen Hören stehen?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die unmissverständliche Abrechnung des Sutras mit
Vielhörigkeit, Begriffswissen und bloßer Theorie.

1. Warum Bodhi und Nirvāṇa „fern“ genannt werden

„Fern“ meint hier nicht zeitlich,
sondern methodisch.

Solange man versucht,
Bodhi
durch Anhäufung,
Anstrengung
oder begriffliche Durchdringung
zu erreichen,
bleibt es unerreichbar.

Nicht, weil es fehlt,
sondern weil es verfehlt wird.

2. Die Kritik an Vielhörigkeit

Der Buddha richtet die Kritik
nicht gegen Lernen,
sondern gegen
Lernen ohne Aufhören der Fehlbewegung.

Viel Wissen
kann den verwirrten Geist
verfeinern,
aber nicht beenden.

Darum nennt der Text
alles bloße Memorieren
„Spiel der Begriffe“.

3. Mātaṅgī als Gegenbeispiel

Mātaṅgī steht
für unmittelbare Wandlung,
nicht für moralische Leistung.

Ihr Beispiel zeigt:
• Befreiung geschieht nicht
durch Vorwissen
• sondern durch
das Erlöschen der Anhaftung

Nicht Zeit,
sondern Richtung
ist entscheidend.

4. „Ausflusslose Übung“

Die ausflusslose Übung
ist kein Tun,
sondern Nicht-Weiterfließen
von Anhaftung und Abneigung.

Ein einziger Augenblick,
in dem diese Bewegung endet,
wiegt mehr
als Äonen
des bloßen Sammelns.

5. Der eigentliche Vorwurf

Der Buddha wirft Ānanda
nicht Unwissen vor,
sondern Selbsttäuschung.

Nicht:
„Du weißt zu wenig.“
Sondern:
„Du hältst Wissen für genug.“

6. Übergang zum Schluss von Rolle 4

Mit diesem Abschnitt
ist alles gesagt,
was gesagt werden kann.

Was folgt,
ist keine neue Lehre,
sondern die Aufforderung zur Entscheidung:

weiter hören
oder aufhören zu verfehlen.
176 #
阿難及諸大眾,聞佛示誨,疑惑銷除,心悟實相;身意輕安得未曾有!重復悲淚,頂禮佛足,長跪合掌而白佛言:「無上大悲清淨寶王善開我心!能以如是種種因緣方便提獎,引諸沈冥出於苦海。世尊!我今雖承如是法音,知如來藏妙覺明心遍十方界,含育如來十方國土、清淨寶嚴妙覺王剎;如來復責多聞無功,不逮修習。我今猶如旅泊之人,忽蒙天王賜[3]以華屋。雖獲大宅,要因門入,唯願如來不捨大悲,示我在會諸蒙暗者捐捨小乘,[4]畢獲如來無餘涅槃本發心路!令有學者,從何攝伏疇昔攀緣,得陀羅尼,入佛知見?」作是語已,五體投地。在會一心,佇佛慈旨。
Ananda
und die große Versammlung
hörten die Worte des Buddha.
Zweifel lösten sich,
und ein tiefes Verstehen
ging auf.
Körper und Sinn
wurden leicht und still,
wie nie zuvor.

Unter Tränen
verneigte sich Ananda,
kniete lange
und sprach:

„Großes Mitgefühl,
reiner Schatz!
Du hast mein Inneres geöffnet
und die Versunkenen
aus dem Meer des Leidens geführt.

Auch wenn ich nun weiß,
dass der Tathagata-Speicher
alles durchdringt
und die reinen Erwachensreiche trägt,
zeigst du mir doch,
dass bloßes Wissen
nicht genügt.

Ich gleiche einem Reisenden,
dem ein prächtiges Haus geschenkt wird.
Auch wenn es ihm gehört,
muss er
durch das Tor eintreten.

Ich bitte dich:
Zeige uns,
die wir noch im Dunkel stehen,
wie wir
das Kleine loslassen,
den ursprünglichen Pfad gehen,
frühere Anhaftungen zur Ruhe bringen
und
in die Buddha-Erkenntnis eintreten können.“

Nachdem er gesprochen hatte,
warf er sich nieder.
Die Versammlung
verharrte gesammelt
und wartete
auf die Antwort des Buddha.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt bildet den Übergang von Einsicht zu Bitte um Praxis.

1. Auflösung der Zweifel – aber noch kein Abschluss

Ānandas Zweifel sind gelöst,
doch seine Bitte zeigt:
Verstehen allein
ist noch kein Gehen.

Er erkennt die Weite
des Tathāgata-Speichers,
doch fragt nun
nach dem Tor.

2. Körperliche Zeichen der Wandlung

Leichtigkeit von Körper und Sinn
zeigt:
Die Einsicht ist nicht nur begrifflich,
sondern existenziell.

Doch sie bleibt
noch ohne Richtung der Übung.

3. Das Gleichnis vom Haus

Das Haus steht
für das, was nie fehlte.
Das Tor steht
für den Eintritt
in die lebendige Praxis.

Der Buddha hat
nicht etwas Neues gegeben,
sondern gezeigt,
dass Eintreten
nicht automatisch geschieht.

4. Die Bitte um den Weg

Ānanda bittet nicht
um weitere Erklärung,
sondern um Anleitung,
wie Anhaftung endet,
wie Sammlung reift,
wie Einsicht
verkörpert wird.

Damit ist der Boden bereitet
für den nächsten Abschnitt,
in dem der Buddha
die entscheidenden Kriterien
des Anfangs der Praxis
darlegt.
中文原文
阿難及諸大眾,聞佛示誨,疑惑銷除,心悟實相;身意輕安得未曾有!重復悲淚,頂禮佛足,長跪合掌而白佛言:「無上大悲清淨寶王善開我心!能以如是種種因緣方便提獎,引諸沈冥出於苦海。世尊!我今雖承如是法音,知如來藏妙覺明心遍十方界,含育如來十方國土、清淨寶嚴妙覺王剎;如來復責多聞無功,不逮修習。我今猶如旅泊之人,忽蒙天王賜[3]以華屋。雖獲大宅,要因門入,唯願如來不捨大悲,示我在會諸蒙暗者捐捨小乘,[4]畢獲如來無餘涅槃本發心路!令有學者,從何攝伏疇昔攀緣,得陀羅尼,入佛知見?」作是語已,五體投地。在會一心,佇佛慈旨。
Deutsch
Ananda
und die große Versammlung
hörten die Worte des Buddha.
Zweifel lösten sich,
und ein tiefes Verstehen
ging auf.
Körper und Sinn
wurden leicht und still,
wie nie zuvor.

Unter Tränen
verneigte sich Ananda,
kniete lange
und sprach:

„Großes Mitgefühl,
reiner Schatz!
Du hast mein Inneres geöffnet
und die Versunkenen
aus dem Meer des Leidens geführt.

Auch wenn ich nun weiß,
dass der Tathagata-Speicher
alles durchdringt
und die reinen Erwachensreiche trägt,
zeigst du mir doch,
dass bloßes Wissen
nicht genügt.

Ich gleiche einem Reisenden,
dem ein prächtiges Haus geschenkt wird.
Auch wenn es ihm gehört,
muss er
durch das Tor eintreten.

Ich bitte dich:
Zeige uns,
die wir noch im Dunkel stehen,
wie wir
das Kleine loslassen,
den ursprünglichen Pfad gehen,
frühere Anhaftungen zur Ruhe bringen
und
in die Buddha-Erkenntnis eintreten können.“

Nachdem er gesprochen hatte,
warf er sich nieder.
Die Versammlung
verharrte gesammelt
und wartete
auf die Antwort des Buddha.
Kommentar
Dieser Abschnitt bildet den Übergang von Einsicht zu Bitte um Praxis.

1. Auflösung der Zweifel – aber noch kein Abschluss

Ānandas Zweifel sind gelöst,
doch seine Bitte zeigt:
Verstehen allein
ist noch kein Gehen.

Er erkennt die Weite
des Tathāgata-Speichers,
doch fragt nun
nach dem Tor.

2. Körperliche Zeichen der Wandlung

Leichtigkeit von Körper und Sinn
zeigt:
Die Einsicht ist nicht nur begrifflich,
sondern existenziell.

Doch sie bleibt
noch ohne Richtung der Übung.

3. Das Gleichnis vom Haus

Das Haus steht
für das, was nie fehlte.
Das Tor steht
für den Eintritt
in die lebendige Praxis.

Der Buddha hat
nicht etwas Neues gegeben,
sondern gezeigt,
dass Eintreten
nicht automatisch geschieht.

4. Die Bitte um den Weg

Ānanda bittet nicht
um weitere Erklärung,
sondern um Anleitung,
wie Anhaftung endet,
wie Sammlung reift,
wie Einsicht
verkörpert wird.

Damit ist der Boden bereitet
für den nächsten Abschnitt,
in dem der Buddha
die entscheidenden Kriterien
des Anfangs der Praxis
darlegt.
177 #
爾時,世尊哀愍會中緣覺、聲聞於菩提心未自在者,及為當來佛滅度後末法眾生發菩[5]提心,開無上乘妙修行路。宣示阿難及諸大眾:「汝等決定發菩提心,於佛如來妙三摩提不生疲惓,應當先明發覺初心二決定義。
「云何初心二義決定?
Da erbarmte sich der Buddha
der Versammlung:
der Einzelerwachten,
der Hörenden
und der künftigen Menschen
in Zeiten der Verfinsterung.

Um ihnen
die Bodhi-Soheit zu eröffnen
und den stillen,
wunderbaren Weg
des höchsten Fahrzeugs
zugänglich zu machen,
sprach er:

„Wenn ihr
entschlossen
nicht mehr verfehlen wollt
und im stillen Samadhi
des Erwachens
nicht ermüdet,
dann müsst ihr
zuerst
zwei entscheidende Punkte
des anfänglichen Erwachens
klar sehen.

Welche sind
diese zwei
entscheidenden Punkte?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den formalen Übergang von Bitte zu Weg.

1. Mitgefühl als Struktur, nicht als Emotion

Das „Erbarmen“ des Buddha
ist keine Gefühlsregung,
sondern eine öffnende Bewegung:
Er macht den Weg zugänglich
für jene,
bei denen die Bodhi-Soheit
noch nicht frei wirksam ist.

Mitgefühl bedeutet hier:
den Punkt zu zeigen,
an dem Verfehlung endet.

2. Bodhi-Soheit noch „nicht frei“

Dass die Bodhi-Soheit
„noch nicht frei“ ist,
bedeutet nicht,
dass sie fehlt,
sondern dass sie
noch durch alte Bewegungen
gebunden ist.

Das gilt:
• für Śrāvakas
• für Pratyekabuddhas
• und ausdrücklich
für künftige Menschen
im Zeitalter des Niedergangs

Der Text weitet sich hier
über den historischen Kontext hinaus.

3. Der höchste Weg ist kein Zusatz

Der „wunderbare Übungsweg
des höchsten Fahrzeugs“
ist kein neues System,
sondern die Freilegung dessen,
was schon da ist.

Darum wird nicht gelehrt:
mehr tun,
sondern:
zuerst richtig sehen.

4. Die zwei entscheidenden Bedeutungen

Mit der Ankündigung
der „zwei entscheidenden Bedeutungen“
zieht der Text eine klare Linie:

Nicht Vielfalt,
nicht Techniken,
nicht Stufen
stehen am Anfang,

sondern zwei präzise Klärungen,
ohne die jede Praxis
in Wiederholung verfällt.

Der folgende Abschnitt
wird diese beiden Punkte
ohne Umschweife benennen
und bildet den praktischen Kern
der gesamten Rolle 4.
中文原文
爾時,世尊哀愍會中緣覺、聲聞於菩提心未自在者,及為當來佛滅度後末法眾生發菩[5]提心,開無上乘妙修行路。宣示阿難及諸大眾:「汝等決定發菩提心,於佛如來妙三摩提不生疲惓,應當先明發覺初心二決定義。
「云何初心二義決定?
Deutsch
Da erbarmte sich der Buddha
der Versammlung:
der Einzelerwachten,
der Hörenden
und der künftigen Menschen
in Zeiten der Verfinsterung.

Um ihnen
die Bodhi-Soheit zu eröffnen
und den stillen,
wunderbaren Weg
des höchsten Fahrzeugs
zugänglich zu machen,
sprach er:

„Wenn ihr
entschlossen
nicht mehr verfehlen wollt
und im stillen Samadhi
des Erwachens
nicht ermüdet,
dann müsst ihr
zuerst
zwei entscheidende Punkte
des anfänglichen Erwachens
klar sehen.

Welche sind
diese zwei
entscheidenden Punkte?“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den formalen Übergang von Bitte zu Weg.

1. Mitgefühl als Struktur, nicht als Emotion

Das „Erbarmen“ des Buddha
ist keine Gefühlsregung,
sondern eine öffnende Bewegung:
Er macht den Weg zugänglich
für jene,
bei denen die Bodhi-Soheit
noch nicht frei wirksam ist.

Mitgefühl bedeutet hier:
den Punkt zu zeigen,
an dem Verfehlung endet.

2. Bodhi-Soheit noch „nicht frei“

Dass die Bodhi-Soheit
„noch nicht frei“ ist,
bedeutet nicht,
dass sie fehlt,
sondern dass sie
noch durch alte Bewegungen
gebunden ist.

Das gilt:
• für Śrāvakas
• für Pratyekabuddhas
• und ausdrücklich
für künftige Menschen
im Zeitalter des Niedergangs

Der Text weitet sich hier
über den historischen Kontext hinaus.

3. Der höchste Weg ist kein Zusatz

Der „wunderbare Übungsweg
des höchsten Fahrzeugs“
ist kein neues System,
sondern die Freilegung dessen,
was schon da ist.

Darum wird nicht gelehrt:
mehr tun,
sondern:
zuerst richtig sehen.

4. Die zwei entscheidenden Bedeutungen

Mit der Ankündigung
der „zwei entscheidenden Bedeutungen“
zieht der Text eine klare Linie:

Nicht Vielfalt,
nicht Techniken,
nicht Stufen
stehen am Anfang,

sondern zwei präzise Klärungen,
ohne die jede Praxis
in Wiederholung verfällt.

Der folgende Abschnitt
wird diese beiden Punkte
ohne Umschweife benennen
und bildet den praktischen Kern
der gesamten Rolle 4.
178 #
「阿難!第一義者,汝等若欲捐捨聲聞,修菩薩乘,入佛知見,應當審觀因地發心,與果地覺為同、為異?阿難!若於因地,以生滅心為本修因,而求佛乘不生不滅,無有是處。以是義故,汝當照明諸器世間可作之法,皆從變滅。阿難!汝觀世間可作之法,誰為不壞?然終不聞爛壞虛空。何以故?空非可作,由是始終無壞滅故。則汝身中堅相為地,潤濕為水,煖觸為火,動搖為風。由此四纏,分汝湛圓妙覺明心為視、為聽、為覺、為察,從始入終,五疊渾濁。云何為濁?阿難!譬如清水清潔本然;即彼塵土灰沙之倫,本質留礙,二體法爾,性不相循。有世間人,取彼土塵投於淨水,土失留礙,水亡清潔,容貌[A9]汩然,[A10]名之為濁。汝濁五重,亦復如是。
Der Buddha sprach:

„Ananda,
die erste
entscheidende Klärung ist diese:

Wenn ihr
den begrenzten Weg aufgeben,
den weiten Weg gehen
und in die Erkenntnis der Buddhas eintreten wollt,
dann prüft genau,
ob das,
womit ihr beginnt,
mit dem übereinstimmt,
was ihr sucht.

Wenn ihr
mit dem Geist
von Entstehen und Vergehen übt
und damit
das Ungeborene
und Unvergängliche sucht,
kann dies nicht gelingen.

Schaut auf die Welt:
Alles,
was gemacht ist,
verändert sich
und vergeht.
Doch der Raum
wird nie zerstört,
weil er
nicht gemacht ist.

So ist auch euer Körper:
Festes als Erde,
Feuchtes als Wasser,
Wärme als Feuer,
Bewegung als Wind.
Durch diese Verstrickungen
zersplittert sich
das stille,
runde Erwachen
in Sehen,
Hören,
Fühlen
und Denken
und erscheint
als fünf Schichten
der Trübung.

Stellt euch
klares Wasser vor.
Staub
macht es trüb.
Nicht,
weil Wasser schlecht wäre,
sondern weil
etwas Fremdes
hineingerät.

So entstehen
auch eure Trübungen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt formuliert die erste grundlegende Klärung des Weges:
Die Übereinstimmung von Anfang und Ziel.

1. Anfang und Ziel müssen übereinstimmen

Der Buddha stellt eine scharfe Frage:
Ist das,
womit ihr übt,
von derselben Art
wie das,
was ihr erreichen wollt?

Wenn das Ziel
ungeboren
und unvergänglich ist,
kann der Ausgangspunkt
nicht etwas sein,
das entsteht
und vergeht.

Dies ist kein moralisches,
sondern ein methodisches Argument.

2. Kritik am „Geist von Entstehen und Vergehen“

Der „Geist von Entstehen und Vergehen“
bezeichnet den funktionalen,
unterscheidenden Geist,
der immer in Bewegung ist.

Mit ihm
kann man Wandel verstehen,
aber nicht das,
was jenseits von Wandel liegt.

Darum ist er
als Werkzeug
für dieses Ziel
ungeeignet.

3. Raum als Gegenbeispiel

Der Raum
ist nicht unzerstörbar,
weil er besonders stark wäre,
sondern weil er
nicht hergestellt ist.

Der Buddha nutzt hier
kein metaphysisches Argument,
sondern ein strukturelles:
Was nicht gemacht ist,
kann nicht zerstört werden.

4. Die fünf Trübungen

Die Aufspaltung
in Sehen,
Hören,
Fühlen
und Erkennen
ist keine ursprüngliche Gegebenheit,
sondern das Ergebnis
von Verstrickung.

Die fünf Trübungen
sind keine Sünden,
sondern Mischungen:
Etwas Klares
wird mit etwas Fremdem vermengt.

5. Das Bild vom Wasser

Das Wasser
ist von sich aus klar.
Die Trübung entsteht
nicht aus dem Wasser,
sondern aus dem Staub.

So entsteht Verwirrung
nicht aus dem Erwachen,
sondern aus der Vermischung
mit dem Herstellbaren.

6. Praxisfolgen

Praxis bedeutet hier
nicht,
mehr zu tun,
sondern
das Falsche nicht mehr beizumischen.

Der Weg beginnt
nicht mit Anstrengung,
sondern mit
der richtigen Wahl
dessen,
womit man beginnt.
中文原文
「阿難!第一義者,汝等若欲捐捨聲聞,修菩薩乘,入佛知見,應當審觀因地發心,與果地覺為同、為異?阿難!若於因地,以生滅心為本修因,而求佛乘不生不滅,無有是處。以是義故,汝當照明諸器世間可作之法,皆從變滅。阿難!汝觀世間可作之法,誰為不壞?然終不聞爛壞虛空。何以故?空非可作,由是始終無壞滅故。則汝身中堅相為地,潤濕為水,煖觸為火,動搖為風。由此四纏,分汝湛圓妙覺明心為視、為聽、為覺、為察,從始入終,五疊渾濁。云何為濁?阿難!譬如清水清潔本然;即彼塵土灰沙之倫,本質留礙,二體法爾,性不相循。有世間人,取彼土塵投於淨水,土失留礙,水亡清潔,容貌[A9]汩然,[A10]名之為濁。汝濁五重,亦復如是。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ananda,
die erste
entscheidende Klärung ist diese:

Wenn ihr
den begrenzten Weg aufgeben,
den weiten Weg gehen
und in die Erkenntnis der Buddhas eintreten wollt,
dann prüft genau,
ob das,
womit ihr beginnt,
mit dem übereinstimmt,
was ihr sucht.

Wenn ihr
mit dem Geist
von Entstehen und Vergehen übt
und damit
das Ungeborene
und Unvergängliche sucht,
kann dies nicht gelingen.

Schaut auf die Welt:
Alles,
was gemacht ist,
verändert sich
und vergeht.
Doch der Raum
wird nie zerstört,
weil er
nicht gemacht ist.

So ist auch euer Körper:
Festes als Erde,
Feuchtes als Wasser,
Wärme als Feuer,
Bewegung als Wind.
Durch diese Verstrickungen
zersplittert sich
das stille,
runde Erwachen
in Sehen,
Hören,
Fühlen
und Denken
und erscheint
als fünf Schichten
der Trübung.

Stellt euch
klares Wasser vor.
Staub
macht es trüb.
Nicht,
weil Wasser schlecht wäre,
sondern weil
etwas Fremdes
hineingerät.

So entstehen
auch eure Trübungen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt formuliert die erste grundlegende Klärung des Weges:
Die Übereinstimmung von Anfang und Ziel.

1. Anfang und Ziel müssen übereinstimmen

Der Buddha stellt eine scharfe Frage:
Ist das,
womit ihr übt,
von derselben Art
wie das,
was ihr erreichen wollt?

Wenn das Ziel
ungeboren
und unvergänglich ist,
kann der Ausgangspunkt
nicht etwas sein,
das entsteht
und vergeht.

Dies ist kein moralisches,
sondern ein methodisches Argument.

2. Kritik am „Geist von Entstehen und Vergehen“

Der „Geist von Entstehen und Vergehen“
bezeichnet den funktionalen,
unterscheidenden Geist,
der immer in Bewegung ist.

Mit ihm
kann man Wandel verstehen,
aber nicht das,
was jenseits von Wandel liegt.

Darum ist er
als Werkzeug
für dieses Ziel
ungeeignet.

3. Raum als Gegenbeispiel

Der Raum
ist nicht unzerstörbar,
weil er besonders stark wäre,
sondern weil er
nicht hergestellt ist.

Der Buddha nutzt hier
kein metaphysisches Argument,
sondern ein strukturelles:
Was nicht gemacht ist,
kann nicht zerstört werden.

4. Die fünf Trübungen

Die Aufspaltung
in Sehen,
Hören,
Fühlen
und Erkennen
ist keine ursprüngliche Gegebenheit,
sondern das Ergebnis
von Verstrickung.

Die fünf Trübungen
sind keine Sünden,
sondern Mischungen:
Etwas Klares
wird mit etwas Fremdem vermengt.

5. Das Bild vom Wasser

Das Wasser
ist von sich aus klar.
Die Trübung entsteht
nicht aus dem Wasser,
sondern aus dem Staub.

So entsteht Verwirrung
nicht aus dem Erwachen,
sondern aus der Vermischung
mit dem Herstellbaren.

6. Praxisfolgen

Praxis bedeutet hier
nicht,
mehr zu tun,
sondern
das Falsche nicht mehr beizumischen.

Der Weg beginnt
nicht mit Anstrengung,
sondern mit
der richtigen Wahl
dessen,
womit man beginnt.
179 #
「阿難!汝見虛空遍十方界,空見不分。有空無體,有見無覺,相織妄成;是第一重名為劫濁。汝身現摶四大為體,見、聞、覺、知[A11]壅令留礙,水、火、風、土旋令覺知,相織妄成;是第二重名為見濁。又汝心中憶識誦習,性發知見,容現六塵,離塵無相,離覺無性,相織妄成;是第三重名煩惱濁。又汝朝夕生滅不停,知見每欲留於世間,業運每常遷於國土,相織妄成;是第四重名眾生濁。汝等見聞元無異性,眾塵隔越,無狀異生,性中相知,用中相背,同異失準,相織妄成;是第五重名為命濁。
Der Buddha sprach:

„Ananda,
du siehst den Raum
als allgegenwärtig,
doch Raum und Wahrnehmen
sind dabei
nicht klar unterschieden.
Raum hat keinen Körper,
Wahrnehmen kein Erwachen;
beides vermischt
erzeugt Täuschung.
Dies ist
die erste Trübung:
die Trübung der Zeit.

Dein Körper
ist aus den vier Elementen gebildet.
Dadurch werden
Sehen,
Hören,
Fühlen
und Denken
verfestigt,
während die Elemente
das Erkennen
ständig bewegen.
Diese Vermischung
erzeugt Täuschung.
Dies ist
die zweite Trübung:
die Trübung des Sehens.

Im Geist
wirken Erinnern
und Wissen;
so erscheinen
die Sinnesobjekte.
Ohne Objekte
keine Erscheinung,
ohne Erkennen
keine Bestimmung;
beides vermischt
erzeugt Täuschung.
Dies ist
die dritte Trübung:
die Trübung der Verstrickung.

Tag und Nacht
entsteht und vergeht
unaufhörlich;
das Erkennen
will bleiben,
das Wirken
wandert weiter.
Diese Vermischung
erzeugt Täuschung.
Dies ist
die vierte Trübung:
die Trübung der Wesen.

Sehen und Hören
sind ursprünglich nicht getrennt;
durch die Vielzahl
der Eindrücke
entsteht Verschiedenheit.
In ihrem Grund
sind sie verbunden,
in ihrer Anwendung
stehen sie gegeneinander;
Maß und Unterscheidung
gehen verloren.
Diese Vermischung
erzeugt Täuschung.
Dies ist
die fünfte Trübung:
die Trübung des Lebens.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt entfaltet systematisch die fünf Trübungen als Schichten von Vermischung, nicht als eigenständige Entitäten.

1. Trübung als Vermischung, nicht als Makel

Jede Trübung entsteht,
weil zwei ursprünglich verschiedene Ebenen
miteinander verwechselt werden:
Raum und Wahrnehmen,
Elemente und Erkennen,
Objekte und Wissen,
Dauer und Bewegung,
Natur und Funktion.

Trübung ist keine Schuld,
sondern eine Überlagerung.

2. Von kosmisch zu existenziell

Die Reihenfolge ist nicht zufällig:
Sie führt
vom umfassenden Kontext (Zeitalter)
über Wahrnehmung
und Affekt
bis zur existenziellen Verstrickung
in Leben und Tod.

Damit zeigt der Text:
Die Welt „außen“
und das Erleben „innen“
sind Teil derselben Struktur.

3. Keine eigenständigen Wesen

Wichtig ist:
Keine Trübung ist
ein eigenes Ding.
Sie entstehen nur,
solange Vermischung besteht.

Darum können sie
nicht „beseitigt“,
sondern nur entmischt werden.

4. Praxisimplikation

Praxis bedeutet hier:
nicht neue Reinheit erzeugen,
sondern
die falsche Kopplung lösen.

Wo Raum nicht mehr
für Wahrnehmen gehalten wird,
wo Erkennen nicht mehr
an Elemente gebunden ist,
klärt sich die Trübung
von selbst.

5. Vorbereitung des nächsten Abschnitts

Nach der Benennung der fünf Trübungen
wird der Text zeigen,
wie sie sich konkret
in den sechs Sinneswurzeln
manifestieren
und wo der Ansatzpunkt
für die praktische Umkehr liegt.
中文原文
「阿難!汝見虛空遍十方界,空見不分。有空無體,有見無覺,相織妄成;是第一重名為劫濁。汝身現摶四大為體,見、聞、覺、知[A11]壅令留礙,水、火、風、土旋令覺知,相織妄成;是第二重名為見濁。又汝心中憶識誦習,性發知見,容現六塵,離塵無相,離覺無性,相織妄成;是第三重名煩惱濁。又汝朝夕生滅不停,知見每欲留於世間,業運每常遷於國土,相織妄成;是第四重名眾生濁。汝等見聞元無異性,眾塵隔越,無狀異生,性中相知,用中相背,同異失準,相織妄成;是第五重名為命濁。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ananda,
du siehst den Raum
als allgegenwärtig,
doch Raum und Wahrnehmen
sind dabei
nicht klar unterschieden.
Raum hat keinen Körper,
Wahrnehmen kein Erwachen;
beides vermischt
erzeugt Täuschung.
Dies ist
die erste Trübung:
die Trübung der Zeit.

Dein Körper
ist aus den vier Elementen gebildet.
Dadurch werden
Sehen,
Hören,
Fühlen
und Denken
verfestigt,
während die Elemente
das Erkennen
ständig bewegen.
Diese Vermischung
erzeugt Täuschung.
Dies ist
die zweite Trübung:
die Trübung des Sehens.

Im Geist
wirken Erinnern
und Wissen;
so erscheinen
die Sinnesobjekte.
Ohne Objekte
keine Erscheinung,
ohne Erkennen
keine Bestimmung;
beides vermischt
erzeugt Täuschung.
Dies ist
die dritte Trübung:
die Trübung der Verstrickung.

Tag und Nacht
entsteht und vergeht
unaufhörlich;
das Erkennen
will bleiben,
das Wirken
wandert weiter.
Diese Vermischung
erzeugt Täuschung.
Dies ist
die vierte Trübung:
die Trübung der Wesen.

Sehen und Hören
sind ursprünglich nicht getrennt;
durch die Vielzahl
der Eindrücke
entsteht Verschiedenheit.
In ihrem Grund
sind sie verbunden,
in ihrer Anwendung
stehen sie gegeneinander;
Maß und Unterscheidung
gehen verloren.
Diese Vermischung
erzeugt Täuschung.
Dies ist
die fünfte Trübung:
die Trübung des Lebens.“
Kommentar
Dieser Abschnitt entfaltet systematisch die fünf Trübungen als Schichten von Vermischung, nicht als eigenständige Entitäten.

1. Trübung als Vermischung, nicht als Makel

Jede Trübung entsteht,
weil zwei ursprünglich verschiedene Ebenen
miteinander verwechselt werden:
Raum und Wahrnehmen,
Elemente und Erkennen,
Objekte und Wissen,
Dauer und Bewegung,
Natur und Funktion.

Trübung ist keine Schuld,
sondern eine Überlagerung.

2. Von kosmisch zu existenziell

Die Reihenfolge ist nicht zufällig:
Sie führt
vom umfassenden Kontext (Zeitalter)
über Wahrnehmung
und Affekt
bis zur existenziellen Verstrickung
in Leben und Tod.

Damit zeigt der Text:
Die Welt „außen“
und das Erleben „innen“
sind Teil derselben Struktur.

3. Keine eigenständigen Wesen

Wichtig ist:
Keine Trübung ist
ein eigenes Ding.
Sie entstehen nur,
solange Vermischung besteht.

Darum können sie
nicht „beseitigt“,
sondern nur entmischt werden.

4. Praxisimplikation

Praxis bedeutet hier:
nicht neue Reinheit erzeugen,
sondern
die falsche Kopplung lösen.

Wo Raum nicht mehr
für Wahrnehmen gehalten wird,
wo Erkennen nicht mehr
an Elemente gebunden ist,
klärt sich die Trübung
von selbst.

5. Vorbereitung des nächsten Abschnitts

Nach der Benennung der fünf Trübungen
wird der Text zeigen,
wie sie sich konkret
in den sechs Sinneswurzeln
manifestieren
und wo der Ansatzpunkt
für die praktische Umkehr liegt.
180 #
「阿難!汝今欲令見、聞、覺、知遠契如來常、樂、我、淨,應當先擇死生根本,依不生滅圓湛性成,以湛旋其虛妄滅生,[6]伏還元覺,得元明覺無生滅性,為因地心;然後圓成果地修證。如澄濁水貯於[7]淨器,靜深不動,沙土自沈,清水現前,名為初伏客塵煩惱。去泥純水,名為永斷根本無明。明相精純,一切變現不為煩惱,皆合涅槃清淨妙德。
Der Buddha sprach:

„Ananda,
wenn Sehen,
Hören,
Fühlen
und Erkennen
wirklich übereinstimmen sollen
mit dem,
was bei den Buddhas
beständig,
frei,
nicht-haftend
und rein ist,
dann beginne
an der Wurzel von Geburt und Tod.

Stütze dich
auf das,
was nicht entsteht
und nicht vergeht,
auf die stille,
runde Gegenwärtigkeit.
Mit dieser Ruhe
wende dich
gegen das trügerische Werden,
zähme es
und kehre zurück
zu dem,
was nie verloren war.

So wird das,
was ohne Entstehen und Vergehen ist,
zur Grundlage des Weges.
Erst dann
kann sich die Frucht
ohne Bruch entfalten.

Es ist wie
trübes Wasser
in einem klaren Gefäß:
Wenn nichts bewegt wird,
sinkt der Schlamm von selbst,
und klares Wasser
tritt hervor.
Das ist
das erste Stillwerden
der umherziehenden Verstrickungen.

Ist der Schlamm
vollständig entfernt,
bleibt reines Wasser zurück.
Das nennt man
das endgültige Ende
der grundlegenden Verblendung.

Ist die Klarheit
ganz rein,
werden Erscheinungen
nicht mehr zur Fessel,
sondern stimmen
mit der stillen,
reinen Wirklichkeit
des Nirvana überein.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt den eigentlichen Ansatzpunkt der Praxis –
nicht als Technik, sondern als Wahl des richtigen Fundaments.

1. Die Wurzel von Geburt und Tod

Der Buddha fordert Ānanda auf,
nicht an Erscheinungen zu arbeiten,
sondern die Wurzel zu wählen,
auf der jede Praxis steht.

Wer mit dem
Entstehenden
das Nicht-Entstehende sucht,
verfehlt das Ziel
bereits am Anfang.

2. Nicht-Entstehen als Grundlage, nicht als Ziel

Das Nicht-Entstehende
wird hier
nicht als Endzustand beschrieben,
sondern als tragfähiger Grund.

Praxis beginnt nicht damit,
etwas Neues zu erreichen,
sondern damit,
sich nicht länger
auf das Falsche zu stützen.

3. Ruhe als Entmischung

Die „Stille“
ist kein Zustand,
sondern das Aufhören der Durchmischung.

Wie beim Wasser
klärt sich nichts durch Eingreifen,
sondern durch
Nicht-Bewegen.

4. Zwei Stufen der Klärung

Der Text unterscheidet klar:
• erstes Stillwerden
→ wandernde, fremde Verstrickungen kommen zur Ruhe
• endgültige Klärung
→ die grundlegende Unwissenheit fällt weg

Beides geschieht
nicht durch Kampf,
sondern durch
das richtige Stehenlassen.

5. Nirvāṇa ohne Abwendung

Wenn die Klarheit
vollständig rein ist,
werden Erscheinungen
nicht mehr zum Problem.

Nirvāṇa
ist hier
keine Abkehr von der Welt,
sondern
eine Welt,
die nicht mehr bindet.
中文原文
「阿難!汝今欲令見、聞、覺、知遠契如來常、樂、我、淨,應當先擇死生根本,依不生滅圓湛性成,以湛旋其虛妄滅生,[6]伏還元覺,得元明覺無生滅性,為因地心;然後圓成果地修證。如澄濁水貯於[7]淨器,靜深不動,沙土自沈,清水現前,名為初伏客塵煩惱。去泥純水,名為永斷根本無明。明相精純,一切變現不為煩惱,皆合涅槃清淨妙德。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ananda,
wenn Sehen,
Hören,
Fühlen
und Erkennen
wirklich übereinstimmen sollen
mit dem,
was bei den Buddhas
beständig,
frei,
nicht-haftend
und rein ist,
dann beginne
an der Wurzel von Geburt und Tod.

Stütze dich
auf das,
was nicht entsteht
und nicht vergeht,
auf die stille,
runde Gegenwärtigkeit.
Mit dieser Ruhe
wende dich
gegen das trügerische Werden,
zähme es
und kehre zurück
zu dem,
was nie verloren war.

So wird das,
was ohne Entstehen und Vergehen ist,
zur Grundlage des Weges.
Erst dann
kann sich die Frucht
ohne Bruch entfalten.

Es ist wie
trübes Wasser
in einem klaren Gefäß:
Wenn nichts bewegt wird,
sinkt der Schlamm von selbst,
und klares Wasser
tritt hervor.
Das ist
das erste Stillwerden
der umherziehenden Verstrickungen.

Ist der Schlamm
vollständig entfernt,
bleibt reines Wasser zurück.
Das nennt man
das endgültige Ende
der grundlegenden Verblendung.

Ist die Klarheit
ganz rein,
werden Erscheinungen
nicht mehr zur Fessel,
sondern stimmen
mit der stillen,
reinen Wirklichkeit
des Nirvana überein.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt den eigentlichen Ansatzpunkt der Praxis –
nicht als Technik, sondern als Wahl des richtigen Fundaments.

1. Die Wurzel von Geburt und Tod

Der Buddha fordert Ānanda auf,
nicht an Erscheinungen zu arbeiten,
sondern die Wurzel zu wählen,
auf der jede Praxis steht.

Wer mit dem
Entstehenden
das Nicht-Entstehende sucht,
verfehlt das Ziel
bereits am Anfang.

2. Nicht-Entstehen als Grundlage, nicht als Ziel

Das Nicht-Entstehende
wird hier
nicht als Endzustand beschrieben,
sondern als tragfähiger Grund.

Praxis beginnt nicht damit,
etwas Neues zu erreichen,
sondern damit,
sich nicht länger
auf das Falsche zu stützen.

3. Ruhe als Entmischung

Die „Stille“
ist kein Zustand,
sondern das Aufhören der Durchmischung.

Wie beim Wasser
klärt sich nichts durch Eingreifen,
sondern durch
Nicht-Bewegen.

4. Zwei Stufen der Klärung

Der Text unterscheidet klar:
• erstes Stillwerden
→ wandernde, fremde Verstrickungen kommen zur Ruhe
• endgültige Klärung
→ die grundlegende Unwissenheit fällt weg

Beides geschieht
nicht durch Kampf,
sondern durch
das richtige Stehenlassen.

5. Nirvāṇa ohne Abwendung

Wenn die Klarheit
vollständig rein ist,
werden Erscheinungen
nicht mehr zum Problem.

Nirvāṇa
ist hier
keine Abkehr von der Welt,
sondern
eine Welt,
die nicht mehr bindet.
181 #
「第二義者,汝等必欲發菩提心,於菩薩乘生大勇猛,決定棄捐諸有為相,應當審詳煩惱根本。此無始來發業潤生,誰作誰受?阿難!汝修菩提,若不審觀煩惱根本,則不能知虛妄根塵何處顛倒?處尚不知,云何降伏取如來位?阿難!汝觀世間解結之人,不見所結,云何知解?不聞虛空被汝[A12]隳裂。何以故?空無[8]相形,無結、解故。則汝現前眼、耳、鼻、舌、及與身、心,六為賊媒,自劫家寶;由此無始眾生世界生纏縛故,於器世間不能超越。
Der Buddha sprach:

„Die zweite
entscheidende Klärung ist diese:

Wenn ihr
wirklich nicht mehr verfehlen wollt,
auf dem weiten Weg
große Entschlossenheit lebt
und alles Gemachte
loslassen möchtet,
dann prüft genau,
wo die Verstrickung beginnt.

Seit anfangsloser Zeit
nährt sie das Tun
und hält das Werden in Gang –
doch wer handelt hier,
und wer trägt die Folgen?

Ananda,
wenn du die Wurzel der Verstrickung
nicht erkennst,
weißt du auch nicht,
wo Wahrnehmen und Ergreifen
sich verkehren.
Kennst du diesen Punkt nicht,
wie willst du ihn lösen?

Wer einen Knoten lösen will,
muss den Knoten sehen.
Niemand hat je gehört,
dass der Raum
zerrissen werden müsste,
um frei zu sein.

So sind es
die sechs Sinne –
Sehen,
Hören,
Riechen,
Schmecken,
Fühlen
und Denken –,
die wie Räuber
das eigene Haus plündern.
Darum bleiben Wesen
seit jeher verstrickt
und kommen
über die Dingwelt
nicht hinaus.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt benennt den konkreten Ansatzpunkt der Befreiung:
nicht im Außen, sondern in der Wurzel der Verstrickung selbst.

1. Zweite Klärung: Wo entsteht Bindung?

Nachdem die erste Klärung
das richtige Fundament bestimmt hat,
zeigt die zweite:
wo Verfehlung tatsächlich einsetzt.

Nicht in abstrakten Prinzipien,
sondern dort,
wo Wahrnehmen
zu Ergreifen wird.

2. Die Frage „Wer handelt, wer empfängt?“

Diese Frage unterläuft
jede einfache Täter-Opfer-Logik.

Der Buddha deutet an:
Verstrickung funktioniert,
ohne dass ein festes „Jemand“
handelnd oder empfangend
gefunden werden kann.

3. Der Knoten als präzises Bild

Verstrickung ist wie ein Knoten:
• nicht im Raum
• nicht in den Dingen
• sondern in der Verbindung

Wer den Ort des Knotens
nicht sieht,
kann ihn nicht lösen.

4. Raum als Gegenbeispiel

Der Raum ist frei,
nicht weil er gelöst wurde,
sondern weil er
nie gebunden war.

Damit wird klar:
Befreiung geschieht
nicht durch Zerstörung,
sondern durch
Erkennen dessen,
was nie gebunden war.

5. Die sechs Sinne als Ansatzpunkt

Die sechs Sinne
sind nicht Feinde,
sondern Schnittstellen.

Sie werden zu „Räubern“,
wenn sie
unbemerkt
Ergreifen weitertragen.

Hier setzt die Praxis an:
nicht durch Verneinung der Sinne,
sondern durch
das Durchschauen ihres Wirkens.

6. Konsequenz für den Weg

Wer Bodhi nicht verfehlen will,
muss wissen,
wo Verfehlung beginnt.

Nicht im Kosmos,
nicht im Schicksal,
nicht im Anderen,
sondern
im unbemerkten Zusammenspiel
von Wahrnehmen und Greifen.
中文原文
「第二義者,汝等必欲發菩提心,於菩薩乘生大勇猛,決定棄捐諸有為相,應當審詳煩惱根本。此無始來發業潤生,誰作誰受?阿難!汝修菩提,若不審觀煩惱根本,則不能知虛妄根塵何處顛倒?處尚不知,云何降伏取如來位?阿難!汝觀世間解結之人,不見所結,云何知解?不聞虛空被汝[A12]隳裂。何以故?空無[8]相形,無結、解故。則汝現前眼、耳、鼻、舌、及與身、心,六為賊媒,自劫家寶;由此無始眾生世界生纏縛故,於器世間不能超越。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Die zweite
entscheidende Klärung ist diese:

Wenn ihr
wirklich nicht mehr verfehlen wollt,
auf dem weiten Weg
große Entschlossenheit lebt
und alles Gemachte
loslassen möchtet,
dann prüft genau,
wo die Verstrickung beginnt.

Seit anfangsloser Zeit
nährt sie das Tun
und hält das Werden in Gang –
doch wer handelt hier,
und wer trägt die Folgen?

Ananda,
wenn du die Wurzel der Verstrickung
nicht erkennst,
weißt du auch nicht,
wo Wahrnehmen und Ergreifen
sich verkehren.
Kennst du diesen Punkt nicht,
wie willst du ihn lösen?

Wer einen Knoten lösen will,
muss den Knoten sehen.
Niemand hat je gehört,
dass der Raum
zerrissen werden müsste,
um frei zu sein.

So sind es
die sechs Sinne –
Sehen,
Hören,
Riechen,
Schmecken,
Fühlen
und Denken –,
die wie Räuber
das eigene Haus plündern.
Darum bleiben Wesen
seit jeher verstrickt
und kommen
über die Dingwelt
nicht hinaus.“
Kommentar
Dieser Abschnitt benennt den konkreten Ansatzpunkt der Befreiung:
nicht im Außen, sondern in der Wurzel der Verstrickung selbst.

1. Zweite Klärung: Wo entsteht Bindung?

Nachdem die erste Klärung
das richtige Fundament bestimmt hat,
zeigt die zweite:
wo Verfehlung tatsächlich einsetzt.

Nicht in abstrakten Prinzipien,
sondern dort,
wo Wahrnehmen
zu Ergreifen wird.

2. Die Frage „Wer handelt, wer empfängt?“

Diese Frage unterläuft
jede einfache Täter-Opfer-Logik.

Der Buddha deutet an:
Verstrickung funktioniert,
ohne dass ein festes „Jemand“
handelnd oder empfangend
gefunden werden kann.

3. Der Knoten als präzises Bild

Verstrickung ist wie ein Knoten:
• nicht im Raum
• nicht in den Dingen
• sondern in der Verbindung

Wer den Ort des Knotens
nicht sieht,
kann ihn nicht lösen.

4. Raum als Gegenbeispiel

Der Raum ist frei,
nicht weil er gelöst wurde,
sondern weil er
nie gebunden war.

Damit wird klar:
Befreiung geschieht
nicht durch Zerstörung,
sondern durch
Erkennen dessen,
was nie gebunden war.

5. Die sechs Sinne als Ansatzpunkt

Die sechs Sinne
sind nicht Feinde,
sondern Schnittstellen.

Sie werden zu „Räubern“,
wenn sie
unbemerkt
Ergreifen weitertragen.

Hier setzt die Praxis an:
nicht durch Verneinung der Sinne,
sondern durch
das Durchschauen ihres Wirkens.

6. Konsequenz für den Weg

Wer Bodhi nicht verfehlen will,
muss wissen,
wo Verfehlung beginnt.

Nicht im Kosmos,
nicht im Schicksal,
nicht im Anderen,
sondern
im unbemerkten Zusammenspiel
von Wahrnehmen und Greifen.
182 #
「阿難!云何名為眾生世界?世為遷流,界為方位。汝今當知東、西、南、北、東南、西南、東北、西北、上、下為界,過去、未來、現在為世;[9]方位有十,流數有三。一切眾生織妄相成,身中貿遷,世界相涉。而此界性設雖十方定位可明,世間秖目東、西、南、北;上、下無位,中無定方。四數必明,與世相涉;三四、四三,宛轉十二;流變三疊,一、十、百、千。總括始終,六根之中,各各功德有千二百。
Der Buddha sprach:

„Ananda,
was man
die Welt der Wesen nennt,
ist nichts anderes
als Wandel
und Einteilung.

‚Welt‘ bedeutet
fortlaufendes Vergehen,
‚Bereich‘ bedeutet
Richtung und Abgrenzung.

Zehn Richtungen
und drei Zeiten
geben diesem Wandel
seine Ordnung.

Doch diese Ordnung
ist nicht gegeben,
sondern entsteht
durch das Verweben
trügerischer Erscheinungen.
Im Körper
wandelt sich dies fort,
und Welt
und Wesen
durchdringen einander.

Obwohl man
zehn Richtungen unterscheiden kann,
spricht man meist
nur von vier;
oben,
unten
und Mitte
haben keinen festen Ort.

Zeit und Richtung
verflechten sich
und vervielfältigen sich
zu immer neuen Zählungen.

So entfaltet sich
die Welt
nicht als Gegebenheit,
sondern als Ordnung
des Unterscheidens.

Am Ende
zeigt sich:
In den sechs Sinnen
liegen jeweils
tausendzweihundert
Weisen der Wirksamkeit.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zerlegt den Begriff „Welt“ in seine gedanklichen Bestandteile.

1. Welt ist Fluss, nicht Ort

Der Buddha definiert „Welt“ nicht als Raum,
sondern als Fließen.
Sie ist Zeitlichkeit,
nicht Substanz.

2. Bereich ist Abgrenzung, nicht Realität

„Bereich“ bezeichnet
Richtung,
Grenze,
Orientierung.

Diese sind
keine Eigenschaften der Wirklichkeit,
sondern Ordnungskategorien des Erkennens.

3. Welt entsteht durch Verweben

Die Welt der Wesen
ist kein Objekt,
sondern das Ergebnis
eines fortgesetzten
Verwebens von Unterscheidungen.

Welt und Wesen
entstehen gemeinsam
und bedingen einander.

4. Die Relativität von Richtung und Mitte

Dass oben,
unten
und Mitte
keinen festen Ort haben,
zeigt:
Orientierung ist relativ,
nicht absolut.

5. Zählung als Zeichen der Verstrickung

Die mathematischen Reihen
zeigen,
wie aus einfacher Unterscheidung
komplexe Systeme entstehen.

Zählung ersetzt Einsicht.

6. Vorbereitung der Sinneslehre

Die abschließende Zahl
tausendzweihundert
weist voraus
auf die detaillierte Analyse
der sechs Sinne,
in der der Buddha zeigen wird,
wie diese Ordnung
konkret wirkt.
中文原文
「阿難!云何名為眾生世界?世為遷流,界為方位。汝今當知東、西、南、北、東南、西南、東北、西北、上、下為界,過去、未來、現在為世;[9]方位有十,流數有三。一切眾生織妄相成,身中貿遷,世界相涉。而此界性設雖十方定位可明,世間秖目東、西、南、北;上、下無位,中無定方。四數必明,與世相涉;三四、四三,宛轉十二;流變三疊,一、十、百、千。總括始終,六根之中,各各功德有千二百。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ananda,
was man
die Welt der Wesen nennt,
ist nichts anderes
als Wandel
und Einteilung.

‚Welt‘ bedeutet
fortlaufendes Vergehen,
‚Bereich‘ bedeutet
Richtung und Abgrenzung.

Zehn Richtungen
und drei Zeiten
geben diesem Wandel
seine Ordnung.

Doch diese Ordnung
ist nicht gegeben,
sondern entsteht
durch das Verweben
trügerischer Erscheinungen.
Im Körper
wandelt sich dies fort,
und Welt
und Wesen
durchdringen einander.

Obwohl man
zehn Richtungen unterscheiden kann,
spricht man meist
nur von vier;
oben,
unten
und Mitte
haben keinen festen Ort.

Zeit und Richtung
verflechten sich
und vervielfältigen sich
zu immer neuen Zählungen.

So entfaltet sich
die Welt
nicht als Gegebenheit,
sondern als Ordnung
des Unterscheidens.

Am Ende
zeigt sich:
In den sechs Sinnen
liegen jeweils
tausendzweihundert
Weisen der Wirksamkeit.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zerlegt den Begriff „Welt“ in seine gedanklichen Bestandteile.

1. Welt ist Fluss, nicht Ort

Der Buddha definiert „Welt“ nicht als Raum,
sondern als Fließen.
Sie ist Zeitlichkeit,
nicht Substanz.

2. Bereich ist Abgrenzung, nicht Realität

„Bereich“ bezeichnet
Richtung,
Grenze,
Orientierung.

Diese sind
keine Eigenschaften der Wirklichkeit,
sondern Ordnungskategorien des Erkennens.

3. Welt entsteht durch Verweben

Die Welt der Wesen
ist kein Objekt,
sondern das Ergebnis
eines fortgesetzten
Verwebens von Unterscheidungen.

Welt und Wesen
entstehen gemeinsam
und bedingen einander.

4. Die Relativität von Richtung und Mitte

Dass oben,
unten
und Mitte
keinen festen Ort haben,
zeigt:
Orientierung ist relativ,
nicht absolut.

5. Zählung als Zeichen der Verstrickung

Die mathematischen Reihen
zeigen,
wie aus einfacher Unterscheidung
komplexe Systeme entstehen.

Zählung ersetzt Einsicht.

6. Vorbereitung der Sinneslehre

Die abschließende Zahl
tausendzweihundert
weist voraus
auf die detaillierte Analyse
der sechs Sinne,
in der der Buddha zeigen wird,
wie diese Ordnung
konkret wirkt.
183 #
「阿難!汝復於中克定優劣。如眼觀見,後暗、前明,前方全明,後方全暗,左、右[10]傍觀三分之二,統論所作功德不全;三分言功,一分無德,當知眼唯八百功德。如耳周聽十方無遺,動若邇遙,[A13]靜無邊際,當知耳根圓滿一千二百功德。如鼻嗅聞通出入息,有出有入而闕中交,驗於[11]鼻根三分闕一,當知鼻唯八百功德。如舌宣揚盡諸世間、出世間智,言有方分,理無窮盡,當知舌根圓滿一千二百功德。如身覺觸識於違順,合時能覺,離中不知,離一合雙,驗於[1]身根三分闕一,當知身唯八百功德。如意默容十方三世一切世間出世間法,[*]惟聖與凡無不苞容盡其涯際,當知意根圓滿一千二百功德。
Der Buddha sprach:

„Ananda,
nun prüfe genau,
wo Begrenzung
und wo Weite liegt.

Das Auge sieht:
vorn hell,
hinten dunkel.
Seitlich
ist es eingeschränkt.
Seine Wirksamkeit
ist nicht ganz;
es erreicht
achthundert Möglichkeiten.

Das Ohr hört
in alle Richtungen.
In Bewegung
kennt es Nähe und Ferne,
in Ruhe
keine Grenze.
Seine Wirksamkeit
ist vollständig:
tausendzweihundert Möglichkeiten.

Die Nase
begleitet
Ein- und Ausatmen.
Zwischen Ein und Aus
fehlt die Verbindung.
Darum ist auch hier
die Wirksamkeit begrenzt:
achthundert Möglichkeiten.

Die Zunge
vermittelt Erkenntnis.
Worte sind begrenzt,
doch Sinn
ist nicht begrenzt.
Ihre Wirksamkeit
ist vollständig:
tausendzweihundert Möglichkeiten.

Der Körper fühlt
Berührung.
In Verbindung
ist Fühlen möglich,
in Trennung nicht.
Auch hier ist
die Wirksamkeit begrenzt:
achthundert Möglichkeiten.

Das Denken
kann still
alles umfassen –
Zeit und Raum,
Welt und Überwelt.
Seine Wirksamkeit
ist vollständig:
tausendzweihundert Möglichkeiten.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine Wertung der Sinne, sondern eine präzise Funktionsanalyse.

1. „Überlegenheit“ meint Reichweite, nicht Wert

Der Buddha spricht
nicht von besser oder schlechter,
sondern von
vollständig oder begrenzt.

Vollständig bedeutet:
nicht an eine Richtung,
einen Zustand
oder eine Bedingung gebunden.

2. Warum Auge, Nase und Körper begrenzt sind

Diese Sinne
sind räumlich
oder situativ gebunden:
• das Auge an Richtung
• die Nase an Atembewegung
• der Körper an Berührung

Ihre Begrenzung
ist strukturell,
nicht moralisch.

3. Warum Ohr, Zunge und Denken vollständig sind

Diese Sinne
sind nicht
an eine feste Richtung gebunden:
• Hören ist raumoffen
• Sprache trägt Sinn jenseits von Ort
• Denken kann still umfassen

Das macht sie
zu geeigneten Toren
für weiterführende Praxis.

4. Vorbereitung der Wahl eines Tores

Diese Analyse ist
keine Theorie,
sondern eine Vorbereitung.

Der Buddha wird gleich zeigen,
dass ein einziges Tor
genügt,
um die Verstrickung
umzukehren –
wenn es
nicht weiter verfehlt wird.
中文原文
「阿難!汝復於中克定優劣。如眼觀見,後暗、前明,前方全明,後方全暗,左、右[10]傍觀三分之二,統論所作功德不全;三分言功,一分無德,當知眼唯八百功德。如耳周聽十方無遺,動若邇遙,[A13]靜無邊際,當知耳根圓滿一千二百功德。如鼻嗅聞通出入息,有出有入而闕中交,驗於[11]鼻根三分闕一,當知鼻唯八百功德。如舌宣揚盡諸世間、出世間智,言有方分,理無窮盡,當知舌根圓滿一千二百功德。如身覺觸識於違順,合時能覺,離中不知,離一合雙,驗於[1]身根三分闕一,當知身唯八百功德。如意默容十方三世一切世間出世間法,[*]惟聖與凡無不苞容盡其涯際,當知意根圓滿一千二百功德。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ananda,
nun prüfe genau,
wo Begrenzung
und wo Weite liegt.

Das Auge sieht:
vorn hell,
hinten dunkel.
Seitlich
ist es eingeschränkt.
Seine Wirksamkeit
ist nicht ganz;
es erreicht
achthundert Möglichkeiten.

Das Ohr hört
in alle Richtungen.
In Bewegung
kennt es Nähe und Ferne,
in Ruhe
keine Grenze.
Seine Wirksamkeit
ist vollständig:
tausendzweihundert Möglichkeiten.

Die Nase
begleitet
Ein- und Ausatmen.
Zwischen Ein und Aus
fehlt die Verbindung.
Darum ist auch hier
die Wirksamkeit begrenzt:
achthundert Möglichkeiten.

Die Zunge
vermittelt Erkenntnis.
Worte sind begrenzt,
doch Sinn
ist nicht begrenzt.
Ihre Wirksamkeit
ist vollständig:
tausendzweihundert Möglichkeiten.

Der Körper fühlt
Berührung.
In Verbindung
ist Fühlen möglich,
in Trennung nicht.
Auch hier ist
die Wirksamkeit begrenzt:
achthundert Möglichkeiten.

Das Denken
kann still
alles umfassen –
Zeit und Raum,
Welt und Überwelt.
Seine Wirksamkeit
ist vollständig:
tausendzweihundert Möglichkeiten.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine Wertung der Sinne, sondern eine präzise Funktionsanalyse.

1. „Überlegenheit“ meint Reichweite, nicht Wert

Der Buddha spricht
nicht von besser oder schlechter,
sondern von
vollständig oder begrenzt.

Vollständig bedeutet:
nicht an eine Richtung,
einen Zustand
oder eine Bedingung gebunden.

2. Warum Auge, Nase und Körper begrenzt sind

Diese Sinne
sind räumlich
oder situativ gebunden:
• das Auge an Richtung
• die Nase an Atembewegung
• der Körper an Berührung

Ihre Begrenzung
ist strukturell,
nicht moralisch.

3. Warum Ohr, Zunge und Denken vollständig sind

Diese Sinne
sind nicht
an eine feste Richtung gebunden:
• Hören ist raumoffen
• Sprache trägt Sinn jenseits von Ort
• Denken kann still umfassen

Das macht sie
zu geeigneten Toren
für weiterführende Praxis.

4. Vorbereitung der Wahl eines Tores

Diese Analyse ist
keine Theorie,
sondern eine Vorbereitung.

Der Buddha wird gleich zeigen,
dass ein einziges Tor
genügt,
um die Verstrickung
umzukehren –
wenn es
nicht weiter verfehlt wird.
184 #
「阿難!汝今欲逆生死欲流,返窮流根至不生滅;當驗此等六受用根,誰合、誰離?誰深、誰淺?誰為圓通?誰不圓滿?若能於此悟圓通根,逆彼無始織妄業流,得循圓通;與不圓根日劫相倍。我今備顯六湛圓明本所功德,數量如是。隨汝詳擇其可入者,吾當發明令汝增進。十方如來於十八界一一修行,皆得圓滿無上菩提。於其中間,亦無優劣。但汝下劣,未能於中圓自在慧;故我宣揚,令汝但於一門深入,入一無妄,彼六知根一時清淨。」
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn du
den Strom von Geburt und Tod
wirklich umkehren willst
und zur Quelle
des Nicht-Entstehenden
zurückkehren möchtest,
dann prüfe
die sechs Sinne:

Wo verbinden sie,
wo trennen sie?
Wo sind sie tief,
wo bleiben sie an der Oberfläche?
Wo sind sie durchlässig,
wo begrenzt?

Erkennst du
das eine Tor,
das durchdringend offen ist,
kannst du
den anfangslosen Strom
der Verstrickung
umkehren
und ihm entgegengehen.
Der Weg verkürzt sich
gegenüber anderen Zugängen
um lange Zeit.

Ich habe dir
die ursprüngliche Wirksamkeit
der sechs Sinne
klar gezeigt.
Wähle sorgfältig
das Tor,
durch das du eintreten kannst;
ich werde es
für dich entfalten.

Alle Buddhas
haben durch diese Tore
die höchste Freiheit
verwirklicht;
keines ist dem anderen überlegen.

Doch du
verweilst noch nicht
frei darin.
Darum sage ich:
Gehe durch ein einziges Tor
tief hinein.
Trittst du
durch ein Tor
ohne Täuschung ein,
klären sich
alle sechs zugleich.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die entscheidende Brücke von Analyse zu Praxis.

1. Den Strom umkehren

„Umkehren des Stromes“
bedeutet nicht,
gegen das Leben zu kämpfen,
sondern die Richtung der Verstrickung zu wenden.

Nicht weiter
mit dem Gewohnten fließen,
sondern zur Quelle
zurückgehen.

2. Die sechs Wurzeln als Tore

Die sechs Sinne
sind hier nicht Hindernisse,
sondern Zugänge.

Der Buddha fragt nicht:
„Welche muss man loswerden?“
sondern:
„Welche ist durchlässig?“

3. Vollkommen und unvollkommen

„Vollkommen“
meint nicht besser,
sondern nicht fragmentiert.

Eine vollkommene Wurzel
verbindet,
statt zu zerteilen.

4. Ein Tor genügt

Die radikale Aussage:
Ein einziges Tor
reicht aus.

Nicht, weil die anderen falsch wären,
sondern weil Durchdringung nicht additiv ist.

5. Gleichzeitige Klärung

Wenn ein Tor
ohne Täuschung durchschritten wird,
klären sich
alle anderen mit.

Das zeigt:
Befreiung ist
keine Addition von Übungen,
sondern Kohärenz.

6. Vorbereitung der Wahl

Der Buddha hat nun
die Kriterien genannt.
Im nächsten Abschnitt
wird er die Wahl
konkretisieren
und zeigen,
wie eines der Tore
zum Schlüssel werden kann.
中文原文
「阿難!汝今欲逆生死欲流,返窮流根至不生滅;當驗此等六受用根,誰合、誰離?誰深、誰淺?誰為圓通?誰不圓滿?若能於此悟圓通根,逆彼無始織妄業流,得循圓通;與不圓根日劫相倍。我今備顯六湛圓明本所功德,數量如是。隨汝詳擇其可入者,吾當發明令汝增進。十方如來於十八界一一修行,皆得圓滿無上菩提。於其中間,亦無優劣。但汝下劣,未能於中圓自在慧;故我宣揚,令汝但於一門深入,入一無妄,彼六知根一時清淨。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda,
wenn du
den Strom von Geburt und Tod
wirklich umkehren willst
und zur Quelle
des Nicht-Entstehenden
zurückkehren möchtest,
dann prüfe
die sechs Sinne:

Wo verbinden sie,
wo trennen sie?
Wo sind sie tief,
wo bleiben sie an der Oberfläche?
Wo sind sie durchlässig,
wo begrenzt?

Erkennst du
das eine Tor,
das durchdringend offen ist,
kannst du
den anfangslosen Strom
der Verstrickung
umkehren
und ihm entgegengehen.
Der Weg verkürzt sich
gegenüber anderen Zugängen
um lange Zeit.

Ich habe dir
die ursprüngliche Wirksamkeit
der sechs Sinne
klar gezeigt.
Wähle sorgfältig
das Tor,
durch das du eintreten kannst;
ich werde es
für dich entfalten.

Alle Buddhas
haben durch diese Tore
die höchste Freiheit
verwirklicht;
keines ist dem anderen überlegen.

Doch du
verweilst noch nicht
frei darin.
Darum sage ich:
Gehe durch ein einziges Tor
tief hinein.
Trittst du
durch ein Tor
ohne Täuschung ein,
klären sich
alle sechs zugleich.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die entscheidende Brücke von Analyse zu Praxis.

1. Den Strom umkehren

„Umkehren des Stromes“
bedeutet nicht,
gegen das Leben zu kämpfen,
sondern die Richtung der Verstrickung zu wenden.

Nicht weiter
mit dem Gewohnten fließen,
sondern zur Quelle
zurückgehen.

2. Die sechs Wurzeln als Tore

Die sechs Sinne
sind hier nicht Hindernisse,
sondern Zugänge.

Der Buddha fragt nicht:
„Welche muss man loswerden?“
sondern:
„Welche ist durchlässig?“

3. Vollkommen und unvollkommen

„Vollkommen“
meint nicht besser,
sondern nicht fragmentiert.

Eine vollkommene Wurzel
verbindet,
statt zu zerteilen.

4. Ein Tor genügt

Die radikale Aussage:
Ein einziges Tor
reicht aus.

Nicht, weil die anderen falsch wären,
sondern weil Durchdringung nicht additiv ist.

5. Gleichzeitige Klärung

Wenn ein Tor
ohne Täuschung durchschritten wird,
klären sich
alle anderen mit.

Das zeigt:
Befreiung ist
keine Addition von Übungen,
sondern Kohärenz.

6. Vorbereitung der Wahl

Der Buddha hat nun
die Kriterien genannt.
Im nächsten Abschnitt
wird er die Wahl
konkretisieren
und zeigen,
wie eines der Tore
zum Schlüssel werden kann.
185 #
阿難白佛言:「世尊!云何逆流深入一門,能令六根一時清淨?」
佛告阿難:「汝今已得須陀洹果,已滅三界眾生世間見所斷惑;然猶未知根中積生無始虛習,彼習要因修所斷得,何況此中生、住、異、滅分[2]劑頭數?今汝且觀現前六根,為一、為六?
「阿難!若言一者,耳何不見?目何不聞?頭奚不履?足奚無語?若此六根決定成六,如我今會與汝宣揚微妙法門,汝之六根誰來領受?」
阿難言:「我用耳聞。」
Ananda fragte:

„Weltverehrter,
wie kann man
den Strom umkehren
und durch ein einziges Tor
so tief eindringen,
dass alle sechs Sinne
zugleich
klar werden?“

Der Buddha antwortete:

„Du hast bereits
den Eintritt in den Strom vollzogen
und die groben Verirrungen
der drei Daseinsbereiche
hinter dir gelassen.
Doch die anfangslosen
Gewohnheiten
in den Sinnen selbst
sind noch wirksam.
Diese lösen sich
nur durch Übung –
erst recht die feinen Muster
von Entstehen
und Vergehen.

Sieh nun
auf die sechs Sinne:
Sind sie
eins
oder sind sie
sechs?

Wenn sie eins wären,
warum sieht
das Ohr nicht?
Warum hört
das Auge nicht?
Warum geht
der Kopf nicht?
Warum spricht
der Fuß nicht?

Wenn sie aber
wirklich sechs wären,
dann sage mir:
Wenn ich jetzt
zu dir spreche –
welcher Sinn
nimmt dies auf?“

Ananda sagte:

„Ich höre
mit dem Ohr.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt eröffnet die entscheidende dialektische Zuspitzung der Praxislehre.

1. Ānandas präzise Frage

Ānanda fragt nicht mehr allgemein,
sondern sehr konkret:
Wie kann ein einziges Tor
alle anderen mit klären?

Damit ist der Kern der Methode benannt.


2. Anerkennung – und Relativierung

Der Buddha anerkennt
Ānandas bisherigen Fortschritt:
Die groben Verirrungen
durch falsche Ansichten
sind bereits beendet.

Doch dies reicht nicht aus,
denn die tieferen
Gewohnheitsstrukturen
sitzen in den Sinneswurzeln selbst.

Der hier genannte „Strom“ bzw. Stromeintritt stammt aus der Lehre der Hörenden (Śrāvaka-Lehre).
Das Shurangama-Sutra nimmt ihn auf,
um ihn anschließend nicht nur zu betreten,
sondern an seiner Wurzel umzuwenden.


3. Die Frage nach „eins oder sechs“

Die scheinbar einfache Frage
„eins oder sechs?“
ist eine präzise Falle
für begriffliches Denken.
• Sind die Sinne eins,
widerspricht das der Erfahrung.
• Sind sie sechs,
widerspricht das der Einheit des Erkennens.

Der Buddha zwingt Ānanda,
die gewohnte Kategorienbildung
zu verlassen.

4. Vorbereitung der Umwendung

Ānandas Antwort
„Ich höre mit dem Ohr“
ist korrekt –
und zugleich unzureichend.

Sie zeigt,
dass er noch
in der funktionalen Zuordnung
verharrt.

Im nächsten Abschnitt
wird der Buddha zeigen,
dass diese Zuordnung
nicht trägt
und wie genau
das „eine Tor“
wirklich zu verstehen ist.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!云何逆流深入一門,能令六根一時清淨?」
佛告阿難:「汝今已得須陀洹果,已滅三界眾生世間見所斷惑;然猶未知根中積生無始虛習,彼習要因修所斷得,何況此中生、住、異、滅分[2]劑頭數?今汝且觀現前六根,為一、為六?
「阿難!若言一者,耳何不見?目何不聞?頭奚不履?足奚無語?若此六根決定成六,如我今會與汝宣揚微妙法門,汝之六根誰來領受?」
阿難言:「我用耳聞。」
Deutsch
Ananda fragte:

„Weltverehrter,
wie kann man
den Strom umkehren
und durch ein einziges Tor
so tief eindringen,
dass alle sechs Sinne
zugleich
klar werden?“

Der Buddha antwortete:

„Du hast bereits
den Eintritt in den Strom vollzogen
und die groben Verirrungen
der drei Daseinsbereiche
hinter dir gelassen.
Doch die anfangslosen
Gewohnheiten
in den Sinnen selbst
sind noch wirksam.
Diese lösen sich
nur durch Übung –
erst recht die feinen Muster
von Entstehen
und Vergehen.

Sieh nun
auf die sechs Sinne:
Sind sie
eins
oder sind sie
sechs?

Wenn sie eins wären,
warum sieht
das Ohr nicht?
Warum hört
das Auge nicht?
Warum geht
der Kopf nicht?
Warum spricht
der Fuß nicht?

Wenn sie aber
wirklich sechs wären,
dann sage mir:
Wenn ich jetzt
zu dir spreche –
welcher Sinn
nimmt dies auf?“

Ananda sagte:

„Ich höre
mit dem Ohr.“
Kommentar
Dieser Abschnitt eröffnet die entscheidende dialektische Zuspitzung der Praxislehre.

1. Ānandas präzise Frage

Ānanda fragt nicht mehr allgemein,
sondern sehr konkret:
Wie kann ein einziges Tor
alle anderen mit klären?

Damit ist der Kern der Methode benannt.


2. Anerkennung – und Relativierung

Der Buddha anerkennt
Ānandas bisherigen Fortschritt:
Die groben Verirrungen
durch falsche Ansichten
sind bereits beendet.

Doch dies reicht nicht aus,
denn die tieferen
Gewohnheitsstrukturen
sitzen in den Sinneswurzeln selbst.

Der hier genannte „Strom“ bzw. Stromeintritt stammt aus der Lehre der Hörenden (Śrāvaka-Lehre).
Das Shurangama-Sutra nimmt ihn auf,
um ihn anschließend nicht nur zu betreten,
sondern an seiner Wurzel umzuwenden.


3. Die Frage nach „eins oder sechs“

Die scheinbar einfache Frage
„eins oder sechs?“
ist eine präzise Falle
für begriffliches Denken.
• Sind die Sinne eins,
widerspricht das der Erfahrung.
• Sind sie sechs,
widerspricht das der Einheit des Erkennens.

Der Buddha zwingt Ānanda,
die gewohnte Kategorienbildung
zu verlassen.

4. Vorbereitung der Umwendung

Ānandas Antwort
„Ich höre mit dem Ohr“
ist korrekt –
und zugleich unzureichend.

Sie zeigt,
dass er noch
in der funktionalen Zuordnung
verharrt.

Im nächsten Abschnitt
wird der Buddha zeigen,
dass diese Zuordnung
nicht trägt
und wie genau
das „eine Tor“
wirklich zu verstehen ist.
186 #
佛言:「汝耳自聞,何關身、口?口來問義,身起欽承。是故應知,非一終六,非六終一。終不汝根元一、元六,阿難!當知是根非一、非六,由無始來顛倒淪替,故於圓湛一、六義生,汝須陀洹雖得六銷,猶未亡一。如太虛空參合群器,由器形異名之異空,除器觀空說空為一。彼太虛空,云何為汝成同、不同?何況更名是一、非一?則汝了知六受用根,亦復如是。由明、暗等二種相形,於妙圓中[3]粘湛發見,見精映色,結色成根;根元目為清淨四大,因名眼體,如蒲萄朵,浮根四塵流逸奔色。由動、靜等二種相擊,於妙圓中[*]粘湛發聽,聽精映聲,卷聲成根;根元目為清淨四大,因名耳體,如新卷葉,浮根四塵流逸奔聲。由通、塞等二種相發,於妙圓中[*]粘湛發嗅,嗅精映香,納香成根;根元目為清淨四大,因名鼻體,如雙垂爪,浮根四塵流逸奔香。由恬、變等二種相參,於妙圓中[*]粘湛發嘗,嘗精映味,絞味成根;根元目為清淨四大,因名舌體,如初偃月,浮根四塵流逸奔味。由離、合等二種相摩,於妙圓中[*]粘湛發覺,覺精映觸,[A14]搏觸成根;根元目為清淨四大,因名身體,如腰鼓顙,浮根四塵流逸奔觸。由生、滅等二種相續,於妙圓中[*]粘湛發知,知精映法,[4]覽法成根;根元目為清淨四大,因名意思,如幽室見,浮根四塵流逸奔法。
Der Buddha sprach:

„Dass dein Ohr hört,
hat nichts
mit Mund oder Körper zu tun.
Der Mund fragt,
der Körper verneigt sich.

Darum erkenne:
Die Sinne
sind weder eins
noch sechs.

Seit anfangsloser Zeit
sind sie ineinander geraten,
und so entstehen
die Vorstellungen
von Einheit und Vielheit.
Auch wenn grobe Verblendung
bereits gelöst ist,
bleibt diese feine Verwechslung bestehen.

Wie der Raum
in vielen Gefäßen
viele Namen erhält,
ohne selbst verschieden zu sein,
so sind auch
die sechs Sinne
nicht wirklich getrennt.

Aus Gegensätzen
wie hell und dunkel,
Bewegung und Ruhe
entfaltet sich Wahrnehmung.
Sie bindet sich an ihr Objekt
und wird zur Wurzel.

So entstehen
Sehen,
Hören,
Riechen,
Schmecken,
Fühlen
und Denken –
nicht als getrennte Wesen,
sondern als
Verzweigungen
einer einzigen Bewegung,
die den Erscheinungen nachläuft.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die feinste ontologische Klärung der Sinneslehre.

1. Weder eins noch sechs

Die Frage „eins oder sechs?“
wird nicht beantwortet,
sondern aufgelöst.
Beide Begriffe
entstehen aus Gewohnheit,
nicht aus Wirklichkeit.

2. Einheit und Vielheit als Denkfehler

Die Sinne
sind funktional verschieden,
aber nicht ontologisch getrennt.
Ebenso wenig
bilden sie eine substanzielle Einheit.

3. Raum-Gefäß-Gleichnis

Das Raum-Gefäß-Gleichnis
zeigt:
Benennung erzeugt Unterschied,
nicht Wesen.

So entstehen
„Auge“, „Ohr“ und „Denken“
als Namen für Funktionen,
nicht als getrennte Entitäten.

4. Genese der Wahrnehmung

Die detaillierte Entstehungsbeschreibung
zeigt:
Wahrnehmung entsteht
durch Bindung
an Gegensätze
und an Objekte.

Nicht ein Subjekt
nimmt wahr,
sondern eine Bewegung
verfestigt sich.

5. Vorbereitung der Umkehr

Wenn die Sinne
weder eins noch sechs sind,
kann man
eines als Tor wählen,
ohne die anderen auszuschließen.

Damit ist der Weg bereitet
für die konkrete Praxis,
die nun folgen wird.
中文原文
佛言:「汝耳自聞,何關身、口?口來問義,身起欽承。是故應知,非一終六,非六終一。終不汝根元一、元六,阿難!當知是根非一、非六,由無始來顛倒淪替,故於圓湛一、六義生,汝須陀洹雖得六銷,猶未亡一。如太虛空參合群器,由器形異名之異空,除器觀空說空為一。彼太虛空,云何為汝成同、不同?何況更名是一、非一?則汝了知六受用根,亦復如是。由明、暗等二種相形,於妙圓中[3]粘湛發見,見精映色,結色成根;根元目為清淨四大,因名眼體,如蒲萄朵,浮根四塵流逸奔色。由動、靜等二種相擊,於妙圓中[*]粘湛發聽,聽精映聲,卷聲成根;根元目為清淨四大,因名耳體,如新卷葉,浮根四塵流逸奔聲。由通、塞等二種相發,於妙圓中[*]粘湛發嗅,嗅精映香,納香成根;根元目為清淨四大,因名鼻體,如雙垂爪,浮根四塵流逸奔香。由恬、變等二種相參,於妙圓中[*]粘湛發嘗,嘗精映味,絞味成根;根元目為清淨四大,因名舌體,如初偃月,浮根四塵流逸奔味。由離、合等二種相摩,於妙圓中[*]粘湛發覺,覺精映觸,[A14]搏觸成根;根元目為清淨四大,因名身體,如腰鼓顙,浮根四塵流逸奔觸。由生、滅等二種相續,於妙圓中[*]粘湛發知,知精映法,[4]覽法成根;根元目為清淨四大,因名意思,如幽室見,浮根四塵流逸奔法。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Dass dein Ohr hört,
hat nichts
mit Mund oder Körper zu tun.
Der Mund fragt,
der Körper verneigt sich.

Darum erkenne:
Die Sinne
sind weder eins
noch sechs.

Seit anfangsloser Zeit
sind sie ineinander geraten,
und so entstehen
die Vorstellungen
von Einheit und Vielheit.
Auch wenn grobe Verblendung
bereits gelöst ist,
bleibt diese feine Verwechslung bestehen.

Wie der Raum
in vielen Gefäßen
viele Namen erhält,
ohne selbst verschieden zu sein,
so sind auch
die sechs Sinne
nicht wirklich getrennt.

Aus Gegensätzen
wie hell und dunkel,
Bewegung und Ruhe
entfaltet sich Wahrnehmung.
Sie bindet sich an ihr Objekt
und wird zur Wurzel.

So entstehen
Sehen,
Hören,
Riechen,
Schmecken,
Fühlen
und Denken –
nicht als getrennte Wesen,
sondern als
Verzweigungen
einer einzigen Bewegung,
die den Erscheinungen nachläuft.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die feinste ontologische Klärung der Sinneslehre.

1. Weder eins noch sechs

Die Frage „eins oder sechs?“
wird nicht beantwortet,
sondern aufgelöst.
Beide Begriffe
entstehen aus Gewohnheit,
nicht aus Wirklichkeit.

2. Einheit und Vielheit als Denkfehler

Die Sinne
sind funktional verschieden,
aber nicht ontologisch getrennt.
Ebenso wenig
bilden sie eine substanzielle Einheit.

3. Raum-Gefäß-Gleichnis

Das Raum-Gefäß-Gleichnis
zeigt:
Benennung erzeugt Unterschied,
nicht Wesen.

So entstehen
„Auge“, „Ohr“ und „Denken“
als Namen für Funktionen,
nicht als getrennte Entitäten.

4. Genese der Wahrnehmung

Die detaillierte Entstehungsbeschreibung
zeigt:
Wahrnehmung entsteht
durch Bindung
an Gegensätze
und an Objekte.

Nicht ein Subjekt
nimmt wahr,
sondern eine Bewegung
verfestigt sich.

5. Vorbereitung der Umkehr

Wenn die Sinne
weder eins noch sechs sind,
kann man
eines als Tor wählen,
ohne die anderen auszuschließen.

Damit ist der Weg bereitet
für die konkrete Praxis,
die nun folgen wird.
187 #
「阿難!如是六根,由彼覺明有明明覺,失彼精了[*]粘妄發光。是以汝今離暗、離明無有見體,離動、離靜元無聽質,無通、無塞嗅性不生,非變、非恬嘗無所出,不離、不合覺觸本無,無滅、無生了知安寄!汝但不循動靜、合離、恬變、通塞、生滅、[5]暗明,如是十二諸有為相;隨拔一根,脫[*]粘內伏,伏歸元真,發本明耀,耀性發明,諸餘五[*]粘應拔圓脫,不由前塵所起知見。明不循根,寄根明發,由是六根互相為用。
Der Buddha sprach:

„Ananda,
so entstehen
die sechs Sinne:
Aus dem Leuchten des Erwachens
wird durch Festhalten
ein erkennendes Erkennen.
Die feine Durchsichtigkeit
geht verloren,
und Wahrnehmung
verfestigt sich.

Darum gilt:
Ohne hell und dunkel
kein Sehen.
Ohne Bewegung und Ruhe
kein Hören.
Ohne Öffnen und Schließen
kein Riechen.
Ohne Wandel und Gleichmaß
kein Schmecken.
Ohne Trennung und Verbindung
kein Fühlen.
Ohne Entstehen und Vergehen
kein Erkennen.

Folge diesen Gegensätzen nicht.

Löst du
eine einzige Sinnesbewegung,
kehrt Wahrnehmen
nach innen zurück,
Anhaftung löst sich,
und das ursprüngliche Leuchten
tritt hervor.

Dann lösen sich
auch die anderen Sinne
ohne Mühe.
Erkennen entsteht
nicht mehr aus Objekten.

Das Leuchten
folgt nicht mehr
den Sinnen,
sondern ruht an ihnen.
So werden
alle Sinne
füreinander offen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt den präzisen Mechanismus der Umkehr –
nicht als Technik, sondern als Aufhören des Folgens.

1. Wie Wahrnehmung entsteht

Wahrnehmung entsteht hier
nicht aus Mangel,
sondern aus Festhalten:
Das Erwachens-Leuchten
greift sich selbst
als Klarheit,
und genau dadurch
verliert es seine Durchsichtigkeit.

Erkennen wird reflexiv
und damit trennend.

2. Gegensätze als Bedingung

Jede Sinnesfunktion
existiert nur
im Spiel von Gegensätzen.
Ohne Gegensatz
keine Funktion.

Das zeigt:
Die Sinne sind bedingt,
nicht ursprünglich.

3. Die zwölf Bedingungen

Die genannten Gegensätze
bilden die operative Matrix
von Verstrickung.
Praxis beginnt hier
nicht mit Ablehnung,
sondern mit Nicht-Folgen.

4. Ein Tor – vollständige Wirkung

Wenn eine Sinneswurzel
nicht mehr verfolgt wird,
lösen sich die anderen
mit auf.

Das ist kein Wunder,
sondern Konsequenz:
Alle sechs sind
Ausfaltungen
derselben Bewegung.

5. Gegenseitige Durchlässigkeit

Wenn das Leuchten
nicht mehr
nach außen gezogen wird,
kann es
an jeder Wurzel ruhen.
Dann dienen
die Sinne einander,
statt sich zu trennen.

Das ist die praktische Bedeutung
der „gleichzeitigen Reinigung
der sechs Wurzeln“.
中文原文
「阿難!如是六根,由彼覺明有明明覺,失彼精了[*]粘妄發光。是以汝今離暗、離明無有見體,離動、離靜元無聽質,無通、無塞嗅性不生,非變、非恬嘗無所出,不離、不合覺觸本無,無滅、無生了知安寄!汝但不循動靜、合離、恬變、通塞、生滅、[5]暗明,如是十二諸有為相;隨拔一根,脫[*]粘內伏,伏歸元真,發本明耀,耀性發明,諸餘五[*]粘應拔圓脫,不由前塵所起知見。明不循根,寄根明發,由是六根互相為用。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ananda,
so entstehen
die sechs Sinne:
Aus dem Leuchten des Erwachens
wird durch Festhalten
ein erkennendes Erkennen.
Die feine Durchsichtigkeit
geht verloren,
und Wahrnehmung
verfestigt sich.

Darum gilt:
Ohne hell und dunkel
kein Sehen.
Ohne Bewegung und Ruhe
kein Hören.
Ohne Öffnen und Schließen
kein Riechen.
Ohne Wandel und Gleichmaß
kein Schmecken.
Ohne Trennung und Verbindung
kein Fühlen.
Ohne Entstehen und Vergehen
kein Erkennen.

Folge diesen Gegensätzen nicht.

Löst du
eine einzige Sinnesbewegung,
kehrt Wahrnehmen
nach innen zurück,
Anhaftung löst sich,
und das ursprüngliche Leuchten
tritt hervor.

Dann lösen sich
auch die anderen Sinne
ohne Mühe.
Erkennen entsteht
nicht mehr aus Objekten.

Das Leuchten
folgt nicht mehr
den Sinnen,
sondern ruht an ihnen.
So werden
alle Sinne
füreinander offen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt den präzisen Mechanismus der Umkehr –
nicht als Technik, sondern als Aufhören des Folgens.

1. Wie Wahrnehmung entsteht

Wahrnehmung entsteht hier
nicht aus Mangel,
sondern aus Festhalten:
Das Erwachens-Leuchten
greift sich selbst
als Klarheit,
und genau dadurch
verliert es seine Durchsichtigkeit.

Erkennen wird reflexiv
und damit trennend.

2. Gegensätze als Bedingung

Jede Sinnesfunktion
existiert nur
im Spiel von Gegensätzen.
Ohne Gegensatz
keine Funktion.

Das zeigt:
Die Sinne sind bedingt,
nicht ursprünglich.

3. Die zwölf Bedingungen

Die genannten Gegensätze
bilden die operative Matrix
von Verstrickung.
Praxis beginnt hier
nicht mit Ablehnung,
sondern mit Nicht-Folgen.

4. Ein Tor – vollständige Wirkung

Wenn eine Sinneswurzel
nicht mehr verfolgt wird,
lösen sich die anderen
mit auf.

Das ist kein Wunder,
sondern Konsequenz:
Alle sechs sind
Ausfaltungen
derselben Bewegung.

5. Gegenseitige Durchlässigkeit

Wenn das Leuchten
nicht mehr
nach außen gezogen wird,
kann es
an jeder Wurzel ruhen.
Dann dienen
die Sinne einander,
statt sich zu trennen.

Das ist die praktische Bedeutung
der „gleichzeitigen Reinigung
der sechs Wurzeln“.
188 #
「阿難!汝豈不知今此會中,阿那律陀無目而見;跋難陀龍無耳而聽;殑伽神女非鼻聞香;驕梵鉢提異舌知味;舜若多神無身[6]有觸,如來光中映令暫現,既為風質,其體元無;諸滅盡定得寂聲聞,如此會中摩訶迦葉,久滅意根,圓明了知不因心念。阿難!今汝諸根若圓拔已,內瑩發光;如是浮塵及器世間諸變化相,如湯銷氷,應念化成無上知覺。阿難!如彼世人聚見於眼,若令急合,暗相現前。六根黯然,頭足相類。彼人以手循體外繞,彼雖不見,頭足一[7]辯,知覺是同。緣見因明,暗成無見;不明自發,則諸暗相永不能昏。根塵既銷,云何覺明不成圓妙?」
Der Buddha sprach:

„Ananda,
sieh in diese Versammlung:

Anandaludra sieht
ohne Augen.
Der Naha Bhadra hört
ohne Ohren.
Die Göttin des Ganges
nimmt Duft wahr
ohne Nase.
Gavampati
erkennt Geschmack
ohne die gewohnte Zunge.
Der Geist der Leere –
vom Licht des Buddha
nur kurz sichtbar gemacht –
erfährt Berührung
ohne Körper.

Auch Mahakasyapa
und jene,
die im Erlöschen ruhen,
haben die Denkbewegung
lange stillgelegt
und erkennen klar,
ohne sich
auf Gedanken zu stützen.

Ananda,
wenn deine sechs Sinne
nicht mehr festgehalten werden,
leuchtet es
von innen her auf.
Dann lösen sich
alle staubhaften Formen
und die ganze Dingwelt
wie Eis im heißen Wasser
und werden augenblicklich
zu freier Erkenntnis.

Es ist wie bei einem Menschen,
der die Augen schließt:
Dunkelheit erscheint.
Sind die Sinne
nicht aktiv,
gleichen sich
Kopf und Füße.

Doch tastet er
mit der Hand,
weiß er auch im Dunkeln,
wo Kopf und Füße sind.
Erkennen bleibt,
auch ohne Sehen.

Wenn Erkennen
nicht mehr
von Licht abhängt,
kann Dunkelheit
keine Verblendung mehr sein.

Sind Sinn
und Objekt
nicht mehr verstrickt,
wie sollte
das Leuchten
nicht rund
und frei sein?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt liefert lebendige Belege dafür,
dass Wahrnehmung nicht an die Sinnesorgane gebunden ist.

1. Auflösung der Organ-Abhängigkeit

Die Beispiele aus der Versammlung zeigen:
Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen
sind keine festen Organfunktionen,
sondern Ausdruck
einer tieferen Wirksamkeit.

Die Organe
sind Träger,
nicht Ursprung.

2. Die Rolle des Buddha-Lichts

Das Licht des Buddha
macht sichtbar,
was ohnehin wirksam ist;
es erzeugt nichts Neues.

Auch hier:
kein Erwerb,
sondern Offenbarung.

3. Erkenntnis ohne Denken

Mahākāśyapas Beispiel zeigt:
Erkennen kann
ohne gedankliche Bewegung
vollständig sein.

Das Denken ist Werkzeug,
nicht Quelle.

4. Das Dunkelheits-Gleichnis

Das Schließen der Augen
zeigt:
Nicht-Sehen ist bedingt
durch Lichtmangel,
nicht durch Verlust von Erkennen.

Erkennen bleibt,
auch wenn Wahrnehmung aussetzt.

5. Auflösung von Wurzel und Objekt

Wenn Sinneswurzel
und Sinnesobjekt
nicht mehr miteinander verklebt sind,
fällt die Trübung weg.

Das Leuchten
ist dann
nicht partiell,
sondern rund.

6. Vorbereitung des Abschlusses

Dieser Abschnitt bereitet
den letzten Schritt vor:
die endgültige Entkopplung
von Wahrnehmung
und Objektwelt.

Damit nähert sich
Rolle 4
ihrem Abschluss.
中文原文
「阿難!汝豈不知今此會中,阿那律陀無目而見;跋難陀龍無耳而聽;殑伽神女非鼻聞香;驕梵鉢提異舌知味;舜若多神無身[6]有觸,如來光中映令暫現,既為風質,其體元無;諸滅盡定得寂聲聞,如此會中摩訶迦葉,久滅意根,圓明了知不因心念。阿難!今汝諸根若圓拔已,內瑩發光;如是浮塵及器世間諸變化相,如湯銷氷,應念化成無上知覺。阿難!如彼世人聚見於眼,若令急合,暗相現前。六根黯然,頭足相類。彼人以手循體外繞,彼雖不見,頭足一[7]辯,知覺是同。緣見因明,暗成無見;不明自發,則諸暗相永不能昏。根塵既銷,云何覺明不成圓妙?」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ananda,
sieh in diese Versammlung:

Anandaludra sieht
ohne Augen.
Der Naha Bhadra hört
ohne Ohren.
Die Göttin des Ganges
nimmt Duft wahr
ohne Nase.
Gavampati
erkennt Geschmack
ohne die gewohnte Zunge.
Der Geist der Leere –
vom Licht des Buddha
nur kurz sichtbar gemacht –
erfährt Berührung
ohne Körper.

Auch Mahakasyapa
und jene,
die im Erlöschen ruhen,
haben die Denkbewegung
lange stillgelegt
und erkennen klar,
ohne sich
auf Gedanken zu stützen.

Ananda,
wenn deine sechs Sinne
nicht mehr festgehalten werden,
leuchtet es
von innen her auf.
Dann lösen sich
alle staubhaften Formen
und die ganze Dingwelt
wie Eis im heißen Wasser
und werden augenblicklich
zu freier Erkenntnis.

Es ist wie bei einem Menschen,
der die Augen schließt:
Dunkelheit erscheint.
Sind die Sinne
nicht aktiv,
gleichen sich
Kopf und Füße.

Doch tastet er
mit der Hand,
weiß er auch im Dunkeln,
wo Kopf und Füße sind.
Erkennen bleibt,
auch ohne Sehen.

Wenn Erkennen
nicht mehr
von Licht abhängt,
kann Dunkelheit
keine Verblendung mehr sein.

Sind Sinn
und Objekt
nicht mehr verstrickt,
wie sollte
das Leuchten
nicht rund
und frei sein?“
Kommentar
Dieser Abschnitt liefert lebendige Belege dafür,
dass Wahrnehmung nicht an die Sinnesorgane gebunden ist.

1. Auflösung der Organ-Abhängigkeit

Die Beispiele aus der Versammlung zeigen:
Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen
sind keine festen Organfunktionen,
sondern Ausdruck
einer tieferen Wirksamkeit.

Die Organe
sind Träger,
nicht Ursprung.

2. Die Rolle des Buddha-Lichts

Das Licht des Buddha
macht sichtbar,
was ohnehin wirksam ist;
es erzeugt nichts Neues.

Auch hier:
kein Erwerb,
sondern Offenbarung.

3. Erkenntnis ohne Denken

Mahākāśyapas Beispiel zeigt:
Erkennen kann
ohne gedankliche Bewegung
vollständig sein.

Das Denken ist Werkzeug,
nicht Quelle.

4. Das Dunkelheits-Gleichnis

Das Schließen der Augen
zeigt:
Nicht-Sehen ist bedingt
durch Lichtmangel,
nicht durch Verlust von Erkennen.

Erkennen bleibt,
auch wenn Wahrnehmung aussetzt.

5. Auflösung von Wurzel und Objekt

Wenn Sinneswurzel
und Sinnesobjekt
nicht mehr miteinander verklebt sind,
fällt die Trübung weg.

Das Leuchten
ist dann
nicht partiell,
sondern rund.

6. Vorbereitung des Abschlusses

Dieser Abschnitt bereitet
den letzten Schritt vor:
die endgültige Entkopplung
von Wahrnehmung
und Objektwelt.

Damit nähert sich
Rolle 4
ihrem Abschluss.
189 #
阿難白佛言:「世尊!如佛說言『因地覺心欲求常住,要與果位名目相應』,世尊!如果位中,菩提、涅槃、真如、佛性、菴摩羅識、空如來藏、大圓鏡智,是七種名稱謂雖別,清淨圓滿體性堅凝,如金剛王常住不壞。若此見、聽離於[*]暗明、動靜、通塞,畢竟無體;猶如念心離於前塵,本無所有。云何將此畢竟斷滅以為修因,欲獲如來七常住果?世尊!若離明暗,見畢竟空,如無前塵,念自性滅。進退循環,微細推求,本無我心及我心所,將誰立因求無上覺?如來先說湛精圓常,違越誠言,終成戲論;云何如來真實語者?[*]唯垂大慈開我蒙悋!」
Ananda sprach:

„Weltverehrter,
du hast gesagt:
Wenn das,
womit man übt,
auf Beständigkeit zielt,
muss es
mit dem Ziel übereinstimmen.

Doch im Ziel
werden Bodhi,
Nirvana,
Soheit,
Buddha-Natur,
reines Erkennen,
leerer Ursprung
und Spiegel-Weisheit genannt.
Die Namen sind verschieden,
doch das Gemeinte
ist rein,
vollständig
und unzerstörbar.

Wenn nun
Sehen und Hören
ohne ihre Gegensätze
letztlich keinen Bestand haben,
wenn auch Denken
ohne Objekte
nichts Eigenes besitzt –
wie kann man
das Vergängliche
als Grundlage nehmen,
um das Unvergängliche
zu erlangen?

Geht man immer weiter
mit dieser Prüfung,
findet man
kein Ich
und kein Mein.
Wen also
soll man ansetzen,
um das Erwachen
zu erreichen?

Hast du nicht selbst
von stiller,
reiner
und runder Beständigkeit gesprochen?
Wenn diese nun
überschritten wird,
bleibt nur
leeres Reden.
Wie kann dies
wahre Lehre sein?

Ich bitte dich,
aus großem Mitgefühl,
öffne mir
den letzten Schleier.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert Ānandas letzten begrifflichen Widerstand –
und ist zugleich ein Zeichen seiner Reife.

1. Die korrekt formulierte Paradoxie

Ānanda argumentiert logisch korrekt:
Wenn das Ziel beständig ist,
kann der Weg
nicht vergänglich sein.

Er benennt die höchsten
mahāyānischen Zielbegriffe
und zeigt:
Sie alle behaupten
Beständigkeit,
Reinheit,
Unzerstörbarkeit.

2. Die scheinbare Sackgasse

Ānandas Problem:
Alles,
was er als Mittel findet,
zerfällt bei genauer Prüfung.
Übrig bleibt
keine Substanz,
kein Träger,
kein Ich.

Damit scheint
jede Praxis unmöglich.

3. Der subtile Denkfehler

Der Denkfehler liegt
nicht in der Analyse,
sondern in der Annahme,
dass Praxis
eine Substanz benötigen müsse.

Ānanda setzt voraus:
Wenn nichts Greifbares da ist,
kann nichts getragen werden.

Genau das wird im nächsten Abschnitt
aufgelöst.

4. Vorbereitung der entscheidenden Umwendung

Ānanda ist nun
an der äußersten Grenze
des begrifflichen Denkens angekommen.
Er kann
nicht weiter argumentieren,
ohne sich selbst zu widersprechen.

Darum bittet er
nicht mehr um Erklärung,
sondern um
Mitgefühl.

Im nächsten Abschnitt
wird der Buddha zeigen,
dass Nicht-Substanz
kein Hindernis,
sondern die Bedingung
für wahre Praxis ist.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!如佛說言『因地覺心欲求常住,要與果位名目相應』,世尊!如果位中,菩提、涅槃、真如、佛性、菴摩羅識、空如來藏、大圓鏡智,是七種名稱謂雖別,清淨圓滿體性堅凝,如金剛王常住不壞。若此見、聽離於[*]暗明、動靜、通塞,畢竟無體;猶如念心離於前塵,本無所有。云何將此畢竟斷滅以為修因,欲獲如來七常住果?世尊!若離明暗,見畢竟空,如無前塵,念自性滅。進退循環,微細推求,本無我心及我心所,將誰立因求無上覺?如來先說湛精圓常,違越誠言,終成戲論;云何如來真實語者?[*]唯垂大慈開我蒙悋!」
Deutsch
Ananda sprach:

„Weltverehrter,
du hast gesagt:
Wenn das,
womit man übt,
auf Beständigkeit zielt,
muss es
mit dem Ziel übereinstimmen.

Doch im Ziel
werden Bodhi,
Nirvana,
Soheit,
Buddha-Natur,
reines Erkennen,
leerer Ursprung
und Spiegel-Weisheit genannt.
Die Namen sind verschieden,
doch das Gemeinte
ist rein,
vollständig
und unzerstörbar.

Wenn nun
Sehen und Hören
ohne ihre Gegensätze
letztlich keinen Bestand haben,
wenn auch Denken
ohne Objekte
nichts Eigenes besitzt –
wie kann man
das Vergängliche
als Grundlage nehmen,
um das Unvergängliche
zu erlangen?

Geht man immer weiter
mit dieser Prüfung,
findet man
kein Ich
und kein Mein.
Wen also
soll man ansetzen,
um das Erwachen
zu erreichen?

Hast du nicht selbst
von stiller,
reiner
und runder Beständigkeit gesprochen?
Wenn diese nun
überschritten wird,
bleibt nur
leeres Reden.
Wie kann dies
wahre Lehre sein?

Ich bitte dich,
aus großem Mitgefühl,
öffne mir
den letzten Schleier.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert Ānandas letzten begrifflichen Widerstand –
und ist zugleich ein Zeichen seiner Reife.

1. Die korrekt formulierte Paradoxie

Ānanda argumentiert logisch korrekt:
Wenn das Ziel beständig ist,
kann der Weg
nicht vergänglich sein.

Er benennt die höchsten
mahāyānischen Zielbegriffe
und zeigt:
Sie alle behaupten
Beständigkeit,
Reinheit,
Unzerstörbarkeit.

2. Die scheinbare Sackgasse

Ānandas Problem:
Alles,
was er als Mittel findet,
zerfällt bei genauer Prüfung.
Übrig bleibt
keine Substanz,
kein Träger,
kein Ich.

Damit scheint
jede Praxis unmöglich.

3. Der subtile Denkfehler

Der Denkfehler liegt
nicht in der Analyse,
sondern in der Annahme,
dass Praxis
eine Substanz benötigen müsse.

Ānanda setzt voraus:
Wenn nichts Greifbares da ist,
kann nichts getragen werden.

Genau das wird im nächsten Abschnitt
aufgelöst.

4. Vorbereitung der entscheidenden Umwendung

Ānanda ist nun
an der äußersten Grenze
des begrifflichen Denkens angekommen.
Er kann
nicht weiter argumentieren,
ohne sich selbst zu widersprechen.

Darum bittet er
nicht mehr um Erklärung,
sondern um
Mitgefühl.

Im nächsten Abschnitt
wird der Buddha zeigen,
dass Nicht-Substanz
kein Hindernis,
sondern die Bedingung
für wahre Praxis ist.
190 #
佛告阿難:「汝學多聞,未盡諸漏,心中徒知顛倒所因,真倒現前實未能識。恐汝誠心猶未信伏,吾今試將塵俗諸事,當除汝疑。」
即時如來勅羅睺羅擊鍾一聲,問阿難言:「汝今聞不?」
阿難、大眾俱言:「我聞。」
鍾歇無聲,佛又問言:「汝今聞不?」
阿難、大眾俱言:「不聞。」
時羅睺羅又擊一聲,佛又問言:「汝今聞不?」
阿難、大眾又言:「俱聞。」
佛問阿難:「汝云何聞?云何不聞?」
阿難、大眾俱白佛言:「鍾聲若擊則我得聞;擊久聲銷,音響雙絕,則名無聞。」
如來又勅羅睺擊鍾,問阿難言:「爾今聲不?」
阿難、[1]大眾俱言:「[A15]有聲。」
少選聲銷,佛又問言:「爾今聲不?」
阿難、大眾答言:「無聲。」
有頃,羅睺更來撞鍾,佛又問言:「爾今聲不?」
阿難、大眾俱言:「有聲。」
佛問阿難:「汝云何聲?云何無聲?」
阿難、大眾俱白佛言:「鍾聲若擊則名有聲;擊久聲銷,音響雙絕,則名無聲。」
佛語阿難及諸大眾:「汝今云何自語矯亂?」
大眾、阿難俱時問佛:「我今云何名為矯亂?」
Der Buddha sprach zu Ananda:

„Du hast viel gehört,
doch das Erlernte
hat die Verstrickung
noch nicht ganz gelöst.
Du weißt,
wie Verirrung entsteht,
doch erkennst sie nicht,
wenn sie sich zeigt.

Darum will ich
mit etwas Alltäglichem
deine Zweifel klären.“

Der Buddha ließ Rāhula
einmal die Glocke schlagen
und fragte:

„Hörst du?“

„Wir hören“,
antwortete die Versammlung.

Als der Klang verklang,
fragte der Buddha:

„Hörst du jetzt?“

„Wir hören nicht.“

Er ließ die Glocke
erneut schlagen:

„Hörst du?“

„Wir hören.“

Der Buddha fragte:

„Wie hörst du,
und wie hörst du nicht?“

Die Versammlung antwortete:

„Wenn Klang da ist,
nennen wir es Hören;
wenn Klang endet,
nennen wir es Nicht-Hören.“

Der Buddha ließ erneut schlagen
und fragte:

„Ist jetzt Klang da?“

„Ja.“

Als der Klang endete,
fragte er:

„Ist jetzt Klang da?“

„Nein.“

Der Buddha sagte:

„Warum widersprecht ihr euch
in euren eigenen Worten?“

Die Versammlung fragte:

„Worin liegt der Widerspruch?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die direkte Entlarvung der begrifflichen Verwechslung,
nicht durch Argument, sondern durch unmittelbare Erfahrung.

1. Wissen reicht nicht aus

Der Buddha sagt klar:
Ānanda versteht die Ursachen der Verirrung,
doch erkennt Verirrung nicht,
wenn sie jetzt geschieht.

Das ist der Unterschied
zwischen Erklärung
und Einsicht.

2. Hören ist nicht Klang

Die Übung zeigt:
• Klang entsteht und vergeht
• Hören wird als mitgehend angenommen

Doch der Wechsel
von „Hören / Nicht-Hören“
und „Klang / Nicht-Klang“
wird widersprüchlich gebraucht.

Damit wird sichtbar:
Man verwechselt
die Funktion des Hörens
mit dem Objekt des Hörens.

3. Die begriffliche Verwirrung

Die Versammlung
benutzt dieselben Worte
für verschiedene Ebenen:
• „Hören“ als Funktion
• „Klang“ als Ereignis

Diese Vermischung
ist genau die Verirrung,
die der Buddha aufzeigt.

4. Warum der Buddha von „Verwirrung“ spricht

Nicht weil sie „falsch“ antworten,
sondern weil sie
unbemerkt Ebenen vermischen.

Verirrung ist hier
kein Irrtum des Inhalts,
sondern des Bezugsrahmens.

5. Vorbereitung der entscheidenden Wendung

Diese Demonstration
bereitet den nächsten Schritt vor:
Der Buddha wird nun zeigen,
dass Hören bleibt,
auch wenn Klang vergeht,
und damit die Sinnesfunktion
nicht vom Objekt abhängt.

Damit steht der Text
unmittelbar vor
der expliziten Freilegung
des Nicht-Entstehenden
in der Wahrnehmung selbst.
中文原文
佛告阿難:「汝學多聞,未盡諸漏,心中徒知顛倒所因,真倒現前實未能識。恐汝誠心猶未信伏,吾今試將塵俗諸事,當除汝疑。」
即時如來勅羅睺羅擊鍾一聲,問阿難言:「汝今聞不?」
阿難、大眾俱言:「我聞。」
鍾歇無聲,佛又問言:「汝今聞不?」
阿難、大眾俱言:「不聞。」
時羅睺羅又擊一聲,佛又問言:「汝今聞不?」
阿難、大眾又言:「俱聞。」
佛問阿難:「汝云何聞?云何不聞?」
阿難、大眾俱白佛言:「鍾聲若擊則我得聞;擊久聲銷,音響雙絕,則名無聞。」
如來又勅羅睺擊鍾,問阿難言:「爾今聲不?」
阿難、[1]大眾俱言:「[A15]有聲。」
少選聲銷,佛又問言:「爾今聲不?」
阿難、大眾答言:「無聲。」
有頃,羅睺更來撞鍾,佛又問言:「爾今聲不?」
阿難、大眾俱言:「有聲。」
佛問阿難:「汝云何聲?云何無聲?」
阿難、大眾俱白佛言:「鍾聲若擊則名有聲;擊久聲銷,音響雙絕,則名無聲。」
佛語阿難及諸大眾:「汝今云何自語矯亂?」
大眾、阿難俱時問佛:「我今云何名為矯亂?」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ananda:

„Du hast viel gehört,
doch das Erlernte
hat die Verstrickung
noch nicht ganz gelöst.
Du weißt,
wie Verirrung entsteht,
doch erkennst sie nicht,
wenn sie sich zeigt.

Darum will ich
mit etwas Alltäglichem
deine Zweifel klären.“

Der Buddha ließ Rāhula
einmal die Glocke schlagen
und fragte:

„Hörst du?“

„Wir hören“,
antwortete die Versammlung.

Als der Klang verklang,
fragte der Buddha:

„Hörst du jetzt?“

„Wir hören nicht.“

Er ließ die Glocke
erneut schlagen:

„Hörst du?“

„Wir hören.“

Der Buddha fragte:

„Wie hörst du,
und wie hörst du nicht?“

Die Versammlung antwortete:

„Wenn Klang da ist,
nennen wir es Hören;
wenn Klang endet,
nennen wir es Nicht-Hören.“

Der Buddha ließ erneut schlagen
und fragte:

„Ist jetzt Klang da?“

„Ja.“

Als der Klang endete,
fragte er:

„Ist jetzt Klang da?“

„Nein.“

Der Buddha sagte:

„Warum widersprecht ihr euch
in euren eigenen Worten?“

Die Versammlung fragte:

„Worin liegt der Widerspruch?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die direkte Entlarvung der begrifflichen Verwechslung,
nicht durch Argument, sondern durch unmittelbare Erfahrung.

1. Wissen reicht nicht aus

Der Buddha sagt klar:
Ānanda versteht die Ursachen der Verirrung,
doch erkennt Verirrung nicht,
wenn sie jetzt geschieht.

Das ist der Unterschied
zwischen Erklärung
und Einsicht.

2. Hören ist nicht Klang

Die Übung zeigt:
• Klang entsteht und vergeht
• Hören wird als mitgehend angenommen

Doch der Wechsel
von „Hören / Nicht-Hören“
und „Klang / Nicht-Klang“
wird widersprüchlich gebraucht.

Damit wird sichtbar:
Man verwechselt
die Funktion des Hörens
mit dem Objekt des Hörens.

3. Die begriffliche Verwirrung

Die Versammlung
benutzt dieselben Worte
für verschiedene Ebenen:
• „Hören“ als Funktion
• „Klang“ als Ereignis

Diese Vermischung
ist genau die Verirrung,
die der Buddha aufzeigt.

4. Warum der Buddha von „Verwirrung“ spricht

Nicht weil sie „falsch“ antworten,
sondern weil sie
unbemerkt Ebenen vermischen.

Verirrung ist hier
kein Irrtum des Inhalts,
sondern des Bezugsrahmens.

5. Vorbereitung der entscheidenden Wendung

Diese Demonstration
bereitet den nächsten Schritt vor:
Der Buddha wird nun zeigen,
dass Hören bleibt,
auch wenn Klang vergeht,
und damit die Sinnesfunktion
nicht vom Objekt abhängt.

Damit steht der Text
unmittelbar vor
der expliziten Freilegung
des Nicht-Entstehenden
in der Wahrnehmung selbst.
191 #
佛言:「我問汝聞,汝則言聞;又問汝聲,汝則言聲。[*]惟聞與聲報答無定,如是云何不名矯亂?阿難!聲銷無響,汝說無聞;若實無聞,聞性已滅同于枯木,鍾聲更擊,汝云何知?知有、知無,自是聲塵或無、或有,豈彼聞性為汝有、無?聞實云無,誰知無者?是故阿難!聲於聞中自有生滅;非為汝聞聲生、聲滅,令汝聞性為有、為無。汝尚顛倒,惑聲為聞,何怪昏迷,以常為斷?終不應言離諸動靜、閉塞、開通,說聞無性。如重睡人眠熟床枕,其家有人於彼睡時擣練、舂米,其人夢中聞舂擣聲別作他物,或為擊鼓,或[2]復撞鍾;即於夢時,自怪其鍾為木石響。於時忽寤,遄知杵音。自告家人:『我正夢時,惑此舂音將為鼓響。』阿難!是人夢中,豈憶靜搖、開閉、通塞?其形雖寐,聞性不昏。縱汝形銷命光遷謝,此性云何為汝銷滅?以諸眾生從無始來,循諸色、聲逐念流轉,曾不開悟性淨妙常。不循所常,逐諸生滅,由是生生雜染流轉。若棄生滅,守於真常,常光現前,[3]塵根、識心應時銷落。想相為塵,識情為垢,二俱遠離;則汝法眼應時清明,云何不成無上知覺?」
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第四
Der Buddha sprach:

„Ich frage dich nach dem Hören,
und du sprichst vom Klang.
Ich frage nach dem Klang,
und du sprichst vom Hören.
So vertauschst du
Funktion und Objekt.

Wenn der Klang vergeht,
sagst du,
es gebe kein Hören.
Doch wäre das Hören
wirklich verschwunden,
wie könntest du
einen neuen Klang erkennen?

Klang kommt und geht
im Hören;
doch das Hören
kommt und geht
nicht mit dem Klang.

Du hältst das Vergängliche
für das Beständige
und wunderst dich,
dass Verwirrung bleibt.

Auch ohne Bewegung und Ruhe,
ohne Öffnung und Schließung,
bleibt Hören wirksam.

Wie im Traum:
Der Körper ruht,
doch Hören ist da.

Stampfen wird
für Trommel gehalten,
Rauschen für Glocke.

Nicht das Hören irrt –
die Zuordnung irrt.

Erst wenn der Traum endet,
fällt die Verwechslung.

So ist es auch hier:
Seit jeher folgen Wesen
Farben und Klängen
und treiben
im Strom der Gedanken.
Sie erkennen nicht,
was rein
und beständig ist.

Gib das Vergängliche auf
und halte nicht daran fest.
Dann tritt
das beständige Leuchten hervor,
Staub
und unterscheidendes Erkennen
fallen weg,
und Klarheit
öffnet sich von selbst.

Wie sollte dann
nicht
die höchste Erkenntnis
wirklich werden?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die entscheidende Freilegung der Wahrnehmungsfunktion.

1. Funktion ist nicht Objekt

Der Buddha zeigt:
Hören ist nicht Klang,
und Sehen ist nicht Form.

Verwechslung von Funktion und Objekt
ist der Kern der Verirrung.

2. Beständigkeit im Wandel

Dass Klang vergeht,
beweist nicht,
dass Hören vergeht.
Im Gegenteil:
Das Wiedererkennen
setzt Beständigkeit voraus.

3. Traum als Beweis

Der Traum zeigt,
dass Wahrnehmung
nicht an den wachen Körper
gebunden ist.

Das ist kein metaphysisches Argument,
sondern eine
Erfahrungsbeobachtung.

4. Warum Verblendung fortbesteht

Lebewesen folgen
seit anfangsloser Zeit
den Sinnesobjekten
und den Gedanken,
statt der Funktion,
die wahrnimmt.

So wird das Vergängliche
zum Maßstab
für das Beständige.

5. Auflösung der Verstrickung

Praxis besteht hier
nicht im Erzeugen von Klarheit,
sondern im
Loslassen der Verwechslung.

Wenn Objektbindung endet,
fallen
Sinn,
Objekt
und unterscheidendes Erkennen
zugleich weg.

6. Abschluss der Rolle 4

Mit diesem Abschnitt
ist der gedankliche Kern von Rolle 4 vollständig entfaltet:
Nicht etwas Neues
muss erreicht werden,
sondern
die Verwechslung
muss enden.

Das Sutra schließt diese Rolle
nicht mit einer Definition,
sondern mit einer
direkten Einsichtsanweisung.
中文原文
佛言:「我問汝聞,汝則言聞;又問汝聲,汝則言聲。[*]惟聞與聲報答無定,如是云何不名矯亂?阿難!聲銷無響,汝說無聞;若實無聞,聞性已滅同于枯木,鍾聲更擊,汝云何知?知有、知無,自是聲塵或無、或有,豈彼聞性為汝有、無?聞實云無,誰知無者?是故阿難!聲於聞中自有生滅;非為汝聞聲生、聲滅,令汝聞性為有、為無。汝尚顛倒,惑聲為聞,何怪昏迷,以常為斷?終不應言離諸動靜、閉塞、開通,說聞無性。如重睡人眠熟床枕,其家有人於彼睡時擣練、舂米,其人夢中聞舂擣聲別作他物,或為擊鼓,或[2]復撞鍾;即於夢時,自怪其鍾為木石響。於時忽寤,遄知杵音。自告家人:『我正夢時,惑此舂音將為鼓響。』阿難!是人夢中,豈憶靜搖、開閉、通塞?其形雖寐,聞性不昏。縱汝形銷命光遷謝,此性云何為汝銷滅?以諸眾生從無始來,循諸色、聲逐念流轉,曾不開悟性淨妙常。不循所常,逐諸生滅,由是生生雜染流轉。若棄生滅,守於真常,常光現前,[3]塵根、識心應時銷落。想相為塵,識情為垢,二俱遠離;則汝法眼應時清明,云何不成無上知覺?」
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第四
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ich frage dich nach dem Hören,
und du sprichst vom Klang.
Ich frage nach dem Klang,
und du sprichst vom Hören.
So vertauschst du
Funktion und Objekt.

Wenn der Klang vergeht,
sagst du,
es gebe kein Hören.
Doch wäre das Hören
wirklich verschwunden,
wie könntest du
einen neuen Klang erkennen?

Klang kommt und geht
im Hören;
doch das Hören
kommt und geht
nicht mit dem Klang.

Du hältst das Vergängliche
für das Beständige
und wunderst dich,
dass Verwirrung bleibt.

Auch ohne Bewegung und Ruhe,
ohne Öffnung und Schließung,
bleibt Hören wirksam.

Wie im Traum:
Der Körper ruht,
doch Hören ist da.

Stampfen wird
für Trommel gehalten,
Rauschen für Glocke.

Nicht das Hören irrt –
die Zuordnung irrt.

Erst wenn der Traum endet,
fällt die Verwechslung.

So ist es auch hier:
Seit jeher folgen Wesen
Farben und Klängen
und treiben
im Strom der Gedanken.
Sie erkennen nicht,
was rein
und beständig ist.

Gib das Vergängliche auf
und halte nicht daran fest.
Dann tritt
das beständige Leuchten hervor,
Staub
und unterscheidendes Erkennen
fallen weg,
und Klarheit
öffnet sich von selbst.

Wie sollte dann
nicht
die höchste Erkenntnis
wirklich werden?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die entscheidende Freilegung der Wahrnehmungsfunktion.

1. Funktion ist nicht Objekt

Der Buddha zeigt:
Hören ist nicht Klang,
und Sehen ist nicht Form.

Verwechslung von Funktion und Objekt
ist der Kern der Verirrung.

2. Beständigkeit im Wandel

Dass Klang vergeht,
beweist nicht,
dass Hören vergeht.
Im Gegenteil:
Das Wiedererkennen
setzt Beständigkeit voraus.

3. Traum als Beweis

Der Traum zeigt,
dass Wahrnehmung
nicht an den wachen Körper
gebunden ist.

Das ist kein metaphysisches Argument,
sondern eine
Erfahrungsbeobachtung.

4. Warum Verblendung fortbesteht

Lebewesen folgen
seit anfangsloser Zeit
den Sinnesobjekten
und den Gedanken,
statt der Funktion,
die wahrnimmt.

So wird das Vergängliche
zum Maßstab
für das Beständige.

5. Auflösung der Verstrickung

Praxis besteht hier
nicht im Erzeugen von Klarheit,
sondern im
Loslassen der Verwechslung.

Wenn Objektbindung endet,
fallen
Sinn,
Objekt
und unterscheidendes Erkennen
zugleich weg.

6. Abschluss der Rolle 4

Mit diesem Abschnitt
ist der gedankliche Kern von Rolle 4 vollständig entfaltet:
Nicht etwas Neues
muss erreicht werden,
sondern
die Verwechslung
muss enden.

Das Sutra schließt diese Rolle
nicht mit einer Definition,
sondern mit einer
direkten Einsichtsanweisung.
192 #
阿難白佛言:「世尊!如來雖說第二義門,今觀世間解結之人,若不知其所結之元,我信是人終不能解。世尊!我及會中有學聲聞,亦復如是。從無始際,與諸無明俱滅俱生,雖得如是多聞善根,名為出家,猶隔日瘧。唯願大慈哀愍淪溺!今日身心云何是結?從何名解?亦令未來苦難眾生,得免輪迴,不落三有。」作是語已,普及大眾五體投地,雨淚翹誠,佇佛如來無上開示。
Ānanda sprach:

„Weltverehrter!
Obwohl du bereits
das Tor der zweiten Bedeutung
dargelegt hast,
erkenne ich bei den Menschen der Welt,
die ihre Verstrickungen lösen wollen:
Wenn sie den ursprünglichen Grund
dessen, was bindet,
nicht erkennen,
können sie die Verstrickung
letztlich nicht lösen.

Weltverehrter!
Auch ich
und die hörenden Schüler
dieser Versammlung
sind ebenso.
Seit anfangsloser Zeit
sind wir gemeinsam
mit Unwissenheit entstanden und vergangen.
Obwohl wir
viel gehört
und heilsame Grundlagen erworben haben
und als Mönche gelten,
kehrt die Verblendung
doch immer wieder zurück,
wie eine Fieberkrankheit im Wechsel.

Möge der Große Mitfühlende
sich unser erbarmen!
Wie genau
sind heute
Körper und Geist gebunden?
Wo beginnt
das Lösen?
Und möge diese Klärung
auch künftigen leidenden Wesen ermöglichen,
dem Kreislauf zu entkommen
und nicht
in die drei Daseinsbereiche zu fallen.“

Nachdem Ānanda dies gesprochen hatte,
warf er sich zusammen
mit der gesamten Versammlung
vollständig zu Boden,
Tränen flossen,
aufrichtige Hingabe war spürbar,
und sie warteten still
auf die höchste Unterweisung
des Tathāgata.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den eigentlichen Auftakt der Rolle 5 – und zugleich eine entscheidende Verschiebung der Fragestellung.

1. Die Grenze der „zweiten Bedeutung“

Ānanda erkennt klar:
Es reicht nicht,
über Leerheit, Nicht-Dualität oder das Tor der zweiten Bedeutung zu sprechen,
wenn der konkrete Ansatzpunkt der Verstrickung nicht erkannt wird.

Mit „zweiter Bedeutung“ ist dabei jene Ebene gemeint,
auf der der Buddha erklärt, unterscheidet, analysiert und mit Gleichnissen arbeitet –
eine notwendige, aber vermittelnde Redeweise
über das, was selbst nicht begrifflich ist.

Die erste Bedeutung hingegen
– der ursprüngliche Grund selbst –
ist nicht Gegenstand der Erklärung,
sondern das, worauf jede Erklärung nur hinweist.

Ānandas Einsicht lautet daher:

Ohne Kenntnis des ursprünglichen Grundes des Bindens
bleibt jede Lösung äußerlich.

Das Problem liegt nicht darin,
dass die zweite Bedeutung falsch wäre,
sondern darin,
dass Erklärung mit Auflösung verwechselt wird.

Es ist kein methodisches Defizit,
sondern ein ontologisches Missverstehen:
Der ursprüngliche Grund wird verstanden,
aber nicht am Ort der Verstrickung erkannt.

2. „Viel gehört“ als subtiler Stillstand

Der Vergleich mit der wechselnden Malaria ist scharf:
• Wissen ist da
• Ordination ist da
• Praxis ist begonnen

Und dennoch:
Die Verblendung kehrt rhythmisch zurück.

Hier kritisiert das Sutra nicht Unwissenheit,
sondern unverkörpertes Verstehen –
ein Thema, das auch moderne spirituelle Szenen direkt trifft.

3. Der Knoten ist nicht „da draußen“

Ānandas zentrale Frage ist präzise:

Wie sind heute Körper und Geist gebunden?

Nicht:
• Woher kommt die Welt?
• Warum gibt es Samsara?

Sondern:
• Wo bindet es jetzt?
• Was genau ist der Knoten?

Damit verschiebt sich die Lehre
von kosmologischer Erklärung
zu unmittelbarer Selbstprüfung.

4. Lösen ist keine Technik

Die Frage „Woher nennt man es Lösen?“ deutet bereits an:
• Lösen ist kein Vorgang
• kein Tun
• kein Fortschritt

Sondern:

das Wegfallen eines Irrtums über den ursprünglichen Grund.

Diese Linie führt direkt
zur folgenden großen Entfaltung der Rolle 5:
dem Nachweis,
dass Verblendung keinen Ursprung hat.

5. Relevanz für die Moderne

In heutiger Sprache:
• Analyse ohne Wurzelkontakt erzeugt Endlosschleifen
• Selbsterkenntnis ohne Klärung des Wahrnehmungsgrundes bleibt Therapie, nicht Befreiung
• Wissen ohne Rückbindung an das Ursprüngliche reproduziert genau das, was es überwinden will

Ānanda spricht hier für alle ernsthaft Übenden,
die merken:

Etwas Zentrales wurde verstanden –
aber nicht getroffen.

ckenn.


結 (jié) – Binden

1. Was „Binden“ nicht ist

結 bedeutet im Shurangama-Sutra nicht:
• moralische Verfehlung
• falsches Verhalten
• emotionale Schwäche
• karmische Schuld im psychologischen Sinn

Binden ist kein zusätzliches Etwas,
kein neues Phänomen,
keine „negative Kraft“.

2. Was „Binden“ tatsächlich bezeichnet

結 bezeichnet eine Fehlzuordnung im Erkennen.

Konkret:

Etwas Bedingtes
wird für den ursprünglichen Grund gehalten.

Oder präziser:

Der Geist hält seine eigenen Funktionen
für sein Wesen.

Das Binden geschieht vor jeder Emotion,
vor jeder Handlung,
vor jedem Gedanken.

Es ist eine Positionsverwechslung.

3. Die innere Struktur des Knotens

Der Knoten besteht aus drei ineinander verschränkten Fehlannahmen:
1. Das Erkennende wird übersehen
→ stattdessen wird auf das Erkannte fixiert
2. Bewegung wird für Träger gehalten
→ Gedanken, Wahrnehmungen, Reaktionen
3. Kontinuität wird hineingelesen
→ „Das bin ich“, „das gehört zu mir“

So entsteht:
• ein scheinbares Zentrum
• eine scheinbare Innen-Außen-Struktur
• eine scheinbare Dauer

All das ist 結.

4. Warum Binden anfangslos ist

Das Sutra sagt bewusst:

從無始際
seit anfangsloser Zeit

Nicht weil es „ewig“ wäre,
sondern weil kein erster Fehler auffindbar ist.

Binden geschieht immer schon,
sobald Erkennen sich selbst nicht erkennt.

Darum:
• keine Schuld
• kein Anfang
• kein Täter



解 (jiě) – Lösen

1. Was „Lösen“ nicht ist

解 ist nicht:
• ein Prozess
• eine Technik
• ein Fortschritt
• ein Ergebnis am Ende eines Weges

Es ist auch kein Gegenakt zum Binden.

Man kann einen Knoten nicht lösen,
wenn man ihn weiter zieht.

2. Was „Lösen“ tatsächlich bedeutet

解 bedeutet:

Das Erkennen des ursprünglichen Grundes
als nicht gebunden.

Nicht:
• „Der Knoten verschwindet“
• sondern:
• Er wird als nie real gebunden erkannt

Das Sutra ist hier radikal:

Wo nichts gebunden ist,
gibt es nichts zu lösen.

3. Warum das Sutra fragt:

從何名解?
„Woher nennt man es Lösen?“

Diese Frage ist entscheidend.

Sie bedeutet:
• Wenn nichts real gebunden war,
• warum sprechen wir überhaupt von „Lösen“?

Antwort:

„Lösen“ ist nur ein Name,
gegeben aus der Perspektive der Verirrung.

So wie man sagt:
• „Der Wahnsinn ist geheilt“
obwohl nie etwas Substantielles krank war.

4. Die Asymmetrie von Binden und Lösen

Binden Lösen
entsteht aus Verkennung entsteht nicht
hat keine Ursache braucht keine Ursache
ist Bewegung ist Stillheit
scheint real ist nur Name
bindet nicht wirklich löst nichts wirklich

Darum kann Lösen nicht wieder gebunden werden.



Der entscheidende Punkt bei Ānanda

Ānanda fragt nicht:
• „Wie löse ich?“
sondern:
• „Wie ist heute Körper und Geist gebunden?“

Das ist der Wendepunkt.

Denn:
• Wer nach Methoden fragt, bleibt gebunden
• Wer den Bindungspunkt erkennt, ist bereits nicht mehr ganz darin

Das Sutra arbeitet nicht mit Tun,
sondern mit Positionsklärung.



Moderne Entsprechung (ohne Vereinfachung)

In heutiger Sprache könnte man sagen:
• Binden ist Identifikation mit Prozess
• Lösen ist Rückerkennen des nicht-prozesshaften Grundes
• Therapie arbeitet im Gebundenen
• Erwachen erkennt die Nicht-Gebundenheit

Aber:

Der ursprüngliche Grund ist nie „frei geworden“
er war nie gebunden.



Vorbereitung auf den nächsten Abschnitt

Mit dieser Klärung ist jetzt klar,
warum der Buddha im nächsten Schritt kein neues Konzept einführt,
sondern das berühmte Gleichnis von Yajñadatta und dem Spiegel:
• Der Mann verliert nichts
• Er gewinnt nichts
• Der Wahnsinn ist grundlos
• Das Ende des Wahnsinns fügt nichts hinzu

Genau das ist 解.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!如來雖說第二義門,今觀世間解結之人,若不知其所結之元,我信是人終不能解。世尊!我及會中有學聲聞,亦復如是。從無始際,與諸無明俱滅俱生,雖得如是多聞善根,名為出家,猶隔日瘧。唯願大慈哀愍淪溺!今日身心云何是結?從何名解?亦令未來苦難眾生,得免輪迴,不落三有。」作是語已,普及大眾五體投地,雨淚翹誠,佇佛如來無上開示。
Deutsch
Ānanda sprach:

„Weltverehrter!
Obwohl du bereits
das Tor der zweiten Bedeutung
dargelegt hast,
erkenne ich bei den Menschen der Welt,
die ihre Verstrickungen lösen wollen:
Wenn sie den ursprünglichen Grund
dessen, was bindet,
nicht erkennen,
können sie die Verstrickung
letztlich nicht lösen.

Weltverehrter!
Auch ich
und die hörenden Schüler
dieser Versammlung
sind ebenso.
Seit anfangsloser Zeit
sind wir gemeinsam
mit Unwissenheit entstanden und vergangen.
Obwohl wir
viel gehört
und heilsame Grundlagen erworben haben
und als Mönche gelten,
kehrt die Verblendung
doch immer wieder zurück,
wie eine Fieberkrankheit im Wechsel.

Möge der Große Mitfühlende
sich unser erbarmen!
Wie genau
sind heute
Körper und Geist gebunden?
Wo beginnt
das Lösen?
Und möge diese Klärung
auch künftigen leidenden Wesen ermöglichen,
dem Kreislauf zu entkommen
und nicht
in die drei Daseinsbereiche zu fallen.“

Nachdem Ānanda dies gesprochen hatte,
warf er sich zusammen
mit der gesamten Versammlung
vollständig zu Boden,
Tränen flossen,
aufrichtige Hingabe war spürbar,
und sie warteten still
auf die höchste Unterweisung
des Tathāgata.
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den eigentlichen Auftakt der Rolle 5 – und zugleich eine entscheidende Verschiebung der Fragestellung.

1. Die Grenze der „zweiten Bedeutung“

Ānanda erkennt klar:
Es reicht nicht,
über Leerheit, Nicht-Dualität oder das Tor der zweiten Bedeutung zu sprechen,
wenn der konkrete Ansatzpunkt der Verstrickung nicht erkannt wird.

Mit „zweiter Bedeutung“ ist dabei jene Ebene gemeint,
auf der der Buddha erklärt, unterscheidet, analysiert und mit Gleichnissen arbeitet –
eine notwendige, aber vermittelnde Redeweise
über das, was selbst nicht begrifflich ist.

Die erste Bedeutung hingegen
– der ursprüngliche Grund selbst –
ist nicht Gegenstand der Erklärung,
sondern das, worauf jede Erklärung nur hinweist.

Ānandas Einsicht lautet daher:

Ohne Kenntnis des ursprünglichen Grundes des Bindens
bleibt jede Lösung äußerlich.

Das Problem liegt nicht darin,
dass die zweite Bedeutung falsch wäre,
sondern darin,
dass Erklärung mit Auflösung verwechselt wird.

Es ist kein methodisches Defizit,
sondern ein ontologisches Missverstehen:
Der ursprüngliche Grund wird verstanden,
aber nicht am Ort der Verstrickung erkannt.

2. „Viel gehört“ als subtiler Stillstand

Der Vergleich mit der wechselnden Malaria ist scharf:
• Wissen ist da
• Ordination ist da
• Praxis ist begonnen

Und dennoch:
Die Verblendung kehrt rhythmisch zurück.

Hier kritisiert das Sutra nicht Unwissenheit,
sondern unverkörpertes Verstehen –
ein Thema, das auch moderne spirituelle Szenen direkt trifft.

3. Der Knoten ist nicht „da draußen“

Ānandas zentrale Frage ist präzise:

Wie sind heute Körper und Geist gebunden?

Nicht:
• Woher kommt die Welt?
• Warum gibt es Samsara?

Sondern:
• Wo bindet es jetzt?
• Was genau ist der Knoten?

Damit verschiebt sich die Lehre
von kosmologischer Erklärung
zu unmittelbarer Selbstprüfung.

4. Lösen ist keine Technik

Die Frage „Woher nennt man es Lösen?“ deutet bereits an:
• Lösen ist kein Vorgang
• kein Tun
• kein Fortschritt

Sondern:

das Wegfallen eines Irrtums über den ursprünglichen Grund.

Diese Linie führt direkt
zur folgenden großen Entfaltung der Rolle 5:
dem Nachweis,
dass Verblendung keinen Ursprung hat.

5. Relevanz für die Moderne

In heutiger Sprache:
• Analyse ohne Wurzelkontakt erzeugt Endlosschleifen
• Selbsterkenntnis ohne Klärung des Wahrnehmungsgrundes bleibt Therapie, nicht Befreiung
• Wissen ohne Rückbindung an das Ursprüngliche reproduziert genau das, was es überwinden will

Ānanda spricht hier für alle ernsthaft Übenden,
die merken:

Etwas Zentrales wurde verstanden –
aber nicht getroffen.

ckenn.


結 (jié) – Binden

1. Was „Binden“ nicht ist

結 bedeutet im Shurangama-Sutra nicht:
• moralische Verfehlung
• falsches Verhalten
• emotionale Schwäche
• karmische Schuld im psychologischen Sinn

Binden ist kein zusätzliches Etwas,
kein neues Phänomen,
keine „negative Kraft“.

2. Was „Binden“ tatsächlich bezeichnet

結 bezeichnet eine Fehlzuordnung im Erkennen.

Konkret:

Etwas Bedingtes
wird für den ursprünglichen Grund gehalten.

Oder präziser:

Der Geist hält seine eigenen Funktionen
für sein Wesen.

Das Binden geschieht vor jeder Emotion,
vor jeder Handlung,
vor jedem Gedanken.

Es ist eine Positionsverwechslung.

3. Die innere Struktur des Knotens

Der Knoten besteht aus drei ineinander verschränkten Fehlannahmen:
1. Das Erkennende wird übersehen
→ stattdessen wird auf das Erkannte fixiert
2. Bewegung wird für Träger gehalten
→ Gedanken, Wahrnehmungen, Reaktionen
3. Kontinuität wird hineingelesen
→ „Das bin ich“, „das gehört zu mir“

So entsteht:
• ein scheinbares Zentrum
• eine scheinbare Innen-Außen-Struktur
• eine scheinbare Dauer

All das ist 結.

4. Warum Binden anfangslos ist

Das Sutra sagt bewusst:

從無始際
seit anfangsloser Zeit

Nicht weil es „ewig“ wäre,
sondern weil kein erster Fehler auffindbar ist.

Binden geschieht immer schon,
sobald Erkennen sich selbst nicht erkennt.

Darum:
• keine Schuld
• kein Anfang
• kein Täter



解 (jiě) – Lösen

1. Was „Lösen“ nicht ist

解 ist nicht:
• ein Prozess
• eine Technik
• ein Fortschritt
• ein Ergebnis am Ende eines Weges

Es ist auch kein Gegenakt zum Binden.

Man kann einen Knoten nicht lösen,
wenn man ihn weiter zieht.

2. Was „Lösen“ tatsächlich bedeutet

解 bedeutet:

Das Erkennen des ursprünglichen Grundes
als nicht gebunden.

Nicht:
• „Der Knoten verschwindet“
• sondern:
• Er wird als nie real gebunden erkannt

Das Sutra ist hier radikal:

Wo nichts gebunden ist,
gibt es nichts zu lösen.

3. Warum das Sutra fragt:

從何名解?
„Woher nennt man es Lösen?“

Diese Frage ist entscheidend.

Sie bedeutet:
• Wenn nichts real gebunden war,
• warum sprechen wir überhaupt von „Lösen“?

Antwort:

„Lösen“ ist nur ein Name,
gegeben aus der Perspektive der Verirrung.

So wie man sagt:
• „Der Wahnsinn ist geheilt“
obwohl nie etwas Substantielles krank war.

4. Die Asymmetrie von Binden und Lösen

Binden Lösen
entsteht aus Verkennung entsteht nicht
hat keine Ursache braucht keine Ursache
ist Bewegung ist Stillheit
scheint real ist nur Name
bindet nicht wirklich löst nichts wirklich

Darum kann Lösen nicht wieder gebunden werden.



Der entscheidende Punkt bei Ānanda

Ānanda fragt nicht:
• „Wie löse ich?“
sondern:
• „Wie ist heute Körper und Geist gebunden?“

Das ist der Wendepunkt.

Denn:
• Wer nach Methoden fragt, bleibt gebunden
• Wer den Bindungspunkt erkennt, ist bereits nicht mehr ganz darin

Das Sutra arbeitet nicht mit Tun,
sondern mit Positionsklärung.



Moderne Entsprechung (ohne Vereinfachung)

In heutiger Sprache könnte man sagen:
• Binden ist Identifikation mit Prozess
• Lösen ist Rückerkennen des nicht-prozesshaften Grundes
• Therapie arbeitet im Gebundenen
• Erwachen erkennt die Nicht-Gebundenheit

Aber:

Der ursprüngliche Grund ist nie „frei geworden“
er war nie gebunden.



Vorbereitung auf den nächsten Abschnitt

Mit dieser Klärung ist jetzt klar,
warum der Buddha im nächsten Schritt kein neues Konzept einführt,
sondern das berühmte Gleichnis von Yajñadatta und dem Spiegel:
• Der Mann verliert nichts
• Er gewinnt nichts
• Der Wahnsinn ist grundlos
• Das Ende des Wahnsinns fügt nichts hinzu

Genau das ist 解.
193 #
爾時,世尊憐愍阿難及諸會中諸有學者,亦為未來一切眾生為出世因,作將來眼。以閻浮檀紫[4]金光手摩阿難頂,即時十方普佛世界六種[5]振動,微塵如來住世界者,各有寶光從其頂出,其光同時於彼世界來祇陀林灌如來頂。是諸大眾得未曾有!於是阿難及諸大眾,俱聞十方微塵如來異口同音告阿難言:「善哉!阿難!汝欲識知俱生無明,使汝輪轉生死結根,唯汝六根更無他物。汝復欲知無上菩提,令汝速[6]證安樂解脫寂靜妙常,亦汝六根更非他物!」
Zu dieser Zeit
erbarmte sich der Weltverehrte
Ānandas
und aller noch Lernenden der Versammlung.
Zugleich tat er dies
um der künftigen Wesen willen,
als Ursache des Überschreitens
und als Auge für kommende Zeiten.

Mit seiner purpurgoldenen
Jambūnada-Hand
berührte er
Ānandas Scheitel.
Sogleich
erbebten
die Buddha-Welten der zehn Richtungen
in sechsfacher Erschütterung.
In allen Welten,
in denen unzählige Tathāgatas
wie Staubteilchen verweilten,
entsprang jeweils
kostbares Licht
aus ihrem Scheitel;
diese Lichter
strömten zugleich
in den Jetavana-Hain
und übergossen
das Haupt des Tathāgata.

Die große Versammlung
erfuhr etwas,
das sie noch nie erlebt hatte.

Daraufhin hörten
Ānanda
und die gesamte Versammlung
die Tathāgatas der zehn Richtungen,
so zahlreich wie Staubteilchen,
mit verschiedenen Stimmen
und doch einem Klang,
zu Ānanda sprechen:

„Wohlgesprochen, Ānanda!
Wenn du erkennen willst
die mit dir zugleich entstandene Unwissenheit,
die dich im Kreislauf von Geburt und Tod
wandern lässt
und deren Wurzel das Binden ist,
so sind es allein
deine sechs Sinneswurzeln –
nichts anderes.

Wenn du erkennen willst
das unübertreffliche Bodhi,
durch das du rasch
friedvolle Befreiung,
stille Freude
und wunderbare Beständigkeit
verwirklichst,
so sind es ebenfalls
deine sechs Sinneswurzeln –
nichts anderes.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist einer der zentralen Wendepunkte des gesamten Shurangama-Sutra.

1. Das Mitgefühl als erkenntnistheoretische Öffnung

Der Buddha handelt hier nicht rituell,
sondern epistemisch:
• „Erbarmen“ bedeutet:
Öffnung eines Zugangs
• „Auge der Zukunft“ bedeutet:
Klärung einer Struktur,
die zeitlos wirksam ist

Es geht nicht um Ānanda allein,
sondern um die Grundarchitektur aller Verirrung und Befreiung.

2. Die radikale Vereinfachung

Die Aussage ist schneidend klar:

Die Wurzel von Samsara
und
die Pforte von Bodhi
sind ein und dasselbe.

Nicht zwei Ursachen.
Nicht zwei Wege.

Dieselben sechs Sinne.

Das ist für viele Leser irritierend,
weil es jede dualistische Praxislogik sprengt.

3. „俱生無明“ – die mit-entstandene Unwissenheit

Wichtig ist:
• Diese Unwissenheit ist nicht erlernt
• nicht moralisch
• nicht psychologisch verursacht

Sie ist:

das gleichzeitige Auftreten
von Wahrnehmen
und Selbstverfehlung.

Sobald Wahrnehmen
sich selbst nicht erkennt,
entsteht Rotation.

4. Warum die sechs Sinne?

Nicht weil sie „schuld“ wären,
sondern weil sie:
• Schnittstellen sind
• Kontaktpunkte
• Orte der Verwechslung

An ihnen entscheidet sich:
• ob Wahrnehmen nach außen läuft → Binden
• oder nach innen zurückkehrt → Befreiung

5. Kein zusätzlicher Weg

Besonders radikal ist:

Es wird nichts hinzugefügt.

• Keine neue Instanz
• kein neues Bewusstsein
• kein übergeordnetes Prinzip

Nur:

Erkennen am Ort des Erkennens.

Darum sagt der Text zweimal:

„更無他物 / 更非他物“
nichts anderes – wirklich nichts anderes

6. Vorbereitung der nächsten großen Lehre

Dieser Abschnitt bereitet unmittelbar vor:
• die detaillierte Analyse der sechs Sinne
• die Lehre von Umkehr (還流) statt Fortschritt
• die berühmte Auswahl des Tores (später: Guanyin)

Alles, was folgt,
ist Entfaltung dieses einen Satzes.
中文原文
爾時,世尊憐愍阿難及諸會中諸有學者,亦為未來一切眾生為出世因,作將來眼。以閻浮檀紫[4]金光手摩阿難頂,即時十方普佛世界六種[5]振動,微塵如來住世界者,各有寶光從其頂出,其光同時於彼世界來祇陀林灌如來頂。是諸大眾得未曾有!於是阿難及諸大眾,俱聞十方微塵如來異口同音告阿難言:「善哉!阿難!汝欲識知俱生無明,使汝輪轉生死結根,唯汝六根更無他物。汝復欲知無上菩提,令汝速[6]證安樂解脫寂靜妙常,亦汝六根更非他物!」
Deutsch
Zu dieser Zeit
erbarmte sich der Weltverehrte
Ānandas
und aller noch Lernenden der Versammlung.
Zugleich tat er dies
um der künftigen Wesen willen,
als Ursache des Überschreitens
und als Auge für kommende Zeiten.

Mit seiner purpurgoldenen
Jambūnada-Hand
berührte er
Ānandas Scheitel.
Sogleich
erbebten
die Buddha-Welten der zehn Richtungen
in sechsfacher Erschütterung.
In allen Welten,
in denen unzählige Tathāgatas
wie Staubteilchen verweilten,
entsprang jeweils
kostbares Licht
aus ihrem Scheitel;
diese Lichter
strömten zugleich
in den Jetavana-Hain
und übergossen
das Haupt des Tathāgata.

Die große Versammlung
erfuhr etwas,
das sie noch nie erlebt hatte.

Daraufhin hörten
Ānanda
und die gesamte Versammlung
die Tathāgatas der zehn Richtungen,
so zahlreich wie Staubteilchen,
mit verschiedenen Stimmen
und doch einem Klang,
zu Ānanda sprechen:

„Wohlgesprochen, Ānanda!
Wenn du erkennen willst
die mit dir zugleich entstandene Unwissenheit,
die dich im Kreislauf von Geburt und Tod
wandern lässt
und deren Wurzel das Binden ist,
so sind es allein
deine sechs Sinneswurzeln –
nichts anderes.

Wenn du erkennen willst
das unübertreffliche Bodhi,
durch das du rasch
friedvolle Befreiung,
stille Freude
und wunderbare Beständigkeit
verwirklichst,
so sind es ebenfalls
deine sechs Sinneswurzeln –
nichts anderes.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist einer der zentralen Wendepunkte des gesamten Shurangama-Sutra.

1. Das Mitgefühl als erkenntnistheoretische Öffnung

Der Buddha handelt hier nicht rituell,
sondern epistemisch:
• „Erbarmen“ bedeutet:
Öffnung eines Zugangs
• „Auge der Zukunft“ bedeutet:
Klärung einer Struktur,
die zeitlos wirksam ist

Es geht nicht um Ānanda allein,
sondern um die Grundarchitektur aller Verirrung und Befreiung.

2. Die radikale Vereinfachung

Die Aussage ist schneidend klar:

Die Wurzel von Samsara
und
die Pforte von Bodhi
sind ein und dasselbe.

Nicht zwei Ursachen.
Nicht zwei Wege.

Dieselben sechs Sinne.

Das ist für viele Leser irritierend,
weil es jede dualistische Praxislogik sprengt.

3. „俱生無明“ – die mit-entstandene Unwissenheit

Wichtig ist:
• Diese Unwissenheit ist nicht erlernt
• nicht moralisch
• nicht psychologisch verursacht

Sie ist:

das gleichzeitige Auftreten
von Wahrnehmen
und Selbstverfehlung.

Sobald Wahrnehmen
sich selbst nicht erkennt,
entsteht Rotation.

4. Warum die sechs Sinne?

Nicht weil sie „schuld“ wären,
sondern weil sie:
• Schnittstellen sind
• Kontaktpunkte
• Orte der Verwechslung

An ihnen entscheidet sich:
• ob Wahrnehmen nach außen läuft → Binden
• oder nach innen zurückkehrt → Befreiung

5. Kein zusätzlicher Weg

Besonders radikal ist:

Es wird nichts hinzugefügt.

• Keine neue Instanz
• kein neues Bewusstsein
• kein übergeordnetes Prinzip

Nur:

Erkennen am Ort des Erkennens.

Darum sagt der Text zweimal:

„更無他物 / 更非他物“
nichts anderes – wirklich nichts anderes

6. Vorbereitung der nächsten großen Lehre

Dieser Abschnitt bereitet unmittelbar vor:
• die detaillierte Analyse der sechs Sinne
• die Lehre von Umkehr (還流) statt Fortschritt
• die berühmte Auswahl des Tores (später: Guanyin)

Alles, was folgt,
ist Entfaltung dieses einen Satzes.
194 #
阿難雖聞如是法音,心猶未明,稽首白佛:「云何令我生死輪迴,安樂妙常,同是六根更非他物?」
佛告阿難:「根、塵同源,縛、脫無二,識性虛妄,猶如空花。阿難!由塵發知,因根有相,相見無性同於交蘆。是故汝今,知見立知即無明本;知見無見斯即涅槃無漏真淨。云何是中更容他物?」
爾時,世尊欲重宣此義,而說偈言:
Ānanda hörte zwar
diese Lehre,
doch sein Geist war noch nicht erhellt.
Er verneigte sich
und fragte den Buddha:

„Wie ist es zu verstehen,
dass Geburt und Tod,
das kreisende Dasein,
und zugleich
friedvolle Befreiung,
wunderbare Beständigkeit
und stille Freude
ein und dasselbe sind:
die sechs Sinneswurzeln –
und doch nichts anderes?“

Der Buddha antwortete:

„Sinneswurzel und Sinnesobjekt
haben einen gemeinsamen Ursprung;
Binden und Befreien
sind nicht zwei.
Die Natur des Bewusstseins
ist leer und trügerisch,
wie Blumen im leeren Raum.

Ānanda!
Durch die Objekte
entsteht Erkennen;
durch die Wurzeln
entstehen Erscheinungen.
Erscheinung und Sehen
besitzen keine eigene Wesenheit –
sie gleichen
aneinander gelehnten Schilfrohren.

Darum gilt nun:
Wenn Erkennen
auf Erkennen aufsetzt,
ist dies der Ursprung der Unwissenheit.
Wenn Erkennen
ohne ein weiteres Erkennen ist,
ist dies Nirvana –
rein,
ausflusslos
und wahr.

Wie könnte hier
noch Raum sein
für etwas anderes?“

Daraufhin
wollte der Weltverehrte
diese Bedeutung erneut entfalten
und trug sie in Versform vor.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist einer der dichtesten Lehrkerne des gesamten Sutras.
Er bringt die vorherige Aussage – „Samsara und Bodhi haben dieselbe Wurzel“ –
auf ihren entscheidenden Drehpunkt.

1. Warum Ānanda noch nicht klar sieht

Ānandas Frage ist ehrlich und präzise:
Wenn dieselben sechs Sinne
binden und befreien können,
wo liegt dann der Unterschied?

Sein Denken sucht noch:
• einen Mechanismus
• eine Umschaltstelle
• ein zusätzliches Prinzip

Genau das wird nun verneint.

2. 根、塵同源 – Wurzel und Staub haben denselben Ursprung

„Wurzel“ (Sinneswurzel)
und „Staub“ (Sinnesobjekt)
sind keine zwei getrennten Realitäten.

Sie entstehen relational:
• ohne Objekt kein Erkennen
• ohne Erkennen kein Objekt

Es gibt keinen festen Träger,
keine unabhängige Substanz.

3. 縛、脫無二 – Binden und Lösen sind nicht zwei

Das ist keine ethische Aussage,
sondern eine ontologische.

Binden entsteht nicht,
weil etwas „falsch“ ist,
sondern weil Erkennen sich selbst verfehlt.

Lösen entsteht nicht,
weil etwas „richtig gemacht“ wird,
sondern weil diese Verfehlung
nicht mehr geschieht.

4. 識性虛妄,如空花 – Bewusstsein als Raumblume

„Blumen im Raum“
sind kein Ding,
aber auch nicht nichts.

Sie erscheinen
ohne Substanz.

So ist auch das gewöhnliche Bewusstsein:
• funktional
• erfahrbar
• aber ohne eigenständige Wesenheit

5. 知見立知即無明本 – der schärfste Satz

„Erkennen, das auf Erkennen gründet,
ist die Wurzel der Unwissenheit.“

Das bedeutet:
• Ein Beobachter wird gesetzt
• ein Standpunkt wird fixiert
• Erkennen verdoppelt sich

Hier entsteht das Ich.

6. 知見無見斯即涅槃 – die Umkehr

„Erkennen ohne Erkennen
ist Nirvana.“

Das ist keine Auslöschung,
sondern:
• Erkennen ohne Selbstbezug
• Wahrnehmen ohne Besitzer
• Funktion ohne Zentrum

Darum:

Nirvana ist nicht woanders,
sondern dort,
wo Erkennen nicht mehr auf sich zeigt.

7. Konsequenz

Darum fragt der Buddha:

„Wie könnte hier noch Platz sein für etwas anderes?“

• Kein zusätzliches Prinzip
• kein weiteres Bewusstsein
• kein transzendentes Etwas

Alles entscheidet sich hier:
am Punkt,
an dem Erkennen
sich selbst
als Objekt nimmt –
oder eben nicht.
中文原文
阿難雖聞如是法音,心猶未明,稽首白佛:「云何令我生死輪迴,安樂妙常,同是六根更非他物?」
佛告阿難:「根、塵同源,縛、脫無二,識性虛妄,猶如空花。阿難!由塵發知,因根有相,相見無性同於交蘆。是故汝今,知見立知即無明本;知見無見斯即涅槃無漏真淨。云何是中更容他物?」
爾時,世尊欲重宣此義,而說偈言:
Deutsch
Ānanda hörte zwar
diese Lehre,
doch sein Geist war noch nicht erhellt.
Er verneigte sich
und fragte den Buddha:

„Wie ist es zu verstehen,
dass Geburt und Tod,
das kreisende Dasein,
und zugleich
friedvolle Befreiung,
wunderbare Beständigkeit
und stille Freude
ein und dasselbe sind:
die sechs Sinneswurzeln –
und doch nichts anderes?“

Der Buddha antwortete:

„Sinneswurzel und Sinnesobjekt
haben einen gemeinsamen Ursprung;
Binden und Befreien
sind nicht zwei.
Die Natur des Bewusstseins
ist leer und trügerisch,
wie Blumen im leeren Raum.

Ānanda!
Durch die Objekte
entsteht Erkennen;
durch die Wurzeln
entstehen Erscheinungen.
Erscheinung und Sehen
besitzen keine eigene Wesenheit –
sie gleichen
aneinander gelehnten Schilfrohren.

Darum gilt nun:
Wenn Erkennen
auf Erkennen aufsetzt,
ist dies der Ursprung der Unwissenheit.
Wenn Erkennen
ohne ein weiteres Erkennen ist,
ist dies Nirvana –
rein,
ausflusslos
und wahr.

Wie könnte hier
noch Raum sein
für etwas anderes?“

Daraufhin
wollte der Weltverehrte
diese Bedeutung erneut entfalten
und trug sie in Versform vor.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist einer der dichtesten Lehrkerne des gesamten Sutras.
Er bringt die vorherige Aussage – „Samsara und Bodhi haben dieselbe Wurzel“ –
auf ihren entscheidenden Drehpunkt.

1. Warum Ānanda noch nicht klar sieht

Ānandas Frage ist ehrlich und präzise:
Wenn dieselben sechs Sinne
binden und befreien können,
wo liegt dann der Unterschied?

Sein Denken sucht noch:
• einen Mechanismus
• eine Umschaltstelle
• ein zusätzliches Prinzip

Genau das wird nun verneint.

2. 根、塵同源 – Wurzel und Staub haben denselben Ursprung

„Wurzel“ (Sinneswurzel)
und „Staub“ (Sinnesobjekt)
sind keine zwei getrennten Realitäten.

Sie entstehen relational:
• ohne Objekt kein Erkennen
• ohne Erkennen kein Objekt

Es gibt keinen festen Träger,
keine unabhängige Substanz.

3. 縛、脫無二 – Binden und Lösen sind nicht zwei

Das ist keine ethische Aussage,
sondern eine ontologische.

Binden entsteht nicht,
weil etwas „falsch“ ist,
sondern weil Erkennen sich selbst verfehlt.

Lösen entsteht nicht,
weil etwas „richtig gemacht“ wird,
sondern weil diese Verfehlung
nicht mehr geschieht.

4. 識性虛妄,如空花 – Bewusstsein als Raumblume

„Blumen im Raum“
sind kein Ding,
aber auch nicht nichts.

Sie erscheinen
ohne Substanz.

So ist auch das gewöhnliche Bewusstsein:
• funktional
• erfahrbar
• aber ohne eigenständige Wesenheit

5. 知見立知即無明本 – der schärfste Satz

„Erkennen, das auf Erkennen gründet,
ist die Wurzel der Unwissenheit.“

Das bedeutet:
• Ein Beobachter wird gesetzt
• ein Standpunkt wird fixiert
• Erkennen verdoppelt sich

Hier entsteht das Ich.

6. 知見無見斯即涅槃 – die Umkehr

„Erkennen ohne Erkennen
ist Nirvana.“

Das ist keine Auslöschung,
sondern:
• Erkennen ohne Selbstbezug
• Wahrnehmen ohne Besitzer
• Funktion ohne Zentrum

Darum:

Nirvana ist nicht woanders,
sondern dort,
wo Erkennen nicht mehr auf sich zeigt.

7. Konsequenz

Darum fragt der Buddha:

„Wie könnte hier noch Platz sein für etwas anderes?“

• Kein zusätzliches Prinzip
• kein weiteres Bewusstsein
• kein transzendentes Etwas

Alles entscheidet sich hier:
am Punkt,
an dem Erkennen
sich selbst
als Objekt nimmt –
oder eben nicht.
195 #
「真性有為空, 緣生故、如幻;
無為無起滅, 不實、如空花。
言妄顯諸真, 妄、真同二妄。
猶非真、非真, 云何見所見?
中間無實性, 是故若交蘆。
結解同所因, 聖凡無二路。
汝觀交中性, 空有二俱非。
迷晦即無明, 發明便解脫。
解結因次第。 六解一亦亡。
根選擇圓通, 入流成正覺。
陀那微細識, 習氣成暴流,
真非真恐迷, 我常不開演。
自心取自心, 非幻成幻法。
不取無非幻, 非幻尚不生;
幻法云何立? 是名妙蓮[A2]華,
金剛王寶覺、 如幻三摩提,
彈指超無學。 此阿毘達磨,
十方薄伽梵, 一路涅槃門。」
Wahr wirkt der Grund – und bleibt doch leer,
Bedingtes erscheint – nicht viel mehr.
Unbedingt kennt kein Werden und Gehen,
wie Blumen im Raum – nicht wirklich zu seh’n.

Auch getrübte Rede zeigt das Wahre,
doch wahr und falsch sind nicht das Klare.
Nicht wahr, nicht unwahr – nicht zu bestehen.
Wie könnt das Sehen je sich selbst sehen?

Zwischen Schein und Sehen ist kein Ding,
wie Schilfbündel sich zum Stehen bringen.
Binden und Lösen sind ursächlich ein,
heilig wie weltlich – nicht anders im Sein.

Schau diese Mitte: nicht leer, nicht voll,
Sein und Nichtsein verfehlen sie wohl.
Verblendung heißt Dunkel, Erwachen heißt Licht,
Erkennen löst, was Verkennung bricht.

Löse die Knoten in Abfolge stet.
Sind die sechs gelöst, das Eine vergeht.
Wählst an der Wurzel rundes Durchdringen,
kehrt der Strom – lässt Erwachen erklingen.

Ein feines Wissen, tief verborgen still,
ein Urstrom, den Gewohnheit treiben will.
Wahr und nicht wahr – die Scheidung verwirrt,
drum bleibt dies Wort unausgeführt.

Der Geist erfasst sich selbst stets gewillt.
Nicht-Scheinbares wird zum Scheinbild.
Greifst du nicht nach dem Nicht-Scheinbaren,
Trüge nicht mehr entstehen – nie waren.

Wie sollte Trug je Bestand noch haben?
Wunder-Lotusblume kann man sagen.
Vajra-gleiches, kostbares Erwachen
lässt wie-Trug-Samadhi still erwachen.

Ein Fingerschnipp – und man hat ausgelernt.
Dies ist das Abhidharma – ewig wärmt.
Der zehn Richtungen ein jeder Buddha
geht diesen einen Weg des Nirvana.
Kommentar öffnen
Dieses Verslied entfaltet keine Lehre im üblichen Sinn.
Es beschreibt eine Bewegung des Sehens, in der sich Schritt für Schritt zeigt,
dass alles, was als fest, wahr oder ursprünglich erscheinen könnte,
nur in Beziehung besteht – und gerade deshalb wirksam ist.

1. Wirksamkeit ohne Substanz

Das Lied beginnt mit einer Spannung, die nicht aufgelöst, sondern getragen wird:

Wahr wirkt der Grund – und bleibt doch leer.

Hier wird kein metaphysisches Prinzip eingeführt.
„Grund“ bezeichnet keinen Träger, kein Absolutes, kein Erstes.
Er benennt lediglich die Möglichkeit von Erscheinung,
ohne selbst als Erscheinendes festzustehen.

Dass der Grund wirkt, heißt nicht, dass er handelt.
Dass er leer ist, heißt nicht, dass nichts geschieht.
Gerade diese Nicht-Festlegbarkeit ist die Bedingung dafür,
dass Bedingtes erscheinen kann.

Die berühmte Formel 真空妙有 wird hier nicht erklärt,
sondern vollzogen:
Leere ist nicht Abwesenheit,
sondern die Offenheit, in der Erscheinung möglich wird.

2. Sprache als Verfehlung – und als Hinweis

Wenn das Lied sagt:

Auch getrübte Rede zeigt das Wahre,

dann rehabilitiert es die Sprache nicht –
aber es verdammt sie auch nicht.

Alles Benennen ist bereits Verfehlung.
Doch gerade diese Verfehlung geschieht innerhalb desselben Grundes,
aus dem auch Klarheit, Wahrnehmung und Erwachen hervorgehen.

Darum sind „wahr“ und „falsch“ nicht Gegensätze,
sondern zwei Varianten derselben Verirrung.
Beide versuchen, festzuhalten,
was sich seinem Wesen nach nicht festhalten lässt.

Die Frage:

Wie könnt das Sehen je sich selbst sehen?

markiert die Grenze jeder Reflexion.
Nicht, weil das Sehen verborgen wäre,
sondern weil Sehen niemals Objekt werden kann,
ohne sich selbst zu verfehlen.

3. Das Bild des sich stützenden Schilfs

Im Zentrum des Liedes steht das Gleichnis:

Zwischen Schein und Sehen ist kein Ding,
wie Schilfbündel sich zum Stehen bringen.

Erscheinung und Wahrnehmung existieren nicht unabhängig voneinander.
Keines trägt das andere.
Keines ist Ursprung, keines Folge.

Wie zwei Schilfrohre, die sich nur gegenseitig aufrecht halten,
entstehen sie miteinander oder gar nicht.

Hier liegt der Kern von 真空妙有:
Nicht Verschmelzung, nicht Trennung,
sondern wechselseitige Bedingtheit ohne Eigenwesen.

Aus dieser Einsicht folgt unmittelbar:

Binden und Lösen sind ursächlich ein,
heilig wie weltlich – nicht anders im Sein.

Verstrickung und Befreiung haben nicht verschiedene Ursachen.
Sie unterscheiden sich nicht im Grund,
sondern allein in der Art des Sehens.

4. „Das Eine vergeht“

Eine der radikalsten Zeilen des Liedes lautet:

Sind die sechs gelöst, das Eine vergeht.

Hier wird ein häufiger Fluchtpunkt spiritueller Sprache bewusst aufgelöst.

„Die sechs“ – Sinnesfelder, Bewusstseinsmodi, Differenzierungen –
scheinen auf ein „Eines“ zu verweisen,
auf eine letzte Einheit, einen stillen Kern, ein Höheres.

Doch das Lied folgt dem Sutra:
Auch dieses „Eine“ ist kein letzter Halt.

Solange die sechs noch wirksam sind,
mag das Eine als Gegenbild erscheinen.
Doch wenn die Verstrickung vollständig gelöst ist,
verliert auch das Eine seine Funktion.

„Das Eine vergeht“ bedeutet nicht Verlust,
sondern das Ende der letzten Vereinfachung.

Es bleibt nichts zurück, das festgehalten werden könnte –
aber auch nichts, das fehlen würde.

5. Umkehr des Stroms

Die Lösung liegt nicht im Hinzufügen,
sondern in der Umkehr der Bewegung:

Wählst an der Wurzel rundes Durchdringen,
kehrt der Strom – lässt Erwachen erklingen.

Erwachen ist kein Ziel am Ende eines Weges.
Es ist die Umkehr eines Stroms,
der sich bisher selbst angetrieben hat.

Darum „erklingt“ Erwachen:
Es wird nicht gemacht, nicht produziert, nicht erreicht.
Es ereignet sich, wenn das Greifen endet.

6. Warum das Wort unausgeführt bleibt

Das Lied spricht bewusst vom

feinen Wissen, tief verborgen still,

und sagt zugleich:

drum bleibt dies Wort unausgeführt.

Nicht aus Geheimniskrämerei,
sondern weil jede Ausführung bereits wieder bindet.

Was hier berührt wird,
lässt sich nicht entfalten, ohne verfälscht zu werden.
Es kann nur angedeutet und wieder losgelassen werden.

7. Selbstgriff und Illusion

Illusion entsteht nicht durch äußere Täuschung,
sondern durch einen einzigen, feinen Akt:

Der Geist erfasst sich selbst stets gewillt.

Sobald der Geist sich selbst zum Objekt macht,
wird das Nicht-Scheinbare zum Scheinbild.

Doch ebenso schlicht ist die Befreiung:

Greifst du nicht nach dem Nicht-Scheinbaren,
Trüge nicht mehr entstehen – nie waren.

Illusion muss nicht bekämpft werden.
Sie entsteht einfach nicht,
wenn das Greifen endet.

8. Die Wunder-Lotusblume

Wenn Trug keinen Bestand hat, fragt das Lied:

Wie sollte Trug je Bestand noch haben?

Was bleibt, ist keine Leere im negativen Sinn,
sondern etwas, das nur benannt, nicht erklärt werden kann:

Wunder-Lotusblume kann man sagen.

Der Lotus wächst aus dem Schlamm,
ohne vom Schlamm befleckt zu sein.
So steht diese Metapher für Erwachen mitten in der Welt,
nicht jenseits von ihr.

9. Abhidharma, der wärmt

Der Schluss vermeidet jede Feierlichkeit:

Ein Fingerschnipp – und man hat ausgelernt.

Das Ende des Lernens ist nicht das Ende des Lebens,
sondern das Ende der Suche nach Halt.

Dass das Abhidharma hier als etwas beschrieben wird,
das „ewig wärmt“,
zeigt eine entscheidende Wendung:

Erkenntnis ist nicht kalt, nicht abstrakt, nicht fern.
Sie trägt, ohne festzuhalten.

Und so endet das Lied nicht mit einem Ziel,
sondern mit einem gemeinsamen Weg:

Der zehn Richtungen ein jeder Buddha
geht diesen einen Weg des Nirvana.

Kein Sonderpfad.
Kein höheres Wissen.
Nur ein Weg, der dort beginnt,
wo nichts mehr festgehalten werden muss.
中文原文
「真性有為空, 緣生故、如幻;
無為無起滅, 不實、如空花。
言妄顯諸真, 妄、真同二妄。
猶非真、非真, 云何見所見?
中間無實性, 是故若交蘆。
結解同所因, 聖凡無二路。
汝觀交中性, 空有二俱非。
迷晦即無明, 發明便解脫。
解結因次第。 六解一亦亡。
根選擇圓通, 入流成正覺。
陀那微細識, 習氣成暴流,
真非真恐迷, 我常不開演。
自心取自心, 非幻成幻法。
不取無非幻, 非幻尚不生;
幻法云何立? 是名妙蓮[A2]華,
金剛王寶覺、 如幻三摩提,
彈指超無學。 此阿毘達磨,
十方薄伽梵, 一路涅槃門。」
Deutsch
Wahr wirkt der Grund – und bleibt doch leer,
Bedingtes erscheint – nicht viel mehr.
Unbedingt kennt kein Werden und Gehen,
wie Blumen im Raum – nicht wirklich zu seh’n.

Auch getrübte Rede zeigt das Wahre,
doch wahr und falsch sind nicht das Klare.
Nicht wahr, nicht unwahr – nicht zu bestehen.
Wie könnt das Sehen je sich selbst sehen?

Zwischen Schein und Sehen ist kein Ding,
wie Schilfbündel sich zum Stehen bringen.
Binden und Lösen sind ursächlich ein,
heilig wie weltlich – nicht anders im Sein.

Schau diese Mitte: nicht leer, nicht voll,
Sein und Nichtsein verfehlen sie wohl.
Verblendung heißt Dunkel, Erwachen heißt Licht,
Erkennen löst, was Verkennung bricht.

Löse die Knoten in Abfolge stet.
Sind die sechs gelöst, das Eine vergeht.
Wählst an der Wurzel rundes Durchdringen,
kehrt der Strom – lässt Erwachen erklingen.

Ein feines Wissen, tief verborgen still,
ein Urstrom, den Gewohnheit treiben will.
Wahr und nicht wahr – die Scheidung verwirrt,
drum bleibt dies Wort unausgeführt.

Der Geist erfasst sich selbst stets gewillt.
Nicht-Scheinbares wird zum Scheinbild.
Greifst du nicht nach dem Nicht-Scheinbaren,
Trüge nicht mehr entstehen – nie waren.

Wie sollte Trug je Bestand noch haben?
Wunder-Lotusblume kann man sagen.
Vajra-gleiches, kostbares Erwachen
lässt wie-Trug-Samadhi still erwachen.

Ein Fingerschnipp – und man hat ausgelernt.
Dies ist das Abhidharma – ewig wärmt.
Der zehn Richtungen ein jeder Buddha
geht diesen einen Weg des Nirvana.
Kommentar
Dieses Verslied entfaltet keine Lehre im üblichen Sinn.
Es beschreibt eine Bewegung des Sehens, in der sich Schritt für Schritt zeigt,
dass alles, was als fest, wahr oder ursprünglich erscheinen könnte,
nur in Beziehung besteht – und gerade deshalb wirksam ist.

1. Wirksamkeit ohne Substanz

Das Lied beginnt mit einer Spannung, die nicht aufgelöst, sondern getragen wird:

Wahr wirkt der Grund – und bleibt doch leer.

Hier wird kein metaphysisches Prinzip eingeführt.
„Grund“ bezeichnet keinen Träger, kein Absolutes, kein Erstes.
Er benennt lediglich die Möglichkeit von Erscheinung,
ohne selbst als Erscheinendes festzustehen.

Dass der Grund wirkt, heißt nicht, dass er handelt.
Dass er leer ist, heißt nicht, dass nichts geschieht.
Gerade diese Nicht-Festlegbarkeit ist die Bedingung dafür,
dass Bedingtes erscheinen kann.

Die berühmte Formel 真空妙有 wird hier nicht erklärt,
sondern vollzogen:
Leere ist nicht Abwesenheit,
sondern die Offenheit, in der Erscheinung möglich wird.

2. Sprache als Verfehlung – und als Hinweis

Wenn das Lied sagt:

Auch getrübte Rede zeigt das Wahre,

dann rehabilitiert es die Sprache nicht –
aber es verdammt sie auch nicht.

Alles Benennen ist bereits Verfehlung.
Doch gerade diese Verfehlung geschieht innerhalb desselben Grundes,
aus dem auch Klarheit, Wahrnehmung und Erwachen hervorgehen.

Darum sind „wahr“ und „falsch“ nicht Gegensätze,
sondern zwei Varianten derselben Verirrung.
Beide versuchen, festzuhalten,
was sich seinem Wesen nach nicht festhalten lässt.

Die Frage:

Wie könnt das Sehen je sich selbst sehen?

markiert die Grenze jeder Reflexion.
Nicht, weil das Sehen verborgen wäre,
sondern weil Sehen niemals Objekt werden kann,
ohne sich selbst zu verfehlen.

3. Das Bild des sich stützenden Schilfs

Im Zentrum des Liedes steht das Gleichnis:

Zwischen Schein und Sehen ist kein Ding,
wie Schilfbündel sich zum Stehen bringen.

Erscheinung und Wahrnehmung existieren nicht unabhängig voneinander.
Keines trägt das andere.
Keines ist Ursprung, keines Folge.

Wie zwei Schilfrohre, die sich nur gegenseitig aufrecht halten,
entstehen sie miteinander oder gar nicht.

Hier liegt der Kern von 真空妙有:
Nicht Verschmelzung, nicht Trennung,
sondern wechselseitige Bedingtheit ohne Eigenwesen.

Aus dieser Einsicht folgt unmittelbar:

Binden und Lösen sind ursächlich ein,
heilig wie weltlich – nicht anders im Sein.

Verstrickung und Befreiung haben nicht verschiedene Ursachen.
Sie unterscheiden sich nicht im Grund,
sondern allein in der Art des Sehens.

4. „Das Eine vergeht“

Eine der radikalsten Zeilen des Liedes lautet:

Sind die sechs gelöst, das Eine vergeht.

Hier wird ein häufiger Fluchtpunkt spiritueller Sprache bewusst aufgelöst.

„Die sechs“ – Sinnesfelder, Bewusstseinsmodi, Differenzierungen –
scheinen auf ein „Eines“ zu verweisen,
auf eine letzte Einheit, einen stillen Kern, ein Höheres.

Doch das Lied folgt dem Sutra:
Auch dieses „Eine“ ist kein letzter Halt.

Solange die sechs noch wirksam sind,
mag das Eine als Gegenbild erscheinen.
Doch wenn die Verstrickung vollständig gelöst ist,
verliert auch das Eine seine Funktion.

„Das Eine vergeht“ bedeutet nicht Verlust,
sondern das Ende der letzten Vereinfachung.

Es bleibt nichts zurück, das festgehalten werden könnte –
aber auch nichts, das fehlen würde.

5. Umkehr des Stroms

Die Lösung liegt nicht im Hinzufügen,
sondern in der Umkehr der Bewegung:

Wählst an der Wurzel rundes Durchdringen,
kehrt der Strom – lässt Erwachen erklingen.

Erwachen ist kein Ziel am Ende eines Weges.
Es ist die Umkehr eines Stroms,
der sich bisher selbst angetrieben hat.

Darum „erklingt“ Erwachen:
Es wird nicht gemacht, nicht produziert, nicht erreicht.
Es ereignet sich, wenn das Greifen endet.

6. Warum das Wort unausgeführt bleibt

Das Lied spricht bewusst vom

feinen Wissen, tief verborgen still,

und sagt zugleich:

drum bleibt dies Wort unausgeführt.

Nicht aus Geheimniskrämerei,
sondern weil jede Ausführung bereits wieder bindet.

Was hier berührt wird,
lässt sich nicht entfalten, ohne verfälscht zu werden.
Es kann nur angedeutet und wieder losgelassen werden.

7. Selbstgriff und Illusion

Illusion entsteht nicht durch äußere Täuschung,
sondern durch einen einzigen, feinen Akt:

Der Geist erfasst sich selbst stets gewillt.

Sobald der Geist sich selbst zum Objekt macht,
wird das Nicht-Scheinbare zum Scheinbild.

Doch ebenso schlicht ist die Befreiung:

Greifst du nicht nach dem Nicht-Scheinbaren,
Trüge nicht mehr entstehen – nie waren.

Illusion muss nicht bekämpft werden.
Sie entsteht einfach nicht,
wenn das Greifen endet.

8. Die Wunder-Lotusblume

Wenn Trug keinen Bestand hat, fragt das Lied:

Wie sollte Trug je Bestand noch haben?

Was bleibt, ist keine Leere im negativen Sinn,
sondern etwas, das nur benannt, nicht erklärt werden kann:

Wunder-Lotusblume kann man sagen.

Der Lotus wächst aus dem Schlamm,
ohne vom Schlamm befleckt zu sein.
So steht diese Metapher für Erwachen mitten in der Welt,
nicht jenseits von ihr.

9. Abhidharma, der wärmt

Der Schluss vermeidet jede Feierlichkeit:

Ein Fingerschnipp – und man hat ausgelernt.

Das Ende des Lernens ist nicht das Ende des Lebens,
sondern das Ende der Suche nach Halt.

Dass das Abhidharma hier als etwas beschrieben wird,
das „ewig wärmt“,
zeigt eine entscheidende Wendung:

Erkenntnis ist nicht kalt, nicht abstrakt, nicht fern.
Sie trägt, ohne festzuhalten.

Und so endet das Lied nicht mit einem Ziel,
sondern mit einem gemeinsamen Weg:

Der zehn Richtungen ein jeder Buddha
geht diesen einen Weg des Nirvana.

Kein Sonderpfad.
Kein höheres Wissen.
Nur ein Weg, der dort beginnt,
wo nichts mehr festgehalten werden muss.
196 #
於是阿難及諸大眾,聞佛如來無上慈誨,祇夜伽陀雜糅精瑩,妙理清徹,心目開明,歎未曾有。阿難合掌、頂禮白佛:「我今聞佛無遮大悲、性淨妙常真實法句,心猶未達六解一亡舒結倫次;[1]惟垂大慈,再愍斯會及與將來,施以法音洗滌沈垢!」
Ānanda
und die große Versammlung
hörten die höchste,
mitfühlende Belehrung
des Tathāgata.
Lehrrede und Gāthā
waren kunstvoll miteinander verflochten,
klar, fein und glänzend;
die tiefen Prinzipien
waren rein und durchsichtig.
Herz und Blick
wurden weit und hell,
und alle lobten,
dass dies etwas sei,
das es noch nie gegeben hatte.

Ānanda
legte die Hände zusammen,
verneigte sich tief
und sprach:

„Nun habe ich
die uneingeschränkte,
große Barmherzigkeit des Buddha gehört
und die wahren Dharma-Worte
von reiner Natur
und wunderbarer Beständigkeit.
Doch habe ich innerlich
noch nicht vollständig durchdrungen,
wie beim Lösen der sechs
das Eine vergeht
und wie die Ordnung
des Entknotens zu verstehen ist.

Ich bitte dich
aus großem Mitgefühl:
Erbarme dich erneut
dieser Versammlung
und auch der Wesen der Zukunft,
und lass den Klang des Dharma ertönen,
um den tief sitzenden,
angesammelten Schleier
zu reinigen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt wirkt wie ein Atemholen im Lehrfluss –
und ist zugleich ein entscheidender Marker.

1. Öffnung ohne Abschluss

Obwohl „Herz und Auge“ sich öffnen,
ist kein Endpunkt erreicht.
Das Sutra zeigt hier bewusst:

Öffnung ist nicht Gleichsetzung mit Vollendung.

Verstehen ist klarer geworden,
doch die innere Ordnung
des Entknotens
ist noch nicht durchschaut.

2. Die noch offene Frage: 六解一亡

Ānandas Bitte ist bemerkenswert präzise.
Er fragt nicht mehr:
• was gebunden ist
• wo gebunden ist

sondern:

Wie sich das Lösen der sechs Sinne
geordnet vollzieht
und warum dabei
das Eine vergeht.

Das ist keine theoretische Neugier,
sondern der Übergang
von Einsicht
zu Wegstruktur.

3. Reinigung durch Dharma-Klang

„Waschen“ bedeutet hier nicht moralische Läuterung,
sondern:
• Ablösung feiner Gewohnheitsreste
• Klärung stiller Trübungen
• Loslösung letzter Strukturannahmen

Der Dharma wirkt nicht durch Tun,
sondern durch Durchdringen.

4. Vorbereitung des nächsten Großabschnitts

Mit dieser Bitte
öffnet Ānanda den Raum
für den nächsten entscheidenden Lehrzyklus:
• die Ordnung der sechs Tore
• das Prinzip der Umkehr des Stroms
• die Auswahl eines Sinnes
als direkter Zugang

Damit ist der Boden bereitet
für die systematische Entfaltung
der Praxisdimension
auf Grundlage der zuvor geklärten Ontologie.
中文原文
於是阿難及諸大眾,聞佛如來無上慈誨,祇夜伽陀雜糅精瑩,妙理清徹,心目開明,歎未曾有。阿難合掌、頂禮白佛:「我今聞佛無遮大悲、性淨妙常真實法句,心猶未達六解一亡舒結倫次;[1]惟垂大慈,再愍斯會及與將來,施以法音洗滌沈垢!」
Deutsch
Ānanda
und die große Versammlung
hörten die höchste,
mitfühlende Belehrung
des Tathāgata.
Lehrrede und Gāthā
waren kunstvoll miteinander verflochten,
klar, fein und glänzend;
die tiefen Prinzipien
waren rein und durchsichtig.
Herz und Blick
wurden weit und hell,
und alle lobten,
dass dies etwas sei,
das es noch nie gegeben hatte.

Ānanda
legte die Hände zusammen,
verneigte sich tief
und sprach:

„Nun habe ich
die uneingeschränkte,
große Barmherzigkeit des Buddha gehört
und die wahren Dharma-Worte
von reiner Natur
und wunderbarer Beständigkeit.
Doch habe ich innerlich
noch nicht vollständig durchdrungen,
wie beim Lösen der sechs
das Eine vergeht
und wie die Ordnung
des Entknotens zu verstehen ist.

Ich bitte dich
aus großem Mitgefühl:
Erbarme dich erneut
dieser Versammlung
und auch der Wesen der Zukunft,
und lass den Klang des Dharma ertönen,
um den tief sitzenden,
angesammelten Schleier
zu reinigen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt wirkt wie ein Atemholen im Lehrfluss –
und ist zugleich ein entscheidender Marker.

1. Öffnung ohne Abschluss

Obwohl „Herz und Auge“ sich öffnen,
ist kein Endpunkt erreicht.
Das Sutra zeigt hier bewusst:

Öffnung ist nicht Gleichsetzung mit Vollendung.

Verstehen ist klarer geworden,
doch die innere Ordnung
des Entknotens
ist noch nicht durchschaut.

2. Die noch offene Frage: 六解一亡

Ānandas Bitte ist bemerkenswert präzise.
Er fragt nicht mehr:
• was gebunden ist
• wo gebunden ist

sondern:

Wie sich das Lösen der sechs Sinne
geordnet vollzieht
und warum dabei
das Eine vergeht.

Das ist keine theoretische Neugier,
sondern der Übergang
von Einsicht
zu Wegstruktur.

3. Reinigung durch Dharma-Klang

„Waschen“ bedeutet hier nicht moralische Läuterung,
sondern:
• Ablösung feiner Gewohnheitsreste
• Klärung stiller Trübungen
• Loslösung letzter Strukturannahmen

Der Dharma wirkt nicht durch Tun,
sondern durch Durchdringen.

4. Vorbereitung des nächsten Großabschnitts

Mit dieser Bitte
öffnet Ānanda den Raum
für den nächsten entscheidenden Lehrzyklus:
• die Ordnung der sechs Tore
• das Prinzip der Umkehr des Stroms
• die Auswahl eines Sinnes
als direkter Zugang

Damit ist der Boden bereitet
für die systematische Entfaltung
der Praxisdimension
auf Grundlage der zuvor geklärten Ontologie.
197 #
即時如來於師子座,整涅槃僧,[A3]斂僧伽梨,[2]攬七寶[3]机,引手於[*]机,取劫波羅天所奉花巾,於大眾前綰成一結。示阿難言:「此名何等?」
阿難、大眾俱白佛言:「此名為結。」
於是如來綰疊花巾,又成一結,重問阿難:「此名何等?」
阿難、大眾又白佛言:「此亦名結。」如是倫次綰疊花巾,總成六結。一一結成,皆取手中所成之結持問阿難:「此名何等?」阿難、大眾,亦復如是次第酬佛:「此名為結。」
Da
richtete der Tathāgata
auf dem Löwenthron
seine Gewänder,
ordnete das Nirvāṇa-Gewand
und die Saṃghāṭī,
zog den Tisch
aus sieben Kostbarkeiten
zu sich heran,
legte die Hand darauf
und nahm
das von den Göttern des Kāpāra-Himmels
dargebrachte Blumen- und Seidentuch.

Vor der großen Versammlung
band er daraus
einen Knoten
und zeigte ihn Ānanda:

„Wie nennt man dies?“

Ānanda
und die gesamte Versammlung
antworteten:

„Man nennt es
einen Knoten.“

Daraufhin
band der Tathāgata
das Tuch erneut
und formte
einen zweiten Knoten.
Er fragte erneut:

„Wie nennt man dies?“

Ānanda
und die Versammlung
antworteten:

„Auch dies
nennt man einen Knoten.“

So band der Tathāgata
das Tuch
der Reihe nach weiter
und formte insgesamt
sechs Knoten.
Nach jedem gebundenen Knoten
nahm er den jeweils entstandenen Knoten
in die Hand
und fragte Ānanda:

„Wie nennt man dies?“

Ānanda
und die Versammlung
antworteten jedes Mal
der Reihe nach:

„Dies nennt man
einen Knoten.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt leitet die zentrale Anschauungslehre der Rolle 5 ein.

1. Vom Wort zur Sichtbarkeit

Bis hierher
wurde analysiert, erklärt, geklärt.
Nun geschieht ein Übergang:

Erkenntnis wird sichtbar gemacht.

Der Buddha spricht nicht mehr,
sondern zeigt.

2. Der Knoten als Struktur, nicht als Objekt

Alle sechs Knoten
heißen gleich.

Nicht:
• erster Knoten
• zweiter Knoten
• besserer oder schlechterer Knoten

Sondern:

jeder heißt einfach „Knoten“.

Damit wird vorbereitet:
• Die sechs Sinne sind nicht verschieden in ihrer Art
• nur in ihrer Reihenfolge des Erscheinens

3. Wiederholung als didaktische Präzision

Die scheinbar banale Wiederholung
ist kein rhetorischer Schmuck.

Sie bewirkt:
• Entzug jeder besonderen Bedeutung
• Auflösung von Hierarchie
• Gleichsetzung der Struktur

Das Entscheidende liegt nicht im Namen,
sondern im Vorgang des Bindens.

4. Vorbereitung der nächsten Frage

Erst nachdem
alle sechs Knoten gleich benannt sind,
kann die entscheidende Frage folgen:

Gibt es einen ersten Knoten?
Gibt es einen letzten?
Oder nur ein fortgesetztes Binden?

Damit ist der Boden bereitet
für die Lehre von 六解一亡
und die Umkehr des Stroms.
中文原文
即時如來於師子座,整涅槃僧,[A3]斂僧伽梨,[2]攬七寶[3]机,引手於[*]机,取劫波羅天所奉花巾,於大眾前綰成一結。示阿難言:「此名何等?」
阿難、大眾俱白佛言:「此名為結。」
於是如來綰疊花巾,又成一結,重問阿難:「此名何等?」
阿難、大眾又白佛言:「此亦名結。」如是倫次綰疊花巾,總成六結。一一結成,皆取手中所成之結持問阿難:「此名何等?」阿難、大眾,亦復如是次第酬佛:「此名為結。」
Deutsch
Da
richtete der Tathāgata
auf dem Löwenthron
seine Gewänder,
ordnete das Nirvāṇa-Gewand
und die Saṃghāṭī,
zog den Tisch
aus sieben Kostbarkeiten
zu sich heran,
legte die Hand darauf
und nahm
das von den Göttern des Kāpāra-Himmels
dargebrachte Blumen- und Seidentuch.

Vor der großen Versammlung
band er daraus
einen Knoten
und zeigte ihn Ānanda:

„Wie nennt man dies?“

Ānanda
und die gesamte Versammlung
antworteten:

„Man nennt es
einen Knoten.“

Daraufhin
band der Tathāgata
das Tuch erneut
und formte
einen zweiten Knoten.
Er fragte erneut:

„Wie nennt man dies?“

Ānanda
und die Versammlung
antworteten:

„Auch dies
nennt man einen Knoten.“

So band der Tathāgata
das Tuch
der Reihe nach weiter
und formte insgesamt
sechs Knoten.
Nach jedem gebundenen Knoten
nahm er den jeweils entstandenen Knoten
in die Hand
und fragte Ānanda:

„Wie nennt man dies?“

Ānanda
und die Versammlung
antworteten jedes Mal
der Reihe nach:

„Dies nennt man
einen Knoten.“
Kommentar
Dieser Abschnitt leitet die zentrale Anschauungslehre der Rolle 5 ein.

1. Vom Wort zur Sichtbarkeit

Bis hierher
wurde analysiert, erklärt, geklärt.
Nun geschieht ein Übergang:

Erkenntnis wird sichtbar gemacht.

Der Buddha spricht nicht mehr,
sondern zeigt.

2. Der Knoten als Struktur, nicht als Objekt

Alle sechs Knoten
heißen gleich.

Nicht:
• erster Knoten
• zweiter Knoten
• besserer oder schlechterer Knoten

Sondern:

jeder heißt einfach „Knoten“.

Damit wird vorbereitet:
• Die sechs Sinne sind nicht verschieden in ihrer Art
• nur in ihrer Reihenfolge des Erscheinens

3. Wiederholung als didaktische Präzision

Die scheinbar banale Wiederholung
ist kein rhetorischer Schmuck.

Sie bewirkt:
• Entzug jeder besonderen Bedeutung
• Auflösung von Hierarchie
• Gleichsetzung der Struktur

Das Entscheidende liegt nicht im Namen,
sondern im Vorgang des Bindens.

4. Vorbereitung der nächsten Frage

Erst nachdem
alle sechs Knoten gleich benannt sind,
kann die entscheidende Frage folgen:

Gibt es einen ersten Knoten?
Gibt es einen letzten?
Oder nur ein fortgesetztes Binden?

Damit ist der Boden bereitet
für die Lehre von 六解一亡
und die Umkehr des Stroms.
198 #
佛告阿難:「我初綰巾;汝名為結,此疊花巾先實一條,第二第三云何汝曹復名為結?」
阿難白佛言:「世尊!此寶疊花緝績成巾,雖本一體。如我思惟:『如來一綰得一結名,若百綰成終名百結。何況此巾秖有六結,終不至七,亦不停五?』云何如來秖許初時,第二、第三不名為結?」
佛告阿難:「此寶花巾,汝知此巾元止一條,我六綰時名有六結。汝審觀察,巾體是同,因結有異。於意云何?初綰結成名為第一,如是乃至第六結生,吾今欲將第六結名成第一不?」
「不也,世尊!六結若存,斯第六名終非第一。縱我歷生盡其明[4]辯,如何令是六結亂名?」
Der Buddha sagte zu Ānanda:

„Als ich das Tuch
zum ersten Mal band,
hast du es
einen Knoten genannt.
Dieses gefaltete Blumen- und Seidentuch
war zuvor tatsächlich
eine einzige Schnur.
Warum nennt ihr nun
auch beim zweiten und dritten Binden
das Ergebnis
jeweils einen Knoten?“

Ānanda erwiderte:

„Weltverehrter!
Dieses kostbare, gefaltete Tuch
ist ursprünglich
eine Einheit.
Doch so wie ich es verstehe:
Bindet der Tathāgata einmal,
entsteht ein Knoten;
bindet er hundertmal,
entstehen hundert Knoten.
Hier jedoch
sind es nur sechs Knoten –
sie werden nicht sieben
und auch nicht bei fünf enden.
Warum gestattet der Tathāgata
nur beim ersten Binden
die Bezeichnung ‚Knoten‘
und nicht auch beim zweiten und dritten?“

Der Buddha sprach:

„Dieses kostbare Blumen- und Seidentuch –
du weißt,
dass es ursprünglich
eine einzige Schnur war.
Als ich es sechsmal band,
wurden es sechs Knoten.
Betrachte dies genau:
Das Tuch selbst
ist identisch,
doch die Knoten
sind verschieden.

Was meinst du?
Der erste Knoten
wird der erste genannt;
so fort
bis der sechste entstanden ist.
Wenn ich nun
den sechsten Knoten
zum ersten erklären wollte –
wäre das möglich?“

Ānanda antwortete:

„Nein, Weltverehrter.
Solange die sechs Knoten bestehen,
kann der sechste
nicht der erste sein.
Selbst wenn ich
über viele Leben hinweg
alle Klarheit
und Unterscheidungskraft ausschöpfte,
könnte ich nicht bewirken,
dass diese sechs Knoten
in ihrer Benennung
vertauscht werden.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt schärft die Struktur der Verstrickung,
bevor von Lösen gesprochen wird.

1. Einheit des Trägers – Verschiedenheit der Knoten

Das Tuch ist eine einzige Substanz.
Die Knoten sind relationale Unterscheidungen.

Das bedeutet:
• Kein Knoten hat eigene Wesenheit
• Doch ihre Abfolge ist real wirksam

2. Ordnung ist nicht willkürlich

Ānanda erkennt korrekt:

Benennung ist nicht frei wählbar.

Solange die Struktur besteht,
kann ihre Reihenfolge
nicht vertauscht werden.

Das ist entscheidend für später:
• Lösen ist nicht beliebig
• es folgt einer inneren Ordnung

3. Vorbereitung der Lehre vom „ersten Knoten“

Die Frage:

Kann der sechste Knoten der erste sein?

bereitet direkt vor:
• Gibt es einen ursprünglichen Knoten?
• Oder ist „erst“ selbst schon Teil der Verstrickung?

Diese Spannung wird im nächsten Abschnitt aufgelöst.

4. Übertragung auf die sechs Sinne

Implizit ist bereits klar:
• Die sechs Knoten = sechs Sinne
• Das Tuch = ursprünglicher Grund
• Die Ordnung = Gewohnheitsstrom

Damit ist vorbereitet:

Lösen muss dort beginnen,
wo Binden begonnen hat.
中文原文
佛告阿難:「我初綰巾;汝名為結,此疊花巾先實一條,第二第三云何汝曹復名為結?」
阿難白佛言:「世尊!此寶疊花緝績成巾,雖本一體。如我思惟:『如來一綰得一結名,若百綰成終名百結。何況此巾秖有六結,終不至七,亦不停五?』云何如來秖許初時,第二、第三不名為結?」
佛告阿難:「此寶花巾,汝知此巾元止一條,我六綰時名有六結。汝審觀察,巾體是同,因結有異。於意云何?初綰結成名為第一,如是乃至第六結生,吾今欲將第六結名成第一不?」
「不也,世尊!六結若存,斯第六名終非第一。縱我歷生盡其明[4]辯,如何令是六結亂名?」
Deutsch
Der Buddha sagte zu Ānanda:

„Als ich das Tuch
zum ersten Mal band,
hast du es
einen Knoten genannt.
Dieses gefaltete Blumen- und Seidentuch
war zuvor tatsächlich
eine einzige Schnur.
Warum nennt ihr nun
auch beim zweiten und dritten Binden
das Ergebnis
jeweils einen Knoten?“

Ānanda erwiderte:

„Weltverehrter!
Dieses kostbare, gefaltete Tuch
ist ursprünglich
eine Einheit.
Doch so wie ich es verstehe:
Bindet der Tathāgata einmal,
entsteht ein Knoten;
bindet er hundertmal,
entstehen hundert Knoten.
Hier jedoch
sind es nur sechs Knoten –
sie werden nicht sieben
und auch nicht bei fünf enden.
Warum gestattet der Tathāgata
nur beim ersten Binden
die Bezeichnung ‚Knoten‘
und nicht auch beim zweiten und dritten?“

Der Buddha sprach:

„Dieses kostbare Blumen- und Seidentuch –
du weißt,
dass es ursprünglich
eine einzige Schnur war.
Als ich es sechsmal band,
wurden es sechs Knoten.
Betrachte dies genau:
Das Tuch selbst
ist identisch,
doch die Knoten
sind verschieden.

Was meinst du?
Der erste Knoten
wird der erste genannt;
so fort
bis der sechste entstanden ist.
Wenn ich nun
den sechsten Knoten
zum ersten erklären wollte –
wäre das möglich?“

Ānanda antwortete:

„Nein, Weltverehrter.
Solange die sechs Knoten bestehen,
kann der sechste
nicht der erste sein.
Selbst wenn ich
über viele Leben hinweg
alle Klarheit
und Unterscheidungskraft ausschöpfte,
könnte ich nicht bewirken,
dass diese sechs Knoten
in ihrer Benennung
vertauscht werden.“
Kommentar
Dieser Abschnitt schärft die Struktur der Verstrickung,
bevor von Lösen gesprochen wird.

1. Einheit des Trägers – Verschiedenheit der Knoten

Das Tuch ist eine einzige Substanz.
Die Knoten sind relationale Unterscheidungen.

Das bedeutet:
• Kein Knoten hat eigene Wesenheit
• Doch ihre Abfolge ist real wirksam

2. Ordnung ist nicht willkürlich

Ānanda erkennt korrekt:

Benennung ist nicht frei wählbar.

Solange die Struktur besteht,
kann ihre Reihenfolge
nicht vertauscht werden.

Das ist entscheidend für später:
• Lösen ist nicht beliebig
• es folgt einer inneren Ordnung

3. Vorbereitung der Lehre vom „ersten Knoten“

Die Frage:

Kann der sechste Knoten der erste sein?

bereitet direkt vor:
• Gibt es einen ursprünglichen Knoten?
• Oder ist „erst“ selbst schon Teil der Verstrickung?

Diese Spannung wird im nächsten Abschnitt aufgelöst.

4. Übertragung auf die sechs Sinne

Implizit ist bereits klar:
• Die sechs Knoten = sechs Sinne
• Das Tuch = ursprünglicher Grund
• Die Ordnung = Gewohnheitsstrom

Damit ist vorbereitet:

Lösen muss dort beginnen,
wo Binden begonnen hat.
199 #
佛[5]言:「六結不同,循顧本因一巾所造,令其雜亂終不得成。則汝六根亦復如是,畢竟同中生畢竟異。」
佛告阿難:「汝必嫌此六結不成,願樂一成復云何得?」
阿難言:「此結若存,是非鋒起,於中自生此結非彼,彼結非此。如來今日若總解除,結若不生,則無彼此,尚不名一,六云何成?」
佛言:「六解一亡,亦復如是,由汝無始心性狂亂,知見妄發,發妄不息,勞見發塵。如勞目睛,則有狂花。於湛精明無因亂起;一切世間山河大地,生死涅槃,皆即狂勞顛倒花相。」
阿難言:「此勞同結,云何解除?」
如來以手,將所結巾偏掣其左,問阿難言:「如是解不?」
「不也,世尊!」
旋復以手偏牽右邊,又問阿難:「如是解不?」
「不也,世尊!」
佛告阿難:「吾今以手左右各牽,竟不能解,汝設方便云何[6]成解?」
阿難白佛言:「世尊!當於結心,解即分散。」
Der Buddha sprach:

„Die sechs Knoten
sind verschieden,
doch sie sind alle
aus einem einzigen Tuch entstanden.
Versucht man,
sie zu vermengen
oder ihre Ordnung aufzulösen,
kann dies niemals gelingen.

Ebenso sind
deine sechs Sinneswurzeln:
Sie entstehen
aus dem letztlich Einen
und bringen doch
wirkliche Verschiedenheit hervor.“

Der Buddha fragte Ānanda:

„Wenn du diese sechs Knoten
nicht gelten lassen willst
und wünschst,
dass sie zu einem einzigen werden –
wie sollte das möglich sein?“

Ānanda antwortete:

„Solange die Knoten bestehen,
entstehen daraus
Gegensätze und Unterscheidungen.
Innerhalb dieser Struktur
entsteht notwendig:
Dieser Knoten ist nicht jener,
jener ist nicht dieser.

Wenn der Tathāgata
alle Knoten zugleich lösen würde,
so dass kein Knoten mehr entstünde,
gäbe es kein Dies und kein Das.
Dann könnte man
nicht einmal mehr
von einem sprechen –
wie sollten dann
sechs entstehen?“

Der Buddha sprach:

„So ist es auch
mit dem Vergehen des Einen,
wenn die sechs gelöst werden.
Der Grund dafür
liegt in deiner anfangslosen
Verwirrung des Geistes:
Trügerisches Erkennen
entsteht,
setzt sich fort
und ermüdet das Sehen,
so dass Staub erscheint.

Wie bei überanstrengten Augen
wilde Blumen auftauchen,
so entstehen
aus der ursprünglich
klaren, ruhigen Leuchtkraft
grundlos Verwirrung.

Alles, was erscheint –
Welt und Erlösung,
Samsara und Nirvana –
sind nichts anderes
als Erscheinungen
dieser verkehrten Ermüdung.“

Ānanda fragte:

„Wenn diese Ermüdung
dem Knoten gleicht –
wie wird sie gelöst?“

Der Buddha zog das Tuch
einseitig nach links
und fragte:

„Wird es so gelöst?“

Ānanda verneinte.

Er zog es
einseitig nach rechts
und fragte erneut:

„Wird es so gelöst?“

Ānanda verneinte.

Der Buddha fragte:

„Wenn weder links
noch rechts ziehen hilft –
welches Vorgehen
würde zur Lösung führen?“

Ānanda antwortete:

„Man muss
am Zentrum des Knotens ansetzen –
dann löst er sich
von selbst.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt bringt die Lehre von 六解一亡 in ihre entscheidende Anschauung.

1. Einheit erzeugt Verschiedenheit – nicht umgekehrt

Die sechs Sinne sind nicht getrennte Quellen.
Sie sind Differenzierungen innerhalb des Einen.

Darum:
• Vermischung hilft nicht
• Vereinheitlichung hilft nicht

Das Eine verschwindet nicht vor dem Lösen,
sondern durch das Lösen der Struktur.

2. Warum „links“ und „rechts“ nicht lösen

Ziehen steht hier für:
• Unterdrücken
• Umlenken
• Vermehren von Aktivität
• einseitige Praxis

Alles verstärkt den Knoten.

3. Der Schlüssel: 結心 – das Herz des Knotens

Der Knoten löst sich nicht an den Enden,
sondern an seinem Zentrum.

Übertragen:
• Nicht an Objekten
• nicht an Reaktionen
• nicht an Sinnesinhalten

sondern:

dort, wo Erkennen
sich selbst
verfehlt.

4. Ermüdung als Urbild der Verblendung

Die „Ermüdung des Sehens“
ist keine moralische Schwäche,
sondern ein struktureller Fehler:

Erkennen
will sich selbst sehen.

Das erzeugt:
• Staub
• Welt
• Samsara
• selbst Nirvana als Gegenpol

Alles erscheint
als „Blume im Raum“.

5. Konsequenz

Lösen heißt nicht:
• Welt beseitigen
• Nirvana suchen

sondern:

Das Zentrum der Verfehlung
still erkennen.

Dann:
• fällt der Knoten
• ohne Kampf
• ohne Ziehen
• ohne Ersatz
中文原文
佛[5]言:「六結不同,循顧本因一巾所造,令其雜亂終不得成。則汝六根亦復如是,畢竟同中生畢竟異。」
佛告阿難:「汝必嫌此六結不成,願樂一成復云何得?」
阿難言:「此結若存,是非鋒起,於中自生此結非彼,彼結非此。如來今日若總解除,結若不生,則無彼此,尚不名一,六云何成?」
佛言:「六解一亡,亦復如是,由汝無始心性狂亂,知見妄發,發妄不息,勞見發塵。如勞目睛,則有狂花。於湛精明無因亂起;一切世間山河大地,生死涅槃,皆即狂勞顛倒花相。」
阿難言:「此勞同結,云何解除?」
如來以手,將所結巾偏掣其左,問阿難言:「如是解不?」
「不也,世尊!」
旋復以手偏牽右邊,又問阿難:「如是解不?」
「不也,世尊!」
佛告阿難:「吾今以手左右各牽,竟不能解,汝設方便云何[6]成解?」
阿難白佛言:「世尊!當於結心,解即分散。」
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Die sechs Knoten
sind verschieden,
doch sie sind alle
aus einem einzigen Tuch entstanden.
Versucht man,
sie zu vermengen
oder ihre Ordnung aufzulösen,
kann dies niemals gelingen.

Ebenso sind
deine sechs Sinneswurzeln:
Sie entstehen
aus dem letztlich Einen
und bringen doch
wirkliche Verschiedenheit hervor.“

Der Buddha fragte Ānanda:

„Wenn du diese sechs Knoten
nicht gelten lassen willst
und wünschst,
dass sie zu einem einzigen werden –
wie sollte das möglich sein?“

Ānanda antwortete:

„Solange die Knoten bestehen,
entstehen daraus
Gegensätze und Unterscheidungen.
Innerhalb dieser Struktur
entsteht notwendig:
Dieser Knoten ist nicht jener,
jener ist nicht dieser.

Wenn der Tathāgata
alle Knoten zugleich lösen würde,
so dass kein Knoten mehr entstünde,
gäbe es kein Dies und kein Das.
Dann könnte man
nicht einmal mehr
von einem sprechen –
wie sollten dann
sechs entstehen?“

Der Buddha sprach:

„So ist es auch
mit dem Vergehen des Einen,
wenn die sechs gelöst werden.
Der Grund dafür
liegt in deiner anfangslosen
Verwirrung des Geistes:
Trügerisches Erkennen
entsteht,
setzt sich fort
und ermüdet das Sehen,
so dass Staub erscheint.

Wie bei überanstrengten Augen
wilde Blumen auftauchen,
so entstehen
aus der ursprünglich
klaren, ruhigen Leuchtkraft
grundlos Verwirrung.

Alles, was erscheint –
Welt und Erlösung,
Samsara und Nirvana –
sind nichts anderes
als Erscheinungen
dieser verkehrten Ermüdung.“

Ānanda fragte:

„Wenn diese Ermüdung
dem Knoten gleicht –
wie wird sie gelöst?“

Der Buddha zog das Tuch
einseitig nach links
und fragte:

„Wird es so gelöst?“

Ānanda verneinte.

Er zog es
einseitig nach rechts
und fragte erneut:

„Wird es so gelöst?“

Ānanda verneinte.

Der Buddha fragte:

„Wenn weder links
noch rechts ziehen hilft –
welches Vorgehen
würde zur Lösung führen?“

Ānanda antwortete:

„Man muss
am Zentrum des Knotens ansetzen –
dann löst er sich
von selbst.“
Kommentar
Dieser Abschnitt bringt die Lehre von 六解一亡 in ihre entscheidende Anschauung.

1. Einheit erzeugt Verschiedenheit – nicht umgekehrt

Die sechs Sinne sind nicht getrennte Quellen.
Sie sind Differenzierungen innerhalb des Einen.

Darum:
• Vermischung hilft nicht
• Vereinheitlichung hilft nicht

Das Eine verschwindet nicht vor dem Lösen,
sondern durch das Lösen der Struktur.

2. Warum „links“ und „rechts“ nicht lösen

Ziehen steht hier für:
• Unterdrücken
• Umlenken
• Vermehren von Aktivität
• einseitige Praxis

Alles verstärkt den Knoten.

3. Der Schlüssel: 結心 – das Herz des Knotens

Der Knoten löst sich nicht an den Enden,
sondern an seinem Zentrum.

Übertragen:
• Nicht an Objekten
• nicht an Reaktionen
• nicht an Sinnesinhalten

sondern:

dort, wo Erkennen
sich selbst
verfehlt.

4. Ermüdung als Urbild der Verblendung

Die „Ermüdung des Sehens“
ist keine moralische Schwäche,
sondern ein struktureller Fehler:

Erkennen
will sich selbst sehen.

Das erzeugt:
• Staub
• Welt
• Samsara
• selbst Nirvana als Gegenpol

Alles erscheint
als „Blume im Raum“.

5. Konsequenz

Lösen heißt nicht:
• Welt beseitigen
• Nirvana suchen

sondern:

Das Zentrum der Verfehlung
still erkennen.

Dann:
• fällt der Knoten
• ohne Kampf
• ohne Ziehen
• ohne Ersatz
200 #
佛告阿難:「如是,如是!若欲除結,當於結心。阿難!我說佛法從因緣生,非取世間和合麁相。如來發明世出世法,知其本因隨所緣出,如是乃至恒沙界外一滴之雨亦知頭數,現前種種松直、棘曲、鵠白、烏玄皆了元由。是故阿難!隨汝心中選擇六根,根結若除,塵相自滅;諸妄銷亡,不真何待!阿難!吾今問汝,此劫波羅巾六結現前,同時解縈得同除不?」
「不也,世尊!是結本以次第綰生,今日當須次第而解。六結同體,結不同時,則結解時云何同除?」
佛言:「六根解除,亦復如是。此根初解,先得人空;空性圓明,成法解脫;解脫法已俱空不生,是名菩薩從三摩地得無生忍。」
Der Buddha sagte:

„Ja, genau so.
Will man die Knoten lösen,
muss man am Herzen des Knotens ansetzen.

Ānanda,
wenn ich lehre,
dass der Buddha-Dharma
aus Ursachen und Bedingungen hervorgeht,
meine ich damit nicht
die groben Formen
weltlicher Zusammenfügung.
Der Tathāgata durchdringt
weltliche und überweltliche Erscheinungen
und erkennt ihren ursprünglichen Grund,
entsprechend den jeweiligen Bedingungen.

Darum kennt er selbst
jenseits der Welten
so zahlreich wie Ganges-Sand
bei einem einzigen Regentropfen
seine genaue Anzahl;
und alles,
was hier erscheint –
gerade Kiefern,
krumme Dornen,
weiße Schwäne,
schwarze Krähen –
wird in seinem Ursprung erkannt.

Darum, Ānanda,
wähle in deinem Geist
einen der sechs Sinne.
Ist der Knoten an der Wurzel gelöst,
erlöschen die Erscheinungen der Objekte von selbst;
alle Täuschungen schwinden –
was Unwahres
sollte dann noch bleiben?

Ānanda,
ich frage dich:
Diese sechs Knoten
am Kāpāra-Tuch
liegen jetzt vor dir.
Wenn man sie zugleich lösen wollte –
würden sie zugleich verschwinden?“

Ānanda antwortete:

„Nein, Weltverehrter.
Die Knoten wurden
in einer Abfolge gebunden;
darum müssen sie auch
in dieser Abfolge gelöst werden.
Obwohl sie
dieselbe Grundlage haben,
sind sie nicht zugleich entstanden –
wie könnten sie dann
zugleich gelöst werden?“

Der Buddha sprach:

„So ist es auch
beim Lösen der sechs Sinne.
Wird ein Sinn
zuerst gelöst,
wird zunächst
die Leerheit der Person verwirklicht.
Ist diese Leerheit
vollständig und klar,
entsteht die Befreiung der Dharmas.
Sind auch diese Dharmas befreit,
fallen beide Leerheiten weg
und nichts entsteht mehr.
Dies nennt man:
Der Bodhisattva erlangt
durch Samadhi
die Geduld des Nicht-Geborenen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die explizite Strukturlehre der Befreiung.

1. „Am Herzen des Knotens“

Der Buddha bestätigt ausdrücklich:
Lösen geschieht nicht an den Enden,
nicht an Erscheinungen,
sondern dort,
wo die Verfehlung entsteht.

Das „Herz des Knotens“
ist die Stelle,
an der Erkennen
sich selbst verfehlt.

2. Ursachen und Bedingungen – neu bestimmt

Der Buddha grenzt sich klar ab:
Er meint nicht
mechanische Kausalität
oder grobe Vermischung.

Ursachen und Bedingungen
bezeichnen hier:
• die Weise des Erscheinens
• nicht den Ursprung eines Seins

Darum kann der ursprüngliche Grund
alles kennen,
ohne selbst gebunden zu sein.

3. Wahl eines Sinnes

Der entscheidende praktische Schritt:

Wähle einen Sinn.

Nicht alle zugleich.
Nicht abstrakt.
Nicht theoretisch.

Ein Tor genügt,
weil alle
auf denselben Grund zurückgehen.

4. Die Abfolge des Lösens

Der Text legt eine klare Ordnung fest:
1. Erstes Lösen → Leerheit der Person
2. Vertiefung → Befreiung der Dharmas
3. Vollendung → Wegfall beider Leerheiten

Das ist keine Leiter,
sondern eine Auflösung von Restannahmen.

5. 无生忍 – Geduld des Ungeborenen

Dies ist kein Zustand,
sondern eine Stabilität:
• Nichts entsteht,
weil nichts mehr festgehalten wird
• Nichts vergeht,
weil nichts ergriffen wurde

Das ist der Punkt,
an dem der Weg
nicht mehr als Weg erscheint.

Die Abfolge des Lösens im Shurangama-Sutra

(六根解除 → 六解一亡 → 無生忍)

Der Text beschreibt keine Praxisleiter, sondern eine Auflösungslogik.
Es geht nicht darum, etwas Neues zu erreichen, sondern restweise Verkennungen abzutragen.



1. Ausgangspunkt: 六根未解 – die gebundenen sechs Sinne

Die sechs Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, Denken) sind:
• nicht voneinander unabhängig
• nicht ursprünglich getrennt
• aber funktional differenziert

Solange sie gebunden sind, gilt:
• Wahrnehmen → Objekt
• Objekt → Gegenüber
• Gegenüber → Ich

Das ist der Knoten.



2. Erstes Lösen: 人空 – Leerheit der Person

此根初解,先得人空
„Wird dieser Sinn zuerst gelöst, erlangt man zuerst die Leerheit der Person.“

Was hier geschieht
• Ein Sinn (egal welcher) wird an der Wurzel gelöst
• Das bedeutet:
Wahrnehmen läuft nicht mehr nach außen, sondern kehrt an seinen Ursprung zurück

Dadurch fällt weg:
• der feste Beobachter
• das „Ich bin der Wahrnehmende“
• die Annahme eines inneren Zentrums

Wichtig:
Es verschwindet nicht Wahrnehmung,
sondern Besitzanspruch auf Wahrnehmung.

Ergebnis
• kein personaler Träger
• kein Ich-Zentrum
• keine subjektive Instanz

➡️ Person-Leerheit



3. Zweites Lösen: 法解脫 – Befreiung der Dharmas

空性圓明,成法解脫
„Wenn diese Leerheit vollständig und klar ist, entsteht die Befreiung der Dharmas.“

Warum ein zweiter Schritt nötig ist

Auch ohne Ich-Zentrum
können noch bestehen:
• subtile Strukturen
• meditative Zustände
• Einsichtsobjekte
• Leerheit als „etwas Erkanntes“

Das ist die Objektivierung der Wahrheit.

Was hier fällt
• Dinge gelten nicht mehr als wirklich
• aber auch Leerheit gilt nicht mehr als wirklich
• Zustände verlieren ontologisches Gewicht

Dharmas werden:
• funktional
• aber nicht mehr bindend
• nicht mehr „etwas, worauf man ruht“

➡️ Dharma-Befreiung



4. Dritter Schritt: 俱空不生 – Wegfall beider Leerheiten

解脫法已,俱空不生
„Sind die Dharmas befreit, sind beide Leerheiten leer und entstehen nicht mehr.“

Das ist der kritischste Punkt.

Hier wird auch Leerheit selbst losgelassen.

Nicht:
• Ich bin leer
• Alles ist leer

Sondern:
• kein Standpunkt
• kein Bezug
• keine Rückkehr

Es gibt nichts mehr,
das als „leer“ markiert wird.

➡️ keine Entstehung mehr



5. Ergebnis: 無生忍 – Geduld des Ungeborenen

是名菩薩從三摩地得無生忍
„Dies nennt man: der Bodhisattva erlangt aus Samadhi die Geduld des Ungeborenen.“

Was 無生忍 nicht ist
• kein Zustand
• keine Trance
• kein Dauer-Samadhi
• keine Erfahrung

Was es ist
• völlige Unerschütterlichkeit gegenüber Entstehen
• keine Reaktion auf Erscheinung
• kein Rückfall in Struktur

„Geduld“ (忍) bedeutet hier:

Nichts mehr korrigieren zu müssen



6. Warum diese Abfolge notwendig ist

Der Text ist hier unerbittlich klar:
• Knoten entstehen nacheinander
• also lösen sie sich nacheinander
• ein gleichzeitiges Lösen wäre strukturell unmöglich

Deshalb:

六解一亡
„Wenn die sechs gelöst werden, vergeht das Eine.“

Das „Eine“:
• ist nicht der ursprüngliche Grund
• sondern die letzte Sammelannahme
• eine subtile Einheit, die noch gehalten wird



7. Entscheidender Punkt für Praxis und Kommentar

Diese Abfolge ist:
• nicht wählbar
• nicht beschleunigbar
• nicht überspringbar

Aber:

Sie ist keine Zeitabfolge,
sondern eine logische Entleerung.

Alles geschieht am selben Ort:
• an der Wurzel eines Sinnes
• im Erkennen selbst



Kompakte Zusammenfassung
• Person-Leerheit: kein Wahrnehmender
• Dharma-Befreiung: kein Wahrgenommenes
• Beide leer: kein Standpunkt
• Ungeboren: keine Rückkehr in Struktur

Oder in einem Satz:

Nicht das Ich löst sich in Leerheit auf,
sondern das Bedürfnis, überhaupt noch etwas festzuhalten.
中文原文
佛告阿難:「如是,如是!若欲除結,當於結心。阿難!我說佛法從因緣生,非取世間和合麁相。如來發明世出世法,知其本因隨所緣出,如是乃至恒沙界外一滴之雨亦知頭數,現前種種松直、棘曲、鵠白、烏玄皆了元由。是故阿難!隨汝心中選擇六根,根結若除,塵相自滅;諸妄銷亡,不真何待!阿難!吾今問汝,此劫波羅巾六結現前,同時解縈得同除不?」
「不也,世尊!是結本以次第綰生,今日當須次第而解。六結同體,結不同時,則結解時云何同除?」
佛言:「六根解除,亦復如是。此根初解,先得人空;空性圓明,成法解脫;解脫法已俱空不生,是名菩薩從三摩地得無生忍。」
Deutsch
Der Buddha sagte:

„Ja, genau so.
Will man die Knoten lösen,
muss man am Herzen des Knotens ansetzen.

Ānanda,
wenn ich lehre,
dass der Buddha-Dharma
aus Ursachen und Bedingungen hervorgeht,
meine ich damit nicht
die groben Formen
weltlicher Zusammenfügung.
Der Tathāgata durchdringt
weltliche und überweltliche Erscheinungen
und erkennt ihren ursprünglichen Grund,
entsprechend den jeweiligen Bedingungen.

Darum kennt er selbst
jenseits der Welten
so zahlreich wie Ganges-Sand
bei einem einzigen Regentropfen
seine genaue Anzahl;
und alles,
was hier erscheint –
gerade Kiefern,
krumme Dornen,
weiße Schwäne,
schwarze Krähen –
wird in seinem Ursprung erkannt.

Darum, Ānanda,
wähle in deinem Geist
einen der sechs Sinne.
Ist der Knoten an der Wurzel gelöst,
erlöschen die Erscheinungen der Objekte von selbst;
alle Täuschungen schwinden –
was Unwahres
sollte dann noch bleiben?

Ānanda,
ich frage dich:
Diese sechs Knoten
am Kāpāra-Tuch
liegen jetzt vor dir.
Wenn man sie zugleich lösen wollte –
würden sie zugleich verschwinden?“

Ānanda antwortete:

„Nein, Weltverehrter.
Die Knoten wurden
in einer Abfolge gebunden;
darum müssen sie auch
in dieser Abfolge gelöst werden.
Obwohl sie
dieselbe Grundlage haben,
sind sie nicht zugleich entstanden –
wie könnten sie dann
zugleich gelöst werden?“

Der Buddha sprach:

„So ist es auch
beim Lösen der sechs Sinne.
Wird ein Sinn
zuerst gelöst,
wird zunächst
die Leerheit der Person verwirklicht.
Ist diese Leerheit
vollständig und klar,
entsteht die Befreiung der Dharmas.
Sind auch diese Dharmas befreit,
fallen beide Leerheiten weg
und nichts entsteht mehr.
Dies nennt man:
Der Bodhisattva erlangt
durch Samadhi
die Geduld des Nicht-Geborenen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die explizite Strukturlehre der Befreiung.

1. „Am Herzen des Knotens“

Der Buddha bestätigt ausdrücklich:
Lösen geschieht nicht an den Enden,
nicht an Erscheinungen,
sondern dort,
wo die Verfehlung entsteht.

Das „Herz des Knotens“
ist die Stelle,
an der Erkennen
sich selbst verfehlt.

2. Ursachen und Bedingungen – neu bestimmt

Der Buddha grenzt sich klar ab:
Er meint nicht
mechanische Kausalität
oder grobe Vermischung.

Ursachen und Bedingungen
bezeichnen hier:
• die Weise des Erscheinens
• nicht den Ursprung eines Seins

Darum kann der ursprüngliche Grund
alles kennen,
ohne selbst gebunden zu sein.

3. Wahl eines Sinnes

Der entscheidende praktische Schritt:

Wähle einen Sinn.

Nicht alle zugleich.
Nicht abstrakt.
Nicht theoretisch.

Ein Tor genügt,
weil alle
auf denselben Grund zurückgehen.

4. Die Abfolge des Lösens

Der Text legt eine klare Ordnung fest:
1. Erstes Lösen → Leerheit der Person
2. Vertiefung → Befreiung der Dharmas
3. Vollendung → Wegfall beider Leerheiten

Das ist keine Leiter,
sondern eine Auflösung von Restannahmen.

5. 无生忍 – Geduld des Ungeborenen

Dies ist kein Zustand,
sondern eine Stabilität:
• Nichts entsteht,
weil nichts mehr festgehalten wird
• Nichts vergeht,
weil nichts ergriffen wurde

Das ist der Punkt,
an dem der Weg
nicht mehr als Weg erscheint.

Die Abfolge des Lösens im Shurangama-Sutra

(六根解除 → 六解一亡 → 無生忍)

Der Text beschreibt keine Praxisleiter, sondern eine Auflösungslogik.
Es geht nicht darum, etwas Neues zu erreichen, sondern restweise Verkennungen abzutragen.



1. Ausgangspunkt: 六根未解 – die gebundenen sechs Sinne

Die sechs Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, Denken) sind:
• nicht voneinander unabhängig
• nicht ursprünglich getrennt
• aber funktional differenziert

Solange sie gebunden sind, gilt:
• Wahrnehmen → Objekt
• Objekt → Gegenüber
• Gegenüber → Ich

Das ist der Knoten.



2. Erstes Lösen: 人空 – Leerheit der Person

此根初解,先得人空
„Wird dieser Sinn zuerst gelöst, erlangt man zuerst die Leerheit der Person.“

Was hier geschieht
• Ein Sinn (egal welcher) wird an der Wurzel gelöst
• Das bedeutet:
Wahrnehmen läuft nicht mehr nach außen, sondern kehrt an seinen Ursprung zurück

Dadurch fällt weg:
• der feste Beobachter
• das „Ich bin der Wahrnehmende“
• die Annahme eines inneren Zentrums

Wichtig:
Es verschwindet nicht Wahrnehmung,
sondern Besitzanspruch auf Wahrnehmung.

Ergebnis
• kein personaler Träger
• kein Ich-Zentrum
• keine subjektive Instanz

➡️ Person-Leerheit



3. Zweites Lösen: 法解脫 – Befreiung der Dharmas

空性圓明,成法解脫
„Wenn diese Leerheit vollständig und klar ist, entsteht die Befreiung der Dharmas.“

Warum ein zweiter Schritt nötig ist

Auch ohne Ich-Zentrum
können noch bestehen:
• subtile Strukturen
• meditative Zustände
• Einsichtsobjekte
• Leerheit als „etwas Erkanntes“

Das ist die Objektivierung der Wahrheit.

Was hier fällt
• Dinge gelten nicht mehr als wirklich
• aber auch Leerheit gilt nicht mehr als wirklich
• Zustände verlieren ontologisches Gewicht

Dharmas werden:
• funktional
• aber nicht mehr bindend
• nicht mehr „etwas, worauf man ruht“

➡️ Dharma-Befreiung



4. Dritter Schritt: 俱空不生 – Wegfall beider Leerheiten

解脫法已,俱空不生
„Sind die Dharmas befreit, sind beide Leerheiten leer und entstehen nicht mehr.“

Das ist der kritischste Punkt.

Hier wird auch Leerheit selbst losgelassen.

Nicht:
• Ich bin leer
• Alles ist leer

Sondern:
• kein Standpunkt
• kein Bezug
• keine Rückkehr

Es gibt nichts mehr,
das als „leer“ markiert wird.

➡️ keine Entstehung mehr



5. Ergebnis: 無生忍 – Geduld des Ungeborenen

是名菩薩從三摩地得無生忍
„Dies nennt man: der Bodhisattva erlangt aus Samadhi die Geduld des Ungeborenen.“

Was 無生忍 nicht ist
• kein Zustand
• keine Trance
• kein Dauer-Samadhi
• keine Erfahrung

Was es ist
• völlige Unerschütterlichkeit gegenüber Entstehen
• keine Reaktion auf Erscheinung
• kein Rückfall in Struktur

„Geduld“ (忍) bedeutet hier:

Nichts mehr korrigieren zu müssen



6. Warum diese Abfolge notwendig ist

Der Text ist hier unerbittlich klar:
• Knoten entstehen nacheinander
• also lösen sie sich nacheinander
• ein gleichzeitiges Lösen wäre strukturell unmöglich

Deshalb:

六解一亡
„Wenn die sechs gelöst werden, vergeht das Eine.“

Das „Eine“:
• ist nicht der ursprüngliche Grund
• sondern die letzte Sammelannahme
• eine subtile Einheit, die noch gehalten wird



7. Entscheidender Punkt für Praxis und Kommentar

Diese Abfolge ist:
• nicht wählbar
• nicht beschleunigbar
• nicht überspringbar

Aber:

Sie ist keine Zeitabfolge,
sondern eine logische Entleerung.

Alles geschieht am selben Ort:
• an der Wurzel eines Sinnes
• im Erkennen selbst



Kompakte Zusammenfassung
• Person-Leerheit: kein Wahrnehmender
• Dharma-Befreiung: kein Wahrgenommenes
• Beide leer: kein Standpunkt
• Ungeboren: keine Rückkehr in Struktur

Oder in einem Satz:

Nicht das Ich löst sich in Leerheit auf,
sondern das Bedürfnis, überhaupt noch etwas festzuhalten.
201 #
阿難及諸大眾蒙佛開示,慧覺圓通,得無疑惑。一時合掌、頂禮雙足而白佛言:「我等今日,身心皎然,快得無礙。雖復悟知一六亡義,然猶未達圓通本根。世尊!我輩飄零,積劫孤露,何心何慮預佛天倫,如失乳兒忽遇慈母!若復因此際會道成,所得密言還同本悟,則與未聞無有差別?[*]唯垂大悲惠我祕嚴,成就如來最後開示!」作是語已,五體投地,退藏密機,冀佛冥授。
爾時,世尊普告眾中諸大菩薩及諸漏盡大阿羅漢:「汝等菩薩及阿羅漢,生我法中得成無學。吾今問汝,最初發心悟十八界,誰為圓通?從何方便入三摩地?」
Ānanda
und die große Versammlung
wurden durch die Unterweisung des Buddha
erleuchtet.
Weisheit und Erwachen
waren vollständig und durchdringend,
alle Zweifel waren verschwunden.

Sie falteten die Hände,
verneigten sich tief
vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Heute
sind Körper und Geist
klar und offen,
und wir haben rasch
eine ungehinderte Freiheit erfahren.
Obwohl wir nun verstanden haben,
dass beim Lösen der sechs
das Eine vergeht,
haben wir den ursprünglichen Grund
der vollkommenen Durchdringung
noch nicht verwirklicht.

Weltverehrter!
Seit zahllosen Äonen
sind wir umhergeirrt,
einsam und ohne Schutz.
Mit welchem Herzen
und mit welcher Gesinnung
dürften wir uns
der Familie der Buddhas zuordnen?
Wie ein verlorenes Kind,
das plötzlich
der gütigen Mutter begegnet!

Wenn wir nun
aufgrund dieser Begegnung
den Weg vollenden
und das empfangene geheime Wort
nur zu dem zurückführt,
was wir ursprünglich erkannt haben –
wäre dies dann
nicht dasselbe
wie bei jenen,
die es nie gehört haben?

Wir bitten dich,
aus großem Mitgefühl,
uns deine geheime,
vollkommene Anleitung zu gewähren
und die letzte Unterweisung
des Tathāgata
zur Vollendung zu bringen.“

Nachdem sie dies gesprochen hatten,
warfen sie sich vollständig nieder,
zogen sich innerlich zurück,
bewahrten die feine Anlage
und hofften auf
eine stille Übermittlung
des Buddha.

Da sprach der Weltverehrte
zu allen großen Bodhisattvas
und den Arhats
ohne Ausflüsse:

„Ihr Bodhisattvas
und Arhats,
die ihr in meiner Lehre
das Stadium des Nicht-mehr-Lernens erreicht habt –
ich frage euch nun:

Als ihr
zu Beginn
den Entschluss gefasst habt
und die achtzehn Bereiche
durchdringt –
wer von euch
erlangte die vollkommene Durchdringung?
Und durch welches Mittel
seid ihr
in das Samadhi eingetreten?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die Schwelle zur berühmten Lehre der fünfundzwanzig Zugänge zur vollkommenen Durchdringung.

1. Einsicht – aber noch kein Tor

Ānanda und die Versammlung haben verstanden:
• die Struktur des Bindens
• die Logik des Lösens
• die Abfolge der Auflösung

Doch sie erkennen zugleich:

Verstehen ist noch nicht Eintritt.

Was fehlt,
ist das konkrete Tor,
durch das die Umkehr
tatsächlich vollzogen wird.

2. Die Angst vor „bloßem Wiedererkennen“

Ihre Frage ist existenziell:

Wenn alles nur auf das Ursprüngliche verweist –
worin unterscheidet sich Hören von Verwirklichen?

Das zeigt große Ehrlichkeit:
Sie wollen keine bloße Bestätigung,
sondern Verkörperung.

3. „Geheime Strenge“ (祕嚴)

Dies meint nicht Esoterik,
sondern:
• präzise
• kompromisslose
• nicht-verhandelbare Führung

Die Bitte lautet:

Zeige uns den Punkt,
an dem kein Ausweichen mehr möglich ist.

4. Übergang zur Praxisvielfalt

Mit der Frage des Buddha
öffnet sich der nächste große Zyklus:
• die Rückschau der Bodhisattvas und Arhats
• verschiedene Zugänge (Sehen, Hören, Denken, Körper etc.)
• keine Hierarchie, sondern Eignung

Hier beginnt die plural strukturierte Praxislehre,
deren Höhepunkt
die Wahl Guanyins
durch Manjushri sein wird.

5. Kompakte Merkhilfe

Erkennen =
Wurzel × Erscheinung × Unterscheidung

• 18 Bereiche = vollständige Struktur des Erkennens
• Bindung = Erkennen nimmt einen Bereich als „mich“
• Befreiung = ein Bereich wird bis zur Wurzel durchschaut
• Ein Tor genügt, weil alle auf denselben Grund zurückgehen

Oder in einem Satz:

Die achtzehn Bereiche sind nicht das Problem –
sie sind genau der Ort,
an dem sich das Problem auflöst.
中文原文
阿難及諸大眾蒙佛開示,慧覺圓通,得無疑惑。一時合掌、頂禮雙足而白佛言:「我等今日,身心皎然,快得無礙。雖復悟知一六亡義,然猶未達圓通本根。世尊!我輩飄零,積劫孤露,何心何慮預佛天倫,如失乳兒忽遇慈母!若復因此際會道成,所得密言還同本悟,則與未聞無有差別?[*]唯垂大悲惠我祕嚴,成就如來最後開示!」作是語已,五體投地,退藏密機,冀佛冥授。
爾時,世尊普告眾中諸大菩薩及諸漏盡大阿羅漢:「汝等菩薩及阿羅漢,生我法中得成無學。吾今問汝,最初發心悟十八界,誰為圓通?從何方便入三摩地?」
Deutsch
Ānanda
und die große Versammlung
wurden durch die Unterweisung des Buddha
erleuchtet.
Weisheit und Erwachen
waren vollständig und durchdringend,
alle Zweifel waren verschwunden.

Sie falteten die Hände,
verneigten sich tief
vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Heute
sind Körper und Geist
klar und offen,
und wir haben rasch
eine ungehinderte Freiheit erfahren.
Obwohl wir nun verstanden haben,
dass beim Lösen der sechs
das Eine vergeht,
haben wir den ursprünglichen Grund
der vollkommenen Durchdringung
noch nicht verwirklicht.

Weltverehrter!
Seit zahllosen Äonen
sind wir umhergeirrt,
einsam und ohne Schutz.
Mit welchem Herzen
und mit welcher Gesinnung
dürften wir uns
der Familie der Buddhas zuordnen?
Wie ein verlorenes Kind,
das plötzlich
der gütigen Mutter begegnet!

Wenn wir nun
aufgrund dieser Begegnung
den Weg vollenden
und das empfangene geheime Wort
nur zu dem zurückführt,
was wir ursprünglich erkannt haben –
wäre dies dann
nicht dasselbe
wie bei jenen,
die es nie gehört haben?

Wir bitten dich,
aus großem Mitgefühl,
uns deine geheime,
vollkommene Anleitung zu gewähren
und die letzte Unterweisung
des Tathāgata
zur Vollendung zu bringen.“

Nachdem sie dies gesprochen hatten,
warfen sie sich vollständig nieder,
zogen sich innerlich zurück,
bewahrten die feine Anlage
und hofften auf
eine stille Übermittlung
des Buddha.

Da sprach der Weltverehrte
zu allen großen Bodhisattvas
und den Arhats
ohne Ausflüsse:

„Ihr Bodhisattvas
und Arhats,
die ihr in meiner Lehre
das Stadium des Nicht-mehr-Lernens erreicht habt –
ich frage euch nun:

Als ihr
zu Beginn
den Entschluss gefasst habt
und die achtzehn Bereiche
durchdringt –
wer von euch
erlangte die vollkommene Durchdringung?
Und durch welches Mittel
seid ihr
in das Samadhi eingetreten?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die Schwelle zur berühmten Lehre der fünfundzwanzig Zugänge zur vollkommenen Durchdringung.

1. Einsicht – aber noch kein Tor

Ānanda und die Versammlung haben verstanden:
• die Struktur des Bindens
• die Logik des Lösens
• die Abfolge der Auflösung

Doch sie erkennen zugleich:

Verstehen ist noch nicht Eintritt.

Was fehlt,
ist das konkrete Tor,
durch das die Umkehr
tatsächlich vollzogen wird.

2. Die Angst vor „bloßem Wiedererkennen“

Ihre Frage ist existenziell:

Wenn alles nur auf das Ursprüngliche verweist –
worin unterscheidet sich Hören von Verwirklichen?

Das zeigt große Ehrlichkeit:
Sie wollen keine bloße Bestätigung,
sondern Verkörperung.

3. „Geheime Strenge“ (祕嚴)

Dies meint nicht Esoterik,
sondern:
• präzise
• kompromisslose
• nicht-verhandelbare Führung

Die Bitte lautet:

Zeige uns den Punkt,
an dem kein Ausweichen mehr möglich ist.

4. Übergang zur Praxisvielfalt

Mit der Frage des Buddha
öffnet sich der nächste große Zyklus:
• die Rückschau der Bodhisattvas und Arhats
• verschiedene Zugänge (Sehen, Hören, Denken, Körper etc.)
• keine Hierarchie, sondern Eignung

Hier beginnt die plural strukturierte Praxislehre,
deren Höhepunkt
die Wahl Guanyins
durch Manjushri sein wird.

5. Kompakte Merkhilfe

Erkennen =
Wurzel × Erscheinung × Unterscheidung

• 18 Bereiche = vollständige Struktur des Erkennens
• Bindung = Erkennen nimmt einen Bereich als „mich“
• Befreiung = ein Bereich wird bis zur Wurzel durchschaut
• Ein Tor genügt, weil alle auf denselben Grund zurückgehen

Oder in einem Satz:

Die achtzehn Bereiche sind nicht das Problem –
sie sind genau der Ort,
an dem sich das Problem auflöst.
202 #
[7]憍陳那五比丘即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我在鹿苑及於雞園,觀見如來最初成道,於佛音聲悟明四諦。佛問比丘,我初稱解;如來印我名阿若多。妙音密圓,我於音聲得阿羅漢。佛問圓通,如我所證,音聲為上。」
Kauṇḍinya
und die fünf Bhikṣus
erhoben sich von ihren Sitzen,
verneigten sich
vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Wir waren im Hirschpark
und im Hühnergarten,
als wir erlebten,
wie der Tathāgata
zum ersten Mal
das Erwachen verwirklichte.
Durch den Klang
der Stimme des Buddha
wurde mir Einsicht
in die vier edlen Wahrheiten zuteil.

Als der Buddha
die Bhikṣus befragte,
war ich der Erste,
der Verstehen zeigte;
darum bestätigte mich
der Tathāgata
und gab mir den Namen
‚Der Verständige‘.

Der wunderbare Klang
ist verborgen
und in sich vollkommen.
Durch das Hören
des Klanges
erlangte ich
die Arhat-Frucht.
Als der Buddha
nach der vollkommenen Durchdringung fragte,
entspricht meiner Verwirklichung:
Der Klang
ist der höchste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt eröffnet die Reihe der persönlichen Zeugnisse zur vollkommenen Durchdringung.

1. Warum Kauṇḍinya zuerst spricht

Kauṇḍinya ist:
• der erste der fünf Asketen
• der erste, der beim Buddha das Verstehen ausdrückt
• der erste, der bestätigt wird

Darum steht er am Anfang der Reihe:
nicht wegen Rang,
sondern wegen funktionaler Klarheit.

2. Hören als ursprünglicher Zugang

Seine Verwirklichung geschieht durch Klang:
• nicht durch Sehen
• nicht durch Denken
• nicht durch Körperpraxis

Der Klang der Buddha-Stimme
ist hier kein Objekt,
sondern ein Durchgang.

3. „妙音密圓“ – der verborgene, runde Klang

Der Klang ist:
• „verborgen“ → nicht äußerlich fixierbar
• „rund“ → ohne Bruch, ohne Ecke, ohne Zentrum

Das Hören löst sich hier:
• vom Sprecher
• vom Inhalt
• vom Hörer

Damit wird Hören selbst zur Pforte.

4. Bedeutung für den weiteren Zyklus

Dieses Zeugnis etabliert:
• Hören ist ein vollwertiges Tor
• Durchdringung geschieht im Sinn selbst
• nicht alle Zugänge sind gleich schwierig,
aber alle sind möglich

Später wird genau dieser Zugang
durch Guanyin
zur allgemein empfohlenen Pforte erhoben.
中文原文
[7]憍陳那五比丘即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我在鹿苑及於雞園,觀見如來最初成道,於佛音聲悟明四諦。佛問比丘,我初稱解;如來印我名阿若多。妙音密圓,我於音聲得阿羅漢。佛問圓通,如我所證,音聲為上。」
Deutsch
Kauṇḍinya
und die fünf Bhikṣus
erhoben sich von ihren Sitzen,
verneigten sich
vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Wir waren im Hirschpark
und im Hühnergarten,
als wir erlebten,
wie der Tathāgata
zum ersten Mal
das Erwachen verwirklichte.
Durch den Klang
der Stimme des Buddha
wurde mir Einsicht
in die vier edlen Wahrheiten zuteil.

Als der Buddha
die Bhikṣus befragte,
war ich der Erste,
der Verstehen zeigte;
darum bestätigte mich
der Tathāgata
und gab mir den Namen
‚Der Verständige‘.

Der wunderbare Klang
ist verborgen
und in sich vollkommen.
Durch das Hören
des Klanges
erlangte ich
die Arhat-Frucht.
Als der Buddha
nach der vollkommenen Durchdringung fragte,
entspricht meiner Verwirklichung:
Der Klang
ist der höchste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt eröffnet die Reihe der persönlichen Zeugnisse zur vollkommenen Durchdringung.

1. Warum Kauṇḍinya zuerst spricht

Kauṇḍinya ist:
• der erste der fünf Asketen
• der erste, der beim Buddha das Verstehen ausdrückt
• der erste, der bestätigt wird

Darum steht er am Anfang der Reihe:
nicht wegen Rang,
sondern wegen funktionaler Klarheit.

2. Hören als ursprünglicher Zugang

Seine Verwirklichung geschieht durch Klang:
• nicht durch Sehen
• nicht durch Denken
• nicht durch Körperpraxis

Der Klang der Buddha-Stimme
ist hier kein Objekt,
sondern ein Durchgang.

3. „妙音密圓“ – der verborgene, runde Klang

Der Klang ist:
• „verborgen“ → nicht äußerlich fixierbar
• „rund“ → ohne Bruch, ohne Ecke, ohne Zentrum

Das Hören löst sich hier:
• vom Sprecher
• vom Inhalt
• vom Hörer

Damit wird Hören selbst zur Pforte.

4. Bedeutung für den weiteren Zyklus

Dieses Zeugnis etabliert:
• Hören ist ein vollwertiges Tor
• Durchdringung geschieht im Sinn selbst
• nicht alle Zugänge sind gleich schwierig,
aber alle sind möglich

Später wird genau dieser Zugang
durch Guanyin
zur allgemein empfohlenen Pforte erhoben.
203 #
優波尼沙陀即從座起,頂禮佛足而白佛言;「我亦觀佛最初成道,觀不淨相,生大厭離,悟諸色性,以從不淨、白骨、微塵歸於虛空;空色二無,成無學道。如來印我名尼沙陀。塵色既盡,妙色密圓,我從色相得阿羅漢。佛問圓通,如我所證,色因為上。」
Upaniṣad(a)
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Auch ich war Zeuge,
als der Tathāgata
zum ersten Mal
das Erwachen verwirklichte.
Durch die Betrachtung
der unreinen Erscheinungen
entstand in mir
tiefe Abkehr.
So erkannte ich
die Natur aller Formen:
Vom Unreinen
über das weiße Gebein
bis hin zu feinstem Staub
lösen sie sich
in den Raum auf.
Als weder Form
noch Leerheit
festgehalten wurden,
vollendete sich
der Weg des Nicht-mehr-Lernens.

Der Tathāgata
bestätigte mich
und verlieh mir den Namen
Niṣada.
Als die staubhaften Formen
zur Ruhe gekommen waren,
erschloss sich
die wunderbare Form,
verborgen und vollkommen.
Durch die Durchdringung
der Form
erlangte ich
die Arhat-Frucht.

Wenn nach der vollkommenen Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Die Form
ist der höchste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über die Form (色)
– einen Zugang, der im Mahāyāna oft missverstanden wird.

1. Abkehr als Erkenntnisauslöser

Die Betrachtung des Unreinen
ist hier kein moralischer Ekel,
sondern ein Mittel,
die Projektion von Beständigkeit zu durchbrechen.

Die Abkehr richtet sich nicht gegen Welt,
sondern gegen falsche Zuschreibung.

2. Der Weg von Form zu Raum

Die Abfolge:
• unreine Form
• weißes Gebein
• feiner Staub
• Raum

zeigt keine Zerstörung,
sondern Rückführung:
Form wird nicht negiert,
sondern bis zu ihrem Ursprung
durchschaut.

3. „空色二無“ – weder Form noch Leerheit

Entscheidend ist:
Nicht nur Form wird losgelassen,
sondern auch Leerheit.

Erst dort endet Lernen.

4. 妙色密圓 – die wunderbare Form

Die „wunderbare Form“
ist keine neue Erscheinung,
sondern:
• Form ohne Staub
• Erscheinung ohne Haftung
• Sichtbarkeit ohne Träger

Form bleibt,
aber sie bindet nicht mehr.

5. Bedeutung für die Gesamtlehre

Dieser Zugang zeigt:
• Befreiung ist nicht anti-weltlich
• auch Form selbst kann Tor sein
• entscheidend ist die Durchdringung, nicht das Objekt

Im weiteren Verlauf
wird deutlich werden,
dass dieser Weg wirksam ist,
aber für viele schwer zugänglich,
weil er leicht
in Abwehr kippt.
中文原文
優波尼沙陀即從座起,頂禮佛足而白佛言;「我亦觀佛最初成道,觀不淨相,生大厭離,悟諸色性,以從不淨、白骨、微塵歸於虛空;空色二無,成無學道。如來印我名尼沙陀。塵色既盡,妙色密圓,我從色相得阿羅漢。佛問圓通,如我所證,色因為上。」
Deutsch
Upaniṣad(a)
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Auch ich war Zeuge,
als der Tathāgata
zum ersten Mal
das Erwachen verwirklichte.
Durch die Betrachtung
der unreinen Erscheinungen
entstand in mir
tiefe Abkehr.
So erkannte ich
die Natur aller Formen:
Vom Unreinen
über das weiße Gebein
bis hin zu feinstem Staub
lösen sie sich
in den Raum auf.
Als weder Form
noch Leerheit
festgehalten wurden,
vollendete sich
der Weg des Nicht-mehr-Lernens.

Der Tathāgata
bestätigte mich
und verlieh mir den Namen
Niṣada.
Als die staubhaften Formen
zur Ruhe gekommen waren,
erschloss sich
die wunderbare Form,
verborgen und vollkommen.
Durch die Durchdringung
der Form
erlangte ich
die Arhat-Frucht.

Wenn nach der vollkommenen Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Die Form
ist der höchste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über die Form (色)
– einen Zugang, der im Mahāyāna oft missverstanden wird.

1. Abkehr als Erkenntnisauslöser

Die Betrachtung des Unreinen
ist hier kein moralischer Ekel,
sondern ein Mittel,
die Projektion von Beständigkeit zu durchbrechen.

Die Abkehr richtet sich nicht gegen Welt,
sondern gegen falsche Zuschreibung.

2. Der Weg von Form zu Raum

Die Abfolge:
• unreine Form
• weißes Gebein
• feiner Staub
• Raum

zeigt keine Zerstörung,
sondern Rückführung:
Form wird nicht negiert,
sondern bis zu ihrem Ursprung
durchschaut.

3. „空色二無“ – weder Form noch Leerheit

Entscheidend ist:
Nicht nur Form wird losgelassen,
sondern auch Leerheit.

Erst dort endet Lernen.

4. 妙色密圓 – die wunderbare Form

Die „wunderbare Form“
ist keine neue Erscheinung,
sondern:
• Form ohne Staub
• Erscheinung ohne Haftung
• Sichtbarkeit ohne Träger

Form bleibt,
aber sie bindet nicht mehr.

5. Bedeutung für die Gesamtlehre

Dieser Zugang zeigt:
• Befreiung ist nicht anti-weltlich
• auch Form selbst kann Tor sein
• entscheidend ist die Durchdringung, nicht das Objekt

Im weiteren Verlauf
wird deutlich werden,
dass dieser Weg wirksam ist,
aber für viele schwer zugänglich,
weil er leicht
in Abwehr kippt.
204 #
香嚴童子即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我聞如來教我諦觀諸有為相。我時辭佛,宴晦清齋,見諸比丘燒沈水香,香氣寂然來入鼻中。我觀此氣,非木、非空、非煙、非火,去無所著,來無所從,由是意銷,發明無漏,如來印我得香嚴號,塵氣倏滅,妙香密圓,我從香嚴得阿羅漢。佛問圓通,如我所證,香嚴為上。」
Der Knabe Xiangyan
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Ich hörte die Unterweisung des Tathāgata,
die bedingten Erscheinungen
gründlich zu betrachten.
Nachdem ich mich vom Buddha entfernt hatte,
verweilte ich
in stiller, reiner Sammlung.
Da sah ich Bhikṣus,
die Aloesholz-Räucherwerk verbrannten;
der Duft
kam ruhig
in meine Nase.

Ich untersuchte diesen Duft
und erkannte:
Er ist weder Holz
noch Raum,
weder Rauch
noch Feuer.
Beim Vergehen
verbleibt er an nichts,
beim Entstehen
kommt er von keinem Ort.
Durch diese Einsicht
löste sich das Denken auf,
und ausflusslose Klarheit
brach hervor.

Der Tathāgata
bestätigte meine Verwirklichung
und gab mir den Namen
‚Xiangyan‘.
Als der staubhafte Duft
vollständig erloschen war,
erschloss sich
der wunderbare Duft,
verborgen und vollkommen.
Durch die Durchdringung des Duftes
erlangte ich
die Arhat-Frucht.

Wenn nach der vollkommenen Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Der Duft
ist der höchste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über den Geruchssinn (鼻根 / 香)
und ist einer der subtilsten Zugänge im gesamten Zyklus.

1. Duft als reines Übergangsphänomen

Geruch besitzt keine stabile Gestalt:
• er ist nicht fest
• nicht lokalisierbar
• nicht haltbar

Darum eignet er sich besonders,
um Nicht-Substantialität unmittelbar zu erkennen.

2. Vierfache Negation

Xiangyan verneint konsequent:
• Material (Holz)
• Raum
• Prozess (Rauch)
• Energie (Feuer)

Damit wird jede ontologische Fixierung
schrittweise entzogen.

3. Kommen ohne Herkunft – Gehen ohne Ziel

Der entscheidende Satz:

„Beim Vergehen haftet er an nichts,
beim Kommen kommt er von nirgends.“

Hier fällt:
• Ursache
• Richtung
• Träger

Erkennen kann sich
nicht mehr festhalten.

4. Vom Duft zum „wunderbaren Duft“

Der staubhafte Duft vergeht,
doch Duft als Funktion bleibt –
frei von Objektbindung.

Das ist:
• Wahrnehmen ohne Objekt
• Funktion ohne Besitz
• Sinn ohne Verstrickung

5. Stellung im Gesamtzyklus

Der Duft-Weg ist:
• sehr fein
• sehr unmittelbar
• aber schwer reproduzierbar

Er zeigt exemplarisch:

Befreiung geschieht dort,
wo Erscheinung
keine Spur hinterlässt.
中文原文
香嚴童子即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我聞如來教我諦觀諸有為相。我時辭佛,宴晦清齋,見諸比丘燒沈水香,香氣寂然來入鼻中。我觀此氣,非木、非空、非煙、非火,去無所著,來無所從,由是意銷,發明無漏,如來印我得香嚴號,塵氣倏滅,妙香密圓,我從香嚴得阿羅漢。佛問圓通,如我所證,香嚴為上。」
Deutsch
Der Knabe Xiangyan
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Ich hörte die Unterweisung des Tathāgata,
die bedingten Erscheinungen
gründlich zu betrachten.
Nachdem ich mich vom Buddha entfernt hatte,
verweilte ich
in stiller, reiner Sammlung.
Da sah ich Bhikṣus,
die Aloesholz-Räucherwerk verbrannten;
der Duft
kam ruhig
in meine Nase.

Ich untersuchte diesen Duft
und erkannte:
Er ist weder Holz
noch Raum,
weder Rauch
noch Feuer.
Beim Vergehen
verbleibt er an nichts,
beim Entstehen
kommt er von keinem Ort.
Durch diese Einsicht
löste sich das Denken auf,
und ausflusslose Klarheit
brach hervor.

Der Tathāgata
bestätigte meine Verwirklichung
und gab mir den Namen
‚Xiangyan‘.
Als der staubhafte Duft
vollständig erloschen war,
erschloss sich
der wunderbare Duft,
verborgen und vollkommen.
Durch die Durchdringung des Duftes
erlangte ich
die Arhat-Frucht.

Wenn nach der vollkommenen Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Der Duft
ist der höchste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über den Geruchssinn (鼻根 / 香)
und ist einer der subtilsten Zugänge im gesamten Zyklus.

1. Duft als reines Übergangsphänomen

Geruch besitzt keine stabile Gestalt:
• er ist nicht fest
• nicht lokalisierbar
• nicht haltbar

Darum eignet er sich besonders,
um Nicht-Substantialität unmittelbar zu erkennen.

2. Vierfache Negation

Xiangyan verneint konsequent:
• Material (Holz)
• Raum
• Prozess (Rauch)
• Energie (Feuer)

Damit wird jede ontologische Fixierung
schrittweise entzogen.

3. Kommen ohne Herkunft – Gehen ohne Ziel

Der entscheidende Satz:

„Beim Vergehen haftet er an nichts,
beim Kommen kommt er von nirgends.“

Hier fällt:
• Ursache
• Richtung
• Träger

Erkennen kann sich
nicht mehr festhalten.

4. Vom Duft zum „wunderbaren Duft“

Der staubhafte Duft vergeht,
doch Duft als Funktion bleibt –
frei von Objektbindung.

Das ist:
• Wahrnehmen ohne Objekt
• Funktion ohne Besitz
• Sinn ohne Verstrickung

5. Stellung im Gesamtzyklus

Der Duft-Weg ist:
• sehr fein
• sehr unmittelbar
• aber schwer reproduzierbar

Er zeigt exemplarisch:

Befreiung geschieht dort,
wo Erscheinung
keine Spur hinterlässt.
205 #
藥王、藥上二法王子,并在會中五百梵天即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我無始劫為世良醫,口中嘗此娑婆世界草木、金石,名數凡有十萬八千。如是悉知苦、[1]醋、鹹、淡、甘、辛等味,并諸和合、俱生、變異。是冷、是熱,有毒、無毒,悉能遍知。承事如來,了知味性非空非有,非即身心、非離身心。分別味因,從是開悟,蒙佛如來印我昆季藥王、藥上二菩薩名,今於會中為法王子。因味覺明,位登菩薩。佛問圓通,如我所證,味因為上。」
Die beiden Dharmafürstensöhne
Medizinkönig
und
Medizin-Höchster
erhoben sich,
zusammen mit fünfhundert Brahmā-Göttern,
verneigten sich
vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Seit anfangslosen Zeiten
wirkten wir als Heiler der Welt.
Durch das Schmecken
der Gräser, Bäume, Metalle und Steine
dieser Welt
erkannten wir
einhundertachttausend Arten.

So durchdrangen wir
alle Geschmäcker:
bitter, sauer, salzig, fade, süß, scharf,
sowie ihre Mischungen,
gleichzeitig Entstehendes
und sich Wandelndes.
Kälte und Hitze,
Gift und Ungift
waren uns vollständig bekannt.

Im Dienst am Tathāgata
erkannten wir,
dass die Natur des Geschmacks
weder Nichtsein
noch Sein ist;
weder identisch
mit Körper und Geist
noch getrennt von ihnen.
Durch das Durchschauen
der Bedingungen des Geschmacks
öffnete sich das Erwachen.

Der Buddha bestätigte uns
und gab uns
die Namen
Medizinkönig
und
Medizin-Höchster
als Bodhisattvas;
nun verweilen wir
als Dharmafürstensöhne.
Durch die Klärung des Geschmacks
erreichten wir
die Bodhisattva-Stufe.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht unserer Verwirklichung:
Der Geschmack
ist der höchste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt entfaltet die Durchdringung über den Geschmackssinn (舌根 / 味)
und verbindet praktische Weltkenntnis mit nicht-dualer Einsicht.

1. Geschmack als Erfahrungsvielfalt

Geschmack ist:
• unmittelbar körperlich
• stark differenziert
• eng mit Bewertung verbunden

Gerade deshalb eignet er sich,
die Bindung an Vorlieben und Abneigungen
präzise zu durchschauen.

2. Wissen ohne Verhaftung

Die beiden Bodhisattvas kennen:
• Vielfalt
• Mischung
• Wandel

Doch sie bleiben nicht beim Katalogisieren stehen.
Entscheidend ist der Schritt:

Die Natur des Geschmacks
ist weder leer noch wirklich vorhanden.

Damit wird Dualismus aufgelöst:
• nicht Nihilismus
• nicht Substantialismus

3. Weder identisch noch getrennt

„Nicht Körper und Geist –
nicht getrennt von Körper und Geist“
markiert den mittleren Weg:
Erfahrung geschieht,
ohne einen festen Träger anzunehmen.

4. Vom Heilen zur Befreiung

Der Weg führt:
• von heilkundlicher Unterscheidung
• zur Auflösung des Unterscheidenden selbst

Heilung wird hier
zum Gleichnis für Erwachen:

Nicht das Entfernen von Vielfalt,
sondern das Durchdringen ihrer Bedingtheit.

5. Stellung im Zyklus

Der Geschmacks-Weg ist:
• sehr erdnah
• sehr menschlich
• gut geeignet für Wesen
mit starker sinnlicher Verwicklung

Er zeigt:

Auch tief in der Welt
liegt die Pforte zur Befreiung.
中文原文
藥王、藥上二法王子,并在會中五百梵天即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我無始劫為世良醫,口中嘗此娑婆世界草木、金石,名數凡有十萬八千。如是悉知苦、[1]醋、鹹、淡、甘、辛等味,并諸和合、俱生、變異。是冷、是熱,有毒、無毒,悉能遍知。承事如來,了知味性非空非有,非即身心、非離身心。分別味因,從是開悟,蒙佛如來印我昆季藥王、藥上二菩薩名,今於會中為法王子。因味覺明,位登菩薩。佛問圓通,如我所證,味因為上。」
Deutsch
Die beiden Dharmafürstensöhne
Medizinkönig
und
Medizin-Höchster
erhoben sich,
zusammen mit fünfhundert Brahmā-Göttern,
verneigten sich
vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Seit anfangslosen Zeiten
wirkten wir als Heiler der Welt.
Durch das Schmecken
der Gräser, Bäume, Metalle und Steine
dieser Welt
erkannten wir
einhundertachttausend Arten.

So durchdrangen wir
alle Geschmäcker:
bitter, sauer, salzig, fade, süß, scharf,
sowie ihre Mischungen,
gleichzeitig Entstehendes
und sich Wandelndes.
Kälte und Hitze,
Gift und Ungift
waren uns vollständig bekannt.

Im Dienst am Tathāgata
erkannten wir,
dass die Natur des Geschmacks
weder Nichtsein
noch Sein ist;
weder identisch
mit Körper und Geist
noch getrennt von ihnen.
Durch das Durchschauen
der Bedingungen des Geschmacks
öffnete sich das Erwachen.

Der Buddha bestätigte uns
und gab uns
die Namen
Medizinkönig
und
Medizin-Höchster
als Bodhisattvas;
nun verweilen wir
als Dharmafürstensöhne.
Durch die Klärung des Geschmacks
erreichten wir
die Bodhisattva-Stufe.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht unserer Verwirklichung:
Der Geschmack
ist der höchste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt entfaltet die Durchdringung über den Geschmackssinn (舌根 / 味)
und verbindet praktische Weltkenntnis mit nicht-dualer Einsicht.

1. Geschmack als Erfahrungsvielfalt

Geschmack ist:
• unmittelbar körperlich
• stark differenziert
• eng mit Bewertung verbunden

Gerade deshalb eignet er sich,
die Bindung an Vorlieben und Abneigungen
präzise zu durchschauen.

2. Wissen ohne Verhaftung

Die beiden Bodhisattvas kennen:
• Vielfalt
• Mischung
• Wandel

Doch sie bleiben nicht beim Katalogisieren stehen.
Entscheidend ist der Schritt:

Die Natur des Geschmacks
ist weder leer noch wirklich vorhanden.

Damit wird Dualismus aufgelöst:
• nicht Nihilismus
• nicht Substantialismus

3. Weder identisch noch getrennt

„Nicht Körper und Geist –
nicht getrennt von Körper und Geist“
markiert den mittleren Weg:
Erfahrung geschieht,
ohne einen festen Träger anzunehmen.

4. Vom Heilen zur Befreiung

Der Weg führt:
• von heilkundlicher Unterscheidung
• zur Auflösung des Unterscheidenden selbst

Heilung wird hier
zum Gleichnis für Erwachen:

Nicht das Entfernen von Vielfalt,
sondern das Durchdringen ihrer Bedingtheit.

5. Stellung im Zyklus

Der Geschmacks-Weg ist:
• sehr erdnah
• sehr menschlich
• gut geeignet für Wesen
mit starker sinnlicher Verwicklung

Er zeigt:

Auch tief in der Welt
liegt die Pforte zur Befreiung.
206 #
跋陀婆羅并其同伴十六開士,即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我等先於威音王佛聞法出家,於浴僧時隨例入室。忽悟水因,既不洗塵,亦不洗體;中間安然,得無所有。宿習無忘,乃至[2]今時從佛出家,[A4]令得無學。彼佛名我跋陀婆羅,妙觸宣明,成佛子住。佛問圓通,如我所證,觸因為上。」
Bhadrābala
und sechzehn Gefährten
erhoben sich von ihren Sitzen,
verneigten sich
vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Schon zur Zeit
des Buddha Weiyin-Wang
hörten wir das Dharma
und verließen das Hausleben.
Als wir entsprechend der Regel
beim Baden der Mönche
jeweils in den Raum eintraten,
erkannten wir plötzlich
die Natur des Wassers:
Es reinigt weder Staub
noch Körper.
Im Dazwischen
war alles still
und ohne Besitz;
so erlangten wir
die Einsicht des Nicht-Habens.

Diese frühere Übung
ging nicht verloren;
bis in die Gegenwart
traten wir erneut
unter dem jetzigen Buddha
in den Orden ein
und erreichten
das Stadium des Nicht-mehr-Lernens.
Der frühere Buddha
nannte mich
Bhadrābala.
Durch das wunderbare Berühren
wurde Klarheit offenbar,
und ich verweilte
als Sohn des Buddha.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Die Berührung
ist der höchste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt entfaltet die Durchdringung über Berührung (觸 / Körperempfinden)
und ist einer der erdnächsten und zugleich tiefsten Zugänge.

1. Wasser als Grenzphänomen

Wasser berührt:
• Staub
• Körper

und doch:

reinigt es keinen von beiden
in seinem Wesen.

Damit wird sichtbar:
• Berührung ist Kontakt
• aber kein Träger von Reinheit oder Unreinheit

2. „Das Dazwischen“ (中間安然)

Der entscheidende Ort ist nicht:
• Wasser
• Körper
• Staub

sondern:

das Dazwischen,
wo Berührung geschieht.

Dort:
• kein Besitz
• kein Objekt
• kein Subjekt

➡️ Nicht-Haben (無所有).

3. Berührung ohne Aneignung

Normalerweise ist Berührung:
• sofort Ich-bezogen
• angenehm / unangenehm
• anhaftend

Hier wird sie:
• rein funktional
• durchlässig
• nicht bindend

4. Karma und Kontinuität

Dass die Übung „nicht verloren ging“,
zeigt:
• Durchdringung wirkt jenseits eines Lebens
• nicht als Erinnerung
• sondern als Strukturwandel

5. Stellung im Zyklus

Der Berührungs-Weg ist:
• direkt
• körpernah
• geeignet für Wesen
mit starker Verkörperung

Er zeigt:

Auch dort,
wo Anhaftung am stärksten scheint,
liegt die Pforte zur Befreiung.
中文原文
跋陀婆羅并其同伴十六開士,即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我等先於威音王佛聞法出家,於浴僧時隨例入室。忽悟水因,既不洗塵,亦不洗體;中間安然,得無所有。宿習無忘,乃至[2]今時從佛出家,[A4]令得無學。彼佛名我跋陀婆羅,妙觸宣明,成佛子住。佛問圓通,如我所證,觸因為上。」
Deutsch
Bhadrābala
und sechzehn Gefährten
erhoben sich von ihren Sitzen,
verneigten sich
vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Schon zur Zeit
des Buddha Weiyin-Wang
hörten wir das Dharma
und verließen das Hausleben.
Als wir entsprechend der Regel
beim Baden der Mönche
jeweils in den Raum eintraten,
erkannten wir plötzlich
die Natur des Wassers:
Es reinigt weder Staub
noch Körper.
Im Dazwischen
war alles still
und ohne Besitz;
so erlangten wir
die Einsicht des Nicht-Habens.

Diese frühere Übung
ging nicht verloren;
bis in die Gegenwart
traten wir erneut
unter dem jetzigen Buddha
in den Orden ein
und erreichten
das Stadium des Nicht-mehr-Lernens.
Der frühere Buddha
nannte mich
Bhadrābala.
Durch das wunderbare Berühren
wurde Klarheit offenbar,
und ich verweilte
als Sohn des Buddha.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Die Berührung
ist der höchste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt entfaltet die Durchdringung über Berührung (觸 / Körperempfinden)
und ist einer der erdnächsten und zugleich tiefsten Zugänge.

1. Wasser als Grenzphänomen

Wasser berührt:
• Staub
• Körper

und doch:

reinigt es keinen von beiden
in seinem Wesen.

Damit wird sichtbar:
• Berührung ist Kontakt
• aber kein Träger von Reinheit oder Unreinheit

2. „Das Dazwischen“ (中間安然)

Der entscheidende Ort ist nicht:
• Wasser
• Körper
• Staub

sondern:

das Dazwischen,
wo Berührung geschieht.

Dort:
• kein Besitz
• kein Objekt
• kein Subjekt

➡️ Nicht-Haben (無所有).

3. Berührung ohne Aneignung

Normalerweise ist Berührung:
• sofort Ich-bezogen
• angenehm / unangenehm
• anhaftend

Hier wird sie:
• rein funktional
• durchlässig
• nicht bindend

4. Karma und Kontinuität

Dass die Übung „nicht verloren ging“,
zeigt:
• Durchdringung wirkt jenseits eines Lebens
• nicht als Erinnerung
• sondern als Strukturwandel

5. Stellung im Zyklus

Der Berührungs-Weg ist:
• direkt
• körpernah
• geeignet für Wesen
mit starker Verkörperung

Er zeigt:

Auch dort,
wo Anhaftung am stärksten scheint,
liegt die Pforte zur Befreiung.
207 #
摩訶迦葉及紫金光比丘尼等即從座起,頂禮佛足而白佛言;「我於往劫,於此界中有佛出世名日月燈,我得親近聞法修學。佛滅度後供養舍利,然燈續明,以紫光金塗佛形像。自爾已來,世世生生身常圓滿紫金光聚,此紫金光比丘尼[3]等即我眷屬,同時發心。我觀世間六塵變壞,唯以空寂修於滅盡,身心乃能度百千劫猶如彈指。我以空法成阿羅漢,世尊說我頭陀為最。妙法開明,銷滅諸漏。佛問圓通,如我所證,法因為上。」
Mahākāśyapa
und die Bhikṣuṇī
des Purpurnen Goldlichts
sowie weitere
aus ihrer Gemeinschaft
erhoben sich,
verneigten sich
vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„In vergangenen Äonen
erschien in dieser Welt
der Sonnen-Mond-Lampen-Buddha.
Ich durfte ihm nahe sein,
hörte seine Lehre
und praktizierte.

Nach seinem Erlöschen
verehrte ich seine Reliquien
und ließ das Licht der Lampen
ununterbrochen weiterbrennen;
mit purpurnem Gold
überzog ich die Bildnisse des Buddha.
Seit jener Zeit
erscheint mein Körper
Leben für Leben
vollständig
und von purpurn-goldenem Licht durchdrungen.
Die Bhikṣuṇī
des Purpurnen Goldlichts
sind meine Gefährtinnen;
wir fassten gemeinsam
den Entschluss.

Ich erkannte,
dass die sechs Staubphänomene der Welt
dem Wandel unterliegen,
und übte daher
in Leerheit und Stille
das vollständige Erlöschen.
So konnten Körper und Geist
über hunderttausende Kalpas
bestehen,
wie ein einziger Augenblick.

Durch die Durchdringung des Dharma der Leerheit
erlangte ich
die Arhat-Frucht.
Der Weltverehrte
bezeichnete mich
als den Ersten
unter den Dhūta-Praktizierenden.
Das wunderbare Dharma
wurde klar erkannt,
alle Ausflüsse
erlöschten.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Dharma
ist der höchste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über das Dharma selbst (法)
– einen Zugang, der radikal still ist.

1. Von Formverehrung zur Formlosigkeit

Der Weg Mahākāśyapas beginnt:
• mit Reliquien
• mit Licht
• mit Form und Verehrung

Doch er endet nicht in der Form,
sondern in der Durchschau ihrer Vergänglichkeit.

Form wird nicht verneint,
sondern zu Ende gedacht.

2. Die sechs Staubphänomene als Schlüssel

Mahākāśyapa betrachtet nicht:
• einzelne Sinneseindrücke,
sondern:
• das gemeinsame Gesetz aller sechs

Sie entstehen
und vergehen.

Diese Einsicht führt nicht zu Abkehr allein,
sondern zu vollständigem Erlöschen der Bindung.

3. 空寂滅盡 – Leerheit, Stille, Erlöschen

Das hier beschriebene „Erlöschen“ ist:
• kein Nichts
• kein Verschwinden der Welt

Sondern:

kein Festhalten mehr an Erscheinung.

Darum kann Körper und Geist
Kalpas überdauern,
ohne gebunden zu sein.

4. Dharma als Zugang

„法因為上“ bedeutet:
• nicht Lehre als Objekt
• sondern das Gesetz der Bedingtheit selbst

Der Dharma wird hier:
• nicht gedacht
• nicht gehört
• sondern durchschaut

5. Stellung im Zyklus

Dieser Zugang ist:
• extrem still
• sehr direkt
• aber für viele schwer zugänglich

Er setzt voraus:
• große Entschlossenheit
• geringe Anhaftung
• tiefe Sammlung

Darum steht Mahākāśyapa
als Archetyp
der asketischen Klarheit
im frühen Sangha.
中文原文
摩訶迦葉及紫金光比丘尼等即從座起,頂禮佛足而白佛言;「我於往劫,於此界中有佛出世名日月燈,我得親近聞法修學。佛滅度後供養舍利,然燈續明,以紫光金塗佛形像。自爾已來,世世生生身常圓滿紫金光聚,此紫金光比丘尼[3]等即我眷屬,同時發心。我觀世間六塵變壞,唯以空寂修於滅盡,身心乃能度百千劫猶如彈指。我以空法成阿羅漢,世尊說我頭陀為最。妙法開明,銷滅諸漏。佛問圓通,如我所證,法因為上。」
Deutsch
Mahākāśyapa
und die Bhikṣuṇī
des Purpurnen Goldlichts
sowie weitere
aus ihrer Gemeinschaft
erhoben sich,
verneigten sich
vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„In vergangenen Äonen
erschien in dieser Welt
der Sonnen-Mond-Lampen-Buddha.
Ich durfte ihm nahe sein,
hörte seine Lehre
und praktizierte.

Nach seinem Erlöschen
verehrte ich seine Reliquien
und ließ das Licht der Lampen
ununterbrochen weiterbrennen;
mit purpurnem Gold
überzog ich die Bildnisse des Buddha.
Seit jener Zeit
erscheint mein Körper
Leben für Leben
vollständig
und von purpurn-goldenem Licht durchdrungen.
Die Bhikṣuṇī
des Purpurnen Goldlichts
sind meine Gefährtinnen;
wir fassten gemeinsam
den Entschluss.

Ich erkannte,
dass die sechs Staubphänomene der Welt
dem Wandel unterliegen,
und übte daher
in Leerheit und Stille
das vollständige Erlöschen.
So konnten Körper und Geist
über hunderttausende Kalpas
bestehen,
wie ein einziger Augenblick.

Durch die Durchdringung des Dharma der Leerheit
erlangte ich
die Arhat-Frucht.
Der Weltverehrte
bezeichnete mich
als den Ersten
unter den Dhūta-Praktizierenden.
Das wunderbare Dharma
wurde klar erkannt,
alle Ausflüsse
erlöschten.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Dharma
ist der höchste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über das Dharma selbst (法)
– einen Zugang, der radikal still ist.

1. Von Formverehrung zur Formlosigkeit

Der Weg Mahākāśyapas beginnt:
• mit Reliquien
• mit Licht
• mit Form und Verehrung

Doch er endet nicht in der Form,
sondern in der Durchschau ihrer Vergänglichkeit.

Form wird nicht verneint,
sondern zu Ende gedacht.

2. Die sechs Staubphänomene als Schlüssel

Mahākāśyapa betrachtet nicht:
• einzelne Sinneseindrücke,
sondern:
• das gemeinsame Gesetz aller sechs

Sie entstehen
und vergehen.

Diese Einsicht führt nicht zu Abkehr allein,
sondern zu vollständigem Erlöschen der Bindung.

3. 空寂滅盡 – Leerheit, Stille, Erlöschen

Das hier beschriebene „Erlöschen“ ist:
• kein Nichts
• kein Verschwinden der Welt

Sondern:

kein Festhalten mehr an Erscheinung.

Darum kann Körper und Geist
Kalpas überdauern,
ohne gebunden zu sein.

4. Dharma als Zugang

„法因為上“ bedeutet:
• nicht Lehre als Objekt
• sondern das Gesetz der Bedingtheit selbst

Der Dharma wird hier:
• nicht gedacht
• nicht gehört
• sondern durchschaut

5. Stellung im Zyklus

Dieser Zugang ist:
• extrem still
• sehr direkt
• aber für viele schwer zugänglich

Er setzt voraus:
• große Entschlossenheit
• geringe Anhaftung
• tiefe Sammlung

Darum steht Mahākāśyapa
als Archetyp
der asketischen Klarheit
im frühen Sangha.
208 #
阿那律陀即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我初出家常樂睡眠,如來訶我為畜生類。我聞佛訶,啼泣自責,七日不眠,失其雙目。世尊示我樂見照明金剛三昧,我不因眼觀見十方,精真洞然如觀掌果,如來印我成阿羅漢。佛問圓通,如我所證,旋見循元,斯為第一!」
Aniruddha
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Als ich
zu Beginn
das Hausleben verließ,
liebte ich den Schlaf.
Der Tathāgata
tadelte mich dafür
und sagte,
ich gleiche
den Wesen der Tierwelt.

Als ich diese Worte hörte,
weinte ich,
klagte mich selbst an
und schlief
sieben Tage lang nicht.
Dadurch verlor ich
das Augenlicht.

Der Weltverehrte
zeigte mir daraufhin
das Samadhi
des freudigen Sehens
und des erleuchtenden Vajra.
So erkannte ich
die zehn Richtungen
nicht durch die Augen,
sondern aus reiner Wahrheit heraus –
klar und durchdringend,
wie eine Frucht
in der eigenen Hand.

Der Tathāgata
bestätigte mich
als Arhat.
Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Zurückwenden des Sehens
und das Folgen seines Ursprungs
ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über das Sehen (眼根)
– jedoch in seiner radikal umgekehrten Form.

1. Verlust des Auges – Gewinn des Sehens

Aniruddhas Weg ist paradox:
• physisches Sehen geht verloren
• wahres Sehen wird offenbar

Damit zeigt das Sutra:

Das Auge sieht nicht.
Sehen ist keine Organfunktion.

2. Tadel als heilsames Mittel

Der Tadel des Buddha
ist kein moralischer Angriff,
sondern eine Erschütterung der Gewohnheit.

Schlaf steht hier für:
• Trägheit
• unbewusstes Dahingleiten
• fehlende Wachheit des Erkennens

3. „Vajra-Samadhi des Sehens“

Dieses Samadhi bedeutet:
• unerschütterlich
• nicht abhängig von Sinnesorganen
• nicht durch Ermüdung begrenzt

Sehen wird:
• richtungslos
• allgegenwärtig
• nicht personalisiert

4. 旋見循元 – der Schlüsselbegriff

„Das Sehen zurückwenden
und seinem Ursprung folgen“

Das ist exakt das Prinzip der Rolle 5:
• nicht nach außen gehen
• nicht am Objekt bleiben
• sondern die Funktion selbst
zum Ursprung zurückführen

5. Stellung im Zyklus

Aniruddhas Zugang ist:
• sehr kraftvoll
• klar
• aber nicht nachahmbar im äußeren Sinn

Er zeigt:

Durchdringung geschieht
nicht durch Verbesserung der Sinne,
sondern durch ihre Rückbindung an den Ursprung.
中文原文
阿那律陀即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我初出家常樂睡眠,如來訶我為畜生類。我聞佛訶,啼泣自責,七日不眠,失其雙目。世尊示我樂見照明金剛三昧,我不因眼觀見十方,精真洞然如觀掌果,如來印我成阿羅漢。佛問圓通,如我所證,旋見循元,斯為第一!」
Deutsch
Aniruddha
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Als ich
zu Beginn
das Hausleben verließ,
liebte ich den Schlaf.
Der Tathāgata
tadelte mich dafür
und sagte,
ich gleiche
den Wesen der Tierwelt.

Als ich diese Worte hörte,
weinte ich,
klagte mich selbst an
und schlief
sieben Tage lang nicht.
Dadurch verlor ich
das Augenlicht.

Der Weltverehrte
zeigte mir daraufhin
das Samadhi
des freudigen Sehens
und des erleuchtenden Vajra.
So erkannte ich
die zehn Richtungen
nicht durch die Augen,
sondern aus reiner Wahrheit heraus –
klar und durchdringend,
wie eine Frucht
in der eigenen Hand.

Der Tathāgata
bestätigte mich
als Arhat.
Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Zurückwenden des Sehens
und das Folgen seines Ursprungs
ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über das Sehen (眼根)
– jedoch in seiner radikal umgekehrten Form.

1. Verlust des Auges – Gewinn des Sehens

Aniruddhas Weg ist paradox:
• physisches Sehen geht verloren
• wahres Sehen wird offenbar

Damit zeigt das Sutra:

Das Auge sieht nicht.
Sehen ist keine Organfunktion.

2. Tadel als heilsames Mittel

Der Tadel des Buddha
ist kein moralischer Angriff,
sondern eine Erschütterung der Gewohnheit.

Schlaf steht hier für:
• Trägheit
• unbewusstes Dahingleiten
• fehlende Wachheit des Erkennens

3. „Vajra-Samadhi des Sehens“

Dieses Samadhi bedeutet:
• unerschütterlich
• nicht abhängig von Sinnesorganen
• nicht durch Ermüdung begrenzt

Sehen wird:
• richtungslos
• allgegenwärtig
• nicht personalisiert

4. 旋見循元 – der Schlüsselbegriff

„Das Sehen zurückwenden
und seinem Ursprung folgen“

Das ist exakt das Prinzip der Rolle 5:
• nicht nach außen gehen
• nicht am Objekt bleiben
• sondern die Funktion selbst
zum Ursprung zurückführen

5. Stellung im Zyklus

Aniruddhas Zugang ist:
• sehr kraftvoll
• klar
• aber nicht nachahmbar im äußeren Sinn

Er zeigt:

Durchdringung geschieht
nicht durch Verbesserung der Sinne,
sondern durch ihre Rückbindung an den Ursprung.
209 #
周利槃特迦即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我闕誦持,無多聞性,最初值佛聞法出家,憶持如來一句伽陀,於一百日得前遺後,得後遺前。佛愍我愚,教我安居調出入息。我時觀息,微細窮盡,生、住、異、滅,諸行剎那,其心豁然得大無礙,乃至漏盡成阿羅漢,住佛座下印成無學。佛問圓通,如我所證,[4]返息循空,斯為第一!」
Cūḍapanthaka
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Ich bin schwach
im Rezitieren und Behalten
und besitze
keine Vielhörigkeit.
Als ich dem Buddha
zum ersten Mal begegnete,
hörte ich das Dharma
und trat in den Orden ein.
Ich vermochte mir
von einer einzigen Gāthā
des Tathāgata
nur jeweils eine Zeile zu merken:
Behielt ich die erste,
vergaß ich die zweite;
behielt ich die zweite,
vergaß ich die erste.

Der Buddha
erbarmte sich meiner Beschränktheit
und wies mich an,
in stiller Klausur
den Ein- und Ausatem
achtsam zu regulieren.
Als ich den Atem betrachtete,
wurde er zunehmend feiner
bis an seine Grenze.
Entstehen,
Verweilen,
Veränderung
und Vergehen
aller Vorgänge
zeigten sich augenblicklich.
Da öffnete sich mein Geist
in großer Ungehindertheit;
die Ausflüsse erloschen,
und ich vollendete
die Arhat-Frucht.
Der Buddha bestätigte mich
als Nicht-mehr-Lernenden.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Zurückwenden des Atems
und das Folgen der Leerheit
ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Atem und Geist (息 / 意識)
und ist einer der demütigsten und zugleich direktesten Wege.

1. Kein Talent – kein Hindernis

Cūḍapanthaka steht für:
• mangelnde Merkfähigkeit
• fehlende Gelehrsamkeit
• scheinbare Untauglichkeit

Das Sutra macht deutlich:

Befreiung hängt nicht
an kognitiver Stärke.

2. Atem als unmittelbare Schwelle

Der Atem ist:
• nicht äußerlich
• nicht innerlich
• ständig gegenwärtig
• ohne Besitzanspruch

Darum eignet er sich,
um das Entstehen selbst zu durchschauen.

3. Die vier Phasen der Bewegung

Das Sehen von:
• Entstehen
• Verweilen
• Veränderung
• Vergehen

nicht als Theorie,
sondern als unmittelbare Erfahrung,
lässt jede feste Struktur zerfallen.

4. 返息循空 – Atem zurückführen, Leerheit folgen

Der Atem wird nicht kontrolliert,
sondern zurückgeführt:
• nicht nach außen
• nicht ins Ich
• sondern in Offenheit

So löst sich:
• Denken
• Festhalten
• Selbstbezug

5. Stellung im Zyklus

Dieser Zugang ist:
• äußerst zugänglich
• frei von Voraussetzungen
• tief wirksam

Er zeigt:

Selbst das Einfachste
kann zur Pforte des Ungeborenen werden.
中文原文
周利槃特迦即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我闕誦持,無多聞性,最初值佛聞法出家,憶持如來一句伽陀,於一百日得前遺後,得後遺前。佛愍我愚,教我安居調出入息。我時觀息,微細窮盡,生、住、異、滅,諸行剎那,其心豁然得大無礙,乃至漏盡成阿羅漢,住佛座下印成無學。佛問圓通,如我所證,[4]返息循空,斯為第一!」
Deutsch
Cūḍapanthaka
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Ich bin schwach
im Rezitieren und Behalten
und besitze
keine Vielhörigkeit.
Als ich dem Buddha
zum ersten Mal begegnete,
hörte ich das Dharma
und trat in den Orden ein.
Ich vermochte mir
von einer einzigen Gāthā
des Tathāgata
nur jeweils eine Zeile zu merken:
Behielt ich die erste,
vergaß ich die zweite;
behielt ich die zweite,
vergaß ich die erste.

Der Buddha
erbarmte sich meiner Beschränktheit
und wies mich an,
in stiller Klausur
den Ein- und Ausatem
achtsam zu regulieren.
Als ich den Atem betrachtete,
wurde er zunehmend feiner
bis an seine Grenze.
Entstehen,
Verweilen,
Veränderung
und Vergehen
aller Vorgänge
zeigten sich augenblicklich.
Da öffnete sich mein Geist
in großer Ungehindertheit;
die Ausflüsse erloschen,
und ich vollendete
die Arhat-Frucht.
Der Buddha bestätigte mich
als Nicht-mehr-Lernenden.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Zurückwenden des Atems
und das Folgen der Leerheit
ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Atem und Geist (息 / 意識)
und ist einer der demütigsten und zugleich direktesten Wege.

1. Kein Talent – kein Hindernis

Cūḍapanthaka steht für:
• mangelnde Merkfähigkeit
• fehlende Gelehrsamkeit
• scheinbare Untauglichkeit

Das Sutra macht deutlich:

Befreiung hängt nicht
an kognitiver Stärke.

2. Atem als unmittelbare Schwelle

Der Atem ist:
• nicht äußerlich
• nicht innerlich
• ständig gegenwärtig
• ohne Besitzanspruch

Darum eignet er sich,
um das Entstehen selbst zu durchschauen.

3. Die vier Phasen der Bewegung

Das Sehen von:
• Entstehen
• Verweilen
• Veränderung
• Vergehen

nicht als Theorie,
sondern als unmittelbare Erfahrung,
lässt jede feste Struktur zerfallen.

4. 返息循空 – Atem zurückführen, Leerheit folgen

Der Atem wird nicht kontrolliert,
sondern zurückgeführt:
• nicht nach außen
• nicht ins Ich
• sondern in Offenheit

So löst sich:
• Denken
• Festhalten
• Selbstbezug

5. Stellung im Zyklus

Dieser Zugang ist:
• äußerst zugänglich
• frei von Voraussetzungen
• tief wirksam

Er zeigt:

Selbst das Einfachste
kann zur Pforte des Ungeborenen werden.
210 #
[*]驕梵鉢提即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我有口業,於過去劫輕弄沙門,世世生生有牛呞病。如來示我一味清淨心地法門,我得滅心入三摩地,觀味之知非體非物,應念得超世間諸漏。內脫身心,外遺世界,遠離三有,如鳥出籠;離垢銷塵,法眼清淨,成阿羅漢,如來親印登無學道。佛問圓通,如我所證,還味旋知,斯為第一!」
Gavāṃpati
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Ich trug Mundkarma.
In früheren Existenzen
verspottete ich Asketen;
darum wurde ich
Leben um Leben
mit der Krankheit geboren,
wie ein Rind wiederzukäuen.

Der Tathāgata
lehrte mich
das Tor
des einen,
reinen Herzensgrundes.
Ich ließ den Geist erlöschen,
trat in Samadhi ein
und betrachtete
das Erkennen des Geschmacks:
Es ist weder
körperlich
noch ein äußeres Objekt.
So überschritt ich
unmittelbar
alle weltlichen Ausflüsse.

Innerlich
befreite ich mich
von Körper und Geist,
äußerlich
ließ ich die Welt zurück.
Fern von den drei Daseinsbereichen,
gleich einem Vogel,
der den Käfig verlässt.
Schmutz fiel ab,
Staub erlosch;
das Dharma-Auge
wurde rein.
Ich vollendete
die Arhat-Frucht,
und der Buddha
bestätigte mich persönlich
als Nicht-mehr-Lernenden.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Zurückkehren vom Geschmack
zum Erkennen
ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Geschmack und Erkennen
und bringt erstmals Karma, Sinn und Befreiung explizit zusammen.

1. Mundkarma und Wiederholung

Das „Wiederkäuen“ ist mehr als körperliche Folge:
Es steht für geistige Wiederholung,
für das endlose Durchkauen von Eindrücken,
Urteilen und Reaktionen.

Der Text macht deutlich:

Karma wirkt dort weiter,
wo Erkennen immer wieder
an dasselbe ansetzt.

2. Der eine, reine Herzensgrund

Der gezeigte Zugang ist nicht moralisch,
sondern strukturell:
• nicht Reinigung des Geschmacks
• sondern Rückführung
des Erkennens auf seinen Grund

3. „味之知非體非物“

Der entscheidende Satz:

Das Erkennen des Geschmacks
ist weder Körper
noch Objekt.

Damit fällt:
• der Träger
• das Gegenüber
• die Schleife des Wiederkäuens

4. Innen und außen fallen zugleich

Befreiung geschieht synchron:
• innen: Körper/Geist lösen sich
• außen: Welt fällt ab

Nicht als Vernichtung,
sondern als Nicht-Festhalten.

5. Stellung im Zyklus

Gavampatis Weg zeigt:
• wie karmische Gewohnheit
zur Pforte werden kann
• wie Wiederholung
in Klarheit umschlägt

Er ergänzt den vorherigen Geschmacks-Weg:

Nicht Vielfalt wird durchdrungen,
sondern Fixierung selbst.
中文原文
[*]驕梵鉢提即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我有口業,於過去劫輕弄沙門,世世生生有牛呞病。如來示我一味清淨心地法門,我得滅心入三摩地,觀味之知非體非物,應念得超世間諸漏。內脫身心,外遺世界,遠離三有,如鳥出籠;離垢銷塵,法眼清淨,成阿羅漢,如來親印登無學道。佛問圓通,如我所證,還味旋知,斯為第一!」
Deutsch
Gavāṃpati
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Ich trug Mundkarma.
In früheren Existenzen
verspottete ich Asketen;
darum wurde ich
Leben um Leben
mit der Krankheit geboren,
wie ein Rind wiederzukäuen.

Der Tathāgata
lehrte mich
das Tor
des einen,
reinen Herzensgrundes.
Ich ließ den Geist erlöschen,
trat in Samadhi ein
und betrachtete
das Erkennen des Geschmacks:
Es ist weder
körperlich
noch ein äußeres Objekt.
So überschritt ich
unmittelbar
alle weltlichen Ausflüsse.

Innerlich
befreite ich mich
von Körper und Geist,
äußerlich
ließ ich die Welt zurück.
Fern von den drei Daseinsbereichen,
gleich einem Vogel,
der den Käfig verlässt.
Schmutz fiel ab,
Staub erlosch;
das Dharma-Auge
wurde rein.
Ich vollendete
die Arhat-Frucht,
und der Buddha
bestätigte mich persönlich
als Nicht-mehr-Lernenden.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Zurückkehren vom Geschmack
zum Erkennen
ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Geschmack und Erkennen
und bringt erstmals Karma, Sinn und Befreiung explizit zusammen.

1. Mundkarma und Wiederholung

Das „Wiederkäuen“ ist mehr als körperliche Folge:
Es steht für geistige Wiederholung,
für das endlose Durchkauen von Eindrücken,
Urteilen und Reaktionen.

Der Text macht deutlich:

Karma wirkt dort weiter,
wo Erkennen immer wieder
an dasselbe ansetzt.

2. Der eine, reine Herzensgrund

Der gezeigte Zugang ist nicht moralisch,
sondern strukturell:
• nicht Reinigung des Geschmacks
• sondern Rückführung
des Erkennens auf seinen Grund

3. „味之知非體非物“

Der entscheidende Satz:

Das Erkennen des Geschmacks
ist weder Körper
noch Objekt.

Damit fällt:
• der Träger
• das Gegenüber
• die Schleife des Wiederkäuens

4. Innen und außen fallen zugleich

Befreiung geschieht synchron:
• innen: Körper/Geist lösen sich
• außen: Welt fällt ab

Nicht als Vernichtung,
sondern als Nicht-Festhalten.

5. Stellung im Zyklus

Gavampatis Weg zeigt:
• wie karmische Gewohnheit
zur Pforte werden kann
• wie Wiederholung
in Klarheit umschlägt

Er ergänzt den vorherigen Geschmacks-Weg:

Nicht Vielfalt wird durchdrungen,
sondern Fixierung selbst.
211 #
畢陵伽婆蹉即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我初發心從佛入道,數聞如來說諸世間不可樂事。乞食城中,心思法門,不覺路中毒刺傷足,舉身疼痛。我念有知,知此深痛,雖覺覺痛,覺清淨心無痛痛覺。我又思惟:『如是一身寧有雙覺?』攝念未久,身心忽空;三七日中諸漏虛盡,成阿羅漢,得親印記,發明無學。佛問圓通,如我所證,純覺遺身,斯為第一!」
Pilindavatsa
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Als ich
zum ersten Mal
den Entschluss fasste
und dem Buddha
auf dem Weg folgte,
hörte ich häufig,
wie der Tathāgata
über die leidvollen Aspekte
der Welt sprach.

Beim Almosengang
in der Stadt
war mein Geist
auf das Dharma gerichtet.
Ohne es zu bemerken,
trat ich auf einen giftigen Dorn,
der meinen Fuß verletzte;
der ganze Körper
war von Schmerz erfüllt.

Ich richtete meine Aufmerksamkeit
auf das Erkennen selbst:
Es gibt ein Erkennen,
das diesen tiefen Schmerz wahrnimmt.
Obwohl das Erkennen
den Schmerz erkennt,
ist das klare, reine Erkennen
selbst nicht schmerzhaft
und kennt keinen Schmerz.

Ich überlegte:
‚Kann ein Körper
zwei verschiedene Arten
des Erkennens haben?‘
Als ich die Aufmerksamkeit sammelte,
verging nur kurze Zeit,
da wurden Körper und Geist
plötzlich leer.
Innerhalb von einundzwanzig Tagen
erlöschten alle Ausflüsse,
und ich vollendete
die Arhat-Frucht.
Der Buddha bestätigte mich persönlich
als Nicht-mehr-Lernenden.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das reine Erkennen,
das den Körper zurücklässt,
ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Schmerz und Körperempfinden
in ihrer radikalsten Zuspitzung.

1. Schmerz als Prüfstein

Schmerz ist normalerweise:
• absolut bindend
• totalisierend
• identitätsstiftend („Ich leide“)

Gerade deshalb eignet er sich,
die letzte Selbstverwechslung offenzulegen.

2. Zwei Ebenen des Erkennens

Pilindavatsa entdeckt:
• Erkennen, das Schmerz erkennt
• Erkennen, das selbst nicht schmerzt

Dies ist keine Spaltung,
sondern die Unterscheidung von Funktion und Grund.

3. Die entscheidende Frage

„Kann ein Körper zwei Erkennensweisen haben?“

Diese Frage sprengt das Körpermodell:
• Wenn Erkennen Schmerz sieht,
• ohne selbst zu schmerzen,
• kann Erkennen nicht Körper sein.

4. 純覺遺身 – reines Erkennen, das den Körper zurücklässt

Das bedeutet nicht:
• Abwertung des Körpers
• Dissoziation

Sondern:
• Erkennen ist nicht lokalisierbar
• Körper ist Erscheinung im Erkennen

5. Stellung im Zyklus

Dieser Weg ist:
• extrem direkt
• existenziell
• nicht leicht zugänglich

Er zeigt:

Selbst dort,
wo Bindung am stärksten scheint,
ist der Durchbruch möglich.
中文原文
畢陵伽婆蹉即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我初發心從佛入道,數聞如來說諸世間不可樂事。乞食城中,心思法門,不覺路中毒刺傷足,舉身疼痛。我念有知,知此深痛,雖覺覺痛,覺清淨心無痛痛覺。我又思惟:『如是一身寧有雙覺?』攝念未久,身心忽空;三七日中諸漏虛盡,成阿羅漢,得親印記,發明無學。佛問圓通,如我所證,純覺遺身,斯為第一!」
Deutsch
Pilindavatsa
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Als ich
zum ersten Mal
den Entschluss fasste
und dem Buddha
auf dem Weg folgte,
hörte ich häufig,
wie der Tathāgata
über die leidvollen Aspekte
der Welt sprach.

Beim Almosengang
in der Stadt
war mein Geist
auf das Dharma gerichtet.
Ohne es zu bemerken,
trat ich auf einen giftigen Dorn,
der meinen Fuß verletzte;
der ganze Körper
war von Schmerz erfüllt.

Ich richtete meine Aufmerksamkeit
auf das Erkennen selbst:
Es gibt ein Erkennen,
das diesen tiefen Schmerz wahrnimmt.
Obwohl das Erkennen
den Schmerz erkennt,
ist das klare, reine Erkennen
selbst nicht schmerzhaft
und kennt keinen Schmerz.

Ich überlegte:
‚Kann ein Körper
zwei verschiedene Arten
des Erkennens haben?‘
Als ich die Aufmerksamkeit sammelte,
verging nur kurze Zeit,
da wurden Körper und Geist
plötzlich leer.
Innerhalb von einundzwanzig Tagen
erlöschten alle Ausflüsse,
und ich vollendete
die Arhat-Frucht.
Der Buddha bestätigte mich persönlich
als Nicht-mehr-Lernenden.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das reine Erkennen,
das den Körper zurücklässt,
ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Schmerz und Körperempfinden
in ihrer radikalsten Zuspitzung.

1. Schmerz als Prüfstein

Schmerz ist normalerweise:
• absolut bindend
• totalisierend
• identitätsstiftend („Ich leide“)

Gerade deshalb eignet er sich,
die letzte Selbstverwechslung offenzulegen.

2. Zwei Ebenen des Erkennens

Pilindavatsa entdeckt:
• Erkennen, das Schmerz erkennt
• Erkennen, das selbst nicht schmerzt

Dies ist keine Spaltung,
sondern die Unterscheidung von Funktion und Grund.

3. Die entscheidende Frage

„Kann ein Körper zwei Erkennensweisen haben?“

Diese Frage sprengt das Körpermodell:
• Wenn Erkennen Schmerz sieht,
• ohne selbst zu schmerzen,
• kann Erkennen nicht Körper sein.

4. 純覺遺身 – reines Erkennen, das den Körper zurücklässt

Das bedeutet nicht:
• Abwertung des Körpers
• Dissoziation

Sondern:
• Erkennen ist nicht lokalisierbar
• Körper ist Erscheinung im Erkennen

5. Stellung im Zyklus

Dieser Weg ist:
• extrem direkt
• existenziell
• nicht leicht zugänglich

Er zeigt:

Selbst dort,
wo Bindung am stärksten scheint,
ist der Durchbruch möglich.
212 #
須菩提即從座起,頂禮佛足而白佛言;「我曠劫來心得無礙,自憶受生如恒河沙。初在母胎即知空寂,如是乃至十方成空,亦令眾生證得空性。蒙如來發性覺真空,空性圓明得阿羅漢,頓入如來寶明空海。同佛知見,印成無學,解脫性空我為無上。佛問圓通,如我所證,諸相入非,非所非盡,旋法歸無,斯為第一!」
Subhūti
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Seit unermesslichen Äonen
ist mein Geist
frei von Hindernissen.
Ich erinnere mich
an meine Geburten,
so zahlreich wie der Sand des Ganges.
Schon im Mutterleib
erkannte ich
Leerheit und Stille;
so weitete sich diese Einsicht,
bis die zehn Richtungen
als Leerheit erschienen,
und auch andere Wesen
zur Verwirklichung der Leerheit gelangten.

Durch die Unterweisung des Tathāgata
wurde mir
die wahre Erkenntnis
der Wesens-Leerheit eröffnet.
Die Leerheitsnatur
wurde vollkommen klar,
und ich erlangte
die Arhat-Frucht.
Unmittelbar trat ich ein
in das kostbare,
leuchtende Meer der Leerheit
des Tathāgata.
Im Wissen und Sehen
des Buddha
wurde ich bestätigt
als Nicht-mehr-Lernender.

Die Befreiung
durch die Leerheit der Natur
halte ich für das Höchste.
Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Alle Erscheinungen
gehen in das Nicht-Sein ein;
auch das Nicht-Sein
erlischt vollständig;
und das Dharma
kehrt in das Nicht zurück –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Leerheit (空)
in ihrer radikalsten und zugleich gefährlichsten Form.

1. Leerheit als früheste Vertrautheit

Subhūti ist der Archetyp
des „von Anfang an Leeren“:
Leerheit ist für ihn
kein Ergebnis,
sondern eine ursprüngliche Vertrautheit.

Das macht seine Position einzigartig –
und erklärungsbedürftig.

2. „Zehn Richtungen werden leer“

Hier liegt die Gefahr:
Leerheit kann zur Totalisierung werden,
zur subtilen Auslöschung
von Welt und Unterschied.

Das Sutra lässt Subhūti
bewusst so weit gehen,
um später
diese Position zu relativieren.

3. 非所非盡 – auch das Nicht wird verlassen

Der entscheidende Satz ist nicht:

Alles ist leer.

Sondern:

Auch das „Nicht-Sein“
wird vollständig aufgegeben.

Damit wird Nihilismus explizit ausgeschlossen.

4. Rückkehr des Dharma ins Nicht

„旋法歸無“ bedeutet:
• Lehre wird nicht festgehalten
• Leerheit wird nicht verehrt
• Erkenntnis kehrt in Grundlosigkeit zurück

Das ist Leerheit ohne Standpunkt.

5. Stellung im Zyklus

Subhūtis Weg ist:
• extrem klar
• extrem subtil
• aber nicht allgemein gangbar

Er zeigt die äußerste Grenze
dessen, was Leerheit leisten kann –
und warum sie allein
nicht der empfohlene Weg
für kommende Zeiten sein wird.
中文原文
須菩提即從座起,頂禮佛足而白佛言;「我曠劫來心得無礙,自憶受生如恒河沙。初在母胎即知空寂,如是乃至十方成空,亦令眾生證得空性。蒙如來發性覺真空,空性圓明得阿羅漢,頓入如來寶明空海。同佛知見,印成無學,解脫性空我為無上。佛問圓通,如我所證,諸相入非,非所非盡,旋法歸無,斯為第一!」
Deutsch
Subhūti
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Seit unermesslichen Äonen
ist mein Geist
frei von Hindernissen.
Ich erinnere mich
an meine Geburten,
so zahlreich wie der Sand des Ganges.
Schon im Mutterleib
erkannte ich
Leerheit und Stille;
so weitete sich diese Einsicht,
bis die zehn Richtungen
als Leerheit erschienen,
und auch andere Wesen
zur Verwirklichung der Leerheit gelangten.

Durch die Unterweisung des Tathāgata
wurde mir
die wahre Erkenntnis
der Wesens-Leerheit eröffnet.
Die Leerheitsnatur
wurde vollkommen klar,
und ich erlangte
die Arhat-Frucht.
Unmittelbar trat ich ein
in das kostbare,
leuchtende Meer der Leerheit
des Tathāgata.
Im Wissen und Sehen
des Buddha
wurde ich bestätigt
als Nicht-mehr-Lernender.

Die Befreiung
durch die Leerheit der Natur
halte ich für das Höchste.
Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Alle Erscheinungen
gehen in das Nicht-Sein ein;
auch das Nicht-Sein
erlischt vollständig;
und das Dharma
kehrt in das Nicht zurück –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Leerheit (空)
in ihrer radikalsten und zugleich gefährlichsten Form.

1. Leerheit als früheste Vertrautheit

Subhūti ist der Archetyp
des „von Anfang an Leeren“:
Leerheit ist für ihn
kein Ergebnis,
sondern eine ursprüngliche Vertrautheit.

Das macht seine Position einzigartig –
und erklärungsbedürftig.

2. „Zehn Richtungen werden leer“

Hier liegt die Gefahr:
Leerheit kann zur Totalisierung werden,
zur subtilen Auslöschung
von Welt und Unterschied.

Das Sutra lässt Subhūti
bewusst so weit gehen,
um später
diese Position zu relativieren.

3. 非所非盡 – auch das Nicht wird verlassen

Der entscheidende Satz ist nicht:

Alles ist leer.

Sondern:

Auch das „Nicht-Sein“
wird vollständig aufgegeben.

Damit wird Nihilismus explizit ausgeschlossen.

4. Rückkehr des Dharma ins Nicht

„旋法歸無“ bedeutet:
• Lehre wird nicht festgehalten
• Leerheit wird nicht verehrt
• Erkenntnis kehrt in Grundlosigkeit zurück

Das ist Leerheit ohne Standpunkt.

5. Stellung im Zyklus

Subhūtis Weg ist:
• extrem klar
• extrem subtil
• aber nicht allgemein gangbar

Er zeigt die äußerste Grenze
dessen, was Leerheit leisten kann –
und warum sie allein
nicht der empfohlene Weg
für kommende Zeiten sein wird.
213 #
舍利弗即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我曠劫來心見清淨,如是受生如恒河沙,世出世間種種變化,一見則通,獲無障礙。我於[5]路中逢迦葉波兄弟相逐,宣說因緣,悟心無際,從佛出家。見覺明圓,得大無畏,成阿羅漢,為佛長子。從佛口生,從法化生。佛問圓通,如我所證,心見發光,光極知見,斯為第一!」
Śāriputra
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Seit unermesslichen Äonen
sind Geist
und Sehen
bei mir rein und klar.
Ich erinnere mich
an meine Geburten,
so zahlreich wie der Sand des Ganges.
Die vielfältigen Wandlungen
der weltlichen
und überweltlichen Bereiche
durchdrang ich
bereits beim ersten Sehen
und erlangte
ungehinderte Einsicht.

Unterwegs
begegnete ich
den Brüdern Kāśyapa,
die gemeinsam gingen
und die Lehre
von Ursachen und Bedingungen darlegten.
Da erkannte ich,
dass der Geist
grenzenlos ist,
und trat in den Orden
des Buddha ein.

Als Sehen und Erwachen
vollständig klar wurden,
entfaltete sich
große Furchtlosigkeit.
Ich vollendete
die Arhat-Frucht
und wurde
der älteste Sohn des Buddha –
aus seinem Mund geboren
und durch das Dharma geformt.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Leuchten
von Geist und Sehen
weitet sich bis zur äußersten Grenze
des Erkennens –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Weisheit und Erkenntnis (慧 / 見)
in ihrer klassischsten Form.

1. Geist und Sehen als Einheit

Śāriputra spricht nicht von Denken allein,
sondern von 心見 – Geist-Sehen.
Erkenntnis ist hier:
• unmittelbar
• durchdringend
• ohne Umweg über diskursive Analyse

2. Ursachen und Bedingungen als Auslöser

Die Begegnung mit den Brüdern Kāśyapa
ist entscheidend:
Nicht Inhalte,
sondern das Durchschauen von Bedingtheit
öffnet die Grenze des Geistes.

3. Lichtmetapher des Erkennens

心見發光,光極知見

Erkennen wird hier:
• lichtartig
• grenzenlos
• alles durchdringend

Doch genau darin liegt auch die Grenze dieses Zugangs:
Er bleibt auf Erkenntnis fokussiert.

4. Stärke und Begrenzung

Śāriputras Weg ist:
• schnell
• scharf
• klar

Aber:
• er setzt hohe geistige Schärfe voraus
• er kann subtil am Erkennen selbst haften bleiben

Darum wird dieser Weg
zwar geehrt,
aber nicht als der für kommende Zeiten geeignetste gewählt.

5. Stellung im Zyklus

Śāriputra repräsentiert
den Gipfel analytischer Weisheit.
Sein Zeugnis bildet
den Übergang
von den sinnlichen Zugängen
zu den bewusstseinsnahen.
中文原文
舍利弗即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我曠劫來心見清淨,如是受生如恒河沙,世出世間種種變化,一見則通,獲無障礙。我於[5]路中逢迦葉波兄弟相逐,宣說因緣,悟心無際,從佛出家。見覺明圓,得大無畏,成阿羅漢,為佛長子。從佛口生,從法化生。佛問圓通,如我所證,心見發光,光極知見,斯為第一!」
Deutsch
Śāriputra
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Seit unermesslichen Äonen
sind Geist
und Sehen
bei mir rein und klar.
Ich erinnere mich
an meine Geburten,
so zahlreich wie der Sand des Ganges.
Die vielfältigen Wandlungen
der weltlichen
und überweltlichen Bereiche
durchdrang ich
bereits beim ersten Sehen
und erlangte
ungehinderte Einsicht.

Unterwegs
begegnete ich
den Brüdern Kāśyapa,
die gemeinsam gingen
und die Lehre
von Ursachen und Bedingungen darlegten.
Da erkannte ich,
dass der Geist
grenzenlos ist,
und trat in den Orden
des Buddha ein.

Als Sehen und Erwachen
vollständig klar wurden,
entfaltete sich
große Furchtlosigkeit.
Ich vollendete
die Arhat-Frucht
und wurde
der älteste Sohn des Buddha –
aus seinem Mund geboren
und durch das Dharma geformt.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Leuchten
von Geist und Sehen
weitet sich bis zur äußersten Grenze
des Erkennens –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Weisheit und Erkenntnis (慧 / 見)
in ihrer klassischsten Form.

1. Geist und Sehen als Einheit

Śāriputra spricht nicht von Denken allein,
sondern von 心見 – Geist-Sehen.
Erkenntnis ist hier:
• unmittelbar
• durchdringend
• ohne Umweg über diskursive Analyse

2. Ursachen und Bedingungen als Auslöser

Die Begegnung mit den Brüdern Kāśyapa
ist entscheidend:
Nicht Inhalte,
sondern das Durchschauen von Bedingtheit
öffnet die Grenze des Geistes.

3. Lichtmetapher des Erkennens

心見發光,光極知見

Erkennen wird hier:
• lichtartig
• grenzenlos
• alles durchdringend

Doch genau darin liegt auch die Grenze dieses Zugangs:
Er bleibt auf Erkenntnis fokussiert.

4. Stärke und Begrenzung

Śāriputras Weg ist:
• schnell
• scharf
• klar

Aber:
• er setzt hohe geistige Schärfe voraus
• er kann subtil am Erkennen selbst haften bleiben

Darum wird dieser Weg
zwar geehrt,
aber nicht als der für kommende Zeiten geeignetste gewählt.

5. Stellung im Zyklus

Śāriputra repräsentiert
den Gipfel analytischer Weisheit.
Sein Zeugnis bildet
den Übergang
von den sinnlichen Zugängen
zu den bewusstseinsnahen.
214 #
普賢菩薩即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我已曾與恒沙如來為法王子,十方如來教其弟子菩薩根者修普賢行,從我立名。世尊!我用心聞分別眾生所有知見,若於他方恒沙界外,有一眾生心中發明普賢行者,我於爾時乘六牙象,分身百千皆至其處。縱彼障深未[6]得見我,我與其人暗中摩頂,擁護安慰,令其成就。佛問圓通,我說本因,心聞發明,分別自在,斯為第一!」
Samantabhadra Bodhisattva
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Seit unzähligen Zeiten
diene ich den Tathāgatas
so zahlreich wie der Sand des Ganges
als Dharmafürstensohn.
Die Buddhas der zehn दिशungen
lehren ihre Bodhisattva-Schüler
mit geeigneten Anlagen
die Praxis Samantabhadras;
von mir
erhält diese Praxis ihren Namen.

Weltverehrter!
Ich nutze
das Hören des Geistes,
um die verschiedenen Erkenntnisse
aller Wesen zu erfassen.
Wenn in irgendeiner Welt,
selbst jenseits
von zahllosen Buddha-Ländern,
ein Wesen
in seinem Geist
die Praxis Samantabhadras entfaltet,
so erscheine ich
auf meinem sechszähnigen Elefanten,
vervielfältige meinen Körper
in hunderttausend Formen
und gelange zu ihm.

Selbst wenn dieses Wesen
aufgrund tiefer Hindernisse
mich noch nicht wahrnehmen kann,
berühre ich ihm
im Verborgenen den Scheitel,
schütze es,
tröste es
und führe es zur Vollendung.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so besteht der Zugang
in der Erhellung
des geistigen Hörens,
durch die Unterscheidung frei wird –
dies ist der höchste Weg.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über das geistige Hören (心聞)
und markiert den Übergang von individueller Befreiung zu universeller Wirksamkeit.

1. Hören jenseits der Ohren

Samantabhadras „Hören“ ist:
• kein Sinneshören
• keine Aufmerksamkeit auf Klang
• sondern resonante Offenheit des Geistes

Es ist die Fähigkeit,

Erkennen anderer Wesen unmittelbar mitzuhören,
ohne sie zu kontrollieren.

2. Unterscheidung ohne Bindung

„分別自在“ bedeutet:
• Unterscheiden bleibt erhalten
• aber es bindet nicht mehr

Dies ist entscheidend:

Mitgefühl braucht Unterscheidung,
doch ohne Ich-Zentrum.

3. Praxis als Antwortfähigkeit

Die berühmte Szene:
• sechszähniger Elefant
• Vervielfältigung
• Berührung des Scheitels

ist keine Mythologie,
sondern Symbolik für unmittelbare Antwortfähigkeit:

Wo Praxis entsteht,
antwortet Erwachen.

4. Unsichtbare Wirksamkeit

Selbst wenn das Wesen Samantabhadra nicht sieht,
wirkt er dennoch.

Das zeigt:
• Befreiung ist nicht abhängig von Wahrnehmung
• Mitgefühl wirkt auch jenseits bewusster Erfahrung

5. Stellung im Zyklus

Samantabhadra repräsentiert:
• die Ausweitung der Durchdringung
• von individueller Klarheit
• zu grenzenloser Aktivität

Er steht unmittelbar vor
der entscheidenden Auswahl des höchsten Zugangs,
in der Manjushri
die Hör-Durchdringung Guanyins empfehlen wird.



Samantabhadra und Guanyin – zwei Formen des Hörens, zwei Ebenen des Wirkens

Beide sprechen vom Hören,
doch sie meinen nicht dasselbe
und erfüllen unterschiedliche Funktionen im Sutra.



1. Samantabhadra: 心聞發明 – geistiges Hören wird klar

Samantabhadra sagt:

心聞發明,分別自在

Wesensmerkmal
• Hören des Geistes, nicht der Ohren
• kein Rückzug in Stille
• kein methodisches Umkehren eines Sinnes
• sondern resonante All-Gegenwärtigkeit

Dieses Hören ist:
• nicht lokal
• nicht zeitlich
• nicht personal

Es ist die Fähigkeit,

die Erkenntnisbewegung anderer Wesen
unmittelbar mitzuerfassen.



Funktion

Samantabhadras Hören ist Antwortfähigkeit:
• Wo ein Wesen die Praxis erweckt,
antwortet Erwachen sofort.
• Nicht durch Wahrnehmung,
sondern durch Übereinstimmung im Grund.

Darum:
• Vervielfältigung
• unsichtbare Berührung
• Schutz ohne gesehen zu werden

Dies ist Wirken aus vollendeter Durchdringung.



Stellung im Weg

Samantabhadra spricht als Bodhisattva auf hoher Stufe.

Sein Zugang ist:
• nicht erlernbar als Methode
• nicht geeignet als Einstieg
• Ausdruck eines bereits freien Unterscheidens

Er zeigt:

Wie Durchdringung wirkt,
nicht wie sie erlangt wird.



2. Guanyin: 反聞聞自性 – Hören wird zurückgewendet

Guanyin wird später sagen:

反聞聞自性
„Das Hören wird zurückgewendet
und hört seine eigene Natur.“

Wesensmerkmal
• Ohren-Wurzel (耳根) als Ausgangspunkt
• klar definierte Umkehrbewegung
• methodisch präzise
• reproduzierbar

Hier geschieht:
• kein Hören von Klang
• kein geistiges Lauschen anderer
• sondern:

Rückführung der Sinnesfunktion
an ihren Ursprung



Funktion

Guanyins Hören ist Entknotung:
• erst ein Sinn
• dann alle sechs
• dann das Eine vergeht
• dann Ungeborenes

Es ist:
• ein praktischer Weg
• für Wesen mit starker Verstrickung
• in einer lauten, bewegten Welt

Dies ist der empfohlene Eintritt.



Stellung im Weg

Guanyin spricht als exemplarischer Übungsweg
für kommende Zeiten.

Ihr Zugang ist:
• konkret
• sanft
• ohne Askese
• ohne Absonderung

Darum wird er von Manjushri gewählt.



3. Der entscheidende Unterschied (in einem Satz)

Samantabhadra hört aus der Befreiung heraus.
Guanyin hört, um zur Befreiung zu gelangen.



4. Vergleich in strukturierter Form

Aspekt Samantabhadra Guanyin
Art des Hörens geistiges Hören (心聞) Ohren-Wurzel (耳根)
Richtung von allen Wesen her vom Sinn zurück zum Ursprung
Funktion universelle Antwort methodische Entknotung
Bindung bereits frei wird schrittweise gelöst
Zielgruppe Bodhisattvas hoher Stufe Wesen der späteren Zeiten
Rolle im Sutra zeigt Wirkung zeigt Weg




5. Warum das Sutra beide braucht

Ohne Samantabhadra:
• wäre Befreiung zu individualistisch
• fehlte die Dimension des Mitgefühls

Ohne Guanyin:
• wäre Befreiung zu abstrakt
• fehlte ein gangbarer Einstieg

Darum:
• Samantabhadra öffnet den Horizont
• Guanyin öffnet die Tür



6. Vorausblick: Manjushris Entscheidung

Manjushri wird nicht sagen:

„Guanyin ist höher.“

Sondern sinngemäß:

Für diese Welt,
für diese Wesen,
für diese Zeit
ist Hören über die Ohren
der passendste Zugang.

Nicht weil er absolut ist,
sondern weil er heilkundlich angemessen ist.



Kompakte Schlussformel

Samantabhadra zeigt,
wie Erwachen antwortet.

Guanyin zeigt,
wie Wesen eintreten.
中文原文
普賢菩薩即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我已曾與恒沙如來為法王子,十方如來教其弟子菩薩根者修普賢行,從我立名。世尊!我用心聞分別眾生所有知見,若於他方恒沙界外,有一眾生心中發明普賢行者,我於爾時乘六牙象,分身百千皆至其處。縱彼障深未[6]得見我,我與其人暗中摩頂,擁護安慰,令其成就。佛問圓通,我說本因,心聞發明,分別自在,斯為第一!」
Deutsch
Samantabhadra Bodhisattva
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Seit unzähligen Zeiten
diene ich den Tathāgatas
so zahlreich wie der Sand des Ganges
als Dharmafürstensohn.
Die Buddhas der zehn दिशungen
lehren ihre Bodhisattva-Schüler
mit geeigneten Anlagen
die Praxis Samantabhadras;
von mir
erhält diese Praxis ihren Namen.

Weltverehrter!
Ich nutze
das Hören des Geistes,
um die verschiedenen Erkenntnisse
aller Wesen zu erfassen.
Wenn in irgendeiner Welt,
selbst jenseits
von zahllosen Buddha-Ländern,
ein Wesen
in seinem Geist
die Praxis Samantabhadras entfaltet,
so erscheine ich
auf meinem sechszähnigen Elefanten,
vervielfältige meinen Körper
in hunderttausend Formen
und gelange zu ihm.

Selbst wenn dieses Wesen
aufgrund tiefer Hindernisse
mich noch nicht wahrnehmen kann,
berühre ich ihm
im Verborgenen den Scheitel,
schütze es,
tröste es
und führe es zur Vollendung.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so besteht der Zugang
in der Erhellung
des geistigen Hörens,
durch die Unterscheidung frei wird –
dies ist der höchste Weg.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über das geistige Hören (心聞)
und markiert den Übergang von individueller Befreiung zu universeller Wirksamkeit.

1. Hören jenseits der Ohren

Samantabhadras „Hören“ ist:
• kein Sinneshören
• keine Aufmerksamkeit auf Klang
• sondern resonante Offenheit des Geistes

Es ist die Fähigkeit,

Erkennen anderer Wesen unmittelbar mitzuhören,
ohne sie zu kontrollieren.

2. Unterscheidung ohne Bindung

„分別自在“ bedeutet:
• Unterscheiden bleibt erhalten
• aber es bindet nicht mehr

Dies ist entscheidend:

Mitgefühl braucht Unterscheidung,
doch ohne Ich-Zentrum.

3. Praxis als Antwortfähigkeit

Die berühmte Szene:
• sechszähniger Elefant
• Vervielfältigung
• Berührung des Scheitels

ist keine Mythologie,
sondern Symbolik für unmittelbare Antwortfähigkeit:

Wo Praxis entsteht,
antwortet Erwachen.

4. Unsichtbare Wirksamkeit

Selbst wenn das Wesen Samantabhadra nicht sieht,
wirkt er dennoch.

Das zeigt:
• Befreiung ist nicht abhängig von Wahrnehmung
• Mitgefühl wirkt auch jenseits bewusster Erfahrung

5. Stellung im Zyklus

Samantabhadra repräsentiert:
• die Ausweitung der Durchdringung
• von individueller Klarheit
• zu grenzenloser Aktivität

Er steht unmittelbar vor
der entscheidenden Auswahl des höchsten Zugangs,
in der Manjushri
die Hör-Durchdringung Guanyins empfehlen wird.



Samantabhadra und Guanyin – zwei Formen des Hörens, zwei Ebenen des Wirkens

Beide sprechen vom Hören,
doch sie meinen nicht dasselbe
und erfüllen unterschiedliche Funktionen im Sutra.



1. Samantabhadra: 心聞發明 – geistiges Hören wird klar

Samantabhadra sagt:

心聞發明,分別自在

Wesensmerkmal
• Hören des Geistes, nicht der Ohren
• kein Rückzug in Stille
• kein methodisches Umkehren eines Sinnes
• sondern resonante All-Gegenwärtigkeit

Dieses Hören ist:
• nicht lokal
• nicht zeitlich
• nicht personal

Es ist die Fähigkeit,

die Erkenntnisbewegung anderer Wesen
unmittelbar mitzuerfassen.



Funktion

Samantabhadras Hören ist Antwortfähigkeit:
• Wo ein Wesen die Praxis erweckt,
antwortet Erwachen sofort.
• Nicht durch Wahrnehmung,
sondern durch Übereinstimmung im Grund.

Darum:
• Vervielfältigung
• unsichtbare Berührung
• Schutz ohne gesehen zu werden

Dies ist Wirken aus vollendeter Durchdringung.



Stellung im Weg

Samantabhadra spricht als Bodhisattva auf hoher Stufe.

Sein Zugang ist:
• nicht erlernbar als Methode
• nicht geeignet als Einstieg
• Ausdruck eines bereits freien Unterscheidens

Er zeigt:

Wie Durchdringung wirkt,
nicht wie sie erlangt wird.



2. Guanyin: 反聞聞自性 – Hören wird zurückgewendet

Guanyin wird später sagen:

反聞聞自性
„Das Hören wird zurückgewendet
und hört seine eigene Natur.“

Wesensmerkmal
• Ohren-Wurzel (耳根) als Ausgangspunkt
• klar definierte Umkehrbewegung
• methodisch präzise
• reproduzierbar

Hier geschieht:
• kein Hören von Klang
• kein geistiges Lauschen anderer
• sondern:

Rückführung der Sinnesfunktion
an ihren Ursprung



Funktion

Guanyins Hören ist Entknotung:
• erst ein Sinn
• dann alle sechs
• dann das Eine vergeht
• dann Ungeborenes

Es ist:
• ein praktischer Weg
• für Wesen mit starker Verstrickung
• in einer lauten, bewegten Welt

Dies ist der empfohlene Eintritt.



Stellung im Weg

Guanyin spricht als exemplarischer Übungsweg
für kommende Zeiten.

Ihr Zugang ist:
• konkret
• sanft
• ohne Askese
• ohne Absonderung

Darum wird er von Manjushri gewählt.



3. Der entscheidende Unterschied (in einem Satz)

Samantabhadra hört aus der Befreiung heraus.
Guanyin hört, um zur Befreiung zu gelangen.



4. Vergleich in strukturierter Form

Aspekt Samantabhadra Guanyin
Art des Hörens geistiges Hören (心聞) Ohren-Wurzel (耳根)
Richtung von allen Wesen her vom Sinn zurück zum Ursprung
Funktion universelle Antwort methodische Entknotung
Bindung bereits frei wird schrittweise gelöst
Zielgruppe Bodhisattvas hoher Stufe Wesen der späteren Zeiten
Rolle im Sutra zeigt Wirkung zeigt Weg




5. Warum das Sutra beide braucht

Ohne Samantabhadra:
• wäre Befreiung zu individualistisch
• fehlte die Dimension des Mitgefühls

Ohne Guanyin:
• wäre Befreiung zu abstrakt
• fehlte ein gangbarer Einstieg

Darum:
• Samantabhadra öffnet den Horizont
• Guanyin öffnet die Tür



6. Vorausblick: Manjushris Entscheidung

Manjushri wird nicht sagen:

„Guanyin ist höher.“

Sondern sinngemäß:

Für diese Welt,
für diese Wesen,
für diese Zeit
ist Hören über die Ohren
der passendste Zugang.

Nicht weil er absolut ist,
sondern weil er heilkundlich angemessen ist.



Kompakte Schlussformel

Samantabhadra zeigt,
wie Erwachen antwortet.

Guanyin zeigt,
wie Wesen eintreten.
215 #
孫陀羅難陀即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我初出家從佛入道,雖具戒律,於三摩[7]提心常散動,未獲無漏。世尊教我及俱絺羅觀鼻端白。我初諦觀經三七日,見鼻中氣出入如煙,身心內明,圓洞世界,遍成虛淨,猶如瑠璃。煙相漸銷,鼻息成白,心開漏盡;諸出入息化為光明,照十方界,得阿羅漢,世尊記我,當得菩提。佛問圓通,我以銷息,息久發明,明圓滅漏,斯為第一!」
Sundarananda
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Als ich
dem Buddha folgte
und in den Orden eintrat,
hielt ich zwar
die Gebote ein,
doch im Samadhi
war mein Geist
ständig zerstreut;
ich hatte
die ausflusslose Befreiung
noch nicht verwirklicht.

Der Weltverehrte
wies mich
und Koṭṭhika an,
den hellen Punkt
an der Nasenspitze
achtsam zu betrachten.
Nach drei Siebener-Zyklen
konzentrierter Schau
erkannte ich,
dass der Atem
in der Nase
ein- und ausging
wie Rauch.
Körper und Geist
wurden innerlich licht;
die Welt
erschien rundum durchdrungen
und vollständig leer und rein,
wie durchscheinendes Glas.

Nach und nach
löste sich die Raucherscheinung auf,
der Atem
wurde weiß und klar;
der Geist öffnete sich,
die Ausflüsse erloschen.
Alle Atembewegungen
verwandelten sich
in Licht,
das die zehn Richtungen
erhellte.
So erlangte ich
die Arhat-Frucht,
und der Buddha
verkündete mir,
dass ich Bodhi erlangen werde.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das Auflösen des Atems
entfaltet sich nach anhaltender Sammlung
klare Erkenntnis,
die die Ausflüsse zum Erlöschen bringt –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Atem, Sammlung und Licht
und ergänzt den Weg Cūḍapanthakas um eine stabilisierende Dimension.

1. Moral ohne Sammlung reicht nicht

Sundarananda macht deutlich:
• Gebote allein befreien nicht
• ohne Sammlung bleibt der Geist zerstreut

Das Sutra trennt hier klar:

Ethik ordnet –
Sammlung klärt –
Einsicht befreit.

2. Atem als Beruhigung des Zerstreuten

Im Unterschied zu Cūḍapanthaka:
• hier nicht Unfähigkeit,
• sondern Überbewegtheit des Geistes

Der Atem wird:
• verfeinert
• beruhigt
• schließlich aufgelöst

3. Rauch → Weiß → Licht

Die Bildfolge ist präzise:
• Rauch: Bewegung
• Weiß: Sammlung
• Licht: Erkenntnis

Nichts wird erzwungen;
alles klärt sich von selbst.

4. Licht als Nebenprodukt, nicht als Ziel

Das Licht ist kein Objekt der Praxis,
sondern Ausdruck:

eines nicht mehr zerstreuten Erkennens.

5. Stellung im Zyklus

Dieser Weg ist:
• geeignet für Menschen mit innerer Unruhe
• strukturiert
• gut führbar

Er zeigt:

Auch Zerstreuung kann
zur Pforte werden,
wenn sie nicht bekämpft,
sondern geklärt wird.
中文原文
孫陀羅難陀即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我初出家從佛入道,雖具戒律,於三摩[7]提心常散動,未獲無漏。世尊教我及俱絺羅觀鼻端白。我初諦觀經三七日,見鼻中氣出入如煙,身心內明,圓洞世界,遍成虛淨,猶如瑠璃。煙相漸銷,鼻息成白,心開漏盡;諸出入息化為光明,照十方界,得阿羅漢,世尊記我,當得菩提。佛問圓通,我以銷息,息久發明,明圓滅漏,斯為第一!」
Deutsch
Sundarananda
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Als ich
dem Buddha folgte
und in den Orden eintrat,
hielt ich zwar
die Gebote ein,
doch im Samadhi
war mein Geist
ständig zerstreut;
ich hatte
die ausflusslose Befreiung
noch nicht verwirklicht.

Der Weltverehrte
wies mich
und Koṭṭhika an,
den hellen Punkt
an der Nasenspitze
achtsam zu betrachten.
Nach drei Siebener-Zyklen
konzentrierter Schau
erkannte ich,
dass der Atem
in der Nase
ein- und ausging
wie Rauch.
Körper und Geist
wurden innerlich licht;
die Welt
erschien rundum durchdrungen
und vollständig leer und rein,
wie durchscheinendes Glas.

Nach und nach
löste sich die Raucherscheinung auf,
der Atem
wurde weiß und klar;
der Geist öffnete sich,
die Ausflüsse erloschen.
Alle Atembewegungen
verwandelten sich
in Licht,
das die zehn Richtungen
erhellte.
So erlangte ich
die Arhat-Frucht,
und der Buddha
verkündete mir,
dass ich Bodhi erlangen werde.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das Auflösen des Atems
entfaltet sich nach anhaltender Sammlung
klare Erkenntnis,
die die Ausflüsse zum Erlöschen bringt –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Atem, Sammlung und Licht
und ergänzt den Weg Cūḍapanthakas um eine stabilisierende Dimension.

1. Moral ohne Sammlung reicht nicht

Sundarananda macht deutlich:
• Gebote allein befreien nicht
• ohne Sammlung bleibt der Geist zerstreut

Das Sutra trennt hier klar:

Ethik ordnet –
Sammlung klärt –
Einsicht befreit.

2. Atem als Beruhigung des Zerstreuten

Im Unterschied zu Cūḍapanthaka:
• hier nicht Unfähigkeit,
• sondern Überbewegtheit des Geistes

Der Atem wird:
• verfeinert
• beruhigt
• schließlich aufgelöst

3. Rauch → Weiß → Licht

Die Bildfolge ist präzise:
• Rauch: Bewegung
• Weiß: Sammlung
• Licht: Erkenntnis

Nichts wird erzwungen;
alles klärt sich von selbst.

4. Licht als Nebenprodukt, nicht als Ziel

Das Licht ist kein Objekt der Praxis,
sondern Ausdruck:

eines nicht mehr zerstreuten Erkennens.

5. Stellung im Zyklus

Dieser Weg ist:
• geeignet für Menschen mit innerer Unruhe
• strukturiert
• gut führbar

Er zeigt:

Auch Zerstreuung kann
zur Pforte werden,
wenn sie nicht bekämpft,
sondern geklärt wird.
216 #
富樓那彌多羅尼子即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我曠劫來辯才無礙,宣說苦、空,深達實相,如是乃至恒沙如來祕密法門,我於眾中微妙開示,得無所畏。世尊知我有大辯才,以音聲輪教我發揚。我於佛前助佛轉輪。因師子吼成阿羅漢,世尊印我,說法無上。佛問圓通,我以法音降伏魔怨,銷滅諸漏,斯為第一!」
Pūrṇa Maitrāyaṇīputra
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Seit unermesslichen Zeiten
besitze ich
ungehinderte Redegewandtheit.
Ich lehrte
Leiden und Leerheit
und drang tief
zur wahren Wirklichkeit vor.
So gelangte ich
bis zu den geheimen Dharma-Lehren
zahlloser Tathāgatas;
inmitten der Versammlung
legte ich sie fein
und klar dar
und gewann
große Furchtlosigkeit.

Der Weltverehrte
erkannte meine Fähigkeit
zur weitreichenden Rede
und wies mich an,
durch den Klang der Stimme
das Dharma zu verbreiten.
Vor dem Buddha
half ich dabei,
das Dharma-Rad zu drehen.
Durch den Löwenruf
vollendete ich
die Arhat-Frucht;
der Buddha
bestätigte mich
als den Höchsten
im Lehren des Dharma.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das Dharma-Wort
werden Dämonen bezwungen,
Hindernisse überwunden
und alle Ausflüsse ausgelöscht –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über das Dharma-Wort (法音)
und markiert die machtvollste Form sprachlicher Wirksamkeit im Sutra.

1. Rede als verwirklichte Einsicht

Pūrṇas Redegewandtheit
ist keine Rhetorik,
sondern unmittelbarer Ausdruck der Einsicht.

Worte entstehen hier:
• nicht aus Denken
• nicht aus Absicht
• sondern aus direktem Durchdringen der Wirklichkeit

2. „Löwenruf“ als Nicht-Zögern

Der Löwenruf bedeutet:
• keine Unsicherheit
• kein Anpassen
• kein Zurückweichen

Das Wort steht ohne Gegenüber
und ist darum unwiderlegbar.

3. Sprache ohne Selbstbezug

Entscheidend ist:
• Sprache wirkt
• ohne Sprecher
• ohne Überzeugungsabsicht

So kann sie:
• Dämonen (Verwirrungen) bezwingen
• Widerstände (Fixierungen) auflösen

4. Grenze dieses Zugangs

Dieser Weg ist:
• kraftvoll
• klar
• aber nicht für alle geeignet

Er setzt voraus:
• große innere Durchdringung
• Freiheit von Eitelkeit
• Nicht-Haften an Wirkung

Darum wird er geehrt,
aber nicht als allgemeiner Einstieg empfohlen.

5. Stellung im Zyklus

Pūrṇa steht:
• an der Schwelle zwischen Erkenntnis und Wirken
• zwischen Einsicht und Lehramt

Sein Zeugnis bereitet vor:
• die abschließende Auswahl
• und die Abwägung,
welcher Zugang
für kommende Zeiten
der tragfähigste ist.
中文原文
富樓那彌多羅尼子即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我曠劫來辯才無礙,宣說苦、空,深達實相,如是乃至恒沙如來祕密法門,我於眾中微妙開示,得無所畏。世尊知我有大辯才,以音聲輪教我發揚。我於佛前助佛轉輪。因師子吼成阿羅漢,世尊印我,說法無上。佛問圓通,我以法音降伏魔怨,銷滅諸漏,斯為第一!」
Deutsch
Pūrṇa Maitrāyaṇīputra
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Seit unermesslichen Zeiten
besitze ich
ungehinderte Redegewandtheit.
Ich lehrte
Leiden und Leerheit
und drang tief
zur wahren Wirklichkeit vor.
So gelangte ich
bis zu den geheimen Dharma-Lehren
zahlloser Tathāgatas;
inmitten der Versammlung
legte ich sie fein
und klar dar
und gewann
große Furchtlosigkeit.

Der Weltverehrte
erkannte meine Fähigkeit
zur weitreichenden Rede
und wies mich an,
durch den Klang der Stimme
das Dharma zu verbreiten.
Vor dem Buddha
half ich dabei,
das Dharma-Rad zu drehen.
Durch den Löwenruf
vollendete ich
die Arhat-Frucht;
der Buddha
bestätigte mich
als den Höchsten
im Lehren des Dharma.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das Dharma-Wort
werden Dämonen bezwungen,
Hindernisse überwunden
und alle Ausflüsse ausgelöscht –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über das Dharma-Wort (法音)
und markiert die machtvollste Form sprachlicher Wirksamkeit im Sutra.

1. Rede als verwirklichte Einsicht

Pūrṇas Redegewandtheit
ist keine Rhetorik,
sondern unmittelbarer Ausdruck der Einsicht.

Worte entstehen hier:
• nicht aus Denken
• nicht aus Absicht
• sondern aus direktem Durchdringen der Wirklichkeit

2. „Löwenruf“ als Nicht-Zögern

Der Löwenruf bedeutet:
• keine Unsicherheit
• kein Anpassen
• kein Zurückweichen

Das Wort steht ohne Gegenüber
und ist darum unwiderlegbar.

3. Sprache ohne Selbstbezug

Entscheidend ist:
• Sprache wirkt
• ohne Sprecher
• ohne Überzeugungsabsicht

So kann sie:
• Dämonen (Verwirrungen) bezwingen
• Widerstände (Fixierungen) auflösen

4. Grenze dieses Zugangs

Dieser Weg ist:
• kraftvoll
• klar
• aber nicht für alle geeignet

Er setzt voraus:
• große innere Durchdringung
• Freiheit von Eitelkeit
• Nicht-Haften an Wirkung

Darum wird er geehrt,
aber nicht als allgemeiner Einstieg empfohlen.

5. Stellung im Zyklus

Pūrṇa steht:
• an der Schwelle zwischen Erkenntnis und Wirken
• zwischen Einsicht und Lehramt

Sein Zeugnis bereitet vor:
• die abschließende Auswahl
• und die Abwägung,
welcher Zugang
für kommende Zeiten
der tragfähigste ist.
217 #
優波離即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我親隨佛踰城出家,親觀如來六年勤苦,親見如來降伏諸魔、制諸外道,解脫世間貪欲諸漏。承佛教戒,如是乃至三千威儀、八萬微細性業、遮業,悉皆清淨。身心寂滅,成阿羅漢。我是如來眾中綱紀,親印我心,持戒修身眾推[1]無上。佛問圓通,我以執身身得自在,次第執心心得通達,然後身心一切通利,斯為第一!」
Upāli
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Ich folgte dem Buddha persönlich,
als er die Stadt verließ
und in die Hauslosigkeit eintrat.
Ich war Zeuge
seiner sechs Jahre
strenger Übung
und sah selbst,
wie der Tathāgata
die Māras bezwang,
die äußeren Lehren ordnete
und sich
von weltlicher Gier
und allen Ausflüssen befreite.

Ich empfing die Gebote
direkt vom Buddha
und bewahrte sie sorgfältig:
bis zu den dreitausend
Formen des Verhaltens
und den achtzigtausend
feinen,
wesensmäßigen Handlungsneigungen
sowie den untersagten Handlungen –
alles wurde gereinigt.
Körper und Geist
kamen zur Stillheit,
und ich vollendete
die Arhat-Frucht.

In der Gemeinschaft
des Tathāgata
bin ich der Hüter der Ordnung;
der Buddha bestätigte
mein Herz persönlich.
Das Halten der Gebote
und das Ordnen des Körpers
werden von der Versammlung
als das Höchste anerkannt.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Zuerst wird der Körper ergriffen
und dadurch frei;
danach wird der Geist ergriffen
und dadurch durchdrungen;
schließlich werden Körper und Geist
in allem frei und offen –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Disziplin und Verkörperung (戒 / 身)
– einen Weg, der oft unterschätzt wird.

1. Ethik als Erkenntnisweg

Bei Upāli
sind Gebote nicht Vorbereitung,
sondern direkter Pfad.

Durch konsequente Ordnung:
• klärt sich der Körper
• beruhigt sich der Geist
• fällt Verstrickung weg

2. „Ergreifen des Körpers“

„執身身得自在“ bedeutet nicht Festhalten,
sondern:
• bewusstes Durchdringen des Körpers
• vollständige Klarheit im Handeln

Der Körper wird:
• nicht verdrängt
• nicht überschritten
• sondern vollständig integriert

3. Schrittfolge Körper → Geist

Upāli beschreibt explizit eine Reihenfolge:
1. Körper klären
2. Geist klären
3. beide frei

Das entspricht genau
der Logik des Sutras:
Knoten lösen sich geordnet.

4. Grenze dieses Zugangs

Dieser Weg ist:
• stabil
• tragfähig
• aber langsam

Er verlangt:
• Konsequenz
• Geduld
• genaue Selbstbeobachtung

Darum ist er besonders geeignet
für Gemeinschaften
und ordnende Praxis,
weniger für spontane Durchbrüche.

5. Stellung im Zyklus

Upāli repräsentiert:
• den Pfad der Verkörperung
• die ethische Dimension des Erwachens
• Befreiung ohne Abkürzung

Er steht als notwendiger Pol
gegenüber den plötzlichen Zugängen.
中文原文
優波離即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我親隨佛踰城出家,親觀如來六年勤苦,親見如來降伏諸魔、制諸外道,解脫世間貪欲諸漏。承佛教戒,如是乃至三千威儀、八萬微細性業、遮業,悉皆清淨。身心寂滅,成阿羅漢。我是如來眾中綱紀,親印我心,持戒修身眾推[1]無上。佛問圓通,我以執身身得自在,次第執心心得通達,然後身心一切通利,斯為第一!」
Deutsch
Upāli
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Ich folgte dem Buddha persönlich,
als er die Stadt verließ
und in die Hauslosigkeit eintrat.
Ich war Zeuge
seiner sechs Jahre
strenger Übung
und sah selbst,
wie der Tathāgata
die Māras bezwang,
die äußeren Lehren ordnete
und sich
von weltlicher Gier
und allen Ausflüssen befreite.

Ich empfing die Gebote
direkt vom Buddha
und bewahrte sie sorgfältig:
bis zu den dreitausend
Formen des Verhaltens
und den achtzigtausend
feinen,
wesensmäßigen Handlungsneigungen
sowie den untersagten Handlungen –
alles wurde gereinigt.
Körper und Geist
kamen zur Stillheit,
und ich vollendete
die Arhat-Frucht.

In der Gemeinschaft
des Tathāgata
bin ich der Hüter der Ordnung;
der Buddha bestätigte
mein Herz persönlich.
Das Halten der Gebote
und das Ordnen des Körpers
werden von der Versammlung
als das Höchste anerkannt.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Zuerst wird der Körper ergriffen
und dadurch frei;
danach wird der Geist ergriffen
und dadurch durchdrungen;
schließlich werden Körper und Geist
in allem frei und offen –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Disziplin und Verkörperung (戒 / 身)
– einen Weg, der oft unterschätzt wird.

1. Ethik als Erkenntnisweg

Bei Upāli
sind Gebote nicht Vorbereitung,
sondern direkter Pfad.

Durch konsequente Ordnung:
• klärt sich der Körper
• beruhigt sich der Geist
• fällt Verstrickung weg

2. „Ergreifen des Körpers“

„執身身得自在“ bedeutet nicht Festhalten,
sondern:
• bewusstes Durchdringen des Körpers
• vollständige Klarheit im Handeln

Der Körper wird:
• nicht verdrängt
• nicht überschritten
• sondern vollständig integriert

3. Schrittfolge Körper → Geist

Upāli beschreibt explizit eine Reihenfolge:
1. Körper klären
2. Geist klären
3. beide frei

Das entspricht genau
der Logik des Sutras:
Knoten lösen sich geordnet.

4. Grenze dieses Zugangs

Dieser Weg ist:
• stabil
• tragfähig
• aber langsam

Er verlangt:
• Konsequenz
• Geduld
• genaue Selbstbeobachtung

Darum ist er besonders geeignet
für Gemeinschaften
und ordnende Praxis,
weniger für spontane Durchbrüche.

5. Stellung im Zyklus

Upāli repräsentiert:
• den Pfad der Verkörperung
• die ethische Dimension des Erwachens
• Befreiung ohne Abkürzung

Er steht als notwendiger Pol
gegenüber den plötzlichen Zugängen.
218 #
大目[2]犍連即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我初於路乞食,逢遇優樓頻螺、伽耶、那提三迦葉波,宣說如來因緣深義。我頓發心,得大通達。如來惠我袈裟著身,鬚髮自落。我遊十方得無罣礙,神通發明推為無上,成阿羅漢。寧唯世尊,十方如來歎我神力,圓明清淨自在無畏。佛問圓通,我以旋湛心光發宣,如澄濁流久成清瑩,斯為第一!」
Mahāmaudgalyāyana
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Zu Beginn
ging ich um Almosen,
als ich den drei Kāśyapa-Brüdern
von Uruvilvā, Gayā und Nadī begegnete.
Sie erläuterten mir
die tiefgründige Bedeutung
der Lehre von Ursachen und Bedingungen
des Tathāgata.
Daraufhin
fasste ich sofort den Entschluss
und gewann
große Durchdringung.

Der Tathāgata
übertrug mir
das Tragen der Mönchsrobe;
Bart und Haare
fielen von selbst ab.
Ich konnte
die zehn Richtungen durchwandern
ohne jede Einschränkung;
meine geistigen Kräfte
entfalteten sich
und galten als die höchsten.
So vollendete ich
die Arhat-Frucht.

Nicht nur der Weltverehrte,
auch die Buddhas
der zehn Richtungen
preisen meine Kräfte
als rund,
klar,
rein,
frei
und furchtlos.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Zurückwenden
und Vertiefen
des Lichtes des Geistes
bringt Entfaltung hervor,
wie ein trüber Strom,
der nach langer Ruhe
klar und durchsichtig wird –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über die Kräfte des Geistes (神通)
und macht ihre richtige Einordnung deutlich.

1. Durchdringung vor Fähigkeit

Mahāmaudgalyāyana erlangt
die übernatürlichen Kräfte nicht zuerst.
Sie entstehen als Folge
der Durchdringung von Ursachen und Bedingungen.

Das Sutra kehrt damit eine verbreitete Annahme um:

Kräfte sind kein Ziel,
sondern Nebenwirkung geklärten Erkennens.

2. Rascher Entschluss – tiefe Wirkung

Der „plötzliche Entschluss“
zeigt:
• keine lange Vorbereitung
• keine Technik
• sondern sofortige Durchdringung

Doch diese Plötzlichkeit
ist Frucht früherer Reife.

3. Das Bild des geklärten Stroms

„wie ein trüber Strom,
der nach langer Ruhe klar wird“

Dieses Bild ist zentral:
• nicht aktives Klären
• nicht Filtern
• sondern Stillwerden

Klarheit ist Ergebnis von Ruhe,
nicht von Anstrengung.

4. Die Grenze der Kräfte

Obwohl seine Kräfte
von allen Buddhas gelobt werden,
stellt das Sutra sie nicht an die Spitze.

Warum?
• Kräfte binden leicht
• sie können subtiles Ich stärken
• sie sind nicht heilsam für alle

Darum wird dieser Zugang geehrt,
aber nicht als allgemein empfohlen.

5. Stellung im Zyklus

Mahāmaudgalyāyana steht:
• nahe an der Macht
• nahe an der Gefahr
• nahe an der Klarheit

Er zeigt:

Wo der Geist still und klar wird,
folgt Fähigkeit von selbst –
doch sie ist nicht das Entscheidende.
中文原文
大目[2]犍連即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我初於路乞食,逢遇優樓頻螺、伽耶、那提三迦葉波,宣說如來因緣深義。我頓發心,得大通達。如來惠我袈裟著身,鬚髮自落。我遊十方得無罣礙,神通發明推為無上,成阿羅漢。寧唯世尊,十方如來歎我神力,圓明清淨自在無畏。佛問圓通,我以旋湛心光發宣,如澄濁流久成清瑩,斯為第一!」
Deutsch
Mahāmaudgalyāyana
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Zu Beginn
ging ich um Almosen,
als ich den drei Kāśyapa-Brüdern
von Uruvilvā, Gayā und Nadī begegnete.
Sie erläuterten mir
die tiefgründige Bedeutung
der Lehre von Ursachen und Bedingungen
des Tathāgata.
Daraufhin
fasste ich sofort den Entschluss
und gewann
große Durchdringung.

Der Tathāgata
übertrug mir
das Tragen der Mönchsrobe;
Bart und Haare
fielen von selbst ab.
Ich konnte
die zehn Richtungen durchwandern
ohne jede Einschränkung;
meine geistigen Kräfte
entfalteten sich
und galten als die höchsten.
So vollendete ich
die Arhat-Frucht.

Nicht nur der Weltverehrte,
auch die Buddhas
der zehn Richtungen
preisen meine Kräfte
als rund,
klar,
rein,
frei
und furchtlos.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Das Zurückwenden
und Vertiefen
des Lichtes des Geistes
bringt Entfaltung hervor,
wie ein trüber Strom,
der nach langer Ruhe
klar und durchsichtig wird –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über die Kräfte des Geistes (神通)
und macht ihre richtige Einordnung deutlich.

1. Durchdringung vor Fähigkeit

Mahāmaudgalyāyana erlangt
die übernatürlichen Kräfte nicht zuerst.
Sie entstehen als Folge
der Durchdringung von Ursachen und Bedingungen.

Das Sutra kehrt damit eine verbreitete Annahme um:

Kräfte sind kein Ziel,
sondern Nebenwirkung geklärten Erkennens.

2. Rascher Entschluss – tiefe Wirkung

Der „plötzliche Entschluss“
zeigt:
• keine lange Vorbereitung
• keine Technik
• sondern sofortige Durchdringung

Doch diese Plötzlichkeit
ist Frucht früherer Reife.

3. Das Bild des geklärten Stroms

„wie ein trüber Strom,
der nach langer Ruhe klar wird“

Dieses Bild ist zentral:
• nicht aktives Klären
• nicht Filtern
• sondern Stillwerden

Klarheit ist Ergebnis von Ruhe,
nicht von Anstrengung.

4. Die Grenze der Kräfte

Obwohl seine Kräfte
von allen Buddhas gelobt werden,
stellt das Sutra sie nicht an die Spitze.

Warum?
• Kräfte binden leicht
• sie können subtiles Ich stärken
• sie sind nicht heilsam für alle

Darum wird dieser Zugang geehrt,
aber nicht als allgemein empfohlen.

5. Stellung im Zyklus

Mahāmaudgalyāyana steht:
• nahe an der Macht
• nahe an der Gefahr
• nahe an der Klarheit

Er zeigt:

Wo der Geist still und klar wird,
folgt Fähigkeit von selbst –
doch sie ist nicht das Entscheidende.
219 #
烏芻瑟摩於如來前,合掌頂禮佛之雙足而白佛言;「我常先憶久遠劫前,性多貪欲。有佛出世名曰空王,說多婬人成猛火聚。教我遍觀百骸、四[3]𨈛、諸冷暖氣;神光內凝,化多婬心成智慧火。從是諸佛皆呼召我名為火頭。我以火光三昧力故,成阿羅漢。心發大願,諸佛成道我為力士,親伏魔怨。佛問圓通,我以諦觀身心[4]暖觸無礙流通,諸漏既銷,生大寶焰,登無上覺,斯為第一!」
Ucchusma
trat vor den Buddha,
faltete die Hände,
verneigte sich
vor seinen Füßen
und sprach:

„In sehr fernen Äonen
war meine Natur
von starker Begierde geprägt.
Damals erschien ein Buddha
namens König der Leerheit,
der lehrte,
dass übermäßige Begierde
sich zu einem
lodernden Feuer verdichtet.

Er lehrte mich,
den gesamten Körper,
die Knochen und Glieder,
die vier großen Bereiche
sowie alle Regungen
von Kälte und Wärme
achtsam zu betrachten.
So sammelte sich
das geistige Licht nach innen
und verwandelte
die Kraft des Begehrens
in Weisheitsfeuer.

Von da an
riefen mich die Buddhas
‚Feuerhaupt‘.
Durch das Samadhi
des Feuerlichts
erlangte ich
die Arhat-Frucht.
Ich fasste das große Gelübde,
bei der Verwirklichung des Erwachens
jedes Buddha
als kraftvoller Beschützer
die Mächte der Verblendung
zu bezwingen.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das gründliche Betrachten
der warmen Berührung
von Körper und Geist
entfaltet sich
ungehinderter Fluss;
wenn die Ausflüsse erlöschen,
erscheint das große Schatzfeuer
und der Eintritt
in das höchste Erwachen –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Wärme, Energie und Begehren
und macht deutlich, dass selbst starke Affekte zur Pforte werden können.

1. Begierde als Energie, nicht als Schuld

Ucchusmas Ausgangspunkt ist nicht moralische Schuld,
sondern rohe Energie.
Begierde wird hier nicht unterdrückt,
sondern umgewandelt.

2. Wärme als unmittelbare Erfahrung

Wärme ist:
• körperlich
• intensiv
• nicht abstrahierbar

Gerade deshalb eignet sie sich,
die Identifikation mit Körper und Gefühl
bis zur Wurzel zu durchdringen.

3. Verwandlung statt Verdrängung

Das „Feuer der Weisheit“
entsteht nicht durch Abkühlung,
sondern durch Konzentration:
Energie wird gesammelt,
nicht zerstreut.

4. Schutzfunktion des Erwachens

Ucchusmas Gelübde zeigt:
• Erwachen ist nicht passiv
• es hat eine wehrhafte Seite
• Klarheit schützt vor Verblendung

5. Stellung im Zyklus

Dieser Weg ist:
• kraftvoll
• transformativ
• aber riskant ohne Führung

Er zeigt:

Auch dort,
wo Bindung am heftigsten ist,
liegt die größte Energie
zur Befreiung.
中文原文
烏芻瑟摩於如來前,合掌頂禮佛之雙足而白佛言;「我常先憶久遠劫前,性多貪欲。有佛出世名曰空王,說多婬人成猛火聚。教我遍觀百骸、四[3]𨈛、諸冷暖氣;神光內凝,化多婬心成智慧火。從是諸佛皆呼召我名為火頭。我以火光三昧力故,成阿羅漢。心發大願,諸佛成道我為力士,親伏魔怨。佛問圓通,我以諦觀身心[4]暖觸無礙流通,諸漏既銷,生大寶焰,登無上覺,斯為第一!」
Deutsch
Ucchusma
trat vor den Buddha,
faltete die Hände,
verneigte sich
vor seinen Füßen
und sprach:

„In sehr fernen Äonen
war meine Natur
von starker Begierde geprägt.
Damals erschien ein Buddha
namens König der Leerheit,
der lehrte,
dass übermäßige Begierde
sich zu einem
lodernden Feuer verdichtet.

Er lehrte mich,
den gesamten Körper,
die Knochen und Glieder,
die vier großen Bereiche
sowie alle Regungen
von Kälte und Wärme
achtsam zu betrachten.
So sammelte sich
das geistige Licht nach innen
und verwandelte
die Kraft des Begehrens
in Weisheitsfeuer.

Von da an
riefen mich die Buddhas
‚Feuerhaupt‘.
Durch das Samadhi
des Feuerlichts
erlangte ich
die Arhat-Frucht.
Ich fasste das große Gelübde,
bei der Verwirklichung des Erwachens
jedes Buddha
als kraftvoller Beschützer
die Mächte der Verblendung
zu bezwingen.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das gründliche Betrachten
der warmen Berührung
von Körper und Geist
entfaltet sich
ungehinderter Fluss;
wenn die Ausflüsse erlöschen,
erscheint das große Schatzfeuer
und der Eintritt
in das höchste Erwachen –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Wärme, Energie und Begehren
und macht deutlich, dass selbst starke Affekte zur Pforte werden können.

1. Begierde als Energie, nicht als Schuld

Ucchusmas Ausgangspunkt ist nicht moralische Schuld,
sondern rohe Energie.
Begierde wird hier nicht unterdrückt,
sondern umgewandelt.

2. Wärme als unmittelbare Erfahrung

Wärme ist:
• körperlich
• intensiv
• nicht abstrahierbar

Gerade deshalb eignet sie sich,
die Identifikation mit Körper und Gefühl
bis zur Wurzel zu durchdringen.

3. Verwandlung statt Verdrängung

Das „Feuer der Weisheit“
entsteht nicht durch Abkühlung,
sondern durch Konzentration:
Energie wird gesammelt,
nicht zerstreut.

4. Schutzfunktion des Erwachens

Ucchusmas Gelübde zeigt:
• Erwachen ist nicht passiv
• es hat eine wehrhafte Seite
• Klarheit schützt vor Verblendung

5. Stellung im Zyklus

Dieser Weg ist:
• kraftvoll
• transformativ
• aber riskant ohne Führung

Er zeigt:

Auch dort,
wo Bindung am heftigsten ist,
liegt die größte Energie
zur Befreiung.
220 #
持地菩薩即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我念往昔普光如來出現於世,我為比丘。常於一切要路津口,田地險隘,有不如法妨損車馬,我皆平填。或作橋梁,或負沙土。如是勤苦,經無量佛出現於世。或有眾生於闤闠處要人擎物,我先為擎,至其所詣放物即行,不取其直。毘舍浮佛現在世時,世多饑荒,我為負人,無問遠近唯取一錢。或有車牛被於[5]泥溺,我有神力為其推輪,拔其苦惱。時國大王[6]延佛設[A5]齋,我於爾時平地待佛。毘舍如來摩頂謂我:『當平心地,則世界地一切皆平!』我即心開,見身微塵,與造世界所有微塵等無差別,微塵自性不相觸摩,乃至刀兵亦無所觸。我於法性悟無生忍,成阿羅漢,迴心今入菩薩位中,聞諸如來宣妙蓮[A6]華佛知見地,我先證明而為上首。佛問圓通,我以諦觀身界二塵等無差別,本如來藏虛妄發塵,塵銷智圓成無上道,斯為第一!」
Bodhisattva Dhṛtiprāpta (Chidi)
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„In vergangenen Äonen
erschien der Tathāgata Pu Guang
in dieser Welt;
ich war zu jener Zeit Mönch.
An allen wichtigen Wegen,
Übergängen,
Feldern
und gefährlichen Engstellen
glich ich Unregelmäßigkeiten aus,
damit Wagen und Tiere
nicht behindert wurden.
Ich errichtete Brücken
oder trug Erde und Sand.
So arbeitete ich mühevoll
durch unzählige Buddha-Zeitalter.

Wenn Wesen auf Märkten
Traglasten benötigten,
übernahm ich diese,
legte sie am Zielort ab
und ging weiter,
ohne Lohn zu verlangen.
Zur Zeit des Buddha Viśvabhū
gab es große Hungersnot;
ich trug Menschen,
nahm aber nur eine geringe Entlohnung.
Wenn Wagen oder Rinder
im Schlamm festsaßen,
befreite ich sie
mit geistiger Kraft.

Als ein König
den Buddha zu einem Mahl einlud,
ebnete ich den Boden,
auf dem der Buddha erscheinen sollte.
Da berührte der Buddha Viśvabhū
mein Haupt und sagte:
‚Wenn der Geist eben ist,
ist auch der Boden der Welt eben.‘

Daraufhin öffnete sich mein Geist.
Ich erkannte,
dass die Staubteilchen meines Körpers
und die Staubteilchen der Welt
ohne jeden Unterschied sind.
In ihrer Natur
berühren sie einander nicht;
selbst Waffen
finden keinen Ansatz.

In der Dharma-Natur
erkannte ich
die Geduld des Ungeborenen,
vollendete die Arhat-Frucht
und trat erneut
in den Bodhisattva-Weg ein.
Als ich die Tathāgatas
die wunderbare Lotus-Lehre
der Buddha-Erkenntnis verkünden hörte,
bestätigte ich sie zuerst
und stand an ihrer Spitze.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das gründliche Betrachten,
dass Körper, Welt
und die beiden Arten von Staub
ohne Unterschied sind
und aus dem Tathāgata-Speicher
trügerisch hervorgehen,
erlischt der Staub,
Weisheit wird vollkommen
und der höchste Weg vollendet.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Handlung, Körper und Welt (地 / 行)
und verbindet alltäglichen Dienst mit höchster Einsicht.

1. Praxis im Weltlichen

Chidis Weg beginnt nicht in Meditation,
sondern im praktischen Ausgleichen von Ungleichheit.
Der Körper dient der Welt,
bevor der Geist sie durchschaut.

2. „Den Boden ebnen“

Das Ebnen des Bodens
ist äußere Handlung
und innere Schulung zugleich:

Unebenheit im Geist
erzeugt Unebenheit in der Welt.

3. Gleichheit von Körper- und Welt-Staub

Die Einsicht,
dass Körper- und Welt-Staub
wesensgleich sind,
hebt jede Trennung auf:
• kein Innen
• kein Außen
• kein Angriffspunkt

4. Ungeborenes mitten im Tun

Die Geduld des Ungeborenen
wird hier im Handeln erkannt,
nicht im Rückzug.

5. Stellung im Zyklus

Dieser Weg zeigt:
• Befreiung ist nicht weltfern
• Mitgefühl ist keine Zugabe
• Alltag selbst ist Durchdringung

Er bildet den Übergang
zur abschließenden Auswahl,
in der gefragt wird:
Welcher Zugang ist
für kommende Zeiten
am tragfähigsten?



Chidis Weg – Durchdringung über Handlung, Körper und Welt

Chidi steht im Sutra an einer entscheidenden Schwelle:
zwischen individueller Befreiung und weltlicher Verantwortung.

Sein Weg ist weder asketisch noch mystisch,
sondern radikal unspektakulär.



1. Ausgangspunkt: Praxis vor Einsicht

Chidi beginnt nicht mit:
• Meditation
• Analyse
• Leerheitslehre

sondern mit:
• Ausgleichen
• Tragen
• Ebnen
• Dienen

Er greift dort ein,
wo Welt stockt:
• Wege
• Furten
• Märkte
• Lasten
• Hunger
• Schlamm

Das ist wichtig:

Seine Praxis richtet sich nicht nach innen,
sondern zuerst nach außen.



2. Die verborgene Struktur: „Boden“

Der Boden (地) ist im Sutra kein Element,
sondern eine Tragstruktur:
• Er trägt alle Wesen
• ohne zu unterscheiden
• ohne zu bevorzugen
• ohne sich zu entziehen

Chidi verkörpert genau das:

Tragfähigkeit ohne Selbstbezug.



3. Der Wendepunkt: „Ebne den Geist – dann ist die Welt eben“

Der entscheidende Satz des Buddha lautet:

當平心地,則世界地一切皆平
„Wenn der Geist eben ist,
dann ist der Boden der Welt überall eben.“

Das ist keine Metapher,
sondern eine ontologische Aussage:
• Welt ist nicht getrennt vom Geist
• Körper ist nicht getrennt von Welt
• Ungleichheit ist eine Projektion von Verstrickung



4. Die Einsicht: Gleichheit der Staubteilchen

Chidis Erwachen geschieht nicht visionär,
sondern mikroskopisch:
• Körper-Staub
• Welt-Staub

sind wesensgleich.

Und entscheidend:

Staub berührt Staub nicht.

Darum:
• kein Angriffspunkt
• keine Verletzung
• kein Widerstand

Selbst Waffen haben nichts,
was sie treffen könnten.

Das ist Nicht-Dualität ohne Abstraktion.



5. Warum Chidi Arhat und dann Bodhisattva wird

Chidi erkennt:
• das Ungeborene (無生忍)
• die Leerheit der Erscheinung
• die Gleichheit von Körper und Welt

Das ist Arhat-Ebene.

Doch dann geschieht etwas Besonderes:

Er kehrt bewusst zurück in den Bodhisattva-Weg.

Nicht aus Mangel,
sondern aus Verantwortung.



6. Verhältnis zu anderen Wegen

Gegenüber Upali (Ethik)
• Upali: Ordnung durch Regel
• Chidi: Ordnung durch Tragen

Chidi braucht keine Vorschrift,
er spürt, wo Ausgleich fehlt.

Gegenüber Ucchusma (Energie)
• Ucchusma: Transformation innerer Hitze
• Chidi: Stille Neutralisierung von Spannung

Kein Feuer,
keine Ekstase,
keine Macht.

Gegenüber Guanyin (Hören)
• Guanyin: Rückzug eines Sinnes zum Ursprung
• Chidi: vollständige Verkörperung des Ursprungs

Guanyin wendet sich nach innen,
Chidi bleibt in der Welt.



7. Warum Chidis Weg nicht gewählt wird

Und das ist entscheidend.

Chidis Weg ist:
• tief
• rein
• vollkommen

Aber:

Er setzt bereits eine hohe innere Reife voraus.

Er verlangt:
• Selbstlosigkeit ohne Methode
• Präsenz ohne Rückzug
• Handeln ohne Identität

Für viele Wesen:
• zu subtil
• zu fordernd
• zu wenig Halt gebend

Darum ist er vorbildlich,
aber nicht der empfohlene Einstieg.



8. Chidis Weg im modernen Kontext

Chidi ist der Bodhisattva der gelebten Nicht-Dualität.

In moderner Sprache:
• soziale Verantwortung ohne Ideologie
• Dienst ohne Helfer-Ich
• Gleichwertigkeit ohne Gleichmacherei

Er verkörpert:

真空妙有
Leere, die handelt –
ohne sich zu verstricken.



9. Kompakte Essenz

Chidi erwacht nicht durch Rückzug,
sondern durch Tragen.

Nicht durch Leere,
sondern durch Ebenheit.

Wenn der Geist nichts bevorzugt,
findet kein Staub mehr Halt.

中文原文
持地菩薩即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我念往昔普光如來出現於世,我為比丘。常於一切要路津口,田地險隘,有不如法妨損車馬,我皆平填。或作橋梁,或負沙土。如是勤苦,經無量佛出現於世。或有眾生於闤闠處要人擎物,我先為擎,至其所詣放物即行,不取其直。毘舍浮佛現在世時,世多饑荒,我為負人,無問遠近唯取一錢。或有車牛被於[5]泥溺,我有神力為其推輪,拔其苦惱。時國大王[6]延佛設[A5]齋,我於爾時平地待佛。毘舍如來摩頂謂我:『當平心地,則世界地一切皆平!』我即心開,見身微塵,與造世界所有微塵等無差別,微塵自性不相觸摩,乃至刀兵亦無所觸。我於法性悟無生忍,成阿羅漢,迴心今入菩薩位中,聞諸如來宣妙蓮[A6]華佛知見地,我先證明而為上首。佛問圓通,我以諦觀身界二塵等無差別,本如來藏虛妄發塵,塵銷智圓成無上道,斯為第一!」
Deutsch
Bodhisattva Dhṛtiprāpta (Chidi)
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„In vergangenen Äonen
erschien der Tathāgata Pu Guang
in dieser Welt;
ich war zu jener Zeit Mönch.
An allen wichtigen Wegen,
Übergängen,
Feldern
und gefährlichen Engstellen
glich ich Unregelmäßigkeiten aus,
damit Wagen und Tiere
nicht behindert wurden.
Ich errichtete Brücken
oder trug Erde und Sand.
So arbeitete ich mühevoll
durch unzählige Buddha-Zeitalter.

Wenn Wesen auf Märkten
Traglasten benötigten,
übernahm ich diese,
legte sie am Zielort ab
und ging weiter,
ohne Lohn zu verlangen.
Zur Zeit des Buddha Viśvabhū
gab es große Hungersnot;
ich trug Menschen,
nahm aber nur eine geringe Entlohnung.
Wenn Wagen oder Rinder
im Schlamm festsaßen,
befreite ich sie
mit geistiger Kraft.

Als ein König
den Buddha zu einem Mahl einlud,
ebnete ich den Boden,
auf dem der Buddha erscheinen sollte.
Da berührte der Buddha Viśvabhū
mein Haupt und sagte:
‚Wenn der Geist eben ist,
ist auch der Boden der Welt eben.‘

Daraufhin öffnete sich mein Geist.
Ich erkannte,
dass die Staubteilchen meines Körpers
und die Staubteilchen der Welt
ohne jeden Unterschied sind.
In ihrer Natur
berühren sie einander nicht;
selbst Waffen
finden keinen Ansatz.

In der Dharma-Natur
erkannte ich
die Geduld des Ungeborenen,
vollendete die Arhat-Frucht
und trat erneut
in den Bodhisattva-Weg ein.
Als ich die Tathāgatas
die wunderbare Lotus-Lehre
der Buddha-Erkenntnis verkünden hörte,
bestätigte ich sie zuerst
und stand an ihrer Spitze.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das gründliche Betrachten,
dass Körper, Welt
und die beiden Arten von Staub
ohne Unterschied sind
und aus dem Tathāgata-Speicher
trügerisch hervorgehen,
erlischt der Staub,
Weisheit wird vollkommen
und der höchste Weg vollendet.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Handlung, Körper und Welt (地 / 行)
und verbindet alltäglichen Dienst mit höchster Einsicht.

1. Praxis im Weltlichen

Chidis Weg beginnt nicht in Meditation,
sondern im praktischen Ausgleichen von Ungleichheit.
Der Körper dient der Welt,
bevor der Geist sie durchschaut.

2. „Den Boden ebnen“

Das Ebnen des Bodens
ist äußere Handlung
und innere Schulung zugleich:

Unebenheit im Geist
erzeugt Unebenheit in der Welt.

3. Gleichheit von Körper- und Welt-Staub

Die Einsicht,
dass Körper- und Welt-Staub
wesensgleich sind,
hebt jede Trennung auf:
• kein Innen
• kein Außen
• kein Angriffspunkt

4. Ungeborenes mitten im Tun

Die Geduld des Ungeborenen
wird hier im Handeln erkannt,
nicht im Rückzug.

5. Stellung im Zyklus

Dieser Weg zeigt:
• Befreiung ist nicht weltfern
• Mitgefühl ist keine Zugabe
• Alltag selbst ist Durchdringung

Er bildet den Übergang
zur abschließenden Auswahl,
in der gefragt wird:
Welcher Zugang ist
für kommende Zeiten
am tragfähigsten?



Chidis Weg – Durchdringung über Handlung, Körper und Welt

Chidi steht im Sutra an einer entscheidenden Schwelle:
zwischen individueller Befreiung und weltlicher Verantwortung.

Sein Weg ist weder asketisch noch mystisch,
sondern radikal unspektakulär.



1. Ausgangspunkt: Praxis vor Einsicht

Chidi beginnt nicht mit:
• Meditation
• Analyse
• Leerheitslehre

sondern mit:
• Ausgleichen
• Tragen
• Ebnen
• Dienen

Er greift dort ein,
wo Welt stockt:
• Wege
• Furten
• Märkte
• Lasten
• Hunger
• Schlamm

Das ist wichtig:

Seine Praxis richtet sich nicht nach innen,
sondern zuerst nach außen.



2. Die verborgene Struktur: „Boden“

Der Boden (地) ist im Sutra kein Element,
sondern eine Tragstruktur:
• Er trägt alle Wesen
• ohne zu unterscheiden
• ohne zu bevorzugen
• ohne sich zu entziehen

Chidi verkörpert genau das:

Tragfähigkeit ohne Selbstbezug.



3. Der Wendepunkt: „Ebne den Geist – dann ist die Welt eben“

Der entscheidende Satz des Buddha lautet:

當平心地,則世界地一切皆平
„Wenn der Geist eben ist,
dann ist der Boden der Welt überall eben.“

Das ist keine Metapher,
sondern eine ontologische Aussage:
• Welt ist nicht getrennt vom Geist
• Körper ist nicht getrennt von Welt
• Ungleichheit ist eine Projektion von Verstrickung



4. Die Einsicht: Gleichheit der Staubteilchen

Chidis Erwachen geschieht nicht visionär,
sondern mikroskopisch:
• Körper-Staub
• Welt-Staub

sind wesensgleich.

Und entscheidend:

Staub berührt Staub nicht.

Darum:
• kein Angriffspunkt
• keine Verletzung
• kein Widerstand

Selbst Waffen haben nichts,
was sie treffen könnten.

Das ist Nicht-Dualität ohne Abstraktion.



5. Warum Chidi Arhat und dann Bodhisattva wird

Chidi erkennt:
• das Ungeborene (無生忍)
• die Leerheit der Erscheinung
• die Gleichheit von Körper und Welt

Das ist Arhat-Ebene.

Doch dann geschieht etwas Besonderes:

Er kehrt bewusst zurück in den Bodhisattva-Weg.

Nicht aus Mangel,
sondern aus Verantwortung.



6. Verhältnis zu anderen Wegen

Gegenüber Upali (Ethik)
• Upali: Ordnung durch Regel
• Chidi: Ordnung durch Tragen

Chidi braucht keine Vorschrift,
er spürt, wo Ausgleich fehlt.

Gegenüber Ucchusma (Energie)
• Ucchusma: Transformation innerer Hitze
• Chidi: Stille Neutralisierung von Spannung

Kein Feuer,
keine Ekstase,
keine Macht.

Gegenüber Guanyin (Hören)
• Guanyin: Rückzug eines Sinnes zum Ursprung
• Chidi: vollständige Verkörperung des Ursprungs

Guanyin wendet sich nach innen,
Chidi bleibt in der Welt.



7. Warum Chidis Weg nicht gewählt wird

Und das ist entscheidend.

Chidis Weg ist:
• tief
• rein
• vollkommen

Aber:

Er setzt bereits eine hohe innere Reife voraus.

Er verlangt:
• Selbstlosigkeit ohne Methode
• Präsenz ohne Rückzug
• Handeln ohne Identität

Für viele Wesen:
• zu subtil
• zu fordernd
• zu wenig Halt gebend

Darum ist er vorbildlich,
aber nicht der empfohlene Einstieg.



8. Chidis Weg im modernen Kontext

Chidi ist der Bodhisattva der gelebten Nicht-Dualität.

In moderner Sprache:
• soziale Verantwortung ohne Ideologie
• Dienst ohne Helfer-Ich
• Gleichwertigkeit ohne Gleichmacherei

Er verkörpert:

真空妙有
Leere, die handelt –
ohne sich zu verstricken.



9. Kompakte Essenz

Chidi erwacht nicht durch Rückzug,
sondern durch Tragen.

Nicht durch Leere,
sondern durch Ebenheit.

Wenn der Geist nichts bevorzugt,
findet kein Staub mehr Halt.

221 #
月光童子即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我憶往昔恒河沙劫,有佛出世名為水天,教諸菩薩修習水[7]精入三摩地。觀於身中水性無奪,初從涕唾,如是窮盡津液精血、大小便利,身中[8]漩澓水性一同;見水身中,與世界外浮幢王剎諸香水海、等無差別。我於是時初成此觀,但見其水,未得無身。當為比丘室中安禪。我有弟子[9]窺窓觀室,唯見清水遍在[10]屋中,了無所見。童稚無知,取一瓦礫投於水內,激水作聲,顧[A7]盻而去。我出定後頓覺心痛,如舍利弗遭違害鬼。我自思惟:『今我已得阿羅漢道,久離病緣,云何今日忽生心痛?將無退失?』爾時,童子捷來我前,說如上事。我則告言:『汝更見水,可即開門入此水中,除去瓦礫。』童子奉教,後入定時,還復見水,瓦礫宛然,開門除出。我後出定,身質如初。逢無量佛,如是至於山海自在通王如來,方得亡身;與十方界諸香水海,性合真空,無二[11]無別。今於如來得童真名,預菩薩會。佛問圓通,我以水性一味流通,得無生忍,圓滿菩提,斯為第一!」
Der Bodhisattva Jugendlicher Mondglanz
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„In vergangenen Äonen
erschien ein Buddha
namens Wasserhimmel.
Er lehrte die Bodhisattvas,
die Essenz des Wassers zu kultivieren
und dadurch in Samadhi einzutreten.

Ich betrachtete
die Wasser-Natur im Körper:
Tränen, Speichel,
Körpersäfte, Blut,
Ausscheidungen –
alles zeigte sich
als einheitliche,
wirbelnde Wasser-Natur.
Ich erkannte,
dass das Wasser im Körper
dem Wasser der äußeren Welt
– den Duftwasser-Meeren
der Buddha-Länder –
völlig gleich ist.

Zunächst sah ich nur Wasser
und hatte den Körper
noch nicht überschritten.
Als ich später
in stiller Sammlung verweilte,
sah ein Schüler
im Raum nur klares Wasser.
Ein Kind warf einen Ziegel hinein,
wodurch Geräusch entstand.

Nach dem Austritt aus der Sammlung
empfand ich Herzschmerz
und zweifelte kurz,
ob ich einen Rückfall erlitten hätte.
Nachdem mir der Schüler
alles berichtet hatte,
ließ ich den Ziegel
aus dem Wasser entfernen.
Danach war der Körper
wieder unversehrt.

Durch die Begegnung
mit unzähligen Buddhas
vergaß ich schließlich
den Körper vollständig.
Meine Natur vereinigte sich
mit den Duftwasser-Meeren
der zehn Richtungen
in wahrer Leere,
ohne Unterschied.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch die einheitliche,
durchströmende Natur des Wassers
erlangte ich
die Geduld des Ungeborenen
und vollendete Bodhi –
dies ist der höchste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Wasser (水)
und ist einer der feinsten und zugleich riskantesten Wege.

1. Wasser als Kontinuität ohne Form

Wasser ist:
• durchlässig
• verbindend
• formbar
• nicht fest

Darum eignet es sich,
Einheit ohne Starrheit
zu erkennen.

2. Die Grenze des „Nur-Wasser-Sehens“

Der Zwischenfall mit dem Ziegel zeigt:

Wenn Form noch nicht vergessen ist,
bleibt Verwundbarkeit.

Erst das vollständige Vergessen des Körpers
macht die Durchdringung stabil.

3. Schmerz ohne Ursache

Der Herzschmerz entsteht nicht physisch,
sondern durch Rest-Identifikation.
Das Sutra ist hier sehr nüchtern:
• Einsicht kann unvollständig sein
• Stabilität braucht Reife

4. Vereinigung mit allen Wasser-Meeren

Am Ende ist Wasser
kein Objekt mehr,
sondern Metapher für Nicht-Zweiheit:

Fließen ohne Grenze.

5. Warum dieser Weg nicht gewählt wird

Der Wasser-Weg ist:
• sanft
• tief
• verbindend

Aber:
• leicht misszuverstehen
• anfällig für Teilverwirklichung
• nicht stabil für viele Wesen

Darum wird er geehrt,
aber nicht als allgemeiner Einstieg empfohlen.
中文原文
月光童子即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我憶往昔恒河沙劫,有佛出世名為水天,教諸菩薩修習水[7]精入三摩地。觀於身中水性無奪,初從涕唾,如是窮盡津液精血、大小便利,身中[8]漩澓水性一同;見水身中,與世界外浮幢王剎諸香水海、等無差別。我於是時初成此觀,但見其水,未得無身。當為比丘室中安禪。我有弟子[9]窺窓觀室,唯見清水遍在[10]屋中,了無所見。童稚無知,取一瓦礫投於水內,激水作聲,顧[A7]盻而去。我出定後頓覺心痛,如舍利弗遭違害鬼。我自思惟:『今我已得阿羅漢道,久離病緣,云何今日忽生心痛?將無退失?』爾時,童子捷來我前,說如上事。我則告言:『汝更見水,可即開門入此水中,除去瓦礫。』童子奉教,後入定時,還復見水,瓦礫宛然,開門除出。我後出定,身質如初。逢無量佛,如是至於山海自在通王如來,方得亡身;與十方界諸香水海,性合真空,無二[11]無別。今於如來得童真名,預菩薩會。佛問圓通,我以水性一味流通,得無生忍,圓滿菩提,斯為第一!」
Deutsch
Der Bodhisattva Jugendlicher Mondglanz
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„In vergangenen Äonen
erschien ein Buddha
namens Wasserhimmel.
Er lehrte die Bodhisattvas,
die Essenz des Wassers zu kultivieren
und dadurch in Samadhi einzutreten.

Ich betrachtete
die Wasser-Natur im Körper:
Tränen, Speichel,
Körpersäfte, Blut,
Ausscheidungen –
alles zeigte sich
als einheitliche,
wirbelnde Wasser-Natur.
Ich erkannte,
dass das Wasser im Körper
dem Wasser der äußeren Welt
– den Duftwasser-Meeren
der Buddha-Länder –
völlig gleich ist.

Zunächst sah ich nur Wasser
und hatte den Körper
noch nicht überschritten.
Als ich später
in stiller Sammlung verweilte,
sah ein Schüler
im Raum nur klares Wasser.
Ein Kind warf einen Ziegel hinein,
wodurch Geräusch entstand.

Nach dem Austritt aus der Sammlung
empfand ich Herzschmerz
und zweifelte kurz,
ob ich einen Rückfall erlitten hätte.
Nachdem mir der Schüler
alles berichtet hatte,
ließ ich den Ziegel
aus dem Wasser entfernen.
Danach war der Körper
wieder unversehrt.

Durch die Begegnung
mit unzähligen Buddhas
vergaß ich schließlich
den Körper vollständig.
Meine Natur vereinigte sich
mit den Duftwasser-Meeren
der zehn Richtungen
in wahrer Leere,
ohne Unterschied.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch die einheitliche,
durchströmende Natur des Wassers
erlangte ich
die Geduld des Ungeborenen
und vollendete Bodhi –
dies ist der höchste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Wasser (水)
und ist einer der feinsten und zugleich riskantesten Wege.

1. Wasser als Kontinuität ohne Form

Wasser ist:
• durchlässig
• verbindend
• formbar
• nicht fest

Darum eignet es sich,
Einheit ohne Starrheit
zu erkennen.

2. Die Grenze des „Nur-Wasser-Sehens“

Der Zwischenfall mit dem Ziegel zeigt:

Wenn Form noch nicht vergessen ist,
bleibt Verwundbarkeit.

Erst das vollständige Vergessen des Körpers
macht die Durchdringung stabil.

3. Schmerz ohne Ursache

Der Herzschmerz entsteht nicht physisch,
sondern durch Rest-Identifikation.
Das Sutra ist hier sehr nüchtern:
• Einsicht kann unvollständig sein
• Stabilität braucht Reife

4. Vereinigung mit allen Wasser-Meeren

Am Ende ist Wasser
kein Objekt mehr,
sondern Metapher für Nicht-Zweiheit:

Fließen ohne Grenze.

5. Warum dieser Weg nicht gewählt wird

Der Wasser-Weg ist:
• sanft
• tief
• verbindend

Aber:
• leicht misszuverstehen
• anfällig für Teilverwirklichung
• nicht stabil für viele Wesen

Darum wird er geehrt,
aber nicht als allgemeiner Einstieg empfohlen.
222 #
瑠璃光法王子即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我憶往昔經恒沙劫,有佛出世名無量聲,開示菩薩本覺妙明,觀此世界及眾生身、皆是妄緣風力所轉,我於爾時觀界安立,觀世動時、觀身動止、觀心動念、諸動無二,等無差別。我時[12]了覺此群動性,來無所從,去無所至;十方微塵顛倒眾生,同一虛妄。如是乃至三千大千一世界內所有眾生,如一器中貯百蚊蚋啾啾亂鳴,於分寸中鼓發狂鬧。逢佛未幾,得無生忍;爾時心開,乃見東方不動佛國,為法王子,事十方佛。身心發光,洞徹無礙。佛問圓通,我以觀察風力無依,悟菩提心,入三摩地,[13]合十方佛,傳一妙心,斯為第一!」
Der Dharmafürstensohn
Lapis-Lazuli-Licht
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„In vergangenen Äonen,
so zahlreich wie Sandkörner des Ganges,
erschien ein Buddha
namens Buddha des Unermesslichen Klangs.
Er lehrte die Bodhisattvas
das ursprünglich erwachte,
klar leuchtende Erkennen.

Ich betrachtete
diese Welt
und die Körper der Wesen
und erkannte,
dass sie durch trügerische Bedingungen
und die Kraft des Windes
in Bewegung versetzt werden.
Ich betrachtete
das Bestehen der Weltbereiche,
die Bewegung der Welt,
die Bewegung und Ruhe des Körpers,
die Regungen des Geistes –
alle Bewegungen
waren gleicher Natur
und ohne Unterschied.

So erkannte ich
die Wesensnatur
aller Bewegungen:
Sie haben keine Herkunft
und kein Ziel.
Die verwirrten Wesen
der zehn Richtungen
sind in dieser Trügerischkeit gleich.

Alle Wesen
in einem großen Weltbereich
gleichen hundert Mücken und Fliegen
in einem Gefäß,
die auf engem Raum
lärmend umherschwirren.

Kurz nach der Begegnung
mit diesem Buddha
erlangte ich
die Geduld des Ungeborenen.
Da öffnete sich mein Geist,
und ich erblickte
das östliche Buddha-Land
des Unbeweglichen Buddha.
Als Dharmafürstensohn
diente ich
den Buddhas
der zehn Richtungen.
Körper und Geist
leuchteten klar
und waren ohne Hindernis.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das Erkennen,
dass die Kraft des Windes
keinen eigenständigen Halt besitzt,
erwachte der Bodhi-Geist;
ich trat in Samadhi ein,
vereinte mich
mit den Buddhas der zehn Richtungen
und übermittelte
den einen,
wunderbaren Geist –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Bewegung (風 / Windkraft)
und ist einer der kosmologisch weitesten Zugänge.

1. Bewegung als Grundillusion

Der „Wind“ steht hier nicht für Luft,
sondern für:
• Antrieb
• Impuls
• Rastlosigkeit

Alles, was als „Welt“ erscheint,
ist Bewegung ohne Träger.

2. Gleichheit aller Bewegungen

Ob:
• Weltbewegung
• Körperbewegung
• Gedankenbewegung

alle sind eine Struktur.
Es gibt keinen inneren und äußeren Motor.

3. Keine Herkunft, kein Ziel

Der entscheidende Durchbruch:

Bewegung kommt von nirgendwo
und geht an keinen Ort.

Damit bricht:
• Kausalfixierung
• Fortschrittsdenken
• Erlösungsdrang

4. Die drastische Metapher

Die Mücken im Gefäß
sind kein Spott,
sondern Mitgefühl:

Wesen leiden,
weil sie Bewegung
für Richtung halten.

5. Warum dieser Weg nicht gewählt wird

Dieser Zugang ist:
• weit
• tief
• entlarvend

Aber:
• für viele zu abstrakt
• leicht in Weltverneinung kippend

Darum wird er geehrt,
aber nicht als Einstieg empfohlen.
中文原文
瑠璃光法王子即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我憶往昔經恒沙劫,有佛出世名無量聲,開示菩薩本覺妙明,觀此世界及眾生身、皆是妄緣風力所轉,我於爾時觀界安立,觀世動時、觀身動止、觀心動念、諸動無二,等無差別。我時[12]了覺此群動性,來無所從,去無所至;十方微塵顛倒眾生,同一虛妄。如是乃至三千大千一世界內所有眾生,如一器中貯百蚊蚋啾啾亂鳴,於分寸中鼓發狂鬧。逢佛未幾,得無生忍;爾時心開,乃見東方不動佛國,為法王子,事十方佛。身心發光,洞徹無礙。佛問圓通,我以觀察風力無依,悟菩提心,入三摩地,[13]合十方佛,傳一妙心,斯為第一!」
Deutsch
Der Dharmafürstensohn
Lapis-Lazuli-Licht
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„In vergangenen Äonen,
so zahlreich wie Sandkörner des Ganges,
erschien ein Buddha
namens Buddha des Unermesslichen Klangs.
Er lehrte die Bodhisattvas
das ursprünglich erwachte,
klar leuchtende Erkennen.

Ich betrachtete
diese Welt
und die Körper der Wesen
und erkannte,
dass sie durch trügerische Bedingungen
und die Kraft des Windes
in Bewegung versetzt werden.
Ich betrachtete
das Bestehen der Weltbereiche,
die Bewegung der Welt,
die Bewegung und Ruhe des Körpers,
die Regungen des Geistes –
alle Bewegungen
waren gleicher Natur
und ohne Unterschied.

So erkannte ich
die Wesensnatur
aller Bewegungen:
Sie haben keine Herkunft
und kein Ziel.
Die verwirrten Wesen
der zehn Richtungen
sind in dieser Trügerischkeit gleich.

Alle Wesen
in einem großen Weltbereich
gleichen hundert Mücken und Fliegen
in einem Gefäß,
die auf engem Raum
lärmend umherschwirren.

Kurz nach der Begegnung
mit diesem Buddha
erlangte ich
die Geduld des Ungeborenen.
Da öffnete sich mein Geist,
und ich erblickte
das östliche Buddha-Land
des Unbeweglichen Buddha.
Als Dharmafürstensohn
diente ich
den Buddhas
der zehn Richtungen.
Körper und Geist
leuchteten klar
und waren ohne Hindernis.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das Erkennen,
dass die Kraft des Windes
keinen eigenständigen Halt besitzt,
erwachte der Bodhi-Geist;
ich trat in Samadhi ein,
vereinte mich
mit den Buddhas der zehn Richtungen
und übermittelte
den einen,
wunderbaren Geist –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Bewegung (風 / Windkraft)
und ist einer der kosmologisch weitesten Zugänge.

1. Bewegung als Grundillusion

Der „Wind“ steht hier nicht für Luft,
sondern für:
• Antrieb
• Impuls
• Rastlosigkeit

Alles, was als „Welt“ erscheint,
ist Bewegung ohne Träger.

2. Gleichheit aller Bewegungen

Ob:
• Weltbewegung
• Körperbewegung
• Gedankenbewegung

alle sind eine Struktur.
Es gibt keinen inneren und äußeren Motor.

3. Keine Herkunft, kein Ziel

Der entscheidende Durchbruch:

Bewegung kommt von nirgendwo
und geht an keinen Ort.

Damit bricht:
• Kausalfixierung
• Fortschrittsdenken
• Erlösungsdrang

4. Die drastische Metapher

Die Mücken im Gefäß
sind kein Spott,
sondern Mitgefühl:

Wesen leiden,
weil sie Bewegung
für Richtung halten.

5. Warum dieser Weg nicht gewählt wird

Dieser Zugang ist:
• weit
• tief
• entlarvend

Aber:
• für viele zu abstrakt
• leicht in Weltverneinung kippend

Darum wird er geehrt,
aber nicht als Einstieg empfohlen.
223 #
虛空藏菩薩即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我與如來定光佛所,得無邊身。爾時手執四大寶珠,照明十方微塵佛剎化成虛空。又於自心現大圓鏡,內放十種微妙寶光。流灌十方盡虛空際,諸幢王剎來入鏡內,涉入我身。身同虛空不相妨礙,身能善入微塵國土,廣行佛事,得大隨順。此大神力,由我諦觀四大無依,妄想生滅,虛空無二,佛國本同。於同發明,得無生忍。佛問圓通,我以觀察虛空無邊入三摩地,妙力圓明,斯為第一!」
Ākāśagarbha Bodhisattva
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Gemeinsam
mit dem Tathāgata
verweil­te ich
zur Zeit des Buddha Dīpaṃkara
und erlangte dort
den grenzenlosen Körper.

Damals hielt ich
die vier großen Juwelen,
deren Licht
die Buddha-Länder
der zehn Richtungen
so zahlreich wie Staubteilchen erhellte
und sie als Leere offenbarte.
Gleichzeitig erschien
in meinem Geist
ein großer, runder Spiegel,
aus dessen Innerem
zehn feine,
wunderbare Lichtkräfte ausströmten.

Diese ergossen sich
in die zehn Richtungen
bis an die Grenze des Raumes;
alle Buddha-Länder
in Gestalt königlicher Banner
traten in diesen Spiegel ein
und gingen
in meinen Körper über.
Mein Körper
war wie der Raum
und behinderte nichts;
er konnte
in die Staubteilchen-Welten eintreten
und dort
weitreichend Buddha-Wirksamkeit entfalten,
in vollkommener Entsprechung.

Diese großen Kräfte
entstanden dadurch,
dass ich betrachtete,
wie die vier großen Elemente
keinen festen Halt haben,
wie Vorstellungen
entstehen und vergehen,
und wie Raum
nicht zweifach ist
und die Buddha-Länder
wesensgleich sind.
Durch dieses gemeinsame Erkennen
erlangte ich
die Geduld des Ungeborenen.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das Betrachten
der grenzenlosen Leere
trat ich in Samadhi ein,
und die wunderbare Kraft
wurde vollständig klar –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Raum (虛空)
und ist der weiteste, grenzenloseste Zugang im gesamten Zyklus.

1. Raum als Nicht-Hindernis

Ākāśagarbhas Körper
ist nicht „groß“,
sondern nicht-hindernd.
Größe entsteht hier
nicht durch Ausdehnung,
sondern durch Abwesenheit von Widerstand.

2. Spiegel-Metapher

Der innere Spiegel bedeutet:
• nichts wird festgehalten
• alles wird widergespiegelt
• ohne Verzerrung

Das ist Erkenntnis
ohne Subjekt-Objekt-Spaltung.

3. Vier Elemente ohne Halt

Die Einsicht:

Die vier Elemente
haben keinen eigenen Träger

nimmt jeder Welt
und jedem Körper
die ontologische Schwere.

4. Raum und Buddha-Länder sind gleich

Das ist keine Verneinung der Welt,
sondern:

Welt ist Modulation von Raum,
nicht Gegenpol zu ihm.

5. Warum dieser Weg nicht gewählt wird

Dieser Zugang ist:
• erhaben
• umfassend
• machtvoll

Aber:
• zu abstrakt
• zu kosmisch
• kaum alltagstauglich

Darum wird er geehrt,
aber nicht als Einstieg
für kommende Zeiten empfohlen.
中文原文
虛空藏菩薩即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我與如來定光佛所,得無邊身。爾時手執四大寶珠,照明十方微塵佛剎化成虛空。又於自心現大圓鏡,內放十種微妙寶光。流灌十方盡虛空際,諸幢王剎來入鏡內,涉入我身。身同虛空不相妨礙,身能善入微塵國土,廣行佛事,得大隨順。此大神力,由我諦觀四大無依,妄想生滅,虛空無二,佛國本同。於同發明,得無生忍。佛問圓通,我以觀察虛空無邊入三摩地,妙力圓明,斯為第一!」
Deutsch
Ākāśagarbha Bodhisattva
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„Gemeinsam
mit dem Tathāgata
verweil­te ich
zur Zeit des Buddha Dīpaṃkara
und erlangte dort
den grenzenlosen Körper.

Damals hielt ich
die vier großen Juwelen,
deren Licht
die Buddha-Länder
der zehn Richtungen
so zahlreich wie Staubteilchen erhellte
und sie als Leere offenbarte.
Gleichzeitig erschien
in meinem Geist
ein großer, runder Spiegel,
aus dessen Innerem
zehn feine,
wunderbare Lichtkräfte ausströmten.

Diese ergossen sich
in die zehn Richtungen
bis an die Grenze des Raumes;
alle Buddha-Länder
in Gestalt königlicher Banner
traten in diesen Spiegel ein
und gingen
in meinen Körper über.
Mein Körper
war wie der Raum
und behinderte nichts;
er konnte
in die Staubteilchen-Welten eintreten
und dort
weitreichend Buddha-Wirksamkeit entfalten,
in vollkommener Entsprechung.

Diese großen Kräfte
entstanden dadurch,
dass ich betrachtete,
wie die vier großen Elemente
keinen festen Halt haben,
wie Vorstellungen
entstehen und vergehen,
und wie Raum
nicht zweifach ist
und die Buddha-Länder
wesensgleich sind.
Durch dieses gemeinsame Erkennen
erlangte ich
die Geduld des Ungeborenen.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das Betrachten
der grenzenlosen Leere
trat ich in Samadhi ein,
und die wunderbare Kraft
wurde vollständig klar –
dies ist der erste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Raum (虛空)
und ist der weiteste, grenzenloseste Zugang im gesamten Zyklus.

1. Raum als Nicht-Hindernis

Ākāśagarbhas Körper
ist nicht „groß“,
sondern nicht-hindernd.
Größe entsteht hier
nicht durch Ausdehnung,
sondern durch Abwesenheit von Widerstand.

2. Spiegel-Metapher

Der innere Spiegel bedeutet:
• nichts wird festgehalten
• alles wird widergespiegelt
• ohne Verzerrung

Das ist Erkenntnis
ohne Subjekt-Objekt-Spaltung.

3. Vier Elemente ohne Halt

Die Einsicht:

Die vier Elemente
haben keinen eigenen Träger

nimmt jeder Welt
und jedem Körper
die ontologische Schwere.

4. Raum und Buddha-Länder sind gleich

Das ist keine Verneinung der Welt,
sondern:

Welt ist Modulation von Raum,
nicht Gegenpol zu ihm.

5. Warum dieser Weg nicht gewählt wird

Dieser Zugang ist:
• erhaben
• umfassend
• machtvoll

Aber:
• zu abstrakt
• zu kosmisch
• kaum alltagstauglich

Darum wird er geehrt,
aber nicht als Einstieg
für kommende Zeiten empfohlen.
224 #
彌勒菩薩即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我憶往昔經微塵劫,有佛出世名日月燈明。我從彼佛而得出家,心重世名,好遊族姓。爾時,世尊教我修習唯心識定,入三摩地。歷劫已來,以此三昧事恒沙佛,求世名心歇滅無有。至然燈佛出現於世,我乃得成無上妙圓識心三昧;乃至盡空如來國土,淨穢有無,皆是我心變化所現。世尊!我了如是唯心識故,識性流出無量如來。今得授記,次補佛處。佛問圓通,我以諦觀十方唯識,識心圓明入圓成實,遠離依他及遍計執,得無生忍,斯為第一!」
Maitreya Bodhisattva
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„In fernen Äonen
erschien ein Buddha
namens Sonnen-Mond-Licht.
Von ihm ausgehend
trat ich in die Hauslosigkeit ein.
Mein Geist jedoch
hing stark
an weltlichem Ansehen
und suchte
den Umgang mit einflussreichen Familien.

Der Weltverehrte
lehrte mich daraufhin,
die Sammlung
des Nur-Bewusstseins zu kultivieren
und in Samadhi einzutreten.
Über viele Kalpas hinweg
diente ich mit dieser Sammlung
unzähligen Buddhas,
bis das Verlangen
nach weltlichem Ruhm
vollständig erlosch.

Als später
der Buddha Dīpaṃkara erschien,
vollendete ich
das höchste,
vollkommen runde
Samadhi des Bewusstseins.
Da erkannte ich:
Alle Buddha-Länder,
die den Raum erfüllen –
ob rein oder unrein,
ob vorhanden oder nicht vorhanden –
sind Erscheinungen
der Wandlungen meines Geistes.

Weltverehrter,
durch das Erkennen
des Nur-Bewusstseins
verstand ich,
dass aus der Natur des Bewusstseins
unzählige Tathāgatas hervorgehen.
Nun habe ich
die Verheißung empfangen,
als Nächster
die Buddha-Stätte einzunehmen.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das gründliche Betrachten,
dass die zehn Richtungen
nur Bewusstsein sind,
wird das Bewusstsein
vollständig klar
und tritt in die vollendete Wirklichkeit ein;
frei von abhängiger Entstehung
und eingebildeter Zuschreibung
erlange ich
die Geduld des Ungeborenen –
dies ist der höchste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über das Bewusstsein selbst (唯識 / vijñaptimātra)
und bildet den systematischsten und zugleich gefährlichsten Zugang im gesamten Zyklus.

1. Der Weg des Intellekts – und seine Läuterung

Maitreya beginnt nicht rein:
• sein Geist sucht Anerkennung
• er liebt Rang und Ansehen

Gerade deshalb ist sein Weg lehrreich:

Selbst subtiler Ehrgeiz
kann nur durch
tiefes Durchschauen des Bewusstseins
zur Ruhe kommen.

2. „Alle Welten sind Geist“

Die Aussage

„alle Buddha-Länder sind Wandlungen meines Geistes“
ist keine metaphysische Behauptung,
sondern eine radikale Entlarvung der Zuschreibung.

Wichtig:
• Es heißt nicht: „Ich erschaffe die Welt.“
• Sondern: „Ohne Bewusstsein gibt es keine Welt, die erscheint.“

3. Die drei Naturen werden explizit überwunden

Maitreya nennt sie direkt:
• 遍計執 – eingebildete Zuschreibung
• 依他起 – abhängige Entstehung
• 圓成實 – vollendete Wirklichkeit

Erst wenn:
• Zuschreibung fällt
• Abhängigkeit nicht mehr festgehalten wird

tritt Bewusstsein
in vollendete Klarheit ein.

4. Warum dieser Weg nicht gewählt wird

Dieser Zugang ist:
• hochpräzise
• systematisch
• philosophisch vollständig

Aber:
• extrem anfällig für Konzeptverhaftung
• leicht in Idealismus oder Solipsismus misszuverstehen
• für viele Wesen zu kopflastig

Darum wird er geehrt,
aber nicht als heilsamster Einstieg
für kommende Zeiten gewählt.

5. Maitreyas Stellung im Zyklus

Maitreya steht:
• am Ende der Aufzählung
• an der Grenze zwischen Analyse und Transzendenz
• kurz vor der Auswahl Guanyins

Er zeigt:

Alles kann Bewusstsein sein –
doch Bewusstsein allein
ist noch nicht Befreiung.


Sehr gern.



Maitreya und Guanyin – zwei vollendete Wege, zwei unterschiedliche Heilkräfte

Beide Wege sind gültig, tief und vollständig.
Die Entscheidung im Sutra ist keine Rangordnung, sondern eine zeit- und wesensbezogene Auswahl.



1. Ausgangspunkt

Maitreya beginnt beim Bewusstsein
→ „Die zehn Richtungen sind nur Bewusstsein.“

Guanyin beginnt beim Hören
→ „Das Hören wird zurückgewendet und hört seine eigene Natur.“



2. Art des Zugangs

Aspekt Maitreya Guanyin
Tor Bewusstsein (唯識) Ohrenwurzel (耳根)
Methode Analyse & Durchschau der Zuschreibung Umkehr der Sinnesfunktion
Richtung von Erkenntnis zur Auflösung von Wahrnehmung zum Ursprung
Gefahr Konzeptverhaftung kaum konzeptuell
Stabilität hoch bei Reife hoch auch bei Unruhe




3. Was jeweils überwunden wird

Maitreya überwindet:
• eingebildete Zuschreibung (遍計執)
• abhängiges Entstehen als fest (依他起)
• bis zur vollendeten Wirklichkeit (圓成實)

→ Befreiung durch präzise Erkenntnis.

Guanyin überwindet:
• Sinnesverstrickung
• Ich-Hörer-Struktur
• ohne Analyse, ohne Begriffe

→ Befreiung durch Rückbindung.



4. Verhältnis zur Welt

Maitreya:
• Welt erscheint als Bewusstseinswandel
• hohe Klarheit, aber abstrakt
• Gefahr subtiler Ich-Position: „Ich durchschaue.“

Guanyin:
• Welt klingt, ohne gehalten zu werden
• mitten im Lärm praktikabel
• Mitgefühl entsteht vor Erklärung



5. Für wen welcher Weg geeignet ist

Maitreya
• für sehr klare, analytisch starke Wesen
• für philosophisch geschulte Übende
• für jene, die nicht an Konzepten haften bleiben

Guanyin
• für zerstreute, leidende, suchende Wesen
• für eine laute, emotionale Welt
• für Praxis ohne Vorbedingungen



6. Warum Mañjuśrī Guanyin wählt

Nicht weil Maitreyas Weg falsch wäre,
sondern weil:

Bewusstsein leicht verhaftet,
Hören leicht loslässt.

Analyse trennt,
Hören verbindet.

Diese Zeit braucht Sanftheit,
nicht Präzision.



7. Der entscheidende Satz (Essenz)

Maitreya zeigt, wie Wirklichkeit verstanden wird.
Guanyin zeigt, wie Leiden endet.

Oder noch knapper:

Maitreya klärt den Geist.
Guanyin befreit das Herz.



8. Schlussformel

Viele Wege führen zur Klarheit.

Doch wenn die Welt laut ist
und Wesen zerstreut sind,
ist das Zurückwenden des Hörens
der leiseste
und zugleich sicherste Weg nach Hause.
中文原文
彌勒菩薩即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我憶往昔經微塵劫,有佛出世名日月燈明。我從彼佛而得出家,心重世名,好遊族姓。爾時,世尊教我修習唯心識定,入三摩地。歷劫已來,以此三昧事恒沙佛,求世名心歇滅無有。至然燈佛出現於世,我乃得成無上妙圓識心三昧;乃至盡空如來國土,淨穢有無,皆是我心變化所現。世尊!我了如是唯心識故,識性流出無量如來。今得授記,次補佛處。佛問圓通,我以諦觀十方唯識,識心圓明入圓成實,遠離依他及遍計執,得無生忍,斯為第一!」
Deutsch
Maitreya Bodhisattva
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„In fernen Äonen
erschien ein Buddha
namens Sonnen-Mond-Licht.
Von ihm ausgehend
trat ich in die Hauslosigkeit ein.
Mein Geist jedoch
hing stark
an weltlichem Ansehen
und suchte
den Umgang mit einflussreichen Familien.

Der Weltverehrte
lehrte mich daraufhin,
die Sammlung
des Nur-Bewusstseins zu kultivieren
und in Samadhi einzutreten.
Über viele Kalpas hinweg
diente ich mit dieser Sammlung
unzähligen Buddhas,
bis das Verlangen
nach weltlichem Ruhm
vollständig erlosch.

Als später
der Buddha Dīpaṃkara erschien,
vollendete ich
das höchste,
vollkommen runde
Samadhi des Bewusstseins.
Da erkannte ich:
Alle Buddha-Länder,
die den Raum erfüllen –
ob rein oder unrein,
ob vorhanden oder nicht vorhanden –
sind Erscheinungen
der Wandlungen meines Geistes.

Weltverehrter,
durch das Erkennen
des Nur-Bewusstseins
verstand ich,
dass aus der Natur des Bewusstseins
unzählige Tathāgatas hervorgehen.
Nun habe ich
die Verheißung empfangen,
als Nächster
die Buddha-Stätte einzunehmen.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Durch das gründliche Betrachten,
dass die zehn Richtungen
nur Bewusstsein sind,
wird das Bewusstsein
vollständig klar
und tritt in die vollendete Wirklichkeit ein;
frei von abhängiger Entstehung
und eingebildeter Zuschreibung
erlange ich
die Geduld des Ungeborenen –
dies ist der höchste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über das Bewusstsein selbst (唯識 / vijñaptimātra)
und bildet den systematischsten und zugleich gefährlichsten Zugang im gesamten Zyklus.

1. Der Weg des Intellekts – und seine Läuterung

Maitreya beginnt nicht rein:
• sein Geist sucht Anerkennung
• er liebt Rang und Ansehen

Gerade deshalb ist sein Weg lehrreich:

Selbst subtiler Ehrgeiz
kann nur durch
tiefes Durchschauen des Bewusstseins
zur Ruhe kommen.

2. „Alle Welten sind Geist“

Die Aussage

„alle Buddha-Länder sind Wandlungen meines Geistes“
ist keine metaphysische Behauptung,
sondern eine radikale Entlarvung der Zuschreibung.

Wichtig:
• Es heißt nicht: „Ich erschaffe die Welt.“
• Sondern: „Ohne Bewusstsein gibt es keine Welt, die erscheint.“

3. Die drei Naturen werden explizit überwunden

Maitreya nennt sie direkt:
• 遍計執 – eingebildete Zuschreibung
• 依他起 – abhängige Entstehung
• 圓成實 – vollendete Wirklichkeit

Erst wenn:
• Zuschreibung fällt
• Abhängigkeit nicht mehr festgehalten wird

tritt Bewusstsein
in vollendete Klarheit ein.

4. Warum dieser Weg nicht gewählt wird

Dieser Zugang ist:
• hochpräzise
• systematisch
• philosophisch vollständig

Aber:
• extrem anfällig für Konzeptverhaftung
• leicht in Idealismus oder Solipsismus misszuverstehen
• für viele Wesen zu kopflastig

Darum wird er geehrt,
aber nicht als heilsamster Einstieg
für kommende Zeiten gewählt.

5. Maitreyas Stellung im Zyklus

Maitreya steht:
• am Ende der Aufzählung
• an der Grenze zwischen Analyse und Transzendenz
• kurz vor der Auswahl Guanyins

Er zeigt:

Alles kann Bewusstsein sein –
doch Bewusstsein allein
ist noch nicht Befreiung.


Sehr gern.



Maitreya und Guanyin – zwei vollendete Wege, zwei unterschiedliche Heilkräfte

Beide Wege sind gültig, tief und vollständig.
Die Entscheidung im Sutra ist keine Rangordnung, sondern eine zeit- und wesensbezogene Auswahl.



1. Ausgangspunkt

Maitreya beginnt beim Bewusstsein
→ „Die zehn Richtungen sind nur Bewusstsein.“

Guanyin beginnt beim Hören
→ „Das Hören wird zurückgewendet und hört seine eigene Natur.“



2. Art des Zugangs

Aspekt Maitreya Guanyin
Tor Bewusstsein (唯識) Ohrenwurzel (耳根)
Methode Analyse & Durchschau der Zuschreibung Umkehr der Sinnesfunktion
Richtung von Erkenntnis zur Auflösung von Wahrnehmung zum Ursprung
Gefahr Konzeptverhaftung kaum konzeptuell
Stabilität hoch bei Reife hoch auch bei Unruhe




3. Was jeweils überwunden wird

Maitreya überwindet:
• eingebildete Zuschreibung (遍計執)
• abhängiges Entstehen als fest (依他起)
• bis zur vollendeten Wirklichkeit (圓成實)

→ Befreiung durch präzise Erkenntnis.

Guanyin überwindet:
• Sinnesverstrickung
• Ich-Hörer-Struktur
• ohne Analyse, ohne Begriffe

→ Befreiung durch Rückbindung.



4. Verhältnis zur Welt

Maitreya:
• Welt erscheint als Bewusstseinswandel
• hohe Klarheit, aber abstrakt
• Gefahr subtiler Ich-Position: „Ich durchschaue.“

Guanyin:
• Welt klingt, ohne gehalten zu werden
• mitten im Lärm praktikabel
• Mitgefühl entsteht vor Erklärung



5. Für wen welcher Weg geeignet ist

Maitreya
• für sehr klare, analytisch starke Wesen
• für philosophisch geschulte Übende
• für jene, die nicht an Konzepten haften bleiben

Guanyin
• für zerstreute, leidende, suchende Wesen
• für eine laute, emotionale Welt
• für Praxis ohne Vorbedingungen



6. Warum Mañjuśrī Guanyin wählt

Nicht weil Maitreyas Weg falsch wäre,
sondern weil:

Bewusstsein leicht verhaftet,
Hören leicht loslässt.

Analyse trennt,
Hören verbindet.

Diese Zeit braucht Sanftheit,
nicht Präzision.



7. Der entscheidende Satz (Essenz)

Maitreya zeigt, wie Wirklichkeit verstanden wird.
Guanyin zeigt, wie Leiden endet.

Oder noch knapper:

Maitreya klärt den Geist.
Guanyin befreit das Herz.



8. Schlussformel

Viele Wege führen zur Klarheit.

Doch wenn die Welt laut ist
und Wesen zerstreut sind,
ist das Zurückwenden des Hörens
der leiseste
und zugleich sicherste Weg nach Hause.
225 #
大勢至法王子與其同倫五十二菩薩,即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我憶往昔恒河沙劫,有佛出世名無量光,十二如來相繼一劫,其最後佛名超日月光。彼佛教我念佛三昧:『譬如有人,一專為憶,一人專忘,如是二人若逢不逢,或見非見。二人相憶,二憶念深,如是乃至從生至生,同於形影不相乖異。十方如來憐念眾生,如母憶子,若子逃逝,雖憶何為!子若憶母如母憶時,母子歷生不相違遠。若眾生心憶佛念佛,現前當來必定見佛、去佛不遠,不假方便自得心開。如染香人,身有香氣,此則名曰香光莊嚴。』我本因地,以念佛心入無生忍。今於此界,攝念佛人歸於淨土。佛問圓通,我無選擇都攝六根,淨念相繼得三摩[A8]地,斯為第一!」
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第五
Mahāsthāmaprāpta Bodhisattva
erhob sich gemeinsam
mit zweiundfünfzig Bodhisattvas,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„In vergangenen Äonen
erschien ein Buddha
namens Unermessliches Licht.
In einem Kalpa
folgten ihm zwölf Buddhas,
deren letzter
Über-Sonnen-Mond-Licht genannt wurde.

Dieser Buddha
lehrte mich
das Samadhi
des Buddha-Gedenkens
und gebrauchte das Gleichnis
von zwei Menschen,
von denen einer erinnert
und der andere vergisst.
Er zeigte,
dass wirkliche Begegnung
erst dort geschieht,
wo beiderseitiges Erinnern besteht.

So wie Mutter und Kind
durch gegenseitiges Erinnern
nie getrennt sind,
so bleiben auch Buddha und Wesen
durch wechselseitiges Gedenken
einander nahe.

Wenn Wesen
mit ihrem Geist
den Buddha erinnern
und den Buddha bedenken,
werden sie
in dieser oder einer künftigen Existenz
dem Buddha begegnen.
Ohne zusätzliche Methoden
öffnet sich ihr Geist von selbst.

Durch dieses Buddha-Gedenken
erlangte ich
die Geduld des Ungeborenen.
Nun sammle ich
die Buddha-Gedenkenden
in dieser Welt
und führe sie
in das Reine Land.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Alle sechs Sinne
ohne Auswahl zu sammeln,
das reine Gedenken
ununterbrochen fortzusetzen
und dadurch Samadhi zu erlangen –
dies ist der höchste Zugang.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Erinnerung und Sammlung (念佛三昧)
und bildet den mitfühlendsten und zugänglichsten Weg im gesamten Zyklus.

1. Erinnerung als Beziehung, nicht als Technik

„Buddha erinnern“ bedeutet hier nicht:
• Formel wiederholen
• Objekt festhalten
• Vorstellung erzeugen

Sondern:

Beziehung lebendig halten.

Das Gleichnis von Mutter und Kind
macht klar:
• Befreiung geschieht nicht isoliert
• sondern in Resonanz

2. „Ohne Auswahl alle sechs Sinne sammeln“

Das ist entscheidend:
• kein einzelnes Sinnestor
• keine Umkehrtechnik
• keine Analyse

Stattdessen:

Zerstreuung wird nicht bekämpft,
sondern eingesammelt.

3. Nähe statt Transzendenz

Dieser Weg verspricht nicht:
• Weltüberwindung
• Abstraktion
• kosmische Schau

Sondern:

Nähe.

„Nicht fern vom Buddha“
ist der Kern dieser Durchdringung.

4. Verhältnis zu Guanyin

Mahāsthāmaprāpta und Guanyin
stehen sich besonders nahe:

Mahasthamaprapta Guanyin
Sammlung durch Erinnerung Sammlung durch Umkehr
Beziehung Wahrnehmung
Herzbindung Sinnesrückbindung
Nähe Stille

Beide sind ohrennah
– doch Guanyin löst,
Mahāsthāmaprāpta sammelt.

5. Warum dieser Weg nicht ausgewählt wird

Nicht weil er geringer wäre,
sondern weil:
• er religiöse Resonanz voraussetzt
• an ein Buddha-Bild gebunden ist
• nicht für alle Wesen anschlussfähig

Darum bleibt Guanyins Weg
der allgemeinste.
中文原文
大勢至法王子與其同倫五十二菩薩,即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我憶往昔恒河沙劫,有佛出世名無量光,十二如來相繼一劫,其最後佛名超日月光。彼佛教我念佛三昧:『譬如有人,一專為憶,一人專忘,如是二人若逢不逢,或見非見。二人相憶,二憶念深,如是乃至從生至生,同於形影不相乖異。十方如來憐念眾生,如母憶子,若子逃逝,雖憶何為!子若憶母如母憶時,母子歷生不相違遠。若眾生心憶佛念佛,現前當來必定見佛、去佛不遠,不假方便自得心開。如染香人,身有香氣,此則名曰香光莊嚴。』我本因地,以念佛心入無生忍。今於此界,攝念佛人歸於淨土。佛問圓通,我無選擇都攝六根,淨念相繼得三摩[A8]地,斯為第一!」
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第五
Deutsch
Mahāsthāmaprāpta Bodhisattva
erhob sich gemeinsam
mit zweiundfünfzig Bodhisattvas,
verneigte sich
vor den Füßen des Buddha
und sprach:

„In vergangenen Äonen
erschien ein Buddha
namens Unermessliches Licht.
In einem Kalpa
folgten ihm zwölf Buddhas,
deren letzter
Über-Sonnen-Mond-Licht genannt wurde.

Dieser Buddha
lehrte mich
das Samadhi
des Buddha-Gedenkens
und gebrauchte das Gleichnis
von zwei Menschen,
von denen einer erinnert
und der andere vergisst.
Er zeigte,
dass wirkliche Begegnung
erst dort geschieht,
wo beiderseitiges Erinnern besteht.

So wie Mutter und Kind
durch gegenseitiges Erinnern
nie getrennt sind,
so bleiben auch Buddha und Wesen
durch wechselseitiges Gedenken
einander nahe.

Wenn Wesen
mit ihrem Geist
den Buddha erinnern
und den Buddha bedenken,
werden sie
in dieser oder einer künftigen Existenz
dem Buddha begegnen.
Ohne zusätzliche Methoden
öffnet sich ihr Geist von selbst.

Durch dieses Buddha-Gedenken
erlangte ich
die Geduld des Ungeborenen.
Nun sammle ich
die Buddha-Gedenkenden
in dieser Welt
und führe sie
in das Reine Land.

Wenn nach vollkommener Durchdringung gefragt wird,
so entspricht meiner Verwirklichung:
Alle sechs Sinne
ohne Auswahl zu sammeln,
das reine Gedenken
ununterbrochen fortzusetzen
und dadurch Samadhi zu erlangen –
dies ist der höchste Zugang.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Durchdringung über Erinnerung und Sammlung (念佛三昧)
und bildet den mitfühlendsten und zugänglichsten Weg im gesamten Zyklus.

1. Erinnerung als Beziehung, nicht als Technik

„Buddha erinnern“ bedeutet hier nicht:
• Formel wiederholen
• Objekt festhalten
• Vorstellung erzeugen

Sondern:

Beziehung lebendig halten.

Das Gleichnis von Mutter und Kind
macht klar:
• Befreiung geschieht nicht isoliert
• sondern in Resonanz

2. „Ohne Auswahl alle sechs Sinne sammeln“

Das ist entscheidend:
• kein einzelnes Sinnestor
• keine Umkehrtechnik
• keine Analyse

Stattdessen:

Zerstreuung wird nicht bekämpft,
sondern eingesammelt.

3. Nähe statt Transzendenz

Dieser Weg verspricht nicht:
• Weltüberwindung
• Abstraktion
• kosmische Schau

Sondern:

Nähe.

„Nicht fern vom Buddha“
ist der Kern dieser Durchdringung.

4. Verhältnis zu Guanyin

Mahāsthāmaprāpta und Guanyin
stehen sich besonders nahe:

Mahasthamaprapta Guanyin
Sammlung durch Erinnerung Sammlung durch Umkehr
Beziehung Wahrnehmung
Herzbindung Sinnesrückbindung
Nähe Stille

Beide sind ohrennah
– doch Guanyin löst,
Mahāsthāmaprāpta sammelt.

5. Warum dieser Weg nicht ausgewählt wird

Nicht weil er geringer wäre,
sondern weil:
• er religiöse Resonanz voraussetzt
• an ein Buddha-Bild gebunden ist
• nicht für alle Wesen anschlussfähig

Darum bleibt Guanyins Weg
der allgemeinste.
226 #
爾時,觀世音菩薩即從座起,頂禮佛足而白佛言:「世尊!憶念我昔無數恒河沙劫,於時有佛出現於世,名觀世音。我於彼佛發菩提心,彼佛教我從聞思修入三摩地。初於聞中入流亡所;所入既寂,動靜二相了然不生。如是漸增,聞所聞盡;盡聞不住,覺所覺空;空覺極圓,空所空滅。生滅既滅,寂滅現前,忽然超越世出世間,十方圓明,獲二殊勝:一者、上合十方諸佛本妙覺心,與佛如來同一慈力。二者、下合十方一切六道眾生,與諸眾生同一悲仰。
Zu jener Zeit stand der Bodhisattva Avalokiteśvara auf, verneigte sich vor den Füßen des Buddha und sagte:

„Weltverehrter!
Ich erinnere mich, dass ich vor unzähligen Zeitaltern – so zahlreich wie die Sande des Ganges – einem Buddha begegnete, der in der Welt erschien und den Namen Avalokiteśvara trug.
Vor diesem Buddha fasste ich den Entschluss zum Erwachen.
Er lehrte mich, vom Hören ausgehend, durch Betrachtung und Übung in das Samādhi einzutreten.

Zuerst trat ich im Hören in den Strom ein und verlor jede Ortsbestimmung.
Nachdem das Eintreten selbst zur Ruhe gekommen war, entstanden weder Bewegung noch Stille.
In dieser Weise vertiefte sich die Praxis schrittweise:
Hören und Gehörtes kamen gemeinsam zum Erlöschen.
Als das Gehörte erschöpft war, blieb kein Verweilen im Hören.
Das Erkennen dessen, was erkannt wurde, wurde leer.
Als diese Leere vollkommen rund wurde, erlosch auch das, worauf sich die Leere bezog.

Als Entstehen und Vergehen vollständig aufgehoben waren, offenbarte sich die stille Erlöschung unmittelbar.
Plötzlich überschritt ich sowohl das Weltliche als auch das Überweltliche.
Die zehn Richtungen wurden vollkommen erhellt.

Dabei erlangte ich zwei außergewöhnliche Errungenschaften:

Erstens:
Nach oben vereinte ich mich mit dem ursprünglich wunderbaren Erwachensgeist aller Buddhas der zehn Richtungen und teilte mit den Tathāgatas eine einzige Kraft des großen Mitgefühls.

Zweitens:
Nach unten vereinte ich mich mit allen Wesen der sechs Daseinsbereiche in den zehn Richtungen und teilte mit ihnen eine einzige mitfühlende Ausrichtung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist einer der zentralen Schlüsseltexte des gesamten Śūraṅgama-Sutras.
Er beschreibt keine Methode, sondern eine Rücknahme der Methode.

1. „Vom Hören in den Strom eintreten“

„入流亡所“ ist der Drehpunkt.
• Strom meint nicht Klang, sondern gerichtete Wahrnehmung
• Ort verlieren bedeutet:
Wahrnehmung fällt nicht mehr auf ein Objekt zurück

Das Hören kehrt nicht zum Objekt, sondern zu seiner Quelle zurück.

→ Nicht Konzentration, sondern Ent-Ortung.

2. Die schrittweise Auflösung der Erkenntnisebenen

Die Abfolge ist streng und systematisch:
1. Hören / Gehörtes erlischt
2. Erkennen / Erkanntes wird leer
3. Leere selbst verliert ihr Objekt
4. Entstehen und Vergehen enden

Entscheidend:
Nicht nur Inhalte lösen sich auf, sondern jede Bezugsstruktur.

Das ist kein Zustand, sondern das Erlöschen der Zustandshaftigkeit.

3. Stille Erlöschung ≠ Nichts

„寂滅現前“ wird oft missverstanden.

Es ist:
• kein Verschwinden
• keine Bewusstlosigkeit
• kein metaphysisches Jenseits

Sondern:
das Nicht-Erzeugen (本然) tritt offen hervor,
weil kein Geist mehr dazwischensteht.

4. Zwei Wirklichkeiten, kein Dualismus

Die zwei „Vorzüge“ sind keine Stufen, sondern eine einzige Wirklichkeit, zweifach ausgedrückt:
• Nach oben:
Einheit mit dem ursprünglichen Erwachen aller Buddhas
• Nach unten:
Einheit mit allen leidenden Wesen

→ Mitgefühl ist keine Tugend,
sondern die natürliche Resonanz des ursprünglichen Grundes.

5. Moderne Perspektive

Aus heutiger Sicht lässt sich dieser Text als radikale Kritik lesen an:
• subjektzentrierter Bewusstseinstheorie
• meditativer Selbstoptimierung
• spiritueller Leistungslogik

Guanyin zeigt:

Erwachen geschieht nicht durch Verfeinerung des Geistes,
sondern durch sein Durchsichtigwerden.
中文原文
爾時,觀世音菩薩即從座起,頂禮佛足而白佛言:「世尊!憶念我昔無數恒河沙劫,於時有佛出現於世,名觀世音。我於彼佛發菩提心,彼佛教我從聞思修入三摩地。初於聞中入流亡所;所入既寂,動靜二相了然不生。如是漸增,聞所聞盡;盡聞不住,覺所覺空;空覺極圓,空所空滅。生滅既滅,寂滅現前,忽然超越世出世間,十方圓明,獲二殊勝:一者、上合十方諸佛本妙覺心,與佛如來同一慈力。二者、下合十方一切六道眾生,與諸眾生同一悲仰。
Deutsch
Zu jener Zeit stand der Bodhisattva Avalokiteśvara auf, verneigte sich vor den Füßen des Buddha und sagte:

„Weltverehrter!
Ich erinnere mich, dass ich vor unzähligen Zeitaltern – so zahlreich wie die Sande des Ganges – einem Buddha begegnete, der in der Welt erschien und den Namen Avalokiteśvara trug.
Vor diesem Buddha fasste ich den Entschluss zum Erwachen.
Er lehrte mich, vom Hören ausgehend, durch Betrachtung und Übung in das Samādhi einzutreten.

Zuerst trat ich im Hören in den Strom ein und verlor jede Ortsbestimmung.
Nachdem das Eintreten selbst zur Ruhe gekommen war, entstanden weder Bewegung noch Stille.
In dieser Weise vertiefte sich die Praxis schrittweise:
Hören und Gehörtes kamen gemeinsam zum Erlöschen.
Als das Gehörte erschöpft war, blieb kein Verweilen im Hören.
Das Erkennen dessen, was erkannt wurde, wurde leer.
Als diese Leere vollkommen rund wurde, erlosch auch das, worauf sich die Leere bezog.

Als Entstehen und Vergehen vollständig aufgehoben waren, offenbarte sich die stille Erlöschung unmittelbar.
Plötzlich überschritt ich sowohl das Weltliche als auch das Überweltliche.
Die zehn Richtungen wurden vollkommen erhellt.

Dabei erlangte ich zwei außergewöhnliche Errungenschaften:

Erstens:
Nach oben vereinte ich mich mit dem ursprünglich wunderbaren Erwachensgeist aller Buddhas der zehn Richtungen und teilte mit den Tathāgatas eine einzige Kraft des großen Mitgefühls.

Zweitens:
Nach unten vereinte ich mich mit allen Wesen der sechs Daseinsbereiche in den zehn Richtungen und teilte mit ihnen eine einzige mitfühlende Ausrichtung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist einer der zentralen Schlüsseltexte des gesamten Śūraṅgama-Sutras.
Er beschreibt keine Methode, sondern eine Rücknahme der Methode.

1. „Vom Hören in den Strom eintreten“

„入流亡所“ ist der Drehpunkt.
• Strom meint nicht Klang, sondern gerichtete Wahrnehmung
• Ort verlieren bedeutet:
Wahrnehmung fällt nicht mehr auf ein Objekt zurück

Das Hören kehrt nicht zum Objekt, sondern zu seiner Quelle zurück.

→ Nicht Konzentration, sondern Ent-Ortung.

2. Die schrittweise Auflösung der Erkenntnisebenen

Die Abfolge ist streng und systematisch:
1. Hören / Gehörtes erlischt
2. Erkennen / Erkanntes wird leer
3. Leere selbst verliert ihr Objekt
4. Entstehen und Vergehen enden

Entscheidend:
Nicht nur Inhalte lösen sich auf, sondern jede Bezugsstruktur.

Das ist kein Zustand, sondern das Erlöschen der Zustandshaftigkeit.

3. Stille Erlöschung ≠ Nichts

„寂滅現前“ wird oft missverstanden.

Es ist:
• kein Verschwinden
• keine Bewusstlosigkeit
• kein metaphysisches Jenseits

Sondern:
das Nicht-Erzeugen (本然) tritt offen hervor,
weil kein Geist mehr dazwischensteht.

4. Zwei Wirklichkeiten, kein Dualismus

Die zwei „Vorzüge“ sind keine Stufen, sondern eine einzige Wirklichkeit, zweifach ausgedrückt:
• Nach oben:
Einheit mit dem ursprünglichen Erwachen aller Buddhas
• Nach unten:
Einheit mit allen leidenden Wesen

→ Mitgefühl ist keine Tugend,
sondern die natürliche Resonanz des ursprünglichen Grundes.

5. Moderne Perspektive

Aus heutiger Sicht lässt sich dieser Text als radikale Kritik lesen an:
• subjektzentrierter Bewusstseinstheorie
• meditativer Selbstoptimierung
• spiritueller Leistungslogik

Guanyin zeigt:

Erwachen geschieht nicht durch Verfeinerung des Geistes,
sondern durch sein Durchsichtigwerden.
227 #
「世尊!由我供養觀音如來,蒙彼如來授我如幻聞薰聞修金剛三昧。與佛如來同慈力故,令我身成三十二應入諸國土。
世尊!若諸菩薩入三摩地,進修無漏勝解現圓;我現佛身而為說法,令其解脫。若諸有學寂靜妙明,勝妙現圓;我於彼前,現[1]獨覺身而為說法,令其解脫。若諸有學斷十二緣,緣斷勝性,勝妙現圓;我於彼前,現緣覺身而為說法,令其解脫。若諸有學得四諦空,修道入滅,勝性現圓;我於彼前,現聲聞身而為說法,令其解脫。
Avalokiteśvara sagte:

„Weltverehrter!
Weil ich dem Tathāgata Avalokiteśvara Opfer darbrachte und diente,
empfing ich von diesem Buddha
die Unterweisung im
‚wie-illusionären Hören‘,
im Durchdringen des Hörens
und in der Übung des Hörens
als diamantgleiches Samādhi.

Da ich mit den Buddhas und Tathāgatas
eine einzige mitfühlende Kraft teile,
kann mein Körper
zweiunddreißig Erscheinungsformen annehmen
und in allen Welten wirken.

Weltverehrter!

Wenn Bodhisattvas
in das Samādhi eintreten
und die unbefleckte, überragende Einsicht weiter entfalten,
bis sie vollkommen gegenwärtig wird,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Buddha
und lehre das Dharma,
damit sie Befreiung erlangen.

Wenn Übende
stille, wunderbare Klarheit erlangen
und diese Verwirklichung vollkommen gegenwärtig wird,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Pratyekabuddha
und lehre das Dharma,
damit sie Befreiung erlangen.

Wenn Übende
die zwölf Glieder des abhängigen Entstehens durchschauen
und auflösen,
sodass die bedingte Verknüpfung endet
und die überragende Natur vollkommen gegenwärtig wird,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Pratyekabuddha
und lehre das Dharma,
damit sie Befreiung erlangen.

Wenn Übende
die Leerheit der vier edlen Wahrheiten verwirklichen,
den Weg kultivieren
und in die Erlöschung eintreten,
sodass die überragende Natur vollkommen gegenwärtig wird,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Śrāvaka
und lehre das Dharma,
damit sie Befreiung erlangen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt entfaltet die Konsequenz der zuvor beschriebenen Hör-Durchdringung.

1. Das diamantgleiche Samādhi

„金剛三昧“ bezeichnet keine besondere Technik,
sondern Unerschütterlichkeit:
• nicht fixierbar
• nicht zerstörbar
• nicht verformbar durch Erscheinungen

Entscheidend:
Es entsteht aus dem Hören, nicht aus Konzentration auf ein Objekt.

2. „Wie-illusionäres Hören“

„如幻“ bedeutet hier nicht unwirklich,
sondern nicht-fest.

Hören geschieht,
ohne dass ein Hörer behauptet wird.

→ Wahrnehmung ohne Besitzer.

3. Die zweiunddreißig Erscheinungsweisen

Diese sind keine Verwandlungen eines Selbst,
sondern situative Offenbarungen des ursprünglichen Grundes.

Form folgt Bedarf,
nicht Identität.

4. Einheit von Weisheit und Mitgefühl

Guanyin sagt nicht:

Ich entscheide mich, Mitgefühl zu üben.

Sondern:

Weil ich mit den Buddhas eine einzige Kraft teile,
geschieht dieses Erscheinen.

Mitgefühl ist hier keine Haltung,
sondern Funktion des Erwachens.

5. Radikale Nicht-Hierarchie der Wege

Buddha, Pratyekabuddha, Śrāvaka –
alle erscheinen als gleichwertige Tore.

Nicht die Form entscheidet,
sondern das Ansprechen der jeweiligen Reife.

Das ist eine stille, aber deutliche Mahāyāna-Korrektur:

Nicht alle brauchen dieselbe Sprache,
aber alle werden vom selben ursprünglichen Grund getragen.
中文原文
「世尊!由我供養觀音如來,蒙彼如來授我如幻聞薰聞修金剛三昧。與佛如來同慈力故,令我身成三十二應入諸國土。
世尊!若諸菩薩入三摩地,進修無漏勝解現圓;我現佛身而為說法,令其解脫。若諸有學寂靜妙明,勝妙現圓;我於彼前,現[1]獨覺身而為說法,令其解脫。若諸有學斷十二緣,緣斷勝性,勝妙現圓;我於彼前,現緣覺身而為說法,令其解脫。若諸有學得四諦空,修道入滅,勝性現圓;我於彼前,現聲聞身而為說法,令其解脫。
Deutsch
Avalokiteśvara sagte:

„Weltverehrter!
Weil ich dem Tathāgata Avalokiteśvara Opfer darbrachte und diente,
empfing ich von diesem Buddha
die Unterweisung im
‚wie-illusionären Hören‘,
im Durchdringen des Hörens
und in der Übung des Hörens
als diamantgleiches Samādhi.

Da ich mit den Buddhas und Tathāgatas
eine einzige mitfühlende Kraft teile,
kann mein Körper
zweiunddreißig Erscheinungsformen annehmen
und in allen Welten wirken.

Weltverehrter!

Wenn Bodhisattvas
in das Samādhi eintreten
und die unbefleckte, überragende Einsicht weiter entfalten,
bis sie vollkommen gegenwärtig wird,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Buddha
und lehre das Dharma,
damit sie Befreiung erlangen.

Wenn Übende
stille, wunderbare Klarheit erlangen
und diese Verwirklichung vollkommen gegenwärtig wird,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Pratyekabuddha
und lehre das Dharma,
damit sie Befreiung erlangen.

Wenn Übende
die zwölf Glieder des abhängigen Entstehens durchschauen
und auflösen,
sodass die bedingte Verknüpfung endet
und die überragende Natur vollkommen gegenwärtig wird,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Pratyekabuddha
und lehre das Dharma,
damit sie Befreiung erlangen.

Wenn Übende
die Leerheit der vier edlen Wahrheiten verwirklichen,
den Weg kultivieren
und in die Erlöschung eintreten,
sodass die überragende Natur vollkommen gegenwärtig wird,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Śrāvaka
und lehre das Dharma,
damit sie Befreiung erlangen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt entfaltet die Konsequenz der zuvor beschriebenen Hör-Durchdringung.

1. Das diamantgleiche Samādhi

„金剛三昧“ bezeichnet keine besondere Technik,
sondern Unerschütterlichkeit:
• nicht fixierbar
• nicht zerstörbar
• nicht verformbar durch Erscheinungen

Entscheidend:
Es entsteht aus dem Hören, nicht aus Konzentration auf ein Objekt.

2. „Wie-illusionäres Hören“

„如幻“ bedeutet hier nicht unwirklich,
sondern nicht-fest.

Hören geschieht,
ohne dass ein Hörer behauptet wird.

→ Wahrnehmung ohne Besitzer.

3. Die zweiunddreißig Erscheinungsweisen

Diese sind keine Verwandlungen eines Selbst,
sondern situative Offenbarungen des ursprünglichen Grundes.

Form folgt Bedarf,
nicht Identität.

4. Einheit von Weisheit und Mitgefühl

Guanyin sagt nicht:

Ich entscheide mich, Mitgefühl zu üben.

Sondern:

Weil ich mit den Buddhas eine einzige Kraft teile,
geschieht dieses Erscheinen.

Mitgefühl ist hier keine Haltung,
sondern Funktion des Erwachens.

5. Radikale Nicht-Hierarchie der Wege

Buddha, Pratyekabuddha, Śrāvaka –
alle erscheinen als gleichwertige Tore.

Nicht die Form entscheidet,
sondern das Ansprechen der jeweiligen Reife.

Das ist eine stille, aber deutliche Mahāyāna-Korrektur:

Nicht alle brauchen dieselbe Sprache,
aber alle werden vom selben ursprünglichen Grund getragen.
228 #
若諸眾生欲心明悟,不犯欲塵,欲身清淨;我於彼前,現梵王身而為說法,令其解脫。若諸眾生欲為天主,統領諸天;我於彼前,現帝釋身而為說法,令其成就。若諸眾生欲身自在,遊行十方;我於彼前,現自在天身而為說法,令其成就。若諸眾生欲身自在,飛行虛空;我於彼前,現大自在天身而為說法,令其成就。
若諸眾生愛統鬼神,救護國土;我於彼前,現天大將軍身而為說法,令其成就。若諸眾生愛統世界,保護眾生;我於彼前,現四天王身而為說法,令其成就。若諸眾生愛生天宮,驅使鬼神;我於彼前,現四天王國太子身而為說法,令其成就。若諸眾生樂為人主;我於彼前,現人王身而為說法,令其成就。
Avalokiteśvara erklärte:

„Wenn Lebewesen
den begehrenden Geist klar erkennen
und nicht mehr an die Objekte der Begierde gebunden sind,
sodass ihr begehrender Leib rein wird,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt des Brahmā-Königs
und lehre das Dharma,
damit sie Befreiung erlangen.

Wenn Lebewesen danach streben,
Herrscher der Götter zu werden
und die himmlischen Bereiche zu lenken,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt von Indra
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen wünschen,
körperliche Freiheit zu erlangen
und sich durch die zehn Richtungen zu bewegen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt des Gottes Īśvara
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen wünschen,
körperlich frei zu sein
und durch den Raum zu fliegen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt des Großen Īśvara
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen Freude daran haben,
Geisterwesen zu führen
und Länder zu beschützen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines großen himmlischen Feldherrn
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen Freude daran haben,
Welten zu regieren
und Wesen zu beschützen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines der Vier Himmelskönige
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen wünschen,
in himmlischen Palästen geboren zu werden
und Geisterwesen zu lenken,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Kronprinzen
des Reiches der Vier Himmelskönige
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen Freude daran haben,
Herrscher unter den Menschen zu sein,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Menschenkönigs
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt unmissverständlich, dass Guanyins Wirken nicht spirituell hierarchisiert, sondern bedürfnisbezogen ist.

1. Begierde wird nicht verurteilt, sondern geklärt

Auffällig ist die Formulierung:
• 欲心明悟 – Begierde wird klar erkannt
• nicht: unterdrückt oder vernichtet

Die Begierde wird durchsichtig,
nicht bekämpft.

Reinheit entsteht nicht durch Verzicht,
sondern durch Nicht-Verblendung.

2. Macht, Freiheit und Herrschaft als Felder des Erwachens

Götterherrschaft, Bewegung durch Räume, Schutz von Welten, Königtum –
alles Bereiche, die spirituell oft abgewertet werden.

Hier jedoch:

Auch Macht ist ein Übungsfeld,
wenn sie vom ursprünglichen Grund her getragen ist.

3. Formen folgen Wünschen – nicht Idealen

Guanyin erscheint nicht als moralisches Ideal,
sondern als passende Resonanzform.
• Wunsch nach Freiheit → freie Gestalt
• Wunsch nach Führung → Herrschergestalt
• Wunsch nach Schutz → Schutzgestalt

Das ist radikale Nicht-Dogmatik.

4. Kein Endziel, nur Reifung

Bemerkenswert ist der Sprachwechsel:
• bei Befreiung: 解脫
• bei weltlichen Wirkformen: 成就

Nicht alles führt sofort zur Befreiung –
aber alles kann zur Reife führen.

5. Moderne Perspektive

Dieser Abschnitt ist hochaktuell:

Er widerspricht spiritueller Flucht ebenso wie materialistischer Selbstverabsolutierung.

Nicht der Rückzug aus der Welt
ist das Kriterium von Erwachen,
sondern die Durchlässigkeit des Handelns
für den ursprünglichen Grund.
中文原文
若諸眾生欲心明悟,不犯欲塵,欲身清淨;我於彼前,現梵王身而為說法,令其解脫。若諸眾生欲為天主,統領諸天;我於彼前,現帝釋身而為說法,令其成就。若諸眾生欲身自在,遊行十方;我於彼前,現自在天身而為說法,令其成就。若諸眾生欲身自在,飛行虛空;我於彼前,現大自在天身而為說法,令其成就。
若諸眾生愛統鬼神,救護國土;我於彼前,現天大將軍身而為說法,令其成就。若諸眾生愛統世界,保護眾生;我於彼前,現四天王身而為說法,令其成就。若諸眾生愛生天宮,驅使鬼神;我於彼前,現四天王國太子身而為說法,令其成就。若諸眾生樂為人主;我於彼前,現人王身而為說法,令其成就。
Deutsch
Avalokiteśvara erklärte:

„Wenn Lebewesen
den begehrenden Geist klar erkennen
und nicht mehr an die Objekte der Begierde gebunden sind,
sodass ihr begehrender Leib rein wird,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt des Brahmā-Königs
und lehre das Dharma,
damit sie Befreiung erlangen.

Wenn Lebewesen danach streben,
Herrscher der Götter zu werden
und die himmlischen Bereiche zu lenken,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt von Indra
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen wünschen,
körperliche Freiheit zu erlangen
und sich durch die zehn Richtungen zu bewegen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt des Gottes Īśvara
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen wünschen,
körperlich frei zu sein
und durch den Raum zu fliegen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt des Großen Īśvara
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen Freude daran haben,
Geisterwesen zu führen
und Länder zu beschützen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines großen himmlischen Feldherrn
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen Freude daran haben,
Welten zu regieren
und Wesen zu beschützen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines der Vier Himmelskönige
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen wünschen,
in himmlischen Palästen geboren zu werden
und Geisterwesen zu lenken,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Kronprinzen
des Reiches der Vier Himmelskönige
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen Freude daran haben,
Herrscher unter den Menschen zu sein,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Menschenkönigs
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt unmissverständlich, dass Guanyins Wirken nicht spirituell hierarchisiert, sondern bedürfnisbezogen ist.

1. Begierde wird nicht verurteilt, sondern geklärt

Auffällig ist die Formulierung:
• 欲心明悟 – Begierde wird klar erkannt
• nicht: unterdrückt oder vernichtet

Die Begierde wird durchsichtig,
nicht bekämpft.

Reinheit entsteht nicht durch Verzicht,
sondern durch Nicht-Verblendung.

2. Macht, Freiheit und Herrschaft als Felder des Erwachens

Götterherrschaft, Bewegung durch Räume, Schutz von Welten, Königtum –
alles Bereiche, die spirituell oft abgewertet werden.

Hier jedoch:

Auch Macht ist ein Übungsfeld,
wenn sie vom ursprünglichen Grund her getragen ist.

3. Formen folgen Wünschen – nicht Idealen

Guanyin erscheint nicht als moralisches Ideal,
sondern als passende Resonanzform.
• Wunsch nach Freiheit → freie Gestalt
• Wunsch nach Führung → Herrschergestalt
• Wunsch nach Schutz → Schutzgestalt

Das ist radikale Nicht-Dogmatik.

4. Kein Endziel, nur Reifung

Bemerkenswert ist der Sprachwechsel:
• bei Befreiung: 解脫
• bei weltlichen Wirkformen: 成就

Nicht alles führt sofort zur Befreiung –
aber alles kann zur Reife führen.

5. Moderne Perspektive

Dieser Abschnitt ist hochaktuell:

Er widerspricht spiritueller Flucht ebenso wie materialistischer Selbstverabsolutierung.

Nicht der Rückzug aus der Welt
ist das Kriterium von Erwachen,
sondern die Durchlässigkeit des Handelns
für den ursprünglichen Grund.
229 #
若諸眾生愛主族姓,世間推讓;我於彼前,現長者身而為說法,令其成就。若諸眾生愛談名言,清淨[2]自居;我於彼前,現居士身而為說法,令其成就。若諸眾生愛治國土,剖斷邦邑;我於彼前,現宰官身而為說法,令其成就。若諸眾生愛諸數術,攝衛自居;我於彼前,現婆羅門身而為說法,令其成就。若有男子好學出家,持諸戒律;我於彼前,現比丘身而為說法,令其成就。若有女[3]子好學出家,持諸禁戒;我於彼前,現比丘尼身而為說法,令其成就。
Avalokiteśvara erklärte:

„Wenn Lebewesen
Wert darauf legen,
eine Sippe oder Familie anzuführen
und gesellschaftliche Anerkennung zu erfahren,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines angesehenen Ältesten
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen
Freude an Sprache, Begriffen und Benennungen haben
und ein Leben kultivierter Zurückgezogenheit führen wollen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Haushälters
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen
Freude daran haben,
Staaten zu lenken
und Verwaltungs- und Rechtsangelegenheiten zu ordnen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Beamten
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen
sich an Rechenkunst, Ritualwissen
und traditionellen Wissenssystemen erfreuen
und dadurch ihr Leben zu ordnen suchen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Brahmanen
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Männer
gern lernen,
das Haus verlassen
und die Ordensdisziplinen bewahren,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Bhikṣu
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Frauen
gern lernen,
das Haus verlassen
und die Gelübde bewahren,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt einer Bhikṣuṇī
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist von besonderer gesellschaftlicher Sprengkraft, weil er genau jene Bereiche umfasst, die oft als „nicht-spirituell genug“ gelten.

1. Soziale Rollen sind keine Hindernisse

Ältester, Haushälter, Beamter, Brahmane, Mönch, Nonne –
keine dieser Rollen wird privilegiert oder abgewertet.

Nicht der Stand entscheidet,
sondern die Durchlässigkeit der Rolle.

2. Sprache, Verwaltung, Wissen als Praxisfelder

Besonders bemerkenswert sind:
• 名言 – Sprache, Benennung, Diskurs
• 數術 – Zahlenkünste, Systeme, Ordnung

Das Sutra anerkennt:

Auch Denken, Strukturieren und Verwalten
können Orte der Reifung sein.

Nicht Rückzug von Welt,
sondern Durchdringung der Welt.

3. Gleichwertigkeit von weiblicher und männlicher Ordination

Die parallele Nennung von Bhikṣu und Bhikṣuṇī ist nicht beiläufig.

Sie zeigt:

Der ursprüngliche Grund
ist nicht geschlechtlich codiert.

Die Erscheinungsform folgt dem Bedarf,
nicht einer ontologischen Rangordnung.

4. Keine Flucht in Askese

Bemerkenswert:
Askese ist eine Möglichkeit unter vielen,
nicht die Krone des Weges.

Der Maßstab ist nicht Entsagung,
sondern Reifung (成就).

5. Moderne Perspektive

Dieser Abschnitt widerspricht:
• spirituellem Elitismus
• Weltverachtung
• Rollenromantik

Er legt nahe:

Jede gesellschaftliche Funktion
kann Ort des Erwachens sein,
wenn sie nicht vom Geist,
sondern vom ursprünglichen Grund getragen ist.
Zeitgenössische Berufs- und Rollenethik im Licht von Guanyins Erscheinungsweisen

Der hier behandelte Abschnitt ist kein Katalog spiritueller Rollen,
sondern eine radikale Entkoppelung von Erwachen und sozialer Funktion.

Guanyin erscheint nicht trotz der Rollen,
sondern in ihnen.

Damit wird eine zentrale Fehlannahme moderner Spiritualität aufgehoben:

Dass Erwachen dort beginne,
wo Rollen enden.

Das Śūraṅgama sagt das Gegenteil.



1. Rolle ≠ Identität

Alle genannten Rollen –
Ältester, Haushälter, Beamter, Brahmane, Mönch, Nonne –
sind Funktionsräume, keine Wesensdefinitionen.

Ethisch bedeutet das heute:
• Beruf ist kein Ausdruck des Selbst
• aber auch kein Hindernis für Erwachen

Problematisch ist nicht die Rolle,
sondern Identifikation.

Wo ich sage: Ich bin das,
verengt sich der ursprüngliche Grund zu Geist.



2. Ethik ohne Moralismus

Auffällig ist:
Guanyin erscheint nicht, um Rollen zu kritisieren,
sondern um sie durchlässig zu machen.

Moderne Übertragung:
• Führung ist kein Makel
• Macht ist kein Fehler
• Einfluss ist kein spirituelles Defizit

Unbewusste Identifikation ist das Problem, nicht Wirkung.

Ethisch heißt das:

Die Frage ist nicht
Was darf ich tun?
sondern
Woraus handle ich?



3. Sprache, Verwaltung, Wissen – rehabilitiert

Besonders modern ist die Anerkennung von:
• 名言 – Sprache, Diskurs, Begrifflichkeit
• 數術 – Zahlen, Systeme, Ordnung, Technik

Das betrifft heute direkt:
• Lehrende
• Juristen
• Ingenieure
• Entwickler
• Analysten
• Verwaltungs- und Systemberufe

Das Sutra sagt:

Strukturieren ist kein Gegensatz zu Erwachen,
solange Struktur nicht für Wirklichkeit gehalten wird.

Ethisch bedeutet das:
• Klarheit statt Ideologie
• Funktion statt Selbstbild
• Verantwortung statt Moralpose



4. Geschlecht und Rolle

Die parallele Nennung von Bhikshu und Bhikshuni ist ethisch hoch relevant.

Sie bedeutet nicht:

Männer und Frauen sind gleich.

Sondern:

Der ursprüngliche Grund
erscheint unabhängig von Geschlecht,
aber angemessen zur Situation.

Übertragen:
• Gleichwertigkeit ≠ Gleichmacherei
• Unterschiedlichkeit ≠ Hierarchie

Ethisch heißt das heute:

Rolle folgt Bedarf,
nicht Identitätsanspruch.



5. Keine spirituelle Flucht

Ein zentrales Missverständnis moderner Spiritualität ist:

Rückzug = Tiefe

Guanyin zeigt:

Tiefe zeigt sich dort,
wo Verantwortung getragen wird
ohne Selbstverhärtung.

Ethisch heißt das:
• Arbeit ist Übungsfeld
• Konflikt ist Spiegel
• Entscheidung ist Ort der Klarheit

Nicht weniger Welt,
sondern weniger Ich im Weltlichen.



6. Die stille Leitfrage für heutige Praxis

Aus diesem Abschnitt lässt sich eine nicht-moralisierende Leitfrage ableiten:

Wird diese Rolle
vom Geist verteidigt
oder
vom ursprünglichen Grund getragen?

Diese Frage ist präziser als jede Berufsethik.

Denn sie fragt nicht nach Normen,
sondern nach Quelle.



7. Konsequenz für heutige Ethik

Das Śūraṅgama liefert keine Werteethik,
sondern eine Quellenethik.
• Nicht richtig handeln
• sondern nicht aus Verblendung handeln

Guanyins Vielgestalt ist kein Idealbild,
sondern ein Spiegel:

Dort, wo kein Selbst festhält,
wird jede Rolle zum Tor.
中文原文
若諸眾生愛主族姓,世間推讓;我於彼前,現長者身而為說法,令其成就。若諸眾生愛談名言,清淨[2]自居;我於彼前,現居士身而為說法,令其成就。若諸眾生愛治國土,剖斷邦邑;我於彼前,現宰官身而為說法,令其成就。若諸眾生愛諸數術,攝衛自居;我於彼前,現婆羅門身而為說法,令其成就。若有男子好學出家,持諸戒律;我於彼前,現比丘身而為說法,令其成就。若有女[3]子好學出家,持諸禁戒;我於彼前,現比丘尼身而為說法,令其成就。
Deutsch
Avalokiteśvara erklärte:

„Wenn Lebewesen
Wert darauf legen,
eine Sippe oder Familie anzuführen
und gesellschaftliche Anerkennung zu erfahren,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines angesehenen Ältesten
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen
Freude an Sprache, Begriffen und Benennungen haben
und ein Leben kultivierter Zurückgezogenheit führen wollen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Haushälters
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen
Freude daran haben,
Staaten zu lenken
und Verwaltungs- und Rechtsangelegenheiten zu ordnen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Beamten
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen
sich an Rechenkunst, Ritualwissen
und traditionellen Wissenssystemen erfreuen
und dadurch ihr Leben zu ordnen suchen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Brahmanen
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Männer
gern lernen,
das Haus verlassen
und die Ordensdisziplinen bewahren,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Bhikṣu
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Frauen
gern lernen,
das Haus verlassen
und die Gelübde bewahren,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt einer Bhikṣuṇī
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist von besonderer gesellschaftlicher Sprengkraft, weil er genau jene Bereiche umfasst, die oft als „nicht-spirituell genug“ gelten.

1. Soziale Rollen sind keine Hindernisse

Ältester, Haushälter, Beamter, Brahmane, Mönch, Nonne –
keine dieser Rollen wird privilegiert oder abgewertet.

Nicht der Stand entscheidet,
sondern die Durchlässigkeit der Rolle.

2. Sprache, Verwaltung, Wissen als Praxisfelder

Besonders bemerkenswert sind:
• 名言 – Sprache, Benennung, Diskurs
• 數術 – Zahlenkünste, Systeme, Ordnung

Das Sutra anerkennt:

Auch Denken, Strukturieren und Verwalten
können Orte der Reifung sein.

Nicht Rückzug von Welt,
sondern Durchdringung der Welt.

3. Gleichwertigkeit von weiblicher und männlicher Ordination

Die parallele Nennung von Bhikṣu und Bhikṣuṇī ist nicht beiläufig.

Sie zeigt:

Der ursprüngliche Grund
ist nicht geschlechtlich codiert.

Die Erscheinungsform folgt dem Bedarf,
nicht einer ontologischen Rangordnung.

4. Keine Flucht in Askese

Bemerkenswert:
Askese ist eine Möglichkeit unter vielen,
nicht die Krone des Weges.

Der Maßstab ist nicht Entsagung,
sondern Reifung (成就).

5. Moderne Perspektive

Dieser Abschnitt widerspricht:
• spirituellem Elitismus
• Weltverachtung
• Rollenromantik

Er legt nahe:

Jede gesellschaftliche Funktion
kann Ort des Erwachens sein,
wenn sie nicht vom Geist,
sondern vom ursprünglichen Grund getragen ist.
Zeitgenössische Berufs- und Rollenethik im Licht von Guanyins Erscheinungsweisen

Der hier behandelte Abschnitt ist kein Katalog spiritueller Rollen,
sondern eine radikale Entkoppelung von Erwachen und sozialer Funktion.

Guanyin erscheint nicht trotz der Rollen,
sondern in ihnen.

Damit wird eine zentrale Fehlannahme moderner Spiritualität aufgehoben:

Dass Erwachen dort beginne,
wo Rollen enden.

Das Śūraṅgama sagt das Gegenteil.



1. Rolle ≠ Identität

Alle genannten Rollen –
Ältester, Haushälter, Beamter, Brahmane, Mönch, Nonne –
sind Funktionsräume, keine Wesensdefinitionen.

Ethisch bedeutet das heute:
• Beruf ist kein Ausdruck des Selbst
• aber auch kein Hindernis für Erwachen

Problematisch ist nicht die Rolle,
sondern Identifikation.

Wo ich sage: Ich bin das,
verengt sich der ursprüngliche Grund zu Geist.



2. Ethik ohne Moralismus

Auffällig ist:
Guanyin erscheint nicht, um Rollen zu kritisieren,
sondern um sie durchlässig zu machen.

Moderne Übertragung:
• Führung ist kein Makel
• Macht ist kein Fehler
• Einfluss ist kein spirituelles Defizit

Unbewusste Identifikation ist das Problem, nicht Wirkung.

Ethisch heißt das:

Die Frage ist nicht
Was darf ich tun?
sondern
Woraus handle ich?



3. Sprache, Verwaltung, Wissen – rehabilitiert

Besonders modern ist die Anerkennung von:
• 名言 – Sprache, Diskurs, Begrifflichkeit
• 數術 – Zahlen, Systeme, Ordnung, Technik

Das betrifft heute direkt:
• Lehrende
• Juristen
• Ingenieure
• Entwickler
• Analysten
• Verwaltungs- und Systemberufe

Das Sutra sagt:

Strukturieren ist kein Gegensatz zu Erwachen,
solange Struktur nicht für Wirklichkeit gehalten wird.

Ethisch bedeutet das:
• Klarheit statt Ideologie
• Funktion statt Selbstbild
• Verantwortung statt Moralpose



4. Geschlecht und Rolle

Die parallele Nennung von Bhikshu und Bhikshuni ist ethisch hoch relevant.

Sie bedeutet nicht:

Männer und Frauen sind gleich.

Sondern:

Der ursprüngliche Grund
erscheint unabhängig von Geschlecht,
aber angemessen zur Situation.

Übertragen:
• Gleichwertigkeit ≠ Gleichmacherei
• Unterschiedlichkeit ≠ Hierarchie

Ethisch heißt das heute:

Rolle folgt Bedarf,
nicht Identitätsanspruch.



5. Keine spirituelle Flucht

Ein zentrales Missverständnis moderner Spiritualität ist:

Rückzug = Tiefe

Guanyin zeigt:

Tiefe zeigt sich dort,
wo Verantwortung getragen wird
ohne Selbstverhärtung.

Ethisch heißt das:
• Arbeit ist Übungsfeld
• Konflikt ist Spiegel
• Entscheidung ist Ort der Klarheit

Nicht weniger Welt,
sondern weniger Ich im Weltlichen.



6. Die stille Leitfrage für heutige Praxis

Aus diesem Abschnitt lässt sich eine nicht-moralisierende Leitfrage ableiten:

Wird diese Rolle
vom Geist verteidigt
oder
vom ursprünglichen Grund getragen?

Diese Frage ist präziser als jede Berufsethik.

Denn sie fragt nicht nach Normen,
sondern nach Quelle.



7. Konsequenz für heutige Ethik

Das Śūraṅgama liefert keine Werteethik,
sondern eine Quellenethik.
• Nicht richtig handeln
• sondern nicht aus Verblendung handeln

Guanyins Vielgestalt ist kein Idealbild,
sondern ein Spiegel:

Dort, wo kein Selbst festhält,
wird jede Rolle zum Tor.
230 #
若有男子樂持五戒;我於彼前,現優婆塞身而為說法,令其成就。若[1]復女子五戒自居;我於彼前,現優婆夷身而為說法,令其成就。若有女人內政立身,以修家國;我於彼前,現女主身及國夫人、命婦、大家而為說法,令其成就。若有眾生不壞男根;我於彼前,現童男身而為說法,令其成就。若有處女愛樂處身,不求侵暴;我於彼前,現童女身而為說法,令其成就。
Avalokiteśvara erklärte:

„Wenn Männer
Freude daran haben,
die fünf ethischen Grundregeln einzuhalten,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Laienpraktizierenden (Upāsaka)
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Frauen
die fünf ethischen Grundregeln
aus eigener innerer Haltung bewahren,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt einer Laienpraktizierenden (Upāsikā)
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Frauen
ihr Leben im inneren Bereich ordnen
und durch häusliche Verantwortung
Familie und Gemeinwesen fördern,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt einer Herrscherin,
einer Fürstin,
einer ranghohen Hofdame
oder einer angesehenen Hausfrau
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen
die männliche Zeugungskraft bewahren
und nicht schädigen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Knaben
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn junge Frauen
Freude daran haben,
in körperlicher Unversehrtheit zu leben
und keine gewaltsame Annäherung anstreben,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Mädchens
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist außerordentlich fein und wird häufig missverstanden, wenn man ihn moralisch liest.

1. Ethik als Schutz, nicht als Zwang

Die fünf Gebote erscheinen hier nicht als Verzichtsideal,
sondern als stabilisierender Schutzraum.

Sie bewahren nicht „Moral“,
sondern Integrität des Lebensvollzugs.

2. Laienethik ist vollwertiger Weg

Upāsaka und Upāsikā stehen gleichwertig neben Ordensformen.

Der Text macht deutlich:

Erwachen ist nicht an Ordination gebunden,
sondern an Durchlässigkeit des Handelns.

3. Häusliche Verantwortung wird aufgewertet

Besonders bemerkenswert ist die Würdigung von Frauen, die:
• innere Ordnung tragen
• Familie stabilisieren
• Gemeinwesen mittragen

Dies ist keine Reduktion,
sondern eine Anerkennung realer Wirksamkeit.

4. Sexualität als Kraft, nicht als Schuld

Die Aussagen zu Knabe / Mädchen zielen nicht auf Idealisierung von Jugend,
sondern auf Unversehrtheit:
• keine Zerstörung
• keine Gewalt
• keine Instrumentalisierung

Sexuelle Kraft erscheint hier als eine der stärksten Lebensenergien,
die binden oder tragen kann –
und deshalb nicht moralisch verurteilt,
sondern in ihrer Unversehrtheit geschützt wird.

5. Einheit der Linie

Wie in allen vorigen Abschnitten gilt:

Guanyin erscheint nicht,
um Rollen festzuschreiben,
sondern um jede Lebensform
zum Ort der Reifung werden zu lassen.
中文原文
若有男子樂持五戒;我於彼前,現優婆塞身而為說法,令其成就。若[1]復女子五戒自居;我於彼前,現優婆夷身而為說法,令其成就。若有女人內政立身,以修家國;我於彼前,現女主身及國夫人、命婦、大家而為說法,令其成就。若有眾生不壞男根;我於彼前,現童男身而為說法,令其成就。若有處女愛樂處身,不求侵暴;我於彼前,現童女身而為說法,令其成就。
Deutsch
Avalokiteśvara erklärte:

„Wenn Männer
Freude daran haben,
die fünf ethischen Grundregeln einzuhalten,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Laienpraktizierenden (Upāsaka)
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Frauen
die fünf ethischen Grundregeln
aus eigener innerer Haltung bewahren,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt einer Laienpraktizierenden (Upāsikā)
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Frauen
ihr Leben im inneren Bereich ordnen
und durch häusliche Verantwortung
Familie und Gemeinwesen fördern,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt einer Herrscherin,
einer Fürstin,
einer ranghohen Hofdame
oder einer angesehenen Hausfrau
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen
die männliche Zeugungskraft bewahren
und nicht schädigen,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Knaben
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn junge Frauen
Freude daran haben,
in körperlicher Unversehrtheit zu leben
und keine gewaltsame Annäherung anstreben,
erscheine ich vor ihnen
in der Gestalt eines Mädchens
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist außerordentlich fein und wird häufig missverstanden, wenn man ihn moralisch liest.

1. Ethik als Schutz, nicht als Zwang

Die fünf Gebote erscheinen hier nicht als Verzichtsideal,
sondern als stabilisierender Schutzraum.

Sie bewahren nicht „Moral“,
sondern Integrität des Lebensvollzugs.

2. Laienethik ist vollwertiger Weg

Upāsaka und Upāsikā stehen gleichwertig neben Ordensformen.

Der Text macht deutlich:

Erwachen ist nicht an Ordination gebunden,
sondern an Durchlässigkeit des Handelns.

3. Häusliche Verantwortung wird aufgewertet

Besonders bemerkenswert ist die Würdigung von Frauen, die:
• innere Ordnung tragen
• Familie stabilisieren
• Gemeinwesen mittragen

Dies ist keine Reduktion,
sondern eine Anerkennung realer Wirksamkeit.

4. Sexualität als Kraft, nicht als Schuld

Die Aussagen zu Knabe / Mädchen zielen nicht auf Idealisierung von Jugend,
sondern auf Unversehrtheit:
• keine Zerstörung
• keine Gewalt
• keine Instrumentalisierung

Sexuelle Kraft erscheint hier als eine der stärksten Lebensenergien,
die binden oder tragen kann –
und deshalb nicht moralisch verurteilt,
sondern in ihrer Unversehrtheit geschützt wird.

5. Einheit der Linie

Wie in allen vorigen Abschnitten gilt:

Guanyin erscheint nicht,
um Rollen festzuschreiben,
sondern um jede Lebensform
zum Ort der Reifung werden zu lassen.
231 #
若有諸天樂出天倫;我現天身而為說法,令其成就。若有諸龍樂出龍倫;我現龍身而為說法,令其成就。若有藥叉樂度本倫;我於彼前,現藥叉身而為說法,令其成就。若乾闥婆樂脫其倫;我於彼前,現乾闥婆身而為說法,令其成就。若阿修羅樂脫其倫;我於彼前,現阿修羅身而為說法,令其成就。若緊[2]陀羅樂脫其倫;我於彼前,現緊[*]陀羅身而為說法,令其成就。若摩呼羅伽樂脫其倫;我於彼前,現摩呼羅伽身而為說法,令其成就。
若諸眾生樂人修人;我現人身而為說法,令其成就。若諸非人——有形無形、有想無想樂度其倫;我於彼前,皆現其身而為說法,令其成就。是名妙淨三十二應入國土身,皆以三昧聞薰聞修無作妙力自在成就。
Avalokiteśvara erklärte:

„Wenn Götter
den Wunsch haben,
ihre himmlische Existenzform zu überschreiten,
erscheine ich vor ihnen
in göttlicher Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Drachen
den Wunsch haben,
ihre eigene Daseinsordnung zu verlassen,
erscheine ich vor ihnen
in Drachengestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Yakṣas
den Wunsch haben,
ihre eigene Art des Daseins zu überwinden,
erscheine ich vor ihnen
in Yakṣa-Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Gandharvas
ihre eigene Ordnung überschreiten wollen,
erscheine ich vor ihnen
in Gandharva-Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Asuras
ihre eigene Ordnung überschreiten wollen,
erscheine ich vor ihnen
in Asura-Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Kiṃnaras
ihre eigene Ordnung überschreiten wollen,
erscheine ich vor ihnen
in Kiṃnara-Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Mahoragas
ihre eigene Ordnung überschreiten wollen,
erscheine ich vor ihnen
in Mahoraga-Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen
den menschlichen Weg wählen
und als Menschen üben wollen,
erscheine ich vor ihnen
in menschlicher Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn nicht-menschliche Wesen –
gleich ob mit Form oder ohne Form,
mit Wahrnehmung oder ohne Wahrnehmung –
ihre jeweilige Daseinsordnung überschreiten wollen,
erscheine ich vor ihnen
in jeweils angemessener Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Dies wird genannt
die wunderbar reine Dreiunddreißigfach-Erscheinung
des Eintritts in die Welten.

All dies geschieht
aus der Freiheit des Samādhi heraus,
durch die nicht-absichtsvolle, wunderbare Wirksamkeit
des Hörens,
des Durchdringens des Hörens
und der Übung des Hörens.“
Kommentar öffnen
Dieser Schlussabschnitt ist der universelle Horizont der Guanyin-Lehre.

1. „倫“ – Ordnung, nicht Schuld

Das Wort 倫 meint Zugehörigkeitsordnung, nicht moralische Schuld.

Guanyin hilft nicht,
weil jemand gefallen ist,
sondern weil jemand reif ist,
seine Ordnung zu überschreiten.

2. Kein privilegiertes Dasein

Götter, Drachen, Menschen, Nicht-Menschen –
keine Existenzform wird absolut gesetzt.

Jede Ordnung ist bedingt.
Keine ist endgültig.

3. Überschreiten ≠ Verneinen

Das Verlassen der Ordnung bedeutet nicht:
• Verachtung
• Ablehnung
• Flucht

sondern:

Nicht mehr darin eingeschlossen sein.

4. Menschsein als Praxis

Bemerkenswert:
Der Mensch erscheint nicht als Ziel,
sondern als bewusster Übungsweg.

Menschsein ist hier:

reflektierte Durchlässigkeit,
nicht ontologische Krone.

5. Die endgültige Zusammenfassung

Der Text schließt nicht mit einer Person,
sondern mit einer Kraftbeschreibung:
• nicht-gemacht (無作)
• wunderbare Wirksamkeit
• aus Samādhi
• durch Hören

Das heißt:

Guanyin handelt nicht,
weil sie will,
sondern weil nichts mehr im Weg steht.
中文原文
若有諸天樂出天倫;我現天身而為說法,令其成就。若有諸龍樂出龍倫;我現龍身而為說法,令其成就。若有藥叉樂度本倫;我於彼前,現藥叉身而為說法,令其成就。若乾闥婆樂脫其倫;我於彼前,現乾闥婆身而為說法,令其成就。若阿修羅樂脫其倫;我於彼前,現阿修羅身而為說法,令其成就。若緊[2]陀羅樂脫其倫;我於彼前,現緊[*]陀羅身而為說法,令其成就。若摩呼羅伽樂脫其倫;我於彼前,現摩呼羅伽身而為說法,令其成就。
若諸眾生樂人修人;我現人身而為說法,令其成就。若諸非人——有形無形、有想無想樂度其倫;我於彼前,皆現其身而為說法,令其成就。是名妙淨三十二應入國土身,皆以三昧聞薰聞修無作妙力自在成就。
Deutsch
Avalokiteśvara erklärte:

„Wenn Götter
den Wunsch haben,
ihre himmlische Existenzform zu überschreiten,
erscheine ich vor ihnen
in göttlicher Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Drachen
den Wunsch haben,
ihre eigene Daseinsordnung zu verlassen,
erscheine ich vor ihnen
in Drachengestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Yakṣas
den Wunsch haben,
ihre eigene Art des Daseins zu überwinden,
erscheine ich vor ihnen
in Yakṣa-Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Gandharvas
ihre eigene Ordnung überschreiten wollen,
erscheine ich vor ihnen
in Gandharva-Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Asuras
ihre eigene Ordnung überschreiten wollen,
erscheine ich vor ihnen
in Asura-Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Kiṃnaras
ihre eigene Ordnung überschreiten wollen,
erscheine ich vor ihnen
in Kiṃnara-Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Mahoragas
ihre eigene Ordnung überschreiten wollen,
erscheine ich vor ihnen
in Mahoraga-Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn Lebewesen
den menschlichen Weg wählen
und als Menschen üben wollen,
erscheine ich vor ihnen
in menschlicher Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Wenn nicht-menschliche Wesen –
gleich ob mit Form oder ohne Form,
mit Wahrnehmung oder ohne Wahrnehmung –
ihre jeweilige Daseinsordnung überschreiten wollen,
erscheine ich vor ihnen
in jeweils angemessener Gestalt
und lehre das Dharma,
damit sie diese Verwirklichung erreichen.

Dies wird genannt
die wunderbar reine Dreiunddreißigfach-Erscheinung
des Eintritts in die Welten.

All dies geschieht
aus der Freiheit des Samādhi heraus,
durch die nicht-absichtsvolle, wunderbare Wirksamkeit
des Hörens,
des Durchdringens des Hörens
und der Übung des Hörens.“
Kommentar
Dieser Schlussabschnitt ist der universelle Horizont der Guanyin-Lehre.

1. „倫“ – Ordnung, nicht Schuld

Das Wort 倫 meint Zugehörigkeitsordnung, nicht moralische Schuld.

Guanyin hilft nicht,
weil jemand gefallen ist,
sondern weil jemand reif ist,
seine Ordnung zu überschreiten.

2. Kein privilegiertes Dasein

Götter, Drachen, Menschen, Nicht-Menschen –
keine Existenzform wird absolut gesetzt.

Jede Ordnung ist bedingt.
Keine ist endgültig.

3. Überschreiten ≠ Verneinen

Das Verlassen der Ordnung bedeutet nicht:
• Verachtung
• Ablehnung
• Flucht

sondern:

Nicht mehr darin eingeschlossen sein.

4. Menschsein als Praxis

Bemerkenswert:
Der Mensch erscheint nicht als Ziel,
sondern als bewusster Übungsweg.

Menschsein ist hier:

reflektierte Durchlässigkeit,
nicht ontologische Krone.

5. Die endgültige Zusammenfassung

Der Text schließt nicht mit einer Person,
sondern mit einer Kraftbeschreibung:
• nicht-gemacht (無作)
• wunderbare Wirksamkeit
• aus Samādhi
• durch Hören

Das heißt:

Guanyin handelt nicht,
weil sie will,
sondern weil nichts mehr im Weg steht.
232 #
「世尊!我復以此聞薰聞修金剛三昧無作妙力,與諸十方三世六道一切眾生同悲仰故,令諸眾生於我身心獲十四種無畏功德:一者、由我不自觀音以觀觀者,令彼十方苦惱眾生觀其音聲即得解脫。二者、知見旋復,令諸眾生設入大火火不能燒。三者、觀聽旋復,令諸眾生大水所漂水不能溺。四者、斷滅妄想心無殺害,令諸眾生入諸鬼國鬼不能害。五者、薰聞成聞,六根銷復同於聲聽,能令眾生臨當被害刀段段壞,使其兵戈猶如割水,亦如吹光,性無搖動。
Avalokiteśvara erklärte:

„Weltverehrter!
Aufgrund dieser Praxis
des vom Hören genährten Hörens
und der Übung des Hörens
im diamantgleichen Samādhi
habe ich eine wunderbare Wirksamkeit erlangt,
die nicht aus absichtlichem Tun hervorgeht.

Da ich mit allen Wesen
der zehn Richtungen,
der drei Zeiten
und der sechs Existenzbereiche
eine gemeinsame mitfühlende Ausrichtung teile,
ermögliche ich es ihnen,
durch mein Wirken
vierzehn Arten furchtloser Verdienste zu erlangen.

Erstens:
Da ich nicht mich selbst
als hörbares Objekt fixiere,
sondern das Hören
auf den Hörenden selbst zurückführe,
können leidende Wesen
der zehn Richtungen
allein durch das Wahrnehmen meines Klanges
unmittelbar Befreiung erfahren.

Zweitens:
Durch die Rückwendung von Erkenntnis und Wahrnehmung
können Wesen,
selbst wenn sie in lodernde Feuer geraten,
nicht vom Feuer verbrannt werden.

Drittens:
Durch die Rückwendung von Sehen und Hören
können Wesen,
selbst wenn sie von reißenden Wassern fortgerissen werden,
nicht ertränkt werden.

Viertens:
Weil trügerische Vorstellungen erloschen sind
und der Geist frei von Tötungsimpulsen ist,
können Wesen,
selbst wenn sie in Dämonenreiche gelangen,
nicht von Dämonen verletzt werden.

Fünftens:
Wenn das vom Hören genährte Hören
zu reinem Hören wird
und die sechs Sinnesgrundlagen sich auflösen
und im Hören vereinigt sind,
können Wesen,
selbst wenn sie unmittelbar getötet werden sollen,
erfahren,
dass Messer zerbrechen
und Waffen wirkungslos werden –
wie beim Schneiden von Wasser
oder beim Blasen gegen Licht,
ihrer Natur nach unbeweglich.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von Erscheinungsformen zu Wirkkräften.

1. „無畏“ – Furchtlosigkeit ist kein Mut

Die vierzehn „Furchtlosigkeiten“ sind keine heroischen Kräfte.
Sie entstehen nicht aus Wille, sondern aus Abwesenheit von Verstrickung.

Wo nichts festgehalten wird,
kann nichts bedroht werden.

2. Rückwendung statt Schutzzauber

Alle Wirkungen beruhen auf einem Prinzip:
• 旋復 – Rückwendung

Nicht Abwehr,
nicht Kampf,
nicht Kontrolle,
sondern Umkehr der Wahrnehmungsrichtung.

Gefahr verliert ihre Macht,
wenn sie nicht mehr als absolut gesetzt wird.

3. Feuer, Wasser, Waffen – Symbolik

Diese Bilder sind nicht primär physisch zu lesen:
• Feuer → Affekt, Wut, Überwältigung
• Wasser → Verlust, Strömung, Auflösung
• Dämonen → Projektionen des eigenen Geistes
• Waffen → verletzende Zuschreibungen

Das Sutra beschreibt ontologische Unverletzbarkeit,
nicht magische Immunität.

4. Warum Waffen „wie Wasser schneiden“

Der Vergleich ist entscheidend:
• Wasser kann nicht verletzt werden
• Licht kann nicht zerschnitten werden

Das zeigt:

Was nicht als festes Selbst erscheint,
ist nicht angreifbar.

5. Mitgefühl ohne Person

Die vierzehn Wirkkräfte entstehen nicht,
weil Guanyin eingreift,
sondern weil nichts mehr da ist,
was getrennt wäre.

Mitgefühl ist hier
kein Tun,
sondern Resonanz.
中文原文
「世尊!我復以此聞薰聞修金剛三昧無作妙力,與諸十方三世六道一切眾生同悲仰故,令諸眾生於我身心獲十四種無畏功德:一者、由我不自觀音以觀觀者,令彼十方苦惱眾生觀其音聲即得解脫。二者、知見旋復,令諸眾生設入大火火不能燒。三者、觀聽旋復,令諸眾生大水所漂水不能溺。四者、斷滅妄想心無殺害,令諸眾生入諸鬼國鬼不能害。五者、薰聞成聞,六根銷復同於聲聽,能令眾生臨當被害刀段段壞,使其兵戈猶如割水,亦如吹光,性無搖動。
Deutsch
Avalokiteśvara erklärte:

„Weltverehrter!
Aufgrund dieser Praxis
des vom Hören genährten Hörens
und der Übung des Hörens
im diamantgleichen Samādhi
habe ich eine wunderbare Wirksamkeit erlangt,
die nicht aus absichtlichem Tun hervorgeht.

Da ich mit allen Wesen
der zehn Richtungen,
der drei Zeiten
und der sechs Existenzbereiche
eine gemeinsame mitfühlende Ausrichtung teile,
ermögliche ich es ihnen,
durch mein Wirken
vierzehn Arten furchtloser Verdienste zu erlangen.

Erstens:
Da ich nicht mich selbst
als hörbares Objekt fixiere,
sondern das Hören
auf den Hörenden selbst zurückführe,
können leidende Wesen
der zehn Richtungen
allein durch das Wahrnehmen meines Klanges
unmittelbar Befreiung erfahren.

Zweitens:
Durch die Rückwendung von Erkenntnis und Wahrnehmung
können Wesen,
selbst wenn sie in lodernde Feuer geraten,
nicht vom Feuer verbrannt werden.

Drittens:
Durch die Rückwendung von Sehen und Hören
können Wesen,
selbst wenn sie von reißenden Wassern fortgerissen werden,
nicht ertränkt werden.

Viertens:
Weil trügerische Vorstellungen erloschen sind
und der Geist frei von Tötungsimpulsen ist,
können Wesen,
selbst wenn sie in Dämonenreiche gelangen,
nicht von Dämonen verletzt werden.

Fünftens:
Wenn das vom Hören genährte Hören
zu reinem Hören wird
und die sechs Sinnesgrundlagen sich auflösen
und im Hören vereinigt sind,
können Wesen,
selbst wenn sie unmittelbar getötet werden sollen,
erfahren,
dass Messer zerbrechen
und Waffen wirkungslos werden –
wie beim Schneiden von Wasser
oder beim Blasen gegen Licht,
ihrer Natur nach unbeweglich.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von Erscheinungsformen zu Wirkkräften.

1. „無畏“ – Furchtlosigkeit ist kein Mut

Die vierzehn „Furchtlosigkeiten“ sind keine heroischen Kräfte.
Sie entstehen nicht aus Wille, sondern aus Abwesenheit von Verstrickung.

Wo nichts festgehalten wird,
kann nichts bedroht werden.

2. Rückwendung statt Schutzzauber

Alle Wirkungen beruhen auf einem Prinzip:
• 旋復 – Rückwendung

Nicht Abwehr,
nicht Kampf,
nicht Kontrolle,
sondern Umkehr der Wahrnehmungsrichtung.

Gefahr verliert ihre Macht,
wenn sie nicht mehr als absolut gesetzt wird.

3. Feuer, Wasser, Waffen – Symbolik

Diese Bilder sind nicht primär physisch zu lesen:
• Feuer → Affekt, Wut, Überwältigung
• Wasser → Verlust, Strömung, Auflösung
• Dämonen → Projektionen des eigenen Geistes
• Waffen → verletzende Zuschreibungen

Das Sutra beschreibt ontologische Unverletzbarkeit,
nicht magische Immunität.

4. Warum Waffen „wie Wasser schneiden“

Der Vergleich ist entscheidend:
• Wasser kann nicht verletzt werden
• Licht kann nicht zerschnitten werden

Das zeigt:

Was nicht als festes Selbst erscheint,
ist nicht angreifbar.

5. Mitgefühl ohne Person

Die vierzehn Wirkkräfte entstehen nicht,
weil Guanyin eingreift,
sondern weil nichts mehr da ist,
was getrennt wäre.

Mitgefühl ist hier
kein Tun,
sondern Resonanz.
233 #
六者、聞薰精明明遍法界,則諸幽暗性不能全,能令眾生藥叉、羅剎、鳩槃[3]茶鬼及毘舍遮、富單那等,雖近其傍目不能視。七者、音性圓銷,觀聽返入離諸塵妄,能令眾生禁繫枷鎖所不能著。八者、滅音圓聞遍生慈力,能令眾生經過嶮路賊不能劫。九者、薰聞離塵色所不劫,能令一切多婬眾生遠離貪欲。十者、純音無塵,根境圓融無對所對,能令一切忿恨眾生離諸嗔恚。
Avalokiteśvara erklärte:

„Sechstens:
Wenn das durch Hören genährte Hören
zu vollkommener Klarheit gereift ist
und diese Klarheit das gesamte Wirklichkeitsfeld durchdringt,
verlieren dunkle und verborgene Kräfte
ihre vollständige Wirksamkeit.
So wird bewirkt,
dass Yakṣas, Rākṣasas,
Kumbhāṇḍas, Piśācas,
Pūtanas und ähnliche Wesen
selbst in unmittelbarer Nähe
nicht wahrnehmen können.

Siebtens:
Wenn die Klangnatur vollständig erlischt
und Sehen und Hören
nach innen zurückkehren
und sich von allen trügerischen Sinnesobjekten lösen,
können Fesseln, Ketten und Haft
die Wesen nicht binden.

Achtens:
Wenn der Klang erloschen
und das vollkommene Hören
eine allumfassende Kraft des Mitgefühls entfaltet,
können Wesen,
auch wenn sie gefährliche Wege durchqueren,
nicht von Räubern überfallen werden.

Neuntens:
Wenn das vom Hören genährte Hören
frei von den Staubobjekten der Form ist,
können Wesen,
die von starker sexueller Begierde geprägt sind,
Gier und Anhaftung hinter sich lassen.

Zehntens:
Wenn der Klang vollkommen rein
und frei von Staub ist
und Sinnesorgan und Sinnesobjekt
vollständig ineinander aufgehen
ohne Gegensetzung,
können Wesen,
die von Hass und Groll erfüllt sind,
sich von allen Formen des Zorns lösen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vertieft die nicht-defensive Schutzlogik der Guanyin-Kräfte.



6. „Dunkle Wesen können nicht sehen“

Das bedeutet nicht Unsichtbarkeit im physischen Sinn,
sondern:

Projektionen verlieren ihre Andockfläche.

„Dämonen“ sind hier:
• Angstbilder
• unbewusste Triebe
• fremde Zuschreibungen
• destruktive Dynamiken

Wo Klarheit alles durchdringt,
finden sie keinen Halt.



7. Fesseln können nicht binden

Entscheidend ist:

Bindung wirkt nur dort,
wo Identifikation greift.

Wenn Wahrnehmung nicht mehr nach außen greift,
verliert auch äußere Einschränkung
ihre absolute Macht.

Das ist innere Freiheit,
nicht politische Naivität.



8. Räuber können nicht rauben

Räuber symbolisieren:
• Verlustangst
• Bedrohung
• unvorhersehbare Gewalt

Der Text sagt nicht:

Es gibt keine Gefahr,

sondern:

Gefahr verliert ihre existenzielle Durchschlagskraft.



9. Begierde löst sich von selbst

Hier wird ausdrücklich nicht von Unterdrückung gesprochen.

Begierde erlischt,

wenn das Objekt
nicht mehr als Quelle von Erfüllung erscheint.

Das ist Erkenntnis,
keine Disziplinmaßnahme.



10. Hass verliert sein Objekt

Hass braucht ein Gegenüber.

Wenn Sinn und Objekt
nicht mehr gegeneinander stehen,
kann sich Hass nicht stabilisieren.

Das ist eine präzise psychologische Einsicht,
keine moralische Forderung.



Gemeinsames Prinzip (6–10)

Alle fünf Wirkkräfte folgen einem einzigen Gesetz:

Wo kein festes Gegenüber ist,
findet Gewalt keinen Ansatzpunkt.

Nicht Abwehr schützt,
sondern Nicht-Verhärtung.


Exkurs: Die „dämonischen Wesen“ im Śūraṅgama

(ontologisch, psychologisch, zeitgemäß gelesen)

1. Vorbemerkung: Keine Dämonologie

Das Śūraṅgama betreibt keine Lehre über fremde Wesen,
sondern eine Analyse von Wirkkräften, die Bindung erzeugen.

Die sogenannten dämonischen Wesen sind keine Gegner,
sondern Ausdrucksformen von Verblendung,
die nur dort wirksam sind, wo etwas anhaftet.

Dämonen sind keine Mächte –
sie sind Beziehungen.



2. Was diese Wesen gemeinsam haben

Allen genannten Wesen ist gemeinsam:
• sie wirken nicht direkt
• sie benötigen Andockflächen
• sie leben von Unklarheit, Angst, Begehren oder Projektion

Das Sutra sagt nicht:

„Sie existieren nicht“

sondern:

„Sie haben keine eigene Wirksamkeit“



3. Die Grundformel

Im Text heißt es wiederholt sinngemäß:

Sie sind nahe,
aber sie können nicht sehen.

Das ist entscheidend.

Nicht Verdrängung,
nicht Vertreibung,
sondern Nicht-Erkennbarkeit.

Was keine Resonanz findet,
existiert funktional nicht.



4. Die einzelnen Wesen – funktional gelesen

Yakṣas / Rākṣasas

(aggressive, raubende Kräfte)

Sie stehen für:
• rohe Impulse
• unreflektierte Gewalt
• Machtfantasien
• Zwangsdynamiken

Sie wirken dort,

wo das Selbst sich bedroht fühlt
und in Abwehr geht.



Kumbhāṇḍas / Piśācas

(verzerrende, nährende Schattenkräfte)

Sie stehen für:
• Obsessionen
• Abhängigkeiten
• zwanghafte Muster
• selbstschädigende Gewohnheiten

Sie nähren sich von:

unbewusster Wiederholung.



Pūtanas u. ä.

(verderbende Einflüsse)

Sie stehen für:
• subtile Selbstvergiftung
• destruktive Narrative
• Schuld- und Schamkreisläufe

Sie wirken nicht durch Angriff,
sondern durch Erosion.



5. Warum sie „nicht sehen können“

Der Text sagt:

Wenn Klarheit das Dharmafeld durchdringt,
können sie nicht sehen.

Das bedeutet:
• keine Identifikation → kein Zugriff
• kein festes Selbst → kein Ziel
• kein Gegenüber → keine Beziehung

Dämonen sehen nicht die Welt,
sie sehen nur Anhaftung.

Wo nichts haftet,
gibt es nichts zu sehen.



6. Keine Bekämpfung – sondern Austrocknung

Das Śūraṅgama empfiehlt keine Abwehrstrategie.

Denn:
• Abwehr bindet
• Kampf bestätigt
• Angst belebt

Stattdessen:

Rückwendung des Hörens
→ Auflösung der Andockfläche

Das ist subtiler –
und radikaler.



7. Moderne Übersetzung in Alltagssprache

Heute würden wir sagen:

Destruktive Dynamiken verlieren ihre Macht,
wenn sie nicht mehr
durch Identifikation genährt werden.

Oder noch klarer:

Was ich nicht mehr bin,
kann mich nicht mehr angreifen.



8. Der tiefere Sinn der „Furchtlosigkeit“

Die Furchtlosigkeit Guanyins ist nicht:
• Mut
• Härte
• Unverwundbarkeit

sondern:

Abwesenheit von Angriffsfläche.



9. Warum das wichtig ist (auch ethisch)

Diese Sicht verhindert zwei Extreme:
• naiven Rationalismus
(„Das ist alles Unsinn“)
• magischen Dualismus
(„Ich bin bedroht“)

Stattdessen:

Klare Wahrnehmung
ohne Projektion.



10. Kurzverdichtung

Dämonen sind keine Mächte,
sondern Resonanzen.

Wo nichts haftet,
finden sie keinen Ort.

Schutz entsteht nicht durch Abwehr,
sondern durch Klarheit.
中文原文
六者、聞薰精明明遍法界,則諸幽暗性不能全,能令眾生藥叉、羅剎、鳩槃[3]茶鬼及毘舍遮、富單那等,雖近其傍目不能視。七者、音性圓銷,觀聽返入離諸塵妄,能令眾生禁繫枷鎖所不能著。八者、滅音圓聞遍生慈力,能令眾生經過嶮路賊不能劫。九者、薰聞離塵色所不劫,能令一切多婬眾生遠離貪欲。十者、純音無塵,根境圓融無對所對,能令一切忿恨眾生離諸嗔恚。
Deutsch
Avalokiteśvara erklärte:

„Sechstens:
Wenn das durch Hören genährte Hören
zu vollkommener Klarheit gereift ist
und diese Klarheit das gesamte Wirklichkeitsfeld durchdringt,
verlieren dunkle und verborgene Kräfte
ihre vollständige Wirksamkeit.
So wird bewirkt,
dass Yakṣas, Rākṣasas,
Kumbhāṇḍas, Piśācas,
Pūtanas und ähnliche Wesen
selbst in unmittelbarer Nähe
nicht wahrnehmen können.

Siebtens:
Wenn die Klangnatur vollständig erlischt
und Sehen und Hören
nach innen zurückkehren
und sich von allen trügerischen Sinnesobjekten lösen,
können Fesseln, Ketten und Haft
die Wesen nicht binden.

Achtens:
Wenn der Klang erloschen
und das vollkommene Hören
eine allumfassende Kraft des Mitgefühls entfaltet,
können Wesen,
auch wenn sie gefährliche Wege durchqueren,
nicht von Räubern überfallen werden.

Neuntens:
Wenn das vom Hören genährte Hören
frei von den Staubobjekten der Form ist,
können Wesen,
die von starker sexueller Begierde geprägt sind,
Gier und Anhaftung hinter sich lassen.

Zehntens:
Wenn der Klang vollkommen rein
und frei von Staub ist
und Sinnesorgan und Sinnesobjekt
vollständig ineinander aufgehen
ohne Gegensetzung,
können Wesen,
die von Hass und Groll erfüllt sind,
sich von allen Formen des Zorns lösen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vertieft die nicht-defensive Schutzlogik der Guanyin-Kräfte.



6. „Dunkle Wesen können nicht sehen“

Das bedeutet nicht Unsichtbarkeit im physischen Sinn,
sondern:

Projektionen verlieren ihre Andockfläche.

„Dämonen“ sind hier:
• Angstbilder
• unbewusste Triebe
• fremde Zuschreibungen
• destruktive Dynamiken

Wo Klarheit alles durchdringt,
finden sie keinen Halt.



7. Fesseln können nicht binden

Entscheidend ist:

Bindung wirkt nur dort,
wo Identifikation greift.

Wenn Wahrnehmung nicht mehr nach außen greift,
verliert auch äußere Einschränkung
ihre absolute Macht.

Das ist innere Freiheit,
nicht politische Naivität.



8. Räuber können nicht rauben

Räuber symbolisieren:
• Verlustangst
• Bedrohung
• unvorhersehbare Gewalt

Der Text sagt nicht:

Es gibt keine Gefahr,

sondern:

Gefahr verliert ihre existenzielle Durchschlagskraft.



9. Begierde löst sich von selbst

Hier wird ausdrücklich nicht von Unterdrückung gesprochen.

Begierde erlischt,

wenn das Objekt
nicht mehr als Quelle von Erfüllung erscheint.

Das ist Erkenntnis,
keine Disziplinmaßnahme.



10. Hass verliert sein Objekt

Hass braucht ein Gegenüber.

Wenn Sinn und Objekt
nicht mehr gegeneinander stehen,
kann sich Hass nicht stabilisieren.

Das ist eine präzise psychologische Einsicht,
keine moralische Forderung.



Gemeinsames Prinzip (6–10)

Alle fünf Wirkkräfte folgen einem einzigen Gesetz:

Wo kein festes Gegenüber ist,
findet Gewalt keinen Ansatzpunkt.

Nicht Abwehr schützt,
sondern Nicht-Verhärtung.


Exkurs: Die „dämonischen Wesen“ im Śūraṅgama

(ontologisch, psychologisch, zeitgemäß gelesen)

1. Vorbemerkung: Keine Dämonologie

Das Śūraṅgama betreibt keine Lehre über fremde Wesen,
sondern eine Analyse von Wirkkräften, die Bindung erzeugen.

Die sogenannten dämonischen Wesen sind keine Gegner,
sondern Ausdrucksformen von Verblendung,
die nur dort wirksam sind, wo etwas anhaftet.

Dämonen sind keine Mächte –
sie sind Beziehungen.



2. Was diese Wesen gemeinsam haben

Allen genannten Wesen ist gemeinsam:
• sie wirken nicht direkt
• sie benötigen Andockflächen
• sie leben von Unklarheit, Angst, Begehren oder Projektion

Das Sutra sagt nicht:

„Sie existieren nicht“

sondern:

„Sie haben keine eigene Wirksamkeit“



3. Die Grundformel

Im Text heißt es wiederholt sinngemäß:

Sie sind nahe,
aber sie können nicht sehen.

Das ist entscheidend.

Nicht Verdrängung,
nicht Vertreibung,
sondern Nicht-Erkennbarkeit.

Was keine Resonanz findet,
existiert funktional nicht.



4. Die einzelnen Wesen – funktional gelesen

Yakṣas / Rākṣasas

(aggressive, raubende Kräfte)

Sie stehen für:
• rohe Impulse
• unreflektierte Gewalt
• Machtfantasien
• Zwangsdynamiken

Sie wirken dort,

wo das Selbst sich bedroht fühlt
und in Abwehr geht.



Kumbhāṇḍas / Piśācas

(verzerrende, nährende Schattenkräfte)

Sie stehen für:
• Obsessionen
• Abhängigkeiten
• zwanghafte Muster
• selbstschädigende Gewohnheiten

Sie nähren sich von:

unbewusster Wiederholung.



Pūtanas u. ä.

(verderbende Einflüsse)

Sie stehen für:
• subtile Selbstvergiftung
• destruktive Narrative
• Schuld- und Schamkreisläufe

Sie wirken nicht durch Angriff,
sondern durch Erosion.



5. Warum sie „nicht sehen können“

Der Text sagt:

Wenn Klarheit das Dharmafeld durchdringt,
können sie nicht sehen.

Das bedeutet:
• keine Identifikation → kein Zugriff
• kein festes Selbst → kein Ziel
• kein Gegenüber → keine Beziehung

Dämonen sehen nicht die Welt,
sie sehen nur Anhaftung.

Wo nichts haftet,
gibt es nichts zu sehen.



6. Keine Bekämpfung – sondern Austrocknung

Das Śūraṅgama empfiehlt keine Abwehrstrategie.

Denn:
• Abwehr bindet
• Kampf bestätigt
• Angst belebt

Stattdessen:

Rückwendung des Hörens
→ Auflösung der Andockfläche

Das ist subtiler –
und radikaler.



7. Moderne Übersetzung in Alltagssprache

Heute würden wir sagen:

Destruktive Dynamiken verlieren ihre Macht,
wenn sie nicht mehr
durch Identifikation genährt werden.

Oder noch klarer:

Was ich nicht mehr bin,
kann mich nicht mehr angreifen.



8. Der tiefere Sinn der „Furchtlosigkeit“

Die Furchtlosigkeit Guanyins ist nicht:
• Mut
• Härte
• Unverwundbarkeit

sondern:

Abwesenheit von Angriffsfläche.



9. Warum das wichtig ist (auch ethisch)

Diese Sicht verhindert zwei Extreme:
• naiven Rationalismus
(„Das ist alles Unsinn“)
• magischen Dualismus
(„Ich bin bedroht“)

Stattdessen:

Klare Wahrnehmung
ohne Projektion.



10. Kurzverdichtung

Dämonen sind keine Mächte,
sondern Resonanzen.

Wo nichts haftet,
finden sie keinen Ort.

Schutz entsteht nicht durch Abwehr,
sondern durch Klarheit.
234 #
十一者、銷塵旋明,法界身心猶如瑠璃朗徹無礙,能令一切昏鈍性障諸阿顛迦,永離癡暗。十二者、融形復聞,不動道場涉入世間不壞世界,能遍十方供養微塵諸佛如來,各各佛邊為法王子;能令法界無子眾生欲求男者,誕生福德智慧之男。十三者、六根圓通明照無二,含十方界,立大圓鏡空如來藏,承順十方微塵如來祕密法門受領無失;能令法界無子眾生欲求女者,誕生端正福德柔順眾人愛敬有相之女。
Avalokiteśvara erklärte:

„Elftens:
Wenn sinnliche Staubobjekte erloschen sind
und Klarheit sich zurückwendet,
werden Körper und Geist im gesamten Dharmafeld
klar und durchscheinend
wie Lapislazuli,
frei von jeder Blockade.
So können Wesen,
deren Natur träge und verdunkelt ist
und die durch Unwissenheit behindert sind,
dauerhaft aus Verblendung
und geistiger Dunkelheit herausgelöst werden.

Zwölftens:
Wenn Form aufgegeben
und das Hören zurückgeführt wird,
bleibt der Ort der Übung unbewegt
und kann dennoch in die Welt eintreten,
ohne sie zu zerstören.
So kann ich in allen zehn Richtungen
allen Buddhas,
so zahlreich wie Staubteilchen,
Darbringungen erweisen
und bei jedem Buddha
als Sohn des Dharma-Königs wirken.

Zugleich bewirkt diese Kraft,
dass Wesen ohne Nachkommen,
die sich einen Sohn wünschen,
einen Sohn mit Verdienst
und Weisheit empfangen.

Dreizehntens:
Wenn die sechs Sinnesgrundlagen
vollkommen durchdrungen sind
und Klarheit ohne Zweiheit erstrahlt,
umfassen sie die zehn Richtungen
und errichten den großen, runden Spiegel
des leeren Tathāgata-Speichers.
So vermag ich die geheimen Dharma-Lehren
aller Buddhas der zehn Richtungen,
so zahlreich wie Staubteilchen,
anzunehmen, zu tragen
und ohne Verlust weiterzugeben.

Zugleich bewirkt diese Kraft,
dass Wesen ohne Nachkommen,
die sich eine Tochter wünschen,
eine Tochter von schöner Erscheinung,
mit Verdienst, Weisheit und Sanftmut empfangen,
die von allen geachtet und geliebt wird.“
Kommentar öffnen
Diese drei Wirkkräfte markieren eine weitere Vertiefungsstufe:
den Übergang von Schutz zu Fruchtbarkeit, Weitergabe und Durchlässigkeit.



11. Auflösung geistiger Dumpfheit

„昏鈍性障“ bezeichnet keine Dummheit,
sondern trübe Verdichtung des Bewusstseins.

Die Metapher von Lapislazuli zeigt:

Klarheit ist kein aggressives Licht,
sondern durchscheinende Ruhe.

Unwissenheit wird nicht bekämpft,
sondern transparent.



12. Unbewegtes Wirken in der Welt

Hier erscheint ein zentrales Mahayana-Motiv:

In der Welt sein,
ohne die Welt zu beschädigen.

Der „unbewegte Übungsort“
ist kein Rückzug,
sondern innere Ortslosigkeit.

Die Aussage zu „Söhnen“ ist symbolisch zu lesen:
• Weitergabe von Weisheit
• Fruchtbarkeit des Wirkens
• Kontinuität des Dharma



13. Der große Spiegel des Tathāgata-Speichers

Hier kulminiert die Lehre:
• sechs Sinne
• zehn Richtungen
• ein Spiegel

Nicht Sammlung von Wissen,
sondern resonante Aufnahme.

Die „Töchter“-Symbolik steht für:
• Sanftmut
• Empfänglichkeit
• Beziehungsfähigkeit

Beide – Sohn und Tochter –
sind gleichwertige Ausdrucksformen
der Fruchtbarkeit des ursprünglichen Grundes.



Gemeinsame Linie (11–13)

Diese Wirkkräfte zeigen:

Erwachen ist nicht steril.

Es wird fruchtbar –
im Erkennen,
im Wirken,
im Weitergeben.

Exkurs: „Kinder“ im Śūraṅgama

(Symbolik, Ethik, zeitgemäßes Verständnis)

1. Vorbemerkung: Keine biologische Verheißung

Zunächst das Wichtigste:

Der Text verspricht nicht biologischen Kindersegen
und formuliert keinen religiösen Tauschhandel
(„Praxis gegen Nachkommen“).

Das wäre dem Śūraṅgama wesensfremd.

Die Aussagen über „Sohn“ und „Tochter“ sind symbolische Verdichtungen
für Fruchtbarkeit des Wirkens, nicht für Fortpflanzung.



2. Warum überhaupt von Kindern gesprochen wird

Kinder stehen im buddhistischen Kontext für drei Grundaspekte:
1. Kontinuität – etwas geht weiter
2. Fruchtbarkeit – etwas trägt über sich hinaus
3. Nicht-Kontrolle – ein Kind ist nie Besitz

Das sind exakt die Qualitäten,
die entstehen, wenn der ursprüngliche Grund wirksam wird.



3. „Wesen ohne Kinder“ – was ist gemeint?

„無子眾生“ meint nicht nur physische Kinderlosigkeit.

Gemeint sind Wesen,
• deren Wirken nichts hervorbringt
• deren Leben sich nicht weiterträgt
• deren Handeln nicht fruchtet
• deren Erkenntnis ohne Resonanz bleibt

In moderner Sprache:

Menschen, deren Tun keine lebendige Spur hinterlässt.



4. Sohn und Tochter – zwei symbolische Richtungen

Der Text unterscheidet bewusst:
• Sohn → Weisheit, Klarheit, Tragfähigkeit
• Tochter → Sanftmut, Beziehung, Empfänglichkeit

Das ist keine Geschlechterhierarchie.

Es sind zwei komplementäre Ausdrucksweisen des Erwachens.

Der „Sohn“ steht für:
• tragende Einsicht
• strukturierte Weitergabe
• verantwortliche Wirksamkeit
• geistige Standfestigkeit

Die „Tochter“ steht für:
• Feinheit
• Resonanz
• Beziehungsoffenheit
• nicht-dominante Präsenz

Beides ist gleich notwendig.



5. Warum Wünsche ausdrücklich genannt werden

Der Text sagt:

„… die sich einen Sohn / eine Tochter wünschen …“

Das ist entscheidend.

Guanyin erzwingt nichts.
Es geschieht in Resonanz mit einer inneren Ausrichtung.

Ethisch bedeutet das:

Erwachen wirkt dort fruchtbar,
wo Bereitschaft zur Weitergabe vorhanden ist.



6. Kein Besitz, keine Projektion

Ein Kind ist im Sutra kein Besitz,
sondern ein Ereignis.

Übertragen:
• eine Einsicht, die andere erreicht
• ein Handeln, das trägt
• ein Wort, das weiterwirkt
• ein Werk, das nicht abgeschlossen ist

Wo etwas lebt,
entzieht es sich Kontrolle.



7. Moderne Entsprechungen

Heute könnte man diese Symbolik so lesen:
• Schüler
• Projekte
• Texte
• Werke
• soziale Wirkungen
• heilende Prozesse
• ethische Haltungen, die andere aufnehmen

„Kinder“ sind hier:

alles, was aus Klarheit entsteht
und nicht mehr mir gehört.



8. Warum diese Symbolik heikel – aber notwendig ist

Ohne diese Bilder drohen zwei Extreme:
1. Steriles Erwachen
– Erkenntnis ohne Wirkung
2. Selbstbezogene Spiritualität
– Tiefe ohne Weitergabe

Das Śūraṅgama widerspricht beidem.

Erwachen ist fruchtbar,
oder es ist nicht vollendet.



9. Verbindung zu Guanyin

Guanyin ist nicht nur Schutz,
sondern Weitergabe in unendlicher Gestalt.

Die Kinder-Symbolik sagt:

Mitgefühl bringt hervor,
ohne sich zu vervielfältigen.



10. Kurzverdichtung

„Kinder“ bedeuten hier
nicht Besitz und nicht Fortpflanzung,
sondern Fruchtbarkeit des Wirkens.

Wo der ursprüngliche Grund
durchlässig wirkt,
entstehen Einsicht, Beziehung und Weitergabe –
nicht aus Zwang,
sondern aus Fülle.
中文原文
十一者、銷塵旋明,法界身心猶如瑠璃朗徹無礙,能令一切昏鈍性障諸阿顛迦,永離癡暗。十二者、融形復聞,不動道場涉入世間不壞世界,能遍十方供養微塵諸佛如來,各各佛邊為法王子;能令法界無子眾生欲求男者,誕生福德智慧之男。十三者、六根圓通明照無二,含十方界,立大圓鏡空如來藏,承順十方微塵如來祕密法門受領無失;能令法界無子眾生欲求女者,誕生端正福德柔順眾人愛敬有相之女。
Deutsch
Avalokiteśvara erklärte:

„Elftens:
Wenn sinnliche Staubobjekte erloschen sind
und Klarheit sich zurückwendet,
werden Körper und Geist im gesamten Dharmafeld
klar und durchscheinend
wie Lapislazuli,
frei von jeder Blockade.
So können Wesen,
deren Natur träge und verdunkelt ist
und die durch Unwissenheit behindert sind,
dauerhaft aus Verblendung
und geistiger Dunkelheit herausgelöst werden.

Zwölftens:
Wenn Form aufgegeben
und das Hören zurückgeführt wird,
bleibt der Ort der Übung unbewegt
und kann dennoch in die Welt eintreten,
ohne sie zu zerstören.
So kann ich in allen zehn Richtungen
allen Buddhas,
so zahlreich wie Staubteilchen,
Darbringungen erweisen
und bei jedem Buddha
als Sohn des Dharma-Königs wirken.

Zugleich bewirkt diese Kraft,
dass Wesen ohne Nachkommen,
die sich einen Sohn wünschen,
einen Sohn mit Verdienst
und Weisheit empfangen.

Dreizehntens:
Wenn die sechs Sinnesgrundlagen
vollkommen durchdrungen sind
und Klarheit ohne Zweiheit erstrahlt,
umfassen sie die zehn Richtungen
und errichten den großen, runden Spiegel
des leeren Tathāgata-Speichers.
So vermag ich die geheimen Dharma-Lehren
aller Buddhas der zehn Richtungen,
so zahlreich wie Staubteilchen,
anzunehmen, zu tragen
und ohne Verlust weiterzugeben.

Zugleich bewirkt diese Kraft,
dass Wesen ohne Nachkommen,
die sich eine Tochter wünschen,
eine Tochter von schöner Erscheinung,
mit Verdienst, Weisheit und Sanftmut empfangen,
die von allen geachtet und geliebt wird.“
Kommentar
Diese drei Wirkkräfte markieren eine weitere Vertiefungsstufe:
den Übergang von Schutz zu Fruchtbarkeit, Weitergabe und Durchlässigkeit.



11. Auflösung geistiger Dumpfheit

„昏鈍性障“ bezeichnet keine Dummheit,
sondern trübe Verdichtung des Bewusstseins.

Die Metapher von Lapislazuli zeigt:

Klarheit ist kein aggressives Licht,
sondern durchscheinende Ruhe.

Unwissenheit wird nicht bekämpft,
sondern transparent.



12. Unbewegtes Wirken in der Welt

Hier erscheint ein zentrales Mahayana-Motiv:

In der Welt sein,
ohne die Welt zu beschädigen.

Der „unbewegte Übungsort“
ist kein Rückzug,
sondern innere Ortslosigkeit.

Die Aussage zu „Söhnen“ ist symbolisch zu lesen:
• Weitergabe von Weisheit
• Fruchtbarkeit des Wirkens
• Kontinuität des Dharma



13. Der große Spiegel des Tathāgata-Speichers

Hier kulminiert die Lehre:
• sechs Sinne
• zehn Richtungen
• ein Spiegel

Nicht Sammlung von Wissen,
sondern resonante Aufnahme.

Die „Töchter“-Symbolik steht für:
• Sanftmut
• Empfänglichkeit
• Beziehungsfähigkeit

Beide – Sohn und Tochter –
sind gleichwertige Ausdrucksformen
der Fruchtbarkeit des ursprünglichen Grundes.



Gemeinsame Linie (11–13)

Diese Wirkkräfte zeigen:

Erwachen ist nicht steril.

Es wird fruchtbar –
im Erkennen,
im Wirken,
im Weitergeben.

Exkurs: „Kinder“ im Śūraṅgama

(Symbolik, Ethik, zeitgemäßes Verständnis)

1. Vorbemerkung: Keine biologische Verheißung

Zunächst das Wichtigste:

Der Text verspricht nicht biologischen Kindersegen
und formuliert keinen religiösen Tauschhandel
(„Praxis gegen Nachkommen“).

Das wäre dem Śūraṅgama wesensfremd.

Die Aussagen über „Sohn“ und „Tochter“ sind symbolische Verdichtungen
für Fruchtbarkeit des Wirkens, nicht für Fortpflanzung.



2. Warum überhaupt von Kindern gesprochen wird

Kinder stehen im buddhistischen Kontext für drei Grundaspekte:
1. Kontinuität – etwas geht weiter
2. Fruchtbarkeit – etwas trägt über sich hinaus
3. Nicht-Kontrolle – ein Kind ist nie Besitz

Das sind exakt die Qualitäten,
die entstehen, wenn der ursprüngliche Grund wirksam wird.



3. „Wesen ohne Kinder“ – was ist gemeint?

„無子眾生“ meint nicht nur physische Kinderlosigkeit.

Gemeint sind Wesen,
• deren Wirken nichts hervorbringt
• deren Leben sich nicht weiterträgt
• deren Handeln nicht fruchtet
• deren Erkenntnis ohne Resonanz bleibt

In moderner Sprache:

Menschen, deren Tun keine lebendige Spur hinterlässt.



4. Sohn und Tochter – zwei symbolische Richtungen

Der Text unterscheidet bewusst:
• Sohn → Weisheit, Klarheit, Tragfähigkeit
• Tochter → Sanftmut, Beziehung, Empfänglichkeit

Das ist keine Geschlechterhierarchie.

Es sind zwei komplementäre Ausdrucksweisen des Erwachens.

Der „Sohn“ steht für:
• tragende Einsicht
• strukturierte Weitergabe
• verantwortliche Wirksamkeit
• geistige Standfestigkeit

Die „Tochter“ steht für:
• Feinheit
• Resonanz
• Beziehungsoffenheit
• nicht-dominante Präsenz

Beides ist gleich notwendig.



5. Warum Wünsche ausdrücklich genannt werden

Der Text sagt:

„… die sich einen Sohn / eine Tochter wünschen …“

Das ist entscheidend.

Guanyin erzwingt nichts.
Es geschieht in Resonanz mit einer inneren Ausrichtung.

Ethisch bedeutet das:

Erwachen wirkt dort fruchtbar,
wo Bereitschaft zur Weitergabe vorhanden ist.



6. Kein Besitz, keine Projektion

Ein Kind ist im Sutra kein Besitz,
sondern ein Ereignis.

Übertragen:
• eine Einsicht, die andere erreicht
• ein Handeln, das trägt
• ein Wort, das weiterwirkt
• ein Werk, das nicht abgeschlossen ist

Wo etwas lebt,
entzieht es sich Kontrolle.



7. Moderne Entsprechungen

Heute könnte man diese Symbolik so lesen:
• Schüler
• Projekte
• Texte
• Werke
• soziale Wirkungen
• heilende Prozesse
• ethische Haltungen, die andere aufnehmen

„Kinder“ sind hier:

alles, was aus Klarheit entsteht
und nicht mehr mir gehört.



8. Warum diese Symbolik heikel – aber notwendig ist

Ohne diese Bilder drohen zwei Extreme:
1. Steriles Erwachen
– Erkenntnis ohne Wirkung
2. Selbstbezogene Spiritualität
– Tiefe ohne Weitergabe

Das Śūraṅgama widerspricht beidem.

Erwachen ist fruchtbar,
oder es ist nicht vollendet.



9. Verbindung zu Guanyin

Guanyin ist nicht nur Schutz,
sondern Weitergabe in unendlicher Gestalt.

Die Kinder-Symbolik sagt:

Mitgefühl bringt hervor,
ohne sich zu vervielfältigen.



10. Kurzverdichtung

„Kinder“ bedeuten hier
nicht Besitz und nicht Fortpflanzung,
sondern Fruchtbarkeit des Wirkens.

Wo der ursprüngliche Grund
durchlässig wirkt,
entstehen Einsicht, Beziehung und Weitergabe –
nicht aus Zwang,
sondern aus Fülle.
235 #
十四者、此三千大千世界百億日月,現住世間諸法王子有六十二恒河沙數,修法垂範教化眾生,隨順眾生方便智慧各各不同。由我所得圓通本根發妙耳門,然後身心微妙含容[4]遍周法界,能令眾生持我名號,與彼共持六十二恒河沙諸法王子,二人福德正等無異。世尊!我一[5]名號與彼眾多名號無異,由我修習得真圓通。是名十四施無畏力,福備眾生。
Avalokiteśvara erklärte:

„Vierzehntens:
In diesem dreitausendfachen großen Weltensystem
mit hundert Milliarden Sonnen und Monden
gibt es gegenwärtig
zweiundsechzig Ganges-Sand-zählige
Söhne der Dharma-Könige,
die in der Welt verweilen,
das Dharma praktizieren,
Vorbild geben
und die Lebewesen lehren und führen,
jeweils gemäß den unterschiedlichen
geschickten Mitteln und Weisheiten der Wesen.

Da ich
durch die Verwirklichung vollkommener Durchdringung
meine ursprüngliche Sinneswurzel erfasst
und das wunderbare Tor des Hörens geöffnet habe,
und da danach
Körper und Geist
auf feine Weise alles einschließen
und das gesamte Dharma-Feld durchdringen,
kann ich bewirken,
dass Lebewesen,
die meinen Namen bewahren,
an Verdienst
jenen gleich sind,
die gemeinsam mit einem
der zweiundsechzig Ganges-Sand-zähligen
Söhne der Dharma-Könige
dessen Namen bewahren.

Weltverehrter!
Mein einzelner Name
unterscheidet sich im Verdienst
nicht von den vielen Namen jener,
denn ich habe durch Übung
wahre vollkommene Durchdringung erlangt.

Dies wird genannt
die vierzehnte Gabe der Furchtlosigkeit,
durch die das Wohl aller Wesen
vollständig erfüllt wird.“
Kommentar öffnen
Dieser letzte Abschnitt ist kein Lob der Namensrezitation,
sondern die ontologische Begründung, warum sie wirken kann.



1. Kein Konkurrenzverhältnis der Erwachten

Guanyin stellt sich nicht über andere Bodhisattvas.

Im Gegenteil:
• viele Namen
• viele Wege
• gleiche Wirksamkeit

Erwachen konkurriert nicht.
Es spiegelt sich.



2. Warum ein Name genügen kann

Der Name ist hier kein magisches Zeichen,
sondern ein Resonanzanker.

Er wirkt,

weil das Hören
auf den Hörenden zurückgeführt ist.

Nicht der Laut befreit,
sondern das Erinnern an die Quelle.



3. „Gleicher Verdienst“ – richtig verstanden

Gleicher Verdienst bedeutet nicht:

gleiche Leistung.

Sondern:

gleiche Durchlässigkeit.

Wo der ursprüngliche Grund berührt wird,
ist die Quelle dieselbe –
unabhängig vom Weg.



4. Warum viele Namen gleich sind

Die Aussage:

Mein Name ist nicht verschieden von den vielen Namen

hebt jede Exklusivität auf.

Sie sagt:
• kein privilegierter Zugang
• kein heiliger Besitz
• kein Monopol der Befreiung

Das ist eine radikale Öffnung des Mahayana.



5. Die Vollendung der Vierzehn Furchtlosigkeiten

Die Reihenfolge ist bedeutsam:

1–5 → Schutz
6–10 → innere Läuterung
11–13 → Fruchtbarkeit & Weitergabe
14 → universelle Zugänglichkeit

Erwachen wird teilbar,
ohne sich zu vervielfältigen.



6. Abschlussgedanke

Nicht der Name ist heilig.

Heilig ist die Durchlässigkeit,
in der jeder Name
auf den ursprünglichen Grund verweist.
中文原文
十四者、此三千大千世界百億日月,現住世間諸法王子有六十二恒河沙數,修法垂範教化眾生,隨順眾生方便智慧各各不同。由我所得圓通本根發妙耳門,然後身心微妙含容[4]遍周法界,能令眾生持我名號,與彼共持六十二恒河沙諸法王子,二人福德正等無異。世尊!我一[5]名號與彼眾多名號無異,由我修習得真圓通。是名十四施無畏力,福備眾生。
Deutsch
Avalokiteśvara erklärte:

„Vierzehntens:
In diesem dreitausendfachen großen Weltensystem
mit hundert Milliarden Sonnen und Monden
gibt es gegenwärtig
zweiundsechzig Ganges-Sand-zählige
Söhne der Dharma-Könige,
die in der Welt verweilen,
das Dharma praktizieren,
Vorbild geben
und die Lebewesen lehren und führen,
jeweils gemäß den unterschiedlichen
geschickten Mitteln und Weisheiten der Wesen.

Da ich
durch die Verwirklichung vollkommener Durchdringung
meine ursprüngliche Sinneswurzel erfasst
und das wunderbare Tor des Hörens geöffnet habe,
und da danach
Körper und Geist
auf feine Weise alles einschließen
und das gesamte Dharma-Feld durchdringen,
kann ich bewirken,
dass Lebewesen,
die meinen Namen bewahren,
an Verdienst
jenen gleich sind,
die gemeinsam mit einem
der zweiundsechzig Ganges-Sand-zähligen
Söhne der Dharma-Könige
dessen Namen bewahren.

Weltverehrter!
Mein einzelner Name
unterscheidet sich im Verdienst
nicht von den vielen Namen jener,
denn ich habe durch Übung
wahre vollkommene Durchdringung erlangt.

Dies wird genannt
die vierzehnte Gabe der Furchtlosigkeit,
durch die das Wohl aller Wesen
vollständig erfüllt wird.“
Kommentar
Dieser letzte Abschnitt ist kein Lob der Namensrezitation,
sondern die ontologische Begründung, warum sie wirken kann.



1. Kein Konkurrenzverhältnis der Erwachten

Guanyin stellt sich nicht über andere Bodhisattvas.

Im Gegenteil:
• viele Namen
• viele Wege
• gleiche Wirksamkeit

Erwachen konkurriert nicht.
Es spiegelt sich.



2. Warum ein Name genügen kann

Der Name ist hier kein magisches Zeichen,
sondern ein Resonanzanker.

Er wirkt,

weil das Hören
auf den Hörenden zurückgeführt ist.

Nicht der Laut befreit,
sondern das Erinnern an die Quelle.



3. „Gleicher Verdienst“ – richtig verstanden

Gleicher Verdienst bedeutet nicht:

gleiche Leistung.

Sondern:

gleiche Durchlässigkeit.

Wo der ursprüngliche Grund berührt wird,
ist die Quelle dieselbe –
unabhängig vom Weg.



4. Warum viele Namen gleich sind

Die Aussage:

Mein Name ist nicht verschieden von den vielen Namen

hebt jede Exklusivität auf.

Sie sagt:
• kein privilegierter Zugang
• kein heiliger Besitz
• kein Monopol der Befreiung

Das ist eine radikale Öffnung des Mahayana.



5. Die Vollendung der Vierzehn Furchtlosigkeiten

Die Reihenfolge ist bedeutsam:

1–5 → Schutz
6–10 → innere Läuterung
11–13 → Fruchtbarkeit & Weitergabe
14 → universelle Zugänglichkeit

Erwachen wird teilbar,
ohne sich zu vervielfältigen.



6. Abschlussgedanke

Nicht der Name ist heilig.

Heilig ist die Durchlässigkeit,
in der jeder Name
auf den ursprünglichen Grund verweist.
236 #
「世尊!我又獲是圓通,修證無上道故,又能善獲四不思議無作妙德:一者、由我初獲妙妙聞心,心精遺聞,見、聞、覺、知不能分隔,成一圓融清淨寶覺。故我能現眾多妙容,能說無邊祕密神呪。其中或現一首、三首、五首、七首、九首、十一首,如是乃至一百八首,千首、萬首、八萬四千爍迦[6]囉首。二臂、四臂、六臂、八臂、十臂、十二臂、十四、十六、十八、二十、至二十四,如是乃至一百八臂,千臂、萬臂、八萬四千母陀羅臂。二目、三目、四目、九目、如是乃至一百八目,千目、萬目、八萬四千清淨寶目。或慈、或威、或定、或慧;救護眾生得大自在。
Avalokiteśvara erklärte:

„Weltverehrter!
Nachdem ich diese vollkommene Durchdringung verwirklicht
und den höchsten Weg vollständig ausgeübt habe,
erlangte ich darüber hinaus
vier unfassbare, nicht-absichtlich bewirkte Verdienste.

Erstens:
Als ich zu Beginn
das feinstoffliche Herz des Hörens erlangte,
wurde der Geist vollkommen klar
und das Hören selbst trat zurück.
Sehen, Hören, Erkennen und Wissen
waren nicht mehr voneinander getrennt,
sondern verschmolzen
zu einem einzigen,
vollkommen runden,
reinen Erwachensbewusstsein.

Daher kann ich
unzählige wunderbare Erscheinungsformen manifestieren
und grenzenlose geheime Dharani-Mantren verkünden.

Ich erscheine dabei
mit einer Vielzahl von Häuptern –
von einem bis zu hundertacht,
tausend, zehntausend
und bis zu vierundachtzigtausend leuchtenden Köpfen;

mit einer Vielzahl von Armen –
von zwei bis zu hundertacht,
tausend, zehntausend
und bis zu vierundachtzigtausend Mudrā-Armen;

und mit einer Vielzahl von Augen –
von zwei bis zu hundertacht,
tausend, zehntausend
und bis zu vierundachtzigtausend reinen, kostbaren Augen.

Je nach Bedarf erscheine ich
als Mitgefühl,
als machtvolle Gegenwart,
als Sammlung
oder als Weisheit,
um Wesen zu retten, zu schützen
und ihnen große Freiheit zu verleihen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der Schlüssel zur ikonographischen Vielgestalt Guanyins – und zugleich ihre Entmystifizierung.



1. Vielgestalt entsteht aus Nicht-Getrenntheit

Die vielen Köpfe, Arme und Augen sind keine übernatürlichen Körperteile,
sondern Darstellungen von Funktion:
• viele Köpfe → viele Perspektiven
• viele Augen → umfassendes Gewahrsein
• viele Arme → wirksames Handeln

Die Ursache ist eindeutig benannt:

Sehen, Hören, Erkennen und Wissen
sind nicht mehr getrennt.

Vielheit entsteht nicht aus Zersplitterung,
sondern aus Integration.



2. „Hören vergessen“ – der entscheidende Satz

「心精遺聞」 ist zentral.

Nicht:

Ich höre besser

sondern:

Das Hören wird nicht mehr festgehalten.

Erst dort entsteht:
• runde Klarheit
• flexible Erscheinung
• nicht-fixierte Wirksamkeit



3. Ikonographie ohne Mythologie

Die Zahlen (108, 1000, 84.000) sind keine Zählwerte,
sondern Vollständigkeitssymbole.

Sie sagen:

Es gibt keinen Bereich,
in dem Mitgefühl nicht wirksam sein kann.



4. Vier Haltungen – kein Widerspruch

慈 – Mitgefühl
威 – Macht / Entschiedenheit
定 – Sammlung
慧 – Weisheit

Diese vier sind keine Gegensätze.

Sie zeigen:

Erwachen ist nicht weich oder hart,
sondern angemessen.



5. Keine feste Gestalt, kein festes Selbst

Guanyin erscheint nicht, weil sie etwas ist,
sondern weil nichts festgehalten wird.

Form ist Antwort,
nicht Identität.



6. Verdichtung

Wo Wahrnehmung nicht getrennt ist,
wird Wirksamkeit grenzenlos.

Wo nichts festgehalten wird,
kann alles erscheinen.
中文原文
「世尊!我又獲是圓通,修證無上道故,又能善獲四不思議無作妙德:一者、由我初獲妙妙聞心,心精遺聞,見、聞、覺、知不能分隔,成一圓融清淨寶覺。故我能現眾多妙容,能說無邊祕密神呪。其中或現一首、三首、五首、七首、九首、十一首,如是乃至一百八首,千首、萬首、八萬四千爍迦[6]囉首。二臂、四臂、六臂、八臂、十臂、十二臂、十四、十六、十八、二十、至二十四,如是乃至一百八臂,千臂、萬臂、八萬四千母陀羅臂。二目、三目、四目、九目、如是乃至一百八目,千目、萬目、八萬四千清淨寶目。或慈、或威、或定、或慧;救護眾生得大自在。
Deutsch
Avalokiteśvara erklärte:

„Weltverehrter!
Nachdem ich diese vollkommene Durchdringung verwirklicht
und den höchsten Weg vollständig ausgeübt habe,
erlangte ich darüber hinaus
vier unfassbare, nicht-absichtlich bewirkte Verdienste.

Erstens:
Als ich zu Beginn
das feinstoffliche Herz des Hörens erlangte,
wurde der Geist vollkommen klar
und das Hören selbst trat zurück.
Sehen, Hören, Erkennen und Wissen
waren nicht mehr voneinander getrennt,
sondern verschmolzen
zu einem einzigen,
vollkommen runden,
reinen Erwachensbewusstsein.

Daher kann ich
unzählige wunderbare Erscheinungsformen manifestieren
und grenzenlose geheime Dharani-Mantren verkünden.

Ich erscheine dabei
mit einer Vielzahl von Häuptern –
von einem bis zu hundertacht,
tausend, zehntausend
und bis zu vierundachtzigtausend leuchtenden Köpfen;

mit einer Vielzahl von Armen –
von zwei bis zu hundertacht,
tausend, zehntausend
und bis zu vierundachtzigtausend Mudrā-Armen;

und mit einer Vielzahl von Augen –
von zwei bis zu hundertacht,
tausend, zehntausend
und bis zu vierundachtzigtausend reinen, kostbaren Augen.

Je nach Bedarf erscheine ich
als Mitgefühl,
als machtvolle Gegenwart,
als Sammlung
oder als Weisheit,
um Wesen zu retten, zu schützen
und ihnen große Freiheit zu verleihen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der Schlüssel zur ikonographischen Vielgestalt Guanyins – und zugleich ihre Entmystifizierung.



1. Vielgestalt entsteht aus Nicht-Getrenntheit

Die vielen Köpfe, Arme und Augen sind keine übernatürlichen Körperteile,
sondern Darstellungen von Funktion:
• viele Köpfe → viele Perspektiven
• viele Augen → umfassendes Gewahrsein
• viele Arme → wirksames Handeln

Die Ursache ist eindeutig benannt:

Sehen, Hören, Erkennen und Wissen
sind nicht mehr getrennt.

Vielheit entsteht nicht aus Zersplitterung,
sondern aus Integration.



2. „Hören vergessen“ – der entscheidende Satz

「心精遺聞」 ist zentral.

Nicht:

Ich höre besser

sondern:

Das Hören wird nicht mehr festgehalten.

Erst dort entsteht:
• runde Klarheit
• flexible Erscheinung
• nicht-fixierte Wirksamkeit



3. Ikonographie ohne Mythologie

Die Zahlen (108, 1000, 84.000) sind keine Zählwerte,
sondern Vollständigkeitssymbole.

Sie sagen:

Es gibt keinen Bereich,
in dem Mitgefühl nicht wirksam sein kann.



4. Vier Haltungen – kein Widerspruch

慈 – Mitgefühl
威 – Macht / Entschiedenheit
定 – Sammlung
慧 – Weisheit

Diese vier sind keine Gegensätze.

Sie zeigen:

Erwachen ist nicht weich oder hart,
sondern angemessen.



5. Keine feste Gestalt, kein festes Selbst

Guanyin erscheint nicht, weil sie etwas ist,
sondern weil nichts festgehalten wird.

Form ist Antwort,
nicht Identität.



6. Verdichtung

Wo Wahrnehmung nicht getrennt ist,
wird Wirksamkeit grenzenlos.

Wo nichts festgehalten wird,
kann alles erscheinen.
237 #
二者、由我聞思脫出六塵,如聲度垣不能為礙。故我妙能現一一形、誦一一呪,其形、其呪能以無畏施諸眾生。是故十方微塵國土,皆名我為施無畏者。三者、由我修習本妙圓通清淨本根,所遊世界皆令眾生捨身珍寶求我哀愍。四者、我得佛心證於究竟,能以珍寶種種供養十方如來,傍及法界六道眾生:求妻得妻,求子得子,求三昧得三昧,求長壽得長壽,如是乃至求大涅槃得大涅槃。
Avalokiteśvara erklärte:

„Zweitens:
Da ich durch Hören und Nachdenken
die Bindung an die sechs Sinnesobjekte gelöst habe,
können diese mich nicht mehr behindern –
wie ein Klang, der Mauern durchdringt
und von ihnen nicht aufgehalten wird.
So kann ich auf wunderbare Weise
jede Form annehmen
und jedes Mantra rezitieren.
Sowohl die jeweilige Gestalt
als auch das jeweilige Mantra
verleihen den Wesen Furchtlosigkeit.

Darum werde ich
in allen Weltbereichen der zehn Richtungen
‚der Geber der Furchtlosigkeit‘ genannt.

Drittens:
Da ich die ursprünglich wunderbare,
vollständig durchdringende,
reine Grundwurzel kultiviert habe,
bewirkt mein Wirken in allen Welten,
dass Lebewesen
Körper und wertvollen Besitz loslassen
und sich vertrauensvoll
meinem Mitgefühl zuwenden.

Viertens:
Weil ich den Geist des Buddha
bis zur äußersten Vollendung verwirklicht habe,
kann ich mit kostbaren Gaben
die Buddhas der zehn Richtungen verehren
und zugleich allen Wesen
der sechs Daseinsbereiche im Dharmafeld helfen:

Wer eine Partnerin sucht,
findet eine Partnerin;
wer Kinder sucht,
findet Kinder;
wer Sammlung sucht,
findet Sammlung;
wer langes Leben sucht,
findet langes Leben;
bis hin dazu,
dass wer das große Nirvāṇa sucht,
das große Nirvāṇa erlangt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt die zweite Hälfte der vier unfassbaren Verdienste – und bringt sie bewusst nahe an das Alltägliche.



2. Freiheit von den sechs Sinnesobjekten

„Wie ein Klang, der Mauern durchdringt“
ist keine Zaubermetapher, sondern eine Strukturaussage:

Was nicht haftet,
kann nicht aufgehalten werden.

Wirksamkeit entsteht hier nicht aus Kraft,
sondern aus Nicht-Behinderung.



3. Warum Wesen „Körper und Besitz loslassen“

Das ist keine Forderung,
sondern eine Resonanzwirkung.

Wo Vertrauen entsteht,
verliert Festhalten seine Notwendigkeit.

Nicht Verzicht wird verlangt,
sondern Bindung löst sich.



4. Die Liste der „Erfüllungen“

Diese Stelle wird oft missverstanden als Wunschmagie.

Tatsächlich ist sie graduell aufgebaut:
• Beziehung
• Kinder
• Sammlung
• Lebensdauer
• Nirvana

Das zeigt:

Bedürfnisse werden nicht verurteilt,
sondern in Richtung Befreiung integriert.

Das höchste Erfüllungsziel
steht nicht im Gegensatz
zu den alltäglichen.



5. Warum Guanyin „alles erfüllt“

Nicht, weil sie Wünsche erzeugt,
sondern weil sie die Quelle berührt,
aus der Wünsche entstehen.

Wo die Quelle klar wird,
ordnen sich die Ströme.



6. Verdichtung

Furchtlosigkeit entsteht,
wo nichts mehr bindet.

Erfüllung entsteht,
wo nichts mehr erzwungen wird.

Abgrenzung zur „Wunschreligion“ – ohne Abwertung

1. Wunschreligion ist kein Irrtum, sondern ein Einstiegstor

Das Śūraṅgama richtet sich nicht an einen idealen Hörer,
sondern an Wesen in sehr unterschiedlichen Graden von Verblendung, Leid und Reife.

Für viele Wesen gilt:

Ohne Hoffnung kein Hören.
Ohne Hören kein Vertrauen.
Ohne Vertrauen kein Weg.

Wunschbezogene Praxis ist daher kein falscher Weg,
sondern oft der einzige mögliche Zugang,
wo Schmerz, Angst oder existentielle Bedrängnis dominieren.



2. 信解行证 – der Schlüssel zur Einordnung

Die klassische Vierheit erklärt genau diese Dynamik:
• 信 – Vertrauen / Glaube
→ oft zunächst wunschgetragen, personal, projektiv
• 解 – Verstehen
→ Differenzierung, Klärung, Entzauberung
• 行 – Praxis
→ Verkörperung, Wiederholung, Stabilisierung
• 证 – Verwirklichung
→ Auflösung auch der tragenden Vorstellungen

Entscheidend ist:

Glaube ist nicht das Ziel –
aber er ist oft der notwendige Anfang.

Das Sutra kritisiert nicht den Glauben,
sondern das Stehenbleiben im Glauben.



3. Warum Guanyin Wünsche „erfüllt“

Nicht, um Wünsche zu bestätigen –
sondern um Beziehung zum Dharma zu ermöglichen.

Die berühmte Liste (Partner, Kinder, Sammlung, Leben, Nirvana) zeigt:
• Kein Ausschluss weltlicher Anliegen
• Kein moralischer Druck
• Keine Hierarchie von „reinen“ und „unreinen“ Motiven

Aber auch:

Die Liste endet nicht bei Erfüllung,
sondern bei Befreiung.

Wunsch ist hier Vehikel, nicht Verblendung an sich.



4. Abgrenzung zur eigentlichen Wunschreligion

Wunschreligion im problematischen Sinn entsteht dort, wo:
• Wünsche verfestigt werden
• Abhängigkeit institutionalisiert wird
• Erfüllung an äußere Macht delegiert bleibt

Das Śūraṅgama tut das Gegenteil:

Es zeigt, dass Erfüllung aus Nicht-Bindung entsteht
– nicht aus göttlicher Intervention.

Guanyin gibt nicht,
sondern entbindet.



5. Öffentliche Sutren sind mehrstufig

Ein öffentlich zugängliches Sutra muss:
• Trost bieten, ohne zu versklaven
• Hoffnung ermöglichen, ohne zu täuschen
• Projektion zulassen, ohne sie zu bestätigen

Darum sind solche Texte absichtlich mehrdeutig:
• für Leidende: Zuwendung
• für Suchende: Orientierung
• für Reife: Entleerung

Das ist kein Widerspruch, sondern geschickte Mittel (upaya).



6. Verdichtung

Glaube ist kein Fehler.
Festhalten am Glauben ist es.

Wunsch ist kein Hindernis.
Verwechslung von Wunsch und Befreiung ist es.

Das Sutra verurteilt den Wunsch nicht –
es führt ihn zurück zur Quelle,
wo er sich selbst übersteigt.
中文原文
二者、由我聞思脫出六塵,如聲度垣不能為礙。故我妙能現一一形、誦一一呪,其形、其呪能以無畏施諸眾生。是故十方微塵國土,皆名我為施無畏者。三者、由我修習本妙圓通清淨本根,所遊世界皆令眾生捨身珍寶求我哀愍。四者、我得佛心證於究竟,能以珍寶種種供養十方如來,傍及法界六道眾生:求妻得妻,求子得子,求三昧得三昧,求長壽得長壽,如是乃至求大涅槃得大涅槃。
Deutsch
Avalokiteśvara erklärte:

„Zweitens:
Da ich durch Hören und Nachdenken
die Bindung an die sechs Sinnesobjekte gelöst habe,
können diese mich nicht mehr behindern –
wie ein Klang, der Mauern durchdringt
und von ihnen nicht aufgehalten wird.
So kann ich auf wunderbare Weise
jede Form annehmen
und jedes Mantra rezitieren.
Sowohl die jeweilige Gestalt
als auch das jeweilige Mantra
verleihen den Wesen Furchtlosigkeit.

Darum werde ich
in allen Weltbereichen der zehn Richtungen
‚der Geber der Furchtlosigkeit‘ genannt.

Drittens:
Da ich die ursprünglich wunderbare,
vollständig durchdringende,
reine Grundwurzel kultiviert habe,
bewirkt mein Wirken in allen Welten,
dass Lebewesen
Körper und wertvollen Besitz loslassen
und sich vertrauensvoll
meinem Mitgefühl zuwenden.

Viertens:
Weil ich den Geist des Buddha
bis zur äußersten Vollendung verwirklicht habe,
kann ich mit kostbaren Gaben
die Buddhas der zehn Richtungen verehren
und zugleich allen Wesen
der sechs Daseinsbereiche im Dharmafeld helfen:

Wer eine Partnerin sucht,
findet eine Partnerin;
wer Kinder sucht,
findet Kinder;
wer Sammlung sucht,
findet Sammlung;
wer langes Leben sucht,
findet langes Leben;
bis hin dazu,
dass wer das große Nirvāṇa sucht,
das große Nirvāṇa erlangt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt die zweite Hälfte der vier unfassbaren Verdienste – und bringt sie bewusst nahe an das Alltägliche.



2. Freiheit von den sechs Sinnesobjekten

„Wie ein Klang, der Mauern durchdringt“
ist keine Zaubermetapher, sondern eine Strukturaussage:

Was nicht haftet,
kann nicht aufgehalten werden.

Wirksamkeit entsteht hier nicht aus Kraft,
sondern aus Nicht-Behinderung.



3. Warum Wesen „Körper und Besitz loslassen“

Das ist keine Forderung,
sondern eine Resonanzwirkung.

Wo Vertrauen entsteht,
verliert Festhalten seine Notwendigkeit.

Nicht Verzicht wird verlangt,
sondern Bindung löst sich.



4. Die Liste der „Erfüllungen“

Diese Stelle wird oft missverstanden als Wunschmagie.

Tatsächlich ist sie graduell aufgebaut:
• Beziehung
• Kinder
• Sammlung
• Lebensdauer
• Nirvana

Das zeigt:

Bedürfnisse werden nicht verurteilt,
sondern in Richtung Befreiung integriert.

Das höchste Erfüllungsziel
steht nicht im Gegensatz
zu den alltäglichen.



5. Warum Guanyin „alles erfüllt“

Nicht, weil sie Wünsche erzeugt,
sondern weil sie die Quelle berührt,
aus der Wünsche entstehen.

Wo die Quelle klar wird,
ordnen sich die Ströme.



6. Verdichtung

Furchtlosigkeit entsteht,
wo nichts mehr bindet.

Erfüllung entsteht,
wo nichts mehr erzwungen wird.

Abgrenzung zur „Wunschreligion“ – ohne Abwertung

1. Wunschreligion ist kein Irrtum, sondern ein Einstiegstor

Das Śūraṅgama richtet sich nicht an einen idealen Hörer,
sondern an Wesen in sehr unterschiedlichen Graden von Verblendung, Leid und Reife.

Für viele Wesen gilt:

Ohne Hoffnung kein Hören.
Ohne Hören kein Vertrauen.
Ohne Vertrauen kein Weg.

Wunschbezogene Praxis ist daher kein falscher Weg,
sondern oft der einzige mögliche Zugang,
wo Schmerz, Angst oder existentielle Bedrängnis dominieren.



2. 信解行证 – der Schlüssel zur Einordnung

Die klassische Vierheit erklärt genau diese Dynamik:
• 信 – Vertrauen / Glaube
→ oft zunächst wunschgetragen, personal, projektiv
• 解 – Verstehen
→ Differenzierung, Klärung, Entzauberung
• 行 – Praxis
→ Verkörperung, Wiederholung, Stabilisierung
• 证 – Verwirklichung
→ Auflösung auch der tragenden Vorstellungen

Entscheidend ist:

Glaube ist nicht das Ziel –
aber er ist oft der notwendige Anfang.

Das Sutra kritisiert nicht den Glauben,
sondern das Stehenbleiben im Glauben.



3. Warum Guanyin Wünsche „erfüllt“

Nicht, um Wünsche zu bestätigen –
sondern um Beziehung zum Dharma zu ermöglichen.

Die berühmte Liste (Partner, Kinder, Sammlung, Leben, Nirvana) zeigt:
• Kein Ausschluss weltlicher Anliegen
• Kein moralischer Druck
• Keine Hierarchie von „reinen“ und „unreinen“ Motiven

Aber auch:

Die Liste endet nicht bei Erfüllung,
sondern bei Befreiung.

Wunsch ist hier Vehikel, nicht Verblendung an sich.



4. Abgrenzung zur eigentlichen Wunschreligion

Wunschreligion im problematischen Sinn entsteht dort, wo:
• Wünsche verfestigt werden
• Abhängigkeit institutionalisiert wird
• Erfüllung an äußere Macht delegiert bleibt

Das Śūraṅgama tut das Gegenteil:

Es zeigt, dass Erfüllung aus Nicht-Bindung entsteht
– nicht aus göttlicher Intervention.

Guanyin gibt nicht,
sondern entbindet.



5. Öffentliche Sutren sind mehrstufig

Ein öffentlich zugängliches Sutra muss:
• Trost bieten, ohne zu versklaven
• Hoffnung ermöglichen, ohne zu täuschen
• Projektion zulassen, ohne sie zu bestätigen

Darum sind solche Texte absichtlich mehrdeutig:
• für Leidende: Zuwendung
• für Suchende: Orientierung
• für Reife: Entleerung

Das ist kein Widerspruch, sondern geschickte Mittel (upaya).



6. Verdichtung

Glaube ist kein Fehler.
Festhalten am Glauben ist es.

Wunsch ist kein Hindernis.
Verwechslung von Wunsch und Befreiung ist es.

Das Sutra verurteilt den Wunsch nicht –
es führt ihn zurück zur Quelle,
wo er sich selbst übersteigt.
238 #
「佛問圓通,我從耳門圓照三昧緣心自在,因入流相得三摩[7]提,成就菩提,斯為第一。世尊!彼佛如來歎我善得圓通法門,於大會中授記我為觀世音號。由我觀聽十方圓明,故觀音名遍十方界。」
Avalokiteśvara erklärte:

„Als der Buddha nach der vollkommenen Durchdringung fragte,
verwirklichte ich sie
durch das Tor des Hörens.

In der Sammlung
des vollkommen erhellenden Hörens
wurde der Geist frei.
Durch das Eintreten in den Strom
und das Verlassen der Erscheinungsformen
erlangte ich Samādhi
und vollendete Bodhi –
dies war der erste und grundlegende Weg.

Weltverehrter!
Jener Buddha, der Tathāgata,
lobte mich dafür,
dass ich das Dharma-Tor
der vollkommenen Durchdringung
in vollendeter Weise erlangt hatte,
und gab mir
in der großen Versammlung
die Prophezeiung und den Namen
Avalokiteśvara.

Da ich
durch das Hören und Gewahrsein
die zehn Richtungen
vollständig erhelle,
ist mein Name Guanyin
in allen Bereichen
der zehn Richtungen bekannt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die formale Abrundung der gesamten Guanyin-Darlegung – und zugleich ihre radikale Vereinfachung.



1. „Dies ist das Erste“

„斯為第一“ meint nicht:

Das Beste unter vielen,

sondern:

Das Unmittelbare.

Der Weg über das Hören ist nicht überlegen,
sondern direkt.

Hören ist:
• nicht formgebunden
• nicht blickzentriert
• nicht distanzierend

Es ist nah,
durchdringend,
nicht festhaltbar.



2. Warum gerade das Ohrentor

Das Sutra hebt das Ohrentor hervor, weil:
• Sehen trennt Subjekt und Objekt
• Denken erzeugt Abstand
• Hören geschieht mitten im Geschehen

Klang kommt zu dir,
ohne dass du ihn greifen kannst.

Darum eignet sich das Hören besonders
zur Rückwendung auf den Ursprung.



3. „In den Strom eintreten – die Erscheinung verlieren“

Das ist der Kern:
• Strom → Bewegung der Wahrnehmung
• Erscheinung verlieren → kein Objekt mehr festhalten

Das ist keine Trance,
sondern Ent-Objektivierung.



4. Der Name als Funktion, nicht als Titel

„觀世音“ bedeutet nicht:

Eine Person mit einem Namen,

sondern:

Die Funktion des Hörens der Welt.

Der Name entsteht nach der Verwirklichung,
nicht vorher.

Er bezeichnet Wirksamkeit,
nicht Identität.



5. Warum der Name „in den zehn Richtungen verbreitet“ ist

Nicht wegen Verehrung,
sondern wegen Resonanz.

Wo Leid gehört wird,
ist Guanyin.



6. Abschluss-Verdichtung

Guanyin ist kein Wesen,
sondern ein Wirken.

Wo Hören nicht festhält,
wird Mitgefühl grenzenlos.

Darum ist dieser Weg
nicht besonders –
sondern unmittelbar.
中文原文
「佛問圓通,我從耳門圓照三昧緣心自在,因入流相得三摩[7]提,成就菩提,斯為第一。世尊!彼佛如來歎我善得圓通法門,於大會中授記我為觀世音號。由我觀聽十方圓明,故觀音名遍十方界。」
Deutsch
Avalokiteśvara erklärte:

„Als der Buddha nach der vollkommenen Durchdringung fragte,
verwirklichte ich sie
durch das Tor des Hörens.

In der Sammlung
des vollkommen erhellenden Hörens
wurde der Geist frei.
Durch das Eintreten in den Strom
und das Verlassen der Erscheinungsformen
erlangte ich Samādhi
und vollendete Bodhi –
dies war der erste und grundlegende Weg.

Weltverehrter!
Jener Buddha, der Tathāgata,
lobte mich dafür,
dass ich das Dharma-Tor
der vollkommenen Durchdringung
in vollendeter Weise erlangt hatte,
und gab mir
in der großen Versammlung
die Prophezeiung und den Namen
Avalokiteśvara.

Da ich
durch das Hören und Gewahrsein
die zehn Richtungen
vollständig erhelle,
ist mein Name Guanyin
in allen Bereichen
der zehn Richtungen bekannt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die formale Abrundung der gesamten Guanyin-Darlegung – und zugleich ihre radikale Vereinfachung.



1. „Dies ist das Erste“

„斯為第一“ meint nicht:

Das Beste unter vielen,

sondern:

Das Unmittelbare.

Der Weg über das Hören ist nicht überlegen,
sondern direkt.

Hören ist:
• nicht formgebunden
• nicht blickzentriert
• nicht distanzierend

Es ist nah,
durchdringend,
nicht festhaltbar.



2. Warum gerade das Ohrentor

Das Sutra hebt das Ohrentor hervor, weil:
• Sehen trennt Subjekt und Objekt
• Denken erzeugt Abstand
• Hören geschieht mitten im Geschehen

Klang kommt zu dir,
ohne dass du ihn greifen kannst.

Darum eignet sich das Hören besonders
zur Rückwendung auf den Ursprung.



3. „In den Strom eintreten – die Erscheinung verlieren“

Das ist der Kern:
• Strom → Bewegung der Wahrnehmung
• Erscheinung verlieren → kein Objekt mehr festhalten

Das ist keine Trance,
sondern Ent-Objektivierung.



4. Der Name als Funktion, nicht als Titel

„觀世音“ bedeutet nicht:

Eine Person mit einem Namen,

sondern:

Die Funktion des Hörens der Welt.

Der Name entsteht nach der Verwirklichung,
nicht vorher.

Er bezeichnet Wirksamkeit,
nicht Identität.



5. Warum der Name „in den zehn Richtungen verbreitet“ ist

Nicht wegen Verehrung,
sondern wegen Resonanz.

Wo Leid gehört wird,
ist Guanyin.



6. Abschluss-Verdichtung

Guanyin ist kein Wesen,
sondern ein Wirken.

Wo Hören nicht festhält,
wird Mitgefühl grenzenlos.

Darum ist dieser Weg
nicht besonders –
sondern unmittelbar.
239 #
爾時,世尊於師子座,從其五體同放寶光,遠灌十方微塵如來及法王子諸菩薩頂。彼諸如來亦於五體同放寶光,從微塵方來灌佛頂,并灌會中諸大菩薩及阿羅漢。林木池沼皆演法音,交光相羅,如寶絲網。是諸大眾得未曾有,一切普獲金剛三昧。即時天雨百寶蓮[A1]華,青黃赤白間錯紛糅,十方虛空成七寶色。此娑婆界,大地山河俱時不現,唯見十方微塵國土合成一界,梵唄詠歌自然[A2]敷奏。於是如來告文殊師利法王子:「汝今觀此二十五無學諸大菩薩及阿羅漢,各說最初成道方便,皆言修習真實圓通;彼等修行,實無優劣、前後差別。我今欲令阿難開悟,二十五行誰當其根?兼我滅後,此界眾生入菩薩乘求無上道,何方便門得易成就?」
Zu jener Zeit saß der Buddha auf dem Löwenthron
und ließ aus seinem gesamten Körper
kostbares Licht ausstrahlen,
das die Buddhas der zehn Richtungen
und ihre Bodhisattvas
auf dem Scheitel segnete.

Auch diese Buddhas
ließen zugleich kostbares Licht ausstrahlen,
das aus den unzähligen Weltbereichen herbeikam
und sich über den Buddha,
die großen Bodhisattvas
und die Arhats der Versammlung ergoss.

Wälder, Bäume, Teiche und Gewässer
ließen alle den Klang des Dharma vernehmen;
Licht durchdrang Licht
und verwob sich
wie ein Netz aus kostbaren Fäden.

Die gesamte Versammlung
erfuhr etwas nie Erlebtes:
Alle erlangten gemeinsam
das diamantgleiche Samādhi.

Augenblicklich regnete es
kostbare Lotusblumen
in hundertfacher Vielfalt,
in Blau, Gelb, Rot und Weiß,
vielfarbig vermischt.
Der Raum der zehn Richtungen
erschien als siebenfach kostbar.

In der Saha-Welt
waren Erde, Berge und Flüsse
zugleich nicht mehr zu sehen;
nur die staubfeinen Weltbereiche
der zehn Richtungen
vereinigten sich zu einer einzigen Welt.
Brahmanische Gesänge
entfalteten sich von selbst
und erklangen natürlich.

Daraufhin sprach der Tathāgata
zu Mañjuśrī, dem Sohn des Dharma-Königs:

„Betrachte nun
diese fünfundzwanzig großen Bodhisattvas
und Arhats ohne weiteres Lernen.
Jeder von ihnen
hat dargelegt,
durch welches Mittel
er ursprünglich zur Verwirklichung des Weges gelangt ist.
Alle sprechen davon,
durch wahre, vollkommene Durchdringung
zur Verwirklichung gekommen zu sein.

In ihren Wegen
gibt es tatsächlich
keine Rangfolge,
keine zeitliche Abfolge.

Nun will ich Ānanda
zum Erwachen führen:
Welcher dieser fünfundzwanzig Wege
entspricht seiner Anlage?

Und außerdem:
Nach meinem Erlöschen,
wenn die Wesen dieser Welt
den Bodhisattva-Weg betreten
und das höchste Erwachen suchen –
durch welches Dharma-Tor
können sie am leichtesten zur Vollendung gelangen?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den formalen Wendepunkt des Sutras.



1. Kosmische Szene ≠ äußeres Wunder

Die Lichtvision ist kein Spektakel,
sondern eine Darstellung synchroner Einsicht.

Dass alle zugleich Samādhi erlangen, zeigt:

Erkenntnis ist nicht exklusiv,
sondern resonant.



2. Aufhebung von Rang und Zeit

Der Buddha betont ausdrücklich:
• kein besser / schlechter
• kein früher / später

Das ist entscheidend für das Kommende.

Die Wege unterscheiden sich nicht im Ziel,
sondern in der Passung.



3. Die entscheidende Frage

Der Buddha stellt zwei präzise Fragen, die alles bündeln:
1. Für Ananda:
Welcher Weg entspricht seiner Wurzel?
2. Für zukünftige Wesen:
Welches Tor ist am leichtesten zugänglich?

Das ist keine Hierarchie,
sondern didaktische Verantwortung.



4. Vorbereitung auf die Auswahl des Ohrentores

Die Szene bereitet methodisch vor:
• Alle Wege sind gültig
• Aber nicht jeder Weg passt zu jedem Wesen

Damit wird die spätere Wahl des Hörens
nicht als Dogma,
sondern als situativ geeignet begründet.



5. Verdichtung

Wahrheit ist nicht exklusiv.

Doch der Zugang
muss passen.

Darum fragt der Buddha nicht:
Was ist richtig?
sondern:
Was hilft?
中文原文
爾時,世尊於師子座,從其五體同放寶光,遠灌十方微塵如來及法王子諸菩薩頂。彼諸如來亦於五體同放寶光,從微塵方來灌佛頂,并灌會中諸大菩薩及阿羅漢。林木池沼皆演法音,交光相羅,如寶絲網。是諸大眾得未曾有,一切普獲金剛三昧。即時天雨百寶蓮[A1]華,青黃赤白間錯紛糅,十方虛空成七寶色。此娑婆界,大地山河俱時不現,唯見十方微塵國土合成一界,梵唄詠歌自然[A2]敷奏。於是如來告文殊師利法王子:「汝今觀此二十五無學諸大菩薩及阿羅漢,各說最初成道方便,皆言修習真實圓通;彼等修行,實無優劣、前後差別。我今欲令阿難開悟,二十五行誰當其根?兼我滅後,此界眾生入菩薩乘求無上道,何方便門得易成就?」
Deutsch
Zu jener Zeit saß der Buddha auf dem Löwenthron
und ließ aus seinem gesamten Körper
kostbares Licht ausstrahlen,
das die Buddhas der zehn Richtungen
und ihre Bodhisattvas
auf dem Scheitel segnete.

Auch diese Buddhas
ließen zugleich kostbares Licht ausstrahlen,
das aus den unzähligen Weltbereichen herbeikam
und sich über den Buddha,
die großen Bodhisattvas
und die Arhats der Versammlung ergoss.

Wälder, Bäume, Teiche und Gewässer
ließen alle den Klang des Dharma vernehmen;
Licht durchdrang Licht
und verwob sich
wie ein Netz aus kostbaren Fäden.

Die gesamte Versammlung
erfuhr etwas nie Erlebtes:
Alle erlangten gemeinsam
das diamantgleiche Samādhi.

Augenblicklich regnete es
kostbare Lotusblumen
in hundertfacher Vielfalt,
in Blau, Gelb, Rot und Weiß,
vielfarbig vermischt.
Der Raum der zehn Richtungen
erschien als siebenfach kostbar.

In der Saha-Welt
waren Erde, Berge und Flüsse
zugleich nicht mehr zu sehen;
nur die staubfeinen Weltbereiche
der zehn Richtungen
vereinigten sich zu einer einzigen Welt.
Brahmanische Gesänge
entfalteten sich von selbst
und erklangen natürlich.

Daraufhin sprach der Tathāgata
zu Mañjuśrī, dem Sohn des Dharma-Königs:

„Betrachte nun
diese fünfundzwanzig großen Bodhisattvas
und Arhats ohne weiteres Lernen.
Jeder von ihnen
hat dargelegt,
durch welches Mittel
er ursprünglich zur Verwirklichung des Weges gelangt ist.
Alle sprechen davon,
durch wahre, vollkommene Durchdringung
zur Verwirklichung gekommen zu sein.

In ihren Wegen
gibt es tatsächlich
keine Rangfolge,
keine zeitliche Abfolge.

Nun will ich Ānanda
zum Erwachen führen:
Welcher dieser fünfundzwanzig Wege
entspricht seiner Anlage?

Und außerdem:
Nach meinem Erlöschen,
wenn die Wesen dieser Welt
den Bodhisattva-Weg betreten
und das höchste Erwachen suchen –
durch welches Dharma-Tor
können sie am leichtesten zur Vollendung gelangen?“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den formalen Wendepunkt des Sutras.



1. Kosmische Szene ≠ äußeres Wunder

Die Lichtvision ist kein Spektakel,
sondern eine Darstellung synchroner Einsicht.

Dass alle zugleich Samādhi erlangen, zeigt:

Erkenntnis ist nicht exklusiv,
sondern resonant.



2. Aufhebung von Rang und Zeit

Der Buddha betont ausdrücklich:
• kein besser / schlechter
• kein früher / später

Das ist entscheidend für das Kommende.

Die Wege unterscheiden sich nicht im Ziel,
sondern in der Passung.



3. Die entscheidende Frage

Der Buddha stellt zwei präzise Fragen, die alles bündeln:
1. Für Ananda:
Welcher Weg entspricht seiner Wurzel?
2. Für zukünftige Wesen:
Welches Tor ist am leichtesten zugänglich?

Das ist keine Hierarchie,
sondern didaktische Verantwortung.



4. Vorbereitung auf die Auswahl des Ohrentores

Die Szene bereitet methodisch vor:
• Alle Wege sind gültig
• Aber nicht jeder Weg passt zu jedem Wesen

Damit wird die spätere Wahl des Hörens
nicht als Dogma,
sondern als situativ geeignet begründet.



5. Verdichtung

Wahrheit ist nicht exklusiv.

Doch der Zugang
muss passen.

Darum fragt der Buddha nicht:
Was ist richtig?
sondern:
Was hilft?
240 #
文殊師利法王子奉佛慈旨,即從座起,頂禮佛足,承佛威神,說偈對佛:
「覺海性澄圓,圓澄覺元妙;
元明照生所,所立照性亡。
迷妄有虛空,依空立世界。
想澄成國土,知覺乃眾生。
空生大覺中,如海一漚發;
有漏微塵國,皆[1]從空所生。
漚滅空本無,況復諸三有?
Mañjuśrī, der Dharma-Königssohn,
empfing den mitfühlenden Auftrag des Buddha,
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich vor den Füßen des Buddha
und sprach – gestützt auf die Kraft des Buddha –
in einem Vers:

„Das Meer des Erwachens
ist seiner Natur nach
klar und vollkommen rund;
in dieser vollkommenen Klarheit
ist das Erwachen
ursprünglich und wunderbar.

Das ursprüngliche Leuchten
erhellt die Bereiche des Entstehens;
doch sobald Bereiche festgelegt werden,
geht die leuchtende Natur verloren.

Aus Verblendung
entsteht der leere Raum;
auf dem Raum aufbauend
entstehen die Welten.

Wenn Vorstellungen sich verdichten,
entstehen Länder;
aus Erkennen und Gewahrsein
werden die Lebewesen.

Der Raum entsteht
im großen Erwachen –
wie eine einzelne Schaumblase
auf dem Meer.

Alle bedingten,
mit Ausflüssen behafteten
staubfeinen Weltbereiche
entstehen aus dem Raum.

Wenn die Blase vergeht,
ist der Raum ursprünglich nicht vorhanden;
wie sollte dann
die dreifache Daseinswelt bestehen?“
Kommentar öffnen
Dieser Vers ist eine der dichtesten ontologischen Verdichtungen des gesamten Śūraṅgama-Sutras.
Er ist keine Kosmologie, sondern eine Entstehungsanalyse aus Verkennung.



1. „Das Erwachensmeer“

Das Bild des Meeres ist entscheidend:
• Meer = grenzenlose, ungeteilte Klarheit
• nicht Subjekt
• nicht Objekt
• nicht Bewusstsein im psychologischen Sinn

Erwachen ist kein Zustand,
sondern der Grund,
in dem Zustände erscheinen.



2. Der erste Fehler: „Orte setzen“

„所立照性亡“ ist zentral.

Nicht die Welt ist das Problem,
sondern das Setzen von Standpunkten.

Sobald etwas als „Ort“, „Position“ oder „Innen/Außen“ fixiert wird,
geht die unmittelbare Klarheit verloren.

Das ist der Urfehler.



3. Raum ist kein neutrales Gefäß

Der Vers sagt klar:

Raum entsteht aus Verblendung.

Raum ist kein absolutes Medium,
sondern bereits eine erste Verdinglichung.

Das ist radikal –
und widerspricht naivem Realismus ebenso wie bloßem Idealismus.



4. Welt, Land, Wesen – eine Kaskade

Die Abfolge ist streng:
1. Verblendung
2. Raum
3. Welt
4. Land
5. Wesen

Es gibt keinen Sprung,
keinen Schöpfer,
keine erste Ursache.

Nur Verdichtung von Vorstellung.



5. Die Blase im Meer

Die berühmteste Metapher:

Raum ist zum Erwachen
wie eine Blase zum Meer.

Wichtig:
• Die Blase existiert scheinbar
• aber sie ist nur eine lokale Erscheinung des Meeres

Wenn die Blase vergeht,
war das Meer nie betroffen.



6. Konsequenz für Samsara

„三有“ – die drei Daseinsbereiche –
sind nicht stabiler als Raum.

Wenn Raum selbst nicht substantiell ist,
können Geburt, Tod und Welt
keine letzte Wirklichkeit besitzen.

Das ist keine Weltverneinung,
sondern Ent-Absolutierung.



7. Verdichtung

Welt entsteht nicht aus Sein,
sondern aus Verkennen.

Raum ist keine Bühne,
sondern bereits eine Spur von Verblendung.

Erwachen ist kein Zustand jenseits der Welt,
sondern der Grund,
in dem Welt als Blase erscheint.
中文原文
文殊師利法王子奉佛慈旨,即從座起,頂禮佛足,承佛威神,說偈對佛:
「覺海性澄圓,圓澄覺元妙;
元明照生所,所立照性亡。
迷妄有虛空,依空立世界。
想澄成國土,知覺乃眾生。
空生大覺中,如海一漚發;
有漏微塵國,皆[1]從空所生。
漚滅空本無,況復諸三有?
Deutsch
Mañjuśrī, der Dharma-Königssohn,
empfing den mitfühlenden Auftrag des Buddha,
erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich vor den Füßen des Buddha
und sprach – gestützt auf die Kraft des Buddha –
in einem Vers:

„Das Meer des Erwachens
ist seiner Natur nach
klar und vollkommen rund;
in dieser vollkommenen Klarheit
ist das Erwachen
ursprünglich und wunderbar.

Das ursprüngliche Leuchten
erhellt die Bereiche des Entstehens;
doch sobald Bereiche festgelegt werden,
geht die leuchtende Natur verloren.

Aus Verblendung
entsteht der leere Raum;
auf dem Raum aufbauend
entstehen die Welten.

Wenn Vorstellungen sich verdichten,
entstehen Länder;
aus Erkennen und Gewahrsein
werden die Lebewesen.

Der Raum entsteht
im großen Erwachen –
wie eine einzelne Schaumblase
auf dem Meer.

Alle bedingten,
mit Ausflüssen behafteten
staubfeinen Weltbereiche
entstehen aus dem Raum.

Wenn die Blase vergeht,
ist der Raum ursprünglich nicht vorhanden;
wie sollte dann
die dreifache Daseinswelt bestehen?“
Kommentar
Dieser Vers ist eine der dichtesten ontologischen Verdichtungen des gesamten Śūraṅgama-Sutras.
Er ist keine Kosmologie, sondern eine Entstehungsanalyse aus Verkennung.



1. „Das Erwachensmeer“

Das Bild des Meeres ist entscheidend:
• Meer = grenzenlose, ungeteilte Klarheit
• nicht Subjekt
• nicht Objekt
• nicht Bewusstsein im psychologischen Sinn

Erwachen ist kein Zustand,
sondern der Grund,
in dem Zustände erscheinen.



2. Der erste Fehler: „Orte setzen“

„所立照性亡“ ist zentral.

Nicht die Welt ist das Problem,
sondern das Setzen von Standpunkten.

Sobald etwas als „Ort“, „Position“ oder „Innen/Außen“ fixiert wird,
geht die unmittelbare Klarheit verloren.

Das ist der Urfehler.



3. Raum ist kein neutrales Gefäß

Der Vers sagt klar:

Raum entsteht aus Verblendung.

Raum ist kein absolutes Medium,
sondern bereits eine erste Verdinglichung.

Das ist radikal –
und widerspricht naivem Realismus ebenso wie bloßem Idealismus.



4. Welt, Land, Wesen – eine Kaskade

Die Abfolge ist streng:
1. Verblendung
2. Raum
3. Welt
4. Land
5. Wesen

Es gibt keinen Sprung,
keinen Schöpfer,
keine erste Ursache.

Nur Verdichtung von Vorstellung.



5. Die Blase im Meer

Die berühmteste Metapher:

Raum ist zum Erwachen
wie eine Blase zum Meer.

Wichtig:
• Die Blase existiert scheinbar
• aber sie ist nur eine lokale Erscheinung des Meeres

Wenn die Blase vergeht,
war das Meer nie betroffen.



6. Konsequenz für Samsara

„三有“ – die drei Daseinsbereiche –
sind nicht stabiler als Raum.

Wenn Raum selbst nicht substantiell ist,
können Geburt, Tod und Welt
keine letzte Wirklichkeit besitzen.

Das ist keine Weltverneinung,
sondern Ent-Absolutierung.



7. Verdichtung

Welt entsteht nicht aus Sein,
sondern aus Verkennen.

Raum ist keine Bühne,
sondern bereits eine Spur von Verblendung.

Erwachen ist kein Zustand jenseits der Welt,
sondern der Grund,
in dem Welt als Blase erscheint.
241 #
歸元性無二, 方便有多門。
聖性無不通, 順逆皆方便;
初心入三昧, 遲速不同倫:
色想結成塵, 精了不能徹,
如何不明徹, 於是獲圓通?
Mañjuśrī erklärte:

„Kehrt man zum Ursprung zurück,
ist die Natur ohne Zweiheit;
doch die geschickten Mittel
haben viele verschiedene Zugänge.

Die heilige Natur
ist in nichts undurchdringlich;
ob man mit dem Strom geht
oder gegen ihn –
alles sind lediglich Mittel.

Für Anfänger,
die in Samādhi eintreten,
gibt es Unterschiede
in Geschwindigkeit und Reife.

Form und gedankliche Vorstellung
verfestigen sich zu Staubobjekten;
selbst ein feines, klares Erkennen
kann sie nicht vollständig durchdringen.

Wenn es nicht vollständig durchdringt –
wie könnte man
auf dieser Grundlage
wahre, vollkommene Durchdringung erlangen?“
Kommentar öffnen
Dieser Vers ist die methodische Klärung, die unmittelbar zur Auswahl des Ohrentores führt.



1. Ursprung ohne Zweiheit – Wege mit Vielfalt

Mañjuśrī macht die Grundspannung explizit:
• Ontologisch: der Ursprung ist nicht zwei
• Didaktisch: die Zugänge sind vielfältig

Das verhindert zwei Irrtümer:
• Dogmatismus („nur ein Weg ist richtig“)
• Relativismus („alle Wege sind gleich geeignet“)



2. „Mit dem Strom / gegen den Strom“

Das ist keine Wertung, sondern eine Funktionsbeschreibung:
• mit dem Strom → Wahrnehmung nach außen
• gegen den Strom → Rückwendung zum Ursprung

Beides kann Mittel sein –
aber nicht für jedes Wesen gleich geeignet.



3. Anfängerperspektive ist entscheidend

Mañjuśrī spricht ausdrücklich von 初心 – dem Anfangsgeist.

Nicht:

Was ist letztlich wahr?

sondern:

Womit gelangt ein Anfänger zuverlässig in Sammlung?

Das ist pädagogische Ehrlichkeit, keine metaphysische Hierarchie.



4. Kritik an form- und vorstellungsbasierten Wegen

Der Kern liegt hier:

色想結成塵
Form und Vorstellung verdichten sich zu Staub.

Das meint:
• visuelle Praxis
• imaginatives Arbeiten
• begriffliches Erfassen

Selbst feines Erkennen
bleibt objektgebunden
und stößt an eine Grenze.



5. Die Schlüsselfrage

Der letzte Vers ist eine rhetorische Zäsur:

Wenn es nicht durchdringt –
wie sollte daraus
vollkommene Durchdringung entstehen?

Damit ist der Boden bereitet für die Antwort:

👉 Das Ohrentor,
das nicht auf Form,
nicht auf Vorstellung
und nicht auf Distanz beruht.



6. Verdichtung

Der Ursprung ist einer.
Die Wege sind viele.

Doch nicht jeder Weg
trägt Anfänger hindurch.

Wo Wahrnehmung an Form haftet,
bleibt Durchdringung unvollständig.
中文原文
歸元性無二, 方便有多門。
聖性無不通, 順逆皆方便;
初心入三昧, 遲速不同倫:
色想結成塵, 精了不能徹,
如何不明徹, 於是獲圓通?
Deutsch
Mañjuśrī erklärte:

„Kehrt man zum Ursprung zurück,
ist die Natur ohne Zweiheit;
doch die geschickten Mittel
haben viele verschiedene Zugänge.

Die heilige Natur
ist in nichts undurchdringlich;
ob man mit dem Strom geht
oder gegen ihn –
alles sind lediglich Mittel.

Für Anfänger,
die in Samādhi eintreten,
gibt es Unterschiede
in Geschwindigkeit und Reife.

Form und gedankliche Vorstellung
verfestigen sich zu Staubobjekten;
selbst ein feines, klares Erkennen
kann sie nicht vollständig durchdringen.

Wenn es nicht vollständig durchdringt –
wie könnte man
auf dieser Grundlage
wahre, vollkommene Durchdringung erlangen?“
Kommentar
Dieser Vers ist die methodische Klärung, die unmittelbar zur Auswahl des Ohrentores führt.



1. Ursprung ohne Zweiheit – Wege mit Vielfalt

Mañjuśrī macht die Grundspannung explizit:
• Ontologisch: der Ursprung ist nicht zwei
• Didaktisch: die Zugänge sind vielfältig

Das verhindert zwei Irrtümer:
• Dogmatismus („nur ein Weg ist richtig“)
• Relativismus („alle Wege sind gleich geeignet“)



2. „Mit dem Strom / gegen den Strom“

Das ist keine Wertung, sondern eine Funktionsbeschreibung:
• mit dem Strom → Wahrnehmung nach außen
• gegen den Strom → Rückwendung zum Ursprung

Beides kann Mittel sein –
aber nicht für jedes Wesen gleich geeignet.



3. Anfängerperspektive ist entscheidend

Mañjuśrī spricht ausdrücklich von 初心 – dem Anfangsgeist.

Nicht:

Was ist letztlich wahr?

sondern:

Womit gelangt ein Anfänger zuverlässig in Sammlung?

Das ist pädagogische Ehrlichkeit, keine metaphysische Hierarchie.



4. Kritik an form- und vorstellungsbasierten Wegen

Der Kern liegt hier:

色想結成塵
Form und Vorstellung verdichten sich zu Staub.

Das meint:
• visuelle Praxis
• imaginatives Arbeiten
• begriffliches Erfassen

Selbst feines Erkennen
bleibt objektgebunden
und stößt an eine Grenze.



5. Die Schlüsselfrage

Der letzte Vers ist eine rhetorische Zäsur:

Wenn es nicht durchdringt –
wie sollte daraus
vollkommene Durchdringung entstehen?

Damit ist der Boden bereitet für die Antwort:

👉 Das Ohrentor,
das nicht auf Form,
nicht auf Vorstellung
und nicht auf Distanz beruht.



6. Verdichtung

Der Ursprung ist einer.
Die Wege sind viele.

Doch nicht jeder Weg
trägt Anfänger hindurch.

Wo Wahrnehmung an Form haftet,
bleibt Durchdringung unvollständig.
242 #
音聲雜語言, 但伊名句味,
一非含一切, 云何獲圓通?
香以合中知, 離則元無有,
不恒其所覺, 云何獲圓通?
味性非本然, 要以味時有,
其覺不恒一, 云何獲圓通?
觸以所觸明, 無所不明觸,
合離性非定, 云何獲圓通?
法稱為內塵: 憑塵必有所,
能所非遍涉, 云何獲圓通?
見性雖洞然, 明前不明後,
四維虧一半, 云何獲圓通?
鼻息出入通, 現前無交氣,
支離匪涉入, 云何獲圓通?
舌非入無端, 因味生覺了,
味亡了無有, 云何獲圓通?
身與所觸同, 各非圓覺觀,
涯量不冥會, 云何獲圓通?
知根雜亂思, 湛了終無見,
想念不可脫, 云何獲圓通?
識見雜三和, 詰本稱非相,
自體先無定, 云何獲圓通?
心聞洞十方, 生于大因力,
初心不能入, 云何獲圓通?
鼻想本權機, 秖令攝心住,
住成心所住, 云何獲圓通?
說法弄音文, 開悟先成者,
名句非無漏, 云何獲圓通?
持犯但束身, 非身無所束,
元非遍一切, 云何獲圓通?
Mañjuśrī erläuterte:

„Klang, vermischt mit Sprache,
bleibt an Namen, Sätze und Bedeutungen gebunden.
Kein einzelner Aspekt
umfasst das Ganze –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Geruch wird nur im Kontakt erkannt;
ohne diesen Kontakt
existiert er ursprünglich nicht.
Da das Erkennen nicht beständig ist,
kann so keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Geschmack entsteht nur im Moment des Schmeckens
und ist nicht von Natur aus vorhanden.
Das Erkennen ist wechselhaft –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Berührung wird nur durch das Berührte erkannt;
ohne Objekt gibt es keine Berührung.
Da Vereinigung und Trennung unbeständig sind,
kann so keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Gedankeninhalte gelten als innerer Staub;
stützt man sich auf sie,
muss es ein Objekt geben.
Subjekt und Objekt
durchdringen sich nicht vollständig –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Das Sehen ist zwar klar,
doch es erkennt nur nach vorne,
nicht nach hinten.
In den vier Richtungen
bleibt stets ein Mangel –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Der Atem der Nase
geht ein und aus,
doch die Atemzüge
durchdringen einander nicht.
Getrennt und fragmentiert –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Zunge erkennt nur durch Geschmack;
ohne Geschmack
gibt es kein Erkennen.
Da Erkennen vom Objekt abhängt,
kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Körper und Berührung
stehen einander gegenüber;
keiner von beiden
ist umfassendes Erwachen.
Grenzen lassen sich nicht überschreiten –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Denkfunktion
ist mit unruhigen Gedanken vermischt;
selbst in Klarheit
gibt es kein unmittelbares Sehen.
Vorstellungen lösen sich nicht –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Bewusstsein entsteht
aus einer Vermischung mehrerer Faktoren;
fragt man nach seiner Natur,
ist sie nicht fest bestimmbar.
Da sie keinen stabilen Grund hat,
kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Das hörende Herz
durchdringt zwar die zehn Richtungen,
entsteht aber aus großer Ursachenpraxis.
Für Anfänger
ist dieser Zugang nicht unmittelbar –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Nasenbezogene Vorstellungsübungen
sind lediglich geschickte Hilfen
zur Sammlung des Geistes.
Wird der Geist festgehalten,
entsteht erneut Anhaftung –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Lehrrede arbeitet mit Laut und Schrift;
wer dadurch zuerst erwacht,
stützt sich auf Benennung.
Benennung ist nicht frei von Ausflüssen –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Das Halten oder Übertreten von Regeln
reguliert nur den Körper.
Ohne Körper
gibt es nichts zu regulieren.
Da dies nicht allumfassend ist,
kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine Abwertung anderer Wege,
sondern eine präzise funktionale Prüfung.



1. Das gemeinsame Kriterium

Alle verworfenen Zugänge haben eine gemeinsame Grenze:

Sie bleiben objektabhängig.

Wo ein Objekt nötig ist,
• Klang
• Duft
• Geschmack
• Berührung
• Gedanke
• Bild
• Regel
• Begriff

bleibt Wahrnehmung gebunden.



2. „Nicht durchdringend“ heißt nicht „falsch“

Mañjuśrī sagt nirgendwo, dass diese Wege nutzlos seien.

Er sagt:

Sie führen nicht zuverlässig
zur vollkommenen Durchdringung.

Für Teilaspekte – ja.
Für Befreiung – nicht vollständig.



3. Anfängerperspektive bleibt Maßstab

Entscheidend ist wieder:

初心 – der Anfangsgeist.

Ein Weg, der für Fortgeschrittene tragfähig ist,
kann für Anfänger bindend wirken.



4. Der methodische Drehpunkt

Alle Wege scheitern an einem Punkt:

Sie setzen etwas fest,
das wieder losgelassen werden müsste.

Das Ohrentor hingegen
arbeitet ohne Objektfixierung.



5. Vorbereitung der positiven Wahl

Dieser lange Negativkatalog
ist didaktisch notwendig:

Nicht, um auszuschließen,
sondern um Eignung zu klären.

Jetzt ist der Raum frei
für die klare Empfehlung des Hörens
als am wenigsten bindender Zugang.



6. Verdichtung

Wo Wahrnehmung ein Objekt braucht,
bleibt sie gebunden.

Vollkommene Durchdringung
entsteht dort,
wo Wahrnehmung
auf sich selbst zurückfällt.
中文原文
音聲雜語言, 但伊名句味,
一非含一切, 云何獲圓通?
香以合中知, 離則元無有,
不恒其所覺, 云何獲圓通?
味性非本然, 要以味時有,
其覺不恒一, 云何獲圓通?
觸以所觸明, 無所不明觸,
合離性非定, 云何獲圓通?
法稱為內塵: 憑塵必有所,
能所非遍涉, 云何獲圓通?
見性雖洞然, 明前不明後,
四維虧一半, 云何獲圓通?
鼻息出入通, 現前無交氣,
支離匪涉入, 云何獲圓通?
舌非入無端, 因味生覺了,
味亡了無有, 云何獲圓通?
身與所觸同, 各非圓覺觀,
涯量不冥會, 云何獲圓通?
知根雜亂思, 湛了終無見,
想念不可脫, 云何獲圓通?
識見雜三和, 詰本稱非相,
自體先無定, 云何獲圓通?
心聞洞十方, 生于大因力,
初心不能入, 云何獲圓通?
鼻想本權機, 秖令攝心住,
住成心所住, 云何獲圓通?
說法弄音文, 開悟先成者,
名句非無漏, 云何獲圓通?
持犯但束身, 非身無所束,
元非遍一切, 云何獲圓通?
Deutsch
Mañjuśrī erläuterte:

„Klang, vermischt mit Sprache,
bleibt an Namen, Sätze und Bedeutungen gebunden.
Kein einzelner Aspekt
umfasst das Ganze –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Geruch wird nur im Kontakt erkannt;
ohne diesen Kontakt
existiert er ursprünglich nicht.
Da das Erkennen nicht beständig ist,
kann so keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Geschmack entsteht nur im Moment des Schmeckens
und ist nicht von Natur aus vorhanden.
Das Erkennen ist wechselhaft –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Berührung wird nur durch das Berührte erkannt;
ohne Objekt gibt es keine Berührung.
Da Vereinigung und Trennung unbeständig sind,
kann so keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Gedankeninhalte gelten als innerer Staub;
stützt man sich auf sie,
muss es ein Objekt geben.
Subjekt und Objekt
durchdringen sich nicht vollständig –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Das Sehen ist zwar klar,
doch es erkennt nur nach vorne,
nicht nach hinten.
In den vier Richtungen
bleibt stets ein Mangel –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Der Atem der Nase
geht ein und aus,
doch die Atemzüge
durchdringen einander nicht.
Getrennt und fragmentiert –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Zunge erkennt nur durch Geschmack;
ohne Geschmack
gibt es kein Erkennen.
Da Erkennen vom Objekt abhängt,
kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Körper und Berührung
stehen einander gegenüber;
keiner von beiden
ist umfassendes Erwachen.
Grenzen lassen sich nicht überschreiten –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Denkfunktion
ist mit unruhigen Gedanken vermischt;
selbst in Klarheit
gibt es kein unmittelbares Sehen.
Vorstellungen lösen sich nicht –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Bewusstsein entsteht
aus einer Vermischung mehrerer Faktoren;
fragt man nach seiner Natur,
ist sie nicht fest bestimmbar.
Da sie keinen stabilen Grund hat,
kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Das hörende Herz
durchdringt zwar die zehn Richtungen,
entsteht aber aus großer Ursachenpraxis.
Für Anfänger
ist dieser Zugang nicht unmittelbar –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Nasenbezogene Vorstellungsübungen
sind lediglich geschickte Hilfen
zur Sammlung des Geistes.
Wird der Geist festgehalten,
entsteht erneut Anhaftung –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Lehrrede arbeitet mit Laut und Schrift;
wer dadurch zuerst erwacht,
stützt sich auf Benennung.
Benennung ist nicht frei von Ausflüssen –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Das Halten oder Übertreten von Regeln
reguliert nur den Körper.
Ohne Körper
gibt es nichts zu regulieren.
Da dies nicht allumfassend ist,
kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine Abwertung anderer Wege,
sondern eine präzise funktionale Prüfung.



1. Das gemeinsame Kriterium

Alle verworfenen Zugänge haben eine gemeinsame Grenze:

Sie bleiben objektabhängig.

Wo ein Objekt nötig ist,
• Klang
• Duft
• Geschmack
• Berührung
• Gedanke
• Bild
• Regel
• Begriff

bleibt Wahrnehmung gebunden.



2. „Nicht durchdringend“ heißt nicht „falsch“

Mañjuśrī sagt nirgendwo, dass diese Wege nutzlos seien.

Er sagt:

Sie führen nicht zuverlässig
zur vollkommenen Durchdringung.

Für Teilaspekte – ja.
Für Befreiung – nicht vollständig.



3. Anfängerperspektive bleibt Maßstab

Entscheidend ist wieder:

初心 – der Anfangsgeist.

Ein Weg, der für Fortgeschrittene tragfähig ist,
kann für Anfänger bindend wirken.



4. Der methodische Drehpunkt

Alle Wege scheitern an einem Punkt:

Sie setzen etwas fest,
das wieder losgelassen werden müsste.

Das Ohrentor hingegen
arbeitet ohne Objektfixierung.



5. Vorbereitung der positiven Wahl

Dieser lange Negativkatalog
ist didaktisch notwendig:

Nicht, um auszuschließen,
sondern um Eignung zu klären.

Jetzt ist der Raum frei
für die klare Empfehlung des Hörens
als am wenigsten bindender Zugang.



6. Verdichtung

Wo Wahrnehmung ein Objekt braucht,
bleibt sie gebunden.

Vollkommene Durchdringung
entsteht dort,
wo Wahrnehmung
auf sich selbst zurückfällt.
243 #
神通本宿因, 何關法分別,
念緣非離物, 云何獲圓通?
若以地性觀, 堅礙非通達,
有為非聖性, 云何獲圓通?
若以水性觀, 想念非真實,
如如非覺觀, 云何獲圓通?
若以火性觀, 厭有非真離,
非初心方便, 云何獲圓通?
若以風性觀, 動寂非無對,
對非無上覺, 云何獲圓通?
若以空性觀。 昏鈍先非覺,
無覺異菩提, 云何獲圓通?
若以識性觀, 觀識非常住,
存心乃虛妄, 云何獲圓通?
諸行是無常, 念性[2]元生滅,
因果今殊感, 云何獲圓通?
Mañjuśrī erläuterte:

„Übernatürliche Fähigkeiten
beruhen auf früheren karmischen Voraussetzungen
und stehen nicht in direktem Zusammenhang
mit der Unterscheidung des Dharma.
Gedankliche Verknüpfungen
bleiben an Dinge gebunden –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Erd-Natur
führt zu Festigkeit und Behinderung,
nicht zu Durchlässigkeit.
Alles Bedingte
ist nicht die heilige Natur –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Wasser-Natur
stützt sich auf Vorstellungen,
die nicht wirklich sind.
Das So-Sein
ist kein Objekt der Erkenntnis –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Feuer-Natur
führt zu Abneigung gegenüber dem Seienden,
doch Abneigung
ist keine wahre Befreiung.
Dies ist kein geeigneter Einstieg
für Anfänger –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Wind-Natur
bleibt im Gegensatz von Bewegung und Ruhe.
Wo es ein Gegenüber gibt,
ist kein höchstes Erwachen –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Raum-Natur
führt zunächst zu Dumpfheit,
nicht zu Erwachen.
Abwesenheit von Erkennen
ist nicht Bodhi –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Bewusstseins-Natur
zeigt, dass Bewusstsein nicht beständig ist.
Den Geist festzuhalten
ist selbst Täuschung –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Alle gestalteten Prozesse
sind unbeständig.
Die Natur des Denkens
ist von Ursprung an
Geburt und Vergehen.
Ursache und Wirkung
erzeugen unterschiedliche Erfahrungen –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt schließt die systematische Ausschlussprüfung ab.
Er richtet sich nicht gegen Praxis, sondern gegen falsche Endpunkte.



1. Kräfte, Elemente, Bewusstsein – kein letzter Grund

Mañjuśrī prüft nun:
• Siddhis (Kräfte)
• die vier Elemente
• Raum
• Bewusstsein
• Prozesshaftigkeit selbst

Und zeigt:

Alles, was bedingt ist,
kann nicht der Ursprung sein.



2. Der subtile Fehler: Verwechslung von Methode und Ziel

Viele dieser Wege sind legitim –
aber sie werden hier verworfen, wenn man sie absolut setzt.

Was zur Sammlung dient,
wird zum Hindernis,
wenn man es für den Grund hält.



3. Warum „Nicht-Erkennen“ kein Erwachen ist

Besonders wichtig:

空性觀 → Dumpfheit ist nicht Erwachen.

Das ist eine klare Abgrenzung
gegen falschen Quietismus
oder bloßes Leersein.



4. Warum Bewusstsein nicht genügt

Das Bewusstsein wird hier entlarvt:
• nicht stabil
• abhängig
• selbst Objekt von Betrachtung

Der Geist kann sich selbst nicht festhalten,
ohne sich zu verfehlen.



5. Der Boden ist nun frei

Nach dieser vollständigen Prüfung
bleibt nur ein Tor übrig,
das:
• nicht objektabhängig ist
• nicht bedingt ist
• nicht verdinglicht
• für Anfänger zugänglich ist

👉 das Ohrentor.



6. Verdichtung

Alles Bedingte
kann Sammlung tragen,
aber nicht den Ursprung.

Vollkommene Durchdringung
beginnt dort,
wo Wahrnehmung
nicht mehr an etwas hängt.
中文原文
神通本宿因, 何關法分別,
念緣非離物, 云何獲圓通?
若以地性觀, 堅礙非通達,
有為非聖性, 云何獲圓通?
若以水性觀, 想念非真實,
如如非覺觀, 云何獲圓通?
若以火性觀, 厭有非真離,
非初心方便, 云何獲圓通?
若以風性觀, 動寂非無對,
對非無上覺, 云何獲圓通?
若以空性觀。 昏鈍先非覺,
無覺異菩提, 云何獲圓通?
若以識性觀, 觀識非常住,
存心乃虛妄, 云何獲圓通?
諸行是無常, 念性[2]元生滅,
因果今殊感, 云何獲圓通?
Deutsch
Mañjuśrī erläuterte:

„Übernatürliche Fähigkeiten
beruhen auf früheren karmischen Voraussetzungen
und stehen nicht in direktem Zusammenhang
mit der Unterscheidung des Dharma.
Gedankliche Verknüpfungen
bleiben an Dinge gebunden –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Erd-Natur
führt zu Festigkeit und Behinderung,
nicht zu Durchlässigkeit.
Alles Bedingte
ist nicht die heilige Natur –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Wasser-Natur
stützt sich auf Vorstellungen,
die nicht wirklich sind.
Das So-Sein
ist kein Objekt der Erkenntnis –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Feuer-Natur
führt zu Abneigung gegenüber dem Seienden,
doch Abneigung
ist keine wahre Befreiung.
Dies ist kein geeigneter Einstieg
für Anfänger –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Wind-Natur
bleibt im Gegensatz von Bewegung und Ruhe.
Wo es ein Gegenüber gibt,
ist kein höchstes Erwachen –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Raum-Natur
führt zunächst zu Dumpfheit,
nicht zu Erwachen.
Abwesenheit von Erkennen
ist nicht Bodhi –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Die Betrachtung der Bewusstseins-Natur
zeigt, dass Bewusstsein nicht beständig ist.
Den Geist festzuhalten
ist selbst Täuschung –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.

Alle gestalteten Prozesse
sind unbeständig.
Die Natur des Denkens
ist von Ursprung an
Geburt und Vergehen.
Ursache und Wirkung
erzeugen unterschiedliche Erfahrungen –
so kann keine vollkommene Durchdringung entstehen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt schließt die systematische Ausschlussprüfung ab.
Er richtet sich nicht gegen Praxis, sondern gegen falsche Endpunkte.



1. Kräfte, Elemente, Bewusstsein – kein letzter Grund

Mañjuśrī prüft nun:
• Siddhis (Kräfte)
• die vier Elemente
• Raum
• Bewusstsein
• Prozesshaftigkeit selbst

Und zeigt:

Alles, was bedingt ist,
kann nicht der Ursprung sein.



2. Der subtile Fehler: Verwechslung von Methode und Ziel

Viele dieser Wege sind legitim –
aber sie werden hier verworfen, wenn man sie absolut setzt.

Was zur Sammlung dient,
wird zum Hindernis,
wenn man es für den Grund hält.



3. Warum „Nicht-Erkennen“ kein Erwachen ist

Besonders wichtig:

空性觀 → Dumpfheit ist nicht Erwachen.

Das ist eine klare Abgrenzung
gegen falschen Quietismus
oder bloßes Leersein.



4. Warum Bewusstsein nicht genügt

Das Bewusstsein wird hier entlarvt:
• nicht stabil
• abhängig
• selbst Objekt von Betrachtung

Der Geist kann sich selbst nicht festhalten,
ohne sich zu verfehlen.



5. Der Boden ist nun frei

Nach dieser vollständigen Prüfung
bleibt nur ein Tor übrig,
das:
• nicht objektabhängig ist
• nicht bedingt ist
• nicht verdinglicht
• für Anfänger zugänglich ist

👉 das Ohrentor.



6. Verdichtung

Alles Bedingte
kann Sammlung tragen,
aber nicht den Ursprung.

Vollkommene Durchdringung
beginnt dort,
wo Wahrnehmung
nicht mehr an etwas hängt.
244 #
我今白世尊: 佛出娑婆界,
此方真教體, 清淨在音聞;
欲取三摩[*]提, 實以聞中入。
離苦得解脫, 良哉觀世音!
於恒沙劫中, 入微塵佛國,
得大自在力, 無畏施眾生。
妙音、觀世音、 梵音、海潮音,
救世悉安寧, 出世獲常住。
Mañjuśrī erklärte:

„Ich richte nun
mein Wort an den Weltverehrten:

Der Buddha ist
in der Saha-Welt erschienen.
Die eigentliche Gestalt
der Lehre in diesem Bereich
liegt in der Reinheit des Hörens.

Will man Samādhi verwirklichen,
so ist der tatsächliche Zugang,
durch das Hören einzutreten.

Leiden verlassen
und Befreiung erlangen –
wie treffend ist doch
der Weg Avalokiteśvaras!

Durch unzählige Zeitalter,
so zahlreich wie die Sande des Ganges,
ist er
in unzählige Buddha-Länder eingetreten,
hat große Freiheit verwirklicht
und den Wesen
Furchtlosigkeit gewährt.

Wunderbarer Klang,
Klang des Hörens der Welt,
Brahma-Klang,
Klang der Meeresbrandung –
er bringt Rettung
und umfassende Ruhe in der Welt
und führt jenseits der Welt
zur beständigen Wirklichkeit.“
Kommentar öffnen
Dieser Vers ist die explizite Entscheidung im Śūraṅgama-Sutra.



1. Warum die Saha-Welt das Ohrentor braucht

Mañjuśrī sagt nicht:

Das Ohrentor ist absolut überlegen.

Er sagt:

In dieser Welt ist dies der passende Zugang.

Die Saha-Welt ist geprägt von:
• Lärm
• Reibung
• Kontakt
• Leid durch Beziehung

Hören ist hier unvermeidlich –
und deshalb direkt nutzbar.



2. „Die Lehre hat ihr Wesen im Hören“

Das ist radikal:

Nicht Texte,
nicht Rituale,
nicht Bilder,
nicht Vorstellungen –

sondern unmittelbare Wahrnehmung,
die sich selbst zurücknimmt.



3. Warum Hören leichter ist als Sehen
• Sehen trennt
• Hören durchdringt
• Klang kommt, ohne festgehalten zu werden

Hören zwingt nicht zur Distanz.

Darum ist es für Anfänger
zugänglicher.



4. Die vier Namen des Klangs

Die vier Klangbezeichnungen sind keine Hierarchie, sondern Funktionsaspekte:
• Wunderbarer Klang – nicht festgelegt
• Guanyin-Klang – hörendes Mitgefühl
• Brahma-Klang – ordnende Klarheit
• Meeresbrandungs-Klang – unaufhörliche Gegenwart

Sie beschreiben eine Wirklichkeit,
nicht vier verschiedene Dinge.



5. Rettung in und jenseits der Welt

Der Vers hält beides zusammen:
• in der Welt → Beruhigung, Schutz, Furchtlosigkeit
• jenseits der Welt → Beständigkeit, Nicht-Vergehen

Das ist das Herz des Mahayana:

Nicht Flucht aus der Welt,
sondern Durchdringung der Welt
ohne Verstrickung.



6. Abschluss-Verdichtung

In dieser Welt
führt der Weg
durch das Hören.

Wo Hören nicht festhält,
wird Mitgefühl wirksam.

Darum ist dieser Zugang
nicht besonders –
sondern passend.
中文原文
我今白世尊: 佛出娑婆界,
此方真教體, 清淨在音聞;
欲取三摩[*]提, 實以聞中入。
離苦得解脫, 良哉觀世音!
於恒沙劫中, 入微塵佛國,
得大自在力, 無畏施眾生。
妙音、觀世音、 梵音、海潮音,
救世悉安寧, 出世獲常住。
Deutsch
Mañjuśrī erklärte:

„Ich richte nun
mein Wort an den Weltverehrten:

Der Buddha ist
in der Saha-Welt erschienen.
Die eigentliche Gestalt
der Lehre in diesem Bereich
liegt in der Reinheit des Hörens.

Will man Samādhi verwirklichen,
so ist der tatsächliche Zugang,
durch das Hören einzutreten.

Leiden verlassen
und Befreiung erlangen –
wie treffend ist doch
der Weg Avalokiteśvaras!

Durch unzählige Zeitalter,
so zahlreich wie die Sande des Ganges,
ist er
in unzählige Buddha-Länder eingetreten,
hat große Freiheit verwirklicht
und den Wesen
Furchtlosigkeit gewährt.

Wunderbarer Klang,
Klang des Hörens der Welt,
Brahma-Klang,
Klang der Meeresbrandung –
er bringt Rettung
und umfassende Ruhe in der Welt
und führt jenseits der Welt
zur beständigen Wirklichkeit.“
Kommentar
Dieser Vers ist die explizite Entscheidung im Śūraṅgama-Sutra.



1. Warum die Saha-Welt das Ohrentor braucht

Mañjuśrī sagt nicht:

Das Ohrentor ist absolut überlegen.

Er sagt:

In dieser Welt ist dies der passende Zugang.

Die Saha-Welt ist geprägt von:
• Lärm
• Reibung
• Kontakt
• Leid durch Beziehung

Hören ist hier unvermeidlich –
und deshalb direkt nutzbar.



2. „Die Lehre hat ihr Wesen im Hören“

Das ist radikal:

Nicht Texte,
nicht Rituale,
nicht Bilder,
nicht Vorstellungen –

sondern unmittelbare Wahrnehmung,
die sich selbst zurücknimmt.



3. Warum Hören leichter ist als Sehen
• Sehen trennt
• Hören durchdringt
• Klang kommt, ohne festgehalten zu werden

Hören zwingt nicht zur Distanz.

Darum ist es für Anfänger
zugänglicher.



4. Die vier Namen des Klangs

Die vier Klangbezeichnungen sind keine Hierarchie, sondern Funktionsaspekte:
• Wunderbarer Klang – nicht festgelegt
• Guanyin-Klang – hörendes Mitgefühl
• Brahma-Klang – ordnende Klarheit
• Meeresbrandungs-Klang – unaufhörliche Gegenwart

Sie beschreiben eine Wirklichkeit,
nicht vier verschiedene Dinge.



5. Rettung in und jenseits der Welt

Der Vers hält beides zusammen:
• in der Welt → Beruhigung, Schutz, Furchtlosigkeit
• jenseits der Welt → Beständigkeit, Nicht-Vergehen

Das ist das Herz des Mahayana:

Nicht Flucht aus der Welt,
sondern Durchdringung der Welt
ohne Verstrickung.



6. Abschluss-Verdichtung

In dieser Welt
führt der Weg
durch das Hören.

Wo Hören nicht festhält,
wird Mitgefühl wirksam.

Darum ist dieser Zugang
nicht besonders –
sondern passend.
245 #
我今啟如來, 如觀音所說。
譬如人靜居, 十方俱擊皷,
十處一時聞, 此則圓真實。
目非觀障外, 口、鼻亦復然。
身以合方知, 心念紛無緒;
隔垣聽音響, 遐邇俱可聞;
五根所不齊, 是則通真實。
音聲性動靜, 聞中為有無;
無聲號無聞, 非實聞無性。
聲無既無滅, 聲有亦非生;
生滅二圓離, 是則常真實。
縱令在夢想, 不為不思無,
覺觀出思惟, 身心不能及。
Ich lege dies nun
dem Tathāgata dar,
in Übereinstimmung mit dem,
was Avalokiteśvara gelehrt hat.

Es ist vergleichbar
mit einem Menschen,
der in stiller Sammlung verweilt:
Wenn aus allen zehn Richtungen
zugleich Trommeln erklingen,
werden die Klänge
an zehn Orten gleichzeitig gehört –
dies zeigt vollkommene, wahre Durchdringung.

Das Sehen kann nicht
durch Hindernisse hindurch erfassen;
auch Mund und Nase
sind in gleicher Weise begrenzt.
Der Körper erkennt nur
durch Berührung;
der Geist denkt ungeordnet
und ohne festen Zusammenhang.

Doch Klänge
können durch Mauern hindurch gehört werden;
ob fern oder nah,
sie sind gleichermaßen vernehmbar.
Unter den fünf Sinneswurzeln
ist dies nicht gleich verteilt –
gerade hierin zeigt sich
wahre Durchdringung.

Der Klang selbst
erscheint als Bewegung und Stille;
im Hören jedoch
zeigt sich Sein und Nichtsein.
Nennt man bei Abwesenheit von Klang
das Hören ‚nicht vorhanden‘,
so ist dies unzutreffend –
denn das Hören besitzt
keine Abwesenheit.

Wenn kein Klang erklingt,
vergeht das Hören nicht;
wenn Klang erklingt,
entsteht das Hören nicht.
Sind Entstehen und Vergehen
beide überschritten,
zeigt sich beständige Wirklichkeit.

Selbst im Traum
oder in bloßen Vorstellungen
wird das Hören
nicht durch fehlendes Denken ausgelöscht.
Gewahrsein und Schauen
entstehen jenseits des Denkens;
Körper und Geist
können sie nicht einholen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die präziseste phänomenologische Begründung des Ohrentores im gesamten Sutra.



1. Das Trommel-Gleichnis

Die Szene ist bewusst einfach:
• stiller Mensch
• gleichzeitiger Klang
• gleichzeitiges Hören

Damit wird gezeigt:

Hören ist nicht ortsgebunden
und nicht richtungsabhängig.

Das ist kein metaphysischer Satz,
sondern direkte Erfahrung.



2. Vergleich der Sinneswurzeln

Mañjuśrī prüft nüchtern:
• Sehen → durch Hindernisse blockiert
• Riechen / Schmecken → kontaktabhängig
• Tasten → nur bei Berührung
• Denken → zerstreut

Hören allein:

durchdringt,
ohne zu greifen.



3. Der entscheidende ontologische Punkt

Der Kern lautet:

Hören entsteht nicht mit dem Klang
und vergeht nicht mit dem Schweigen.

Das unterscheidet Wahrnehmung
von Wahrnehmungsobjekt.



4. Jenseits von Sein und Nichtsein

Wenn Entstehen und Vergehen
beide überschritten sind,
ist das, was bleibt, nicht zeitlich.

Das ist kein Zustand,
sondern der Grund,
in dem Zustände erscheinen.



5. Traum, Denken, Körper

Besonders stark:

Selbst im Traum
geht das Hören nicht verloren.

Das zeigt:
• Hören ist nicht an Wachzustand gebunden
• nicht an Denken
• nicht an Körperkoordination

Darum ist es der verlässlichste Zugang.



6. Verdichtung

Klang kommt und geht.

Hören entsteht nicht
und vergeht nicht.

Wo Wahrnehmung
nicht am Objekt hängt,
öffnet sich der Ursprung.
中文原文
我今啟如來, 如觀音所說。
譬如人靜居, 十方俱擊皷,
十處一時聞, 此則圓真實。
目非觀障外, 口、鼻亦復然。
身以合方知, 心念紛無緒;
隔垣聽音響, 遐邇俱可聞;
五根所不齊, 是則通真實。
音聲性動靜, 聞中為有無;
無聲號無聞, 非實聞無性。
聲無既無滅, 聲有亦非生;
生滅二圓離, 是則常真實。
縱令在夢想, 不為不思無,
覺觀出思惟, 身心不能及。
Deutsch
Ich lege dies nun
dem Tathāgata dar,
in Übereinstimmung mit dem,
was Avalokiteśvara gelehrt hat.

Es ist vergleichbar
mit einem Menschen,
der in stiller Sammlung verweilt:
Wenn aus allen zehn Richtungen
zugleich Trommeln erklingen,
werden die Klänge
an zehn Orten gleichzeitig gehört –
dies zeigt vollkommene, wahre Durchdringung.

Das Sehen kann nicht
durch Hindernisse hindurch erfassen;
auch Mund und Nase
sind in gleicher Weise begrenzt.
Der Körper erkennt nur
durch Berührung;
der Geist denkt ungeordnet
und ohne festen Zusammenhang.

Doch Klänge
können durch Mauern hindurch gehört werden;
ob fern oder nah,
sie sind gleichermaßen vernehmbar.
Unter den fünf Sinneswurzeln
ist dies nicht gleich verteilt –
gerade hierin zeigt sich
wahre Durchdringung.

Der Klang selbst
erscheint als Bewegung und Stille;
im Hören jedoch
zeigt sich Sein und Nichtsein.
Nennt man bei Abwesenheit von Klang
das Hören ‚nicht vorhanden‘,
so ist dies unzutreffend –
denn das Hören besitzt
keine Abwesenheit.

Wenn kein Klang erklingt,
vergeht das Hören nicht;
wenn Klang erklingt,
entsteht das Hören nicht.
Sind Entstehen und Vergehen
beide überschritten,
zeigt sich beständige Wirklichkeit.

Selbst im Traum
oder in bloßen Vorstellungen
wird das Hören
nicht durch fehlendes Denken ausgelöscht.
Gewahrsein und Schauen
entstehen jenseits des Denkens;
Körper und Geist
können sie nicht einholen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die präziseste phänomenologische Begründung des Ohrentores im gesamten Sutra.



1. Das Trommel-Gleichnis

Die Szene ist bewusst einfach:
• stiller Mensch
• gleichzeitiger Klang
• gleichzeitiges Hören

Damit wird gezeigt:

Hören ist nicht ortsgebunden
und nicht richtungsabhängig.

Das ist kein metaphysischer Satz,
sondern direkte Erfahrung.



2. Vergleich der Sinneswurzeln

Mañjuśrī prüft nüchtern:
• Sehen → durch Hindernisse blockiert
• Riechen / Schmecken → kontaktabhängig
• Tasten → nur bei Berührung
• Denken → zerstreut

Hören allein:

durchdringt,
ohne zu greifen.



3. Der entscheidende ontologische Punkt

Der Kern lautet:

Hören entsteht nicht mit dem Klang
und vergeht nicht mit dem Schweigen.

Das unterscheidet Wahrnehmung
von Wahrnehmungsobjekt.



4. Jenseits von Sein und Nichtsein

Wenn Entstehen und Vergehen
beide überschritten sind,
ist das, was bleibt, nicht zeitlich.

Das ist kein Zustand,
sondern der Grund,
in dem Zustände erscheinen.



5. Traum, Denken, Körper

Besonders stark:

Selbst im Traum
geht das Hören nicht verloren.

Das zeigt:
• Hören ist nicht an Wachzustand gebunden
• nicht an Denken
• nicht an Körperkoordination

Darum ist es der verlässlichste Zugang.



6. Verdichtung

Klang kommt und geht.

Hören entsteht nicht
und vergeht nicht.

Wo Wahrnehmung
nicht am Objekt hängt,
öffnet sich der Ursprung.
246 #
今此娑婆國, 聲論得宣明,
眾生迷本聞, 循聲故流轉。
阿難縱強記, 不免落邪思,
豈非隨所淪, 旋流獲無妄?
阿難汝諦聽: 我承佛威力,
宣說金剛王、 如幻不思議、
佛母真三昧。 汝聞微塵佛,
一切祕密門, 欲漏不先除,
畜聞成過誤。 將聞持佛佛,
何不自聞聞? 聞非自然生,
因聲有名字。 旋聞與聲脫,
能脫欲誰名? 一根既[1]返源,
六根成解脫。 見、聞如幻翳,
三界若空花。 聞復翳根除,
塵銷覺圓淨; 淨極光通達,
寂照含虛空。 却來觀世間,
猶如夢中事。 摩登伽在夢,
誰能留汝形? 如世巧幻師,
幻作諸男女, 雖見諸根動,
要以一機抽。 息機歸寂然,
諸幻成無性。 六根亦如是,
元依一精明, 分成六和合,
一處成休復, 六用皆不成。
Mañjuśrī erklärte:

„In dieser Saha-Welt
wird das Dharma vor allem
durch Klang entfaltet.
Die Wesen verkennen
ihr ursprüngliches Hören
und folgen stattdessen dem Klang,
wodurch sie im Kreislauf von Geburt und Tod treiben.

Ānanda verfügte über großes Erinnerungsvermögen,
doch selbst er
konnte falschem Denken nicht entgehen.
Ist das nicht genau das:
dem Strom zu folgen und darin zu versinken,
statt den Strom umzuwenden
und das Unverblendete zu erlangen?

Ānanda, höre aufmerksam zu!
Gestützt auf die machtvolle Kraft des Buddha
verkünde ich nun
das diamantgleiche Königssamādhi –
das wie-illusionäre, unfassbare,
wahre Samādhi der Buddhas,
die Mutter des Erwachens.

Du hast die geheimen Dharma-Tore
unzähliger Buddhas gehört;
doch solange Begierde
nicht zuerst beseitigt ist,
wird angesammeltes Hören
zur Ursache von Verfehlung.

Du willst das Hören nutzen,
um den Buddha zu bewahren –
warum hörst du dann
nicht auf das Hören selbst?

Hören entsteht nicht aus sich selbst;
es wird nur durch Klang benannt.
Wendet man das Hören zurück
und löst es vom Klang,
wer sollte dann noch
Begierde binden?

Kehrt eine Sinneswurzel
zu ihrem Ursprung zurück,
werden alle sechs Sinneswurzeln
befreit.

Sehen und Hören
gleichen trügerischen Schleiern;
die drei Daseinsbereiche
sind wie leere Blumen.

Wenn das Hören zurückkehrt,
löst sich der Schleier der Sinneswurzel;
der Sinnesstaub vergeht,
und Erwachen wird rund und rein.
Erreicht diese Reinheit ihr Äußerstes,
durchdringt das Licht alles;
in stiller Klarheit
wird selbst der Raum umfasst.

Blickt man dann
auf die Welt zurück,
erscheint sie
wie ein Geschehen im Traum.

Mātaṅgī war wie im Traum –
wer hätte
dein Wesen festhalten können?

Wie ein geschickter Magier
männliche und weibliche Figuren erzeugt –
auch wenn man sieht,
wie alle Sinnesorgane sich bewegen,
zieht er doch nur
an einer einzigen Fädenkraft.

Lässt man diese Kraft los
und kehrt zur stillen Ruhe zurück,
verlieren alle Illusionen
ihre eigene Natur.

So ist es auch
mit den sechs Sinneswurzeln:
Sie gründen ursprünglich
in einer einzigen feinen Klarheit.
Werden sie geteilt,
entstehen sechs wechselseitige Verbindungen;
kehrt man an einer Stelle zurück
und ruht dort aus,
kommen die sechs Funktionen
nicht mehr zur Wirksamkeit.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die direkte Unterweisung an Ānanda und zugleich die komprimierteste Praxisanleitung des gesamten Zyklus.



1. „Die Saha-Welt lehrt durch Klang“

Das ist keine poetische Aussage, sondern eine Diagnose:
• Beziehung
• Reibung
• Sprache
• Konflikt

In dieser Welt ist Hören unvermeidlich –
darum ist es der direkteste Übungsort.



2. Die Kritik am bloßen Wissen

Ānandas Fehler ist nicht Unwissen,
sondern angesammeltes Hören ohne Rückwendung.

Wissen ohne Rückbindung
wird zur Verirrung.

Das ist eine der schärfsten Aussagen des Sutras.



3. Der zentrale Imperativ

„Warum hörst du nicht auf das Hören selbst?“

Das ist keine Metapher,
sondern konkrete Praxisanweisung.



4. Eine Wurzel genügt

Der Satz

„Kehrt eine Wurzel zurück, werden alle sechs befreit“
ist der praktische Schlüssel:

Nicht alles gleichzeitig,
nicht Kontrolle,
sondern Rückführung an einer Stelle.



5. Traum-Metaphorik ohne Weltverneinung

Die Welt wird nicht negiert,
sondern relativiert:

Wie im Traum ist sie erfahrbar,
aber nicht bindend.



6. Die Illusionisten-Metapher

Alle Vielfalt wird von einer Kraft bewegt.

Nicht sechs Sinne,
sondern eine Klarheit,
die sich aufspaltet.

Löst man den Knoten,
fallen alle Fäden zugleich.



7. Verdichtung

Folge nicht dem Klang.

Wende das Hören.

Kehrt eine Wurzel heim,
lösen sich alle Bindungen.
中文原文
今此娑婆國, 聲論得宣明,
眾生迷本聞, 循聲故流轉。
阿難縱強記, 不免落邪思,
豈非隨所淪, 旋流獲無妄?
阿難汝諦聽: 我承佛威力,
宣說金剛王、 如幻不思議、
佛母真三昧。 汝聞微塵佛,
一切祕密門, 欲漏不先除,
畜聞成過誤。 將聞持佛佛,
何不自聞聞? 聞非自然生,
因聲有名字。 旋聞與聲脫,
能脫欲誰名? 一根既[1]返源,
六根成解脫。 見、聞如幻翳,
三界若空花。 聞復翳根除,
塵銷覺圓淨; 淨極光通達,
寂照含虛空。 却來觀世間,
猶如夢中事。 摩登伽在夢,
誰能留汝形? 如世巧幻師,
幻作諸男女, 雖見諸根動,
要以一機抽。 息機歸寂然,
諸幻成無性。 六根亦如是,
元依一精明, 分成六和合,
一處成休復, 六用皆不成。
Deutsch
Mañjuśrī erklärte:

„In dieser Saha-Welt
wird das Dharma vor allem
durch Klang entfaltet.
Die Wesen verkennen
ihr ursprüngliches Hören
und folgen stattdessen dem Klang,
wodurch sie im Kreislauf von Geburt und Tod treiben.

Ānanda verfügte über großes Erinnerungsvermögen,
doch selbst er
konnte falschem Denken nicht entgehen.
Ist das nicht genau das:
dem Strom zu folgen und darin zu versinken,
statt den Strom umzuwenden
und das Unverblendete zu erlangen?

Ānanda, höre aufmerksam zu!
Gestützt auf die machtvolle Kraft des Buddha
verkünde ich nun
das diamantgleiche Königssamādhi –
das wie-illusionäre, unfassbare,
wahre Samādhi der Buddhas,
die Mutter des Erwachens.

Du hast die geheimen Dharma-Tore
unzähliger Buddhas gehört;
doch solange Begierde
nicht zuerst beseitigt ist,
wird angesammeltes Hören
zur Ursache von Verfehlung.

Du willst das Hören nutzen,
um den Buddha zu bewahren –
warum hörst du dann
nicht auf das Hören selbst?

Hören entsteht nicht aus sich selbst;
es wird nur durch Klang benannt.
Wendet man das Hören zurück
und löst es vom Klang,
wer sollte dann noch
Begierde binden?

Kehrt eine Sinneswurzel
zu ihrem Ursprung zurück,
werden alle sechs Sinneswurzeln
befreit.

Sehen und Hören
gleichen trügerischen Schleiern;
die drei Daseinsbereiche
sind wie leere Blumen.

Wenn das Hören zurückkehrt,
löst sich der Schleier der Sinneswurzel;
der Sinnesstaub vergeht,
und Erwachen wird rund und rein.
Erreicht diese Reinheit ihr Äußerstes,
durchdringt das Licht alles;
in stiller Klarheit
wird selbst der Raum umfasst.

Blickt man dann
auf die Welt zurück,
erscheint sie
wie ein Geschehen im Traum.

Mātaṅgī war wie im Traum –
wer hätte
dein Wesen festhalten können?

Wie ein geschickter Magier
männliche und weibliche Figuren erzeugt –
auch wenn man sieht,
wie alle Sinnesorgane sich bewegen,
zieht er doch nur
an einer einzigen Fädenkraft.

Lässt man diese Kraft los
und kehrt zur stillen Ruhe zurück,
verlieren alle Illusionen
ihre eigene Natur.

So ist es auch
mit den sechs Sinneswurzeln:
Sie gründen ursprünglich
in einer einzigen feinen Klarheit.
Werden sie geteilt,
entstehen sechs wechselseitige Verbindungen;
kehrt man an einer Stelle zurück
und ruht dort aus,
kommen die sechs Funktionen
nicht mehr zur Wirksamkeit.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die direkte Unterweisung an Ānanda und zugleich die komprimierteste Praxisanleitung des gesamten Zyklus.



1. „Die Saha-Welt lehrt durch Klang“

Das ist keine poetische Aussage, sondern eine Diagnose:
• Beziehung
• Reibung
• Sprache
• Konflikt

In dieser Welt ist Hören unvermeidlich –
darum ist es der direkteste Übungsort.



2. Die Kritik am bloßen Wissen

Ānandas Fehler ist nicht Unwissen,
sondern angesammeltes Hören ohne Rückwendung.

Wissen ohne Rückbindung
wird zur Verirrung.

Das ist eine der schärfsten Aussagen des Sutras.



3. Der zentrale Imperativ

„Warum hörst du nicht auf das Hören selbst?“

Das ist keine Metapher,
sondern konkrete Praxisanweisung.



4. Eine Wurzel genügt

Der Satz

„Kehrt eine Wurzel zurück, werden alle sechs befreit“
ist der praktische Schlüssel:

Nicht alles gleichzeitig,
nicht Kontrolle,
sondern Rückführung an einer Stelle.



5. Traum-Metaphorik ohne Weltverneinung

Die Welt wird nicht negiert,
sondern relativiert:

Wie im Traum ist sie erfahrbar,
aber nicht bindend.



6. Die Illusionisten-Metapher

Alle Vielfalt wird von einer Kraft bewegt.

Nicht sechs Sinne,
sondern eine Klarheit,
die sich aufspaltet.

Löst man den Knoten,
fallen alle Fäden zugleich.



7. Verdichtung

Folge nicht dem Klang.

Wende das Hören.

Kehrt eine Wurzel heim,
lösen sich alle Bindungen.
247 #
塵垢應念銷, 成圓明淨妙,
餘塵尚諸學, 明極即如來。
大眾及阿難! 旋汝倒聞機,
反聞聞自性, 性成無上道,
圓通實如是。 此是微塵佛,
一路涅槃門。 過去諸如來,
斯門已成就; 現在諸菩薩,
今各入圓明; 未來修學人,
當依如是法。 我亦從中證,
非唯觀世音。 誠如佛世尊,
詢我諸方便, 以救諸末劫,
求出世間人。 成就涅槃心,
觀世音為最。 自餘諸方便,
皆是佛威神。 即事捨塵勞,
非是長修學, 淺深同說法。
頂禮如來藏, 無漏不思議,
願加被未來, 於此門無惑。
方便易成就, 堪以教阿難,
及末劫沈淪, 但以此根修,
圓通超餘者, 真實心如是。」
Wenn die Verunreinigung der Sinnesobjekte
im Moment des Gewahrseins erlischt,
entfaltet sich runde, helle,
reine und wunderbare Klarheit.
Solange noch feine Restverblendung besteht,
bleibt man unter den Lernenden;
erreicht die Klarheit ihr Äußerstes,
ist dies der Zustand des Buddha.

Ihr große Versammlung
und auch du, Ānanda:
Kehrt nun
die verkehrte Ausrichtung des Hörens um,
wendet das Hören zurück
und hört die eigene Natur.
Wenn diese Natur vollendet ist,
ist der unübertreffliche Weg verwirklicht.

So ist vollkommene Durchdringung.
Dies ist der Weg
aller staubfeinen Buddhas,
eine einzige Pforte
zum Nirvāṇa.

Die Buddhas der Vergangenheit
haben diesen Weg vollendet;
die Bodhisattvas der Gegenwart
treten nun in diese Klarheit ein;
die Übenden der Zukunft
sollen sich an diese Methode halten.

Auch ich selbst
habe durch dieses Tor
Verwirklichung erlangt –
nicht nur Avalokiteśvara.

Da der Buddha mich
nach den geeigneten Mitteln fragte,
um den Wesen der späten Zeitalter zu helfen,
die das Überweltliche suchen,
sage ich:
Um das Herz des Nirvāṇa zu vollenden,
ist der Weg Avalokiteśvaras
der geeignetste.

Die übrigen Methoden
wirken kraft der Macht des Buddha;
sie lösen im Augenblick
Anhaftung,
sind jedoch keine Wege
langfristiger Übung.
Sie lehren Unterschiedliches
je nach Tiefe.

Ich verneige mich
vor dem Tathāgata-Speicher,
dem ausflussfreien,
unfassbaren.
Möge seine Kraft
die Wesen der Zukunft schützen,
damit sie an diesem Tor
nicht zweifeln.

Diese Methode
ist leicht zu verwirklichen
und geeignet,
Ānanda zu lehren
sowie die Wesen der späten Zeitalter,
die im Kreislauf versinken.
Übt man allein
mit dieser Sinneswurzel,
übertrifft vollkommene Durchdringung
alle anderen Wege.

So ist das wahre Herz
tatsächlich.
Kommentar öffnen
Dieser Schluss ist keine bloße Empfehlung,
sondern eine kanonische Festlegung mit didaktischer Begründung.



1. Der Kern in einem Satz

Wende das Hören um
und höre die eigene Natur.

Das ist die einzige explizite Praxisanweisung
des gesamten Zyklus –
klar, knapp, wiederholt.



2. Warum nur eine Wurzel genügt

Die Aussage
„Eine Wurzel kehrt zurück – alle sechs sind befreit“
wird hier endgültig bestätigt:
• Einheit vor Vielheit
• Quelle vor Funktionen

Das ist ökonomisch,
nicht asketisch.



3. Keine Abwertung anderer Wege

Mañjuśrī sagt ausdrücklich:
• andere Wege wirken
• aber situativ
• nicht dauerhaft
• nicht für alle

Das Ohrentor ist nicht exklusiv,
sondern verlässlich.



4. Verantwortung für „späte Zeitalter“

Der Text ist bemerkenswert selbstreflexiv:

Er denkt die eigene Zukunft mit.

Lärm, Zerstreuung, Überreizung –
all das macht Hören heute noch relevanter.



5. Der Tathāgata-Speicher als Ziel

Die Verneigung gilt nicht einer Methode,
sondern dem Tathāgata-Speicher –
dem ursprünglichen Grund,
der sich im Hören offenbart.



6. End-Verdichtung

Wende das Hören um.

Höre nicht dem Klang nach –
höre das Hören selbst.

Eine Wurzel genügt.

Wo sie heimkehrt,
ist alles frei.
中文原文
塵垢應念銷, 成圓明淨妙,
餘塵尚諸學, 明極即如來。
大眾及阿難! 旋汝倒聞機,
反聞聞自性, 性成無上道,
圓通實如是。 此是微塵佛,
一路涅槃門。 過去諸如來,
斯門已成就; 現在諸菩薩,
今各入圓明; 未來修學人,
當依如是法。 我亦從中證,
非唯觀世音。 誠如佛世尊,
詢我諸方便, 以救諸末劫,
求出世間人。 成就涅槃心,
觀世音為最。 自餘諸方便,
皆是佛威神。 即事捨塵勞,
非是長修學, 淺深同說法。
頂禮如來藏, 無漏不思議,
願加被未來, 於此門無惑。
方便易成就, 堪以教阿難,
及末劫沈淪, 但以此根修,
圓通超餘者, 真實心如是。」
Deutsch
Wenn die Verunreinigung der Sinnesobjekte
im Moment des Gewahrseins erlischt,
entfaltet sich runde, helle,
reine und wunderbare Klarheit.
Solange noch feine Restverblendung besteht,
bleibt man unter den Lernenden;
erreicht die Klarheit ihr Äußerstes,
ist dies der Zustand des Buddha.

Ihr große Versammlung
und auch du, Ānanda:
Kehrt nun
die verkehrte Ausrichtung des Hörens um,
wendet das Hören zurück
und hört die eigene Natur.
Wenn diese Natur vollendet ist,
ist der unübertreffliche Weg verwirklicht.

So ist vollkommene Durchdringung.
Dies ist der Weg
aller staubfeinen Buddhas,
eine einzige Pforte
zum Nirvāṇa.

Die Buddhas der Vergangenheit
haben diesen Weg vollendet;
die Bodhisattvas der Gegenwart
treten nun in diese Klarheit ein;
die Übenden der Zukunft
sollen sich an diese Methode halten.

Auch ich selbst
habe durch dieses Tor
Verwirklichung erlangt –
nicht nur Avalokiteśvara.

Da der Buddha mich
nach den geeigneten Mitteln fragte,
um den Wesen der späten Zeitalter zu helfen,
die das Überweltliche suchen,
sage ich:
Um das Herz des Nirvāṇa zu vollenden,
ist der Weg Avalokiteśvaras
der geeignetste.

Die übrigen Methoden
wirken kraft der Macht des Buddha;
sie lösen im Augenblick
Anhaftung,
sind jedoch keine Wege
langfristiger Übung.
Sie lehren Unterschiedliches
je nach Tiefe.

Ich verneige mich
vor dem Tathāgata-Speicher,
dem ausflussfreien,
unfassbaren.
Möge seine Kraft
die Wesen der Zukunft schützen,
damit sie an diesem Tor
nicht zweifeln.

Diese Methode
ist leicht zu verwirklichen
und geeignet,
Ānanda zu lehren
sowie die Wesen der späten Zeitalter,
die im Kreislauf versinken.
Übt man allein
mit dieser Sinneswurzel,
übertrifft vollkommene Durchdringung
alle anderen Wege.

So ist das wahre Herz
tatsächlich.
Kommentar
Dieser Schluss ist keine bloße Empfehlung,
sondern eine kanonische Festlegung mit didaktischer Begründung.



1. Der Kern in einem Satz

Wende das Hören um
und höre die eigene Natur.

Das ist die einzige explizite Praxisanweisung
des gesamten Zyklus –
klar, knapp, wiederholt.



2. Warum nur eine Wurzel genügt

Die Aussage
„Eine Wurzel kehrt zurück – alle sechs sind befreit“
wird hier endgültig bestätigt:
• Einheit vor Vielheit
• Quelle vor Funktionen

Das ist ökonomisch,
nicht asketisch.



3. Keine Abwertung anderer Wege

Mañjuśrī sagt ausdrücklich:
• andere Wege wirken
• aber situativ
• nicht dauerhaft
• nicht für alle

Das Ohrentor ist nicht exklusiv,
sondern verlässlich.



4. Verantwortung für „späte Zeitalter“

Der Text ist bemerkenswert selbstreflexiv:

Er denkt die eigene Zukunft mit.

Lärm, Zerstreuung, Überreizung –
all das macht Hören heute noch relevanter.



5. Der Tathāgata-Speicher als Ziel

Die Verneigung gilt nicht einer Methode,
sondern dem Tathāgata-Speicher –
dem ursprünglichen Grund,
der sich im Hören offenbart.



6. End-Verdichtung

Wende das Hören um.

Höre nicht dem Klang nach –
höre das Hören selbst.

Eine Wurzel genügt.

Wo sie heimkehrt,
ist alles frei.
248 #
於是阿難及諸大眾,身心了然,得大開示,觀佛菩提及大涅槃;猶如有人,因事遠遊未得歸還,明了其家所歸道路。普會大眾,天龍八部、有學二乘、及諸一切新發心菩薩,其數凡有十恒河沙,皆得本心,遠塵離垢,獲法眼淨。性比丘尼聞說偈已,成阿羅漢。無量眾生,皆發無等等阿耨多羅三藐三菩提心。
In diesem Augenblick
wurden Ānanda und die gesamte Versammlung
in Körper und Geist vollständig erhellt.
Sie empfingen eine tiefgreifende Öffnung
und schauten das Erwachen des Buddha
sowie das große Nirvāṇa.

Es war vergleichbar
mit jemandem,
der aus bestimmten Umständen
weit von zu Hause fortgereist war
und den Heimweg noch nicht kannte,
nun aber klar erkennt,
welcher Weg
zurück nach Hause führt.

Die gesamte Versammlung –
Himmlische Wesen, Drachen
und die acht Klassen,
die Übenden der beiden Fahrzeuge
sowie alle neu zum Bodhi Entschlossenen –
insgesamt zehn Ganges-Sand-zählige Wesen –
erlangten ihr ursprüngliches Herz,
entfernten sich von den Staubverunreinigungen
und erlangten die Reinheit des Dharma-Auges.

Die Bhikṣuṇī Xìng,
nachdem sie diese Verse gehört hatte,
erlangte die Arhat-Stufe.

Unzählige Wesen
fassten alle
den unübertrefflichen,
vollkommenen Erwachensentschluss.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist kein bloßer Abschlussbericht,
sondern die existentielle Bestätigung des Weges.



1. „Den Weg nach Hause erkennen“

Das Bild ist zentral:

Nicht etwas Neues wird erlangt,
sondern der Weg zurück wird erkannt.

Erwachen ist hier Heimkehr,
nicht Errungenschaft.



2. „Das ursprüngliche Herz“

Dass „alle ihr ursprüngliches Herz erlangen“,
bedeutet:
• nichts wird hinzugefügt
• nichts wird erschaffen
• nichts wird ersetzt

Es wird wiedererkannt,
was immer schon da war.



3. Das Dharma-Auge

„法眼淨“ ist kein mystisches Sehen,
sondern Unverblendetes Erkennen:
• Dinge werden gesehen,
ohne an ihnen zu haften
• Lehre wird verstanden,
ohne sie zu verabsolutieren

Das ist funktionale Klarheit.



4. Die Rolle der Bhikṣuṇī

Dass die Bhikṣuṇī Xìng
durch das Hören der Verse
die Arhat-Frucht erlangt,
ist kein Nebensatz.

Es bestätigt nochmals:

Das Ohrentor ist unmittelbar wirksam,
unabhängig von Status, Rolle oder Vorstufe.



5. Der Bodhi-Entschluss

Der Text endet nicht bei individueller Befreiung,
sondern bei:

dem Entschluss zum vollständigen Erwachen
für alle Wesen.

Das ist die Mahāyāna-Signatur dieses Zyklus.



6. Verdichtung

Erwachen ist Heimkehr.

Der Weg dorthin
wird gehört,
nicht erkämpft.

Wo das ursprüngliche Herz erkannt wird,
entsteht der Entschluss,
alles mitzutragen.
中文原文
於是阿難及諸大眾,身心了然,得大開示,觀佛菩提及大涅槃;猶如有人,因事遠遊未得歸還,明了其家所歸道路。普會大眾,天龍八部、有學二乘、及諸一切新發心菩薩,其數凡有十恒河沙,皆得本心,遠塵離垢,獲法眼淨。性比丘尼聞說偈已,成阿羅漢。無量眾生,皆發無等等阿耨多羅三藐三菩提心。
Deutsch
In diesem Augenblick
wurden Ānanda und die gesamte Versammlung
in Körper und Geist vollständig erhellt.
Sie empfingen eine tiefgreifende Öffnung
und schauten das Erwachen des Buddha
sowie das große Nirvāṇa.

Es war vergleichbar
mit jemandem,
der aus bestimmten Umständen
weit von zu Hause fortgereist war
und den Heimweg noch nicht kannte,
nun aber klar erkennt,
welcher Weg
zurück nach Hause führt.

Die gesamte Versammlung –
Himmlische Wesen, Drachen
und die acht Klassen,
die Übenden der beiden Fahrzeuge
sowie alle neu zum Bodhi Entschlossenen –
insgesamt zehn Ganges-Sand-zählige Wesen –
erlangten ihr ursprüngliches Herz,
entfernten sich von den Staubverunreinigungen
und erlangten die Reinheit des Dharma-Auges.

Die Bhikṣuṇī Xìng,
nachdem sie diese Verse gehört hatte,
erlangte die Arhat-Stufe.

Unzählige Wesen
fassten alle
den unübertrefflichen,
vollkommenen Erwachensentschluss.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist kein bloßer Abschlussbericht,
sondern die existentielle Bestätigung des Weges.



1. „Den Weg nach Hause erkennen“

Das Bild ist zentral:

Nicht etwas Neues wird erlangt,
sondern der Weg zurück wird erkannt.

Erwachen ist hier Heimkehr,
nicht Errungenschaft.



2. „Das ursprüngliche Herz“

Dass „alle ihr ursprüngliches Herz erlangen“,
bedeutet:
• nichts wird hinzugefügt
• nichts wird erschaffen
• nichts wird ersetzt

Es wird wiedererkannt,
was immer schon da war.



3. Das Dharma-Auge

„法眼淨“ ist kein mystisches Sehen,
sondern Unverblendetes Erkennen:
• Dinge werden gesehen,
ohne an ihnen zu haften
• Lehre wird verstanden,
ohne sie zu verabsolutieren

Das ist funktionale Klarheit.



4. Die Rolle der Bhikṣuṇī

Dass die Bhikṣuṇī Xìng
durch das Hören der Verse
die Arhat-Frucht erlangt,
ist kein Nebensatz.

Es bestätigt nochmals:

Das Ohrentor ist unmittelbar wirksam,
unabhängig von Status, Rolle oder Vorstufe.



5. Der Bodhi-Entschluss

Der Text endet nicht bei individueller Befreiung,
sondern bei:

dem Entschluss zum vollständigen Erwachen
für alle Wesen.

Das ist die Mahāyāna-Signatur dieses Zyklus.



6. Verdichtung

Erwachen ist Heimkehr.

Der Weg dorthin
wird gehört,
nicht erkämpft.

Wo das ursprüngliche Herz erkannt wird,
entsteht der Entschluss,
alles mitzutragen.
249 #
阿難整衣服,[A3]於大眾中合掌頂禮。心迹圓明,悲欣交集,欲益未來諸眾生故,稽首白佛:「大悲世尊!我今已悟成佛法門,是中修行得無疑惑,常聞如來說如是言:『自未得度先度人者,菩薩發心;自覺已圓能覺他者,如來應世。』我雖未度,願度末劫一切眾生。世尊!此諸眾生去佛漸遠,邪師說法如恒河沙,欲攝其心入三摩地,云何令其安立道場,遠諸魔事?於菩提心得無退屈?」
Ānanda richtete seine Kleidung,
trat vor die große Versammlung,
faltete die Hände
und verneigte sich ehrfürchtig vor dem Buddha.

Sein Geist war vollständig klar
und durchlässig;
Mitgefühl und Freude
bewegten ihn zugleich.
In der Absicht,
den zukünftigen Lebewesen zu helfen,
sprach er zum Buddha:

„Großer Mitfühlender, Weltverehrter!
Ich habe nun das Dharma-Tor
zur Buddhaschaft erkannt
und übe darin
ohne jeden Zweifel.

Ich habe den Tathāgata oft sagen hören:
‚Wer selbst noch nicht befreit ist,
aber zuerst andere befreien will,
hat den Bodhisattva-Geist gefasst.
Wer eigenes Erwachen vollendet hat
und andere erweckt,
ist ein Tathāgata,
der in der Welt erscheint.‘

Obwohl ich selbst
noch nicht befreit bin,
gelobe ich,
alle Wesen der letzten Zeitalter
zu befreien.

Weltverehrter!
Diese Wesen
leben in immer größerer Entfernung
vom Buddha;
falsche Lehrer,
die Lehre verkünden,
sind zahllos
wie die Sande des Ganges.
Wenn man ihre Herzen
in Samādhi sammeln möchte –
auf welche Weise
kann man sie fest
im Übungsort verankern,
von dämonischen Störungen fernhalten
und sicherstellen,
dass der Bodhi-Entschluss
nicht zurückweicht?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert die ethische Wende des gesamten Zyklus.



1. Erkenntnis wird Verantwortung

Ānanda fragt nicht mehr für sich.
Er fragt für die,
die nach ihm kommen.

Erwachen, das nicht weiterfragt,
ist unvollständig.



2. Bodhisattva-Gelöbnis ohne Selbstüberhöhung

Ānanda sagt ausdrücklich:

„Auch wenn ich selbst noch nicht befreit bin …“

Das ist keine Bescheidenheitsformel,
sondern korrekte Selbsteinordnung.

Bodhisattva-Sein beginnt vor eigener Vollendung.



3. Diagnose der späten Zeitalter

Ānandas Beschreibung ist nüchtern:
• Entfernung vom Buddha
• Vielzahl falscher Lehrer
• Verwirrung der Praxis

Das Sutra ist hier realistisch,
nicht idealistisch.



4. Die drei Kernfragen der Praxis

Ānandas Fragen bündeln sich zu drei Punkten:
1. Wie Sammlung ermöglichen?
2. Wie vor Verblendung schützen?
3. Wie Rückfall verhindern?

Diese Fragen sind zeitlos aktuell.



5. Vorbereitung der nächsten großen Lehre

Mit dieser Bitte
öffnet Ānanda den Raum
für:
• Ethik
• Disziplin
• Schutz
• klare Praxisanleitung

👉 die Śūraṅgama-Dharani
und die Lehre von den dämonischen Einflüssen.



6. Verdichtung

Erwachen fragt weiter.

Wer sieht,
übernimmt Verantwortung.

Darum beginnt der eigentliche Weg
erst dort,
wo man für andere fragt.
中文原文
阿難整衣服,[A3]於大眾中合掌頂禮。心迹圓明,悲欣交集,欲益未來諸眾生故,稽首白佛:「大悲世尊!我今已悟成佛法門,是中修行得無疑惑,常聞如來說如是言:『自未得度先度人者,菩薩發心;自覺已圓能覺他者,如來應世。』我雖未度,願度末劫一切眾生。世尊!此諸眾生去佛漸遠,邪師說法如恒河沙,欲攝其心入三摩地,云何令其安立道場,遠諸魔事?於菩提心得無退屈?」
Deutsch
Ānanda richtete seine Kleidung,
trat vor die große Versammlung,
faltete die Hände
und verneigte sich ehrfürchtig vor dem Buddha.

Sein Geist war vollständig klar
und durchlässig;
Mitgefühl und Freude
bewegten ihn zugleich.
In der Absicht,
den zukünftigen Lebewesen zu helfen,
sprach er zum Buddha:

„Großer Mitfühlender, Weltverehrter!
Ich habe nun das Dharma-Tor
zur Buddhaschaft erkannt
und übe darin
ohne jeden Zweifel.

Ich habe den Tathāgata oft sagen hören:
‚Wer selbst noch nicht befreit ist,
aber zuerst andere befreien will,
hat den Bodhisattva-Geist gefasst.
Wer eigenes Erwachen vollendet hat
und andere erweckt,
ist ein Tathāgata,
der in der Welt erscheint.‘

Obwohl ich selbst
noch nicht befreit bin,
gelobe ich,
alle Wesen der letzten Zeitalter
zu befreien.

Weltverehrter!
Diese Wesen
leben in immer größerer Entfernung
vom Buddha;
falsche Lehrer,
die Lehre verkünden,
sind zahllos
wie die Sande des Ganges.
Wenn man ihre Herzen
in Samādhi sammeln möchte –
auf welche Weise
kann man sie fest
im Übungsort verankern,
von dämonischen Störungen fernhalten
und sicherstellen,
dass der Bodhi-Entschluss
nicht zurückweicht?“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert die ethische Wende des gesamten Zyklus.



1. Erkenntnis wird Verantwortung

Ānanda fragt nicht mehr für sich.
Er fragt für die,
die nach ihm kommen.

Erwachen, das nicht weiterfragt,
ist unvollständig.



2. Bodhisattva-Gelöbnis ohne Selbstüberhöhung

Ānanda sagt ausdrücklich:

„Auch wenn ich selbst noch nicht befreit bin …“

Das ist keine Bescheidenheitsformel,
sondern korrekte Selbsteinordnung.

Bodhisattva-Sein beginnt vor eigener Vollendung.



3. Diagnose der späten Zeitalter

Ānandas Beschreibung ist nüchtern:
• Entfernung vom Buddha
• Vielzahl falscher Lehrer
• Verwirrung der Praxis

Das Sutra ist hier realistisch,
nicht idealistisch.



4. Die drei Kernfragen der Praxis

Ānandas Fragen bündeln sich zu drei Punkten:
1. Wie Sammlung ermöglichen?
2. Wie vor Verblendung schützen?
3. Wie Rückfall verhindern?

Diese Fragen sind zeitlos aktuell.



5. Vorbereitung der nächsten großen Lehre

Mit dieser Bitte
öffnet Ānanda den Raum
für:
• Ethik
• Disziplin
• Schutz
• klare Praxisanleitung

👉 die Śūraṅgama-Dharani
und die Lehre von den dämonischen Einflüssen.



6. Verdichtung

Erwachen fragt weiter.

Wer sieht,
übernimmt Verantwortung.

Darum beginnt der eigentliche Weg
erst dort,
wo man für andere fragt.
250 #
爾時,世尊於大眾中,稱讚阿難:「善哉!善哉!如汝所問安立道場,救護眾生末劫沈溺。汝今諦聽,當為汝說。」阿難、大眾,唯然奉教。
佛告阿難:「汝常聞我毘奈耶中,宣說修行三決定義,所謂攝心為戒、因戒生定、因定發慧,是則名為三無漏學。
Zu jener Zeit
lobte der Buddha
Ānanda inmitten der Versammlung:

„Vortrefflich! Vortrefflich!
Deine Frage
nach der festen Einrichtung des Übungsortes
und nach dem Schutz der Wesen
der späten Zeitalter
vor dem Versinken ist genau richtig.

Höre nun aufmerksam zu;
ich werde es dir erklären.“

Ānanda
und die große Versammlung
nahmen die Unterweisung
ehrfürchtig an.

Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du hast mich häufig
in der Vinaya lehren hören,
dass es in der Praxis
drei grundlegende, entscheidende Bedeutungen gibt:

Das Sammeln und Bewahren des Geistes
nenne ich Śīla (ethische Disziplin);
aus dieser Disziplin
entsteht Samādhi (geistige Sammlung);
aus der Sammlung
entfaltet sich Prajñā (Weisheit).

Diese drei
nennt man
die drei Schulungen ohne Ausflüsse.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine Wiederholung bekannter Lehre,
sondern eine Neubegründung von 戒・定・慧 aus dem zuvor entfalteten Ohrentor.



1. Warum jetzt die Vinaya

Ānandas Frage war:

Wie schützt man Wesen
vor Verblendung,
falschen Lehrern
und Rückfall?

Die Antwort beginnt nicht mit Mystik,
sondern mit Struktur.

Vinaya ist hier
kein Regelwerk,
sondern Stabilisierung des Geistes.



2. Die radikale Umdeutung von „戒“

Der Buddha definiert 戒 nicht als:
• Gebote
• Moral
• äußere Kontrolle

sondern als:

攝心 – das Sammeln des Geistes.

Das ist entscheidend.

Ethik ist hier keine Vorschrift,
sondern Ausrichtung.



3. Die innere Logik der drei Schulungen

Nicht:

戒 → Moral
定 → Meditation
慧 → Einsicht

sondern:
• Geist gesammelt → Handeln klärt sich
• Handeln geklärt → Geist wird ruhig
• Geist ruhig → Einsicht wird möglich

Alles beginnt innen,
nicht außen.



4. Schutz vor Dämonen – vorweggenommen

Was vor dämonischen Einflüssen schützt,
ist nicht Abwehr,
sondern Unverstreutheit.

Wo der Geist gesammelt ist,
findet Verblendung keinen Halt.



5. Verdichtung

Disziplin ist nicht Regel,
sondern Sammlung.

Sammlung ist nicht Technik,
sondern Ruhe.

Ruhe ist nicht Leere,
sondern die Bedingung
für Weisheit.
中文原文
爾時,世尊於大眾中,稱讚阿難:「善哉!善哉!如汝所問安立道場,救護眾生末劫沈溺。汝今諦聽,當為汝說。」阿難、大眾,唯然奉教。
佛告阿難:「汝常聞我毘奈耶中,宣說修行三決定義,所謂攝心為戒、因戒生定、因定發慧,是則名為三無漏學。
Deutsch
Zu jener Zeit
lobte der Buddha
Ānanda inmitten der Versammlung:

„Vortrefflich! Vortrefflich!
Deine Frage
nach der festen Einrichtung des Übungsortes
und nach dem Schutz der Wesen
der späten Zeitalter
vor dem Versinken ist genau richtig.

Höre nun aufmerksam zu;
ich werde es dir erklären.“

Ānanda
und die große Versammlung
nahmen die Unterweisung
ehrfürchtig an.

Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Du hast mich häufig
in der Vinaya lehren hören,
dass es in der Praxis
drei grundlegende, entscheidende Bedeutungen gibt:

Das Sammeln und Bewahren des Geistes
nenne ich Śīla (ethische Disziplin);
aus dieser Disziplin
entsteht Samādhi (geistige Sammlung);
aus der Sammlung
entfaltet sich Prajñā (Weisheit).

Diese drei
nennt man
die drei Schulungen ohne Ausflüsse.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine Wiederholung bekannter Lehre,
sondern eine Neubegründung von 戒・定・慧 aus dem zuvor entfalteten Ohrentor.



1. Warum jetzt die Vinaya

Ānandas Frage war:

Wie schützt man Wesen
vor Verblendung,
falschen Lehrern
und Rückfall?

Die Antwort beginnt nicht mit Mystik,
sondern mit Struktur.

Vinaya ist hier
kein Regelwerk,
sondern Stabilisierung des Geistes.



2. Die radikale Umdeutung von „戒“

Der Buddha definiert 戒 nicht als:
• Gebote
• Moral
• äußere Kontrolle

sondern als:

攝心 – das Sammeln des Geistes.

Das ist entscheidend.

Ethik ist hier keine Vorschrift,
sondern Ausrichtung.



3. Die innere Logik der drei Schulungen

Nicht:

戒 → Moral
定 → Meditation
慧 → Einsicht

sondern:
• Geist gesammelt → Handeln klärt sich
• Handeln geklärt → Geist wird ruhig
• Geist ruhig → Einsicht wird möglich

Alles beginnt innen,
nicht außen.



4. Schutz vor Dämonen – vorweggenommen

Was vor dämonischen Einflüssen schützt,
ist nicht Abwehr,
sondern Unverstreutheit.

Wo der Geist gesammelt ist,
findet Verblendung keinen Halt.



5. Verdichtung

Disziplin ist nicht Regel,
sondern Sammlung.

Sammlung ist nicht Technik,
sondern Ruhe.

Ruhe ist nicht Leere,
sondern die Bedingung
für Weisheit.
251 #
「阿難!云何攝心我名為戒?
「若諸世界六道眾生,其心不婬,則不隨其生死相續。汝修三昧本出塵勞,婬心不除,塵不可出。縱有多智,禪定現前,如不斷婬,必落魔道:上品魔王,中品魔民,下品魔女。彼等諸魔亦有徒眾,各各自謂成無上道。我滅度後,末法之中多此魔民,熾盛世間。廣行貪婬,為善知識,令諸眾生落愛見坑,失菩提路。汝教世人修三摩地,先斷心婬,是名如來先佛世尊第一決定清淨明誨。
Ānanda,
wie ist es zu verstehen,
dass ich das Sammeln des Geistes
‚Disziplin‘ nenne?“

Der Buddha erklärte:

„Wenn Lebewesen
in den sechs Daseinsbereichen
in ihrem Geist
keine sinnliche Begierde hegen,
dann folgen sie nicht mehr
dem fortlaufenden Kreislauf
von Geburt und Tod.

Die Übung des Samādhi
hat ihren Ursprung
im Herausgehen
aus Verstrickung und Staub.
Wird der Geist der Begierde
nicht beseitigt,
ist ein Austritt
aus der Verstrickung unmöglich.

Selbst wenn jemand
über große Einsicht verfügt
und meditative Sammlung verwirklicht –
wenn die sinnliche Begierde
nicht beendet ist,
fällt er unausweichlich
auf einen dämonischen Weg:
als Dämonenkönig,
als Dämonenanhänger
oder als dämonische Verführerin.

Diese Dämonen
haben jeweils ihr Gefolge
und halten sich selbst
für Verwirklicher
des höchsten Weges.

Nach dem Erlöschen des Buddha,
in den späten Zeiten der Lehre,
werden viele solcher Wesen erscheinen
und die Welt durchdringen.
Sie fördern offen
Begierde und Anhaftung
und geben sich als gute Lehrer aus.
So führen sie die Wesen
in den Abgrund
von Begehren und falschen Ansichten
und lassen sie den Pfad des Erwachens verlieren.

Willst du die Menschen lehren,
in Samādhi einzutreten,
so trenne zuerst
den begehrenden Geist.
Dies ist die erste
entscheidende,
reine Unterweisung
aller Buddhas.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine Sexualmoral,
sondern eine strukturelle Diagnose über Bindung und Macht.



1. „婬“ meint nicht Sexualität als solche

Das Wort 婬 bezeichnet hier:
• verstricktes Begehren
• Besitzwollen
• instrumentalisierende Anziehung
• Selbstbestätigung durch den Anderen

Nicht Körperlichkeit ist das Problem,
sondern Bindung des Geistes an Lust als Selbstersatz.



2. Warum Begierde Samādhi verhindert

Samādhi bedeutet:

Nicht-Zerstreuung
Nicht-Verstrickung
Nicht-Anhaften

Begierde wirkt genau entgegengesetzt:
• sie zieht nach außen
• sie bindet an Objekte
• sie stabilisiert Ich-Gefühl

Darum ist sie strukturell inkompatibel
mit dem Herausgehen aus Staub.



3. Die „Dämonen“ – funktional gelesen

Die drei Stufen:
• Dämonenkönig
• Dämonenvolk
• Dämonenfrau

bezeichnen Formen von Macht, nicht Wesen:
• Macht über andere
• Macht durch Gruppenzugehörigkeit
• Macht durch Verführung

Allen gemeinsam ist:

Sie halten sich selbst
für erwacht.

Das ist der entscheidende Punkt.



4. Warnung vor falschen Lehrern

Der Text ist erschreckend klar:

Nicht Unwissen ist die größte Gefahr,
sondern verführerische Nähe.

Lehrer, die:
• Begierde bestätigen
• Bindung spiritualisieren
• Nähe ausnutzen

führen nicht zu Befreiung,
sondern zu tieferer Verstrickung.



5. „Erste entscheidende Unterweisung“

Warum die erste?

Weil ohne diese Klärung:
• jede Meditation kippt
• jede Einsicht verzerrt wird
• jede Macht missbraucht werden kann

Das ist keine Moral,
sondern Schutz der Praxis.



6. Verdichtung

Nicht Lust bindet,
sondern Verstrickung.

Wo der Geist etwas braucht,
kann er sich nicht sammeln.

Darum beginnt jede Befreiung
mit der Klärung von Begehren.
中文原文
「阿難!云何攝心我名為戒?
「若諸世界六道眾生,其心不婬,則不隨其生死相續。汝修三昧本出塵勞,婬心不除,塵不可出。縱有多智,禪定現前,如不斷婬,必落魔道:上品魔王,中品魔民,下品魔女。彼等諸魔亦有徒眾,各各自謂成無上道。我滅度後,末法之中多此魔民,熾盛世間。廣行貪婬,為善知識,令諸眾生落愛見坑,失菩提路。汝教世人修三摩地,先斷心婬,是名如來先佛世尊第一決定清淨明誨。
Deutsch
Ānanda,
wie ist es zu verstehen,
dass ich das Sammeln des Geistes
‚Disziplin‘ nenne?“

Der Buddha erklärte:

„Wenn Lebewesen
in den sechs Daseinsbereichen
in ihrem Geist
keine sinnliche Begierde hegen,
dann folgen sie nicht mehr
dem fortlaufenden Kreislauf
von Geburt und Tod.

Die Übung des Samādhi
hat ihren Ursprung
im Herausgehen
aus Verstrickung und Staub.
Wird der Geist der Begierde
nicht beseitigt,
ist ein Austritt
aus der Verstrickung unmöglich.

Selbst wenn jemand
über große Einsicht verfügt
und meditative Sammlung verwirklicht –
wenn die sinnliche Begierde
nicht beendet ist,
fällt er unausweichlich
auf einen dämonischen Weg:
als Dämonenkönig,
als Dämonenanhänger
oder als dämonische Verführerin.

Diese Dämonen
haben jeweils ihr Gefolge
und halten sich selbst
für Verwirklicher
des höchsten Weges.

Nach dem Erlöschen des Buddha,
in den späten Zeiten der Lehre,
werden viele solcher Wesen erscheinen
und die Welt durchdringen.
Sie fördern offen
Begierde und Anhaftung
und geben sich als gute Lehrer aus.
So führen sie die Wesen
in den Abgrund
von Begehren und falschen Ansichten
und lassen sie den Pfad des Erwachens verlieren.

Willst du die Menschen lehren,
in Samādhi einzutreten,
so trenne zuerst
den begehrenden Geist.
Dies ist die erste
entscheidende,
reine Unterweisung
aller Buddhas.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine Sexualmoral,
sondern eine strukturelle Diagnose über Bindung und Macht.



1. „婬“ meint nicht Sexualität als solche

Das Wort 婬 bezeichnet hier:
• verstricktes Begehren
• Besitzwollen
• instrumentalisierende Anziehung
• Selbstbestätigung durch den Anderen

Nicht Körperlichkeit ist das Problem,
sondern Bindung des Geistes an Lust als Selbstersatz.



2. Warum Begierde Samādhi verhindert

Samādhi bedeutet:

Nicht-Zerstreuung
Nicht-Verstrickung
Nicht-Anhaften

Begierde wirkt genau entgegengesetzt:
• sie zieht nach außen
• sie bindet an Objekte
• sie stabilisiert Ich-Gefühl

Darum ist sie strukturell inkompatibel
mit dem Herausgehen aus Staub.



3. Die „Dämonen“ – funktional gelesen

Die drei Stufen:
• Dämonenkönig
• Dämonenvolk
• Dämonenfrau

bezeichnen Formen von Macht, nicht Wesen:
• Macht über andere
• Macht durch Gruppenzugehörigkeit
• Macht durch Verführung

Allen gemeinsam ist:

Sie halten sich selbst
für erwacht.

Das ist der entscheidende Punkt.



4. Warnung vor falschen Lehrern

Der Text ist erschreckend klar:

Nicht Unwissen ist die größte Gefahr,
sondern verführerische Nähe.

Lehrer, die:
• Begierde bestätigen
• Bindung spiritualisieren
• Nähe ausnutzen

führen nicht zu Befreiung,
sondern zu tieferer Verstrickung.



5. „Erste entscheidende Unterweisung“

Warum die erste?

Weil ohne diese Klärung:
• jede Meditation kippt
• jede Einsicht verzerrt wird
• jede Macht missbraucht werden kann

Das ist keine Moral,
sondern Schutz der Praxis.



6. Verdichtung

Nicht Lust bindet,
sondern Verstrickung.

Wo der Geist etwas braucht,
kann er sich nicht sammeln.

Darum beginnt jede Befreiung
mit der Klärung von Begehren.
252 #
「是故阿難!若不斷婬修禪定者,如蒸沙石欲其成飯,經百千劫秖名熱沙。何以故?此非飯本,[2]石沙成故。汝以婬身求佛妙果,縱得妙悟皆是婬根。根本成婬,輪轉三[3]途必不能出。如來涅槃何路修證?必使婬機身心俱斷,斷性亦無;於佛菩提斯可希冀。如我此說,名為佛說;不如此說,即波旬說。
Der Buddha erklärte:

„Darum, Ānanda:
Wer meditative Sammlung übt,
ohne den Geist der Begierde zu beenden,
gleicht jemandem,
der Sand oder Steine dämpft
und hofft, daraus Reis zu gewinnen.
Selbst nach unzähligen Zeitaltern
bleibt es nur erhitzter Sand.

Warum?
Weil Sand und Stein
nicht die Natur von Reis besitzen.

Wenn du
mit einem durch Begierde bestimmten Körper-Geist
die feine Frucht des Buddha-Weges suchst,
dann ist selbst eine scheinbar subtile Einsicht
nur ein Ausfluss
der Begierde-Wurzel.

Ist der Grund Begierde,
kann man dem Kreislauf
der drei leidvollen Daseinsbereiche
nicht entkommen.
Wie sollte man so
den Weg des Nirvāṇa
verwirklichen?

Man muss bewirken,
dass der begehrende Impuls
in Körper und Geist
vollständig aufgelöst wird –
und auch das Bewusstsein des Auflösens
nicht mehr vorhanden ist.
Erst dann
ist Bodhi erreichbar.

Was ich so lehre,
ist Lehre des Buddha.
Alles andere
ist Lehre Māras.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist kein Drohtext,
sondern eine logische Konsequenz aus der Struktur der Praxis.



1. Das Sand–Reis-Gleichnis

Das Gleichnis ist absichtlich hart, aber klar:

Methode und Ziel
müssen wesensgleich sein.

Begierde als Antrieb
kann nicht zu Befreiung führen,
so wie Sand nicht zu Reis wird.



2. „Feine Einsicht aus Begierde“

Der Buddha verneint nicht spirituelle Erfahrungen,
sondern deren Quelle:
• Visionen
• Einsichten
• Klarheit
• Macht

können aus Begierde entstehen.

Das macht sie nicht befreiend.



3. „Die Wurzel entscheidet“

Der entscheidende Satz lautet:

根本成婬

Nicht das Verhalten allein,
sondern der Grundimpuls ist ausschlaggebend.

Befreiung beginnt an der Quelle,
nicht an der Oberfläche.



4. „Durchtrennen – und das Durchtrennen verlieren“

Das ist subtil:
• nicht unterdrücken
• nicht bekämpfen
• nicht moralisch ersetzen

sondern:

Durchschauen → Auflösen → Nicht-Festhalten

Auch am „Ich bin nun rein“
darf nicht festgehalten werden.



5. „Buddha oder Māra“

Diese scharfe Trennung ist keine Dogmatik,
sondern eine Prüfformel:

Führt die Lehre
aus Verstrickung heraus
oder
bindet sie subtil weiter?

Alles, was Begierde bestätigt,
ist funktional Māra,
auch wenn es spirituell klingt.



6. Verdichtung

Was dich antreibt,
entscheidet dein Ziel.

Befreiung entsteht nicht aus Begierde,
sondern aus Klarheit.

Darum ist Klärung der Quelle
der erste Schutz des Weges.
中文原文
「是故阿難!若不斷婬修禪定者,如蒸沙石欲其成飯,經百千劫秖名熱沙。何以故?此非飯本,[2]石沙成故。汝以婬身求佛妙果,縱得妙悟皆是婬根。根本成婬,輪轉三[3]途必不能出。如來涅槃何路修證?必使婬機身心俱斷,斷性亦無;於佛菩提斯可希冀。如我此說,名為佛說;不如此說,即波旬說。
Deutsch
Der Buddha erklärte:

„Darum, Ānanda:
Wer meditative Sammlung übt,
ohne den Geist der Begierde zu beenden,
gleicht jemandem,
der Sand oder Steine dämpft
und hofft, daraus Reis zu gewinnen.
Selbst nach unzähligen Zeitaltern
bleibt es nur erhitzter Sand.

Warum?
Weil Sand und Stein
nicht die Natur von Reis besitzen.

Wenn du
mit einem durch Begierde bestimmten Körper-Geist
die feine Frucht des Buddha-Weges suchst,
dann ist selbst eine scheinbar subtile Einsicht
nur ein Ausfluss
der Begierde-Wurzel.

Ist der Grund Begierde,
kann man dem Kreislauf
der drei leidvollen Daseinsbereiche
nicht entkommen.
Wie sollte man so
den Weg des Nirvāṇa
verwirklichen?

Man muss bewirken,
dass der begehrende Impuls
in Körper und Geist
vollständig aufgelöst wird –
und auch das Bewusstsein des Auflösens
nicht mehr vorhanden ist.
Erst dann
ist Bodhi erreichbar.

Was ich so lehre,
ist Lehre des Buddha.
Alles andere
ist Lehre Māras.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist kein Drohtext,
sondern eine logische Konsequenz aus der Struktur der Praxis.



1. Das Sand–Reis-Gleichnis

Das Gleichnis ist absichtlich hart, aber klar:

Methode und Ziel
müssen wesensgleich sein.

Begierde als Antrieb
kann nicht zu Befreiung führen,
so wie Sand nicht zu Reis wird.



2. „Feine Einsicht aus Begierde“

Der Buddha verneint nicht spirituelle Erfahrungen,
sondern deren Quelle:
• Visionen
• Einsichten
• Klarheit
• Macht

können aus Begierde entstehen.

Das macht sie nicht befreiend.



3. „Die Wurzel entscheidet“

Der entscheidende Satz lautet:

根本成婬

Nicht das Verhalten allein,
sondern der Grundimpuls ist ausschlaggebend.

Befreiung beginnt an der Quelle,
nicht an der Oberfläche.



4. „Durchtrennen – und das Durchtrennen verlieren“

Das ist subtil:
• nicht unterdrücken
• nicht bekämpfen
• nicht moralisch ersetzen

sondern:

Durchschauen → Auflösen → Nicht-Festhalten

Auch am „Ich bin nun rein“
darf nicht festgehalten werden.



5. „Buddha oder Māra“

Diese scharfe Trennung ist keine Dogmatik,
sondern eine Prüfformel:

Führt die Lehre
aus Verstrickung heraus
oder
bindet sie subtil weiter?

Alles, was Begierde bestätigt,
ist funktional Māra,
auch wenn es spirituell klingt.



6. Verdichtung

Was dich antreibt,
entscheidet dein Ziel.

Befreiung entsteht nicht aus Begierde,
sondern aus Klarheit.

Darum ist Klärung der Quelle
der erste Schutz des Weges.
253 #
「阿難!又諸世界六道眾生,其心不殺,則不隨其生死相續。汝修三昧本出塵勞,殺心不除,塵不可出。縱有多智、禪定現前,如不斷殺,必落神道:上品之人為大力鬼,中品[1]即為飛行夜叉、諸鬼帥等,下品[2]當為地行羅剎。彼諸鬼神亦有徒眾,各各自謂成無上道。我滅度後末法之中,多此[3]神鬼熾盛世間,自言食肉得菩提路。阿難!我令比丘食五淨肉,此肉皆我神力化生,本無命根。汝婆羅門地多蒸濕,加以沙石,草菜不生;我以大悲神力所加,因大慈悲假名為肉,汝得其味。奈何如來滅度之後,食眾生肉,名為釋子?汝等當知是食肉人,縱得心開似三摩地,皆大羅剎,報終必沈生死苦海,非佛弟子。如是之人,相殺、相吞、相食未已,云何是人得出三界?汝教世人修三摩地,次斷殺生;是名如來先佛世尊第二決定清淨明誨。
Der Buddha erklärte:

„Ānanda!
Wenn die Lebewesen
der sechs Daseinsbereiche
keinen tötenden Geist hegen,
dann setzen sie
den Kreislauf von Geburt und Tod
nicht weiter fort.

Die Praxis des Samādhi
zielt auf das Herausgehen
aus Verstrickung und Staub.
Wird der Geist des Tötens
nicht beendet,
ist ein Austritt unmöglich.

Selbst große Einsicht
und tiefe Sammlung
tragen nicht,
wenn Töten fortbesteht.
Dann fällt man unweigerlich
in den Bereich der Geistwesen:
als machtvoller Geist,
als fliegender Yakṣa
oder als niederer Rākṣasa.

Diese Wesen
halten sich selbst
für Verwirklicher des höchsten Weges.

In den späten Zeiten
werden viele solcher Wesen auftreten
und lehren,
durch Fleischverzehr
gelange man zum Erwachen.

Ich habe den Mönchen erlaubt,
fünf Arten reinen Fleisches zu essen –
Fleisch,
das durch geistige Kraft
ohne Lebensgrundlage entstanden ist.

Doch wie kann es sein,
dass nach dem Erlöschen des Buddha
das Fleisch lebender Wesen gegessen wird
und man sich dennoch
Schüler des Buddha nennt?

Ihr sollt wissen:
Wer Fleisch isst,
ist – selbst bei scheinbarer Sammlung –
kein Schüler des Buddha.
Nach dem Tod
versinkt er erneut
im Kreislauf des Leidens.

Wo Töten, Verschlingen
und gegenseitiges Essen
nicht enden,
wie sollte man
die drei Daseinsbereiche überschreiten?

Wenn du die Menschen
in Samādhi führen willst,
so beende als Zweites
das Töten.
Dies ist die zweite
entscheidende, reine Unterweisung
aller Buddhas.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine Ernährungslehre,
sondern eine radikale Analyse von Gewalt und Verstrickung.



1. „殺“ meint mehr als Töten

„殺“ bezeichnet hier nicht nur den Akt,
sondern:
• Gewaltbereitschaft
• Nutzen des Leidens anderer
• Existenz auf Kosten fremden Lebens

Das ist eine ontologische Frage,
keine bloße Ethik.



2. Warum Töten Samādhi zerstört

Samādhi ist Nicht-Gewalt auf allen Ebenen:
• körperlich
• emotional
• strukturell

Wo Gewalt bleibt,
ist der Geist nach außen gerichtet,
nicht gesammelt.



3. Die Geistwesen (神鬼) funktional gelesen

Die beschriebenen „Geisterpfade“ stehen für:
• Macht ohne Mitgefühl
• Einsicht ohne Ethik
• spirituelle Fähigkeiten ohne Befreiung

Sie halten sich für erwacht –
und sind doch gebunden.



4. Fleischverzehr – der Kernpunkt

Der Text argumentiert nicht biologisch,
sondern kausal:

Wer vom Tod anderer lebt,
kann sich nicht
aus dem Kreislauf lösen.

Das ist kein Tabu,
sondern Konsequenzdenken.



5. „Nicht Schüler des Buddha“

Das ist hart, aber präzise:

Buddha-Schüler-Sein
ist keine Zugehörigkeit,
sondern eine Praxisrichtung.



6. Die zweite entscheidende Unterweisung

Die Reihenfolge ist wichtig:
1. Klärung von Begierde
2. Beendigung von Gewalt

Ohne diese beiden
ist jede weitere Praxis instabil.



7. Verdichtung

Wo Gewalt bleibt,
bleibt Verstrickung.

Befreiung beginnt dort,
wo niemand mehr
zum Mittel wird.

Ethische Einordnung der zweiten Unterweisung

(Nicht-Töten / Nicht-Gewalt)

1. Worum es nicht geht

Dieser Abschnitt ist keine:
• Essensvorschrift
• kulturhistorische Speiseregel
• dogmatische Vegetarismusforderung
• moralische Überlegenheitserklärung

Er ist keine Identitätsmarke („wer so isst, gehört dazu“),
sondern eine Strukturanalyse von Praxis und Wirkung.



2. Worum es tatsächlich geht

Der Buddha untersucht Gewalt als Wirkprinzip.

„殺“ (töten) meint hier mehr als physisches Töten:
• Gewalt als Mittel
• Nutzen fremden Leidens
• Existenz auf Kosten anderer
• Instrumentalisierung von Leben

Kurz:

Ein Leben, das vom Schaden anderer getragen ist.



3. Der innere Zusammenhang mit Samādhi

Der Kern der Argumentation ist logisch, nicht moralisch:
• Samādhi = Sammlung, Nicht-Zerstreuung, Nicht-Gewalt
• Gewalt = nach außen gerichteter Zugriff
• Zugriff = Ich-Zentrierung
• Ich-Zentrierung = Zerstreuung

Wo Gewalt bleibt, bleibt der Geist nach außen gebunden.

Darum ist Töten strukturell inkompatibel mit Samādhi –
unabhängig von Ideologie oder Rechtfertigung.



4. Warum der Text so scharf formuliert

Die drastischen Bilder (Geisterpfade, Rākṣasas, „nicht Schüler des Buddha“) sind didaktisch, nicht beleidigend.

Sie markieren Gefahrenzonen:
• spirituelle Macht ohne Mitgefühl
• Einsicht ohne ethische Erdung
• Praxis ohne Verantwortungsradius

Je subtiler die Praxis,
desto zerstörerischer wirkt unerkannte Gewalt.

Darum ist der Ton hier absichtlich eindeutig.



5. Fleischverzehr – korrekt gelesen

Der Text argumentiert nicht biologisch, sondern kausal:

Wer sich vom Tod anderer ernährt,
lebt innerhalb der Tötungskette.

Das Problem ist nicht:
• Protein
• Tradition
• Notwendigkeit

Sondern:

Normalisierung von Gewalt als Lebensgrundlage.

Ethik hier heißt:

Bewusstsein über Ursache–Wirkung.



6. Keine Schuld, kein Ausschluss

Wichtig:
Der Text arbeitet nicht mit Schuld.

Er sagt nicht:

„Du bist schlecht.“

Sondern:

„So funktioniert Befreiung nicht.“

Das ist ein Hinweis, kein Urteil.

Niemand wird ausgeschlossen –
aber die Richtung wird klar benannt.



7. Zeitgemäße Übersetzung der Lehre

Heute lässt sich dieser Abschnitt so formulieren:

Jede spirituelle Praxis,
die auf Kosten anderer funktioniert,
stabilisiert genau das,
woraus sie herausführen will.

Das betrifft:
• Ernährung
• Konsum
• Machtstrukturen
• Ausbeutung
• psychische Gewalt
• soziale Kälte

Nicht nur Fleisch.



8. Die eigentliche ethische Forderung

Nicht:

„Iss dies / iss das nicht“

sondern:

Lebe so,
dass dein Leben nicht
strukturell vom Leid anderer abhängt.

Das ist anspruchsvoll –
und genau darum relevant.



9. Warum dies die zweite Unterweisung ist

Reihenfolge im Sutra:
1. Begierde klären (innere Verstrickung)
2. Gewalt beenden (äußere Verstrickung)
3. (folgt) Unwahrhaftigkeit klären (kognitive Verstrickung)

Ohne diese Reihenfolge
wird Praxis entweder:
• repressiv
• weltfremd
• gefährlich



10. Verdichtung

Befreiung wächst nicht
aus Schuld oder Verbot,
sondern aus Klarheit
über Ursache und Wirkung.

Wo mein Leben
vom Leid anderer getragen ist,
endet Sammlung
und beginnt Verstrickung.
中文原文
「阿難!又諸世界六道眾生,其心不殺,則不隨其生死相續。汝修三昧本出塵勞,殺心不除,塵不可出。縱有多智、禪定現前,如不斷殺,必落神道:上品之人為大力鬼,中品[1]即為飛行夜叉、諸鬼帥等,下品[2]當為地行羅剎。彼諸鬼神亦有徒眾,各各自謂成無上道。我滅度後末法之中,多此[3]神鬼熾盛世間,自言食肉得菩提路。阿難!我令比丘食五淨肉,此肉皆我神力化生,本無命根。汝婆羅門地多蒸濕,加以沙石,草菜不生;我以大悲神力所加,因大慈悲假名為肉,汝得其味。奈何如來滅度之後,食眾生肉,名為釋子?汝等當知是食肉人,縱得心開似三摩地,皆大羅剎,報終必沈生死苦海,非佛弟子。如是之人,相殺、相吞、相食未已,云何是人得出三界?汝教世人修三摩地,次斷殺生;是名如來先佛世尊第二決定清淨明誨。
Deutsch
Der Buddha erklärte:

„Ānanda!
Wenn die Lebewesen
der sechs Daseinsbereiche
keinen tötenden Geist hegen,
dann setzen sie
den Kreislauf von Geburt und Tod
nicht weiter fort.

Die Praxis des Samādhi
zielt auf das Herausgehen
aus Verstrickung und Staub.
Wird der Geist des Tötens
nicht beendet,
ist ein Austritt unmöglich.

Selbst große Einsicht
und tiefe Sammlung
tragen nicht,
wenn Töten fortbesteht.
Dann fällt man unweigerlich
in den Bereich der Geistwesen:
als machtvoller Geist,
als fliegender Yakṣa
oder als niederer Rākṣasa.

Diese Wesen
halten sich selbst
für Verwirklicher des höchsten Weges.

In den späten Zeiten
werden viele solcher Wesen auftreten
und lehren,
durch Fleischverzehr
gelange man zum Erwachen.

Ich habe den Mönchen erlaubt,
fünf Arten reinen Fleisches zu essen –
Fleisch,
das durch geistige Kraft
ohne Lebensgrundlage entstanden ist.

Doch wie kann es sein,
dass nach dem Erlöschen des Buddha
das Fleisch lebender Wesen gegessen wird
und man sich dennoch
Schüler des Buddha nennt?

Ihr sollt wissen:
Wer Fleisch isst,
ist – selbst bei scheinbarer Sammlung –
kein Schüler des Buddha.
Nach dem Tod
versinkt er erneut
im Kreislauf des Leidens.

Wo Töten, Verschlingen
und gegenseitiges Essen
nicht enden,
wie sollte man
die drei Daseinsbereiche überschreiten?

Wenn du die Menschen
in Samādhi führen willst,
so beende als Zweites
das Töten.
Dies ist die zweite
entscheidende, reine Unterweisung
aller Buddhas.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine Ernährungslehre,
sondern eine radikale Analyse von Gewalt und Verstrickung.



1. „殺“ meint mehr als Töten

„殺“ bezeichnet hier nicht nur den Akt,
sondern:
• Gewaltbereitschaft
• Nutzen des Leidens anderer
• Existenz auf Kosten fremden Lebens

Das ist eine ontologische Frage,
keine bloße Ethik.



2. Warum Töten Samādhi zerstört

Samādhi ist Nicht-Gewalt auf allen Ebenen:
• körperlich
• emotional
• strukturell

Wo Gewalt bleibt,
ist der Geist nach außen gerichtet,
nicht gesammelt.



3. Die Geistwesen (神鬼) funktional gelesen

Die beschriebenen „Geisterpfade“ stehen für:
• Macht ohne Mitgefühl
• Einsicht ohne Ethik
• spirituelle Fähigkeiten ohne Befreiung

Sie halten sich für erwacht –
und sind doch gebunden.



4. Fleischverzehr – der Kernpunkt

Der Text argumentiert nicht biologisch,
sondern kausal:

Wer vom Tod anderer lebt,
kann sich nicht
aus dem Kreislauf lösen.

Das ist kein Tabu,
sondern Konsequenzdenken.



5. „Nicht Schüler des Buddha“

Das ist hart, aber präzise:

Buddha-Schüler-Sein
ist keine Zugehörigkeit,
sondern eine Praxisrichtung.



6. Die zweite entscheidende Unterweisung

Die Reihenfolge ist wichtig:
1. Klärung von Begierde
2. Beendigung von Gewalt

Ohne diese beiden
ist jede weitere Praxis instabil.



7. Verdichtung

Wo Gewalt bleibt,
bleibt Verstrickung.

Befreiung beginnt dort,
wo niemand mehr
zum Mittel wird.

Ethische Einordnung der zweiten Unterweisung

(Nicht-Töten / Nicht-Gewalt)

1. Worum es nicht geht

Dieser Abschnitt ist keine:
• Essensvorschrift
• kulturhistorische Speiseregel
• dogmatische Vegetarismusforderung
• moralische Überlegenheitserklärung

Er ist keine Identitätsmarke („wer so isst, gehört dazu“),
sondern eine Strukturanalyse von Praxis und Wirkung.



2. Worum es tatsächlich geht

Der Buddha untersucht Gewalt als Wirkprinzip.

„殺“ (töten) meint hier mehr als physisches Töten:
• Gewalt als Mittel
• Nutzen fremden Leidens
• Existenz auf Kosten anderer
• Instrumentalisierung von Leben

Kurz:

Ein Leben, das vom Schaden anderer getragen ist.



3. Der innere Zusammenhang mit Samādhi

Der Kern der Argumentation ist logisch, nicht moralisch:
• Samādhi = Sammlung, Nicht-Zerstreuung, Nicht-Gewalt
• Gewalt = nach außen gerichteter Zugriff
• Zugriff = Ich-Zentrierung
• Ich-Zentrierung = Zerstreuung

Wo Gewalt bleibt, bleibt der Geist nach außen gebunden.

Darum ist Töten strukturell inkompatibel mit Samādhi –
unabhängig von Ideologie oder Rechtfertigung.



4. Warum der Text so scharf formuliert

Die drastischen Bilder (Geisterpfade, Rākṣasas, „nicht Schüler des Buddha“) sind didaktisch, nicht beleidigend.

Sie markieren Gefahrenzonen:
• spirituelle Macht ohne Mitgefühl
• Einsicht ohne ethische Erdung
• Praxis ohne Verantwortungsradius

Je subtiler die Praxis,
desto zerstörerischer wirkt unerkannte Gewalt.

Darum ist der Ton hier absichtlich eindeutig.



5. Fleischverzehr – korrekt gelesen

Der Text argumentiert nicht biologisch, sondern kausal:

Wer sich vom Tod anderer ernährt,
lebt innerhalb der Tötungskette.

Das Problem ist nicht:
• Protein
• Tradition
• Notwendigkeit

Sondern:

Normalisierung von Gewalt als Lebensgrundlage.

Ethik hier heißt:

Bewusstsein über Ursache–Wirkung.



6. Keine Schuld, kein Ausschluss

Wichtig:
Der Text arbeitet nicht mit Schuld.

Er sagt nicht:

„Du bist schlecht.“

Sondern:

„So funktioniert Befreiung nicht.“

Das ist ein Hinweis, kein Urteil.

Niemand wird ausgeschlossen –
aber die Richtung wird klar benannt.



7. Zeitgemäße Übersetzung der Lehre

Heute lässt sich dieser Abschnitt so formulieren:

Jede spirituelle Praxis,
die auf Kosten anderer funktioniert,
stabilisiert genau das,
woraus sie herausführen will.

Das betrifft:
• Ernährung
• Konsum
• Machtstrukturen
• Ausbeutung
• psychische Gewalt
• soziale Kälte

Nicht nur Fleisch.



8. Die eigentliche ethische Forderung

Nicht:

„Iss dies / iss das nicht“

sondern:

Lebe so,
dass dein Leben nicht
strukturell vom Leid anderer abhängt.

Das ist anspruchsvoll –
und genau darum relevant.



9. Warum dies die zweite Unterweisung ist

Reihenfolge im Sutra:
1. Begierde klären (innere Verstrickung)
2. Gewalt beenden (äußere Verstrickung)
3. (folgt) Unwahrhaftigkeit klären (kognitive Verstrickung)

Ohne diese Reihenfolge
wird Praxis entweder:
• repressiv
• weltfremd
• gefährlich



10. Verdichtung

Befreiung wächst nicht
aus Schuld oder Verbot,
sondern aus Klarheit
über Ursache und Wirkung.

Wo mein Leben
vom Leid anderer getragen ist,
endet Sammlung
und beginnt Verstrickung.
254 #
「是故阿難!若不斷殺修禪定者,譬如有人自塞其耳,高聲大叫求人不聞,此等名為欲隱彌露。清淨比丘及諸菩薩,於岐路行不踏生草,況以手拔?云何大悲,取諸眾生血肉充食?若諸比丘不服東方絲綿絹帛,及是此土靴履裘毳、乳酪醍醐,如是比丘於世真脫,酬還宿債,不遊三界。何以故?服其身分皆為彼緣。如人食其地中百穀,足不離地。必使身心,於諸眾生若身、身分,身心二[*]途不服不食,我說是人真解脫者。如我此說,名為佛說;不如此說,即波旬說。
Der Buddha erläuterte:

„Darum, Ānanda:
Wer Samādhi übt,
ohne das Töten zu beenden,
gleicht jemandem,
der sich die Ohren verstopft
und dennoch laut ruft,
um nicht gehört zu werden –
je mehr er verbergen will,
desto deutlicher wird es.

Reine Übende
und Bodhisattvas
treten selbst an Wegkreuzungen
nicht auf lebendiges Gras;
wie viel weniger
würden sie es ausreißen!
Wie könnte dann
großes Mitgefühl bestehen,
wenn man Blut und Fleisch
von Lebewesen isst?

Wenn Mönche
keine tierischen Stoffe
für Kleidung oder Nahrung verwenden –
weder Seide noch Pelz,
weder Milch noch Ghee –
dann sind sie in dieser Welt
wirklich frei:
Sie begleichen frühere karmische Schulden
und kehren nicht mehr
in den Kreislauf der drei Bereiche zurück.

Denn alles,
was man trägt oder nutzt,
schafft Bindung.
Wie jemand,
der die Körner des Bodens isst –
seine Füße können den Boden
nicht verlassen.

Nur wer mit Körper und Geist
gegenüber allen Lebewesen
– ihren Körpern
oder Körperteilen –
weder nimmt
noch verzehrt,
den nenne ich
wahrhaft befreit.

So zu lehren
ist Lehre des Buddha;
anders zu lehren
ist Lehre Māras.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vertieft die zweite Unterweisung von der Ebene der Gewalt zur Ebene der Abhängigkeit und Verstrickung.



1. Das Gleichnis vom Ohrenverstopfen

Das Bild ist präzise:

Praxis ohne ethische Klärung
verstärkt das Problem,
das sie verbergen will.

Nicht nur Gewalt bleibt wirksam –
sie wird unsichtbar gemacht
und dadurch gefährlicher.



2. „Nicht auf Gras treten“

Das ist kein Naturromantizismus,
sondern Achtsamkeitslogik:

Wo man Leiden sieht,
vermeidet man es –
auch im Kleinen.

Es geht nicht um Pflanzenethik,
sondern um Habitus des Nicht-Schadens.



3. Kleidung und Nahrung – korrekt verstanden

Der Text richtet sich an Ordensübende,
nicht pauschal an alle Menschen.

Er beschreibt ein Ideal vollständiger Entkopplung
von der Tötungskette.

Das ist keine Vorschrift,
sondern eine Konsequenzbeschreibung.



4. Der zentrale Begriff: „Schuld“ (債)

Karma erscheint hier
nicht als Strafe,
sondern als Abhängigkeit.

Was ich nutze,
bindet mich.

Das ist nüchterne Kausalität.



5. Warum „Körperteile“ betont werden

Damit wird jede Ausrede ausgeschlossen:
• nicht nur töten
• nicht nur essen
• auch indirekte Nutzung

Ethik wird hier systemisch,
nicht individualistisch.



6. Befreiung als Entkoppelung

„Nicht mehr in den drei Bereichen wandern“
bedeutet:

Nicht mehr strukturell verstrickt sein
in das Netz von Gewalt.



7. Die Schärfe „Buddha vs. Māra“

Auch hier gilt:
Das ist keine Drohung,
sondern eine Funktionsprüfung:

Führt eine Lehre
aus Abhängigkeit heraus
oder stabilisiert sie sie?



8. Verdichtung

Befreiung ist kein Zustand,
sondern Entkopplung.

Wo mein Leben
vom Leid anderer abhängt,
kann ich den Boden
nicht verlassen.
中文原文
「是故阿難!若不斷殺修禪定者,譬如有人自塞其耳,高聲大叫求人不聞,此等名為欲隱彌露。清淨比丘及諸菩薩,於岐路行不踏生草,況以手拔?云何大悲,取諸眾生血肉充食?若諸比丘不服東方絲綿絹帛,及是此土靴履裘毳、乳酪醍醐,如是比丘於世真脫,酬還宿債,不遊三界。何以故?服其身分皆為彼緣。如人食其地中百穀,足不離地。必使身心,於諸眾生若身、身分,身心二[*]途不服不食,我說是人真解脫者。如我此說,名為佛說;不如此說,即波旬說。
Deutsch
Der Buddha erläuterte:

„Darum, Ānanda:
Wer Samādhi übt,
ohne das Töten zu beenden,
gleicht jemandem,
der sich die Ohren verstopft
und dennoch laut ruft,
um nicht gehört zu werden –
je mehr er verbergen will,
desto deutlicher wird es.

Reine Übende
und Bodhisattvas
treten selbst an Wegkreuzungen
nicht auf lebendiges Gras;
wie viel weniger
würden sie es ausreißen!
Wie könnte dann
großes Mitgefühl bestehen,
wenn man Blut und Fleisch
von Lebewesen isst?

Wenn Mönche
keine tierischen Stoffe
für Kleidung oder Nahrung verwenden –
weder Seide noch Pelz,
weder Milch noch Ghee –
dann sind sie in dieser Welt
wirklich frei:
Sie begleichen frühere karmische Schulden
und kehren nicht mehr
in den Kreislauf der drei Bereiche zurück.

Denn alles,
was man trägt oder nutzt,
schafft Bindung.
Wie jemand,
der die Körner des Bodens isst –
seine Füße können den Boden
nicht verlassen.

Nur wer mit Körper und Geist
gegenüber allen Lebewesen
– ihren Körpern
oder Körperteilen –
weder nimmt
noch verzehrt,
den nenne ich
wahrhaft befreit.

So zu lehren
ist Lehre des Buddha;
anders zu lehren
ist Lehre Māras.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vertieft die zweite Unterweisung von der Ebene der Gewalt zur Ebene der Abhängigkeit und Verstrickung.



1. Das Gleichnis vom Ohrenverstopfen

Das Bild ist präzise:

Praxis ohne ethische Klärung
verstärkt das Problem,
das sie verbergen will.

Nicht nur Gewalt bleibt wirksam –
sie wird unsichtbar gemacht
und dadurch gefährlicher.



2. „Nicht auf Gras treten“

Das ist kein Naturromantizismus,
sondern Achtsamkeitslogik:

Wo man Leiden sieht,
vermeidet man es –
auch im Kleinen.

Es geht nicht um Pflanzenethik,
sondern um Habitus des Nicht-Schadens.



3. Kleidung und Nahrung – korrekt verstanden

Der Text richtet sich an Ordensübende,
nicht pauschal an alle Menschen.

Er beschreibt ein Ideal vollständiger Entkopplung
von der Tötungskette.

Das ist keine Vorschrift,
sondern eine Konsequenzbeschreibung.



4. Der zentrale Begriff: „Schuld“ (債)

Karma erscheint hier
nicht als Strafe,
sondern als Abhängigkeit.

Was ich nutze,
bindet mich.

Das ist nüchterne Kausalität.



5. Warum „Körperteile“ betont werden

Damit wird jede Ausrede ausgeschlossen:
• nicht nur töten
• nicht nur essen
• auch indirekte Nutzung

Ethik wird hier systemisch,
nicht individualistisch.



6. Befreiung als Entkoppelung

„Nicht mehr in den drei Bereichen wandern“
bedeutet:

Nicht mehr strukturell verstrickt sein
in das Netz von Gewalt.



7. Die Schärfe „Buddha vs. Māra“

Auch hier gilt:
Das ist keine Drohung,
sondern eine Funktionsprüfung:

Führt eine Lehre
aus Abhängigkeit heraus
oder stabilisiert sie sie?



8. Verdichtung

Befreiung ist kein Zustand,
sondern Entkopplung.

Wo mein Leben
vom Leid anderer abhängt,
kann ich den Boden
nicht verlassen.
255 #
「阿難!又復世界六道眾生,其心不偷,則不隨其生死相續。汝修三昧本出塵勞,偷心不除,塵不可出。縱有多智、禪定現前,如不斷偷,必落邪道:上品精靈,中品妖魅,下品邪人、諸魅所著。彼等群邪亦有徒眾,各各自謂成無上道。我滅度後末法之中,多此妖邪熾盛世間。潛匿姦欺,稱善知識,各自謂[A4]己得上人法。詃惑無識,恐令失心,所過之處,其家耗散。我教比丘循方乞食,令其捨貪,成菩[4]薩道。諸比丘等不自熟食,寄於殘生,旅泊三界,示一往還去已無返。云何賊人假我衣服、禆販如來?造種種業,皆言佛法。却非出家具戒比丘,為小乘道。由是疑誤無量眾生,墮無間獄。
Der Buddha erklärte:

„Ānanda!
Wenn die Lebewesen
der sechs Daseinsbereiche
keinen nehmenden Geist hegen,
setzen sie den Kreislauf
von Geburt und Tod
nicht weiter fort.

Die Praxis des Samādhi
zielt auf das Herausgehen
aus Verstrickung.
Bleibt der Geist des Nehmens,
ist ein Austritt unmöglich.

Selbst große Einsicht
und tiefe Sammlung
tragen nicht,
wenn Aneignung fortbesteht.
Dann fällt man unausweichlich
auf einen falschen Pfad:
als feinstoffliche Wesen,
als dämonische Erscheinungen
oder als verwirrte Menschen.

Diese Gruppen
halten sich selbst
für Verwirklicher des höchsten Weges.

In den späten Zeiten
werden viele solcher Täuscher auftreten.
Sie verbergen Betrug,
nennen sich gute Lehrer
und behaupten,
höchste Einsicht erlangt zu haben.

Sie verwirren die Unwissenden,
berauben sie innerlich
und zerstören ihren Lebenshalt.
Wo sie wirken,
zerfallen ganze Haushalte.

Ich habe die Mönche gelehrt,
durch Almosengang zu leben,
um Begierde loszulassen
und den Bodhisattva-Weg zu gehen.
Sie bereiten keine Speisen selbst zu,
leben als Durchreisende
in den drei Bereichen
und zeigen damit:
Dieser Weg ist nicht
auf Rückkehr angelegt.

Wie könnten dann Menschen,
die stehlen und ausbeuten,
meine Gewänder tragen
und mit dem Namen des Buddha Handel treiben?
Sie begehen vielfältige Handlungen
und nennen alles ‚Buddhadharma‘,
obwohl sie
keine ordinierten Übenden
und nicht einmal
Vertreter des kleinen Fahrzeugs sind.

So führen sie
unzählige Wesen in die Irre
und lassen sie
in schweres Leid fallen.“
Kommentar öffnen
Diese dritte Unterweisung schließt die ethische Trias ab:
1. Begierde – innere Verstrickung
2. Gewalt – äußere Verstrickung
3. Aneignung / Betrug – strukturelle Verstrickung



1. „偷“ – mehr als Stehlen

„偷“ bedeutet hier nicht nur Diebstahl,
sondern:
• Aneignung ohne Gegenleistung
• Ausnutzen von Vertrauen
• spiritueller Missbrauch
• Handel mit Lehre, Status oder Heiligkeit

Kurz:

Leben vom, statt Leben für.



2. Warum Aneignung Samādhi zerstört

Samādhi setzt voraus:
• Offenheit
• Nicht-Besitzen
• Nicht-Ausnutzen

Aneignung erzeugt:
• Berechnung
• Abhängigkeit
• Manipulation

Darum ist sie unvereinbar mit Sammlung.



3. Falsche Lehrer – funktional gelesen

Der Text beschreibt keine fremde Gruppe,
sondern ein Muster:
• charismatisch
• behauptet Einsicht
• nutzt Autorität
• schadet anderen

Das ist zeitlos aktuell.



4. Der Almosengang als Gegenbild

Der Bettelgang ist keine Askese,
sondern Anti-Korruptions-Praxis:
• keine Vorräte
• kein Handel
• kein Besitz
• keine Absicherung

Er schützt den Weg
vor Instrumentalisierung.



5. „Mit dem Namen des Buddha handeln“

Das ist der schärfste Vorwurf:

Spiritualität als Geschäftsmodell.

Nicht Irrtum,
sondern Missbrauch.



6. Die Konsequenz

Der Text spricht von schweren Folgen,
nicht aus Drohung,
sondern aus Kausalität:

Täuschung zerstört Vertrauen,
Vertrauen ist die Basis des Weges.



7. Verdichtung

Wo der Weg
zum Mittel des Gewinns wird,
endet Befreiung.

Samadhi lebt von Offenheit,
nicht von Besitz.

Darum ist Nicht-Aneignung
der dritte Schutz des Weges.
中文原文
「阿難!又復世界六道眾生,其心不偷,則不隨其生死相續。汝修三昧本出塵勞,偷心不除,塵不可出。縱有多智、禪定現前,如不斷偷,必落邪道:上品精靈,中品妖魅,下品邪人、諸魅所著。彼等群邪亦有徒眾,各各自謂成無上道。我滅度後末法之中,多此妖邪熾盛世間。潛匿姦欺,稱善知識,各自謂[A4]己得上人法。詃惑無識,恐令失心,所過之處,其家耗散。我教比丘循方乞食,令其捨貪,成菩[4]薩道。諸比丘等不自熟食,寄於殘生,旅泊三界,示一往還去已無返。云何賊人假我衣服、禆販如來?造種種業,皆言佛法。却非出家具戒比丘,為小乘道。由是疑誤無量眾生,墮無間獄。
Deutsch
Der Buddha erklärte:

„Ānanda!
Wenn die Lebewesen
der sechs Daseinsbereiche
keinen nehmenden Geist hegen,
setzen sie den Kreislauf
von Geburt und Tod
nicht weiter fort.

Die Praxis des Samādhi
zielt auf das Herausgehen
aus Verstrickung.
Bleibt der Geist des Nehmens,
ist ein Austritt unmöglich.

Selbst große Einsicht
und tiefe Sammlung
tragen nicht,
wenn Aneignung fortbesteht.
Dann fällt man unausweichlich
auf einen falschen Pfad:
als feinstoffliche Wesen,
als dämonische Erscheinungen
oder als verwirrte Menschen.

Diese Gruppen
halten sich selbst
für Verwirklicher des höchsten Weges.

In den späten Zeiten
werden viele solcher Täuscher auftreten.
Sie verbergen Betrug,
nennen sich gute Lehrer
und behaupten,
höchste Einsicht erlangt zu haben.

Sie verwirren die Unwissenden,
berauben sie innerlich
und zerstören ihren Lebenshalt.
Wo sie wirken,
zerfallen ganze Haushalte.

Ich habe die Mönche gelehrt,
durch Almosengang zu leben,
um Begierde loszulassen
und den Bodhisattva-Weg zu gehen.
Sie bereiten keine Speisen selbst zu,
leben als Durchreisende
in den drei Bereichen
und zeigen damit:
Dieser Weg ist nicht
auf Rückkehr angelegt.

Wie könnten dann Menschen,
die stehlen und ausbeuten,
meine Gewänder tragen
und mit dem Namen des Buddha Handel treiben?
Sie begehen vielfältige Handlungen
und nennen alles ‚Buddhadharma‘,
obwohl sie
keine ordinierten Übenden
und nicht einmal
Vertreter des kleinen Fahrzeugs sind.

So führen sie
unzählige Wesen in die Irre
und lassen sie
in schweres Leid fallen.“
Kommentar
Diese dritte Unterweisung schließt die ethische Trias ab:
1. Begierde – innere Verstrickung
2. Gewalt – äußere Verstrickung
3. Aneignung / Betrug – strukturelle Verstrickung



1. „偷“ – mehr als Stehlen

„偷“ bedeutet hier nicht nur Diebstahl,
sondern:
• Aneignung ohne Gegenleistung
• Ausnutzen von Vertrauen
• spiritueller Missbrauch
• Handel mit Lehre, Status oder Heiligkeit

Kurz:

Leben vom, statt Leben für.



2. Warum Aneignung Samādhi zerstört

Samādhi setzt voraus:
• Offenheit
• Nicht-Besitzen
• Nicht-Ausnutzen

Aneignung erzeugt:
• Berechnung
• Abhängigkeit
• Manipulation

Darum ist sie unvereinbar mit Sammlung.



3. Falsche Lehrer – funktional gelesen

Der Text beschreibt keine fremde Gruppe,
sondern ein Muster:
• charismatisch
• behauptet Einsicht
• nutzt Autorität
• schadet anderen

Das ist zeitlos aktuell.



4. Der Almosengang als Gegenbild

Der Bettelgang ist keine Askese,
sondern Anti-Korruptions-Praxis:
• keine Vorräte
• kein Handel
• kein Besitz
• keine Absicherung

Er schützt den Weg
vor Instrumentalisierung.



5. „Mit dem Namen des Buddha handeln“

Das ist der schärfste Vorwurf:

Spiritualität als Geschäftsmodell.

Nicht Irrtum,
sondern Missbrauch.



6. Die Konsequenz

Der Text spricht von schweren Folgen,
nicht aus Drohung,
sondern aus Kausalität:

Täuschung zerstört Vertrauen,
Vertrauen ist die Basis des Weges.



7. Verdichtung

Wo der Weg
zum Mittel des Gewinns wird,
endet Befreiung.

Samadhi lebt von Offenheit,
nicht von Besitz.

Darum ist Nicht-Aneignung
der dritte Schutz des Weges.
256 #
若我滅後,其有比丘發心決定修三摩[5]提,能於如來形像之前,身然一燈,燒一指節,及於身上爇一香炷,我說是人無始宿債一時酬畢,長[6]挹世間,永脫諸漏。雖未即明無上覺路,是人於法已決定心。若不為此捨身微因,縱成無為,必還生人酬其宿債。如我馬麥,正等無異。汝教世人修三摩地,後斷偷盜;是名如來先佛世尊第三決定清淨明誨。
Der Buddha erklärte:

„Nach meinem Erlöschen,
wenn Bhikṣus
mit festem Entschluss
die Praxis des Samādhi aufnehmen
und vor einem Bild des Tathāgata
ihren Körper als Gabe einsetzen –
sei es durch das Entzünden einer Lampe,
das Verbrennen eines Fingergliedes
oder das Entzünden eines Räucherstäbchens
am eigenen Körper –,
so sage ich:
Die seit anfangsloser Zeit
angesammelten karmischen Verpflichtungen
werden in diesem Moment
vollständig ausgeglichen.
Sie verlassen die weltliche Verstrickung
und lösen sich dauerhaft
von den Ausflüssen.

Auch wenn sie
noch nicht sogleich
den höchsten Weg des Erwachens
klar erkennen,
ist ihr Entschluss im Dharma
unumkehrbar gefestigt.

Wer jedoch
diese geringe Ursache der Selbsthingabe
nicht aufbringt,
wird – selbst bei Verwirklichung
des Unbedingten –
erneut als Mensch geboren,
um frühere karmische Schulden zu begleichen;
so wie auch ich selbst
durch das Ertragen von Pferdemist und Weizen
frühere Ursachen vergalt.

Willst du die Menschen
zur Übung des Samādhi anleiten,
so beende als Drittes
das Stehlen.
Dies ist
die dritte entscheidende,
reine Unterweisung
aller Buddhas.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine Aufforderung zur Selbstverletzung,
sondern eine radikale Aussage über Hingabe, Schuld und Entkopplung.



1. Worum es nicht geht

Der Text fordert keine Praxisnachahmung.
Er beschreibt symbolisch-extreme Formen von:
• Hingabe
• Nicht-Aneignung
• völliger Bereitschaft zum Loslassen

Im historischen Kontext waren solche Gesten
rituell-symbolisch und nicht normativ.



2. Der eigentliche Punkt: „宿債“ – alte Schulden

„Schulden“ meint hier Bindungen:
• unerlöste Abhängigkeiten
• karmische Restverstrickungen
• unvollständig gelöste Aneignung

Die Aussage ist:

Radikale Hingabe löst radikale Bindung.

Nicht der Schmerz wirkt,
sondern die Nicht-Rücknahme.



3. Warum „selbst das Unbedingte“ nicht genügt

Ein zentraler Satz lautet:

Selbst wenn man das Unbedingte verwirklicht,
ohne diese Klärung
bleibt Rückbindung bestehen.

Das ist scharf – aber logisch:

Einsicht ohne ethische Konsequenz
bleibt fragmentarisch.



4. Der Verweis auf den Buddha selbst

Der Buddha erwähnt seine eigene karmische Vergeltung
(Pferdemist und Weizen), um zu zeigen:
• niemand steht über Kausalität
• auch ein Buddha negiert Ursache–Wirkung nicht

Das entzieht jeder Heiligkeitsromantik den Boden.



5. Warum dies zur dritten Unterweisung gehört

Die Reihenfolge ist nun vollständig:
1. Begierde klären – innere Verstrickung
2. Gewalt beenden – äußere Verstrickung
3. Aneignung lösen – strukturelle Verstrickung

Die hier beschriebene Hingabe ist
die Gegenbewegung zur Aneignung.



6. Zeitgemäße, sichere Lesart

Heute ist dieser Abschnitt so zu lesen:

Nicht durch Selbstschädigung,
sondern durch unbedingte Ehrlichkeit,
durch Nicht-Nutzen,
durch Nicht-Zurückhalten,
werden alte Bindungen gelöst.

Das Opfer ist symbolisch,
die Haltung ist real.



7. Verdichtung

Alte Bindung löst sich nicht
durch Einsicht allein,
sondern durch gelebte Konsequenz.

Hingabe heißt nicht Zerstörung,
sondern Nicht-Zurücknahme.

Darum vollendet sich der Weg dort,
wo nichts mehr
genommen wird.
中文原文
若我滅後,其有比丘發心決定修三摩[5]提,能於如來形像之前,身然一燈,燒一指節,及於身上爇一香炷,我說是人無始宿債一時酬畢,長[6]挹世間,永脫諸漏。雖未即明無上覺路,是人於法已決定心。若不為此捨身微因,縱成無為,必還生人酬其宿債。如我馬麥,正等無異。汝教世人修三摩地,後斷偷盜;是名如來先佛世尊第三決定清淨明誨。
Deutsch
Der Buddha erklärte:

„Nach meinem Erlöschen,
wenn Bhikṣus
mit festem Entschluss
die Praxis des Samādhi aufnehmen
und vor einem Bild des Tathāgata
ihren Körper als Gabe einsetzen –
sei es durch das Entzünden einer Lampe,
das Verbrennen eines Fingergliedes
oder das Entzünden eines Räucherstäbchens
am eigenen Körper –,
so sage ich:
Die seit anfangsloser Zeit
angesammelten karmischen Verpflichtungen
werden in diesem Moment
vollständig ausgeglichen.
Sie verlassen die weltliche Verstrickung
und lösen sich dauerhaft
von den Ausflüssen.

Auch wenn sie
noch nicht sogleich
den höchsten Weg des Erwachens
klar erkennen,
ist ihr Entschluss im Dharma
unumkehrbar gefestigt.

Wer jedoch
diese geringe Ursache der Selbsthingabe
nicht aufbringt,
wird – selbst bei Verwirklichung
des Unbedingten –
erneut als Mensch geboren,
um frühere karmische Schulden zu begleichen;
so wie auch ich selbst
durch das Ertragen von Pferdemist und Weizen
frühere Ursachen vergalt.

Willst du die Menschen
zur Übung des Samādhi anleiten,
so beende als Drittes
das Stehlen.
Dies ist
die dritte entscheidende,
reine Unterweisung
aller Buddhas.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine Aufforderung zur Selbstverletzung,
sondern eine radikale Aussage über Hingabe, Schuld und Entkopplung.



1. Worum es nicht geht

Der Text fordert keine Praxisnachahmung.
Er beschreibt symbolisch-extreme Formen von:
• Hingabe
• Nicht-Aneignung
• völliger Bereitschaft zum Loslassen

Im historischen Kontext waren solche Gesten
rituell-symbolisch und nicht normativ.



2. Der eigentliche Punkt: „宿債“ – alte Schulden

„Schulden“ meint hier Bindungen:
• unerlöste Abhängigkeiten
• karmische Restverstrickungen
• unvollständig gelöste Aneignung

Die Aussage ist:

Radikale Hingabe löst radikale Bindung.

Nicht der Schmerz wirkt,
sondern die Nicht-Rücknahme.



3. Warum „selbst das Unbedingte“ nicht genügt

Ein zentraler Satz lautet:

Selbst wenn man das Unbedingte verwirklicht,
ohne diese Klärung
bleibt Rückbindung bestehen.

Das ist scharf – aber logisch:

Einsicht ohne ethische Konsequenz
bleibt fragmentarisch.



4. Der Verweis auf den Buddha selbst

Der Buddha erwähnt seine eigene karmische Vergeltung
(Pferdemist und Weizen), um zu zeigen:
• niemand steht über Kausalität
• auch ein Buddha negiert Ursache–Wirkung nicht

Das entzieht jeder Heiligkeitsromantik den Boden.



5. Warum dies zur dritten Unterweisung gehört

Die Reihenfolge ist nun vollständig:
1. Begierde klären – innere Verstrickung
2. Gewalt beenden – äußere Verstrickung
3. Aneignung lösen – strukturelle Verstrickung

Die hier beschriebene Hingabe ist
die Gegenbewegung zur Aneignung.



6. Zeitgemäße, sichere Lesart

Heute ist dieser Abschnitt so zu lesen:

Nicht durch Selbstschädigung,
sondern durch unbedingte Ehrlichkeit,
durch Nicht-Nutzen,
durch Nicht-Zurückhalten,
werden alte Bindungen gelöst.

Das Opfer ist symbolisch,
die Haltung ist real.



7. Verdichtung

Alte Bindung löst sich nicht
durch Einsicht allein,
sondern durch gelebte Konsequenz.

Hingabe heißt nicht Zerstörung,
sondern Nicht-Zurücknahme.

Darum vollendet sich der Weg dort,
wo nichts mehr
genommen wird.
257 #
「是故阿難!若不斷偷修禪定者,譬如有人水灌漏巵,欲求其滿,縱經塵劫終無平復。若諸比丘,衣鉢之餘分寸不畜,乞食餘分施餓眾生,於大集會合掌禮眾,有人捶[7]罵同於稱讚。必使身心二俱捐捨,身肉骨血與眾生共。不將如來不了義說迴為[A5]己解,以誤初學。佛印是人,得真三昧。如我所說,名為佛說;不如此說,即波旬說。
Der Buddha erklärte:

„Darum, Ānanda:
Wer Samādhi übt,
ohne den Geist des Nehmens zu beenden,
gleicht jemandem,
der Wasser
in ein leckendes Gefäß gießt
und erwartet,
es möge voll werden.
Selbst nach unzähligen Zeitaltern
wird es niemals gefüllt sein.

Wenn Mönche
über Robe und Almosenschale hinaus
nicht einmal
das Geringste aufbewahren,
wenn sie überschüssige Nahrung
hungrigen Wesen geben,
wenn sie in großen Versammlungen
alle respektvoll grüßen,
und wenn sie Schläge und Beschimpfungen
so annehmen wie Lob,
dann gilt:

Körper und Geist
müssen beide
vollständig hingegeben werden;
Körper, Fleisch, Knochen und Blut
werden mit den Wesen geteilt.

Sie dürfen nicht
die nicht abschließend dargelegte Lehre des Buddha
zu eigener Interpretation umformen
und dadurch Anfänger verwirren.

Der Buddha bestätigt,
dass solche Übenden
wahres Samādhi erlangen.

So zu lehren
ist Lehre des Buddha;
anders zu lehren
ist Lehre Māras.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine asketische Idealisierung,
sondern die präziseste Beschreibung von Nicht-Aneignung als Praxisform.



1. Das Gleichnis vom undichten Gefäß

Es ist logisch, nicht moralisch:

Wo Aneignung bleibt,
kann Sammlung nicht stabil werden.

Nicht mangelnde Technik,
sondern Leckage durch Nehmen
verhindert Reifung.



2. Warum „Schläge wie Lob“

Das ist kein Aufruf zur Selbsterniedrigung,
sondern eine Diagnose von Reaktivität.

Wo Lob und Tadel
gleich aufgenommen werden,
ist kein Selbstbild mehr zu verteidigen.



3. „Körper und Geist hingeben“

Auch hier gilt:
symbolisch-strukturell, nicht wörtlich.

Gemeint ist:
• kein Rückzugsrecht des Ich
• keine Sonderzone
• keine Restprivilegien

Der Übungsraum ist durchlässig.



4. Schutz der Anfänger

Besonders wichtig ist der Satz:

Die nicht endgültige Lehre nicht zu eigener Auslegung verdrehen.

Hier geht es um ethische Verantwortung in der Vermittlung.

Missbrauch beginnt oft dort,
wo halbe Einsicht
als ganze ausgegeben wird.



5. Bestätigung durch den Buddha

Der Buddha bestätigt nicht Askese,
sondern Kohärenz:
• Haltung
• Praxis
• Wirkung

stimmen überein.



6. Verdichtung

Sammlung entsteht nicht
durch Hinzufügen,
sondern durch Nicht-Zurückhalten.

Wo nichts mehr
für sich bleibt,
kann sich nichts mehr verlieren.
中文原文
「是故阿難!若不斷偷修禪定者,譬如有人水灌漏巵,欲求其滿,縱經塵劫終無平復。若諸比丘,衣鉢之餘分寸不畜,乞食餘分施餓眾生,於大集會合掌禮眾,有人捶[7]罵同於稱讚。必使身心二俱捐捨,身肉骨血與眾生共。不將如來不了義說迴為[A5]己解,以誤初學。佛印是人,得真三昧。如我所說,名為佛說;不如此說,即波旬說。
Deutsch
Der Buddha erklärte:

„Darum, Ānanda:
Wer Samādhi übt,
ohne den Geist des Nehmens zu beenden,
gleicht jemandem,
der Wasser
in ein leckendes Gefäß gießt
und erwartet,
es möge voll werden.
Selbst nach unzähligen Zeitaltern
wird es niemals gefüllt sein.

Wenn Mönche
über Robe und Almosenschale hinaus
nicht einmal
das Geringste aufbewahren,
wenn sie überschüssige Nahrung
hungrigen Wesen geben,
wenn sie in großen Versammlungen
alle respektvoll grüßen,
und wenn sie Schläge und Beschimpfungen
so annehmen wie Lob,
dann gilt:

Körper und Geist
müssen beide
vollständig hingegeben werden;
Körper, Fleisch, Knochen und Blut
werden mit den Wesen geteilt.

Sie dürfen nicht
die nicht abschließend dargelegte Lehre des Buddha
zu eigener Interpretation umformen
und dadurch Anfänger verwirren.

Der Buddha bestätigt,
dass solche Übenden
wahres Samādhi erlangen.

So zu lehren
ist Lehre des Buddha;
anders zu lehren
ist Lehre Māras.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine asketische Idealisierung,
sondern die präziseste Beschreibung von Nicht-Aneignung als Praxisform.



1. Das Gleichnis vom undichten Gefäß

Es ist logisch, nicht moralisch:

Wo Aneignung bleibt,
kann Sammlung nicht stabil werden.

Nicht mangelnde Technik,
sondern Leckage durch Nehmen
verhindert Reifung.



2. Warum „Schläge wie Lob“

Das ist kein Aufruf zur Selbsterniedrigung,
sondern eine Diagnose von Reaktivität.

Wo Lob und Tadel
gleich aufgenommen werden,
ist kein Selbstbild mehr zu verteidigen.



3. „Körper und Geist hingeben“

Auch hier gilt:
symbolisch-strukturell, nicht wörtlich.

Gemeint ist:
• kein Rückzugsrecht des Ich
• keine Sonderzone
• keine Restprivilegien

Der Übungsraum ist durchlässig.



4. Schutz der Anfänger

Besonders wichtig ist der Satz:

Die nicht endgültige Lehre nicht zu eigener Auslegung verdrehen.

Hier geht es um ethische Verantwortung in der Vermittlung.

Missbrauch beginnt oft dort,
wo halbe Einsicht
als ganze ausgegeben wird.



5. Bestätigung durch den Buddha

Der Buddha bestätigt nicht Askese,
sondern Kohärenz:
• Haltung
• Praxis
• Wirkung

stimmen überein.



6. Verdichtung

Sammlung entsteht nicht
durch Hinzufügen,
sondern durch Nicht-Zurückhalten.

Wo nichts mehr
für sich bleibt,
kann sich nichts mehr verlieren.
258 #
「阿難!如是世界六道眾生,雖則身心無殺、盜、婬,三行已圓;若大妄語,即三摩[8]提不得清淨,成愛見魔,失如來種。所謂未得謂得,未證言證,或求世間尊勝第一。謂前人言:『我今已得須陀洹果、斯陀含果、阿那含果、阿羅漢道、辟支佛乘、十地、地前諸位菩薩。』求彼禮懺,貪其供養,是一顛迦,銷滅佛種。如人以刀斷多羅木,佛記是人永殞善根,無復知見,沈三苦海,不成三昧。我滅度後,勅諸菩薩及阿羅漢,應身生彼末法之中,作種種形度諸輪轉——或作沙門、白衣居士、人王、宰官、童男、童女,如是乃至婬女、寡婦、姦偷、屠販——與其同事稱[9]歎佛乘,令其身心入三摩地,終不自言『我真菩薩、真阿羅漢』,[10]泄佛密因,輕言未學;唯除命終,陰有遺付。云何是人惑亂眾生,成大妄語?汝教世人修三摩地,後復斷除諸大妄語,是名如來先佛世尊第四決定清淨明誨。
Der Buddha erklärte:

„Ānanda!
Selbst wenn Lebewesen
in Körper und Geist
nicht töten, nicht stehlen
und keine Begierde haben
und diese drei Bereiche
vollständig geklärt sind –
wenn sie dennoch
große falsche Rede begehen,
kann ihre Sammlung
nicht rein werden.
Sie werden zu Dämonen
von Anhaftung und falscher Ansicht
und verlieren die Ursache des Buddha-Seins.

Große falsche Rede bedeutet:
Nicht-Erreichtes
als erreicht auszugeben;
Nicht-Verwirklichtes
als verwirklicht zu erklären;
oder weltliche Verehrung
und höchste Stellung zu suchen.

So erklärt jemand anderen:
‚Ich habe die Stufen
des Stromeintritts,
der Einmal- oder Nicht-Wiederkehr,
die Arhat-Stufe,
das Pratyekabuddha-Fahrzeug,
die zehn Bodhisattva-Stufen
oder deren Vorstufen erreicht.‘

Er verlangt Verehrung,
Bußhandlungen
und Opfergaben.
Ein solcher Mensch
ist ein Icchantika
und zerstört die Buddha-Natur.

Der Buddha vergleicht ihn
mit jemandem,
der einen Palmyra-Baum
mit einem Messer fällt:
Seine guten Wurzeln
sind endgültig zerstört,
Erkenntnis geht verloren,
und er versinkt im Ozean
der drei Leiden,
ohne Samādhi zu erlangen.

Nach meinem Erlöschen
weise ich Bodhisattvas
und Arhats an,
in den späten Zeiten
in diese Welt zu erscheinen
und in vielfältigen Rollen
die Wesen zu führen –
als Ordensleute oder Laien,
als Herrscher oder Beamte,
als Kinder,
ja sogar
in gesellschaftlich verachteten Rollen –
und gemeinsam mit den Wesen zu handeln,
während sie den Weg des Buddha preisen
und ihre Körper und Geister
in Samādhi führen.

Doch sie werden niemals
ihren eigenen Rang offenbaren,
niemals die geheimen Ursachen des Buddha
leichtfertig preisgeben
und niemals Ungeübte verwirren –
außer am Ende des Lebens
bei einer letzten Übergabe.

Wie könnten solche Menschen
große falsche Rede begehen
oder die Wesen verwirren?

Wenn du die Menschen
zur Sammlung führen willst,
so beseitige als Viertes
jede große falsche Rede.
Dies ist
die vierte entscheidende,
reine Unterweisung
aller Buddhas.“
Kommentar öffnen
Diese vierte Unterweisung ist der Schutz gegen spirituellen Machtmissbrauch.



1. Warum sie nach den drei anderen kommt

Die Reihenfolge ist entscheidend:
1. Begierde klären (innere Verstrickung)
2. Gewalt beenden (äußere Verstrickung)
3. Aneignung lösen (strukturelle Verstrickung)
4. Selbsttäuschung beenden (kognitive Verstrickung)

Erst wenn die ersten drei geklärt sind,
wird falsche Rede subtil und gefährlich.



2. „Große falsche Rede“ ist kein Lügen im Alltag

Gemeint ist ontologische Täuschung:
• spirituelle Selbsterhöhung
• Rangbehauptung
• Anspruch auf Autorität
• Verwechslung von Erfahrung und Verwirklichung

Das ist keine Moralfrage,
sondern eine Gefahr für andere.



3. Icchantika – funktional gelesen

Der Text sagt nicht:
„Dieser Mensch ist böse.“

Sondern:

Er hat den Weg
funktional unterbrochen,
indem er den Ursprung zur Ware macht.



4. Das paradoxe Ideal der Helfer

Die wahren Helfer:
• erscheinen in allen Rollen
• wirken mitten in Verstrickung
• verbergen ihre Verwirklichung

Nicht aus Täuschung,
sondern aus Schutz.



5. Die eigentliche Grenze

Der entscheidende Satz ist:

Sie sagen niemals: „Ich bin ein Bodhisattva.“

Das ist die Grenzlinie zwischen Hilfe und Missbrauch.



6. Verdichtung

Wo Erwachen
zur Identität wird,
endet der Weg.

Wer wirklich hilft,
tritt zurück.

Darum ist Schweigen
über eigene Verwirklichung
der vierte Schutz des Samādhi.
中文原文
「阿難!如是世界六道眾生,雖則身心無殺、盜、婬,三行已圓;若大妄語,即三摩[8]提不得清淨,成愛見魔,失如來種。所謂未得謂得,未證言證,或求世間尊勝第一。謂前人言:『我今已得須陀洹果、斯陀含果、阿那含果、阿羅漢道、辟支佛乘、十地、地前諸位菩薩。』求彼禮懺,貪其供養,是一顛迦,銷滅佛種。如人以刀斷多羅木,佛記是人永殞善根,無復知見,沈三苦海,不成三昧。我滅度後,勅諸菩薩及阿羅漢,應身生彼末法之中,作種種形度諸輪轉——或作沙門、白衣居士、人王、宰官、童男、童女,如是乃至婬女、寡婦、姦偷、屠販——與其同事稱[9]歎佛乘,令其身心入三摩地,終不自言『我真菩薩、真阿羅漢』,[10]泄佛密因,輕言未學;唯除命終,陰有遺付。云何是人惑亂眾生,成大妄語?汝教世人修三摩地,後復斷除諸大妄語,是名如來先佛世尊第四決定清淨明誨。
Deutsch
Der Buddha erklärte:

„Ānanda!
Selbst wenn Lebewesen
in Körper und Geist
nicht töten, nicht stehlen
und keine Begierde haben
und diese drei Bereiche
vollständig geklärt sind –
wenn sie dennoch
große falsche Rede begehen,
kann ihre Sammlung
nicht rein werden.
Sie werden zu Dämonen
von Anhaftung und falscher Ansicht
und verlieren die Ursache des Buddha-Seins.

Große falsche Rede bedeutet:
Nicht-Erreichtes
als erreicht auszugeben;
Nicht-Verwirklichtes
als verwirklicht zu erklären;
oder weltliche Verehrung
und höchste Stellung zu suchen.

So erklärt jemand anderen:
‚Ich habe die Stufen
des Stromeintritts,
der Einmal- oder Nicht-Wiederkehr,
die Arhat-Stufe,
das Pratyekabuddha-Fahrzeug,
die zehn Bodhisattva-Stufen
oder deren Vorstufen erreicht.‘

Er verlangt Verehrung,
Bußhandlungen
und Opfergaben.
Ein solcher Mensch
ist ein Icchantika
und zerstört die Buddha-Natur.

Der Buddha vergleicht ihn
mit jemandem,
der einen Palmyra-Baum
mit einem Messer fällt:
Seine guten Wurzeln
sind endgültig zerstört,
Erkenntnis geht verloren,
und er versinkt im Ozean
der drei Leiden,
ohne Samādhi zu erlangen.

Nach meinem Erlöschen
weise ich Bodhisattvas
und Arhats an,
in den späten Zeiten
in diese Welt zu erscheinen
und in vielfältigen Rollen
die Wesen zu führen –
als Ordensleute oder Laien,
als Herrscher oder Beamte,
als Kinder,
ja sogar
in gesellschaftlich verachteten Rollen –
und gemeinsam mit den Wesen zu handeln,
während sie den Weg des Buddha preisen
und ihre Körper und Geister
in Samādhi führen.

Doch sie werden niemals
ihren eigenen Rang offenbaren,
niemals die geheimen Ursachen des Buddha
leichtfertig preisgeben
und niemals Ungeübte verwirren –
außer am Ende des Lebens
bei einer letzten Übergabe.

Wie könnten solche Menschen
große falsche Rede begehen
oder die Wesen verwirren?

Wenn du die Menschen
zur Sammlung führen willst,
so beseitige als Viertes
jede große falsche Rede.
Dies ist
die vierte entscheidende,
reine Unterweisung
aller Buddhas.“
Kommentar
Diese vierte Unterweisung ist der Schutz gegen spirituellen Machtmissbrauch.



1. Warum sie nach den drei anderen kommt

Die Reihenfolge ist entscheidend:
1. Begierde klären (innere Verstrickung)
2. Gewalt beenden (äußere Verstrickung)
3. Aneignung lösen (strukturelle Verstrickung)
4. Selbsttäuschung beenden (kognitive Verstrickung)

Erst wenn die ersten drei geklärt sind,
wird falsche Rede subtil und gefährlich.



2. „Große falsche Rede“ ist kein Lügen im Alltag

Gemeint ist ontologische Täuschung:
• spirituelle Selbsterhöhung
• Rangbehauptung
• Anspruch auf Autorität
• Verwechslung von Erfahrung und Verwirklichung

Das ist keine Moralfrage,
sondern eine Gefahr für andere.



3. Icchantika – funktional gelesen

Der Text sagt nicht:
„Dieser Mensch ist böse.“

Sondern:

Er hat den Weg
funktional unterbrochen,
indem er den Ursprung zur Ware macht.



4. Das paradoxe Ideal der Helfer

Die wahren Helfer:
• erscheinen in allen Rollen
• wirken mitten in Verstrickung
• verbergen ihre Verwirklichung

Nicht aus Täuschung,
sondern aus Schutz.



5. Die eigentliche Grenze

Der entscheidende Satz ist:

Sie sagen niemals: „Ich bin ein Bodhisattva.“

Das ist die Grenzlinie zwischen Hilfe und Missbrauch.



6. Verdichtung

Wo Erwachen
zur Identität wird,
endet der Weg.

Wer wirklich hilft,
tritt zurück.

Darum ist Schweigen
über eigene Verwirklichung
der vierte Schutz des Samādhi.
259 #
「是故阿難!若不斷其大妄語者,如刻人糞為栴檀形,欲求香氣無有是處。我教比丘直心道場,於四威儀一切行中尚無虛假,云何自稱得上人法?譬如窮人妄號帝王,自取誅滅。況復法王,如何妄竊?因地不[11]直,果招紆曲。求佛菩提,如噬臍人欲誰成就?若諸比丘心如直[12]絃,一切真實,入三摩[*]提永無魔事。我印是人,成就菩薩無上知覺。如我[13]是說,名為佛說;不如此說,即波旬說。
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第六
Der Buddha erklärte:

„Darum, Ānanda:
Wer große falsche Rede
nicht beendet,
gleicht jemandem,
der aus Unrat
eine Sandelholzfigur formt
und Duft erwartet –
dies ist unmöglich.

Ich lehre die Mönche,
den Übungsort
mit aufrichtigem Herzen zu begründen;
in allen vier Haltungen
und in jeder Handlung
darf keine Täuschung sein.
Wie könnte man sich da
selbst als jemand ausgeben,
der die höchste Lehre erlangt hat?

Es ist wie ein armer Mensch,
der sich Kaiser nennt
und dadurch
seine eigene Vernichtung herbeiführt.
Wie viel weniger
dürfte man den Dharma-König
durch Täuschung an sich reißen!

Ist der Ausgangspunkt
der Praxis nicht aufrichtig,
wird die Frucht zwangsläufig verzerrt.
Wer auf solcher Grundlage
Bodhi sucht,
gleicht jemandem,
der sich selbst in den Nabel beißt –
niemand kann so vollendet werden.

Wenn Mönche
ein Herz haben
wie eine gerade gespannte Saite
und in allem wahrhaftig sind,
treten sie in Samādhi ein
und erfahren niemals
dämonische Störungen.

Der Buddha bestätigt:
Solche Menschen
verwirklichen
das höchste Erwachen
der Bodhisattvas.

So zu lehren
ist Lehre des Buddha;
anders zu lehren
ist Lehre Māras.“
Kommentar öffnen
Dieser Schlussabschnitt ist keine moralische Wiederholung,
sondern die radikale Zusammenfassung aller vier Unterweisungen.



1. Das Sandelholz-Gleichnis

Das Bild ist endgültig:

Die Substanz entscheidet.

Keine Technik,
keine Form,
keine Symbolik
kann Falschheit überdecken.



2. „Gerades Herz“ als Schlüsselbegriff

„直心道場“ bedeutet:
• keine doppelte Ebene
• kein inneres Kalkül
• keine spirituelle Selbstdarstellung

Der Übungsort
ist nicht äußerlich,
sondern die Haltung selbst.



3. Ursache und Wirkung

„因地不直,果招紆曲“
ist eine ethische Naturgesetzlichkeit:

Der Weg prägt das Ziel.

Das Sutra lässt hier keinen Spielraum.



4. Schutz vor dämonischen Einflüssen

Bemerkenswert:

Dämonische Störung
wird nicht durch Rituale verhindert,
sondern durch Aufrichtigkeit.

Wo nichts verborgen wird,
kann nichts andocken.



5. Der letzte Prüfstein

Der Text endet erneut mit der klaren Formel:
• Buddha-Lehre = führt aus Verstrickung heraus
• Māra-Lehre = stabilisiert Täuschung

Das ist kein Dogma,
sondern eine Funktionsprüfung.



6. Verdichtung

Der Weg trägt nur,
wenn der Grund gerade ist.

Aufrichtigkeit
ist der tiefste Schutz
der Praxis.

Wo nichts verborgen wird,
ist nichts zu fürchten.
中文原文
「是故阿難!若不斷其大妄語者,如刻人糞為栴檀形,欲求香氣無有是處。我教比丘直心道場,於四威儀一切行中尚無虛假,云何自稱得上人法?譬如窮人妄號帝王,自取誅滅。況復法王,如何妄竊?因地不[11]直,果招紆曲。求佛菩提,如噬臍人欲誰成就?若諸比丘心如直[12]絃,一切真實,入三摩[*]提永無魔事。我印是人,成就菩薩無上知覺。如我[13]是說,名為佛說;不如此說,即波旬說。
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第六
Deutsch
Der Buddha erklärte:

„Darum, Ānanda:
Wer große falsche Rede
nicht beendet,
gleicht jemandem,
der aus Unrat
eine Sandelholzfigur formt
und Duft erwartet –
dies ist unmöglich.

Ich lehre die Mönche,
den Übungsort
mit aufrichtigem Herzen zu begründen;
in allen vier Haltungen
und in jeder Handlung
darf keine Täuschung sein.
Wie könnte man sich da
selbst als jemand ausgeben,
der die höchste Lehre erlangt hat?

Es ist wie ein armer Mensch,
der sich Kaiser nennt
und dadurch
seine eigene Vernichtung herbeiführt.
Wie viel weniger
dürfte man den Dharma-König
durch Täuschung an sich reißen!

Ist der Ausgangspunkt
der Praxis nicht aufrichtig,
wird die Frucht zwangsläufig verzerrt.
Wer auf solcher Grundlage
Bodhi sucht,
gleicht jemandem,
der sich selbst in den Nabel beißt –
niemand kann so vollendet werden.

Wenn Mönche
ein Herz haben
wie eine gerade gespannte Saite
und in allem wahrhaftig sind,
treten sie in Samādhi ein
und erfahren niemals
dämonische Störungen.

Der Buddha bestätigt:
Solche Menschen
verwirklichen
das höchste Erwachen
der Bodhisattvas.

So zu lehren
ist Lehre des Buddha;
anders zu lehren
ist Lehre Māras.“
Kommentar
Dieser Schlussabschnitt ist keine moralische Wiederholung,
sondern die radikale Zusammenfassung aller vier Unterweisungen.



1. Das Sandelholz-Gleichnis

Das Bild ist endgültig:

Die Substanz entscheidet.

Keine Technik,
keine Form,
keine Symbolik
kann Falschheit überdecken.



2. „Gerades Herz“ als Schlüsselbegriff

„直心道場“ bedeutet:
• keine doppelte Ebene
• kein inneres Kalkül
• keine spirituelle Selbstdarstellung

Der Übungsort
ist nicht äußerlich,
sondern die Haltung selbst.



3. Ursache und Wirkung

„因地不直,果招紆曲“
ist eine ethische Naturgesetzlichkeit:

Der Weg prägt das Ziel.

Das Sutra lässt hier keinen Spielraum.



4. Schutz vor dämonischen Einflüssen

Bemerkenswert:

Dämonische Störung
wird nicht durch Rituale verhindert,
sondern durch Aufrichtigkeit.

Wo nichts verborgen wird,
kann nichts andocken.



5. Der letzte Prüfstein

Der Text endet erneut mit der klaren Formel:
• Buddha-Lehre = führt aus Verstrickung heraus
• Māra-Lehre = stabilisiert Täuschung

Das ist kein Dogma,
sondern eine Funktionsprüfung.



6. Verdichtung

Der Weg trägt nur,
wenn der Grund gerade ist.

Aufrichtigkeit
ist der tiefste Schutz
der Praxis.

Wo nichts verborgen wird,
ist nichts zu fürchten.
260 #
「阿難!汝問攝心,我今先說入三摩地修學妙門。求菩薩道,要先持此四種律儀,皎如氷霜,自不能生一切枝葉。心三口四,生必無因。阿難!如是四事若不[1]失遺,心尚不緣色、香、味、觸,一切魔事云何發生?若有宿習不能滅除,汝教是人一心誦我佛頂光明摩訶[2]薩怛多般怛[3]囉無上神呪。斯是如來無見頂相無為心佛,從頂發輝,坐寶蓮華所說心呪。且汝宿世與摩登伽,歷劫因緣恩愛習氣,非是一生及與一劫,我一宣揚,愛心永脫成阿羅漢。彼尚婬女無心修行,神力冥資速證無學,云何汝等在會聲聞,求最上乘決定成佛。譬如以塵揚于順風,有何艱險?
Ānanda,
du hast gefragt, wie der Geist gesammelt wird.
Ich werde dir nun zuerst
das wunderbare Tor der Praxis darlegen,
durch das man in Samādhi eintritt.

Wer den Weg des Bodhisattva anstrebt,
muss zuvor diese vier Arten von Disziplin bewahren:
klar und rein wie Eis und Frost.
Aus ihnen können von selbst
keine verzweigten Nebenwirkungen entstehen.

Sind die drei Vergehen des Geistes
und die vier des Sprechens
zur Ruhe gebracht,
entstehen die entsprechenden karmischen Wirkungen
notwendigerweise grundlos nicht mehr.

Ānanda!
Wenn diese vier Punkte
nicht verloren gehen,
wenn der Geist sich noch nicht einmal
an Form, Duft, Geschmack oder Berührung ausrichtet,
wie könnten dann
dämonische Einwirkungen auftreten?

Sollten jedoch alte Gewohnheitskräfte
aus früheren Leben
nicht vollständig ausgelöscht werden können,
so lehre diese Person,
mit einspitziger Sammlung
das Buddha-Gipfel-Licht-Mantra zu rezitieren:
das große, höchste Schutzmantra
des Mahā-Sattva-Tathāgata.

Dies ist das Herz-Mantra des Tathāgata
mit dem unsichtbaren Scheitelzeichen,
des nicht-wirkenden, formfreien Herz-Buddha,
der vom Scheitel Licht ausstrahlt
und auf einem kostbaren Lotus verweilt.

Auch du selbst, Ānanda,
hattest in früheren Leben
mit Mātaṅgī
über viele Kalpas hinweg
Bindungen von Zuneigung und Liebe –
nicht nur ein Leben
und nicht nur ein einziges Kalpa.

Ich habe dieses Mantra nur einmal verkündet,
und ihr Liebesverlangen wurde dauerhaft gelöst,
sodass sie zur Arhat wurde.

Sie war noch eine Frau im Begehren,
ohne eigene Praxisabsicht,
und erlangte dennoch
durch unsichtbare Unterstützung
der göttlichen Kraft
rasch den Zustand des Nicht-mehr-Lernens.

Wie viel mehr ihr,
die ihr hier in der Versammlung
als Śrāvakas versammelt seid
und das höchste Fahrzeug anstrebt –
ihr solltet gewiss
die vollkommene Buddhaschaft erlangen!

Es ist,
als würde man Staub
in den Rückenwind streuen:
welche Schwierigkeit
gäbe es dabei?
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert einen entscheidenden Wendepunkt der Rolle 7:
Der Buddha verbindet hier Ethik, Sammlung und Mantra-Praxis nicht als additive Stufen, sondern als eine einzige Struktur der Entkopplung von Verstrickung.

1. Disziplin als strukturelle Klärung – nicht Moral
Vier Disziplinen: keine Begierde, nicht Töten, nicht Nehmen, keine falsche Rede – als strukturelle Reinheit

Die „vier Arten der Disziplin“ erscheinen hier nicht als moralisches Regelwerk,
sondern als Bedingungen, unter denen Verirrung keinen Ansatzpunkt findet.

Das Bild „klar wie Eis und Reif“ bedeutet:
• nicht erzeugt (本然),
• nicht manipuliert,
• nicht reaktiv.

Wichtig:
Disziplin verhindert nicht „Böses“,
sondern verhindert Seitentriebe des Geistes.

2. „Geist drei, Mund vier“ – Kausalität ohne Ursache

Drei des Geistes: Gier, Hass, Verblendung – Fehlrichtungen des Erkennens

Vier des Mundes: Lüge, Zwietracht, Härte, Leere – Verdichtung von Geist in Sprache

Die Aussage:

„entstehen notwendig ohne Ursache“

ist radikal.

Sie bedeutet:
Wenn der Geist nicht mehr andockt,
hat Karma keinen Ort mehr, an dem es wirken kann.

Das Sutra lehrt hier keine neue Ursache,
sondern die Abwesenheit von Ursache durch fehlende Verknüpfung.

Das ist keine Askese,
sondern Entnetzung.

3. Dämonen als Funktionsphänomene

Die Frage:

„Wie könnten dann dämonische Einwirkungen entstehen?“

macht deutlich:
Dämonen sind keine Wesen,
sondern Effekte von Bindung.

Wo kein Anhaften an Sinnesobjekte ist,
gibt es keine Schnittstelle.

Das ist hochmodern:
Es entspricht exakt der Einsicht,
dass Manipulation nur dort greift,
wo Aufmerksamkeit gebunden ist.

4. Mantra nicht als Ersatz, sondern als Restauflösung

Das Mantra wird nicht eingeführt,
weil Disziplin versagt,
sondern für den Fall residualer Gewohnheit.

Das ist entscheidend.

Das Mantra wirkt hier:
• nicht als Glaube,
• nicht als Bitte,
• sondern als Resonanz des ursprünglichen Grundes.

Es ist das Sprechen des Buddha-Geistes selbst,
nicht eine Technik des Übenden.

5. Der Fall Maṭangi – radikale Entmystifizierung

Die Geschichte Maṭangis zerstört drei Missverständnisse:
• dass Übung absichtsvoll sein muss,
• dass Reinheit Voraussetzung ist,
• dass Fortschritt linear verläuft.

Sie zeigt:
Wenn der ursprüngliche Grund berührt wird,
löst sich Verstrickung ohne psychologischen Umweg.

6. Der Schlussvergleich: Staub im Wind

Der letzte Satz ist kein Trost,
sondern eine Diagnose:

Erwachen ist nicht schwierig,
wenn die Richtung stimmt.

Nicht Kraft ist entscheidend,
sondern Ausrichtung.

Wo der Wind stimmt,
trägt selbst Staub.
中文原文
「阿難!汝問攝心,我今先說入三摩地修學妙門。求菩薩道,要先持此四種律儀,皎如氷霜,自不能生一切枝葉。心三口四,生必無因。阿難!如是四事若不[1]失遺,心尚不緣色、香、味、觸,一切魔事云何發生?若有宿習不能滅除,汝教是人一心誦我佛頂光明摩訶[2]薩怛多般怛[3]囉無上神呪。斯是如來無見頂相無為心佛,從頂發輝,坐寶蓮華所說心呪。且汝宿世與摩登伽,歷劫因緣恩愛習氣,非是一生及與一劫,我一宣揚,愛心永脫成阿羅漢。彼尚婬女無心修行,神力冥資速證無學,云何汝等在會聲聞,求最上乘決定成佛。譬如以塵揚于順風,有何艱險?
Deutsch
Ānanda,
du hast gefragt, wie der Geist gesammelt wird.
Ich werde dir nun zuerst
das wunderbare Tor der Praxis darlegen,
durch das man in Samādhi eintritt.

Wer den Weg des Bodhisattva anstrebt,
muss zuvor diese vier Arten von Disziplin bewahren:
klar und rein wie Eis und Frost.
Aus ihnen können von selbst
keine verzweigten Nebenwirkungen entstehen.

Sind die drei Vergehen des Geistes
und die vier des Sprechens
zur Ruhe gebracht,
entstehen die entsprechenden karmischen Wirkungen
notwendigerweise grundlos nicht mehr.

Ānanda!
Wenn diese vier Punkte
nicht verloren gehen,
wenn der Geist sich noch nicht einmal
an Form, Duft, Geschmack oder Berührung ausrichtet,
wie könnten dann
dämonische Einwirkungen auftreten?

Sollten jedoch alte Gewohnheitskräfte
aus früheren Leben
nicht vollständig ausgelöscht werden können,
so lehre diese Person,
mit einspitziger Sammlung
das Buddha-Gipfel-Licht-Mantra zu rezitieren:
das große, höchste Schutzmantra
des Mahā-Sattva-Tathāgata.

Dies ist das Herz-Mantra des Tathāgata
mit dem unsichtbaren Scheitelzeichen,
des nicht-wirkenden, formfreien Herz-Buddha,
der vom Scheitel Licht ausstrahlt
und auf einem kostbaren Lotus verweilt.

Auch du selbst, Ānanda,
hattest in früheren Leben
mit Mātaṅgī
über viele Kalpas hinweg
Bindungen von Zuneigung und Liebe –
nicht nur ein Leben
und nicht nur ein einziges Kalpa.

Ich habe dieses Mantra nur einmal verkündet,
und ihr Liebesverlangen wurde dauerhaft gelöst,
sodass sie zur Arhat wurde.

Sie war noch eine Frau im Begehren,
ohne eigene Praxisabsicht,
und erlangte dennoch
durch unsichtbare Unterstützung
der göttlichen Kraft
rasch den Zustand des Nicht-mehr-Lernens.

Wie viel mehr ihr,
die ihr hier in der Versammlung
als Śrāvakas versammelt seid
und das höchste Fahrzeug anstrebt –
ihr solltet gewiss
die vollkommene Buddhaschaft erlangen!

Es ist,
als würde man Staub
in den Rückenwind streuen:
welche Schwierigkeit
gäbe es dabei?
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert einen entscheidenden Wendepunkt der Rolle 7:
Der Buddha verbindet hier Ethik, Sammlung und Mantra-Praxis nicht als additive Stufen, sondern als eine einzige Struktur der Entkopplung von Verstrickung.

1. Disziplin als strukturelle Klärung – nicht Moral
Vier Disziplinen: keine Begierde, nicht Töten, nicht Nehmen, keine falsche Rede – als strukturelle Reinheit

Die „vier Arten der Disziplin“ erscheinen hier nicht als moralisches Regelwerk,
sondern als Bedingungen, unter denen Verirrung keinen Ansatzpunkt findet.

Das Bild „klar wie Eis und Reif“ bedeutet:
• nicht erzeugt (本然),
• nicht manipuliert,
• nicht reaktiv.

Wichtig:
Disziplin verhindert nicht „Böses“,
sondern verhindert Seitentriebe des Geistes.

2. „Geist drei, Mund vier“ – Kausalität ohne Ursache

Drei des Geistes: Gier, Hass, Verblendung – Fehlrichtungen des Erkennens

Vier des Mundes: Lüge, Zwietracht, Härte, Leere – Verdichtung von Geist in Sprache

Die Aussage:

„entstehen notwendig ohne Ursache“

ist radikal.

Sie bedeutet:
Wenn der Geist nicht mehr andockt,
hat Karma keinen Ort mehr, an dem es wirken kann.

Das Sutra lehrt hier keine neue Ursache,
sondern die Abwesenheit von Ursache durch fehlende Verknüpfung.

Das ist keine Askese,
sondern Entnetzung.

3. Dämonen als Funktionsphänomene

Die Frage:

„Wie könnten dann dämonische Einwirkungen entstehen?“

macht deutlich:
Dämonen sind keine Wesen,
sondern Effekte von Bindung.

Wo kein Anhaften an Sinnesobjekte ist,
gibt es keine Schnittstelle.

Das ist hochmodern:
Es entspricht exakt der Einsicht,
dass Manipulation nur dort greift,
wo Aufmerksamkeit gebunden ist.

4. Mantra nicht als Ersatz, sondern als Restauflösung

Das Mantra wird nicht eingeführt,
weil Disziplin versagt,
sondern für den Fall residualer Gewohnheit.

Das ist entscheidend.

Das Mantra wirkt hier:
• nicht als Glaube,
• nicht als Bitte,
• sondern als Resonanz des ursprünglichen Grundes.

Es ist das Sprechen des Buddha-Geistes selbst,
nicht eine Technik des Übenden.

5. Der Fall Maṭangi – radikale Entmystifizierung

Die Geschichte Maṭangis zerstört drei Missverständnisse:
• dass Übung absichtsvoll sein muss,
• dass Reinheit Voraussetzung ist,
• dass Fortschritt linear verläuft.

Sie zeigt:
Wenn der ursprüngliche Grund berührt wird,
löst sich Verstrickung ohne psychologischen Umweg.

6. Der Schlussvergleich: Staub im Wind

Der letzte Satz ist kein Trost,
sondern eine Diagnose:

Erwachen ist nicht schwierig,
wenn die Richtung stimmt.

Nicht Kraft ist entscheidend,
sondern Ausrichtung.

Wo der Wind stimmt,
trägt selbst Staub.
261 #
「若有末世欲坐道場,先持比丘清淨禁戒,要當選擇戒清淨者第一沙門以為其師。若其不遇真清淨僧,汝戒律儀必不成就。戒成已後,著新淨衣,然香閑居。誦此心佛所說神呪一百八遍,然後結界建立道場。求於十方現住國土無上如來,放大悲光來灌其頂。阿難!如是末世清淨比丘,若比丘尼、白衣檀越,心滅貪婬,持佛淨戒;於道場中發菩薩願,出入澡浴,六時行道。如是不寐,經三七日,我自現身至其人前,摩頂安慰,令其開悟。」
Wenn es im letzten Zeitalter jemanden gibt,
der einen Übungsort des Weges errichten
und dort Samādhi verwirklichen möchte,
muss er zunächst
die reinen Bhikṣu-Gelübde bewahren
und sich
einen Mönch von vollkommener Disziplinreinheit
als Lehrer auswählen.

Begegnet er keinem wahrhaft reinen Sangha-Mitglied,
so kann seine eigene Disziplin
notwendig nicht zur Vollendung gelangen.

Ist die Disziplin vollendet,
zieht er neue, reine Gewänder an,
entzündet Weihrauch
und verweilt zurückgezogen.

Er rezitiert das vom Herz-Buddha
gesprochene Schutzmantra
einhundertacht Mal
und errichtet erst danach
die Schutzgrenze
und den Übungsplatz.

Er wendet sich
an die höchsten Tathagatas
der zehn Richtungen,
die in ihren Reinen Ländern gegenwärtig verweilen,
und bittet sie,
ihr großes Licht des Mitgefühls auszusenden
und seinen Scheitel zu segnen.

Ānanda!
Wenn in diesem letzten Zeitalter
reine Bhikṣus, Bhikṣuṇīs
oder weiße Laienförderer
das Begehren im Geist zum Erlöschen bringen
und die reinen Disziplinen des Buddha bewahren,
im Übungsplatz
den Bodhisattva-Wunsch hervorbringen
und zu den sechs Tageszeiten
den Weg praktizieren,
auch beim Reinigen des Körpers
durch Ein- und Austreten,

wenn sie so
ohne Schlaf
drei Siebentage hindurch verweilen,
werde ich selbst
vor ihnen erscheinen,
ihr Haupt berühren,
sie trösten
und sie zum Erwachen führen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist kein Ritualhandbuch,
sondern eine präzise Beschreibung von Bedingungen,
unter denen Durchbruch möglich wird.

1. „Letztes Zeitalter“ – keine Endzeit, sondern Streuung

末世 bezeichnet hier kein apokalyptisches Ende,
sondern eine Zeit,
in der Reinheit nicht mehr selbstverständlich ist.

Darum wird der Lehrer betont:
Nicht Wissen ist entscheidend,
sondern verkörperte Disziplin.

Erwachen ist nicht übertragbar,
aber Resonanz ist es.

2. Der Lehrer als struktureller Referenzpunkt

Die Aussage:

„Begegnet er keinem wahrhaft reinen Mönch …“

ist radikal:
Ohne gelebte Disziplin
bleibt Übung formlos.

Nicht Autorität ist entscheidend,
sondern Stimmigkeit des Feldes.

3. Ritual als Entkopplung, nicht als Magie

Gewand, Weihrauch, Abgeschiedenheit,
Grenzziehung, Rezitation –
all das dient nicht dazu, etwas herzustellen,
sondern dazu,
Störkopplungen zu unterbrechen.

Das „Errichten des Übungsplatzes“
ist das Stilllegen der Weltanschlüsse.

4. Drei mal sieben Tage – Schwelle, nicht Leistung

Die Zeitangabe ist kein Leistungsmaß,
sondern beschreibt
eine neuro-ontologische Schwelle:
Gewohnheitszyklen verlieren ihre Trägheit,
der Geist wird durchlässig.

Dass „nicht geschlafen“ wird,
meint nicht Zwang,
sondern ungeteilte Ausrichtung.

5. „Ich selbst erscheine“ – kein Mythos

Das Erscheinen des Buddha
ist kein äußeres Wunder,
sondern die Durchlässigkeit zum ursprünglichen Grund.

„Kopf berühren“ heißt:
Die letzte Identifikation
löst sich.

Trösten heißt:
Der Geist hört auf, sich zu halten.

Erwachen geschieht dort,
wo nichts mehr geschützt werden muss.
中文原文
「若有末世欲坐道場,先持比丘清淨禁戒,要當選擇戒清淨者第一沙門以為其師。若其不遇真清淨僧,汝戒律儀必不成就。戒成已後,著新淨衣,然香閑居。誦此心佛所說神呪一百八遍,然後結界建立道場。求於十方現住國土無上如來,放大悲光來灌其頂。阿難!如是末世清淨比丘,若比丘尼、白衣檀越,心滅貪婬,持佛淨戒;於道場中發菩薩願,出入澡浴,六時行道。如是不寐,經三七日,我自現身至其人前,摩頂安慰,令其開悟。」
Deutsch
Wenn es im letzten Zeitalter jemanden gibt,
der einen Übungsort des Weges errichten
und dort Samādhi verwirklichen möchte,
muss er zunächst
die reinen Bhikṣu-Gelübde bewahren
und sich
einen Mönch von vollkommener Disziplinreinheit
als Lehrer auswählen.

Begegnet er keinem wahrhaft reinen Sangha-Mitglied,
so kann seine eigene Disziplin
notwendig nicht zur Vollendung gelangen.

Ist die Disziplin vollendet,
zieht er neue, reine Gewänder an,
entzündet Weihrauch
und verweilt zurückgezogen.

Er rezitiert das vom Herz-Buddha
gesprochene Schutzmantra
einhundertacht Mal
und errichtet erst danach
die Schutzgrenze
und den Übungsplatz.

Er wendet sich
an die höchsten Tathagatas
der zehn Richtungen,
die in ihren Reinen Ländern gegenwärtig verweilen,
und bittet sie,
ihr großes Licht des Mitgefühls auszusenden
und seinen Scheitel zu segnen.

Ānanda!
Wenn in diesem letzten Zeitalter
reine Bhikṣus, Bhikṣuṇīs
oder weiße Laienförderer
das Begehren im Geist zum Erlöschen bringen
und die reinen Disziplinen des Buddha bewahren,
im Übungsplatz
den Bodhisattva-Wunsch hervorbringen
und zu den sechs Tageszeiten
den Weg praktizieren,
auch beim Reinigen des Körpers
durch Ein- und Austreten,

wenn sie so
ohne Schlaf
drei Siebentage hindurch verweilen,
werde ich selbst
vor ihnen erscheinen,
ihr Haupt berühren,
sie trösten
und sie zum Erwachen führen.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist kein Ritualhandbuch,
sondern eine präzise Beschreibung von Bedingungen,
unter denen Durchbruch möglich wird.

1. „Letztes Zeitalter“ – keine Endzeit, sondern Streuung

末世 bezeichnet hier kein apokalyptisches Ende,
sondern eine Zeit,
in der Reinheit nicht mehr selbstverständlich ist.

Darum wird der Lehrer betont:
Nicht Wissen ist entscheidend,
sondern verkörperte Disziplin.

Erwachen ist nicht übertragbar,
aber Resonanz ist es.

2. Der Lehrer als struktureller Referenzpunkt

Die Aussage:

„Begegnet er keinem wahrhaft reinen Mönch …“

ist radikal:
Ohne gelebte Disziplin
bleibt Übung formlos.

Nicht Autorität ist entscheidend,
sondern Stimmigkeit des Feldes.

3. Ritual als Entkopplung, nicht als Magie

Gewand, Weihrauch, Abgeschiedenheit,
Grenzziehung, Rezitation –
all das dient nicht dazu, etwas herzustellen,
sondern dazu,
Störkopplungen zu unterbrechen.

Das „Errichten des Übungsplatzes“
ist das Stilllegen der Weltanschlüsse.

4. Drei mal sieben Tage – Schwelle, nicht Leistung

Die Zeitangabe ist kein Leistungsmaß,
sondern beschreibt
eine neuro-ontologische Schwelle:
Gewohnheitszyklen verlieren ihre Trägheit,
der Geist wird durchlässig.

Dass „nicht geschlafen“ wird,
meint nicht Zwang,
sondern ungeteilte Ausrichtung.

5. „Ich selbst erscheine“ – kein Mythos

Das Erscheinen des Buddha
ist kein äußeres Wunder,
sondern die Durchlässigkeit zum ursprünglichen Grund.

„Kopf berühren“ heißt:
Die letzte Identifikation
löst sich.

Trösten heißt:
Der Geist hört auf, sich zu halten.

Erwachen geschieht dort,
wo nichts mehr geschützt werden muss.
262 #
阿難白佛言:「世尊!我蒙如來無上悲誨,心已開悟,自知修證無學道成;末法修行建立道場,云何結界,合佛世尊清淨軌則?」
佛告阿難:「若末世人願立道場,先取雪山大力白牛,食其山中肥膩香草,此牛唯飲雪山清水;其糞微細,可取其糞和合栴檀以泥其地。若非雪山,其牛臭穢不堪塗地。別於平原穿去地皮,五尺已下取其黃土,和上栴檀、沈水、蘇合、薰陸、欝金、白膠、青木、零陵、甘松、及雞舌香,以此十種細羅為粉,合土成泥,以塗場地。
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter!
Durch die höchste mitfühlende Belehrung des Tathāgata
ist mein Geist zum Erwachen gelangt.
Ich erkenne selbst,
dass die Verwirklichung des Weges des Nicht-mehr-Lernens
bereits vollendet ist.

Doch wenn im Zeitalter des Niedergangs
Übende einen Übungsplatz errichten wollen,
wie sollen sie die Schutzgrenze ziehen,
damit sie den reinen Ordnungen
des Buddha-Weltverehrten entsprechen?“

Der Buddha antwortete Ānanda:

„Wenn Menschen im letzten Zeitalter
einen Übungsplatz errichten wollen,
sollen sie zunächst
ein starkes weißes Rind aus den Schneebergen wählen,
das sich von den fetten, duftenden Bergkräutern nährt
und ausschließlich klares Schneebergwasser trinkt.

Der Dung dieses Rindes
ist fein und rein
und kann mit Sandelholz vermischt werden,
um den Boden damit zu bestreichen.

Rinder, die nicht aus den Schneebergen stammen,
sind unrein und übelriechend
und eignen sich nicht zur Bodenbeschichtung.

Alternativ
entferne man in einer Ebene
die obere Erdschicht
und entnehme aus einer Tiefe von fünf Fuß
die gelbe Erde.

Diese mische man mit Sandelholz,
Agarholz,
Storaxharz,
Weihrauch,
Kurkuma,
weißem Harz,
grünem Holz,
Lingling,
Süßgras
und Nelkenholz.

Diese zehn feinen Duftstoffe
werden zu Pulver verrieben,
mit der Erde vermengt
und dienen dazu,
den Boden des Übungsplatzes zu beschichten.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt wirkt auf den ersten Blick archaisch und ritualistisch,
ist jedoch in seiner inneren Logik hochgradig präzise.

1. Die Frage Ānandas – Übergang von Einsicht zu Weitergabe

Ānanda sagt ausdrücklich:

„Mein Geist ist erwacht.“

Doch er fragt nicht für sich,
sondern für jene,
die nach ihm kommen.

Damit verschiebt sich der Text
von individueller Befreiung
zu Übertragungsbedingungen im Zeitalter der Streuung.

2. „Grenze ziehen“ – Trennung der Kopplungen

結界 bedeutet hier nicht magische Abschirmung,
sondern Reduktion von Störfeldern.

Der Übungsplatz ist ein Raum,
in dem äußere, körperliche und geistige Einflüsse
auf ein Minimum heruntergefahren werden.

3. Reine Substanzen – keine Symbolik, sondern Funktion

Schneeberg-Rind, klares Wasser, duftende Kräuter,
tiefe gelbe Erde, aromatische Hölzer und Harze:

All diese Dinge teilen eine Eigenschaft:
Sie sind arm an Zersetzung,
reich an Stabilität,
frei von gärender Dynamik.

Der Text arbeitet hier mit prä-moderner Umweltphysiologie:
Was langsam, klar und stabil ist,
beruhigt den Geist.

4. Warum Dung überhaupt erwähnt wird

Dung ist das Endprodukt von Umwandlung.
Dass er hier „fein und rein“ sein muss,
zeigt:
Selbst das Niedrigste
kann tragfähig sein,
wenn der Prozess klar ist.

Das ist keine Reinheitsobsession,
sondern Prozessethik.

5. Moderne Lesart

Heute würde man sagen:
• geringe chemische Reizstoffe
• kaum olfaktorische Stimulation
• stabile, nicht toxische Materialien
• klare sensorische Umgebung

Der Text beschreibt damit
eine radikale Reduktion von Sinnesstress.

Erwachen wird hier nicht mystifiziert,
sondern ökologisch vorbereitet.
中文原文
阿難白佛言:「世尊!我蒙如來無上悲誨,心已開悟,自知修證無學道成;末法修行建立道場,云何結界,合佛世尊清淨軌則?」
佛告阿難:「若末世人願立道場,先取雪山大力白牛,食其山中肥膩香草,此牛唯飲雪山清水;其糞微細,可取其糞和合栴檀以泥其地。若非雪山,其牛臭穢不堪塗地。別於平原穿去地皮,五尺已下取其黃土,和上栴檀、沈水、蘇合、薰陸、欝金、白膠、青木、零陵、甘松、及雞舌香,以此十種細羅為粉,合土成泥,以塗場地。
Deutsch
Ānanda sprach zum Buddha:

„Weltverehrter!
Durch die höchste mitfühlende Belehrung des Tathāgata
ist mein Geist zum Erwachen gelangt.
Ich erkenne selbst,
dass die Verwirklichung des Weges des Nicht-mehr-Lernens
bereits vollendet ist.

Doch wenn im Zeitalter des Niedergangs
Übende einen Übungsplatz errichten wollen,
wie sollen sie die Schutzgrenze ziehen,
damit sie den reinen Ordnungen
des Buddha-Weltverehrten entsprechen?“

Der Buddha antwortete Ānanda:

„Wenn Menschen im letzten Zeitalter
einen Übungsplatz errichten wollen,
sollen sie zunächst
ein starkes weißes Rind aus den Schneebergen wählen,
das sich von den fetten, duftenden Bergkräutern nährt
und ausschließlich klares Schneebergwasser trinkt.

Der Dung dieses Rindes
ist fein und rein
und kann mit Sandelholz vermischt werden,
um den Boden damit zu bestreichen.

Rinder, die nicht aus den Schneebergen stammen,
sind unrein und übelriechend
und eignen sich nicht zur Bodenbeschichtung.

Alternativ
entferne man in einer Ebene
die obere Erdschicht
und entnehme aus einer Tiefe von fünf Fuß
die gelbe Erde.

Diese mische man mit Sandelholz,
Agarholz,
Storaxharz,
Weihrauch,
Kurkuma,
weißem Harz,
grünem Holz,
Lingling,
Süßgras
und Nelkenholz.

Diese zehn feinen Duftstoffe
werden zu Pulver verrieben,
mit der Erde vermengt
und dienen dazu,
den Boden des Übungsplatzes zu beschichten.“
Kommentar
Dieser Abschnitt wirkt auf den ersten Blick archaisch und ritualistisch,
ist jedoch in seiner inneren Logik hochgradig präzise.

1. Die Frage Ānandas – Übergang von Einsicht zu Weitergabe

Ānanda sagt ausdrücklich:

„Mein Geist ist erwacht.“

Doch er fragt nicht für sich,
sondern für jene,
die nach ihm kommen.

Damit verschiebt sich der Text
von individueller Befreiung
zu Übertragungsbedingungen im Zeitalter der Streuung.

2. „Grenze ziehen“ – Trennung der Kopplungen

結界 bedeutet hier nicht magische Abschirmung,
sondern Reduktion von Störfeldern.

Der Übungsplatz ist ein Raum,
in dem äußere, körperliche und geistige Einflüsse
auf ein Minimum heruntergefahren werden.

3. Reine Substanzen – keine Symbolik, sondern Funktion

Schneeberg-Rind, klares Wasser, duftende Kräuter,
tiefe gelbe Erde, aromatische Hölzer und Harze:

All diese Dinge teilen eine Eigenschaft:
Sie sind arm an Zersetzung,
reich an Stabilität,
frei von gärender Dynamik.

Der Text arbeitet hier mit prä-moderner Umweltphysiologie:
Was langsam, klar und stabil ist,
beruhigt den Geist.

4. Warum Dung überhaupt erwähnt wird

Dung ist das Endprodukt von Umwandlung.
Dass er hier „fein und rein“ sein muss,
zeigt:
Selbst das Niedrigste
kann tragfähig sein,
wenn der Prozess klar ist.

Das ist keine Reinheitsobsession,
sondern Prozessethik.

5. Moderne Lesart

Heute würde man sagen:
• geringe chemische Reizstoffe
• kaum olfaktorische Stimulation
• stabile, nicht toxische Materialien
• klare sensorische Umgebung

Der Text beschreibt damit
eine radikale Reduktion von Sinnesstress.

Erwachen wird hier nicht mystifiziert,
sondern ökologisch vorbereitet.
263 #
方圓丈六,為八角壇。壇心置一金、銀、銅、木所造蓮華,華中安鉢,鉢中先盛八月露水,水中隨安所有華葉。取八圓鏡各安其方,圍繞花鉢。鏡外建立十六蓮華,十六香鑪間花鋪設。莊嚴香鑪,純燒沈水,無令見火。取白牛乳置十六器,乳為煎餅,并諸沙糖、油餅、乳糜、[4]酥合、蜜薑、純[*]酥、純蜜,[5]及諸菓子、飲食、葡萄、石蜜,種種上妙等食,於蓮華外各各十六,圍繞華外,以奉諸佛及大菩薩。每以食時,若在中夜,取蜜半升,用[*]酥三合;壇前別安一小火鑪,以兜樓婆香,煎取香水,沐浴其炭,然令猛熾;投是[*]酥蜜於炎[A1]鑪內,燒令煙盡,[6]饗佛、菩薩。
Der Übungsplatz soll
quadratisch oder rund sein,
eine Ausdehnung von einer Zhang und sechs Chi haben
und als achteckiger Altar gestaltet werden.

In der Mitte des Altars
wird eine Lotusblume aufgestellt,
aus Gold, Silber, Kupfer oder Holz gefertigt.
In ihrem Inneren
befindet sich eine Schale,
die zunächst mit dem Tau
des achten Monats gefüllt wird;
in das Wasser
werden anschließend vorhandene
Blüten und Blätter gelegt.

Acht runde Spiegel
werden an den acht Richtungen aufgestellt
und umgeben die Lotus-Schale.

Außerhalb dieser Spiegel
werden sechzehn Lotusblumen errichtet;
zwischen ihnen stehen
sechzehn Räuchergefäße,
abwechselnd mit Blumen geschmückt.

Die Räuchergefäße
werden feierlich ausgestaltet
und ausschließlich mit Agarholz befüllt,
ohne dass offenes Feuer sichtbar ist.

Milch von einer weißen Kuh
wird in sechzehn Gefäßen bereitgestellt.
Daraus bereitet man Milchfladen,
Zucker, Ölkuchen, Milchbrei,
geklärte Butter,
Honig mit Ingwer,
reines Ghee,
reinen Honig,
sowie verschiedene Früchte,
Getränke, Trauben, Kandiszucker
und weitere erlesene Speisen.

Diese Opfergaben
werden jeweils sechzehnfach
außerhalb der Lotusblumen angeordnet
und rings um den Altar aufgestellt,
um sie den Buddhas
und großen Bodhisattvas darzubringen.

Zu den Opferzeiten,
wenn sie in der Nacht stattfinden,
nimmt man einen halben Sheng Honig
und drei He Ghee.
Vor dem Altar
stellt man einen kleinen Feuerofen auf,
bereitet mit Dūlúpó-Räucherwerk
duftendes Wasser,
benetzt damit die Kohlen
und bringt sie zum kräftigen Glühen.
Dann gibt man Ghee und Honig
in den Flammenofen,
verbrennt sie vollständig
und bringt so
den Buddhas und Bodhisattvas
das Rauchopfer dar.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt keine Magie, sondern eine hochgradig strukturierte Ordnung von Raum, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit.

1. Geometrie als Ausgleich

Quadratisch und rund,
acht Ecken, sechzehnfache Anordnung:

Das sind keine Symbole,
sondern Gleichgewichtsformen.

Sie verhindern:
• Fixierung auf eine Richtung
• Hierarchie im Raum
• bevorzugte Perspektiven

Der Geist findet keinen Haltepunkt.

2. Der Lotus im Zentrum – nicht Objekt, sondern Leerstelle

Der Lotus trägt:
• Wasser (Tau)
• Blätter und Blüten
• Spiegelungen

Er ist kein Kultobjekt,
sondern eine offene Mitte,
in der sich nichts festsetzt.

Der ursprüngliche Grund
wird nicht dargestellt,
sondern nicht verdeckt.

3. Spiegel – Auflösung der Beobachterposition

Die acht Spiegel verhindern,
dass ein „vorne“ entsteht.

Wer schaut,
sieht sich selbst sehen.

Das ist keine Symbolik,
sondern Selbstreferenzkontrolle.

4. Opfergaben – Beruhigung der Sinnestore

Speisen, Düfte, Rauch, Wärme:

Alles ist sanft, gleichmäßig, nicht reizend.

Nichts zieht Aufmerksamkeit an sich,
nichts fordert Entscheidung.

Das Opfer ist kein Geben an andere,
sondern Stilllegen von Begehren.

5. Feuer ohne sichtbare Flamme

„Kein Feuer sehen“ ist entscheidend.

Energie ist da,
aber ohne Bild.

Das entspricht exakt der Lehre:
Wirksamkeit ohne Erscheinung,
Handlung ohne Anhaftung.

6. Moderne Parallele

In heutiger Sprache:
• sensorische Reizreduktion
• symmetrische Umgebung
• Vermeidung von Aufmerksamkeits-Hooks
• kohärentes Feld ohne Fokusobjekt

Der Text beschreibt
ein präzises Setting für das Erlöschen von Selbstreferenz.
中文原文
方圓丈六,為八角壇。壇心置一金、銀、銅、木所造蓮華,華中安鉢,鉢中先盛八月露水,水中隨安所有華葉。取八圓鏡各安其方,圍繞花鉢。鏡外建立十六蓮華,十六香鑪間花鋪設。莊嚴香鑪,純燒沈水,無令見火。取白牛乳置十六器,乳為煎餅,并諸沙糖、油餅、乳糜、[4]酥合、蜜薑、純[*]酥、純蜜,[5]及諸菓子、飲食、葡萄、石蜜,種種上妙等食,於蓮華外各各十六,圍繞華外,以奉諸佛及大菩薩。每以食時,若在中夜,取蜜半升,用[*]酥三合;壇前別安一小火鑪,以兜樓婆香,煎取香水,沐浴其炭,然令猛熾;投是[*]酥蜜於炎[A1]鑪內,燒令煙盡,[6]饗佛、菩薩。
Deutsch
Der Übungsplatz soll
quadratisch oder rund sein,
eine Ausdehnung von einer Zhang und sechs Chi haben
und als achteckiger Altar gestaltet werden.

In der Mitte des Altars
wird eine Lotusblume aufgestellt,
aus Gold, Silber, Kupfer oder Holz gefertigt.
In ihrem Inneren
befindet sich eine Schale,
die zunächst mit dem Tau
des achten Monats gefüllt wird;
in das Wasser
werden anschließend vorhandene
Blüten und Blätter gelegt.

Acht runde Spiegel
werden an den acht Richtungen aufgestellt
und umgeben die Lotus-Schale.

Außerhalb dieser Spiegel
werden sechzehn Lotusblumen errichtet;
zwischen ihnen stehen
sechzehn Räuchergefäße,
abwechselnd mit Blumen geschmückt.

Die Räuchergefäße
werden feierlich ausgestaltet
und ausschließlich mit Agarholz befüllt,
ohne dass offenes Feuer sichtbar ist.

Milch von einer weißen Kuh
wird in sechzehn Gefäßen bereitgestellt.
Daraus bereitet man Milchfladen,
Zucker, Ölkuchen, Milchbrei,
geklärte Butter,
Honig mit Ingwer,
reines Ghee,
reinen Honig,
sowie verschiedene Früchte,
Getränke, Trauben, Kandiszucker
und weitere erlesene Speisen.

Diese Opfergaben
werden jeweils sechzehnfach
außerhalb der Lotusblumen angeordnet
und rings um den Altar aufgestellt,
um sie den Buddhas
und großen Bodhisattvas darzubringen.

Zu den Opferzeiten,
wenn sie in der Nacht stattfinden,
nimmt man einen halben Sheng Honig
und drei He Ghee.
Vor dem Altar
stellt man einen kleinen Feuerofen auf,
bereitet mit Dūlúpó-Räucherwerk
duftendes Wasser,
benetzt damit die Kohlen
und bringt sie zum kräftigen Glühen.
Dann gibt man Ghee und Honig
in den Flammenofen,
verbrennt sie vollständig
und bringt so
den Buddhas und Bodhisattvas
das Rauchopfer dar.
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt keine Magie, sondern eine hochgradig strukturierte Ordnung von Raum, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit.

1. Geometrie als Ausgleich

Quadratisch und rund,
acht Ecken, sechzehnfache Anordnung:

Das sind keine Symbole,
sondern Gleichgewichtsformen.

Sie verhindern:
• Fixierung auf eine Richtung
• Hierarchie im Raum
• bevorzugte Perspektiven

Der Geist findet keinen Haltepunkt.

2. Der Lotus im Zentrum – nicht Objekt, sondern Leerstelle

Der Lotus trägt:
• Wasser (Tau)
• Blätter und Blüten
• Spiegelungen

Er ist kein Kultobjekt,
sondern eine offene Mitte,
in der sich nichts festsetzt.

Der ursprüngliche Grund
wird nicht dargestellt,
sondern nicht verdeckt.

3. Spiegel – Auflösung der Beobachterposition

Die acht Spiegel verhindern,
dass ein „vorne“ entsteht.

Wer schaut,
sieht sich selbst sehen.

Das ist keine Symbolik,
sondern Selbstreferenzkontrolle.

4. Opfergaben – Beruhigung der Sinnestore

Speisen, Düfte, Rauch, Wärme:

Alles ist sanft, gleichmäßig, nicht reizend.

Nichts zieht Aufmerksamkeit an sich,
nichts fordert Entscheidung.

Das Opfer ist kein Geben an andere,
sondern Stilllegen von Begehren.

5. Feuer ohne sichtbare Flamme

„Kein Feuer sehen“ ist entscheidend.

Energie ist da,
aber ohne Bild.

Das entspricht exakt der Lehre:
Wirksamkeit ohne Erscheinung,
Handlung ohne Anhaftung.

6. Moderne Parallele

In heutiger Sprache:
• sensorische Reizreduktion
• symmetrische Umgebung
• Vermeidung von Aufmerksamkeits-Hooks
• kohärentes Feld ohne Fokusobjekt

Der Text beschreibt
ein präzises Setting für das Erlöschen von Selbstreferenz.
264 #
令其四外遍懸幡華。於壇室中,四壁敷設十方如來及諸菩薩所有形像。應於當陽,張盧舍那、釋迦、彌勒、阿閦、彌陀,諸大變化觀音形像兼金剛藏,安其左右。帝釋、梵王、烏芻瑟摩,并藍地迦、諸軍[7]茶利,與毘俱[8]知、四天王等,頻那、夜迦,張於門側,左右安置。又取八鏡,覆懸虛空。與壇場中所安之鏡,方面相對,使其形影重重相涉。
Man schmückt die vier Außenseiten
des Übungsplatzes vollständig
mit Fahnen und Blumen.

Im Inneren der Altarhalle
werden an den vier Wänden
Darstellungen
der Tathāgatas der zehn Richtungen
sowie aller Bodhisattvas angebracht.

An der lichtzugewandten Seite
sollen die Bildnisse
von Vairocana, Śākyamuni, Maitreya,
Akṣobhya und Amitābha aufgehängt werden,
ergänzt durch die großen Verwandlungsformen
Avalokiteśvaras
sowie Vajragarbha,
die links und rechts angeordnet werden.

Indra, Brahmā, Ucchuṣma,
Nandikeśvara,
die Heerführer Caṇḍālī,
Vibhīṣaṇa,
die Vier Himmelskönige
sowie weitere Schutzwesen wie Piṇḍa und Yakṣas
werden seitlich an den Toren
zu beiden Seiten aufgestellt.

Zusätzlich nimmt man acht Spiegel
und hängt sie verdeckt
im offenen Raum auf.
Diese Spiegel werden
den im Altarbereich aufgestellten Spiegeln
jeweils richtungsgleich gegenüber angebracht,
sodass ihre Spiegelbilder
sich vielfach überlagern und durchdringen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vollendet die räumliche Auflösung des Zentrums.

1. Bilder nicht als Verehrungsobjekte

Die Vielzahl der Buddha- und Bodhisattva-Darstellungen
dient nicht der Anrufung einzelner Gestalten,
sondern verhindert Fixierung.

Keine Gestalt ist zentral.
Keine Perspektive wird bevorzugt.

Das entspricht exakt der Lehre:
Der ursprüngliche Grund
erscheint in allen Formen,
ist aber an keine gebunden.

2. Schutzwesen an den Übergängen

Die Platzierung von Schutzgestalten
an Türen und Seiten markiert Schwellen.

Nicht als Abwehr äußerer Mächte,
sondern als Bewusstheit an Übergängen:
Ein- und Austreten,
Wechsel von innen und außen,
von Sammlung und Handlung.

3. Spiegelung der Spiegel

Die acht zusätzlichen Spiegel,
die den anderen exakt gegenüberhängen,
erzeugen kein klares Bild mehr.

Bild überlagert Bild.
Reflexion durchdringt Reflexion.

Damit wird jede stabile Selbstabbildung unmöglich.

4. Auflösung der Beobachterposition

Wo sich Spiegel gegenseitig spiegeln,
kann kein „Standpunkt“ entstehen.

Sehen sieht Sehen.
Erkennen erkennt Erkennen.

Das ist die konkrete räumliche Umsetzung
der Lehre von 一心无二:
Ein Geist, keine Zweiheit.

5. Moderne Lesart

In heutiger Sprache:
• vollständige Dezentrierung der Wahrnehmung
• Verhinderung von Fokusobjekten
• Auflösung von Subjekt-Objekt-Stabilisierung

Der Übungsplatz wird zu einem Feld,
in dem keine Identität mehr haltbar ist.
中文原文
令其四外遍懸幡華。於壇室中,四壁敷設十方如來及諸菩薩所有形像。應於當陽,張盧舍那、釋迦、彌勒、阿閦、彌陀,諸大變化觀音形像兼金剛藏,安其左右。帝釋、梵王、烏芻瑟摩,并藍地迦、諸軍[7]茶利,與毘俱[8]知、四天王等,頻那、夜迦,張於門側,左右安置。又取八鏡,覆懸虛空。與壇場中所安之鏡,方面相對,使其形影重重相涉。
Deutsch
Man schmückt die vier Außenseiten
des Übungsplatzes vollständig
mit Fahnen und Blumen.

Im Inneren der Altarhalle
werden an den vier Wänden
Darstellungen
der Tathāgatas der zehn Richtungen
sowie aller Bodhisattvas angebracht.

An der lichtzugewandten Seite
sollen die Bildnisse
von Vairocana, Śākyamuni, Maitreya,
Akṣobhya und Amitābha aufgehängt werden,
ergänzt durch die großen Verwandlungsformen
Avalokiteśvaras
sowie Vajragarbha,
die links und rechts angeordnet werden.

Indra, Brahmā, Ucchuṣma,
Nandikeśvara,
die Heerführer Caṇḍālī,
Vibhīṣaṇa,
die Vier Himmelskönige
sowie weitere Schutzwesen wie Piṇḍa und Yakṣas
werden seitlich an den Toren
zu beiden Seiten aufgestellt.

Zusätzlich nimmt man acht Spiegel
und hängt sie verdeckt
im offenen Raum auf.
Diese Spiegel werden
den im Altarbereich aufgestellten Spiegeln
jeweils richtungsgleich gegenüber angebracht,
sodass ihre Spiegelbilder
sich vielfach überlagern und durchdringen.
Kommentar
Dieser Abschnitt vollendet die räumliche Auflösung des Zentrums.

1. Bilder nicht als Verehrungsobjekte

Die Vielzahl der Buddha- und Bodhisattva-Darstellungen
dient nicht der Anrufung einzelner Gestalten,
sondern verhindert Fixierung.

Keine Gestalt ist zentral.
Keine Perspektive wird bevorzugt.

Das entspricht exakt der Lehre:
Der ursprüngliche Grund
erscheint in allen Formen,
ist aber an keine gebunden.

2. Schutzwesen an den Übergängen

Die Platzierung von Schutzgestalten
an Türen und Seiten markiert Schwellen.

Nicht als Abwehr äußerer Mächte,
sondern als Bewusstheit an Übergängen:
Ein- und Austreten,
Wechsel von innen und außen,
von Sammlung und Handlung.

3. Spiegelung der Spiegel

Die acht zusätzlichen Spiegel,
die den anderen exakt gegenüberhängen,
erzeugen kein klares Bild mehr.

Bild überlagert Bild.
Reflexion durchdringt Reflexion.

Damit wird jede stabile Selbstabbildung unmöglich.

4. Auflösung der Beobachterposition

Wo sich Spiegel gegenseitig spiegeln,
kann kein „Standpunkt“ entstehen.

Sehen sieht Sehen.
Erkennen erkennt Erkennen.

Das ist die konkrete räumliche Umsetzung
der Lehre von 一心无二:
Ein Geist, keine Zweiheit.

5. Moderne Lesart

In heutiger Sprache:
• vollständige Dezentrierung der Wahrnehmung
• Verhinderung von Fokusobjekten
• Auflösung von Subjekt-Objekt-Stabilisierung

Der Übungsplatz wird zu einem Feld,
in dem keine Identität mehr haltbar ist.
265 #
「於初七[9]日中,至誠頂禮十方如來、諸大菩薩[10]及阿羅漢,[11]恒於六時誦呪[12]繞壇,至心行道。一時常行一百八遍。第二七中,一向專心發菩薩願,心無間斷。我毘奈耶,先有願教。第三七中,於十二時一向持佛般怛[13]羅呪。至第[14]七日,十方如來一時出現,鏡交光處承佛摩頂。即於道場修三摩地,能令如是末世修學,身心明淨猶如瑠璃。阿難!若此比丘本受戒師及同會中十比丘等,其中有一不清淨者,如是道場多不成就。從三七後,端坐安居經一百日,有利根者不起于座,得須陀洹。縱其身心聖果未成,決定自知成佛不謬。汝問道場,建立如是。」
In den ersten sieben Tagen
verbeugt man sich mit aufrichtiger Hingabe
vor den Buddhas der zehn Richtungen,
den großen Bodhisattvas
und den Arhats.
Zu allen sechs Tageszeiten
rezitiert man fortwährend das Mantra,
umrundet den Altar
und praktiziert den Weg
mit einmütigem Herzen.
Jede Praxisphase umfasst
hundertacht Umrundungen.

In den zweiten sieben Tagen
richtet man den Geist
ununterbrochen darauf aus,
das Bodhisattva-Gelübde zu entfalten.
Die Vinaya, die ich lehre,
hat hierfür
seit jeher entsprechende Gelübde.

In den dritten sieben Tagen
hält man während aller zwölf Zeiten
ungeteilt das Buddha-Paṭala-Mantra.
Am siebten Tag dieser Phase
erscheinen die Buddhas
der zehn Richtungen gleichzeitig;
an den Orten,
wo sich die Spiegellichter begegnen,
empfängt man
die Scheitelberührung der Buddhas.

Unmittelbar darauf
übt man im Übungsplatz Samādhi,
sodass Übende des letzten Zeitalters
auf diese Weise
Körper und Geist
klar und rein werden
wie durchsichtiges Kristall.

Ānanda!
Ist bei dem Bhikṣu
der ursprüngliche Ordinationslehrer
oder einer der zehn Bhikṣus
der Versammlung
auch nur ein einziger unrein,
so wird der Übungsplatz
meist nicht zur Wirksamkeit gelangen.

Nach Abschluss der drei Siebentage
sitzt man aufrecht in stiller Zurückgezogenheit
über hundert Tage hinweg.
Bei Menschen mit scharfen geistigen Wurzeln
steht man nicht mehr vom Sitz auf
und verwirklicht den Strom-Eintritt.

Auch wenn die heiligen Früchte
noch nicht vollständig gereift sind,
besteht eine unerschütterliche Gewissheit,
dass die Buddhaschaft
unfehlbar erreicht wird.

Du fragtest nach dem Übungsplatz –
so wird er eingerichtet.
Kommentar öffnen
4. Philosophische Analyse

Dieser Abschnitt schließt den rituellen Aufbau ab und öffnet ihn in existenzielle Konsequenz.

1. Drei Siebentage – eine Entkopplungsdramaturgie

Die drei Phasen sind keine Wiederholung, sondern eine klare Abfolge:
1. Verehrung und Bewegung – Lösung äußerer Fixierungen
2. Gelübde – Ausrichtung der Intention
3. Mantra – Durchdringung residualer Gewohnheit

Das ist kein Zeitplan,
sondern eine Ablösungsschleife.

2. Spiegellicht und Scheitelberührung

Die Buddhas erscheinen dort,
wo keine stabile Perspektive mehr existiert:
im Kreuzfeld der Spiegel.

Die „Scheitelberührung“ ist keine Geste,
sondern der Moment,
in dem Identität keinen Halt mehr findet.

3. Samadhi als Folge, nicht als Ziel

Samadhi wird nicht gesucht,
sondern ergibt sich,
wenn äußere, innere und intentionale Stützen gefallen sind.

Darum wird der Geist
„klar wie Kristall“:
durchlässig, nicht fixierend.

4. Die Reinheit der Gemeinschaft

Der Hinweis auf den einen Unreinen ist scharf:

Er bedeutet nicht Schuld,
sondern Resonanzbruch.

Wo ein Glied nicht stimmig ist,
trägt das Feld nicht.

Erwachen ist nicht privat,
sondern feldabhängig.

5. Gewissheit vor Vollendung

Der vielleicht radikalste Satz:

„Auch wenn die Frucht noch nicht vollendet ist …“

Hier wird Gewissheit vor dem Ergebnis verortet.

Das ist kein Glaube,
sondern Erkennen ohne Zweifel.

Wer den ursprünglichen Grund einmal berührt,
weiß:
Es gibt kein Verfehlen mehr.

6. Schlussformel

„Du fragtest nach dem Übungsplatz – so wird er errichtet.“

Das ist kein Abschluss,
sondern eine Übergabe:
Nicht das Ritual wirkt,
sondern die Klarheit der Bedingungen
中文原文
「於初七[9]日中,至誠頂禮十方如來、諸大菩薩[10]及阿羅漢,[11]恒於六時誦呪[12]繞壇,至心行道。一時常行一百八遍。第二七中,一向專心發菩薩願,心無間斷。我毘奈耶,先有願教。第三七中,於十二時一向持佛般怛[13]羅呪。至第[14]七日,十方如來一時出現,鏡交光處承佛摩頂。即於道場修三摩地,能令如是末世修學,身心明淨猶如瑠璃。阿難!若此比丘本受戒師及同會中十比丘等,其中有一不清淨者,如是道場多不成就。從三七後,端坐安居經一百日,有利根者不起于座,得須陀洹。縱其身心聖果未成,決定自知成佛不謬。汝問道場,建立如是。」
Deutsch
In den ersten sieben Tagen
verbeugt man sich mit aufrichtiger Hingabe
vor den Buddhas der zehn Richtungen,
den großen Bodhisattvas
und den Arhats.
Zu allen sechs Tageszeiten
rezitiert man fortwährend das Mantra,
umrundet den Altar
und praktiziert den Weg
mit einmütigem Herzen.
Jede Praxisphase umfasst
hundertacht Umrundungen.

In den zweiten sieben Tagen
richtet man den Geist
ununterbrochen darauf aus,
das Bodhisattva-Gelübde zu entfalten.
Die Vinaya, die ich lehre,
hat hierfür
seit jeher entsprechende Gelübde.

In den dritten sieben Tagen
hält man während aller zwölf Zeiten
ungeteilt das Buddha-Paṭala-Mantra.
Am siebten Tag dieser Phase
erscheinen die Buddhas
der zehn Richtungen gleichzeitig;
an den Orten,
wo sich die Spiegellichter begegnen,
empfängt man
die Scheitelberührung der Buddhas.

Unmittelbar darauf
übt man im Übungsplatz Samādhi,
sodass Übende des letzten Zeitalters
auf diese Weise
Körper und Geist
klar und rein werden
wie durchsichtiges Kristall.

Ānanda!
Ist bei dem Bhikṣu
der ursprüngliche Ordinationslehrer
oder einer der zehn Bhikṣus
der Versammlung
auch nur ein einziger unrein,
so wird der Übungsplatz
meist nicht zur Wirksamkeit gelangen.

Nach Abschluss der drei Siebentage
sitzt man aufrecht in stiller Zurückgezogenheit
über hundert Tage hinweg.
Bei Menschen mit scharfen geistigen Wurzeln
steht man nicht mehr vom Sitz auf
und verwirklicht den Strom-Eintritt.

Auch wenn die heiligen Früchte
noch nicht vollständig gereift sind,
besteht eine unerschütterliche Gewissheit,
dass die Buddhaschaft
unfehlbar erreicht wird.

Du fragtest nach dem Übungsplatz –
so wird er eingerichtet.
Kommentar
4. Philosophische Analyse

Dieser Abschnitt schließt den rituellen Aufbau ab und öffnet ihn in existenzielle Konsequenz.

1. Drei Siebentage – eine Entkopplungsdramaturgie

Die drei Phasen sind keine Wiederholung, sondern eine klare Abfolge:
1. Verehrung und Bewegung – Lösung äußerer Fixierungen
2. Gelübde – Ausrichtung der Intention
3. Mantra – Durchdringung residualer Gewohnheit

Das ist kein Zeitplan,
sondern eine Ablösungsschleife.

2. Spiegellicht und Scheitelberührung

Die Buddhas erscheinen dort,
wo keine stabile Perspektive mehr existiert:
im Kreuzfeld der Spiegel.

Die „Scheitelberührung“ ist keine Geste,
sondern der Moment,
in dem Identität keinen Halt mehr findet.

3. Samadhi als Folge, nicht als Ziel

Samadhi wird nicht gesucht,
sondern ergibt sich,
wenn äußere, innere und intentionale Stützen gefallen sind.

Darum wird der Geist
„klar wie Kristall“:
durchlässig, nicht fixierend.

4. Die Reinheit der Gemeinschaft

Der Hinweis auf den einen Unreinen ist scharf:

Er bedeutet nicht Schuld,
sondern Resonanzbruch.

Wo ein Glied nicht stimmig ist,
trägt das Feld nicht.

Erwachen ist nicht privat,
sondern feldabhängig.

5. Gewissheit vor Vollendung

Der vielleicht radikalste Satz:

„Auch wenn die Frucht noch nicht vollendet ist …“

Hier wird Gewissheit vor dem Ergebnis verortet.

Das ist kein Glaube,
sondern Erkennen ohne Zweifel.

Wer den ursprünglichen Grund einmal berührt,
weiß:
Es gibt kein Verfehlen mehr.

6. Schlussformel

„Du fragtest nach dem Übungsplatz – so wird er errichtet.“

Das ist kein Abschluss,
sondern eine Übergabe:
Nicht das Ritual wirkt,
sondern die Klarheit der Bedingungen
266 #
阿難頂禮佛足,而白佛言:「自我出家,恃佛憍愛,求多聞故未證無為;遭彼梵天邪術所禁,心雖明了力不自由,賴遇文殊令我解脫。雖蒙如來佛頂神呪,冥獲其力,尚未親聞。唯願大慈重為宣說,悲救此會諸修行輩,末及當來在輪迴者,承佛密音身意解脫!」于時會中一切大眾,普皆作禮,佇聞如來祕密章句。
爾時,世尊從肉髻中涌百寶光,光中涌出千葉寶蓮,有化如來坐寶華中,頂放十道百寶光明,一一光明,皆遍示現十恒河沙金剛密跡,擎山持杵遍虛空界。大眾仰觀,畏愛兼抱,求佛[15]恃怙,一心聽佛無見頂相放光如來宣說神呪。
Ānanda verneigte sich,
berührte die Füße des Buddha
und sprach:

„Weltverehrter!
Seit meinem Ordenseintritt
verließ ich mich auf die gütige Zuneigung des Buddha.
Aus dem Streben nach umfassendem Hören
habe ich das Unbedingte
noch nicht verwirklicht.

Ich fiel unter den Bann
der falschen magischen Künste des Brahmā-Himmels.
Obwohl mein Geist klar war,
fehlte mir die Kraft zur Selbstbefreiung.
Erst durch die Begegnung mit Mañjuśrī
konnte ich mich lösen.

Obwohl ich durch das Buddha-Scheitel-Mantra
des Tathāgata
verborgene Wirkkraft empfangen habe,
habe ich es noch nicht selbst gehört.

Ich bitte aus großem Mitgefühl,
es erneut zu verkünden,
um die Übenden dieser Versammlung
sowie die zukünftigen Wesen,
die noch im Kreislauf der Wiedergeburten sind,
zu retten,
damit sie durch das geheime Klangwort des Buddha
Körper und Geist befreien.“

Daraufhin verneigte sich
die gesamte Versammlung,
wartete ehrfürchtig
und lauschte auf die geheimen Kapitel des Tathāgata.

Da strömten aus dem Fleischscheitel
des Weltverehrten
hundertfache kostbare Lichter hervor.
Aus dem Licht erschien
ein tausendblättriger Lotus,
in dessen Mitte
ein verwandelter Buddha saß.
Von seinem Scheitel
gingen zehn Strahlen kostbaren Lichts aus;
jeder einzelne Strahl
offenbarte unzählige
Vajra-Hüter mit geheimen Zeichen,
die Berge trugen
und Vajra-Keulen hielten,
den gesamten Raum durchdringend.

Die Versammlung blickte ehrfürchtig auf,
von Furcht und Hingezogenheit zugleich bewegt,
suchte Schutz beim Buddha
und hörte mit einmütigem Geist
dem aus dem unsichtbaren Scheitelzeichen
strahlenden Tathāgata zu,
der das göttliche Mantra verkündete.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den Übergang vom vorbereiteten Feld zur eigentlichen Offenbarung.

1. Ānandas Selbstoffenlegung

Ānanda benennt drei Dinge ohne Beschönigung:
• Abhängigkeit von Nähe statt eigener Durchdringung
• Gelehrsamkeit ohne Verwirklichung
• Klarheit des Geistes ohne Befreiungskraft

Das ist keine Selbstanklage,
sondern präzise Diagnose:
Wissen ersetzt keine Durchdringung.

2. Magie als Metapher für Fremdsteuerung

Die „falschen Künste des Brahmā-Himmels“
stehen für Überformung durch höhere Konzepte.

Der Geist sieht klar,
aber handelt nicht frei.

Das ist hochmodern:
Einsicht ohne Autonomie.

3. Warum Mañjuśrī eingreift

Mañjuśrī steht hier nicht für Hilfe von außen,
sondern für durchschneidende Weisheit.

Nicht Trost befreit,
sondern Schnitt durch Verstrickung.

4. Das Mantra als „geheimes Klangwort“

Ānanda bittet nicht um Erklärung,
sondern um Verkörperung durch Klang.

Das Mantra wirkt nicht begrifflich,
sondern prä-reflexiv:
Es erreicht Schichten,
die Erkenntnis nicht erreicht.

5. Die Lichtvision – kein Schauspiel

Die Vision ist keine Belohnung,
sondern Resonanz des vorbereiteten Feldes.

Die Vajra-Hueter symbolisieren:
• unzerstoerbare Klarheit
• Schutz ohne Abwehr
• Kraft ohne Aggression

6. Furcht und Hingezogenheit zugleich

Die doppelte Reaktion der Versammlung
ist entscheidend:
Der Geist verliert Halt
und erkennt zugleich seinen Grund.

So entsteht Offenheit:
Nicht durch Sicherheit,
sondern durch Durchlässigkeit.
中文原文
阿難頂禮佛足,而白佛言:「自我出家,恃佛憍愛,求多聞故未證無為;遭彼梵天邪術所禁,心雖明了力不自由,賴遇文殊令我解脫。雖蒙如來佛頂神呪,冥獲其力,尚未親聞。唯願大慈重為宣說,悲救此會諸修行輩,末及當來在輪迴者,承佛密音身意解脫!」于時會中一切大眾,普皆作禮,佇聞如來祕密章句。
爾時,世尊從肉髻中涌百寶光,光中涌出千葉寶蓮,有化如來坐寶華中,頂放十道百寶光明,一一光明,皆遍示現十恒河沙金剛密跡,擎山持杵遍虛空界。大眾仰觀,畏愛兼抱,求佛[15]恃怙,一心聽佛無見頂相放光如來宣說神呪。
Deutsch
Ānanda verneigte sich,
berührte die Füße des Buddha
und sprach:

„Weltverehrter!
Seit meinem Ordenseintritt
verließ ich mich auf die gütige Zuneigung des Buddha.
Aus dem Streben nach umfassendem Hören
habe ich das Unbedingte
noch nicht verwirklicht.

Ich fiel unter den Bann
der falschen magischen Künste des Brahmā-Himmels.
Obwohl mein Geist klar war,
fehlte mir die Kraft zur Selbstbefreiung.
Erst durch die Begegnung mit Mañjuśrī
konnte ich mich lösen.

Obwohl ich durch das Buddha-Scheitel-Mantra
des Tathāgata
verborgene Wirkkraft empfangen habe,
habe ich es noch nicht selbst gehört.

Ich bitte aus großem Mitgefühl,
es erneut zu verkünden,
um die Übenden dieser Versammlung
sowie die zukünftigen Wesen,
die noch im Kreislauf der Wiedergeburten sind,
zu retten,
damit sie durch das geheime Klangwort des Buddha
Körper und Geist befreien.“

Daraufhin verneigte sich
die gesamte Versammlung,
wartete ehrfürchtig
und lauschte auf die geheimen Kapitel des Tathāgata.

Da strömten aus dem Fleischscheitel
des Weltverehrten
hundertfache kostbare Lichter hervor.
Aus dem Licht erschien
ein tausendblättriger Lotus,
in dessen Mitte
ein verwandelter Buddha saß.
Von seinem Scheitel
gingen zehn Strahlen kostbaren Lichts aus;
jeder einzelne Strahl
offenbarte unzählige
Vajra-Hüter mit geheimen Zeichen,
die Berge trugen
und Vajra-Keulen hielten,
den gesamten Raum durchdringend.

Die Versammlung blickte ehrfürchtig auf,
von Furcht und Hingezogenheit zugleich bewegt,
suchte Schutz beim Buddha
und hörte mit einmütigem Geist
dem aus dem unsichtbaren Scheitelzeichen
strahlenden Tathāgata zu,
der das göttliche Mantra verkündete.
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den Übergang vom vorbereiteten Feld zur eigentlichen Offenbarung.

1. Ānandas Selbstoffenlegung

Ānanda benennt drei Dinge ohne Beschönigung:
• Abhängigkeit von Nähe statt eigener Durchdringung
• Gelehrsamkeit ohne Verwirklichung
• Klarheit des Geistes ohne Befreiungskraft

Das ist keine Selbstanklage,
sondern präzise Diagnose:
Wissen ersetzt keine Durchdringung.

2. Magie als Metapher für Fremdsteuerung

Die „falschen Künste des Brahmā-Himmels“
stehen für Überformung durch höhere Konzepte.

Der Geist sieht klar,
aber handelt nicht frei.

Das ist hochmodern:
Einsicht ohne Autonomie.

3. Warum Mañjuśrī eingreift

Mañjuśrī steht hier nicht für Hilfe von außen,
sondern für durchschneidende Weisheit.

Nicht Trost befreit,
sondern Schnitt durch Verstrickung.

4. Das Mantra als „geheimes Klangwort“

Ānanda bittet nicht um Erklärung,
sondern um Verkörperung durch Klang.

Das Mantra wirkt nicht begrifflich,
sondern prä-reflexiv:
Es erreicht Schichten,
die Erkenntnis nicht erreicht.

5. Die Lichtvision – kein Schauspiel

Die Vision ist keine Belohnung,
sondern Resonanz des vorbereiteten Feldes.

Die Vajra-Hueter symbolisieren:
• unzerstoerbare Klarheit
• Schutz ohne Abwehr
• Kraft ohne Aggression

6. Furcht und Hingezogenheit zugleich

Die doppelte Reaktion der Versammlung
ist entscheidend:
Der Geist verliert Halt
und erkennt zugleich seinen Grund.

So entsteht Offenheit:
Nicht durch Sicherheit,
sondern durch Durchlässigkeit.
267 #
[16]大佛頂如來放光悉怛多鉢怛囉菩薩萬行品,灌頂部錄出,一名中印度那蘭陀曼茶羅灌頂金剛大道場神呪
Kapitel der zehntausend Handlungen des Bodhisattva Sitatapatra,
in dem der Tathāgata des Großen Buddha-Scheitels Licht ausstrahlt.
Aus dem Abhiṣeka-Überlieferungsteil entnommen.
Auch genannt:
Das Vajra-Mantra des großen Weihe-Mandala-Übungsplatzes von Nālandā
in Mittelindien.


[Mantra-Körper]
Kommentar öffnen
1. Warum hier kein erklärender Diskurs mehr folgt

Ab diesem Punkt wechselt das Śūraṅgama nicht das Thema,
sondern die Wirkebene.

Die vorausgehenden Abschnitte haben:
• Bedingungen geklärt
• Verstrickungen entnetzt
• Intention stabilisiert
• Wahrnehmung dezentriert

Was nun angesprochen wird,
ist nicht mehr das verstehende Erkennen,
sondern der ursprüngliche Grund selbst.

Dieser ist:
• nicht Objekt von Erklärung
• nicht Träger von Bedeutung
• nicht Ergebnis eines Schlusses

Darum wird Klang eingeführt.

Nicht statt Lehre,
sondern auf einer anderen Ebene als Lehre.



2. Warum Mantras nicht „verstanden“ werden

Verstehen operiert mit:
• Unterscheidung
• Bezug
• Bedeutung
• Zielgerichtetheit

Das Mantra setzt vor all dem an.

Es wirkt:
• ohne Referenz
• ohne Bild
• ohne begriffliche Richtung

Nicht weil es „mysteriös“ ist,
sondern weil es keinen Adressaten im begrifflichen Geist sucht.

Mantras sprechen nicht zu jemandem –
sie unterlaufen die Struktur,
durch die überhaupt jemand „da“ ist, der etwas versteht.



3. Mantra als Praxis ohne Subjekt

Im Śūraṅgama ist das Mantra keine Technik,
die jemand anwendet.

Es ist:
• kein Werkzeug
• keine Methode
• kein Mittel zum Zweck

Sondern:

Resonanz ohne Anwender

Darum wird es:
• nicht erklärt
• nicht begründet
• nicht verteidigt

Der Text vertraut darauf,
dass nach der beschriebenen Vorbereitung
kein aktiver Zugriff mehr nötig ist.



4. Der Begriff Abhiṣeka (灌頂) neu gelesen

„Weihe“ meint hier keine Übertragung von außen.

Abhiṣeka bedeutet:

Das Aufhören der Abschirmung
des ursprünglichen Grundes.

„Der Scheitel wird berührt“ heißt:
• letzte Identifikation löst sich
• das Oben verschwindet
• Orientierung fällt weg

Das Mantra ist nicht die Ursache,
sondern das Medium dieser Öffnung.



5. Warum der Text hier in den Klang übergeht


Nicht:

„Das Sutra endet mit Klang“

sondern:

Das Sutra wechselt hier von erklärender Darlegung
zu unmittelbarer Wirksamkeit.

Die Lehre ist nicht abgeschlossen,
aber sie tritt zurück,
damit etwas wirken kann,
das nicht weiter erklärt werden muss.

Darum folgt später wieder Text, Ordnung, Mahnung, Struktur –
doch dieser Moment gehört dem Klang.

Nicht als Höhepunkt,
sondern als Durchgang.



6. Schutz als Entkopplung, nicht als Abwehr

Das sogenannte „Schutzmantra“ schützt nicht vor etwas,
sondern vor Ankopplung.

Was nicht andockt,
kann nicht binden.

Das Mantra:
• vertreibt nichts
• bekämpft nichts
• sondern lässt keinen Resonanzpunkt entstehen

Das ist der tiefste Schutz,
den das Śūraṅgama kennt.



7. Zusammenfassung

Das Mantra wird hier nicht erklärt,
weil es nicht verstanden werden soll.

Es wirkt dort,
wo Erklärung bereits ihre Arbeit getan hat
und nun zurücktritt.

Der Mantra-Körper ist keine Bedeutung,
sondern eine Form von Gegenwärtigkeit,
in der sich der ursprüngliche Grund
ohne Vermittlung zeigt.
中文原文
[16]大佛頂如來放光悉怛多鉢怛囉菩薩萬行品,灌頂部錄出,一名中印度那蘭陀曼茶羅灌頂金剛大道場神呪
Deutsch
Kapitel der zehntausend Handlungen des Bodhisattva Sitatapatra,
in dem der Tathāgata des Großen Buddha-Scheitels Licht ausstrahlt.
Aus dem Abhiṣeka-Überlieferungsteil entnommen.
Auch genannt:
Das Vajra-Mantra des großen Weihe-Mandala-Übungsplatzes von Nālandā
in Mittelindien.


[Mantra-Körper]
Kommentar
1. Warum hier kein erklärender Diskurs mehr folgt

Ab diesem Punkt wechselt das Śūraṅgama nicht das Thema,
sondern die Wirkebene.

Die vorausgehenden Abschnitte haben:
• Bedingungen geklärt
• Verstrickungen entnetzt
• Intention stabilisiert
• Wahrnehmung dezentriert

Was nun angesprochen wird,
ist nicht mehr das verstehende Erkennen,
sondern der ursprüngliche Grund selbst.

Dieser ist:
• nicht Objekt von Erklärung
• nicht Träger von Bedeutung
• nicht Ergebnis eines Schlusses

Darum wird Klang eingeführt.

Nicht statt Lehre,
sondern auf einer anderen Ebene als Lehre.



2. Warum Mantras nicht „verstanden“ werden

Verstehen operiert mit:
• Unterscheidung
• Bezug
• Bedeutung
• Zielgerichtetheit

Das Mantra setzt vor all dem an.

Es wirkt:
• ohne Referenz
• ohne Bild
• ohne begriffliche Richtung

Nicht weil es „mysteriös“ ist,
sondern weil es keinen Adressaten im begrifflichen Geist sucht.

Mantras sprechen nicht zu jemandem –
sie unterlaufen die Struktur,
durch die überhaupt jemand „da“ ist, der etwas versteht.



3. Mantra als Praxis ohne Subjekt

Im Śūraṅgama ist das Mantra keine Technik,
die jemand anwendet.

Es ist:
• kein Werkzeug
• keine Methode
• kein Mittel zum Zweck

Sondern:

Resonanz ohne Anwender

Darum wird es:
• nicht erklärt
• nicht begründet
• nicht verteidigt

Der Text vertraut darauf,
dass nach der beschriebenen Vorbereitung
kein aktiver Zugriff mehr nötig ist.



4. Der Begriff Abhiṣeka (灌頂) neu gelesen

„Weihe“ meint hier keine Übertragung von außen.

Abhiṣeka bedeutet:

Das Aufhören der Abschirmung
des ursprünglichen Grundes.

„Der Scheitel wird berührt“ heißt:
• letzte Identifikation löst sich
• das Oben verschwindet
• Orientierung fällt weg

Das Mantra ist nicht die Ursache,
sondern das Medium dieser Öffnung.



5. Warum der Text hier in den Klang übergeht


Nicht:

„Das Sutra endet mit Klang“

sondern:

Das Sutra wechselt hier von erklärender Darlegung
zu unmittelbarer Wirksamkeit.

Die Lehre ist nicht abgeschlossen,
aber sie tritt zurück,
damit etwas wirken kann,
das nicht weiter erklärt werden muss.

Darum folgt später wieder Text, Ordnung, Mahnung, Struktur –
doch dieser Moment gehört dem Klang.

Nicht als Höhepunkt,
sondern als Durchgang.



6. Schutz als Entkopplung, nicht als Abwehr

Das sogenannte „Schutzmantra“ schützt nicht vor etwas,
sondern vor Ankopplung.

Was nicht andockt,
kann nicht binden.

Das Mantra:
• vertreibt nichts
• bekämpft nichts
• sondern lässt keinen Resonanzpunkt entstehen

Das ist der tiefste Schutz,
den das Śūraṅgama kennt.



7. Zusammenfassung

Das Mantra wird hier nicht erklärt,
weil es nicht verstanden werden soll.

Es wirkt dort,
wo Erklärung bereits ihre Arbeit getan hat
und nun zurücktritt.

Der Mantra-Körper ist keine Bedeutung,
sondern eine Form von Gegenwärtigkeit,
in der sich der ursprüngliche Grund
ohne Vermittlung zeigt.
268 #
「阿難!是佛頂光聚悉怛多般怛[1]羅祕密伽陀微妙章句,出生十方一切諸佛,十方如來因此呪心,得成無上正遍知覺。十方如來執此呪心,降伏諸魔、制諸外道。十方如來乘此呪心,坐寶蓮華應微塵國。十方如來含此呪心,於微塵國轉大法輪。十方如來持此呪心,能於十方摩頂授記;自果未成,亦於十方蒙佛授記。
Ānanda,
dies ist das „Buddha-Scheitel-Lichtbündel“:
die geheimen Gāthā-Verse der Sitatapatra-Paṇḍara,
subtile und wunderbare Mantra-Abschnitte.

Aus ihnen gehen alle Buddhas der zehn Richtungen hervor.
Die Tathāgatas der zehn Richtungen erlangen durch dieses Mantra-Herz das unübertreffliche, vollkommen rechte Erwachen.

Indem die Tathāgatas dieses Mantra-Herz ergreifen,
bezwingen sie die Māras und bändigen die Außenwege.
Indem sie sich auf dieses Mantra-Herz stützen,
sitzen sie auf dem kostbaren Lotus und erscheinen den Weltbereichen so zahlreich wie Staubteilchen.

Indem sie dieses Mantra-Herz in sich tragen,
drehen sie in den Staubteilchen-Weltbereichen das große Dharma-Rad.
Indem sie dieses Mantra-Herz halten,
können sie in den zehn Richtungen die Scheitelberührung geben und die Bestätigung der Verwirklichung erteilen;
und selbst wenn die eigene Frucht noch nicht vollendet ist,
empfängt man in den zehn Richtungen ebenfalls die Bestätigung durch die Buddhas.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine Funktionsbeschreibung des Mantras – nicht als „Text“, sondern als Wirkkörper.

1. „Gebiert alle Buddhas“ – Ursprungssprache

„出生十方一切諸佛“ sagt nicht:
Das Mantra erzeugt historisch Buddhas.

Es sagt:
Buddhaschaft ist nicht Produkt von Wissen,
sondern Ausdruck des ursprünglichen Grundes –
und das Mantra ist eine direkte Form dieser Ausdruckskraft.

Darum: „gebiert“ = macht offenbar, nicht „produziert“.

2. Mantra-Herz (呪心) – nicht Emotion, sondern Grundzentrum

心 ist hier nicht „Herz“ als Organ,
und auch nicht der psychologische Geist.

„Mantra-Herz“ meint:
den Kernmodus, in dem Klang und Grund nicht getrennt sind.

Das ist wichtig:
Nicht „ich rezitiere etwas“,
sondern der Grund schwingt sich selbst.

3. Fünf Verben, fünf Ebenen der Wirksamkeit

Der Text staffelt die Wirksamkeit in fünf Bewegungen:
• 因此 → dadurch wird Erwachen vollendet
• 執 → ergreifen: Mächte werden entmachtet (Māra / Außenwege)
• 乘 → tragen/reiten: Erscheinung in unzähligen Weltbereichen
• 含 → bergen: Lehre wird im Kleinsten wirksam (Dharma-Rad in Staubwelten)
• 持 → halten: Bestätigung / „Siegel“ der Verwirklichung

Das ist eine vollständige Skala:
vom innersten Erwachen bis zur kosmischen Entfaltung.

4. „Māras“ und „Außenwege“ modern gelesen (kurz)

Ohne Psychologisierung:
Māra steht für Bindungsdynamik,
Außenwege für Verfestigung in Konzepten.

Das Mantra wirkt nicht argumentativ gegen sie,
sondern entzieht ihnen den Andockpunkt.

5. Scheitelberührung und Bestätigung – Gewissheit vor Ergebnis

Der letzte Satz ist der schärfste:

„Selbst wenn die eigene Frucht noch nicht vollendet ist …“

Das knüpft an eine frühere Stelle an:
Gewissheit ist nicht Stolz,
sondern Resonanz mit dem ursprünglichen Grund.

Wer einmal „berührt“ ist,
weiß: Der Weg ist nicht mehr verfehlbar,
weil der Grund nicht mehr verloren geht.
中文原文
「阿難!是佛頂光聚悉怛多般怛[1]羅祕密伽陀微妙章句,出生十方一切諸佛,十方如來因此呪心,得成無上正遍知覺。十方如來執此呪心,降伏諸魔、制諸外道。十方如來乘此呪心,坐寶蓮華應微塵國。十方如來含此呪心,於微塵國轉大法輪。十方如來持此呪心,能於十方摩頂授記;自果未成,亦於十方蒙佛授記。
Deutsch
Ānanda,
dies ist das „Buddha-Scheitel-Lichtbündel“:
die geheimen Gāthā-Verse der Sitatapatra-Paṇḍara,
subtile und wunderbare Mantra-Abschnitte.

Aus ihnen gehen alle Buddhas der zehn Richtungen hervor.
Die Tathāgatas der zehn Richtungen erlangen durch dieses Mantra-Herz das unübertreffliche, vollkommen rechte Erwachen.

Indem die Tathāgatas dieses Mantra-Herz ergreifen,
bezwingen sie die Māras und bändigen die Außenwege.
Indem sie sich auf dieses Mantra-Herz stützen,
sitzen sie auf dem kostbaren Lotus und erscheinen den Weltbereichen so zahlreich wie Staubteilchen.

Indem sie dieses Mantra-Herz in sich tragen,
drehen sie in den Staubteilchen-Weltbereichen das große Dharma-Rad.
Indem sie dieses Mantra-Herz halten,
können sie in den zehn Richtungen die Scheitelberührung geben und die Bestätigung der Verwirklichung erteilen;
und selbst wenn die eigene Frucht noch nicht vollendet ist,
empfängt man in den zehn Richtungen ebenfalls die Bestätigung durch die Buddhas.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine Funktionsbeschreibung des Mantras – nicht als „Text“, sondern als Wirkkörper.

1. „Gebiert alle Buddhas“ – Ursprungssprache

„出生十方一切諸佛“ sagt nicht:
Das Mantra erzeugt historisch Buddhas.

Es sagt:
Buddhaschaft ist nicht Produkt von Wissen,
sondern Ausdruck des ursprünglichen Grundes –
und das Mantra ist eine direkte Form dieser Ausdruckskraft.

Darum: „gebiert“ = macht offenbar, nicht „produziert“.

2. Mantra-Herz (呪心) – nicht Emotion, sondern Grundzentrum

心 ist hier nicht „Herz“ als Organ,
und auch nicht der psychologische Geist.

„Mantra-Herz“ meint:
den Kernmodus, in dem Klang und Grund nicht getrennt sind.

Das ist wichtig:
Nicht „ich rezitiere etwas“,
sondern der Grund schwingt sich selbst.

3. Fünf Verben, fünf Ebenen der Wirksamkeit

Der Text staffelt die Wirksamkeit in fünf Bewegungen:
• 因此 → dadurch wird Erwachen vollendet
• 執 → ergreifen: Mächte werden entmachtet (Māra / Außenwege)
• 乘 → tragen/reiten: Erscheinung in unzähligen Weltbereichen
• 含 → bergen: Lehre wird im Kleinsten wirksam (Dharma-Rad in Staubwelten)
• 持 → halten: Bestätigung / „Siegel“ der Verwirklichung

Das ist eine vollständige Skala:
vom innersten Erwachen bis zur kosmischen Entfaltung.

4. „Māras“ und „Außenwege“ modern gelesen (kurz)

Ohne Psychologisierung:
Māra steht für Bindungsdynamik,
Außenwege für Verfestigung in Konzepten.

Das Mantra wirkt nicht argumentativ gegen sie,
sondern entzieht ihnen den Andockpunkt.

5. Scheitelberührung und Bestätigung – Gewissheit vor Ergebnis

Der letzte Satz ist der schärfste:

„Selbst wenn die eigene Frucht noch nicht vollendet ist …“

Das knüpft an eine frühere Stelle an:
Gewissheit ist nicht Stolz,
sondern Resonanz mit dem ursprünglichen Grund.

Wer einmal „berührt“ ist,
weiß: Der Weg ist nicht mehr verfehlbar,
weil der Grund nicht mehr verloren geht.
269 #
十方如來依此呪心,能於十方拔濟群苦。所謂地獄、餓鬼、畜生,盲聾瘖瘂,怨憎會苦、愛別離苦、求不得苦、五陰熾盛,大小諸橫同時解脫;賊難、兵難、王難、獄難、[2]風[3]水火難,飢渴貧窮,應念銷散。十方如來隨此呪心,能於十方事善知識,四威儀中供養如意;恒沙如來會中,推為大法王子。十方如來行此呪心,能於十方攝受親因,令諸小乘聞祕密藏不生驚怖。十方如來誦此呪心,成無上覺,坐菩提樹入大涅槃。十方如來傳此呪心,於滅度後,付佛法事究竟住持。嚴淨戒律,悉得清淨。
Ānanda,
indem die Tathāgatas der zehn Richtungen
sich auf dieses Mantra-Herz stützen,
können sie in allen Richtungen
alle leidenden Wesen befreien.

Gemeint sind:
Wesen der Höllen, hungrige Geister und Tiere,
Blinde, Taube, Stumme, Sprachlose,
das Leid des Zusammentreffens mit Unangenehmem,
das Leid der Trennung von Geliebtem,
das Leid des Nichterlangens,
sowie das übermäßige Brennen der fünf Aggregate.
Alle großen und kleinen plötzlichen Leiden
werden zugleich gelöst.

Auch Gefahren durch Räuber, Krieg, Herrscher,
Gefängnis, Wind, Wasser und Feuer,
sowie Hunger, Durst und Armut
lösen sich im selben Augenblick auf.

Indem die Tathāgatas diesem Mantra-Herz folgen,
können sie in allen Richtungen
als gute geistige Freunde wirken;
in allen vier Haltungen
bringen sie Opfer dar,
die den Bedürfnissen entsprechen,
und werden in den Versammlungen
unzähliger Buddhas
als große Söhne des Dharma-Königs anerkannt.

Indem die Tathāgatas dieses Mantra-Herz praktizieren,
können sie nahe karmische Beziehungen aufnehmen
und bewirken,
dass Angehörige der kleineren Fahrzeuge
beim Hören des geheimen Schatzes
keine Furcht entwickeln.

Indem die Tathāgatas dieses Mantra-Herz rezitieren,
vollenden sie das höchste Erwachen,
sitzen unter dem Bodhi-Baum
und gehen in das große Nirvāṇa ein.

Indem sie dieses Mantra-Herz weitergeben,
übertragen sie nach dem Erlöschen
die Angelegenheiten des Buddha-Dharma
zur endgültigen Aufrechterhaltung.

So werden die Disziplin und die Gebote
in vollkommener Reinheit bewahrt.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt nicht neue Wirkungen, sondern die Ausfaltung derselben Wirkkraft des Mantras auf verschiedenen Ebenen.

1. Leiden als Struktur, nicht als Ort

Hölle, hungrige Geister und Tiere
sind hier keine geografischen Bereiche,
sondern Zustandsformen des Bewusstseins.

Ebenso sind Blindheit, Taubheit und Sprachlosigkeit
Formen von abgeschnittener Beziehung zur Welt.

Das Mantra „beseitigt“ sie nicht,
sondern stellt Durchlässigkeit her.

2. Die acht klassischen Leiden – entkoppelt

Die genannten Leiden
(Zusammentreffen mit Unangenehmem, Trennung, Nichterlangen, fünf Aggregate)
werden nicht einzeln bearbeitet.

Sie lösen sich gleichzeitig,
weil sie alle
auf derselben Grundverkennung beruhen:
Anhaften an den fünf Aggregaten.

Das Mantra greift vor dieser Verfestigung.

3. Äußere Not als Resonanzphänomen

Räuber-, Kriegs-, Herrscher- und Naturkatastrophen
werden nicht magisch verhindert.

Der Text sagt:
Sie „lösen sich im Gedanken auf“.

Das bedeutet:
Der Geist verliert den Resonanzpunkt,
an dem Not als totale Bedrohung erlebt wird.

4. Gute geistige Freunde – Wirksamkeit im Alltag

Der Abschnitt über „gute geistige Freunde“
verankert das Mantra nicht im Rückzug,
sondern in Beziehung.

In den vier Haltungen
(Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen)
wirkt es ununterbrochen.

Das ist Praxis ohne Sonderzustand.

5. Kleine Fahrzeuge ohne Angst

Entscheidend ist:
Das Mantra schließt niemanden aus.

Selbst jene,
die am begrenzten Weg festhalten,
erschrecken nicht,
weil nichts verlangt wird,
was ihr Fassungsvermögen übersteigt.

Das ist Mitgefühl ohne Überwältigung.

6. Weitergabe statt Besitz

Der letzte Teil zeigt:
Das Mantra gehört niemandem.

Es wird weitergegeben,
damit der Dharma
nach dem Erlöschen des Buddha
nicht als Text,
sondern als Wirkkraft fortbesteht.

Reine Disziplin ist hier kein Gesetz,
sondern die stabile Form dieser Weitergabe.
中文原文
十方如來依此呪心,能於十方拔濟群苦。所謂地獄、餓鬼、畜生,盲聾瘖瘂,怨憎會苦、愛別離苦、求不得苦、五陰熾盛,大小諸橫同時解脫;賊難、兵難、王難、獄難、[2]風[3]水火難,飢渴貧窮,應念銷散。十方如來隨此呪心,能於十方事善知識,四威儀中供養如意;恒沙如來會中,推為大法王子。十方如來行此呪心,能於十方攝受親因,令諸小乘聞祕密藏不生驚怖。十方如來誦此呪心,成無上覺,坐菩提樹入大涅槃。十方如來傳此呪心,於滅度後,付佛法事究竟住持。嚴淨戒律,悉得清淨。
Deutsch
Ānanda,
indem die Tathāgatas der zehn Richtungen
sich auf dieses Mantra-Herz stützen,
können sie in allen Richtungen
alle leidenden Wesen befreien.

Gemeint sind:
Wesen der Höllen, hungrige Geister und Tiere,
Blinde, Taube, Stumme, Sprachlose,
das Leid des Zusammentreffens mit Unangenehmem,
das Leid der Trennung von Geliebtem,
das Leid des Nichterlangens,
sowie das übermäßige Brennen der fünf Aggregate.
Alle großen und kleinen plötzlichen Leiden
werden zugleich gelöst.

Auch Gefahren durch Räuber, Krieg, Herrscher,
Gefängnis, Wind, Wasser und Feuer,
sowie Hunger, Durst und Armut
lösen sich im selben Augenblick auf.

Indem die Tathāgatas diesem Mantra-Herz folgen,
können sie in allen Richtungen
als gute geistige Freunde wirken;
in allen vier Haltungen
bringen sie Opfer dar,
die den Bedürfnissen entsprechen,
und werden in den Versammlungen
unzähliger Buddhas
als große Söhne des Dharma-Königs anerkannt.

Indem die Tathāgatas dieses Mantra-Herz praktizieren,
können sie nahe karmische Beziehungen aufnehmen
und bewirken,
dass Angehörige der kleineren Fahrzeuge
beim Hören des geheimen Schatzes
keine Furcht entwickeln.

Indem die Tathāgatas dieses Mantra-Herz rezitieren,
vollenden sie das höchste Erwachen,
sitzen unter dem Bodhi-Baum
und gehen in das große Nirvāṇa ein.

Indem sie dieses Mantra-Herz weitergeben,
übertragen sie nach dem Erlöschen
die Angelegenheiten des Buddha-Dharma
zur endgültigen Aufrechterhaltung.

So werden die Disziplin und die Gebote
in vollkommener Reinheit bewahrt.
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt nicht neue Wirkungen, sondern die Ausfaltung derselben Wirkkraft des Mantras auf verschiedenen Ebenen.

1. Leiden als Struktur, nicht als Ort

Hölle, hungrige Geister und Tiere
sind hier keine geografischen Bereiche,
sondern Zustandsformen des Bewusstseins.

Ebenso sind Blindheit, Taubheit und Sprachlosigkeit
Formen von abgeschnittener Beziehung zur Welt.

Das Mantra „beseitigt“ sie nicht,
sondern stellt Durchlässigkeit her.

2. Die acht klassischen Leiden – entkoppelt

Die genannten Leiden
(Zusammentreffen mit Unangenehmem, Trennung, Nichterlangen, fünf Aggregate)
werden nicht einzeln bearbeitet.

Sie lösen sich gleichzeitig,
weil sie alle
auf derselben Grundverkennung beruhen:
Anhaften an den fünf Aggregaten.

Das Mantra greift vor dieser Verfestigung.

3. Äußere Not als Resonanzphänomen

Räuber-, Kriegs-, Herrscher- und Naturkatastrophen
werden nicht magisch verhindert.

Der Text sagt:
Sie „lösen sich im Gedanken auf“.

Das bedeutet:
Der Geist verliert den Resonanzpunkt,
an dem Not als totale Bedrohung erlebt wird.

4. Gute geistige Freunde – Wirksamkeit im Alltag

Der Abschnitt über „gute geistige Freunde“
verankert das Mantra nicht im Rückzug,
sondern in Beziehung.

In den vier Haltungen
(Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen)
wirkt es ununterbrochen.

Das ist Praxis ohne Sonderzustand.

5. Kleine Fahrzeuge ohne Angst

Entscheidend ist:
Das Mantra schließt niemanden aus.

Selbst jene,
die am begrenzten Weg festhalten,
erschrecken nicht,
weil nichts verlangt wird,
was ihr Fassungsvermögen übersteigt.

Das ist Mitgefühl ohne Überwältigung.

6. Weitergabe statt Besitz

Der letzte Teil zeigt:
Das Mantra gehört niemandem.

Es wird weitergegeben,
damit der Dharma
nach dem Erlöschen des Buddha
nicht als Text,
sondern als Wirkkraft fortbesteht.

Reine Disziplin ist hier kein Gesetz,
sondern die stabile Form dieser Weitergabe.
270 #
「若我說是佛頂光聚般怛[*]羅呪,從旦至暮,音聲相[1]連,字句中間亦不重疊,經恒沙劫終不能盡。亦說此呪,名如來頂。汝等有學未盡輪迴,發心至誠[2]取阿羅漢,不持此呪而坐道場,令其身心遠諸魔事,無有是處。
「阿難!若諸世界,隨所國土所有眾生,隨國所生樺皮、貝葉、紙素、白疊,書寫此呪貯於香囊,是人心[3]惛未能誦憶,或帶身上、或書宅中,當知是人,盡其生年,一切諸毒所不能害。
Wenn ich das Buddha-Gipfel-Lichtbündel-Paṇḍara-Mantra
vom Morgen bis zum Abend
mit fortlaufender Stimme vortragen würde,
ohne dass sich Klang an Klang
oder Zeichen und Sätze wiederholen,
könnte selbst ich
es über unzählige Kalpas hinweg
nicht vollständig darlegen.

Darum wird dieses Mantra
auch „Tathāgata-Scheitel“ genannt.

Ihr, die ihr euch noch auf dem Weg des Lernens befindet
und den Kreislauf von Geburt und Tod
noch nicht beendet habt:
Wenn ihr mit aufrichtigem Herzen
die Verwirklichung der Arhat-Frucht anstrebt,
aber dieses Mantra nicht haltet
und dennoch einen Übungsplatz errichtet,
um Körper und Geist
von allen dämonischen Einwirkungen fernzuhalten,
so gibt es dafür keine Möglichkeit.

Ānanda!
Wenn in den verschiedenen Weltbereichen
Lebewesen entsprechend den örtlichen Materialien
dieses Mantra auf Birkenrinde, Palmblatt, Papier, Seide oder Stoff
niederschreiben
und es in einem wohlriechenden Beutel aufbewahren,
auch wenn ihr Geist getrübt ist
und sie es nicht rezitieren oder behalten können,
ob sie es bei sich tragen
oder in ihrem Haus aufbewahren –
so sollst du wissen:
Während ihres gesamten Lebens
können ihnen alle Arten von Giften
nichts anhaben.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt klärt Missverständnisse über Umfang, Funktion und Praxisform des Mantras.

1. Unerschöpflichkeit ohne Wiederholung

Die Aussage, dass das Mantra
selbst bei ununterbrochener Rezitation
über unzählige Kalpas
nicht erschöpft werden kann,
bedeutet nicht quantitative Länge.

Sie meint:
Das Mantra ist kein endlicher Text,
sondern Ausdruck eines unerschöpflichen Grundes.

Dass sich „kein Zeichen wiederholt“,
sagt:
Es gibt keine feste Formel,
die man „abschließt“.

2. Warum das Mantra unverzichtbar ist

Der Text ist hier ungewöhnlich klar:
Für jene,
die noch nicht jenseits des Kreislaufs stehen,
ist das Mantra keine Option,
sondern Strukturbedingung.

Nicht, weil es etwas „hinzufügt“,
sondern weil ohne es
die Restverstrickung
keinen Halt verliert.

3. Schreiben statt Rezitieren

Besonders wichtig:
Das Mantra wirkt auch dort,
wo es nicht verstanden
und nicht erinnert werden kann.

Das widerspricht jeder leistungsbezogenen Praxis.

Die Wirkung liegt nicht im Subjekt,
sondern im Resonanzfeld,
das durch Nähe, Tragen, Aufbewahren entsteht.

4. Schutz vor „Giften“

„Gifte“ sind hier nicht nur physisch zu lesen,
sondern als alles,
was den Geist trübt,
zersetzt oder vergiftet.

Der Schutz ist kein Schild,
sondern eine Unzugänglichkeit für schädliche Kopplungen.

5. Praxis ohne Fähigkeit

Der vielleicht radikalste Punkt:
Selbst bei getrübtem Geist
ist keine besondere Fähigkeit nötig.

Das Mantra wirkt vor Können und Wissen.

Damit schließt der Text niemanden aus.

Der Text stellt drei Ebenen der Nähe zum Mantra nebeneinander, ohne sie zu hierarchisieren:

(1) Rezitieren

→ Klangliche Durchdringung
• wirkt auf der Ebene von Rhythmus, Atem, Nervensystem
• greift dort, wo begriffliches Denken nicht mehr trägt
• setzt minimale Sammlung voraus

(2) Schreiben

→ Formhafte Verankerung
• das Mantra wird nicht interpretiert, sondern verkörpert
• Schrift ist hier kein Bedeutungsträger, sondern Träger von Präsenz
• entscheidend: orts- und materialspezifisch
(Birkenrinde, Palmblatt, Papier, Stoff – was verfügbar ist)

Das ist wichtig:
👉 Kein heiliger Stoff, sondern situierte Praxis.

(3) Tragen / Aufbewahren

→ Resonanz ohne aktive Praxis

Der Text ist hier radikal inklusiv:

„心惛未能誦憶“
selbst bei getrübtem Geist, ohne Erinnern, ohne Rezitieren

Das heißt:
• keine Fähigkeit nötig
• kein Verstehen nötig
• kein innerer Zustand nötig

Das Mantra wirkt vor Subjektivität.

👉 Das ist exakt Mahayana:
Heilung nicht durch Leistung, sondern durch Aufhebung von Ausschluss.

Kurzform

Rezitation wirkt durch Klang,
Schreiben wirkt durch Form,
Tragen wirkt durch Nähe.

In allen drei Fällen
ist nicht das Können entscheidend,
sondern die Abwesenheit von Trennung.
中文原文
「若我說是佛頂光聚般怛[*]羅呪,從旦至暮,音聲相[1]連,字句中間亦不重疊,經恒沙劫終不能盡。亦說此呪,名如來頂。汝等有學未盡輪迴,發心至誠[2]取阿羅漢,不持此呪而坐道場,令其身心遠諸魔事,無有是處。
「阿難!若諸世界,隨所國土所有眾生,隨國所生樺皮、貝葉、紙素、白疊,書寫此呪貯於香囊,是人心[3]惛未能誦憶,或帶身上、或書宅中,當知是人,盡其生年,一切諸毒所不能害。
Deutsch
Wenn ich das Buddha-Gipfel-Lichtbündel-Paṇḍara-Mantra
vom Morgen bis zum Abend
mit fortlaufender Stimme vortragen würde,
ohne dass sich Klang an Klang
oder Zeichen und Sätze wiederholen,
könnte selbst ich
es über unzählige Kalpas hinweg
nicht vollständig darlegen.

Darum wird dieses Mantra
auch „Tathāgata-Scheitel“ genannt.

Ihr, die ihr euch noch auf dem Weg des Lernens befindet
und den Kreislauf von Geburt und Tod
noch nicht beendet habt:
Wenn ihr mit aufrichtigem Herzen
die Verwirklichung der Arhat-Frucht anstrebt,
aber dieses Mantra nicht haltet
und dennoch einen Übungsplatz errichtet,
um Körper und Geist
von allen dämonischen Einwirkungen fernzuhalten,
so gibt es dafür keine Möglichkeit.

Ānanda!
Wenn in den verschiedenen Weltbereichen
Lebewesen entsprechend den örtlichen Materialien
dieses Mantra auf Birkenrinde, Palmblatt, Papier, Seide oder Stoff
niederschreiben
und es in einem wohlriechenden Beutel aufbewahren,
auch wenn ihr Geist getrübt ist
und sie es nicht rezitieren oder behalten können,
ob sie es bei sich tragen
oder in ihrem Haus aufbewahren –
so sollst du wissen:
Während ihres gesamten Lebens
können ihnen alle Arten von Giften
nichts anhaben.
Kommentar
Dieser Abschnitt klärt Missverständnisse über Umfang, Funktion und Praxisform des Mantras.

1. Unerschöpflichkeit ohne Wiederholung

Die Aussage, dass das Mantra
selbst bei ununterbrochener Rezitation
über unzählige Kalpas
nicht erschöpft werden kann,
bedeutet nicht quantitative Länge.

Sie meint:
Das Mantra ist kein endlicher Text,
sondern Ausdruck eines unerschöpflichen Grundes.

Dass sich „kein Zeichen wiederholt“,
sagt:
Es gibt keine feste Formel,
die man „abschließt“.

2. Warum das Mantra unverzichtbar ist

Der Text ist hier ungewöhnlich klar:
Für jene,
die noch nicht jenseits des Kreislaufs stehen,
ist das Mantra keine Option,
sondern Strukturbedingung.

Nicht, weil es etwas „hinzufügt“,
sondern weil ohne es
die Restverstrickung
keinen Halt verliert.

3. Schreiben statt Rezitieren

Besonders wichtig:
Das Mantra wirkt auch dort,
wo es nicht verstanden
und nicht erinnert werden kann.

Das widerspricht jeder leistungsbezogenen Praxis.

Die Wirkung liegt nicht im Subjekt,
sondern im Resonanzfeld,
das durch Nähe, Tragen, Aufbewahren entsteht.

4. Schutz vor „Giften“

„Gifte“ sind hier nicht nur physisch zu lesen,
sondern als alles,
was den Geist trübt,
zersetzt oder vergiftet.

Der Schutz ist kein Schild,
sondern eine Unzugänglichkeit für schädliche Kopplungen.

5. Praxis ohne Fähigkeit

Der vielleicht radikalste Punkt:
Selbst bei getrübtem Geist
ist keine besondere Fähigkeit nötig.

Das Mantra wirkt vor Können und Wissen.

Damit schließt der Text niemanden aus.

Der Text stellt drei Ebenen der Nähe zum Mantra nebeneinander, ohne sie zu hierarchisieren:

(1) Rezitieren

→ Klangliche Durchdringung
• wirkt auf der Ebene von Rhythmus, Atem, Nervensystem
• greift dort, wo begriffliches Denken nicht mehr trägt
• setzt minimale Sammlung voraus

(2) Schreiben

→ Formhafte Verankerung
• das Mantra wird nicht interpretiert, sondern verkörpert
• Schrift ist hier kein Bedeutungsträger, sondern Träger von Präsenz
• entscheidend: orts- und materialspezifisch
(Birkenrinde, Palmblatt, Papier, Stoff – was verfügbar ist)

Das ist wichtig:
👉 Kein heiliger Stoff, sondern situierte Praxis.

(3) Tragen / Aufbewahren

→ Resonanz ohne aktive Praxis

Der Text ist hier radikal inklusiv:

„心惛未能誦憶“
selbst bei getrübtem Geist, ohne Erinnern, ohne Rezitieren

Das heißt:
• keine Fähigkeit nötig
• kein Verstehen nötig
• kein innerer Zustand nötig

Das Mantra wirkt vor Subjektivität.

👉 Das ist exakt Mahayana:
Heilung nicht durch Leistung, sondern durch Aufhebung von Ausschluss.

Kurzform

Rezitation wirkt durch Klang,
Schreiben wirkt durch Form,
Tragen wirkt durch Nähe.

In allen drei Fällen
ist nicht das Können entscheidend,
sondern die Abwesenheit von Trennung.
271 #
「阿難!我今為汝更說此呪,救護世間得大無畏,成就眾生出世間智。若我滅後,末世眾生,有能自誦,若教他誦,當知如是誦持眾生,火不能燒、水不能溺、大毒小毒所不能害,如是乃至龍天、鬼神、精祇、魔魅、所有惡呪皆不能著,心得正受。一切呪[4]咀、[5]魘蠱、毒藥、金毒、銀毒、草木蟲蛇萬物毒氣,入此人口成甘露味。一切惡星并諸鬼神,磣[6]心毒人,於如是人不能起惡。[7]毘那夜迦諸惡鬼王,并其眷屬皆領深恩,常加守護。
Ānanda,
ich werde dir nun erneut dieses Mantra lehren,
um die Welt zu schützen und zu retten,
große Furchtlosigkeit zu verleihen
und die Wesen
zur Weisheit jenseits der Welt zu führen.

Wenn nach meinem Erlöschen
in den späteren Zeiten Wesen existieren,
die dieses Mantra selbst rezitieren
oder andere anleiten, es zu rezitieren,
so sollst du wissen:
Diese Wesen können nicht durch Feuer verbrannt,
nicht durch Wasser ertränkt
und nicht durch große oder kleine Gifte geschädigt werden.

So ist es selbst im Umgang
mit Drachen, Himmelswesen,
Geistern, Naturgeistern, Māras und Dämonen:
Alle schädlichen Zauber
vermögen sich nicht anzuheften;
der Geist gelangt in rechte Sammlung.

Alle Arten von Zaubersprüchen,
Bannungen, Albzauber und Vergiftungen,
Gifte aus Metallen,
aus Pflanzen, Bäumen, Insekten oder Schlangen,
sowie alle giftigen Ausdünstungen –
gelangen sie in den Mund dieser Menschen,
werden sie zu Nektar.

Alle unheilvollen Sternkonstellationen
und alle Geister,
die mit böswilligem Geist Menschen schädigen,
vermögen bei solchen Menschen
kein Unheil hervorzubringen.

Selbst die bösen Geisterkönige
der Vināyaka
und ihre Gefolgschaften
empfangen tiefen Nutzen
und gewähren fortwährenden Schutz.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt bündelt die Schutzdimension des Mantras in einer Weise, die leicht missverstanden wird, wenn man sie wörtlich-magisch liest.

1. „Große Furchtlosigkeit“ als Grundzustand

„Große Furchtlosigkeit“ bedeutet nicht Unverwundbarkeit des Körpers,
sondern Unangreifbarkeit des ursprünglichen Grundes.

Wo der Geist nicht mehr greift,
findet Bedrohung keinen Ansatzpunkt.

2. Feuer, Wasser, Gift – klassische Totalgefahren

Feuer, Wasser und Gift stehen traditionell
für vollständige Zerstörung:
• von außen (Feuer, Wasser)
• von innen (Gift)

Der Text sagt nicht:
Diese Dinge existieren nicht,
sondern:
Sie verlieren ihre absolute Macht,
weil der Geist nicht mehr mit ihnen identifiziert.

3. „Alles wird zu Nektar“

Dies ist der Schlüsselvers.

Gift wird nicht „neutralisiert“,
sondern verwandelt.

Das heißt:
Was sonst Bindung, Angst oder Tod erzeugt,
wird im Licht des ursprünglichen Grundes
als leer erkannt
und verliert seine zerstörerische Qualität.

4. Dämonen und Zauber – Resonanzmodelle

Alle genannten Wesen und Kräfte
wirken nur dort,
wo ein Resonanzfeld vorhanden ist.

„Nicht anhaften können“ heißt:
Kein Andockpunkt,
keine Verstärkung,
keine Wirksamkeit.

5. Vināyaka – Umkehr der Störkräfte

Besonders stark ist der letzte Satz:

Nicht nur, dass die Vināyaka-Kräfte nicht schaden –
sie empfangen selbst Nutzen
und werden zu Hütern.

Das ist Mahayana in Reinform:
Nichts wird ausgeschlossen,
alles wird integriert.

6. Schutz ohne Abgrenzung

Der Schutz des Mantras
besteht nicht im Abwehren,
sondern im Aufheben der Trennung
zwischen innen und außen,
Freund und Feind.

Darum endet dieser Abschnitt
nicht mit Sieg,
sondern mit Wahrung.

Die Metapher „Gift wird zu Nektar“

im Licht von 真空妙有

1. Worum es nicht geht

Der Text sagt nicht:
• dass physisches Gift objektiv harmlos wird,
• dass Praxis biologische Gesetze außer Kraft setzt,
• oder dass Leid „weggezaubert“ wird.

Eine solche Lesart würde das Sutra verfehlen.

Die Metapher arbeitet nicht auf der Ebene der Dinge,
sondern auf der Ebene der Bedeutungs- und Wirkzuschreibung.



2. 真空 – das „Leere“ am Gift

真空 bedeutet hier:

Kein Phänomen besitzt aus sich selbst
eine feste, eigenständige Wirksamkeit.

„Gift“ ist kein absolutes Wesen,
sondern ein bedingtes Zusammenwirken von:
• Substanz,
• Körper,
• Wahrnehmung,
• Angst,
• Erwartung,
• Identifikation.

Das Sutra zielt auf genau diesen Punkt:
👉 Das absolut gesetzte Schädliche ist eine Projektion.

Solange der Geist „Gift“ als letzte Bedrohung fixiert,
verstärkt er dessen Wirkung existentiell –
nicht chemisch, sondern existenziell.



3. 妙有 – das „Wunderbar-Wirksame“ daran

妙有 heißt:

Gerade weil nichts fest ist,
kann es sich anders zeigen.

Wenn der Geist nicht mehr anhaftet,
verliert das Phänomen:
• seine absolute Bedeutung,
• seine totale Bedrohlichkeit,
• seine identitätsstiftende Macht.

Dann geschieht etwas Entscheidendes:

Nicht das Gift verändert sich zuerst,
sondern die Beziehung zu ihm.

Und Beziehung ist Wirksamkeit.

So wird „Gift“ zu:
• Erfahrung ohne Identitätsbruch,
• Schmerz ohne Sinnzerfall,
• Bedrohung ohne Existenzvernichtung.

Das nennt das Sutra „Nektar“.



4. Warum der Text „Mund“ sagt

„入此人口成甘露味“

Das ist kein Zufall.

Der Mund ist:
• Tor der Aufnahme,
• Grenze zwischen außen und innen,
• Ort der Integration.

„Gift wird im Mund zu Nektar“ heißt:

Das, was aufgenommen wird,
zerreißt das Selbst nicht mehr.

Nicht Ablehnung,
nicht Abwehr,
sondern Durchgang ohne Vergiftung.

Das ist 真空妙有 in Aktion:
Leere verhindert Fixierung,
Wirksamkeit bleibt möglich.



5. Verbindung zur Mantra-Praxis

Das Mantra bewirkt keine Substanzänderung,
sondern eine Entkopplung der Reaktionskette:

Reiz → Bewertung → Angst → Identifikation → Zusammenbruch

Wenn diese Kette unterbrochen ist,
wirkt der Reiz zwar weiter,
aber nicht mehr total.

Darum:
• Gift kann da sein,
• Schmerz kann da sein,
• Gefahr kann da sein,

aber sie werden nicht mehr zum letzten Wort.



6. Warum daraus „große Furchtlosigkeit“ entsteht

Große Furchtlosigkeit heißt nicht:

„Mir kann nichts passieren“

sondern:

„Was passiert,
zerstört nicht den Grund.“

Das ist kein Trotz,
sondern Erkenntnis.

Und genau deshalb kann der Text sagen:

„Alle Gifte können nicht schaden“

weil Schaden hier nicht mehr
als Zerstörung des Seins verstanden wird.



7. Eine knappe Formulierung für Kommentar / Marginalie

Falls du eine kompakte Fassung brauchst:

„Dass Gift zu Nektar wird,
bedeutet nicht Aufhebung von Bedingungen,
sondern Aufhebung der absoluten Zuschreibung.

In der Leere verliert Gift seine letzte Macht;
in der wunderbaren Wirksamkeit
wird es zur Erfahrung ohne Vergiftung.“



8. Rückbindung an „Religare ohne Erlangen“

Das ist der tiefste Punkt:

Nicht weil etwas hinzukommt,
sondern weil nichts festgehalten wird,
verwandelt sich die Erfahrung.

Nicht Erlangen,
sondern Nicht-Verhärten.

Nicht Flucht vor dem Gift,
sondern Durchlässigkeit ohne Vergiftung.

Das ist 真空妙有 –
und genau deshalb steht diese Metapher
nicht am Rand,
sondern im Herzen des Śūraṅgama.
中文原文
「阿難!我今為汝更說此呪,救護世間得大無畏,成就眾生出世間智。若我滅後,末世眾生,有能自誦,若教他誦,當知如是誦持眾生,火不能燒、水不能溺、大毒小毒所不能害,如是乃至龍天、鬼神、精祇、魔魅、所有惡呪皆不能著,心得正受。一切呪[4]咀、[5]魘蠱、毒藥、金毒、銀毒、草木蟲蛇萬物毒氣,入此人口成甘露味。一切惡星并諸鬼神,磣[6]心毒人,於如是人不能起惡。[7]毘那夜迦諸惡鬼王,并其眷屬皆領深恩,常加守護。
Deutsch
Ānanda,
ich werde dir nun erneut dieses Mantra lehren,
um die Welt zu schützen und zu retten,
große Furchtlosigkeit zu verleihen
und die Wesen
zur Weisheit jenseits der Welt zu führen.

Wenn nach meinem Erlöschen
in den späteren Zeiten Wesen existieren,
die dieses Mantra selbst rezitieren
oder andere anleiten, es zu rezitieren,
so sollst du wissen:
Diese Wesen können nicht durch Feuer verbrannt,
nicht durch Wasser ertränkt
und nicht durch große oder kleine Gifte geschädigt werden.

So ist es selbst im Umgang
mit Drachen, Himmelswesen,
Geistern, Naturgeistern, Māras und Dämonen:
Alle schädlichen Zauber
vermögen sich nicht anzuheften;
der Geist gelangt in rechte Sammlung.

Alle Arten von Zaubersprüchen,
Bannungen, Albzauber und Vergiftungen,
Gifte aus Metallen,
aus Pflanzen, Bäumen, Insekten oder Schlangen,
sowie alle giftigen Ausdünstungen –
gelangen sie in den Mund dieser Menschen,
werden sie zu Nektar.

Alle unheilvollen Sternkonstellationen
und alle Geister,
die mit böswilligem Geist Menschen schädigen,
vermögen bei solchen Menschen
kein Unheil hervorzubringen.

Selbst die bösen Geisterkönige
der Vināyaka
und ihre Gefolgschaften
empfangen tiefen Nutzen
und gewähren fortwährenden Schutz.
Kommentar
Dieser Abschnitt bündelt die Schutzdimension des Mantras in einer Weise, die leicht missverstanden wird, wenn man sie wörtlich-magisch liest.

1. „Große Furchtlosigkeit“ als Grundzustand

„Große Furchtlosigkeit“ bedeutet nicht Unverwundbarkeit des Körpers,
sondern Unangreifbarkeit des ursprünglichen Grundes.

Wo der Geist nicht mehr greift,
findet Bedrohung keinen Ansatzpunkt.

2. Feuer, Wasser, Gift – klassische Totalgefahren

Feuer, Wasser und Gift stehen traditionell
für vollständige Zerstörung:
• von außen (Feuer, Wasser)
• von innen (Gift)

Der Text sagt nicht:
Diese Dinge existieren nicht,
sondern:
Sie verlieren ihre absolute Macht,
weil der Geist nicht mehr mit ihnen identifiziert.

3. „Alles wird zu Nektar“

Dies ist der Schlüsselvers.

Gift wird nicht „neutralisiert“,
sondern verwandelt.

Das heißt:
Was sonst Bindung, Angst oder Tod erzeugt,
wird im Licht des ursprünglichen Grundes
als leer erkannt
und verliert seine zerstörerische Qualität.

4. Dämonen und Zauber – Resonanzmodelle

Alle genannten Wesen und Kräfte
wirken nur dort,
wo ein Resonanzfeld vorhanden ist.

„Nicht anhaften können“ heißt:
Kein Andockpunkt,
keine Verstärkung,
keine Wirksamkeit.

5. Vināyaka – Umkehr der Störkräfte

Besonders stark ist der letzte Satz:

Nicht nur, dass die Vināyaka-Kräfte nicht schaden –
sie empfangen selbst Nutzen
und werden zu Hütern.

Das ist Mahayana in Reinform:
Nichts wird ausgeschlossen,
alles wird integriert.

6. Schutz ohne Abgrenzung

Der Schutz des Mantras
besteht nicht im Abwehren,
sondern im Aufheben der Trennung
zwischen innen und außen,
Freund und Feind.

Darum endet dieser Abschnitt
nicht mit Sieg,
sondern mit Wahrung.

Die Metapher „Gift wird zu Nektar“

im Licht von 真空妙有

1. Worum es nicht geht

Der Text sagt nicht:
• dass physisches Gift objektiv harmlos wird,
• dass Praxis biologische Gesetze außer Kraft setzt,
• oder dass Leid „weggezaubert“ wird.

Eine solche Lesart würde das Sutra verfehlen.

Die Metapher arbeitet nicht auf der Ebene der Dinge,
sondern auf der Ebene der Bedeutungs- und Wirkzuschreibung.



2. 真空 – das „Leere“ am Gift

真空 bedeutet hier:

Kein Phänomen besitzt aus sich selbst
eine feste, eigenständige Wirksamkeit.

„Gift“ ist kein absolutes Wesen,
sondern ein bedingtes Zusammenwirken von:
• Substanz,
• Körper,
• Wahrnehmung,
• Angst,
• Erwartung,
• Identifikation.

Das Sutra zielt auf genau diesen Punkt:
👉 Das absolut gesetzte Schädliche ist eine Projektion.

Solange der Geist „Gift“ als letzte Bedrohung fixiert,
verstärkt er dessen Wirkung existentiell –
nicht chemisch, sondern existenziell.



3. 妙有 – das „Wunderbar-Wirksame“ daran

妙有 heißt:

Gerade weil nichts fest ist,
kann es sich anders zeigen.

Wenn der Geist nicht mehr anhaftet,
verliert das Phänomen:
• seine absolute Bedeutung,
• seine totale Bedrohlichkeit,
• seine identitätsstiftende Macht.

Dann geschieht etwas Entscheidendes:

Nicht das Gift verändert sich zuerst,
sondern die Beziehung zu ihm.

Und Beziehung ist Wirksamkeit.

So wird „Gift“ zu:
• Erfahrung ohne Identitätsbruch,
• Schmerz ohne Sinnzerfall,
• Bedrohung ohne Existenzvernichtung.

Das nennt das Sutra „Nektar“.



4. Warum der Text „Mund“ sagt

„入此人口成甘露味“

Das ist kein Zufall.

Der Mund ist:
• Tor der Aufnahme,
• Grenze zwischen außen und innen,
• Ort der Integration.

„Gift wird im Mund zu Nektar“ heißt:

Das, was aufgenommen wird,
zerreißt das Selbst nicht mehr.

Nicht Ablehnung,
nicht Abwehr,
sondern Durchgang ohne Vergiftung.

Das ist 真空妙有 in Aktion:
Leere verhindert Fixierung,
Wirksamkeit bleibt möglich.



5. Verbindung zur Mantra-Praxis

Das Mantra bewirkt keine Substanzänderung,
sondern eine Entkopplung der Reaktionskette:

Reiz → Bewertung → Angst → Identifikation → Zusammenbruch

Wenn diese Kette unterbrochen ist,
wirkt der Reiz zwar weiter,
aber nicht mehr total.

Darum:
• Gift kann da sein,
• Schmerz kann da sein,
• Gefahr kann da sein,

aber sie werden nicht mehr zum letzten Wort.



6. Warum daraus „große Furchtlosigkeit“ entsteht

Große Furchtlosigkeit heißt nicht:

„Mir kann nichts passieren“

sondern:

„Was passiert,
zerstört nicht den Grund.“

Das ist kein Trotz,
sondern Erkenntnis.

Und genau deshalb kann der Text sagen:

„Alle Gifte können nicht schaden“

weil Schaden hier nicht mehr
als Zerstörung des Seins verstanden wird.



7. Eine knappe Formulierung für Kommentar / Marginalie

Falls du eine kompakte Fassung brauchst:

„Dass Gift zu Nektar wird,
bedeutet nicht Aufhebung von Bedingungen,
sondern Aufhebung der absoluten Zuschreibung.

In der Leere verliert Gift seine letzte Macht;
in der wunderbaren Wirksamkeit
wird es zur Erfahrung ohne Vergiftung.“



8. Rückbindung an „Religare ohne Erlangen“

Das ist der tiefste Punkt:

Nicht weil etwas hinzukommt,
sondern weil nichts festgehalten wird,
verwandelt sich die Erfahrung.

Nicht Erlangen,
sondern Nicht-Verhärten.

Nicht Flucht vor dem Gift,
sondern Durchlässigkeit ohne Vergiftung.

Das ist 真空妙有 –
und genau deshalb steht diese Metapher
nicht am Rand,
sondern im Herzen des Śūraṅgama.
272 #
「阿難!當知是呪,常有八萬四千那由他恒河沙俱胝金剛藏王菩薩種族,一一皆有諸金剛眾而為眷[8]屬,晝夜隨侍。設有眾生,於散亂心非三摩地,心憶口持,是金剛王常隨從彼諸善男子,何況決定菩提心者?此諸金剛菩薩藏王,精心陰速發彼神識,是人應時心能記憶八萬四千恒河沙劫,周遍了知得無疑惑。從第一劫乃至後身,生生不生藥叉、羅剎,及富單那、迦吒富單那、鳩槃茶、毘舍遮等,并諸餓鬼、有形無形、有想無想,如是惡處。
Ānanda,
wisse:
Dieses Mantra
steht fortwährend
unter dem Schutz
von vierundachtzigtausend Nayuta
unzähligen Geschlechtern
der Vajra-Schatzkönigs-Bodhisattvas.
Jeder einzelne von ihnen
verfügt über zahlreiche Vajra-Gefolgschaften,
die ihn bei Tag und Nacht begleiten.

Selbst wenn Lebewesen
mit zerstreutem Geist,
ohne sich in Samādhi zu befinden,
das Mantra im Herzen erinnern
und mit dem Mund halten,
so begleiten diese Vajra-Könige
beständig solche guten Menschen –
um wie viel mehr
jene,
die den Bodhi-Geist fest und entschieden gefasst haben!

Diese Vajra-Schatzkönigs-Bodhisattvas
richten ihre Aufmerksamkeit konzentriert aus
und lassen rasch
die geistige Erkenntniskraft jener Menschen hervortreten.
So vermögen diese
im selben Augenblick
eine Erinnerungskraft zu erlangen,
die vierundachtzigtausend
Ganges-Sand-Kalpas umfasst,
alles durchdringt
und ohne Zweifel erkennt.

Von der ersten Existenz an
bis zu den folgenden Leben
werden sie von Geburt zu Geburt
nicht unter Yakṣas, Rākṣasas,
Pūtanas, Kaṭapūtanas,
Kumbhāṇḍas, Piśācas
und anderen hungrigen Geistern geboren –
seien sie mit Form oder ohne Form,
mit Wahrnehmung oder ohne Wahrnehmung –
und geraten nicht in solche üblen Bereiche.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vertieft eine zentrale Umkehrung des Übungsverständnisses.

1. Schutz nicht als Ausnahme, sondern als Feld

Die Vielzahl der Vajra-Schatzkönigs-Bodhisattvas
ist keine Übertreibung,
sondern Ausdruck eines Prinzips:

Wo der ursprüngliche Grund
durch das Mantra berührt wird,
ist Schutz nicht punktuell,
sondern feldhaft.

Es geht nicht um Hilfe von außen,
sondern um die Entfaltung eines nicht-dualen Feldes,
in dem Störung keinen Ort findet.

2. Zerstreuter Geist – keine Disqualifikation

Bemerkenswert ist:
Der Text schließt ausdrücklich
auch jene ein,
die nicht in Samādhi sind.

Das widerspricht jeder elitären Praxisauffassung.

Die Aussage ist klar:
Nicht Sammlung bewirkt Schutz,
sondern Resonanz mit dem Mantra-Körper.

3. Erinnerung über Kalpas – keine Gedächtnisleistung

Die „Erinnerung über unzählige Kalpas“
ist nicht als psychologisches Supergedächtnis zu lesen.

Gemeint ist:
Der Geist verliert
die fragmentierende Zeitbindung.

Erkenntnis wird zeitlos anschlussfähig,
weil sie nicht mehr
an ein isoliertes Selbst gebunden ist.

4. Keine Wiedergeburt in „üblen Bereichen“

Yakṣas, Rākṣasas, Piśācas usw.
stehen hier – wie zuvor –
für Zustandsformen der Entfremdung.

Nicht „Ort“ wird vermieden,
sondern Resonanzlage.

Wo der Geist nicht mehr getrennt ist,
können solche Zustände
nicht mehr als Lebensraum entstehen.

5. Verbindung zu 一心无二

Im Licht von 一心无二
wird deutlich:

Die Vajra-Bodhisattvas
sind keine zweiten Mächte,
sondern Ausdrucksformen desselben einen Geistes,
der sich als Schutz, Klarheit und Erinnerung zeigt.

Darum gilt:
Wer den Bodhi-Geist fasst,
tritt nicht in ein neues System ein,
sondern fällt aus der Zweiheit heraus.
中文原文
「阿難!當知是呪,常有八萬四千那由他恒河沙俱胝金剛藏王菩薩種族,一一皆有諸金剛眾而為眷[8]屬,晝夜隨侍。設有眾生,於散亂心非三摩地,心憶口持,是金剛王常隨從彼諸善男子,何況決定菩提心者?此諸金剛菩薩藏王,精心陰速發彼神識,是人應時心能記憶八萬四千恒河沙劫,周遍了知得無疑惑。從第一劫乃至後身,生生不生藥叉、羅剎,及富單那、迦吒富單那、鳩槃茶、毘舍遮等,并諸餓鬼、有形無形、有想無想,如是惡處。
Deutsch
Ānanda,
wisse:
Dieses Mantra
steht fortwährend
unter dem Schutz
von vierundachtzigtausend Nayuta
unzähligen Geschlechtern
der Vajra-Schatzkönigs-Bodhisattvas.
Jeder einzelne von ihnen
verfügt über zahlreiche Vajra-Gefolgschaften,
die ihn bei Tag und Nacht begleiten.

Selbst wenn Lebewesen
mit zerstreutem Geist,
ohne sich in Samādhi zu befinden,
das Mantra im Herzen erinnern
und mit dem Mund halten,
so begleiten diese Vajra-Könige
beständig solche guten Menschen –
um wie viel mehr
jene,
die den Bodhi-Geist fest und entschieden gefasst haben!

Diese Vajra-Schatzkönigs-Bodhisattvas
richten ihre Aufmerksamkeit konzentriert aus
und lassen rasch
die geistige Erkenntniskraft jener Menschen hervortreten.
So vermögen diese
im selben Augenblick
eine Erinnerungskraft zu erlangen,
die vierundachtzigtausend
Ganges-Sand-Kalpas umfasst,
alles durchdringt
und ohne Zweifel erkennt.

Von der ersten Existenz an
bis zu den folgenden Leben
werden sie von Geburt zu Geburt
nicht unter Yakṣas, Rākṣasas,
Pūtanas, Kaṭapūtanas,
Kumbhāṇḍas, Piśācas
und anderen hungrigen Geistern geboren –
seien sie mit Form oder ohne Form,
mit Wahrnehmung oder ohne Wahrnehmung –
und geraten nicht in solche üblen Bereiche.
Kommentar
Dieser Abschnitt vertieft eine zentrale Umkehrung des Übungsverständnisses.

1. Schutz nicht als Ausnahme, sondern als Feld

Die Vielzahl der Vajra-Schatzkönigs-Bodhisattvas
ist keine Übertreibung,
sondern Ausdruck eines Prinzips:

Wo der ursprüngliche Grund
durch das Mantra berührt wird,
ist Schutz nicht punktuell,
sondern feldhaft.

Es geht nicht um Hilfe von außen,
sondern um die Entfaltung eines nicht-dualen Feldes,
in dem Störung keinen Ort findet.

2. Zerstreuter Geist – keine Disqualifikation

Bemerkenswert ist:
Der Text schließt ausdrücklich
auch jene ein,
die nicht in Samādhi sind.

Das widerspricht jeder elitären Praxisauffassung.

Die Aussage ist klar:
Nicht Sammlung bewirkt Schutz,
sondern Resonanz mit dem Mantra-Körper.

3. Erinnerung über Kalpas – keine Gedächtnisleistung

Die „Erinnerung über unzählige Kalpas“
ist nicht als psychologisches Supergedächtnis zu lesen.

Gemeint ist:
Der Geist verliert
die fragmentierende Zeitbindung.

Erkenntnis wird zeitlos anschlussfähig,
weil sie nicht mehr
an ein isoliertes Selbst gebunden ist.

4. Keine Wiedergeburt in „üblen Bereichen“

Yakṣas, Rākṣasas, Piśācas usw.
stehen hier – wie zuvor –
für Zustandsformen der Entfremdung.

Nicht „Ort“ wird vermieden,
sondern Resonanzlage.

Wo der Geist nicht mehr getrennt ist,
können solche Zustände
nicht mehr als Lebensraum entstehen.

5. Verbindung zu 一心无二

Im Licht von 一心无二
wird deutlich:

Die Vajra-Bodhisattvas
sind keine zweiten Mächte,
sondern Ausdrucksformen desselben einen Geistes,
der sich als Schutz, Klarheit und Erinnerung zeigt.

Darum gilt:
Wer den Bodhi-Geist fasst,
tritt nicht in ein neues System ein,
sondern fällt aus der Zweiheit heraus.
273 #
是善男子若讀若誦、若書若寫、若帶若藏、諸色供養,劫劫不生貧窮下賤不可樂處。此諸眾生,縱其自身不作福業,十方如來所有功德,悉與此人。由是得於恒河沙阿僧祇不可說不可說劫,常與諸佛同生一處。無量功德如惡叉聚,同處熏修永無分散。是故能令破戒之人戒根清淨,未得戒者令其得戒,未精進者令得精進,無智慧者令得智慧,不清淨者速得清淨,不持齋戒自成齋戒。
Diese guten Menschen,
gleichgültig ob sie das Mantra lesen, rezitieren,
schreiben, abschreiben,
bei sich tragen oder aufbewahren
oder es mit verschiedenen Darbringungen ehren,
werden von Kalpa zu Kalpa
nicht in Armut, Niedrigkeit
oder in lebensfeindlichen Existenzbereichen geboren.

Selbst wenn diese Wesen
aus eigener Kraft
keine verdienstvollen Handlungen vollbringen,
werden ihnen dennoch
alle Verdienste
der Tathāgatas der zehn Richtungen
vollständig zuteil.

Auf diese Weise
werden sie über unzählige,
Ganges-Sand-Āsaṃkhyeya,
unaussprechlich viele Kalpas hinweg
stets gemeinsam mit den Buddhas
am selben Ort geboren.

Unermessliche Verdienste
sammeln sich wie Akṣa-Samen,
verweilen an einem Ort,
durchdringen einander in gemeinsamer Übung
und gehen niemals verloren.

Darum vermag diese Praxis:
Bei Menschen mit gebrochenen Geboten
die Wurzel der Disziplin zu reinigen;
Menschen ohne Gelübde
zu Gelübden zu führen;
Unfleißige
zu Fleiß zu führen;
Unwissende
zu Weisheit zu führen;
Unreine
rasch zu reinigen;
und selbst bei jenen,
die keine Fast- und Reinheitsgelübde halten,
entsteht Reinheit
ohne absichtsvolles Bemühen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist einer der radikalsten im gesamten Śūraṅgama, weil er die Logik von Verdienst, Praxis und moralischer Leistung vollständig umkehrt.

1. Praxis ohne Auswahl – kein privilegierter Zugang

Lesen, Rezitieren, Schreiben, Tragen, Darbringen –
keine dieser Formen wird bevorzugt.

Das bedeutet:
Der Zugang zum Mantra
ist nicht hierarchisch,
nicht leistungsabhängig
und nicht an spirituelle Begabung gebunden.

2. Verdienst ohne Tun – Auflösung der Kausalrechnung

Der Text sagt explizit:

selbst ohne eigenes Verdiensttun
gehen alle Verdienste der Buddhas auf diese Menschen über

Das widerspricht jeder
karmischen Buchhalterlogik.

Gemeint ist nicht „Gratis-Erlösung“,
sondern:
Verdienst ist kein Besitz,
sondern Resonanz im nicht-dualen Feld.

Wo 一心无二 wirksam ist,
kann Verdienst nicht getrennt werden.

3. „Mit den Buddhas am selben Ort geboren“

Das ist keine Ortsangabe,
sondern eine Resonanzbeschreibung.

„Ort“ meint hier:
denselben Grund,
dieselbe Wirkebene,
dieselbe Praxiswirklichkeit.

Geburt ist hier
kein Beginn,
sondern Fortsetzung von Verbundenheit.

4. Akṣa-Samen – Verdichtung ohne Trennung

Akṣa-Samen sind klein, rund, hart, zahlreich.
Das Bild sagt:
Verdienst sammelt sich nicht linear,
sondern feldhaft.

Er wird:
• gemeinsam geübt
• gegenseitig verstärkt
• niemals wieder getrennt

Das ist 真空妙有 in sozialer Form.

5. Moralische Umkehr: Reinheit ohne Zwang

Der Schlussteil ist entscheidend:

Gebote werden nicht „durchgesetzt“,
sondern von innen her wieder lebendig.

Disziplin entsteht:
• nicht aus Schuld
• nicht aus Angst
• nicht aus Willensanstrengung

sondern aus Aufgehobensein im Feld.

Darum kann der Text sagen:

selbst ohne Fasten entsteht Reinheit

Nicht als Regelbruch,
sondern als Übersteigen der Regelhaftigkeit.

6. Verbindung zu 一心无二

Im Licht von 一心无二 wird klar:
• Verdienst ist nicht mein Verdienst
• Reinheit ist nicht meine Reinheit
• Praxis ist nicht meine Praxis

Alles ist ein Feld,
und im Feld
gibt es kein Getrennt-Sein mehr.

Darum heilt diese Praxis nicht,
weil sie etwas hinzufügt,
sondern weil sie Trennung auflöst.

Sehr gern. Dann verschränken wir es sauber und vollständig – ohne neue Lehren einzuführen, sondern so, dass sichtbar wird:
信解行证 und 戒定慧 → 看破放下自在 sind hier nicht zwei Wege, sondern zwei Lesarten desselben Vorgangs.



Verschränkung: Verdienstumkehr – 信解行证 – 戒定慧 → 看破放下自在

1. Der scheinbare Widerspruch

Der Text sagt zugleich:
• ohne eigenes Verdiensttun
→ gehen die Verdienste der Buddhas auf diese Menschen über
• Gebote reinigen sich,
Sammlung entsteht,
Weisheit erwacht

Das wirkt paradox, wenn man denkt:

erst handeln → dann Frucht

Doch genau diese Kausalrechnung wird hier aufgehoben.



I. 信解行证 – neu gelesen aus dem Text selbst

1. 信 – nicht Glaube, sondern Öffnung

信 heißt hier nicht:
• Überzeugung
• Fürwahrhalten
• religiöse Zustimmung

Sondern:

Nicht-Abwehr des ursprünglichen Grundes

Dass Lesen, Schreiben, Tragen genügt, zeigt:
信 ist kein innerer Akt,
sondern Aufhören der Distanz.



2. 解 – nicht Verstehen, sondern Durchlässigkeit

解 ist hier kein Begreifen des Mantras.

Die Wesen:
• müssen es nicht verstehen,
• nicht erinnern,
• nicht erklären können.

解 heißt:

Der Geist verhärtet sich nicht mehr gegen das, was wirkt.

Das ist exakt 一心无二:
kein zweiter Standpunkt, der beurteilt.



3. 行 – Praxis ohne Besitzer

行 geschieht hier:
• ohne Auswahl,
• ohne Rang,
• ohne Leistungsmaß.

Lesen, Rezitieren, Schreiben, Tragen –
alles ist 行,
weil nichts getrennt wird.

Praxis ist hier:

Mitgehen des Feldes mit sich selbst



4. 证 – Gewissheit ohne Abschluss

证 erscheint hier nicht als „höchste Frucht“,
sondern als Unumkehrbarkeit.

Der Text sagt:

„Geboren mit den Buddhas am selben Ort“

Das ist keine Belohnung,
sondern Resonanz ohne Rückfall.

证 heißt:

Es gibt keinen Weg zurück in die Trennung.



II. 戒定慧 → 看破放下自在 – dieselbe Bewegung

Jetzt die zweite Lesart – nicht als Ersatz, sondern als Spiegel.



1. 戒 → 看破

(Reinheit durch Durchschauen)

Gebote reinigen sich,
nicht weil man sie durchsetzt,
sondern weil man sieht,
dass Trennung ihre Grundlage war.

看破 heißt hier:

Moralische Verhärtung ist selbst eine Form von Anhaftung.

Wenn Trennung fällt,
ist Übertretung nicht mehr tragfähig.



2. 定 → 放下

(Sammlung durch Nicht-Festhalten)

Sammlung entsteht hier:
• ohne Konzentrationstechnik,
• ohne Zwang,
• ohne Leistung.

放下 heißt:

Der Geist hält nichts mehr fest,
also zerfällt Zerstreuung von selbst.

Das Mantra wirkt genau hier:
nicht als Fokus,
sondern als Auflösung des Greifens.



3. 慧 → 自在

(Weisheit als Beweglichkeit)

Weisheit ist hier nicht Erkenntnis,
sondern Freiheit im Vollzug.

自在 bedeutet:
• kein Gegenspieler,
• keine innere Instanz,
• kein Kontrollzentrum.

Darum kann selbst der,
der nie Gelübde hielt,
„von selbst rein werden“.



III. Der gemeinsame Kern – jetzt eindeutig

Beide Strukturen sagen dasselbe, nur anders gelesen:

Klassisch Nicht-dual gelesen
信解行证 Öffnung – Durchlässigkeit – Mitgehen – Unumkehrbarkeit
戒定慧 Enttrennung – Entfestigung – Beweglichkeit
看破放下自在 Durchschauen – Nicht-Festhalten – Freiheit

Nichts wird hinzugefügt.
Etwas hört auf, getrennt zu werden.



IV. Warum das Mantra hier unverzichtbar ist

Diese Bewegung kann nicht hergestellt werden.

Sobald man sagt:

„Ich will moralisch werden“
„Ich will sammeln“
„Ich will weise werden“

ist Trennung bereits da.

Das Mantra:
• setzt kein Ziel,
• fordert kein Subjekt,
• etabliert keinen Weg.

Es unterläuft die Trennung,
die all diese Stufen nötig machte.

Darum:

Verdienst fließt ohne Tun,
Disziplin entsteht ohne Zwang,
Weisheit erscheint ohne Besitz.



V. Essenz

Wo 信 sich öffnet,
解 nicht verhärtet,
行 nicht getrennt wird
und 证 keinen Abschluss sucht,

dort reinigen sich 戒,
sammelt sich 定
und wirkt 慧
von selbst –

als 看破放下自在
im einen Geist ohne Zwei.

Oder kürzer:

Nicht Praxis erzeugt Reinheit,
sondern das Ende der Trennung
lässt Praxis entstehen.
中文原文
是善男子若讀若誦、若書若寫、若帶若藏、諸色供養,劫劫不生貧窮下賤不可樂處。此諸眾生,縱其自身不作福業,十方如來所有功德,悉與此人。由是得於恒河沙阿僧祇不可說不可說劫,常與諸佛同生一處。無量功德如惡叉聚,同處熏修永無分散。是故能令破戒之人戒根清淨,未得戒者令其得戒,未精進者令得精進,無智慧者令得智慧,不清淨者速得清淨,不持齋戒自成齋戒。
Deutsch
Diese guten Menschen,
gleichgültig ob sie das Mantra lesen, rezitieren,
schreiben, abschreiben,
bei sich tragen oder aufbewahren
oder es mit verschiedenen Darbringungen ehren,
werden von Kalpa zu Kalpa
nicht in Armut, Niedrigkeit
oder in lebensfeindlichen Existenzbereichen geboren.

Selbst wenn diese Wesen
aus eigener Kraft
keine verdienstvollen Handlungen vollbringen,
werden ihnen dennoch
alle Verdienste
der Tathāgatas der zehn Richtungen
vollständig zuteil.

Auf diese Weise
werden sie über unzählige,
Ganges-Sand-Āsaṃkhyeya,
unaussprechlich viele Kalpas hinweg
stets gemeinsam mit den Buddhas
am selben Ort geboren.

Unermessliche Verdienste
sammeln sich wie Akṣa-Samen,
verweilen an einem Ort,
durchdringen einander in gemeinsamer Übung
und gehen niemals verloren.

Darum vermag diese Praxis:
Bei Menschen mit gebrochenen Geboten
die Wurzel der Disziplin zu reinigen;
Menschen ohne Gelübde
zu Gelübden zu führen;
Unfleißige
zu Fleiß zu führen;
Unwissende
zu Weisheit zu führen;
Unreine
rasch zu reinigen;
und selbst bei jenen,
die keine Fast- und Reinheitsgelübde halten,
entsteht Reinheit
ohne absichtsvolles Bemühen.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist einer der radikalsten im gesamten Śūraṅgama, weil er die Logik von Verdienst, Praxis und moralischer Leistung vollständig umkehrt.

1. Praxis ohne Auswahl – kein privilegierter Zugang

Lesen, Rezitieren, Schreiben, Tragen, Darbringen –
keine dieser Formen wird bevorzugt.

Das bedeutet:
Der Zugang zum Mantra
ist nicht hierarchisch,
nicht leistungsabhängig
und nicht an spirituelle Begabung gebunden.

2. Verdienst ohne Tun – Auflösung der Kausalrechnung

Der Text sagt explizit:

selbst ohne eigenes Verdiensttun
gehen alle Verdienste der Buddhas auf diese Menschen über

Das widerspricht jeder
karmischen Buchhalterlogik.

Gemeint ist nicht „Gratis-Erlösung“,
sondern:
Verdienst ist kein Besitz,
sondern Resonanz im nicht-dualen Feld.

Wo 一心无二 wirksam ist,
kann Verdienst nicht getrennt werden.

3. „Mit den Buddhas am selben Ort geboren“

Das ist keine Ortsangabe,
sondern eine Resonanzbeschreibung.

„Ort“ meint hier:
denselben Grund,
dieselbe Wirkebene,
dieselbe Praxiswirklichkeit.

Geburt ist hier
kein Beginn,
sondern Fortsetzung von Verbundenheit.

4. Akṣa-Samen – Verdichtung ohne Trennung

Akṣa-Samen sind klein, rund, hart, zahlreich.
Das Bild sagt:
Verdienst sammelt sich nicht linear,
sondern feldhaft.

Er wird:
• gemeinsam geübt
• gegenseitig verstärkt
• niemals wieder getrennt

Das ist 真空妙有 in sozialer Form.

5. Moralische Umkehr: Reinheit ohne Zwang

Der Schlussteil ist entscheidend:

Gebote werden nicht „durchgesetzt“,
sondern von innen her wieder lebendig.

Disziplin entsteht:
• nicht aus Schuld
• nicht aus Angst
• nicht aus Willensanstrengung

sondern aus Aufgehobensein im Feld.

Darum kann der Text sagen:

selbst ohne Fasten entsteht Reinheit

Nicht als Regelbruch,
sondern als Übersteigen der Regelhaftigkeit.

6. Verbindung zu 一心无二

Im Licht von 一心无二 wird klar:
• Verdienst ist nicht mein Verdienst
• Reinheit ist nicht meine Reinheit
• Praxis ist nicht meine Praxis

Alles ist ein Feld,
und im Feld
gibt es kein Getrennt-Sein mehr.

Darum heilt diese Praxis nicht,
weil sie etwas hinzufügt,
sondern weil sie Trennung auflöst.

Sehr gern. Dann verschränken wir es sauber und vollständig – ohne neue Lehren einzuführen, sondern so, dass sichtbar wird:
信解行证 und 戒定慧 → 看破放下自在 sind hier nicht zwei Wege, sondern zwei Lesarten desselben Vorgangs.



Verschränkung: Verdienstumkehr – 信解行证 – 戒定慧 → 看破放下自在

1. Der scheinbare Widerspruch

Der Text sagt zugleich:
• ohne eigenes Verdiensttun
→ gehen die Verdienste der Buddhas auf diese Menschen über
• Gebote reinigen sich,
Sammlung entsteht,
Weisheit erwacht

Das wirkt paradox, wenn man denkt:

erst handeln → dann Frucht

Doch genau diese Kausalrechnung wird hier aufgehoben.



I. 信解行证 – neu gelesen aus dem Text selbst

1. 信 – nicht Glaube, sondern Öffnung

信 heißt hier nicht:
• Überzeugung
• Fürwahrhalten
• religiöse Zustimmung

Sondern:

Nicht-Abwehr des ursprünglichen Grundes

Dass Lesen, Schreiben, Tragen genügt, zeigt:
信 ist kein innerer Akt,
sondern Aufhören der Distanz.



2. 解 – nicht Verstehen, sondern Durchlässigkeit

解 ist hier kein Begreifen des Mantras.

Die Wesen:
• müssen es nicht verstehen,
• nicht erinnern,
• nicht erklären können.

解 heißt:

Der Geist verhärtet sich nicht mehr gegen das, was wirkt.

Das ist exakt 一心无二:
kein zweiter Standpunkt, der beurteilt.



3. 行 – Praxis ohne Besitzer

行 geschieht hier:
• ohne Auswahl,
• ohne Rang,
• ohne Leistungsmaß.

Lesen, Rezitieren, Schreiben, Tragen –
alles ist 行,
weil nichts getrennt wird.

Praxis ist hier:

Mitgehen des Feldes mit sich selbst



4. 证 – Gewissheit ohne Abschluss

证 erscheint hier nicht als „höchste Frucht“,
sondern als Unumkehrbarkeit.

Der Text sagt:

„Geboren mit den Buddhas am selben Ort“

Das ist keine Belohnung,
sondern Resonanz ohne Rückfall.

证 heißt:

Es gibt keinen Weg zurück in die Trennung.



II. 戒定慧 → 看破放下自在 – dieselbe Bewegung

Jetzt die zweite Lesart – nicht als Ersatz, sondern als Spiegel.



1. 戒 → 看破

(Reinheit durch Durchschauen)

Gebote reinigen sich,
nicht weil man sie durchsetzt,
sondern weil man sieht,
dass Trennung ihre Grundlage war.

看破 heißt hier:

Moralische Verhärtung ist selbst eine Form von Anhaftung.

Wenn Trennung fällt,
ist Übertretung nicht mehr tragfähig.



2. 定 → 放下

(Sammlung durch Nicht-Festhalten)

Sammlung entsteht hier:
• ohne Konzentrationstechnik,
• ohne Zwang,
• ohne Leistung.

放下 heißt:

Der Geist hält nichts mehr fest,
also zerfällt Zerstreuung von selbst.

Das Mantra wirkt genau hier:
nicht als Fokus,
sondern als Auflösung des Greifens.



3. 慧 → 自在

(Weisheit als Beweglichkeit)

Weisheit ist hier nicht Erkenntnis,
sondern Freiheit im Vollzug.

自在 bedeutet:
• kein Gegenspieler,
• keine innere Instanz,
• kein Kontrollzentrum.

Darum kann selbst der,
der nie Gelübde hielt,
„von selbst rein werden“.



III. Der gemeinsame Kern – jetzt eindeutig

Beide Strukturen sagen dasselbe, nur anders gelesen:

Klassisch Nicht-dual gelesen
信解行证 Öffnung – Durchlässigkeit – Mitgehen – Unumkehrbarkeit
戒定慧 Enttrennung – Entfestigung – Beweglichkeit
看破放下自在 Durchschauen – Nicht-Festhalten – Freiheit

Nichts wird hinzugefügt.
Etwas hört auf, getrennt zu werden.



IV. Warum das Mantra hier unverzichtbar ist

Diese Bewegung kann nicht hergestellt werden.

Sobald man sagt:

„Ich will moralisch werden“
„Ich will sammeln“
„Ich will weise werden“

ist Trennung bereits da.

Das Mantra:
• setzt kein Ziel,
• fordert kein Subjekt,
• etabliert keinen Weg.

Es unterläuft die Trennung,
die all diese Stufen nötig machte.

Darum:

Verdienst fließt ohne Tun,
Disziplin entsteht ohne Zwang,
Weisheit erscheint ohne Besitz.



V. Essenz

Wo 信 sich öffnet,
解 nicht verhärtet,
行 nicht getrennt wird
und 证 keinen Abschluss sucht,

dort reinigen sich 戒,
sammelt sich 定
und wirkt 慧
von selbst –

als 看破放下自在
im einen Geist ohne Zwei.

Oder kürzer:

Nicht Praxis erzeugt Reinheit,
sondern das Ende der Trennung
lässt Praxis entstehen.
274 #
「阿難!是善男子持此呪時,設犯禁戒於未受時,持呪之後,眾破戒罪無問輕重,一時銷滅。縱經飲酒、食噉五辛、種種不淨,一切諸佛、菩薩、金剛、天仙、鬼神,不將為過。設著不淨破弊衣服,一行一住,悉同清淨。縱不作壇、不入道場、亦不行道,誦持此呪,還同入壇行道功[9]德。若造五逆無間重罪,及諸比丘、比丘尼、四棄八棄,誦此呪已,如是重業,猶如猛風吹散沙聚,悉皆滅除更無毫髮。
「阿難!若有眾生,從無量無數劫來所有一切輕重罪障,從前世來未及懺悔;若能讀誦、書寫此呪,身上帶持,若安住處莊宅園館,如是積業猶湯[A11]銷雪,不久皆得悟無生忍。
Ānanda,
wenn solche guten Menschen dieses Mantra halten,
dann gilt:
Selbst wenn sie vor dem Empfang der Gelübde
gegen Disziplinen verstoßen haben,
werden nach dem Halten des Mantras
alle Verstöße gegen die Gebote,
ohne Unterschied von leicht oder schwer,
auf einmal ausgelöscht.

Auch wenn sie Alkohol trinken,
die fünf scharfen Pflanzen verzehren
oder auf andere Weise Unreinheiten aufweisen,
werden sie von allen Buddhas, Bodhisattvas,
Vajra-Wesen, Himmelswesen,
Naturgeistern und Dämonen
nicht als fehlhaft angesehen.

Selbst wenn sie unreine oder zerlumpte Kleidung tragen,
ist in jedem Gehen und Verweilen
alles gleich rein.

Auch ohne einen Altar zu errichten,
ohne den Übungsplatz zu betreten
und ohne den Weg formal zu praktizieren,
ist das Rezitieren und Halten dieses Mantras
dem Verdienst des Altareintritts
und der Praxis des Weges gleich.

Selbst wenn jemand die fünf unmittelbar wirksamen schweren Vergehen begangen hat
oder unter die vier Ausschluss-
und acht Ausschlussvergehen
von Bhikṣus oder Bhikṣuṇīs fällt,
werden nach dem Rezitieren dieses Mantras
diese schweren karmischen Lasten
wie ein Sandhaufen im Sturm zerstreut
und restlos aufgelöst.

Ānanda,
wenn Lebewesen seit unermesslichen Kalpas
alle leichten und schweren Schuldverhinderungen angesammelt haben
und diese aus früheren Leben
nicht bereuen konnten,
so gilt:
Wenn sie dieses Mantra lesen, rezitieren, schreiben,
bei sich tragen
oder an ihrem Aufenthaltsort
in Haus, Wohnstätte oder Garten bewahren,
lösen sich diese angesammelten karmischen Lasten
wie Schnee, der in heißem Wasser schmilzt;
nach kurzer Zeit
erlangen sie die Einsicht
in das Nicht-Entstehen
und die Geduld damit.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist einer der radikalsten und zugleich missverständlichsten des gesamten Śūraṅgama. Er verlangt eine nicht-duale Lesart, sonst kippt er in Magie oder moralische Beliebigkeit.

1. Keine Aufhebung von Ethik – Aufhebung von Schuld-Identität

Der Text sagt nicht:

Ethik ist bedeutungslos.

Er sagt:

Schuld besitzt keine eigenständige Ontologie.

Gebotsbruch ist real als Handlung,
aber nicht als festes Selbstmerkmal.

Das Mantra löscht nicht „Strafe“,
sondern die Identifikation mit Schuld.

2. Reinheit als Feld, nicht als Verhalten

Dass Alkohol, Nahrung oder Kleidung
nicht als Verfehlung gelten,
heißt nicht Freibrief,
sondern:

Reinheit entsteht nicht aus Kontrolle,
sondern aus Nicht-Trennung.

Wo 一心无二 wirksam ist,
gibt es kein Außen,
das „unrein“ sein könnte.

3. Ritual ohne Ritualismus

Der Text entkoppelt Wirkung
von äußeren Formen:
• kein Altar nötig
• kein besonderer Ort
• keine formale Handlung

Nicht, weil Formen falsch wären,
sondern weil sie nicht ursächlich sind.

Das Mantra wirkt vor Form.

4. Schwere Vergehen – keine Ausnahme

Die Nennung der schwersten Vergehen
ist bewusst maximal.

Der Text will sagen:

Es gibt keine Grenze,
hinter der Trennung „endgültig“ wäre.

Das ist keine Verharmlosung,
sondern die radikale Aussage
von Nicht-Endgültigkeit der Verstrickung.

5. Schnee im heißen Wasser – Zeitlosigkeit der Lösung

Die Metapher sagt nicht:

Alles geschieht sofort und mühelos.

Sie sagt:

Wenn die Bedingungen stimmen,
löst sich Verstrickung von selbst.

Nicht durch Kampf,
sondern durch Unhaltbarkeit.

6. 無生忍 – Geduld gegenüber dem Nicht-Entstehen

Das Ziel ist nicht „Reinheit“,
sondern 無生忍:

Die Fähigkeit,
das Nicht-Entstehen von Schuld,
Verdienst, Ich und Welt
auszuhalten,
ohne zurückzugreifen.

Das ist Erwachen ohne Halt.

I. 忏悔 im Mahayana – Reue ohne Schuld-Identität

1. Was 忏悔 nicht ist

忏悔 ist im Mahayana keine Selbstanklage
und keine Tilgung durch Buße.

Es ist ausdrücklich nicht:
• Schuldbekenntnis vor einer Instanz
• moralische Selbsterniedrigung
• Wiedergutmachung als Erlösungsbedingung

Denn all das würde das Ich als Täter-Substanz stabilisieren.



2. Was 忏悔 tatsächlich bedeutet

忏 = zurücktreten
悔 = Nicht-Festhalten an Vergangenem

Zusammen bedeutet 忏悔:

Das Aufgeben der Identifikation mit der Tat.

Nicht:

„Ich habe gesündigt“

sondern:

„Diese Handlung war bedingt –
sie ist nicht mein Wesen.“

Das ist entscheidend.



3. Warum das Mantra Reue „ersetzt“

Der Text sagt nicht:

„Reue ist unnötig“

sondern:

Reue geschieht auf einer tieferen Ebene als Selbsturteil.

Das Mantra wirkt dort,
wo der Geist aufhört, sich als
der Schuldige zu halten.

Darum kann der Text sagen:
• auch ohne formale Reue
• auch ohne bewusste Einsicht
• auch nach schwersten Vergehen

lösen sich karmische Lasten.

Nicht, weil sie ignoriert werden,
sondern weil ihr Träger wegfällt.



4. 無生忍 als Ziel der Reue

Das Ziel ist nicht „Vergebung“,
sondern 無生忍:

Die Fähigkeit,
Schuld nicht mehr entstehen zu lassen,
weil kein festes Selbst mehr da ist,
das sie tragen könnte.

Das ist Reue ohne Rückfall.



II. Moderne Schuld- und Schamforschung – strukturell gespiegelt

Jetzt die zweite Ebene – als Analogie, nicht als Erklärung.



1. Schuld vs. Scham – moderner Befund

Die Psychologie unterscheidet:
• Schuld:
Ich habe etwas Falsches getan
• Scham:
Ich bin falsch

Trauma- und Schamforschung zeigt:
👉 Scham ist zerstörerischer als Schuld,
weil sie Identität angreift.



2. Was das Śūraṅgama radikal vermeidet

Das Sutra vermeidet Scham vollständig.

Es sagt nie:
• „Du bist schlecht“
• „Du bist verdorben“
• „Du bist unwürdig“

Stattdessen:
• Handlungen sind bedingt
• Verstrickung ist nicht endgültig
• Reinheit ist kein Besitz

Das ist psychologisch hochpräzise.



3. Warum Schuldauflösung ohne Selbstverurteilung heilt

Moderne Forschung zeigt:
Heilung geschieht, wenn:
• Verantwortung ohne Selbstzerstörung möglich wird
• Handlung gesehen wird,
ohne dass Identität kollabiert

Das entspricht exakt dem Mantra-Prinzip:

Handlung wird erkannt,
aber nicht mehr verkörpert als Ich.



4. „Schnee im heißen Wasser“ – neuropsychologisch gelesen

Die Metapher beschreibt:
• kein aktives „Abtragen“
• kein langes Durcharbeiten
• sondern Auflösung durch Kontextwechsel

In moderner Sprache:

Wenn das Nervensystem nicht mehr im Modus
Ich bin in Gefahr durch mich selbst
verharrt,
lösen sich Verstrickungen oft rasch.

Nicht durch Technik,
sondern durch Sicherheitswahrnehmung.

Das Mantra schafft genau dieses Feld.



III. Der gemeinsame Kern – jetzt klar formuliert

Schuld bindet,
wenn sie Identität wird.

Reue heilt,
wenn Identität wegfällt.

• Mahayana: 忏悔 = Entidentifizierung
• Śūraṅgama: Mantra = Feld ohne Schuldträger
• Moderne Forschung: Integration statt Selbstverurteilung

Alles weist auf dasselbe:

👉 Heilung geschieht nicht durch Strafe,
sondern durch Auflösung des Selbstknotens.



IV. Rückbindung an 一心无二 (abschließend)

Im Licht von 一心无二:
• Es gibt Handlung
• Es gibt Wirkung
• Aber kein zweites Selbst,
das dauerhaft „schuldig“ wäre

Darum kann der Text sagen:

selbst schwerste Vergehen lösen sich

Nicht weil sie „egal“ sind,
sondern weil Trennung nicht ewig trägt.



V. Essenz

Reue ist im Mahayana
kein Urteil über das Selbst,
sondern das Ende der Identifikation
mit der Tat.

Wo kein Schuld-Ich entsteht,
hat Schuld keinen Ort mehr,
an dem sie bleiben kann.
中文原文
「阿難!是善男子持此呪時,設犯禁戒於未受時,持呪之後,眾破戒罪無問輕重,一時銷滅。縱經飲酒、食噉五辛、種種不淨,一切諸佛、菩薩、金剛、天仙、鬼神,不將為過。設著不淨破弊衣服,一行一住,悉同清淨。縱不作壇、不入道場、亦不行道,誦持此呪,還同入壇行道功[9]德。若造五逆無間重罪,及諸比丘、比丘尼、四棄八棄,誦此呪已,如是重業,猶如猛風吹散沙聚,悉皆滅除更無毫髮。
「阿難!若有眾生,從無量無數劫來所有一切輕重罪障,從前世來未及懺悔;若能讀誦、書寫此呪,身上帶持,若安住處莊宅園館,如是積業猶湯[A11]銷雪,不久皆得悟無生忍。
Deutsch
Ānanda,
wenn solche guten Menschen dieses Mantra halten,
dann gilt:
Selbst wenn sie vor dem Empfang der Gelübde
gegen Disziplinen verstoßen haben,
werden nach dem Halten des Mantras
alle Verstöße gegen die Gebote,
ohne Unterschied von leicht oder schwer,
auf einmal ausgelöscht.

Auch wenn sie Alkohol trinken,
die fünf scharfen Pflanzen verzehren
oder auf andere Weise Unreinheiten aufweisen,
werden sie von allen Buddhas, Bodhisattvas,
Vajra-Wesen, Himmelswesen,
Naturgeistern und Dämonen
nicht als fehlhaft angesehen.

Selbst wenn sie unreine oder zerlumpte Kleidung tragen,
ist in jedem Gehen und Verweilen
alles gleich rein.

Auch ohne einen Altar zu errichten,
ohne den Übungsplatz zu betreten
und ohne den Weg formal zu praktizieren,
ist das Rezitieren und Halten dieses Mantras
dem Verdienst des Altareintritts
und der Praxis des Weges gleich.

Selbst wenn jemand die fünf unmittelbar wirksamen schweren Vergehen begangen hat
oder unter die vier Ausschluss-
und acht Ausschlussvergehen
von Bhikṣus oder Bhikṣuṇīs fällt,
werden nach dem Rezitieren dieses Mantras
diese schweren karmischen Lasten
wie ein Sandhaufen im Sturm zerstreut
und restlos aufgelöst.

Ānanda,
wenn Lebewesen seit unermesslichen Kalpas
alle leichten und schweren Schuldverhinderungen angesammelt haben
und diese aus früheren Leben
nicht bereuen konnten,
so gilt:
Wenn sie dieses Mantra lesen, rezitieren, schreiben,
bei sich tragen
oder an ihrem Aufenthaltsort
in Haus, Wohnstätte oder Garten bewahren,
lösen sich diese angesammelten karmischen Lasten
wie Schnee, der in heißem Wasser schmilzt;
nach kurzer Zeit
erlangen sie die Einsicht
in das Nicht-Entstehen
und die Geduld damit.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist einer der radikalsten und zugleich missverständlichsten des gesamten Śūraṅgama. Er verlangt eine nicht-duale Lesart, sonst kippt er in Magie oder moralische Beliebigkeit.

1. Keine Aufhebung von Ethik – Aufhebung von Schuld-Identität

Der Text sagt nicht:

Ethik ist bedeutungslos.

Er sagt:

Schuld besitzt keine eigenständige Ontologie.

Gebotsbruch ist real als Handlung,
aber nicht als festes Selbstmerkmal.

Das Mantra löscht nicht „Strafe“,
sondern die Identifikation mit Schuld.

2. Reinheit als Feld, nicht als Verhalten

Dass Alkohol, Nahrung oder Kleidung
nicht als Verfehlung gelten,
heißt nicht Freibrief,
sondern:

Reinheit entsteht nicht aus Kontrolle,
sondern aus Nicht-Trennung.

Wo 一心无二 wirksam ist,
gibt es kein Außen,
das „unrein“ sein könnte.

3. Ritual ohne Ritualismus

Der Text entkoppelt Wirkung
von äußeren Formen:
• kein Altar nötig
• kein besonderer Ort
• keine formale Handlung

Nicht, weil Formen falsch wären,
sondern weil sie nicht ursächlich sind.

Das Mantra wirkt vor Form.

4. Schwere Vergehen – keine Ausnahme

Die Nennung der schwersten Vergehen
ist bewusst maximal.

Der Text will sagen:

Es gibt keine Grenze,
hinter der Trennung „endgültig“ wäre.

Das ist keine Verharmlosung,
sondern die radikale Aussage
von Nicht-Endgültigkeit der Verstrickung.

5. Schnee im heißen Wasser – Zeitlosigkeit der Lösung

Die Metapher sagt nicht:

Alles geschieht sofort und mühelos.

Sie sagt:

Wenn die Bedingungen stimmen,
löst sich Verstrickung von selbst.

Nicht durch Kampf,
sondern durch Unhaltbarkeit.

6. 無生忍 – Geduld gegenüber dem Nicht-Entstehen

Das Ziel ist nicht „Reinheit“,
sondern 無生忍:

Die Fähigkeit,
das Nicht-Entstehen von Schuld,
Verdienst, Ich und Welt
auszuhalten,
ohne zurückzugreifen.

Das ist Erwachen ohne Halt.

I. 忏悔 im Mahayana – Reue ohne Schuld-Identität

1. Was 忏悔 nicht ist

忏悔 ist im Mahayana keine Selbstanklage
und keine Tilgung durch Buße.

Es ist ausdrücklich nicht:
• Schuldbekenntnis vor einer Instanz
• moralische Selbsterniedrigung
• Wiedergutmachung als Erlösungsbedingung

Denn all das würde das Ich als Täter-Substanz stabilisieren.



2. Was 忏悔 tatsächlich bedeutet

忏 = zurücktreten
悔 = Nicht-Festhalten an Vergangenem

Zusammen bedeutet 忏悔:

Das Aufgeben der Identifikation mit der Tat.

Nicht:

„Ich habe gesündigt“

sondern:

„Diese Handlung war bedingt –
sie ist nicht mein Wesen.“

Das ist entscheidend.



3. Warum das Mantra Reue „ersetzt“

Der Text sagt nicht:

„Reue ist unnötig“

sondern:

Reue geschieht auf einer tieferen Ebene als Selbsturteil.

Das Mantra wirkt dort,
wo der Geist aufhört, sich als
der Schuldige zu halten.

Darum kann der Text sagen:
• auch ohne formale Reue
• auch ohne bewusste Einsicht
• auch nach schwersten Vergehen

lösen sich karmische Lasten.

Nicht, weil sie ignoriert werden,
sondern weil ihr Träger wegfällt.



4. 無生忍 als Ziel der Reue

Das Ziel ist nicht „Vergebung“,
sondern 無生忍:

Die Fähigkeit,
Schuld nicht mehr entstehen zu lassen,
weil kein festes Selbst mehr da ist,
das sie tragen könnte.

Das ist Reue ohne Rückfall.



II. Moderne Schuld- und Schamforschung – strukturell gespiegelt

Jetzt die zweite Ebene – als Analogie, nicht als Erklärung.



1. Schuld vs. Scham – moderner Befund

Die Psychologie unterscheidet:
• Schuld:
Ich habe etwas Falsches getan
• Scham:
Ich bin falsch

Trauma- und Schamforschung zeigt:
👉 Scham ist zerstörerischer als Schuld,
weil sie Identität angreift.



2. Was das Śūraṅgama radikal vermeidet

Das Sutra vermeidet Scham vollständig.

Es sagt nie:
• „Du bist schlecht“
• „Du bist verdorben“
• „Du bist unwürdig“

Stattdessen:
• Handlungen sind bedingt
• Verstrickung ist nicht endgültig
• Reinheit ist kein Besitz

Das ist psychologisch hochpräzise.



3. Warum Schuldauflösung ohne Selbstverurteilung heilt

Moderne Forschung zeigt:
Heilung geschieht, wenn:
• Verantwortung ohne Selbstzerstörung möglich wird
• Handlung gesehen wird,
ohne dass Identität kollabiert

Das entspricht exakt dem Mantra-Prinzip:

Handlung wird erkannt,
aber nicht mehr verkörpert als Ich.



4. „Schnee im heißen Wasser“ – neuropsychologisch gelesen

Die Metapher beschreibt:
• kein aktives „Abtragen“
• kein langes Durcharbeiten
• sondern Auflösung durch Kontextwechsel

In moderner Sprache:

Wenn das Nervensystem nicht mehr im Modus
Ich bin in Gefahr durch mich selbst
verharrt,
lösen sich Verstrickungen oft rasch.

Nicht durch Technik,
sondern durch Sicherheitswahrnehmung.

Das Mantra schafft genau dieses Feld.



III. Der gemeinsame Kern – jetzt klar formuliert

Schuld bindet,
wenn sie Identität wird.

Reue heilt,
wenn Identität wegfällt.

• Mahayana: 忏悔 = Entidentifizierung
• Śūraṅgama: Mantra = Feld ohne Schuldträger
• Moderne Forschung: Integration statt Selbstverurteilung

Alles weist auf dasselbe:

👉 Heilung geschieht nicht durch Strafe,
sondern durch Auflösung des Selbstknotens.



IV. Rückbindung an 一心无二 (abschließend)

Im Licht von 一心无二:
• Es gibt Handlung
• Es gibt Wirkung
• Aber kein zweites Selbst,
das dauerhaft „schuldig“ wäre

Darum kann der Text sagen:

selbst schwerste Vergehen lösen sich

Nicht weil sie „egal“ sind,
sondern weil Trennung nicht ewig trägt.



V. Essenz

Reue ist im Mahayana
kein Urteil über das Selbst,
sondern das Ende der Identifikation
mit der Tat.

Wo kein Schuld-Ich entsteht,
hat Schuld keinen Ort mehr,
an dem sie bleiben kann.
275 #
「復次,阿難!若有女人未生男女,欲求[10]生者,若能至心憶念斯呪,或能身上帶此悉怛多[11]鉢怛[*]羅者,便生福德智慧男女。求長命者[12]速得長命;欲求果報速圓滿者,速得圓滿。身、命、色、力,亦復如是。命終之後,隨願往生十方國土。必定不生邊地下賤,何況雜形?
「阿難!若諸國土州縣、聚落,饑荒、疫癘,或復刀兵賊難鬪諍,兼餘一切厄難之地,寫此神呪,安城四門,并諸支提、或脫闍上,令其國土所有眾生奉迎斯呪,禮拜恭敬一心供養,令其人民各各身佩,或各各安所居宅地,一切災厄悉皆銷滅。
Weiterhin, Ānanda:
Wenn Frauen, die noch keine Kinder geboren haben,
den Wunsch nach Nachkommenschaft hegen
und mit aufrichtigem Herzen
dieses Mantra erinnern
oder es am Körper tragen –
das Sitatapatra-Paṇḍara –,
so werden sie
Söhne oder Töchter gebären,
die mit Glück, Verdienst und Weisheit ausgestattet sind.

Wer ein langes Leben wünscht,
erlangt rasch langes Leben.
Wer die schnelle Vollendung karmischer Früchte wünscht,
erlangt rasch Vollendung.
Auch in Bezug auf Körper, Lebensdauer, Erscheinung und Kraft
verhält es sich entsprechend.

Nach dem Tod
werden sie gemäß ihrem Wunsch
in den Ländern der zehn Richtungen wiedergeboren
und gelangen gewiss nicht
in randständige oder niedere Existenzbereiche –
geschweige denn
in entstellte oder vermischte Daseinsformen.

Ānanda!
Wenn es in Ländern, Bezirken, Städten oder Dörfern
Hungersnöte, Epidemien,
Kriege, Räuberüberfälle oder Streitigkeiten gibt
oder andere Arten von Katastrophen,
so schreibe dieses göttliche Mantra
und bringe es an den vier Stadttoren an,
ebenso an Stūpas
oder an Tor- und Übergangsbauten.

Wenn die Bewohner dieses Landes
das Mantra ehrerbietig empfangen,
es verehren
und mit einmütigem Geist darbringen,
sodass jeder es am Körper trägt
oder an seinem Wohnort aufbewahrt,
so werden sämtliche Katastrophen
vollständig beseitigt.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt erweitert die individuelle Schutz- und Heilwirkung des Mantras auf Leben, Geburt und kollektive Felder – und ist dabei besonders anfällig für Missverständnisse.

1. Geburt als Resonanz, nicht als Belohnung

Die Aussage über Nachkommenschaft
ist keine biologische Garantie,
sondern eine Aussage über Resonanzbedingungen.

„Söhne oder Töchter von Glück und Weisheit“
meint:
Das Feld, in das Geburt geschieht,
ist nicht von Mangel, Angst oder Verstrickung geprägt.

Geburt ist hier
kein Besitz des Ichs,
sondern Fortsetzung eines nicht-dualen Feldes.

2. Wünsche ohne Gierstruktur

Langes Leben, Kraft, Erscheinung, Vollendung –
all das wird genannt,
aber nicht als Zielobjekte.

Der Text beschreibt:
Wo der ursprüngliche Grund wirksam ist,
entstehen diese Qualitäten ohne Verkrampfung.

Das ist entscheidend:
Nicht das Wünschen erzeugt die Frucht,
sondern die Nicht-Verengung des Geistes.

3. Wiedergeburt nach Wunsch – ohne Selbsttransport

„Nach Wunsch geboren werden“
meint nicht die Durchsetzung eines Ego-Willens,
sondern:
Der Geist fällt nicht mehr in zufällige Verstrickung.

Der Wunsch ist hier
kein Begehren,
sondern Ausrichtung ohne Gegenpol.

4. Kollektive Katastrophen – Feldlogik statt Magie

Hungersnot, Seuchen, Krieg und Unruhen
werden nicht individualisiert.

Der Text spricht von:
• Stadttoren
• Übergängen
• zentralen Punkten

Das zeigt:
Es geht um kollektive Resonanzfelder.

Das Mantra wirkt hier
nicht als Zauberformel,
sondern als Stabilisator der gemeinsamen Orientierung.

5. Übergänge als sensible Zonen

Dass das Mantra
an Toren, Stupas und Übergängen angebracht wird,
ist kein Aberglaube.

Übergänge sind Orte:
• erhöhter Unruhe
• Wechsel
• Instabilität

Das Mantra markiert dort
Nicht-Zweiheit im Wandel.

6. Moderne Lesart (kurz)

In heutiger Sprache:
• gemeinsame Symbole stabilisieren Gemeinschaft
• geteilte Ausrichtung reduziert Eskalation
• Sinn- und Bedeutungsrahmen senken Angst

Nicht „weil Magie wirkt“,
sondern weil Angst kein absolutes Außen mehr findet.

7. Rückbindung an 一心无二

Individuelle Geburt
und kollektive Ordnung
werden hier nicht getrennt.

Beides ist Ausdruck
desselben einen Feldes.

Wo 一心无二 wirksam ist,
kann Mangel nicht dominieren –
weder im Körper
noch in der Gemeinschaft.

Wunsch, Karma und Nicht-Anhaften

im Licht des Śūraṅgama (Rolle 7)



1. Der scheinbare Widerspruch

Der Text sagt zugleich:
• Wer wünscht, bekommt
• Nicht-Anhaften ist der Weg

Das wirkt widersprüchlich nur, wenn man stillschweigend annimmt:

Wunsch = Begehren
Karma = Belohnungssystem
Nicht-Anhaften = Wunschlosigkeit

Genau diese Annahmen löst das Śūraṅgama auf.



2. Drei völlig verschiedene Dinge, die oft verwechselt werden

(1) Begehren (貪)

→ bindend, verengend, egozentriert
• will etwas haben
• aus Mangel
• gegen die Welt

Das erzeugt Karma im klassischen Sinn.



(2) Wunsch (願)

→ ausrichtend, öffnend, nicht-greifend
• beschreibt eine Richtung, kein Objekt
• kommt aus Weite, nicht aus Mangel
• steht nicht im Gegensatz zur Welt

Das Śūraṅgama spricht ausschließlich von dieser Art Wunsch.



(3) Nicht-Anhaften (不取 / 放下)

→ kein Gegenspieler zum Wunsch

Nicht-Anhaften bedeutet nicht:

„Ich darf nichts wollen“

sondern:

Der Wunsch hält nicht fest,
und das Ich hält sich nicht am Wunsch fest.



3. Wie Karma hier wirklich funktioniert (und wie nicht)

❌ Nicht so:

Ich wünsche X → Mantra → X tritt ein

Das wäre Magie.



✅ Sondern so:

Der Geist verliert seine Verengung
→ Handlung, Wunsch und Wirkung
entstehen im selben Feld
→ Karma wirkt ohne Rückbindung an ein Ich

Darum kann der Text sagen:
• Wünsche erfüllen sich
• ohne Begehren
• ohne Bindung
• ohne neuen karmischen Knoten



4. Warum „Nach dem Tod gemäß dem Wunsch geboren“ kein Ego-Projekt ist

Wichtigster Punkt.

❌ Falsche Lesart:

„Ich plane mir mein nächstes Leben“

Das wäre grobe Verkennung.



✅ Richtige Lesart:

Der Text meint:

Wo der Geist nicht mehr zufällig fällt,
sondern ausgerichtet bleibt,
dort geschieht Geburt nicht chaotisch.

„Wunsch“ heißt hier:
• keine Fantasie
• kein Plan
• kein Zielbild

sondern:

Resonanz ohne Abweichung

Das ist Kontinuität ohne Träger.



5. Warum Nicht-Anhaften hier gerade ermöglicht, dass Wünsche wirksam sind

Paradox, aber zentral:
• Begehren blockiert Wirkung
• Nicht-Anhaften entfaltet Wirkung

Warum?

Weil:

Wirkung dort geschieht,
wo nichts festgehalten wird.

Das ist 真空妙有 in Praxisform:
• leer von Zugriff
• wirksam ohne Widerstand



6. Verbindung zu 一心无二 (entscheidend)

In Zweiheit gilt:
• ich wünsche
• die Welt reagiert
• ich bekomme / verliere

In 一心无二 gilt:
• Wunsch, Handlung und Wirkung
sind keine getrennten Instanzen

Darum:
• Wunsch ist kein Eingriff
• Karma ist kein Gegenspieler
• Nicht-Anhaften ist kein Verzicht

Alles geschieht im selben Strom.



7. Konkretes Beispiel (ohne Spiritualisierung)

Zwei Menschen wünschen „langes Leben“

A) aus Angst, Festhalten, Selbstschutz
→ Verkrampfung, Stress, Bindung
→ karmische Verengung

B) aus Weite, Verbundenheit, Vertrauen
→ Sorge ohne Angst
→ Handlung ohne Verkrampfung
→ Leben entfaltet sich stabil

Beide wünschen.
Nur einer haftet.



8. Warum das Mantra hier der Schlüssel ist

Diese Haltung lässt sich nicht erzwingen.

Sobald man sagt:

„Ich will richtig wünschen“

ist man wieder im Greifen.

Das Mantra:
• richtet aus
• ohne Zielbild
• ohne Selbstbehauptung

Es hält den Wunsch offen.



9. Eine klare Formel (Ban-Dao-tauglich)

Nicht-Anhaften bedeutet nicht Wunschlosigkeit.

Es bedeutet,
dass Wunsch, Handlung und Wirkung
nicht mehr durch ein festes Ich getrennt sind.

Oder noch knapper:

Wo nicht angehaftet wird,
wird Wunsch nicht zum Begehren
und Karma nicht zur Bindung.



10. Schluss – warum dieser Abschnitt wichtig ist

Dieser Teil der Rolle 7 zeigt:
• warum das Śūraṅgama kein quietistischer Text ist
• warum es kein Wunsch-Erfüllungs-Sutra ist
• warum es praktisch, nicht weltflüchtig ist

Es lehrt:

Handeln ohne Verstrickung,
wünschen ohne Begehren,
wirken ohne Selbst.

Sehr gern. Dann verschränken wir 信·愿·行 sauber mit dem, was wir in Rolle 7 bereits freigelegt haben, ohne sie zu vermischen oder zu devotionalisieren. Entscheidend ist zu zeigen:
信愿行 ist hier keine alternative Lehre, sondern eine andere Linse auf denselben nicht-dualen Vorgang.



信·愿·行 im Licht des Śūraṅgama (Rolle 7)

Vorbemerkung: Warum dieser Vergleich sinnvoll ist

Rolle 7 spricht explizit von:
• Wunsch (願) ohne Begehren
• Wirksamkeit ohne Anhaften
• Praxis ohne formale Voraussetzungen

Das ist strukturell identisch mit 信愿行 –
aber ohne die populäre Reine-Land-Missdeutung als „Glauben + Wunsch nach Erlösung + Praxis“.



1. 信 (Xin) – Vertrauen ohne Objekt

Übliche Verkürzung (problematisch)

信 = Glaube an Buddha / an ein Reines Land / an Rettung

Das erzeugt sofort Zweiheit:
• ich hier
• Erlösung dort

Śūraṅgama-Lesart

信 bedeutet hier:

Nicht-Misstrauen gegenüber dem ursprünglichen Grund.

Konkret:
• kein Zweifel, dass Befreiung möglich ist
• kein Rückzug in Zynismus oder Selbstabwertung
• kein Widerstand gegen Wirksamkeit

Das erklärt, warum im Text:
• Lesen
• Schreiben
• Tragen
bereits ausreichen.

👉 信 ist keine Überzeugung, sondern Offenheit.

Strukturell identisch mit:
• 看破 (Durchschauen des Trennungsirrtums)
• der ersten Bewegung von 一心无二



2. 愿 (Yuan) – Ausrichtung ohne Begehren

Übliche Verkürzung (problematisch)

愿 = Wunsch, gerettet zu werden / besseres Leben / Wiedergeburt im Reinen Land

Das kippt schnell in spirituellen Konsum.

Śūraṅgama-Lesart

愿 ist hier:

Richtung ohne Greifen.

Nicht:
• Zielbild
• Plan
• Erwartung

Sondern:
• der Geist fällt nicht mehr zurück in zufällige Verstrickung
• Kontinuität ohne Träger

Darum kann der Text sagen:
• langes Leben
• Geburt nach Wunsch
• Vollendung ohne Verzögerung

👉 愿 ist Resonanzstabilität, nicht Wunschdenken.

Das ist exakt das, was wir zuvor als
„Wunsch ohne Begehren“ geklärt haben.



3. 行 (Xing) – Praxis ohne Besitzer

Übliche Verkürzung (problematisch)

行 = Rezitieren, zählen, üben, sammeln

Das erzeugt Leistungslogik.

Śūraṅgama-Lesart

行 ist hier alles, was nicht trennt:
• lesen
• rezitieren
• schreiben
• tragen
• aufbewahren
• gemeinschaftlich verehren

Warum?

Weil 行 hier nicht bedeutet:

„Ich tue etwas Spirituelles“

sondern:

Der Geist verhindert keine Wirksamkeit mehr.

Praxis ist nicht Aktivität,
sondern Nicht-Blockade.

Darum sagt der Text:
• auch ohne Altar
• auch ohne Samadhi
• auch ohne formale Übung

👉 行 geschieht, weil nichts dagegen steht.



4. Zusammengenommen: 信愿行 = ein einziger Vorgang

Im Śūraṅgama sind 信·愿·行 keine Stufen, sondern drei Beschreibungen derselben Öffnung:

Aspekt Nicht-dual gelesen
信 Nicht-Abwehr des Grundes
愿 Ausrichtung ohne Greifen
行 Wirksamkeit ohne Besitzer

Oder noch klarer:

信 lässt zu,
愿 richtet aus,
行 geschieht von selbst.



5. Verbindung zu 信解行证 (präzise Abgrenzung)
• 信愿行 → Einstieg und Kontinuität
• 信解行证 → Durchdringung und Unumkehrbarkeit

Rolle 7 bewegt sich zwischen beiden:
• noch nicht systematisch erklärend (解)
• aber bereits unumkehrbar wirksam (证)

Darum passt hier 信愿行 besonders gut:
Es beschreibt Praxis im offenen Feld, nicht im abgeschlossenen System.



6. Warum das Mantra hier zentral ist

信·愿·行 lassen sich nicht herstellen.

Sobald man sagt:

„Ich muss glauben“
„Ich muss richtig wünschen“
„Ich muss genug tun“

ist Zweiheit da.

Das Mantra:
• setzt kein Objekt für 信
• kein Ziel für 愿
• keine Leistung für 行

Es hält alles im selben Strom.



7. Eine klare Ban-Dao-Formulierung

Wenn du eine kompakte Essenz brauchst:

信 ist kein Glaube,
愿 kein Begehren,
行 keine Leistung.

信愿行 beschreibt die Weise,
in der der eine Geist
sich selbst nicht mehr behindert.

Oder noch kürzer:

Wo Vertrauen nicht abwehrt,
Ausrichtung nicht greift
und Praxis nichts besitzt,
wirkt Befreiung von selbst.



8. Rückbindung an Rolle 7 (abschließend)

Rolle 7 zeigt:
• Schutz ohne Abwehr
• Reinigung ohne Schuld
• Wunsch ohne Anhaften
• Praxis ohne Zwang

Das ist 信愿行 –
nicht als Methode,
sondern als natürliche Dynamik von 一心无二.
中文原文
「復次,阿難!若有女人未生男女,欲求[10]生者,若能至心憶念斯呪,或能身上帶此悉怛多[11]鉢怛[*]羅者,便生福德智慧男女。求長命者[12]速得長命;欲求果報速圓滿者,速得圓滿。身、命、色、力,亦復如是。命終之後,隨願往生十方國土。必定不生邊地下賤,何況雜形?
「阿難!若諸國土州縣、聚落,饑荒、疫癘,或復刀兵賊難鬪諍,兼餘一切厄難之地,寫此神呪,安城四門,并諸支提、或脫闍上,令其國土所有眾生奉迎斯呪,禮拜恭敬一心供養,令其人民各各身佩,或各各安所居宅地,一切災厄悉皆銷滅。
Deutsch
Weiterhin, Ānanda:
Wenn Frauen, die noch keine Kinder geboren haben,
den Wunsch nach Nachkommenschaft hegen
und mit aufrichtigem Herzen
dieses Mantra erinnern
oder es am Körper tragen –
das Sitatapatra-Paṇḍara –,
so werden sie
Söhne oder Töchter gebären,
die mit Glück, Verdienst und Weisheit ausgestattet sind.

Wer ein langes Leben wünscht,
erlangt rasch langes Leben.
Wer die schnelle Vollendung karmischer Früchte wünscht,
erlangt rasch Vollendung.
Auch in Bezug auf Körper, Lebensdauer, Erscheinung und Kraft
verhält es sich entsprechend.

Nach dem Tod
werden sie gemäß ihrem Wunsch
in den Ländern der zehn Richtungen wiedergeboren
und gelangen gewiss nicht
in randständige oder niedere Existenzbereiche –
geschweige denn
in entstellte oder vermischte Daseinsformen.

Ānanda!
Wenn es in Ländern, Bezirken, Städten oder Dörfern
Hungersnöte, Epidemien,
Kriege, Räuberüberfälle oder Streitigkeiten gibt
oder andere Arten von Katastrophen,
so schreibe dieses göttliche Mantra
und bringe es an den vier Stadttoren an,
ebenso an Stūpas
oder an Tor- und Übergangsbauten.

Wenn die Bewohner dieses Landes
das Mantra ehrerbietig empfangen,
es verehren
und mit einmütigem Geist darbringen,
sodass jeder es am Körper trägt
oder an seinem Wohnort aufbewahrt,
so werden sämtliche Katastrophen
vollständig beseitigt.
Kommentar
Dieser Abschnitt erweitert die individuelle Schutz- und Heilwirkung des Mantras auf Leben, Geburt und kollektive Felder – und ist dabei besonders anfällig für Missverständnisse.

1. Geburt als Resonanz, nicht als Belohnung

Die Aussage über Nachkommenschaft
ist keine biologische Garantie,
sondern eine Aussage über Resonanzbedingungen.

„Söhne oder Töchter von Glück und Weisheit“
meint:
Das Feld, in das Geburt geschieht,
ist nicht von Mangel, Angst oder Verstrickung geprägt.

Geburt ist hier
kein Besitz des Ichs,
sondern Fortsetzung eines nicht-dualen Feldes.

2. Wünsche ohne Gierstruktur

Langes Leben, Kraft, Erscheinung, Vollendung –
all das wird genannt,
aber nicht als Zielobjekte.

Der Text beschreibt:
Wo der ursprüngliche Grund wirksam ist,
entstehen diese Qualitäten ohne Verkrampfung.

Das ist entscheidend:
Nicht das Wünschen erzeugt die Frucht,
sondern die Nicht-Verengung des Geistes.

3. Wiedergeburt nach Wunsch – ohne Selbsttransport

„Nach Wunsch geboren werden“
meint nicht die Durchsetzung eines Ego-Willens,
sondern:
Der Geist fällt nicht mehr in zufällige Verstrickung.

Der Wunsch ist hier
kein Begehren,
sondern Ausrichtung ohne Gegenpol.

4. Kollektive Katastrophen – Feldlogik statt Magie

Hungersnot, Seuchen, Krieg und Unruhen
werden nicht individualisiert.

Der Text spricht von:
• Stadttoren
• Übergängen
• zentralen Punkten

Das zeigt:
Es geht um kollektive Resonanzfelder.

Das Mantra wirkt hier
nicht als Zauberformel,
sondern als Stabilisator der gemeinsamen Orientierung.

5. Übergänge als sensible Zonen

Dass das Mantra
an Toren, Stupas und Übergängen angebracht wird,
ist kein Aberglaube.

Übergänge sind Orte:
• erhöhter Unruhe
• Wechsel
• Instabilität

Das Mantra markiert dort
Nicht-Zweiheit im Wandel.

6. Moderne Lesart (kurz)

In heutiger Sprache:
• gemeinsame Symbole stabilisieren Gemeinschaft
• geteilte Ausrichtung reduziert Eskalation
• Sinn- und Bedeutungsrahmen senken Angst

Nicht „weil Magie wirkt“,
sondern weil Angst kein absolutes Außen mehr findet.

7. Rückbindung an 一心无二

Individuelle Geburt
und kollektive Ordnung
werden hier nicht getrennt.

Beides ist Ausdruck
desselben einen Feldes.

Wo 一心无二 wirksam ist,
kann Mangel nicht dominieren –
weder im Körper
noch in der Gemeinschaft.

Wunsch, Karma und Nicht-Anhaften

im Licht des Śūraṅgama (Rolle 7)



1. Der scheinbare Widerspruch

Der Text sagt zugleich:
• Wer wünscht, bekommt
• Nicht-Anhaften ist der Weg

Das wirkt widersprüchlich nur, wenn man stillschweigend annimmt:

Wunsch = Begehren
Karma = Belohnungssystem
Nicht-Anhaften = Wunschlosigkeit

Genau diese Annahmen löst das Śūraṅgama auf.



2. Drei völlig verschiedene Dinge, die oft verwechselt werden

(1) Begehren (貪)

→ bindend, verengend, egozentriert
• will etwas haben
• aus Mangel
• gegen die Welt

Das erzeugt Karma im klassischen Sinn.



(2) Wunsch (願)

→ ausrichtend, öffnend, nicht-greifend
• beschreibt eine Richtung, kein Objekt
• kommt aus Weite, nicht aus Mangel
• steht nicht im Gegensatz zur Welt

Das Śūraṅgama spricht ausschließlich von dieser Art Wunsch.



(3) Nicht-Anhaften (不取 / 放下)

→ kein Gegenspieler zum Wunsch

Nicht-Anhaften bedeutet nicht:

„Ich darf nichts wollen“

sondern:

Der Wunsch hält nicht fest,
und das Ich hält sich nicht am Wunsch fest.



3. Wie Karma hier wirklich funktioniert (und wie nicht)

❌ Nicht so:

Ich wünsche X → Mantra → X tritt ein

Das wäre Magie.



✅ Sondern so:

Der Geist verliert seine Verengung
→ Handlung, Wunsch und Wirkung
entstehen im selben Feld
→ Karma wirkt ohne Rückbindung an ein Ich

Darum kann der Text sagen:
• Wünsche erfüllen sich
• ohne Begehren
• ohne Bindung
• ohne neuen karmischen Knoten



4. Warum „Nach dem Tod gemäß dem Wunsch geboren“ kein Ego-Projekt ist

Wichtigster Punkt.

❌ Falsche Lesart:

„Ich plane mir mein nächstes Leben“

Das wäre grobe Verkennung.



✅ Richtige Lesart:

Der Text meint:

Wo der Geist nicht mehr zufällig fällt,
sondern ausgerichtet bleibt,
dort geschieht Geburt nicht chaotisch.

„Wunsch“ heißt hier:
• keine Fantasie
• kein Plan
• kein Zielbild

sondern:

Resonanz ohne Abweichung

Das ist Kontinuität ohne Träger.



5. Warum Nicht-Anhaften hier gerade ermöglicht, dass Wünsche wirksam sind

Paradox, aber zentral:
• Begehren blockiert Wirkung
• Nicht-Anhaften entfaltet Wirkung

Warum?

Weil:

Wirkung dort geschieht,
wo nichts festgehalten wird.

Das ist 真空妙有 in Praxisform:
• leer von Zugriff
• wirksam ohne Widerstand



6. Verbindung zu 一心无二 (entscheidend)

In Zweiheit gilt:
• ich wünsche
• die Welt reagiert
• ich bekomme / verliere

In 一心无二 gilt:
• Wunsch, Handlung und Wirkung
sind keine getrennten Instanzen

Darum:
• Wunsch ist kein Eingriff
• Karma ist kein Gegenspieler
• Nicht-Anhaften ist kein Verzicht

Alles geschieht im selben Strom.



7. Konkretes Beispiel (ohne Spiritualisierung)

Zwei Menschen wünschen „langes Leben“

A) aus Angst, Festhalten, Selbstschutz
→ Verkrampfung, Stress, Bindung
→ karmische Verengung

B) aus Weite, Verbundenheit, Vertrauen
→ Sorge ohne Angst
→ Handlung ohne Verkrampfung
→ Leben entfaltet sich stabil

Beide wünschen.
Nur einer haftet.



8. Warum das Mantra hier der Schlüssel ist

Diese Haltung lässt sich nicht erzwingen.

Sobald man sagt:

„Ich will richtig wünschen“

ist man wieder im Greifen.

Das Mantra:
• richtet aus
• ohne Zielbild
• ohne Selbstbehauptung

Es hält den Wunsch offen.



9. Eine klare Formel (Ban-Dao-tauglich)

Nicht-Anhaften bedeutet nicht Wunschlosigkeit.

Es bedeutet,
dass Wunsch, Handlung und Wirkung
nicht mehr durch ein festes Ich getrennt sind.

Oder noch knapper:

Wo nicht angehaftet wird,
wird Wunsch nicht zum Begehren
und Karma nicht zur Bindung.



10. Schluss – warum dieser Abschnitt wichtig ist

Dieser Teil der Rolle 7 zeigt:
• warum das Śūraṅgama kein quietistischer Text ist
• warum es kein Wunsch-Erfüllungs-Sutra ist
• warum es praktisch, nicht weltflüchtig ist

Es lehrt:

Handeln ohne Verstrickung,
wünschen ohne Begehren,
wirken ohne Selbst.

Sehr gern. Dann verschränken wir 信·愿·行 sauber mit dem, was wir in Rolle 7 bereits freigelegt haben, ohne sie zu vermischen oder zu devotionalisieren. Entscheidend ist zu zeigen:
信愿行 ist hier keine alternative Lehre, sondern eine andere Linse auf denselben nicht-dualen Vorgang.



信·愿·行 im Licht des Śūraṅgama (Rolle 7)

Vorbemerkung: Warum dieser Vergleich sinnvoll ist

Rolle 7 spricht explizit von:
• Wunsch (願) ohne Begehren
• Wirksamkeit ohne Anhaften
• Praxis ohne formale Voraussetzungen

Das ist strukturell identisch mit 信愿行 –
aber ohne die populäre Reine-Land-Missdeutung als „Glauben + Wunsch nach Erlösung + Praxis“.



1. 信 (Xin) – Vertrauen ohne Objekt

Übliche Verkürzung (problematisch)

信 = Glaube an Buddha / an ein Reines Land / an Rettung

Das erzeugt sofort Zweiheit:
• ich hier
• Erlösung dort

Śūraṅgama-Lesart

信 bedeutet hier:

Nicht-Misstrauen gegenüber dem ursprünglichen Grund.

Konkret:
• kein Zweifel, dass Befreiung möglich ist
• kein Rückzug in Zynismus oder Selbstabwertung
• kein Widerstand gegen Wirksamkeit

Das erklärt, warum im Text:
• Lesen
• Schreiben
• Tragen
bereits ausreichen.

👉 信 ist keine Überzeugung, sondern Offenheit.

Strukturell identisch mit:
• 看破 (Durchschauen des Trennungsirrtums)
• der ersten Bewegung von 一心无二



2. 愿 (Yuan) – Ausrichtung ohne Begehren

Übliche Verkürzung (problematisch)

愿 = Wunsch, gerettet zu werden / besseres Leben / Wiedergeburt im Reinen Land

Das kippt schnell in spirituellen Konsum.

Śūraṅgama-Lesart

愿 ist hier:

Richtung ohne Greifen.

Nicht:
• Zielbild
• Plan
• Erwartung

Sondern:
• der Geist fällt nicht mehr zurück in zufällige Verstrickung
• Kontinuität ohne Träger

Darum kann der Text sagen:
• langes Leben
• Geburt nach Wunsch
• Vollendung ohne Verzögerung

👉 愿 ist Resonanzstabilität, nicht Wunschdenken.

Das ist exakt das, was wir zuvor als
„Wunsch ohne Begehren“ geklärt haben.



3. 行 (Xing) – Praxis ohne Besitzer

Übliche Verkürzung (problematisch)

行 = Rezitieren, zählen, üben, sammeln

Das erzeugt Leistungslogik.

Śūraṅgama-Lesart

行 ist hier alles, was nicht trennt:
• lesen
• rezitieren
• schreiben
• tragen
• aufbewahren
• gemeinschaftlich verehren

Warum?

Weil 行 hier nicht bedeutet:

„Ich tue etwas Spirituelles“

sondern:

Der Geist verhindert keine Wirksamkeit mehr.

Praxis ist nicht Aktivität,
sondern Nicht-Blockade.

Darum sagt der Text:
• auch ohne Altar
• auch ohne Samadhi
• auch ohne formale Übung

👉 行 geschieht, weil nichts dagegen steht.



4. Zusammengenommen: 信愿行 = ein einziger Vorgang

Im Śūraṅgama sind 信·愿·行 keine Stufen, sondern drei Beschreibungen derselben Öffnung:

Aspekt Nicht-dual gelesen
信 Nicht-Abwehr des Grundes
愿 Ausrichtung ohne Greifen
行 Wirksamkeit ohne Besitzer

Oder noch klarer:

信 lässt zu,
愿 richtet aus,
行 geschieht von selbst.



5. Verbindung zu 信解行证 (präzise Abgrenzung)
• 信愿行 → Einstieg und Kontinuität
• 信解行证 → Durchdringung und Unumkehrbarkeit

Rolle 7 bewegt sich zwischen beiden:
• noch nicht systematisch erklärend (解)
• aber bereits unumkehrbar wirksam (证)

Darum passt hier 信愿行 besonders gut:
Es beschreibt Praxis im offenen Feld, nicht im abgeschlossenen System.



6. Warum das Mantra hier zentral ist

信·愿·行 lassen sich nicht herstellen.

Sobald man sagt:

„Ich muss glauben“
„Ich muss richtig wünschen“
„Ich muss genug tun“

ist Zweiheit da.

Das Mantra:
• setzt kein Objekt für 信
• kein Ziel für 愿
• keine Leistung für 行

Es hält alles im selben Strom.



7. Eine klare Ban-Dao-Formulierung

Wenn du eine kompakte Essenz brauchst:

信 ist kein Glaube,
愿 kein Begehren,
行 keine Leistung.

信愿行 beschreibt die Weise,
in der der eine Geist
sich selbst nicht mehr behindert.

Oder noch kürzer:

Wo Vertrauen nicht abwehrt,
Ausrichtung nicht greift
und Praxis nichts besitzt,
wirkt Befreiung von selbst.



8. Rückbindung an Rolle 7 (abschließend)

Rolle 7 zeigt:
• Schutz ohne Abwehr
• Reinigung ohne Schuld
• Wunsch ohne Anhaften
• Praxis ohne Zwang

Das ist 信愿行 –
nicht als Methode,
sondern als natürliche Dynamik von 一心无二.
276 #
「阿難!在在處處國土眾生,隨有此呪,天龍歡喜,風雨順時,五穀豐殷,兆庶安樂。亦復能鎮一切惡星,隨方變怪,災障不起,人無橫夭。杻械、枷鎖不著其身,晝夜安眠常無惡夢。
「阿難!是娑婆界有八萬四千災變惡星,二十八大惡星而為上首。復有八大惡星以為其主,作種種形出現世時,能生眾生種種災異;有此呪地,悉皆銷滅。十二由旬成結界地,諸惡災祥,永不能入。
Ānanda,
überall dort, wo in Ländern und Regionen
dieses Mantra vorhanden ist,
freuen sich Himmels- und Drachenwesen;
Wind und Regen treten im rechten Maß auf,
die Feldfrüchte gedeihen reichlich,
und die Menschen leben in Sicherheit und Wohlergehen.

Ebenso vermag dieses Mantra,
alle schädlichen Sternkonstellationen zu befrieden;
örtlich auftretende Anomalien und Verwandlungen
kommen nicht auf,
Unheil und Hindernisse entstehen nicht,
und es gibt keinen plötzlichen Tod.

Fesseln, Ketten und Haftinstrumente
haften dem Körper nicht an;
Tag und Nacht
herrscht ruhiger Schlaf
ohne böse Träume.

Ānanda!
In der Sahā-Welt existieren
vierundachtzigtausend
katastrophale, unheilvolle Sternkräfte,
angeführt von achtundzwanzig großen Unheilssternen.
Darüber hinaus gibt es
acht besonders mächtige Unheilssterne
als ihre Anführer.

Wenn diese
in unterschiedlichen Gestalten
in der Welt erscheinen,
können sie
bei den Wesen
vielfältige Katastrophen und Abweichungen hervorrufen;
doch an Orten,
an denen dieses Mantra gegenwärtig ist,
werden sie sämtlich
zur Auflösung gebracht.

Ein Umkreis von zwölf Yojanas
bildet einen geschlossenen Schutzraum;
alle unheilvollen Einflüsse
können dauerhaft
nicht eindringen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt überträgt die nicht-duale Schutzlogik des Mantras nun ausdrücklich auf kosmische, gesellschaftliche und psychische Ordnung.

1. Himmel und Drachen – Ordnung der Ebenen

„Himmel und Drachen“ stehen nicht für mythologische Wesen allein,
sondern für Kräfte der Ordnung und Dynamik:
oben und unten, ruhig und bewegt, weit und nah.

Dass sie „sich freuen“, bedeutet:
Die Spannungen zwischen Ebenen
sind nicht mehr gegeneinander verschoben.

2. Wind, Regen, Ernte – Stimmigkeit statt Kontrolle

Der Text spricht nicht von Überfluss durch Eingriff,
sondern von Rechtzeitigkeit.

Nicht Maximierung,
sondern Stimmigkeit.

Das ist die politische und ökologische Lesart von 一心无二:
Wo der Geist nicht trennt,
gerät auch die Welt nicht aus dem Takt.

3. Sterne als Muster, nicht als Mächte

Die „unheilvollen Sterne“
sind keine äußeren Dämonen,
sondern Muster von Kollektivangst, Erwartung und Projektion,
die sich zyklisch verdichten.

Das Mantra „besiegt“ sie nicht,
sondern zieht ihnen den Resonanzboden.

4. Keine Fesseln, kein plötzlicher Tod, kein Albtraum

Das sind klassische Marker für:
• Verlust von Freiheit
• abrupte Sinnzerstörung
• psychische Überwältigung

Ihre Abwesenheit bedeutet:
Das Leben wird nicht unterbrochen,
sondern bleibt integrierbar.

5. Der Schutzkreis von zwölf Yojanas

Der Schutzraum ist kein magischer Radius,
sondern ein Feld kohärenter Ausrichtung.

Zwölf Yojanas markieren Vollständigkeit im Raum:
kein Innen, kein Außen,
kein Riss.

6. Rückbindung an 一心无二

Kosmische Ordnung,
gesellschaftlicher Frieden
und persönlicher Schlaf
werden hier nicht getrennt.

Sie sind Ausdruck
desselben einen Feldes.

Wo 一心无二 wirksam ist,
entsteht Ordnung
ohne Zwang
und Schutz
ohne Abwehr.

Kosmische Ordnung im Śūraṅgama

gespiegelt mit 一心无二 und moderner Systemtheorie



1. Grundannahme beider Seiten (überraschend identisch)

Śūraṅgama (Rolle 7)

Ordnung entsteht nicht durch Kontrolle,
sondern durch das Aufhören von Trennung.

Systemtheorie (komplexe Systeme)

Stabilität entsteht nicht durch Steuerung,
sondern durch Kohärenz der Beziehungen.

Beide sagen:
• Nicht Eingriff erzeugt Ordnung
• sondern passende Kopplung



2. „Unheilvolle Sterne“ = Störmuster im System

Im Text:
• 84.000 Unheilssterne
• 28 große, 8 dominierende
• zyklisches Auftreten
• ortsabhängige Wirkung

Das entspricht exakt dem,
was Systemtheorie nennt:

wiederkehrende Instabilitätsmuster
in hochvernetzten Systemen

Beispiele (modern):
• Finanzkrisen
• Pandemiewellen
• Gewaltspiralen
• kollektive Angstnarrative

Nicht weil „Sterne böse sind“,
sondern weil Resonanzkaskaden entstehen.



3. Warum das Mantra nicht „bekämpft“

Weder das Sutra
noch Systemtheorie sagen:

„Man muss die Störung eliminieren.“

Sondern:
• Das Mantra entzieht Kopplung
• das System verliert Verstärkung

In Systemtheorie:

Wenn positive Rückkopplung unterbrochen wird,
kollabiert das Störmuster von selbst.

Im Sutra:

„Wo dieses Mantra ist,
können die Unheilssterne nicht wirken.“

Nicht durch Macht,
sondern durch fehlende Anschlussfähigkeit.



4. Wind, Regen, Ernte = emergente Ordnung

Der Text sagt ausdrücklich:
• Wind und Regen zur rechten Zeit
• Ernte reich, nicht maximal
• Menschen in Frieden, nicht perfekt

Das ist keine Utopie,
sondern funktionale Balance.

Systemtheoretisch:

Ein System ist gesund,
wenn seine Zyklen phasengerecht sind.

Nicht:
• immer Wachstum
• immer Ruhe
• immer Sicherheit

Sondern:
• Anpassungsfähigkeit ohne Bruch

Das ist Resilienz, nicht Kontrolle.



5. Schlaf, Freiheit, keine Fesseln = innere Systemstabilität

Die Marker im Text:
• kein plötzlicher Tod
• keine Ketten
• ruhiger Schlaf
• keine Albträume

Das sind Indikatoren, keine Versprechen.

Modern gesprochen:
• Nervensystem nicht im Dauerstress
• keine chronische Alarmbereitschaft
• keine Zwangsdynamik

Systemisch:

Das Subsystem „Mensch“
ist mit dem Gesamtsystem kohärent gekoppelt.



6. Der Schutzkreis von zwölf Yojanas = Kohärenzfeld

Der Kreis ist kein magischer Radius.

Er markiert:

einen Bereich,
in dem Beziehungen nicht fragmentieren

Systemtheorie:

Kohärente Felder
haben geringere Störanfälligkeit
als isolierte Einzelknoten.

Śūraṅgama:

Wo 一心无二 nicht verletzt wird,
gibt es kein Innen/Außen,
also keinen Eintrittspunkt für Störung.



7. Der entscheidende Punkt: 一心无二 als Systemprinzip

In Zweiheit:
• Akteur vs. Welt
• Schutz vs. Gefahr
• Kontrolle vs. Chaos

In 一心无二:
• Beziehung statt Gegenüber
• Prozess statt Objekt
• Stimmigkeit statt Sieg

Das ist exakt das,
was moderne Systemtheorie mühsam formuliert
und was das Śūraṅgama direkt lebt.



8. Warum das Mantra systemisch wirkt

Das Mantra:
• setzt keine Information
• gibt keine Anweisung
• fordert keine Handlung

Es verändert:

den Beziehungsmodus des Geistes

Systemisch:

Der Knoten sendet kein Störsignal mehr.
Die Schleife bricht.

Darum:
• kollektive Angst flacht ab
• Eskalationen verlieren Energie
• Ordnung entsteht emergent



9. Eine präzise Brückenformel (Ban-Dao-tauglich)

Kosmische Ordnung im Śūraṅgama
ist keine äußere Harmonie,
sondern die Stabilität eines Feldes,
in dem Trennung keine Rückkopplung mehr findet.

Oder noch knapper:

Wo 一心无二 wirkt,
verlieren Störungen ihre Verstärkung –
im Geist, in der Gemeinschaft,
und in der Welt.



10. Abschließender Blick auf Rolle 7

Rolle 7 zeigt Schritt für Schritt:
• Schutz ohne Abwehr
• Ordnung ohne Kontrolle
• Ethik ohne Schuld
• Wunsch ohne Begehren
• Praxis ohne Zwang

Systemtheorie würde sagen:

Das System hat seine kritische Schwelle verlassen.

Das Śūraṅgama sagt:

Der eine Geist ist nicht mehr geteilt.

Beides beschreibt denselben Übergang –
nur in unterschiedlicher Sprache.
中文原文
「阿難!在在處處國土眾生,隨有此呪,天龍歡喜,風雨順時,五穀豐殷,兆庶安樂。亦復能鎮一切惡星,隨方變怪,災障不起,人無橫夭。杻械、枷鎖不著其身,晝夜安眠常無惡夢。
「阿難!是娑婆界有八萬四千災變惡星,二十八大惡星而為上首。復有八大惡星以為其主,作種種形出現世時,能生眾生種種災異;有此呪地,悉皆銷滅。十二由旬成結界地,諸惡災祥,永不能入。
Deutsch
Ānanda,
überall dort, wo in Ländern und Regionen
dieses Mantra vorhanden ist,
freuen sich Himmels- und Drachenwesen;
Wind und Regen treten im rechten Maß auf,
die Feldfrüchte gedeihen reichlich,
und die Menschen leben in Sicherheit und Wohlergehen.

Ebenso vermag dieses Mantra,
alle schädlichen Sternkonstellationen zu befrieden;
örtlich auftretende Anomalien und Verwandlungen
kommen nicht auf,
Unheil und Hindernisse entstehen nicht,
und es gibt keinen plötzlichen Tod.

Fesseln, Ketten und Haftinstrumente
haften dem Körper nicht an;
Tag und Nacht
herrscht ruhiger Schlaf
ohne böse Träume.

Ānanda!
In der Sahā-Welt existieren
vierundachtzigtausend
katastrophale, unheilvolle Sternkräfte,
angeführt von achtundzwanzig großen Unheilssternen.
Darüber hinaus gibt es
acht besonders mächtige Unheilssterne
als ihre Anführer.

Wenn diese
in unterschiedlichen Gestalten
in der Welt erscheinen,
können sie
bei den Wesen
vielfältige Katastrophen und Abweichungen hervorrufen;
doch an Orten,
an denen dieses Mantra gegenwärtig ist,
werden sie sämtlich
zur Auflösung gebracht.

Ein Umkreis von zwölf Yojanas
bildet einen geschlossenen Schutzraum;
alle unheilvollen Einflüsse
können dauerhaft
nicht eindringen.
Kommentar
Dieser Abschnitt überträgt die nicht-duale Schutzlogik des Mantras nun ausdrücklich auf kosmische, gesellschaftliche und psychische Ordnung.

1. Himmel und Drachen – Ordnung der Ebenen

„Himmel und Drachen“ stehen nicht für mythologische Wesen allein,
sondern für Kräfte der Ordnung und Dynamik:
oben und unten, ruhig und bewegt, weit und nah.

Dass sie „sich freuen“, bedeutet:
Die Spannungen zwischen Ebenen
sind nicht mehr gegeneinander verschoben.

2. Wind, Regen, Ernte – Stimmigkeit statt Kontrolle

Der Text spricht nicht von Überfluss durch Eingriff,
sondern von Rechtzeitigkeit.

Nicht Maximierung,
sondern Stimmigkeit.

Das ist die politische und ökologische Lesart von 一心无二:
Wo der Geist nicht trennt,
gerät auch die Welt nicht aus dem Takt.

3. Sterne als Muster, nicht als Mächte

Die „unheilvollen Sterne“
sind keine äußeren Dämonen,
sondern Muster von Kollektivangst, Erwartung und Projektion,
die sich zyklisch verdichten.

Das Mantra „besiegt“ sie nicht,
sondern zieht ihnen den Resonanzboden.

4. Keine Fesseln, kein plötzlicher Tod, kein Albtraum

Das sind klassische Marker für:
• Verlust von Freiheit
• abrupte Sinnzerstörung
• psychische Überwältigung

Ihre Abwesenheit bedeutet:
Das Leben wird nicht unterbrochen,
sondern bleibt integrierbar.

5. Der Schutzkreis von zwölf Yojanas

Der Schutzraum ist kein magischer Radius,
sondern ein Feld kohärenter Ausrichtung.

Zwölf Yojanas markieren Vollständigkeit im Raum:
kein Innen, kein Außen,
kein Riss.

6. Rückbindung an 一心无二

Kosmische Ordnung,
gesellschaftlicher Frieden
und persönlicher Schlaf
werden hier nicht getrennt.

Sie sind Ausdruck
desselben einen Feldes.

Wo 一心无二 wirksam ist,
entsteht Ordnung
ohne Zwang
und Schutz
ohne Abwehr.

Kosmische Ordnung im Śūraṅgama

gespiegelt mit 一心无二 und moderner Systemtheorie



1. Grundannahme beider Seiten (überraschend identisch)

Śūraṅgama (Rolle 7)

Ordnung entsteht nicht durch Kontrolle,
sondern durch das Aufhören von Trennung.

Systemtheorie (komplexe Systeme)

Stabilität entsteht nicht durch Steuerung,
sondern durch Kohärenz der Beziehungen.

Beide sagen:
• Nicht Eingriff erzeugt Ordnung
• sondern passende Kopplung



2. „Unheilvolle Sterne“ = Störmuster im System

Im Text:
• 84.000 Unheilssterne
• 28 große, 8 dominierende
• zyklisches Auftreten
• ortsabhängige Wirkung

Das entspricht exakt dem,
was Systemtheorie nennt:

wiederkehrende Instabilitätsmuster
in hochvernetzten Systemen

Beispiele (modern):
• Finanzkrisen
• Pandemiewellen
• Gewaltspiralen
• kollektive Angstnarrative

Nicht weil „Sterne böse sind“,
sondern weil Resonanzkaskaden entstehen.



3. Warum das Mantra nicht „bekämpft“

Weder das Sutra
noch Systemtheorie sagen:

„Man muss die Störung eliminieren.“

Sondern:
• Das Mantra entzieht Kopplung
• das System verliert Verstärkung

In Systemtheorie:

Wenn positive Rückkopplung unterbrochen wird,
kollabiert das Störmuster von selbst.

Im Sutra:

„Wo dieses Mantra ist,
können die Unheilssterne nicht wirken.“

Nicht durch Macht,
sondern durch fehlende Anschlussfähigkeit.



4. Wind, Regen, Ernte = emergente Ordnung

Der Text sagt ausdrücklich:
• Wind und Regen zur rechten Zeit
• Ernte reich, nicht maximal
• Menschen in Frieden, nicht perfekt

Das ist keine Utopie,
sondern funktionale Balance.

Systemtheoretisch:

Ein System ist gesund,
wenn seine Zyklen phasengerecht sind.

Nicht:
• immer Wachstum
• immer Ruhe
• immer Sicherheit

Sondern:
• Anpassungsfähigkeit ohne Bruch

Das ist Resilienz, nicht Kontrolle.



5. Schlaf, Freiheit, keine Fesseln = innere Systemstabilität

Die Marker im Text:
• kein plötzlicher Tod
• keine Ketten
• ruhiger Schlaf
• keine Albträume

Das sind Indikatoren, keine Versprechen.

Modern gesprochen:
• Nervensystem nicht im Dauerstress
• keine chronische Alarmbereitschaft
• keine Zwangsdynamik

Systemisch:

Das Subsystem „Mensch“
ist mit dem Gesamtsystem kohärent gekoppelt.



6. Der Schutzkreis von zwölf Yojanas = Kohärenzfeld

Der Kreis ist kein magischer Radius.

Er markiert:

einen Bereich,
in dem Beziehungen nicht fragmentieren

Systemtheorie:

Kohärente Felder
haben geringere Störanfälligkeit
als isolierte Einzelknoten.

Śūraṅgama:

Wo 一心无二 nicht verletzt wird,
gibt es kein Innen/Außen,
also keinen Eintrittspunkt für Störung.



7. Der entscheidende Punkt: 一心无二 als Systemprinzip

In Zweiheit:
• Akteur vs. Welt
• Schutz vs. Gefahr
• Kontrolle vs. Chaos

In 一心无二:
• Beziehung statt Gegenüber
• Prozess statt Objekt
• Stimmigkeit statt Sieg

Das ist exakt das,
was moderne Systemtheorie mühsam formuliert
und was das Śūraṅgama direkt lebt.



8. Warum das Mantra systemisch wirkt

Das Mantra:
• setzt keine Information
• gibt keine Anweisung
• fordert keine Handlung

Es verändert:

den Beziehungsmodus des Geistes

Systemisch:

Der Knoten sendet kein Störsignal mehr.
Die Schleife bricht.

Darum:
• kollektive Angst flacht ab
• Eskalationen verlieren Energie
• Ordnung entsteht emergent



9. Eine präzise Brückenformel (Ban-Dao-tauglich)

Kosmische Ordnung im Śūraṅgama
ist keine äußere Harmonie,
sondern die Stabilität eines Feldes,
in dem Trennung keine Rückkopplung mehr findet.

Oder noch knapper:

Wo 一心无二 wirkt,
verlieren Störungen ihre Verstärkung –
im Geist, in der Gemeinschaft,
und in der Welt.



10. Abschließender Blick auf Rolle 7

Rolle 7 zeigt Schritt für Schritt:
• Schutz ohne Abwehr
• Ordnung ohne Kontrolle
• Ethik ohne Schuld
• Wunsch ohne Begehren
• Praxis ohne Zwang

Systemtheorie würde sagen:

Das System hat seine kritische Schwelle verlassen.

Das Śūraṅgama sagt:

Der eine Geist ist nicht mehr geteilt.

Beides beschreibt denselben Übergang –
nur in unterschiedlicher Sprache.
277 #
「是故如來宣示此呪,於未來世,保護初學諸修行者入三摩[13]提。身心泰然,得大安隱。更無一切諸魔鬼神,及無始來冤橫宿殃,舊業陳債,來相惱害。汝及眾中諸有學人,及未來世諸修行者,依我壇場如法持戒,所受戒主逢清淨僧,[14]持此呪心不生疑悔。是善男子,於此父母所生之身,不得心通;十方如來便為妄語。」
Ānanda,
aus diesem Grund verkündet der Tathāgata dieses Mantra,
um in zukünftigen Zeitaltern
die anfänglich Übenden zu schützen
und ihnen den Eintritt in Samādhi zu ermöglichen.
Körper und Geist werden gelöst und stabil
und erlangen große Sicherheit.

Dann gibt es
weder Māras noch Geister oder Dämonen,
noch die seit anfangsloser Zeit bestehenden
feindlichen karmischen Verstrickungen,
alte Schuldverbindungen
oder offene karmische Forderungen,
die erscheinen könnten,
um zu stören oder zu schaden.

Du
und die Lernenden in dieser Versammlung,
ebenso die Übenden zukünftiger Zeiten,
die sich an meinen Übungsplatz halten,
die Disziplin gemäß der Lehre bewahren
und ihre Gelübde
bei einem reinen Sangha empfangen,
sollen dieses Mantra-Herz halten
ohne Zweifel und ohne Bedauern.

Sollte ein solcher guter Mensch
in diesem von den Eltern empfangenen Körper
keine geistige Durchdringung erlangen,
so würden die Tathāgatas der zehn Richtungen
falsche Worte gesprochen haben.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt bildet einen Schlusspunkt von außerordentlicher Schärfe:
Der Buddha bindet hier die Wahrheit seiner eigenen Rede an die Wirksamkeit des Mantras.

1. Schutz für Anfänger – nicht für Eliten

Der Text sagt ausdrücklich:

„Anfänger unter den Übenden“

Das Mantra ist kein Zusatz für Fortgeschrittene,
sondern ein tragendes Feld,
damit Übung überhaupt stabil beginnen kann.

Schutz bedeutet hier:
• nicht spektakuläre Phänomene,
• sondern das Ausbleiben von Störung,
damit Sammlung möglich wird.

2. Alte Schuldverbindungen verlieren Wirksamkeit

„Alte Schulden“ und „feindliche Verwicklungen“
werden nicht gelöscht wie Daten,
sondern verlieren ihren Zugriff.

Das entspricht exakt dem,
was zuvor entfaltet wurde:
Wo 一心无二 wirksam ist,
findet Vergangenheit keinen Andockpunkt.

3. Zweifel und Reue als eigentliche Hindernisse

Bemerkenswert ist,
dass der Text keine neue Technik fordert,
sondern:

„halte dieses Mantra-Herz
ohne Zweifel und ohne Reue“

Zweifel = geistige Spaltung
Reue (im Sinne von Selbstverurteilung) = Rückzug

Beides zerteilt das Feld.

4. Die extreme Schlussformel

Der letzte Satz ist bewusst provokant:

„Sonst wären die Buddhas Lügner.“

Das ist keine Drohung,
sondern eine logische Setzung:

Wenn alle Bedingungen erfüllt sind
und dennoch keine Durchdringung geschieht,
dann wäre die Lehre selbst widersprüchlich.

Der Text erklärt damit:
• Die Wirksamkeit ist gesetzmäßig, nicht willkürlich.
• Nicht als Mechanik,
sondern als Notwendigkeit nicht-dualer Stimmigkeit.

5. „Geistige Durchdringung“ im gegenwärtigen Körper

Wichtig:
Es heißt nicht Buddhaschaft,
nicht Vollendung,
sondern Durchdringung (心通).

Das ist:
• das erste unumkehrbare Öffnen,
• das Ende der bloßen Theorie,
• die Bestätigung im eigenen Erleben.

6. Rückbindung an 一心无二

Der Text endet hier nicht mit Trost,
sondern mit Verlässlichkeit:

Nicht-Dualität ist kein Ideal,
sondern wirksam oder nicht.

Darum diese Klarheit:
Wo nichts mehr getrennt wird,
kann Durchdringung nicht ausbleiben.

Die Schlussformel erklärt

„… andernfalls wären die Buddhas der Lüge schuldig“

若…不得心通;十方如來便為妄語



1. Was der Satz nicht ist

Er ist keine:
• Drohung
• Autoritätskeule
• Glaubensforderung
• „Vertrau mir einfach“-Aussage

Und er ist auch kein:
• psychologischer Druck („Du bist selbst schuld“)
• Leistungsversprechen („Dann klappt es garantiert“)

Der Satz funktioniert nicht moralisch,
sondern logisch-strukturell.



2. Die Struktur des Arguments (formal)

Der Buddha sagt sinngemäß:

Wenn
– die Bedingungen vollständig sind
– die Praxis gemäß der Lehre erfolgt
– kein Zweifel und kein Rückzug wirken

und dennoch
keine Durchdringung geschieht,

dann
wäre die Lehre selbst widersprüchlich.

Das ist ein konditionales Argument, kein Gelöbnis.



3. Warum der Buddha sich selbst „bindet“

Das ist entscheidend.

Der Buddha sagt nicht:

„Ihr müsst mir glauben“

Er sagt:

Meine Aussage ist überprüfbar.

Er bindet die Wahrheit seiner Rede nicht an:
• seine Person
• seine Autorität
• seine Stellung

sondern an:

die Stimmigkeit der nicht-dualen Bedingungen

Das ist extrem ungewöhnlich – und philosophisch radikal.



4. Nicht-Dualität als Notwendigkeit, nicht als Ideal

In Zweiheit kann alles schiefgehen:
• Motivation
• Methode
• Ergebnis

In 一心无二 gilt etwas anderes:

Wo Trennung aufgehoben ist,
kann Wirkung nicht ausbleiben.

Nicht weil jemand eingreift,
sondern weil kein Widerstand mehr vorhanden ist.

Die Schlussformel sagt also:

Nicht-Dualität wirkt notwendig,
nicht optional.



5. Warum das kein Leistungsversprechen ist

Der Text sagt nicht:
• du wirst erleuchtet
• du erreichst ein Ziel

Er sagt:

心通 – Durchdringung, Öffnung, Resonanz

Das ist:
• kein Endzustand
• kein Titel
• kein Besitz

sondern:

der Punkt,
an dem der Geist nicht mehr außerhalb steht



6. Die eigentliche Pointe: Umkehr der Verantwortung

Normalerweise heißt es:

Wenn es nicht klappt, hast du etwas falsch gemacht.

Hier heißt es:

Wenn alles stimmt und nichts geschieht,
dann wäre die Lehre falsch.

Das ist eine radikale Umkehr:
• Die Lehre steht unter Prüfung
• nicht der Übende

Das ist kein Dogma,
sondern Anti-Dogma.



7. Vergleich mit moderner Wissenschaft (ohne Vermischung)

In moderner Sprache wäre das etwa:

Wenn unter kontrollierten Bedingungen
ein Effekt niemals eintritt,
dann ist das Modell falsch.

Der Buddha sagt:

Hier sind die Bedingungen.
Prüfe es selbst.



8. Warum „Zweifel und Reue“ explizit ausgeschlossen werden

Zweifel und Reue sind keine moralischen Fehler,
sondern strukturelle Spaltungen:
• Zweifel: Ich stehe außerhalb und prüfe
• Reue: Ich ziehe mich selbst zurück

Beides verhindert Nicht-Dualität.

Darum sagt der Text:

ohne Zweifel
ohne Rückzug

Nicht als Tugend,
sondern als Funktionsbedingung.



9. Die tiefste Lesart (Essenz)

Die Schlussformel bedeutet:

Nicht-Dualität ist keine Behauptung,
sondern ein Funktionszusammenhang.

Wenn sie vollständig gelebt wird,
tritt Durchdringung ein –
nicht als Belohnung,
sondern als notwendige Folge.

Oder noch knapper:

Wo nichts mehr getrennt wird,
kann Durchdringung nicht ausbleiben.

Wäre es anders,
wäre die Lehre leerer Trost.
中文原文
「是故如來宣示此呪,於未來世,保護初學諸修行者入三摩[13]提。身心泰然,得大安隱。更無一切諸魔鬼神,及無始來冤橫宿殃,舊業陳債,來相惱害。汝及眾中諸有學人,及未來世諸修行者,依我壇場如法持戒,所受戒主逢清淨僧,[14]持此呪心不生疑悔。是善男子,於此父母所生之身,不得心通;十方如來便為妄語。」
Deutsch
Ānanda,
aus diesem Grund verkündet der Tathāgata dieses Mantra,
um in zukünftigen Zeitaltern
die anfänglich Übenden zu schützen
und ihnen den Eintritt in Samādhi zu ermöglichen.
Körper und Geist werden gelöst und stabil
und erlangen große Sicherheit.

Dann gibt es
weder Māras noch Geister oder Dämonen,
noch die seit anfangsloser Zeit bestehenden
feindlichen karmischen Verstrickungen,
alte Schuldverbindungen
oder offene karmische Forderungen,
die erscheinen könnten,
um zu stören oder zu schaden.

Du
und die Lernenden in dieser Versammlung,
ebenso die Übenden zukünftiger Zeiten,
die sich an meinen Übungsplatz halten,
die Disziplin gemäß der Lehre bewahren
und ihre Gelübde
bei einem reinen Sangha empfangen,
sollen dieses Mantra-Herz halten
ohne Zweifel und ohne Bedauern.

Sollte ein solcher guter Mensch
in diesem von den Eltern empfangenen Körper
keine geistige Durchdringung erlangen,
so würden die Tathāgatas der zehn Richtungen
falsche Worte gesprochen haben.
Kommentar
Dieser Abschnitt bildet einen Schlusspunkt von außerordentlicher Schärfe:
Der Buddha bindet hier die Wahrheit seiner eigenen Rede an die Wirksamkeit des Mantras.

1. Schutz für Anfänger – nicht für Eliten

Der Text sagt ausdrücklich:

„Anfänger unter den Übenden“

Das Mantra ist kein Zusatz für Fortgeschrittene,
sondern ein tragendes Feld,
damit Übung überhaupt stabil beginnen kann.

Schutz bedeutet hier:
• nicht spektakuläre Phänomene,
• sondern das Ausbleiben von Störung,
damit Sammlung möglich wird.

2. Alte Schuldverbindungen verlieren Wirksamkeit

„Alte Schulden“ und „feindliche Verwicklungen“
werden nicht gelöscht wie Daten,
sondern verlieren ihren Zugriff.

Das entspricht exakt dem,
was zuvor entfaltet wurde:
Wo 一心无二 wirksam ist,
findet Vergangenheit keinen Andockpunkt.

3. Zweifel und Reue als eigentliche Hindernisse

Bemerkenswert ist,
dass der Text keine neue Technik fordert,
sondern:

„halte dieses Mantra-Herz
ohne Zweifel und ohne Reue“

Zweifel = geistige Spaltung
Reue (im Sinne von Selbstverurteilung) = Rückzug

Beides zerteilt das Feld.

4. Die extreme Schlussformel

Der letzte Satz ist bewusst provokant:

„Sonst wären die Buddhas Lügner.“

Das ist keine Drohung,
sondern eine logische Setzung:

Wenn alle Bedingungen erfüllt sind
und dennoch keine Durchdringung geschieht,
dann wäre die Lehre selbst widersprüchlich.

Der Text erklärt damit:
• Die Wirksamkeit ist gesetzmäßig, nicht willkürlich.
• Nicht als Mechanik,
sondern als Notwendigkeit nicht-dualer Stimmigkeit.

5. „Geistige Durchdringung“ im gegenwärtigen Körper

Wichtig:
Es heißt nicht Buddhaschaft,
nicht Vollendung,
sondern Durchdringung (心通).

Das ist:
• das erste unumkehrbare Öffnen,
• das Ende der bloßen Theorie,
• die Bestätigung im eigenen Erleben.

6. Rückbindung an 一心无二

Der Text endet hier nicht mit Trost,
sondern mit Verlässlichkeit:

Nicht-Dualität ist kein Ideal,
sondern wirksam oder nicht.

Darum diese Klarheit:
Wo nichts mehr getrennt wird,
kann Durchdringung nicht ausbleiben.

Die Schlussformel erklärt

„… andernfalls wären die Buddhas der Lüge schuldig“

若…不得心通;十方如來便為妄語



1. Was der Satz nicht ist

Er ist keine:
• Drohung
• Autoritätskeule
• Glaubensforderung
• „Vertrau mir einfach“-Aussage

Und er ist auch kein:
• psychologischer Druck („Du bist selbst schuld“)
• Leistungsversprechen („Dann klappt es garantiert“)

Der Satz funktioniert nicht moralisch,
sondern logisch-strukturell.



2. Die Struktur des Arguments (formal)

Der Buddha sagt sinngemäß:

Wenn
– die Bedingungen vollständig sind
– die Praxis gemäß der Lehre erfolgt
– kein Zweifel und kein Rückzug wirken

und dennoch
keine Durchdringung geschieht,

dann
wäre die Lehre selbst widersprüchlich.

Das ist ein konditionales Argument, kein Gelöbnis.



3. Warum der Buddha sich selbst „bindet“

Das ist entscheidend.

Der Buddha sagt nicht:

„Ihr müsst mir glauben“

Er sagt:

Meine Aussage ist überprüfbar.

Er bindet die Wahrheit seiner Rede nicht an:
• seine Person
• seine Autorität
• seine Stellung

sondern an:

die Stimmigkeit der nicht-dualen Bedingungen

Das ist extrem ungewöhnlich – und philosophisch radikal.



4. Nicht-Dualität als Notwendigkeit, nicht als Ideal

In Zweiheit kann alles schiefgehen:
• Motivation
• Methode
• Ergebnis

In 一心无二 gilt etwas anderes:

Wo Trennung aufgehoben ist,
kann Wirkung nicht ausbleiben.

Nicht weil jemand eingreift,
sondern weil kein Widerstand mehr vorhanden ist.

Die Schlussformel sagt also:

Nicht-Dualität wirkt notwendig,
nicht optional.



5. Warum das kein Leistungsversprechen ist

Der Text sagt nicht:
• du wirst erleuchtet
• du erreichst ein Ziel

Er sagt:

心通 – Durchdringung, Öffnung, Resonanz

Das ist:
• kein Endzustand
• kein Titel
• kein Besitz

sondern:

der Punkt,
an dem der Geist nicht mehr außerhalb steht



6. Die eigentliche Pointe: Umkehr der Verantwortung

Normalerweise heißt es:

Wenn es nicht klappt, hast du etwas falsch gemacht.

Hier heißt es:

Wenn alles stimmt und nichts geschieht,
dann wäre die Lehre falsch.

Das ist eine radikale Umkehr:
• Die Lehre steht unter Prüfung
• nicht der Übende

Das ist kein Dogma,
sondern Anti-Dogma.



7. Vergleich mit moderner Wissenschaft (ohne Vermischung)

In moderner Sprache wäre das etwa:

Wenn unter kontrollierten Bedingungen
ein Effekt niemals eintritt,
dann ist das Modell falsch.

Der Buddha sagt:

Hier sind die Bedingungen.
Prüfe es selbst.



8. Warum „Zweifel und Reue“ explizit ausgeschlossen werden

Zweifel und Reue sind keine moralischen Fehler,
sondern strukturelle Spaltungen:
• Zweifel: Ich stehe außerhalb und prüfe
• Reue: Ich ziehe mich selbst zurück

Beides verhindert Nicht-Dualität.

Darum sagt der Text:

ohne Zweifel
ohne Rückzug

Nicht als Tugend,
sondern als Funktionsbedingung.



9. Die tiefste Lesart (Essenz)

Die Schlussformel bedeutet:

Nicht-Dualität ist keine Behauptung,
sondern ein Funktionszusammenhang.

Wenn sie vollständig gelebt wird,
tritt Durchdringung ein –
nicht als Belohnung,
sondern als notwendige Folge.

Oder noch knapper:

Wo nichts mehr getrennt wird,
kann Durchdringung nicht ausbleiben.

Wäre es anders,
wäre die Lehre leerer Trost.
278 #
說是語已,會中無量百千金剛,一時佛前合掌頂禮,而白佛言:「如佛所說,我當誠心保護如是修菩提者。」
爾時梵王并天帝釋、四天大王,亦於佛前同時頂禮,而白佛言:「審有如是修學善人,我當盡心至誠保護,令其一生所作如願。」
復有無量藥叉大將、諸羅剎王、富單那王、鳩槃茶王、毘舍遮王、頻那夜迦諸大鬼王,及諸鬼帥,亦於佛前合掌頂禮:「我亦誓願護持是人,令菩提心速得圓滿。」
復有無量日月天子、風師、雨師、雲師、雷師,并電伯等,年歲巡官、諸星眷屬,亦於會中頂禮佛足,而白佛言:「我亦保護是修行人,安立道場得無所畏。」
復有無量山神、海神、一切土地水、陸、空行萬物精祇,并風神王、無色界天,於如來前,同時稽首而白佛言:「我亦保護是修行人得成菩[1]提,永無魔事。」
Nachdem der Buddha diese Worte gesprochen hatte,
verneigten sich in der Versammlung
unzählige hunderttausend Vajra-Wesen
zugleich vor dem Buddha,
falteten die Hände
und erklärten:

„So wie der Buddha es dargelegt hat,
werden wir solche Übenden,
die den Bodhi-Weg praktizieren,
aufrichtig beschützen.“

Daraufhin verneigten sich
Brahmā,
Indra
und die Vier Großen Himmelskönige
ebenfalls gemeinsam vor dem Buddha
und sprachen:

„Wenn es wirklich solche guten Menschen gibt,
die auf diese Weise üben,
werden wir sie mit ganzer Hingabe schützen,
sodass alles,
was sie in diesem Leben tun,
in Übereinstimmung mit ihrem Wunsch gelingt.“

Weiterhin traten
unzählige Yakṣa-Oberbefehlshaber,
Rākṣasa-Könige,
Pūtana-, Kumbhāṇḍa- und Piśāca-Könige,
die großen Vināyaka-Dämonenkönige
sowie viele Geisteranführer hervor.
Auch sie verneigten sich vor dem Buddha
und gelobten:

„Auch wir schwören,
diese Übenden zu schützen,
damit ihr Bodhi-Geist
rasch zur Reife gelangt.“

Daraufhin traten
unzählige Sonnen- und Mondgottheiten,
Wind-, Regen-, Wolken-, Donner- und Blitzgottheiten,
die Hüter der Jahreszeiten
sowie die Gefolgschaften der Sterne hervor.
Sie verneigten sich vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Auch wir werden
diese Übenden beschützen,
ihnen einen sicheren Übungsplatz errichten
und ihnen Furchtlosigkeit verleihen.“

Schließlich traten
unzählige Berg- und Meeresgötter,
alle Wesen der Erde, des Wassers, der Luft und des Raumes,
alle Naturgeister der zehntausend Dinge,
der König der Windgötter
sowie die Götter der formlosen Sphären hervor.
Sie alle verneigten sich gemeinsam vor dem Tathāgata
und sprachen:

„Auch wir werden
diese Übenden beschützen,
damit sie Bodhi vollenden
und niemals von dämonischen Störungen betroffen sind.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist kein mythologischer Abschluss, sondern eine systemische Konsequenz der zuvor etablierten Logik.

1. Schutz als Resonanz, nicht als Eingriff

Alle genannten Wesen
treten nicht auf Befehl hervor,
sondern antworten.

Das ist entscheidend:
Schutz ist keine Intervention von außen,
sondern Resonanz des Feldes,
wenn Nicht-Dualität stabil ist.

2. Die Vielheit der Schützer – kein Polytheismus

Die Aufzählung
(Himmelswesen, Dämonen, Naturkräfte, Gestirne)
zeigt nicht Konkurrenz von Mächten,
sondern Vollständigkeit der Ebenen.

Alles, was zuvor als potenziell störend erschien,
ordnet sich nun in denselben Zusammenhang ein.

3. Dämonen als integrierte Kräfte

Besonders wichtig ist:
Gerade die zuvor genannten problematischen Wesen
(Rākṣasas, Vināyakas usw.)
werden nicht verbannt,
sondern umgewandelt zu Hütern.

Das ist Mahayana pur:
Integration statt Ausschluss.

4. Der Übende als Knotenpunkt

Der Übende wird hier nicht erhöht,
sondern durchlässig.

Weil kein Gegenüber mehr behauptet wird,
können alle Ebenen
ohne Reibung zusammenwirken.

5. Bodhi als kollektives Ereignis

Bodhi ist hier kein privates Erwachen,
sondern ein Geschehen,
bei dem die Welt mitkommt.

Nicht weil sie bekehrt wird,
sondern weil Trennung aufgehoben ist.

6. Rückbindung an 一心无二

Dieser Abschnitt ist die dramatische Entfaltung dessen,
was 一心无二 bedeutet:

Wenn es keinen zweiten Ort mehr gibt,
von dem aus gestört werden könnte,
werden alle Kräfte
zu Unterstützern.

Darum endet dieser Teil nicht mit Sieg,
sondern mit Zusammenklang.

Kollektiver Schutz ↔ ethische Verantwortung ↔ soziale Praxis

im Licht von 一心无二 (Śūraṅgama, Rolle 7)



1. Der entscheidende Drehpunkt: Schutz ist keine Einbahnstraße

Der Text sagt nicht:

„Die Welt schützt den Übenden.“

Er zeigt:

Wo der Übende nicht trennt,
richtet sich die Welt mit aus.

Das ist keine Belohnung,
sondern Systemkohärenz.

Kollektiver Schutz entsteht dort,
wo individuelle Praxis keine Gegenpole erzeugt.



2. Warum ethische Verantwortung hier keine Vorschrift ist

Im gesamten Abschnitt fehlt:
• ein Gebot
• eine moralische Forderung
• ein sozialer Appell

Und dennoch entsteht Ordnung.

Warum?

Weil Ethik hier nicht normativ,
sondern emergent ist.

Wo der Geist nicht trennt,
entstehen Handlungen,
die nicht spalten.

Das ist Ethik vor Moral.



3. Die Rolle der „Schützer“ neu gelesen

Alle Wesen, die Schutz geloben,
repräsentieren Beziehungsebenen, nicht Instanzen:
• Himmelswesen → Sinn, Orientierung, Werte
• Naturkräfte → ökologische Bedingungen
• Dämonen → verdrängte, chaotische Potenziale
• Sterne → kollektive Muster und Zyklen

Dass sie gemeinsam schützen, heißt:

Keine Ebene wird ausgeklammert.
Nichts wird unterdrückt.
Alles wird integriert.

So entsteht soziale Stabilität.



4. Der Übende als sozialer Resonanzpunkt

Der Übende ist hier kein „Guter Mensch“,
sondern ein Entkoppler.

Durch Nicht-Dualität:
• verstärkt er keine Angst
• schürt er keine Feindbilder
• stabilisiert er keine Lager

Das hat konkrete soziale Wirkung:
• Konflikte eskalieren weniger
• Kommunikation bleibt möglich
• Übergänge werden tragfähig

Das ist gelebte soziale Praxis.



5. Verantwortung ohne Schuldlogik

Wichtig:
Der Text begründet Verantwortung nicht mit Schuld.

Er sagt nicht:

„Du musst die Welt retten“

sondern:

Wenn du nicht trennst,
richtet sich Welt mit.

Das ist Verantwortung ohne Überforderung.

Handeln entsteht:
• nicht aus Pflicht
• nicht aus Angst
• sondern aus Stimmigkeit



6. Kollektive Rituale als soziale Technologie

Das gemeinsame:
• Verehren
• Aufstellen
• Tragen
• Bewahren des Mantras

ist keine Magie,
sondern eine soziale Kohärenzpraxis.

Modern gesagt:
• geteilte Ausrichtung
• gemeinsamer Bedeutungsrahmen
• Reduktion von Feindprojektion

So entstehen:
• weniger Gewalt
• weniger Panik
• mehr Vertrauen



7. Eine klare Brückenformel

Kollektiver Schutz im Śūraṅgama
ist keine göttliche Intervention,
sondern die soziale Folge
eines Geistes, der nicht trennt.

Oder kürzer:

Wo einer nicht trennt,
müssen viele nicht kämpfen.



8. Konkrete soziale Praxis heute (ohne Pathos)

Übertragen heißt das:
• nicht jedes Unrecht sofort polarisieren
• nicht jede Angst verstärken
• nicht jede Identität verteidigen

sondern:
• zuhören, ohne sofort zuzuordnen
• handeln, ohne Feindbild
• Grenzen setzen, ohne Entwertung

Das ist ethische Wirksamkeit aus 一心无二.



9. Rückbindung an Rolle 7 (abschließend)

Rolle 7 führt Schritt für Schritt:
• individuelle Entkopplung
• Auflösung von Schuld und Angst
• Schutz ohne Abwehr
• Ordnung ohne Kontrolle
• kollektive Stimmigkeit

Das ist keine Utopie.
Es ist eine Praxisanweisung,
die klein beginnt –
und systemisch wirkt.
中文原文
說是語已,會中無量百千金剛,一時佛前合掌頂禮,而白佛言:「如佛所說,我當誠心保護如是修菩提者。」
爾時梵王并天帝釋、四天大王,亦於佛前同時頂禮,而白佛言:「審有如是修學善人,我當盡心至誠保護,令其一生所作如願。」
復有無量藥叉大將、諸羅剎王、富單那王、鳩槃茶王、毘舍遮王、頻那夜迦諸大鬼王,及諸鬼帥,亦於佛前合掌頂禮:「我亦誓願護持是人,令菩提心速得圓滿。」
復有無量日月天子、風師、雨師、雲師、雷師,并電伯等,年歲巡官、諸星眷屬,亦於會中頂禮佛足,而白佛言:「我亦保護是修行人,安立道場得無所畏。」
復有無量山神、海神、一切土地水、陸、空行萬物精祇,并風神王、無色界天,於如來前,同時稽首而白佛言:「我亦保護是修行人得成菩[1]提,永無魔事。」
Deutsch
Nachdem der Buddha diese Worte gesprochen hatte,
verneigten sich in der Versammlung
unzählige hunderttausend Vajra-Wesen
zugleich vor dem Buddha,
falteten die Hände
und erklärten:

„So wie der Buddha es dargelegt hat,
werden wir solche Übenden,
die den Bodhi-Weg praktizieren,
aufrichtig beschützen.“

Daraufhin verneigten sich
Brahmā,
Indra
und die Vier Großen Himmelskönige
ebenfalls gemeinsam vor dem Buddha
und sprachen:

„Wenn es wirklich solche guten Menschen gibt,
die auf diese Weise üben,
werden wir sie mit ganzer Hingabe schützen,
sodass alles,
was sie in diesem Leben tun,
in Übereinstimmung mit ihrem Wunsch gelingt.“

Weiterhin traten
unzählige Yakṣa-Oberbefehlshaber,
Rākṣasa-Könige,
Pūtana-, Kumbhāṇḍa- und Piśāca-Könige,
die großen Vināyaka-Dämonenkönige
sowie viele Geisteranführer hervor.
Auch sie verneigten sich vor dem Buddha
und gelobten:

„Auch wir schwören,
diese Übenden zu schützen,
damit ihr Bodhi-Geist
rasch zur Reife gelangt.“

Daraufhin traten
unzählige Sonnen- und Mondgottheiten,
Wind-, Regen-, Wolken-, Donner- und Blitzgottheiten,
die Hüter der Jahreszeiten
sowie die Gefolgschaften der Sterne hervor.
Sie verneigten sich vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Auch wir werden
diese Übenden beschützen,
ihnen einen sicheren Übungsplatz errichten
und ihnen Furchtlosigkeit verleihen.“

Schließlich traten
unzählige Berg- und Meeresgötter,
alle Wesen der Erde, des Wassers, der Luft und des Raumes,
alle Naturgeister der zehntausend Dinge,
der König der Windgötter
sowie die Götter der formlosen Sphären hervor.
Sie alle verneigten sich gemeinsam vor dem Tathāgata
und sprachen:

„Auch wir werden
diese Übenden beschützen,
damit sie Bodhi vollenden
und niemals von dämonischen Störungen betroffen sind.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist kein mythologischer Abschluss, sondern eine systemische Konsequenz der zuvor etablierten Logik.

1. Schutz als Resonanz, nicht als Eingriff

Alle genannten Wesen
treten nicht auf Befehl hervor,
sondern antworten.

Das ist entscheidend:
Schutz ist keine Intervention von außen,
sondern Resonanz des Feldes,
wenn Nicht-Dualität stabil ist.

2. Die Vielheit der Schützer – kein Polytheismus

Die Aufzählung
(Himmelswesen, Dämonen, Naturkräfte, Gestirne)
zeigt nicht Konkurrenz von Mächten,
sondern Vollständigkeit der Ebenen.

Alles, was zuvor als potenziell störend erschien,
ordnet sich nun in denselben Zusammenhang ein.

3. Dämonen als integrierte Kräfte

Besonders wichtig ist:
Gerade die zuvor genannten problematischen Wesen
(Rākṣasas, Vināyakas usw.)
werden nicht verbannt,
sondern umgewandelt zu Hütern.

Das ist Mahayana pur:
Integration statt Ausschluss.

4. Der Übende als Knotenpunkt

Der Übende wird hier nicht erhöht,
sondern durchlässig.

Weil kein Gegenüber mehr behauptet wird,
können alle Ebenen
ohne Reibung zusammenwirken.

5. Bodhi als kollektives Ereignis

Bodhi ist hier kein privates Erwachen,
sondern ein Geschehen,
bei dem die Welt mitkommt.

Nicht weil sie bekehrt wird,
sondern weil Trennung aufgehoben ist.

6. Rückbindung an 一心无二

Dieser Abschnitt ist die dramatische Entfaltung dessen,
was 一心无二 bedeutet:

Wenn es keinen zweiten Ort mehr gibt,
von dem aus gestört werden könnte,
werden alle Kräfte
zu Unterstützern.

Darum endet dieser Teil nicht mit Sieg,
sondern mit Zusammenklang.

Kollektiver Schutz ↔ ethische Verantwortung ↔ soziale Praxis

im Licht von 一心无二 (Śūraṅgama, Rolle 7)



1. Der entscheidende Drehpunkt: Schutz ist keine Einbahnstraße

Der Text sagt nicht:

„Die Welt schützt den Übenden.“

Er zeigt:

Wo der Übende nicht trennt,
richtet sich die Welt mit aus.

Das ist keine Belohnung,
sondern Systemkohärenz.

Kollektiver Schutz entsteht dort,
wo individuelle Praxis keine Gegenpole erzeugt.



2. Warum ethische Verantwortung hier keine Vorschrift ist

Im gesamten Abschnitt fehlt:
• ein Gebot
• eine moralische Forderung
• ein sozialer Appell

Und dennoch entsteht Ordnung.

Warum?

Weil Ethik hier nicht normativ,
sondern emergent ist.

Wo der Geist nicht trennt,
entstehen Handlungen,
die nicht spalten.

Das ist Ethik vor Moral.



3. Die Rolle der „Schützer“ neu gelesen

Alle Wesen, die Schutz geloben,
repräsentieren Beziehungsebenen, nicht Instanzen:
• Himmelswesen → Sinn, Orientierung, Werte
• Naturkräfte → ökologische Bedingungen
• Dämonen → verdrängte, chaotische Potenziale
• Sterne → kollektive Muster und Zyklen

Dass sie gemeinsam schützen, heißt:

Keine Ebene wird ausgeklammert.
Nichts wird unterdrückt.
Alles wird integriert.

So entsteht soziale Stabilität.



4. Der Übende als sozialer Resonanzpunkt

Der Übende ist hier kein „Guter Mensch“,
sondern ein Entkoppler.

Durch Nicht-Dualität:
• verstärkt er keine Angst
• schürt er keine Feindbilder
• stabilisiert er keine Lager

Das hat konkrete soziale Wirkung:
• Konflikte eskalieren weniger
• Kommunikation bleibt möglich
• Übergänge werden tragfähig

Das ist gelebte soziale Praxis.



5. Verantwortung ohne Schuldlogik

Wichtig:
Der Text begründet Verantwortung nicht mit Schuld.

Er sagt nicht:

„Du musst die Welt retten“

sondern:

Wenn du nicht trennst,
richtet sich Welt mit.

Das ist Verantwortung ohne Überforderung.

Handeln entsteht:
• nicht aus Pflicht
• nicht aus Angst
• sondern aus Stimmigkeit



6. Kollektive Rituale als soziale Technologie

Das gemeinsame:
• Verehren
• Aufstellen
• Tragen
• Bewahren des Mantras

ist keine Magie,
sondern eine soziale Kohärenzpraxis.

Modern gesagt:
• geteilte Ausrichtung
• gemeinsamer Bedeutungsrahmen
• Reduktion von Feindprojektion

So entstehen:
• weniger Gewalt
• weniger Panik
• mehr Vertrauen



7. Eine klare Brückenformel

Kollektiver Schutz im Śūraṅgama
ist keine göttliche Intervention,
sondern die soziale Folge
eines Geistes, der nicht trennt.

Oder kürzer:

Wo einer nicht trennt,
müssen viele nicht kämpfen.



8. Konkrete soziale Praxis heute (ohne Pathos)

Übertragen heißt das:
• nicht jedes Unrecht sofort polarisieren
• nicht jede Angst verstärken
• nicht jede Identität verteidigen

sondern:
• zuhören, ohne sofort zuzuordnen
• handeln, ohne Feindbild
• Grenzen setzen, ohne Entwertung

Das ist ethische Wirksamkeit aus 一心无二.



9. Rückbindung an Rolle 7 (abschließend)

Rolle 7 führt Schritt für Schritt:
• individuelle Entkopplung
• Auflösung von Schuld und Angst
• Schutz ohne Abwehr
• Ordnung ohne Kontrolle
• kollektive Stimmigkeit

Das ist keine Utopie.
Es ist eine Praxisanweisung,
die klein beginnt –
und systemisch wirkt.
279 #
爾時八萬四千那由他恒河沙俱胝金剛藏王菩薩,在大會中即從座起,頂禮佛足而白佛言:「世尊!如我等輩所修功業,久成菩提不取涅槃,常隨此呪,救護末世修三摩提正修行者。世尊!如是修心求正定人,若在道場及餘經行,乃至散心遊戲聚落,我等徒眾常當隨從侍衛此人。縱令魔王大自在天,求其方便終不可得。諸小鬼神,去此善人十由旬外,除彼發心樂修禪者。世尊!如是惡魔、若魔眷屬,欲來侵擾是善人者,我以寶杵殞碎其首,猶如微塵。[2]恒令此人,所作如願。」
Zu dieser Zeit erhoben sich
die vierundachtzigtausend Nayuta
unzähligen Geschlechter
der Vajra-Schatzkönigs-Bodhisattvas
in der großen Versammlung,
verneigten sich vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Weltverehrter!
Wir haben durch unsere langjährige Kultivierung
Bodhi bereits vollendet
und das Nirvāṇa nicht ergriffen.
Ständig folgen wir diesem Mantra,
um die Übenden der letzten Zeiten zu schützen,
die Samādhi kultivieren
und den rechten Weg gehen.

Weltverehrter!
Menschen, die ihren Geist kultivieren
und rechte Sammlung anstreben,
werden von uns und unseren Gefolgschaften
zu jeder Zeit begleitet –
sei es im Übungsplatz,
beim Gehen und Wandeln,
oder sogar bei zerstreuter Tätigkeit
und im alltäglichen Aufenthalt unter Menschen.

Selbst der Māra-König Mahēśvara
vermag keine Möglichkeit zu finden,
diese Menschen zu stören.
Niedere Geister und Gottheiten
halten sich in einem Umkreis von zehn Yojanas fern,
mit Ausnahme jener,
die selbst den Entschluss gefasst haben,
Meditation zu üben.

Weltverehrter!
Sollten böse Māras oder ihre Gefolgschaften
versuchen,
diese Menschen anzugreifen,
so werden wir mit dem Vajra-Stab
ihre zerstörerische Kraft zerschlagen,
sodass sie wie Staub zerfällt.
Wir werden fortwährend bewirken,
dass alles,
was diese Menschen unternehmen,
in Übereinstimmung mit ihrer aufrichtigen Ausrichtung gelingt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die klarste Aussage über Schutz im Śūraṅgama – und zugleich eine der am meisten missverstandenen.

1. „Bodhi verwirklicht, Nirvāṇa nicht ergriffen“

Das ist der klassische Bodhisattva-Standpunkt:
Nicht Rückzug in Vollendung,
sondern Verbleiben im Feld.

Schutz geschieht nicht aus Mitleid von oben,
sondern aus Mit-Sein im selben Grund.

2. Schutz auch im zerstreuten Alltag

Entscheidend ist die Aussage:

selbst bei zerstreutem Geist
im alltäglichen Leben

Das widerlegt jede Vorstellung,
Schutz wirke nur im Rückzug
oder in formaler Sammlung.

Nicht der Zustand schützt,
sondern die nicht-duale Ausrichtung.

3. „Zehn Yojanas Abstand“ – Feld, nicht Distanz

Der Abstand ist kein Raummaß,
sondern eine Aussage über Resonanz:

Wo keine Identifikation ist,
können störende Muster
nicht andocken.

4. Das „Zerschmettern der Köpfe“

Diese drastische Bildsprache
ist keine Gewaltandrohung.

Der Vajra-Stab steht für
unzerstörbare Klarheit.

„Zerschmettern“ heißt:
• Auflösung der Störstruktur
• nicht Vernichtung eines Wesens

Störung zerfällt,
weil sie keinen Halt mehr findet.

5. Alles geschieht „wie gewünscht“

Das ist kein Erfolgsversprechen,
sondern eine Wiederholung dessen,
was wir zuvor geklärt haben:

Handeln geschieht
ohne Gegenkraft,
weil kein Gegenspieler behauptet wird.

6. Rückbindung an 一心无二

Die Vajra-Bodhisattvas
sind keine äußeren Wächter,
sondern Ausdrucksformen des einen Geistes,
der nicht mehr gespalten ist.

Darum:
Wo der Geist nicht geteilt ist,
kann nichts mehr „angreifen“.

Vajra-Schutz im Alltag

Arbeit · Familie · Konflikt · Zerstreuung

(Śūraṅgama Rolle 7, praktisch gelesen)



1. Der Schlüsselvers für den Alltag

„…乃至散心遊戲聚落“
selbst bei zerstreutem Geist, im Umhergehen und im alltäglichen Treiben

Der Text sagt explizit:
Schutz wirkt nicht nur in Sammlung.

Das ist entscheidend.

Wenn Schutz nur im Meditationsraum gälte,
wäre er irrelevant für das Leben.



2. Was „Schutz“ im Alltag nicht bedeutet

Nicht:
• keine Konflikte
• keine Fehler
• keine Verletzungen
• keine schwierigen Menschen
• keine Überforderung

Der Text verspricht keine Reibungslosigkeit.

Er beschreibt etwas Anderes:

Reibung ohne Verstrickung.



3. Alltag als Ort der Nicht-Ankopplung

a) Arbeit & Verantwortung

Im Arbeitsalltag entstehen:
• Druck
• Bewertung
• Konkurrenz
• Angst, nicht zu genügen

Vajra-Schutz heißt hier:
• Kritik wird gehört, aber nicht verkörpert
• Verantwortung wird getragen, aber nicht personalisiert
• Fehler werden korrigiert, aber nicht identitätsbildend

Das ist kein Rückzug,
sondern Handlungsfähigkeit ohne Selbstverteidigung.



b) Familie & Nähe

Gerade dort, wo Nähe ist,
ist Verstrickung am stärksten.

Vajra-Schutz heißt hier nicht:
• distanziert sein
• weniger fühlen

Sondern:
• Gefühle dürfen auftauchen
• ohne sofortige Schuldzuweisung
• ohne Rollenverhärtung („immer du / immer ich“)

Nicht-Dualität zeigt sich hier als:
Zuneigung ohne Identifikation,
Verantwortung ohne Festhalten.

Nähe bleibt Nähe,
Unterschied bleibt Unterschied –
doch ohne trennende Grenze,
an der ein Selbst sich festmacht.



c) Konflikt & Angriff

Der Text spricht drastisch von:

„Māras finden keine Möglichkeit“

Im Alltag heißt das:
• Provokation findet keinen Hebel
• Angriff läuft ins Leere
• Eskalation verliert Energie

Nicht weil man „stark“ ist,
sondern weil nichts verteidigt werden muss.

Das ist der eigentliche „Vajra“.



d) Zerstreuung & Müdigkeit

Ein radikaler Punkt des Textes:

Schutz gilt auch bei Zerstreuung

Das ist befreiend.

Nicht-Dualität heißt nicht Dauerpräsenz,
sondern:

Kein Rückfall in Selbstabwertung,
wenn Achtsamkeit nicht perfekt ist.

Der Alltag darf müde sein,
ohne spirituellen Kredit zu verlieren.



4. „Zehn Yojanas Abstand“ – alltagsnah übersetzt

Nicht:

ein unsichtbarer Schutzkreis

Sondern:

Ein Puffer zwischen Reiz und Reaktion.

Im Alltag bedeutet das:
• ein Moment Luft
• ein Nicht-Sofort-Antworten
• ein Nicht-Mitgehen in Dynamiken

Das ist messbar:
• weniger impulsive Worte
• weniger Nachgrübeln
• schnellere Rückkehr in Klarheit



5. Das „Zerschmettern der Köpfe“ – psychologisch nüchtern

Das Bild meint keine Aggression.

Im Alltag heißt es:
• destruktive Gedankenschleifen brechen ab
• Feindbilder verlieren Überzeugungskraft
• innere Stimmen („ich bin schuld / ich muss gewinnen“) verlieren Autorität

Störung zerfällt,
weil sie nicht mehr geglaubt wird.



6. Warum das Mantra hier entscheidend ist

Alltag lässt keine Zeit für ständige Reflexion.

Das Mantra wirkt:
• unterhalb der Argumente
• vor der Selbstkritik
• vor der Rechtfertigung

Es hält den Grund verfügbar,
auch wenn der Kopf voll ist.

Darum sagt der Text:

Schutz wirkt auch ohne Samadhi.



7. Ethik im Alltag – ohne Moralstress

Aus dieser Schutzlogik entsteht Ethik von selbst:
• weniger verletzende Worte
• weniger Eskalation
• mehr Verlässlichkeit
• mehr Verantwortung ohne Härte

Nicht weil man „besser sein will“,
sondern weil Trennung nicht mehr trägt.



8. Eine alltagstaugliche Formel

Vajra-Schutz im Alltag
bedeutet nicht,
dass nichts geschieht –
sondern dass Geschehen
nicht mehr zum Gegner wird.

Oder noch knapper:

Wo nichts verteidigt wird,
verliert Angriff seine Richtung.



9. Rückbindung an Rolle 7 (abschließend)

Rolle 7 sagt in der Summe:
• Schutz im Körper
• Schutz im Geist
• Schutz in Beziehungen
• Schutz im Kollektiv
• Schutz im Alltag

Nicht als Ausnahme,
sondern als neuer Normalmodus.

Das ist keine Flucht aus der Welt,
sondern eine andere Art, in ihr zu stehen.
中文原文
爾時八萬四千那由他恒河沙俱胝金剛藏王菩薩,在大會中即從座起,頂禮佛足而白佛言:「世尊!如我等輩所修功業,久成菩提不取涅槃,常隨此呪,救護末世修三摩提正修行者。世尊!如是修心求正定人,若在道場及餘經行,乃至散心遊戲聚落,我等徒眾常當隨從侍衛此人。縱令魔王大自在天,求其方便終不可得。諸小鬼神,去此善人十由旬外,除彼發心樂修禪者。世尊!如是惡魔、若魔眷屬,欲來侵擾是善人者,我以寶杵殞碎其首,猶如微塵。[2]恒令此人,所作如願。」
Deutsch
Zu dieser Zeit erhoben sich
die vierundachtzigtausend Nayuta
unzähligen Geschlechter
der Vajra-Schatzkönigs-Bodhisattvas
in der großen Versammlung,
verneigten sich vor den Füßen des Buddha
und sprachen:

„Weltverehrter!
Wir haben durch unsere langjährige Kultivierung
Bodhi bereits vollendet
und das Nirvāṇa nicht ergriffen.
Ständig folgen wir diesem Mantra,
um die Übenden der letzten Zeiten zu schützen,
die Samādhi kultivieren
und den rechten Weg gehen.

Weltverehrter!
Menschen, die ihren Geist kultivieren
und rechte Sammlung anstreben,
werden von uns und unseren Gefolgschaften
zu jeder Zeit begleitet –
sei es im Übungsplatz,
beim Gehen und Wandeln,
oder sogar bei zerstreuter Tätigkeit
und im alltäglichen Aufenthalt unter Menschen.

Selbst der Māra-König Mahēśvara
vermag keine Möglichkeit zu finden,
diese Menschen zu stören.
Niedere Geister und Gottheiten
halten sich in einem Umkreis von zehn Yojanas fern,
mit Ausnahme jener,
die selbst den Entschluss gefasst haben,
Meditation zu üben.

Weltverehrter!
Sollten böse Māras oder ihre Gefolgschaften
versuchen,
diese Menschen anzugreifen,
so werden wir mit dem Vajra-Stab
ihre zerstörerische Kraft zerschlagen,
sodass sie wie Staub zerfällt.
Wir werden fortwährend bewirken,
dass alles,
was diese Menschen unternehmen,
in Übereinstimmung mit ihrer aufrichtigen Ausrichtung gelingt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die klarste Aussage über Schutz im Śūraṅgama – und zugleich eine der am meisten missverstandenen.

1. „Bodhi verwirklicht, Nirvāṇa nicht ergriffen“

Das ist der klassische Bodhisattva-Standpunkt:
Nicht Rückzug in Vollendung,
sondern Verbleiben im Feld.

Schutz geschieht nicht aus Mitleid von oben,
sondern aus Mit-Sein im selben Grund.

2. Schutz auch im zerstreuten Alltag

Entscheidend ist die Aussage:

selbst bei zerstreutem Geist
im alltäglichen Leben

Das widerlegt jede Vorstellung,
Schutz wirke nur im Rückzug
oder in formaler Sammlung.

Nicht der Zustand schützt,
sondern die nicht-duale Ausrichtung.

3. „Zehn Yojanas Abstand“ – Feld, nicht Distanz

Der Abstand ist kein Raummaß,
sondern eine Aussage über Resonanz:

Wo keine Identifikation ist,
können störende Muster
nicht andocken.

4. Das „Zerschmettern der Köpfe“

Diese drastische Bildsprache
ist keine Gewaltandrohung.

Der Vajra-Stab steht für
unzerstörbare Klarheit.

„Zerschmettern“ heißt:
• Auflösung der Störstruktur
• nicht Vernichtung eines Wesens

Störung zerfällt,
weil sie keinen Halt mehr findet.

5. Alles geschieht „wie gewünscht“

Das ist kein Erfolgsversprechen,
sondern eine Wiederholung dessen,
was wir zuvor geklärt haben:

Handeln geschieht
ohne Gegenkraft,
weil kein Gegenspieler behauptet wird.

6. Rückbindung an 一心无二

Die Vajra-Bodhisattvas
sind keine äußeren Wächter,
sondern Ausdrucksformen des einen Geistes,
der nicht mehr gespalten ist.

Darum:
Wo der Geist nicht geteilt ist,
kann nichts mehr „angreifen“.

Vajra-Schutz im Alltag

Arbeit · Familie · Konflikt · Zerstreuung

(Śūraṅgama Rolle 7, praktisch gelesen)



1. Der Schlüsselvers für den Alltag

„…乃至散心遊戲聚落“
selbst bei zerstreutem Geist, im Umhergehen und im alltäglichen Treiben

Der Text sagt explizit:
Schutz wirkt nicht nur in Sammlung.

Das ist entscheidend.

Wenn Schutz nur im Meditationsraum gälte,
wäre er irrelevant für das Leben.



2. Was „Schutz“ im Alltag nicht bedeutet

Nicht:
• keine Konflikte
• keine Fehler
• keine Verletzungen
• keine schwierigen Menschen
• keine Überforderung

Der Text verspricht keine Reibungslosigkeit.

Er beschreibt etwas Anderes:

Reibung ohne Verstrickung.



3. Alltag als Ort der Nicht-Ankopplung

a) Arbeit & Verantwortung

Im Arbeitsalltag entstehen:
• Druck
• Bewertung
• Konkurrenz
• Angst, nicht zu genügen

Vajra-Schutz heißt hier:
• Kritik wird gehört, aber nicht verkörpert
• Verantwortung wird getragen, aber nicht personalisiert
• Fehler werden korrigiert, aber nicht identitätsbildend

Das ist kein Rückzug,
sondern Handlungsfähigkeit ohne Selbstverteidigung.



b) Familie & Nähe

Gerade dort, wo Nähe ist,
ist Verstrickung am stärksten.

Vajra-Schutz heißt hier nicht:
• distanziert sein
• weniger fühlen

Sondern:
• Gefühle dürfen auftauchen
• ohne sofortige Schuldzuweisung
• ohne Rollenverhärtung („immer du / immer ich“)

Nicht-Dualität zeigt sich hier als:
Zuneigung ohne Identifikation,
Verantwortung ohne Festhalten.

Nähe bleibt Nähe,
Unterschied bleibt Unterschied –
doch ohne trennende Grenze,
an der ein Selbst sich festmacht.



c) Konflikt & Angriff

Der Text spricht drastisch von:

„Māras finden keine Möglichkeit“

Im Alltag heißt das:
• Provokation findet keinen Hebel
• Angriff läuft ins Leere
• Eskalation verliert Energie

Nicht weil man „stark“ ist,
sondern weil nichts verteidigt werden muss.

Das ist der eigentliche „Vajra“.



d) Zerstreuung & Müdigkeit

Ein radikaler Punkt des Textes:

Schutz gilt auch bei Zerstreuung

Das ist befreiend.

Nicht-Dualität heißt nicht Dauerpräsenz,
sondern:

Kein Rückfall in Selbstabwertung,
wenn Achtsamkeit nicht perfekt ist.

Der Alltag darf müde sein,
ohne spirituellen Kredit zu verlieren.



4. „Zehn Yojanas Abstand“ – alltagsnah übersetzt

Nicht:

ein unsichtbarer Schutzkreis

Sondern:

Ein Puffer zwischen Reiz und Reaktion.

Im Alltag bedeutet das:
• ein Moment Luft
• ein Nicht-Sofort-Antworten
• ein Nicht-Mitgehen in Dynamiken

Das ist messbar:
• weniger impulsive Worte
• weniger Nachgrübeln
• schnellere Rückkehr in Klarheit



5. Das „Zerschmettern der Köpfe“ – psychologisch nüchtern

Das Bild meint keine Aggression.

Im Alltag heißt es:
• destruktive Gedankenschleifen brechen ab
• Feindbilder verlieren Überzeugungskraft
• innere Stimmen („ich bin schuld / ich muss gewinnen“) verlieren Autorität

Störung zerfällt,
weil sie nicht mehr geglaubt wird.



6. Warum das Mantra hier entscheidend ist

Alltag lässt keine Zeit für ständige Reflexion.

Das Mantra wirkt:
• unterhalb der Argumente
• vor der Selbstkritik
• vor der Rechtfertigung

Es hält den Grund verfügbar,
auch wenn der Kopf voll ist.

Darum sagt der Text:

Schutz wirkt auch ohne Samadhi.



7. Ethik im Alltag – ohne Moralstress

Aus dieser Schutzlogik entsteht Ethik von selbst:
• weniger verletzende Worte
• weniger Eskalation
• mehr Verlässlichkeit
• mehr Verantwortung ohne Härte

Nicht weil man „besser sein will“,
sondern weil Trennung nicht mehr trägt.



8. Eine alltagstaugliche Formel

Vajra-Schutz im Alltag
bedeutet nicht,
dass nichts geschieht –
sondern dass Geschehen
nicht mehr zum Gegner wird.

Oder noch knapper:

Wo nichts verteidigt wird,
verliert Angriff seine Richtung.



9. Rückbindung an Rolle 7 (abschließend)

Rolle 7 sagt in der Summe:
• Schutz im Körper
• Schutz im Geist
• Schutz in Beziehungen
• Schutz im Kollektiv
• Schutz im Alltag

Nicht als Ausnahme,
sondern als neuer Normalmodus.

Das ist keine Flucht aus der Welt,
sondern eine andere Art, in ihr zu stehen.
280 #
阿難即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我輩愚鈍,好為多聞,於諸漏心,未求出離;蒙佛慈誨,得正熏修,身心快然,獲大饒益。世尊!如是修證佛三摩[*]提,未到涅槃,云何名為乾慧之地?四十四心至何漸次、得修行目?詣何方所,名入地中?云何名為等覺菩薩?」作是語已,五體投地,大眾一心,佇佛慈音,瞪矒瞻仰。
爾時,世尊讚阿難言:「善哉!善哉!汝等乃能普為大眾,及諸末世一切眾生修三摩提求大乘者,從於凡夫,終大涅槃,懸示無上正修行路。汝今諦聽!當為汝說。」阿難、大眾,合掌、刳心,默然受教。
Ānanda erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich vor den Füßen des Buddha
und sagte:

„Weltverehrter!
Wir sind von geringer Schärfe
und neigen dazu, viel Wissen anzusammeln;
hinsichtlich der vom Befleckten bestimmten Geistesregungen
haben wir noch nicht
die Befreiung angestrebt.

Dank der gütigen Unterweisung des Buddha
haben wir nun
die rechte Durchdringung empfangen;
Körper und Geist sind erleichtert,
und wir haben großen Gewinn erfahren.

Weltverehrter!
Wenn man auf diese Weise
die Buddha-Samādhi übt und verwirklicht,
aber das Nirvāṇa noch nicht erreicht hat –
weshalb nennt man dies
die ‚Stufe der trockenen Weisheit‘?

Die vierundvierzig Geisteszustände –
in welcher schrittweisen Ordnung verlaufen sie,
und welche Wegmarken der Praxis
lassen sich dabei unterscheiden?

Zu welchem Bereich gelangt man,
den man ‚Eintritt in die Bodhi-Stufen‘ nennt?
Und wie ist ein Bodhisattva zu bezeichnen,
der den Zustand des Gleich-Erwachens erreicht hat?“

Nachdem er diese Worte gesprochen hatte,
warf er sich mit dem ganzen Körper zu Boden.
Die große Versammlung
sammelte den Geist in Einmütigkeit,
wartete auf die gütige Stimme des Buddha
und blickte gespannt und ehrfürchtig auf.

Da lobte der Weltverehrte Ānanda:

„Vortrefflich! Vortrefflich!
Ihr seid imstande,
für die große Versammlung
und für alle Wesen der kommenden Zeiten,
die Samādhi üben
und das Große Fahrzeug anstreben,
vom gewöhnlichen Menschen
bis hin zum großen Nirvāṇa
den höchsten und rechten Weg der Praxis
klar darzustellen.

Höre nun aufmerksam zu!
Ich werde es dir erklären.“

Ānanda und die große Versammlung
falteten die Hände,
öffneten den Geist
und empfingen schweigend die Belehrung.
Kommentar öffnen
Mit diesem Abschnitt öffnet sich der didaktische Hauptbogen der folgenden Rollen. Er markiert den Übergang von Schutz, Entkopplung und Wirksamkeit zu präziser Wegdarstellung.

1. Ānandas Wendepunkt: von Vielwissen zu Durchdringung

Ānanda benennt seine frühere Haltung klar:
• viel Hören
• wenig Befreiung
• Bindung an die „leckenden“ Geistesregungen

Das ist kein Schuldeingeständnis,
sondern die klassische Diagnose des Lernenden,
der Wissen mit Weg verwechselt hat.

Erst jetzt – nach der Mantra-Passage –
fragt er nicht mehr nach Schutz,
sondern nach Struktur.

2. „Trockene Weisheit“ – Erkenntnis ohne Durchfeuchtung

乾慧 bezeichnet Einsicht,
die noch nicht vollständig durch Praxis und Verkörperung durchdrungen ist.

Nicht falsch,
aber noch nicht tragfähig.

Damit knüpft Ānanda direkt an das an,
was Rolle 7 geleistet hat:
Schutz und Entkopplung → nun systematische Durchdringung.

3. Die vier Kernfragen

Ānandas Fragen strukturieren den gesamten kommenden Lehrteil:
1. Warum heißt es trockene Weisheit?
2. Wie verlaufen die 44 Geistesstufen?
3. Was heißt Eintritt in die Bodhi-Stufen?
4. Was bedeutet Gleich-Erwachen?

Das ist keine Neugier,
sondern der Wunsch nach Orientierung ohne Mystik.

4. Buddhas Zustimmung – Lehre als Verantwortung

Der Buddha lobt Ānanda nicht für Demut,
sondern für Stellvertretung:

„für die große Versammlung
und für alle Wesen der letzten Zeiten“

Die folgende Lehre ist also:
• nicht elitär
• nicht geheim
• nicht exklusiv

sondern eine offene Kartografie des Weges.

5. Übergang von Wirksamkeit zu Weg

Bis hierher:
• Schutz
• Integration
• Entkopplung
• Nicht-Dualität in Aktion

Ab hier:
• Stufen
• Abfolgen
• präzise Unterscheidungen

Nicht als Rückfall in Zweiheit,
sondern als Orientierung innerhalb der Nicht-Dualität.

6. Bedeutung für Ban Dao

Dieser Abschnitt legitimiert genau das,
was Ban Dao tut:
• nicht nur inspirieren
• nicht nur schützen
• sondern den Weg transparent machen

Ohne Heilsversprechen,
aber mit Klarheit.
中文原文
阿難即從座起,頂禮佛足而白佛言:「我輩愚鈍,好為多聞,於諸漏心,未求出離;蒙佛慈誨,得正熏修,身心快然,獲大饒益。世尊!如是修證佛三摩[*]提,未到涅槃,云何名為乾慧之地?四十四心至何漸次、得修行目?詣何方所,名入地中?云何名為等覺菩薩?」作是語已,五體投地,大眾一心,佇佛慈音,瞪矒瞻仰。
爾時,世尊讚阿難言:「善哉!善哉!汝等乃能普為大眾,及諸末世一切眾生修三摩提求大乘者,從於凡夫,終大涅槃,懸示無上正修行路。汝今諦聽!當為汝說。」阿難、大眾,合掌、刳心,默然受教。
Deutsch
Ānanda erhob sich von seinem Sitz,
verneigte sich vor den Füßen des Buddha
und sagte:

„Weltverehrter!
Wir sind von geringer Schärfe
und neigen dazu, viel Wissen anzusammeln;
hinsichtlich der vom Befleckten bestimmten Geistesregungen
haben wir noch nicht
die Befreiung angestrebt.

Dank der gütigen Unterweisung des Buddha
haben wir nun
die rechte Durchdringung empfangen;
Körper und Geist sind erleichtert,
und wir haben großen Gewinn erfahren.

Weltverehrter!
Wenn man auf diese Weise
die Buddha-Samādhi übt und verwirklicht,
aber das Nirvāṇa noch nicht erreicht hat –
weshalb nennt man dies
die ‚Stufe der trockenen Weisheit‘?

Die vierundvierzig Geisteszustände –
in welcher schrittweisen Ordnung verlaufen sie,
und welche Wegmarken der Praxis
lassen sich dabei unterscheiden?

Zu welchem Bereich gelangt man,
den man ‚Eintritt in die Bodhi-Stufen‘ nennt?
Und wie ist ein Bodhisattva zu bezeichnen,
der den Zustand des Gleich-Erwachens erreicht hat?“

Nachdem er diese Worte gesprochen hatte,
warf er sich mit dem ganzen Körper zu Boden.
Die große Versammlung
sammelte den Geist in Einmütigkeit,
wartete auf die gütige Stimme des Buddha
und blickte gespannt und ehrfürchtig auf.

Da lobte der Weltverehrte Ānanda:

„Vortrefflich! Vortrefflich!
Ihr seid imstande,
für die große Versammlung
und für alle Wesen der kommenden Zeiten,
die Samādhi üben
und das Große Fahrzeug anstreben,
vom gewöhnlichen Menschen
bis hin zum großen Nirvāṇa
den höchsten und rechten Weg der Praxis
klar darzustellen.

Höre nun aufmerksam zu!
Ich werde es dir erklären.“

Ānanda und die große Versammlung
falteten die Hände,
öffneten den Geist
und empfingen schweigend die Belehrung.
Kommentar
Mit diesem Abschnitt öffnet sich der didaktische Hauptbogen der folgenden Rollen. Er markiert den Übergang von Schutz, Entkopplung und Wirksamkeit zu präziser Wegdarstellung.

1. Ānandas Wendepunkt: von Vielwissen zu Durchdringung

Ānanda benennt seine frühere Haltung klar:
• viel Hören
• wenig Befreiung
• Bindung an die „leckenden“ Geistesregungen

Das ist kein Schuldeingeständnis,
sondern die klassische Diagnose des Lernenden,
der Wissen mit Weg verwechselt hat.

Erst jetzt – nach der Mantra-Passage –
fragt er nicht mehr nach Schutz,
sondern nach Struktur.

2. „Trockene Weisheit“ – Erkenntnis ohne Durchfeuchtung

乾慧 bezeichnet Einsicht,
die noch nicht vollständig durch Praxis und Verkörperung durchdrungen ist.

Nicht falsch,
aber noch nicht tragfähig.

Damit knüpft Ānanda direkt an das an,
was Rolle 7 geleistet hat:
Schutz und Entkopplung → nun systematische Durchdringung.

3. Die vier Kernfragen

Ānandas Fragen strukturieren den gesamten kommenden Lehrteil:
1. Warum heißt es trockene Weisheit?
2. Wie verlaufen die 44 Geistesstufen?
3. Was heißt Eintritt in die Bodhi-Stufen?
4. Was bedeutet Gleich-Erwachen?

Das ist keine Neugier,
sondern der Wunsch nach Orientierung ohne Mystik.

4. Buddhas Zustimmung – Lehre als Verantwortung

Der Buddha lobt Ānanda nicht für Demut,
sondern für Stellvertretung:

„für die große Versammlung
und für alle Wesen der letzten Zeiten“

Die folgende Lehre ist also:
• nicht elitär
• nicht geheim
• nicht exklusiv

sondern eine offene Kartografie des Weges.

5. Übergang von Wirksamkeit zu Weg

Bis hierher:
• Schutz
• Integration
• Entkopplung
• Nicht-Dualität in Aktion

Ab hier:
• Stufen
• Abfolgen
• präzise Unterscheidungen

Nicht als Rückfall in Zweiheit,
sondern als Orientierung innerhalb der Nicht-Dualität.

6. Bedeutung für Ban Dao

Dieser Abschnitt legitimiert genau das,
was Ban Dao tut:
• nicht nur inspirieren
• nicht nur schützen
• sondern den Weg transparent machen

Ohne Heilsversprechen,
aber mit Klarheit.
281 #
佛言:「阿難當知!妙性圓明離諸名相,本來無有世界、眾生。因妄有生,因生有滅,生滅名妄,滅妄名真;是稱如來無上菩提及大涅槃二轉依號。
「阿難!汝今欲修真三摩地,直詣如來大涅槃者,先當識此眾生、世界二顛倒因。顛倒不生,斯則如來真三摩地。
Der Buddha sagte:

„Ānanda, erkenne:
Die wunderbare Grundnatur
ist vollkommen und klar
und jenseits aller Benennungen und Erscheinungsformen.
Ursprünglich
existieren weder Welt
noch Lebewesen.

Aus Verblendung heraus
entsteht Hervorbringung;
aus Hervorbringung
entsteht Auflösung.
Hervorbringung und Auflösung
sind Verblendung;
das Erlöschen der Verblendung
ist das Wahre.

Dies bezeichnet man
als die beiden Wendungen der Grundlage
des Tathāgata:
das unübertreffliche Erwachen (Bodhi)
und das große Nirvāṇa.

Ānanda!
Wenn du nun
die wahre Samādhi üben
und direkt
das große Nirvāṇa des Tathāgata erreichen willst,
musst du zunächst
die zwei grundlegenden Ursachen der Verblendung erkennen:
die Annahme von Welt
und von Lebewesen.

Wo Verblendung nicht mehr entsteht,
dort ist
die wahre Samādhi des Tathāgata.“
Kommentar öffnen
Mit diesem Abschnitt beginnt der ontologische Kern der folgenden Wegdarlegung. Der Buddha setzt hier keine neue Lehre, sondern legt die Grundannahme frei, ohne die alle weiteren Stufen missverstanden würden.

1. „Ursprünglich gibt es weder Welt noch Wesen“

Dies ist keine Leugnung der Erscheinungswelt, sondern eine Aussage über Nicht-Ursprünglichkeit.

„Welt“ und „Wesen“ sind:
• keine Grundtatsachen,
• sondern Relationen, die aus Verblendung hervorgehen.

Das Śūraṅgama sagt nicht:

„Nichts existiert“

sondern:

Nichts ist von sich aus getrennt.

2. Hervorbringen und Vergehen als ein einziger Irrtum

Der Text bindet „Entstehen“ und „Vergehen“ zusammen:
Beides ist derselbe Irrtum.

Denn:
• Entstehen setzt einen Anfang,
• Vergehen setzt ein Ende,

und beide setzen damit
eine feste Wirklichkeit voraus.

Das nennt der Text „妄“ – Verkennung.

3. „Das Vergehen der Verblendung nennt man Wahrheit“

Das Wahre ist kein neuer Zustand,
sondern das Ende der falschen Zuschreibung.

Wahrheit ist hier:
• kein Gegenpol zur Verblendung,
• sondern ihr Aufhören.

Das ist 真空妙有 in komprimierter Form:
Leer von falscher Zuschreibung,
wirksam ohne Festlegung.

4. Die „zwei Wendungen der Grundlage“

„二轉依“ bezeichnet eine Umwendung des Grundbezugs:
• Bodhi:
Umwendung im Erkennen –
das Durchschauen der Verblendung.
• Nirvāṇa:
Umwendung im Sein –
das Erlöschen der Trennung als Lebensmodus.

Es sind keine zwei Ziele,
sondern zwei Benennungen derselben Umkehr.

5. Warum Welt und Wesen die „zwei Ursachen“ sind

Der Buddha nennt keine Emotionen,
keine Gedanken,
keine Handlungen.

Er nennt:
• Welt
• Wesen

Das heißt:
Verblendung beginnt dort,
wo ein Außen (Welt)
und ein Innen (Wesen)
gesetzt werden.

Das ist exakt der Punkt,
an dem 一心无二 zerteilt wird.

6. Wahre Samādhi als Nicht-Entstehen von Verblendung

Samādhi ist hier kein Zustand,
keine Konzentration,
kein Erleben.

Es ist:

Das Nicht-Entstehen von Verblendung.

Das ist radikal:
Nicht „Verblendung überwinden“,
sondern ihr Entstehen verhindern,
weil ihre Ursache erkannt ist.

7. Übergang zur Wegdarlegung

Mit diesem Abschnitt legt der Buddha die Koordinaten fest:

Alle folgenden Stufen,
alle „44 Herzen“,
alle „Bodhi-Stufen“
sind Orientierungen innerhalb dieses Rahmens.

Wer diesen Abschnitt verfehlt,
macht aus dem Weg
eine Abfolge von Zuständen.

Wer ihn versteht,
liest die Stufen
als fortschreitende Entwöhnung von Trennung.

1. Grundaxiom der folgenden Wegdarlegung

(Śūraṅgama, Rolle 7 – explizit gemacht)

**Die wunderbare Natur ist von Grund auf ungeteilt.
Welt und Wesen sind keine ursprünglichen Gegebenheiten,
sondern entstehen aus Verblendung.

Wahre Samādhi ist nicht ein erreichter Zustand,
sondern das Nicht-Entstehen dieser Verblendung.

Alle folgenden „Stufen“ beschreiben keine Fortschritte zu einem Ziel,
sondern unterschiedliche Weisen,
in denen Trennung erkannt, gelockert und schließlich nicht mehr gesetzt wird.**

Das ist das tragende Axiom.
Ohne dieses Axiom werden die nächsten Kapitel zwangsläufig falsch gelesen.



2. Warum das Śūraṅgama überhaupt „Stufen“ benutzt

(ohne in Stufen-Denken zu verfallen)

2.1 Das Problem, das der Text lösen muss

Menschen erleben:
• Zeit
• Entwicklung
• Übung
• Veränderung

Wenn ein Text gar keine Struktur anbietet,
wird Nicht-Dualität schnell zu:
• Abstraktion
• Beliebigkeit
• „Alles-ist-schon-da“-Kurzschluss

Das Śūraṅgama geht deshalb einen pädagogischen Mittelweg.



2.2 Was die „Stufen“ nicht sind

Sie sind nicht:
• ontologische Ebenen
• Rangstufen von Personen
• spirituelle Besitzstände
• Zustände, die man „hat“

Es gibt im Śūraṅgama kein höheres Selbst,
das von Stufe zu Stufe klettert.



2.3 Was die „Stufen“ tatsächlich sind

Die Stufen sind:

didaktische Schnitte durch denselben Prozess,
jeweils dort,
wo eine bestimmte Form von Trennung
nicht mehr trägt.

Man könnte auch sagen:
• Jede Stufe markiert einen Irrtum, der nicht mehr überzeugt
• nicht einen Zustand, der hinzugekommen ist



3. Das Verhältnis von Nicht-Dualität und Wegstruktur

3.1 Nicht-Dualität ≠ Stagnation

Nicht-Dualität bedeutet nicht:

„Es gibt keinen Weg“

Sondern:

Der Weg ist keine Bewegung von A nach B,
sondern eine Abnahme von Fehlannahmen.

Das Śūraṅgama strukturiert diese Abnahme.



3.2 Eine hilfreiche Formulierung (für Leser)

Du könntest das den Leser*innen so anbieten:

*Der Weg im Śūraṅgama ist kein Aufstieg,
sondern eine fortschreitende Entwöhnung
von der Annahme, getrennt zu sein.

Die sogenannten Stufen sind Markierungen dessen,
was nicht mehr geglaubt wird –
nicht dessen, was erreicht wurde.*

Das nimmt dem Stufen-Denken die Schärfe,
ohne Orientierung zu zerstören.



4. Kurzfassung

Hinweis:
Die folgenden Stufen sind keine Abfolge von Zuständen,
sondern Beschreibungen desselben Weges
aus verschiedenen Blickwinkeln.

Sie setzen Nicht-Dualität nicht außer Kraft,
sondern machen sichtbar,
wo Trennung noch angenommen
und wo sie nicht mehr geglaubt wird.



5. Warum das inhaltlich absolut notwendig ist

Ohne dieses Grundaxiom passiert fast zwangsläufig eines von zwei Dingen:
1. Re-Laddering
→ Leser machen aus dem Text eine spirituelle Karriereleiter
2. Kurzschluss-Nichtdualität
→ „Alles ist eins, also ist Übung egal“

Das Śūraṅgama will beides vermeiden.

Deine Sensibilität an dieser Stelle ist deshalb
nicht nur berechtigt,
sondern texttreu.
中文原文
佛言:「阿難當知!妙性圓明離諸名相,本來無有世界、眾生。因妄有生,因生有滅,生滅名妄,滅妄名真;是稱如來無上菩提及大涅槃二轉依號。
「阿難!汝今欲修真三摩地,直詣如來大涅槃者,先當識此眾生、世界二顛倒因。顛倒不生,斯則如來真三摩地。
Deutsch
Der Buddha sagte:

„Ānanda, erkenne:
Die wunderbare Grundnatur
ist vollkommen und klar
und jenseits aller Benennungen und Erscheinungsformen.
Ursprünglich
existieren weder Welt
noch Lebewesen.

Aus Verblendung heraus
entsteht Hervorbringung;
aus Hervorbringung
entsteht Auflösung.
Hervorbringung und Auflösung
sind Verblendung;
das Erlöschen der Verblendung
ist das Wahre.

Dies bezeichnet man
als die beiden Wendungen der Grundlage
des Tathāgata:
das unübertreffliche Erwachen (Bodhi)
und das große Nirvāṇa.

Ānanda!
Wenn du nun
die wahre Samādhi üben
und direkt
das große Nirvāṇa des Tathāgata erreichen willst,
musst du zunächst
die zwei grundlegenden Ursachen der Verblendung erkennen:
die Annahme von Welt
und von Lebewesen.

Wo Verblendung nicht mehr entsteht,
dort ist
die wahre Samādhi des Tathāgata.“
Kommentar
Mit diesem Abschnitt beginnt der ontologische Kern der folgenden Wegdarlegung. Der Buddha setzt hier keine neue Lehre, sondern legt die Grundannahme frei, ohne die alle weiteren Stufen missverstanden würden.

1. „Ursprünglich gibt es weder Welt noch Wesen“

Dies ist keine Leugnung der Erscheinungswelt, sondern eine Aussage über Nicht-Ursprünglichkeit.

„Welt“ und „Wesen“ sind:
• keine Grundtatsachen,
• sondern Relationen, die aus Verblendung hervorgehen.

Das Śūraṅgama sagt nicht:

„Nichts existiert“

sondern:

Nichts ist von sich aus getrennt.

2. Hervorbringen und Vergehen als ein einziger Irrtum

Der Text bindet „Entstehen“ und „Vergehen“ zusammen:
Beides ist derselbe Irrtum.

Denn:
• Entstehen setzt einen Anfang,
• Vergehen setzt ein Ende,

und beide setzen damit
eine feste Wirklichkeit voraus.

Das nennt der Text „妄“ – Verkennung.

3. „Das Vergehen der Verblendung nennt man Wahrheit“

Das Wahre ist kein neuer Zustand,
sondern das Ende der falschen Zuschreibung.

Wahrheit ist hier:
• kein Gegenpol zur Verblendung,
• sondern ihr Aufhören.

Das ist 真空妙有 in komprimierter Form:
Leer von falscher Zuschreibung,
wirksam ohne Festlegung.

4. Die „zwei Wendungen der Grundlage“

„二轉依“ bezeichnet eine Umwendung des Grundbezugs:
• Bodhi:
Umwendung im Erkennen –
das Durchschauen der Verblendung.
• Nirvāṇa:
Umwendung im Sein –
das Erlöschen der Trennung als Lebensmodus.

Es sind keine zwei Ziele,
sondern zwei Benennungen derselben Umkehr.

5. Warum Welt und Wesen die „zwei Ursachen“ sind

Der Buddha nennt keine Emotionen,
keine Gedanken,
keine Handlungen.

Er nennt:
• Welt
• Wesen

Das heißt:
Verblendung beginnt dort,
wo ein Außen (Welt)
und ein Innen (Wesen)
gesetzt werden.

Das ist exakt der Punkt,
an dem 一心无二 zerteilt wird.

6. Wahre Samādhi als Nicht-Entstehen von Verblendung

Samādhi ist hier kein Zustand,
keine Konzentration,
kein Erleben.

Es ist:

Das Nicht-Entstehen von Verblendung.

Das ist radikal:
Nicht „Verblendung überwinden“,
sondern ihr Entstehen verhindern,
weil ihre Ursache erkannt ist.

7. Übergang zur Wegdarlegung

Mit diesem Abschnitt legt der Buddha die Koordinaten fest:

Alle folgenden Stufen,
alle „44 Herzen“,
alle „Bodhi-Stufen“
sind Orientierungen innerhalb dieses Rahmens.

Wer diesen Abschnitt verfehlt,
macht aus dem Weg
eine Abfolge von Zuständen.

Wer ihn versteht,
liest die Stufen
als fortschreitende Entwöhnung von Trennung.

1. Grundaxiom der folgenden Wegdarlegung

(Śūraṅgama, Rolle 7 – explizit gemacht)

**Die wunderbare Natur ist von Grund auf ungeteilt.
Welt und Wesen sind keine ursprünglichen Gegebenheiten,
sondern entstehen aus Verblendung.

Wahre Samādhi ist nicht ein erreichter Zustand,
sondern das Nicht-Entstehen dieser Verblendung.

Alle folgenden „Stufen“ beschreiben keine Fortschritte zu einem Ziel,
sondern unterschiedliche Weisen,
in denen Trennung erkannt, gelockert und schließlich nicht mehr gesetzt wird.**

Das ist das tragende Axiom.
Ohne dieses Axiom werden die nächsten Kapitel zwangsläufig falsch gelesen.



2. Warum das Śūraṅgama überhaupt „Stufen“ benutzt

(ohne in Stufen-Denken zu verfallen)

2.1 Das Problem, das der Text lösen muss

Menschen erleben:
• Zeit
• Entwicklung
• Übung
• Veränderung

Wenn ein Text gar keine Struktur anbietet,
wird Nicht-Dualität schnell zu:
• Abstraktion
• Beliebigkeit
• „Alles-ist-schon-da“-Kurzschluss

Das Śūraṅgama geht deshalb einen pädagogischen Mittelweg.



2.2 Was die „Stufen“ nicht sind

Sie sind nicht:
• ontologische Ebenen
• Rangstufen von Personen
• spirituelle Besitzstände
• Zustände, die man „hat“

Es gibt im Śūraṅgama kein höheres Selbst,
das von Stufe zu Stufe klettert.



2.3 Was die „Stufen“ tatsächlich sind

Die Stufen sind:

didaktische Schnitte durch denselben Prozess,
jeweils dort,
wo eine bestimmte Form von Trennung
nicht mehr trägt.

Man könnte auch sagen:
• Jede Stufe markiert einen Irrtum, der nicht mehr überzeugt
• nicht einen Zustand, der hinzugekommen ist



3. Das Verhältnis von Nicht-Dualität und Wegstruktur

3.1 Nicht-Dualität ≠ Stagnation

Nicht-Dualität bedeutet nicht:

„Es gibt keinen Weg“

Sondern:

Der Weg ist keine Bewegung von A nach B,
sondern eine Abnahme von Fehlannahmen.

Das Śūraṅgama strukturiert diese Abnahme.



3.2 Eine hilfreiche Formulierung (für Leser)

Du könntest das den Leser*innen so anbieten:

*Der Weg im Śūraṅgama ist kein Aufstieg,
sondern eine fortschreitende Entwöhnung
von der Annahme, getrennt zu sein.

Die sogenannten Stufen sind Markierungen dessen,
was nicht mehr geglaubt wird –
nicht dessen, was erreicht wurde.*

Das nimmt dem Stufen-Denken die Schärfe,
ohne Orientierung zu zerstören.



4. Kurzfassung

Hinweis:
Die folgenden Stufen sind keine Abfolge von Zuständen,
sondern Beschreibungen desselben Weges
aus verschiedenen Blickwinkeln.

Sie setzen Nicht-Dualität nicht außer Kraft,
sondern machen sichtbar,
wo Trennung noch angenommen
und wo sie nicht mehr geglaubt wird.



5. Warum das inhaltlich absolut notwendig ist

Ohne dieses Grundaxiom passiert fast zwangsläufig eines von zwei Dingen:
1. Re-Laddering
→ Leser machen aus dem Text eine spirituelle Karriereleiter
2. Kurzschluss-Nichtdualität
→ „Alles ist eins, also ist Übung egal“

Das Śūraṅgama will beides vermeiden.

Deine Sensibilität an dieser Stelle ist deshalb
nicht nur berechtigt,
sondern texttreu.
282 #
「阿難!云何名為眾生顛倒?阿難!由性明心,性明圓故,因明發性,性妄見生,從畢竟無成究竟有。此有所有,非因所因;住所住相,了無根本。本此無住,建立世界及諸眾生。迷本圓明,是生虛妄,妄性無體,非有所依。將欲復真,欲真已非真真如性;非真求復,宛成非相。非生、非住,非心、非法,展轉發生,生力發明。熏[3]以成業,同業相感,因有感業,相滅、相生,由是故有眾生顛倒。
Der Buddha sagte:

„Ānanda,
was bedeutet es,
von der Verblendung der Wesen zu sprechen?

Ānanda!
Weil die ursprüngliche Geistigkeit
von Natur aus klar ist
und diese Klarheit vollständig und rund ist,
entsteht aus Klarheit
eine vermeintliche Natur.
Aus dieser vermeintlichen Natur
geht falsches Sehen hervor,
wodurch aus dem letztlich Nicht-Seienden
ein scheinbar Seiendes entsteht.

Dieses scheinbare Sein
ist kein durch Ursachen hervorgebrachtes Sein;
die Vorstellung des Verweilens
hat keinerlei fundamentale Grundlage.
Gerade aus diesem Nicht-Verweilen
werden Welt
und die Gesamtheit der Wesen aufgebaut.

Indem man die ursprüngliche runde Klarheit verkennt,
entsteht das Falsche.
Das Falsche besitzt keine eigene Wesenheit
und hat keine Stütze.

Versucht man, zur Wahrheit zurückzukehren,
ist bereits das Wollen
nicht mehr die wahre Soheit.
Versucht man, das Nicht-Wahre zu überwinden,
verfestigt man gerade das Nicht-Sein als Erscheinung.

Nicht Geburt,
nicht Verweilen,
nicht Geist,
nicht Dharma –
wechselseitig bedingt
bringen sie sich hervor;
so entfaltet sich
die Kraft des Entstehens.

Durch Gewöhnung
bildet sich Wirken (Karma);
gleichartiges Wirken ruft gleichartige Wirkung hervor.
Aus diesem Wirken
entstehen wechselseitiges Vergehen
und erneutes Entstehen.

Auf diese Weise
kommt die Verblendung der Wesen zustande.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die präziseste ontologische Diagnose von Verblendung im gesamten Śūraṅgama. Er erklärt nicht was falsch ist, sondern wie der Irrtum sich selbst erzeugt.

1. Der erste Kipppunkt: Klarheit wird „Natur“

Der Text sagt nicht:

„Aus Unwissenheit entsteht Welt“

sondern radikaler:

Aus Klarheit selbst entsteht der Irrtum.

Nicht weil Klarheit fehlerhaft wäre,
sondern weil sie sich selbst zum Gegenstand macht.

„因明發性“ heißt:
Klarheit bezieht sich auf sich selbst –
und erzeugt damit scheinbare Eigenständigkeit.

Das ist der erste Bruch von 一心无二.



2. Vom Nicht-Sein zum scheinbaren Sein

„從畢竟無成究竟有“
beschreibt keinen realen Übergang,
sondern eine Zuschreibung:
• Nicht-Sein bleibt Nicht-Sein
• wird aber als „etwas“ gesehen

Das ist keine Schöpfung,
sondern Verkennung.



3. Welt und Wesen aus Nicht-Verweilen

Der entscheidende Satz:

„本此無住,建立世界及諸眾生“

Welt und Wesen entstehen nicht,
weil etwas da ist,
sondern weil Nicht-Verweilen missverstanden wird.

Das ist subtil:
Statt Offenheit als Offenheit zu leben,
wird sie fixiert.



4. Warum der Wille zur Wahrheit das Problem verschärft

Ein zentraler, oft überlesener Punkt:

„將欲復真,欲真已非真真如性“

Sobald ein Ich sagt:

„Ich will zur Wahrheit zurück“

ist Trennung bereits gesetzt.

Das Śūraṅgama ist hier kompromisslos:
Der Wille zur Wahrheit ist noch nicht Wahrheit.



5. Der circulus vitiosus von Geburt und Vergehen

„非生、非住、非心、非法“
heißt:
Keiner der Begriffe trägt eigenständig –
und doch erzeugen sie sich gegenseitig.

Das ist kein metaphysischer Kosmos,
sondern eine dynamische Schleife:
• Gewöhnung → Wirken
• Wirken → Resonanz
• Resonanz → erneute Zuschreibung

So entsteht „Wesen“
ohne je eines gewesen zu sein.



6. Verblendung als Prozess, nicht als Zustand

Der Abschnitt endet nicht mit Schuld,
sondern mit Struktur:

Verblendung ist ein selbstverstärkender Prozess
ohne Substanz.

Darum kann sie enden,
ohne dass etwas zerstört werden muss.



7. Rückbindung an das Grundaxiom

Dieser Text bestätigt exakt das zuvor formulierte Axiom:
• Es gibt keine ursprüngliche Trennung
• Welt und Wesen sind keine Grundtatsachen
• Wahre Samādhi ist
das Nicht-Entstehen dieser Schleife

Die kommenden „Stufen“
werden nichts anderes tun,
als diese Schleife an immer feineren Punkten
nicht mehr zu bedienen.
中文原文
「阿難!云何名為眾生顛倒?阿難!由性明心,性明圓故,因明發性,性妄見生,從畢竟無成究竟有。此有所有,非因所因;住所住相,了無根本。本此無住,建立世界及諸眾生。迷本圓明,是生虛妄,妄性無體,非有所依。將欲復真,欲真已非真真如性;非真求復,宛成非相。非生、非住,非心、非法,展轉發生,生力發明。熏[3]以成業,同業相感,因有感業,相滅、相生,由是故有眾生顛倒。
Deutsch
Der Buddha sagte:

„Ānanda,
was bedeutet es,
von der Verblendung der Wesen zu sprechen?

Ānanda!
Weil die ursprüngliche Geistigkeit
von Natur aus klar ist
und diese Klarheit vollständig und rund ist,
entsteht aus Klarheit
eine vermeintliche Natur.
Aus dieser vermeintlichen Natur
geht falsches Sehen hervor,
wodurch aus dem letztlich Nicht-Seienden
ein scheinbar Seiendes entsteht.

Dieses scheinbare Sein
ist kein durch Ursachen hervorgebrachtes Sein;
die Vorstellung des Verweilens
hat keinerlei fundamentale Grundlage.
Gerade aus diesem Nicht-Verweilen
werden Welt
und die Gesamtheit der Wesen aufgebaut.

Indem man die ursprüngliche runde Klarheit verkennt,
entsteht das Falsche.
Das Falsche besitzt keine eigene Wesenheit
und hat keine Stütze.

Versucht man, zur Wahrheit zurückzukehren,
ist bereits das Wollen
nicht mehr die wahre Soheit.
Versucht man, das Nicht-Wahre zu überwinden,
verfestigt man gerade das Nicht-Sein als Erscheinung.

Nicht Geburt,
nicht Verweilen,
nicht Geist,
nicht Dharma –
wechselseitig bedingt
bringen sie sich hervor;
so entfaltet sich
die Kraft des Entstehens.

Durch Gewöhnung
bildet sich Wirken (Karma);
gleichartiges Wirken ruft gleichartige Wirkung hervor.
Aus diesem Wirken
entstehen wechselseitiges Vergehen
und erneutes Entstehen.

Auf diese Weise
kommt die Verblendung der Wesen zustande.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die präziseste ontologische Diagnose von Verblendung im gesamten Śūraṅgama. Er erklärt nicht was falsch ist, sondern wie der Irrtum sich selbst erzeugt.

1. Der erste Kipppunkt: Klarheit wird „Natur“

Der Text sagt nicht:

„Aus Unwissenheit entsteht Welt“

sondern radikaler:

Aus Klarheit selbst entsteht der Irrtum.

Nicht weil Klarheit fehlerhaft wäre,
sondern weil sie sich selbst zum Gegenstand macht.

„因明發性“ heißt:
Klarheit bezieht sich auf sich selbst –
und erzeugt damit scheinbare Eigenständigkeit.

Das ist der erste Bruch von 一心无二.



2. Vom Nicht-Sein zum scheinbaren Sein

„從畢竟無成究竟有“
beschreibt keinen realen Übergang,
sondern eine Zuschreibung:
• Nicht-Sein bleibt Nicht-Sein
• wird aber als „etwas“ gesehen

Das ist keine Schöpfung,
sondern Verkennung.



3. Welt und Wesen aus Nicht-Verweilen

Der entscheidende Satz:

„本此無住,建立世界及諸眾生“

Welt und Wesen entstehen nicht,
weil etwas da ist,
sondern weil Nicht-Verweilen missverstanden wird.

Das ist subtil:
Statt Offenheit als Offenheit zu leben,
wird sie fixiert.



4. Warum der Wille zur Wahrheit das Problem verschärft

Ein zentraler, oft überlesener Punkt:

„將欲復真,欲真已非真真如性“

Sobald ein Ich sagt:

„Ich will zur Wahrheit zurück“

ist Trennung bereits gesetzt.

Das Śūraṅgama ist hier kompromisslos:
Der Wille zur Wahrheit ist noch nicht Wahrheit.



5. Der circulus vitiosus von Geburt und Vergehen

„非生、非住、非心、非法“
heißt:
Keiner der Begriffe trägt eigenständig –
und doch erzeugen sie sich gegenseitig.

Das ist kein metaphysischer Kosmos,
sondern eine dynamische Schleife:
• Gewöhnung → Wirken
• Wirken → Resonanz
• Resonanz → erneute Zuschreibung

So entsteht „Wesen“
ohne je eines gewesen zu sein.



6. Verblendung als Prozess, nicht als Zustand

Der Abschnitt endet nicht mit Schuld,
sondern mit Struktur:

Verblendung ist ein selbstverstärkender Prozess
ohne Substanz.

Darum kann sie enden,
ohne dass etwas zerstört werden muss.



7. Rückbindung an das Grundaxiom

Dieser Text bestätigt exakt das zuvor formulierte Axiom:
• Es gibt keine ursprüngliche Trennung
• Welt und Wesen sind keine Grundtatsachen
• Wahre Samādhi ist
das Nicht-Entstehen dieser Schleife

Die kommenden „Stufen“
werden nichts anderes tun,
als diese Schleife an immer feineren Punkten
nicht mehr zu bedienen.
283 #
「阿難!云何名為世界顛倒?是有所有,分段妄生,因此界立。非因所因,無住所住,遷流不住,因此世成。三世、四方和合相涉,變化眾生成十二類。是故世界,因動有聲,因聲有色,因色有香,因香有觸,因觸有味,因味知法。六亂妄想成業性故,十二區分由此輪轉。是故世間聲、香、味、觸,窮十二變為一旋復。乘此輪轉顛倒相故,是有世界——卵生、胎生、濕生、化生,有色、無色,有想、無想,若非有色、若非無色,若非有想、若非無想。
Der Buddha sagte:

„Ānanda,
was bedeutet es,
von der Verblendung der Welt zu sprechen?

Das scheinbare Sein
gliedert sich abschnittsweise
und entsteht aus Verkennung;
dadurch werden Bereiche voneinander abgegrenzt.
Es ist nicht wirklich ursächlich hervorgebracht,
besitzt keinen festen Aufenthaltsort
und befindet sich in stetem Wandel;
so bildet sich das,
was man Welt nennt.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
sowie die vier Richtungen
durchdringen und überlagern einander;
aus ihren wechselseitigen Veränderungen
entstehen die Wesen
in zwölf Kategorien.

Daher gilt:
Aus Bewegung entsteht Klang,
aus Klang Farbe,
aus Farbe Duft,
aus Duft Berührung,
aus Berührung Geschmack,
aus Geschmack die Vorstellung von Dharma.

Die sechs verwirrten falschen Vorstellungen
bilden die Grundlage des Wirkens;
daraus entstehen die zwölf Bereiche,
die sich zyklisch drehen.

So werden die Sinnesobjekte der Welt –
Klang, Duft, Geschmack und Berührung –
in zwölf Wandlungen vollständig durchlaufen
und kehren in einen einzigen Kreislauf zurück.

Aufgrund dieses kreisenden,
verblendeten Erscheinungszusammenhangs
gibt es das,
was man Welt nennt:
Geburt aus Eiern,
aus dem Mutterleib,
aus Feuchtigkeit
und durch Verwandlung;
mit Form,
ohne Form;
mit Vorstellung,
ohne Vorstellung;
weder mit Form
noch ohne Form;
weder mit Vorstellung
noch ohne Vorstellung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt erklärt nicht die Entstehung der Welt, sondern die Entstehung der Vorstellung von Welt.

1. „Welt“ als Segmentierung des Unsegmentierten

Der Text beginnt nicht mit Materie,
sondern mit Teilung:

„分段妄生“

Welt entsteht dort,
wo das Ungeteilte
in Abschnitte zerlegt wird.

Nicht weil Abschnitte real wären,
sondern weil Nicht-Verweilen
als Festes missverstanden wird.

2. Bewegung → Sinneskette → Welt

Die Abfolge
Bewegung → Klang → Farbe → Duft → Berührung → Geschmack → Dharma
ist keine Naturwissenschaft,
sondern eine Analyse der Verfestigung:
• Bewegung = erste Unruhe
• Sinneskette = zunehmende Objektbildung
• Dharma = begriffliche Welt

So entsteht „Welt“
als Selbstbestätigung der Wahrnehmung.

3. Die sechs verwirrten Vorstellungen

Die „sechs Verwirrungen“
sind keine moralischen Fehler,
sondern Fehlkopplungen der Sinne.

Sie erzeugen Karma,
weil sie Beständigkeit unterstellen,
wo nur Wandel ist.

4. Zwölf Bereiche = Drehbuch, nicht Kosmos

Die zwölf Bereiche
sind keine kosmischen Orte,
sondern Funktionsmodi der Verkennung.

Sie drehen sich,
weil kein Zentrum erkannt wird.

Darum spricht der Text von einem Umlauf.

5. Die zwölf Daseinsarten – Klassifikation ohne Ontologisierung

Die bekannte Liste
(Ei, Leib, Feuchtigkeit, Verwandlung;
Form, Nicht-Form;
Vorstellung, Nicht-Vorstellung usw.)
ist keine Ontologie,
sondern eine Vollständigkeitsgeste:

Alle denkbaren Modi
von „Existenz“
sind eingeschlossen –
und zugleich als verblendeter Kreislauf markiert.

6. Rückbindung an 一心无二

Der Text zeigt präzise:
• Welt entsteht nicht gegenüber dem Geist
• Welt entsteht durch geteilte Wahrnehmung

一心无二 heißt hier nicht:
„Es gibt keine Welt“,

sondern:

Welt ist kein zweites Prinzip.

Sie ist eine Bewegung innerhalb desselben Feldes,
die sich selbst missversteht.

7. Vorbereitung der nächsten Stufe

Dieser Abschnitt ist die weltliche Entsprechung
zur zuvor erklärten Verblendung der Wesen.

Jetzt ist klar:
• Wesen = verfestigte Innenperspektive
• Welt = verfestigte Außenperspektive

Beide entstehen gleichzeitig
durch dieselbe Schleife.

Die kommende Darlegung der 乾慧地
setzt genau hier an:
nicht an der Welt,
nicht am Wesen,
sondern am Nicht-Bedienen dieser Schleife.
中文原文
「阿難!云何名為世界顛倒?是有所有,分段妄生,因此界立。非因所因,無住所住,遷流不住,因此世成。三世、四方和合相涉,變化眾生成十二類。是故世界,因動有聲,因聲有色,因色有香,因香有觸,因觸有味,因味知法。六亂妄想成業性故,十二區分由此輪轉。是故世間聲、香、味、觸,窮十二變為一旋復。乘此輪轉顛倒相故,是有世界——卵生、胎生、濕生、化生,有色、無色,有想、無想,若非有色、若非無色,若非有想、若非無想。
Deutsch
Der Buddha sagte:

„Ānanda,
was bedeutet es,
von der Verblendung der Welt zu sprechen?

Das scheinbare Sein
gliedert sich abschnittsweise
und entsteht aus Verkennung;
dadurch werden Bereiche voneinander abgegrenzt.
Es ist nicht wirklich ursächlich hervorgebracht,
besitzt keinen festen Aufenthaltsort
und befindet sich in stetem Wandel;
so bildet sich das,
was man Welt nennt.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
sowie die vier Richtungen
durchdringen und überlagern einander;
aus ihren wechselseitigen Veränderungen
entstehen die Wesen
in zwölf Kategorien.

Daher gilt:
Aus Bewegung entsteht Klang,
aus Klang Farbe,
aus Farbe Duft,
aus Duft Berührung,
aus Berührung Geschmack,
aus Geschmack die Vorstellung von Dharma.

Die sechs verwirrten falschen Vorstellungen
bilden die Grundlage des Wirkens;
daraus entstehen die zwölf Bereiche,
die sich zyklisch drehen.

So werden die Sinnesobjekte der Welt –
Klang, Duft, Geschmack und Berührung –
in zwölf Wandlungen vollständig durchlaufen
und kehren in einen einzigen Kreislauf zurück.

Aufgrund dieses kreisenden,
verblendeten Erscheinungszusammenhangs
gibt es das,
was man Welt nennt:
Geburt aus Eiern,
aus dem Mutterleib,
aus Feuchtigkeit
und durch Verwandlung;
mit Form,
ohne Form;
mit Vorstellung,
ohne Vorstellung;
weder mit Form
noch ohne Form;
weder mit Vorstellung
noch ohne Vorstellung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt erklärt nicht die Entstehung der Welt, sondern die Entstehung der Vorstellung von Welt.

1. „Welt“ als Segmentierung des Unsegmentierten

Der Text beginnt nicht mit Materie,
sondern mit Teilung:

„分段妄生“

Welt entsteht dort,
wo das Ungeteilte
in Abschnitte zerlegt wird.

Nicht weil Abschnitte real wären,
sondern weil Nicht-Verweilen
als Festes missverstanden wird.

2. Bewegung → Sinneskette → Welt

Die Abfolge
Bewegung → Klang → Farbe → Duft → Berührung → Geschmack → Dharma
ist keine Naturwissenschaft,
sondern eine Analyse der Verfestigung:
• Bewegung = erste Unruhe
• Sinneskette = zunehmende Objektbildung
• Dharma = begriffliche Welt

So entsteht „Welt“
als Selbstbestätigung der Wahrnehmung.

3. Die sechs verwirrten Vorstellungen

Die „sechs Verwirrungen“
sind keine moralischen Fehler,
sondern Fehlkopplungen der Sinne.

Sie erzeugen Karma,
weil sie Beständigkeit unterstellen,
wo nur Wandel ist.

4. Zwölf Bereiche = Drehbuch, nicht Kosmos

Die zwölf Bereiche
sind keine kosmischen Orte,
sondern Funktionsmodi der Verkennung.

Sie drehen sich,
weil kein Zentrum erkannt wird.

Darum spricht der Text von einem Umlauf.

5. Die zwölf Daseinsarten – Klassifikation ohne Ontologisierung

Die bekannte Liste
(Ei, Leib, Feuchtigkeit, Verwandlung;
Form, Nicht-Form;
Vorstellung, Nicht-Vorstellung usw.)
ist keine Ontologie,
sondern eine Vollständigkeitsgeste:

Alle denkbaren Modi
von „Existenz“
sind eingeschlossen –
und zugleich als verblendeter Kreislauf markiert.

6. Rückbindung an 一心无二

Der Text zeigt präzise:
• Welt entsteht nicht gegenüber dem Geist
• Welt entsteht durch geteilte Wahrnehmung

一心无二 heißt hier nicht:
„Es gibt keine Welt“,

sondern:

Welt ist kein zweites Prinzip.

Sie ist eine Bewegung innerhalb desselben Feldes,
die sich selbst missversteht.

7. Vorbereitung der nächsten Stufe

Dieser Abschnitt ist die weltliche Entsprechung
zur zuvor erklärten Verblendung der Wesen.

Jetzt ist klar:
• Wesen = verfestigte Innenperspektive
• Welt = verfestigte Außenperspektive

Beide entstehen gleichzeitig
durch dieselbe Schleife.

Die kommende Darlegung der 乾慧地
setzt genau hier an:
nicht an der Welt,
nicht am Wesen,
sondern am Nicht-Bedienen dieser Schleife.
284 #
「阿難!由因世界虛妄輪迴,動顛倒故,和合氣成八萬四千飛沈亂想;如是故有卵羯邏藍,流轉國土,魚、鳥、龜、蛇、其類充塞。
「由因世界雜染輪迴,欲顛倒故,和合滋成八萬四千橫竪亂想;如是故有胎遏[4]蒱曇,流轉國土,人、畜、龍、仙、其類充塞。
「由因世界執著輪迴,趣顛倒故,和合[5]煖成八萬四千飜覆亂想;如是故有濕相蔽尸,流轉國土,含蠢、蠕動、其類充塞。
「由因世界變易輪迴,假顛倒故,和合觸成八萬四千新故亂想;如是故有化相羯南,流轉國土,轉蛻、飛行、其類充塞。
「由因世界留礙輪迴,障顛倒故,和合著成八萬四千精耀亂想;如是故有色相羯南,流轉國土,休咎、精明、其類充塞。
「由因世界銷散輪迴,惑顛倒故,和合暗成八萬四千陰隱亂想;如是故有無色羯南,流轉國土,空散、銷沈、其類充塞。
Der Buddha sagte:

„Ānanda,
aus der Verblendung der Welt
als leerem, irrtümlichem Kreislauf
entsteht durch die verkehrte Dynamik von Bewegung
eine Vermischung von Strömungen.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen von Auf- und Abtrieb,
woraus die eiergebürtigen Keimformen hervorgehen:
Fische, Vögel, Reptilien –
sie bevölkern die Welt.

Aus der Verblendung der Welt
als vermischtem Kreislauf
entsteht durch verkehrtes Begehren
eine Dynamik des Wachstums.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen von Ausrichtung und Achse,
woraus die leibgebürtigen Keimformen hervorgehen:
Menschen, Tiere, Drachen, himmlische Wesen –
sie bevölkern die Welt.

Aus der Verblendung der Welt
als anhaftendem Kreislauf
entsteht durch verkehrte Zielgerichtetheit
eine Dynamik der Wärme.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen von Umstülpung und Überlagerung,
woraus die feuchtgebürtigen Keimformen hervorgehen:
kriechende und bewegliche Wesen –
sie bevölkern die Welt.

Aus der Verblendung der Welt
als sich wandelndem Kreislauf
entsteht durch verkehrte Zuschreibung
eine Dynamik der Berührung.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen von Neu und Alt,
woraus die verwandelungsgebürtigen Keimformen hervorgehen:
sich häutende, fliegende Wesen –
sie bevölkern die Welt.

Aus der Verblendung der Welt
als verharrendem Kreislauf
entsteht durch verkehrte Blockierung
eine Dynamik der Verhaftung.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen von leuchtender Verdichtung,
woraus formhafte Keimformen hervorgehen:
Geister des Glücks und Unheils,
lichte und feinstoffliche Wesen –
sie bevölkern die Welt.

Aus der Verblendung der Welt
als sich auflösendem Kreislauf
entsteht durch verkehrte Verwirrung
eine Dynamik der Verdunkelung.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen des verborgenen Vergehens,
woraus nicht-formhafte Keimformen hervorgehen:
leere, zerstreute, auflösende Zustände –
sie bevölkern die Welt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine biologische Kosmologie, sondern eine phänomenologische Typologie von Weltverkennung.

1. Sechs Welt-Kreisläufe = sechs Modi von Fixierung

Der Text beschreibt sechs Arten, wie Welt sich stabilisiert:
• Bewegung
• Begehren
• Zielgerichtetheit
• Zuschreibung
• Blockierung
• Verwirrung

Das sind keine Orte, sondern Dynamiken des Festhaltens.

2. Die „Geburtsarten“ sind Ausdrucksformen, keine Schicksale

Ei-, Leib-, Feucht- und Verwandlungsgeburt
sind Metaphern für Manifestationsweisen:
• Ei: geschlossene Hülle, oszillierend
• Leib: gerichtete Entwicklung
• Feuchtigkeit: diffuse Reaktion
• Verwandlung: abrupter Wechsel

Der Text zeigt:
Wesen entstehen so, wie Wahrnehmung sich verhält.

3. Form und Nicht-Form als zwei Extreme derselben Schleife

Formhafte und nicht-formhafte Zustände
sind keine Gegensätze,
sondern zwei Enden derselben Verkennung:
• Verhaftung an Dichte
• Flucht in Auflösung

Beides bleibt im Kreislauf.

4. Warum „84 000“ immer wieder erscheint

Die Zahl bezeichnet Unzählbarkeit durch Variation,
nicht konkrete Menge.

Der Text sagt:

Verkennung ist kreativ –
sie findet immer neue Formen.

5. Rückbindung an 一心无二

Alle sechs Kreisläufe
sind Bewegungen innerhalb desselben Feldes.

一心无二 heißt hier:
Nicht eine „richtige“ Weltform finden,
sondern keine Form absolut setzen.

6. Vorbereitung der 乾慧地

Dieser Abschnitt erklärt,
was die trockene Weisheit sieht,
aber noch nicht vollständig durchdringt:
• Welt ist nicht falsch
• aber nicht grundlegend

乾慧 erkennt die Muster,
doch die Schleife
läuft noch weiter.

Die kommende Wegdarlegung zeigt,
wie diese Muster nicht mehr genährt werden.

Die sechs Welt-Kreisläufe

als heutige Erfahrungsweisen (Śūraṅgama Rolle 7, zeitgenössisch gelesen)

Vorbemerkung:
Der Text beschreibt keine Wesenstypen, sondern Stabilisierungsmodi von Erfahrung.
Heute zeigen sie sich nicht primär als „Geburtsarten“,
sondern als Lebens- und Wahrnehmungsstile.



1. Bewegungs-Kreislauf

(卵生 – „Auf und Ab“, Fliegen & Sinken)

Textlich:
Verkehrte Bewegung → Auftrieb / Abtrieb → Ei-Formen

Heute sichtbar als:
• ständiger Wechsel zwischen Aktivierung und Erschöpfung
• Getriebensein ohne Richtung
• Reiz-Overload, Multitasking, Scrollen
• „Ich komme nie zur Ruhe“

Psychologisch:
• Nervensystem im Dauer-Switch
• Aufmerksamkeit springt, ohne zu landen

Nicht-dual gelesen:
Nicht Bewegung ist das Problem,
sondern Bewegung ohne Grund.

👉 Welt entsteht hier als endloser Feed.



2. Begehren-Kreislauf

(胎生 – gerichtetes Wachstum, „horizontal / vertikal“)

Textlich:
Verkehrtes Begehren → Wachstum → Leib-Formen

Heute sichtbar als:
• Karriere-Narrative
• Selbstoptimierung
• „Ich muss mehr werden“
• Vergleich, Status, Rankings

Psychologisch:
• Identität wird über Fortschritt stabilisiert
• Stillstand = Bedrohung

Nicht-dual gelesen:
Nicht Entwicklung ist das Problem,
sondern Entwicklung als Identität.

👉 Welt erscheint als Leiter.



3. Ziel-/Hitze-Kreislauf

(濕生 – Wärme, Reaktion, Umstülpen)

Textlich:
Verkehrte Zielrichtung → Wärme → feuchte Formen

Heute sichtbar als:
• emotionale Reaktivität
• Empörungsdynamiken
• Shitstorms
• moralische Überhitzung

Psychologisch:
• Reiz → Affekt → Handlung
• kaum Zwischenraum

Nicht-dual gelesen:
Nicht Emotion ist das Problem,
sondern Emotion ohne Durchlässigkeit.

👉 Welt erscheint als permanente Krise.



4. Zuschreibungs-/Wechsel-Kreislauf

(化生 – Neu/Alt, Häutung, Transformation)

Textlich:
Verkehrte Zuschreibung → Berührung → Verwandlung

Heute sichtbar als:
• Identitätswechsel
• Rebranding des Selbst
• spirituelle Rollen
• „Ich erfinde mich neu“

Psychologisch:
• Bedeutung wird ständig neu zugewiesen
• Tiefe fehlt, Wandel bleibt oberflächlich

Nicht-dual gelesen:
Nicht Wandel ist das Problem,
sondern Wandel als Flucht.

👉 Welt erscheint als Maske.



5. Verhaftungs-/Verdichtungs-Kreislauf

(有色 – Leuchten, Festhalten, Dichte)

Textlich:
Verkehrte Blockierung → Anhaften → Form-Welten

Heute sichtbar als:
• Materialismus
• Besitzidentität
• Sicherheitsfixierung
• Kontrollbedürfnis

Psychologisch:
• Angst vor Verlust
• Verdichtung als Schutz

Nicht-dual gelesen:
Nicht Form ist das Problem,
sondern Form als Halt.

👉 Welt erscheint als Besitzraum.



6. Auflösungs-/Entzugs-Kreislauf

(無色 – Dunkelheit, Verschwinden, Leere)

Textlich:
Verkehrte Verwirrung → Dunkelheit → Nicht-Form

Heute sichtbar als:
• Rückzug
• Dissoziation
• Nihilismus
• „Mir ist alles egal“

Psychologisch:
• Schutz durch Abwesenheit
• Leere als Flucht

Nicht-dual gelesen:
Nicht Leere ist das Problem,
sondern Leere gegen Welt.

👉 Welt erscheint als unerträglich.



7. Der gemeinsame Kern aller sechs Kreisläufe

Alle sechs sind Antworten auf dieselbe Verkennung:

Es wird ein Halt gesucht,
wo kein Halt nötig ist.

• Bewegung sucht Stabilität
• Wachstum sucht Sicherheit
• Hitze sucht Entladung
• Wandel sucht Sinn
• Verdichtung sucht Schutz
• Auflösung sucht Ruhe

Alle suchen außerhalb,
was nur ohne Trennung möglich ist.



8. 一心无二 – nicht als siebter Modus

Wichtig:
一心无二 ist kein weiterer Lebensstil.

Es ist:
• kein „ausgeglichen sein“
• kein Mittelweg
• kein Idealzustand

Sondern:

Das Ende der Suche nach Stabilisierung.

Dann:
• Bewegung darf Bewegung sein
• Wachstum darf Wachstum sein
• Emotion darf Emotion sein
• Wandel darf Wandel sein
• Form darf Form sein
• Leere darf Leere sein

ohne dass daraus „Welt“ gemacht wird.



9. Essenz

Die Welt entsteht dort,
wo Erfahrung festgehalten wird.

Sie endet nicht durch Ablehnung,
sondern dort,
wo Erfahrung nichts mehr tragen muss.

Oder noch knapper:

Welt ist nicht das, was geschieht,
sondern das,
was wir aus Geschehen machen.



10. Brücke zur 乾慧地 (Ausblick)

乾慧地 erkennt genau das:
• die Muster
• die Schleifen
• die Stabilisierungstricks

Aber:
• sie durchfeuchtet sie noch nicht vollständig

Die folgenden Abschnitte zeigen,
wie Erkennen nicht nur sieht,
sondern nicht mehr nährt.
中文原文
「阿難!由因世界虛妄輪迴,動顛倒故,和合氣成八萬四千飛沈亂想;如是故有卵羯邏藍,流轉國土,魚、鳥、龜、蛇、其類充塞。
「由因世界雜染輪迴,欲顛倒故,和合滋成八萬四千橫竪亂想;如是故有胎遏[4]蒱曇,流轉國土,人、畜、龍、仙、其類充塞。
「由因世界執著輪迴,趣顛倒故,和合[5]煖成八萬四千飜覆亂想;如是故有濕相蔽尸,流轉國土,含蠢、蠕動、其類充塞。
「由因世界變易輪迴,假顛倒故,和合觸成八萬四千新故亂想;如是故有化相羯南,流轉國土,轉蛻、飛行、其類充塞。
「由因世界留礙輪迴,障顛倒故,和合著成八萬四千精耀亂想;如是故有色相羯南,流轉國土,休咎、精明、其類充塞。
「由因世界銷散輪迴,惑顛倒故,和合暗成八萬四千陰隱亂想;如是故有無色羯南,流轉國土,空散、銷沈、其類充塞。
Deutsch
Der Buddha sagte:

„Ānanda,
aus der Verblendung der Welt
als leerem, irrtümlichem Kreislauf
entsteht durch die verkehrte Dynamik von Bewegung
eine Vermischung von Strömungen.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen von Auf- und Abtrieb,
woraus die eiergebürtigen Keimformen hervorgehen:
Fische, Vögel, Reptilien –
sie bevölkern die Welt.

Aus der Verblendung der Welt
als vermischtem Kreislauf
entsteht durch verkehrtes Begehren
eine Dynamik des Wachstums.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen von Ausrichtung und Achse,
woraus die leibgebürtigen Keimformen hervorgehen:
Menschen, Tiere, Drachen, himmlische Wesen –
sie bevölkern die Welt.

Aus der Verblendung der Welt
als anhaftendem Kreislauf
entsteht durch verkehrte Zielgerichtetheit
eine Dynamik der Wärme.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen von Umstülpung und Überlagerung,
woraus die feuchtgebürtigen Keimformen hervorgehen:
kriechende und bewegliche Wesen –
sie bevölkern die Welt.

Aus der Verblendung der Welt
als sich wandelndem Kreislauf
entsteht durch verkehrte Zuschreibung
eine Dynamik der Berührung.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen von Neu und Alt,
woraus die verwandelungsgebürtigen Keimformen hervorgehen:
sich häutende, fliegende Wesen –
sie bevölkern die Welt.

Aus der Verblendung der Welt
als verharrendem Kreislauf
entsteht durch verkehrte Blockierung
eine Dynamik der Verhaftung.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen von leuchtender Verdichtung,
woraus formhafte Keimformen hervorgehen:
Geister des Glücks und Unheils,
lichte und feinstoffliche Wesen –
sie bevölkern die Welt.

Aus der Verblendung der Welt
als sich auflösendem Kreislauf
entsteht durch verkehrte Verwirrung
eine Dynamik der Verdunkelung.
So bilden sich
vierundachtzigtausend
ungeordnete Vorstellungen des verborgenen Vergehens,
woraus nicht-formhafte Keimformen hervorgehen:
leere, zerstreute, auflösende Zustände –
sie bevölkern die Welt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine biologische Kosmologie, sondern eine phänomenologische Typologie von Weltverkennung.

1. Sechs Welt-Kreisläufe = sechs Modi von Fixierung

Der Text beschreibt sechs Arten, wie Welt sich stabilisiert:
• Bewegung
• Begehren
• Zielgerichtetheit
• Zuschreibung
• Blockierung
• Verwirrung

Das sind keine Orte, sondern Dynamiken des Festhaltens.

2. Die „Geburtsarten“ sind Ausdrucksformen, keine Schicksale

Ei-, Leib-, Feucht- und Verwandlungsgeburt
sind Metaphern für Manifestationsweisen:
• Ei: geschlossene Hülle, oszillierend
• Leib: gerichtete Entwicklung
• Feuchtigkeit: diffuse Reaktion
• Verwandlung: abrupter Wechsel

Der Text zeigt:
Wesen entstehen so, wie Wahrnehmung sich verhält.

3. Form und Nicht-Form als zwei Extreme derselben Schleife

Formhafte und nicht-formhafte Zustände
sind keine Gegensätze,
sondern zwei Enden derselben Verkennung:
• Verhaftung an Dichte
• Flucht in Auflösung

Beides bleibt im Kreislauf.

4. Warum „84 000“ immer wieder erscheint

Die Zahl bezeichnet Unzählbarkeit durch Variation,
nicht konkrete Menge.

Der Text sagt:

Verkennung ist kreativ –
sie findet immer neue Formen.

5. Rückbindung an 一心无二

Alle sechs Kreisläufe
sind Bewegungen innerhalb desselben Feldes.

一心无二 heißt hier:
Nicht eine „richtige“ Weltform finden,
sondern keine Form absolut setzen.

6. Vorbereitung der 乾慧地

Dieser Abschnitt erklärt,
was die trockene Weisheit sieht,
aber noch nicht vollständig durchdringt:
• Welt ist nicht falsch
• aber nicht grundlegend

乾慧 erkennt die Muster,
doch die Schleife
läuft noch weiter.

Die kommende Wegdarlegung zeigt,
wie diese Muster nicht mehr genährt werden.

Die sechs Welt-Kreisläufe

als heutige Erfahrungsweisen (Śūraṅgama Rolle 7, zeitgenössisch gelesen)

Vorbemerkung:
Der Text beschreibt keine Wesenstypen, sondern Stabilisierungsmodi von Erfahrung.
Heute zeigen sie sich nicht primär als „Geburtsarten“,
sondern als Lebens- und Wahrnehmungsstile.



1. Bewegungs-Kreislauf

(卵生 – „Auf und Ab“, Fliegen & Sinken)

Textlich:
Verkehrte Bewegung → Auftrieb / Abtrieb → Ei-Formen

Heute sichtbar als:
• ständiger Wechsel zwischen Aktivierung und Erschöpfung
• Getriebensein ohne Richtung
• Reiz-Overload, Multitasking, Scrollen
• „Ich komme nie zur Ruhe“

Psychologisch:
• Nervensystem im Dauer-Switch
• Aufmerksamkeit springt, ohne zu landen

Nicht-dual gelesen:
Nicht Bewegung ist das Problem,
sondern Bewegung ohne Grund.

👉 Welt entsteht hier als endloser Feed.



2. Begehren-Kreislauf

(胎生 – gerichtetes Wachstum, „horizontal / vertikal“)

Textlich:
Verkehrtes Begehren → Wachstum → Leib-Formen

Heute sichtbar als:
• Karriere-Narrative
• Selbstoptimierung
• „Ich muss mehr werden“
• Vergleich, Status, Rankings

Psychologisch:
• Identität wird über Fortschritt stabilisiert
• Stillstand = Bedrohung

Nicht-dual gelesen:
Nicht Entwicklung ist das Problem,
sondern Entwicklung als Identität.

👉 Welt erscheint als Leiter.



3. Ziel-/Hitze-Kreislauf

(濕生 – Wärme, Reaktion, Umstülpen)

Textlich:
Verkehrte Zielrichtung → Wärme → feuchte Formen

Heute sichtbar als:
• emotionale Reaktivität
• Empörungsdynamiken
• Shitstorms
• moralische Überhitzung

Psychologisch:
• Reiz → Affekt → Handlung
• kaum Zwischenraum

Nicht-dual gelesen:
Nicht Emotion ist das Problem,
sondern Emotion ohne Durchlässigkeit.

👉 Welt erscheint als permanente Krise.



4. Zuschreibungs-/Wechsel-Kreislauf

(化生 – Neu/Alt, Häutung, Transformation)

Textlich:
Verkehrte Zuschreibung → Berührung → Verwandlung

Heute sichtbar als:
• Identitätswechsel
• Rebranding des Selbst
• spirituelle Rollen
• „Ich erfinde mich neu“

Psychologisch:
• Bedeutung wird ständig neu zugewiesen
• Tiefe fehlt, Wandel bleibt oberflächlich

Nicht-dual gelesen:
Nicht Wandel ist das Problem,
sondern Wandel als Flucht.

👉 Welt erscheint als Maske.



5. Verhaftungs-/Verdichtungs-Kreislauf

(有色 – Leuchten, Festhalten, Dichte)

Textlich:
Verkehrte Blockierung → Anhaften → Form-Welten

Heute sichtbar als:
• Materialismus
• Besitzidentität
• Sicherheitsfixierung
• Kontrollbedürfnis

Psychologisch:
• Angst vor Verlust
• Verdichtung als Schutz

Nicht-dual gelesen:
Nicht Form ist das Problem,
sondern Form als Halt.

👉 Welt erscheint als Besitzraum.



6. Auflösungs-/Entzugs-Kreislauf

(無色 – Dunkelheit, Verschwinden, Leere)

Textlich:
Verkehrte Verwirrung → Dunkelheit → Nicht-Form

Heute sichtbar als:
• Rückzug
• Dissoziation
• Nihilismus
• „Mir ist alles egal“

Psychologisch:
• Schutz durch Abwesenheit
• Leere als Flucht

Nicht-dual gelesen:
Nicht Leere ist das Problem,
sondern Leere gegen Welt.

👉 Welt erscheint als unerträglich.



7. Der gemeinsame Kern aller sechs Kreisläufe

Alle sechs sind Antworten auf dieselbe Verkennung:

Es wird ein Halt gesucht,
wo kein Halt nötig ist.

• Bewegung sucht Stabilität
• Wachstum sucht Sicherheit
• Hitze sucht Entladung
• Wandel sucht Sinn
• Verdichtung sucht Schutz
• Auflösung sucht Ruhe

Alle suchen außerhalb,
was nur ohne Trennung möglich ist.



8. 一心无二 – nicht als siebter Modus

Wichtig:
一心无二 ist kein weiterer Lebensstil.

Es ist:
• kein „ausgeglichen sein“
• kein Mittelweg
• kein Idealzustand

Sondern:

Das Ende der Suche nach Stabilisierung.

Dann:
• Bewegung darf Bewegung sein
• Wachstum darf Wachstum sein
• Emotion darf Emotion sein
• Wandel darf Wandel sein
• Form darf Form sein
• Leere darf Leere sein

ohne dass daraus „Welt“ gemacht wird.



9. Essenz

Die Welt entsteht dort,
wo Erfahrung festgehalten wird.

Sie endet nicht durch Ablehnung,
sondern dort,
wo Erfahrung nichts mehr tragen muss.

Oder noch knapper:

Welt ist nicht das, was geschieht,
sondern das,
was wir aus Geschehen machen.



10. Brücke zur 乾慧地 (Ausblick)

乾慧地 erkennt genau das:
• die Muster
• die Schleifen
• die Stabilisierungstricks

Aber:
• sie durchfeuchtet sie noch nicht vollständig

Die folgenden Abschnitte zeigen,
wie Erkennen nicht nur sieht,
sondern nicht mehr nährt.
285 #
「由因世界罔象輪迴,影顛倒故,和合憶成八萬四千潛結亂想;如是故有想相羯南,流轉國土,神鬼、精靈、其類充塞。
「由因世界愚鈍輪迴,癡顛倒故,和合頑成八萬四千枯槁亂想;如是故有無想羯南,流轉國土,精神化為土木金石、其類充塞。
「由因世界相待輪迴,偽顛倒故,和合染成八萬四千因依亂想;如是故有非有色相成色羯南,流轉國土,諸水母等以蝦為目,其類充塞。
「由因世界相引輪迴,性顛倒故,和合呪成八萬四千呼召亂想;由是故有非無色相無色羯南,流轉國土,呪咀厭生、其類充塞。
「由因世界合妄輪迴,罔顛倒故,和合異成八萬四千迴互亂想;如是故有非有想相成想羯南,流轉國土,彼[*]蒱盧等異質相成,其類充塞。
「由因世界[1]怨害輪迴,殺顛倒故,和合怪成八萬四千食父母想;如是故有非無想相無想羯南,流轉國土,如土梟等附塊為兒,及破鏡鳥以毒樹果抱為其子,子成,父母皆遭其食,其類充塞。是名眾生十二種類。」
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第七
Der Buddha sagte:

„Ānanda,
aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf von Trugbildern
entsteht durch falsche Spiegelung
die Fixierung von Erinnerung.
So entstehen
vierundachtzigtausend
latente Verknüpfungen des Vorstellens,
woraus die vorstellungsgebundenen Daseinsformen hervorgehen:
Geister, Dämonen und Naturwesen.

Aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf der Stumpfheit
entsteht durch falsche Unwissenheit
eine Fixierung der Trägheit.
So entstehen
vierundachtzigtausend
vorstellungsloses Erstarren,
woraus die vorstellungslosen Daseinsformen hervorgehen,
bei denen Bewusstsein
zu unbelebter Materie wird.

Aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf wechselseitiger Abhängigkeit
entsteht durch falsche Zuschreibung
die Fixierung von Anhaftung.
So entstehen
vierundachtzigtausend
abhängige Vorstellungsformen,
woraus Daseinsformen entstehen,
die weder eindeutig formhaft
noch eindeutig formlos sind.

Aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf gegenseitiger Anziehung
entsteht durch falsche Wesenszuschreibung
die Fixierung von Beschwörung.
So entstehen
vierundachtzigtausend
Formen des Rufens und Bannens,
woraus Daseinsformen entstehen,
die nicht formlos sind,
aber auch keine stabile Form besitzen.

Aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf vermischter Täuschung
entsteht durch falsches Nicht-Erkennen
die Fixierung des Gegensätzlichen.
So entstehen
vierundachtzigtausend
wechselseitig gemischte Vorstellungsformen,
woraus Daseinsweisen hervorgehen,
die weder eindeutig vorstellend
noch eindeutig vorstellungslos sind.

Aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf von Hass und Schädigung
entsteht durch falsches Töten
die Fixierung des Monströsen.
So entstehen
vierundachtzigtausend
Vorstellungen der Vernichtung der Herkunft,
woraus Daseinsformen hervorgehen,
die ihre eigenen Ursprünge zerstören.

Dies nennt man
die zwölf Arten der Wesen.“
Kommentar öffnen
Mit diesem Abschnitt schließt der Buddha die vollständige Typologie der Verblendung ab. Entscheidend ist:
Die zwölf Arten sind keine Ontologie, sondern eine Landkarte von Fixierungen.

1. Die zweite Sechsergruppe – Verfeinerung der Verkennung

Während die ersten sechs Arten
körperlich-sinnliche Fixierungen beschrieben,
zeigen diese sechs
mentale, relationale und destruktive Verfestigungen.

Die Bewegung geht:
• von Vorstellung
• zu Vorstellungslosigkeit
• zu Mischformen
• zu destruktiver Selbstauflösung

Das ist keine Hierarchie,
sondern eine Ausfaltung desselben Irrtums.

2. „Geister“ und „Dämonen“ als psychische Strukturen

Geister, Beschwörungen, Mischwesen
sind keine fremden Entitäten,
sondern abgelöste Erinnerungsschleifen, Projektionen und Resonanzen.

Das Sutra beschreibt:
• wie Erinnerung sich verselbständigt
• wie Abhängigkeit Struktur wird
• wie Hass die Herkunft angreift

3. Der extremste Punkt: „Verzehr der Eltern“

Das Bild ist bewusst schockierend.

Es beschreibt:

Zustände, in denen Ursache und Ursprung verleugnet
und zugleich zerstört werden.

Modern gesprochen:
• Selbsthass
• Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen
• Zynismus, der alles negiert, woraus er entstanden ist

Das ist keine Mythologie,
sondern eine existentielle Diagnose.

4. Warum das die „zwölf Arten“ abschließt

Mit dieser letzten Form
ist die Schleife vollständig:
• Welt und Wesen
• Innen und Außen
• Form und Nicht-Form
• Sinn und Negation

Alles, was gedacht, gefühlt oder zerstört werden kann,
ist enthalten –
und zugleich als verblendete Bewegung markiert.

5. Rückbindung an 一心无二

Alle zwölf Arten
sind Bewegungen innerhalb desselben Feldes.

一心无二 heißt hier nicht:

„Alles ist gleich“

sondern:

Nichts ist getrennt genug,
um eigenständig zu sein.

Darum können diese Arten enden,
ohne dass etwas ausgelöscht werden muss.



Abschließende Essenz

Die zwölf Arten der Wesen
sind zwölf Weisen,
wie Ungeteiltheit missverstanden wird.

Sie beschreiben nicht,
was ist,
sondern wie Verkennung sich organisiert.
中文原文
「由因世界罔象輪迴,影顛倒故,和合憶成八萬四千潛結亂想;如是故有想相羯南,流轉國土,神鬼、精靈、其類充塞。
「由因世界愚鈍輪迴,癡顛倒故,和合頑成八萬四千枯槁亂想;如是故有無想羯南,流轉國土,精神化為土木金石、其類充塞。
「由因世界相待輪迴,偽顛倒故,和合染成八萬四千因依亂想;如是故有非有色相成色羯南,流轉國土,諸水母等以蝦為目,其類充塞。
「由因世界相引輪迴,性顛倒故,和合呪成八萬四千呼召亂想;由是故有非無色相無色羯南,流轉國土,呪咀厭生、其類充塞。
「由因世界合妄輪迴,罔顛倒故,和合異成八萬四千迴互亂想;如是故有非有想相成想羯南,流轉國土,彼[*]蒱盧等異質相成,其類充塞。
「由因世界[1]怨害輪迴,殺顛倒故,和合怪成八萬四千食父母想;如是故有非無想相無想羯南,流轉國土,如土梟等附塊為兒,及破鏡鳥以毒樹果抱為其子,子成,父母皆遭其食,其類充塞。是名眾生十二種類。」
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第七
Deutsch
Der Buddha sagte:

„Ānanda,
aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf von Trugbildern
entsteht durch falsche Spiegelung
die Fixierung von Erinnerung.
So entstehen
vierundachtzigtausend
latente Verknüpfungen des Vorstellens,
woraus die vorstellungsgebundenen Daseinsformen hervorgehen:
Geister, Dämonen und Naturwesen.

Aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf der Stumpfheit
entsteht durch falsche Unwissenheit
eine Fixierung der Trägheit.
So entstehen
vierundachtzigtausend
vorstellungsloses Erstarren,
woraus die vorstellungslosen Daseinsformen hervorgehen,
bei denen Bewusstsein
zu unbelebter Materie wird.

Aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf wechselseitiger Abhängigkeit
entsteht durch falsche Zuschreibung
die Fixierung von Anhaftung.
So entstehen
vierundachtzigtausend
abhängige Vorstellungsformen,
woraus Daseinsformen entstehen,
die weder eindeutig formhaft
noch eindeutig formlos sind.

Aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf gegenseitiger Anziehung
entsteht durch falsche Wesenszuschreibung
die Fixierung von Beschwörung.
So entstehen
vierundachtzigtausend
Formen des Rufens und Bannens,
woraus Daseinsformen entstehen,
die nicht formlos sind,
aber auch keine stabile Form besitzen.

Aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf vermischter Täuschung
entsteht durch falsches Nicht-Erkennen
die Fixierung des Gegensätzlichen.
So entstehen
vierundachtzigtausend
wechselseitig gemischte Vorstellungsformen,
woraus Daseinsweisen hervorgehen,
die weder eindeutig vorstellend
noch eindeutig vorstellungslos sind.

Aus der Verblendung der Welt
als Kreislauf von Hass und Schädigung
entsteht durch falsches Töten
die Fixierung des Monströsen.
So entstehen
vierundachtzigtausend
Vorstellungen der Vernichtung der Herkunft,
woraus Daseinsformen hervorgehen,
die ihre eigenen Ursprünge zerstören.

Dies nennt man
die zwölf Arten der Wesen.“
Kommentar
Mit diesem Abschnitt schließt der Buddha die vollständige Typologie der Verblendung ab. Entscheidend ist:
Die zwölf Arten sind keine Ontologie, sondern eine Landkarte von Fixierungen.

1. Die zweite Sechsergruppe – Verfeinerung der Verkennung

Während die ersten sechs Arten
körperlich-sinnliche Fixierungen beschrieben,
zeigen diese sechs
mentale, relationale und destruktive Verfestigungen.

Die Bewegung geht:
• von Vorstellung
• zu Vorstellungslosigkeit
• zu Mischformen
• zu destruktiver Selbstauflösung

Das ist keine Hierarchie,
sondern eine Ausfaltung desselben Irrtums.

2. „Geister“ und „Dämonen“ als psychische Strukturen

Geister, Beschwörungen, Mischwesen
sind keine fremden Entitäten,
sondern abgelöste Erinnerungsschleifen, Projektionen und Resonanzen.

Das Sutra beschreibt:
• wie Erinnerung sich verselbständigt
• wie Abhängigkeit Struktur wird
• wie Hass die Herkunft angreift

3. Der extremste Punkt: „Verzehr der Eltern“

Das Bild ist bewusst schockierend.

Es beschreibt:

Zustände, in denen Ursache und Ursprung verleugnet
und zugleich zerstört werden.

Modern gesprochen:
• Selbsthass
• Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen
• Zynismus, der alles negiert, woraus er entstanden ist

Das ist keine Mythologie,
sondern eine existentielle Diagnose.

4. Warum das die „zwölf Arten“ abschließt

Mit dieser letzten Form
ist die Schleife vollständig:
• Welt und Wesen
• Innen und Außen
• Form und Nicht-Form
• Sinn und Negation

Alles, was gedacht, gefühlt oder zerstört werden kann,
ist enthalten –
und zugleich als verblendete Bewegung markiert.

5. Rückbindung an 一心无二

Alle zwölf Arten
sind Bewegungen innerhalb desselben Feldes.

一心无二 heißt hier nicht:

„Alles ist gleich“

sondern:

Nichts ist getrennt genug,
um eigenständig zu sein.

Darum können diese Arten enden,
ohne dass etwas ausgelöscht werden muss.



Abschließende Essenz

Die zwölf Arten der Wesen
sind zwölf Weisen,
wie Ungeteiltheit missverstanden wird.

Sie beschreiben nicht,
was ist,
sondern wie Verkennung sich organisiert.
286 #
大佛頂如來密因修證了義諸菩薩萬行首楞嚴經卷第八[*](一名中印度那蘭陀大道場經,於灌頂部錄出別行)
[*]唐天竺沙門般剌蜜[*]帝[*]譯
「阿難!如是眾生一一類中,亦各各具十二顛倒。猶如揑目,亂花發生。顛倒妙圓真淨明心,具足如斯虛妄亂想。汝今修證佛三摩[3]提,於是本因元所亂想,立三漸次方得除滅。如淨器中除去毒蜜,以諸湯水并雜灰香洗滌其器,後貯甘露。云何名為三種漸次?一者、修習除其助因。二者、真修刳其正性。三者、增進違其現業。
Der Buddha sagte zu Ānanda:

„Bei allen Arten von Lebewesen
besitzt jedes einzelne
zwölf Formen der Verkehrung.

Dies gleicht dem Drücken der Augen,
durch das im Raum
wirre Blumen erscheinen.

Der wunderbar runde, wahre, reine und leuchtende Geist
wird durch Verkehrung verkannt
und ist daher
vollständig angefüllt
mit trügerischen, chaotischen Vorstellungen.

Nun übst du
das samādhi des Buddha.
Darum muss die ursprüngliche Ursache
dieser anfänglichen Verwirrung
durch drei stufenweise Vorgehensweisen
beseitigt werden.

Es ist wie bei einem sauberen Gefäß,
das zuvor giftigen Honig enthielt:
Man wäscht es mit heißem Wasser,
mischt Asche und wohlriechende Substanzen hinzu,
reinigt das Gefäß vollständig
und bewahrt erst danach
reinen Nektar darin auf.

Was sind diese drei stufenweisen Vorgehensweisen?

Erstens:
Durch Übung
werden die unterstützenden Bedingungen entfernt.

Zweitens:
Durch wahre Praxis
wird die eigentliche Natur
gründlich ausgehöhlt.

Drittens:
Durch fortschreitende Vertiefung
wird dem aktuell wirksamen Karma
entgegengesteuert.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den formalen Übergang von Einsicht zu Praxisarchitektur.

Bis hierher hat das Śūraṅgama gezeigt:
• Täuschung ist grundlos
• Verblendung ist kein ontologischer Fehler, sondern Fehlwahrnehmung
• Erwachen ist bereits vollständig vorhanden

Nun stellt sich die entscheidende Frage:

Wenn nichts fehlt – warum dann Übung?

1. Die zwölf Verkehrungen – keine moralische Kategorie

Die „zwölf Verkehrungen“ sind keine Fehler im ethischen Sinn,
sondern strukturelle Verdrehungen der Wahrnehmung.

Das Gleichnis des Augendrückens ist präzise:
• Es entstehen Erscheinungen
• ohne äußeres Objekt
• ohne reale Grundlage
• allein durch falsche Spannung

Täuschung ist funktional, nicht substantiell.

2. Warum drei Schritte, wenn Täuschung grundlos ist?

Das ist der Schlüssel dieses Abschnitts.

Die Täuschung hat keine Ursache,
aber sie hat Bedingungen, durch die sie sich erhält.

Darum braucht es kein „Erzeugen von Erwachen“,
sondern ein systematisches Entziehen der Aufrechterhaltung.

Nicht:

etwas hinzufügen

sondern:

etwas aufhören lassen

3. Die Metapher des Gefäßes

Wichtig ist die Reihenfolge:
1. Gift entfernen
2. Gefäß reinigen
3. Erst dann Nektar

Das Śūraṅgama warnt hier implizit vor:
• spiritueller Überladung
• schneller Mystik
• Samadhi ohne Klärung

Ohne Reinigung wird selbst „Nektar“ giftig.

4. Die drei Schritte als präzise Praxislogik

(1) Entfernen der unterstützenden Ursachen
→ äußere und innere Bedingungen, die Verstrickung nähren
(Gewohnheiten, Reize, Selbstbilder)

(2) Aushöhlen der Wesensverfassung
→ nicht das Selbst zerstören,
sondern die falsch angenommene Substanz leeren

(3) Entgegenwirken des gegenwärtigen Karmas
→ kein Kampf gegen Vergangenheit,
sondern Nicht-Fortschreiben des Jetzt

Das ist hochmodern:
Es entspricht exakt dem,
was man heute als Unterbrechen selbstverstärkender Feedback-Schleifen bezeichnen würde.

5. Kein asketischer Pfad, kein naturalistischer Irrtum

• 本然 = ursprünglich-nicht-erzeugt
• nicht „natürlich“
• nicht „spontan“
• nicht „automatisch gut“

Übung ist kein Eingriff ins Ursprüngliche,
sondern ein Aufhören der Fehlkopplung.
中文原文
大佛頂如來密因修證了義諸菩薩萬行首楞嚴經卷第八[*](一名中印度那蘭陀大道場經,於灌頂部錄出別行)
[*]唐天竺沙門般剌蜜[*]帝[*]譯
「阿難!如是眾生一一類中,亦各各具十二顛倒。猶如揑目,亂花發生。顛倒妙圓真淨明心,具足如斯虛妄亂想。汝今修證佛三摩[3]提,於是本因元所亂想,立三漸次方得除滅。如淨器中除去毒蜜,以諸湯水并雜灰香洗滌其器,後貯甘露。云何名為三種漸次?一者、修習除其助因。二者、真修刳其正性。三者、增進違其現業。
Deutsch
Der Buddha sagte zu Ānanda:

„Bei allen Arten von Lebewesen
besitzt jedes einzelne
zwölf Formen der Verkehrung.

Dies gleicht dem Drücken der Augen,
durch das im Raum
wirre Blumen erscheinen.

Der wunderbar runde, wahre, reine und leuchtende Geist
wird durch Verkehrung verkannt
und ist daher
vollständig angefüllt
mit trügerischen, chaotischen Vorstellungen.

Nun übst du
das samādhi des Buddha.
Darum muss die ursprüngliche Ursache
dieser anfänglichen Verwirrung
durch drei stufenweise Vorgehensweisen
beseitigt werden.

Es ist wie bei einem sauberen Gefäß,
das zuvor giftigen Honig enthielt:
Man wäscht es mit heißem Wasser,
mischt Asche und wohlriechende Substanzen hinzu,
reinigt das Gefäß vollständig
und bewahrt erst danach
reinen Nektar darin auf.

Was sind diese drei stufenweisen Vorgehensweisen?

Erstens:
Durch Übung
werden die unterstützenden Bedingungen entfernt.

Zweitens:
Durch wahre Praxis
wird die eigentliche Natur
gründlich ausgehöhlt.

Drittens:
Durch fortschreitende Vertiefung
wird dem aktuell wirksamen Karma
entgegengesteuert.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den formalen Übergang von Einsicht zu Praxisarchitektur.

Bis hierher hat das Śūraṅgama gezeigt:
• Täuschung ist grundlos
• Verblendung ist kein ontologischer Fehler, sondern Fehlwahrnehmung
• Erwachen ist bereits vollständig vorhanden

Nun stellt sich die entscheidende Frage:

Wenn nichts fehlt – warum dann Übung?

1. Die zwölf Verkehrungen – keine moralische Kategorie

Die „zwölf Verkehrungen“ sind keine Fehler im ethischen Sinn,
sondern strukturelle Verdrehungen der Wahrnehmung.

Das Gleichnis des Augendrückens ist präzise:
• Es entstehen Erscheinungen
• ohne äußeres Objekt
• ohne reale Grundlage
• allein durch falsche Spannung

Täuschung ist funktional, nicht substantiell.

2. Warum drei Schritte, wenn Täuschung grundlos ist?

Das ist der Schlüssel dieses Abschnitts.

Die Täuschung hat keine Ursache,
aber sie hat Bedingungen, durch die sie sich erhält.

Darum braucht es kein „Erzeugen von Erwachen“,
sondern ein systematisches Entziehen der Aufrechterhaltung.

Nicht:

etwas hinzufügen

sondern:

etwas aufhören lassen

3. Die Metapher des Gefäßes

Wichtig ist die Reihenfolge:
1. Gift entfernen
2. Gefäß reinigen
3. Erst dann Nektar

Das Śūraṅgama warnt hier implizit vor:
• spiritueller Überladung
• schneller Mystik
• Samadhi ohne Klärung

Ohne Reinigung wird selbst „Nektar“ giftig.

4. Die drei Schritte als präzise Praxislogik

(1) Entfernen der unterstützenden Ursachen
→ äußere und innere Bedingungen, die Verstrickung nähren
(Gewohnheiten, Reize, Selbstbilder)

(2) Aushöhlen der Wesensverfassung
→ nicht das Selbst zerstören,
sondern die falsch angenommene Substanz leeren

(3) Entgegenwirken des gegenwärtigen Karmas
→ kein Kampf gegen Vergangenheit,
sondern Nicht-Fortschreiben des Jetzt

Das ist hochmodern:
Es entspricht exakt dem,
was man heute als Unterbrechen selbstverstärkender Feedback-Schleifen bezeichnen würde.

5. Kein asketischer Pfad, kein naturalistischer Irrtum

• 本然 = ursprünglich-nicht-erzeugt
• nicht „natürlich“
• nicht „spontan“
• nicht „automatisch gut“

Übung ist kein Eingriff ins Ursprüngliche,
sondern ein Aufhören der Fehlkopplung.
287 #
「云何助因?阿難!如是世界十二類生,不能自全,依四食住,所謂段食、觸食、思食、識食;是故佛說『一切眾生皆依食住』。阿難!一切眾生,食甘故生,食毒故死。是諸眾生求三摩[*]提,當斷世間五種辛菜。是五種辛,熟食發婬,生啖增恚。如是世界食辛之人,縱能宣說十二部經,十方天仙嫌其臭穢,咸皆遠離。諸餓鬼等,因彼食次,舐其唇吻。常與鬼住,福德日銷,長無利益。是食辛人修三摩地,菩薩、天仙、十方善神不來守護。大力魔王得其方便,現作佛身來為說法,非毀禁戒,讚婬、怒、癡,命終自為魔王眷屬。受魔福盡,墮無間獄。阿難!修菩提者永斷五辛,是則名為第一增進修行漸次。
„Was sind die unterstützenden Ursachen?

Ānanda,
die zwölf Arten von Lebewesen in dieser Welt
können nicht aus sich selbst bestehen
und sind abhängig von vier Arten der Ernährung:
der grobstofflichen Nahrung,
der Nahrung durch Berührung,
der Nahrung durch Absicht
und der Nahrung durch Bewusstsein.

Daher sagte der Buddha:
‚Alle Lebewesen bestehen durch Nahrung.‘

Ānanda,
Lebewesen entstehen durch nährende Nahrung
und gehen zugrunde durch schädliche Nahrung.

Darum müssen jene,
die samādhi praktizieren wollen,
die fünf scharfen Gewächse der Welt aufgeben.

Diese fünf scharfen Gewächse
erregen gekocht verzehrt Begierde,
roh verzehrt vermehren sie Zorn.

Wer in dieser Welt scharfe Pflanzen isst,
mag selbst die zwölf Gattungen der Sutren auslegen können;
doch die Himmelswesen der zehn Richtungen
meiden wegen des üblen Geruchs
seine Nähe.

Hungrige Geister
lecken bei dessen Mahlzeiten
seine Lippen und seinen Mund.
Solche Menschen
leben ständig in Gemeinschaft mit Geistern;
ihr Verdienst nimmt täglich ab
und bringt keinen wirklichen Nutzen.

Wer scharfe Pflanzen verzehrt
und dennoch samādhi übt,
wird nicht beschützt
von Bodhisattvas,
Himmelswesen
oder den guten Schutzmächten der zehn Richtungen.

Der mächtige Dämonenkönig
erhält dadurch Zugang,
erscheint in Buddha-Gestalt
und verkündet eine falsche Lehre:
Er kritisiert die Gebote nicht
und preist Begierde, Zorn und Unwissenheit.
Nach dem Tod
werden solche Übenden
Teil seines dämonischen Gefolges.

Wenn das dämonische Verdienst erschöpft ist,
fallen sie in die Avīci-Hölle.

Ānanda,
wer Bodhi übt,
muss die fünf scharfen Pflanzen
dauerhaft aufgeben.
Dies nennt man
die erste Stufe
der fortschreitenden Übung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist radikal nüchtern — und wird oft missverstanden.

1. „Nahrung“ ist hier kein moralischer Begriff

Die vier Arten der Nahrung beschreiben Bindungsmechanismen:
• grobe Nahrung → Körperbindung
• Berührungsnahrung → Reizbindung
• Denk-Nahrung → mentale Selbstverstärkung
• Bewusstseinsnahrung → Identitätskontinuität

„Nahrung“ meint:

das, wodurch ein System sich fortschreibt.

2. Die fünf scharfen Pflanzen als Katalysatoren, nicht als „Sünden“

Das Śūraṅgama argumentiert nicht ethisch, sondern funktional:
• Sie verstärken Begierde und Zorn
• Sie verdichten Reaktivität
• Sie öffnen Andockflächen

Nicht die Substanz ist „böse“,
sondern ihre Wirkung auf ungeklärte Wahrnehmung.

3. Warum gerade hier die Warnung vor „falschen Buddhas“?

Weil Samadhi ohne Klärung der unterstützenden Ursachen
zu einem energetisch offenen, aber ungeerdeten Zustand führt.

Das Ergebnis:
• spirituelle Sprache
• charismatische Erscheinung
• Lob der Triebe
• Verachtung der Disziplin

Das ist zeitlos aktuell.

4. Dämonen sind keine Wesen – sondern Resonanzen

„Dämonenkönig“ meint:

eine Macht,
die sich dort stabilisiert,
wo Begierde, Zorn und Verblendung
spirituell legitimiert werden.

5. Der erste Schritt der Übung ist Entzug, nicht Vertiefung

Bemerkenswert:

Dies ist bereits „erste Vertiefung“.

Nicht Sammlung,
nicht Einsicht,
sondern Beendigung der Unterstützung der Verstrickung.

Erst danach wird Samadhi tragfähig.



I. Die vier Arten der Nahrung (四食)

(als Strukturmodell von Verstrickung)

Der Buddha sagt nicht zufällig:

「一切眾生皆依食住」
Alle Wesen bestehen durch Nahrung.

„Nahrung“ bedeutet hier nicht Essen,
sondern das, wodurch ein Daseinsmodus fortgeschrieben wird.

Man könnte heute sagen:

Erhaltungs- und Verstärkungsmechanismen eines Systems.



1. 段食 – grobe Nahrung (physische Nahrung)

Das ist die offensichtliche Ebene:
• Essen
• Trinken
• Körperliche Reize

Aber im Śūraṅgama ist das nicht banal.

Grobe Nahrung:
• bindet Bewusstsein an Körperrhythmen
• stabilisiert Identifikation
• verankert „Ich bin dieser Leib“

Sie ist nicht schlecht —
aber sie verlangsamt das Auflösen der Identität.

Darum ist grobe Nahrung die unterste, aber nicht die wichtigste Bindung.



2. 觸食 – Berührungsnahrung (sensorische Nahrung)

Hier wird es subtiler.

Berührung meint:
• Sinnesreize
• Affektive Trigger
• Lust / Unlust / Spannung

👉 Alles, was dich „reaktiv macht“

Dazu gehören:
• Musik
• Bilder
• Gerüche
• soziale Resonanz
• emotionale Nähe / Ablehnung

Berührungsnahrung ist heute die dominante Form:

Dopamin, Aufmerksamkeit, Erregung, Identität durch Reaktion.

Sie hält das System ständig aktiv.



3. 思食 – Denk-Nahrung (mentale Nahrung)

Jetzt sind wir mitten in der Moderne.

Denk-Nahrung ist:
• Grübeln
• Narrative
• Selbstdeutung
• spirituelle Erklärungen (!)
• „Ich bin auf dem Weg“
• „Ich habe verstanden“

👉 Alles, womit sich das Ich selbst bestätigt

Extrem wichtig:

Denk-Nahrung kann hochintellektuell
und hochspirituell sein.

Das Śūraṅgama ist hier gnadenlos:
• Auch Lehre
• auch Sutren
• auch Meditationserlebnisse
können Denk-Nahrung werden.

Darum warnt es später vor:

„viel hören, wenig üben“



4. 識食 – Bewusstseins-Nahrung (Identitätsnahrung)

Das ist die tiefste Bindung.

Bewusstseins-Nahrung ist:
• das Fortsetzen von „Ich bin“
• das Wiederanknüpfen an Erinnerung
• karmische Kontinuität
• Selbstgefühl ohne Objekt

👉 Nicht Inhalt, sondern Kontinuität selbst

Man könnte sagen:

Das Ich ernährt sich davon, weiterzusein.

Hier sitzt die eigentliche Wurzel von Geburt und Tod.



Zwischenfazit

Die vier Arten der Nahrung sind keine Moral, sondern ein präzises Diagnosemodell:

Nahrung hält aufrecht
grob Körper-Ich
Berührung Reaktions-Ich
Denken Erklär-Ich
Bewusstsein Existenz-Ich

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:

Samadhi ohne Klärung dieser Nahrungen verstärkt sie.



II. Die fünf scharfen Pflanzen (五辛)

(warum dieser Begriff bewusst provoziert)

Ja — der Begriff wirft Fragen auf.
Und genau deshalb steht er hier.

1. Was sind die „fünf scharfen Pflanzen“?

Traditionell:
• Knoblauch
• Zwiebel
• Lauch
• Schalotte
• Asafoetida

Aber:
👉 Das ist nicht der Punkt.

Der Text sagt nicht:

„Diese Pflanzen sind böse.“

Er sagt:

「熟食發婬,生啖增恚」
Gekocht fördern sie Begierde, roh verstärken sie Zorn.

Das ist eine Wirkungsbeschreibung, keine Vorschrift.



2. Warum greift das Śūraṅgama gerade dieses Beispiel heraus?

Weil diese Pflanzen:
• stark stimulierend sind
• das Nervensystem aktivieren
• Triebenergie verstärken
• Affekte intensivieren

Sie sind Verstärker.

In moderner Sprache:

Sie erhöhen die Reaktivität des Systems.



3. Der eigentliche Punkt ist nicht das Essen

Der Text nutzt Essen als didaktisches Minimalbeispiel.

Gemeint ist:

Alles, was Begierde, Aggression oder Unruhe verstärkt,
während man Samadhi übt.

Heute wären das z.B.:
• Dauerreizung
• Pornografie
• extreme Medien
• ideologische Empörung
• spiritueller Narzissmus
• Dauer-Selbstoptimierung

👉 Die fünf Pflanzen sind Chiffren, keine Liste.



4. Warum die drastische Warnung vor „Dämonen“?

Das ist einer der schärfsten Abschnitte des Sutras — bewusst.

Der Text beschreibt ein klares Muster:
1. Reizverstärkung
2. Samadhi-ähnliche Zustände
3. fehlende ethische Klärung
4. charismatische Deutung
5. Legitimation von Trieben
6. Macht / Gefolgschaft

Das ist keine Mythologie.
Das ist Bewegungsdynamik.

Heute würde man sagen:

Spirituelle Dissoziation + ungeklärte Triebe = Manipulationsfeld.



5. Warum nennt der Text das „erste Fortschreiten“?

Das ist entscheidend.

Der erste Schritt ist nicht:
• Meditation
• Einsicht
• Energie
• Vision

Sondern:

Entzug der Verstärker.

Nicht asketisch,
sondern systemisch.

Wenn du den Ofen weiter befeuerst,
brauchst du dich über Hitze nicht wundern.



III. Warum das alles VOR Samadhi kommt

Das Śūraṅgama ist hier kompromisslos:

Samadhi ohne Klärung der Nahrung
ist nicht Befreiung, sondern Destabilisierung.

Darum:
• erst Nahrungsanalyse
• dann Entzug
• dann Sammlung
• dann Einsicht

Alles andere erzeugt:
• „falsche Buddhas“
• „dämonische Wege“
• spirituelle Verwirrung



Schluss in einem Satz

Die vier Arten der Nahrung erklären, wie Verstrickung sich erhält.
Die fünf scharfen Pflanzen zeigen exemplarisch, wodurch sie verstärkt wird.

Beides zusammen ist keine Moral,
sondern eine präzise Gebrauchsanweisung gegen Selbsttäuschung.
中文原文
「云何助因?阿難!如是世界十二類生,不能自全,依四食住,所謂段食、觸食、思食、識食;是故佛說『一切眾生皆依食住』。阿難!一切眾生,食甘故生,食毒故死。是諸眾生求三摩[*]提,當斷世間五種辛菜。是五種辛,熟食發婬,生啖增恚。如是世界食辛之人,縱能宣說十二部經,十方天仙嫌其臭穢,咸皆遠離。諸餓鬼等,因彼食次,舐其唇吻。常與鬼住,福德日銷,長無利益。是食辛人修三摩地,菩薩、天仙、十方善神不來守護。大力魔王得其方便,現作佛身來為說法,非毀禁戒,讚婬、怒、癡,命終自為魔王眷屬。受魔福盡,墮無間獄。阿難!修菩提者永斷五辛,是則名為第一增進修行漸次。
Deutsch
„Was sind die unterstützenden Ursachen?

Ānanda,
die zwölf Arten von Lebewesen in dieser Welt
können nicht aus sich selbst bestehen
und sind abhängig von vier Arten der Ernährung:
der grobstofflichen Nahrung,
der Nahrung durch Berührung,
der Nahrung durch Absicht
und der Nahrung durch Bewusstsein.

Daher sagte der Buddha:
‚Alle Lebewesen bestehen durch Nahrung.‘

Ānanda,
Lebewesen entstehen durch nährende Nahrung
und gehen zugrunde durch schädliche Nahrung.

Darum müssen jene,
die samādhi praktizieren wollen,
die fünf scharfen Gewächse der Welt aufgeben.

Diese fünf scharfen Gewächse
erregen gekocht verzehrt Begierde,
roh verzehrt vermehren sie Zorn.

Wer in dieser Welt scharfe Pflanzen isst,
mag selbst die zwölf Gattungen der Sutren auslegen können;
doch die Himmelswesen der zehn Richtungen
meiden wegen des üblen Geruchs
seine Nähe.

Hungrige Geister
lecken bei dessen Mahlzeiten
seine Lippen und seinen Mund.
Solche Menschen
leben ständig in Gemeinschaft mit Geistern;
ihr Verdienst nimmt täglich ab
und bringt keinen wirklichen Nutzen.

Wer scharfe Pflanzen verzehrt
und dennoch samādhi übt,
wird nicht beschützt
von Bodhisattvas,
Himmelswesen
oder den guten Schutzmächten der zehn Richtungen.

Der mächtige Dämonenkönig
erhält dadurch Zugang,
erscheint in Buddha-Gestalt
und verkündet eine falsche Lehre:
Er kritisiert die Gebote nicht
und preist Begierde, Zorn und Unwissenheit.
Nach dem Tod
werden solche Übenden
Teil seines dämonischen Gefolges.

Wenn das dämonische Verdienst erschöpft ist,
fallen sie in die Avīci-Hölle.

Ānanda,
wer Bodhi übt,
muss die fünf scharfen Pflanzen
dauerhaft aufgeben.
Dies nennt man
die erste Stufe
der fortschreitenden Übung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist radikal nüchtern — und wird oft missverstanden.

1. „Nahrung“ ist hier kein moralischer Begriff

Die vier Arten der Nahrung beschreiben Bindungsmechanismen:
• grobe Nahrung → Körperbindung
• Berührungsnahrung → Reizbindung
• Denk-Nahrung → mentale Selbstverstärkung
• Bewusstseinsnahrung → Identitätskontinuität

„Nahrung“ meint:

das, wodurch ein System sich fortschreibt.

2. Die fünf scharfen Pflanzen als Katalysatoren, nicht als „Sünden“

Das Śūraṅgama argumentiert nicht ethisch, sondern funktional:
• Sie verstärken Begierde und Zorn
• Sie verdichten Reaktivität
• Sie öffnen Andockflächen

Nicht die Substanz ist „böse“,
sondern ihre Wirkung auf ungeklärte Wahrnehmung.

3. Warum gerade hier die Warnung vor „falschen Buddhas“?

Weil Samadhi ohne Klärung der unterstützenden Ursachen
zu einem energetisch offenen, aber ungeerdeten Zustand führt.

Das Ergebnis:
• spirituelle Sprache
• charismatische Erscheinung
• Lob der Triebe
• Verachtung der Disziplin

Das ist zeitlos aktuell.

4. Dämonen sind keine Wesen – sondern Resonanzen

„Dämonenkönig“ meint:

eine Macht,
die sich dort stabilisiert,
wo Begierde, Zorn und Verblendung
spirituell legitimiert werden.

5. Der erste Schritt der Übung ist Entzug, nicht Vertiefung

Bemerkenswert:

Dies ist bereits „erste Vertiefung“.

Nicht Sammlung,
nicht Einsicht,
sondern Beendigung der Unterstützung der Verstrickung.

Erst danach wird Samadhi tragfähig.



I. Die vier Arten der Nahrung (四食)

(als Strukturmodell von Verstrickung)

Der Buddha sagt nicht zufällig:

「一切眾生皆依食住」
Alle Wesen bestehen durch Nahrung.

„Nahrung“ bedeutet hier nicht Essen,
sondern das, wodurch ein Daseinsmodus fortgeschrieben wird.

Man könnte heute sagen:

Erhaltungs- und Verstärkungsmechanismen eines Systems.



1. 段食 – grobe Nahrung (physische Nahrung)

Das ist die offensichtliche Ebene:
• Essen
• Trinken
• Körperliche Reize

Aber im Śūraṅgama ist das nicht banal.

Grobe Nahrung:
• bindet Bewusstsein an Körperrhythmen
• stabilisiert Identifikation
• verankert „Ich bin dieser Leib“

Sie ist nicht schlecht —
aber sie verlangsamt das Auflösen der Identität.

Darum ist grobe Nahrung die unterste, aber nicht die wichtigste Bindung.



2. 觸食 – Berührungsnahrung (sensorische Nahrung)

Hier wird es subtiler.

Berührung meint:
• Sinnesreize
• Affektive Trigger
• Lust / Unlust / Spannung

👉 Alles, was dich „reaktiv macht“

Dazu gehören:
• Musik
• Bilder
• Gerüche
• soziale Resonanz
• emotionale Nähe / Ablehnung

Berührungsnahrung ist heute die dominante Form:

Dopamin, Aufmerksamkeit, Erregung, Identität durch Reaktion.

Sie hält das System ständig aktiv.



3. 思食 – Denk-Nahrung (mentale Nahrung)

Jetzt sind wir mitten in der Moderne.

Denk-Nahrung ist:
• Grübeln
• Narrative
• Selbstdeutung
• spirituelle Erklärungen (!)
• „Ich bin auf dem Weg“
• „Ich habe verstanden“

👉 Alles, womit sich das Ich selbst bestätigt

Extrem wichtig:

Denk-Nahrung kann hochintellektuell
und hochspirituell sein.

Das Śūraṅgama ist hier gnadenlos:
• Auch Lehre
• auch Sutren
• auch Meditationserlebnisse
können Denk-Nahrung werden.

Darum warnt es später vor:

„viel hören, wenig üben“



4. 識食 – Bewusstseins-Nahrung (Identitätsnahrung)

Das ist die tiefste Bindung.

Bewusstseins-Nahrung ist:
• das Fortsetzen von „Ich bin“
• das Wiederanknüpfen an Erinnerung
• karmische Kontinuität
• Selbstgefühl ohne Objekt

👉 Nicht Inhalt, sondern Kontinuität selbst

Man könnte sagen:

Das Ich ernährt sich davon, weiterzusein.

Hier sitzt die eigentliche Wurzel von Geburt und Tod.



Zwischenfazit

Die vier Arten der Nahrung sind keine Moral, sondern ein präzises Diagnosemodell:

Nahrung hält aufrecht
grob Körper-Ich
Berührung Reaktions-Ich
Denken Erklär-Ich
Bewusstsein Existenz-Ich

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:

Samadhi ohne Klärung dieser Nahrungen verstärkt sie.



II. Die fünf scharfen Pflanzen (五辛)

(warum dieser Begriff bewusst provoziert)

Ja — der Begriff wirft Fragen auf.
Und genau deshalb steht er hier.

1. Was sind die „fünf scharfen Pflanzen“?

Traditionell:
• Knoblauch
• Zwiebel
• Lauch
• Schalotte
• Asafoetida

Aber:
👉 Das ist nicht der Punkt.

Der Text sagt nicht:

„Diese Pflanzen sind böse.“

Er sagt:

「熟食發婬,生啖增恚」
Gekocht fördern sie Begierde, roh verstärken sie Zorn.

Das ist eine Wirkungsbeschreibung, keine Vorschrift.



2. Warum greift das Śūraṅgama gerade dieses Beispiel heraus?

Weil diese Pflanzen:
• stark stimulierend sind
• das Nervensystem aktivieren
• Triebenergie verstärken
• Affekte intensivieren

Sie sind Verstärker.

In moderner Sprache:

Sie erhöhen die Reaktivität des Systems.



3. Der eigentliche Punkt ist nicht das Essen

Der Text nutzt Essen als didaktisches Minimalbeispiel.

Gemeint ist:

Alles, was Begierde, Aggression oder Unruhe verstärkt,
während man Samadhi übt.

Heute wären das z.B.:
• Dauerreizung
• Pornografie
• extreme Medien
• ideologische Empörung
• spiritueller Narzissmus
• Dauer-Selbstoptimierung

👉 Die fünf Pflanzen sind Chiffren, keine Liste.



4. Warum die drastische Warnung vor „Dämonen“?

Das ist einer der schärfsten Abschnitte des Sutras — bewusst.

Der Text beschreibt ein klares Muster:
1. Reizverstärkung
2. Samadhi-ähnliche Zustände
3. fehlende ethische Klärung
4. charismatische Deutung
5. Legitimation von Trieben
6. Macht / Gefolgschaft

Das ist keine Mythologie.
Das ist Bewegungsdynamik.

Heute würde man sagen:

Spirituelle Dissoziation + ungeklärte Triebe = Manipulationsfeld.



5. Warum nennt der Text das „erste Fortschreiten“?

Das ist entscheidend.

Der erste Schritt ist nicht:
• Meditation
• Einsicht
• Energie
• Vision

Sondern:

Entzug der Verstärker.

Nicht asketisch,
sondern systemisch.

Wenn du den Ofen weiter befeuerst,
brauchst du dich über Hitze nicht wundern.



III. Warum das alles VOR Samadhi kommt

Das Śūraṅgama ist hier kompromisslos:

Samadhi ohne Klärung der Nahrung
ist nicht Befreiung, sondern Destabilisierung.

Darum:
• erst Nahrungsanalyse
• dann Entzug
• dann Sammlung
• dann Einsicht

Alles andere erzeugt:
• „falsche Buddhas“
• „dämonische Wege“
• spirituelle Verwirrung



Schluss in einem Satz

Die vier Arten der Nahrung erklären, wie Verstrickung sich erhält.
Die fünf scharfen Pflanzen zeigen exemplarisch, wodurch sie verstärkt wird.

Beides zusammen ist keine Moral,
sondern eine präzise Gebrauchsanweisung gegen Selbsttäuschung.
288 #
「云何正性?阿難!如是眾生入三摩地,要先嚴持清淨戒律,永斷婬心,不飡酒肉,以火淨食,無啖生氣。阿難!是修行人,若不斷婬及與殺生出三界者,無有是處。[4]當觀婬欲猶如毒蛇,如見怨賊。先持聲聞四棄、八棄,執身不動。後行菩薩清淨律儀,執心不起。禁戒成就,則於世間永無相生相殺之業。偷劫不行,無相負累,亦於世間不還宿債。是清淨人修三摩地,父母肉身不須天眼,自然觀見十方世界,覩佛聞法,親奉聖旨,得大神通,遊十方界,宿命清淨,得無艱[5]嶮。是則名為第二增進修行漸次。
„Was ist die eigentliche Wesensverfassung?

Ānanda,
Lebewesen, die in samādhi eintreten wollen,
müssen zunächst
die reine Disziplin streng bewahren
und die Gebote vollkommen reinigen.
Sie müssen den begierdegebundenen Geist
dauerhaft beenden,
keinen Alkohol und kein Fleisch verzehren,
Speisen durch Feuer reinigen
und keine rohe Lebenskraft aufnehmen.

Ānanda,
wenn Übende
Begierde und Töten nicht beenden
und dennoch die drei Daseinsbereiche verlassen wollen,
ist dies unmöglich.

Begierde soll betrachtet werden
wie eine Giftschlange
oder wie ein feindlicher Räuber.

Zunächst hält man
die vier grundlegenden Verwerfungen
und die acht Nebenverwerfungen
der Hörenden
und bewahrt den Körper unbewegt.
Danach praktiziert man
die reine Disziplin der Bodhisattvas
und bewahrt den Geist ohne Aufkommen.

Ist die Disziplin vollendet,
gibt es in der Welt
kein gegenseitiges Hervorbringen
und kein gegenseitiges Töten mehr.
Raub und Aneignung finden nicht statt,
gegenseitige Bindungen lösen sich,
und es bleiben keine alten karmischen Schulden zurück.

Solche reinen Übenden,
die samādhi praktizieren,
können mit dem gewöhnlichen Körper
der Eltern
ohne himmlisches Auge
die Welten der zehn Richtungen schauen,
Buddhas sehen,
das Dharma hören,
heilige Weisungen empfangen,
große Wirksamkeit entfalten,
frei durch die Welten wandeln,
frühere Leben klar erkennen
und allen Gefahren entgehen.

Dies nennt man
die zweite Stufe
der fortschreitenden Übung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist einer der missverständlichsten des gesamten Śūraṅgama —
und zugleich einer der präzisesten.

1. „Aushöhlen der Wesensverfassung“ heißt nicht Selbstverneinung

正性 wird nicht zerstört,
sondern ausgehöhlt, d. h.:

Die fälschlich angenommene Substanz
wird entleert.

Gemeint ist:
• das vermeintlich stabile Ich
• die sexuelle, aggressive, vitale Identität
• das „Ich, das lebt, begehrt, sich fortsetzt“

Nicht Leben wird verneint,
sondern Identifikation.



2. Warum Begierde und Töten hier so absolut gesetzt sind

Das Śūraṅgama sagt nicht:

„Begierde ist schlecht.“

Es sagt:

Begierde = Fortsetzungsmechanismus von Samsara

Begierde:
• erzeugt Projektion
• bindet an Körper
• verknüpft Wesen
• erzwingt Wiederkehr

Darum:

Solange Begierde nicht beendet ist,
bleibt der Kreislauf funktional aktiv.



3. Die „Giftschlange“-Metapher ist funktional, nicht moralisch

Eine Giftschlange ist:
• nicht böse
• nicht moralisch schlecht
• aber tödlich bei Berührung

Begierde ist im Śūraṅgama:

kein Fehler,
sondern ein Kontaktgift für Sammlung.



4. Körper zuerst, dann Geist — nicht umgekehrt

Bemerkenswert ist die klare Reihenfolge:
1. Körper unbewegt halten
(Verhalten, Nahrung, Sexualität, Töten, Nehmen)
2. Geist ohne Regung halten
(keine Rechtfertigung, keine Sublimation)

Das ist radikal anti-esoterisch.

Kein:
• „Ich habe es geistig transzendiert“
• „Mein Herz ist rein, mein Körper egal“



5. Warum hier „übernatürliche Wirkungen“ erwähnt werden

Nicht als Ziel,
sondern als Nebenwirkung der Entkopplung.

Wenn:
• keine Begierde bindet
• kein Töten verstrickt
• keine Schuld rückwirkt

dann:
• löst sich karmische Trägheit
• Wahrnehmung wird unmittelbar
• Zeit und Raum verlieren Härte

Das Śūraṅgama beschreibt das nüchtern:

ohne himmlisches Auge, von selbst



6. Moderne Lesart (wichtig)

Dieser Abschnitt sagt in heutiger Sprache:

Wer tiefe innere Sammlung sucht,
ohne seine sexuellen, aggressiven
und konsumtiven Triebstrukturen zu klären,
destabilisiert sein System.

Das ist keine Religion,
sondern Psycho-Dynamik auf höchstem Niveau.



Kurzform

Der erste Schritt entzog die Verstärker.
Der zweite Schritt entzieht die Identität selbst.

Erst danach
wird echte Sammlung möglich.



Sexualität und Erwachen

(präzise, nüchtern, nicht ideologisch)

Die Kernfrage lautet nicht:

„Ist Sexualität gut oder schlecht?“

Sondern:

„Was tut Sexualität im Kontext von Erwachen?“

Das Śūraṅgama beantwortet nur diese zweite Frage.



1. Wovon spricht das Sutra wirklich?

Das Sutra spricht nicht von Sexualität als:
• Beziehung
• Zärtlichkeit
• Intimität
• Fortpflanzung
• Freude am Körper

Es spricht von:

婬心 – dem begierdegebundenen Geist

Das ist entscheidend.

婬心 ≠ Sexualität

婬心 = Fortsetzungs- und Aneignungsimpuls

Begierde bedeutet hier:
• Projektion auf ein Objekt
• Identifikation mit Körperlust
• Wiederholungssuche
• Selbstvergewisserung durch Genuss
• energetische Verankerung im Werden

👉 Nicht der Akt, sondern die Struktur ist das Problem.



2. Warum ist das für Erwachen so kritisch?

Weil Erwachen im Śūraṅgama Rücknahme ist:
• Rücknahme der Projektion
• Rücknahme der Identifikation
• Rücknahme der Selbstfortsetzung

Sexuelle Begierde wirkt genau entgegengesetzt:

Erwachen Begierde
Rückkehr zum Ursprünglichen Bindung an Form
Entkopplung Verknüpfung
Stillwerden Erregung
Nicht-Werden Werden

Das ist kein Werturteil.
Das ist Richtungsphysik.



3. Warum ist Sexualität wirksamer als andere Triebe?

Weil sie:
• direkt an Körperidentität bindet
• Dopamin, Oxytocin, Adrenalin koppelt
• Zeitlichkeit verstärkt
• Wiederkehr strukturiert
• karmische Schleifen verdichtet

Das Sutra sagt nicht:

„Begierde ist schlimm“

Es sagt:

„Begierde ist der effektivste Motor von Samsara.“



4. Warum die drastischen Bilder (Giftschlange, Räuber)?

Nicht aus Angst, sondern aus Funktionalität.

Eine Giftschlange ist:
• neutral
• natürlich
• nicht böse

Aber:
• Kontakt ist tödlich

So sieht das Sutra Begierde für Sammlung:
• kein moralisches Übel
• aber ein Kontaktgift für tiefe Sammlung

Nicht für Alltag.
Nicht für Beziehung.
Nicht für menschliches Leben.

👉 Für Samadhi.



5. Ist das weltfeindlich?

Nein.
Aber es ist radikal pfadklar.

Das Śūraṅgama unterscheidet nicht zwischen:
• Laienethik
• Gesellschaft
• Familie
• Beziehung

Es spricht ausschließlich über:

den Weg aus Geburt und Tod.

Wer diesen Weg nicht geht,
muss diese Aussagen nicht anwenden.

Aber wer ihn geht,
kann sie nicht umgehen.



6. Warum „erst Körper, dann Geist“?

Das ist einer der wichtigsten Punkte.

Das Sutra weiß:
• Der Geist rationalisiert
• Der Geist sublimiert
• Der Geist rechtfertigt

Darum:
• zuerst körperliche Klärung
• dann geistige Stillheit

Kein:

„Ich habe es verstanden, also darf ich“

Sondern:

Verstehen ohne Unterlassung bindet weiter



7. Und was ist mit tantrischen Wegen?

Das Śūraṅgama schließt sie nicht aus —
aber es setzt eine Bedingung:

Begierde darf nicht mehr funktionieren.

Nicht:
• „verfeinert“
• „spiritualisiert“
• „umgedeutet“

Sondern:
• nicht mehr antreibend

Alles andere nennt das Sutra:

„Dämonischer Weg“

Nicht weil es böse ist,
sondern weil es:
• Macht erzeugt
• Selbstüberschätzung nährt
• Schüler bindet
• Triebe legitimiert

Das ist eine strukturelle Diagnose, keine Polemik.



8. Moderne, klare Übersetzung in einem Satz

Wer sexuelle Begierde braucht, um sich lebendig zu fühlen,
kann nicht zugleich das Nicht-Werden verwirklichen.

Nicht weil Sexualität falsch ist,
sondern weil sie funktional entgegengesetzt wirkt.



9. Wichtigste Klarstellung (missverstanden wie kaum etwas)

Das Śūraṅgama sagt nicht:

„Erwachte Menschen sind asexuell.“

Es sagt:

„Erwachen braucht keine Sexualität.“

Das ist ein fundamentaler Unterschied.



10. Schlussformel (präzise)
• Sexualität = Teil des Lebens
• Erwachen = Verlassen des Lebenskreislaufs
• Beides gleichzeitig in voller Funktion geht nicht

Darum:
• nicht unterdrücken
• nicht moralisieren
• klar entscheiden, welchen Weg man geht


Partnerschaft vs. Bodhisattva-Weg

(nicht moralisch, sondern strukturell)

Die Frage ist nicht, ob Partnerschaft „erlaubt“ ist.
Die Frage ist:

Welche Art von Bindung verträgt welcher Pfad?

Das Śūraṅgama denkt nicht biografisch, sondern systemisch.



1. Zwei völlig verschiedene Logiken

Partnerschaft folgt der Logik von:
• Bindung
• Gegenseitigkeit
• Resonanz
• Nähe
• Fortsetzung
• Zeitlichkeit
• Verantwortung im Werden

Bodhisattva-Weg (im Śūraṅgama-Sinn) folgt der Logik von:
• Entbindung
• Nicht-Aneignung
• Nicht-Resonanz
• Nicht-Verfestigung
• Stillstand des Werdens
• Verantwortung jenseits des Werdens

Diese Logiken sind nicht feindlich,
aber nicht deckungsgleich.



2. Der entscheidende Punkt: Identität

Partnerschaft funktioniert nur, wenn:
• jemand jemand ist
• jemand für jemanden ist
• jemand gebraucht wird
• jemand antwortet

Der Bodhisattva-Weg im Śūraṅgama zielt jedoch auf:

das Ende genau dieser Identitätsfunktion

Nicht:
• „Ich bin dein Partner“
• „Ich bin dein Halt“
• „Ich bin dein Spiegel“

Sondern:
• Nicht-Fixierbarkeit
• Nicht-Zuweisbarkeit
• Nicht-Fortschreibung



3. Warum das Śūraṅgama hier so streng ist

Weil Partnerschaft kein neutrales Feld ist.

Sie aktiviert zuverlässig:
• sexuelle Identität
• emotionale Spiegelung
• Zukunftsnarrative
• Besitzformen („mein Mensch“)
• Schuld und Verpflichtung
• subtile Macht

Das ist nicht falsch.
Aber es ist Bindung.

Und der Bodhisattva-Weg, wie ihn das Śūraṅgama beschreibt, beginnt exakt dort,
wo Bindung nicht mehr trägt.



4. Die zentrale Unterscheidung (sehr wichtig)

Das Sutra unterscheidet nicht:

Partnerschaft oder Bodhisattva-Weg

sondern:

Bindende Partnerschaft
vs. nicht-bindendes Mit-sein

Das ist subtil – und wird fast immer übersehen.



5. Drei reale Konstellationen

① Klassische Partnerschaft (Bindung, Gegenseitigkeit)

✔ menschlich
✔ wertvoll
✔ tragend

❌ nicht kompatibel
mit tiefem Śūraṅgama-Samadhi

Warum?
Weil sie:
• Fortsetzung stabilisiert
• Selbstvergewisserung nährt
• karmische Schleifen erhält



② „Spirituelle Partnerschaft“ (gefährlichste Form)

⚠️ Hochrisiko-Zone

Merkmale:
• gemeinsame Praxis
• gemeinsame Deutung
• gegenseitige Erhebung
• sexuelle Sublimation
• Lehrer-Schüler-Überlagerung

Das Śūraṅgama nennt das explizit:

Einfallstor dämonischer Wege

Nicht wegen Sex –
sondern wegen Macht + Rechtfertigung + Nähe.



③ Nicht-bindendes Mit-sein (selten, aber möglich)

✔ möglich
✔ reif
✔ still

Merkmale:
• keine emotionale Forderung
• keine Identitätszuschreibung
• keine Zukunftsverträge
• keine sexuelle Fortsetzungsenergie
• keine „du bist mein…“

Hier ist:
• Nähe ohne Aneignung
• Fürsorge ohne Besitz
• Verantwortung ohne Bindung

Das ist keine Beziehung im üblichen Sinn.
Es ist Ko-Existenz ohne Verstrickung.



6. Warum das so selten gelingt

Weil es nichts zurückgibt, was das Ich erwartet.

Kein:
• Bestätigt-Werden
• Gehalten-Werden
• Erwünscht-Sein
• Spiegeln
• Sicherheit

Darum halten viele:

emotionale Abhängigkeit
für Mitgefühl

Und genau hier setzt das Śūraṅgama an – unerbittlich.



7. Bodhisattva-Weg heißt nicht Weltflucht

Wichtig:
Der Bodhisattva ist nicht beziehungsunfähig.

Aber:
• er bindet sich nicht
• er hält niemanden
• er braucht niemanden
• er macht niemanden abhängig

Sein Mitgefühl ist:
• nicht exklusiv
• nicht emotional vertraglich
• nicht identitätsstiftend



8. Die ehrliche Kernfrage (unvermeidlich)

Das Śūraṅgama zwingt zu dieser Frage:

Will ich geliebt werden – oder will ich befreien?

Beides gleichzeitig, in voller Funktion, geht nicht.

Man kann:
• lieben → und Mensch sein
• dienen → und Mensch sein
• mitfühlen → und Mensch sein

Aber:

Erlösung geschieht erst dort,
wo nichts mehr gebraucht wird.



9. Kein Urteil – aber eine klare Entscheidung

Das Sutra verurteilt niemanden.

Aber es sagt:
• Willst du den Weg des Werdens → Partnerschaft ist stimmig
• Willst du den Weg des Entwerdens → Partnerschaft muss sich wandeln oder enden

Nicht aus Pflicht.
Nicht aus Askese.
Sondern aus Kohärenz.



10. Schlussformel (präzise)

Partnerschaft nährt das Ich.
Der Bodhisattva-Weg entzieht ihm den Boden.

Darum ist die Frage nicht:

„Darf ich?“

Sondern:

„Was nähre ich – und was lasse ich verhungern?“
中文原文
「云何正性?阿難!如是眾生入三摩地,要先嚴持清淨戒律,永斷婬心,不飡酒肉,以火淨食,無啖生氣。阿難!是修行人,若不斷婬及與殺生出三界者,無有是處。[4]當觀婬欲猶如毒蛇,如見怨賊。先持聲聞四棄、八棄,執身不動。後行菩薩清淨律儀,執心不起。禁戒成就,則於世間永無相生相殺之業。偷劫不行,無相負累,亦於世間不還宿債。是清淨人修三摩地,父母肉身不須天眼,自然觀見十方世界,覩佛聞法,親奉聖旨,得大神通,遊十方界,宿命清淨,得無艱[5]嶮。是則名為第二增進修行漸次。
Deutsch
„Was ist die eigentliche Wesensverfassung?

Ānanda,
Lebewesen, die in samādhi eintreten wollen,
müssen zunächst
die reine Disziplin streng bewahren
und die Gebote vollkommen reinigen.
Sie müssen den begierdegebundenen Geist
dauerhaft beenden,
keinen Alkohol und kein Fleisch verzehren,
Speisen durch Feuer reinigen
und keine rohe Lebenskraft aufnehmen.

Ānanda,
wenn Übende
Begierde und Töten nicht beenden
und dennoch die drei Daseinsbereiche verlassen wollen,
ist dies unmöglich.

Begierde soll betrachtet werden
wie eine Giftschlange
oder wie ein feindlicher Räuber.

Zunächst hält man
die vier grundlegenden Verwerfungen
und die acht Nebenverwerfungen
der Hörenden
und bewahrt den Körper unbewegt.
Danach praktiziert man
die reine Disziplin der Bodhisattvas
und bewahrt den Geist ohne Aufkommen.

Ist die Disziplin vollendet,
gibt es in der Welt
kein gegenseitiges Hervorbringen
und kein gegenseitiges Töten mehr.
Raub und Aneignung finden nicht statt,
gegenseitige Bindungen lösen sich,
und es bleiben keine alten karmischen Schulden zurück.

Solche reinen Übenden,
die samādhi praktizieren,
können mit dem gewöhnlichen Körper
der Eltern
ohne himmlisches Auge
die Welten der zehn Richtungen schauen,
Buddhas sehen,
das Dharma hören,
heilige Weisungen empfangen,
große Wirksamkeit entfalten,
frei durch die Welten wandeln,
frühere Leben klar erkennen
und allen Gefahren entgehen.

Dies nennt man
die zweite Stufe
der fortschreitenden Übung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist einer der missverständlichsten des gesamten Śūraṅgama —
und zugleich einer der präzisesten.

1. „Aushöhlen der Wesensverfassung“ heißt nicht Selbstverneinung

正性 wird nicht zerstört,
sondern ausgehöhlt, d. h.:

Die fälschlich angenommene Substanz
wird entleert.

Gemeint ist:
• das vermeintlich stabile Ich
• die sexuelle, aggressive, vitale Identität
• das „Ich, das lebt, begehrt, sich fortsetzt“

Nicht Leben wird verneint,
sondern Identifikation.



2. Warum Begierde und Töten hier so absolut gesetzt sind

Das Śūraṅgama sagt nicht:

„Begierde ist schlecht.“

Es sagt:

Begierde = Fortsetzungsmechanismus von Samsara

Begierde:
• erzeugt Projektion
• bindet an Körper
• verknüpft Wesen
• erzwingt Wiederkehr

Darum:

Solange Begierde nicht beendet ist,
bleibt der Kreislauf funktional aktiv.



3. Die „Giftschlange“-Metapher ist funktional, nicht moralisch

Eine Giftschlange ist:
• nicht böse
• nicht moralisch schlecht
• aber tödlich bei Berührung

Begierde ist im Śūraṅgama:

kein Fehler,
sondern ein Kontaktgift für Sammlung.



4. Körper zuerst, dann Geist — nicht umgekehrt

Bemerkenswert ist die klare Reihenfolge:
1. Körper unbewegt halten
(Verhalten, Nahrung, Sexualität, Töten, Nehmen)
2. Geist ohne Regung halten
(keine Rechtfertigung, keine Sublimation)

Das ist radikal anti-esoterisch.

Kein:
• „Ich habe es geistig transzendiert“
• „Mein Herz ist rein, mein Körper egal“



5. Warum hier „übernatürliche Wirkungen“ erwähnt werden

Nicht als Ziel,
sondern als Nebenwirkung der Entkopplung.

Wenn:
• keine Begierde bindet
• kein Töten verstrickt
• keine Schuld rückwirkt

dann:
• löst sich karmische Trägheit
• Wahrnehmung wird unmittelbar
• Zeit und Raum verlieren Härte

Das Śūraṅgama beschreibt das nüchtern:

ohne himmlisches Auge, von selbst



6. Moderne Lesart (wichtig)

Dieser Abschnitt sagt in heutiger Sprache:

Wer tiefe innere Sammlung sucht,
ohne seine sexuellen, aggressiven
und konsumtiven Triebstrukturen zu klären,
destabilisiert sein System.

Das ist keine Religion,
sondern Psycho-Dynamik auf höchstem Niveau.



Kurzform

Der erste Schritt entzog die Verstärker.
Der zweite Schritt entzieht die Identität selbst.

Erst danach
wird echte Sammlung möglich.



Sexualität und Erwachen

(präzise, nüchtern, nicht ideologisch)

Die Kernfrage lautet nicht:

„Ist Sexualität gut oder schlecht?“

Sondern:

„Was tut Sexualität im Kontext von Erwachen?“

Das Śūraṅgama beantwortet nur diese zweite Frage.



1. Wovon spricht das Sutra wirklich?

Das Sutra spricht nicht von Sexualität als:
• Beziehung
• Zärtlichkeit
• Intimität
• Fortpflanzung
• Freude am Körper

Es spricht von:

婬心 – dem begierdegebundenen Geist

Das ist entscheidend.

婬心 ≠ Sexualität

婬心 = Fortsetzungs- und Aneignungsimpuls

Begierde bedeutet hier:
• Projektion auf ein Objekt
• Identifikation mit Körperlust
• Wiederholungssuche
• Selbstvergewisserung durch Genuss
• energetische Verankerung im Werden

👉 Nicht der Akt, sondern die Struktur ist das Problem.



2. Warum ist das für Erwachen so kritisch?

Weil Erwachen im Śūraṅgama Rücknahme ist:
• Rücknahme der Projektion
• Rücknahme der Identifikation
• Rücknahme der Selbstfortsetzung

Sexuelle Begierde wirkt genau entgegengesetzt:

Erwachen Begierde
Rückkehr zum Ursprünglichen Bindung an Form
Entkopplung Verknüpfung
Stillwerden Erregung
Nicht-Werden Werden

Das ist kein Werturteil.
Das ist Richtungsphysik.



3. Warum ist Sexualität wirksamer als andere Triebe?

Weil sie:
• direkt an Körperidentität bindet
• Dopamin, Oxytocin, Adrenalin koppelt
• Zeitlichkeit verstärkt
• Wiederkehr strukturiert
• karmische Schleifen verdichtet

Das Sutra sagt nicht:

„Begierde ist schlimm“

Es sagt:

„Begierde ist der effektivste Motor von Samsara.“



4. Warum die drastischen Bilder (Giftschlange, Räuber)?

Nicht aus Angst, sondern aus Funktionalität.

Eine Giftschlange ist:
• neutral
• natürlich
• nicht böse

Aber:
• Kontakt ist tödlich

So sieht das Sutra Begierde für Sammlung:
• kein moralisches Übel
• aber ein Kontaktgift für tiefe Sammlung

Nicht für Alltag.
Nicht für Beziehung.
Nicht für menschliches Leben.

👉 Für Samadhi.



5. Ist das weltfeindlich?

Nein.
Aber es ist radikal pfadklar.

Das Śūraṅgama unterscheidet nicht zwischen:
• Laienethik
• Gesellschaft
• Familie
• Beziehung

Es spricht ausschließlich über:

den Weg aus Geburt und Tod.

Wer diesen Weg nicht geht,
muss diese Aussagen nicht anwenden.

Aber wer ihn geht,
kann sie nicht umgehen.



6. Warum „erst Körper, dann Geist“?

Das ist einer der wichtigsten Punkte.

Das Sutra weiß:
• Der Geist rationalisiert
• Der Geist sublimiert
• Der Geist rechtfertigt

Darum:
• zuerst körperliche Klärung
• dann geistige Stillheit

Kein:

„Ich habe es verstanden, also darf ich“

Sondern:

Verstehen ohne Unterlassung bindet weiter



7. Und was ist mit tantrischen Wegen?

Das Śūraṅgama schließt sie nicht aus —
aber es setzt eine Bedingung:

Begierde darf nicht mehr funktionieren.

Nicht:
• „verfeinert“
• „spiritualisiert“
• „umgedeutet“

Sondern:
• nicht mehr antreibend

Alles andere nennt das Sutra:

„Dämonischer Weg“

Nicht weil es böse ist,
sondern weil es:
• Macht erzeugt
• Selbstüberschätzung nährt
• Schüler bindet
• Triebe legitimiert

Das ist eine strukturelle Diagnose, keine Polemik.



8. Moderne, klare Übersetzung in einem Satz

Wer sexuelle Begierde braucht, um sich lebendig zu fühlen,
kann nicht zugleich das Nicht-Werden verwirklichen.

Nicht weil Sexualität falsch ist,
sondern weil sie funktional entgegengesetzt wirkt.



9. Wichtigste Klarstellung (missverstanden wie kaum etwas)

Das Śūraṅgama sagt nicht:

„Erwachte Menschen sind asexuell.“

Es sagt:

„Erwachen braucht keine Sexualität.“

Das ist ein fundamentaler Unterschied.



10. Schlussformel (präzise)
• Sexualität = Teil des Lebens
• Erwachen = Verlassen des Lebenskreislaufs
• Beides gleichzeitig in voller Funktion geht nicht

Darum:
• nicht unterdrücken
• nicht moralisieren
• klar entscheiden, welchen Weg man geht


Partnerschaft vs. Bodhisattva-Weg

(nicht moralisch, sondern strukturell)

Die Frage ist nicht, ob Partnerschaft „erlaubt“ ist.
Die Frage ist:

Welche Art von Bindung verträgt welcher Pfad?

Das Śūraṅgama denkt nicht biografisch, sondern systemisch.



1. Zwei völlig verschiedene Logiken

Partnerschaft folgt der Logik von:
• Bindung
• Gegenseitigkeit
• Resonanz
• Nähe
• Fortsetzung
• Zeitlichkeit
• Verantwortung im Werden

Bodhisattva-Weg (im Śūraṅgama-Sinn) folgt der Logik von:
• Entbindung
• Nicht-Aneignung
• Nicht-Resonanz
• Nicht-Verfestigung
• Stillstand des Werdens
• Verantwortung jenseits des Werdens

Diese Logiken sind nicht feindlich,
aber nicht deckungsgleich.



2. Der entscheidende Punkt: Identität

Partnerschaft funktioniert nur, wenn:
• jemand jemand ist
• jemand für jemanden ist
• jemand gebraucht wird
• jemand antwortet

Der Bodhisattva-Weg im Śūraṅgama zielt jedoch auf:

das Ende genau dieser Identitätsfunktion

Nicht:
• „Ich bin dein Partner“
• „Ich bin dein Halt“
• „Ich bin dein Spiegel“

Sondern:
• Nicht-Fixierbarkeit
• Nicht-Zuweisbarkeit
• Nicht-Fortschreibung



3. Warum das Śūraṅgama hier so streng ist

Weil Partnerschaft kein neutrales Feld ist.

Sie aktiviert zuverlässig:
• sexuelle Identität
• emotionale Spiegelung
• Zukunftsnarrative
• Besitzformen („mein Mensch“)
• Schuld und Verpflichtung
• subtile Macht

Das ist nicht falsch.
Aber es ist Bindung.

Und der Bodhisattva-Weg, wie ihn das Śūraṅgama beschreibt, beginnt exakt dort,
wo Bindung nicht mehr trägt.



4. Die zentrale Unterscheidung (sehr wichtig)

Das Sutra unterscheidet nicht:

Partnerschaft oder Bodhisattva-Weg

sondern:

Bindende Partnerschaft
vs. nicht-bindendes Mit-sein

Das ist subtil – und wird fast immer übersehen.



5. Drei reale Konstellationen

① Klassische Partnerschaft (Bindung, Gegenseitigkeit)

✔ menschlich
✔ wertvoll
✔ tragend

❌ nicht kompatibel
mit tiefem Śūraṅgama-Samadhi

Warum?
Weil sie:
• Fortsetzung stabilisiert
• Selbstvergewisserung nährt
• karmische Schleifen erhält



② „Spirituelle Partnerschaft“ (gefährlichste Form)

⚠️ Hochrisiko-Zone

Merkmale:
• gemeinsame Praxis
• gemeinsame Deutung
• gegenseitige Erhebung
• sexuelle Sublimation
• Lehrer-Schüler-Überlagerung

Das Śūraṅgama nennt das explizit:

Einfallstor dämonischer Wege

Nicht wegen Sex –
sondern wegen Macht + Rechtfertigung + Nähe.



③ Nicht-bindendes Mit-sein (selten, aber möglich)

✔ möglich
✔ reif
✔ still

Merkmale:
• keine emotionale Forderung
• keine Identitätszuschreibung
• keine Zukunftsverträge
• keine sexuelle Fortsetzungsenergie
• keine „du bist mein…“

Hier ist:
• Nähe ohne Aneignung
• Fürsorge ohne Besitz
• Verantwortung ohne Bindung

Das ist keine Beziehung im üblichen Sinn.
Es ist Ko-Existenz ohne Verstrickung.



6. Warum das so selten gelingt

Weil es nichts zurückgibt, was das Ich erwartet.

Kein:
• Bestätigt-Werden
• Gehalten-Werden
• Erwünscht-Sein
• Spiegeln
• Sicherheit

Darum halten viele:

emotionale Abhängigkeit
für Mitgefühl

Und genau hier setzt das Śūraṅgama an – unerbittlich.



7. Bodhisattva-Weg heißt nicht Weltflucht

Wichtig:
Der Bodhisattva ist nicht beziehungsunfähig.

Aber:
• er bindet sich nicht
• er hält niemanden
• er braucht niemanden
• er macht niemanden abhängig

Sein Mitgefühl ist:
• nicht exklusiv
• nicht emotional vertraglich
• nicht identitätsstiftend



8. Die ehrliche Kernfrage (unvermeidlich)

Das Śūraṅgama zwingt zu dieser Frage:

Will ich geliebt werden – oder will ich befreien?

Beides gleichzeitig, in voller Funktion, geht nicht.

Man kann:
• lieben → und Mensch sein
• dienen → und Mensch sein
• mitfühlen → und Mensch sein

Aber:

Erlösung geschieht erst dort,
wo nichts mehr gebraucht wird.



9. Kein Urteil – aber eine klare Entscheidung

Das Sutra verurteilt niemanden.

Aber es sagt:
• Willst du den Weg des Werdens → Partnerschaft ist stimmig
• Willst du den Weg des Entwerdens → Partnerschaft muss sich wandeln oder enden

Nicht aus Pflicht.
Nicht aus Askese.
Sondern aus Kohärenz.



10. Schlussformel (präzise)

Partnerschaft nährt das Ich.
Der Bodhisattva-Weg entzieht ihm den Boden.

Darum ist die Frage nicht:

„Darf ich?“

Sondern:

„Was nähre ich – und was lasse ich verhungern?“
289 #
「云何現業?阿難!如是清淨持禁戒人,心無貪婬,於外六塵不多流逸,因不流逸旋元自歸。塵既不緣,根無所偶,反流全一,六用不行,十方國土皎然清淨。譬如琉璃,內懸[6]明月,身心快然,妙圓平等,獲大安隱。一切如來密圓淨妙皆現其中,是人即獲無生法忍。從是漸修,隨所發行,安立聖位。是則名為第三增進修行漸次。
„Was ist das gegenwärtig wirksame Karma?

Ānanda,
wer die reinen Gebote bewahrt
und dessen Geist frei ist von Begierde,
lässt sich von den äußeren sechs Staubobjekten
nicht mehr zerstreuend fortziehen.

Weil dieses Fortfließen aufhört,
kehrt der Strom um
und kehrt von selbst
zum ursprünglichen Grund zurück.

Da die Staubobjekte
nicht mehr als Bedingungen wirken,
finden die Sinneswurzeln
keine Kopplung mehr.
Der umgekehrte Strom
vereinigt sich vollständig;
die sechs Sinnesfunktionen
kommen nicht mehr zur Entfaltung.

Die Länder der zehn Richtungen
erscheinen klar und rein.

Es ist wie klares Lapislazuli,
in dessen Innerem
ein heller Mond schwebt:
Körper und Geist
sind leicht und freudig,
wunderbar rund
und gleichmäßig.
Man erlangt
große Ruhe und Sicherheit.

Die verborgene, vollkommene,
reine und wunderbare Wirklichkeit
aller Tathāgatas
erscheint vollständig darin.
Solche Menschen
erlangen unmittelbar
die Geduld des Nicht-Geborenen.

Von hier aus
wird die Übung allmählich fortgesetzt;
entsprechend der entfalteten Praxis
werden die heiligen Stufen
dauerhaft begründet.

Dies nennt man
die dritte Stufe
der fortschreitenden Übung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die Auflösung aller vorherigen Spannungen.

1. „Gegenwärtiges Karma“ ist kein Schicksal

現業 meint nicht Vergangenheit,
sondern:

das, was jetzt noch weiterläuft.

Karma ist hier:
• Aufmerksamkeit in Bewegung
• Reiz → Reaktion
• Wahrnehmung → Zugriff

Das Sutra sagt:

Wird das Fortfließen beendet,
endet Karma jetzt.



2. Der entscheidende Mechanismus: Nicht-Weitergehen

Nicht:
• Unterdrücken
• Bekämpfen
• Umlenken

Sondern:

Nicht-mehr-fließen

Das ist exakt die Umkehr:

旋元自歸
Zurückdrehen – von selbst heimkehren

Kein Akt des Willens.
Kein Tun.
Sondern Erlöschen der Bewegung.



3. Warum die Sinnesfunktionen „nicht mehr wirken“

Das heißt nicht Blindheit oder Taubheit.

Es heißt:
• keine Aneignung
• keine Kopplung
• keine Ich-Verwendung

Die Sinne funktionieren,
aber sie treiben nichts mehr an.



4. Das Bild von Lapislazuli und Mond

Eines der schönsten Bilder des gesamten Sutras.
• Lapislazuli = durchscheinender Grund
• Mond = nicht-erzeugtes Leuchten
• kein Staub
• kein Spiegel
• kein Außen

👉 Wahrnehmung ohne Gegenüber.



5. 無生法忍 – der Wendepunkt

Das ist der eigentliche Durchbruch.

„Geduld des Nicht-Geborenen“ heißt:
• Entstehen wird nicht mehr geglaubt
• Vergehen verliert Realität
• Zeit verliert Druck

Das ist kein Zustand,
sondern Irreversibilität.



6. Warum erst jetzt von „heiligen Stufen“ die Rede ist

Alles zuvor war Reinigung.

Erst hier:
• ist nichts mehr zu schützen
• nichts mehr zu vermeiden
• nichts mehr zu regeln

Darum:

Erst jetzt
entsteht der Weg der Stufen.

Nicht umgekehrt.



Gesamtschau der drei Schritte

Schritt Was endet
1. 助因 Verstärker
2. 正性 Identitätskern
3. 現業 Fortsetzungsbewegung

Danach:

kein Werden mehr,
aber volles Wirken.



Schlussformel

Wenn nichts mehr fließt,
kehrt alles zurück.
Wenn nichts mehr greift,
erscheint das Ganze.

Damit ist der Dreischritt vollständig.
中文原文
「云何現業?阿難!如是清淨持禁戒人,心無貪婬,於外六塵不多流逸,因不流逸旋元自歸。塵既不緣,根無所偶,反流全一,六用不行,十方國土皎然清淨。譬如琉璃,內懸[6]明月,身心快然,妙圓平等,獲大安隱。一切如來密圓淨妙皆現其中,是人即獲無生法忍。從是漸修,隨所發行,安立聖位。是則名為第三增進修行漸次。
Deutsch
„Was ist das gegenwärtig wirksame Karma?

Ānanda,
wer die reinen Gebote bewahrt
und dessen Geist frei ist von Begierde,
lässt sich von den äußeren sechs Staubobjekten
nicht mehr zerstreuend fortziehen.

Weil dieses Fortfließen aufhört,
kehrt der Strom um
und kehrt von selbst
zum ursprünglichen Grund zurück.

Da die Staubobjekte
nicht mehr als Bedingungen wirken,
finden die Sinneswurzeln
keine Kopplung mehr.
Der umgekehrte Strom
vereinigt sich vollständig;
die sechs Sinnesfunktionen
kommen nicht mehr zur Entfaltung.

Die Länder der zehn Richtungen
erscheinen klar und rein.

Es ist wie klares Lapislazuli,
in dessen Innerem
ein heller Mond schwebt:
Körper und Geist
sind leicht und freudig,
wunderbar rund
und gleichmäßig.
Man erlangt
große Ruhe und Sicherheit.

Die verborgene, vollkommene,
reine und wunderbare Wirklichkeit
aller Tathāgatas
erscheint vollständig darin.
Solche Menschen
erlangen unmittelbar
die Geduld des Nicht-Geborenen.

Von hier aus
wird die Übung allmählich fortgesetzt;
entsprechend der entfalteten Praxis
werden die heiligen Stufen
dauerhaft begründet.

Dies nennt man
die dritte Stufe
der fortschreitenden Übung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die Auflösung aller vorherigen Spannungen.

1. „Gegenwärtiges Karma“ ist kein Schicksal

現業 meint nicht Vergangenheit,
sondern:

das, was jetzt noch weiterläuft.

Karma ist hier:
• Aufmerksamkeit in Bewegung
• Reiz → Reaktion
• Wahrnehmung → Zugriff

Das Sutra sagt:

Wird das Fortfließen beendet,
endet Karma jetzt.



2. Der entscheidende Mechanismus: Nicht-Weitergehen

Nicht:
• Unterdrücken
• Bekämpfen
• Umlenken

Sondern:

Nicht-mehr-fließen

Das ist exakt die Umkehr:

旋元自歸
Zurückdrehen – von selbst heimkehren

Kein Akt des Willens.
Kein Tun.
Sondern Erlöschen der Bewegung.



3. Warum die Sinnesfunktionen „nicht mehr wirken“

Das heißt nicht Blindheit oder Taubheit.

Es heißt:
• keine Aneignung
• keine Kopplung
• keine Ich-Verwendung

Die Sinne funktionieren,
aber sie treiben nichts mehr an.



4. Das Bild von Lapislazuli und Mond

Eines der schönsten Bilder des gesamten Sutras.
• Lapislazuli = durchscheinender Grund
• Mond = nicht-erzeugtes Leuchten
• kein Staub
• kein Spiegel
• kein Außen

👉 Wahrnehmung ohne Gegenüber.



5. 無生法忍 – der Wendepunkt

Das ist der eigentliche Durchbruch.

„Geduld des Nicht-Geborenen“ heißt:
• Entstehen wird nicht mehr geglaubt
• Vergehen verliert Realität
• Zeit verliert Druck

Das ist kein Zustand,
sondern Irreversibilität.



6. Warum erst jetzt von „heiligen Stufen“ die Rede ist

Alles zuvor war Reinigung.

Erst hier:
• ist nichts mehr zu schützen
• nichts mehr zu vermeiden
• nichts mehr zu regeln

Darum:

Erst jetzt
entsteht der Weg der Stufen.

Nicht umgekehrt.



Gesamtschau der drei Schritte

Schritt Was endet
1. 助因 Verstärker
2. 正性 Identitätskern
3. 現業 Fortsetzungsbewegung

Danach:

kein Werden mehr,
aber volles Wirken.



Schlussformel

Wenn nichts mehr fließt,
kehrt alles zurück.
Wenn nichts mehr greift,
erscheint das Ganze.

Damit ist der Dreischritt vollständig.
290 #
「阿難!是善男子,欲愛乾枯,根境不偶,現前殘質不復續生。執心虛明,純是智慧。慧性明圓,[1]瑩十方界。乾有其慧,名乾慧地。
「欲習初乾,未與如來法流水接。即以此心中中流入,圓妙開敷。從真妙圓,重發真妙,妙信常住。一切妄想滅盡無餘,中道純真,名信心住。真信明了一切圓通,[2]陰、處、界三不能為礙。如是乃至過去、未來無數劫中,捨身、受身一切習氣,皆現在前。是善男子皆能憶念,得無遺忘,名念心住。妙圓純真,真精發化,無始習氣通一精明,唯以精明進趣真淨,名精進心。心精現前,純以智慧,名慧心住。執持智明,周遍寂湛,寂妙常凝,名定心住。定光發明,明性深入,唯進無退,名不退心。心進安然,保持不失,十方如來氣分交接,名護法心。覺明保持,能以妙力迴佛慈光,向佛安住。猶如雙鏡光明相對,其中妙影重重相入,名迴向心。心光密迴,獲佛常凝無上妙淨,安住無為得無遺失,名戒心住。住戒自在,能遊十方,所去隨願,名願心住。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Bei diesem guten Menschen
ist das begehrende Verlangen vertrocknet.
Sinneswurzeln und Sinnesobjekte
finden keine Kopplung mehr.
Die gegenwärtig verbliebenen Restbedingungen
setzen keine weitere Geburt mehr fort.

Der Geist wird gehalten
in leerer, klarer Durchsichtigkeit
und ist ganz und gar Weisheit.
Die Wesensnatur dieser Weisheit
ist klar und rund
und durchleuchtet
die Welten der zehn Richtungen.

Weil das Begehrende vertrocknet ist
und doch Weisheit gegenwärtig bleibt,
nennt man diese Stufe
die Stufe der trockenen Weisheit.

Das begehrende Verlangen
ist zunächst vertrocknet,
doch dieser Zustand
ist noch nicht verbunden
mit dem Dharma-Strom der Tathāgatas.
Mit eben diesem Geist
tritt man nun
in den mittleren Strom ein;
die runde, wunderbare Wirklichkeit
öffnet sich und entfaltet sich vollständig.

Aus dem wahrhaft wunderbaren Runden
entfaltet sich erneut
das wahrhaft Wunderbare;
wunderbarer, wahrer Glaube
verweilt nun beständig.
Alle trügerischen Vorstellungen
erlöschen restlos,
ohne einen einzigen Rückstand.
Der mittlere Weg
ist rein und wahr.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Vertrauens.

Der wahre Glaube
ist klar und durchdringend
und erschließt
jede vollkommene Durchdringung.
Die fünf Aggregate,
die Sinnesbereiche
und die Bewusstseinssphären
können kein Hindernis mehr bilden.

So geschieht es,
dass selbst
über unzählige Kalpas
der Vergangenheit und der Zukunft
das Ablegen und Annehmen von Körpern
sowie alle Gewohnheitskräfte
gegenwärtig werden.

Dieser gute Mensch
kann sich an all dies erinnern,
ohne etwas zu verlieren
oder zu vergessen.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Erinnerung.

Die wunderbar runde, reine Wahrheit
ist nun vollkommen unvermischt.
Die wahre Essenz
entfaltet sich und wirkt.
Die anfangslosen Gewohnheitskräfte
werden durchdrungen
und in eine einzige klare Essenz
zusammengeführt.
Man schreitet allein
mit dieser Klarheit voran
in die wahre Reinheit.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Eifers.

Wenn der Eifer des Geistes
vollständig gegenwärtig ist,
wirkt er ausschließlich
als Weisheit.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Weisheit.

Diese klare Weisheit
wird festgehalten
und ist allumfassend,
still
und tief durchdringend.
In stiller, wunderbarer Sammlung
verweilt sie beständig
und unerschütterlich.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Sammlung.

Aus der Klarheit dieser Sammlung
entfaltet sich leuchtendes Erkennen.
Die klare Wesensnatur
dringt tief ein
und schreitet einzig voran,
ohne Rückfall,
ohne Abweichen.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Nicht-Zurückfallens.

Der voranschreitende Geist
verweilt ruhig
und wird bewahrt,
ohne Verlust.
Die Wirksamkeit
der Tathāgatas der zehn Richtungen
tritt miteinander in Verbindung
und steht in wechselseitiger Entsprechung.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Schutzes des Dharma.

Die klare Erwachtheit
wird bewahrt
und vermag es,
mit wunderbarer Kraft
das mitfühlende Licht der Buddhas
zurückzuwenden
und auf die Buddhas hin auszurichten,
um bei ihnen zu verweilen.

Es ist wie bei
zwei klaren Spiegeln,
die einander gegenüberstehen:
ihr Licht begegnet sich,
und in diesem Licht
entstehen wunderbare Spiegelbilder,
Schicht um Schicht,
die sich gegenseitig durchdringen
und ineinander eingehen.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Rückwendung.

Das Licht des Geistes
kehrt in feiner Weise zurück;
man erlangt
die beständig ruhende,
höchste, wunderbare Reinheit
der Buddhas.
Man verweilt im Nicht-Gemachten
und verliert nichts mehr.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Disziplin.

In der Wohnstätte der Disziplin
verweilt man frei und ungehindert.
Man kann die Welten der zehn Richtungen
durchwandern,
und wohin man auch geht,
geschieht es
gemäß dem eigenen Gelübde.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Gelübdes.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist kein Stufenplan für Ehrgeizige,
sondern eine Landkarte nach dem Stillstand des Werdens.

1. 乾慧地 – „trockene Weisheit“
• trocken = nicht mehr nährbar
• Weisheit = nicht begrifflich

Hier gibt es:
• Klarheit
• aber noch keine völlige Durchdringung des Buddha-Stroms

Darum: Übergangsstufe.



2. Die zehn Wohnstätten sind keine Entwicklung, sondern Stabilisierung

Jede Wohnstätte beschreibt:

was bleibt, wenn nichts mehr fortgesetzt wird.

Sie sind:
• irreversible Resonanzen
• keine Tugenden
• keine Anstrengungen



3. Spiegelbild-Metapher (zentral!)

Die Begegnung von:
• menschlicher Klarheit
• und Buddha-Mitgefühl

ist kein Verschmelzen,
sondern gegenseitige Durchdringung ohne Verlust.

Das ist der Kern des Bodhisattva-Weges.



4. Wichtig für den Alltag

Diese Stufen:
• treten nicht linear auf
• sind nicht fühlbar als „Fortschritt“
• zeigen sich als:
• Unerschütterlichkeit
• Nicht-Rückfall
• selbstverständliches Mitwirken



Kurze Zusammenfassung

Nach dem Ende der Fortsetzung
entfaltet sich der Weg von selbst.
Nicht als Steigen,
sondern als Verweilen.
中文原文
「阿難!是善男子,欲愛乾枯,根境不偶,現前殘質不復續生。執心虛明,純是智慧。慧性明圓,[1]瑩十方界。乾有其慧,名乾慧地。
「欲習初乾,未與如來法流水接。即以此心中中流入,圓妙開敷。從真妙圓,重發真妙,妙信常住。一切妄想滅盡無餘,中道純真,名信心住。真信明了一切圓通,[2]陰、處、界三不能為礙。如是乃至過去、未來無數劫中,捨身、受身一切習氣,皆現在前。是善男子皆能憶念,得無遺忘,名念心住。妙圓純真,真精發化,無始習氣通一精明,唯以精明進趣真淨,名精進心。心精現前,純以智慧,名慧心住。執持智明,周遍寂湛,寂妙常凝,名定心住。定光發明,明性深入,唯進無退,名不退心。心進安然,保持不失,十方如來氣分交接,名護法心。覺明保持,能以妙力迴佛慈光,向佛安住。猶如雙鏡光明相對,其中妙影重重相入,名迴向心。心光密迴,獲佛常凝無上妙淨,安住無為得無遺失,名戒心住。住戒自在,能遊十方,所去隨願,名願心住。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Bei diesem guten Menschen
ist das begehrende Verlangen vertrocknet.
Sinneswurzeln und Sinnesobjekte
finden keine Kopplung mehr.
Die gegenwärtig verbliebenen Restbedingungen
setzen keine weitere Geburt mehr fort.

Der Geist wird gehalten
in leerer, klarer Durchsichtigkeit
und ist ganz und gar Weisheit.
Die Wesensnatur dieser Weisheit
ist klar und rund
und durchleuchtet
die Welten der zehn Richtungen.

Weil das Begehrende vertrocknet ist
und doch Weisheit gegenwärtig bleibt,
nennt man diese Stufe
die Stufe der trockenen Weisheit.

Das begehrende Verlangen
ist zunächst vertrocknet,
doch dieser Zustand
ist noch nicht verbunden
mit dem Dharma-Strom der Tathāgatas.
Mit eben diesem Geist
tritt man nun
in den mittleren Strom ein;
die runde, wunderbare Wirklichkeit
öffnet sich und entfaltet sich vollständig.

Aus dem wahrhaft wunderbaren Runden
entfaltet sich erneut
das wahrhaft Wunderbare;
wunderbarer, wahrer Glaube
verweilt nun beständig.
Alle trügerischen Vorstellungen
erlöschen restlos,
ohne einen einzigen Rückstand.
Der mittlere Weg
ist rein und wahr.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Vertrauens.

Der wahre Glaube
ist klar und durchdringend
und erschließt
jede vollkommene Durchdringung.
Die fünf Aggregate,
die Sinnesbereiche
und die Bewusstseinssphären
können kein Hindernis mehr bilden.

So geschieht es,
dass selbst
über unzählige Kalpas
der Vergangenheit und der Zukunft
das Ablegen und Annehmen von Körpern
sowie alle Gewohnheitskräfte
gegenwärtig werden.

Dieser gute Mensch
kann sich an all dies erinnern,
ohne etwas zu verlieren
oder zu vergessen.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Erinnerung.

Die wunderbar runde, reine Wahrheit
ist nun vollkommen unvermischt.
Die wahre Essenz
entfaltet sich und wirkt.
Die anfangslosen Gewohnheitskräfte
werden durchdrungen
und in eine einzige klare Essenz
zusammengeführt.
Man schreitet allein
mit dieser Klarheit voran
in die wahre Reinheit.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Eifers.

Wenn der Eifer des Geistes
vollständig gegenwärtig ist,
wirkt er ausschließlich
als Weisheit.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Weisheit.

Diese klare Weisheit
wird festgehalten
und ist allumfassend,
still
und tief durchdringend.
In stiller, wunderbarer Sammlung
verweilt sie beständig
und unerschütterlich.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Sammlung.

Aus der Klarheit dieser Sammlung
entfaltet sich leuchtendes Erkennen.
Die klare Wesensnatur
dringt tief ein
und schreitet einzig voran,
ohne Rückfall,
ohne Abweichen.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Nicht-Zurückfallens.

Der voranschreitende Geist
verweilt ruhig
und wird bewahrt,
ohne Verlust.
Die Wirksamkeit
der Tathāgatas der zehn Richtungen
tritt miteinander in Verbindung
und steht in wechselseitiger Entsprechung.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Schutzes des Dharma.

Die klare Erwachtheit
wird bewahrt
und vermag es,
mit wunderbarer Kraft
das mitfühlende Licht der Buddhas
zurückzuwenden
und auf die Buddhas hin auszurichten,
um bei ihnen zu verweilen.

Es ist wie bei
zwei klaren Spiegeln,
die einander gegenüberstehen:
ihr Licht begegnet sich,
und in diesem Licht
entstehen wunderbare Spiegelbilder,
Schicht um Schicht,
die sich gegenseitig durchdringen
und ineinander eingehen.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Rückwendung.

Das Licht des Geistes
kehrt in feiner Weise zurück;
man erlangt
die beständig ruhende,
höchste, wunderbare Reinheit
der Buddhas.
Man verweilt im Nicht-Gemachten
und verliert nichts mehr.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Disziplin.

In der Wohnstätte der Disziplin
verweilt man frei und ungehindert.
Man kann die Welten der zehn Richtungen
durchwandern,
und wohin man auch geht,
geschieht es
gemäß dem eigenen Gelübde.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Gelübdes.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist kein Stufenplan für Ehrgeizige,
sondern eine Landkarte nach dem Stillstand des Werdens.

1. 乾慧地 – „trockene Weisheit“
• trocken = nicht mehr nährbar
• Weisheit = nicht begrifflich

Hier gibt es:
• Klarheit
• aber noch keine völlige Durchdringung des Buddha-Stroms

Darum: Übergangsstufe.



2. Die zehn Wohnstätten sind keine Entwicklung, sondern Stabilisierung

Jede Wohnstätte beschreibt:

was bleibt, wenn nichts mehr fortgesetzt wird.

Sie sind:
• irreversible Resonanzen
• keine Tugenden
• keine Anstrengungen



3. Spiegelbild-Metapher (zentral!)

Die Begegnung von:
• menschlicher Klarheit
• und Buddha-Mitgefühl

ist kein Verschmelzen,
sondern gegenseitige Durchdringung ohne Verlust.

Das ist der Kern des Bodhisattva-Weges.



4. Wichtig für den Alltag

Diese Stufen:
• treten nicht linear auf
• sind nicht fühlbar als „Fortschritt“
• zeigen sich als:
• Unerschütterlichkeit
• Nicht-Rückfall
• selbstverständliches Mitwirken



Kurze Zusammenfassung

Nach dem Ende der Fortsetzung
entfaltet sich der Weg von selbst.
Nicht als Steigen,
sondern als Verweilen.
291 #
「阿難!是善男子,以真方便發此十心。心精發[3]揮,十用涉入,圓成一心,名發心住。心中發明,如淨瑠璃內現精金,以前妙心履以成地,名治地住。心地涉知,俱得明了,遊履十方得無留礙,名修行住。行與佛同,受佛氣分,如中陰身自求父母,陰信冥通入如來種,名生貴住。既遊道胎,親奉覺胤,如胎已成人相不缺,名方便具足住。容貌如佛,心相亦同,名正心住。身心合成,日益增長,名不退住。十身靈相一時具足,名童真住。形成出胎,親為佛子,名法王子住。表以成人,如國大王以諸國事分委太子。彼剎利王世子長成,陳列灌頂,名灌頂住。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Dieser gute Mensch
entfaltet durch wahrhaft geschickte Mittel
die zuvor beschriebenen
zehn Herzensweisen.

Der Geist wird fein und gesammelt
und beginnt,
seine Kraft frei zu entfalten.
Die zehn Wirkweisen
durchdringen einander,
treten ineinander ein
und runden sich
zu einem einzigen Geist.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Entfaltens des Entschlusses.

Im Inneren des Geistes
entsteht nun klares Leuchten,
wie in reinem Lapislazuli
feines Gold sichtbar wird.
Mit dem zuvor entfalteten
wunderbaren Geist
wird dieser Grund beschritten
und als tragfähige Stätte gefestigt.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Bearbeitung des Grundes.

Der Geistesgrund
durchdringt nun Erkenntnis;
alle Bereiche
werden zugleich klar erkannt.
Man durchwandert die Welten
der zehn Richtungen,
ohne irgendwo zu verweilen
oder behindert zu werden.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Übung.

Das eigene Handeln
stimmt nun mit dem Handeln des Buddha überein.
Man empfängt
den Wirksamkeitsstrom der Buddhas.
Wie ein Zwischenkörper
von selbst Vater und Mutter sucht,
so verbindet sich
verborgener, tragender Glaube
unmittelbar
mit der Saat der Tathāgatas.

Dies nennt man
die Wohnstätte der edlen Geburt.

Hat man im Schoß des Weges verweilt
und dient persönlich
dem Erbsohn des Erwachens,
so gleicht es einem Fötus,
der zum Menschen heranwächst,
an dessen Gestalt
nichts mehr fehlt.

Dies nennt man
die Wohnstätte der vollständig entfalteten Mittel.

Die äußere Gestalt
gleicht nun der des Buddha,
und auch die innere Gestalt des Geistes
ist mit ihr übereinstimmend.

Dies nennt man
die Wohnstätte des rechten Geistes.

Körper und Geist
sind nun vereint
und wachsen stetig weiter.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Nicht-Zurückfallens.

Die zehn geistigen Gestalten des Körpers
sind zugleich vollständig gegenwärtig.

Dies nennt man
die Wohnstätte des kindlich-reinen Wesens.

Die Gestalt ist voll ausgereift
und tritt aus dem Schoß hervor;
man ist nun persönlich
Sohn des Buddha.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Dharma-Königssohnes.

Die Reife ist offenbar,
wie bei einem großen König,
der die Angelegenheiten der Länder
seinem Kronprinzen überträgt.
Ist der Fürstensohn herangewachsen,
werden die Insignien der Weihe aufgestellt
und die Salbung vollzogen.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Weihe.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt nicht mehr Reinigung,
sondern Manifestation.

1. Vom inneren Klären zum Wirksam-Werden

Die vorherigen Wohnstätten stabilisierten
den nicht-fortsetzenden Geist.
Hier beginnt:

Inkarnation des Erwachens
ohne Rückfall in Identität.

Der Geist wird ein (一心),
nicht als Vereinheitlichung,
sondern als Wegfall von Trennung.

2. Schwangerschafts- und Königsmetaphern

Beide Metaphern sind bewusst gewählt:
• Schwangerschaft:
Erwachen wächst organisch,
nicht durch Willen.
• König / Kronprinz:
Verantwortung wird übertragen,
nicht ergriffen.

Bodhisattva-Reife bedeutet:

Tragfähigkeit, nicht Macht.

3. Weihe (灌頂) als Übergang

灌頂 ist kein sakrales Privileg,
sondern die Bestätigung:

Dieser Geist kann Welt tragen,
ohne sich selbst zu verlieren.

Damit ist der Übergang
zu den zehn Praktiken (十行) vorbereitet.
中文原文
「阿難!是善男子,以真方便發此十心。心精發[3]揮,十用涉入,圓成一心,名發心住。心中發明,如淨瑠璃內現精金,以前妙心履以成地,名治地住。心地涉知,俱得明了,遊履十方得無留礙,名修行住。行與佛同,受佛氣分,如中陰身自求父母,陰信冥通入如來種,名生貴住。既遊道胎,親奉覺胤,如胎已成人相不缺,名方便具足住。容貌如佛,心相亦同,名正心住。身心合成,日益增長,名不退住。十身靈相一時具足,名童真住。形成出胎,親為佛子,名法王子住。表以成人,如國大王以諸國事分委太子。彼剎利王世子長成,陳列灌頂,名灌頂住。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Dieser gute Mensch
entfaltet durch wahrhaft geschickte Mittel
die zuvor beschriebenen
zehn Herzensweisen.

Der Geist wird fein und gesammelt
und beginnt,
seine Kraft frei zu entfalten.
Die zehn Wirkweisen
durchdringen einander,
treten ineinander ein
und runden sich
zu einem einzigen Geist.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Entfaltens des Entschlusses.

Im Inneren des Geistes
entsteht nun klares Leuchten,
wie in reinem Lapislazuli
feines Gold sichtbar wird.
Mit dem zuvor entfalteten
wunderbaren Geist
wird dieser Grund beschritten
und als tragfähige Stätte gefestigt.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Bearbeitung des Grundes.

Der Geistesgrund
durchdringt nun Erkenntnis;
alle Bereiche
werden zugleich klar erkannt.
Man durchwandert die Welten
der zehn Richtungen,
ohne irgendwo zu verweilen
oder behindert zu werden.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Übung.

Das eigene Handeln
stimmt nun mit dem Handeln des Buddha überein.
Man empfängt
den Wirksamkeitsstrom der Buddhas.
Wie ein Zwischenkörper
von selbst Vater und Mutter sucht,
so verbindet sich
verborgener, tragender Glaube
unmittelbar
mit der Saat der Tathāgatas.

Dies nennt man
die Wohnstätte der edlen Geburt.

Hat man im Schoß des Weges verweilt
und dient persönlich
dem Erbsohn des Erwachens,
so gleicht es einem Fötus,
der zum Menschen heranwächst,
an dessen Gestalt
nichts mehr fehlt.

Dies nennt man
die Wohnstätte der vollständig entfalteten Mittel.

Die äußere Gestalt
gleicht nun der des Buddha,
und auch die innere Gestalt des Geistes
ist mit ihr übereinstimmend.

Dies nennt man
die Wohnstätte des rechten Geistes.

Körper und Geist
sind nun vereint
und wachsen stetig weiter.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Nicht-Zurückfallens.

Die zehn geistigen Gestalten des Körpers
sind zugleich vollständig gegenwärtig.

Dies nennt man
die Wohnstätte des kindlich-reinen Wesens.

Die Gestalt ist voll ausgereift
und tritt aus dem Schoß hervor;
man ist nun persönlich
Sohn des Buddha.

Dies nennt man
die Wohnstätte des Dharma-Königssohnes.

Die Reife ist offenbar,
wie bei einem großen König,
der die Angelegenheiten der Länder
seinem Kronprinzen überträgt.
Ist der Fürstensohn herangewachsen,
werden die Insignien der Weihe aufgestellt
und die Salbung vollzogen.

Dies nennt man
die Wohnstätte der Weihe.
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt nicht mehr Reinigung,
sondern Manifestation.

1. Vom inneren Klären zum Wirksam-Werden

Die vorherigen Wohnstätten stabilisierten
den nicht-fortsetzenden Geist.
Hier beginnt:

Inkarnation des Erwachens
ohne Rückfall in Identität.

Der Geist wird ein (一心),
nicht als Vereinheitlichung,
sondern als Wegfall von Trennung.

2. Schwangerschafts- und Königsmetaphern

Beide Metaphern sind bewusst gewählt:
• Schwangerschaft:
Erwachen wächst organisch,
nicht durch Willen.
• König / Kronprinz:
Verantwortung wird übertragen,
nicht ergriffen.

Bodhisattva-Reife bedeutet:

Tragfähigkeit, nicht Macht.

3. Weihe (灌頂) als Übergang

灌頂 ist kein sakrales Privileg,
sondern die Bestätigung:

Dieser Geist kann Welt tragen,
ohne sich selbst zu verlieren.

Damit ist der Übergang
zu den zehn Praktiken (十行) vorbereitet.
292 #
「阿難!是善男子,成佛子已,具足無量如來妙德。十方隨順,名歡喜行。善能利益一切眾生,名饒益行。自覺覺他得無違拒,名無嗔恨行。種類出生窮未來際,三世平等、十方通達,名無盡行。一切合同,種種法門得無差誤,名離癡亂行。則於同中顯現群異,一一異相各各見同,名善現行。如是乃至十方虛空滿足微塵,一一塵中現十方界;現塵、現界不相留礙,名無著行。種種現前,咸是第一波羅蜜多,名尊重行。如是圓融,能成十方諸佛軌則,名善法行。一一皆是清淨無漏,一真無為,性本然故,名真實行。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
dieser gute Mensch,
der bereits Sohn des Buddha geworden ist,
trägt nun vollständig
die unermesslichen, wunderbaren Tugenden
der Tathāgatas in sich.

Er handelt in den zehn Richtungen
in freier Übereinstimmung;
dies nennt man
die Praxis der Freude.

Er vermag es,
allen Lebewesen Nutzen zu bringen;
dies nennt man
die Praxis des Förderns.

Er ist selbst erwacht
und lässt andere erwachen,
ohne Widerstand,
ohne Zurückweisung
oder innere Reibung;
dies nennt man
die Praxis ohne Zorn und Groll.

Die Hervorbringung der Erscheinungen
setzt sich fort
bis an die äußerste Grenze der Zukunft;
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
sind darin gleichwertig,
und die zehn Richtungen
werden vollständig durchdrungen.

Dies nennt man
die Praxis ohne Erschöpfung.

Alle Dinge
sind in Einklang miteinander;
die vielfältigen Dharma-Tore
entstehen und wirken
ohne Verwirrung
und ohne Fehlgehen.

Dies nennt man
die Praxis des Freiseins
von Verblendung und Zerstreuung.

Innerhalb der Gleichheit
erscheinen die vielen Verschiedenheiten;
jede einzelne Verschiedenheit
zeigt jeweils die Gleichheit.

Dies nennt man
die Praxis des heilsamen Erscheinens.

So geschieht es,
dass selbst im Raum
der zehn Richtungen,
bis hin zur Erfüllung
aller feinsten Staubpartikel,
in jedem einzelnen Staubkorn
die Welten der zehn Richtungen erscheinen;
das Erscheinen von Staub
und das Erscheinen von Welten
behindern einander nicht
und stehen einander nicht im Weg.

Dies nennt man
die Praxis der Nicht-Anhaftung.

Alle Erscheinungen,
die sich zeigen,
sind durchweg
die höchste Vollkommenheit
(pāramitā).

Dies nennt man
die Praxis der Achtung.

Diese vollkommene Durchdringung
ist imstande,
die Maßstäbe und Ordnungen
aller Buddhas
der zehn Richtungen zu verwirklichen;

dies nennt man
die Praxis der guten Dharma-Wirkung.

Jede einzelne dieser Praktiken
ist rein
und ohne Befleckung;
sie ist ein einziges Wirkliches,
nicht hervorgebracht,
da ihre Natur
ursprünglich so ist.

Dies nennt man
die Praxis der Wirklichkeit.“
Kommentar öffnen
Mit den zehn Praktiken vollzieht das Śūraṅgama einen entscheidenden Schritt:

Praxis ist nicht mehr Tun –
sondern die Weise, wie Wirklichkeit sich ausdrückt.

1. Keine Tugendlehre, keine Moral

Die zehn Praktiken sind keine ethischen Forderungen.
Sie beschreiben:
• wie Handeln aussieht,
wenn kein Ich mehr handelt,
• wie Wirksamkeit geschieht,
wenn nichts mehr angeeignet wird.

2. Freude, Nutzen, Nicht-Groll – als Nebenwirkungen

Freude, Nutzen, Geduld entstehen nicht durch Absicht,
sondern weil:
• nichts blockiert,
• nichts widerspricht,
• nichts verteidigt wird.

3. Kosmische Metaphern – präzise gemeint

Das Bild:

Ein Staubkorn enthält zehn Richtungen

ist keine Mystik, sondern Ausdruck von:
• Nicht-Lokalität
• Nicht-Hierarchie
• Nicht-Ausschluss

Wirklichkeit ist nicht fragmentiert,
sie wird nur fragmentiert wahrgenommen.

4. „Alles ist Paramita“

Entscheidend:

Nicht Handlungen werden vollkommen,
sondern Vollkommenheit handelt.

Das ist der Kern des Mahayana –
und hier vollkommen expliziert.

5. 真實行 – Praxis der Wirklichkeit

Der letzte Punkt hebt alles auf:
• kein Weg
• kein Ziel
• kein Tun

Praxis ist:

das ursprüngliche So-Sein in Bewegung.
中文原文
「阿難!是善男子,成佛子已,具足無量如來妙德。十方隨順,名歡喜行。善能利益一切眾生,名饒益行。自覺覺他得無違拒,名無嗔恨行。種類出生窮未來際,三世平等、十方通達,名無盡行。一切合同,種種法門得無差誤,名離癡亂行。則於同中顯現群異,一一異相各各見同,名善現行。如是乃至十方虛空滿足微塵,一一塵中現十方界;現塵、現界不相留礙,名無著行。種種現前,咸是第一波羅蜜多,名尊重行。如是圓融,能成十方諸佛軌則,名善法行。一一皆是清淨無漏,一真無為,性本然故,名真實行。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
dieser gute Mensch,
der bereits Sohn des Buddha geworden ist,
trägt nun vollständig
die unermesslichen, wunderbaren Tugenden
der Tathāgatas in sich.

Er handelt in den zehn Richtungen
in freier Übereinstimmung;
dies nennt man
die Praxis der Freude.

Er vermag es,
allen Lebewesen Nutzen zu bringen;
dies nennt man
die Praxis des Förderns.

Er ist selbst erwacht
und lässt andere erwachen,
ohne Widerstand,
ohne Zurückweisung
oder innere Reibung;
dies nennt man
die Praxis ohne Zorn und Groll.

Die Hervorbringung der Erscheinungen
setzt sich fort
bis an die äußerste Grenze der Zukunft;
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
sind darin gleichwertig,
und die zehn Richtungen
werden vollständig durchdrungen.

Dies nennt man
die Praxis ohne Erschöpfung.

Alle Dinge
sind in Einklang miteinander;
die vielfältigen Dharma-Tore
entstehen und wirken
ohne Verwirrung
und ohne Fehlgehen.

Dies nennt man
die Praxis des Freiseins
von Verblendung und Zerstreuung.

Innerhalb der Gleichheit
erscheinen die vielen Verschiedenheiten;
jede einzelne Verschiedenheit
zeigt jeweils die Gleichheit.

Dies nennt man
die Praxis des heilsamen Erscheinens.

So geschieht es,
dass selbst im Raum
der zehn Richtungen,
bis hin zur Erfüllung
aller feinsten Staubpartikel,
in jedem einzelnen Staubkorn
die Welten der zehn Richtungen erscheinen;
das Erscheinen von Staub
und das Erscheinen von Welten
behindern einander nicht
und stehen einander nicht im Weg.

Dies nennt man
die Praxis der Nicht-Anhaftung.

Alle Erscheinungen,
die sich zeigen,
sind durchweg
die höchste Vollkommenheit
(pāramitā).

Dies nennt man
die Praxis der Achtung.

Diese vollkommene Durchdringung
ist imstande,
die Maßstäbe und Ordnungen
aller Buddhas
der zehn Richtungen zu verwirklichen;

dies nennt man
die Praxis der guten Dharma-Wirkung.

Jede einzelne dieser Praktiken
ist rein
und ohne Befleckung;
sie ist ein einziges Wirkliches,
nicht hervorgebracht,
da ihre Natur
ursprünglich so ist.

Dies nennt man
die Praxis der Wirklichkeit.“
Kommentar
Mit den zehn Praktiken vollzieht das Śūraṅgama einen entscheidenden Schritt:

Praxis ist nicht mehr Tun –
sondern die Weise, wie Wirklichkeit sich ausdrückt.

1. Keine Tugendlehre, keine Moral

Die zehn Praktiken sind keine ethischen Forderungen.
Sie beschreiben:
• wie Handeln aussieht,
wenn kein Ich mehr handelt,
• wie Wirksamkeit geschieht,
wenn nichts mehr angeeignet wird.

2. Freude, Nutzen, Nicht-Groll – als Nebenwirkungen

Freude, Nutzen, Geduld entstehen nicht durch Absicht,
sondern weil:
• nichts blockiert,
• nichts widerspricht,
• nichts verteidigt wird.

3. Kosmische Metaphern – präzise gemeint

Das Bild:

Ein Staubkorn enthält zehn Richtungen

ist keine Mystik, sondern Ausdruck von:
• Nicht-Lokalität
• Nicht-Hierarchie
• Nicht-Ausschluss

Wirklichkeit ist nicht fragmentiert,
sie wird nur fragmentiert wahrgenommen.

4. „Alles ist Paramita“

Entscheidend:

Nicht Handlungen werden vollkommen,
sondern Vollkommenheit handelt.

Das ist der Kern des Mahayana –
und hier vollkommen expliziert.

5. 真實行 – Praxis der Wirklichkeit

Der letzte Punkt hebt alles auf:
• kein Weg
• kein Ziel
• kein Tun

Praxis ist:

das ursprüngliche So-Sein in Bewegung.
293 #
「阿難!是善男子,滿足神通、成佛事已,純潔精真,遠諸留患,當度眾生、滅[4]除度相,迴無為心向涅槃路,名救護一切眾生離眾生相迴向。壞其可壞,遠離諸離,名不壞迴向。本覺湛然,覺齊佛覺,名等一切佛迴向。精真發明,地如佛地,名至一切處迴向。世界如來互相涉入,得無罣礙,名無盡功德藏迴向。於同佛地,地中各各生清淨因,依因發揮取涅槃道,名隨順平等善根迴向。真根既成,十方眾生皆我本性,性圓成就不失眾生,名隨順等觀一切眾生迴向。即一切法離一切相,唯即與離二無所著,[5]名真如相迴向。真得所如,十方無礙,名無縛解脫迴向。性德圓成,法界量滅,名法界無量迴向。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
dieser gute Mensch,
der die geistigen Durchdringungen vollendet
und das Wirken eines Buddha verwirklicht hat,
ist rein, klar und wahr,
frei von allen verbleibenden Mängeln
und Verhaftungen.

Er ist dabei,
die Lebewesen zu befreien,
löst jedoch zugleich
die Vorstellung des Befreiens selbst auf.
Er wendet den Geist des Nicht-Gemachten zurück
und richtet ihn
auf den Weg des Nirvāṇa aus.

Dies nennt man
die Rückwendung des Schutzes aller Wesen
bei gleichzeitiger Auflösung der Wesensvorstellung.

Er lässt das Zerstörbare zerfallen
und entfernt sich zugleich
von jeder Vorstellung des Zerfallens.

Dies nennt man
die Rückwendung des Nicht-Zerstörens.

Das ursprüngliche Erwachen
ist still und klar;
das eigene Erwachen
ist dem Erwachen der Buddhas gleich.

Dies nennt man
die Rückwendung der Gleichheit
mit allen Buddhas.

Die reine Wahrheit
entfaltet sich als klares Erkennen;
der Grund ist
dem Buddha-Grund gleich.

Dies nennt man
die Rückwendung des Erreichens aller Bereiche.

Die Welten der Tathāgatas
durchdringen einander wechselseitig
ohne Hemmung
und ohne Verstrickung.

Dies nennt man
die Rückwendung des unerschöpflichen Schatzes
der Verdienste.

Auf demselben Buddha-Grund
entstehen in jedem Bereich
reine Ursachen;
aus diesen Ursachen
entfaltet sich
der Weg des Nirvāṇa.

Dies nennt man
die Rückwendung des Folgens
der gleichmäßigen, heilsamen Wurzeln.

Sind diese wahren Wurzeln vollendet,
sind die Lebewesen der zehn Richtungen
allesamt
die eigene ursprüngliche Natur.
Diese Natur ist rund vollendet
und schließt die Lebewesen nicht aus.

Dies nennt man
die Rückwendung des Folgens
der gleichen Schau aller Wesen.

Alle Dharma
sind frei von allen Merkmalen;
doch gerade in dieser Merkmallosigkeit
sind sie zugleich gegenwärtig.
An weder Merkmalsein
noch Merkmalfreiheit
wird angehaftet.

Dies nennt man
die Rückwendung der Gestalt der Soheit.

Ist die wahre Soheit
wirklich verwirklicht,
sind die zehn Richtungen
ohne Hindernis.

Dies nennt man
die Rückwendung der ungebundenen Befreiung.

Ist die Wesens-Tugend
vollständig rundet,
verliert selbst
das Maß des Dharma-Reiches
jede Begrenzung.

Dies nennt man
die Rückwendung der Unermesslichkeit
des Dharma-Reiches.“
Kommentar öffnen
Mit den zehn Rückwendungen vollzieht das Śūraṅgama
die letzte Entleerung subtiler Restannahmen.

1. Warum „Rückwendung“?

迴向 bedeutet hier nicht „Widmung“,
sondern:

jede Wirksamkeit kehrt
an den Ort zurück,
an dem sie nicht mehr verfestigt.

Selbst:
• Befreiung
• Mitgefühl
• Verdienste
• Buddha-Wirken

werden nicht festgehalten.



2. Der radikalste Punkt: „Befreien ohne Befreiung“

度眾生、滅除度相

Das ist die endgültige Auflösung
des subtilen Retter-Ichs.

Nicht:
• „Ich befreie“
• „Es gibt Befreite“

sondern:

Wirken ohne Akteur.



3. 真如相 – Soheit ohne Festlegung

Soheit ist:
• weder Sein
• noch Nicht-Sein
• weder Merkmal
• noch Merkmallosigkeit

Das Sutra ist hier konsequent nicht-dual.



4. Das Ende aller Maße

Der letzte Punkt sprengt selbst
die Vorstellung eines „Dharma-Reiches“.

Wenn selbst das Maß verschwindet,
bleibt nur Weite.



Gesamtschau
• 十住 → Stabilisierung
• 十行 → Ausdruck
• 十迴向 → Entleerung

Danach folgt:

keine neue Stufe,
sondern unmittelbare Nähe zur Vollendung
(等覺 / 妙覺).
中文原文
「阿難!是善男子,滿足神通、成佛事已,純潔精真,遠諸留患,當度眾生、滅[4]除度相,迴無為心向涅槃路,名救護一切眾生離眾生相迴向。壞其可壞,遠離諸離,名不壞迴向。本覺湛然,覺齊佛覺,名等一切佛迴向。精真發明,地如佛地,名至一切處迴向。世界如來互相涉入,得無罣礙,名無盡功德藏迴向。於同佛地,地中各各生清淨因,依因發揮取涅槃道,名隨順平等善根迴向。真根既成,十方眾生皆我本性,性圓成就不失眾生,名隨順等觀一切眾生迴向。即一切法離一切相,唯即與離二無所著,[5]名真如相迴向。真得所如,十方無礙,名無縛解脫迴向。性德圓成,法界量滅,名法界無量迴向。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
dieser gute Mensch,
der die geistigen Durchdringungen vollendet
und das Wirken eines Buddha verwirklicht hat,
ist rein, klar und wahr,
frei von allen verbleibenden Mängeln
und Verhaftungen.

Er ist dabei,
die Lebewesen zu befreien,
löst jedoch zugleich
die Vorstellung des Befreiens selbst auf.
Er wendet den Geist des Nicht-Gemachten zurück
und richtet ihn
auf den Weg des Nirvāṇa aus.

Dies nennt man
die Rückwendung des Schutzes aller Wesen
bei gleichzeitiger Auflösung der Wesensvorstellung.

Er lässt das Zerstörbare zerfallen
und entfernt sich zugleich
von jeder Vorstellung des Zerfallens.

Dies nennt man
die Rückwendung des Nicht-Zerstörens.

Das ursprüngliche Erwachen
ist still und klar;
das eigene Erwachen
ist dem Erwachen der Buddhas gleich.

Dies nennt man
die Rückwendung der Gleichheit
mit allen Buddhas.

Die reine Wahrheit
entfaltet sich als klares Erkennen;
der Grund ist
dem Buddha-Grund gleich.

Dies nennt man
die Rückwendung des Erreichens aller Bereiche.

Die Welten der Tathāgatas
durchdringen einander wechselseitig
ohne Hemmung
und ohne Verstrickung.

Dies nennt man
die Rückwendung des unerschöpflichen Schatzes
der Verdienste.

Auf demselben Buddha-Grund
entstehen in jedem Bereich
reine Ursachen;
aus diesen Ursachen
entfaltet sich
der Weg des Nirvāṇa.

Dies nennt man
die Rückwendung des Folgens
der gleichmäßigen, heilsamen Wurzeln.

Sind diese wahren Wurzeln vollendet,
sind die Lebewesen der zehn Richtungen
allesamt
die eigene ursprüngliche Natur.
Diese Natur ist rund vollendet
und schließt die Lebewesen nicht aus.

Dies nennt man
die Rückwendung des Folgens
der gleichen Schau aller Wesen.

Alle Dharma
sind frei von allen Merkmalen;
doch gerade in dieser Merkmallosigkeit
sind sie zugleich gegenwärtig.
An weder Merkmalsein
noch Merkmalfreiheit
wird angehaftet.

Dies nennt man
die Rückwendung der Gestalt der Soheit.

Ist die wahre Soheit
wirklich verwirklicht,
sind die zehn Richtungen
ohne Hindernis.

Dies nennt man
die Rückwendung der ungebundenen Befreiung.

Ist die Wesens-Tugend
vollständig rundet,
verliert selbst
das Maß des Dharma-Reiches
jede Begrenzung.

Dies nennt man
die Rückwendung der Unermesslichkeit
des Dharma-Reiches.“
Kommentar
Mit den zehn Rückwendungen vollzieht das Śūraṅgama
die letzte Entleerung subtiler Restannahmen.

1. Warum „Rückwendung“?

迴向 bedeutet hier nicht „Widmung“,
sondern:

jede Wirksamkeit kehrt
an den Ort zurück,
an dem sie nicht mehr verfestigt.

Selbst:
• Befreiung
• Mitgefühl
• Verdienste
• Buddha-Wirken

werden nicht festgehalten.



2. Der radikalste Punkt: „Befreien ohne Befreiung“

度眾生、滅除度相

Das ist die endgültige Auflösung
des subtilen Retter-Ichs.

Nicht:
• „Ich befreie“
• „Es gibt Befreite“

sondern:

Wirken ohne Akteur.



3. 真如相 – Soheit ohne Festlegung

Soheit ist:
• weder Sein
• noch Nicht-Sein
• weder Merkmal
• noch Merkmallosigkeit

Das Sutra ist hier konsequent nicht-dual.



4. Das Ende aller Maße

Der letzte Punkt sprengt selbst
die Vorstellung eines „Dharma-Reiches“.

Wenn selbst das Maß verschwindet,
bleibt nur Weite.



Gesamtschau
• 十住 → Stabilisierung
• 十行 → Ausdruck
• 十迴向 → Entleerung

Danach folgt:

keine neue Stufe,
sondern unmittelbare Nähe zur Vollendung
(等覺 / 妙覺).
294 #
「阿難!是善男子,盡是清淨四十一心,次成四種妙圓加行。即以佛覺用為己心,若出未出,猶如鑽火欲然其木,名為煖地。又以己心成佛所履,若依非依,如登高山,身入虛空,下有微礙,名為頂地。心佛二同,善得中道,如忍事人非懷非出,名為忍地。數量銷滅,迷覺中道二無所目,名世第一地。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
dieser gute Mensch
hat die einundvierzig reinen Herzensstufen
vollständig vollendet
und erreicht daraufhin
vier Arten
wunderbar runder Zusatzpraxis.

Er nimmt nun
die erwachte Wirksamkeit des Buddha
als die Funktion seines eigenen Geistes.
Ob dieses Erwachen
bereits hervortritt
oder noch nicht hervortritt,
gleicht dem Reiben von Holz,
um Feuer zu entfachen:
die Hitze ist bereits vorhanden,
doch das Feuer
ist noch nicht offen entfacht.

Dies nennt man
die Stufe der Wärme.

Er verwendet nun
seinen eigenen Geist
als den Weg,
den der Buddha beschritten hat.
Ob er sich bereits darauf gründet
oder noch nicht darauf gründet,
gleicht dem Besteigen
eines hohen Berges:
der Körper ist bereits
in den leeren Raum eingetreten,
doch unter den Füßen
ist noch ein feiner Widerstand.

Dies nennt man
die Stufe des Gipfels.

Geist und Buddha
sind nun gleich;
man erlangt sicher
den mittleren Weg.
Es ist wie bei einem Menschen,
der Unrecht erträgt:
er hält es weder fest
noch weist er es zurück.

Dies nennt man
die Stufe der Geduld.

Alle Maßzahlen
sind nun aufgelöst;
Verblendung und Erwachen
haben im mittleren Weg
beide keinen Bezugspunkt mehr
und sind nicht mehr unterscheidbar.

Dies nennt man
die höchste weltliche Stufe.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt keine neue Praxis,
sondern die letzte Annäherung an das Unbedingte.

1. Warum „Zusatzpraxis“ (加行)?

加行 heißt hier nicht „mehr tun“,
sondern:

das bereits Vollständige
noch nicht festzuschreiben.

Die vier Stufen sind Restentleerungen,
keine Aufbauphasen.



2. Die vier Stufen als Schwellenlogik

Stufe Bild Bedeutung
煖地 Feuer im Holz Erwachen wirksam, aber nicht fest
頂地 Berggipfel Kein Rückweg mehr, aber noch Halt
忍地 Unrecht ertragen Nicht-Reagieren ohne Erstarren
世第一地 Maßlosigkeit Kein Bezugspunkt mehr




3. Warum „weltlich“ bei 世第一?

„Weltlich“ heißt hier:
• noch benennbar
• noch unterschieden
• noch beschreibbar

Danach (等覺 / 妙覺)
fällt auch diese Benennung.



4. Der letzte Rest: Maß

Der entscheidende Satz:

數量銷滅
Alle Maßzahlen sind ausgelöscht.

Solange noch gemessen wird:
• Stufe
• Fortschritt
• Nähe
• Erwachen

ist es noch nicht vorbei.



Übergang

Nach dieser Stelle
bleibt nichts mehr zu tun.

Es folgen im Sutra nur noch:
• 等覺 – Gleich-Erwachen
• 妙覺 – Wunderbares Erwachen

keine Praxis,
keine Beschreibung,
keine Stufen im eigentlichen Sinn.

中文原文
「阿難!是善男子,盡是清淨四十一心,次成四種妙圓加行。即以佛覺用為己心,若出未出,猶如鑽火欲然其木,名為煖地。又以己心成佛所履,若依非依,如登高山,身入虛空,下有微礙,名為頂地。心佛二同,善得中道,如忍事人非懷非出,名為忍地。數量銷滅,迷覺中道二無所目,名世第一地。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
dieser gute Mensch
hat die einundvierzig reinen Herzensstufen
vollständig vollendet
und erreicht daraufhin
vier Arten
wunderbar runder Zusatzpraxis.

Er nimmt nun
die erwachte Wirksamkeit des Buddha
als die Funktion seines eigenen Geistes.
Ob dieses Erwachen
bereits hervortritt
oder noch nicht hervortritt,
gleicht dem Reiben von Holz,
um Feuer zu entfachen:
die Hitze ist bereits vorhanden,
doch das Feuer
ist noch nicht offen entfacht.

Dies nennt man
die Stufe der Wärme.

Er verwendet nun
seinen eigenen Geist
als den Weg,
den der Buddha beschritten hat.
Ob er sich bereits darauf gründet
oder noch nicht darauf gründet,
gleicht dem Besteigen
eines hohen Berges:
der Körper ist bereits
in den leeren Raum eingetreten,
doch unter den Füßen
ist noch ein feiner Widerstand.

Dies nennt man
die Stufe des Gipfels.

Geist und Buddha
sind nun gleich;
man erlangt sicher
den mittleren Weg.
Es ist wie bei einem Menschen,
der Unrecht erträgt:
er hält es weder fest
noch weist er es zurück.

Dies nennt man
die Stufe der Geduld.

Alle Maßzahlen
sind nun aufgelöst;
Verblendung und Erwachen
haben im mittleren Weg
beide keinen Bezugspunkt mehr
und sind nicht mehr unterscheidbar.

Dies nennt man
die höchste weltliche Stufe.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt keine neue Praxis,
sondern die letzte Annäherung an das Unbedingte.

1. Warum „Zusatzpraxis“ (加行)?

加行 heißt hier nicht „mehr tun“,
sondern:

das bereits Vollständige
noch nicht festzuschreiben.

Die vier Stufen sind Restentleerungen,
keine Aufbauphasen.



2. Die vier Stufen als Schwellenlogik

Stufe Bild Bedeutung
煖地 Feuer im Holz Erwachen wirksam, aber nicht fest
頂地 Berggipfel Kein Rückweg mehr, aber noch Halt
忍地 Unrecht ertragen Nicht-Reagieren ohne Erstarren
世第一地 Maßlosigkeit Kein Bezugspunkt mehr




3. Warum „weltlich“ bei 世第一?

„Weltlich“ heißt hier:
• noch benennbar
• noch unterschieden
• noch beschreibbar

Danach (等覺 / 妙覺)
fällt auch diese Benennung.



4. Der letzte Rest: Maß

Der entscheidende Satz:

數量銷滅
Alle Maßzahlen sind ausgelöscht.

Solange noch gemessen wird:
• Stufe
• Fortschritt
• Nähe
• Erwachen

ist es noch nicht vorbei.



Übergang

Nach dieser Stelle
bleibt nichts mehr zu tun.

Es folgen im Sutra nur noch:
• 等覺 – Gleich-Erwachen
• 妙覺 – Wunderbares Erwachen

keine Praxis,
keine Beschreibung,
keine Stufen im eigentlichen Sinn.

295 #
「阿難!是善男子,於大菩提善得通達,覺通如來盡佛境界,名歡喜地。異性入同,同性亦滅,名離垢地。淨極明生,名發光地。明極覺滿,名焰慧地。一切同異所不能至,名難勝地。無為真如性淨明露,名現前地。盡真如際,名遠行地。一真如心,名不動地。發真如用,名善慧地。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
dieser gute Mensch
hat im großen Erwachen
vollkommene Durchdringung erlangt.
Das Erwachen
durchdringt die Wirklichkeit der Tathāgatas
bis an die äußerste Grenze
aller Buddha-Bereiche.

Dies nennt man
die Stufe der Freude.

Das Verschiedene
geht in das Eine ein,
und auch das Eine
verliert seine begrenzte Eigenheit.

Dies nennt man
die Stufe der Freiheit von Befleckung.

Reinheit ist bis an ihr Äußerstes gelangt,
und klares Leuchten tritt hervor.

Dies nennt man
die Stufe des Hervorbringens von Licht.

Das Leuchten ist vollkommen,
und das Erwachen
ist vollständig erfüllt.

Dies nennt man
die Stufe der flammenden Weisheit.

Alle Unterscheidungen
von Gleichheit und Verschiedenheit
reichen hier nicht mehr hin.

Dies nennt man
die schwer zu übertreffende Stufe.

Die nicht-gemachte Soheit
offenbart sich
in reiner, klarer Wesensnatur
unmittelbar.

Dies nennt man
die Stufe des Gegenwärtig-Seins.

Bis an die äußerste Grenze der Soheit
ist alles durchschritten.

Dies nennt man
die Stufe des Ferngehens.

Der eine Geist der Soheit
ist vollkommen unbeweglich.

Dies nennt man
die unbewegte Stufe.

Die Wirksamkeit der Soheit
entfaltet sich frei.

Dies nennt man
die Stufe der guten Weisheit.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist kein Entwicklungsweg im psychologischen Sinn,
sondern eine Kartierung der Entfaltung ein- und derselben Wirklichkeit.

1. Warum „Freude“ als erste Bhūmi?

Nicht emotionale Freude,
sondern:

Freude ohne Gegenüber –
das Ende innerer Spannung.



2. „Verschiedenheit geht im Einen auf – und das Eine vergeht“

Das ist entscheidend:
Nicht nur Dualität fällt weg,
sondern auch Einheit.

Das Śūraṅgama ist hier radikaler
als viele Darstellungen der zehn Bhūmis.



3. Warum nur neun Stufen genannt?

Im Śūraṅgama wird die zehnte Bhūmi
(nach klassischer Zählung 法雲地)
nicht hier entfaltet,
sondern implizit im Übergang zu 妙覺 aufgehoben.

Das passt zur Logik des Sutras:

Am Ende fällt auch die letzte Benennung.



4. Strukturhinweis

Ab hier gilt:
• keine Praxis mehr
• kein Fortschritt
• keine Rückwendung

Nur:

freies Wirken ohne Ort
中文原文
「阿難!是善男子,於大菩提善得通達,覺通如來盡佛境界,名歡喜地。異性入同,同性亦滅,名離垢地。淨極明生,名發光地。明極覺滿,名焰慧地。一切同異所不能至,名難勝地。無為真如性淨明露,名現前地。盡真如際,名遠行地。一真如心,名不動地。發真如用,名善慧地。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
dieser gute Mensch
hat im großen Erwachen
vollkommene Durchdringung erlangt.
Das Erwachen
durchdringt die Wirklichkeit der Tathāgatas
bis an die äußerste Grenze
aller Buddha-Bereiche.

Dies nennt man
die Stufe der Freude.

Das Verschiedene
geht in das Eine ein,
und auch das Eine
verliert seine begrenzte Eigenheit.

Dies nennt man
die Stufe der Freiheit von Befleckung.

Reinheit ist bis an ihr Äußerstes gelangt,
und klares Leuchten tritt hervor.

Dies nennt man
die Stufe des Hervorbringens von Licht.

Das Leuchten ist vollkommen,
und das Erwachen
ist vollständig erfüllt.

Dies nennt man
die Stufe der flammenden Weisheit.

Alle Unterscheidungen
von Gleichheit und Verschiedenheit
reichen hier nicht mehr hin.

Dies nennt man
die schwer zu übertreffende Stufe.

Die nicht-gemachte Soheit
offenbart sich
in reiner, klarer Wesensnatur
unmittelbar.

Dies nennt man
die Stufe des Gegenwärtig-Seins.

Bis an die äußerste Grenze der Soheit
ist alles durchschritten.

Dies nennt man
die Stufe des Ferngehens.

Der eine Geist der Soheit
ist vollkommen unbeweglich.

Dies nennt man
die unbewegte Stufe.

Die Wirksamkeit der Soheit
entfaltet sich frei.

Dies nennt man
die Stufe der guten Weisheit.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist kein Entwicklungsweg im psychologischen Sinn,
sondern eine Kartierung der Entfaltung ein- und derselben Wirklichkeit.

1. Warum „Freude“ als erste Bhūmi?

Nicht emotionale Freude,
sondern:

Freude ohne Gegenüber –
das Ende innerer Spannung.



2. „Verschiedenheit geht im Einen auf – und das Eine vergeht“

Das ist entscheidend:
Nicht nur Dualität fällt weg,
sondern auch Einheit.

Das Śūraṅgama ist hier radikaler
als viele Darstellungen der zehn Bhūmis.



3. Warum nur neun Stufen genannt?

Im Śūraṅgama wird die zehnte Bhūmi
(nach klassischer Zählung 法雲地)
nicht hier entfaltet,
sondern implizit im Übergang zu 妙覺 aufgehoben.

Das passt zur Logik des Sutras:

Am Ende fällt auch die letzte Benennung.



4. Strukturhinweis

Ab hier gilt:
• keine Praxis mehr
• kein Fortschritt
• keine Rückwendung

Nur:

freies Wirken ohne Ort
296 #
「阿難!是諸菩薩,從此已往修習畢功,功德圓滿。亦目此地名修習位,慈陰妙雲覆涅槃海,名法雲地。
「如來逆流,如是菩薩順行而至;覺際入交,名為等覺。
「阿難!從乾慧心至等覺已,是覺始獲金剛心中初乾慧地。如是重重單複十二,方盡妙覺,成無上道。
「是種種地,皆以金剛觀察如幻十種深喻奢摩他中,用諸如來毘婆舍那清淨修證,漸次深入。阿難!如是皆以三增進故,善能成就五十五位真菩提路。作是觀者,名為正觀;若他觀者,名為邪觀。」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
diese Bodhisattvas
haben von diesem Punkt an
die Übung abgeschlossen;
ihre Verdienste
sind vollständig rundet.

Diese Stufe
wird auch
die Stufe der vollendeten Übung genannt.
Die mitfühlende, wunderbare Dharma-Wolke
breitet sich über dem Meer des Nirvāṇa aus.

Dies nennt man
die Dharma-Wolken-Stufe.

Der Tathāgata
bewegt sich gegen den Strom;
diese Bodhisattvas
folgen dem Strom
und gelangen hierher.
Dort, wo Erwachen
und letzte Grenze
ineinander eintreten,
spricht man vom
Gleich-Erwachen.

Ānanda,
von der ersten trockenen Weisheit
bis zum Gleich-Erwachen
wird das Erwachen
im diamantgleichen Geist
erstmals
als anfängliche trockene Weisheit wirksam.

Auf diese Weise
werden einfache und zusammengesetzte Abfolgen
von zwölf Stufen
wiederholt durchlaufen,
bis das wunderbare Erwachen
vollständig ausgeschöpft ist
und der höchste Weg
verwirklicht wird.

Alle diese Stufen
werden mittels
diamantener Betrachtung
der zehn tiefen Gleichnisse
vom Illusorischen
im Śamatha erkannt
und mit der reinen Einsicht
(Vipaśyanā)
der Tathāgatas
schrittweise vertieft.

Ānanda,
all dies geschieht
aufgrund der drei fortschreitenden Vertiefungen
und vermag so
die fünfundfünfzig Stufen
des wahren Bodhi-Weges
vollständig zu vollenden.

Wer in dieser Weise betrachtet,
übt rechte Betrachtung;
jede andere Betrachtung
ist verkehrte Betrachtung.“
Kommentar öffnen
Dieser Schlussabschnitt ist keine neue Lehre,
sondern eine Rückbindung des gesamten Sutras an seine innere Logik.

1. 法雲地 – Dharma-Wolken-Stufe

Die Wolke steht für:
• Wirksamkeit ohne Zentrum
• Mitgefühl ohne Akteur
• Schutz ohne Absicht

Das Meer des Nirvāṇa wird nicht betreten,
sondern überschattet –
ein klassisches Mahāyāna-Bild für Nicht-Verweilen.



2. 等覺 – Gleich-Erwachen

Hier gibt es:
• keine Praxis mehr
• kein Fortschreiten
• keine Rückwendung

Nur noch:

Funktionsgleichheit ohne Identität



3. Der diamantene Geist

金剛心 bezeichnet:
• Unzerstörbarkeit
• Durchschneiden aller Illusion
• Klarheit ohne Verfestigung

Dass die „trockene Weisheit“ hier erneut genannt wird,
zeigt:

Der Anfang und das Ende sind strukturgleich.



4. Die „55 Stufen“

Sie sind keine Leiter,
sondern:

eine vollständige Kartierung
möglicher Verfeinerungen
ein und desselben Erwachens.



5. Rechte vs. verkehrte Betrachtung

Das Sutra endet nicht mystisch,
sondern didaktisch streng:
• rechte Betrachtung = sehen ohne Hinzufügen
• verkehrte Betrachtung = jede Projektion, jedes Festhalten

Damit schließt sich der Kreis
zur Eingangsszene des Śūraṅgama.
中文原文
「阿難!是諸菩薩,從此已往修習畢功,功德圓滿。亦目此地名修習位,慈陰妙雲覆涅槃海,名法雲地。
「如來逆流,如是菩薩順行而至;覺際入交,名為等覺。
「阿難!從乾慧心至等覺已,是覺始獲金剛心中初乾慧地。如是重重單複十二,方盡妙覺,成無上道。
「是種種地,皆以金剛觀察如幻十種深喻奢摩他中,用諸如來毘婆舍那清淨修證,漸次深入。阿難!如是皆以三增進故,善能成就五十五位真菩提路。作是觀者,名為正觀;若他觀者,名為邪觀。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
diese Bodhisattvas
haben von diesem Punkt an
die Übung abgeschlossen;
ihre Verdienste
sind vollständig rundet.

Diese Stufe
wird auch
die Stufe der vollendeten Übung genannt.
Die mitfühlende, wunderbare Dharma-Wolke
breitet sich über dem Meer des Nirvāṇa aus.

Dies nennt man
die Dharma-Wolken-Stufe.

Der Tathāgata
bewegt sich gegen den Strom;
diese Bodhisattvas
folgen dem Strom
und gelangen hierher.
Dort, wo Erwachen
und letzte Grenze
ineinander eintreten,
spricht man vom
Gleich-Erwachen.

Ānanda,
von der ersten trockenen Weisheit
bis zum Gleich-Erwachen
wird das Erwachen
im diamantgleichen Geist
erstmals
als anfängliche trockene Weisheit wirksam.

Auf diese Weise
werden einfache und zusammengesetzte Abfolgen
von zwölf Stufen
wiederholt durchlaufen,
bis das wunderbare Erwachen
vollständig ausgeschöpft ist
und der höchste Weg
verwirklicht wird.

Alle diese Stufen
werden mittels
diamantener Betrachtung
der zehn tiefen Gleichnisse
vom Illusorischen
im Śamatha erkannt
und mit der reinen Einsicht
(Vipaśyanā)
der Tathāgatas
schrittweise vertieft.

Ānanda,
all dies geschieht
aufgrund der drei fortschreitenden Vertiefungen
und vermag so
die fünfundfünfzig Stufen
des wahren Bodhi-Weges
vollständig zu vollenden.

Wer in dieser Weise betrachtet,
übt rechte Betrachtung;
jede andere Betrachtung
ist verkehrte Betrachtung.“
Kommentar
Dieser Schlussabschnitt ist keine neue Lehre,
sondern eine Rückbindung des gesamten Sutras an seine innere Logik.

1. 法雲地 – Dharma-Wolken-Stufe

Die Wolke steht für:
• Wirksamkeit ohne Zentrum
• Mitgefühl ohne Akteur
• Schutz ohne Absicht

Das Meer des Nirvāṇa wird nicht betreten,
sondern überschattet –
ein klassisches Mahāyāna-Bild für Nicht-Verweilen.



2. 等覺 – Gleich-Erwachen

Hier gibt es:
• keine Praxis mehr
• kein Fortschreiten
• keine Rückwendung

Nur noch:

Funktionsgleichheit ohne Identität



3. Der diamantene Geist

金剛心 bezeichnet:
• Unzerstörbarkeit
• Durchschneiden aller Illusion
• Klarheit ohne Verfestigung

Dass die „trockene Weisheit“ hier erneut genannt wird,
zeigt:

Der Anfang und das Ende sind strukturgleich.



4. Die „55 Stufen“

Sie sind keine Leiter,
sondern:

eine vollständige Kartierung
möglicher Verfeinerungen
ein und desselben Erwachens.



5. Rechte vs. verkehrte Betrachtung

Das Sutra endet nicht mystisch,
sondern didaktisch streng:
• rechte Betrachtung = sehen ohne Hinzufügen
• verkehrte Betrachtung = jede Projektion, jedes Festhalten

Damit schließt sich der Kreis
zur Eingangsszene des Śūraṅgama.
297 #
爾時,文殊師利法王子,在大眾中即從座起,頂禮佛足而白佛言:「當何名是經?我及眾生云何奉持?」
佛告文殊師利:「是經名『大佛頂、悉怛多般怛[1]囉無上寶印、十方如來清淨海眼』,亦名『救護親因、度脫阿難及此會中性比丘尼得菩提心入遍知海』,亦名『如來密因修證了義』,亦名『大方廣妙蓮華王十方佛母陀羅尼呪』,亦名『灌頂章句、諸菩薩萬行首楞嚴』,汝當奉持。」
Zu jener Zeit erhob sich
Mañjuśrī, der Dharma-Königssohn,
inmitten der großen Versammlung
von seinem Sitz,
verbeugte sich mit dem Scheitel
zu den Füßen des Buddha
und sprach:

„Wie soll dieses Sutra genannt werden?
Und auf welche Weise
sollen ich
und alle Lebewesen
es annehmen, bewahren
und praktizieren?“

Der Buddha antwortete Mañjuśrī:

„Dieses Sutra trägt den Namen
›Großes Sutra vom Buddha-Gipfel,
vom Siddham-Mantra
des unübertrefflichen kostbaren Siegels,
dem reinen Meeresauge
der Tathāgatas der zehn Richtungen‹.

Es trägt auch den Namen
›Sutra vom Schützen der nahen Ursache,
vom Erlösen Ānandas
und der Bhikṣuṇī mit eigenem Wesen
in dieser Versammlung,
die das Bodhi-Herz erlangen
und in das Meer des allumfassenden Wissens eintreten‹.

Es trägt auch den Namen
›Sutra vom geheimen Ursache-Grund
der Tathāgatas
und der Praxis der vollendeten, endgültigen Bedeutung‹.

Es trägt auch den Namen
›Großes, weit entfaltetes Sutra
vom wunderbaren Lotusblüten-König,
der Mutter der Buddhas der zehn Richtungen,
mit dem Dhāraṇī-Mantra‹.

Es trägt auch den Namen
›Kapitel der Weihe-Formeln,
Śūraṅgama,
als Haupt der zehntausend Praktiken
aller Bodhisattvas‹.

So sollst du es annehmen
und bewahren.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt erfüllt drei Funktionen zugleich:

1. Kanonische Legitimation

Die Vielzahl der Namen ist kein Schmuck,
sondern zeigt:
• unterschiedliche Zugänge,
• unterschiedliche Praxisfelder,
• unterschiedliche Ebenen desselben Inhalts.

Das Sutra ist nicht eindimensional.



2. Innere Zusammenfassung des gesamten Textes

Jeder Titel hebt einen Aspekt hervor:
• Buddha-Gipfel / Siegel → höchste Autorität jenseits von Person
• Reines Meeresauge → nicht-duale Schau
• Geheime Ursache → Ursprung jenseits von Tun
• Dhāraṇī / Weihe → Schutz, Sammlung, Integration
• Śūraṅgama → Standhaftigkeit des Geistes
• Haupt der zehntausend Praktiken → Integration aller Wege

Das ist eine Selbstbeschreibung des Sutras.



3. „Wie soll man es bewahren?“

Die Antwort ist bemerkenswert indirekt:

Der Buddha sagt nicht:
• „rezitiere“
• „analysiere“
• „verehrte“

Sondern schlicht:

奉持 – annehmen und tragen

Das heißt:
• im Leben halten
• im Handeln spiegeln
• im Nicht-Fortsetzen bewahren
中文原文
爾時,文殊師利法王子,在大眾中即從座起,頂禮佛足而白佛言:「當何名是經?我及眾生云何奉持?」
佛告文殊師利:「是經名『大佛頂、悉怛多般怛[1]囉無上寶印、十方如來清淨海眼』,亦名『救護親因、度脫阿難及此會中性比丘尼得菩提心入遍知海』,亦名『如來密因修證了義』,亦名『大方廣妙蓮華王十方佛母陀羅尼呪』,亦名『灌頂章句、諸菩薩萬行首楞嚴』,汝當奉持。」
Deutsch
Zu jener Zeit erhob sich
Mañjuśrī, der Dharma-Königssohn,
inmitten der großen Versammlung
von seinem Sitz,
verbeugte sich mit dem Scheitel
zu den Füßen des Buddha
und sprach:

„Wie soll dieses Sutra genannt werden?
Und auf welche Weise
sollen ich
und alle Lebewesen
es annehmen, bewahren
und praktizieren?“

Der Buddha antwortete Mañjuśrī:

„Dieses Sutra trägt den Namen
›Großes Sutra vom Buddha-Gipfel,
vom Siddham-Mantra
des unübertrefflichen kostbaren Siegels,
dem reinen Meeresauge
der Tathāgatas der zehn Richtungen‹.

Es trägt auch den Namen
›Sutra vom Schützen der nahen Ursache,
vom Erlösen Ānandas
und der Bhikṣuṇī mit eigenem Wesen
in dieser Versammlung,
die das Bodhi-Herz erlangen
und in das Meer des allumfassenden Wissens eintreten‹.

Es trägt auch den Namen
›Sutra vom geheimen Ursache-Grund
der Tathāgatas
und der Praxis der vollendeten, endgültigen Bedeutung‹.

Es trägt auch den Namen
›Großes, weit entfaltetes Sutra
vom wunderbaren Lotusblüten-König,
der Mutter der Buddhas der zehn Richtungen,
mit dem Dhāraṇī-Mantra‹.

Es trägt auch den Namen
›Kapitel der Weihe-Formeln,
Śūraṅgama,
als Haupt der zehntausend Praktiken
aller Bodhisattvas‹.

So sollst du es annehmen
und bewahren.“
Kommentar
Dieser Abschnitt erfüllt drei Funktionen zugleich:

1. Kanonische Legitimation

Die Vielzahl der Namen ist kein Schmuck,
sondern zeigt:
• unterschiedliche Zugänge,
• unterschiedliche Praxisfelder,
• unterschiedliche Ebenen desselben Inhalts.

Das Sutra ist nicht eindimensional.



2. Innere Zusammenfassung des gesamten Textes

Jeder Titel hebt einen Aspekt hervor:
• Buddha-Gipfel / Siegel → höchste Autorität jenseits von Person
• Reines Meeresauge → nicht-duale Schau
• Geheime Ursache → Ursprung jenseits von Tun
• Dhāraṇī / Weihe → Schutz, Sammlung, Integration
• Śūraṅgama → Standhaftigkeit des Geistes
• Haupt der zehntausend Praktiken → Integration aller Wege

Das ist eine Selbstbeschreibung des Sutras.



3. „Wie soll man es bewahren?“

Die Antwort ist bemerkenswert indirekt:

Der Buddha sagt nicht:
• „rezitiere“
• „analysiere“
• „verehrte“

Sondern schlicht:

奉持 – annehmen und tragen

Das heißt:
• im Leben halten
• im Handeln spiegeln
• im Nicht-Fortsetzen bewahren
298 #
說是語已,即時阿難及諸大眾,得蒙如來開示密印般怛[*]囉義,兼聞此經了義名目,頓悟禪那修進聖位增上妙理;心慮虛凝,斷除三界修心六品微細煩惱。即從座起,頂禮佛足,合掌恭敬而白佛言:
Nachdem der Buddha diese Worte gesprochen hatte,
wurden Ānanda
und die gesamte große Versammlung
unmittelbar durch die Offenbarung
der Bedeutung des geheimen Siegels
des ban-ta-luo belehrt.
Zugleich hörten sie
die Namen dieses Sutras
in seiner endgültigen Bedeutung
und erlangten plötzliches Erwachen
in Bezug auf
die erhabene, wunderbare Einsicht
in das Fortschreiten
der meditativen Sammlung
auf dem Weg zu den heiligen Stufen.

Ihre gedanklichen Erwägungen
wurden leer und ruhig;
sie schnitten die feinen Verstrickungen ab,
die den Geist
in den drei Daseinsbereichen
auf den sechs Ebenen
der geistigen Übung
noch gebunden hielten.

Daraufhin erhoben sie sich
von ihren Sitzen,
verneigten sich ehrfürchtig
zu den Füßen des Buddha,
legten die Hände zusammen
und sprachen respektvoll zum Buddha:
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt keine neue Einsicht,
sondern die unmittelbare Wirkung richtiger Benennung und Ausrichtung.

1. „Plötzliches Erwachen“ ohne Sensation

Das Erwachen ist hier:
• still
• nicht ekstatisch
• nicht visionär

Es zeigt sich als:

Erlöschen innerer Bewegtheit

Nicht Erkenntnis kommt hinzu,
sondern Unruhe fällt weg.



2. Warum die Namen des Sutras hier entscheidend sind

Die bloße Benennung der endgültigen Bedeutung
bewirkt Klärung.

Das zeigt:
• Verwirrung entsteht durch falsche Rahmung
• Klärung durch stimmige Benennung

Der Name wirkt wie ein Schlüssel,
der das bereits Gehörte ordnungsgemäß einsetzt.



3. „Gedanken wurden leer und ruhig“

虛凝 meint:
• leer und
• gesammelt
nicht leer oder gesammelt.

Das ist genau der Zustand,
den das Sutra von Anfang an beschreibt:

Śamatha und Vipaśyanā in Einheit



4. Die „sechs feinen Ebenen der Übung“

Gemeint sind:
• nicht grobe Leidenschaften
• sondern subtile Übungsreste:
• Ehrgeiz
• Vergleich
• Fortschrittsdenken
• spirituelle Selbstbeobachtung

Dass sie hier „durchtrennt“ werden,
zeigt:

Auch der Übungsweg selbst wird losgelassen.



5. Aufstehen und Verbeugen

Das ist keine Förmlichkeit,
sondern körperlicher Ausdruck innerer Stimmigkeit:
• nichts mehr zu fragen
• nichts mehr zu suchen
• nichts mehr festzuhalten

Darum folgt nun
Dank, Gelöbnis oder Schutzbitte –
nicht mehr Lehre.
中文原文
說是語已,即時阿難及諸大眾,得蒙如來開示密印般怛[*]囉義,兼聞此經了義名目,頓悟禪那修進聖位增上妙理;心慮虛凝,斷除三界修心六品微細煩惱。即從座起,頂禮佛足,合掌恭敬而白佛言:
Deutsch
Nachdem der Buddha diese Worte gesprochen hatte,
wurden Ānanda
und die gesamte große Versammlung
unmittelbar durch die Offenbarung
der Bedeutung des geheimen Siegels
des ban-ta-luo belehrt.
Zugleich hörten sie
die Namen dieses Sutras
in seiner endgültigen Bedeutung
und erlangten plötzliches Erwachen
in Bezug auf
die erhabene, wunderbare Einsicht
in das Fortschreiten
der meditativen Sammlung
auf dem Weg zu den heiligen Stufen.

Ihre gedanklichen Erwägungen
wurden leer und ruhig;
sie schnitten die feinen Verstrickungen ab,
die den Geist
in den drei Daseinsbereichen
auf den sechs Ebenen
der geistigen Übung
noch gebunden hielten.

Daraufhin erhoben sie sich
von ihren Sitzen,
verneigten sich ehrfürchtig
zu den Füßen des Buddha,
legten die Hände zusammen
und sprachen respektvoll zum Buddha:
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt keine neue Einsicht,
sondern die unmittelbare Wirkung richtiger Benennung und Ausrichtung.

1. „Plötzliches Erwachen“ ohne Sensation

Das Erwachen ist hier:
• still
• nicht ekstatisch
• nicht visionär

Es zeigt sich als:

Erlöschen innerer Bewegtheit

Nicht Erkenntnis kommt hinzu,
sondern Unruhe fällt weg.



2. Warum die Namen des Sutras hier entscheidend sind

Die bloße Benennung der endgültigen Bedeutung
bewirkt Klärung.

Das zeigt:
• Verwirrung entsteht durch falsche Rahmung
• Klärung durch stimmige Benennung

Der Name wirkt wie ein Schlüssel,
der das bereits Gehörte ordnungsgemäß einsetzt.



3. „Gedanken wurden leer und ruhig“

虛凝 meint:
• leer und
• gesammelt
nicht leer oder gesammelt.

Das ist genau der Zustand,
den das Sutra von Anfang an beschreibt:

Śamatha und Vipaśyanā in Einheit



4. Die „sechs feinen Ebenen der Übung“

Gemeint sind:
• nicht grobe Leidenschaften
• sondern subtile Übungsreste:
• Ehrgeiz
• Vergleich
• Fortschrittsdenken
• spirituelle Selbstbeobachtung

Dass sie hier „durchtrennt“ werden,
zeigt:

Auch der Übungsweg selbst wird losgelassen.



5. Aufstehen und Verbeugen

Das ist keine Förmlichkeit,
sondern körperlicher Ausdruck innerer Stimmigkeit:
• nichts mehr zu fragen
• nichts mehr zu suchen
• nichts mehr festzuhalten

Darum folgt nun
Dank, Gelöbnis oder Schutzbitte –
nicht mehr Lehre.
299 #
「大威德世尊!慈音無遮,善開眾生微細沈惑,令我今日身[2]心快然,得大饒益。世尊!若此妙明真淨妙心本來遍圓,如是乃至大地草木、蠕動含靈本元真如,即是如來成佛真體,佛體真實,云何復有地獄、餓鬼、畜生、修羅、人、天等道?世尊!此道為復本來自有?為是眾生妄習生起?世尊!如寶蓮香比丘尼,持菩薩戒,私行婬欲,妄言行婬非殺、非偷,無有業報。發是語已,先於女根生大猛火,後於節節猛火燒然,墮無間獄。瑠璃大王、善星比丘;瑠璃為誅瞿曇族姓,善星妄說一切法空,生身陷入阿鼻地獄。此諸地獄,為有定處?為復自然彼彼發業、各各私受?唯垂大慈,發開童蒙,令諸一切持戒眾生聞決定義,歡喜頂戴,謹潔無犯!」
Ānanda sprach zum Buddha:

„Erhabener Weltverehrter von großer Macht und Tugend!
Deine mitfühlende Stimme kennt keine Schranke
und hat die feinen, tief verborgenen Verwirrungen
der Lebewesen klar erschlossen,
so dass mein Körper und Geist
heute leicht, ruhig und froh sind
und großen Nutzen empfangen haben.

Weltverehrter,
wenn dieses wunderbar leuchtende,
wahre, reine und wunderbare Herz
ursprünglich allgegenwärtig und vollkommen ist,
so dass selbst
Erde, Gräser und Bäume
sowie kriechende und fühlende Wesen
in ihrem ursprünglichen Grund
wahre Soheit sind –
und wenn dies eben
der wahre Körper des Tathāgata ist –
warum existieren dann
die Daseinsbereiche
von Hölle, hungrigen Geistern, Tieren, Asuras,
Menschen und Himmelswesen?

Sind diese Daseinswege
ursprünglich von selbst vorhanden?
Oder entstehen sie
durch die irrtümlichen Gewohnheiten
der Lebewesen?

Weltverehrter,
wie bei der Bhikṣuṇī Bao-lian-xiang,
die die Bodhisattva-Gebote hielt,
heimlich Begierde ausübte
und fälschlich behauptete,
sexuelles Verhalten
sei weder Töten noch Stehlen
und habe keine karmische Vergeltung:
Nachdem sie dies ausgesprochen hatte,
entstand zuerst
in ihrem Geschlechtsorgan
heftiges Feuer,
danach brannte
Gelenk um Gelenk
heftiges Feuer auf
und sie fiel
in die ununterbrochene Hölle.

Oder wie König Vaidūrya
und der Mönch Shan-xing:
Vaidūrya ließ
die Angehörigen des Gautama-Geschlechts töten;
Shan-xing verkündete irrtümlich,
alle Dharmas seien leer.
Beide fielen noch zu Lebzeiten
in die Avīci-Hölle.

Sind diese Höllen
an feste Orte gebunden?
Oder entstehen sie jeweils
aus dem eigenen Wirken
und werden von jedem einzeln erfahren?

Möge der Weltverehrte
aus großem Mitgefühl
die Unwissenden erhellen,
damit alle Ordinierten,
die die Gebote bewahren,
die endgültige Bedeutung hören,
sie freudig aufnehmen
und sie rein und sorgfältig
ohne Übertretung bewahren.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der ethische Kulminationspunkt des Sutras.

1. Die scheinbare Paradoxie

Anandas Frage ist logisch zwingend:

Wenn alles ursprünglich Soheit ist –
woher dann Leid, Hölle und Vergeltung?

Das ist keine naive Frage,
sondern die letzte mögliche Einwendung
gegen Nicht-Dualität.



2. Die Gefahr falscher Leerheitslehre

Die Beispiele sind gezielt gewählt:
• sexuelle Selbstrechtfertigung
• falsche Leerheitslehre
• Gewalt legitimiert durch Doktrin

Das Sutra zeigt:

Leerheit ohne Durchschauen
ist zerstörerisch.

Nicht-Dualität
hebt Verantwortung nicht auf.



3. Sind Höllen Orte?

Ananda stellt exakt die richtige Frage:
• objektive Orte?
• subjektive Projektionen?

Die Antwort des Sutras (im folgenden Abschnitt):

Höllen sind keine Orte
und keine bloßen Einbildungen,
sondern vollständig wirksame
Konsequenzfelder des Geistes.



4. Warum diese Frage hier kommt

Erst nach:
• vollendeter Einsicht
• Stufenweg
• Bodhisattva-Reife

wird diese Frage gestellt.

Das heißt:

Erst wer Nicht-Dualität versteht,
darf diese Frage stellen.

Sonst wird sie zur Ausrede.



5. Ziel der Bitte

Ananda bittet nicht um Theorie,
sondern um Schutz der Praxis:

damit jene,
die die Gebote halten,
nicht durch falsche Lehre
zerstört werden.

Das ist Mitgefühl in Reinform.
中文原文
「大威德世尊!慈音無遮,善開眾生微細沈惑,令我今日身[2]心快然,得大饒益。世尊!若此妙明真淨妙心本來遍圓,如是乃至大地草木、蠕動含靈本元真如,即是如來成佛真體,佛體真實,云何復有地獄、餓鬼、畜生、修羅、人、天等道?世尊!此道為復本來自有?為是眾生妄習生起?世尊!如寶蓮香比丘尼,持菩薩戒,私行婬欲,妄言行婬非殺、非偷,無有業報。發是語已,先於女根生大猛火,後於節節猛火燒然,墮無間獄。瑠璃大王、善星比丘;瑠璃為誅瞿曇族姓,善星妄說一切法空,生身陷入阿鼻地獄。此諸地獄,為有定處?為復自然彼彼發業、各各私受?唯垂大慈,發開童蒙,令諸一切持戒眾生聞決定義,歡喜頂戴,謹潔無犯!」
Deutsch
Ānanda sprach zum Buddha:

„Erhabener Weltverehrter von großer Macht und Tugend!
Deine mitfühlende Stimme kennt keine Schranke
und hat die feinen, tief verborgenen Verwirrungen
der Lebewesen klar erschlossen,
so dass mein Körper und Geist
heute leicht, ruhig und froh sind
und großen Nutzen empfangen haben.

Weltverehrter,
wenn dieses wunderbar leuchtende,
wahre, reine und wunderbare Herz
ursprünglich allgegenwärtig und vollkommen ist,
so dass selbst
Erde, Gräser und Bäume
sowie kriechende und fühlende Wesen
in ihrem ursprünglichen Grund
wahre Soheit sind –
und wenn dies eben
der wahre Körper des Tathāgata ist –
warum existieren dann
die Daseinsbereiche
von Hölle, hungrigen Geistern, Tieren, Asuras,
Menschen und Himmelswesen?

Sind diese Daseinswege
ursprünglich von selbst vorhanden?
Oder entstehen sie
durch die irrtümlichen Gewohnheiten
der Lebewesen?

Weltverehrter,
wie bei der Bhikṣuṇī Bao-lian-xiang,
die die Bodhisattva-Gebote hielt,
heimlich Begierde ausübte
und fälschlich behauptete,
sexuelles Verhalten
sei weder Töten noch Stehlen
und habe keine karmische Vergeltung:
Nachdem sie dies ausgesprochen hatte,
entstand zuerst
in ihrem Geschlechtsorgan
heftiges Feuer,
danach brannte
Gelenk um Gelenk
heftiges Feuer auf
und sie fiel
in die ununterbrochene Hölle.

Oder wie König Vaidūrya
und der Mönch Shan-xing:
Vaidūrya ließ
die Angehörigen des Gautama-Geschlechts töten;
Shan-xing verkündete irrtümlich,
alle Dharmas seien leer.
Beide fielen noch zu Lebzeiten
in die Avīci-Hölle.

Sind diese Höllen
an feste Orte gebunden?
Oder entstehen sie jeweils
aus dem eigenen Wirken
und werden von jedem einzeln erfahren?

Möge der Weltverehrte
aus großem Mitgefühl
die Unwissenden erhellen,
damit alle Ordinierten,
die die Gebote bewahren,
die endgültige Bedeutung hören,
sie freudig aufnehmen
und sie rein und sorgfältig
ohne Übertretung bewahren.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der ethische Kulminationspunkt des Sutras.

1. Die scheinbare Paradoxie

Anandas Frage ist logisch zwingend:

Wenn alles ursprünglich Soheit ist –
woher dann Leid, Hölle und Vergeltung?

Das ist keine naive Frage,
sondern die letzte mögliche Einwendung
gegen Nicht-Dualität.



2. Die Gefahr falscher Leerheitslehre

Die Beispiele sind gezielt gewählt:
• sexuelle Selbstrechtfertigung
• falsche Leerheitslehre
• Gewalt legitimiert durch Doktrin

Das Sutra zeigt:

Leerheit ohne Durchschauen
ist zerstörerisch.

Nicht-Dualität
hebt Verantwortung nicht auf.



3. Sind Höllen Orte?

Ananda stellt exakt die richtige Frage:
• objektive Orte?
• subjektive Projektionen?

Die Antwort des Sutras (im folgenden Abschnitt):

Höllen sind keine Orte
und keine bloßen Einbildungen,
sondern vollständig wirksame
Konsequenzfelder des Geistes.



4. Warum diese Frage hier kommt

Erst nach:
• vollendeter Einsicht
• Stufenweg
• Bodhisattva-Reife

wird diese Frage gestellt.

Das heißt:

Erst wer Nicht-Dualität versteht,
darf diese Frage stellen.

Sonst wird sie zur Ausrede.



5. Ziel der Bitte

Ananda bittet nicht um Theorie,
sondern um Schutz der Praxis:

damit jene,
die die Gebote halten,
nicht durch falsche Lehre
zerstört werden.

Das ist Mitgefühl in Reinform.
300 #
佛告阿難:「快哉此問!令諸眾生不入邪見。汝今諦聽,當為汝說。
「阿難!一切眾生實本真淨,因彼妄見有妄習生,因此分開內分、外分。阿難!內分即是眾生分內。因諸愛染發起妄情,情積不休能生愛水。是故眾生心憶珍羞,口中水出;心憶前人或[A1]憐或恨,目中淚盈;貪求財寶,心發愛涎、舉體光潤;心著行婬,男女二根自然流液。阿難!諸愛雖別,流結是同。潤濕不昇,自然從墜,此名內分。
Der Buddha sagte zu Ānanda:

„Gut ist diese Frage;
sie bewirkt,
dass die Lebewesen
nicht in falsche Ansichten geraten.
Höre nun sorgfältig zu,
ich werde es dir darlegen.

Ānanda,
alle Lebewesen
sind in ihrer Wirklichkeit
ursprünglich wahrhaft rein.
Doch aufgrund falscher Wahrnehmung
entstehen falsche Gewohnheiten;
dadurch kommt es zur Aufspaltung
in innere und äußere Anteile.

Ānanda,
die innere Teilung
bezieht sich auf das Innere der Lebewesen.
Aus vielfältigen Anhaftungen
entstehen falsche emotionale Regungen;
diese Regungen häufen sich unaufhörlich
und vermögen
Begierde als fließende Kraft hervorzubringen.

Darum ist es so,
dass Lebewesen,
wenn ihr Geist an köstliche Speisen denkt,
Speichel im Mund hervorbringen;
wenn der Geist an frühere Personen denkt,
sei es in Zuneigung oder in Hass,
sich Tränen in den Augen sammeln;
wenn sie gierig nach Reichtum streben,
entsteht liebender Speichel,
und der ganze Körper wird feucht und glänzend;
wenn der Geist an sexuelles Tun gebunden ist,
sondern die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane
von selbst Flüssigkeit ab.

Ānanda,
die Formen der Begierde
sind zwar unterschiedlich,
doch ihr Fließen und Verknüpfen
ist dasselbe.
Was benetzend und feucht ist,
steigt nicht auf,
sondern sinkt von selbst ab.

Dies nennt man
die innere Teilung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist fundamental – er legt den Mechanismus von Karma offen,
ohne Moral, ohne Mythos.

1. Ursprüngliche Reinheit wird nicht negiert

Der Buddha beginnt ausdrücklich mit:

Alle Wesen sind ursprünglich wahrhaft rein.

Leid entsteht nicht,
weil Reinheit verloren ginge,
sondern weil Wahrnehmung fehlgeleitet wird.



2. „Innere Teilung“ ist kein Ort, sondern ein Prozess

內分 bedeutet:
• innere Dynamik
• psychophysische Kopplung
• Verkörperung von Emotion

Begierde wird hier nicht psychologisch,
sondern energetisch-prozessual beschrieben.



3. Warum die Beispiele so körperlich sind

Der Text zeigt:

Geist und Körper sind nicht getrennt.

Gedanken erzeugen:
• Speichel
• Tränen
• Feuchtigkeit
• sexuelle Reaktion

Das ist keine Metapher,
sondern unmittelbare Beobachtung.



4. Der entscheidende Satz

潤濕不昇,自然從墜
Was benetzend ist, steigt nicht auf, sondern sinkt.

Hier wird Abstieg erklärt,
nicht als Strafe,
sondern als Folge der Richtung.

Begierde zieht nach unten,
weil sie bindet.



5. Vorbereitung der Höllenlehre

Noch ist keine Hölle erwähnt.
Aber der Mechanismus ist gesetzt:
• Feuchtigkeit → Bindung
• Bindung → Abstieg
• Abstieg → entsprechende Daseinsform

Die „Orte“ folgen erst später.
中文原文
佛告阿難:「快哉此問!令諸眾生不入邪見。汝今諦聽,當為汝說。
「阿難!一切眾生實本真淨,因彼妄見有妄習生,因此分開內分、外分。阿難!內分即是眾生分內。因諸愛染發起妄情,情積不休能生愛水。是故眾生心憶珍羞,口中水出;心憶前人或[A1]憐或恨,目中淚盈;貪求財寶,心發愛涎、舉體光潤;心著行婬,男女二根自然流液。阿難!諸愛雖別,流結是同。潤濕不昇,自然從墜,此名內分。
Deutsch
Der Buddha sagte zu Ānanda:

„Gut ist diese Frage;
sie bewirkt,
dass die Lebewesen
nicht in falsche Ansichten geraten.
Höre nun sorgfältig zu,
ich werde es dir darlegen.

Ānanda,
alle Lebewesen
sind in ihrer Wirklichkeit
ursprünglich wahrhaft rein.
Doch aufgrund falscher Wahrnehmung
entstehen falsche Gewohnheiten;
dadurch kommt es zur Aufspaltung
in innere und äußere Anteile.

Ānanda,
die innere Teilung
bezieht sich auf das Innere der Lebewesen.
Aus vielfältigen Anhaftungen
entstehen falsche emotionale Regungen;
diese Regungen häufen sich unaufhörlich
und vermögen
Begierde als fließende Kraft hervorzubringen.

Darum ist es so,
dass Lebewesen,
wenn ihr Geist an köstliche Speisen denkt,
Speichel im Mund hervorbringen;
wenn der Geist an frühere Personen denkt,
sei es in Zuneigung oder in Hass,
sich Tränen in den Augen sammeln;
wenn sie gierig nach Reichtum streben,
entsteht liebender Speichel,
und der ganze Körper wird feucht und glänzend;
wenn der Geist an sexuelles Tun gebunden ist,
sondern die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane
von selbst Flüssigkeit ab.

Ānanda,
die Formen der Begierde
sind zwar unterschiedlich,
doch ihr Fließen und Verknüpfen
ist dasselbe.
Was benetzend und feucht ist,
steigt nicht auf,
sondern sinkt von selbst ab.

Dies nennt man
die innere Teilung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist fundamental – er legt den Mechanismus von Karma offen,
ohne Moral, ohne Mythos.

1. Ursprüngliche Reinheit wird nicht negiert

Der Buddha beginnt ausdrücklich mit:

Alle Wesen sind ursprünglich wahrhaft rein.

Leid entsteht nicht,
weil Reinheit verloren ginge,
sondern weil Wahrnehmung fehlgeleitet wird.



2. „Innere Teilung“ ist kein Ort, sondern ein Prozess

內分 bedeutet:
• innere Dynamik
• psychophysische Kopplung
• Verkörperung von Emotion

Begierde wird hier nicht psychologisch,
sondern energetisch-prozessual beschrieben.



3. Warum die Beispiele so körperlich sind

Der Text zeigt:

Geist und Körper sind nicht getrennt.

Gedanken erzeugen:
• Speichel
• Tränen
• Feuchtigkeit
• sexuelle Reaktion

Das ist keine Metapher,
sondern unmittelbare Beobachtung.



4. Der entscheidende Satz

潤濕不昇,自然從墜
Was benetzend ist, steigt nicht auf, sondern sinkt.

Hier wird Abstieg erklärt,
nicht als Strafe,
sondern als Folge der Richtung.

Begierde zieht nach unten,
weil sie bindet.



5. Vorbereitung der Höllenlehre

Noch ist keine Hölle erwähnt.
Aber der Mechanismus ist gesetzt:
• Feuchtigkeit → Bindung
• Bindung → Abstieg
• Abstieg → entsprechende Daseinsform

Die „Orte“ folgen erst später.
301 #
「阿難!外分即是眾生分外。因諸渴仰,發明虛想,想積不休能生勝氣。是故眾生心持禁戒,舉身輕清;心持呪印,顧[A2]眄雄毅;心欲生天,夢想飛舉;心存佛國,聖境冥現;事善知識,自輕身命。阿難!諸想雖別,輕舉是同。飛動不沈,自然超越,此名外分。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die äußere Teilung
bezieht sich auf das Äußere der Lebewesen.
Aus vielfältigem Verlangen und Streben
entstehen verfeinerte, leere Vorstellungen;
wenn diese Vorstellungen
sich unaufhörlich ansammeln,
können sie
eine überlegene, aufsteigende Kraft erzeugen.

Darum ist es so,
dass Lebewesen,
wenn ihr Geist die Gebote bewahrt,
der ganze Körper leicht, klar
und aufgerichtet wird;
wenn der Geist Mantras und Siegel bewahrt,
Blick und Erscheinung
kraftvoll und standhaft werden;
wenn der Geist eine himmlische Existenz ersehnt,
Träume vom Fliegen und Aufsteigen entstehen;
wenn der Geist ein Buddha-Land vergegenwärtigt,
heilige Bereiche
auf nicht-offensichtliche Weise erscheinen;
wenn man guten Lehrern dient,
man den eigenen Körper und das eigene Leben
gering achtet.

Ānanda,
die Arten dieser Vorstellungen
sind zwar verschieden,
doch ihr gemeinsames Merkmal
ist Leichtigkeit und Erhebung.
Was fliegend und beweglich ist,
sinkt nicht ab,
sondern überschreitet von selbst.

Dies nennt man
die äußere Teilung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist kein Lob des Aufstiegs,
sondern eine präzise Beschreibung von Richtung.

1. Innere vs. äußere Teilung – kein Gut/Böse-Schema

Der Buddha stellt keine Moralhierarchie auf:
• innere Teilung → Feuchtigkeit → Abstieg
• äußere Teilung → Leichtigkeit → Aufstieg

Beides sind Folgen von Geisteshaltungen,
nicht Belohnung oder Strafe.



2. Auch „Gutes“ bindet

Bemerkenswert ist die Auswahl der Beispiele:
• Gebote halten
• Mantras rezitieren
• Himmel wünschen
• Buddha-Länder visualisieren
• Lehrern dienen

All dies ist positiv,
aber dennoch bindend,
wenn es aus Streben geschieht.

Der Text ist hier sehr klar:

Aufstieg ist nicht Befreiung.



3. „Leere Vorstellungen“ (虛想)

虛 heißt:
• nicht substantiell
• nicht grundlos falsch
• aber nicht letztgültig

Auch fromme Bilder
können Illusion sein,
wenn sie festgehalten werden.



4. Richtung statt Ort

Der entscheidende Satz:

飛動不沈,自然超越
Was fliegend ist, sinkt nicht, sondern überschreitet.

Das erklärt:
• Himmel
• lichte Zustände
• feinstoffliche Welten

Nicht als Orte,
sondern als Bewegungsrichtungen des Geistes.



5. Vorbereitung der vollständigen Kosmologie

Mit innerer und äußerer Teilung
sind nun beide Richtungen gesetzt:
• Abstieg (Begierde / Feuchtigkeit)
• Aufstieg (Streben / Leichtigkeit)

Im nächsten Abschnitt zeigt der Buddha,
wie aus Mischungen beider
die sechs Daseinsbereiche entstehen.
中文原文
「阿難!外分即是眾生分外。因諸渴仰,發明虛想,想積不休能生勝氣。是故眾生心持禁戒,舉身輕清;心持呪印,顧[A2]眄雄毅;心欲生天,夢想飛舉;心存佛國,聖境冥現;事善知識,自輕身命。阿難!諸想雖別,輕舉是同。飛動不沈,自然超越,此名外分。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die äußere Teilung
bezieht sich auf das Äußere der Lebewesen.
Aus vielfältigem Verlangen und Streben
entstehen verfeinerte, leere Vorstellungen;
wenn diese Vorstellungen
sich unaufhörlich ansammeln,
können sie
eine überlegene, aufsteigende Kraft erzeugen.

Darum ist es so,
dass Lebewesen,
wenn ihr Geist die Gebote bewahrt,
der ganze Körper leicht, klar
und aufgerichtet wird;
wenn der Geist Mantras und Siegel bewahrt,
Blick und Erscheinung
kraftvoll und standhaft werden;
wenn der Geist eine himmlische Existenz ersehnt,
Träume vom Fliegen und Aufsteigen entstehen;
wenn der Geist ein Buddha-Land vergegenwärtigt,
heilige Bereiche
auf nicht-offensichtliche Weise erscheinen;
wenn man guten Lehrern dient,
man den eigenen Körper und das eigene Leben
gering achtet.

Ānanda,
die Arten dieser Vorstellungen
sind zwar verschieden,
doch ihr gemeinsames Merkmal
ist Leichtigkeit und Erhebung.
Was fliegend und beweglich ist,
sinkt nicht ab,
sondern überschreitet von selbst.

Dies nennt man
die äußere Teilung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist kein Lob des Aufstiegs,
sondern eine präzise Beschreibung von Richtung.

1. Innere vs. äußere Teilung – kein Gut/Böse-Schema

Der Buddha stellt keine Moralhierarchie auf:
• innere Teilung → Feuchtigkeit → Abstieg
• äußere Teilung → Leichtigkeit → Aufstieg

Beides sind Folgen von Geisteshaltungen,
nicht Belohnung oder Strafe.



2. Auch „Gutes“ bindet

Bemerkenswert ist die Auswahl der Beispiele:
• Gebote halten
• Mantras rezitieren
• Himmel wünschen
• Buddha-Länder visualisieren
• Lehrern dienen

All dies ist positiv,
aber dennoch bindend,
wenn es aus Streben geschieht.

Der Text ist hier sehr klar:

Aufstieg ist nicht Befreiung.



3. „Leere Vorstellungen“ (虛想)

虛 heißt:
• nicht substantiell
• nicht grundlos falsch
• aber nicht letztgültig

Auch fromme Bilder
können Illusion sein,
wenn sie festgehalten werden.



4. Richtung statt Ort

Der entscheidende Satz:

飛動不沈,自然超越
Was fliegend ist, sinkt nicht, sondern überschreitet.

Das erklärt:
• Himmel
• lichte Zustände
• feinstoffliche Welten

Nicht als Orte,
sondern als Bewegungsrichtungen des Geistes.



5. Vorbereitung der vollständigen Kosmologie

Mit innerer und äußerer Teilung
sind nun beide Richtungen gesetzt:
• Abstieg (Begierde / Feuchtigkeit)
• Aufstieg (Streben / Leichtigkeit)

Im nächsten Abschnitt zeigt der Buddha,
wie aus Mischungen beider
die sechs Daseinsbereiche entstehen.
302 #
「阿難!一切世間生死相續,生從順習,死從變流。臨命終時,未捨[3]暖觸,一生善惡俱時頓現。死逆、生順,二習相交。
純想即飛,必生天上。若飛心中兼福兼慧及與淨願,自然心開見十方佛,一切淨土隨願往生。情少想多,輕舉非遠,即為飛仙、大力鬼王、飛行夜叉、地行羅剎,遊於四天所去無礙。其中若有善願善心護持我法,或護禁戒、隨持戒人,或護神呪、隨持呪者,或護禪定、保綏法忍,是等親住如來座下。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
alles fortlaufende Entstehen und Vergehen
in den Welten
vollzieht sich
als Abfolge von Geburt und Tod.
Geburt entsteht
aus dem Mitgehen
mit gewohnten Neigungen,
Tod aus dem Umschlagen
des fließenden Stromes.

Wenn ein Wesen
am Ende seines Lebens steht
und die wärmende Berührung
noch nicht erloschen ist,
erscheinen augenblicklich
die guten und schlechten Handlungen
des gesamten Lebens
zugleich.

Der Tod verläuft gegen den Strom,
die Geburt verläuft mit dem Strom;
beide Gewohnheiten
durchdringen und kreuzen sich.

Ist die Vorstellung rein,
so kommt es zum Aufsteigen,
und man wird gewiss
in himmlischen Bereichen geboren.
Wenn in diesem aufsteigenden Geist
zugleich Verdienst, Weisheit
und reine Gelübde vorhanden sind,
öffnet sich der Geist von selbst,
sieht die Buddhas
der zehn Richtungen
und kann gemäß den Gelübden
in alle reinen Länder
wiedergeboren werden.

Ist die emotionale Bindung gering
und die Vorstellungskraft stark,
so ist das Aufsteigen leicht,
doch nicht weitreichend:
man wird zu fliegenden Unsterblichen,
mächtigen Geisterkönigen,
fliegenden Yakṣas
oder wandernden Rākṣasas,
die sich frei
in den vier Himmelsrichtungen bewegen.

Unter diesen gibt es solche,
die aufgrund guter Gelübde
und reiner Gesinnung
die Lehre schützen:
sie bewahren die Gebote
und folgen jenen,
die die Gebote bewahren;
sie bewahren die Mantras
und folgen jenen,
die die Mantras bewahren;
sie bewahren die Sammlung
und schützen die Geduld des Dharma.
Diese
verweilen nahe
am Sitz des Tathāgata.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist kein Jenseitsbericht,
sondern eine präzise Dynamik von Bewusstsein im Übergang.

1. Geburt und Tod als Richtungswechsel
• Geburt = Mitgehen mit Gewohnheit
• Tod = Umschlagen des Stroms

Nicht Orte wechseln,
sondern Bewegungsrichtungen.



2. Der Moment des Todes

Entscheidend ist:

Wärme ist noch da → Integration möglich

Nicht ein Urteil entscheidet,
sondern die dominante Gewohnheitsrichtung.



3. „Reine Vorstellung“ ist kein Fantasieren

想 meint hier:
• Ausrichtung
• Intentionalität
• Bildkraft des Geistes

Rein =
nicht durch Gier oder Hass gebunden.



4. Warum es „fliegende Wesen“ gibt

Nicht als Fabel,
sondern als Bewusstseinsformen:
• wenig emotionale Schwere
• viel Vorstellungskraft
• begrenzte Weisheit

→ leichte, aber instabile Existenz



5. Schutzwesen als Nebenprodukt reiner Ausrichtung

Die sogenannten „Geister“,
die das Dharma schützen,
sind:
• nicht erleuchtet
• nicht erlöst
• aber ausgerichtet

Darum:

Nähe zum Buddha-Sitz
ist eine Frage der Richtung,
nicht der Wesensart.
中文原文
「阿難!一切世間生死相續,生從順習,死從變流。臨命終時,未捨[3]暖觸,一生善惡俱時頓現。死逆、生順,二習相交。
純想即飛,必生天上。若飛心中兼福兼慧及與淨願,自然心開見十方佛,一切淨土隨願往生。情少想多,輕舉非遠,即為飛仙、大力鬼王、飛行夜叉、地行羅剎,遊於四天所去無礙。其中若有善願善心護持我法,或護禁戒、隨持戒人,或護神呪、隨持呪者,或護禪定、保綏法忍,是等親住如來座下。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
alles fortlaufende Entstehen und Vergehen
in den Welten
vollzieht sich
als Abfolge von Geburt und Tod.
Geburt entsteht
aus dem Mitgehen
mit gewohnten Neigungen,
Tod aus dem Umschlagen
des fließenden Stromes.

Wenn ein Wesen
am Ende seines Lebens steht
und die wärmende Berührung
noch nicht erloschen ist,
erscheinen augenblicklich
die guten und schlechten Handlungen
des gesamten Lebens
zugleich.

Der Tod verläuft gegen den Strom,
die Geburt verläuft mit dem Strom;
beide Gewohnheiten
durchdringen und kreuzen sich.

Ist die Vorstellung rein,
so kommt es zum Aufsteigen,
und man wird gewiss
in himmlischen Bereichen geboren.
Wenn in diesem aufsteigenden Geist
zugleich Verdienst, Weisheit
und reine Gelübde vorhanden sind,
öffnet sich der Geist von selbst,
sieht die Buddhas
der zehn Richtungen
und kann gemäß den Gelübden
in alle reinen Länder
wiedergeboren werden.

Ist die emotionale Bindung gering
und die Vorstellungskraft stark,
so ist das Aufsteigen leicht,
doch nicht weitreichend:
man wird zu fliegenden Unsterblichen,
mächtigen Geisterkönigen,
fliegenden Yakṣas
oder wandernden Rākṣasas,
die sich frei
in den vier Himmelsrichtungen bewegen.

Unter diesen gibt es solche,
die aufgrund guter Gelübde
und reiner Gesinnung
die Lehre schützen:
sie bewahren die Gebote
und folgen jenen,
die die Gebote bewahren;
sie bewahren die Mantras
und folgen jenen,
die die Mantras bewahren;
sie bewahren die Sammlung
und schützen die Geduld des Dharma.
Diese
verweilen nahe
am Sitz des Tathāgata.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist kein Jenseitsbericht,
sondern eine präzise Dynamik von Bewusstsein im Übergang.

1. Geburt und Tod als Richtungswechsel
• Geburt = Mitgehen mit Gewohnheit
• Tod = Umschlagen des Stroms

Nicht Orte wechseln,
sondern Bewegungsrichtungen.



2. Der Moment des Todes

Entscheidend ist:

Wärme ist noch da → Integration möglich

Nicht ein Urteil entscheidet,
sondern die dominante Gewohnheitsrichtung.



3. „Reine Vorstellung“ ist kein Fantasieren

想 meint hier:
• Ausrichtung
• Intentionalität
• Bildkraft des Geistes

Rein =
nicht durch Gier oder Hass gebunden.



4. Warum es „fliegende Wesen“ gibt

Nicht als Fabel,
sondern als Bewusstseinsformen:
• wenig emotionale Schwere
• viel Vorstellungskraft
• begrenzte Weisheit

→ leichte, aber instabile Existenz



5. Schutzwesen als Nebenprodukt reiner Ausrichtung

Die sogenannten „Geister“,
die das Dharma schützen,
sind:
• nicht erleuchtet
• nicht erlöst
• aber ausgerichtet

Darum:

Nähe zum Buddha-Sitz
ist eine Frage der Richtung,
nicht der Wesensart.
303 #
情想均等,不飛、不墜,生於人間,想明斯聰,情幽斯鈍。情多想少,流入橫生;重為毛群,輕為羽族。七情、三想,沈下水輪,生於火際,受氣猛火,身為餓鬼,常被焚燒;水能害[A3]己,無食無飲經百千劫。九情一想,下洞火輪,身入風、火二交過地,輕生有間、重生無間二種地獄。純情即沈,入阿鼻獄。若沈心中有謗大乘、毀佛禁戒、誑妄說法、虛貪信施、濫膺恭敬、五逆十重,更生十方阿鼻地獄。循造惡業,雖則自招,眾同分中兼有元地。
Sind Emotion und Vorstellung gleich stark,
kommt es weder zum Aufsteigen
noch zum Absinken;
man wird im Menschenbereich geboren.
Ist die Vorstellung klar,
so ist der Geist wach und verständig;
ist die emotionale Bindung schwer,
so ist der Geist dumpf und träge.

Überwiegt die emotionale Bindung
und ist die Vorstellungskraft gering,
so fließt das Bewusstsein
in die quergeborenen Bereiche:
bei starker Bindung
entsteht Geburt unter den behaarten Tieren,
bei geringerer Bindung
unter den gefiederten Arten.

Bei sieben Anteilen emotionaler Bindung
und drei Anteilen Vorstellung
sinkt man unter den Wasserkreis ab
und wird an der Grenze des Feuers geboren;
man erfährt
die Aufnahme heftiger Feuerenergie
und wird zum hungrigen Geist,
der ständig verbrannt wird.
Wasser vermag ihm selbst zu schaden;
ohne Nahrung und ohne Trank
verweilt er
über hunderttausend Kalpas.

Bei neun Anteilen emotionaler Bindung
und einem Anteil Vorstellung
stürzt man hinab
in den tiefen Feuerkreis;
der Körper tritt ein
in den Bereich,
wo Wind und Feuer einander durchdringen.
In leichter Ausprägung
entsteht Geburt
in der Hölle mit Unterbrechung,
in schwerer Ausprägung
in der Hölle ohne Unterbrechung.

Ist die emotionale Bindung vollkommen,
so kommt es zum völligen Absinken
und zum Eintritt
in die Avīci-Hölle.

Wenn jedoch im absinkenden Geist
zusätzlich Verleumdung des Großen Fahrzeugs,
Verletzung der Buddha-Gebote,
falsches Verkünden des Dharma,
Täuschung zum Zwecke von Glaubensspenden,
Anmaßung von Verehrung,
die fünf schwersten Vergehen
und die zehn schweren Übertretungen vorhanden sind,
so erfolgt eine weitere Geburt
in den Avīci-Höllen
der zehn Richtungen.

Obwohl diese bösen Handlungen
durch eigenes Tun hervorgerufen werden,
existiert innerhalb der gemeinsamen karmischen Teilhabe
zugleich
ein entsprechender Grundbereich.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine vollständige, geschlossene Kosmologie –
ohne Mythos, ohne Willkür.

1. Kein Gericht, kein Richter

Entscheidend:

Kein Wesen wird „geschickt“.

Es gibt nur:
• Verhältnis von Bindung (情)
• und Ausrichtung (想)

Daraus ergibt sich Richtung, nicht Strafe.



2. Warum Zahlen genannt werden

„Sieben zu drei“, „neun zu eins“
sind keine mathematischen Werte,
sondern Verhältnisbilder:
• Vorstellung nimmt ab
• Bindung nimmt zu

Je weniger Ausrichtung,
desto stärker der Abstieg.



3. Menschsein als fragile Balance

Der Mensch ist kein Ziel,
sondern ein Gleichgewichtszustand.

Darum:
• selten stabil
• leicht verloren
• kostbar für Praxis



4. Avīci ist kein Ort, sondern maximale Bindung

„Ununterbrochen“ heißt:
• kein Abstand
• kein Atem
• kein Wechsel

Ein Bewusstsein,
das vollständig von Bindung erfüllt ist.



5. „Gemeinsamer Bereich“ (眾同分)

Der letzte Satz ist entscheidend:

Individuelle Tat + kollektives Feld

Niemand leidet allein,
niemand handelt isoliert.



Abschluss dieses Zyklus

Damit ist die Ableitung aller sechs Daseinsbereiche vollständig erklärt:
• Aufstieg → Himmel
• Gleichgewicht → Mensch
• Abstieg → Tiere, Geister, Höllen

Alles aus einem Mechanismus.
中文原文
情想均等,不飛、不墜,生於人間,想明斯聰,情幽斯鈍。情多想少,流入橫生;重為毛群,輕為羽族。七情、三想,沈下水輪,生於火際,受氣猛火,身為餓鬼,常被焚燒;水能害[A3]己,無食無飲經百千劫。九情一想,下洞火輪,身入風、火二交過地,輕生有間、重生無間二種地獄。純情即沈,入阿鼻獄。若沈心中有謗大乘、毀佛禁戒、誑妄說法、虛貪信施、濫膺恭敬、五逆十重,更生十方阿鼻地獄。循造惡業,雖則自招,眾同分中兼有元地。
Deutsch
Sind Emotion und Vorstellung gleich stark,
kommt es weder zum Aufsteigen
noch zum Absinken;
man wird im Menschenbereich geboren.
Ist die Vorstellung klar,
so ist der Geist wach und verständig;
ist die emotionale Bindung schwer,
so ist der Geist dumpf und träge.

Überwiegt die emotionale Bindung
und ist die Vorstellungskraft gering,
so fließt das Bewusstsein
in die quergeborenen Bereiche:
bei starker Bindung
entsteht Geburt unter den behaarten Tieren,
bei geringerer Bindung
unter den gefiederten Arten.

Bei sieben Anteilen emotionaler Bindung
und drei Anteilen Vorstellung
sinkt man unter den Wasserkreis ab
und wird an der Grenze des Feuers geboren;
man erfährt
die Aufnahme heftiger Feuerenergie
und wird zum hungrigen Geist,
der ständig verbrannt wird.
Wasser vermag ihm selbst zu schaden;
ohne Nahrung und ohne Trank
verweilt er
über hunderttausend Kalpas.

Bei neun Anteilen emotionaler Bindung
und einem Anteil Vorstellung
stürzt man hinab
in den tiefen Feuerkreis;
der Körper tritt ein
in den Bereich,
wo Wind und Feuer einander durchdringen.
In leichter Ausprägung
entsteht Geburt
in der Hölle mit Unterbrechung,
in schwerer Ausprägung
in der Hölle ohne Unterbrechung.

Ist die emotionale Bindung vollkommen,
so kommt es zum völligen Absinken
und zum Eintritt
in die Avīci-Hölle.

Wenn jedoch im absinkenden Geist
zusätzlich Verleumdung des Großen Fahrzeugs,
Verletzung der Buddha-Gebote,
falsches Verkünden des Dharma,
Täuschung zum Zwecke von Glaubensspenden,
Anmaßung von Verehrung,
die fünf schwersten Vergehen
und die zehn schweren Übertretungen vorhanden sind,
so erfolgt eine weitere Geburt
in den Avīci-Höllen
der zehn Richtungen.

Obwohl diese bösen Handlungen
durch eigenes Tun hervorgerufen werden,
existiert innerhalb der gemeinsamen karmischen Teilhabe
zugleich
ein entsprechender Grundbereich.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine vollständige, geschlossene Kosmologie –
ohne Mythos, ohne Willkür.

1. Kein Gericht, kein Richter

Entscheidend:

Kein Wesen wird „geschickt“.

Es gibt nur:
• Verhältnis von Bindung (情)
• und Ausrichtung (想)

Daraus ergibt sich Richtung, nicht Strafe.



2. Warum Zahlen genannt werden

„Sieben zu drei“, „neun zu eins“
sind keine mathematischen Werte,
sondern Verhältnisbilder:
• Vorstellung nimmt ab
• Bindung nimmt zu

Je weniger Ausrichtung,
desto stärker der Abstieg.



3. Menschsein als fragile Balance

Der Mensch ist kein Ziel,
sondern ein Gleichgewichtszustand.

Darum:
• selten stabil
• leicht verloren
• kostbar für Praxis



4. Avīci ist kein Ort, sondern maximale Bindung

„Ununterbrochen“ heißt:
• kein Abstand
• kein Atem
• kein Wechsel

Ein Bewusstsein,
das vollständig von Bindung erfüllt ist.



5. „Gemeinsamer Bereich“ (眾同分)

Der letzte Satz ist entscheidend:

Individuelle Tat + kollektives Feld

Niemand leidet allein,
niemand handelt isoliert.



Abschluss dieses Zyklus

Damit ist die Ableitung aller sechs Daseinsbereiche vollständig erklärt:
• Aufstieg → Himmel
• Gleichgewicht → Mensch
• Abstieg → Tiere, Geister, Höllen

Alles aus einem Mechanismus.
304 #
「阿難!此等皆是彼諸眾生自業所感,造十習因,受六交報。
「云何十因?
「阿難!一者、婬習交接,發於相磨,研磨不休,如是故有大猛火光於中發動;如人以手自相[4]磨觸,[*]暖相現前。二習相然,故有鐵床、銅柱諸事。是故十方一切如來,色目行婬同名欲火,菩薩見欲如避火坑。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
all diese Zustände
entstehen allein
durch das eigene Wirken
der betreffenden Lebewesen.
Sie erzeugen
zehn Gewohnheitsursachen
und erfahren daraufhin
sechs Arten
sich kreuzender Vergeltung.

Was sind diese zehn Ursachen?

Ānanda,
die erste ist
die Gewohnheit sexueller Begierde.
Sie entsteht
durch gegenseitige Verknüpfung
und geht aus fortwährendem Reiben hervor.
Da dieses Reiben
nicht zur Ruhe kommt,
entsteht in ihrem Inneren
heftiges, flammendes Feuer.
So ist es,
wie wenn ein Mensch
seine eigenen Hände
aneinander reibt
und unmittelbar
Wärme wahrnimmt.

Wenn sich zwei solche Gewohnheiten
gegenseitig entfachen,
entstehen daher
Eisenbetten, Kupfersäulen
und vergleichbare Erscheinungsformen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
sexuelles Handeln
übereinstimmend
als ›Feuer der Begierde‹.
Bodhisattvas betrachten Begierde
wie das Ausweichen
vor einer Feuergrube.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist radikal entmythologisierend.

1. Keine äußere Strafe, keine Instanz

Der Buddha sagt ausdrücklich:

Dies ist eigenes Wirken.

Nicht:
• Gott
• Richter
• kosmische Macht

sondern Gewohnheit + Verstärkung.



2. Warum das Bild des Reibens?

Weil es:
• unmittelbar erfahrbar ist
• ohne Moral auskommt
• kausal ist

Reiben → Hitze
Begierde → innere Glut

Kein Symbol,
sondern direkte Analogie.



3. „Eisenbetten, Kupfersäulen“ als Erfahrungsfelder

Diese sind:
• keine Strafinstrumente
• sondern Form gewordene Gewohnheit

Das Sutra beschreibt:

Wie sich psychische Dynamik
als Erfahrungswelt verdichtet.



4. Warum Bodhisattvas Begierde meiden

Nicht aus Askese,
sondern aus Klarheit über Wirkung:

Wer Feuer kennt,
fasst nicht hinein.



5. Ein entscheidender Schutzsatz

„Alle Tathāgatas nennen es so.“

Das ist keine Meinung,
sondern Konsens der Erwachten.
中文原文
「阿難!此等皆是彼諸眾生自業所感,造十習因,受六交報。
「云何十因?
「阿難!一者、婬習交接,發於相磨,研磨不休,如是故有大猛火光於中發動;如人以手自相[4]磨觸,[*]暖相現前。二習相然,故有鐵床、銅柱諸事。是故十方一切如來,色目行婬同名欲火,菩薩見欲如避火坑。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
all diese Zustände
entstehen allein
durch das eigene Wirken
der betreffenden Lebewesen.
Sie erzeugen
zehn Gewohnheitsursachen
und erfahren daraufhin
sechs Arten
sich kreuzender Vergeltung.

Was sind diese zehn Ursachen?

Ānanda,
die erste ist
die Gewohnheit sexueller Begierde.
Sie entsteht
durch gegenseitige Verknüpfung
und geht aus fortwährendem Reiben hervor.
Da dieses Reiben
nicht zur Ruhe kommt,
entsteht in ihrem Inneren
heftiges, flammendes Feuer.
So ist es,
wie wenn ein Mensch
seine eigenen Hände
aneinander reibt
und unmittelbar
Wärme wahrnimmt.

Wenn sich zwei solche Gewohnheiten
gegenseitig entfachen,
entstehen daher
Eisenbetten, Kupfersäulen
und vergleichbare Erscheinungsformen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
sexuelles Handeln
übereinstimmend
als ›Feuer der Begierde‹.
Bodhisattvas betrachten Begierde
wie das Ausweichen
vor einer Feuergrube.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist radikal entmythologisierend.

1. Keine äußere Strafe, keine Instanz

Der Buddha sagt ausdrücklich:

Dies ist eigenes Wirken.

Nicht:
• Gott
• Richter
• kosmische Macht

sondern Gewohnheit + Verstärkung.



2. Warum das Bild des Reibens?

Weil es:
• unmittelbar erfahrbar ist
• ohne Moral auskommt
• kausal ist

Reiben → Hitze
Begierde → innere Glut

Kein Symbol,
sondern direkte Analogie.



3. „Eisenbetten, Kupfersäulen“ als Erfahrungsfelder

Diese sind:
• keine Strafinstrumente
• sondern Form gewordene Gewohnheit

Das Sutra beschreibt:

Wie sich psychische Dynamik
als Erfahrungswelt verdichtet.



4. Warum Bodhisattvas Begierde meiden

Nicht aus Askese,
sondern aus Klarheit über Wirkung:

Wer Feuer kennt,
fasst nicht hinein.



5. Ein entscheidender Schutzsatz

„Alle Tathāgatas nennen es so.“

Das ist keine Meinung,
sondern Konsens der Erwachten.
305 #
「二者、貪習交計,發於相吸,吸攬不止,如是故有積寒堅氷於中凍[A4]冽;如人以口吸縮風氣,有冷觸生。二習相[5]凌,故有吒吒、波波、[6]囉[*]囉、青、赤、白蓮、寒氷等事。是故十方一切如來,色目多求同名貪水。菩薩見貪如避瘴海。
「三者、慢習交[*]凌,發於相恃,馳流不息,如是故有騰逸奔波,積波為水;如人口舌自相綿味,因而水發。二習相鼓,故有血河、灰河、熱沙、毒海、[7]融銅、灌吞諸事。是故十方一切如來,色目我慢名飲癡水,菩薩見慢如避巨溺。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die zweite Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit der Gier.
Sie verbindet sich mit berechnendem Denken
und entsteht aus gegenseitigem Ansaugen.
Da dieses Ansaugen
nicht zur Ruhe kommt,
bilden sich
anhäufende Kälte
und festes, hartes Eis,
das alles gefrieren lässt.
Es ist so,
wie wenn ein Mensch
Luft mit dem Mund ansaugt
und zusammenzieht
und dadurch ein Kältegefühl entsteht.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig bedrängen,
entstehen die Erscheinungen
cha-cha, bo-bo, lo-lo
sowie blaue, rote und weiße Lotusblüten,
kaltes Eis
und entsprechende Erfahrungsformen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
starkes Begehren
übereinstimmend
als ›Wasser der Gier‹.
Bodhisattvas betrachten Gier
wie das Meiden
eines verseuchten Ozeans.

Ānanda,
die dritte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit des Hochmuts.
Sie verbindet sich mit Überlegenheitsgefühl
und entsteht aus gegenseitigem Sich-Stützen.
Sie rast und strömt unaufhörlich;
dadurch entstehen
aufwirbelndes Umherjagen
und angesammelte Wellen,
die zu Wasser werden.
So ist es auch,
wie wenn Mund und Zunge
sich selbst an Geschmack ergötzen
und dadurch Flüssigkeit entsteht.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig anstacheln,
entstehen Blutflüsse und Ascheflüsse,
heißer Sand und giftige Meere,
geschmolzenes Kupfer
sowie gewaltsames Eingießen
und Verschlingen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Ich-Überhebung
als ›trinkendes Wasser der Verblendung‹.
Bodhisattvas betrachten Hochmut
wie das Meiden
einer gewaltigen Überschwemmung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt zwei unterschiedliche Wasser-Dynamiken:

1. Gier – kaltes, erstarrendes Wasser
• Ansaugen
• Zusammenziehen
• Horten

Gier bindet durch Kälte:

Festhalten erstarrt Wahrnehmung.

Darum:
• Eis
• Frost
• Erstarrung

Nicht Hitze,
sondern Verhärtung.



2. Hochmut – strömendes, verschlingendes Wasser

Hochmut ist:
• Sich-Stützen
• Sich-Erheben
• Sich-Berauschen

Er ist beweglich,
aber blind.

Darum:
• Flüsse
• Strudel
• Überschwemmung

Nicht Stillstand,
sondern maßlose Bewegung.



3. Warum Buddhas diese Namen verwenden

Die Benennungen:
• Wasser der Gier
• trinkendes Wasser der Verblendung

sind funktionale Diagnosen,
keine Metaphern zur Abschreckung.



4. Bodhisattva-Haltung

Nicht Kampf,
nicht Verurteilung:

Meiden wie Naturgefahr.

Wer Wirkung kennt,
setzt sich ihr nicht aus.
中文原文
「二者、貪習交計,發於相吸,吸攬不止,如是故有積寒堅氷於中凍[A4]冽;如人以口吸縮風氣,有冷觸生。二習相[5]凌,故有吒吒、波波、[6]囉[*]囉、青、赤、白蓮、寒氷等事。是故十方一切如來,色目多求同名貪水。菩薩見貪如避瘴海。
「三者、慢習交[*]凌,發於相恃,馳流不息,如是故有騰逸奔波,積波為水;如人口舌自相綿味,因而水發。二習相鼓,故有血河、灰河、熱沙、毒海、[7]融銅、灌吞諸事。是故十方一切如來,色目我慢名飲癡水,菩薩見慢如避巨溺。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die zweite Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit der Gier.
Sie verbindet sich mit berechnendem Denken
und entsteht aus gegenseitigem Ansaugen.
Da dieses Ansaugen
nicht zur Ruhe kommt,
bilden sich
anhäufende Kälte
und festes, hartes Eis,
das alles gefrieren lässt.
Es ist so,
wie wenn ein Mensch
Luft mit dem Mund ansaugt
und zusammenzieht
und dadurch ein Kältegefühl entsteht.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig bedrängen,
entstehen die Erscheinungen
cha-cha, bo-bo, lo-lo
sowie blaue, rote und weiße Lotusblüten,
kaltes Eis
und entsprechende Erfahrungsformen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
starkes Begehren
übereinstimmend
als ›Wasser der Gier‹.
Bodhisattvas betrachten Gier
wie das Meiden
eines verseuchten Ozeans.

Ānanda,
die dritte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit des Hochmuts.
Sie verbindet sich mit Überlegenheitsgefühl
und entsteht aus gegenseitigem Sich-Stützen.
Sie rast und strömt unaufhörlich;
dadurch entstehen
aufwirbelndes Umherjagen
und angesammelte Wellen,
die zu Wasser werden.
So ist es auch,
wie wenn Mund und Zunge
sich selbst an Geschmack ergötzen
und dadurch Flüssigkeit entsteht.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig anstacheln,
entstehen Blutflüsse und Ascheflüsse,
heißer Sand und giftige Meere,
geschmolzenes Kupfer
sowie gewaltsames Eingießen
und Verschlingen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Ich-Überhebung
als ›trinkendes Wasser der Verblendung‹.
Bodhisattvas betrachten Hochmut
wie das Meiden
einer gewaltigen Überschwemmung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt zwei unterschiedliche Wasser-Dynamiken:

1. Gier – kaltes, erstarrendes Wasser
• Ansaugen
• Zusammenziehen
• Horten

Gier bindet durch Kälte:

Festhalten erstarrt Wahrnehmung.

Darum:
• Eis
• Frost
• Erstarrung

Nicht Hitze,
sondern Verhärtung.



2. Hochmut – strömendes, verschlingendes Wasser

Hochmut ist:
• Sich-Stützen
• Sich-Erheben
• Sich-Berauschen

Er ist beweglich,
aber blind.

Darum:
• Flüsse
• Strudel
• Überschwemmung

Nicht Stillstand,
sondern maßlose Bewegung.



3. Warum Buddhas diese Namen verwenden

Die Benennungen:
• Wasser der Gier
• trinkendes Wasser der Verblendung

sind funktionale Diagnosen,
keine Metaphern zur Abschreckung.



4. Bodhisattva-Haltung

Nicht Kampf,
nicht Verurteilung:

Meiden wie Naturgefahr.

Wer Wirkung kennt,
setzt sich ihr nicht aus.
306 #
「四者、嗔習交衝,發於相忤,忤結不息,心熱發火,鑄氣為金,如是故有刀山、鐵[8]橛、劍樹、劍輪、斧鉞、鎗鋸;如人銜冤殺氣飛動。二習相擊,故有宮、割、斬、斫、剉、刺、搥、擊諸事。是故十方一切如來,色目嗔恚名利刀劍,菩薩見嗔如避誅戮。
「五者、詐習交誘,發於相調,引起不住,如是故有繩木、絞挍;如水浸田,草木生長。二習相延,故有杻械、枷鎖、鞭杖、撾棒諸事。是故十方一切如來,色目姦偽同名讒賊,菩薩見詐如畏犲狼。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die vierte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit des Zorns.
Sie verbindet sich mit Zusammenstoß
und entsteht aus gegenseitigem Widerstreben.
Dieses Widerstreben
verfestigt sich ohne Unterlass;
der Geist erhitzt sich
und bringt Feuer hervor,
die aufgenommene Energie
verdichtet sich zu Metall.
Daher entstehen
Messerberge, eiserne Pfähle,
Schwertbäume, Schwertrollen,
Äxte, Hellebarden, Lanzen und Sägen.
Es ist so,
wie wenn ein Mensch
Groll im Mund trägt
und tödliche Energie
ungehemmt umherwirbelt.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig schlagen,
entstehen Erscheinungen
des Einsperrens, Zerschneidens, Enthauptens,
Zerhackens, Zermalmens, Durchbohrens,
Schlagens und Treffens.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Zorn übereinstimmend
als ›scharfe Klingen und Schwerter‹.
Bodhisattvas betrachten Zorn
wie das Meiden
von Hinrichtung und Gemetzel.

Ānanda,
die fünfte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit der Täuschung.
Sie verbindet sich mit Verführung
und entsteht aus gegenseitigem Locken.
Das Locken setzt sich fortwährend fort;
daher entstehen
Seile und Hölzer,
Würgen und Strangulieren.
Es ist so,
wie wenn Wasser
ein Feld tränkt
und dadurch
Gräser und Bäume wachsen lässt.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig verlängern,
entstehen
Fesseln und Ketten,
Hals- und Fußschellen,
Peitschen, Stöcke
und Schlaginstrumente aller Art.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Falschheit und Betrug
übereinstimmend
als ›verleumderische Räuber‹.
Bodhisattvas betrachten Täuschung
wie das Fürchten
vor reißenden Tieren.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt zwei aggressive Dynamiken:

1. Zorn – schneidende, erhitzte Verhärtung

Zorn ist:
• Widerstand
• Kollision
• Verhärtung durch Hitze

Er erzeugt:
• Trennung
• Verletzung
• Vernichtung

Darum die Bilder:

Messer, Schwerter, Sägen

Nicht als Strafe,
sondern als Eigenform der Energie.



2. Täuschung – bindende, wuchernde Verstrickung

Täuschung wirkt:
• langsam
• nährend
• verbergend

Wie Wasser,
das Wachstum ermöglicht.

Darum:
• Seile
• Fesseln
• Ketten

Nicht Zerstörung,
sondern Gefangenschaft.



3. Warum Bodhisattvas „meiden“

Wieder:

Meiden wie Naturgefahr

Nicht moralisch,
sondern aus Klarheit über Wirkung.
中文原文
「四者、嗔習交衝,發於相忤,忤結不息,心熱發火,鑄氣為金,如是故有刀山、鐵[8]橛、劍樹、劍輪、斧鉞、鎗鋸;如人銜冤殺氣飛動。二習相擊,故有宮、割、斬、斫、剉、刺、搥、擊諸事。是故十方一切如來,色目嗔恚名利刀劍,菩薩見嗔如避誅戮。
「五者、詐習交誘,發於相調,引起不住,如是故有繩木、絞挍;如水浸田,草木生長。二習相延,故有杻械、枷鎖、鞭杖、撾棒諸事。是故十方一切如來,色目姦偽同名讒賊,菩薩見詐如畏犲狼。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die vierte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit des Zorns.
Sie verbindet sich mit Zusammenstoß
und entsteht aus gegenseitigem Widerstreben.
Dieses Widerstreben
verfestigt sich ohne Unterlass;
der Geist erhitzt sich
und bringt Feuer hervor,
die aufgenommene Energie
verdichtet sich zu Metall.
Daher entstehen
Messerberge, eiserne Pfähle,
Schwertbäume, Schwertrollen,
Äxte, Hellebarden, Lanzen und Sägen.
Es ist so,
wie wenn ein Mensch
Groll im Mund trägt
und tödliche Energie
ungehemmt umherwirbelt.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig schlagen,
entstehen Erscheinungen
des Einsperrens, Zerschneidens, Enthauptens,
Zerhackens, Zermalmens, Durchbohrens,
Schlagens und Treffens.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Zorn übereinstimmend
als ›scharfe Klingen und Schwerter‹.
Bodhisattvas betrachten Zorn
wie das Meiden
von Hinrichtung und Gemetzel.

Ānanda,
die fünfte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit der Täuschung.
Sie verbindet sich mit Verführung
und entsteht aus gegenseitigem Locken.
Das Locken setzt sich fortwährend fort;
daher entstehen
Seile und Hölzer,
Würgen und Strangulieren.
Es ist so,
wie wenn Wasser
ein Feld tränkt
und dadurch
Gräser und Bäume wachsen lässt.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig verlängern,
entstehen
Fesseln und Ketten,
Hals- und Fußschellen,
Peitschen, Stöcke
und Schlaginstrumente aller Art.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Falschheit und Betrug
übereinstimmend
als ›verleumderische Räuber‹.
Bodhisattvas betrachten Täuschung
wie das Fürchten
vor reißenden Tieren.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt zwei aggressive Dynamiken:

1. Zorn – schneidende, erhitzte Verhärtung

Zorn ist:
• Widerstand
• Kollision
• Verhärtung durch Hitze

Er erzeugt:
• Trennung
• Verletzung
• Vernichtung

Darum die Bilder:

Messer, Schwerter, Sägen

Nicht als Strafe,
sondern als Eigenform der Energie.



2. Täuschung – bindende, wuchernde Verstrickung

Täuschung wirkt:
• langsam
• nährend
• verbergend

Wie Wasser,
das Wachstum ermöglicht.

Darum:
• Seile
• Fesseln
• Ketten

Nicht Zerstörung,
sondern Gefangenschaft.



3. Warum Bodhisattvas „meiden“

Wieder:

Meiden wie Naturgefahr

Nicht moralisch,
sondern aus Klarheit über Wirkung.
307 #
「六者、誑習交欺,發於相[1]誷,誣[2]誷不止,飛心造姦,如是故有塵土、屎尿、穢污不淨;如塵隨風,各無所見。二習相加,故有沒溺、騰擲、飛墜、漂淪諸事。是故十方一切如來,色目欺誑同名劫殺,菩薩見誑如踐蛇虺。
「七者、怨習交嫌,發[3]于銜恨,如是故有飛石、投礰、匣貯、車檻、甕盛、囊[4]撲;如陰毒人,懷抱畜惡。二習相吞,故有投擲、擒捉、擊射、𢱍撮諸事。是故十方一切如來,色目怨家名違害鬼,菩薩見怨如飲鴆酒。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die sechste Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit der Täuschung.
Sie verbindet sich mit Betrug
und entsteht aus gegenseitigem Irreführen.
Dieses Irreführen
setzt sich ohne Unterlass fort;
der Geist verliert Boden
und schafft Heimtücke.
Darum entstehen
Staub und Erde,
Kot und Urin,
Unrat und Unreinheit.
Es ist wie Staub,
der vom Wind getragen wird
und jede klare Sicht verhindert.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig verstärken,
entstehen Erscheinungen
des Versinkens und Ertrinkens,
des Hochschleuderns und Hinabstürzens,
des Treibens und Untergehens.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Täuschung und Betrug
übereinstimmend
als ›Raub und Töten‹.
Bodhisattvas betrachten Täuschung
wie das Auftreten
auf giftige Schlangen und Nattern.

Ānanda,
die siebte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit des Grolls.
Sie verbindet sich mit Abneigung
und entsteht aus festgehaltenem Hass.
Darum entstehen
fliegende Steine,
Wurfgeschosse,
Einsperren in Kisten,
Gefängnisse, Wagenkäfige,
Krüge und Säcke.
Es ist wie bei einem heimtückischen Menschen,
der Böses in sich trägt.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig verschlingen,
entstehen
Werfen und Schleudern,
Fangen und Ergreifen,
Schlagen, Schießen
und gewaltsames Zerren.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Feindschaft
als ›schädigende Geister‹.
Bodhisattvas betrachten Groll
wie das Trinken
von vergiftetem Wein.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt zwei besonders zerstörerische Verblendungen:

1. Täuschung – Verlust von Boden und Klarheit

Täuschung wirkt:
• zerstreuend
• verschmutzend
• orientierungslos

Darum die Bilder:

Staub, Unrat, Treiben, Ertrinken

Nicht Hitze oder Kälte,
sondern Verlust von Halt und Richtung.



2. Groll – gespeicherter Hass

Groll ist:
• festgehaltener Hass
• nicht entladen, sondern getragen
• jederzeit aktivierbar

Darum:

Geschosse, Gefangenschaft, Zerren

Nicht Explosion,
sondern anhaltende Aggression.



3. Warum „Raub und Töten“

Täuschung zerstört:
• Vertrauen
• Orientierung
• Sicherheit

Das Sutra bewertet funktional, nicht moralisch.



4. Bodhisattva-Haltung

Wieder:

Meiden wie tödliche Gefahr

Nicht bekämpfen,
nicht rechtfertigen –
klar erkennen und nicht nähren.
中文原文
「六者、誑習交欺,發於相[1]誷,誣[2]誷不止,飛心造姦,如是故有塵土、屎尿、穢污不淨;如塵隨風,各無所見。二習相加,故有沒溺、騰擲、飛墜、漂淪諸事。是故十方一切如來,色目欺誑同名劫殺,菩薩見誑如踐蛇虺。
「七者、怨習交嫌,發[3]于銜恨,如是故有飛石、投礰、匣貯、車檻、甕盛、囊[4]撲;如陰毒人,懷抱畜惡。二習相吞,故有投擲、擒捉、擊射、𢱍撮諸事。是故十方一切如來,色目怨家名違害鬼,菩薩見怨如飲鴆酒。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die sechste Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit der Täuschung.
Sie verbindet sich mit Betrug
und entsteht aus gegenseitigem Irreführen.
Dieses Irreführen
setzt sich ohne Unterlass fort;
der Geist verliert Boden
und schafft Heimtücke.
Darum entstehen
Staub und Erde,
Kot und Urin,
Unrat und Unreinheit.
Es ist wie Staub,
der vom Wind getragen wird
und jede klare Sicht verhindert.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig verstärken,
entstehen Erscheinungen
des Versinkens und Ertrinkens,
des Hochschleuderns und Hinabstürzens,
des Treibens und Untergehens.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Täuschung und Betrug
übereinstimmend
als ›Raub und Töten‹.
Bodhisattvas betrachten Täuschung
wie das Auftreten
auf giftige Schlangen und Nattern.

Ānanda,
die siebte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit des Grolls.
Sie verbindet sich mit Abneigung
und entsteht aus festgehaltenem Hass.
Darum entstehen
fliegende Steine,
Wurfgeschosse,
Einsperren in Kisten,
Gefängnisse, Wagenkäfige,
Krüge und Säcke.
Es ist wie bei einem heimtückischen Menschen,
der Böses in sich trägt.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig verschlingen,
entstehen
Werfen und Schleudern,
Fangen und Ergreifen,
Schlagen, Schießen
und gewaltsames Zerren.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Feindschaft
als ›schädigende Geister‹.
Bodhisattvas betrachten Groll
wie das Trinken
von vergiftetem Wein.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt zwei besonders zerstörerische Verblendungen:

1. Täuschung – Verlust von Boden und Klarheit

Täuschung wirkt:
• zerstreuend
• verschmutzend
• orientierungslos

Darum die Bilder:

Staub, Unrat, Treiben, Ertrinken

Nicht Hitze oder Kälte,
sondern Verlust von Halt und Richtung.



2. Groll – gespeicherter Hass

Groll ist:
• festgehaltener Hass
• nicht entladen, sondern getragen
• jederzeit aktivierbar

Darum:

Geschosse, Gefangenschaft, Zerren

Nicht Explosion,
sondern anhaltende Aggression.



3. Warum „Raub und Töten“

Täuschung zerstört:
• Vertrauen
• Orientierung
• Sicherheit

Das Sutra bewertet funktional, nicht moralisch.



4. Bodhisattva-Haltung

Wieder:

Meiden wie tödliche Gefahr

Nicht bekämpfen,
nicht rechtfertigen –
klar erkennen und nicht nähren.
308 #
「八者、見習交明,如薩迦耶、見、[5]戒禁取、邪悟諸業,發於違拒,出生相[6]返;如是故有王使主吏、證執文[A5]籍;如行路人,來往相見。二習相交,故有勘問、權詐、考訊、推鞫、察訪、披究、照明,善惡童子手執文簿辭辯諸事。是故十方一切如來,色目惡見同名見坑,菩薩見諸虛妄遍執,如入毒壑。
「九者、枉習交加,發於誣謗,如是故有合山、合石、碾磑、耕磨;如讒賊人,逼枉良善。二習相排,故有[7]押捺、搥按、蹙漉、[A6]衡度諸事。是故十方一切如來,色目怨謗同名讒虎,菩薩見枉如遭霹靂。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die achte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit falscher Sicht.
Sie verbindet sich mit vermeintlicher Klarheit.
Wie bei den karmischen Tätigkeiten
des Persönlichkeitsglaubens,
falscher Ansichten,
des Anhaftens an Regeln und Verbote
sowie verkehrter Erkenntnis:
Sie entstehen aus Widerstand
und bringen gegenseitiges Zurückweisen hervor.
Daher entstehen
Könige und Gesandte,
Herren und Beamte,
Beweisstücke und festgehaltene Akten.
Es ist wie bei Menschen,
die auf einem Weg einander begegnen
und sich gegenseitig mustern.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig durchdringen,
entstehen
Verhöre, Untersuchungen
und machtvolle Täuschungen;
Befragungen, Ermittlungen,
Durchleuchtungen und Offenlegungen.
Dabei halten
die Knaben des Guten und des Bösen
Schriftstücke in den Händen
und führen argumentative Auseinandersetzungen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
falsche Sicht
als ›Grube der Sicht‹.
Bodhisattvas betrachten
allumfassendes Festhalten
an falschen Vorstellungen
wie das Betreten
einer giftigen Schlucht.

Ānanda,
die neunte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit der Verleumdung.
Sie verbindet sich mit falscher Zuschreibung
und entsteht aus übler Nachrede.
Daher entstehen
zusammenstoßende Berge,
zusammenstoßende Steine,
Mahlwerke und Mühlsteine.
Es ist wie bei verleumderischen Räubern,
die Unschuldige unter Druck setzen.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig bedrängen,
entstehen
Niederdrücken und Pressen,
Zusammenziehen und Auswringen
sowie Abwägen und Vermessen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Verleumdung und Feindschaft
als ›verleumderische Tiger‹.
Bodhisattvas betrachten Verleumdung
wie das Getroffenwerden
von einem Blitz.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt zwei hochzivilisierte Formen von Gewalt:

1. Falsche Sicht – Gewalt durch „Recht haben“

見習 ist:
• Identifikation mit Meinung
• Fixierung auf Deutung
• Widerstand gegen andere Perspektiven

Darum die Bilder:

Akten, Beweise, Verhöre

Nicht rohe Gewalt,
sondern institutionalisierte Zwangsordnung.



2. Verleumdung – Zerstörung durch Zuschreibung

枉習 wirkt:
• indirekt
• anonym
• nachhaltig

Darum:

Mühlen, Pressen, Zermalmen

Nicht Schlag,
sondern systemische Vernichtung.



3. Warum diese Warnung hier steht

Das Sutra warnt explizit spirituelle Menschen:
• falsche Lehre
• dogmatische Sicht
• moralische Überheblichkeit

führen zu schwerem Karma,
gerade weil sie „richtig“ erscheinen.



4. Bodhisattva-Haltung

Wieder:

Meiden wie Naturkatastrophen.

Nicht diskutieren,
nicht bekämpfen –
nicht hineingehen.
中文原文
「八者、見習交明,如薩迦耶、見、[5]戒禁取、邪悟諸業,發於違拒,出生相[6]返;如是故有王使主吏、證執文[A5]籍;如行路人,來往相見。二習相交,故有勘問、權詐、考訊、推鞫、察訪、披究、照明,善惡童子手執文簿辭辯諸事。是故十方一切如來,色目惡見同名見坑,菩薩見諸虛妄遍執,如入毒壑。
「九者、枉習交加,發於誣謗,如是故有合山、合石、碾磑、耕磨;如讒賊人,逼枉良善。二習相排,故有[7]押捺、搥按、蹙漉、[A6]衡度諸事。是故十方一切如來,色目怨謗同名讒虎,菩薩見枉如遭霹靂。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die achte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit falscher Sicht.
Sie verbindet sich mit vermeintlicher Klarheit.
Wie bei den karmischen Tätigkeiten
des Persönlichkeitsglaubens,
falscher Ansichten,
des Anhaftens an Regeln und Verbote
sowie verkehrter Erkenntnis:
Sie entstehen aus Widerstand
und bringen gegenseitiges Zurückweisen hervor.
Daher entstehen
Könige und Gesandte,
Herren und Beamte,
Beweisstücke und festgehaltene Akten.
Es ist wie bei Menschen,
die auf einem Weg einander begegnen
und sich gegenseitig mustern.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig durchdringen,
entstehen
Verhöre, Untersuchungen
und machtvolle Täuschungen;
Befragungen, Ermittlungen,
Durchleuchtungen und Offenlegungen.
Dabei halten
die Knaben des Guten und des Bösen
Schriftstücke in den Händen
und führen argumentative Auseinandersetzungen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
falsche Sicht
als ›Grube der Sicht‹.
Bodhisattvas betrachten
allumfassendes Festhalten
an falschen Vorstellungen
wie das Betreten
einer giftigen Schlucht.

Ānanda,
die neunte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit der Verleumdung.
Sie verbindet sich mit falscher Zuschreibung
und entsteht aus übler Nachrede.
Daher entstehen
zusammenstoßende Berge,
zusammenstoßende Steine,
Mahlwerke und Mühlsteine.
Es ist wie bei verleumderischen Räubern,
die Unschuldige unter Druck setzen.

Wenn sich diese beiden Gewohnheiten
gegenseitig bedrängen,
entstehen
Niederdrücken und Pressen,
Zusammenziehen und Auswringen
sowie Abwägen und Vermessen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Verleumdung und Feindschaft
als ›verleumderische Tiger‹.
Bodhisattvas betrachten Verleumdung
wie das Getroffenwerden
von einem Blitz.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt zwei hochzivilisierte Formen von Gewalt:

1. Falsche Sicht – Gewalt durch „Recht haben“

見習 ist:
• Identifikation mit Meinung
• Fixierung auf Deutung
• Widerstand gegen andere Perspektiven

Darum die Bilder:

Akten, Beweise, Verhöre

Nicht rohe Gewalt,
sondern institutionalisierte Zwangsordnung.



2. Verleumdung – Zerstörung durch Zuschreibung

枉習 wirkt:
• indirekt
• anonym
• nachhaltig

Darum:

Mühlen, Pressen, Zermalmen

Nicht Schlag,
sondern systemische Vernichtung.



3. Warum diese Warnung hier steht

Das Sutra warnt explizit spirituelle Menschen:
• falsche Lehre
• dogmatische Sicht
• moralische Überheblichkeit

führen zu schwerem Karma,
gerade weil sie „richtig“ erscheinen.



4. Bodhisattva-Haltung

Wieder:

Meiden wie Naturkatastrophen.

Nicht diskutieren,
nicht bekämpfen –
nicht hineingehen.
309 #
「十者、訟習交諠,發於藏覆,如是故有鑒見、照燭;如於日中不能藏[8]影,故有惡友、業鏡、火珠、披露宿業、對驗諸事。是故十方一切如來,色目覆藏同名陰賊,菩薩觀覆,如戴高山,履於巨海。
「云何六報?阿難!一切眾生六識造業,所招惡報從六根出。
「云何惡報從六根出?
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die zehnte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit des Streitens.
Sie verbindet sich mit Lärm und Aufruhr
und entsteht aus dem Verbergen und Verdecken.
Daher entstehen
Spiegel der Erkenntnis
und durchdringende Beleuchtung.
Es ist wie zur Mittagszeit,
wenn man den eigenen Schatten
nicht verbergen kann.
So entstehen
schlechte Gefährten,
karmische Spiegel,
Feuerperlen,
das Offenlegen früherer Taten
und das Gegenüberstellen von Beweisen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Verbergen und Verdecken
übereinstimmend
als ›verdeckende Diebe‹.
Bodhisattvas betrachten
das Verdecken
wie das Tragen eines hohen Berges
und das Gehen über ein gewaltiges Meer.

Was sind nun
die sechs Vergeltungen?

Ānanda,
alle Lebewesen
erschaffen Handlungen
durch die sechs Bewusstseine;
die dadurch herbeigeführten
negativen Vergeltungen
treten über die sechs Sinneswurzeln hervor.

Wie treten
die negativen Vergeltungen
über die sechs Sinneswurzeln hervor?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der Schlusspunkt der Ursachenlehre – und der Übergang zur Erfahrungslehre.

1. Warum Streit als letzte Ursache?

訟 (Streit, Prozess, Klage) ist:
• Rechtfertigung
• Selbstverteidigung
• Verbergen unter Argumenten

Es ist die letzte Bastion des Egos:

Nicht mehr begehren, nicht mehr hassen –
sondern Recht haben.

Darum ist diese Ursache am subtilsten.



2. Verbergen erzeugt Offenlegung

Das Bild ist unerbittlich:

Mittagssonne – kein Schatten bleibt verborgen.

Je mehr verdeckt wird,
desto zwingender wird Enthüllung.

Darum:
• Spiegel
• Durchleuchtung
• Beweisführung

Nicht als Strafe,
sondern als Gegenbewegung zur Verdeckung.



3. „Verdeckender Dieb“

Der Dieb stiehlt hier:
• Wahrheit
• Verantwortung
• Einsicht

Und beraubt zuerst sich selbst.

Darum ist die Last:

Berg + Meer

Nicht moralisch,
sondern existentiell schwer.



4. Übergang zu den sechs Vergeltungen

Jetzt verschiebt sich der Fokus:
• zuvor: Ursachen (習因)
• nun: Erfahrungsweise der Wirkung (交報)

Entscheidend:

Vergeltung geschieht dort,
wo Wahrnehmung stattfindet.

Also:
• Auge
• Ohr
• Nase
• Zunge
• Körper
• Geist
中文原文
「十者、訟習交諠,發於藏覆,如是故有鑒見、照燭;如於日中不能藏[8]影,故有惡友、業鏡、火珠、披露宿業、對驗諸事。是故十方一切如來,色目覆藏同名陰賊,菩薩觀覆,如戴高山,履於巨海。
「云何六報?阿難!一切眾生六識造業,所招惡報從六根出。
「云何惡報從六根出?
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die zehnte Gewohnheitsursache
ist die Gewohnheit des Streitens.
Sie verbindet sich mit Lärm und Aufruhr
und entsteht aus dem Verbergen und Verdecken.
Daher entstehen
Spiegel der Erkenntnis
und durchdringende Beleuchtung.
Es ist wie zur Mittagszeit,
wenn man den eigenen Schatten
nicht verbergen kann.
So entstehen
schlechte Gefährten,
karmische Spiegel,
Feuerperlen,
das Offenlegen früherer Taten
und das Gegenüberstellen von Beweisen.

Darum bezeichnen
alle Tathāgatas
der zehn Richtungen
Verbergen und Verdecken
übereinstimmend
als ›verdeckende Diebe‹.
Bodhisattvas betrachten
das Verdecken
wie das Tragen eines hohen Berges
und das Gehen über ein gewaltiges Meer.

Was sind nun
die sechs Vergeltungen?

Ānanda,
alle Lebewesen
erschaffen Handlungen
durch die sechs Bewusstseine;
die dadurch herbeigeführten
negativen Vergeltungen
treten über die sechs Sinneswurzeln hervor.

Wie treten
die negativen Vergeltungen
über die sechs Sinneswurzeln hervor?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der Schlusspunkt der Ursachenlehre – und der Übergang zur Erfahrungslehre.

1. Warum Streit als letzte Ursache?

訟 (Streit, Prozess, Klage) ist:
• Rechtfertigung
• Selbstverteidigung
• Verbergen unter Argumenten

Es ist die letzte Bastion des Egos:

Nicht mehr begehren, nicht mehr hassen –
sondern Recht haben.

Darum ist diese Ursache am subtilsten.



2. Verbergen erzeugt Offenlegung

Das Bild ist unerbittlich:

Mittagssonne – kein Schatten bleibt verborgen.

Je mehr verdeckt wird,
desto zwingender wird Enthüllung.

Darum:
• Spiegel
• Durchleuchtung
• Beweisführung

Nicht als Strafe,
sondern als Gegenbewegung zur Verdeckung.



3. „Verdeckender Dieb“

Der Dieb stiehlt hier:
• Wahrheit
• Verantwortung
• Einsicht

Und beraubt zuerst sich selbst.

Darum ist die Last:

Berg + Meer

Nicht moralisch,
sondern existentiell schwer.



4. Übergang zu den sechs Vergeltungen

Jetzt verschiebt sich der Fokus:
• zuvor: Ursachen (習因)
• nun: Erfahrungsweise der Wirkung (交報)

Entscheidend:

Vergeltung geschieht dort,
wo Wahrnehmung stattfindet.

Also:
• Auge
• Ohr
• Nase
• Zunge
• Körper
• Geist
310 #
「一者、見報招引惡果。此見業交,則臨終時,先見猛火滿十方界。亡者神識飛墜乘煙,入無間獄。發明二相:
「一者、明見,則能遍見種種惡物,生無量畏。二者、暗見,寂然不見,生無量恐。如是見[9]火:燒聽,能為鑊湯、洋銅;燒息,能為黑烟、紫焰;燒味,能為燋丸、鐵糜;燒觸,能為熱灰、[A7]鑪炭;燒心,能生星火迸灑,煽鼓空界。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die erste der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung des Sehens.
Sie ruft üble Folgen hervor.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
der falschen Sicht miteinander verschränken,
erscheint beim Eintritt des Todes
zunächst
gewaltiges Feuer,
das alle Bereiche der zehn Richtungen erfüllt.
Das Bewusstsein des Verstorbenen
stürzt dem Rauch folgend hinab
und gelangt
in die Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten von Wahrnehmung:

Die erste ist
die klare Wahrnehmung:
man sieht überall
unterschiedliche böse Erscheinungen
und empfindet
unermessliche Furcht.

Die zweite ist
die dunkle Wahrnehmung:
man sieht nichts,
alles ist still und leer,
und es entsteht
unermesslicher Schrecken.

So wirkt das Feuer der Sicht
auf die übrigen Sinne:

Es verbrennt das Hören
und erscheint als
kochende Kessel
und geschmolzenes Kupfer.
Es verbrennt den Atem
und erscheint als
schwarzer Rauch
und violette Flammen.
Es verbrennt den Geschmack
und erscheint als
verkohlte Kugeln
und Eisenbrei.
Es verbrennt die Berührung
und erscheint als
heiße Asche
und glühende Kohle.
Es verbrennt den Geist
und erzeugt
funkensprühende Feuer,
die den Raum
aufwühlen und erfüllen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt keine äußere Strafe,
sondern eine totale Wahrnehmungsdeformation.

1. „Sehen“ als Grundmodus

見 steht hier nicht nur für das Auge,
sondern für:
• Weltsicht
• Deutungsrahmen
• Grundannahmen über Wirklichkeit

Eine verzerrte Sicht
verformt alle anderen Sinne.



2. Die zwei Arten der Angst

Bemerkenswert ist die Differenzierung:
• helle Sicht → Überwältigung durch Bilder
• dunkle Sicht → Leere ohne Orientierung

Beides ist Angst,
aber aus gegensätzlichen Polen.



3. Warum Feuer?

Feuer ist hier:
• Intensität
• Unausweichlichkeit
• Durchdringung

Nicht Hitze allein,
sondern keine Distanz mehr zur Erfahrung.



4. Kreuzvergeltung (交報)

Die zentrale Idee:

Ein Sinn brennt die anderen.

Falsche Sicht
verdirbt:
• Hören
• Atmen
• Schmecken
• Fühlen
• Denken

Das ist systemische Kaskade,
keine Einzelstrafe.
中文原文
「一者、見報招引惡果。此見業交,則臨終時,先見猛火滿十方界。亡者神識飛墜乘煙,入無間獄。發明二相:
「一者、明見,則能遍見種種惡物,生無量畏。二者、暗見,寂然不見,生無量恐。如是見[9]火:燒聽,能為鑊湯、洋銅;燒息,能為黑烟、紫焰;燒味,能為燋丸、鐵糜;燒觸,能為熱灰、[A7]鑪炭;燒心,能生星火迸灑,煽鼓空界。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die erste der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung des Sehens.
Sie ruft üble Folgen hervor.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
der falschen Sicht miteinander verschränken,
erscheint beim Eintritt des Todes
zunächst
gewaltiges Feuer,
das alle Bereiche der zehn Richtungen erfüllt.
Das Bewusstsein des Verstorbenen
stürzt dem Rauch folgend hinab
und gelangt
in die Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten von Wahrnehmung:

Die erste ist
die klare Wahrnehmung:
man sieht überall
unterschiedliche böse Erscheinungen
und empfindet
unermessliche Furcht.

Die zweite ist
die dunkle Wahrnehmung:
man sieht nichts,
alles ist still und leer,
und es entsteht
unermesslicher Schrecken.

So wirkt das Feuer der Sicht
auf die übrigen Sinne:

Es verbrennt das Hören
und erscheint als
kochende Kessel
und geschmolzenes Kupfer.
Es verbrennt den Atem
und erscheint als
schwarzer Rauch
und violette Flammen.
Es verbrennt den Geschmack
und erscheint als
verkohlte Kugeln
und Eisenbrei.
Es verbrennt die Berührung
und erscheint als
heiße Asche
und glühende Kohle.
Es verbrennt den Geist
und erzeugt
funkensprühende Feuer,
die den Raum
aufwühlen und erfüllen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt keine äußere Strafe,
sondern eine totale Wahrnehmungsdeformation.

1. „Sehen“ als Grundmodus

見 steht hier nicht nur für das Auge,
sondern für:
• Weltsicht
• Deutungsrahmen
• Grundannahmen über Wirklichkeit

Eine verzerrte Sicht
verformt alle anderen Sinne.



2. Die zwei Arten der Angst

Bemerkenswert ist die Differenzierung:
• helle Sicht → Überwältigung durch Bilder
• dunkle Sicht → Leere ohne Orientierung

Beides ist Angst,
aber aus gegensätzlichen Polen.



3. Warum Feuer?

Feuer ist hier:
• Intensität
• Unausweichlichkeit
• Durchdringung

Nicht Hitze allein,
sondern keine Distanz mehr zur Erfahrung.



4. Kreuzvergeltung (交報)

Die zentrale Idee:

Ein Sinn brennt die anderen.

Falsche Sicht
verdirbt:
• Hören
• Atmen
• Schmecken
• Fühlen
• Denken

Das ist systemische Kaskade,
keine Einzelstrafe.
311 #
「二者、聞報招引惡果。此聞業交,則臨終時,先見波濤沒溺天地。亡者神識降注乘流,入無間獄。發明二相:一者、開聽,聽種種鬧,精神愗亂。二者、閉聽,寂無所聞,幽魄沈沒。如是聞波:注聞,則能為責、為詰;注見,則能為雷、為吼、為惡毒氣;注息,則能為雨、為霧,灑諸毒虫周滿身體;注味,則能為膿、為血,種種雜穢;注觸,則能為畜、為鬼、為[10]𡱁、為尿;注意,則能為電、為雹,摧碎心魄。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die zweite der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung des Hörens.
Sie zieht üble Folgen nach sich.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
des Hörens miteinander verschränken,
erscheinen beim Eintritt des Todes
zuerst
wogende Fluten,
die Himmel und Erde überströmen.
Das Bewusstsein des Verstorbenen
sinkt herab,
lässt sich vom Strom tragen
und gelangt
in die Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten von Erfahrung:

Die erste ist
das offene Hören:
man hört
vielgestaltigen Lärm und Aufruhr,
und der Geist
gerät in Verwirrung.

Die zweite ist
das verschlossene Hören:
man hört nichts,
alles ist still,
und das Bewusstsein
sinkt in dunkle Tiefe.

So durchdringt die Welle des Hörens
die übrigen Sinnesbereiche:

Sie ergießt sich über das Hören
und erscheint als
Anklage und Befragung.
Sie ergießt sich über das Sehen
und erscheint als
Donner, Gebrüll
und giftige Ausdünstungen.
Sie ergießt sich über den Atem
und erscheint als
Regen und Nebel,
die giftige Insekten
über den gesamten Körper verteilen.
Sie ergießt sich über den Geschmack
und erscheint als
Eiter und Blut
in vielfältiger Unreinheit.
Sie ergießt sich über die Berührung
und erscheint als
Tiere, Geister,
Kot und Urin.
Sie ergießt sich über die Absicht
und erscheint als
Blitze und Hagel,
die Herz und Bewusstsein
zerschlagen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt die Auflösung von Orientierung durch Geräusch und Stille.

1. Hören als Ordnungs-Sinn

Hören strukturiert:
• Richtung
• Nähe
• Bedeutung

Wenn Hören verzerrt ist,
verliert das Bewusstsein Orientierung.



2. Zwei Extreme desselben Defekts
• offenes Hören → Reizüberflutung
• geschlossenes Hören → totale Abschottung

Beides führt zum gleichen Abgrund.



3. Wasser statt Feuer

Im Unterschied zur ersten Vergeltung:
• Sehen → Feuer (Überwältigung)
• Hören → Wasser (Mitgerissenwerden)

Das ist kein Zufall,
sondern entspricht der Funktion des Sinnes.



4. Kreuzvergeltung konkret

Das Hören „ergießt sich“
in alle anderen Sinne:

Ein gestörter Sinn
verwandelt die gesamte Erfahrungswelt.

Das ist die zentrale Aussage.
中文原文
「二者、聞報招引惡果。此聞業交,則臨終時,先見波濤沒溺天地。亡者神識降注乘流,入無間獄。發明二相:一者、開聽,聽種種鬧,精神愗亂。二者、閉聽,寂無所聞,幽魄沈沒。如是聞波:注聞,則能為責、為詰;注見,則能為雷、為吼、為惡毒氣;注息,則能為雨、為霧,灑諸毒虫周滿身體;注味,則能為膿、為血,種種雜穢;注觸,則能為畜、為鬼、為[10]𡱁、為尿;注意,則能為電、為雹,摧碎心魄。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die zweite der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung des Hörens.
Sie zieht üble Folgen nach sich.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
des Hörens miteinander verschränken,
erscheinen beim Eintritt des Todes
zuerst
wogende Fluten,
die Himmel und Erde überströmen.
Das Bewusstsein des Verstorbenen
sinkt herab,
lässt sich vom Strom tragen
und gelangt
in die Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten von Erfahrung:

Die erste ist
das offene Hören:
man hört
vielgestaltigen Lärm und Aufruhr,
und der Geist
gerät in Verwirrung.

Die zweite ist
das verschlossene Hören:
man hört nichts,
alles ist still,
und das Bewusstsein
sinkt in dunkle Tiefe.

So durchdringt die Welle des Hörens
die übrigen Sinnesbereiche:

Sie ergießt sich über das Hören
und erscheint als
Anklage und Befragung.
Sie ergießt sich über das Sehen
und erscheint als
Donner, Gebrüll
und giftige Ausdünstungen.
Sie ergießt sich über den Atem
und erscheint als
Regen und Nebel,
die giftige Insekten
über den gesamten Körper verteilen.
Sie ergießt sich über den Geschmack
und erscheint als
Eiter und Blut
in vielfältiger Unreinheit.
Sie ergießt sich über die Berührung
und erscheint als
Tiere, Geister,
Kot und Urin.
Sie ergießt sich über die Absicht
und erscheint als
Blitze und Hagel,
die Herz und Bewusstsein
zerschlagen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt die Auflösung von Orientierung durch Geräusch und Stille.

1. Hören als Ordnungs-Sinn

Hören strukturiert:
• Richtung
• Nähe
• Bedeutung

Wenn Hören verzerrt ist,
verliert das Bewusstsein Orientierung.



2. Zwei Extreme desselben Defekts
• offenes Hören → Reizüberflutung
• geschlossenes Hören → totale Abschottung

Beides führt zum gleichen Abgrund.



3. Wasser statt Feuer

Im Unterschied zur ersten Vergeltung:
• Sehen → Feuer (Überwältigung)
• Hören → Wasser (Mitgerissenwerden)

Das ist kein Zufall,
sondern entspricht der Funktion des Sinnes.



4. Kreuzvergeltung konkret

Das Hören „ergießt sich“
in alle anderen Sinne:

Ein gestörter Sinn
verwandelt die gesamte Erfahrungswelt.

Das ist die zentrale Aussage.
312 #
「三者、嗅報招引惡果。此嗅業交,則臨終時,先見毒氣充塞遠近。亡者神識從地[11]涌出,入無間獄。發明二相:一者、通聞,被諸惡氣,薰極心擾。二者、塞聞,氣掩不通,悶絕於地。如是嗅氣:衝息,則能為質、為履;衝見,則能為火、為炬;衝聽,則能為沒、為溺、為洋、為沸;衝味,則能為[12]餒、為爽;衝觸,則能為綻、為爛、為大肉山,有百千眼無量𠯗食;衝思,則能為灰、為瘴、為飛砂礰擊碎身體。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die dritte der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung des Riechens.
Sie bringt üble Folgen hervor.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
des Riechens miteinander verschränken,
erscheinen beim Eintritt des Todes
zunächst
giftige Ausdünstungen,
die Nähe und Ferne vollständig durchdringen.
Das Bewusstsein des Verstorbenen
steigt vom Boden herauf
und gelangt
in die Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten der Erfahrung:

Die erste ist
das durchlässige Riechen:
man wird von allen üblen Dünsten erfasst,
die tief in den Geist eindringen
und ihn heftig aufwühlen.

Die zweite ist
das verstopfte Riechen:
die Dünste blockieren jeden Durchgang,
nichts kann mehr passieren,
und man erstickt
und sinkt bewusstlos nieder.

So durchdringt der Geruch
die übrigen Sinnesbereiche:

Er stößt auf den Atem
und erscheint als
Fesseln und Schuhwerk.
Er stößt auf das Sehen
und erscheint als
Feuer und Fackeln.
Er stößt auf das Hören
und erscheint als
Versinken, Ertrinken,
weite Fluten
und siedende Gewässer.
Er stößt auf den Geschmack
und erscheint als
Hunger
oder falsche Sättigung.
Er stößt auf die Berührung
und erscheint als
Aufplatzen, Verfaulen
und als große Fleischberge
mit hunderttausenden Augen
und unzähligen Mündern.
Er stößt auf das Denken
und erscheint als
Asche, giftige Dünste
und fliegender Sand und Kies,
die den Körper zerschlagen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt Geruch als Sinn völliger Nähe.

1. Warum Geruch?

Geruch ist:
• nicht abgrenzbar
• nicht fernhaltbar
• nicht lokalisierbar

Er dringt ein,
ob man will oder nicht.

Darum ist er hier:

Symbol und Mechanismus
totaler Durchdringung.



2. Offen vs. verstopft – wieder dieselbe Struktur

Wie zuvor:
• zu offen → Überwältigung
• zu verschlossen → Ersticken

Extreme desselben Defekts.



3. Kreuzvergeltung vertieft sich

Auffällig:
• Fleischberge
• unzählige Augen und Münder

Das sind Verdichtungen von Begierde und Abscheu,
keine Fantasiewesen.



4. Der rote Faden
• Sehen → Feuer
• Hören → Wasser
• Riechen → Gift / Durchdringung

Der Buddha entfaltet Elementlogik,
keine Mythologie.
中文原文
「三者、嗅報招引惡果。此嗅業交,則臨終時,先見毒氣充塞遠近。亡者神識從地[11]涌出,入無間獄。發明二相:一者、通聞,被諸惡氣,薰極心擾。二者、塞聞,氣掩不通,悶絕於地。如是嗅氣:衝息,則能為質、為履;衝見,則能為火、為炬;衝聽,則能為沒、為溺、為洋、為沸;衝味,則能為[12]餒、為爽;衝觸,則能為綻、為爛、為大肉山,有百千眼無量𠯗食;衝思,則能為灰、為瘴、為飛砂礰擊碎身體。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die dritte der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung des Riechens.
Sie bringt üble Folgen hervor.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
des Riechens miteinander verschränken,
erscheinen beim Eintritt des Todes
zunächst
giftige Ausdünstungen,
die Nähe und Ferne vollständig durchdringen.
Das Bewusstsein des Verstorbenen
steigt vom Boden herauf
und gelangt
in die Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten der Erfahrung:

Die erste ist
das durchlässige Riechen:
man wird von allen üblen Dünsten erfasst,
die tief in den Geist eindringen
und ihn heftig aufwühlen.

Die zweite ist
das verstopfte Riechen:
die Dünste blockieren jeden Durchgang,
nichts kann mehr passieren,
und man erstickt
und sinkt bewusstlos nieder.

So durchdringt der Geruch
die übrigen Sinnesbereiche:

Er stößt auf den Atem
und erscheint als
Fesseln und Schuhwerk.
Er stößt auf das Sehen
und erscheint als
Feuer und Fackeln.
Er stößt auf das Hören
und erscheint als
Versinken, Ertrinken,
weite Fluten
und siedende Gewässer.
Er stößt auf den Geschmack
und erscheint als
Hunger
oder falsche Sättigung.
Er stößt auf die Berührung
und erscheint als
Aufplatzen, Verfaulen
und als große Fleischberge
mit hunderttausenden Augen
und unzähligen Mündern.
Er stößt auf das Denken
und erscheint als
Asche, giftige Dünste
und fliegender Sand und Kies,
die den Körper zerschlagen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt Geruch als Sinn völliger Nähe.

1. Warum Geruch?

Geruch ist:
• nicht abgrenzbar
• nicht fernhaltbar
• nicht lokalisierbar

Er dringt ein,
ob man will oder nicht.

Darum ist er hier:

Symbol und Mechanismus
totaler Durchdringung.



2. Offen vs. verstopft – wieder dieselbe Struktur

Wie zuvor:
• zu offen → Überwältigung
• zu verschlossen → Ersticken

Extreme desselben Defekts.



3. Kreuzvergeltung vertieft sich

Auffällig:
• Fleischberge
• unzählige Augen und Münder

Das sind Verdichtungen von Begierde und Abscheu,
keine Fantasiewesen.



4. Der rote Faden
• Sehen → Feuer
• Hören → Wasser
• Riechen → Gift / Durchdringung

Der Buddha entfaltet Elementlogik,
keine Mythologie.
313 #
「四者、味報招引惡果。此味業交,則臨終時,先見鐵網猛炎熾烈周覆世界。亡者神識下透挂網倒懸其頭,入無間獄。發明二相:一者、吸氣,結成寒氷,凍裂身肉。二者、吐氣,飛為猛火,燋爛骨髓。如是嘗味:歷嘗,則能為承、為忍;歷見,則能為然金石;歷聽,則能為利兵刃;歷息,則能為大鐵籠彌覆國土;歷觸,則能為弓、為箭、為弩、為射;歷思,則能為飛熱鐵從空[13]雨下。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die vierte der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung des Geschmacks.
Sie bringt üble Folgen hervor.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
des Geschmacks miteinander verschränken,
erscheinen beim Eintritt des Todes
zunächst
Eisennetze
und heftig lodernde Flammen,
die die Welt ringsum überziehen.
Das Bewusstsein des Verstorbenen
durchdringt die Netze nach unten,
wird kopfüber aufgehängt
und gelangt
in die Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten der Erfahrung:

Die erste ist
das Einziehen des Atems:
er verdichtet sich
zu kaltem Eis,
das Fleisch und Körper zerreißt.

Die zweite ist
das Ausstoßen des Atems:
er schlägt nach außen
und wird zu
heftigem Feuer,
das Knochen und Mark verbrennt.

So durchläuft das Schmecken
die übrigen Sinnesbereiche:

Es durchläuft das Schmecken
und erscheint als
Tragen
und Ertragen.
Es durchläuft das Sehen
und erscheint als
brennendes Metall und Gestein.
Es durchläuft das Hören
und erscheint als
scharfe Waffen und Klingen.
Es durchläuft den Atem
und erscheint als
große Eisenkäfige,
die ganze Länder überdecken.
Es durchläuft die Berührung
und erscheint als
Bögen, Pfeile, Armbrüste
und Geschosse.
Es durchläuft das Denken
und erscheint als
fliegendes, glühendes Eisen,
das vom Himmel herabregnet.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zeigt Geschmack als radikalsten Aneignungssinn.

1. Warum „Geschmack“?

Geschmack ist:
• direkter Kontakt
• keine Distanz
• vollständige Einverleibung

Was geschmeckt wird,
wird Teil von mir.

Darum ist die Vergeltung hier
besonders körperlich und total.



2. Eis und Feuer zugleich

Bemerkenswert ist:
• Einziehen → Kälte
• Ausstoßen → Hitze

Das zeigt:

Aneignung zerrt zwischen Extremen.

Nicht Balance,
sondern Zerreißung.



3. Netze und Umkehrung

Das Kopfüberhängen
zeigt:
• Verlust von Orientierung
• Umkehrung aller Bezugspunkte

Nicht moralisch,
sondern existentiell.



4. Kreuzvergeltung intensiviert sich

Hier wird deutlich:

Ein Sinn kann alle anderen
in Mitleidenschaft ziehen.

Geschmack wird:
• Waffen
• Käfige
• Regen aus glühendem Eisen

Das ist die Totalisierung der Bindung.
中文原文
「四者、味報招引惡果。此味業交,則臨終時,先見鐵網猛炎熾烈周覆世界。亡者神識下透挂網倒懸其頭,入無間獄。發明二相:一者、吸氣,結成寒氷,凍裂身肉。二者、吐氣,飛為猛火,燋爛骨髓。如是嘗味:歷嘗,則能為承、為忍;歷見,則能為然金石;歷聽,則能為利兵刃;歷息,則能為大鐵籠彌覆國土;歷觸,則能為弓、為箭、為弩、為射;歷思,則能為飛熱鐵從空[13]雨下。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die vierte der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung des Geschmacks.
Sie bringt üble Folgen hervor.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
des Geschmacks miteinander verschränken,
erscheinen beim Eintritt des Todes
zunächst
Eisennetze
und heftig lodernde Flammen,
die die Welt ringsum überziehen.
Das Bewusstsein des Verstorbenen
durchdringt die Netze nach unten,
wird kopfüber aufgehängt
und gelangt
in die Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten der Erfahrung:

Die erste ist
das Einziehen des Atems:
er verdichtet sich
zu kaltem Eis,
das Fleisch und Körper zerreißt.

Die zweite ist
das Ausstoßen des Atems:
er schlägt nach außen
und wird zu
heftigem Feuer,
das Knochen und Mark verbrennt.

So durchläuft das Schmecken
die übrigen Sinnesbereiche:

Es durchläuft das Schmecken
und erscheint als
Tragen
und Ertragen.
Es durchläuft das Sehen
und erscheint als
brennendes Metall und Gestein.
Es durchläuft das Hören
und erscheint als
scharfe Waffen und Klingen.
Es durchläuft den Atem
und erscheint als
große Eisenkäfige,
die ganze Länder überdecken.
Es durchläuft die Berührung
und erscheint als
Bögen, Pfeile, Armbrüste
und Geschosse.
Es durchläuft das Denken
und erscheint als
fliegendes, glühendes Eisen,
das vom Himmel herabregnet.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zeigt Geschmack als radikalsten Aneignungssinn.

1. Warum „Geschmack“?

Geschmack ist:
• direkter Kontakt
• keine Distanz
• vollständige Einverleibung

Was geschmeckt wird,
wird Teil von mir.

Darum ist die Vergeltung hier
besonders körperlich und total.



2. Eis und Feuer zugleich

Bemerkenswert ist:
• Einziehen → Kälte
• Ausstoßen → Hitze

Das zeigt:

Aneignung zerrt zwischen Extremen.

Nicht Balance,
sondern Zerreißung.



3. Netze und Umkehrung

Das Kopfüberhängen
zeigt:
• Verlust von Orientierung
• Umkehrung aller Bezugspunkte

Nicht moralisch,
sondern existentiell.



4. Kreuzvergeltung intensiviert sich

Hier wird deutlich:

Ein Sinn kann alle anderen
in Mitleidenschaft ziehen.

Geschmack wird:
• Waffen
• Käfige
• Regen aus glühendem Eisen

Das ist die Totalisierung der Bindung.
314 #
「五者、觸報招引惡果。此觸業交,則臨終時,先見大山四面來合無復出路。亡者神識見大鐵城,火蛇、火狗、虎、狼、師子,牛頭獄卒、馬頭羅剎手執[14]槍矟驅入城門,向無間獄。發明二相:一者、合觸,合山逼體,骨肉血潰。二者、離觸,刀、劍觸身,心、肝屠裂。如是合觸:歷觸,則能為道、為觀、為廳、為案;歷見,則能為燒、為爇;歷聽,則能為撞、為擊、為[15]剚、為射;歷息,則能為括、為袋、為[16]拷、為縛;歷嘗,則能為耕、為鉗、為斬、為截;歷思,則能為墜、為飛、為煎、為炙。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die fünfte der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung der Berührung.
Sie bringt üble Folgen hervor.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
der Berührung miteinander verschränken,
erscheinen beim Eintritt des Todes
zunächst
riesige Berge,
die sich von allen Seiten her zusammenschieben,
so dass kein Ausweg mehr bleibt.

Das Bewusstsein des Verstorbenen
nimmt eine große eiserne Stadt wahr;
Feuerschlangen und Feuerhunde,
Tiger, Wölfe und Löwen,
Höllenwächter mit Ochsenköpfen
und Rākṣasas mit Pferdeköpfen,
die Speere und Lanzen tragen,
treiben ihn durch das Stadttor
in Richtung der Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten der Erfahrung:

Die erste ist
die zusammenziehende Berührung:
die Berge pressen den Körper ein,
Knochen, Fleisch und Blut
werden zerquetscht.

Die zweite ist
die trennende Berührung:
Messer und Schwerter
treffen den Körper,
Herz und Leber
werden aufgeschlitzt.

So durchdringt die Berührung
die übrigen Sinnesbereiche:

Sie durchdringt die Berührung selbst
und erscheint als
Wege, Aussichtspunkte,
Hallen und Tische.
Sie durchdringt das Sehen
und erscheint als
Verbrennen und Entflammen.
Sie durchdringt das Hören
und erscheint als
Stoßen, Schlagen,
Durchbohren und Beschießen.
Sie durchdringt den Atem
und erscheint als
Zusammenpressen, Einsacken,
Folter und Fesseln.
Sie durchdringt das Schmecken
und erscheint als
Pflügen, Zangen,
Enthaupten und Abschneiden.
Sie durchdringt das Denken
und erscheint als
Stürzen, Aufwirbeln,
Kochen und Braten.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt Berührung als totale Unmittelbarkeit.

1. Warum Berge?

Berge stehen für:
• Masse
• Unausweichlichkeit
• kein Ausweichen

Berührung ist hier:

vollständiger Kontakt ohne Distanz.



2. Zwei Extreme derselben Bindung
• zusammenziehend → Erdrücken
• trennend → Zerschneiden

Nicht Gegensatz,
sondern zwei Formen derselben Gewalt.



3. Die eiserne Stadt

Die Stadt ist:
• geschlossen
• strukturiert
• ohne Ausgang

Das zeigt:

Systemische Fixierung,
nicht chaotische Gewalt.



4. Kreuzvergeltung auf dem Höhepunkt

Hier wird deutlich:

Berührung verschlingt alle Sinne.

Alles wird Körper.
Alles wird Schmerz.
Keine Distanz bleibt.
中文原文
「五者、觸報招引惡果。此觸業交,則臨終時,先見大山四面來合無復出路。亡者神識見大鐵城,火蛇、火狗、虎、狼、師子,牛頭獄卒、馬頭羅剎手執[14]槍矟驅入城門,向無間獄。發明二相:一者、合觸,合山逼體,骨肉血潰。二者、離觸,刀、劍觸身,心、肝屠裂。如是合觸:歷觸,則能為道、為觀、為廳、為案;歷見,則能為燒、為爇;歷聽,則能為撞、為擊、為[15]剚、為射;歷息,則能為括、為袋、為[16]拷、為縛;歷嘗,則能為耕、為鉗、為斬、為截;歷思,則能為墜、為飛、為煎、為炙。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die fünfte der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung der Berührung.
Sie bringt üble Folgen hervor.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
der Berührung miteinander verschränken,
erscheinen beim Eintritt des Todes
zunächst
riesige Berge,
die sich von allen Seiten her zusammenschieben,
so dass kein Ausweg mehr bleibt.

Das Bewusstsein des Verstorbenen
nimmt eine große eiserne Stadt wahr;
Feuerschlangen und Feuerhunde,
Tiger, Wölfe und Löwen,
Höllenwächter mit Ochsenköpfen
und Rākṣasas mit Pferdeköpfen,
die Speere und Lanzen tragen,
treiben ihn durch das Stadttor
in Richtung der Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten der Erfahrung:

Die erste ist
die zusammenziehende Berührung:
die Berge pressen den Körper ein,
Knochen, Fleisch und Blut
werden zerquetscht.

Die zweite ist
die trennende Berührung:
Messer und Schwerter
treffen den Körper,
Herz und Leber
werden aufgeschlitzt.

So durchdringt die Berührung
die übrigen Sinnesbereiche:

Sie durchdringt die Berührung selbst
und erscheint als
Wege, Aussichtspunkte,
Hallen und Tische.
Sie durchdringt das Sehen
und erscheint als
Verbrennen und Entflammen.
Sie durchdringt das Hören
und erscheint als
Stoßen, Schlagen,
Durchbohren und Beschießen.
Sie durchdringt den Atem
und erscheint als
Zusammenpressen, Einsacken,
Folter und Fesseln.
Sie durchdringt das Schmecken
und erscheint als
Pflügen, Zangen,
Enthaupten und Abschneiden.
Sie durchdringt das Denken
und erscheint als
Stürzen, Aufwirbeln,
Kochen und Braten.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt Berührung als totale Unmittelbarkeit.

1. Warum Berge?

Berge stehen für:
• Masse
• Unausweichlichkeit
• kein Ausweichen

Berührung ist hier:

vollständiger Kontakt ohne Distanz.



2. Zwei Extreme derselben Bindung
• zusammenziehend → Erdrücken
• trennend → Zerschneiden

Nicht Gegensatz,
sondern zwei Formen derselben Gewalt.



3. Die eiserne Stadt

Die Stadt ist:
• geschlossen
• strukturiert
• ohne Ausgang

Das zeigt:

Systemische Fixierung,
nicht chaotische Gewalt.



4. Kreuzvergeltung auf dem Höhepunkt

Hier wird deutlich:

Berührung verschlingt alle Sinne.

Alles wird Körper.
Alles wird Schmerz.
Keine Distanz bleibt.
315 #
「六者、思報招引惡果。此思業交,則臨終時先見惡風吹壞國土。亡者神識被吹上空旋落乘風,墮無間獄。發明二相:一者、不覺,迷極則荒,奔走不息。二者、不迷,覺知則苦,無量煎燒痛深難忍。如是邪思:結思,則能為方、為所;結見,則能為鑒、為證;結聽,則能為大合石、為氷、為霜、為土、為霧;結息,則能為大火車、火船、火檻;結嘗,則能為大叫喚、為悔、為泣;結觸,則能為大、為小、為一日中萬生萬死、為偃、為仰。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die sechste der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung des Denkens.
Sie bringt üble Folgen hervor.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
des Denkens miteinander verschränken,
erscheinen beim Eintritt des Todes
zunächst
zerstörerische Winde,
die ganze Länder verwüsten.
Das Bewusstsein des Verstorbenen
wird vom Wind ergriffen,
emporgerissen,
herumgewirbelt
und stürzt schließlich
dem Wind folgend hinab
in die Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten der Erfahrung:

Die erste ist
das fehlende Gewahrsein:
ist die Verblendung extrem,
so gerät man in innere Verwüstung,
rennt rastlos umher
und findet keine Ruhe.

Die zweite ist
das Nicht-Verirrtsein:
ist Gewahrsein vorhanden,
so wird das Leid umso deutlicher;
unermessliche Qual
brennt und kocht,
tief und kaum zu ertragen.

So durchdringt
verkehrtes Denken
die übrigen Sinnesbereiche:

Es verknüpft das Denken
und erscheint als
Richtungen
und Aufenthaltsorte.
Es verknüpft das Sehen
und erscheint als
Spiegel
und Beweise.
Es verknüpft das Hören
und erscheint als
zusammenstoßende Felsmassen,
Eis, Frost, Erde
und Nebel.
Es verknüpft den Atem
und erscheint als
große Feuerwagen,
Feuerschiffe
und Feuerkäfige.
Es verknüpft das Schmecken
und erscheint als
lautes Schreien,
Reue
und Weinen.
Es verknüpft die Berührung
und erscheint als
Größe
und Kleinheit,
als tausendfache Geburten
und tausendfache Tode
an einem einzigen Tag,
als Liegen
und Aufrichten.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die innere Summe aller vorherigen Vergeltungen.

1. Warum Denken zuletzt?

Weil Denken der Koordinator aller Sinne ist.
Wenn Denken verkehrt ist,
gibt es keinen Ausweg mehr nach außen.

Darum:

Wind – Bewegung ohne Richtung.



2. Zwei Extreme desselben Zustands

Bemerkenswert:
• völlige Unbewusstheit → Chaos
• klares Gewahrsein → intensives Leid

Das ist kein Trostversprechen.
Es zeigt:

Erkenntnis ohne Befreiung
verschärft Leiden.



3. Tausend Geburten und Tode am Tag

Das ist kein Kalenderbild,
sondern:
• mentale Zerrissenheit
• ständiger Identitätswechsel
• ununterbrochene Reaktivität

Ein Geist,
der sich selbst zerlegt.



4. Abschluss der Kreuzvergeltungen

Mit dem Denken
wird klar:

Hölle ist kein Ort,
sondern ein vollständig verselbständigter Geistprozess.

Alle vorherigen Bilder
finden hier ihren Ursprung.
中文原文
「六者、思報招引惡果。此思業交,則臨終時先見惡風吹壞國土。亡者神識被吹上空旋落乘風,墮無間獄。發明二相:一者、不覺,迷極則荒,奔走不息。二者、不迷,覺知則苦,無量煎燒痛深難忍。如是邪思:結思,則能為方、為所;結見,則能為鑒、為證;結聽,則能為大合石、為氷、為霜、為土、為霧;結息,則能為大火車、火船、火檻;結嘗,則能為大叫喚、為悔、為泣;結觸,則能為大、為小、為一日中萬生萬死、為偃、為仰。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
die sechste der sechs Vergeltungen
ist die Vergeltung des Denkens.
Sie bringt üble Folgen hervor.
Wenn sich die karmischen Wirkungen
des Denkens miteinander verschränken,
erscheinen beim Eintritt des Todes
zunächst
zerstörerische Winde,
die ganze Länder verwüsten.
Das Bewusstsein des Verstorbenen
wird vom Wind ergriffen,
emporgerissen,
herumgewirbelt
und stürzt schließlich
dem Wind folgend hinab
in die Avīci-Hölle.

Dabei zeigen sich
zwei Arten der Erfahrung:

Die erste ist
das fehlende Gewahrsein:
ist die Verblendung extrem,
so gerät man in innere Verwüstung,
rennt rastlos umher
und findet keine Ruhe.

Die zweite ist
das Nicht-Verirrtsein:
ist Gewahrsein vorhanden,
so wird das Leid umso deutlicher;
unermessliche Qual
brennt und kocht,
tief und kaum zu ertragen.

So durchdringt
verkehrtes Denken
die übrigen Sinnesbereiche:

Es verknüpft das Denken
und erscheint als
Richtungen
und Aufenthaltsorte.
Es verknüpft das Sehen
und erscheint als
Spiegel
und Beweise.
Es verknüpft das Hören
und erscheint als
zusammenstoßende Felsmassen,
Eis, Frost, Erde
und Nebel.
Es verknüpft den Atem
und erscheint als
große Feuerwagen,
Feuerschiffe
und Feuerkäfige.
Es verknüpft das Schmecken
und erscheint als
lautes Schreien,
Reue
und Weinen.
Es verknüpft die Berührung
und erscheint als
Größe
und Kleinheit,
als tausendfache Geburten
und tausendfache Tode
an einem einzigen Tag,
als Liegen
und Aufrichten.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die innere Summe aller vorherigen Vergeltungen.

1. Warum Denken zuletzt?

Weil Denken der Koordinator aller Sinne ist.
Wenn Denken verkehrt ist,
gibt es keinen Ausweg mehr nach außen.

Darum:

Wind – Bewegung ohne Richtung.



2. Zwei Extreme desselben Zustands

Bemerkenswert:
• völlige Unbewusstheit → Chaos
• klares Gewahrsein → intensives Leid

Das ist kein Trostversprechen.
Es zeigt:

Erkenntnis ohne Befreiung
verschärft Leiden.



3. Tausend Geburten und Tode am Tag

Das ist kein Kalenderbild,
sondern:
• mentale Zerrissenheit
• ständiger Identitätswechsel
• ununterbrochene Reaktivität

Ein Geist,
der sich selbst zerlegt.



4. Abschluss der Kreuzvergeltungen

Mit dem Denken
wird klar:

Hölle ist kein Ort,
sondern ein vollständig verselbständigter Geistprozess.

Alle vorherigen Bilder
finden hier ihren Ursprung.
316 #
「阿難!是名地獄十因、六果,皆是眾生迷妄所造。若諸眾生惡業[17]圓造,入阿鼻獄受無量苦,經無量劫。六根各造,及彼所作兼境、兼根,是人則入八無間獄。身、口、意三,作殺、盜、婬,是人則入十八地獄。三業不兼,中間或為一殺、一盜,是人則入三十六地獄。見見一根單犯一業,是人則入一百八地獄。由是眾生別作別造,於世界中入同分地。妄想發生,非本來有。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
dies bezeichnet man
als die zehn Ursachen
und die sechs Wirkungen der Höllen.
Sie alle entstehen
durch die Verirrung
und die falschen Vorstellungen
der Lebewesen selbst.

Wenn Lebewesen
schwere unheilsame Handlungen
vollständig ausführen,
fallen sie in die Avīci-Hölle
und erleiden dort
unermessliches Leid
über unermessliche Zeiträume.

Wenn die sechs Sinneswurzeln
jeweils handeln
und das Handeln
sowohl Objekt
als auch Sinneswurzel erfasst,
tritt diese Person
in die acht ununterbrochenen Höllen ein.

Wenn Körper, Rede und Geist
gemeinsam
Töten, Stehlen
und sexuelles Fehlverhalten ausüben,
tritt diese Person
in die achtzehn Höllen ein.

Wenn die drei Handlungen
nicht gemeinsam sind,
sondern etwa
nur ein Töten
oder nur ein Stehlen geschieht,
tritt diese Person
in die sechsunddreißig Höllen ein.

Wenn aufgrund falscher Sicht
eine einzelne Sinneswurzel
ein einzelnes Vergehen begeht,
tritt diese Person
in die hundertacht Höllen ein.

So erschaffen die Lebewesen
jeweils getrennt
ihr eigenes Wirken
und gelangen innerhalb der Welt
in gemeinsame Erfahrungsfelder.

All dies entsteht
aus falschen Vorstellungen
und ist
nicht ursprünglich vorhanden.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die endgültige Entmythologisierung der Hölle.

1. Keine Hölle „an sich“

Der entscheidende Satz lautet:

妄想發生,非本來有
Entstanden aus falschen Vorstellungen, nicht ursprünglich vorhanden.

Das bedeutet:
• Hölle ist kein Ort der Schöpfung
• kein metaphysisches Reich
• keine ewige Instanz

Sie ist prozesshaft erzeugt.



2. Warum so viele Zahlen?

Die Zahlen sind keine Geografie,
sondern Feingrad der Verstrickung:
• je mehr Sinne beteiligt
• je mehr Ebenen gleichzeitig
• desto dichter das Erfahrungsfeld

Das ist Systemlogik, keine Mythologie.



3. „Gemeinsame Erfahrungsfelder“

眾同分地 bedeutet:
• individuell erzeugt
• kollektiv erfahren

Das erklärt:
• warum Menschen „in derselben Hölle“ leben
• ohne dass sie identisch handeln



4. Der Schutz der Praxis

Warum erklärt der Buddha das alles?

Nicht zur Angst,
sondern zur Entwarnung:

Was entstanden ist,
kann auch aufhören.

Und:

Was nicht ursprünglich ist,
muss nicht geglaubt werden.



Abschluss dieses Abschnitts

Damit ist die Höllenlehre vollständig abgeschlossen:
• Ursachen → erklärt
• Wirkungen → erklärt
• Nicht-Ursprünglichkeit → klargestellt

Als Nächstes folgt im Sutra
die Rückkehr zur Praxis
und der Schutz der rechten Sicht.
中文原文
「阿難!是名地獄十因、六果,皆是眾生迷妄所造。若諸眾生惡業[17]圓造,入阿鼻獄受無量苦,經無量劫。六根各造,及彼所作兼境、兼根,是人則入八無間獄。身、口、意三,作殺、盜、婬,是人則入十八地獄。三業不兼,中間或為一殺、一盜,是人則入三十六地獄。見見一根單犯一業,是人則入一百八地獄。由是眾生別作別造,於世界中入同分地。妄想發生,非本來有。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
dies bezeichnet man
als die zehn Ursachen
und die sechs Wirkungen der Höllen.
Sie alle entstehen
durch die Verirrung
und die falschen Vorstellungen
der Lebewesen selbst.

Wenn Lebewesen
schwere unheilsame Handlungen
vollständig ausführen,
fallen sie in die Avīci-Hölle
und erleiden dort
unermessliches Leid
über unermessliche Zeiträume.

Wenn die sechs Sinneswurzeln
jeweils handeln
und das Handeln
sowohl Objekt
als auch Sinneswurzel erfasst,
tritt diese Person
in die acht ununterbrochenen Höllen ein.

Wenn Körper, Rede und Geist
gemeinsam
Töten, Stehlen
und sexuelles Fehlverhalten ausüben,
tritt diese Person
in die achtzehn Höllen ein.

Wenn die drei Handlungen
nicht gemeinsam sind,
sondern etwa
nur ein Töten
oder nur ein Stehlen geschieht,
tritt diese Person
in die sechsunddreißig Höllen ein.

Wenn aufgrund falscher Sicht
eine einzelne Sinneswurzel
ein einzelnes Vergehen begeht,
tritt diese Person
in die hundertacht Höllen ein.

So erschaffen die Lebewesen
jeweils getrennt
ihr eigenes Wirken
und gelangen innerhalb der Welt
in gemeinsame Erfahrungsfelder.

All dies entsteht
aus falschen Vorstellungen
und ist
nicht ursprünglich vorhanden.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die endgültige Entmythologisierung der Hölle.

1. Keine Hölle „an sich“

Der entscheidende Satz lautet:

妄想發生,非本來有
Entstanden aus falschen Vorstellungen, nicht ursprünglich vorhanden.

Das bedeutet:
• Hölle ist kein Ort der Schöpfung
• kein metaphysisches Reich
• keine ewige Instanz

Sie ist prozesshaft erzeugt.



2. Warum so viele Zahlen?

Die Zahlen sind keine Geografie,
sondern Feingrad der Verstrickung:
• je mehr Sinne beteiligt
• je mehr Ebenen gleichzeitig
• desto dichter das Erfahrungsfeld

Das ist Systemlogik, keine Mythologie.



3. „Gemeinsame Erfahrungsfelder“

眾同分地 bedeutet:
• individuell erzeugt
• kollektiv erfahren

Das erklärt:
• warum Menschen „in derselben Hölle“ leben
• ohne dass sie identisch handeln



4. Der Schutz der Praxis

Warum erklärt der Buddha das alles?

Nicht zur Angst,
sondern zur Entwarnung:

Was entstanden ist,
kann auch aufhören.

Und:

Was nicht ursprünglich ist,
muss nicht geglaubt werden.



Abschluss dieses Abschnitts

Damit ist die Höllenlehre vollständig abgeschlossen:
• Ursachen → erklärt
• Wirkungen → erklärt
• Nicht-Ursprünglichkeit → klargestellt

Als Nächstes folgt im Sutra
die Rückkehr zur Praxis
und der Schutz der rechten Sicht.
317 #
「復次,阿難!是諸眾生,非破律儀,犯菩薩戒,毀佛涅槃,諸餘雜業,歷劫燒然。後還罪畢,受諸鬼形。若於本因貪物為罪,是人罪畢遇物成形,名為[A8]怪鬼。貪色為罪,是人罪畢遇風成形,名為[A9]魃鬼。貪惑為罪,是人罪畢遇畜成形,名為魅鬼。貪恨為罪,是人罪畢遇蟲成形,名蠱毒鬼。貪憶為罪,是人罪畢遇衰成形,名為癘鬼。貪慠為罪,是人罪畢遇氣成形,名為餓鬼。貪[1]罔為罪,是人罪畢遇幽為形,名為[2]魘鬼。貪明為罪,是人罪畢遇精為形,名魍魎鬼。貪成為罪,是人罪畢遇明為形,名役使鬼。貪黨為罪,是人罪畢遇人為形,名傳送鬼。阿難!是人皆以純情墜落,業火燒乾,上出為鬼。此等皆是自妄想業之所招引。若悟菩提,則妙圓明本無所有。
Der Buddha sprach weiter zu Ānanda:

„Ānanda,
diese Lebewesen
haben zwar nicht die Ordensdisziplin zerstört,
nicht die Bodhisattva-Gebote verletzt
und nicht das Nirvāṇa der Buddhas verleumdet,
doch durch vielfältige andere vermischte Handlungen
wurden sie über viele Zeitalter
vom karmischen Feuer verbrannt.

Nachdem ihre Schuld erschöpft ist,
nehmen sie die Gestalt von Geistern an.

Je nach ursprünglicher Ursache
nehmen sie jeweils
unterschiedliche Gestalten an:

– Begehren nach Dingen → Geister des Anhaftens an Objekte
– Begehren nach Form → Geister des Windes und der Bewegung
– Verblendung → verführerische Geister
– Hass → giftige Zwangsgeister
– anhaftende Erinnerung → Geister des Verfalls
– Hochmut → hungrige Geister
– Täuschung → Alb-Geister
– Begehren nach Helligkeit → Geister feiner Essenzen
– Begehren nach Wirksamkeit → dienende Geister
– Begehren nach Zugehörigkeit → übertragende Geister

Ānanda,
all diese Wesen
sind durch reine emotionale Verstrickung gefallen.
Nachdem das karmische Feuer
ihre Grobheit verbrannt hat,
steigen sie erneut auf
und existieren als Geister.

Dies alles
ist das Ergebnis
eigener irrtümlicher Vorstellungen
und karmischer Handlungen.
Wird jedoch Bodhi erkannt,
so ist die wunderbar runde, klare Wirklichkeit
von Anfang an
nicht wirklich vorhanden.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine Dämonologie,
sondern eine fein abgestufte Psychodynamik nach extremer Bindung.

1. Warum „Geister“?

Geister stehen hier für:
• Existenz ohne festen Leib
• fortbestehende emotionale Fixierung
• fehlende Erdung

Es ist Rest-Bewusstsein,
kein endgültiger Zustand.



2. Entscheidend: Art des Begehrens

Nicht die Tat allein,
sondern worauf sich Begehren fixiert,
bestimmt die Form.

Darum die präzise Differenzierung.



3. „Aufsteigen“ nach der Hölle

Bemerkenswert:
• Hölle = maximale Verdichtung
• Geistzustand = Aufstieg nach Ausbrennen

Nicht Erlösung,
sondern Lockerung.



4. Letzter Satz ist der Schlüssel

若悟菩提,則妙圓明本無所有

Das hebt alles Vorherige auf:
• kein Geist
• keine Hölle
• kein Karma
als letzte Realität.

Alles ist bedingt, leer und auflösbar.
中文原文
「復次,阿難!是諸眾生,非破律儀,犯菩薩戒,毀佛涅槃,諸餘雜業,歷劫燒然。後還罪畢,受諸鬼形。若於本因貪物為罪,是人罪畢遇物成形,名為[A8]怪鬼。貪色為罪,是人罪畢遇風成形,名為[A9]魃鬼。貪惑為罪,是人罪畢遇畜成形,名為魅鬼。貪恨為罪,是人罪畢遇蟲成形,名蠱毒鬼。貪憶為罪,是人罪畢遇衰成形,名為癘鬼。貪慠為罪,是人罪畢遇氣成形,名為餓鬼。貪[1]罔為罪,是人罪畢遇幽為形,名為[2]魘鬼。貪明為罪,是人罪畢遇精為形,名魍魎鬼。貪成為罪,是人罪畢遇明為形,名役使鬼。貪黨為罪,是人罪畢遇人為形,名傳送鬼。阿難!是人皆以純情墜落,業火燒乾,上出為鬼。此等皆是自妄想業之所招引。若悟菩提,則妙圓明本無所有。
Deutsch
Der Buddha sprach weiter zu Ānanda:

„Ānanda,
diese Lebewesen
haben zwar nicht die Ordensdisziplin zerstört,
nicht die Bodhisattva-Gebote verletzt
und nicht das Nirvāṇa der Buddhas verleumdet,
doch durch vielfältige andere vermischte Handlungen
wurden sie über viele Zeitalter
vom karmischen Feuer verbrannt.

Nachdem ihre Schuld erschöpft ist,
nehmen sie die Gestalt von Geistern an.

Je nach ursprünglicher Ursache
nehmen sie jeweils
unterschiedliche Gestalten an:

– Begehren nach Dingen → Geister des Anhaftens an Objekte
– Begehren nach Form → Geister des Windes und der Bewegung
– Verblendung → verführerische Geister
– Hass → giftige Zwangsgeister
– anhaftende Erinnerung → Geister des Verfalls
– Hochmut → hungrige Geister
– Täuschung → Alb-Geister
– Begehren nach Helligkeit → Geister feiner Essenzen
– Begehren nach Wirksamkeit → dienende Geister
– Begehren nach Zugehörigkeit → übertragende Geister

Ānanda,
all diese Wesen
sind durch reine emotionale Verstrickung gefallen.
Nachdem das karmische Feuer
ihre Grobheit verbrannt hat,
steigen sie erneut auf
und existieren als Geister.

Dies alles
ist das Ergebnis
eigener irrtümlicher Vorstellungen
und karmischer Handlungen.
Wird jedoch Bodhi erkannt,
so ist die wunderbar runde, klare Wirklichkeit
von Anfang an
nicht wirklich vorhanden.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine Dämonologie,
sondern eine fein abgestufte Psychodynamik nach extremer Bindung.

1. Warum „Geister“?

Geister stehen hier für:
• Existenz ohne festen Leib
• fortbestehende emotionale Fixierung
• fehlende Erdung

Es ist Rest-Bewusstsein,
kein endgültiger Zustand.



2. Entscheidend: Art des Begehrens

Nicht die Tat allein,
sondern worauf sich Begehren fixiert,
bestimmt die Form.

Darum die präzise Differenzierung.



3. „Aufsteigen“ nach der Hölle

Bemerkenswert:
• Hölle = maximale Verdichtung
• Geistzustand = Aufstieg nach Ausbrennen

Nicht Erlösung,
sondern Lockerung.



4. Letzter Satz ist der Schlüssel

若悟菩提,則妙圓明本無所有

Das hebt alles Vorherige auf:
• kein Geist
• keine Hölle
• kein Karma
als letzte Realität.

Alles ist bedingt, leer und auflösbar.
318 #
「復次,阿難!鬼業既盡,則情與想二俱成空。方於世間,與元負人怨對相值。身為畜生,酬其宿債。物怪之鬼,物銷報盡生於世間,多為梟類。風[A10]魃之鬼,風銷報盡[3]生於世間,多為咎徵一切異類。畜魅之鬼,畜死報盡生於世間,多為狐類。蟲蠱之鬼,[4]蟲滅報盡生於世間,多為毒類。衰癘之鬼,衰窮報盡生於世間,多為蛔類。受氣之鬼,氣銷報盡生於世間,多為食類。綿幽之鬼,幽銷報盡生於世間,多為服類。和精之鬼,和銷報盡生於世間,多為應類。明靈之鬼,明滅報盡生於世間,多為休徵一切諸類。依人之鬼,人亡報盡生於世間,多[5]為循類。
Der Buddha sprach weiter zu Ānanda:

„Ānanda,
wenn das Wirken der Geister vollständig erschöpft ist,
werden Emotion und Vorstellung
zugleich leer.
Dann begegnen sie in der Welt
denjenigen, zu denen sie aus früherer Bindung
in Schuld- und Feindschaftsverhältnissen stehen.
So werden sie als Tiere geboren,
um frühere Schulden auszugleichen.

Je nach vorheriger Geisterform
entstehen unterschiedliche tierische Daseinsweisen:

– Geister der Objektanhaftung
→ Geburt meist als nachtaktive Vögel (Eulen)

– Wind- und Dürre-Geister
→ Geburt als ungewöhnliche, anomale Wesen

– Tier-verführende Geister
→ Geburt meist als Füchse

– Insekten- und Giftgeister
→ Geburt als giftige Tiere

– Verfalls- und Seuchengeister
→ Geburt als Würmer

– Atem-Geister
→ Geburt als ständig fressende Tiere

– dunkle, haftende Geister
→ Geburt als Tiere mit Fell oder Hautbedeckung

– Essenz-vermischende Geister
→ Geburt als reaktionsschnelle Tiere

– klare Geist-Geister
→ Geburt als Tiere mit ruhigen, vorzeichenhaften Eigenschaften

– menschenabhängige Geister
→ Geburt als Tiere, die dem Menschen folgen

Dies geschieht jeweils dann,
wenn die entsprechende Ursache vergeht
und die karmische Vergeltung erschöpft ist.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt keinen „Abstieg aus Strafe“,
sondern einen Ausgleich offener Beziehungen.

1. Schlüsselbegriff: 宿債 (alte Schuld)

Gemeint ist:
• unerledigter Beziehungsausgleich
• nicht moralisch, sondern relational

Darum:

Geburt geschieht dort,
wo Bindung noch offen ist.



2. Warum Tiere?

Weil:
• Emotion und Vorstellung leer geworden sind
• aber Bindung noch wirkt

Das Bewusstsein hat:
• weniger Projektion
• weniger Reflexion
• aber noch Beziehungsschwere



3. Tierformen als Richtungen, nicht als Artenkunde

Die Zuordnungen sind:
• keine Zoologie
• keine Rangordnung
• sondern Funktionsbeschreibungen

Tiersein heißt hier:

Leben im unmittelbaren Ausgleich,
ohne Deutung.



4. Kontinuität der Lehre
• Hölle → maximale Verdichtung
• Geist → Restbindung ohne Körper
• Tier → relationaler Ausgleich
• (Mensch / Himmel folgen später)

Alles folgt einem einzigen Mechanismus.
中文原文
「復次,阿難!鬼業既盡,則情與想二俱成空。方於世間,與元負人怨對相值。身為畜生,酬其宿債。物怪之鬼,物銷報盡生於世間,多為梟類。風[A10]魃之鬼,風銷報盡[3]生於世間,多為咎徵一切異類。畜魅之鬼,畜死報盡生於世間,多為狐類。蟲蠱之鬼,[4]蟲滅報盡生於世間,多為毒類。衰癘之鬼,衰窮報盡生於世間,多為蛔類。受氣之鬼,氣銷報盡生於世間,多為食類。綿幽之鬼,幽銷報盡生於世間,多為服類。和精之鬼,和銷報盡生於世間,多為應類。明靈之鬼,明滅報盡生於世間,多為休徵一切諸類。依人之鬼,人亡報盡生於世間,多[5]為循類。
Deutsch
Der Buddha sprach weiter zu Ānanda:

„Ānanda,
wenn das Wirken der Geister vollständig erschöpft ist,
werden Emotion und Vorstellung
zugleich leer.
Dann begegnen sie in der Welt
denjenigen, zu denen sie aus früherer Bindung
in Schuld- und Feindschaftsverhältnissen stehen.
So werden sie als Tiere geboren,
um frühere Schulden auszugleichen.

Je nach vorheriger Geisterform
entstehen unterschiedliche tierische Daseinsweisen:

– Geister der Objektanhaftung
→ Geburt meist als nachtaktive Vögel (Eulen)

– Wind- und Dürre-Geister
→ Geburt als ungewöhnliche, anomale Wesen

– Tier-verführende Geister
→ Geburt meist als Füchse

– Insekten- und Giftgeister
→ Geburt als giftige Tiere

– Verfalls- und Seuchengeister
→ Geburt als Würmer

– Atem-Geister
→ Geburt als ständig fressende Tiere

– dunkle, haftende Geister
→ Geburt als Tiere mit Fell oder Hautbedeckung

– Essenz-vermischende Geister
→ Geburt als reaktionsschnelle Tiere

– klare Geist-Geister
→ Geburt als Tiere mit ruhigen, vorzeichenhaften Eigenschaften

– menschenabhängige Geister
→ Geburt als Tiere, die dem Menschen folgen

Dies geschieht jeweils dann,
wenn die entsprechende Ursache vergeht
und die karmische Vergeltung erschöpft ist.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt keinen „Abstieg aus Strafe“,
sondern einen Ausgleich offener Beziehungen.

1. Schlüsselbegriff: 宿債 (alte Schuld)

Gemeint ist:
• unerledigter Beziehungsausgleich
• nicht moralisch, sondern relational

Darum:

Geburt geschieht dort,
wo Bindung noch offen ist.



2. Warum Tiere?

Weil:
• Emotion und Vorstellung leer geworden sind
• aber Bindung noch wirkt

Das Bewusstsein hat:
• weniger Projektion
• weniger Reflexion
• aber noch Beziehungsschwere



3. Tierformen als Richtungen, nicht als Artenkunde

Die Zuordnungen sind:
• keine Zoologie
• keine Rangordnung
• sondern Funktionsbeschreibungen

Tiersein heißt hier:

Leben im unmittelbaren Ausgleich,
ohne Deutung.



4. Kontinuität der Lehre
• Hölle → maximale Verdichtung
• Geist → Restbindung ohne Körper
• Tier → relationaler Ausgleich
• (Mensch / Himmel folgen später)

Alles folgt einem einzigen Mechanismus.
319 #
「復次,阿難!從是畜生酬償先債,若彼酬者分越所酬,此等眾生還復為人,[7]返徵其剩。如彼有力兼有福德,則於人中不捨人身,酬還彼力。若無福者,還為畜生償彼餘直。阿難當知!若用錢物,或役其力,償足自停。如[8]於中間殺彼身命,或食其肉,如是乃至經微塵劫相食相誅,猶如轉輪互為高下,無有休息。除奢摩他及佛出世,不可停寢。
Der Buddha sprach weiter zu Ānanda:

„Ānanda,
nachdem diese Lebewesen
im Tierdasein
frühere Schulden ausgeglichen haben,
wenn der Ausgleich
das Maß der Schuld übersteigt,
werden sie erneut als Menschen geboren,
um den verbleibenden Rest einzufordern.

Besitzt der Betreffende
Kraft
und zugleich Verdienst,
so bleibt er im Menschenbereich
und gibt die Schuld zurück,
ohne den Menschenkörper zu verlassen.
Fehlt jedoch das Verdienst,
so wird er erneut
als Tier geboren,
um den verbleibenden Betrag zu begleichen.

Ānanda,
du sollst verstehen:
Wird mit Geld oder Besitz gezahlt
oder durch Arbeit ausgeglichen,
so endet der Ausgleich,
sobald er vollständig ist.

Wird jedoch
währenddessen
das Leben des anderen genommen
oder sein Fleisch verzehrt,
so kommt es dazu,
dass sie sich
über unzählige Zeitalter hinweg
gegenseitig fressen
und töten,
wie ein sich drehendes Rad,
bei dem sie einander
abwechselnd erhöhen
und erniedrigen,
ohne jemals zur Ruhe zu kommen.

Nur durch
Śamatha
oder durch das Erscheinen eines Buddha
kann dieser Kreislauf
unterbrochen werden.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine der klarsten karmischen Analysen des gesamten Sutras.

1. Karma als Ausgleich – nicht als Strafe

Alles hier ist reiner Ausgleich:
• Schuld → Rückzahlung
• Überschuss → Rückforderung

Nicht moralisch,
sondern ökonomisch-relational gedacht.



2. Warum Mensch ↔ Tier pendeln?

Der Mensch ist:
• handlungsfähig
• schuldfähig
• ausgleichsfähig

Das Tier ist:
• ausgleichend
• unmittelbar
• ohne Deutung

Darum wechseln die Formen
je nach Fähigkeit zur Rückzahlung.



3. Der Wendepunkt: Töten und Fleischessen

Hier wird der Mechanismus radikal verschärft:

Töten zerstört Ausgleich.

Denn:
• der Schuldner wird vernichtet
• Beziehung wird nicht gelöst, sondern verstrickt

Darum:

endloses Gegentöten
ohne Ruhepunkt

Das ist keine Moral,
sondern Systemlogik.



4. Der einzige Ausstieg

Der letzte Satz ist entscheidend:

除奢摩他及佛出世,不可停寢

Nur zwei Dinge unterbrechen den Kreislauf:
1. Śamatha – Stilllegung der Fortsetzung
2. Buddha-Erscheinen – radikale Neuorientierung

Alles andere
läuft weiter.
中文原文
「復次,阿難!從是畜生酬償先債,若彼酬者分越所酬,此等眾生還復為人,[7]返徵其剩。如彼有力兼有福德,則於人中不捨人身,酬還彼力。若無福者,還為畜生償彼餘直。阿難當知!若用錢物,或役其力,償足自停。如[8]於中間殺彼身命,或食其肉,如是乃至經微塵劫相食相誅,猶如轉輪互為高下,無有休息。除奢摩他及佛出世,不可停寢。
Deutsch
Der Buddha sprach weiter zu Ānanda:

„Ānanda,
nachdem diese Lebewesen
im Tierdasein
frühere Schulden ausgeglichen haben,
wenn der Ausgleich
das Maß der Schuld übersteigt,
werden sie erneut als Menschen geboren,
um den verbleibenden Rest einzufordern.

Besitzt der Betreffende
Kraft
und zugleich Verdienst,
so bleibt er im Menschenbereich
und gibt die Schuld zurück,
ohne den Menschenkörper zu verlassen.
Fehlt jedoch das Verdienst,
so wird er erneut
als Tier geboren,
um den verbleibenden Betrag zu begleichen.

Ānanda,
du sollst verstehen:
Wird mit Geld oder Besitz gezahlt
oder durch Arbeit ausgeglichen,
so endet der Ausgleich,
sobald er vollständig ist.

Wird jedoch
währenddessen
das Leben des anderen genommen
oder sein Fleisch verzehrt,
so kommt es dazu,
dass sie sich
über unzählige Zeitalter hinweg
gegenseitig fressen
und töten,
wie ein sich drehendes Rad,
bei dem sie einander
abwechselnd erhöhen
und erniedrigen,
ohne jemals zur Ruhe zu kommen.

Nur durch
Śamatha
oder durch das Erscheinen eines Buddha
kann dieser Kreislauf
unterbrochen werden.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine der klarsten karmischen Analysen des gesamten Sutras.

1. Karma als Ausgleich – nicht als Strafe

Alles hier ist reiner Ausgleich:
• Schuld → Rückzahlung
• Überschuss → Rückforderung

Nicht moralisch,
sondern ökonomisch-relational gedacht.



2. Warum Mensch ↔ Tier pendeln?

Der Mensch ist:
• handlungsfähig
• schuldfähig
• ausgleichsfähig

Das Tier ist:
• ausgleichend
• unmittelbar
• ohne Deutung

Darum wechseln die Formen
je nach Fähigkeit zur Rückzahlung.



3. Der Wendepunkt: Töten und Fleischessen

Hier wird der Mechanismus radikal verschärft:

Töten zerstört Ausgleich.

Denn:
• der Schuldner wird vernichtet
• Beziehung wird nicht gelöst, sondern verstrickt

Darum:

endloses Gegentöten
ohne Ruhepunkt

Das ist keine Moral,
sondern Systemlogik.



4. Der einzige Ausstieg

Der letzte Satz ist entscheidend:

除奢摩他及佛出世,不可停寢

Nur zwei Dinge unterbrechen den Kreislauf:
1. Śamatha – Stilllegung der Fortsetzung
2. Buddha-Erscheinen – radikale Neuorientierung

Alles andere
läuft weiter.
320 #
汝今應知,彼梟倫者,酬足復形生人道中,參合頑類;彼咎徵者,酬足復形生人道中,參合愚類;彼狐倫者,酬足復形生人道中,參於佷類;彼毒倫者,酬足復形生人道中,參合庸類;彼蛔倫者,酬足復形生人道中,參合微類;彼食倫者,酬足復形生人道中,參合柔類;彼服倫者,酬足復形生人道中,參合勞類;彼應倫者,酬足復形生人道中,參於文類;彼休徵者,酬足復形生人道中,參合明類;彼諸循倫,酬足復形生人道中,參於達類。
Der Buddha sprach:

„Du sollst nun wissen:

Diejenigen aus der Eulen-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
nehmen erneut Gestalt an
und werden im Menschenbereich geboren;
sie verbinden sich
mit der Gruppe der schwerfälligen und widerständigen Menschen.

Diejenigen aus der Kategorie der unheilvollen Zeichen,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der einfältigen Menschen.

Diejenigen aus der Fuchs-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der listigen und berechnenden Menschen.

Diejenigen aus der Gift-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der gewöhnlichen Menschen.

Diejenigen aus der Wurm-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der unscheinbaren Menschen.

Diejenigen aus der Fresser-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der sanftmütigen Menschen.

Diejenigen aus der Bekleidungs-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der arbeitsamen Menschen.

Diejenigen aus der Antwort-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der gebildeten Menschen.

Diejenigen aus der Ruhe-Vorzeichen-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der klaren und verständigen Menschen.

Diejenigen aus den Folger-Kategorien,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der durchdringenden und anpassungsfähigen Menschen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine Typenlehre im moralischen Sinn,
sondern eine Beschreibung von Restprägungen.

1. Keine Bewertung, sondern Resonanz

Die Begriffe:
• stumpf
• einfältig
• listig
• gewöhnlich
• sanft
• arbeitsam
• gebildet
• klar
• durchdringend

sind keine Urteile,
sondern Richtungen von Wahrnehmung und Reaktion.



2. Menschsein als Mischform

Der Mensch ist hier:
• nicht Ziel
• nicht Belohnung
sondern Mischfeld
früherer Prägungen.

Darum ist der Menschenbereich:

der offenste –
aber auch der widersprüchlichste.



3. Kontinuität ohne Determinismus

Wichtig:
• Diese Prägungen zwingen nicht.
• Sie erklären Startbedingungen, keine Festlegung.

Genau deshalb ist Praxis im Menschenbereich möglich.



4. Rückbindung an den Kern des Sutras

Alles Gesagte dient einem einzigen Zweck:

Nicht festzuschreiben,
sondern durchschaubar zu machen.

Was durchschaubar ist,
bindet nicht.



Übergang

Im folgenden Abschnitt wendet sich der Buddha
der Entstehung höherer menschlicher und himmlischer Daseinsformen zu
und zeigt, wie Verdienst, Ethik und Sammlung
den Kreislauf nach oben öffnen –
ohne ihn endgültig zu lösen.
中文原文
汝今應知,彼梟倫者,酬足復形生人道中,參合頑類;彼咎徵者,酬足復形生人道中,參合愚類;彼狐倫者,酬足復形生人道中,參於佷類;彼毒倫者,酬足復形生人道中,參合庸類;彼蛔倫者,酬足復形生人道中,參合微類;彼食倫者,酬足復形生人道中,參合柔類;彼服倫者,酬足復形生人道中,參合勞類;彼應倫者,酬足復形生人道中,參於文類;彼休徵者,酬足復形生人道中,參合明類;彼諸循倫,酬足復形生人道中,參於達類。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Du sollst nun wissen:

Diejenigen aus der Eulen-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
nehmen erneut Gestalt an
und werden im Menschenbereich geboren;
sie verbinden sich
mit der Gruppe der schwerfälligen und widerständigen Menschen.

Diejenigen aus der Kategorie der unheilvollen Zeichen,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der einfältigen Menschen.

Diejenigen aus der Fuchs-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der listigen und berechnenden Menschen.

Diejenigen aus der Gift-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der gewöhnlichen Menschen.

Diejenigen aus der Wurm-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der unscheinbaren Menschen.

Diejenigen aus der Fresser-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der sanftmütigen Menschen.

Diejenigen aus der Bekleidungs-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der arbeitsamen Menschen.

Diejenigen aus der Antwort-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der gebildeten Menschen.

Diejenigen aus der Ruhe-Vorzeichen-Kategorie,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der klaren und verständigen Menschen.

Diejenigen aus den Folger-Kategorien,
deren Ausgleich erfüllt ist,
werden im Menschenbereich geboren
und verbinden sich
mit der Gruppe der durchdringenden und anpassungsfähigen Menschen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine Typenlehre im moralischen Sinn,
sondern eine Beschreibung von Restprägungen.

1. Keine Bewertung, sondern Resonanz

Die Begriffe:
• stumpf
• einfältig
• listig
• gewöhnlich
• sanft
• arbeitsam
• gebildet
• klar
• durchdringend

sind keine Urteile,
sondern Richtungen von Wahrnehmung und Reaktion.



2. Menschsein als Mischform

Der Mensch ist hier:
• nicht Ziel
• nicht Belohnung
sondern Mischfeld
früherer Prägungen.

Darum ist der Menschenbereich:

der offenste –
aber auch der widersprüchlichste.



3. Kontinuität ohne Determinismus

Wichtig:
• Diese Prägungen zwingen nicht.
• Sie erklären Startbedingungen, keine Festlegung.

Genau deshalb ist Praxis im Menschenbereich möglich.



4. Rückbindung an den Kern des Sutras

Alles Gesagte dient einem einzigen Zweck:

Nicht festzuschreiben,
sondern durchschaubar zu machen.

Was durchschaubar ist,
bindet nicht.



Übergang

Im folgenden Abschnitt wendet sich der Buddha
der Entstehung höherer menschlicher und himmlischer Daseinsformen zu
und zeigt, wie Verdienst, Ethik und Sammlung
den Kreislauf nach oben öffnen –
ohne ihn endgültig zu lösen.
321 #
阿難!是等皆以宿債畢酬,復形人道。皆無始來、業計顛倒,相生相殺。不遇如來,不聞正法,於塵勞中、法爾輪轉,此輩名為可憐愍者!
「阿難!復有從人,不依正覺修三摩地,別修妄念,存想固形;遊於山林人不及處,有十[9]種仙。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
all diese Wesen
haben ihre früheren karmischen Schulden
vollständig ausgeglichen
und werden erneut
im Menschenbereich geboren.
Doch seit anfangsloser Zeit
sind sie durch verkehrtes Berechnen von Karma
in Umkehrung geraten
und bringen einander hervor
und töten einander fortwährend.

Wenn sie dem Tathāgata nicht begegnen
und das rechte Dharma nicht hören,
drehen sie sich von selbst
im Staub der Leidenschaften
und in der Mühsal des Weltlichen,
gemäß der inneren Gesetzmäßigkeit
des Kreislaufs.

Diese Wesen
werden deshalb
die wahrhaft Mitleidenswerten genannt.

Ānanda,
es gibt ferner solche,
die aus dem Menschenbereich hervorgehen,
sich jedoch nicht
am rechten Erwachen orientieren
und kein Samādhi praktizieren,
sondern stattdessen
verzerrte Gedanken kultivieren,
Vorstellungen festhalten
und Formen verfestigen.
Sie halten sich in Bergen und Wäldern auf,
an Orten,
die Menschen gewöhnlich nicht erreichen.

Solcher Unsterblichen
gibt es
zehn Arten.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine scharfe, aber präzise Kritik an spirituellen Sonderwegen.

1. „Wahrhaft Mitleidenswerte“

Das ist kein Urteil,
sondern eine Diagnose:

Leiden ohne Einsicht
verlängert sich selbst.

Ohne Begegnung mit:
• Erwachen (如來)
• rechter Lehre (正法)

wird der Kreislauf nicht hinterfragt,
sondern nur durchlebt.



2. Karma als „Rechnen“

業計 (karmisches Kalkulieren) meint:
• Vergleichen
• Ausgleichen
• Rechtfertigen

Solange Karma gerechnet wird,
bleibt man im Handel.



3. Kritik an falscher Askese

Die kommenden „Unsterblichen“:
• meiden die Welt
• leben asketisch
• scheinen spirituell

Aber:

ohne rechte Einsicht
ist auch Rückzug Bindung.



4. Übergang

Der Text bereitet nun
die zehn Arten der Unsterblichen (十仙) vor –
eine feinsinnige Analyse daoistischer und magischer Praxisformen,
die Erwachen verfehlen, obwohl sie außergewöhnlich wirken.
中文原文
阿難!是等皆以宿債畢酬,復形人道。皆無始來、業計顛倒,相生相殺。不遇如來,不聞正法,於塵勞中、法爾輪轉,此輩名為可憐愍者!
「阿難!復有從人,不依正覺修三摩地,別修妄念,存想固形;遊於山林人不及處,有十[9]種仙。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
all diese Wesen
haben ihre früheren karmischen Schulden
vollständig ausgeglichen
und werden erneut
im Menschenbereich geboren.
Doch seit anfangsloser Zeit
sind sie durch verkehrtes Berechnen von Karma
in Umkehrung geraten
und bringen einander hervor
und töten einander fortwährend.

Wenn sie dem Tathāgata nicht begegnen
und das rechte Dharma nicht hören,
drehen sie sich von selbst
im Staub der Leidenschaften
und in der Mühsal des Weltlichen,
gemäß der inneren Gesetzmäßigkeit
des Kreislaufs.

Diese Wesen
werden deshalb
die wahrhaft Mitleidenswerten genannt.

Ānanda,
es gibt ferner solche,
die aus dem Menschenbereich hervorgehen,
sich jedoch nicht
am rechten Erwachen orientieren
und kein Samādhi praktizieren,
sondern stattdessen
verzerrte Gedanken kultivieren,
Vorstellungen festhalten
und Formen verfestigen.
Sie halten sich in Bergen und Wäldern auf,
an Orten,
die Menschen gewöhnlich nicht erreichen.

Solcher Unsterblichen
gibt es
zehn Arten.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine scharfe, aber präzise Kritik an spirituellen Sonderwegen.

1. „Wahrhaft Mitleidenswerte“

Das ist kein Urteil,
sondern eine Diagnose:

Leiden ohne Einsicht
verlängert sich selbst.

Ohne Begegnung mit:
• Erwachen (如來)
• rechter Lehre (正法)

wird der Kreislauf nicht hinterfragt,
sondern nur durchlebt.



2. Karma als „Rechnen“

業計 (karmisches Kalkulieren) meint:
• Vergleichen
• Ausgleichen
• Rechtfertigen

Solange Karma gerechnet wird,
bleibt man im Handel.



3. Kritik an falscher Askese

Die kommenden „Unsterblichen“:
• meiden die Welt
• leben asketisch
• scheinen spirituell

Aber:

ohne rechte Einsicht
ist auch Rückzug Bindung.



4. Übergang

Der Text bereitet nun
die zehn Arten der Unsterblichen (十仙) vor –
eine feinsinnige Analyse daoistischer und magischer Praxisformen,
die Erwachen verfehlen, obwohl sie außergewöhnlich wirken.
322 #
阿難!彼諸眾生,堅固服餌而不休息,食道圓成,名地行仙。堅固草木而不休息,藥道圓成,名飛行仙。堅固金石而不休息,化道圓成,名[A11]遊行仙。堅固動止而不休息,氣精圓成,名空行仙。堅固津液而不休息,潤德圓成,名天行仙。堅固精色而不休息,吸粹圓成,名通行仙。堅固呪禁而不休息,術法圓成,名道行仙。堅固思念而不休息,思憶圓成,名照行仙。堅固交遘而不休息,[10]感應圓成,名精行仙。堅固變化而不休息,覺悟圓成,名絕行仙。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
diese Wesen
halten unbeirrbar
an jeweils einer Übungsform fest
und lassen darin nicht nach.
Dadurch vollenden sie
einen bestimmten Wirkweg,
ohne jedoch
zum rechten Erwachen zu gelangen.

Wer unbeirrbar
Nahrung und Elixiere einnimmt,
vollendet den Weg der Ernährung
und wird
ein erdwandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Kräuter und Pflanzen einnimmt,
vollendet den Weg der Heilmittel
und wird
ein fliegend wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Metalle und Mineralien einnimmt,
vollendet den Weg der Alchemie
und wird
ein umherwandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Bewegung und Ruhe übt,
vollendet die Essenz des Atems
und wird
ein im Raum wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Säfte und Flüssigkeiten bewahrt,
vollendet die Tugend der Befeuchtung
und wird
ein himmlisch wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Essenz und Form bewahrt,
vollendet das Aufnehmen des Feinen
und wird
ein durchdringend wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Mantras und Verbote praktiziert,
vollendet die Künste und Methoden
und wird
ein auf dem Weg wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Denken und Erinnerung pflegt,
vollendet die Kraft der Kontemplation
und wird
ein erleuchtend wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Verbindung und Vereinigung sucht,
vollendet die Kraft der Resonanz
und wird
ein essenzwandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Wandlung und Veränderung betreibt,
vollendet eine Form von Erwachen
und wird
ein absolut wandelnder Unsterblicher.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine Abwertung, sondern eine präzise Grenzziehung.

1. Das gemeinsame Merkmal aller zehn

In allen Fällen gilt:

Festhalten an einer Methode
ersetzt Einsicht.

Die Übung wird Selbstzweck.



2. Warum „Unsterbliche“?

Weil:
• Lebensspanne verlängert
• Kräfte verfeinert
• Wahrnehmung verändert

Aber:

Geburt und Tod werden nicht durchschaut.



3. Der kritische Punkt

Alle zehn:
• beruhen auf Beharrlichkeit
• erzeugen Wirkung
• verfehlen jedoch Nicht-Anhaften

Darum bleiben sie im Samsara,
wenn auch auf hoher Ebene.



4. Übergang

Im folgenden Abschnitt erklärt der Buddha,
warum selbst diese hohen Zustände
instabil sind
und wie sie wieder verfallen,
wenn ihre Bedingungen enden.
中文原文
阿難!彼諸眾生,堅固服餌而不休息,食道圓成,名地行仙。堅固草木而不休息,藥道圓成,名飛行仙。堅固金石而不休息,化道圓成,名[A11]遊行仙。堅固動止而不休息,氣精圓成,名空行仙。堅固津液而不休息,潤德圓成,名天行仙。堅固精色而不休息,吸粹圓成,名通行仙。堅固呪禁而不休息,術法圓成,名道行仙。堅固思念而不休息,思憶圓成,名照行仙。堅固交遘而不休息,[10]感應圓成,名精行仙。堅固變化而不休息,覺悟圓成,名絕行仙。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
diese Wesen
halten unbeirrbar
an jeweils einer Übungsform fest
und lassen darin nicht nach.
Dadurch vollenden sie
einen bestimmten Wirkweg,
ohne jedoch
zum rechten Erwachen zu gelangen.

Wer unbeirrbar
Nahrung und Elixiere einnimmt,
vollendet den Weg der Ernährung
und wird
ein erdwandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Kräuter und Pflanzen einnimmt,
vollendet den Weg der Heilmittel
und wird
ein fliegend wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Metalle und Mineralien einnimmt,
vollendet den Weg der Alchemie
und wird
ein umherwandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Bewegung und Ruhe übt,
vollendet die Essenz des Atems
und wird
ein im Raum wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Säfte und Flüssigkeiten bewahrt,
vollendet die Tugend der Befeuchtung
und wird
ein himmlisch wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Essenz und Form bewahrt,
vollendet das Aufnehmen des Feinen
und wird
ein durchdringend wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Mantras und Verbote praktiziert,
vollendet die Künste und Methoden
und wird
ein auf dem Weg wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Denken und Erinnerung pflegt,
vollendet die Kraft der Kontemplation
und wird
ein erleuchtend wandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Verbindung und Vereinigung sucht,
vollendet die Kraft der Resonanz
und wird
ein essenzwandelnder Unsterblicher.

Wer unbeirrbar
Wandlung und Veränderung betreibt,
vollendet eine Form von Erwachen
und wird
ein absolut wandelnder Unsterblicher.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine Abwertung, sondern eine präzise Grenzziehung.

1. Das gemeinsame Merkmal aller zehn

In allen Fällen gilt:

Festhalten an einer Methode
ersetzt Einsicht.

Die Übung wird Selbstzweck.



2. Warum „Unsterbliche“?

Weil:
• Lebensspanne verlängert
• Kräfte verfeinert
• Wahrnehmung verändert

Aber:

Geburt und Tod werden nicht durchschaut.



3. Der kritische Punkt

Alle zehn:
• beruhen auf Beharrlichkeit
• erzeugen Wirkung
• verfehlen jedoch Nicht-Anhaften

Darum bleiben sie im Samsara,
wenn auch auf hoher Ebene.



4. Übergang

Im folgenden Abschnitt erklärt der Buddha,
warum selbst diese hohen Zustände
instabil sind
und wie sie wieder verfallen,
wenn ihre Bedingungen enden.
323 #
阿難!是等皆於人中鍊心,不[11]循正覺,別得生理,壽千萬歲,休止深山、或大海島,絕於人境。斯亦輪迴妄想流轉。不修三昧,報盡還來!散入諸趣。
「阿難!諸世間人不求常住,未能捨諸妻妾恩愛,於邪婬中心不流逸,澄瑩生明,命終之後隣於日月,如是一類名四天王天。於己妻房婬愛微薄,於淨居時不[12]得全味,命終之後超日月明,居人間頂,如是一類名忉利天。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
diese Wesen
haben ihren Geist im Menschenbereich verfeinert,
ohne jedoch
dem rechten Erwachen zu folgen.
Auf einem abweichenden Weg
erlangen sie besondere Lebensbedingungen,
leben über viele tausend oder zehntausend Jahre,
ziehen sich in tiefe Berge
oder auf große Inseln im Meer zurück
und sind vom menschlichen Umfeld getrennt.

Auch dies
ist ein Kreislauf
im Strom irrtümlicher Vorstellungen.
Da sie kein Samādhi kultivieren,
kehren sie,
wenn die karmische Vergeltung erschöpft ist,
erneut zurück
und zerstreuen sich
in die verschiedenen Daseinsbereiche.

Ānanda,
es gibt weiterhin Menschen,
die nicht nach dauerhafter Beständigkeit streben
und die Bindung
an Ehepartner und vertraute Beziehungen
noch nicht vollständig loslassen können.
Doch innerhalb des verkehrten Begehrens
lässt ihr Geist nicht ausufern;
er wird klar
und bringt Leuchten hervor.
Nach dem Tod
gelangen sie in die Nähe
von Sonne und Mond.
Solche nennt man
die Himmel der Vier Großen Könige.

Bei jenen,
deren sexuelle Bindung
an die eigenen Ehepartner
nur noch gering ist
und die im reinen Zusammenleben
keine volle Lust mehr empfinden,
übertrifft das Leuchten nach dem Tod
das von Sonne und Mond.
Sie verweilen
auf der Spitze des Menschenbereichs.
Solche nennt man
die Himmel der Dreiunddreißig.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt zieht eine klare Linie zwischen drei Wegen:

1. Sonderwege ohne Erwachen

Die „Unsterblichen“:
• haben Kraft
• haben lange Lebensdauer
• haben Rückzug

Aber:

Ohne Samādhi endet alles wieder im Kreislauf.

Langlebigkeit ist kein Ausstieg.



2. Himmel als Verfeinerung, nicht als Ziel

Die ersten Himmel entstehen durch:
• Begrenzung des Begehrens
• Klärung, nicht Auslöschung
• ethische Ordnung im Begehren

Darum:

Nähe zu Sonne und Mond
= gesteigertes Bewusstsein,
aber noch Bindung.



3. Sexualethik ohne Moralismus

Der Text ist hier nüchtern:
• nicht Unterdrückung
• nicht Verdrängung
• sondern Nicht-Ausarten

Begehren wird verfeinert,
nicht transzendiert.



4. Übergang

Im nächsten Abschnitt führt der Buddha weiter
durch die höheren Himmel
und zeigt, wie fortschreitende Verfeinerung
zu immer subtileren Daseinsformen führt –
bis an die Grenze des Formlosen.
中文原文
阿難!是等皆於人中鍊心,不[11]循正覺,別得生理,壽千萬歲,休止深山、或大海島,絕於人境。斯亦輪迴妄想流轉。不修三昧,報盡還來!散入諸趣。
「阿難!諸世間人不求常住,未能捨諸妻妾恩愛,於邪婬中心不流逸,澄瑩生明,命終之後隣於日月,如是一類名四天王天。於己妻房婬愛微薄,於淨居時不[12]得全味,命終之後超日月明,居人間頂,如是一類名忉利天。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
diese Wesen
haben ihren Geist im Menschenbereich verfeinert,
ohne jedoch
dem rechten Erwachen zu folgen.
Auf einem abweichenden Weg
erlangen sie besondere Lebensbedingungen,
leben über viele tausend oder zehntausend Jahre,
ziehen sich in tiefe Berge
oder auf große Inseln im Meer zurück
und sind vom menschlichen Umfeld getrennt.

Auch dies
ist ein Kreislauf
im Strom irrtümlicher Vorstellungen.
Da sie kein Samādhi kultivieren,
kehren sie,
wenn die karmische Vergeltung erschöpft ist,
erneut zurück
und zerstreuen sich
in die verschiedenen Daseinsbereiche.

Ānanda,
es gibt weiterhin Menschen,
die nicht nach dauerhafter Beständigkeit streben
und die Bindung
an Ehepartner und vertraute Beziehungen
noch nicht vollständig loslassen können.
Doch innerhalb des verkehrten Begehrens
lässt ihr Geist nicht ausufern;
er wird klar
und bringt Leuchten hervor.
Nach dem Tod
gelangen sie in die Nähe
von Sonne und Mond.
Solche nennt man
die Himmel der Vier Großen Könige.

Bei jenen,
deren sexuelle Bindung
an die eigenen Ehepartner
nur noch gering ist
und die im reinen Zusammenleben
keine volle Lust mehr empfinden,
übertrifft das Leuchten nach dem Tod
das von Sonne und Mond.
Sie verweilen
auf der Spitze des Menschenbereichs.
Solche nennt man
die Himmel der Dreiunddreißig.“
Kommentar
Dieser Abschnitt zieht eine klare Linie zwischen drei Wegen:

1. Sonderwege ohne Erwachen

Die „Unsterblichen“:
• haben Kraft
• haben lange Lebensdauer
• haben Rückzug

Aber:

Ohne Samādhi endet alles wieder im Kreislauf.

Langlebigkeit ist kein Ausstieg.



2. Himmel als Verfeinerung, nicht als Ziel

Die ersten Himmel entstehen durch:
• Begrenzung des Begehrens
• Klärung, nicht Auslöschung
• ethische Ordnung im Begehren

Darum:

Nähe zu Sonne und Mond
= gesteigertes Bewusstsein,
aber noch Bindung.



3. Sexualethik ohne Moralismus

Der Text ist hier nüchtern:
• nicht Unterdrückung
• nicht Verdrängung
• sondern Nicht-Ausarten

Begehren wird verfeinert,
nicht transzendiert.



4. Übergang

Im nächsten Abschnitt führt der Buddha weiter
durch die höheren Himmel
und zeigt, wie fortschreitende Verfeinerung
zu immer subtileren Daseinsformen führt –
bis an die Grenze des Formlosen.
324 #
逢欲暫交,去無思憶,於人間[13]世動少靜多,命終之後,於虛空中朗然安住;日月光明上照不及,是諸人等自有光明,如是一類名須焰摩天。一切時靜,有應觸來未能違戾,命終之後上昇精微;不接下界諸人天境,乃至劫壞三災不及,如是一類名兜率陀天。我無欲心應汝行事,於橫陳時味如嚼蠟,命終之後生越化地,如是一類名樂變化天。無世間心同世行事,於行事交了然超越,命終之後,遍能出超化無化境,如是一類名他化自在天。阿難!如是六天,形雖出動,心跡尚交。自[1]此已還,名為欲界。
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第八
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
wenn Begierde nur vorübergehend entsteht
und danach ohne gedankliches Festhalten vergeht,
wenn im menschlichen Leben
Bewegung gering
und Ruhe vorherrschend ist,
so verweilt man nach dem Tod
klar und ruhig
im leeren Raum.
Das Licht von Sonne und Mond
reicht hier nicht mehr hinauf;
diese Wesen
verfügen über eigenes Leuchten.
Dies nennt man
den Himmel der Suyāma.

Wenn durchgehend Ruhe besteht
und selbst bei aufkommender Berührung
keine Gegenreaktion entsteht,
so steigt man nach dem Tod
in äußerst feine Bereiche auf.
Man hat keinen Kontakt mehr
zu den unteren Bereichen
von Menschen und Göttern;
selbst bei der Zerstörung eines Kalpas
durch die drei großen Katastrophen
wird man nicht erreicht.
Dies nennt man
den Himmel der Tuṣita.

Wenn kein begehrender Geist mehr vorhanden ist
und man dennoch
äußeren Handlungen entspricht,
wenn Berührung
wie das Kauen von Wachs erscheint,
so wird man nach dem Tod
im Bereich der Verwandlung geboren.
Dies nennt man
den Himmel der Freude an Verwandlung.

Wenn kein weltlicher Geist mehr vorhanden ist
und man dennoch
mit der Welt gemeinsam handelt,
dabei aber
klar und vollständig darüber hinaus ist,
so kann man nach dem Tod
in allen Bereichen erscheinen,
jenseits von Verwandlung
und Nicht-Verwandlung.
Dies nennt man
den Himmel der anderen Verwandlungen frei Verfügenden.

Ānanda,
diese sechs Himmel:
Obwohl ihre Formen
Bewegung überschreiten,
sind die Spuren des Geistes
noch in wechselseitigem Kontakt.

Von hier an
spricht man
vom Begehrenbereich.“
Kommentar öffnen
Dieser Schlussabschnitt vollendet die Kosmologie des Begehrens.

1. Steigende Verfeinerung – keine Befreiung

Alle sechs Himmel:
• beruhen auf verfeinertem Begehren
• zeigen zunehmende Ruhe und Klarheit
• sind jedoch nicht frei von Wechselwirkung

Darum:

noch Begehrenbereich (欲界).



2. Eigenes Leuchten ≠ Erwachen

„Eigenes Licht“ bedeutet:
• innere Klarheit
• Selbststabilität

Aber:

kein Durchschauen von Geburt und Tod.



3. Der kritische Satz

心跡尚交
Die Spuren des Geistes stehen noch in Wechselwirkung.

Solange Spur bleibt,
bleibt Kreislauf.



4. Abschluss von Rolle 8

Rolle 8 hat nun vollständig gezeigt:
• Hölle → Geist → Tier → Mensch → Himmel
• alles aus einem Mechanismus
• alles nicht ursprünglich
• alles auflösbar

Der Text endet nicht mit Verheißung,
sondern mit klarer Grenzziehung.
中文原文
逢欲暫交,去無思憶,於人間[13]世動少靜多,命終之後,於虛空中朗然安住;日月光明上照不及,是諸人等自有光明,如是一類名須焰摩天。一切時靜,有應觸來未能違戾,命終之後上昇精微;不接下界諸人天境,乃至劫壞三災不及,如是一類名兜率陀天。我無欲心應汝行事,於橫陳時味如嚼蠟,命終之後生越化地,如是一類名樂變化天。無世間心同世行事,於行事交了然超越,命終之後,遍能出超化無化境,如是一類名他化自在天。阿難!如是六天,形雖出動,心跡尚交。自[1]此已還,名為欲界。
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第八
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda,
wenn Begierde nur vorübergehend entsteht
und danach ohne gedankliches Festhalten vergeht,
wenn im menschlichen Leben
Bewegung gering
und Ruhe vorherrschend ist,
so verweilt man nach dem Tod
klar und ruhig
im leeren Raum.
Das Licht von Sonne und Mond
reicht hier nicht mehr hinauf;
diese Wesen
verfügen über eigenes Leuchten.
Dies nennt man
den Himmel der Suyāma.

Wenn durchgehend Ruhe besteht
und selbst bei aufkommender Berührung
keine Gegenreaktion entsteht,
so steigt man nach dem Tod
in äußerst feine Bereiche auf.
Man hat keinen Kontakt mehr
zu den unteren Bereichen
von Menschen und Göttern;
selbst bei der Zerstörung eines Kalpas
durch die drei großen Katastrophen
wird man nicht erreicht.
Dies nennt man
den Himmel der Tuṣita.

Wenn kein begehrender Geist mehr vorhanden ist
und man dennoch
äußeren Handlungen entspricht,
wenn Berührung
wie das Kauen von Wachs erscheint,
so wird man nach dem Tod
im Bereich der Verwandlung geboren.
Dies nennt man
den Himmel der Freude an Verwandlung.

Wenn kein weltlicher Geist mehr vorhanden ist
und man dennoch
mit der Welt gemeinsam handelt,
dabei aber
klar und vollständig darüber hinaus ist,
so kann man nach dem Tod
in allen Bereichen erscheinen,
jenseits von Verwandlung
und Nicht-Verwandlung.
Dies nennt man
den Himmel der anderen Verwandlungen frei Verfügenden.

Ānanda,
diese sechs Himmel:
Obwohl ihre Formen
Bewegung überschreiten,
sind die Spuren des Geistes
noch in wechselseitigem Kontakt.

Von hier an
spricht man
vom Begehrenbereich.“
Kommentar
Dieser Schlussabschnitt vollendet die Kosmologie des Begehrens.

1. Steigende Verfeinerung – keine Befreiung

Alle sechs Himmel:
• beruhen auf verfeinertem Begehren
• zeigen zunehmende Ruhe und Klarheit
• sind jedoch nicht frei von Wechselwirkung

Darum:

noch Begehrenbereich (欲界).



2. Eigenes Leuchten ≠ Erwachen

„Eigenes Licht“ bedeutet:
• innere Klarheit
• Selbststabilität

Aber:

kein Durchschauen von Geburt und Tod.



3. Der kritische Satz

心跡尚交
Die Spuren des Geistes stehen noch in Wechselwirkung.

Solange Spur bleibt,
bleibt Kreislauf.



4. Abschluss von Rolle 8

Rolle 8 hat nun vollständig gezeigt:
• Hölle → Geist → Tier → Mensch → Himmel
• alles aus einem Mechanismus
• alles nicht ursprünglich
• alles auflösbar

Der Text endet nicht mit Verheißung,
sondern mit klarer Grenzziehung.
325 #
大佛頂如來密因修證了義諸菩薩萬行首楞嚴經卷第九[*](一名中印度那蘭陀大道場經,於灌頂部錄出別行)
[*]唐天竺沙門般剌蜜[*]帝[*]譯
「阿難!世間一切所修心人,不假禪那,無有智慧。但能執身不行婬[2]慾,若行、若坐想念俱無,愛染不生無留欲界;是人應念身為梵侶,如是一類名梵眾天。欲習既除,離欲心現,於諸律儀愛樂隨順,是人應時能行梵德,如是一類名梵輔天。身心妙圓,威儀不缺,清淨禁戒加以明悟,是人應時能統梵眾為大梵王,如是一類名大梵天。阿難!此三勝流,一切苦惱所不能逼。雖非正修真三摩地,清淨心中諸漏不動,名為初禪。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Alle Menschen der Welt,
die ihren Geist kultivieren,
erlangen ohne Dhyāna
keine Weisheit.

Wenn sie jedoch
allein den Körper behüten
und keine sexuelle Begierde ausüben,
ob im Gehen oder Sitzen,
wenn Vorstellungen und Gedanken
nicht entstehen,
liebendes Anhaften nicht aufkommt
und sie nicht
im Begierdebereich verbleiben,
dann betrachten sie
ihren Körper
als Brahma-Gefährten.
Diese Wesen
nennt man Brahma-Gefolgschaft-Himmel.

Wenn die Übung der Begierde
vollständig aufgehoben ist,
sich ein von Begierde gelöster Geist zeigt
und sie an Disziplinen
Gefallen finden
und ihnen bereitwillig folgen,
können sie
zur gegebenen Zeit
die brahmanische Tugend verwirklichen.
Diese Wesen
nennt man Brahma-Beistands-Himmel.

Wenn Körper und Geist
harmonisch und vollständig sind,
die Würde des Verhaltens
keinen Mangel aufweist
und reine Gebote
mit klarer Einsicht verbunden sind,
können sie
zur gegebenen Zeit
die Brahma-Gemeinschaft anführen
und Große Brahmā-Könige werden.
Diese Wesen
nennt man Großer-Brahmā-Himmel.

Ānanda!
Diese drei erhabenen Daseinsformen
werden von keinerlei Leiden bedrängt.
Obwohl sie
nicht die wahre,
rechte Dreifache Samādhi kultivieren,
bleiben in ihrem reinen Geist
die Ausströmungen unbewegt.
Dies nennt man
die Erste Dhyāna.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert einen entscheidenden Übergang:
von ethischer Selbstkontrolle hin zur strukturellen Begrenzung reiner Moral.

1. Ethik ohne Sammlung

Der Buddha sagt klar:
Ohne Dhyāna entsteht keine Weisheit.

Und dennoch beschreibt er hier Menschen,
die durch reine Verhaltensdisziplin
zu hohen Daseinsformen gelangen.

Das ist keine Abwertung,
sondern eine präzise Einordnung:
Ethik stabilisiert,
aber sie durchdringt nicht.

2. Die Logik der Brahma-Himmel

Die drei Brahma-Ebenen
sind keine Belohnungen,
sondern Resonanzräume:
• Begierde wird nicht unterdrückt,
sondern nicht mehr ausgeführt
• der Geist wird ruhig,
aber nicht durchschaut
• Reinheit entsteht,
aber ohne Erkenntnis des Ursprünglichen

Das Ergebnis:
Leidfreiheit ohne Befreiung.

3. Reiner Geist ≠ ursprünglicher Grund

Entscheidend ist der Satz:

„Im reinen Geist
bleiben die Ausströmungen unbewegt.“

Das bedeutet:
Die Lecks sind ruhiggestellt,
nicht aufgelöst.

Der Geist ist gereinigt,
aber der ursprüngliche Grund
ist nicht erkannt.

4. Moderne Entsprechung

In moderner Sprache:
Dies entspricht hochfunktionaler Selbstkontrolle,
asketischer Disziplin,
moralischer Integrität –
ohne strukturelle Einsicht
in die Natur von Wahrnehmung und Ich.

Das erklärt,
warum spirituelle Systeme
auch ohne Erwachen
stabil, friedlich
und scheinbar vollkommen wirken können.

5. Vorbereitung der nächsten Kritik

Mit diesem Abschnitt
legt das Sutra die Grundlage
für die folgende Zuspitzung:

Nicht jede Ruhe ist Befreiung.
Nicht jede Reinheit ist Erwachen.
Nicht jedes Leidenfreie ist frei.

Damit wird der Blick geschärft
für das,
was erst mit rechter Sammlung
und Einsicht möglich wird.

Präzisierung: Reiner Geist vs. ursprünglicher Grund

(im Licht der Ersten Versenkung, Rolle 9)

1. Was hier mit „reinem Geist“ gemeint ist

Der Text sagt ausdrücklich:

„清淨心中諸漏不動“
„Im reinen Geist bleiben die Ausströmungen unbewegt.“

Das ist kein ontologischer Zustand,
sondern ein funktionaler.

Der Geist ist hier:
• gesammelt
• stabil
• nicht mehr reaktiv
• ethisch geregelt
• innerlich ruhig

Aber:
Er ist immer noch Geist –
also eine Instanz von Ordnung, Kontrolle, Ausrichtung.

Der reine Geist ist eine erreichte Form.

Er ist:
• erzeugt
• gepflegt
• abhängig von Übung
• abhängig von Disziplin
• abhängig von Bedingungen

Er ist nicht 本然.

2. Was mit „ursprünglichem Grund“ gemeint ist

Der ursprüngliche Grund:
• ist nicht erzeugt
• nicht kultiviert
• nicht stabilisiert
• nicht gehalten

Er ist vor jeder Übung,
vor jeder Sammlung,
vor jeder Reinheit.

Er ist nicht ruhig,
weil er nie bewegt war.

Er ist nicht rein,
weil er nie verunreinigt war.

Er ist nicht frei von Ausströmungen,
sondern jenseits der Logik von Ausströmung.

Darum sagt das Sutra nicht:
„Der ursprüngliche Grund ist ruhig.“

Sondern:
Der ursprüngliche Grund
wird nicht berührt.

3. Der entscheidende Unterschied (in einer Linie)
• Reiner Geist:
Bewegung ist stillgelegt.
• Ursprünglicher Grund:
Bewegung war nie wirklich.

Das eine ist Beruhigung.
Das andere ist Durchschauen.

4. Warum die Erste Versenkung hier bewusst relativiert wird

Der Buddha sagt nicht:
„Diese Menschen irren.“

Er sagt:
„Dies ist nicht die wahre rechte Samadhi.“

Warum?

Weil hier noch gilt:

„Ich halte Reinheit aufrecht.“

Und solange jemand Reinheit hält,
gibt es noch:
• einen Haltenden
• ein Gehaltenes
• eine subtile Trennung

Der ursprüngliche Grund
kennt kein Halten.

5. Moderne Analogie (präzise, nicht polemisch)

Man könnte sagen:

Der reine Geist entspricht:
• emotionaler Selbstregulation
• ethischer Kohärenz
• stabiler Aufmerksamkeit
• hoher Selbstdisziplin

Das ist enorm wertvoll.
Aber:

Es beantwortet nicht die Frage:

„Wer reguliert hier wen?“

Der ursprüngliche Grund
ist dort,
wo diese Frage nicht mehr sinnvoll ist.

6. Warum diese Präzisierung für den weiteren Text entscheidend ist

Rolle 9 wird jetzt systematisch zeigen:
• wie jede Stufe der Versenkung
subtil an einem „Geist-Standpunkt“ haftet
• wie selbst höchste Ruhe
noch Wiedergeburt erzeugt
• warum nur Erkenntnis des Ursprünglichen
nicht mehr fällt

Ohne diese Unterscheidung
würde man die folgenden Abschnitte
als Hierarchie von Erfolgen lesen.

Mit ihr erkennt man:
Es ist eine Kartographie von Verfehlungen,
nicht von Errungenschaften.
中文原文
大佛頂如來密因修證了義諸菩薩萬行首楞嚴經卷第九[*](一名中印度那蘭陀大道場經,於灌頂部錄出別行)
[*]唐天竺沙門般剌蜜[*]帝[*]譯
「阿難!世間一切所修心人,不假禪那,無有智慧。但能執身不行婬[2]慾,若行、若坐想念俱無,愛染不生無留欲界;是人應念身為梵侶,如是一類名梵眾天。欲習既除,離欲心現,於諸律儀愛樂隨順,是人應時能行梵德,如是一類名梵輔天。身心妙圓,威儀不缺,清淨禁戒加以明悟,是人應時能統梵眾為大梵王,如是一類名大梵天。阿難!此三勝流,一切苦惱所不能逼。雖非正修真三摩地,清淨心中諸漏不動,名為初禪。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Alle Menschen der Welt,
die ihren Geist kultivieren,
erlangen ohne Dhyāna
keine Weisheit.

Wenn sie jedoch
allein den Körper behüten
und keine sexuelle Begierde ausüben,
ob im Gehen oder Sitzen,
wenn Vorstellungen und Gedanken
nicht entstehen,
liebendes Anhaften nicht aufkommt
und sie nicht
im Begierdebereich verbleiben,
dann betrachten sie
ihren Körper
als Brahma-Gefährten.
Diese Wesen
nennt man Brahma-Gefolgschaft-Himmel.

Wenn die Übung der Begierde
vollständig aufgehoben ist,
sich ein von Begierde gelöster Geist zeigt
und sie an Disziplinen
Gefallen finden
und ihnen bereitwillig folgen,
können sie
zur gegebenen Zeit
die brahmanische Tugend verwirklichen.
Diese Wesen
nennt man Brahma-Beistands-Himmel.

Wenn Körper und Geist
harmonisch und vollständig sind,
die Würde des Verhaltens
keinen Mangel aufweist
und reine Gebote
mit klarer Einsicht verbunden sind,
können sie
zur gegebenen Zeit
die Brahma-Gemeinschaft anführen
und Große Brahmā-Könige werden.
Diese Wesen
nennt man Großer-Brahmā-Himmel.

Ānanda!
Diese drei erhabenen Daseinsformen
werden von keinerlei Leiden bedrängt.
Obwohl sie
nicht die wahre,
rechte Dreifache Samādhi kultivieren,
bleiben in ihrem reinen Geist
die Ausströmungen unbewegt.
Dies nennt man
die Erste Dhyāna.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert einen entscheidenden Übergang:
von ethischer Selbstkontrolle hin zur strukturellen Begrenzung reiner Moral.

1. Ethik ohne Sammlung

Der Buddha sagt klar:
Ohne Dhyāna entsteht keine Weisheit.

Und dennoch beschreibt er hier Menschen,
die durch reine Verhaltensdisziplin
zu hohen Daseinsformen gelangen.

Das ist keine Abwertung,
sondern eine präzise Einordnung:
Ethik stabilisiert,
aber sie durchdringt nicht.

2. Die Logik der Brahma-Himmel

Die drei Brahma-Ebenen
sind keine Belohnungen,
sondern Resonanzräume:
• Begierde wird nicht unterdrückt,
sondern nicht mehr ausgeführt
• der Geist wird ruhig,
aber nicht durchschaut
• Reinheit entsteht,
aber ohne Erkenntnis des Ursprünglichen

Das Ergebnis:
Leidfreiheit ohne Befreiung.

3. Reiner Geist ≠ ursprünglicher Grund

Entscheidend ist der Satz:

„Im reinen Geist
bleiben die Ausströmungen unbewegt.“

Das bedeutet:
Die Lecks sind ruhiggestellt,
nicht aufgelöst.

Der Geist ist gereinigt,
aber der ursprüngliche Grund
ist nicht erkannt.

4. Moderne Entsprechung

In moderner Sprache:
Dies entspricht hochfunktionaler Selbstkontrolle,
asketischer Disziplin,
moralischer Integrität –
ohne strukturelle Einsicht
in die Natur von Wahrnehmung und Ich.

Das erklärt,
warum spirituelle Systeme
auch ohne Erwachen
stabil, friedlich
und scheinbar vollkommen wirken können.

5. Vorbereitung der nächsten Kritik

Mit diesem Abschnitt
legt das Sutra die Grundlage
für die folgende Zuspitzung:

Nicht jede Ruhe ist Befreiung.
Nicht jede Reinheit ist Erwachen.
Nicht jedes Leidenfreie ist frei.

Damit wird der Blick geschärft
für das,
was erst mit rechter Sammlung
und Einsicht möglich wird.

Präzisierung: Reiner Geist vs. ursprünglicher Grund

(im Licht der Ersten Versenkung, Rolle 9)

1. Was hier mit „reinem Geist“ gemeint ist

Der Text sagt ausdrücklich:

„清淨心中諸漏不動“
„Im reinen Geist bleiben die Ausströmungen unbewegt.“

Das ist kein ontologischer Zustand,
sondern ein funktionaler.

Der Geist ist hier:
• gesammelt
• stabil
• nicht mehr reaktiv
• ethisch geregelt
• innerlich ruhig

Aber:
Er ist immer noch Geist –
also eine Instanz von Ordnung, Kontrolle, Ausrichtung.

Der reine Geist ist eine erreichte Form.

Er ist:
• erzeugt
• gepflegt
• abhängig von Übung
• abhängig von Disziplin
• abhängig von Bedingungen

Er ist nicht 本然.

2. Was mit „ursprünglichem Grund“ gemeint ist

Der ursprüngliche Grund:
• ist nicht erzeugt
• nicht kultiviert
• nicht stabilisiert
• nicht gehalten

Er ist vor jeder Übung,
vor jeder Sammlung,
vor jeder Reinheit.

Er ist nicht ruhig,
weil er nie bewegt war.

Er ist nicht rein,
weil er nie verunreinigt war.

Er ist nicht frei von Ausströmungen,
sondern jenseits der Logik von Ausströmung.

Darum sagt das Sutra nicht:
„Der ursprüngliche Grund ist ruhig.“

Sondern:
Der ursprüngliche Grund
wird nicht berührt.

3. Der entscheidende Unterschied (in einer Linie)
• Reiner Geist:
Bewegung ist stillgelegt.
• Ursprünglicher Grund:
Bewegung war nie wirklich.

Das eine ist Beruhigung.
Das andere ist Durchschauen.

4. Warum die Erste Versenkung hier bewusst relativiert wird

Der Buddha sagt nicht:
„Diese Menschen irren.“

Er sagt:
„Dies ist nicht die wahre rechte Samadhi.“

Warum?

Weil hier noch gilt:

„Ich halte Reinheit aufrecht.“

Und solange jemand Reinheit hält,
gibt es noch:
• einen Haltenden
• ein Gehaltenes
• eine subtile Trennung

Der ursprüngliche Grund
kennt kein Halten.

5. Moderne Analogie (präzise, nicht polemisch)

Man könnte sagen:

Der reine Geist entspricht:
• emotionaler Selbstregulation
• ethischer Kohärenz
• stabiler Aufmerksamkeit
• hoher Selbstdisziplin

Das ist enorm wertvoll.
Aber:

Es beantwortet nicht die Frage:

„Wer reguliert hier wen?“

Der ursprüngliche Grund
ist dort,
wo diese Frage nicht mehr sinnvoll ist.

6. Warum diese Präzisierung für den weiteren Text entscheidend ist

Rolle 9 wird jetzt systematisch zeigen:
• wie jede Stufe der Versenkung
subtil an einem „Geist-Standpunkt“ haftet
• wie selbst höchste Ruhe
noch Wiedergeburt erzeugt
• warum nur Erkenntnis des Ursprünglichen
nicht mehr fällt

Ohne diese Unterscheidung
würde man die folgenden Abschnitte
als Hierarchie von Erfolgen lesen.

Mit ihr erkennt man:
Es ist eine Kartographie von Verfehlungen,
nicht von Errungenschaften.
326 #
「阿難!其次梵天,統攝梵人圓滿梵行,澄心不動寂湛生光,如是一類名少光天。光光相然,照耀無盡,映十方界遍成瑠璃,如是一類名無量光天。吸持圓光,成就教體,發化清淨,應用無盡,如是一類名光音天。阿難!此三勝流,一切憂[3]懸所不能逼。雖非正修真三摩地,清淨心中麁漏已伏,名為二禪。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Darauf folgen die Brahma-Himmel,
die die Brahma-Wesen führen
und die brahmanische Praxis
zur Vollendung bringen.

Der Geist ist geklärt,
unbeweglich,
still und tief gesammelt,
und aus dieser Stille
entsteht Leuchten.
Diese Wesen
nennt man den Wenig-Licht-Himmel.

Licht begegnet Licht,
erhellt sich gegenseitig,
das Leuchten ist grenzenlos
und durchdringt die zehn Richtungen,
so dass alle Bereiche
wie Lapislazuli erscheinen.
Diese Wesen
nennt man den Unermesslich-Licht-Himmel.

Sie nehmen das vollkommene Licht auf
und bewahren es,
formen daraus
die Grundlage der Lehre,
lassen reine Wandlung hervorgehen
und wirken ohne Ende.
Diese Wesen
nennt man den Licht-Klang-Himmel.

Ānanda!
Diese drei erhabenen Daseinsformen
werden von keiner Sorge
und keiner Bedrängnis bedrängt.
Obwohl sie
nicht die wahre,
rechte Samādhi kultivieren,
sind im reinen Geist
die groben Ausströmungen
bereits unterdrückt.
Dies nennt man
die Zweite Versenkung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vertieft die innere Verfeinerung des Geistes –
und macht zugleich deutlicher, warum auch diese Stufe nicht Befreiung ist.

1. Von Ruhe zu Leuchten

In der Ersten Versenkung:
• Begierde ist beruhigt
• Ethik stabilisiert den Geist

In der Zweiten Versenkung:
• Stille wird lichtvoll
• Sammlung erzeugt Erfahrungsqualität

Das Leuchten ist kein Symbol,
sondern ein phänomenales Resultat:
Klarheit, Weite, Durchdringung.

2. Licht als subtile Objektivierung

Entscheidend:
Das Licht wird wahrgenommen,
gesammelt,
bewahrt,
verwendet.

Damit ist es:
• ein Phänomen
• ein Inhalt des Geistes
• subtil objektiviert

So fein es ist:
Es ist nicht der ursprüngliche Grund.

3. „Große Lecks“ sind gebunden – nicht beendet

Der Text sagt nun präzise:

„麁漏已伏“ – die groben Ausströmungen sind niedergehalten

Nicht:
aufgelöst,
durchschaut,
erloschen.

Das heißt:
• Reaktivität ist gebremst
• Identifikation ist verfeinert
• aber nicht durchtrennt

4. Gefahr der Verwechslung

Gerade hier entsteht
eine der gefährlichsten Verkennungen:

Leuchten wird mit Wahrheit verwechselt.
Durchdringung mit Ursprünglichkeit.
Wirksamkeit mit Erwachen.

Darum folgt erneut der Satz:

„Obwohl sie nicht die wahre rechte Samadhi kultivieren …“

5. Moderne Entsprechung

In heutiger Sprache:
Dies entspricht Zuständen
tiefer Klarheit,
erweiterter Wahrnehmung,
lichtvoller Präsenz,
hoher Wirksamkeit nach außen.

Solche Zustände
werden heute oft
als „Erleuchtung“ bezeichnet.

Das Sutra sagt nüchtern:
Nein.

Sie sind verfeinerter Geist,
nicht Erkenntnis des Ursprünglichen.

6. Dramaturgische Funktion im Sutra

Mit der Zweiten Versenkung
verschiebt sich der Fokus:
nicht mehr Moral,
sondern Erfahrung.

Und genau hier
beginnt die eigentliche Falle.

Je subtiler der Geist,
desto schwerer
ist die Unterscheidung.

Darauf bereitet dieser Abschnitt vor.
中文原文
「阿難!其次梵天,統攝梵人圓滿梵行,澄心不動寂湛生光,如是一類名少光天。光光相然,照耀無盡,映十方界遍成瑠璃,如是一類名無量光天。吸持圓光,成就教體,發化清淨,應用無盡,如是一類名光音天。阿難!此三勝流,一切憂[3]懸所不能逼。雖非正修真三摩地,清淨心中麁漏已伏,名為二禪。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Darauf folgen die Brahma-Himmel,
die die Brahma-Wesen führen
und die brahmanische Praxis
zur Vollendung bringen.

Der Geist ist geklärt,
unbeweglich,
still und tief gesammelt,
und aus dieser Stille
entsteht Leuchten.
Diese Wesen
nennt man den Wenig-Licht-Himmel.

Licht begegnet Licht,
erhellt sich gegenseitig,
das Leuchten ist grenzenlos
und durchdringt die zehn Richtungen,
so dass alle Bereiche
wie Lapislazuli erscheinen.
Diese Wesen
nennt man den Unermesslich-Licht-Himmel.

Sie nehmen das vollkommene Licht auf
und bewahren es,
formen daraus
die Grundlage der Lehre,
lassen reine Wandlung hervorgehen
und wirken ohne Ende.
Diese Wesen
nennt man den Licht-Klang-Himmel.

Ānanda!
Diese drei erhabenen Daseinsformen
werden von keiner Sorge
und keiner Bedrängnis bedrängt.
Obwohl sie
nicht die wahre,
rechte Samādhi kultivieren,
sind im reinen Geist
die groben Ausströmungen
bereits unterdrückt.
Dies nennt man
die Zweite Versenkung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vertieft die innere Verfeinerung des Geistes –
und macht zugleich deutlicher, warum auch diese Stufe nicht Befreiung ist.

1. Von Ruhe zu Leuchten

In der Ersten Versenkung:
• Begierde ist beruhigt
• Ethik stabilisiert den Geist

In der Zweiten Versenkung:
• Stille wird lichtvoll
• Sammlung erzeugt Erfahrungsqualität

Das Leuchten ist kein Symbol,
sondern ein phänomenales Resultat:
Klarheit, Weite, Durchdringung.

2. Licht als subtile Objektivierung

Entscheidend:
Das Licht wird wahrgenommen,
gesammelt,
bewahrt,
verwendet.

Damit ist es:
• ein Phänomen
• ein Inhalt des Geistes
• subtil objektiviert

So fein es ist:
Es ist nicht der ursprüngliche Grund.

3. „Große Lecks“ sind gebunden – nicht beendet

Der Text sagt nun präzise:

„麁漏已伏“ – die groben Ausströmungen sind niedergehalten

Nicht:
aufgelöst,
durchschaut,
erloschen.

Das heißt:
• Reaktivität ist gebremst
• Identifikation ist verfeinert
• aber nicht durchtrennt

4. Gefahr der Verwechslung

Gerade hier entsteht
eine der gefährlichsten Verkennungen:

Leuchten wird mit Wahrheit verwechselt.
Durchdringung mit Ursprünglichkeit.
Wirksamkeit mit Erwachen.

Darum folgt erneut der Satz:

„Obwohl sie nicht die wahre rechte Samadhi kultivieren …“

5. Moderne Entsprechung

In heutiger Sprache:
Dies entspricht Zuständen
tiefer Klarheit,
erweiterter Wahrnehmung,
lichtvoller Präsenz,
hoher Wirksamkeit nach außen.

Solche Zustände
werden heute oft
als „Erleuchtung“ bezeichnet.

Das Sutra sagt nüchtern:
Nein.

Sie sind verfeinerter Geist,
nicht Erkenntnis des Ursprünglichen.

6. Dramaturgische Funktion im Sutra

Mit der Zweiten Versenkung
verschiebt sich der Fokus:
nicht mehr Moral,
sondern Erfahrung.

Und genau hier
beginnt die eigentliche Falle.

Je subtiler der Geist,
desto schwerer
ist die Unterscheidung.

Darauf bereitet dieser Abschnitt vor.
327 #
「阿難!如是天人,圓光成音,披音露妙,發成精行,通寂滅樂,如是一類名少淨天。淨空現前,引發無際,身心輕安,成寂滅樂,如是一類名無量淨天。世界身心一切圓淨,淨德成就,勝託現前,歸寂滅樂,如是一類名遍淨天。阿難!此三勝流,具大隨順,身心安隱得無量樂。雖非正得真三摩地,安隱心中歡喜畢具,名為三禪。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Bei diesen Himmelswesen
wandelt sich das vollkommene Licht
zu Klang;
sie entfalten den Klang
und offenbaren das Wunderbare,
woraus eine verfeinerte Praxis entsteht
und die Freude
der Erlöschung durchdrungen wird.
Diese Wesen
nennt man den Wenig-Rein-Himmel.

Wenn der reine Raum
gegenwärtig ist
und sich grenzenlos öffnet,
Körper und Geist
leicht, ruhig und friedvoll werden
und die Freude der Erlöschung
vollständig verwirklicht ist,
nennt man sie
den Unermesslich-Rein-Himmel.

Wenn Welt,
Körper und Geist
in allem vollkommen rein sind,
die Tugend der Reinheit
zur Vollendung gelangt,
eine überlegene Verankerung
gegenwärtig wird
und sie zur Freude
der Erlöschung zurückkehren,
nennt man sie
den All-Rein-Himmel.

Ānanda!
Diese drei erhabenen Daseinsformen
verfügen über großes Sich-Fügen;
Körper und Geist
sind ruhig und sicher
und erlangen
unermessliche Freude.
Obwohl sie
nicht wahrhaft
die rechte Samādhi erlangen,
ist im ruhigen Geist
vollständige Freude vorhanden.
Dies nennt man
die Dritte Versenkung.“
Kommentar öffnen
Mit der Dritten Versenkung erreicht die Beschreibung
einen kritischen Wendepunkt:
Das Leiden ist nicht nur beruhigt,
sondern in Freude verwandelt.

1. Von Licht zu Klang

Der Übergang ist subtil:
• Zweite Versenkung: Licht
• Dritte Versenkung: Klang

Klang bedeutet:
Resonanz,
Durchdringung,
Antwort.

Der Geist erlebt sich nun
nicht nur als klar,
sondern als stimmig.

2. Freude der Erlöschung – ohne Erlöschen

Der Text spricht von:

„寂滅樂“ – Freude der Erlöschung

Aber:
Es ist eine erlebte Freude.

Damit bleibt:
• ein Erlebender
• ein Erleben
• ein Erlebtes

Erlöschung wird geschmeckt,
nicht vollzogen.

3. Reinheit als Totalisierung

In der höchsten Stufe:
Welt, Körper und Geist
sind „vollkommen rein“.

Das ist gefährlich,
weil nichts mehr
als unrein erscheint.

Wo nichts mehr stört,
gibt es keinen Anlass mehr,
zu durchschauen.

4. „Großes Mitgehen“ – subtile Bindung

„大隨順“ bedeutet:
vollständiges Sich-Fügen,
keine Reibung,
kein Widerstand.

Doch genau hier
liegt die letzte Bindung:
Zustimmung ersetzt Erkenntnis.

5. Moderne Parallele

Diese Stufe entspricht Zuständen:
tiefer Glückseligkeit,
vollständiger Akzeptanz,
innerer Harmonie,
Transpersonalität ohne Bruch.

In moderner Spiritualität
wird dies oft
als Ziel verstanden.

Das Sutra sagt:
Nein.

Es ist vollendete Erfahrung,
nicht Befreiung.

6. Dramaturgische Zuspitzung

Nach Moral (1. Dhyana)
und Erfahrung (2. Dhyana)
kommt nun Glück (3. Dhyana).

Und gerade hier
ist das Loslassen
am unwahrscheinlichsten.

Darum wird der Text
im nächsten Schritt
radikal nüchtern:

Was geschieht,
wenn selbst Freude
erlischt?
中文原文
「阿難!如是天人,圓光成音,披音露妙,發成精行,通寂滅樂,如是一類名少淨天。淨空現前,引發無際,身心輕安,成寂滅樂,如是一類名無量淨天。世界身心一切圓淨,淨德成就,勝託現前,歸寂滅樂,如是一類名遍淨天。阿難!此三勝流,具大隨順,身心安隱得無量樂。雖非正得真三摩地,安隱心中歡喜畢具,名為三禪。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Bei diesen Himmelswesen
wandelt sich das vollkommene Licht
zu Klang;
sie entfalten den Klang
und offenbaren das Wunderbare,
woraus eine verfeinerte Praxis entsteht
und die Freude
der Erlöschung durchdrungen wird.
Diese Wesen
nennt man den Wenig-Rein-Himmel.

Wenn der reine Raum
gegenwärtig ist
und sich grenzenlos öffnet,
Körper und Geist
leicht, ruhig und friedvoll werden
und die Freude der Erlöschung
vollständig verwirklicht ist,
nennt man sie
den Unermesslich-Rein-Himmel.

Wenn Welt,
Körper und Geist
in allem vollkommen rein sind,
die Tugend der Reinheit
zur Vollendung gelangt,
eine überlegene Verankerung
gegenwärtig wird
und sie zur Freude
der Erlöschung zurückkehren,
nennt man sie
den All-Rein-Himmel.

Ānanda!
Diese drei erhabenen Daseinsformen
verfügen über großes Sich-Fügen;
Körper und Geist
sind ruhig und sicher
und erlangen
unermessliche Freude.
Obwohl sie
nicht wahrhaft
die rechte Samādhi erlangen,
ist im ruhigen Geist
vollständige Freude vorhanden.
Dies nennt man
die Dritte Versenkung.“
Kommentar
Mit der Dritten Versenkung erreicht die Beschreibung
einen kritischen Wendepunkt:
Das Leiden ist nicht nur beruhigt,
sondern in Freude verwandelt.

1. Von Licht zu Klang

Der Übergang ist subtil:
• Zweite Versenkung: Licht
• Dritte Versenkung: Klang

Klang bedeutet:
Resonanz,
Durchdringung,
Antwort.

Der Geist erlebt sich nun
nicht nur als klar,
sondern als stimmig.

2. Freude der Erlöschung – ohne Erlöschen

Der Text spricht von:

„寂滅樂“ – Freude der Erlöschung

Aber:
Es ist eine erlebte Freude.

Damit bleibt:
• ein Erlebender
• ein Erleben
• ein Erlebtes

Erlöschung wird geschmeckt,
nicht vollzogen.

3. Reinheit als Totalisierung

In der höchsten Stufe:
Welt, Körper und Geist
sind „vollkommen rein“.

Das ist gefährlich,
weil nichts mehr
als unrein erscheint.

Wo nichts mehr stört,
gibt es keinen Anlass mehr,
zu durchschauen.

4. „Großes Mitgehen“ – subtile Bindung

„大隨順“ bedeutet:
vollständiges Sich-Fügen,
keine Reibung,
kein Widerstand.

Doch genau hier
liegt die letzte Bindung:
Zustimmung ersetzt Erkenntnis.

5. Moderne Parallele

Diese Stufe entspricht Zuständen:
tiefer Glückseligkeit,
vollständiger Akzeptanz,
innerer Harmonie,
Transpersonalität ohne Bruch.

In moderner Spiritualität
wird dies oft
als Ziel verstanden.

Das Sutra sagt:
Nein.

Es ist vollendete Erfahrung,
nicht Befreiung.

6. Dramaturgische Zuspitzung

Nach Moral (1. Dhyana)
und Erfahrung (2. Dhyana)
kommt nun Glück (3. Dhyana).

Und gerade hier
ist das Loslassen
am unwahrscheinlichsten.

Darum wird der Text
im nächsten Schritt
radikal nüchtern:

Was geschieht,
wenn selbst Freude
erlischt?
328 #
「阿難![4]復次,天人不逼身心,苦因已盡;樂非常住,久必壞生,苦樂二心俱時頓捨。麁重相滅,淨福性生,如是一類名福生天。捨心圓融,勝解清淨,福無遮中得妙隨順,窮未來際,如是一類名福愛天。阿難!從是天中有二[A1]歧路:若於先心,無量淨光福德圓明修證而住,如是一類名廣果天。若於先心,雙厭苦樂,精研捨心相續不斷,圓窮捨道身心俱滅,心慮灰凝經五百劫;是人既以生滅為因,不能發明不生滅性,初半劫滅,後半劫生,如是一類名無想天。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
In der folgenden Stufe
werden die Himmelswesen
nicht mehr
durch Körper oder Geist bedrängt;
die Ursachen des Leidens
sind erschöpft.

Doch Freude
ist nicht beständig.
Verweilt sie zu lange,
führt sie notwendig
zu Zerfall und erneutem Entstehen.
Daher werden
die beiden Geisteshaltungen
von Leid und Freude
zugleich
plötzlich losgelassen.

Mit dem Erlöschen
der groben und schweren Merkmale
entsteht die reine Natur
des Verdienstes.
Diese Wesen
nennt man den Glück-Geburt-Himmel.

Wenn das Herz des Aufgebens
vollständig durchdringend wird,
überlegene Einsicht
rein und klar ist,
und innerhalb
unbegrenzter Verdienste
wunderbare Entsprechung erlangt wird,
die bis an die Grenze
der zukünftigen Zeit reicht,
nennt man sie
den Glück-Liebe-Himmel.

Ānanda!
Von diesen Himmeln aus
öffnen sich zwei Wege:

Wenn man
im zuvor erreichten Geist
verweilt
und durch unermesslich reines Licht
Verdienst und Klarheit
vollendet kultiviert
und darin verbleibt,
nennt man sie
den Weitreichende-Frucht-Himmel.

Wenn man hingegen
im zuvor erreichten Geist
Leid und Freude
gleichermaßen ablehnt,
das Aufgeben
gründlich erforscht
und ununterbrochen fortsetzt,
den Weg des Aufgebens
vollständig ausschöpft,
so dass Körper und Geist
beide zum Erlöschen kommen,
und Denken und Erwägen
für fünfhundert Kalpas
erstarren –
diese Wesen
nehmen Entstehen und Vergehen
als Ursache
und vermögen daher
die Natur des Nicht-Entstehens
und Nicht-Vergehens
nicht zu erhellen.
In der ersten Hälfte
eines Kalpas
erlöschen sie,
in der zweiten Hälfte
entstehen sie erneut.
Diese Wesen
nennt man den Nicht-Denken-Himmel.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt bildet den kritischen Höhepunkt der Formwelt
und enthält eine der schärfsten Diagnosen des Sutras.

1. Aufgabe von Leid und Freude

Erstmals wird gesagt:
Nicht nur Leid,
sondern auch Freude
muss aufgegeben werden.

Das ist entscheidend:
Solange Freude als Gegenpol zu Leid besteht,
bleibt Dualität bestehen.

Doch:
Das bloße Aufgeben beider
ist noch kein Durchschauen.

2. Verdienst statt Erkenntnis

Mit dem Erlöschen
der groben Erscheinungen
entsteht „reiner Verdienst“.

Verdienst:
• stabilisiert Existenz
• verlängert Dasein
• verfeinert Wiedergeburt

Er befreit nicht.

Das Sutra trennt hier
radikal:
Verdienst ≠ Erwachen.

3. Die erste Abzweigung: Weitreichende Frucht

Der erste Weg
bleibt im verfeinerten Geist
und perfektioniert ihn.

Das Resultat:
höchste Stabilität,
längste Dauer,
größte Reichweite –
aber weiterhin Dasein.

Dies ist der Gipfel
spiritueller Optimierung.

4. Die zweite Abzweigung: Nicht-Denken als Sackgasse

Der zweite Weg
ist subtiler – und gefährlicher.

Hier wird:
• Leiden gehasst
• Freude gehasst
• Denken selbst ausgelöscht

Doch:
Das Nicht-Denken
wird hergestellt.

Darum sagt der Text:

„Sie nehmen Werden und Vergehen als Ursache.“

Sie versuchen,
Geborenes
mit geborenen Mitteln
zu beenden.

Das kann nur
zeitweilige Auslöschung erzeugen.

5. Moderne Entsprechung (ungewöhnlich klar)

Dies entspricht Zuständen:
• vollständiger innerer Abschaltung
• dissoziativer Leere
• bewusstseinsloser Ruhe
• künstlicher Transzendenz

Heute oft missverstanden
als „reines Gewahrsein“.

Das Sutra ist eindeutig:
Nein.

Es ist Unterdrückung ohne Einsicht.

6. Die letzte Grenze des Geistes

Mit diesem Abschnitt
ist alles ausgeschöpft,
was Geist leisten kann:
• Moral
• Sammlung
• Licht
• Freude
• Aufgeben
• Leere

Nichts davon
durchschaut den ursprünglichen Grund.

Darum ist dies
der letzte Himmel
vor dem Bruch.

Die „Nicht-Denken-Falle“ (無想) – eine präzise Analyse

1. Warum sie im Sutra so ausführlich behandelt wird

Der Buddha widmet keiner anderen Verfehlung
innerhalb der meditativen Zustände
eine derart scharfe, technische Beschreibung.

Warum?

Weil dies die letzte und subtilste Verwechslung ist:
Nicht-Denken wird für Nicht-Geboren gehalten.

2. Was hier tatsächlich „nicht denkt“

Der Text sagt:

「心慮灰凝」
„Denken und Erwägen gerinnen zu Asche.“

Das ist kein Erwachen.
Das ist Stilllegung.

Es geschieht durch:
• systematische Aversion gegen Leid und Freude
• konsequentes Abschalten jeder mentalen Regung
• Dauerunterdrückung aller Inhalte

Das Ergebnis:
Kein Denken –
aber auch kein Erkennen.

3. Der entscheidende Satz des Sutras

「是人既以生滅為因,不能發明不生滅性」

„Diese Menschen nehmen Werden und Vergehen als Ursache
und können daher die Natur des Nicht-Entstehens
und Nicht-Vergehens nicht erhellen.“

Das ist der Schlüssel.

Sie benutzen entstandene Mittel,
um das Nicht-Entstandene zu erreichen.

Das ist logisch unmöglich.

4. Warum der Zustand so überzeugend wirkt

Der Nicht-Denken-Zustand ist:
• leidfrei
• spannungsfrei
• konfliktfrei
• zeitlos wirkend
• subjektlos wirkend

Er erfüllt alle phänomenalen Kriterien,
die Laien (und viele Lehrer)
mit Befreiung verwechseln.

Doch:
Er hat Dauer.
Und alles mit Dauer
ist bedingt.

5. Warum die Wiedergeburt unvermeidlich ist

Der Text sagt nüchtern:
• erste halbe Kalpa: „Erlöschen“
• zweite halbe Kalpa: „Wiederentstehen“

Warum?

Weil das karmische Potenzial
nicht aufgelöst wurde,
sondern eingefroren.

Nicht-Denken ist wie:
• ein Computer im Ruhemodus
• ein Feuer ohne Sauerstoff
• ein Körper in künstlichem Koma

Sobald Bedingungen zurückkehren,
kehrt Bewegung zurück.

6. Moderne Entsprechungen (heikel, aber nötig)

Diese Falle erscheint heute als:
• „reines Gewahrsein ohne Inhalt“
• „formlose Präsenz“
• „absolute Leere“
• „jenseits von Denken und Fühlen“
• dissoziative Stille
• medikamentös induzierte Klarheit
• extreme Achtsamkeitsreduktion

Das Sutra ist klar:
Wenn Erkennen nicht stattfindet,
ist es kein Erwachen – egal wie still.

7. Der entscheidende Unterschied: Nicht-Denken vs. Nicht-Gebunden-Denken

Erwachen bedeutet nicht:

Es denkt nicht.

Sondern:

Denken bindet nicht.

Nicht-Denken zerstört den Spiegel.
Nicht-Gebunden-Denken erkennt,
dass Spiegel und Bilder
nicht zwei sind.

8. Warum diese Falle so spirituell aussieht

Weil sie:
• Ego auflöst
• Identität abschaltet
• Sprache verstummen lässt
• subjektive Tiefe erzeugt

Aber:
Das Sutra interessiert sich nicht
für Tiefe,
sondern für Durchbruch.

9. Der stille Prüfstein (praktisch)

Ein einfacher Prüfstein,
den das Sutra implizit liefert:

Kann in diesem Zustand
Unterscheidung ohne Anhaften entstehen?

Wenn nein:
ist es Stilllegung.

Erwachen
verträgt Unterscheidung.

10. Warum das Sutra hier unerbittlich ist

Weil diese Falle:
• das Leiden scheinbar beendet
• Praxis scheinbar vollendet
• Suche scheinbar überflüssig macht

Und genau deshalb
endet sie oft
mit jahrzehntelanger Stagnation.

Darum nennt das Sutra sie
nicht „Irrtum“,
sondern beschreibt mechanisch,
warum sie nicht trägt.



Kurzfassung in einem Satz

Nicht-Denken ist ein Zustand.
Nicht-Geboren-Sein ist kein Zustand.
中文原文
「阿難![4]復次,天人不逼身心,苦因已盡;樂非常住,久必壞生,苦樂二心俱時頓捨。麁重相滅,淨福性生,如是一類名福生天。捨心圓融,勝解清淨,福無遮中得妙隨順,窮未來際,如是一類名福愛天。阿難!從是天中有二[A1]歧路:若於先心,無量淨光福德圓明修證而住,如是一類名廣果天。若於先心,雙厭苦樂,精研捨心相續不斷,圓窮捨道身心俱滅,心慮灰凝經五百劫;是人既以生滅為因,不能發明不生滅性,初半劫滅,後半劫生,如是一類名無想天。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
In der folgenden Stufe
werden die Himmelswesen
nicht mehr
durch Körper oder Geist bedrängt;
die Ursachen des Leidens
sind erschöpft.

Doch Freude
ist nicht beständig.
Verweilt sie zu lange,
führt sie notwendig
zu Zerfall und erneutem Entstehen.
Daher werden
die beiden Geisteshaltungen
von Leid und Freude
zugleich
plötzlich losgelassen.

Mit dem Erlöschen
der groben und schweren Merkmale
entsteht die reine Natur
des Verdienstes.
Diese Wesen
nennt man den Glück-Geburt-Himmel.

Wenn das Herz des Aufgebens
vollständig durchdringend wird,
überlegene Einsicht
rein und klar ist,
und innerhalb
unbegrenzter Verdienste
wunderbare Entsprechung erlangt wird,
die bis an die Grenze
der zukünftigen Zeit reicht,
nennt man sie
den Glück-Liebe-Himmel.

Ānanda!
Von diesen Himmeln aus
öffnen sich zwei Wege:

Wenn man
im zuvor erreichten Geist
verweilt
und durch unermesslich reines Licht
Verdienst und Klarheit
vollendet kultiviert
und darin verbleibt,
nennt man sie
den Weitreichende-Frucht-Himmel.

Wenn man hingegen
im zuvor erreichten Geist
Leid und Freude
gleichermaßen ablehnt,
das Aufgeben
gründlich erforscht
und ununterbrochen fortsetzt,
den Weg des Aufgebens
vollständig ausschöpft,
so dass Körper und Geist
beide zum Erlöschen kommen,
und Denken und Erwägen
für fünfhundert Kalpas
erstarren –
diese Wesen
nehmen Entstehen und Vergehen
als Ursache
und vermögen daher
die Natur des Nicht-Entstehens
und Nicht-Vergehens
nicht zu erhellen.
In der ersten Hälfte
eines Kalpas
erlöschen sie,
in der zweiten Hälfte
entstehen sie erneut.
Diese Wesen
nennt man den Nicht-Denken-Himmel.“
Kommentar
Dieser Abschnitt bildet den kritischen Höhepunkt der Formwelt
und enthält eine der schärfsten Diagnosen des Sutras.

1. Aufgabe von Leid und Freude

Erstmals wird gesagt:
Nicht nur Leid,
sondern auch Freude
muss aufgegeben werden.

Das ist entscheidend:
Solange Freude als Gegenpol zu Leid besteht,
bleibt Dualität bestehen.

Doch:
Das bloße Aufgeben beider
ist noch kein Durchschauen.

2. Verdienst statt Erkenntnis

Mit dem Erlöschen
der groben Erscheinungen
entsteht „reiner Verdienst“.

Verdienst:
• stabilisiert Existenz
• verlängert Dasein
• verfeinert Wiedergeburt

Er befreit nicht.

Das Sutra trennt hier
radikal:
Verdienst ≠ Erwachen.

3. Die erste Abzweigung: Weitreichende Frucht

Der erste Weg
bleibt im verfeinerten Geist
und perfektioniert ihn.

Das Resultat:
höchste Stabilität,
längste Dauer,
größte Reichweite –
aber weiterhin Dasein.

Dies ist der Gipfel
spiritueller Optimierung.

4. Die zweite Abzweigung: Nicht-Denken als Sackgasse

Der zweite Weg
ist subtiler – und gefährlicher.

Hier wird:
• Leiden gehasst
• Freude gehasst
• Denken selbst ausgelöscht

Doch:
Das Nicht-Denken
wird hergestellt.

Darum sagt der Text:

„Sie nehmen Werden und Vergehen als Ursache.“

Sie versuchen,
Geborenes
mit geborenen Mitteln
zu beenden.

Das kann nur
zeitweilige Auslöschung erzeugen.

5. Moderne Entsprechung (ungewöhnlich klar)

Dies entspricht Zuständen:
• vollständiger innerer Abschaltung
• dissoziativer Leere
• bewusstseinsloser Ruhe
• künstlicher Transzendenz

Heute oft missverstanden
als „reines Gewahrsein“.

Das Sutra ist eindeutig:
Nein.

Es ist Unterdrückung ohne Einsicht.

6. Die letzte Grenze des Geistes

Mit diesem Abschnitt
ist alles ausgeschöpft,
was Geist leisten kann:
• Moral
• Sammlung
• Licht
• Freude
• Aufgeben
• Leere

Nichts davon
durchschaut den ursprünglichen Grund.

Darum ist dies
der letzte Himmel
vor dem Bruch.

Die „Nicht-Denken-Falle“ (無想) – eine präzise Analyse

1. Warum sie im Sutra so ausführlich behandelt wird

Der Buddha widmet keiner anderen Verfehlung
innerhalb der meditativen Zustände
eine derart scharfe, technische Beschreibung.

Warum?

Weil dies die letzte und subtilste Verwechslung ist:
Nicht-Denken wird für Nicht-Geboren gehalten.

2. Was hier tatsächlich „nicht denkt“

Der Text sagt:

「心慮灰凝」
„Denken und Erwägen gerinnen zu Asche.“

Das ist kein Erwachen.
Das ist Stilllegung.

Es geschieht durch:
• systematische Aversion gegen Leid und Freude
• konsequentes Abschalten jeder mentalen Regung
• Dauerunterdrückung aller Inhalte

Das Ergebnis:
Kein Denken –
aber auch kein Erkennen.

3. Der entscheidende Satz des Sutras

「是人既以生滅為因,不能發明不生滅性」

„Diese Menschen nehmen Werden und Vergehen als Ursache
und können daher die Natur des Nicht-Entstehens
und Nicht-Vergehens nicht erhellen.“

Das ist der Schlüssel.

Sie benutzen entstandene Mittel,
um das Nicht-Entstandene zu erreichen.

Das ist logisch unmöglich.

4. Warum der Zustand so überzeugend wirkt

Der Nicht-Denken-Zustand ist:
• leidfrei
• spannungsfrei
• konfliktfrei
• zeitlos wirkend
• subjektlos wirkend

Er erfüllt alle phänomenalen Kriterien,
die Laien (und viele Lehrer)
mit Befreiung verwechseln.

Doch:
Er hat Dauer.
Und alles mit Dauer
ist bedingt.

5. Warum die Wiedergeburt unvermeidlich ist

Der Text sagt nüchtern:
• erste halbe Kalpa: „Erlöschen“
• zweite halbe Kalpa: „Wiederentstehen“

Warum?

Weil das karmische Potenzial
nicht aufgelöst wurde,
sondern eingefroren.

Nicht-Denken ist wie:
• ein Computer im Ruhemodus
• ein Feuer ohne Sauerstoff
• ein Körper in künstlichem Koma

Sobald Bedingungen zurückkehren,
kehrt Bewegung zurück.

6. Moderne Entsprechungen (heikel, aber nötig)

Diese Falle erscheint heute als:
• „reines Gewahrsein ohne Inhalt“
• „formlose Präsenz“
• „absolute Leere“
• „jenseits von Denken und Fühlen“
• dissoziative Stille
• medikamentös induzierte Klarheit
• extreme Achtsamkeitsreduktion

Das Sutra ist klar:
Wenn Erkennen nicht stattfindet,
ist es kein Erwachen – egal wie still.

7. Der entscheidende Unterschied: Nicht-Denken vs. Nicht-Gebunden-Denken

Erwachen bedeutet nicht:

Es denkt nicht.

Sondern:

Denken bindet nicht.

Nicht-Denken zerstört den Spiegel.
Nicht-Gebunden-Denken erkennt,
dass Spiegel und Bilder
nicht zwei sind.

8. Warum diese Falle so spirituell aussieht

Weil sie:
• Ego auflöst
• Identität abschaltet
• Sprache verstummen lässt
• subjektive Tiefe erzeugt

Aber:
Das Sutra interessiert sich nicht
für Tiefe,
sondern für Durchbruch.

9. Der stille Prüfstein (praktisch)

Ein einfacher Prüfstein,
den das Sutra implizit liefert:

Kann in diesem Zustand
Unterscheidung ohne Anhaften entstehen?

Wenn nein:
ist es Stilllegung.

Erwachen
verträgt Unterscheidung.

10. Warum das Sutra hier unerbittlich ist

Weil diese Falle:
• das Leiden scheinbar beendet
• Praxis scheinbar vollendet
• Suche scheinbar überflüssig macht

Und genau deshalb
endet sie oft
mit jahrzehntelanger Stagnation.

Darum nennt das Sutra sie
nicht „Irrtum“,
sondern beschreibt mechanisch,
warum sie nicht trägt.



Kurzfassung in einem Satz

Nicht-Denken ist ein Zustand.
Nicht-Geboren-Sein ist kein Zustand.
329 #
阿難!此四勝流,一切世間諸苦樂境所不能動。雖非無為真不動地,有所得心功用純熟,名為四禪。
「阿難!此中復有五不還天。於下界中九品習氣,俱時滅盡,苦樂雙亡;下無卜居,故於捨心眾同分中,安立居處。阿難!苦樂兩滅,鬪心不交,如是一類名無煩天。機括獨行,研交無地,如是一類名無熱天。十方世界妙見圓澄,更無塵象一切沈垢,如是一類名善見天。精見現前,陶鑄無礙,如是一類名善現天。究竟群幾,窮色性性入無邊際,如是一類名色究竟天。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Diese vier erhabenen Daseinsformen
werden durch keinerlei
weltliche Zustände
von Leid oder Freude
mehr erschüttert.
Obwohl sie nicht
der ungewordene,
wirklich unbewegte Bereich sind,
ist der Geist,
der etwas erlangt hat,
in seiner Funktion
vollständig ausgereift.
Dies nennt man
die Vierte Versenkung.

Ānanda!
Innerhalb dieser Ebene
gibt es erneut
fünf Himmel der Nicht-Wiederkehr.
In den niederen Bereichen
erlöschen die neun Arten
gewohnheitsmäßiger Neigungen
zugleich vollständig;
Leid und Freude
sind beide aufgehoben.
Da es unten
keinen Ort mehr gibt,
an dem man verweilen könnte,
richten sie
innerhalb der gemeinsamen Sphäre
des Loslassens
ihren Aufenthaltsort ein.

Ānanda!
Wenn Leid und Freude
beide erloschen sind
und der kämpfende Geist
nicht mehr ineinandergreift,
nennt man dies
den Himmel ohne Unruhe.

Wenn die innere Funktionsweise
allein fortwirkt
und jede Suche nach Verbindung
keinen Ansatzpunkt mehr findet,
nennt man dies
den Himmel ohne Hitze.

Wenn in allen Welten
der zehn Richtungen
das wunderbare Sehen
vollkommen geklärt ist
und keinerlei Staubmerkmale
oder trübe Ablagerungen
mehr vorhanden sind,
nennt man dies
den Himmel des Guten Sehens.

Wenn verfeinerte Einsicht
gegenwärtig ist
und Gestalten und Durchdringung
ohne Hindernis erfolgen,
nennt man dies
den Himmel des Guten Erscheinens.

Wenn schließlich
alle subtilen Ansätze
vollständig ausgeschöpft sind
und die Natur der Form
bis an ihre äußerste Grenze
durchdrungen wird
und man in grenzenlose Weite eintritt,
nennt man dies
den Himmel der Vollendung der Form.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt schließt die gesamte Formwelt ab
und markiert eine entscheidende Schwelle.

1. Vier Dhyānas – ein abschließendes Urteil

Der Buddha fasst nüchtern zusammen:
Die vier Versenkungen
sind nicht mehr bewegbar –
aber nicht ungeworden.

Der entscheidende Ausdruck:

„有所得心“ – ein Geist, der etwas erlangt hat

Solange etwas erlangt wird,
ist Bewegung subtil vorhanden.

2. Die fünf Nicht-Wiederkehr-Himmel

Diese fünf Himmel
sind keine neuen Stufen der Tiefe,
sondern Feinabstufungen des Verweilens.

Gemeinsam ist ihnen:
• keine Rückkehr in grobe Bereiche
• vollständiges Erlöschen
gewohnheitsmäßiger Reaktionen
• Aufenthalt im Feld des Loslassens

Doch:
Es ist Aufenthalt.

3. Von Unruhe zu Formvollendung

Die Abfolge zeigt
keine Steigerung von Glück,
sondern eine Verfeinerung von Restform:
• keine Unruhe
• keine Hitze
• klares Sehen
• ungehinderte Erscheinung
• Ausschöpfung der Form selbst

Die Formwelt
wird vollständig durchlaufen,
nicht transzendiert.

4. Die letzte Grenze der Form

„色究竟“ – Vollendung der Form –
bedeutet:
Form ist bis zur letzten Möglichkeit
durchdrungen.

Aber:
Durchdringung ist noch Beziehung.

Erst jenseits davon
fällt auch diese.

5. Dramaturgische Funktion

Nach diesem Abschnitt
kann der Text nicht mehr
innerhalb der Formwelt bleiben.

Alles,
was gestaltbar,
erfahrbar,
verfeinerbar ist,
ist erschöpft.

Damit ist die Bühne bereitet
für den Übergang
in die Formlosigkeit
– und später
für deren vollständige Auflösung.

Nicht-Wiederkehr (不還) – eine präzise Einordnung

1. Was „Nicht-Wiederkehr“ nicht bedeutet

Zuerst die wichtigste Abgrenzung:

Nicht-Wiederkehr bedeutet nicht:
• endgültige Befreiung
• Erwachen
• Durchbruch zum Ungewordenen
• Ende von Geburt und Tod

Der Text sagt ausdrücklich:

„雖非無為真不動地“

Also:
Es ist nicht der ungewordene, wirklich unbewegte Bereich.

2. Was „Nicht-Wiederkehr“ konkret meint

Nicht-Wiederkehr heißt:

Keine Rückkehr in die niederen Bereiche der Formwelt.

Warum?

Weil:
• grobe Gewohnheiten erschöpft sind
• Leid und Freude beide abgelegt wurden
• Reaktivität nicht mehr greift

Der karmische Vektor
zeigt nur noch nach oben oder nach innen,
nicht mehr zurück.

3. Warum trotzdem „Wiederkehr“ stattfindet

Der Text spricht weiter von:
• Aufenthalt
• Wohnort
• Verweilen

Das ist entscheidend.

Nicht-Wiederkehr ist:

ein bleibendes Verweilen in verfeinerter Existenz

Solange es:
• Aufenthalt
• Dauer
• Stufe
• Bereich

gibt,
gibt es Werden.

Und wo Werden ist,
ist Wiederkehr –
wenn auch nur innerhalb
immer subtilerer Sphären.

4. Warum die fünf Nicht-Wiederkehr-Himmel nötig sind

Diese fünf Himmel zeigen:
Nicht-Wiederkehr ist kein Zustand,
sondern ein Spektrum von Stabilitäten.

Jede Stufe:
• entfernt weitere Restform
• klärt weitere Wahrnehmung
• reduziert weitere Dynamik

Aber:
Keine davon
durchschaut den Mechanismus selbst.

5. Die subtile Täuschung von „Sicherheit“

Nicht-Wiederkehr fühlt sich an wie:
• endgültige Ankunft
• letzte Sicherheit
• kein Risiko mehr
• kein Fallen mehr

Und genau das
macht sie gefährlich.

Denn:

Sicherheit ersetzt Einsicht.

Der Geist ruht –
aber erkennt nicht.

6. Moderne Entsprechung (vorsichtig formuliert)

Nicht-Wiederkehr entspricht heute oft:
• „Ich bin darüber hinaus“
• „Das betrifft mich nicht mehr“
• „Ich falle nicht mehr zurück“
• „Das ist abgeschlossen“

Das Sutra würde sagen:
Solange es noch
„mich“ gibt,
das nicht mehr zurückkehrt,
ist etwas geblieben.

7. Warum der Buddha diesen Begriff trotzdem benutzt

Nicht-Wiederkehr ist real,
relativ,
und bedeutsam.

Der Buddha leugnet sie nicht,
sondern verortet sie.

Sie ist:
• ein Ende von Gefahr
• ein Ende von Rückfall
• ein Ende grober Verstrickung

Aber:
nicht das Ende von Dasein.

8. Der entscheidende Prüfstein

Ein schlichter Prüfstein
aus dem Sutra selbst:

Gibt es hier noch
einen Ort,
an dem man verweilt?

Wenn ja:
ist es Nicht-Wiederkehr.

Erwachen
hat keinen Ort.

9. Die Rolle von „Nicht-Wiederkehr“ im Gesamtaufbau

Nicht-Wiederkehr ist die letzte Sicherung,
bevor der Text
die gesamte Logik von
Ort, Zustand und Stufe
aufgibt.

Sie markiert:
• das Ende der Gefahr
• aber noch nicht
das Ende der Illusion

10. Kurzfassung

Nicht-Wiederkehr heißt:
keine Rückkehr nach unten –
aber noch kein Heraustreten.
中文原文
阿難!此四勝流,一切世間諸苦樂境所不能動。雖非無為真不動地,有所得心功用純熟,名為四禪。
「阿難!此中復有五不還天。於下界中九品習氣,俱時滅盡,苦樂雙亡;下無卜居,故於捨心眾同分中,安立居處。阿難!苦樂兩滅,鬪心不交,如是一類名無煩天。機括獨行,研交無地,如是一類名無熱天。十方世界妙見圓澄,更無塵象一切沈垢,如是一類名善見天。精見現前,陶鑄無礙,如是一類名善現天。究竟群幾,窮色性性入無邊際,如是一類名色究竟天。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Diese vier erhabenen Daseinsformen
werden durch keinerlei
weltliche Zustände
von Leid oder Freude
mehr erschüttert.
Obwohl sie nicht
der ungewordene,
wirklich unbewegte Bereich sind,
ist der Geist,
der etwas erlangt hat,
in seiner Funktion
vollständig ausgereift.
Dies nennt man
die Vierte Versenkung.

Ānanda!
Innerhalb dieser Ebene
gibt es erneut
fünf Himmel der Nicht-Wiederkehr.
In den niederen Bereichen
erlöschen die neun Arten
gewohnheitsmäßiger Neigungen
zugleich vollständig;
Leid und Freude
sind beide aufgehoben.
Da es unten
keinen Ort mehr gibt,
an dem man verweilen könnte,
richten sie
innerhalb der gemeinsamen Sphäre
des Loslassens
ihren Aufenthaltsort ein.

Ānanda!
Wenn Leid und Freude
beide erloschen sind
und der kämpfende Geist
nicht mehr ineinandergreift,
nennt man dies
den Himmel ohne Unruhe.

Wenn die innere Funktionsweise
allein fortwirkt
und jede Suche nach Verbindung
keinen Ansatzpunkt mehr findet,
nennt man dies
den Himmel ohne Hitze.

Wenn in allen Welten
der zehn Richtungen
das wunderbare Sehen
vollkommen geklärt ist
und keinerlei Staubmerkmale
oder trübe Ablagerungen
mehr vorhanden sind,
nennt man dies
den Himmel des Guten Sehens.

Wenn verfeinerte Einsicht
gegenwärtig ist
und Gestalten und Durchdringung
ohne Hindernis erfolgen,
nennt man dies
den Himmel des Guten Erscheinens.

Wenn schließlich
alle subtilen Ansätze
vollständig ausgeschöpft sind
und die Natur der Form
bis an ihre äußerste Grenze
durchdrungen wird
und man in grenzenlose Weite eintritt,
nennt man dies
den Himmel der Vollendung der Form.“
Kommentar
Dieser Abschnitt schließt die gesamte Formwelt ab
und markiert eine entscheidende Schwelle.

1. Vier Dhyānas – ein abschließendes Urteil

Der Buddha fasst nüchtern zusammen:
Die vier Versenkungen
sind nicht mehr bewegbar –
aber nicht ungeworden.

Der entscheidende Ausdruck:

„有所得心“ – ein Geist, der etwas erlangt hat

Solange etwas erlangt wird,
ist Bewegung subtil vorhanden.

2. Die fünf Nicht-Wiederkehr-Himmel

Diese fünf Himmel
sind keine neuen Stufen der Tiefe,
sondern Feinabstufungen des Verweilens.

Gemeinsam ist ihnen:
• keine Rückkehr in grobe Bereiche
• vollständiges Erlöschen
gewohnheitsmäßiger Reaktionen
• Aufenthalt im Feld des Loslassens

Doch:
Es ist Aufenthalt.

3. Von Unruhe zu Formvollendung

Die Abfolge zeigt
keine Steigerung von Glück,
sondern eine Verfeinerung von Restform:
• keine Unruhe
• keine Hitze
• klares Sehen
• ungehinderte Erscheinung
• Ausschöpfung der Form selbst

Die Formwelt
wird vollständig durchlaufen,
nicht transzendiert.

4. Die letzte Grenze der Form

„色究竟“ – Vollendung der Form –
bedeutet:
Form ist bis zur letzten Möglichkeit
durchdrungen.

Aber:
Durchdringung ist noch Beziehung.

Erst jenseits davon
fällt auch diese.

5. Dramaturgische Funktion

Nach diesem Abschnitt
kann der Text nicht mehr
innerhalb der Formwelt bleiben.

Alles,
was gestaltbar,
erfahrbar,
verfeinerbar ist,
ist erschöpft.

Damit ist die Bühne bereitet
für den Übergang
in die Formlosigkeit
– und später
für deren vollständige Auflösung.

Nicht-Wiederkehr (不還) – eine präzise Einordnung

1. Was „Nicht-Wiederkehr“ nicht bedeutet

Zuerst die wichtigste Abgrenzung:

Nicht-Wiederkehr bedeutet nicht:
• endgültige Befreiung
• Erwachen
• Durchbruch zum Ungewordenen
• Ende von Geburt und Tod

Der Text sagt ausdrücklich:

„雖非無為真不動地“

Also:
Es ist nicht der ungewordene, wirklich unbewegte Bereich.

2. Was „Nicht-Wiederkehr“ konkret meint

Nicht-Wiederkehr heißt:

Keine Rückkehr in die niederen Bereiche der Formwelt.

Warum?

Weil:
• grobe Gewohnheiten erschöpft sind
• Leid und Freude beide abgelegt wurden
• Reaktivität nicht mehr greift

Der karmische Vektor
zeigt nur noch nach oben oder nach innen,
nicht mehr zurück.

3. Warum trotzdem „Wiederkehr“ stattfindet

Der Text spricht weiter von:
• Aufenthalt
• Wohnort
• Verweilen

Das ist entscheidend.

Nicht-Wiederkehr ist:

ein bleibendes Verweilen in verfeinerter Existenz

Solange es:
• Aufenthalt
• Dauer
• Stufe
• Bereich

gibt,
gibt es Werden.

Und wo Werden ist,
ist Wiederkehr –
wenn auch nur innerhalb
immer subtilerer Sphären.

4. Warum die fünf Nicht-Wiederkehr-Himmel nötig sind

Diese fünf Himmel zeigen:
Nicht-Wiederkehr ist kein Zustand,
sondern ein Spektrum von Stabilitäten.

Jede Stufe:
• entfernt weitere Restform
• klärt weitere Wahrnehmung
• reduziert weitere Dynamik

Aber:
Keine davon
durchschaut den Mechanismus selbst.

5. Die subtile Täuschung von „Sicherheit“

Nicht-Wiederkehr fühlt sich an wie:
• endgültige Ankunft
• letzte Sicherheit
• kein Risiko mehr
• kein Fallen mehr

Und genau das
macht sie gefährlich.

Denn:

Sicherheit ersetzt Einsicht.

Der Geist ruht –
aber erkennt nicht.

6. Moderne Entsprechung (vorsichtig formuliert)

Nicht-Wiederkehr entspricht heute oft:
• „Ich bin darüber hinaus“
• „Das betrifft mich nicht mehr“
• „Ich falle nicht mehr zurück“
• „Das ist abgeschlossen“

Das Sutra würde sagen:
Solange es noch
„mich“ gibt,
das nicht mehr zurückkehrt,
ist etwas geblieben.

7. Warum der Buddha diesen Begriff trotzdem benutzt

Nicht-Wiederkehr ist real,
relativ,
und bedeutsam.

Der Buddha leugnet sie nicht,
sondern verortet sie.

Sie ist:
• ein Ende von Gefahr
• ein Ende von Rückfall
• ein Ende grober Verstrickung

Aber:
nicht das Ende von Dasein.

8. Der entscheidende Prüfstein

Ein schlichter Prüfstein
aus dem Sutra selbst:

Gibt es hier noch
einen Ort,
an dem man verweilt?

Wenn ja:
ist es Nicht-Wiederkehr.

Erwachen
hat keinen Ort.

9. Die Rolle von „Nicht-Wiederkehr“ im Gesamtaufbau

Nicht-Wiederkehr ist die letzte Sicherung,
bevor der Text
die gesamte Logik von
Ort, Zustand und Stufe
aufgibt.

Sie markiert:
• das Ende der Gefahr
• aber noch nicht
das Ende der Illusion

10. Kurzfassung

Nicht-Wiederkehr heißt:
keine Rückkehr nach unten –
aber noch kein Heraustreten.
330 #
「阿難!此不還天,彼諸四禪四位天王獨有欽聞,不能知見。如今世間曠野深山聖道場地,皆阿羅漢所住持故,世間麁人所不能見。阿難!是十八天獨行無交,未盡形累。自此已還名為色界。
「復次,阿難!從是有頂色邊際中,其間復有二種[A2]歧路:若於捨心發明智慧,慧光圓通便出塵界,成阿羅漢,入菩薩乘,如是一類名為迴心大阿羅漢。若在捨心捨厭成就,覺身為礙,銷礙入空,如是一類名為空處。諸礙既銷,無礙無滅,其中唯留阿賴耶識,全於末那半分微細,如是一類名為識處。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Die Himmel der Nicht-Wiederkehr
werden selbst von den Himmelskönigen
der vier Dhyānas
nur ehrfürchtig vernommen,
aber weder erkannt
noch gesehen.

So ist es auch in der gegenwärtigen Welt:
Abgelegene Wildnisse,
tiefe Bergregionen
und heilige Stätten des Weges
werden von Arhats gehalten,
weshalb gewöhnliche Menschen
sie nicht wahrnehmen können.

Ānanda!
Diese achtzehn Himmel
verweilen eigenständig
ohne gegenseitige Berührung
und haben die Bindung an Form
noch nicht vollständig erschöpft.
Von hier abwärts
spricht man vom Formbereich.

Ānanda!
Darüber hinaus:
Von der höchsten Grenze
des Formbereichs aus
eröffnen sich
zwei unterschiedliche Wege.

Wenn man im Geist des Loslassens
Weisheit zur Entfaltung bringt,
das Weisheitslicht
vollständig durchdringend wird
und man dadurch
den Bereich der Verunreinigung verlässt,
wird man ein Arhat,
tritt in das Bodhisattva-Fahrzeug ein;
diese Wesen
nennt man
rückgewendete große Arhats.

Wenn man dagegen
im Geist des Loslassens
das Abwenden vollständig vollzieht,
den Körper als Hindernis erkennt,
dieses Hindernis auflöst
und in die Leere eingeht,
nennt man dies
den Bereich der Leere.

Sind alle Hindernisse
aufgelöst,
so dass es weder Hindernis
noch Auflösung gibt,
verbleibt darin
allein das Ālaya-Bewusstsein,
wobei vom Manas-Bewusstsein
nur noch eine halbe,
äußerst feine Wirksamkeit bleibt;
dies nennt man
den Bereich des Bewusstseins.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert einen entscheidenden Kipp-Punkt
im gesamten Aufbau des Sutras.

1. Warum die Nicht-Wiederkehr-Himmel „nicht gesehen werden“

Sie sind nicht unsichtbar,
sondern nicht zugänglich.

Nicht, weil sie verborgen wären,
sondern weil Wahrnehmung
noch an Form gebunden ist.

Darum der Vergleich:
Arhats in tiefen Bergen
sind nicht geheim,
sondern nicht erreichbar
für grobe Wahrnehmung.

2. Die achtzehn Himmel – eine letzte Zusammenfassung

Mit diesem Satz
schließt der Buddha
die gesamte Formwelt ab:

„未盡形累“
die Last der Form ist noch nicht erschöpft

Solange Form nicht erschöpft ist,
gibt es:
• Ort
• Bereich
• Stufe
• Verweilen

3. Die große Weggabelung

Jetzt geschieht etwas Neues:
Nicht mehr Stufen,
sondern Richtungen.

Weg A: Weisheit im Loslassen

Hier wird:
• im aufgebenden Geist
• Einsicht erhellt
• der Staubbereich verlassen

Entscheidend:
Nicht Auflösung,
sondern Durchdringung.

Darum:
Arhat → Bodhisattva-Fahrzeug.

Dies ist kein Rückschritt,
sondern eine Umwendung (迴心).

Weg B: Auflösung in Leere

Hier wird:
• Form als Hindernis erkannt
• Hindernis aufgelöst
• in Leere eingetreten

Das klingt radikal,
führt aber nicht aus Samsara.

Warum?

4. Die subtile Diagnose: Alaya bleibt

Der Text ist hier technisch präzise:
• Ālaya-Bewusstsein bleibt vollständig
• Manas wirkt nur noch halb
• extrem fein, aber vorhanden

Das heißt:
• Kontinuität bleibt
• Keim bleibt
• Wiederkehr bleibt möglich

Leere wird bewohnt,
nicht durchschaut.

5. Warum dies kein Erwachen ist

Weil:
• Leere hier ein Bereich ist
• Bewusstsein hier ein Ort ist
• Verweilen hier möglich ist

Erwachen
hat keinen Bereich.

6. Moderne Entsprechung

Dies entspricht Zuständen
formloser Leere,
reiner Bewusstheit,
scheinbarer Absolutheit.

Das Sutra sagt:
Solange noch
„Bewusstsein dort ist“,
ist noch Ort.

7. Dramaturgische Bedeutung

Mit diesem Abschnitt
wird klar:
Nicht einmal Leere
oder Bewusstsein
sind das Ziel.

Beides sind
Grenzphänomene
des Geistes.

Der nächste Abschnitt
wird genau hier ansetzen
und diese beiden Bereiche
weiter entfalten –
um sie schließlich
ebenfalls zu überschreiten.


Exkurs: Yogācāra – Ālaya und Manas im Licht der Rolle 9

(Warum der Text hier so technisch wird – und warum das kein Zufall ist)

1. Warum der Śūraṅgama-Text hier yogācārinisch spricht

Ab diesem Punkt genügt es nicht mehr,
von „Geist“, „Leere“ oder „Bewusstsein“ allgemein zu sprechen.

Der Text diagnostiziert nun die letzten Träger von Samsara.
Und dafür braucht er ein präzises Instrumentarium.

Dieses Instrumentarium ist das Modell der acht Bewusstseine des Yogācāra.

Nicht als Theorie –
sondern als Fehlerdiagnose.



2. Kurzüberblick: die relevanten Bewusstseinsebenen

Für unseren Abschnitt sind drei Ebenen entscheidend:

Ebene Funktion Gefahr
Sechstes Bewusstsein Denken, Unterscheiden grob, leicht erkennbar
Manas (7.) Ich-Bezug, Aneignung subtil
Ālaya (8.) Speicher, Kontinuität extrem subtil

Die unteren sechs sind hier bereits weitgehend ruhiggestellt.
Die eigentliche Falle liegt tiefer.



3. Ālaya – was es ist (und was nicht)

Ālaya bedeutet:

„Speicher“, „Ablage“, „Traggrund“

Es ist kein Ich,
kein aktives Denken,
keine bewusste Instanz.

Sondern:
• Kontinuität von Erfahrung
• Träger karmischer Samen
• Bedingung für Wiedergeburt
• Grundlage von Welt-Erfahrung

Wichtig:
Ālaya ist funktional neutral.

Es erzeugt nichts –
es trägt.

Darum kann es auch in tiefer Leere
vollständig präsent sein.



4. Manas – die eigentliche Ich-Maschine

Manas ist subtiler als Denken.

Es tut nur eines:

Es nimmt Ālaya als „Ich“.

Nicht begrifflich,
sondern reflexhaft.

Manas sagt nicht:
„Ich denke.“

Sondern:
„Das hier bin ich.“

Auch wenn:
• kein Gedanke da ist
• kein Gefühl da ist
• keine Form da ist

Solange Manas wirkt,
gibt es:

„etwas, das da ist – für mich“



5. Warum der Text sagt: „Manas nur noch zur Hälfte“

Der Satz:

„全於阿賴耶識,全於末那半分微細“

ist extrem fein.

Er bedeutet:
• Manas ist nicht verschwunden
• aber funktional reduziert
• ohne Sprache
• ohne Emotion
• ohne Denken

Das ist genau der Zustand
vieler „formloser Erfahrungen“.

Das Ich ist nicht aktiv –
aber nicht durchschaut.



6. Warum das Verweilen in Leere keine Befreiung ist

In diesem Zustand gilt:
• Körper als Hindernis erkannt ✔
• Form aufgelöst ✔
• Leere erfahren ✔
• Denken still ✔

Aber:
Ālaya bleibt unberührt.
Manas haftet unbewusst.

Darum sagt das Sutra:

Dies ist ein „Bereich“ (處)

Ein Ort.
Ein Zustand.
Ein Aufenthalt.

Erwachen
hat keinen Aufenthalt.



7. Der entscheidende yogācārinische Punkt

Yogācāra sagt nicht:

„Ālaya ist schlecht.“

Sondern:

„Ālaya muss durchschaut, nicht eliminiert werden.“

Solange man versucht:
• Bewusstsein zu löschen
• Leere festzuhalten
• Denken zu beenden

arbeitet man innerhalb von Ālaya,
nicht durch es hindurch.



8. Verbindung zurück zur Rolle 9

Jetzt wird klar,
warum der Text zwei Wege unterscheidet:

Weg 1 – Weisheit im Loslassen
• Einsicht richtet sich auf den Träger selbst
• Ālaya wird erkannt
• Manas verliert seine Grundlage
• → Arhat, Öffnung zum Bodhisattva-Weg

Weg 2 – Auflösung in Leere
• Inhalte verschwinden
• Träger bleibt
• Manas haftet subtil
• → Formloser Bereich, nicht befreit



9. Ein präziser Merksatz

Nicht die Abwesenheit von Inhalt befreit,
sondern das Durchschauen dessen,
was Inhalte trägt.

Oder yogācārinisch:

Ālaya wird nicht verlassen –
es wird durchschaut.



10. Warum dieser Exkurs hier unverzichtbar ist

Ohne Yogācāra
würde man denken:
• Leere = Ziel
• Bewusstsein = letzter Halt

Mit Yogācāra wird klar:
Leere und Bewusstsein
sind Grenzzustände des Geistes,
nicht das Ende von Samsara.

Darum wird der Text
im nächsten Schritt
auch diese Bereiche
nicht stehen lassen.
中文原文
「阿難!此不還天,彼諸四禪四位天王獨有欽聞,不能知見。如今世間曠野深山聖道場地,皆阿羅漢所住持故,世間麁人所不能見。阿難!是十八天獨行無交,未盡形累。自此已還名為色界。
「復次,阿難!從是有頂色邊際中,其間復有二種[A2]歧路:若於捨心發明智慧,慧光圓通便出塵界,成阿羅漢,入菩薩乘,如是一類名為迴心大阿羅漢。若在捨心捨厭成就,覺身為礙,銷礙入空,如是一類名為空處。諸礙既銷,無礙無滅,其中唯留阿賴耶識,全於末那半分微細,如是一類名為識處。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Die Himmel der Nicht-Wiederkehr
werden selbst von den Himmelskönigen
der vier Dhyānas
nur ehrfürchtig vernommen,
aber weder erkannt
noch gesehen.

So ist es auch in der gegenwärtigen Welt:
Abgelegene Wildnisse,
tiefe Bergregionen
und heilige Stätten des Weges
werden von Arhats gehalten,
weshalb gewöhnliche Menschen
sie nicht wahrnehmen können.

Ānanda!
Diese achtzehn Himmel
verweilen eigenständig
ohne gegenseitige Berührung
und haben die Bindung an Form
noch nicht vollständig erschöpft.
Von hier abwärts
spricht man vom Formbereich.

Ānanda!
Darüber hinaus:
Von der höchsten Grenze
des Formbereichs aus
eröffnen sich
zwei unterschiedliche Wege.

Wenn man im Geist des Loslassens
Weisheit zur Entfaltung bringt,
das Weisheitslicht
vollständig durchdringend wird
und man dadurch
den Bereich der Verunreinigung verlässt,
wird man ein Arhat,
tritt in das Bodhisattva-Fahrzeug ein;
diese Wesen
nennt man
rückgewendete große Arhats.

Wenn man dagegen
im Geist des Loslassens
das Abwenden vollständig vollzieht,
den Körper als Hindernis erkennt,
dieses Hindernis auflöst
und in die Leere eingeht,
nennt man dies
den Bereich der Leere.

Sind alle Hindernisse
aufgelöst,
so dass es weder Hindernis
noch Auflösung gibt,
verbleibt darin
allein das Ālaya-Bewusstsein,
wobei vom Manas-Bewusstsein
nur noch eine halbe,
äußerst feine Wirksamkeit bleibt;
dies nennt man
den Bereich des Bewusstseins.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert einen entscheidenden Kipp-Punkt
im gesamten Aufbau des Sutras.

1. Warum die Nicht-Wiederkehr-Himmel „nicht gesehen werden“

Sie sind nicht unsichtbar,
sondern nicht zugänglich.

Nicht, weil sie verborgen wären,
sondern weil Wahrnehmung
noch an Form gebunden ist.

Darum der Vergleich:
Arhats in tiefen Bergen
sind nicht geheim,
sondern nicht erreichbar
für grobe Wahrnehmung.

2. Die achtzehn Himmel – eine letzte Zusammenfassung

Mit diesem Satz
schließt der Buddha
die gesamte Formwelt ab:

„未盡形累“
die Last der Form ist noch nicht erschöpft

Solange Form nicht erschöpft ist,
gibt es:
• Ort
• Bereich
• Stufe
• Verweilen

3. Die große Weggabelung

Jetzt geschieht etwas Neues:
Nicht mehr Stufen,
sondern Richtungen.

Weg A: Weisheit im Loslassen

Hier wird:
• im aufgebenden Geist
• Einsicht erhellt
• der Staubbereich verlassen

Entscheidend:
Nicht Auflösung,
sondern Durchdringung.

Darum:
Arhat → Bodhisattva-Fahrzeug.

Dies ist kein Rückschritt,
sondern eine Umwendung (迴心).

Weg B: Auflösung in Leere

Hier wird:
• Form als Hindernis erkannt
• Hindernis aufgelöst
• in Leere eingetreten

Das klingt radikal,
führt aber nicht aus Samsara.

Warum?

4. Die subtile Diagnose: Alaya bleibt

Der Text ist hier technisch präzise:
• Ālaya-Bewusstsein bleibt vollständig
• Manas wirkt nur noch halb
• extrem fein, aber vorhanden

Das heißt:
• Kontinuität bleibt
• Keim bleibt
• Wiederkehr bleibt möglich

Leere wird bewohnt,
nicht durchschaut.

5. Warum dies kein Erwachen ist

Weil:
• Leere hier ein Bereich ist
• Bewusstsein hier ein Ort ist
• Verweilen hier möglich ist

Erwachen
hat keinen Bereich.

6. Moderne Entsprechung

Dies entspricht Zuständen
formloser Leere,
reiner Bewusstheit,
scheinbarer Absolutheit.

Das Sutra sagt:
Solange noch
„Bewusstsein dort ist“,
ist noch Ort.

7. Dramaturgische Bedeutung

Mit diesem Abschnitt
wird klar:
Nicht einmal Leere
oder Bewusstsein
sind das Ziel.

Beides sind
Grenzphänomene
des Geistes.

Der nächste Abschnitt
wird genau hier ansetzen
und diese beiden Bereiche
weiter entfalten –
um sie schließlich
ebenfalls zu überschreiten.


Exkurs: Yogācāra – Ālaya und Manas im Licht der Rolle 9

(Warum der Text hier so technisch wird – und warum das kein Zufall ist)

1. Warum der Śūraṅgama-Text hier yogācārinisch spricht

Ab diesem Punkt genügt es nicht mehr,
von „Geist“, „Leere“ oder „Bewusstsein“ allgemein zu sprechen.

Der Text diagnostiziert nun die letzten Träger von Samsara.
Und dafür braucht er ein präzises Instrumentarium.

Dieses Instrumentarium ist das Modell der acht Bewusstseine des Yogācāra.

Nicht als Theorie –
sondern als Fehlerdiagnose.



2. Kurzüberblick: die relevanten Bewusstseinsebenen

Für unseren Abschnitt sind drei Ebenen entscheidend:

Ebene Funktion Gefahr
Sechstes Bewusstsein Denken, Unterscheiden grob, leicht erkennbar
Manas (7.) Ich-Bezug, Aneignung subtil
Ālaya (8.) Speicher, Kontinuität extrem subtil

Die unteren sechs sind hier bereits weitgehend ruhiggestellt.
Die eigentliche Falle liegt tiefer.



3. Ālaya – was es ist (und was nicht)

Ālaya bedeutet:

„Speicher“, „Ablage“, „Traggrund“

Es ist kein Ich,
kein aktives Denken,
keine bewusste Instanz.

Sondern:
• Kontinuität von Erfahrung
• Träger karmischer Samen
• Bedingung für Wiedergeburt
• Grundlage von Welt-Erfahrung

Wichtig:
Ālaya ist funktional neutral.

Es erzeugt nichts –
es trägt.

Darum kann es auch in tiefer Leere
vollständig präsent sein.



4. Manas – die eigentliche Ich-Maschine

Manas ist subtiler als Denken.

Es tut nur eines:

Es nimmt Ālaya als „Ich“.

Nicht begrifflich,
sondern reflexhaft.

Manas sagt nicht:
„Ich denke.“

Sondern:
„Das hier bin ich.“

Auch wenn:
• kein Gedanke da ist
• kein Gefühl da ist
• keine Form da ist

Solange Manas wirkt,
gibt es:

„etwas, das da ist – für mich“



5. Warum der Text sagt: „Manas nur noch zur Hälfte“

Der Satz:

„全於阿賴耶識,全於末那半分微細“

ist extrem fein.

Er bedeutet:
• Manas ist nicht verschwunden
• aber funktional reduziert
• ohne Sprache
• ohne Emotion
• ohne Denken

Das ist genau der Zustand
vieler „formloser Erfahrungen“.

Das Ich ist nicht aktiv –
aber nicht durchschaut.



6. Warum das Verweilen in Leere keine Befreiung ist

In diesem Zustand gilt:
• Körper als Hindernis erkannt ✔
• Form aufgelöst ✔
• Leere erfahren ✔
• Denken still ✔

Aber:
Ālaya bleibt unberührt.
Manas haftet unbewusst.

Darum sagt das Sutra:

Dies ist ein „Bereich“ (處)

Ein Ort.
Ein Zustand.
Ein Aufenthalt.

Erwachen
hat keinen Aufenthalt.



7. Der entscheidende yogācārinische Punkt

Yogācāra sagt nicht:

„Ālaya ist schlecht.“

Sondern:

„Ālaya muss durchschaut, nicht eliminiert werden.“

Solange man versucht:
• Bewusstsein zu löschen
• Leere festzuhalten
• Denken zu beenden

arbeitet man innerhalb von Ālaya,
nicht durch es hindurch.



8. Verbindung zurück zur Rolle 9

Jetzt wird klar,
warum der Text zwei Wege unterscheidet:

Weg 1 – Weisheit im Loslassen
• Einsicht richtet sich auf den Träger selbst
• Ālaya wird erkannt
• Manas verliert seine Grundlage
• → Arhat, Öffnung zum Bodhisattva-Weg

Weg 2 – Auflösung in Leere
• Inhalte verschwinden
• Träger bleibt
• Manas haftet subtil
• → Formloser Bereich, nicht befreit



9. Ein präziser Merksatz

Nicht die Abwesenheit von Inhalt befreit,
sondern das Durchschauen dessen,
was Inhalte trägt.

Oder yogācārinisch:

Ālaya wird nicht verlassen –
es wird durchschaut.



10. Warum dieser Exkurs hier unverzichtbar ist

Ohne Yogācāra
würde man denken:
• Leere = Ziel
• Bewusstsein = letzter Halt

Mit Yogācāra wird klar:
Leere und Bewusstsein
sind Grenzzustände des Geistes,
nicht das Ende von Samsara.

Darum wird der Text
im nächsten Schritt
auch diese Bereiche
nicht stehen lassen.
331 #
空色既亡,識心都滅,十方寂然逈無攸往,如是一類名無所有處。識性不動,以滅窮研,於無盡中發宣盡性,如存不存,若盡非盡,如是一類名為非想非非想處。此等窮空,不盡空理。從不還天聖道窮者,如是一類名不迴心鈍阿羅漢。若從無想諸外道天窮空不歸,迷漏無聞,便入輪轉。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn Raum und Form
gleichermaßen aufgehoben sind
und das Bewusstsein
vollständig zur Ruhe gekommen ist,
sind die zehn Richtungen
still und leer,
ohne irgendeinen Ort,
zu dem man noch gelangen könnte.
Dies nennt man
den Bereich des Nichts-da-Seins.

Wenn die Wesensnatur
des Bewusstseins
unbeweglich bleibt
und man das Erlöschen
bis an seine äußerste Grenze
gründlich untersucht,
inmitten des Unendlichen
die volle Ausschöpfung
der Wesensnatur entfaltet,
so dass es erscheint
wie vorhanden und doch nicht vorhanden,
wie erschöpft
und doch nicht erschöpft,
nennt man dies
den Bereich
des Weder-Vorstellung-noch-Nicht-Vorstellung.

Diese Zustände,
die die Leere
bis an ihre äußerste Grenze treiben,
erschöpfen dennoch
nicht das wahre Prinzip der Leere.

Diejenigen,
die vom Himmel der Nicht-Wiederkehr aus
den heiligen Pfad
bis hierher vollständig durchlaufen,
nennt man
nicht-umgewendete,
stumpfe Arhats.

Wenn jedoch jene,
die aus den
Nicht-Denken-Himmeln
der äußeren Lehrsysteme stammen,
die Leere bis an ihr Ende treiben
und nicht zurückkehren,
in Unwissenheit verharren
und kein rechtes Hören besitzen,
so geraten sie
erneut in den Kreislauf von Geburt und Tod.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vollendet die Darstellung der formlosen Bereiche
– und entlarvt sie zugleich.

1. „Raum und Form sind beide erloschen“

Hier ist nicht gemeint,
dass der ursprüngliche Grund erkannt wurde,
sondern dass alle Inhalte verschwunden sind:
Form, Raum, Richtung, Bezug.

Was bleibt,
ist ein restlos beruhigter Träger.

Das wirkt endgültig –
ist es aber nicht.

2. Der Bereich des „Nicht-Etwas“

„無所有處“ bedeutet nicht:
absolutes Nichts.

Sondern:

Nichts, das noch als etwas erscheinen könnte.

Bewusstsein ist nicht aktiv,
aber nicht durchschaut.

3. Die äußerste Verfeinerung: weder Vorstellung noch Nicht-Vorstellung

Hier kollabiert jede begriffliche Zuordnung:
• kein Denken
• kein Nicht-Denken
• kein Greifen
• kein Auflösen

Und dennoch:
Es ist ein Zustand.

Darum die paradoxe Beschreibung:

„wie vorhanden, wie nicht vorhanden“

Das ist die Grenze der Meditationslogik.

4. „Die Leere ist nicht erschöpft“

Der Schlüsselsatz:

„窮空,不盡空理“

Leere wird erlebt,
aber ihr Prinzip
nicht erkannt.

Leere ist hier Objekt
– subtil,
aber immer noch Objekt.

5. Zwei Arten des Scheiterns

a) Der stumpfe Arhat

Er geht den Weg korrekt,
aber ohne Umwendung (迴心):
• kein Rückfall
• keine grobe Verblendung
• aber Stillstand

Das ist spirituelle Endlagerung.

b) Die äußeren Wege

Hier fehlt:
• rechtes Hören
• Einsicht
• Korrektur

Die Leere wird missverstanden,
und sobald Bedingungen zurückkehren,
kehrt der Kreislauf zurück.

6. Die radikale Aussage des Sutras

Nicht einmal
formlose Leere
ist Befreiung.

Nicht einmal
Bewusstseinsruhe
ist Erwachen.

Erwachen ist kein Zustand,
sondern das Durchschauen aller Zustände.

7. Vorbereitung des letzten Schritts

Mit diesem Abschnitt
ist alles erschöpft,
was Geist erreichen kann:
• Form
• Raum
• Bewusstsein
• Leere
• Nicht-Denken

Was jetzt folgt,
kann nicht mehr
erlangt werden.

Darum wird der Text
nun den Blick
auf das richten,
was nie erlangt wurde –
den ursprünglichen Grund selbst.
中文原文
空色既亡,識心都滅,十方寂然逈無攸往,如是一類名無所有處。識性不動,以滅窮研,於無盡中發宣盡性,如存不存,若盡非盡,如是一類名為非想非非想處。此等窮空,不盡空理。從不還天聖道窮者,如是一類名不迴心鈍阿羅漢。若從無想諸外道天窮空不歸,迷漏無聞,便入輪轉。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Wenn Raum und Form
gleichermaßen aufgehoben sind
und das Bewusstsein
vollständig zur Ruhe gekommen ist,
sind die zehn Richtungen
still und leer,
ohne irgendeinen Ort,
zu dem man noch gelangen könnte.
Dies nennt man
den Bereich des Nichts-da-Seins.

Wenn die Wesensnatur
des Bewusstseins
unbeweglich bleibt
und man das Erlöschen
bis an seine äußerste Grenze
gründlich untersucht,
inmitten des Unendlichen
die volle Ausschöpfung
der Wesensnatur entfaltet,
so dass es erscheint
wie vorhanden und doch nicht vorhanden,
wie erschöpft
und doch nicht erschöpft,
nennt man dies
den Bereich
des Weder-Vorstellung-noch-Nicht-Vorstellung.

Diese Zustände,
die die Leere
bis an ihre äußerste Grenze treiben,
erschöpfen dennoch
nicht das wahre Prinzip der Leere.

Diejenigen,
die vom Himmel der Nicht-Wiederkehr aus
den heiligen Pfad
bis hierher vollständig durchlaufen,
nennt man
nicht-umgewendete,
stumpfe Arhats.

Wenn jedoch jene,
die aus den
Nicht-Denken-Himmeln
der äußeren Lehrsysteme stammen,
die Leere bis an ihr Ende treiben
und nicht zurückkehren,
in Unwissenheit verharren
und kein rechtes Hören besitzen,
so geraten sie
erneut in den Kreislauf von Geburt und Tod.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vollendet die Darstellung der formlosen Bereiche
– und entlarvt sie zugleich.

1. „Raum und Form sind beide erloschen“

Hier ist nicht gemeint,
dass der ursprüngliche Grund erkannt wurde,
sondern dass alle Inhalte verschwunden sind:
Form, Raum, Richtung, Bezug.

Was bleibt,
ist ein restlos beruhigter Träger.

Das wirkt endgültig –
ist es aber nicht.

2. Der Bereich des „Nicht-Etwas“

„無所有處“ bedeutet nicht:
absolutes Nichts.

Sondern:

Nichts, das noch als etwas erscheinen könnte.

Bewusstsein ist nicht aktiv,
aber nicht durchschaut.

3. Die äußerste Verfeinerung: weder Vorstellung noch Nicht-Vorstellung

Hier kollabiert jede begriffliche Zuordnung:
• kein Denken
• kein Nicht-Denken
• kein Greifen
• kein Auflösen

Und dennoch:
Es ist ein Zustand.

Darum die paradoxe Beschreibung:

„wie vorhanden, wie nicht vorhanden“

Das ist die Grenze der Meditationslogik.

4. „Die Leere ist nicht erschöpft“

Der Schlüsselsatz:

„窮空,不盡空理“

Leere wird erlebt,
aber ihr Prinzip
nicht erkannt.

Leere ist hier Objekt
– subtil,
aber immer noch Objekt.

5. Zwei Arten des Scheiterns

a) Der stumpfe Arhat

Er geht den Weg korrekt,
aber ohne Umwendung (迴心):
• kein Rückfall
• keine grobe Verblendung
• aber Stillstand

Das ist spirituelle Endlagerung.

b) Die äußeren Wege

Hier fehlt:
• rechtes Hören
• Einsicht
• Korrektur

Die Leere wird missverstanden,
und sobald Bedingungen zurückkehren,
kehrt der Kreislauf zurück.

6. Die radikale Aussage des Sutras

Nicht einmal
formlose Leere
ist Befreiung.

Nicht einmal
Bewusstseinsruhe
ist Erwachen.

Erwachen ist kein Zustand,
sondern das Durchschauen aller Zustände.

7. Vorbereitung des letzten Schritts

Mit diesem Abschnitt
ist alles erschöpft,
was Geist erreichen kann:
• Form
• Raum
• Bewusstsein
• Leere
• Nicht-Denken

Was jetzt folgt,
kann nicht mehr
erlangt werden.

Darum wird der Text
nun den Blick
auf das richten,
was nie erlangt wurde –
den ursprünglichen Grund selbst.
332 #
「阿難!是諸天上各各天人,則是凡夫業果酬答,答盡入輪。彼之天王,即是菩薩遊三摩[5]提,漸次增進,迴向聖倫所修行路。阿難!是四空天身心滅盡,定性現前,無業果色,從此逮終,名無色界。此皆不了妙覺明心,積妄發生,妄有三界,中間妄隨七趣沈溺。補特伽羅,各從其類。
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Alle Himmelswesen
in diesen jeweiligen Bereichen
sind gewöhnliche Wesen,
bei denen karmische Wirkungen
zur Vergeltung gelangen;
ist diese Vergeltung erschöpft,
kehren sie erneut
in den Kreislauf von Geburt und Tod zurück.

Die jeweiligen Himmelskönige jedoch
sind Bodhisattvas,
die im Samādhi verweilen,
schrittweise voranschreiten
und ihre Übung
dem heiligen Pfad
zurückwidmen.

Ānanda!
In den vier formlosen Himmeln
sind Körper und Geist
vollständig aufgehoben;
die Wesensnatur der Sammlung
tritt klar hervor,
es gibt keine
durch Karma hervorgebrachte Form mehr.
Von hier bis zum Ende
spricht man vom
Bereich der Nicht-Form.

All dies geschieht,
weil das wunderbar klare,
Erwachen des Geistes
nicht erkannt wird.
Aus angesammelter Verblendung
entsteht trügerisches Werden,
wodurch die drei Daseinsbereiche
fälschlich hervorgebracht werden,
und innerhalb davon
die Wesen,
den sieben Daseinswegen folgend,
versinken.

Die einzelnen Personen
folgen jeweils
ihrer eigenen Art
und ihren Bedingungen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die abschließende Generalabrechnung
mit allen kosmologischen Ebenen.

1. Die radikale Entzauberung der Himmel

Der Buddha sagt unmissverständlich:
Alle Himmelswesen –
auch die höchsten –
sind karmische Resultate.

Himmel sind:
• Vergeltung
• Aufschub
• Verfeinerung

Nicht Befreiung.

2. Die Sonderrolle der Himmelskönige

Entscheidend ist die Differenz:
Nicht der Ort,
sondern die Intention unterscheidet.

Die Himmelskönige:
• verweilen im Samādhi
• schreiten weiter
• widmen zurück

Sie benutzen den Himmel,
ohne dort zu wohnen.

3. Die vier formlosen Bereiche – endgültig relativiert

Selbst dort,
wo Körper und Geist „erlöschen“,
gilt:
• Sammlung ist vorhanden
• Ruhe ist vorhanden
• Karma ist suspendiert

Aber:
Erkennen fehlt.

Darum bleiben sie
Teil der drei Bereiche.

4. Der eigentliche Ursprung von Samsara

Der zentrale Satz:

„不了妙覺明心“

Nicht:
Begierde,
nicht:
Unruhe,
nicht:
Denken

sondern:
Nicht-Erkennen des ursprünglichen,
wunderbar klaren Erwachens.

Das ist der eigentliche Anfang.

5. Die drei Bereiche als Projektion

Die drei Bereiche
werden nicht erschaffen,
sondern projiziert.

Sie entstehen,
weil Verblendung
sich selbst strukturiert.

6. Die sieben Daseinswege

Die sieben Wege
sind keine Strafe,
sondern Folgen von Ausrichtung.

Wesen fallen nicht,
sie folgen.

7. Die letzte Pointe

„補特伽羅,各從其類“

Kein Richter.
Keine Instanz.
Keine Verurteilung.

Nur:
Entsprechung.

Das Sutra endet diesen Zyklus
nicht moralisch,
sondern mechanisch.



Zusammenfassung in einem Satz

Alle Welten entstehen,
weil das Ursprüngliche
nicht erkannt wird –
und enden nicht,
solange es nicht erkannt ist.
中文原文
「阿難!是諸天上各各天人,則是凡夫業果酬答,答盡入輪。彼之天王,即是菩薩遊三摩[5]提,漸次增進,迴向聖倫所修行路。阿難!是四空天身心滅盡,定性現前,無業果色,從此逮終,名無色界。此皆不了妙覺明心,積妄發生,妄有三界,中間妄隨七趣沈溺。補特伽羅,各從其類。
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Alle Himmelswesen
in diesen jeweiligen Bereichen
sind gewöhnliche Wesen,
bei denen karmische Wirkungen
zur Vergeltung gelangen;
ist diese Vergeltung erschöpft,
kehren sie erneut
in den Kreislauf von Geburt und Tod zurück.

Die jeweiligen Himmelskönige jedoch
sind Bodhisattvas,
die im Samādhi verweilen,
schrittweise voranschreiten
und ihre Übung
dem heiligen Pfad
zurückwidmen.

Ānanda!
In den vier formlosen Himmeln
sind Körper und Geist
vollständig aufgehoben;
die Wesensnatur der Sammlung
tritt klar hervor,
es gibt keine
durch Karma hervorgebrachte Form mehr.
Von hier bis zum Ende
spricht man vom
Bereich der Nicht-Form.

All dies geschieht,
weil das wunderbar klare,
Erwachen des Geistes
nicht erkannt wird.
Aus angesammelter Verblendung
entsteht trügerisches Werden,
wodurch die drei Daseinsbereiche
fälschlich hervorgebracht werden,
und innerhalb davon
die Wesen,
den sieben Daseinswegen folgend,
versinken.

Die einzelnen Personen
folgen jeweils
ihrer eigenen Art
und ihren Bedingungen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die abschließende Generalabrechnung
mit allen kosmologischen Ebenen.

1. Die radikale Entzauberung der Himmel

Der Buddha sagt unmissverständlich:
Alle Himmelswesen –
auch die höchsten –
sind karmische Resultate.

Himmel sind:
• Vergeltung
• Aufschub
• Verfeinerung

Nicht Befreiung.

2. Die Sonderrolle der Himmelskönige

Entscheidend ist die Differenz:
Nicht der Ort,
sondern die Intention unterscheidet.

Die Himmelskönige:
• verweilen im Samādhi
• schreiten weiter
• widmen zurück

Sie benutzen den Himmel,
ohne dort zu wohnen.

3. Die vier formlosen Bereiche – endgültig relativiert

Selbst dort,
wo Körper und Geist „erlöschen“,
gilt:
• Sammlung ist vorhanden
• Ruhe ist vorhanden
• Karma ist suspendiert

Aber:
Erkennen fehlt.

Darum bleiben sie
Teil der drei Bereiche.

4. Der eigentliche Ursprung von Samsara

Der zentrale Satz:

„不了妙覺明心“

Nicht:
Begierde,
nicht:
Unruhe,
nicht:
Denken

sondern:
Nicht-Erkennen des ursprünglichen,
wunderbar klaren Erwachens.

Das ist der eigentliche Anfang.

5. Die drei Bereiche als Projektion

Die drei Bereiche
werden nicht erschaffen,
sondern projiziert.

Sie entstehen,
weil Verblendung
sich selbst strukturiert.

6. Die sieben Daseinswege

Die sieben Wege
sind keine Strafe,
sondern Folgen von Ausrichtung.

Wesen fallen nicht,
sie folgen.

7. Die letzte Pointe

„補特伽羅,各從其類“

Kein Richter.
Keine Instanz.
Keine Verurteilung.

Nur:
Entsprechung.

Das Sutra endet diesen Zyklus
nicht moralisch,
sondern mechanisch.



Zusammenfassung in einem Satz

Alle Welten entstehen,
weil das Ursprüngliche
nicht erkannt wird –
und enden nicht,
solange es nicht erkannt ist.
333 #
「復次,阿難!是三界中,復有四種阿修羅類:若於鬼道,以護法力成通入空,此阿修羅從卵而生,鬼趣所攝。若於天中降德貶墜,其所卜居隣於日月,此阿修羅從胎而出,人趣所攝。有修羅王執持世界,力洞無畏,能與梵王及天帝釋、四天爭權,此阿修羅因變化有,天趣所攝。阿難!別有一分下劣修羅,生大海心,沈水穴口,旦遊虛空,暮歸水宿,此阿修羅因濕氣有,畜生趣攝。
Der Buddha sprach weiter zu Ānanda:

„Ānanda!
Innerhalb der drei Daseinsbereiche
existieren zudem
vier unterschiedliche Arten von Asuras.

Wenn sie im Geisterbereich
durch die Kraft des Schutzes des Dharma
Fähigkeiten entwickeln
und so in leere Bereiche eindringen,
werden diese Asuras
aus Eiern geboren
und dem Daseinsweg der Geister zugeordnet.

Wenn sie unter den Himmelswesen
aufgrund eines Niedergangs an Tugend
herabfallen
und sich in der Nähe von Sonne und Mond aufhalten,
werden diese Asuras
aus dem Mutterleib geboren
und dem Daseinsweg der Menschen zugeordnet.

Es gibt Asura-Könige,
die Welten tragen,
deren Kraft furchtlos
und durchdringend ist,
die mit dem Brahmā-König,
Indra
und den Vier Himmelskönigen
um Herrschaft ringen;
diese Asuras entstehen
durch Wandlung
und gehören zum Daseinsweg der Götter.

Ānanda!
Daneben gibt es
eine weitere,
niedrigere Klasse von Asuras,
die im großen Ozean leben,
in wassergefüllten Höhlungen verweilen,
tagsüber den Raum durchstreifen
und nachts
in den Gewässern ruhen;
diese Asuras entstehen
aus feuchter Kondensation
und gehören zum Daseinsweg der Tiere.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist keine Mythologie,
sondern eine präzise Typologie von Kraft ohne Einsicht.

1. Was „Asura“ hier bedeutet

Asuras sind keine eigene ontologische Klasse.
Sie sind eine Funktionsweise des Geistes:

Macht + Energie + Durchsetzungsfähigkeit
ohne Durchdringung des ursprünglichen Grundes.

Darum erscheinen sie in allen Bereichen.

2. Die vier Asura-Typen als Struktur

Die Einteilung folgt nicht moralisch,
sondern funktional:
• Geister-Asuras:
Kraft aus Schutz und Technik,
aber gebunden an Angst und Abwehr.
• Menschen-Asuras:
Verlust von Tugend,
Machtambition,
Nähe zu Licht (Sonne/Mond),
aber keine Stabilität.
• Götter-Asuras:
enorme Energie,
kosmische Reichweite,
direkter Machtkampf –
selbst auf höchster Ebene.
• Tier-Asuras:
rohe Kraft,
instinktive Bewegung,
zyklisches Auftauchen und Versinken.

3. Der rote Faden: Macht ohne Loslassen

Alle vier Typen teilen:
• Stärke
• Einfluss
• Wirksamkeit

Aber:
keine Einsicht,
kein Aufgeben,
keine Umwendung.

Asura heißt:

Handlungsfähigkeit ohne Befreiung.

4. Warum Asuras in allen Bereichen auftreten

Weil sie keine Frucht eines Ortes sind,
sondern einer inneren Ausrichtung.

Darum kann selbst
der Himmel
zum Asura-Feld werden.

5. Moderne Entsprechung (nüchtern)

Asura-Struktur zeigt sich heute als:
• spirituelle Machtkämpfe
• ideologische Erlösungsfantasien
• „Erwachte“ mit Einfluss, aber ohne Loslassen
• Aktivismus ohne Durchschauen
• Kontrolle statt Einsicht

6. Verbindung zum bisherigen Text

Nach:
• Himmel
• Versenkung
• Leere
• Bewusstsein

zeigt das Sutra nun:
Selbst Kraft ist kein Ausweg.

Ohne Erkenntnis
des ursprünglichen Grundes
wird jede Energie
zu Bindung.

7. Warum dieser Abschnitt hier steht

Er ist die letzte Warnung:
Nicht Stille,
nicht Leere,
nicht Himmel,
nicht Macht
befreien.

Nur Erkenntnis.

I. Vollständige Übersicht: Drei Bereiche · Sieben Daseinswege · Sonderfall Asura

1. Die drei Bereiche (三界)

Diese sind jetzt vollständig entfaltet:
1. 欲界 – Begierdebereich
• Hölle
• Hungrige Geister
• Tiere
• Menschen
• niedere Himmel
2. 色界 – Formbereich
• Vier Dhyānas
• Brahma-Himmel
• Fünf Nicht-Wiederkehr-Himmel
• → Form verfeinert, aber nicht erschöpft
3. 無色界 – Formloser Bereich
• Raum-Unendlichkeit
• Bewusstseins-Unendlichkeit
• Nichts-da-sein
• Weder-Vorstellung-noch-Nicht-Vorstellung
• → Inhalt aufgehoben, Träger nicht durchschaut

👉 Damit ist die Kosmologie abgeschlossen.



2. Die sieben Daseinswege (七趣)

Jetzt explizit zusammengeführt:

Nr. Daseinsweg Bemerkung
1 Hölle extreme Aversion
2 Hungrige Geister Mangel, Fixierung
3 Tiere Dumpfheit
4 Menschen Mischung, Entscheidung
5 Himmel karmische Belohnung
6 Asuras Macht ohne Einsicht
7 Śrāvaka / Pratyekabuddha (unvollständig) Stagnation ohne Umwendung

➡️ Alle sieben sind jetzt textlich abgeschlossen.



3. Der Sonderfall Asura

Asuras sind kein eigener Ort, sondern eine Querstruktur:

Energie + Macht + Durchsetzung
ohne Erkenntnis des ursprünglichen Grundes

Darum erscheinen sie:
• im Geisterbereich
• im Menschenbereich
• im Himmelsbereich
• im Tierbereich

👉 Asura = Funktionsmodus, nicht Welt.
中文原文
「復次,阿難!是三界中,復有四種阿修羅類:若於鬼道,以護法力成通入空,此阿修羅從卵而生,鬼趣所攝。若於天中降德貶墜,其所卜居隣於日月,此阿修羅從胎而出,人趣所攝。有修羅王執持世界,力洞無畏,能與梵王及天帝釋、四天爭權,此阿修羅因變化有,天趣所攝。阿難!別有一分下劣修羅,生大海心,沈水穴口,旦遊虛空,暮歸水宿,此阿修羅因濕氣有,畜生趣攝。
Deutsch
Der Buddha sprach weiter zu Ānanda:

„Ānanda!
Innerhalb der drei Daseinsbereiche
existieren zudem
vier unterschiedliche Arten von Asuras.

Wenn sie im Geisterbereich
durch die Kraft des Schutzes des Dharma
Fähigkeiten entwickeln
und so in leere Bereiche eindringen,
werden diese Asuras
aus Eiern geboren
und dem Daseinsweg der Geister zugeordnet.

Wenn sie unter den Himmelswesen
aufgrund eines Niedergangs an Tugend
herabfallen
und sich in der Nähe von Sonne und Mond aufhalten,
werden diese Asuras
aus dem Mutterleib geboren
und dem Daseinsweg der Menschen zugeordnet.

Es gibt Asura-Könige,
die Welten tragen,
deren Kraft furchtlos
und durchdringend ist,
die mit dem Brahmā-König,
Indra
und den Vier Himmelskönigen
um Herrschaft ringen;
diese Asuras entstehen
durch Wandlung
und gehören zum Daseinsweg der Götter.

Ānanda!
Daneben gibt es
eine weitere,
niedrigere Klasse von Asuras,
die im großen Ozean leben,
in wassergefüllten Höhlungen verweilen,
tagsüber den Raum durchstreifen
und nachts
in den Gewässern ruhen;
diese Asuras entstehen
aus feuchter Kondensation
und gehören zum Daseinsweg der Tiere.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist keine Mythologie,
sondern eine präzise Typologie von Kraft ohne Einsicht.

1. Was „Asura“ hier bedeutet

Asuras sind keine eigene ontologische Klasse.
Sie sind eine Funktionsweise des Geistes:

Macht + Energie + Durchsetzungsfähigkeit
ohne Durchdringung des ursprünglichen Grundes.

Darum erscheinen sie in allen Bereichen.

2. Die vier Asura-Typen als Struktur

Die Einteilung folgt nicht moralisch,
sondern funktional:
• Geister-Asuras:
Kraft aus Schutz und Technik,
aber gebunden an Angst und Abwehr.
• Menschen-Asuras:
Verlust von Tugend,
Machtambition,
Nähe zu Licht (Sonne/Mond),
aber keine Stabilität.
• Götter-Asuras:
enorme Energie,
kosmische Reichweite,
direkter Machtkampf –
selbst auf höchster Ebene.
• Tier-Asuras:
rohe Kraft,
instinktive Bewegung,
zyklisches Auftauchen und Versinken.

3. Der rote Faden: Macht ohne Loslassen

Alle vier Typen teilen:
• Stärke
• Einfluss
• Wirksamkeit

Aber:
keine Einsicht,
kein Aufgeben,
keine Umwendung.

Asura heißt:

Handlungsfähigkeit ohne Befreiung.

4. Warum Asuras in allen Bereichen auftreten

Weil sie keine Frucht eines Ortes sind,
sondern einer inneren Ausrichtung.

Darum kann selbst
der Himmel
zum Asura-Feld werden.

5. Moderne Entsprechung (nüchtern)

Asura-Struktur zeigt sich heute als:
• spirituelle Machtkämpfe
• ideologische Erlösungsfantasien
• „Erwachte“ mit Einfluss, aber ohne Loslassen
• Aktivismus ohne Durchschauen
• Kontrolle statt Einsicht

6. Verbindung zum bisherigen Text

Nach:
• Himmel
• Versenkung
• Leere
• Bewusstsein

zeigt das Sutra nun:
Selbst Kraft ist kein Ausweg.

Ohne Erkenntnis
des ursprünglichen Grundes
wird jede Energie
zu Bindung.

7. Warum dieser Abschnitt hier steht

Er ist die letzte Warnung:
Nicht Stille,
nicht Leere,
nicht Himmel,
nicht Macht
befreien.

Nur Erkenntnis.

I. Vollständige Übersicht: Drei Bereiche · Sieben Daseinswege · Sonderfall Asura

1. Die drei Bereiche (三界)

Diese sind jetzt vollständig entfaltet:
1. 欲界 – Begierdebereich
• Hölle
• Hungrige Geister
• Tiere
• Menschen
• niedere Himmel
2. 色界 – Formbereich
• Vier Dhyānas
• Brahma-Himmel
• Fünf Nicht-Wiederkehr-Himmel
• → Form verfeinert, aber nicht erschöpft
3. 無色界 – Formloser Bereich
• Raum-Unendlichkeit
• Bewusstseins-Unendlichkeit
• Nichts-da-sein
• Weder-Vorstellung-noch-Nicht-Vorstellung
• → Inhalt aufgehoben, Träger nicht durchschaut

👉 Damit ist die Kosmologie abgeschlossen.



2. Die sieben Daseinswege (七趣)

Jetzt explizit zusammengeführt:

Nr. Daseinsweg Bemerkung
1 Hölle extreme Aversion
2 Hungrige Geister Mangel, Fixierung
3 Tiere Dumpfheit
4 Menschen Mischung, Entscheidung
5 Himmel karmische Belohnung
6 Asuras Macht ohne Einsicht
7 Śrāvaka / Pratyekabuddha (unvollständig) Stagnation ohne Umwendung

➡️ Alle sieben sind jetzt textlich abgeschlossen.



3. Der Sonderfall Asura

Asuras sind kein eigener Ort, sondern eine Querstruktur:

Energie + Macht + Durchsetzung
ohne Erkenntnis des ursprünglichen Grundes

Darum erscheinen sie:
• im Geisterbereich
• im Menschenbereich
• im Himmelsbereich
• im Tierbereich

👉 Asura = Funktionsmodus, nicht Welt.
334 #
「阿難!如是地獄、餓鬼、畜生、人及神仙、天洎修羅,精研七趣,皆是昏沈諸有為[1]想。妄想受生,妄想隨業,於妙圓明無作本心,皆如空花,元無所[2]有。但一虛妄,更無根緒。阿難!此等眾生不識本心,受此輪迴,經無量劫不得真淨。皆由隨順殺、盜、婬故;反此三種,又則出生無殺、盜、婬。有名鬼倫,無名天趣,有無相傾,起輪迴性。若得妙發三摩[*]提者,則妙常寂。有、無二無,無二亦滅,尚無不殺、不偷、不婬,云何更隨殺、盜、婬事?
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Hölle,
hungrige Geister,
Tiere,
Menschen,
Götter,
Unsterbliche,
Himmel und Asuras –
bei genauer Durchdringung
der sieben Daseinswege –
sind allesamt
trübe,
dumpfe,
bedingte Geistesvorstellungen.

Aus Verblendung
entsteht Geburt,
der Verblendung folgend
wirkt Karma.
Im wunderbar klaren,
runden,
nicht-gemachten
ursprünglichen Grund
sind sie
wie Blumen in der Luft –
ursprünglich
ohne Substanz.

Es ist nichts
als bloße Täuschung,
ohne Ursache
und ohne Halt.

Ānanda!
Weil diese Wesen
den ursprünglichen Grund
nicht erkennen,
unterliegen sie
diesem Kreislauf
und erreichen
über unzählige Zeitalter
keine wahre Läuterung.

Der Grund dafür ist,
dass sie dem Töten,
Stehlen
und sexuellen Begehren folgen.
Kehrt man diese drei um,
entstehen
Nicht-Töten,
Nicht-Stehlen
und Nicht-Begehren.

Das Benannte
bildet die Ordnung der Geister,
das Unbenannte
die Bereiche der Himmel;
Sein und Nichtsein
bedingen einander
und setzen
die Dynamik des Kreislaufs in Gang.

Wird jedoch
durch wunderbare Entfaltung
wahre Samādhi verwirklicht,
herrscht
beständige Stille.

Sein und Nichtsein
sind beide aufgehoben,
und selbst dieses Nicht-Zwei
erlischt.
Wenn es nicht einmal mehr
Nicht-Töten,
Nicht-Stehlen
und Nicht-Begehren gibt –
wie sollte man dann
noch Töten,
Stehlen
oder Begehren folgen?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die axiale Zusammenfassung der gesamten vorherigen Kosmologie.

1. Sieben Daseinswege als Geistesprojektionen

Der Buddha erklärt unmissverständlich:
Die sieben Daseinswege
sind keine objektiven Orte,
sondern bedingte Vorstellungsstrukturen.

Sie entstehen nicht „draußen“,
sondern aus
dumpfer,
ungeklärter
geistiger Aktivität.

2. Luftblumen – die zentrale Metapher

„Luftblumen“ sind:
• sichtbar scheinend
• erfahrbar wirkend
• aber substanzlos

Nicht Illusion im Sinne von „nicht existent“,
sondern:

existent nur innerhalb der Täuschung.

3. Ethik als Folge – nicht als Ursache

Der Text dreht die übliche Logik um:
Nicht Ethik erzeugt Erwachen,
sondern Erwachen
macht Ethik gegenstandslos.

Töten, Stehlen, Begehren
sind keine „Sünden“,
sondern Ausdruck von Verblendung.

4. Die radikale Pointe

Der Satz:

„尚無不殺、不偷、不婬“

sprengt jede moralische Fixierung.

Im Erwachen
gibt es nicht einmal mehr
„Nicht-Töten“,
weil es
kein Gegenüber mehr gibt,
dem etwas angetan werden könnte.

5. Gefahr der Fehllektüre

Das ist keine Lizenz zur Grenzüberschreitung,
sondern das Gegenteil:
Ohne Ich-Fixierung
entsteht Schaden gar nicht erst.

Ethik wird
nicht aufgehoben,
sondern überflüssig.

6. Systematische Funktion

Dieser Abschnitt:
• schließt die Kosmologie
• entkräftet Moralismus
• bereitet die Warnlehre vor

Er markiert:

Jetzt beginnt die eigentliche Praxisprüfung.
中文原文
「阿難!如是地獄、餓鬼、畜生、人及神仙、天洎修羅,精研七趣,皆是昏沈諸有為[1]想。妄想受生,妄想隨業,於妙圓明無作本心,皆如空花,元無所[2]有。但一虛妄,更無根緒。阿難!此等眾生不識本心,受此輪迴,經無量劫不得真淨。皆由隨順殺、盜、婬故;反此三種,又則出生無殺、盜、婬。有名鬼倫,無名天趣,有無相傾,起輪迴性。若得妙發三摩[*]提者,則妙常寂。有、無二無,無二亦滅,尚無不殺、不偷、不婬,云何更隨殺、盜、婬事?
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Hölle,
hungrige Geister,
Tiere,
Menschen,
Götter,
Unsterbliche,
Himmel und Asuras –
bei genauer Durchdringung
der sieben Daseinswege –
sind allesamt
trübe,
dumpfe,
bedingte Geistesvorstellungen.

Aus Verblendung
entsteht Geburt,
der Verblendung folgend
wirkt Karma.
Im wunderbar klaren,
runden,
nicht-gemachten
ursprünglichen Grund
sind sie
wie Blumen in der Luft –
ursprünglich
ohne Substanz.

Es ist nichts
als bloße Täuschung,
ohne Ursache
und ohne Halt.

Ānanda!
Weil diese Wesen
den ursprünglichen Grund
nicht erkennen,
unterliegen sie
diesem Kreislauf
und erreichen
über unzählige Zeitalter
keine wahre Läuterung.

Der Grund dafür ist,
dass sie dem Töten,
Stehlen
und sexuellen Begehren folgen.
Kehrt man diese drei um,
entstehen
Nicht-Töten,
Nicht-Stehlen
und Nicht-Begehren.

Das Benannte
bildet die Ordnung der Geister,
das Unbenannte
die Bereiche der Himmel;
Sein und Nichtsein
bedingen einander
und setzen
die Dynamik des Kreislaufs in Gang.

Wird jedoch
durch wunderbare Entfaltung
wahre Samādhi verwirklicht,
herrscht
beständige Stille.

Sein und Nichtsein
sind beide aufgehoben,
und selbst dieses Nicht-Zwei
erlischt.
Wenn es nicht einmal mehr
Nicht-Töten,
Nicht-Stehlen
und Nicht-Begehren gibt –
wie sollte man dann
noch Töten,
Stehlen
oder Begehren folgen?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die axiale Zusammenfassung der gesamten vorherigen Kosmologie.

1. Sieben Daseinswege als Geistesprojektionen

Der Buddha erklärt unmissverständlich:
Die sieben Daseinswege
sind keine objektiven Orte,
sondern bedingte Vorstellungsstrukturen.

Sie entstehen nicht „draußen“,
sondern aus
dumpfer,
ungeklärter
geistiger Aktivität.

2. Luftblumen – die zentrale Metapher

„Luftblumen“ sind:
• sichtbar scheinend
• erfahrbar wirkend
• aber substanzlos

Nicht Illusion im Sinne von „nicht existent“,
sondern:

existent nur innerhalb der Täuschung.

3. Ethik als Folge – nicht als Ursache

Der Text dreht die übliche Logik um:
Nicht Ethik erzeugt Erwachen,
sondern Erwachen
macht Ethik gegenstandslos.

Töten, Stehlen, Begehren
sind keine „Sünden“,
sondern Ausdruck von Verblendung.

4. Die radikale Pointe

Der Satz:

„尚無不殺、不偷、不婬“

sprengt jede moralische Fixierung.

Im Erwachen
gibt es nicht einmal mehr
„Nicht-Töten“,
weil es
kein Gegenüber mehr gibt,
dem etwas angetan werden könnte.

5. Gefahr der Fehllektüre

Das ist keine Lizenz zur Grenzüberschreitung,
sondern das Gegenteil:
Ohne Ich-Fixierung
entsteht Schaden gar nicht erst.

Ethik wird
nicht aufgehoben,
sondern überflüssig.

6. Systematische Funktion

Dieser Abschnitt:
• schließt die Kosmologie
• entkräftet Moralismus
• bereitet die Warnlehre vor

Er markiert:

Jetzt beginnt die eigentliche Praxisprüfung.
335 #
阿難!不斷三業,各各有私,因各各私,眾私同分非無定處。自妄發生,生妄無因,無可尋究。汝勗修行,欲得菩提,要除三惑。不盡三惑,縱得神通,皆是世間有為功用,習氣不滅,落於魔道。雖欲除妄,倍加虛偽,如來說為可哀憐者。汝妄自造,非菩提咎。作是說者,名為正說;若他說者,即魔王說。」
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Wer die drei karmischen Handlungsbereiche
nicht durchtrennt,
handelt jeweils
aus persönlicher Verstrickung.
Aus dieser individuellen Verstrickung
entsteht eine kollektive Verstrickung,
die sehr wohl
einen bestimmten Bereich bildet.

Aus Täuschung
entsteht weiteres Täuschen;
diese Verblendung
hat keinen ursprünglichen Grund
und lässt sich
nicht bis zu einer Ursache zurückverfolgen.

Du sollst dich
eindringlich der Praxis widmen.
Willst du Erwachen erlangen,
musst du die drei Verblendungen
auflösen.
Wer sie nicht vollständig auflöst,
mag selbst spirituelle Kräfte erlangen –
doch all dies bleibt
bedingte,
weltliche Wirksamkeit.
Gewohnheitskräfte
bleiben bestehen,
und der Weg
führt in dämonische Verirrung.

Obwohl man meint,
Täuschung zu beseitigen,
vergrößert man sie
noch weiter.
Der Buddha nennt dies
erbarmungswürdig.

Diese Täuschung
entsteht aus dir selbst;
sie ist nicht
die Schuld des Erwachens.

Wer dies so lehrt,
lehrt richtig;
wer anders lehrt,
spricht aus der Perspektive
des Dämonenkönigs.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine der schärfsten Praxisdiagnosen des gesamten Sutras.

1. Die drei Handlungsbereiche als Kernmechanismus

Die „drei Handlungen“
(Töten, Stehlen, sexuelles Begehren)
werden hier nicht moralisch,
sondern strukturell verstanden:

Sie sind Ausdruck von
Eigeninteresse,
Abtrennung
und Selbstbezug.

Solange sie nicht durchtrennt sind,
bleibt Praxis
instrumentell.

2. Privatverblendung wird Welt

Der Text macht einen entscheidenden Schritt:
Individuelle Verstrickung
verfestigt sich
zu kollektiver Realität.

Welten entstehen,
weil viele private Täuschungen
sich überlagern.

Samsara ist nicht außen,
sondern gemeinsam stabilisiert.

3. Warum Kräfte gefährlich sind

Übernatürliche Fähigkeiten
werden hier ausdrücklich
nicht bestritten –
aber entwertet.

Ohne Auflösung der Verblendung
verstärken sie:
• Identität
• Kontrolle
• Selbstbestätigung

Darum heißen sie:
dämonischer Pfad.

4. Die bittere Pointe

Der Satz:

„Du selbst erschaffst diese Täuschung;
es ist nicht die Schuld des Erwachens.“

zerstört jede Ausrede.

Nicht:
• Methode
• Lehrer
• Lehre
• Kosmos

sondern:
Eigenverblendung.

5. Kriterium der rechten Lehre

Am Ende setzt der Buddha
ein klares Unterscheidungsmerkmal:
• Wer auf Selbstverantwortung verweist → rechte Lehre
• Wer Schuld externalisiert → Dämonenrede

Das ist kein Glaube,
sondern ein Prüfstein.
中文原文
阿難!不斷三業,各各有私,因各各私,眾私同分非無定處。自妄發生,生妄無因,無可尋究。汝勗修行,欲得菩提,要除三惑。不盡三惑,縱得神通,皆是世間有為功用,習氣不滅,落於魔道。雖欲除妄,倍加虛偽,如來說為可哀憐者。汝妄自造,非菩提咎。作是說者,名為正說;若他說者,即魔王說。」
Deutsch
Der Buddha sprach zu Ānanda:

„Ānanda!
Wer die drei karmischen Handlungsbereiche
nicht durchtrennt,
handelt jeweils
aus persönlicher Verstrickung.
Aus dieser individuellen Verstrickung
entsteht eine kollektive Verstrickung,
die sehr wohl
einen bestimmten Bereich bildet.

Aus Täuschung
entsteht weiteres Täuschen;
diese Verblendung
hat keinen ursprünglichen Grund
und lässt sich
nicht bis zu einer Ursache zurückverfolgen.

Du sollst dich
eindringlich der Praxis widmen.
Willst du Erwachen erlangen,
musst du die drei Verblendungen
auflösen.
Wer sie nicht vollständig auflöst,
mag selbst spirituelle Kräfte erlangen –
doch all dies bleibt
bedingte,
weltliche Wirksamkeit.
Gewohnheitskräfte
bleiben bestehen,
und der Weg
führt in dämonische Verirrung.

Obwohl man meint,
Täuschung zu beseitigen,
vergrößert man sie
noch weiter.
Der Buddha nennt dies
erbarmungswürdig.

Diese Täuschung
entsteht aus dir selbst;
sie ist nicht
die Schuld des Erwachens.

Wer dies so lehrt,
lehrt richtig;
wer anders lehrt,
spricht aus der Perspektive
des Dämonenkönigs.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine der schärfsten Praxisdiagnosen des gesamten Sutras.

1. Die drei Handlungsbereiche als Kernmechanismus

Die „drei Handlungen“
(Töten, Stehlen, sexuelles Begehren)
werden hier nicht moralisch,
sondern strukturell verstanden:

Sie sind Ausdruck von
Eigeninteresse,
Abtrennung
und Selbstbezug.

Solange sie nicht durchtrennt sind,
bleibt Praxis
instrumentell.

2. Privatverblendung wird Welt

Der Text macht einen entscheidenden Schritt:
Individuelle Verstrickung
verfestigt sich
zu kollektiver Realität.

Welten entstehen,
weil viele private Täuschungen
sich überlagern.

Samsara ist nicht außen,
sondern gemeinsam stabilisiert.

3. Warum Kräfte gefährlich sind

Übernatürliche Fähigkeiten
werden hier ausdrücklich
nicht bestritten –
aber entwertet.

Ohne Auflösung der Verblendung
verstärken sie:
• Identität
• Kontrolle
• Selbstbestätigung

Darum heißen sie:
dämonischer Pfad.

4. Die bittere Pointe

Der Satz:

„Du selbst erschaffst diese Täuschung;
es ist nicht die Schuld des Erwachens.“

zerstört jede Ausrede.

Nicht:
• Methode
• Lehrer
• Lehre
• Kosmos

sondern:
Eigenverblendung.

5. Kriterium der rechten Lehre

Am Ende setzt der Buddha
ein klares Unterscheidungsmerkmal:
• Wer auf Selbstverantwortung verweist → rechte Lehre
• Wer Schuld externalisiert → Dämonenrede

Das ist kein Glaube,
sondern ein Prüfstein.
336 #
即時如來將罷法座,於師子床攬七寶[3]机,迴紫金山,再來凭倚,普告大眾及阿難言:「汝等有學緣覺、聲聞,今日迴心趣大菩提無上妙覺,吾今已說真修行法。汝猶未識修奢摩他、毘婆舍那微細魔事;魔境現前,汝不能識,洗心非正,落於邪見。或汝陰魔,或復天魔,或著鬼神,或遭魑魅;心中不明,認賊為子。又復於中得少為足,如第四禪無聞比丘妄言證聖,天報已畢衰相現前,謗阿羅漢身遭後有,墮阿鼻獄。汝應諦聽!吾今為汝子細分別。」
Sogleich,
als der Buddha
die Lehrversammlung beenden wollte,
schob er auf dem Löwenthron
den Tisch aus sieben Kostbarkeiten beiseite,
wandte sich vom Purpur-Gold-Berg ab
und kehrte zurück,
um sich erneut anzulehnen.

Daraufhin
verkündete er der gesamten Versammlung
und Ānanda:

„Ihr Übenden,
Pratyekabuddhas
und Śrāvakas,
ihr habt heute
eure Gesinnung gewendet
und richtet euch nun
auf das große Bodhi,
das unübertreffliche,
wunderbare Erwachen aus.
Ich habe euch bereits
die wahre Praxis
des Übens dargelegt.

Doch ihr kennt noch nicht
die subtilen dämonischen Vorgänge,
die beim Üben von Śamatha
und Vipaśyanā auftreten.
Wenn dämonische Erscheinungen auftauchen,
könnt ihr sie nicht unterscheiden;
die Reinigung des Geistes
ist nicht korrekt,
und ihr fallt
in falsche Sichtweisen.

Es kann sein,
dass es Dämonen
der eigenen Skandhas sind,
oder himmlische Dämonen,
oder dass ihr von Geistern
oder unheimlichen Wesen
beeinflusst werdet.
Wenn im Geist
keine Klarheit ist,
haltet ihr den Dieb
für euer eigenes Kind.

Zudem gibt es solche,
die mit geringfügigen Ergebnissen
zufrieden sind.
Wie der Bhikṣu
der vierten Versenkung,
der ohne rechtes Hören
fälschlich behauptete,
Heiligkeit erlangt zu haben:
Als seine himmlische Frucht erschöpft war
und Zeichen des Verfalls erschienen,
verleumdete er den Arhat,
behauptete,
sein Körper unterliege
weiterem Werden,
und stürzte
in die Avīci-Hölle.

Ihr sollt genau zuhören!
Ich werde euch nun
alles im Detail unterscheiden.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert einen klaren Einschnitt im Sutra.

1. Vom Kosmos zur Praxis

Nach der vollständigen Entfaltung
aller Welten, Bereiche und Wege
wendet sich der Buddha nun
direkt der Gefahr im Inneren der Praxis zu.

Nicht die Welt ist das Problem,
sondern Fehlinterpretation von Erfahrung.

2. Die zentrale Warnung

Der Satz

„Ihr haltet den Dieb für euer eigenes Kind“

ist eine der schärfsten Metaphern des Sutras.

Er bedeutet:
• Verirrung wird geschützt
• Täuschung wird genährt
• das Ego tarnt sich als Einsicht

3. Dämonen als Funktionsbegriff

„Dämonen“ sind hier
keine äußeren Wesen im naiven Sinn,
sondern:
• verzerrte Wahrnehmungen
• unerkannte Skandha-Dynamiken
• übersteigerte Meditationszustände

4. Die Gefahr des „genug“

Besonders gefährlich ist
das Zufriedensein
mit kleinen Ergebnissen.

Der Bhikṣu der vierten Versenkung
ist das warnende Beispiel:
hohe Sammlung
ohne Einsicht
führt zu Fallhöhe.

5. Methodischer Übergang

Mit diesem Abschnitt
kündigt der Buddha
die detaillierte Analyse
der Skandha-Verirrungen an.

Was folgt,
ist keine Kosmologie mehr,
sondern eine Fehlerkunde der Meditation –
präzise,
nüchtern
und unerbittlich.
中文原文
即時如來將罷法座,於師子床攬七寶[3]机,迴紫金山,再來凭倚,普告大眾及阿難言:「汝等有學緣覺、聲聞,今日迴心趣大菩提無上妙覺,吾今已說真修行法。汝猶未識修奢摩他、毘婆舍那微細魔事;魔境現前,汝不能識,洗心非正,落於邪見。或汝陰魔,或復天魔,或著鬼神,或遭魑魅;心中不明,認賊為子。又復於中得少為足,如第四禪無聞比丘妄言證聖,天報已畢衰相現前,謗阿羅漢身遭後有,墮阿鼻獄。汝應諦聽!吾今為汝子細分別。」
Deutsch
Sogleich,
als der Buddha
die Lehrversammlung beenden wollte,
schob er auf dem Löwenthron
den Tisch aus sieben Kostbarkeiten beiseite,
wandte sich vom Purpur-Gold-Berg ab
und kehrte zurück,
um sich erneut anzulehnen.

Daraufhin
verkündete er der gesamten Versammlung
und Ānanda:

„Ihr Übenden,
Pratyekabuddhas
und Śrāvakas,
ihr habt heute
eure Gesinnung gewendet
und richtet euch nun
auf das große Bodhi,
das unübertreffliche,
wunderbare Erwachen aus.
Ich habe euch bereits
die wahre Praxis
des Übens dargelegt.

Doch ihr kennt noch nicht
die subtilen dämonischen Vorgänge,
die beim Üben von Śamatha
und Vipaśyanā auftreten.
Wenn dämonische Erscheinungen auftauchen,
könnt ihr sie nicht unterscheiden;
die Reinigung des Geistes
ist nicht korrekt,
und ihr fallt
in falsche Sichtweisen.

Es kann sein,
dass es Dämonen
der eigenen Skandhas sind,
oder himmlische Dämonen,
oder dass ihr von Geistern
oder unheimlichen Wesen
beeinflusst werdet.
Wenn im Geist
keine Klarheit ist,
haltet ihr den Dieb
für euer eigenes Kind.

Zudem gibt es solche,
die mit geringfügigen Ergebnissen
zufrieden sind.
Wie der Bhikṣu
der vierten Versenkung,
der ohne rechtes Hören
fälschlich behauptete,
Heiligkeit erlangt zu haben:
Als seine himmlische Frucht erschöpft war
und Zeichen des Verfalls erschienen,
verleumdete er den Arhat,
behauptete,
sein Körper unterliege
weiterem Werden,
und stürzte
in die Avīci-Hölle.

Ihr sollt genau zuhören!
Ich werde euch nun
alles im Detail unterscheiden.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert einen klaren Einschnitt im Sutra.

1. Vom Kosmos zur Praxis

Nach der vollständigen Entfaltung
aller Welten, Bereiche und Wege
wendet sich der Buddha nun
direkt der Gefahr im Inneren der Praxis zu.

Nicht die Welt ist das Problem,
sondern Fehlinterpretation von Erfahrung.

2. Die zentrale Warnung

Der Satz

„Ihr haltet den Dieb für euer eigenes Kind“

ist eine der schärfsten Metaphern des Sutras.

Er bedeutet:
• Verirrung wird geschützt
• Täuschung wird genährt
• das Ego tarnt sich als Einsicht

3. Dämonen als Funktionsbegriff

„Dämonen“ sind hier
keine äußeren Wesen im naiven Sinn,
sondern:
• verzerrte Wahrnehmungen
• unerkannte Skandha-Dynamiken
• übersteigerte Meditationszustände

4. Die Gefahr des „genug“

Besonders gefährlich ist
das Zufriedensein
mit kleinen Ergebnissen.

Der Bhikṣu der vierten Versenkung
ist das warnende Beispiel:
hohe Sammlung
ohne Einsicht
führt zu Fallhöhe.

5. Methodischer Übergang

Mit diesem Abschnitt
kündigt der Buddha
die detaillierte Analyse
der Skandha-Verirrungen an.

Was folgt,
ist keine Kosmologie mehr,
sondern eine Fehlerkunde der Meditation –
präzise,
nüchtern
und unerbittlich.
337 #
阿難起立,并其會中同有學者,歡喜頂禮,伏聽慈誨。
佛告阿難及諸大眾:「汝等當知有漏世界十二類生,本覺妙明覺圓心體,與十方佛無二無別。由汝妄想迷理為咎,癡愛發生,生發遍迷,故有空性;化迷不息,有世界生。則此十方微塵國土,非無漏者,皆是迷頑妄想安立。當知虛空生汝心內,猶如片雲點太清裏。況諸世界在虛空耶?汝等一人發真歸元,此十方空皆悉銷殞;云何空中所有國土而不振裂?
Ānanda stand auf,
und ebenso
alle Lernenden in der Versammlung.
Voller Freude
verneigten sie sich
und hörten aufmerksam
die mitfühlende Belehrung.

Der Buddha sprach zu Ānanda
und zu allen Anwesenden:

„Ihr sollt erkennen:
Die Welt der Ausflüsse
und die zwölf Arten von Wesen
sind im ursprünglich erwachten,
wunderbar klaren
und vollkommenen Grund
nicht verschieden
von den Buddhas
der zehn Richtungen.

Doch weil ihr
durch verkehrte Vorstellungen
das Prinzip verfehlt,
entstehen Verblendung
und begehrende Anhaftung.
Diese entfalten sich,
durchdringen alles
und lassen so
die Erfahrung von Raum entstehen.
Da diese Verwandlung
nicht zum Stillstand kommt,
entstehen Welten.

So sind die zahllosen
Staubkorn-Welten
der zehn Richtungen,
soweit sie nicht frei von Ausflüssen sind,
allesamt
durch verfestigte,
verirrte Vorstellungen
errichtet.

Ihr sollt wissen:
Der Raum entsteht
innerhalb eures eigenen Geistes,
wie eine einzelne Wolke
im weiten Himmel.
Wie viel mehr gilt dies
für die Welten im Raum!

Wenn auch nur einer von euch
wahrhaft zum Ursprung zurückkehrt,
so lösen sich
alle Räume der zehn Richtungen auf.
Wie könnten dann
die darin befindlichen Welten
unerschüttert bleiben?“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist eine der zentralsten Aussagen des gesamten Sutras
– nicht poetisch gemeint, sondern ontologisch präzise.

1. Radikale Gleichsetzung: Wesen und Buddhas

Der Buddha sagt nicht:

„Wesen können Buddhas werden.“

Sondern:

Wesen sind im ursprünglichen Grund
nicht verschieden von Buddhas.

Der Unterschied ist
nicht ontologisch,
sondern epistemisch.

2. Raum als Folge von Verblendung

Der Text formuliert etwas Radikales:
Nicht nur Welten,
sondern Raum selbst
ist ein Produkt von Verblendung.

Raum ist keine Bühne,
auf der Welt entsteht,
sondern ein Effekt falscher Vorstellung.

3. Die Wolkenmetapher

Die Wolke ist:
• real erfahrbar
• lokal begrenzt
• ohne Einfluss auf den Himmel selbst

So sind Welten
im ursprünglichen Grund:
erscheinend,
aber nicht tragend.

4. Kosmologie kippt in Erfahrung

Der Satz:

„Wenn einer wahrhaft zum Ursprung zurückkehrt …“

verlegt die gesamte Kosmologie
in die Erfahrung des Einzelnen.

Befreiung ist kein globales Ereignis,
sondern eine strukturelle Umwendung –
doch sie erschüttert
das gesamte Erfahrungsfeld.

5. Vorbereitung der Skandha-Lehre

Mit diesem Abschnitt
ist endgültig klar:
Alles, was folgt,
betrifft nicht äußere Welten,
sondern innere Erfahrung.

Die kommenden Skandha-Analysen
sind keine Theorie,
sondern eine präzise Anleitung
zur Durchschauung von Verblendung.
中文原文
阿難起立,并其會中同有學者,歡喜頂禮,伏聽慈誨。
佛告阿難及諸大眾:「汝等當知有漏世界十二類生,本覺妙明覺圓心體,與十方佛無二無別。由汝妄想迷理為咎,癡愛發生,生發遍迷,故有空性;化迷不息,有世界生。則此十方微塵國土,非無漏者,皆是迷頑妄想安立。當知虛空生汝心內,猶如片雲點太清裏。況諸世界在虛空耶?汝等一人發真歸元,此十方空皆悉銷殞;云何空中所有國土而不振裂?
Deutsch
Ānanda stand auf,
und ebenso
alle Lernenden in der Versammlung.
Voller Freude
verneigten sie sich
und hörten aufmerksam
die mitfühlende Belehrung.

Der Buddha sprach zu Ānanda
und zu allen Anwesenden:

„Ihr sollt erkennen:
Die Welt der Ausflüsse
und die zwölf Arten von Wesen
sind im ursprünglich erwachten,
wunderbar klaren
und vollkommenen Grund
nicht verschieden
von den Buddhas
der zehn Richtungen.

Doch weil ihr
durch verkehrte Vorstellungen
das Prinzip verfehlt,
entstehen Verblendung
und begehrende Anhaftung.
Diese entfalten sich,
durchdringen alles
und lassen so
die Erfahrung von Raum entstehen.
Da diese Verwandlung
nicht zum Stillstand kommt,
entstehen Welten.

So sind die zahllosen
Staubkorn-Welten
der zehn Richtungen,
soweit sie nicht frei von Ausflüssen sind,
allesamt
durch verfestigte,
verirrte Vorstellungen
errichtet.

Ihr sollt wissen:
Der Raum entsteht
innerhalb eures eigenen Geistes,
wie eine einzelne Wolke
im weiten Himmel.
Wie viel mehr gilt dies
für die Welten im Raum!

Wenn auch nur einer von euch
wahrhaft zum Ursprung zurückkehrt,
so lösen sich
alle Räume der zehn Richtungen auf.
Wie könnten dann
die darin befindlichen Welten
unerschüttert bleiben?“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist eine der zentralsten Aussagen des gesamten Sutras
– nicht poetisch gemeint, sondern ontologisch präzise.

1. Radikale Gleichsetzung: Wesen und Buddhas

Der Buddha sagt nicht:

„Wesen können Buddhas werden.“

Sondern:

Wesen sind im ursprünglichen Grund
nicht verschieden von Buddhas.

Der Unterschied ist
nicht ontologisch,
sondern epistemisch.

2. Raum als Folge von Verblendung

Der Text formuliert etwas Radikales:
Nicht nur Welten,
sondern Raum selbst
ist ein Produkt von Verblendung.

Raum ist keine Bühne,
auf der Welt entsteht,
sondern ein Effekt falscher Vorstellung.

3. Die Wolkenmetapher

Die Wolke ist:
• real erfahrbar
• lokal begrenzt
• ohne Einfluss auf den Himmel selbst

So sind Welten
im ursprünglichen Grund:
erscheinend,
aber nicht tragend.

4. Kosmologie kippt in Erfahrung

Der Satz:

„Wenn einer wahrhaft zum Ursprung zurückkehrt …“

verlegt die gesamte Kosmologie
in die Erfahrung des Einzelnen.

Befreiung ist kein globales Ereignis,
sondern eine strukturelle Umwendung –
doch sie erschüttert
das gesamte Erfahrungsfeld.

5. Vorbereitung der Skandha-Lehre

Mit diesem Abschnitt
ist endgültig klar:
Alles, was folgt,
betrifft nicht äußere Welten,
sondern innere Erfahrung.

Die kommenden Skandha-Analysen
sind keine Theorie,
sondern eine präzise Anleitung
zur Durchschauung von Verblendung.
338 #
汝輩修禪飾三摩地,十方菩薩及諸無漏大阿羅漢心精通[4]㳷,當處湛然。一切魔王及與鬼神、諸凡夫天,見其宮殿無故崩裂,大地振坼;水陸飛騰,無不驚慴。凡夫昏暗,不覺遷訛。彼等咸得五種神通,唯除漏盡,戀此塵勞,如何令汝摧裂其處?是故[5]神鬼及諸天魔、魍魎、妖精,於三昧時僉來惱汝。
Der Buddha sprach:

„Wenn ihr Meditation übt
und Samādhi vertieft,
sind die Herzen
der Bodhisattvas
in den zehn Richtungen
und der großen,
ausflusslosen Arhats
vollständig durchdringend klar
und verweilen
am Ort selbst
in tiefer Ruhe.

Alle Dämonenkönige,
Geister,
Himmelswesen
und gewöhnlichen Götter
nehmen dann wahr,
dass ihre Wohnstätten
ohne ersichtlichen Grund
zerbrechen,
die Erde bebt
und aufreißt,
und Wasser wie Land
in Unruhe geraten,
so dass sie
von Schrecken erfüllt sind.

Gewöhnliche Menschen
sind geistig verdunkelt
und erkennen
diese Verschiebung nicht.

Jene Wesen verfügen zwar
über die fünf übernatürlichen Kräfte,
doch haben sie
die Ausflüsse nicht beendet.
Da sie an den
weltlichen Erscheinungen haften,
wie sollten sie dulden,
dass ihr
ihre Daseinsgrundlage
erschüttert?

Darum erscheinen
Geister, Götter,
Himmelsdämonen,
unheimliche Wesen
und Dämonen
während des Samādhi
und versuchen,
euch zu beunruhigen.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt erklärt warum ernsthafte Praxis Widerstand hervorruft
– nicht moralisch, sondern strukturell.

1. Samādhi als Feldverschiebung

Samādhi ist hier
keine private Innenerfahrung,
sondern eine Verschiebung des gesamten Erfahrungsfeldes.

Wo Sammlung klar wird,
verliert Verblendung
ihren Halt.

2. Warum „Paläste zerbrechen“

„Paläste“ stehen für:
• stabile Identitäten
• karmische Aufenthaltsräume
• gewohnte Ordnungen

Sie zerbrechen,
weil ihre Grundlage
nicht mehr genährt wird.

3. Die fünf Kräfte – ohne Befreiung

Die fünf übernatürlichen Kräfte
werden nicht geleugnet,
aber klar begrenzt:

Ohne Beendigung der Ausflüsse
bleiben sie weltlich.

Kraft ohne Klärung
führt zu Verteidigung,
nicht zu Einsicht.

4. Der Ursprung der Störung

Störung ist kein Angriff „von außen“,
sondern der Reflex eines bedrohten Systems.

Wo Praxis wirksam wird,
wehrt sich Verblendung.

5. Vorbereitung der Warnlehre

Dieser Abschnitt
bereitet direkt vor
auf die detaillierte Analyse
der Skandha-Verirrungen:

Was als „Dämon“ erscheint,
ist meist
eine Fehlinterpretation innerer Dynamik.
中文原文
汝輩修禪飾三摩地,十方菩薩及諸無漏大阿羅漢心精通[4]㳷,當處湛然。一切魔王及與鬼神、諸凡夫天,見其宮殿無故崩裂,大地振坼;水陸飛騰,無不驚慴。凡夫昏暗,不覺遷訛。彼等咸得五種神通,唯除漏盡,戀此塵勞,如何令汝摧裂其處?是故[5]神鬼及諸天魔、魍魎、妖精,於三昧時僉來惱汝。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Wenn ihr Meditation übt
und Samādhi vertieft,
sind die Herzen
der Bodhisattvas
in den zehn Richtungen
und der großen,
ausflusslosen Arhats
vollständig durchdringend klar
und verweilen
am Ort selbst
in tiefer Ruhe.

Alle Dämonenkönige,
Geister,
Himmelswesen
und gewöhnlichen Götter
nehmen dann wahr,
dass ihre Wohnstätten
ohne ersichtlichen Grund
zerbrechen,
die Erde bebt
und aufreißt,
und Wasser wie Land
in Unruhe geraten,
so dass sie
von Schrecken erfüllt sind.

Gewöhnliche Menschen
sind geistig verdunkelt
und erkennen
diese Verschiebung nicht.

Jene Wesen verfügen zwar
über die fünf übernatürlichen Kräfte,
doch haben sie
die Ausflüsse nicht beendet.
Da sie an den
weltlichen Erscheinungen haften,
wie sollten sie dulden,
dass ihr
ihre Daseinsgrundlage
erschüttert?

Darum erscheinen
Geister, Götter,
Himmelsdämonen,
unheimliche Wesen
und Dämonen
während des Samādhi
und versuchen,
euch zu beunruhigen.“
Kommentar
Dieser Abschnitt erklärt warum ernsthafte Praxis Widerstand hervorruft
– nicht moralisch, sondern strukturell.

1. Samādhi als Feldverschiebung

Samādhi ist hier
keine private Innenerfahrung,
sondern eine Verschiebung des gesamten Erfahrungsfeldes.

Wo Sammlung klar wird,
verliert Verblendung
ihren Halt.

2. Warum „Paläste zerbrechen“

„Paläste“ stehen für:
• stabile Identitäten
• karmische Aufenthaltsräume
• gewohnte Ordnungen

Sie zerbrechen,
weil ihre Grundlage
nicht mehr genährt wird.

3. Die fünf Kräfte – ohne Befreiung

Die fünf übernatürlichen Kräfte
werden nicht geleugnet,
aber klar begrenzt:

Ohne Beendigung der Ausflüsse
bleiben sie weltlich.

Kraft ohne Klärung
führt zu Verteidigung,
nicht zu Einsicht.

4. Der Ursprung der Störung

Störung ist kein Angriff „von außen“,
sondern der Reflex eines bedrohten Systems.

Wo Praxis wirksam wird,
wehrt sich Verblendung.

5. Vorbereitung der Warnlehre

Dieser Abschnitt
bereitet direkt vor
auf die detaillierte Analyse
der Skandha-Verirrungen:

Was als „Dämon“ erscheint,
ist meist
eine Fehlinterpretation innerer Dynamik.
339 #
「然彼諸魔雖有大怒,彼塵勞內,汝妙覺中,如風吹光,如刀斷水,了不相觸。汝如沸[6]湯,彼如堅氷,煖氣漸隣,不日銷殞。徒恃神力,但為其客;成就破亂,由汝心中五陰主人。主人若迷,客得其便。當處禪那覺悟無惑,則彼魔事無奈汝何。陰銷入明,則彼群邪咸受幽氣。明能破暗,[7]近自銷殞,如何敢留擾亂禪定?若不明悟被陰所迷,則汝阿難必為魔子,成就魔人。如摩登伽,殊為眇劣,彼[8]雖呪汝破佛律儀,八萬行中[9]秖毀一戒,心清淨故尚未淪溺。此乃隳汝寶覺全身,如宰臣家忽逢籍沒,宛轉零落,無可哀救。
Der Buddha sprach:

„Obgleich all diese dämonischen Kräfte
großen Zorn entwickeln können,
haben sie innerhalb
der staubhaften Welt
keinen Zugriff
auf das wunderbare Erwachen.
Sie verhalten sich
wie Wind gegenüber Licht
oder wie ein Messer gegenüber Wasser:
sie kommen nicht in Berührung.

Ihr gleicht
kochendem Wasser,
sie gleichen
hartem Eis;
sobald die Wärme
sich nähert,
schmelzen sie
unweigerlich dahin.

Diese Kräfte verlassen sich
allein auf übernatürliche Macht
und wirken nur als Gäste.
Ob Zerstörung
oder Verwirrung entsteht,
hängt vom
„Hausherrn“
der fünf Skandhas
im eigenen Geist ab.

Ist der Hausherr verwirrt,
nutzt der Gast
die Gelegenheit.

Ist man jedoch
im Dhyāna
an Ort und Stelle erwacht
und ohne Täuschung,
können dämonische Erscheinungen
keine Wirkung entfalten.

Wenn die Skandhas sich auflösen
und in Klarheit eingehen,
werden alle
unheilsamen Einflüsse
verdrängt.
Klarheit durchbricht Dunkelheit;
kommt sie nahe,
vergeht Dunkelheit von selbst.
Wie könnten solche Kräfte
es wagen,
die Sammlung zu stören?

Wird jedoch
keine Klarheit erlangt
und man von den Skandhas
irregeführt,
so wird man selbst
Teil dämonischer Dynamik.

Das Beispiel Mātaṅgī zeigt:
Ihre Kraft war gering.
Obwohl durch ihren Zauber
die Disziplin verletzt wurde,
wurde von den
achtzigtausend Praktiken
nur eine einzige Regel gebrochen.
Da der Geist
noch nicht verdunkelt war,
kam es nicht zum Untergang.

Doch hätte dies
den gesamten Leib
des Erwachens
zerstören können,
wie das Vermögen
eines hohen Beamten,
das plötzlich konfisziert wird
und vollständig zerfällt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt liefert die entscheidende Praxisversicherung des Sutras.

1. Warum Dämonen keinen Zugriff haben

Die Metaphern sind eindeutig:
• Wind und Licht
• Messer und Wasser

Dämonische Erscheinungen
existieren auf einer anderen Ebene
als Erwachen.
Sie können es nicht berühren.

2. Der wahre Gefahrenpunkt: der „Hausherr“

Nicht äußere Kräfte sind entscheidend,
sondern:

Wer führt den Haushalt?

Die fünf Skandhas
sind neutral.
Verblendung entsteht,
wenn sie als „Ich“
missverstanden werden.

3. Gast und Hausherr

Diese Metapher ist zentral:
• Dämonen = Gäste
• Geist mit Skandha-Identifikation = Hausherr

Nicht der Gast richtet Schaden an,
sondern der verwirrte Hausherr,
der ihm Raum gibt.

4. Klarheit als Schutz – nicht Abwehr

Es braucht:
• keine Rituale
• keinen Kampf
• keine Gegenkräfte

Nur Klarheit im gegenwärtigen Moment.

5. Die Mahnung an Ānanda

Der Text wird hier persönlich,
nicht drohend,
sondern präzise:
Ohne Einsicht
kippt Praxis
in Selbstverirrung.

6. Warum das Beispiel Mātaṅgī hier steht

Nicht um Angst zu machen,
sondern um zu zeigen:
Selbst geringe Verirrung
kann große Folgen haben,
wenn sie identifiziert
und festgehalten wird.

7. Quintessenz

Erwachen ist unberührbar.
Verirrung wirkt nur dort,
wo Klarheit fehlt.
中文原文
「然彼諸魔雖有大怒,彼塵勞內,汝妙覺中,如風吹光,如刀斷水,了不相觸。汝如沸[6]湯,彼如堅氷,煖氣漸隣,不日銷殞。徒恃神力,但為其客;成就破亂,由汝心中五陰主人。主人若迷,客得其便。當處禪那覺悟無惑,則彼魔事無奈汝何。陰銷入明,則彼群邪咸受幽氣。明能破暗,[7]近自銷殞,如何敢留擾亂禪定?若不明悟被陰所迷,則汝阿難必為魔子,成就魔人。如摩登伽,殊為眇劣,彼[8]雖呪汝破佛律儀,八萬行中[9]秖毀一戒,心清淨故尚未淪溺。此乃隳汝寶覺全身,如宰臣家忽逢籍沒,宛轉零落,無可哀救。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Obgleich all diese dämonischen Kräfte
großen Zorn entwickeln können,
haben sie innerhalb
der staubhaften Welt
keinen Zugriff
auf das wunderbare Erwachen.
Sie verhalten sich
wie Wind gegenüber Licht
oder wie ein Messer gegenüber Wasser:
sie kommen nicht in Berührung.

Ihr gleicht
kochendem Wasser,
sie gleichen
hartem Eis;
sobald die Wärme
sich nähert,
schmelzen sie
unweigerlich dahin.

Diese Kräfte verlassen sich
allein auf übernatürliche Macht
und wirken nur als Gäste.
Ob Zerstörung
oder Verwirrung entsteht,
hängt vom
„Hausherrn“
der fünf Skandhas
im eigenen Geist ab.

Ist der Hausherr verwirrt,
nutzt der Gast
die Gelegenheit.

Ist man jedoch
im Dhyāna
an Ort und Stelle erwacht
und ohne Täuschung,
können dämonische Erscheinungen
keine Wirkung entfalten.

Wenn die Skandhas sich auflösen
und in Klarheit eingehen,
werden alle
unheilsamen Einflüsse
verdrängt.
Klarheit durchbricht Dunkelheit;
kommt sie nahe,
vergeht Dunkelheit von selbst.
Wie könnten solche Kräfte
es wagen,
die Sammlung zu stören?

Wird jedoch
keine Klarheit erlangt
und man von den Skandhas
irregeführt,
so wird man selbst
Teil dämonischer Dynamik.

Das Beispiel Mātaṅgī zeigt:
Ihre Kraft war gering.
Obwohl durch ihren Zauber
die Disziplin verletzt wurde,
wurde von den
achtzigtausend Praktiken
nur eine einzige Regel gebrochen.
Da der Geist
noch nicht verdunkelt war,
kam es nicht zum Untergang.

Doch hätte dies
den gesamten Leib
des Erwachens
zerstören können,
wie das Vermögen
eines hohen Beamten,
das plötzlich konfisziert wird
und vollständig zerfällt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt liefert die entscheidende Praxisversicherung des Sutras.

1. Warum Dämonen keinen Zugriff haben

Die Metaphern sind eindeutig:
• Wind und Licht
• Messer und Wasser

Dämonische Erscheinungen
existieren auf einer anderen Ebene
als Erwachen.
Sie können es nicht berühren.

2. Der wahre Gefahrenpunkt: der „Hausherr“

Nicht äußere Kräfte sind entscheidend,
sondern:

Wer führt den Haushalt?

Die fünf Skandhas
sind neutral.
Verblendung entsteht,
wenn sie als „Ich“
missverstanden werden.

3. Gast und Hausherr

Diese Metapher ist zentral:
• Dämonen = Gäste
• Geist mit Skandha-Identifikation = Hausherr

Nicht der Gast richtet Schaden an,
sondern der verwirrte Hausherr,
der ihm Raum gibt.

4. Klarheit als Schutz – nicht Abwehr

Es braucht:
• keine Rituale
• keinen Kampf
• keine Gegenkräfte

Nur Klarheit im gegenwärtigen Moment.

5. Die Mahnung an Ānanda

Der Text wird hier persönlich,
nicht drohend,
sondern präzise:
Ohne Einsicht
kippt Praxis
in Selbstverirrung.

6. Warum das Beispiel Mātaṅgī hier steht

Nicht um Angst zu machen,
sondern um zu zeigen:
Selbst geringe Verirrung
kann große Folgen haben,
wenn sie identifiziert
und festgehalten wird.

7. Quintessenz

Erwachen ist unberührbar.
Verirrung wirkt nur dort,
wo Klarheit fehlt.
340 #
「阿難當知,汝坐道場銷落諸念,其念若盡,則諸離念一切精明,動靜不移,憶忘如一。當住此處入三摩提,如明目人處大幽暗,精性妙淨心未發光;此則名為色陰區宇。若目明朗,十方洞開無復幽黯,名色陰盡,是人則能超越劫濁。觀其所由,堅固妄想以為其本。
「阿難!當在此中精研妙明,四大不織,少選之間身能出礙。此名精明流溢前境,斯但功用暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
Der Buddha sprach:

„Ānanda, du sollst wissen:
Wenn du im Übungsfeld verweilst
und alle Gedanken zur Ruhe kommen,
wenn diese Gedanken vollständig enden,
wird alles,
was jenseits von Gedanken liegt,
vollständig klar.
Bewegung und Ruhe
bleiben unverändert,
Erinnern und Vergessen
sind nicht mehr verschieden.

An diesem Punkt
sollst du verweilen
und in Samādhi eintreten.
Es ist wie bei einem Menschen
mit klarem Blick,
der sich in tiefer Dunkelheit befindet:
Die feine Wesensnatur ist rein,
doch das Erkennen hat
sein Licht noch nicht entfaltet.
Dies bezeichnet man
als den Bereich
der Form-Skandha.

Wenn jedoch das Sehen
vollständig klar wird
und sich die zehn Richtungen
ohne jede Verdunkelung öffnen,
spricht man vom
Ende der Form-Skandha.
Ein solcher Übender
überschreitet dann
die Trübung des Zeitalters.

Untersucht man die Ursache,
so liegt sie
in der festen Verhaftung
an falsche Vorstellungen.

Ānanda!
Wenn man in diesem Zustand
das wunderbare Klarsein
weiter vertieft,
so dass die vier Elemente
nicht mehr miteinander verflochten sind,
kann der Körper
in kurzer Zeit
durch materielle Hindernisse
hindurchgehen.

Dies wird bezeichnet als:
Das Ausströmen
der feinen Klarheit
in die vorderen Erfahrungsbereiche.
Es ist lediglich
eine zeitweilige
Wirkung der Praxis
und kein Zeichen von Heiligkeit.

Wenn man dabei
keine heilige Deutung erzeugt,
nennt man dies
einen förderlichen Zustand;
hält man ihn jedoch
für heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.“
Kommentar öffnen
Hier beginnt die eigentliche Fehlerkunde der Meditation –
nicht abstrakt, sondern phänomenologisch präzise.

1. Der Eintritt in den Bereich der Form-Skandha

Der Text beschreibt einen Zustand,
den viele Übende erreichen:
Gedanken verstummen,
Klarheit ist präsent,
doch Licht – im Sinn
voller Durchdringung –
fehlt noch.

Das ist kein Mangel,
sondern eine exakte Standortbestimmung.

2. „Sehend in Dunkelheit“

Die Metapher ist entscheidend:
• Sehen ist vorhanden
• Objekt fehlt
• Orientierung ist noch nicht entfaltet

Das ist keine Befreiung,
sondern ein Übergang.

3. Wann die Form-Skandha endet

Nicht durch Willensanstrengung,
sondern durch
Durchsichtigwerden.

Wenn das Sehen selbst
klar wird,
zerfällt Form
als Träger von Verblendung.

4. Die erste große Falle: Durch-Hindernisse-Gehen

Das Sutra ist hier radikal nüchtern:
Solche Phänomene
sind Nebenwirkungen,
keine Bestätigung.

Der entscheidende Prüfstein:

Wird es als „heilig“ interpretiert?

Wenn ja:
→ Verirrung.

5. Der Maßstab des Sutras

Nicht:
• Was geschieht?
sondern:
• Wie wird es gedeutet?

Die Praxis scheitert
nicht an Phänomenen,
sondern an Identifikation.
中文原文
「阿難當知,汝坐道場銷落諸念,其念若盡,則諸離念一切精明,動靜不移,憶忘如一。當住此處入三摩提,如明目人處大幽暗,精性妙淨心未發光;此則名為色陰區宇。若目明朗,十方洞開無復幽黯,名色陰盡,是人則能超越劫濁。觀其所由,堅固妄想以為其本。
「阿難!當在此中精研妙明,四大不織,少選之間身能出礙。此名精明流溢前境,斯但功用暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda, du sollst wissen:
Wenn du im Übungsfeld verweilst
und alle Gedanken zur Ruhe kommen,
wenn diese Gedanken vollständig enden,
wird alles,
was jenseits von Gedanken liegt,
vollständig klar.
Bewegung und Ruhe
bleiben unverändert,
Erinnern und Vergessen
sind nicht mehr verschieden.

An diesem Punkt
sollst du verweilen
und in Samādhi eintreten.
Es ist wie bei einem Menschen
mit klarem Blick,
der sich in tiefer Dunkelheit befindet:
Die feine Wesensnatur ist rein,
doch das Erkennen hat
sein Licht noch nicht entfaltet.
Dies bezeichnet man
als den Bereich
der Form-Skandha.

Wenn jedoch das Sehen
vollständig klar wird
und sich die zehn Richtungen
ohne jede Verdunkelung öffnen,
spricht man vom
Ende der Form-Skandha.
Ein solcher Übender
überschreitet dann
die Trübung des Zeitalters.

Untersucht man die Ursache,
so liegt sie
in der festen Verhaftung
an falsche Vorstellungen.

Ānanda!
Wenn man in diesem Zustand
das wunderbare Klarsein
weiter vertieft,
so dass die vier Elemente
nicht mehr miteinander verflochten sind,
kann der Körper
in kurzer Zeit
durch materielle Hindernisse
hindurchgehen.

Dies wird bezeichnet als:
Das Ausströmen
der feinen Klarheit
in die vorderen Erfahrungsbereiche.
Es ist lediglich
eine zeitweilige
Wirkung der Praxis
und kein Zeichen von Heiligkeit.

Wenn man dabei
keine heilige Deutung erzeugt,
nennt man dies
einen förderlichen Zustand;
hält man ihn jedoch
für heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.“
Kommentar
Hier beginnt die eigentliche Fehlerkunde der Meditation –
nicht abstrakt, sondern phänomenologisch präzise.

1. Der Eintritt in den Bereich der Form-Skandha

Der Text beschreibt einen Zustand,
den viele Übende erreichen:
Gedanken verstummen,
Klarheit ist präsent,
doch Licht – im Sinn
voller Durchdringung –
fehlt noch.

Das ist kein Mangel,
sondern eine exakte Standortbestimmung.

2. „Sehend in Dunkelheit“

Die Metapher ist entscheidend:
• Sehen ist vorhanden
• Objekt fehlt
• Orientierung ist noch nicht entfaltet

Das ist keine Befreiung,
sondern ein Übergang.

3. Wann die Form-Skandha endet

Nicht durch Willensanstrengung,
sondern durch
Durchsichtigwerden.

Wenn das Sehen selbst
klar wird,
zerfällt Form
als Träger von Verblendung.

4. Die erste große Falle: Durch-Hindernisse-Gehen

Das Sutra ist hier radikal nüchtern:
Solche Phänomene
sind Nebenwirkungen,
keine Bestätigung.

Der entscheidende Prüfstein:

Wird es als „heilig“ interpretiert?

Wenn ja:
→ Verirrung.

5. Der Maßstab des Sutras

Nicht:
• Was geschieht?
sondern:
• Wie wird es gedeutet?

Die Praxis scheitert
nicht an Phänomenen,
sondern an Identifikation.
341 #
「阿難!復以此心精研妙明,其身內徹,是人忽然於其身內拾出蟯蛔,身相宛然亦無傷毀。此名精明流溢形體,斯但精行暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
「又以此心內外精研,其時魂魄、意志、精神,除執受身,餘皆涉入,[10]互為賓主;忽於空中聞說法聲,或聞十方同敷密義。此名精[11]魄遞相離合成就善種,暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Vertieft man mit diesem Geist
die Erforschung
des wunderbaren Klarseins,
so dass der Körper
von innen her
vollständig durchdrungen wird,
kann es vorkommen,
dass der Übende
plötzlich aus dem Inneren
seines Körpers
Würmer herausnimmt,
während der Körper
äußerlich unversehrt bleibt
und keinerlei Verletzung zeigt.

Dies bezeichnet man als:
Das Ausströmen
der feinen Klarheit
in den körperlichen Bereich.
Es ist lediglich
eine zeitweilige Wirkung
intensiver Übung
und kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Deutung vornimmt,
handelt es sich
um einen förderlichen Zustand;
interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.

Weiterhin:
Wenn man mit diesem Geist
innen und außen
gleichermaßen vertieft,
so dass Seele, Lebenskräfte,
Wille und Geist
– außer dem als Körper
ergriffenen Träger –
miteinander in Austausch treten
und sich wechselweise
als Subjekt und Objekt verhalten,
kann es geschehen,
dass man plötzlich
eine Stimme im Raum hört,
die den Dharma lehrt,
oder dass man wahrnimmt,
wie in den zehn Richtungen
gleichzeitig
verborgene Bedeutungen
verkündet werden.

Dies nennt man:
Das zeitweilige
Auseinandertreten
und Zusammenwirken
von Seele und Geist,
wodurch heilsame Anlagen
zur Reife kommen.
Auch dies ist
kein Zeichen von Erwachen,
sondern eine vorübergehende Erscheinung.

Solange man dabei
keine heilige Interpretation vornimmt,
ist es ein guter Zustand;
fasst man ihn jedoch
als heilig auf,
gerät man
in Verirrung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vertieft die Fehlerkunde der Form-Skandha
und zeigt, wie körpernahe und auditive Phänomene fehlgedeutet werden können.

1. Körperdurchdringung ohne Verletzung

Das beschriebene Phänomen
ist kein Wunderbericht,
sondern ein Hinweis auf
veränderte Körperwahrnehmung
bei tiefer Sammlung.

Entscheidend ist:
Nicht das Ereignis ist problematisch,
sondern die Deutung.

2. „Überströmen der Klarheit“

Der Text verwendet konsequent
eine energetische Sprache,
macht aber klar:
Es handelt sich um Nebenwirkungen,
nicht um Durchbruch.

3. Stimmen und Lehren hören

Auch auditive Erscheinungen
werden entmystifiziert:
Sie sind Resultat
fein gewordener
innerer Prozesse,
nicht notwendigerweise
äußere Instanzen.

4. Der wiederholte Prüfstein

Der Buddha wiederholt bewusst
denselben Satz:

Nicht heilig deuten → förderlich
Heilig deuten → Verirrung

Damit wird klar:
Die Gefahr liegt
nicht im Phänomen,
sondern im Ich-Bezug.

5. Pädagogische Präzision

Der Text nimmt den Übenden ernst:
Er verurteilt nicht,
er dramatisiert nicht,
sondern ordnet ein.

So wird Praxis
nicht entwertet,
sondern geschützt.
中文原文
「阿難!復以此心精研妙明,其身內徹,是人忽然於其身內拾出蟯蛔,身相宛然亦無傷毀。此名精明流溢形體,斯但精行暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
「又以此心內外精研,其時魂魄、意志、精神,除執受身,餘皆涉入,[10]互為賓主;忽於空中聞說法聲,或聞十方同敷密義。此名精[11]魄遞相離合成就善種,暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Vertieft man mit diesem Geist
die Erforschung
des wunderbaren Klarseins,
so dass der Körper
von innen her
vollständig durchdrungen wird,
kann es vorkommen,
dass der Übende
plötzlich aus dem Inneren
seines Körpers
Würmer herausnimmt,
während der Körper
äußerlich unversehrt bleibt
und keinerlei Verletzung zeigt.

Dies bezeichnet man als:
Das Ausströmen
der feinen Klarheit
in den körperlichen Bereich.
Es ist lediglich
eine zeitweilige Wirkung
intensiver Übung
und kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Deutung vornimmt,
handelt es sich
um einen förderlichen Zustand;
interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.

Weiterhin:
Wenn man mit diesem Geist
innen und außen
gleichermaßen vertieft,
so dass Seele, Lebenskräfte,
Wille und Geist
– außer dem als Körper
ergriffenen Träger –
miteinander in Austausch treten
und sich wechselweise
als Subjekt und Objekt verhalten,
kann es geschehen,
dass man plötzlich
eine Stimme im Raum hört,
die den Dharma lehrt,
oder dass man wahrnimmt,
wie in den zehn Richtungen
gleichzeitig
verborgene Bedeutungen
verkündet werden.

Dies nennt man:
Das zeitweilige
Auseinandertreten
und Zusammenwirken
von Seele und Geist,
wodurch heilsame Anlagen
zur Reife kommen.
Auch dies ist
kein Zeichen von Erwachen,
sondern eine vorübergehende Erscheinung.

Solange man dabei
keine heilige Interpretation vornimmt,
ist es ein guter Zustand;
fasst man ihn jedoch
als heilig auf,
gerät man
in Verirrung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vertieft die Fehlerkunde der Form-Skandha
und zeigt, wie körpernahe und auditive Phänomene fehlgedeutet werden können.

1. Körperdurchdringung ohne Verletzung

Das beschriebene Phänomen
ist kein Wunderbericht,
sondern ein Hinweis auf
veränderte Körperwahrnehmung
bei tiefer Sammlung.

Entscheidend ist:
Nicht das Ereignis ist problematisch,
sondern die Deutung.

2. „Überströmen der Klarheit“

Der Text verwendet konsequent
eine energetische Sprache,
macht aber klar:
Es handelt sich um Nebenwirkungen,
nicht um Durchbruch.

3. Stimmen und Lehren hören

Auch auditive Erscheinungen
werden entmystifiziert:
Sie sind Resultat
fein gewordener
innerer Prozesse,
nicht notwendigerweise
äußere Instanzen.

4. Der wiederholte Prüfstein

Der Buddha wiederholt bewusst
denselben Satz:

Nicht heilig deuten → förderlich
Heilig deuten → Verirrung

Damit wird klar:
Die Gefahr liegt
nicht im Phänomen,
sondern im Ich-Bezug.

5. Pädagogische Präzision

Der Text nimmt den Übenden ernst:
Er verurteilt nicht,
er dramatisiert nicht,
sondern ordnet ein.

So wird Praxis
nicht entwertet,
sondern geschützt.
342 #
「又以此心澄露皎徹,內光發明,十方遍作閻浮檀色,一切種類化為如來。于時忽[12]見毘盧遮那踞天光臺,[13]千佛圍繞,百億國土及與蓮華俱時出現。此名心魂靈悟所染,心光研明照諸世界,暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn dieser Geist
klar und völlig durchsichtig wird,
das innere Licht
sich deutlich entfaltet,
erscheinen die zehn Richtungen
durchgängig
in der Farbe von Jambūnada-Gold,
und alle Formen
nehmen die Gestalt
von Buddhas an.

Zu diesem Zeitpunkt
kann man plötzlich
Vairocana sehen,
wie er
auf einer Plattform
aus himmlischem Licht sitzt,
umgeben von tausend Buddhas,
während gleichzeitig
unzählige Länder
und Lotusblumen
in Erscheinung treten.

Dies bezeichnet man als:
Eine Durchdringung
des seelisch-geistigen Erkennens,
bei der das Licht des Geistes
verfeinert wird
und auf die Welten scheint.

Auch dies ist lediglich
eine zeitweilige Erscheinung
und kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Deutung vornimmt,
handelt es sich
um einen förderlichen Zustand;
interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von körpernahen zu visionären Verirrungen
innerhalb der Form-Skandha.

1. Visionen höchster Symbolkraft

Der Text greift hier
die höchsten buddhistischen Bildwelten auf:
• goldene Durchdringung aller Richtungen
• Buddhas in allen Formen
• Vairocana als kosmisches Zentrum

Gerade weil diese Bilder
der höchsten Lehre entstammen,
sind sie besonders gefährlich.

2. Warum diese Visionen entstehen

Sie entstehen nicht „von außen“,
sondern aus:
• innerem Licht
• verfeinerter Wahrnehmung
• symbolischer Verdichtung

Der Geist
projiziert seine
religiösen Tiefenbilder.

3. Der entscheidende Prüfstein bleibt derselbe

Der Buddha ändert den Maßstab nicht:

Nicht deuten → förderlich
Deuten als heilig → Verirrung

Je erhabener das Bild,
desto größer die Versuchung,
es zu verabsolutieren.

4. Vairocana ist hier nicht das Problem

Nicht die Erscheinung
von Vairocana
ist problematisch,
sondern die Identifikation:
• „Ich sehe den Buddha“
• „Ich bin erwählt“
• „Dies ist die höchste Wahrheit“

Damit wird Erfahrung
zum Besitz.

5. Pädagogische Klarheit

Der Text entwertet
weder Vision
noch Symbol,
sondern entzieht ihnen
den Anspruch auf
Letztheit.

Er schützt so
vor spirituellem Narzissmus.
中文原文
「又以此心澄露皎徹,內光發明,十方遍作閻浮檀色,一切種類化為如來。于時忽[12]見毘盧遮那踞天光臺,[13]千佛圍繞,百億國土及與蓮華俱時出現。此名心魂靈悟所染,心光研明照諸世界,暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn dieser Geist
klar und völlig durchsichtig wird,
das innere Licht
sich deutlich entfaltet,
erscheinen die zehn Richtungen
durchgängig
in der Farbe von Jambūnada-Gold,
und alle Formen
nehmen die Gestalt
von Buddhas an.

Zu diesem Zeitpunkt
kann man plötzlich
Vairocana sehen,
wie er
auf einer Plattform
aus himmlischem Licht sitzt,
umgeben von tausend Buddhas,
während gleichzeitig
unzählige Länder
und Lotusblumen
in Erscheinung treten.

Dies bezeichnet man als:
Eine Durchdringung
des seelisch-geistigen Erkennens,
bei der das Licht des Geistes
verfeinert wird
und auf die Welten scheint.

Auch dies ist lediglich
eine zeitweilige Erscheinung
und kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Deutung vornimmt,
handelt es sich
um einen förderlichen Zustand;
interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert den Übergang von körpernahen zu visionären Verirrungen
innerhalb der Form-Skandha.

1. Visionen höchster Symbolkraft

Der Text greift hier
die höchsten buddhistischen Bildwelten auf:
• goldene Durchdringung aller Richtungen
• Buddhas in allen Formen
• Vairocana als kosmisches Zentrum

Gerade weil diese Bilder
der höchsten Lehre entstammen,
sind sie besonders gefährlich.

2. Warum diese Visionen entstehen

Sie entstehen nicht „von außen“,
sondern aus:
• innerem Licht
• verfeinerter Wahrnehmung
• symbolischer Verdichtung

Der Geist
projiziert seine
religiösen Tiefenbilder.

3. Der entscheidende Prüfstein bleibt derselbe

Der Buddha ändert den Maßstab nicht:

Nicht deuten → förderlich
Deuten als heilig → Verirrung

Je erhabener das Bild,
desto größer die Versuchung,
es zu verabsolutieren.

4. Vairocana ist hier nicht das Problem

Nicht die Erscheinung
von Vairocana
ist problematisch,
sondern die Identifikation:
• „Ich sehe den Buddha“
• „Ich bin erwählt“
• „Dies ist die höchste Wahrheit“

Damit wird Erfahrung
zum Besitz.

5. Pädagogische Klarheit

Der Text entwertet
weder Vision
noch Symbol,
sondern entzieht ihnen
den Anspruch auf
Letztheit.

Er schützt so
vor spirituellem Narzissmus.
343 #
「又以此心精研妙明,觀察不停,抑按降伏制止超越,於時忽然十方虛空成七寶色、或百寶色,同時遍滿不相留礙,青、黃、赤、白各各純現。此名抑按功力[1]踰分,暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
「又以此心研究澄徹,精光不亂,忽於夜合在暗室內,見種種物不殊白晝,而暗室物亦不除滅。此名心細密澄其見,所視洞幽,暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Vertieft man mit diesem Geist
die Erforschung
des wunderbaren Klarseins,
beobachtet ununterbrochen
und verstärkt die Praxis
durch Unterdrücken,
Kontrollieren,
Bändigen und Übersteigen,
kann es geschehen,
dass der Raum
der zehn Richtungen
plötzlich
in den Farben
der sieben Kostbarkeiten
oder in vielfacher Juwelenfärbung erscheint,
gleichzeitig alles erfüllend,
ohne gegenseitige Behinderung,
wobei Blau, Gelb, Rot und Weiß
jeweils in reiner Form hervortreten.

Dies bezeichnet man als:
Ein Übermaß
an kontrollierender Kraft
in der Praxis.
Es ist lediglich
eine zeitweilige Erscheinung
und kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Deutung vornimmt,
handelt es sich
um einen förderlichen Zustand;
interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.

Weiterhin:
Wenn man mit diesem Geist
weiter forscht
und vollkommen klärt,
so dass das feine Licht
nicht zerstreut wird,
kann es geschehen,
dass man nachts,
in einem dunklen Raum,
alle Arten von Gegenständen sieht,
als wäre es Tageslicht,
wobei die Gegenstände
des dunklen Raumes
nicht verschwinden.

Dies nennt man:
Eine feine,
dichte Klärung des Geistes,
durch die das Sehen
verborgene Bereiche
durchdringt.
Auch dies ist
nur eine vorübergehende Erscheinung
und kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Interpretation vornimmt,
ist es ein guter Zustand;
fasst man ihn jedoch
als heilig auf,
gerät man
in Verirrung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt zwei hochgradig verführerische Phänomenbereiche
innerhalb der Form-Skandha-Verirrungen.

1. Kosmische Farben und Juwelenräume

Die Erfahrung
eines vollständig durchleuchteten,
farbintensiven Raumes
entsteht aus
starker mentaler Kontrolle
und energetischer Verdichtung.

Der Text benennt das präzise:
Übermaß an Unterdrückung.

Nicht Loslassen,
sondern Zwang
erzeugt diese Bilder.

2. Die Falle der „Beherrschung“

Diese Zustände fühlen sich an wie:
• vollständige Durchdringung
• totale Kontrolle
• kosmische Ordnung

Gerade deshalb
sind sie gefährlich:
Sie nähren subtil
das Gefühl von Macht.

3. Sehen im Dunkeln

Das „Sehen bei Nacht“
ist kein Wunder,
sondern Ausdruck
extremer Fokussierung
und sensorischer Neuordnung.

Auch hier gilt:
Phänomen ≠ Erkenntnis.

4. Der unveränderte Prüfstein

Der Buddha wiederholt
unermüdlich denselben Maßstab:

Nicht deuten → förderlich
Deuten als heilig → Verirrung

Das ist der rote Faden
durch alle fünfzig Verirrungen.

5. Praxisdiagnose

Diese Phänomene zeigen:
Die Übung wirkt –
aber sie ist nicht frei.

Wo Kontrolle dominiert,
ist der ursprüngliche Grund
noch nicht durchschaut.
中文原文
「又以此心精研妙明,觀察不停,抑按降伏制止超越,於時忽然十方虛空成七寶色、或百寶色,同時遍滿不相留礙,青、黃、赤、白各各純現。此名抑按功力[1]踰分,暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
「又以此心研究澄徹,精光不亂,忽於夜合在暗室內,見種種物不殊白晝,而暗室物亦不除滅。此名心細密澄其見,所視洞幽,暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Vertieft man mit diesem Geist
die Erforschung
des wunderbaren Klarseins,
beobachtet ununterbrochen
und verstärkt die Praxis
durch Unterdrücken,
Kontrollieren,
Bändigen und Übersteigen,
kann es geschehen,
dass der Raum
der zehn Richtungen
plötzlich
in den Farben
der sieben Kostbarkeiten
oder in vielfacher Juwelenfärbung erscheint,
gleichzeitig alles erfüllend,
ohne gegenseitige Behinderung,
wobei Blau, Gelb, Rot und Weiß
jeweils in reiner Form hervortreten.

Dies bezeichnet man als:
Ein Übermaß
an kontrollierender Kraft
in der Praxis.
Es ist lediglich
eine zeitweilige Erscheinung
und kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Deutung vornimmt,
handelt es sich
um einen förderlichen Zustand;
interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.

Weiterhin:
Wenn man mit diesem Geist
weiter forscht
und vollkommen klärt,
so dass das feine Licht
nicht zerstreut wird,
kann es geschehen,
dass man nachts,
in einem dunklen Raum,
alle Arten von Gegenständen sieht,
als wäre es Tageslicht,
wobei die Gegenstände
des dunklen Raumes
nicht verschwinden.

Dies nennt man:
Eine feine,
dichte Klärung des Geistes,
durch die das Sehen
verborgene Bereiche
durchdringt.
Auch dies ist
nur eine vorübergehende Erscheinung
und kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Interpretation vornimmt,
ist es ein guter Zustand;
fasst man ihn jedoch
als heilig auf,
gerät man
in Verirrung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt zwei hochgradig verführerische Phänomenbereiche
innerhalb der Form-Skandha-Verirrungen.

1. Kosmische Farben und Juwelenräume

Die Erfahrung
eines vollständig durchleuchteten,
farbintensiven Raumes
entsteht aus
starker mentaler Kontrolle
und energetischer Verdichtung.

Der Text benennt das präzise:
Übermaß an Unterdrückung.

Nicht Loslassen,
sondern Zwang
erzeugt diese Bilder.

2. Die Falle der „Beherrschung“

Diese Zustände fühlen sich an wie:
• vollständige Durchdringung
• totale Kontrolle
• kosmische Ordnung

Gerade deshalb
sind sie gefährlich:
Sie nähren subtil
das Gefühl von Macht.

3. Sehen im Dunkeln

Das „Sehen bei Nacht“
ist kein Wunder,
sondern Ausdruck
extremer Fokussierung
und sensorischer Neuordnung.

Auch hier gilt:
Phänomen ≠ Erkenntnis.

4. Der unveränderte Prüfstein

Der Buddha wiederholt
unermüdlich denselben Maßstab:

Nicht deuten → förderlich
Deuten als heilig → Verirrung

Das ist der rote Faden
durch alle fünfzig Verirrungen.

5. Praxisdiagnose

Diese Phänomene zeigen:
Die Übung wirkt –
aber sie ist nicht frei.

Wo Kontrolle dominiert,
ist der ursprüngliche Grund
noch nicht durchschaut.
344 #
「又以此心圓入虛融,四[2]𨈛忽然同於草木,火燒、刀斫曾無所覺。又則火光不能燒爇,縱割其肉猶如削木。此名塵併排四大性一向入純,暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,[3]即受群邪。
「又以此心成就清淨,淨心功極,忽見大地十方山河皆成佛國,具足七寶光明遍滿。又見恒沙諸佛如來,遍滿空界,樓殿華麗。下見地獄、上觀天宮,得無障礙。此名欣厭凝想日深,想久化成,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Geht man mit diesem Geist
vollständig
in Leere und Durchlässigkeit ein,
so erscheinen die vier Elemente
plötzlich
wie Pflanzen oder Holz;
Feuer kann nicht verbrennen,
Klingen nicht verletzen,
und es wird kein Schmerz wahrgenommen.
Selbst beim Schneiden von Fleisch
ist es,
als würde Holz geschnitten.

Dies bezeichnet man als:
Das Zurücktreten
der sinnlichen Staubhaftigkeit,
wobei die Natur
der vier Elemente
einseitig
in Reinheit aufgeht.
Es ist lediglich
eine zeitweilige Erscheinung
und kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Deutung vornimmt,
handelt es sich
um einen förderlichen Zustand;
interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.

Weiterhin:
Wenn man mit diesem Geist
Reinheit zur Vollendung bringt
und die Kraft
des geklärten Geistes
bis an die Grenze steigert,
kann es geschehen,
dass man plötzlich wahrnimmt,
wie die Erde,
Berge und Flüsse
in allen Richtungen
zu Buddha-Ländern werden,
voll ausgestattet
mit sieben Kostbarkeiten
und allumfassendem Licht.

Gleichzeitig erscheinen
unzählige Buddhas,
die den Raum erfüllen,
mit prächtigen Palästen.
Man sieht nach unten
die Höllen,
nach oben
die Himmel,
ohne irgendeine Behinderung.

Dies nennt man:
Das über lange Zeit
verdichtete Zusammenspiel
von Vorlieben und Abneigungen,
das sich
zu gestalteter Vorstellung verdichtet.
Auch dies ist
kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Interpretation vornimmt,
ist es ein guter Zustand;
fasst man ihn jedoch
als heilig auf,
gerät man
in Verirrung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt zwei der extremsten Verirrungen
innerhalb der Form-Skandha – gerade weil sie Unverletzlichkeit und All-Heiligkeit suggerieren.

1. Unverwundbarkeit als Illusion

Das Erleben von Schmerzlosigkeit
und scheinbarer Unzerstörbarkeit
ist kein Zeichen von Befreiung,
sondern Ergebnis
einer einseitigen
Element-Dissoziation.

Der Körper wird
nicht durchschaut,
sondern abgekoppelt.

2. Die Gefahr der „Reinheits-Identifikation“

Der Text ist präzise:
Die vier Elemente gehen
einseitig in Reinheit ein.

Einseitigkeit bedeutet:
Balance fehlt,
Durchschauung fehlt.

3. Welten als Projektion

Die Vision,
dass alle Welten
Buddha-Länder seien,
ist besonders gefährlich,
weil sie
die höchste Wahrheit
zu bestätigen scheint.

Doch sie entsteht aus:
• Wunsch (欣)
• Abwehr (厭)
• langfristiger Fixierung

Nicht aus Erwachen.

4. Warum diese Zustände so überzeugend sind

Weil sie:
• Angst aufheben
• Leiden suspendieren
• Sinn totalisieren

Gerade deshalb
müssen sie
radikal relativiert werden.

5. Der unveränderte Prüfstein

Auch hier gilt
ohne Ausnahme:

Nicht heilig deuten → förderlich
Heilig deuten → Verirrung

Das Sutra bleibt
methodisch unerbittlich –
zum Schutz der Praxis.
中文原文
「又以此心圓入虛融,四[2]𨈛忽然同於草木,火燒、刀斫曾無所覺。又則火光不能燒爇,縱割其肉猶如削木。此名塵併排四大性一向入純,暫得如是,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,[3]即受群邪。
「又以此心成就清淨,淨心功極,忽見大地十方山河皆成佛國,具足七寶光明遍滿。又見恒沙諸佛如來,遍滿空界,樓殿華麗。下見地獄、上觀天宮,得無障礙。此名欣厭凝想日深,想久化成,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Geht man mit diesem Geist
vollständig
in Leere und Durchlässigkeit ein,
so erscheinen die vier Elemente
plötzlich
wie Pflanzen oder Holz;
Feuer kann nicht verbrennen,
Klingen nicht verletzen,
und es wird kein Schmerz wahrgenommen.
Selbst beim Schneiden von Fleisch
ist es,
als würde Holz geschnitten.

Dies bezeichnet man als:
Das Zurücktreten
der sinnlichen Staubhaftigkeit,
wobei die Natur
der vier Elemente
einseitig
in Reinheit aufgeht.
Es ist lediglich
eine zeitweilige Erscheinung
und kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Deutung vornimmt,
handelt es sich
um einen förderlichen Zustand;
interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.

Weiterhin:
Wenn man mit diesem Geist
Reinheit zur Vollendung bringt
und die Kraft
des geklärten Geistes
bis an die Grenze steigert,
kann es geschehen,
dass man plötzlich wahrnimmt,
wie die Erde,
Berge und Flüsse
in allen Richtungen
zu Buddha-Ländern werden,
voll ausgestattet
mit sieben Kostbarkeiten
und allumfassendem Licht.

Gleichzeitig erscheinen
unzählige Buddhas,
die den Raum erfüllen,
mit prächtigen Palästen.
Man sieht nach unten
die Höllen,
nach oben
die Himmel,
ohne irgendeine Behinderung.

Dies nennt man:
Das über lange Zeit
verdichtete Zusammenspiel
von Vorlieben und Abneigungen,
das sich
zu gestalteter Vorstellung verdichtet.
Auch dies ist
kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Interpretation vornimmt,
ist es ein guter Zustand;
fasst man ihn jedoch
als heilig auf,
gerät man
in Verirrung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt zwei der extremsten Verirrungen
innerhalb der Form-Skandha – gerade weil sie Unverletzlichkeit und All-Heiligkeit suggerieren.

1. Unverwundbarkeit als Illusion

Das Erleben von Schmerzlosigkeit
und scheinbarer Unzerstörbarkeit
ist kein Zeichen von Befreiung,
sondern Ergebnis
einer einseitigen
Element-Dissoziation.

Der Körper wird
nicht durchschaut,
sondern abgekoppelt.

2. Die Gefahr der „Reinheits-Identifikation“

Der Text ist präzise:
Die vier Elemente gehen
einseitig in Reinheit ein.

Einseitigkeit bedeutet:
Balance fehlt,
Durchschauung fehlt.

3. Welten als Projektion

Die Vision,
dass alle Welten
Buddha-Länder seien,
ist besonders gefährlich,
weil sie
die höchste Wahrheit
zu bestätigen scheint.

Doch sie entsteht aus:
• Wunsch (欣)
• Abwehr (厭)
• langfristiger Fixierung

Nicht aus Erwachen.

4. Warum diese Zustände so überzeugend sind

Weil sie:
• Angst aufheben
• Leiden suspendieren
• Sinn totalisieren

Gerade deshalb
müssen sie
radikal relativiert werden.

5. Der unveränderte Prüfstein

Auch hier gilt
ohne Ausnahme:

Nicht heilig deuten → förderlich
Heilig deuten → Verirrung

Das Sutra bleibt
methodisch unerbittlich –
zum Schutz der Praxis.
345 #
「又以此心研究深遠,忽於中夜遙見遠方市井街巷,親族眷屬,或聞其語。此名迫心逼極飛出,故多隔見,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
「又以此心研究精極,見善知識形體變移,少選無端種種遷改。此名邪心含受魑魅,或遭天魔入其心腹,無端說法,通達妙義,非為聖證。不作聖心,魔事銷歇;若作聖解,即受群邪。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Vertieft man mit diesem Geist
die Forschung bis in die Tiefe,
kann es geschehen,
dass man mitten in der Nacht
aus großer Entfernung
Städte, Straßen, Märkte,
Verwandte und Angehörige wahrnimmt
oder ihre Stimmen hört.

Dies bezeichnet man als:
Das extreme Bedrängen des Geistes,
der an seine Grenze gedrängt wird
und gleichsam nach außen hinausschießt,
weshalb häufig
Fernwahrnehmungen auftreten.
Auch dies ist
kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Deutung vornimmt,
ist es ein förderlicher Zustand;
interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.

Weiterhin:
Vertieft man mit diesem Geist
die Untersuchung
bis zur äußersten Feinheit,
kann es geschehen,
dass man wahrnimmt,
wie sich die Erscheinung
eines spirituellen Lehrers
ständig verändert
und sich rasch
ohne erkennbaren Anlass
wandelt.

Dies bezeichnet man als:
Das Eindringen
verzerrender Einflüsse
in einen fehlgeleiteten Geist,
oder als Besetzung
durch dämonische Wesen,
oder als das Eindringen
eines Himmelsdämons
in das eigene Bewusstsein,
der ohne Grund
Lehre verkündet
und scheinbar
tiefe Einsichten offenbart.
Auch dies ist
kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Interpretation vornimmt,
klingen die dämonischen Erscheinungen ab;
fasst man sie jedoch
als heilig auf,
gerät man
in Verirrung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt zwei hochgefährliche Übergangsphänomene
innerhalb der Form-Skandha-Verirrungen, weil sie Wissen und Autorität simulieren.

1. Fernwahrnehmung als Nebenwirkung von Überdruck

Das „Sehen und Hören aus der Ferne“
ist kein Zeichen höherer Einsicht,
sondern Resultat
übersteigerter geistiger Spannung.

Der Geist
verlässt sein Zentrum
und projiziert nach außen.

2. Die Gefahr der Bestätigung

Solche Wahrnehmungen
wirken überzeugend,
weil sie scheinbar
„stimmen“.

Doch Wahrheit
wird hier nicht erkannt,
sondern abgeholt.

3. Wandelnde Lehrerfiguren

Besonders gefährlich ist,
dass sich die Erscheinung
„guter Lehrer“
verändert.

Hier wird:
• Autorität imitiert
• Einsicht gespielt
• Vertrauen missbraucht

Nicht durch andere,
sondern durch
den eigenen fehlgeleiteten Geist.

4. Dämonische Dynamik – funktional verstanden

„Dämonisch“ meint hier:
• unintegrierte Inhalte
• abgespaltene Kräfte
• Identifikation mit Erscheinungen

Nicht ein Wesen,
sondern ein Prozess.

5. Der unveränderte Prüfstein

Auch hier bleibt
der Maßstab identisch:

Nicht deuten → förderlich
Deuten als heilig → Verirrung
中文原文
「又以此心研究深遠,忽於中夜遙見遠方市井街巷,親族眷屬,或聞其語。此名迫心逼極飛出,故多隔見,非為聖證。不作聖心,名善境界;若作聖解,即受群邪。
「又以此心研究精極,見善知識形體變移,少選無端種種遷改。此名邪心含受魑魅,或遭天魔入其心腹,無端說法,通達妙義,非為聖證。不作聖心,魔事銷歇;若作聖解,即受群邪。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Vertieft man mit diesem Geist
die Forschung bis in die Tiefe,
kann es geschehen,
dass man mitten in der Nacht
aus großer Entfernung
Städte, Straßen, Märkte,
Verwandte und Angehörige wahrnimmt
oder ihre Stimmen hört.

Dies bezeichnet man als:
Das extreme Bedrängen des Geistes,
der an seine Grenze gedrängt wird
und gleichsam nach außen hinausschießt,
weshalb häufig
Fernwahrnehmungen auftreten.
Auch dies ist
kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Deutung vornimmt,
ist es ein förderlicher Zustand;
interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
zieht man
zahlreiche Verirrungen an.

Weiterhin:
Vertieft man mit diesem Geist
die Untersuchung
bis zur äußersten Feinheit,
kann es geschehen,
dass man wahrnimmt,
wie sich die Erscheinung
eines spirituellen Lehrers
ständig verändert
und sich rasch
ohne erkennbaren Anlass
wandelt.

Dies bezeichnet man als:
Das Eindringen
verzerrender Einflüsse
in einen fehlgeleiteten Geist,
oder als Besetzung
durch dämonische Wesen,
oder als das Eindringen
eines Himmelsdämons
in das eigene Bewusstsein,
der ohne Grund
Lehre verkündet
und scheinbar
tiefe Einsichten offenbart.
Auch dies ist
kein Zeichen von Erwachen.

Solange man dabei
keine heilige Interpretation vornimmt,
klingen die dämonischen Erscheinungen ab;
fasst man sie jedoch
als heilig auf,
gerät man
in Verirrung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt zwei hochgefährliche Übergangsphänomene
innerhalb der Form-Skandha-Verirrungen, weil sie Wissen und Autorität simulieren.

1. Fernwahrnehmung als Nebenwirkung von Überdruck

Das „Sehen und Hören aus der Ferne“
ist kein Zeichen höherer Einsicht,
sondern Resultat
übersteigerter geistiger Spannung.

Der Geist
verlässt sein Zentrum
und projiziert nach außen.

2. Die Gefahr der Bestätigung

Solche Wahrnehmungen
wirken überzeugend,
weil sie scheinbar
„stimmen“.

Doch Wahrheit
wird hier nicht erkannt,
sondern abgeholt.

3. Wandelnde Lehrerfiguren

Besonders gefährlich ist,
dass sich die Erscheinung
„guter Lehrer“
verändert.

Hier wird:
• Autorität imitiert
• Einsicht gespielt
• Vertrauen missbraucht

Nicht durch andere,
sondern durch
den eigenen fehlgeleiteten Geist.

4. Dämonische Dynamik – funktional verstanden

„Dämonisch“ meint hier:
• unintegrierte Inhalte
• abgespaltene Kräfte
• Identifikation mit Erscheinungen

Nicht ein Wesen,
sondern ein Prozess.

5. Der unveränderte Prüfstein

Auch hier bleibt
der Maßstab identisch:

Nicht deuten → förderlich
Deuten als heilig → Verirrung
346 #
「阿難!如是十種禪那現境,皆是色陰用心交互,故現斯事。眾生頑迷,不自忖量,逢此因緣,迷不自識,謂言登聖。大妄語成,墮無間獄。汝等當依如來滅後,於[4]末法中宣示斯義;無令天魔得其方便,保持覆護,成無上道。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Diese zehn meditativen Erscheinungen
sind allesamt
Ergebnisse der Wechselwirkung
zwischen der Form-Skandha
und der auf sie gerichteten
geistigen Tätigkeit;
daher treten
all diese Phänomene auf.

Lebewesen
sind häufig dumpf
und in Verblendung gefangen
und vermögen
sich selbst nicht einzuschätzen.
Begegnen sie solchen Erfahrungen,
erkennen sie deren Natur nicht
und halten sich selbst
für heilig.

So entsteht
die große Falschaussage,
und sie stürzen
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Ihr sollt,
nach dem Erlöschen
des Tathāgata,
in der Zeit
des späten Dharma
diese Bedeutung offenlegen,
damit die Himmelsdämonen
keine Gelegenheit erhalten,
sie auszunutzen.
So sollt ihr
bewahren und schützen,
auf dass der
höchste Weg
vollendet werde.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der formale Abschluss der Form-Skandha-Verirrungen
und zugleich eine ethische Verpflichtung für spätere Generationen.

1. Zehn Erscheinungen – kein Zufall

Die Zahl zehn
markiert hier Vollständigkeit:
Alle grundlegenden
Fehlinterpretationen
auf der Ebene der Form
sind benannt.

Es fehlt nichts –
und es kommt nichts hinzu.

2. Der Kernfehler: Selbstverwechslung

Nicht die Erfahrung ist das Problem,
sondern der Satz:

„Ich habe es erreicht.“

Der Buddha nennt dies
die große Lüge,
weil sie
das Ich
auf den Thron des Erwachens setzt.

3. Warum die Warnung so drastisch ist

„Avīci-Hölle“
ist hier keine Drohung,
sondern eine Funktionsbeschreibung:
Ein Zustand
ohne Unterbrechung,
weil Selbsttäuschung
sich selbst ständig bestätigt.

4. Verantwortung nach dem Buddha

Der Text richtet sich
nicht nur an Ānanda,
sondern explizit
an spätere Zeiten.

Das ist bemerkenswert:
Die größte Gefahr
liegt nicht am Anfang,
sondern in fortgeschrittener Praxis.

5. Schutz der Praxis – nicht der Lehre

Der Buddha will
keine Orthodoxie sichern,
sondern Übende
vor sich selbst schützen.

Die Weitergabe dieser Lehre
ist kein Dogma,
sondern Fürsorge.

6. Quintessenz

Nicht Erfahrung täuscht –
Identifikation täuscht.

Mit diesem Abschnitt
ist die erste Skandha vollständig abgeschlossen.
中文原文
「阿難!如是十種禪那現境,皆是色陰用心交互,故現斯事。眾生頑迷,不自忖量,逢此因緣,迷不自識,謂言登聖。大妄語成,墮無間獄。汝等當依如來滅後,於[4]末法中宣示斯義;無令天魔得其方便,保持覆護,成無上道。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Diese zehn meditativen Erscheinungen
sind allesamt
Ergebnisse der Wechselwirkung
zwischen der Form-Skandha
und der auf sie gerichteten
geistigen Tätigkeit;
daher treten
all diese Phänomene auf.

Lebewesen
sind häufig dumpf
und in Verblendung gefangen
und vermögen
sich selbst nicht einzuschätzen.
Begegnen sie solchen Erfahrungen,
erkennen sie deren Natur nicht
und halten sich selbst
für heilig.

So entsteht
die große Falschaussage,
und sie stürzen
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Ihr sollt,
nach dem Erlöschen
des Tathāgata,
in der Zeit
des späten Dharma
diese Bedeutung offenlegen,
damit die Himmelsdämonen
keine Gelegenheit erhalten,
sie auszunutzen.
So sollt ihr
bewahren und schützen,
auf dass der
höchste Weg
vollendet werde.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der formale Abschluss der Form-Skandha-Verirrungen
und zugleich eine ethische Verpflichtung für spätere Generationen.

1. Zehn Erscheinungen – kein Zufall

Die Zahl zehn
markiert hier Vollständigkeit:
Alle grundlegenden
Fehlinterpretationen
auf der Ebene der Form
sind benannt.

Es fehlt nichts –
und es kommt nichts hinzu.

2. Der Kernfehler: Selbstverwechslung

Nicht die Erfahrung ist das Problem,
sondern der Satz:

„Ich habe es erreicht.“

Der Buddha nennt dies
die große Lüge,
weil sie
das Ich
auf den Thron des Erwachens setzt.

3. Warum die Warnung so drastisch ist

„Avīci-Hölle“
ist hier keine Drohung,
sondern eine Funktionsbeschreibung:
Ein Zustand
ohne Unterbrechung,
weil Selbsttäuschung
sich selbst ständig bestätigt.

4. Verantwortung nach dem Buddha

Der Text richtet sich
nicht nur an Ānanda,
sondern explizit
an spätere Zeiten.

Das ist bemerkenswert:
Die größte Gefahr
liegt nicht am Anfang,
sondern in fortgeschrittener Praxis.

5. Schutz der Praxis – nicht der Lehre

Der Buddha will
keine Orthodoxie sichern,
sondern Übende
vor sich selbst schützen.

Die Weitergabe dieser Lehre
ist kein Dogma,
sondern Fürsorge.

6. Quintessenz

Nicht Erfahrung täuscht –
Identifikation täuscht.

Mit diesem Abschnitt
ist die erste Skandha vollständig abgeschlossen.
347 #
「阿難!彼善男子修三摩提,奢摩他中色陰盡者,見諸佛心,如明鏡中顯現其像。若有所得而未能用,猶如魘人,手足宛然,見聞不惑,心觸客邪而不能動;此則名為受陰區宇。若魘咎歇,其心離身,返觀其面,去住自由,無復留礙,名受陰盡,是人則能超越見濁。觀其所由,虛明妄想以為其本。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
Samādhi praktiziert
und innerhalb von Śamatha
die Form-Skandha vollständig durchdringt,
erscheint ihm
die Wirkweisen der Buddhas
wie Spiegelbilder
in einem klaren Spiegel.

Ist dabei
ein gewisses Erreichen vorhanden,
doch fehlt noch
die freie Verfügbarkeit,
so gleicht dies
einem Menschen im Alpzustand:
Der Körper ist intakt,
Sehen und Hören
funktionieren unbeeinträchtigt,
doch sobald der Geist
von fremden Regungen berührt wird,
ist keine Bewegung möglich.

Dies bezeichnet man
als den Bereich
der Gefühls-Skandha.

Wenn jedoch
die alptraumhafte Bindung endet,
löst sich der Geist
vom Körper,
wendet sich zurück
und erkennt sich selbst;
Bewegung und Verweilen
sind frei,
ohne jedes Hindernis.
Dies nennt man
das Ende
der Gefühls-Skandha.

Ein solcher Übender
überschreitet damit
die Trübung
der falschen Wahrnehmung.

Untersucht man die Ursache,
so gründet sie
in einer leeren Klarheit,
die sich
zu falschen Vorstellungen verfestigt.“
Kommentar öffnen
Mit diesem Abschnitt beginnt die zweite große Prüfstrecke des Sutras:
die Gefühls-Skandha (受陰).

1. Warum der Übergang so subtil ist

Nach dem Ende der Form-Skandha:
• Körperliche Phänomene sind geklärt
• Wahrnehmung ist stabil
• Visionen verlieren ihre Macht

Und dennoch:
Bindung bleibt – nun nicht mehr an Form, sondern an Empfinden.

2. Die Spiegelmetapher

„Die Wirkweisen der Buddhas
wie Bilder im Spiegel“

Das ist entscheidend:
• Klarheit ist da
• Wahrheit erscheint
• aber ohne Durchbruch

Spiegelbild ist nicht Besitz.

3. Der Alpzustand als Schlüsselbild

Der Alp ist perfekt gewählt:
• Bewusstsein ist wach
• Wahrnehmung ist korrekt
• Handlung ist blockiert

Das beschreibt exakt:

Empfinden ohne Freiheit

Gefühl bindet,
auch wenn Einsicht vorhanden ist.

4. Was „受陰區宇“ wirklich meint

Die Gefühls-Skandha ist:
• nicht Gefühl im Alltagssinn
• sondern die Bindungskraft von Erfahrung
• das subtile „es fühlt sich an wie…“

Solange Empfinden bindet,
ist Freiheit eingeschränkt.

5. Wann 受陰 endet

Nicht durch Unterdrückung,
sondern durch Durchschauen:

Wenn Empfinden
nicht mehr
als Referenz dient,
löst sich die Lähmung.

6. Die neue Trübung: 見濁

Mit dem Ende der Gefühls-Skandha
wird nicht alles klar –
sondern eine tiefere Trübung sichtbar:
die Trübung der Sicht.

Der Weg wird feiner, nicht einfacher.

7. Der Grundfehler

Der Text nennt ihn präzise:

虛明妄想

Leere Klarheit
wird festgehalten.

Nicht Dunkelheit ist das Problem,
sondern zu frühe Klarheit.
中文原文
「阿難!彼善男子修三摩提,奢摩他中色陰盡者,見諸佛心,如明鏡中顯現其像。若有所得而未能用,猶如魘人,手足宛然,見聞不惑,心觸客邪而不能動;此則名為受陰區宇。若魘咎歇,其心離身,返觀其面,去住自由,無復留礙,名受陰盡,是人則能超越見濁。觀其所由,虛明妄想以為其本。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
Samādhi praktiziert
und innerhalb von Śamatha
die Form-Skandha vollständig durchdringt,
erscheint ihm
die Wirkweisen der Buddhas
wie Spiegelbilder
in einem klaren Spiegel.

Ist dabei
ein gewisses Erreichen vorhanden,
doch fehlt noch
die freie Verfügbarkeit,
so gleicht dies
einem Menschen im Alpzustand:
Der Körper ist intakt,
Sehen und Hören
funktionieren unbeeinträchtigt,
doch sobald der Geist
von fremden Regungen berührt wird,
ist keine Bewegung möglich.

Dies bezeichnet man
als den Bereich
der Gefühls-Skandha.

Wenn jedoch
die alptraumhafte Bindung endet,
löst sich der Geist
vom Körper,
wendet sich zurück
und erkennt sich selbst;
Bewegung und Verweilen
sind frei,
ohne jedes Hindernis.
Dies nennt man
das Ende
der Gefühls-Skandha.

Ein solcher Übender
überschreitet damit
die Trübung
der falschen Wahrnehmung.

Untersucht man die Ursache,
so gründet sie
in einer leeren Klarheit,
die sich
zu falschen Vorstellungen verfestigt.“
Kommentar
Mit diesem Abschnitt beginnt die zweite große Prüfstrecke des Sutras:
die Gefühls-Skandha (受陰).

1. Warum der Übergang so subtil ist

Nach dem Ende der Form-Skandha:
• Körperliche Phänomene sind geklärt
• Wahrnehmung ist stabil
• Visionen verlieren ihre Macht

Und dennoch:
Bindung bleibt – nun nicht mehr an Form, sondern an Empfinden.

2. Die Spiegelmetapher

„Die Wirkweisen der Buddhas
wie Bilder im Spiegel“

Das ist entscheidend:
• Klarheit ist da
• Wahrheit erscheint
• aber ohne Durchbruch

Spiegelbild ist nicht Besitz.

3. Der Alpzustand als Schlüsselbild

Der Alp ist perfekt gewählt:
• Bewusstsein ist wach
• Wahrnehmung ist korrekt
• Handlung ist blockiert

Das beschreibt exakt:

Empfinden ohne Freiheit

Gefühl bindet,
auch wenn Einsicht vorhanden ist.

4. Was „受陰區宇“ wirklich meint

Die Gefühls-Skandha ist:
• nicht Gefühl im Alltagssinn
• sondern die Bindungskraft von Erfahrung
• das subtile „es fühlt sich an wie…“

Solange Empfinden bindet,
ist Freiheit eingeschränkt.

5. Wann 受陰 endet

Nicht durch Unterdrückung,
sondern durch Durchschauen:

Wenn Empfinden
nicht mehr
als Referenz dient,
löst sich die Lähmung.

6. Die neue Trübung: 見濁

Mit dem Ende der Gefühls-Skandha
wird nicht alles klar –
sondern eine tiefere Trübung sichtbar:
die Trübung der Sicht.

Der Weg wird feiner, nicht einfacher.

7. Der Grundfehler

Der Text nennt ihn präzise:

虛明妄想

Leere Klarheit
wird festgehalten.

Nicht Dunkelheit ist das Problem,
sondern zu frühe Klarheit.
348 #
「阿難!彼善男子,當在此中得大光耀,其心發明內抑過分,忽於其處發無窮悲。如是乃至觀見蚊虻猶如赤子,心生憐愍,不覺流淚。此名功用抑摧過越,悟則無咎,非為聖證;覺了不迷,久自銷歇。若作聖解,則有悲魔入其心[5]府,見人則悲,啼泣無限,失於正受,當從淪墜。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
in diesem Stadium
große innere Klarheit erfährt
und der Geist
sich erhellt,
wobei das innere Zurückhalten
übermäßig verstärkt wird,
kann plötzlich
grenzenloses Mitgefühl aufkommen.

Dies kann sich so äußern,
dass selbst
Mücken und Fliegen
wie kleine Kinder erscheinen,
Mitleid entsteht
und Tränen
unbewusst fließen.

Dies bezeichnet man als:
Ein Übermaß
an kontrollierender Wirksamkeit
in der Praxis.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.
Durch klares Verstehen
und Nicht-Verstricktsein
löst es sich mit der Zeit
von selbst auf.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so tritt ein sogenannter
„Mitleidsdämon“
in das Zentrum des Geistes ein:
Beim Anblick von Menschen
entsteht zwanghaftes Mitgefühl,
unaufhörliches Weinen,
die rechte Sammlung geht verloren,
und der Übende gerät
in einen Abstieg.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert die erste emotionale Kernverirrung der Gefühls-Skandha:
Mitgefühl ohne Weisheit.

1. Warum Mitgefühl hier zur Falle wird

Mitgefühl an sich
ist nicht problematisch.
Problematisch ist:
• Übersteuerung
• Identifikation
• fehlende Durchschauung

Das Mitgefühl entsteht
nicht aus Befreiung,
sondern aus
übermäßigem innerem Druck.

2. „Übermaß an Zügelung“

Der Text ist präzise:
Nicht Öffnung,
sondern zu starkes Zurückhalten
lässt dieses Mitleid explodieren.

Es ist ein Ventil,
kein Ausdruck von Erwachen.

3. Das Bild der „Mücken wie Kinder“

Dieses Bild zeigt:
• Auflösung realistischer Unterscheidung
• emotionale Überidentifikation
• Verlust der Mitte

Mitgefühl kippt
in emotionale Verschmelzung.

4. Der „Mitleidsdämon“ funktional verstanden

„Dämon“ meint hier:
Ein emotionaler Zustand,
der sich selbst legitimiert
und nicht mehr korrigierbar ist.

Das Ich
versteckt sich
im Guten.

5. Praxis-Prüfstein

Der entscheidende Maßstab bleibt:

Klingt es von selbst ab?

Was erwacht ist,
muss nicht gehalten werden.

6. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung zeigt sich heute als:
• Helfersyndrom
• spirituelle Erschöpfung
• emotionale Überforderung
• Aktivismus ohne innere Freiheit

Das Sutra benennt dies
nicht moralisch,
sondern diagnostisch.
中文原文
「阿難!彼善男子,當在此中得大光耀,其心發明內抑過分,忽於其處發無窮悲。如是乃至觀見蚊虻猶如赤子,心生憐愍,不覺流淚。此名功用抑摧過越,悟則無咎,非為聖證;覺了不迷,久自銷歇。若作聖解,則有悲魔入其心[5]府,見人則悲,啼泣無限,失於正受,當從淪墜。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
in diesem Stadium
große innere Klarheit erfährt
und der Geist
sich erhellt,
wobei das innere Zurückhalten
übermäßig verstärkt wird,
kann plötzlich
grenzenloses Mitgefühl aufkommen.

Dies kann sich so äußern,
dass selbst
Mücken und Fliegen
wie kleine Kinder erscheinen,
Mitleid entsteht
und Tränen
unbewusst fließen.

Dies bezeichnet man als:
Ein Übermaß
an kontrollierender Wirksamkeit
in der Praxis.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.
Durch klares Verstehen
und Nicht-Verstricktsein
löst es sich mit der Zeit
von selbst auf.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so tritt ein sogenannter
„Mitleidsdämon“
in das Zentrum des Geistes ein:
Beim Anblick von Menschen
entsteht zwanghaftes Mitgefühl,
unaufhörliches Weinen,
die rechte Sammlung geht verloren,
und der Übende gerät
in einen Abstieg.“
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert die erste emotionale Kernverirrung der Gefühls-Skandha:
Mitgefühl ohne Weisheit.

1. Warum Mitgefühl hier zur Falle wird

Mitgefühl an sich
ist nicht problematisch.
Problematisch ist:
• Übersteuerung
• Identifikation
• fehlende Durchschauung

Das Mitgefühl entsteht
nicht aus Befreiung,
sondern aus
übermäßigem innerem Druck.

2. „Übermaß an Zügelung“

Der Text ist präzise:
Nicht Öffnung,
sondern zu starkes Zurückhalten
lässt dieses Mitleid explodieren.

Es ist ein Ventil,
kein Ausdruck von Erwachen.

3. Das Bild der „Mücken wie Kinder“

Dieses Bild zeigt:
• Auflösung realistischer Unterscheidung
• emotionale Überidentifikation
• Verlust der Mitte

Mitgefühl kippt
in emotionale Verschmelzung.

4. Der „Mitleidsdämon“ funktional verstanden

„Dämon“ meint hier:
Ein emotionaler Zustand,
der sich selbst legitimiert
und nicht mehr korrigierbar ist.

Das Ich
versteckt sich
im Guten.

5. Praxis-Prüfstein

Der entscheidende Maßstab bleibt:

Klingt es von selbst ab?

Was erwacht ist,
muss nicht gehalten werden.

6. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung zeigt sich heute als:
• Helfersyndrom
• spirituelle Erschöpfung
• emotionale Überforderung
• Aktivismus ohne innere Freiheit

Das Sutra benennt dies
nicht moralisch,
sondern diagnostisch.
349 #
「阿難!又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,勝相現前,感激過分,忽於其中生無限勇。其心猛利,志齊諸佛,謂三僧祇一念能越。此名功用[6]凌率過越,悟則無咎,非為聖證;覺了不迷,久自銷歇。若作聖解,則有狂魔入其心[7]腑,見人則誇,我慢無比。其心乃至上不見佛,下不見人,失於正受,當從淪墜。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben,
treten besonders kraftvolle Zustände auf.
Durch übersteigerte Erregung
entsteht plötzlich
ungeheure Kühnheit.

Der Geist wird schneidend
und energisch,
der Wille stellt sich
auf eine Stufe mit den Buddhas;
man glaubt,
die drei unermesslichen Zeiträume
in einem einzigen Gedanken
überspringen zu können.

Dies bezeichnet man als:
Ein Übermaß
an antreibender Kraft
in der Praxis.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.
Bleibt man klar
und verstrickt sich nicht,
löst sich dieser Zustand
mit der Zeit
von selbst auf.

Interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
so übernimmt ein
Wahnsinns-Dämon
die Führung:
Man prahlt vor anderen,
der Hochmut kennt keine Grenze.
Der Geist sieht
weder Buddhas über sich
noch Menschen unter sich;
die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt die zweite große Verirrung der Gefühls-Skandha:
Kraft ohne Demut.

1. Woher der „grenzenlose Mut“ kommt

Der Mut entsteht nicht aus Einsicht,
sondern aus:
• dem Wegfall grober Begrenzung
• emotionaler Hochstimulation
• der Illusion von Zeitverkürzung

Die Praxis „fühlt sich“ beschleunigt an –
und genau das ist die Falle.

2. „Drei Kalpas in einem Gedanken“

Das ist kein poetischer Ausdruck,
sondern ein präziser Marker:
Zeit wird psychologisch kollabiert,
nicht existenziell überwunden.

Erfahrung ersetzt Erkenntnis.

3. Der „Wahnsinns-Dämon“

„Wahnsinn“ meint hier:
• Enthemmung
• Selbstüberhöhung
• Verlust relationaler Orientierung

Der Satz

„oben keine Buddhas, unten keine Menschen“

beschreibt den totalen Referenzverlust.

4. Der Prüfstein bleibt derselbe

Auch hier gilt:

Klingt es von selbst ab?

Was echt ist,
muss nicht verteidigt,
beschleunigt
oder verkündet werden.

5. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung zeigt sich heute als:
• spiritueller Größenwahn
• „Ich bin hier, um die Welt zu retten“
• Abwertung anderer Wege
• Immunität gegen Korrektur

Das Sutra ist hier
nicht moralisch,
sondern klinisch präzise.
中文原文
「阿難!又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,勝相現前,感激過分,忽於其中生無限勇。其心猛利,志齊諸佛,謂三僧祇一念能越。此名功用[6]凌率過越,悟則無咎,非為聖證;覺了不迷,久自銷歇。若作聖解,則有狂魔入其心[7]腑,見人則誇,我慢無比。其心乃至上不見佛,下不見人,失於正受,當從淪墜。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben,
treten besonders kraftvolle Zustände auf.
Durch übersteigerte Erregung
entsteht plötzlich
ungeheure Kühnheit.

Der Geist wird schneidend
und energisch,
der Wille stellt sich
auf eine Stufe mit den Buddhas;
man glaubt,
die drei unermesslichen Zeiträume
in einem einzigen Gedanken
überspringen zu können.

Dies bezeichnet man als:
Ein Übermaß
an antreibender Kraft
in der Praxis.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.
Bleibt man klar
und verstrickt sich nicht,
löst sich dieser Zustand
mit der Zeit
von selbst auf.

Interpretiert man ihn jedoch
als heilig,
so übernimmt ein
Wahnsinns-Dämon
die Führung:
Man prahlt vor anderen,
der Hochmut kennt keine Grenze.
Der Geist sieht
weder Buddhas über sich
noch Menschen unter sich;
die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt die zweite große Verirrung der Gefühls-Skandha:
Kraft ohne Demut.

1. Woher der „grenzenlose Mut“ kommt

Der Mut entsteht nicht aus Einsicht,
sondern aus:
• dem Wegfall grober Begrenzung
• emotionaler Hochstimulation
• der Illusion von Zeitverkürzung

Die Praxis „fühlt sich“ beschleunigt an –
und genau das ist die Falle.

2. „Drei Kalpas in einem Gedanken“

Das ist kein poetischer Ausdruck,
sondern ein präziser Marker:
Zeit wird psychologisch kollabiert,
nicht existenziell überwunden.

Erfahrung ersetzt Erkenntnis.

3. Der „Wahnsinns-Dämon“

„Wahnsinn“ meint hier:
• Enthemmung
• Selbstüberhöhung
• Verlust relationaler Orientierung

Der Satz

„oben keine Buddhas, unten keine Menschen“

beschreibt den totalen Referenzverlust.

4. Der Prüfstein bleibt derselbe

Auch hier gilt:

Klingt es von selbst ab?

Was echt ist,
muss nicht verteidigt,
beschleunigt
oder verkündet werden.

5. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung zeigt sich heute als:
• spiritueller Größenwahn
• „Ich bin hier, um die Welt zu retten“
• Abwertung anderer Wege
• Immunität gegen Korrektur

Das Sutra ist hier
nicht moralisch,
sondern klinisch präzise.
350 #
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,前無新證,歸失故居。智力衰微,入中墮地,逈無所見。心中忽然生大枯渴,於一切時沈憶不散,將此以為勤精進相。此名修心無慧自失,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有憶魔入其心[*]腑,旦夕撮心懸在一處,失於正受,當從淪墜。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Schwinden der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben,
aber kein neues Durchdringen eintritt
und sie in den Verlust
früherer Zustände zurückfallen,
nimmt die Kraft der Einsicht ab;
sie geraten in innere Leere
und sehen nichts mehr.

Im Geist entsteht plötzlich
eine starke Trockenheit,
und fortwährendes Grübeln
hört nicht auf;
dies wird fälschlich
für eifrige Praxis gehalten.

Dies bezeichnet man als:
Geistesübung ohne Weisheit,
die in Selbstverlust mündet.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Erinnerungs-Dämon
die Führung:
Der Geist wird
Tag und Nacht
auf einen Punkt fixiert,
die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt die dritte große Verirrung der Gefühls-Skandha:
Trockenheit und Grübelzwang nach dem Wegfall früherer Zustände.

1. Der Verlust des „früheren Glanzes“

Nach intensiven Erfahrungen
kann eine Phase folgen,
in der:
• nichts Neues geschieht
• frühere Klarheit fehlt
• Motivation einbricht

Das ist kein Rückschritt,
sondern ein Übergang, der fehlgedeutet wird.

2. „Große Trockenheit“

Die Trockenheit ist kein Mangel an Praxis,
sondern ein Mangel an Weisheitsperspektive:
Man sucht das Erlebte
statt das Durchschauen.

3. Grübeln als falsche Anstrengung

Das Sutra ist hier sehr präzise:
Grübeln wird
als „fleißige Übung“ missverstanden.

Tatsächlich bindet es
den Geist
an Erinnerung
und Erwartung.

4. Der „Erinnerungs-Dämon“

„Erinnerung“ meint hier:
Fixierung auf Vergangenes,
ständiger Vergleich,
inneres Festhalten.

Der Geist wird
„auf einen Punkt aufgehängt“
und verliert Beweglichkeit.

5. Der Prüfstein

Auch hier gilt:

Erkennt man es, löst es sich.
Hält man es für heilig, verfestigt es sich.

6. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung zeigt sich heute als:
• spirituelle Erschöpfung
• „Ich komme nicht mehr weiter“
• zwanghaftes Reflektieren
• Identifikation mit Leere

Das Sutra benennt dies
nicht wertend,
sondern orientierend.
中文原文
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,前無新證,歸失故居。智力衰微,入中墮地,逈無所見。心中忽然生大枯渴,於一切時沈憶不散,將此以為勤精進相。此名修心無慧自失,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有憶魔入其心[*]腑,旦夕撮心懸在一處,失於正受,當從淪墜。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Schwinden der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben,
aber kein neues Durchdringen eintritt
und sie in den Verlust
früherer Zustände zurückfallen,
nimmt die Kraft der Einsicht ab;
sie geraten in innere Leere
und sehen nichts mehr.

Im Geist entsteht plötzlich
eine starke Trockenheit,
und fortwährendes Grübeln
hört nicht auf;
dies wird fälschlich
für eifrige Praxis gehalten.

Dies bezeichnet man als:
Geistesübung ohne Weisheit,
die in Selbstverlust mündet.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Erinnerungs-Dämon
die Führung:
Der Geist wird
Tag und Nacht
auf einen Punkt fixiert,
die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt die dritte große Verirrung der Gefühls-Skandha:
Trockenheit und Grübelzwang nach dem Wegfall früherer Zustände.

1. Der Verlust des „früheren Glanzes“

Nach intensiven Erfahrungen
kann eine Phase folgen,
in der:
• nichts Neues geschieht
• frühere Klarheit fehlt
• Motivation einbricht

Das ist kein Rückschritt,
sondern ein Übergang, der fehlgedeutet wird.

2. „Große Trockenheit“

Die Trockenheit ist kein Mangel an Praxis,
sondern ein Mangel an Weisheitsperspektive:
Man sucht das Erlebte
statt das Durchschauen.

3. Grübeln als falsche Anstrengung

Das Sutra ist hier sehr präzise:
Grübeln wird
als „fleißige Übung“ missverstanden.

Tatsächlich bindet es
den Geist
an Erinnerung
und Erwartung.

4. Der „Erinnerungs-Dämon“

„Erinnerung“ meint hier:
Fixierung auf Vergangenes,
ständiger Vergleich,
inneres Festhalten.

Der Geist wird
„auf einen Punkt aufgehängt“
und verliert Beweglichkeit.

5. Der Prüfstein

Auch hier gilt:

Erkennt man es, löst es sich.
Hält man es für heilig, verfestigt es sich.

6. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung zeigt sich heute als:
• spirituelle Erschöpfung
• „Ich komme nicht mehr weiter“
• zwanghaftes Reflektieren
• Identifikation mit Leere

Das Sutra benennt dies
nicht wertend,
sondern orientierend.
351 #
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,慧力過定,失於猛利,以諸勝性懷於心中,自心已疑是盧舍那,得少為足。此名用心亡失恒審溺於知見,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有下劣易知足魔入其心[*]腑,見人自言:『我得無上第一義諦。』失於正受,當從淪墜。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben,
die Weisheitskraft jedoch
die Stabilität der Sammlung überholt,
verliert der Geist
seine entschlossene Ausrichtung.

Man trägt
überlegene Qualitäten
im eigenen Bewusstsein,
beginnt zu vermuten,
man selbst sei
Vairocana,
und hält ein geringes Verstehen
bereits für ausreichend.

Dies bezeichnet man als:
Ein Verlieren
beständiger Selbstprüfung
durch fehlgeleitete geistige Anwendung
und ein Versinken
in bloßem Wissen und Ansicht.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon der frühzeitigen Zufriedenheit
die Führung:
Man erklärt anderen:
‚Ich habe
die höchste,
endgültige Wahrheit erlangt.‘
Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt die vierte große Verirrung der Gefühls-Skandha:
frühe Selbstzufriedenheit und Identifikation mit Einsicht.

1. Weisheit ohne Verankerung

Hier kippt das Verhältnis:
• Einsicht wird schnell
• Sammlung verliert Tiefe
• Prüfung hört auf

Das Resultat ist Instabilität, nicht Freiheit.

2. „Ich bin Vairocana“

Vairocana steht hier
für den allumfassenden Buddha-Geist.
Der Irrtum besteht nicht darin,
dass dieser Geist erkannt wird,
sondern darin,
ihn zu besitzen zu wollen.

3. „Ein Geringes genügt“

Der gefährlichste Satz ist:

„Das reicht.“

Damit endet Praxis,
bevor sie sich selbst
auflösen konnte.

4. Der Dämon der schnellen Zufriedenheit

Dieser Dämon wirkt sanft:
• kein Leiden
• kein Drama
• kein Zweifel

Gerade deshalb
führt er zuverlässig
in Stillstand.

5. Der Prüfstein

Auch hier gilt:

Was wirklich trägt,
erklärt sich nicht selbst
für abgeschlossen.

Erwachen
hat kein Etikett.

6. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung zeigt sich heute als:
• „Ich habe es verstanden“
• spiritueller Intellektualismus
• frühes Ankommen
• Immunität gegen Korrektur

Das Sutra benennt dies
nicht polemisch,
sondern schützend.
中文原文
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,慧力過定,失於猛利,以諸勝性懷於心中,自心已疑是盧舍那,得少為足。此名用心亡失恒審溺於知見,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有下劣易知足魔入其心[*]腑,見人自言:『我得無上第一義諦。』失於正受,當從淪墜。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben,
die Weisheitskraft jedoch
die Stabilität der Sammlung überholt,
verliert der Geist
seine entschlossene Ausrichtung.

Man trägt
überlegene Qualitäten
im eigenen Bewusstsein,
beginnt zu vermuten,
man selbst sei
Vairocana,
und hält ein geringes Verstehen
bereits für ausreichend.

Dies bezeichnet man als:
Ein Verlieren
beständiger Selbstprüfung
durch fehlgeleitete geistige Anwendung
und ein Versinken
in bloßem Wissen und Ansicht.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon der frühzeitigen Zufriedenheit
die Führung:
Man erklärt anderen:
‚Ich habe
die höchste,
endgültige Wahrheit erlangt.‘
Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt die vierte große Verirrung der Gefühls-Skandha:
frühe Selbstzufriedenheit und Identifikation mit Einsicht.

1. Weisheit ohne Verankerung

Hier kippt das Verhältnis:
• Einsicht wird schnell
• Sammlung verliert Tiefe
• Prüfung hört auf

Das Resultat ist Instabilität, nicht Freiheit.

2. „Ich bin Vairocana“

Vairocana steht hier
für den allumfassenden Buddha-Geist.
Der Irrtum besteht nicht darin,
dass dieser Geist erkannt wird,
sondern darin,
ihn zu besitzen zu wollen.

3. „Ein Geringes genügt“

Der gefährlichste Satz ist:

„Das reicht.“

Damit endet Praxis,
bevor sie sich selbst
auflösen konnte.

4. Der Dämon der schnellen Zufriedenheit

Dieser Dämon wirkt sanft:
• kein Leiden
• kein Drama
• kein Zweifel

Gerade deshalb
führt er zuverlässig
in Stillstand.

5. Der Prüfstein

Auch hier gilt:

Was wirklich trägt,
erklärt sich nicht selbst
für abgeschlossen.

Erwachen
hat kein Etikett.

6. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung zeigt sich heute als:
• „Ich habe es verstanden“
• spiritueller Intellektualismus
• frühes Ankommen
• Immunität gegen Korrektur

Das Sutra benennt dies
nicht polemisch,
sondern schützend.
352 #
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,新證未獲,故心已亡,歷覽二際自生艱險,於心忽然生無盡憂,[A3]如坐鐵床,如飲毒藥,心不欲活,常求於人令害其命,早取解脫。此名修行失於方便,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有一分常憂愁魔入其心[*]腑,手執刀劍自割其肉,欣其捨壽。或常憂愁,走入山林,不耐見人。失於正受,當從淪墜。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben,
aber keine neue Durchdringung erlangen
und dadurch den inneren Halt verlieren,
entsteht beim Durchschreiten
der beiden Grenzbereiche
aus sich selbst
Gefahr und Bedrängnis.

Im Geist kann plötzlich
grenzenlose Sorge aufkommen,
wie das Sitzen
auf einem Eisenbett
oder das Trinken
von Gift.
Der Lebenswille
schwindet,
man wünscht,
von anderen getötet zu werden,
um rasch
Erlösung zu finden.

Dies bezeichnet man als:
Verlust angemessener Mittel
in der Praxis.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon dauerhafter Schwermut
die Führung:
Man verletzt den eigenen Körper
mit Klingen,
empfindet Freude
am Aufgeben des Lebens,
oder verfällt
anhaltender Traurigkeit,
zieht sich in die Einsamkeit zurück
und meidet Menschen.

Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt die fünfte große Verirrung der Gefühls-Skandha:
existenzielle Verzweiflung und selbstzerstörerische Fehlinterpretation.

1. Warum diese Verirrung so gefährlich ist

Hier verschwindet nicht nur
Freude oder Klarheit,
sondern Sinn und Halt.
Der Übende steht
zwischen Auflösung und Erkenntnis –
ohne Orientierung.

2. „Zwei Grenzbereiche“

Die „beiden Grenzbereiche“
meinen:
• Festhalten
• Auflösen

Wer keinen mittleren Weg findet,
erlebt beides
als Bedrohung.

3. Leiden ohne Weisheitsrahmen

Das Leid entsteht nicht,
weil Praxis falsch wäre,
sondern weil Erfahrung ohne Deutung
nicht mehr getragen wird.

Leere wird
als Vernichtung missverstanden.

4. Der Dämon der Schwermut

„Dämon“ ist hier
keine äußere Macht,
sondern ein Zustand,
der sich selbst legitimiert.

Besonders gefährlich ist,
dass Selbstzerstörung
als „Befreiung“ gedeutet wird.

5. Klare Grenzziehung des Sutras

Das Sutra ist hier
unmissverständlich:
Dies ist keine Einsicht,
kein Opfer,
keine Transzendenz.

Es ist eine Verirrung der Praxis.

6. Schutzfunktion der Lehre

Dass dieser Abschnitt
so drastisch ist,
ist kein Zufall:
Er soll Leben schützen,
nicht erschrecken.

7. Quintessenz

Wo Weisheit fehlt,
wird Leere zerstörerisch.
中文原文
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,新證未獲,故心已亡,歷覽二際自生艱險,於心忽然生無盡憂,[A3]如坐鐵床,如飲毒藥,心不欲活,常求於人令害其命,早取解脫。此名修行失於方便,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有一分常憂愁魔入其心[*]腑,手執刀劍自割其肉,欣其捨壽。或常憂愁,走入山林,不耐見人。失於正受,當從淪墜。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben,
aber keine neue Durchdringung erlangen
und dadurch den inneren Halt verlieren,
entsteht beim Durchschreiten
der beiden Grenzbereiche
aus sich selbst
Gefahr und Bedrängnis.

Im Geist kann plötzlich
grenzenlose Sorge aufkommen,
wie das Sitzen
auf einem Eisenbett
oder das Trinken
von Gift.
Der Lebenswille
schwindet,
man wünscht,
von anderen getötet zu werden,
um rasch
Erlösung zu finden.

Dies bezeichnet man als:
Verlust angemessener Mittel
in der Praxis.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon dauerhafter Schwermut
die Führung:
Man verletzt den eigenen Körper
mit Klingen,
empfindet Freude
am Aufgeben des Lebens,
oder verfällt
anhaltender Traurigkeit,
zieht sich in die Einsamkeit zurück
und meidet Menschen.

Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt die fünfte große Verirrung der Gefühls-Skandha:
existenzielle Verzweiflung und selbstzerstörerische Fehlinterpretation.

1. Warum diese Verirrung so gefährlich ist

Hier verschwindet nicht nur
Freude oder Klarheit,
sondern Sinn und Halt.
Der Übende steht
zwischen Auflösung und Erkenntnis –
ohne Orientierung.

2. „Zwei Grenzbereiche“

Die „beiden Grenzbereiche“
meinen:
• Festhalten
• Auflösen

Wer keinen mittleren Weg findet,
erlebt beides
als Bedrohung.

3. Leiden ohne Weisheitsrahmen

Das Leid entsteht nicht,
weil Praxis falsch wäre,
sondern weil Erfahrung ohne Deutung
nicht mehr getragen wird.

Leere wird
als Vernichtung missverstanden.

4. Der Dämon der Schwermut

„Dämon“ ist hier
keine äußere Macht,
sondern ein Zustand,
der sich selbst legitimiert.

Besonders gefährlich ist,
dass Selbstzerstörung
als „Befreiung“ gedeutet wird.

5. Klare Grenzziehung des Sutras

Das Sutra ist hier
unmissverständlich:
Dies ist keine Einsicht,
kein Opfer,
keine Transzendenz.

Es ist eine Verirrung der Praxis.

6. Schutzfunktion der Lehre

Dass dieser Abschnitt
so drastisch ist,
ist kein Zufall:
Er soll Leben schützen,
nicht erschrecken.

7. Quintessenz

Wo Weisheit fehlt,
wird Leere zerstörerisch.
353 #
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,處清淨中心安隱後,忽然自有無限喜生,心中歡悅不能自止。此名輕安無慧自禁,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有一分好喜樂魔入其心[*]腑,見人則笑。於衢路傍自歌自舞,自謂已得無礙解脫。失於正受,當從淪墜。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben,
und nachdem sich
im Zustand von Reinheit
innere Sicherheit eingestellt hat,
kann plötzlich
grenzenlose Freude entstehen,
die den Geist
nicht mehr zur Ruhe kommen lässt.

Dies bezeichnet man als:
Leichtigkeit und Wohlgefühl
ohne Weisheit,
die sich selbst nicht regulieren.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon der Freude
die Führung:
Man lacht unkontrolliert,
singt und tanzt öffentlich
und hält sich
für vollständig befreit.

Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt die letzte Verirrung der Gefühls-Skandha:
Euphorie ohne Weisheit.

1. Warum Freude hier zur Falle wird

Freude ist an sich
kein Hindernis.
Doch hier entsteht sie
nicht aus Einsicht,
sondern aus
Entspannung ohne Durchschauung.

Der Geist „öffnet“
ohne Verankerung.

2. „Leichtigkeit ohne Weisheit“

Der Text ist präzise:
Es fehlt 慧 (Weisheit),
nicht Sammlung.

Ohne Weisheit
kann Freude
sich selbst nicht regulieren.

3. Der Dämon der Freude

Diese Verirrung ist besonders trügerisch,
weil sie:
• Leiden aufhebt
• Zustimmung erzeugt
• Kritik immunisiert

Gerade deshalb
führt sie zuverlässig
in Verlust der Sammlung.

4. Öffentliche Enthemmung als Warnzeichen

Singen, Tanzen, Lachen
sind nicht falsch –
doch hier sind sie
Ausdruck von Identitätsverlust
im Gefühl.

„Ich bin frei“
wird gespielt,
nicht erkannt.

5. Der Abschluss der Gefühls-Skandha

Mit dieser Verirrung
ist der Kreis geschlossen:
• Leid
• Mut
• Trockenheit
• Verzweiflung
• Selbstzufriedenheit
• Euphorie

Alles,
was Gefühl binden kann,
ist durchlaufen.
中文原文
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,處清淨中心安隱後,忽然自有無限喜生,心中歡悅不能自止。此名輕安無慧自禁,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有一分好喜樂魔入其心[*]腑,見人則笑。於衢路傍自歌自舞,自謂已得無礙解脫。失於正受,當從淪墜。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben,
und nachdem sich
im Zustand von Reinheit
innere Sicherheit eingestellt hat,
kann plötzlich
grenzenlose Freude entstehen,
die den Geist
nicht mehr zur Ruhe kommen lässt.

Dies bezeichnet man als:
Leichtigkeit und Wohlgefühl
ohne Weisheit,
die sich selbst nicht regulieren.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon der Freude
die Führung:
Man lacht unkontrolliert,
singt und tanzt öffentlich
und hält sich
für vollständig befreit.

Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt die letzte Verirrung der Gefühls-Skandha:
Euphorie ohne Weisheit.

1. Warum Freude hier zur Falle wird

Freude ist an sich
kein Hindernis.
Doch hier entsteht sie
nicht aus Einsicht,
sondern aus
Entspannung ohne Durchschauung.

Der Geist „öffnet“
ohne Verankerung.

2. „Leichtigkeit ohne Weisheit“

Der Text ist präzise:
Es fehlt 慧 (Weisheit),
nicht Sammlung.

Ohne Weisheit
kann Freude
sich selbst nicht regulieren.

3. Der Dämon der Freude

Diese Verirrung ist besonders trügerisch,
weil sie:
• Leiden aufhebt
• Zustimmung erzeugt
• Kritik immunisiert

Gerade deshalb
führt sie zuverlässig
in Verlust der Sammlung.

4. Öffentliche Enthemmung als Warnzeichen

Singen, Tanzen, Lachen
sind nicht falsch –
doch hier sind sie
Ausdruck von Identitätsverlust
im Gefühl.

„Ich bin frei“
wird gespielt,
nicht erkannt.

5. Der Abschluss der Gefühls-Skandha

Mit dieser Verirrung
ist der Kreis geschlossen:
• Leid
• Mut
• Trockenheit
• Verzweiflung
• Selbstzufriedenheit
• Euphorie

Alles,
was Gefühl binden kann,
ist durchlaufen.
354 #
「又彼定中諸善男子,見色陰銷,受陰明白,自謂已足,忽有無端大我慢起。如是乃至慢與過慢,及慢過慢,或增上慢,或卑劣慢,一時俱發。心中尚輕十方如來,何況下位聲聞、緣覺。此名見勝無慧自救,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有一分大我慢魔入其心[*]腑,不禮塔廟,摧毀經像。謂檀越言:『此是金、銅、或是土、木,經是樹葉、或是疊花。肉身真常,不自恭敬;却崇土木,實為顛倒。』其深信者,從其毀碎埋棄地中,疑誤眾生,入無間獄。失於正受,當从淪墜。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben
und sich selbst
für bereits vollendet halten,
kann plötzlich
großer Ich-Stolz entstehen.

Dabei können
gewöhnlicher Stolz,
übersteigerter Stolz,
noch weiter gesteigerter Stolz,
überlegener Stolz
oder auch herabsetzender Stolz
gleichzeitig auftreten.

Der Geist
verliert selbst
den Respekt
vor den Buddhas
der zehn Richtungen,
geschweige denn
vor Śrāvakas
oder Pratyekabuddhas.

Dies bezeichnet man als:
Überlegenheit der eigenen Sicht
ohne Weisheit,
die sich selbst rechtfertigt.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon des großen Ich-Stolzes
die Führung:
Man verneigt sich nicht mehr
vor Stūpas oder Heiligtümern,
zerstört Schriften und Bildnisse
und erklärt den Spendern:

‚Diese Dinge sind nur
Gold, Kupfer,
Erde oder Holz;
die Schriften sind
Blätter oder Papier.
Der körperliche Leib
allein ist wahrhaft beständig;
ihn nicht zu ehren,
sondern tote Materialien,
ist Verblendung.‘

Wer solchen Ansichten folgt,
zerstört heilige Gegenstände,
vergräbt sie,
verwirrt andere Wesen
und fällt
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt die gefährlichste Verirrung der Gefühls-Skandha:
Ich-Stolz, der sich als Leerheit oder Natürlichkeit tarnt.

1. Warum Stolz hier explodiert

Nachdem:
• Form relativiert
• Empfinden geklärt

ist,
fehlt dem Ich
jede grobe Reibung.
Es erhebt sich nun
auf subtilster Ebene.

2. Die feine Analyse der Stolzformen

Der Text listet bewusst
mehrere Formen:
• Vergleich
• Überhöhung
• Herabsetzung
• absolute Selbstermächtigung

Damit ist
jede Richtung
der Ich-Fixierung abgedeckt.

3. Der Bruch mit Symbol und Überlieferung

Die Zerstörung von Stūpas,
Bildern und Schriften
ist kein Nebenaspekt,
sondern das Erkennungszeichen:
Der eigene Zustand
wird absolut gesetzt.

4. „Der Körper ist wahrhaft beständig“

Das ist der zentrale Irrtum:
Leere wird
in den Körper verlegt.

Nicht Anhaften wird gelehrt,
sondern Selbstvergöttlichung.

5. Warum die Warnung maximal ist

Hier endet Praxis
nicht nur individuell,
sondern sozial zerstörerisch:
Andere werden
systematisch irregeführt.

Darum spricht der Text
von der schwersten Verirrung.

6. Quintessenz

Wo kein Respekt mehr möglich ist,
ist Erwachen ausgeschlossen.

Mit diesem Abschnitt
ist der Gefühls-Skandha vollständig abgeschlossen.
中文原文
「又彼定中諸善男子,見色陰銷,受陰明白,自謂已足,忽有無端大我慢起。如是乃至慢與過慢,及慢過慢,或增上慢,或卑劣慢,一時俱發。心中尚輕十方如來,何況下位聲聞、緣覺。此名見勝無慧自救,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有一分大我慢魔入其心[*]腑,不禮塔廟,摧毀經像。謂檀越言:『此是金、銅、或是土、木,經是樹葉、或是疊花。肉身真常,不自恭敬;却崇土木,實為顛倒。』其深信者,從其毀碎埋棄地中,疑誤眾生,入無間獄。失於正受,當从淪墜。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erleben
und sich selbst
für bereits vollendet halten,
kann plötzlich
großer Ich-Stolz entstehen.

Dabei können
gewöhnlicher Stolz,
übersteigerter Stolz,
noch weiter gesteigerter Stolz,
überlegener Stolz
oder auch herabsetzender Stolz
gleichzeitig auftreten.

Der Geist
verliert selbst
den Respekt
vor den Buddhas
der zehn Richtungen,
geschweige denn
vor Śrāvakas
oder Pratyekabuddhas.

Dies bezeichnet man als:
Überlegenheit der eigenen Sicht
ohne Weisheit,
die sich selbst rechtfertigt.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon des großen Ich-Stolzes
die Führung:
Man verneigt sich nicht mehr
vor Stūpas oder Heiligtümern,
zerstört Schriften und Bildnisse
und erklärt den Spendern:

‚Diese Dinge sind nur
Gold, Kupfer,
Erde oder Holz;
die Schriften sind
Blätter oder Papier.
Der körperliche Leib
allein ist wahrhaft beständig;
ihn nicht zu ehren,
sondern tote Materialien,
ist Verblendung.‘

Wer solchen Ansichten folgt,
zerstört heilige Gegenstände,
vergräbt sie,
verwirrt andere Wesen
und fällt
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt die gefährlichste Verirrung der Gefühls-Skandha:
Ich-Stolz, der sich als Leerheit oder Natürlichkeit tarnt.

1. Warum Stolz hier explodiert

Nachdem:
• Form relativiert
• Empfinden geklärt

ist,
fehlt dem Ich
jede grobe Reibung.
Es erhebt sich nun
auf subtilster Ebene.

2. Die feine Analyse der Stolzformen

Der Text listet bewusst
mehrere Formen:
• Vergleich
• Überhöhung
• Herabsetzung
• absolute Selbstermächtigung

Damit ist
jede Richtung
der Ich-Fixierung abgedeckt.

3. Der Bruch mit Symbol und Überlieferung

Die Zerstörung von Stūpas,
Bildern und Schriften
ist kein Nebenaspekt,
sondern das Erkennungszeichen:
Der eigene Zustand
wird absolut gesetzt.

4. „Der Körper ist wahrhaft beständig“

Das ist der zentrale Irrtum:
Leere wird
in den Körper verlegt.

Nicht Anhaften wird gelehrt,
sondern Selbstvergöttlichung.

5. Warum die Warnung maximal ist

Hier endet Praxis
nicht nur individuell,
sondern sozial zerstörerisch:
Andere werden
systematisch irregeführt.

Darum spricht der Text
von der schwersten Verirrung.

6. Quintessenz

Wo kein Respekt mehr möglich ist,
ist Erwachen ausgeschlossen.

Mit diesem Abschnitt
ist der Gefühls-Skandha vollständig abgeschlossen.
355 #
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,於精明中圓悟精理,得大隨順,其心[1]忽生無量輕安,[A4]己言成聖得大自在。此名因慧獲諸輕清,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有一分好[2]輕清魔入其心[*]腑,自謂滿足,更不求進。此等多作無聞比丘,疑[3]誤眾生,墮阿鼻獄。失於正受,當从淪墜。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erfahren,
und innerhalb feiner Klarheit
die zugrunde liegenden Prinzipien
vollständig durchdringen
und große Anpassungsfähigkeit erlangen,
kann plötzlich
tiefe Leichtigkeit entstehen,
so dass sie von sich glauben,
Heiligkeit
und große Freiheit erlangt zu haben.

Dies bezeichnet man als:
Leichtigkeit und Klarheit,
die aus Weisheit hervorgehen.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon der Vorliebe
für Leichtigkeit und Reinheit
die Führung:
Man hält sich selbst
für vollendet
und strebt
keinen weiteren Weg mehr an.

Solche Personen
werden oft
zu unwissenden Mönchen,
verunsichern andere Wesen
und fallen
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt die subtilste Verirrung der Gefühls-Skandha:
Leichtigkeit ohne Gelübde, Freiheit ohne Richtung.

1. Warum diese Verirrung so fein ist

Hier liegt:
• keine Dunkelheit
• kein Leiden
• kein Stolz im groben Sinn

Sondern:
Wohlsein, Stimmigkeit, Entsprechung.

Gerade das macht sie gefährlich.

2. „Große Entsprechung“ (大隨順)

Alles scheint zu passen:
• innen
• außen
• Praxis
• Welt

Doch diese Stimmigkeit
ist erfahren, nicht durchschaut.

3. Der Satz „Ich bin heilig“

Nicht laut,
nicht aggressiv,
sondern still,
zufrieden,
abgeschlossen.

Praxis endet,
weil nichts mehr
zu tun scheint.

4. Der Dämon der Leichtigkeit

Diese Verirrung ist sanft:
• kein Zwang
• keine Ekstase
• keine Depression

Nur:
Stillstand im Angenehmen.

5. Warum der Text so scharf urteilt

Weil hier
nicht nur der Übende stehen bleibt,
sondern andere
mitnimmt.

„Unwissende Bhikṣus“
sind jene,
die aus Leichtigkeit lehren,
ohne Durchbruch.

6. Prüfstein der Gefühls-Skandha

Wo der Weg endet,
bevor das Ich endet,
beginnt Verirrung.
中文原文
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,於精明中圓悟精理,得大隨順,其心[1]忽生無量輕安,[A4]己言成聖得大自在。此名因慧獲諸輕清,悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有一分好[2]輕清魔入其心[*]腑,自謂滿足,更不求進。此等多作無聞比丘,疑[3]誤眾生,墮阿鼻獄。失於正受,當从淪墜。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erfahren,
und innerhalb feiner Klarheit
die zugrunde liegenden Prinzipien
vollständig durchdringen
und große Anpassungsfähigkeit erlangen,
kann plötzlich
tiefe Leichtigkeit entstehen,
so dass sie von sich glauben,
Heiligkeit
und große Freiheit erlangt zu haben.

Dies bezeichnet man als:
Leichtigkeit und Klarheit,
die aus Weisheit hervorgehen.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon der Vorliebe
für Leichtigkeit und Reinheit
die Führung:
Man hält sich selbst
für vollendet
und strebt
keinen weiteren Weg mehr an.

Solche Personen
werden oft
zu unwissenden Mönchen,
verunsichern andere Wesen
und fallen
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt die subtilste Verirrung der Gefühls-Skandha:
Leichtigkeit ohne Gelübde, Freiheit ohne Richtung.

1. Warum diese Verirrung so fein ist

Hier liegt:
• keine Dunkelheit
• kein Leiden
• kein Stolz im groben Sinn

Sondern:
Wohlsein, Stimmigkeit, Entsprechung.

Gerade das macht sie gefährlich.

2. „Große Entsprechung“ (大隨順)

Alles scheint zu passen:
• innen
• außen
• Praxis
• Welt

Doch diese Stimmigkeit
ist erfahren, nicht durchschaut.

3. Der Satz „Ich bin heilig“

Nicht laut,
nicht aggressiv,
sondern still,
zufrieden,
abgeschlossen.

Praxis endet,
weil nichts mehr
zu tun scheint.

4. Der Dämon der Leichtigkeit

Diese Verirrung ist sanft:
• kein Zwang
• keine Ekstase
• keine Depression

Nur:
Stillstand im Angenehmen.

5. Warum der Text so scharf urteilt

Weil hier
nicht nur der Übende stehen bleibt,
sondern andere
mitnimmt.

„Unwissende Bhikṣus“
sind jene,
die aus Leichtigkeit lehren,
ohne Durchbruch.

6. Prüfstein der Gefühls-Skandha

Wo der Weg endet,
bevor das Ich endet,
beginnt Verirrung.
356 #
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,於明悟中得虛明性,其中忽然歸向永滅,撥無因果,一向入空。空心現前,乃至心生長斷滅解。悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有空魔入其心[*]腑,乃謗持戒名為小乘,菩薩悟空有何持犯!其人常於信心檀越,飲酒、噉肉,廣行婬穢。因魔力故,攝其前人不生疑謗。鬼心久入,或食屎尿與酒肉等,一種俱空。破佛律儀,誤[4]入人罪。失於正受,當从淪墜。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erfahren,
und innerhalb von Erwachen
die Eigenschaft leerer Klarheit erkennen,
kann es plötzlich geschehen,
dass sie sich
einem dauerhaften Erlöschen zuwenden,
Ursache und Wirkung verneinen
und ausschließlich
in die Leere eingehen.

Ist dieser leere Geist gegenwärtig,
kann sich daraus sogar
die Auffassung
einer endgültigen Vernichtung entwickeln.

Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon der Leere
die Führung:
Man bezeichnet
die Einhaltung der Gebote
als Lehre eines niedrigen Fahrzeugs
und erklärt:
‚Wer die Leere erkannt hat,
dem sind Halten und Brechen gleich.‘

Solche Menschen
trinken Alkohol,
essen Fleisch
und treiben sexuelle Ausschweifung.
Durch dämonische Beeinflussung
verlieren die ihnen Nahestehenden
jede Fähigkeit zum Zweifel.

Dringt diese Verirrung tiefer ein,
werden selbst
Kot, Urin,
Alkohol und Fleisch
gleichermaßen
als leer betrachtet.

So werden
die Gebote des Buddha zerstört,
andere Wesen
in Vergehen geführt,
und der Übende
verliert die rechte Sammlung
und stürzt ab.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine der gefährlichsten Verirrung der Gefühls-Skandha:
Leere ohne Weisheit – Nihilismus im Gewand der Nicht-Dualität.

1. Der Kernfehler: Leere gegen Ursache und Wirkung

Hier wird Śūnyatā missverstanden:
Nicht als Durchschauung bedingten Entstehens,
sondern als Verneinung von Kausalität.

Der Buddha ist hier eindeutig:

Leere ohne Ursache-Wirkung ist Dämonenpfad.

2. „Dauerhafte Auslöschung“

Das Sutra unterscheidet scharf:
• Nicht-Geboren ≠ Vernichtet
• Leer ≠ Nichts

3. Warum Ethik hier kollabiert

Wenn:
• Ursache und Wirkung verworfen werden
• Halten und Brechen gleichgesetzt werden

dann bleibt keine Schutzstruktur mehr –
weder für den Übenden
noch für andere.

Darum wird diese Verirrung
so drastisch beschrieben.

4. „Alles ist leer“ als Legitimation

Der Text zeigt,
wie der Satz
„Alles ist leer“
zur Rechtfertigung
von Gewalt,
Ausbeutung
und Missbrauch wird.

Nicht Leere ist das Problem,
sondern ihr Besitzanspruch.

5. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung erscheint heute als:
• „Es gibt kein richtig oder falsch“
• „Alles ist nur Konzept“
• „Ethik ist Illusion“
• spirituell verbrämter Nihilismus

Das Sutra benennt dies
unmissverständlich
als Abstieg.

6. Quintessenz

Leere ohne Mitgefühl
ist Zerstörung.
Leere ohne Ursache-Wirkung
ist Verirrung.
中文原文
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,於明悟中得虛明性,其中忽然歸向永滅,撥無因果,一向入空。空心現前,乃至心生長斷滅解。悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有空魔入其心[*]腑,乃謗持戒名為小乘,菩薩悟空有何持犯!其人常於信心檀越,飲酒、噉肉,廣行婬穢。因魔力故,攝其前人不生疑謗。鬼心久入,或食屎尿與酒肉等,一種俱空。破佛律儀,誤[4]入人罪。失於正受,當从淪墜。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erfahren,
und innerhalb von Erwachen
die Eigenschaft leerer Klarheit erkennen,
kann es plötzlich geschehen,
dass sie sich
einem dauerhaften Erlöschen zuwenden,
Ursache und Wirkung verneinen
und ausschließlich
in die Leere eingehen.

Ist dieser leere Geist gegenwärtig,
kann sich daraus sogar
die Auffassung
einer endgültigen Vernichtung entwickeln.

Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon der Leere
die Führung:
Man bezeichnet
die Einhaltung der Gebote
als Lehre eines niedrigen Fahrzeugs
und erklärt:
‚Wer die Leere erkannt hat,
dem sind Halten und Brechen gleich.‘

Solche Menschen
trinken Alkohol,
essen Fleisch
und treiben sexuelle Ausschweifung.
Durch dämonische Beeinflussung
verlieren die ihnen Nahestehenden
jede Fähigkeit zum Zweifel.

Dringt diese Verirrung tiefer ein,
werden selbst
Kot, Urin,
Alkohol und Fleisch
gleichermaßen
als leer betrachtet.

So werden
die Gebote des Buddha zerstört,
andere Wesen
in Vergehen geführt,
und der Übende
verliert die rechte Sammlung
und stürzt ab.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine der gefährlichsten Verirrung der Gefühls-Skandha:
Leere ohne Weisheit – Nihilismus im Gewand der Nicht-Dualität.

1. Der Kernfehler: Leere gegen Ursache und Wirkung

Hier wird Śūnyatā missverstanden:
Nicht als Durchschauung bedingten Entstehens,
sondern als Verneinung von Kausalität.

Der Buddha ist hier eindeutig:

Leere ohne Ursache-Wirkung ist Dämonenpfad.

2. „Dauerhafte Auslöschung“

Das Sutra unterscheidet scharf:
• Nicht-Geboren ≠ Vernichtet
• Leer ≠ Nichts

3. Warum Ethik hier kollabiert

Wenn:
• Ursache und Wirkung verworfen werden
• Halten und Brechen gleichgesetzt werden

dann bleibt keine Schutzstruktur mehr –
weder für den Übenden
noch für andere.

Darum wird diese Verirrung
so drastisch beschrieben.

4. „Alles ist leer“ als Legitimation

Der Text zeigt,
wie der Satz
„Alles ist leer“
zur Rechtfertigung
von Gewalt,
Ausbeutung
und Missbrauch wird.

Nicht Leere ist das Problem,
sondern ihr Besitzanspruch.

5. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung erscheint heute als:
• „Es gibt kein richtig oder falsch“
• „Alles ist nur Konzept“
• „Ethik ist Illusion“
• spirituell verbrämter Nihilismus

Das Sutra benennt dies
unmissverständlich
als Abstieg.

6. Quintessenz

Leere ohne Mitgefühl
ist Zerstörung.
Leere ohne Ursache-Wirkung
ist Verirrung.
357 #
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,味其虛明深入心骨,其心忽有無限愛生,愛極發狂,便為貪欲。此名定境安順入心,無慧自持,誤入諸欲;悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有欲魔入其心[*]腑,一向說欲為菩提道,化諸白衣平等行欲,其行婬者名持法子。神鬼力故,於末世中攝其凡愚,其數至百,如是乃至一百、二百或五六百,多滿千萬。魔心生厭,離其身體,威德既無,陷於王難;疑誤眾生,入無間獄。失於正受,當从淪墜。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erfahren
und die leere Klarheit
bis tief ins Innere kosten,
kann im Geist
plötzlich intensive Zuneigung entstehen.
Wird diese Zuneigung gesteigert,
schlägt sie in Ekstase um
und verwandelt sich in Begierde.

Dies bezeichnet man als:
Einen Zustand der Sammlung,
der sanft und angenehm
ins Herz einsinkt,
ohne von Weisheit getragen zu sein,
wodurch man fälschlich
in Begierden gerät.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon der Begierde
die Führung:
Man erklärt Begierde
zum Weg der Erwachung,
verführt Laien
zu gleichgestellter Auslebung von Lust
und bezeichnet sexuelle Ausschweifung
als Ausübung der Lehre.

Durch dämonische Einflusskraft
werden in späteren Zeiten
unzählige unklare Menschen
an sich gebunden,
zunächst Hunderte,
dann Tausende.

Sobald diese Kraft schwindet,
verlässt der Dämon den Körper;
die Person verliert Schutz und Ansehen,
gerät in staatliche Strafe,
führt andere in Verirrung
und fällt schließlich
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt die letzte große Verirrung der Gefühls-Skandha:
Begierde, die sich als Nicht-Dualität oder Liebe tarnt.

1. Der Ausgangspunkt: leere Klarheit

Die Gefahr beginnt nicht bei Lust,
sondern bei
einem angenehmen, tiefen Sammlungszustand.

Wird diese Klarheit
„geschmeckt“ und festgehalten,
entsteht Affekt.

2. Gefühl kippt – nicht Denken

Entscheidend ist:
Hier wird nichts begrifflich erklärt.
Die Dynamik ist rein affektiv:
Zuneigung → Steigerung → Rausch → Begierde.

Darum gehört dieser Abschnitt
eindeutig zum Gefühlsaggregat.

3. Der Fehler liegt in der Heiligsprechung

Der Buddha betont:
Der Zustand selbst ist kein Problem.
Problematisch wird er erst,
wenn er als heilig interpretiert
und damit stabilisiert wird.

4. Warum der Text hier so scharf ist

Weil diese Verirrung:
• Macht erzeugt
• Abhängigkeit erzeugt
• Gemeinschaften zerstört
• Ethik untergräbt
• Leid legitimiert

Darum spricht der Text
von Massenverführung
und tiefem Abstieg.

5. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung zeigt sich heute als:
• „Tantra ohne Ethik“
• „Alles ist Liebe“
• „Begierde ist Erwachen“
• spirituell verbrämter Missbrauch

Das Sutra benennt dies
nicht polemisch,
sondern schutzorientiert.

6. Quintessenz

Leere ohne Weisheit
wird Begierde.
Nicht-Dualität ohne Verantwortung
wird Zerstörung.
中文原文
「又彼定中諸善男子,見色陰銷、受陰明白,味其虛明深入心骨,其心忽有無限愛生,愛極發狂,便為貪欲。此名定境安順入心,無慧自持,誤入諸欲;悟則無咎,非為聖證。若作聖解,則有欲魔入其心[*]腑,一向說欲為菩提道,化諸白衣平等行欲,其行婬者名持法子。神鬼力故,於末世中攝其凡愚,其數至百,如是乃至一百、二百或五六百,多滿千萬。魔心生厭,離其身體,威德既無,陷於王難;疑誤眾生,入無間獄。失於正受,當从淪墜。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn Übende in tiefer Sammlung
das Erlöschen der Form-Skandha
und die Klärung der Gefühls-Skandha erfahren
und die leere Klarheit
bis tief ins Innere kosten,
kann im Geist
plötzlich intensive Zuneigung entstehen.
Wird diese Zuneigung gesteigert,
schlägt sie in Ekstase um
und verwandelt sich in Begierde.

Dies bezeichnet man als:
Einen Zustand der Sammlung,
der sanft und angenehm
ins Herz einsinkt,
ohne von Weisheit getragen zu sein,
wodurch man fälschlich
in Begierden gerät.
Wird dies erkannt,
liegt kein Fehler vor;
es ist kein Zeichen von Erwachen.

Interpretiert man diesen Zustand
jedoch als heilig,
so übernimmt ein
Dämon der Begierde
die Führung:
Man erklärt Begierde
zum Weg der Erwachung,
verführt Laien
zu gleichgestellter Auslebung von Lust
und bezeichnet sexuelle Ausschweifung
als Ausübung der Lehre.

Durch dämonische Einflusskraft
werden in späteren Zeiten
unzählige unklare Menschen
an sich gebunden,
zunächst Hunderte,
dann Tausende.

Sobald diese Kraft schwindet,
verlässt der Dämon den Körper;
die Person verliert Schutz und Ansehen,
gerät in staatliche Strafe,
führt andere in Verirrung
und fällt schließlich
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Die rechte Sammlung
geht verloren,
und der Übende
stürzt ab.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt die letzte große Verirrung der Gefühls-Skandha:
Begierde, die sich als Nicht-Dualität oder Liebe tarnt.

1. Der Ausgangspunkt: leere Klarheit

Die Gefahr beginnt nicht bei Lust,
sondern bei
einem angenehmen, tiefen Sammlungszustand.

Wird diese Klarheit
„geschmeckt“ und festgehalten,
entsteht Affekt.

2. Gefühl kippt – nicht Denken

Entscheidend ist:
Hier wird nichts begrifflich erklärt.
Die Dynamik ist rein affektiv:
Zuneigung → Steigerung → Rausch → Begierde.

Darum gehört dieser Abschnitt
eindeutig zum Gefühlsaggregat.

3. Der Fehler liegt in der Heiligsprechung

Der Buddha betont:
Der Zustand selbst ist kein Problem.
Problematisch wird er erst,
wenn er als heilig interpretiert
und damit stabilisiert wird.

4. Warum der Text hier so scharf ist

Weil diese Verirrung:
• Macht erzeugt
• Abhängigkeit erzeugt
• Gemeinschaften zerstört
• Ethik untergräbt
• Leid legitimiert

Darum spricht der Text
von Massenverführung
und tiefem Abstieg.

5. Moderne Entsprechung

Diese Verirrung zeigt sich heute als:
• „Tantra ohne Ethik“
• „Alles ist Liebe“
• „Begierde ist Erwachen“
• spirituell verbrämter Missbrauch

Das Sutra benennt dies
nicht polemisch,
sondern schutzorientiert.

6. Quintessenz

Leere ohne Weisheit
wird Begierde.
Nicht-Dualität ohne Verantwortung
wird Zerstörung.
358 #
「阿難!如是十種禪那現境,皆是受陰用心交互,故現斯事。眾生頑迷,不自忖量,逢此因緣,迷不自識,謂言登聖;大妄語成,墮無間獄。汝等亦當將如來語,於我滅後傳示末法,遍令眾生開悟斯義。無令天魔得其方便,保持覆護,成無上道。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Diese zehn Erscheinungen
der meditativen Praxis
entstehen allesamt
aus dem Zusammenspiel
des Gefühls-Skandha
mit der auf ihn gerichteten
geistigen Aktivität.

Wesen
sind in ihrer Verblendung
nicht fähig,
sich selbst zu prüfen.
Treffen sie auf solche Erfahrungen,
erkennen sie deren Natur nicht
und halten sich selbst
für heilig.

So entsteht
die große Selbsttäuschung,
und sie geraten
in einen Zustand
ohne Unterbrechung.

Auch ihr sollt
die Worte des Buddha
nach meinem Erlöschen
im Zeitalter des späten Dharma
weitergeben,
damit alle Wesen
diese Bedeutung verstehen.

Lasst nicht zu,
dass dämonische Kräfte
sie ausnutzen;
bewahrt und schützt,
damit der
höchste Weg
verwirklicht wird.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der formale Abschluss des Gefühls-Skandha (受陰) – und zugleich eine Brücke zum nächsten.

1. Warum der Buddha erneut zusammenfasst

Wie schon beim Form-Skandha
wird der gesamte Zyklus
noch einmal klar benannt und abgeschlossen.

Das ist kein Wiederholen aus Nachlässigkeit,
sondern ein didaktischer Schnitt:

Bis hierher reicht dieser Skandha – ab jetzt ändert sich die Art der Verirrung.

2. Der Kernfehler des Gefühls-Skandha

Nicht:
• Freude
• Leid
• Ekstase
• Verzweiflung

sind das Problem,

sondern:

Gefühl wird zum Maßstab von Wahrheit.

Wer sich über das,
was sich gut oder schlecht anfühlt,
definiert,
verwechselt Erleben mit Erwachen.

3. „Große falsche Rede“

Die „große Lüge“ ist nicht bewusstes Täuschen,
sondern Selbsttäuschung:

„Weil es sich so anfühlt, muss es wahr sein.“

Das ist der tiefste Irrtum des Gefühls-Skandha.

4. Verantwortung für spätere Zeiten

Wie schon zuvor
richtet sich der Text ausdrücklich
an die Zeit nach dem Buddha.

Warum?
Weil genau diese Verirrungen
typisch sind für fortgeschrittene Praxis
in Zeiten ohne lebendige Korrektur.

5. Übergang zur Konzeptions-Skandha

Mit diesem Abschluss ist klar:
• Gefühl ist nun transparent
• Affekt ist erkannt
• Bindung verlagert sich

Der nächste Skandha
entsteht dort,
wo Bedeutung, Deutung und Lehre
an die Stelle von Gefühl treten.

Nicht mehr „Wie fühlt es sich an?“
sondern: „Was bedeutet es?“

Und genau dort
beginnt die nächste, noch subtilere Gefahr.
中文原文
「阿難!如是十種禪那現境,皆是受陰用心交互,故現斯事。眾生頑迷,不自忖量,逢此因緣,迷不自識,謂言登聖;大妄語成,墮無間獄。汝等亦當將如來語,於我滅後傳示末法,遍令眾生開悟斯義。無令天魔得其方便,保持覆護,成無上道。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Diese zehn Erscheinungen
der meditativen Praxis
entstehen allesamt
aus dem Zusammenspiel
des Gefühls-Skandha
mit der auf ihn gerichteten
geistigen Aktivität.

Wesen
sind in ihrer Verblendung
nicht fähig,
sich selbst zu prüfen.
Treffen sie auf solche Erfahrungen,
erkennen sie deren Natur nicht
und halten sich selbst
für heilig.

So entsteht
die große Selbsttäuschung,
und sie geraten
in einen Zustand
ohne Unterbrechung.

Auch ihr sollt
die Worte des Buddha
nach meinem Erlöschen
im Zeitalter des späten Dharma
weitergeben,
damit alle Wesen
diese Bedeutung verstehen.

Lasst nicht zu,
dass dämonische Kräfte
sie ausnutzen;
bewahrt und schützt,
damit der
höchste Weg
verwirklicht wird.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der formale Abschluss des Gefühls-Skandha (受陰) – und zugleich eine Brücke zum nächsten.

1. Warum der Buddha erneut zusammenfasst

Wie schon beim Form-Skandha
wird der gesamte Zyklus
noch einmal klar benannt und abgeschlossen.

Das ist kein Wiederholen aus Nachlässigkeit,
sondern ein didaktischer Schnitt:

Bis hierher reicht dieser Skandha – ab jetzt ändert sich die Art der Verirrung.

2. Der Kernfehler des Gefühls-Skandha

Nicht:
• Freude
• Leid
• Ekstase
• Verzweiflung

sind das Problem,

sondern:

Gefühl wird zum Maßstab von Wahrheit.

Wer sich über das,
was sich gut oder schlecht anfühlt,
definiert,
verwechselt Erleben mit Erwachen.

3. „Große falsche Rede“

Die „große Lüge“ ist nicht bewusstes Täuschen,
sondern Selbsttäuschung:

„Weil es sich so anfühlt, muss es wahr sein.“

Das ist der tiefste Irrtum des Gefühls-Skandha.

4. Verantwortung für spätere Zeiten

Wie schon zuvor
richtet sich der Text ausdrücklich
an die Zeit nach dem Buddha.

Warum?
Weil genau diese Verirrungen
typisch sind für fortgeschrittene Praxis
in Zeiten ohne lebendige Korrektur.

5. Übergang zur Konzeptions-Skandha

Mit diesem Abschluss ist klar:
• Gefühl ist nun transparent
• Affekt ist erkannt
• Bindung verlagert sich

Der nächste Skandha
entsteht dort,
wo Bedeutung, Deutung und Lehre
an die Stelle von Gefühl treten.

Nicht mehr „Wie fühlt es sich an?“
sondern: „Was bedeutet es?“

Und genau dort
beginnt die nächste, noch subtilere Gefahr.
359 #
「阿難!彼善男子修三摩提受陰盡者,雖未漏盡,心離其形,如鳥出籠;已能成就從是凡身、上歷菩薩六十聖位,得意生身隨往無礙。譬如有人熟寐寱言,是人雖則無別所知,其言已成音韻倫次,令不寐者咸悟其語。此則名為想陰區宇。若動念盡,浮想銷除,於覺明心如去塵垢;一倫[5]死生首尾圓照,名想陰盡,是人則能超煩惱濁。觀其所由,融通妄想以為其本。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
Samādhi praktiziert
und die Gefühls-Skandha vollständig durchdringt,
ist – auch wenn
die Ausflüsse noch nicht beendet sind –
der Geist bereits
vom physischen Leib gelöst,
wie ein Vogel,
der aus dem Käfig entweicht.

Von diesem menschlichen Körper aus
kann er nun
die sechzig heiligen Stufen
des Bodhisattva-Weges durchlaufen
und erlangt
einen willensgeborenen Körper,
mit dem er
ungehindert wirken kann.

Dies gleicht einem Menschen,
der im Tiefschlaf
unbewusst spricht:
Er besitzt zwar
keine bewusste Einsicht,
doch seine Worte
sind bereits sinnvoll gegliedert,
so dass andere
sie verstehen können.

Dies bezeichnet man als
den Wirkbereich
der Konzeptions-Skandha.

Wenn jedoch
jede gedankliche Regung endet
und die schwebenden Vorstellungen
vollständig verschwinden,
klärt sich das erwachende Herz
wie von Staub gereinigt.

Wenn dann
der gesamte Kreislauf
von Geburt und Tod
von Anfang bis Ende
vollständig durchleuchtet ist,
spricht man vom
Ende der Konzeptions-Skandha.

Ein solcher Übender
überschreitet damit
die Trübung der Leiden.

Untersucht man die Ursache,
so gründet sie
in verbindender,
durchlässiger
falscher Vorstellung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der formale und inhaltliche Eintritt in die Konzeptions-Skandha (想陰).

1. Warum der Skandha-Wechsel hier eindeutig ist

Der Text markiert ihn selbst:

„此則名為想陰區宇“
„Dies nennt man den Bereich der Konzeptions-Skandha.“

Im Gegensatz zu den Übergängen zuvor
wird hier explizit benannt,
dass nun nicht Gefühl, sondern Bedeutungsbildung wirksam ist.

2. Der Vogel-aus-dem-Käfig-Vergleich

Der Geist ist:
• vom Körper gelöst
• beweglich
• wirkfähig

Aber:
👉 nicht befreit.

Die Ausflüsse sind noch da.
Es ist Freiheit im Funktionieren,
nicht Freiheit vom Anhaften.

3. Der Traumsprech-Vergleich – entscheidend!

Das Gleichnis ist extrem präzise:
• Der Schlafende weiß nichts
• Aber seine Rede ist sinnvoll strukturiert
• Andere verstehen sie

👉 Genau so arbeitet die Konzeptions-Skandha:
Bedeutung entsteht,
ohne dass Erwachen vollzogen ist.

Das ist funktionale Sinnproduktion ohne Befreiung.

4. Was 想 hier wirklich meint

Nicht bloß „Vorstellung“,
sondern:
• Verknüpfung
• Sinnordnung
• Bedeutungsfluss
• kohärente Weltdeutung

Darum ist „Konzeptions-Skandha“
hier exakter als „Wahrnehmung“.

5. Wann 想 endet

Nicht durch:
• Unterdrückung
• Stille
• Leere

Sondern wenn:
• jede gedankliche Bewegung endet
• alle schwebenden Konzepte vergehen
• Geburt und Tod als ein zusammenhängender Prozess durchleuchtet sind

Das ist kein Zustand,
sondern Durchschauung der Struktur.

6. Die letzte Ursache

Der Text nennt sie präzise:

融通妄想
verbindende / fließende falsche Vorstellung

Also nicht:
harte Irrtümer,
sondern zu gut funktionierende Sinnsysteme.

7. Quintessenz

Im Gefühls-Skandha bindet Erlebnis.
Im Konzeptions-Skandha bindet Bedeutung.
Befreiung geschieht erst,
wenn auch Bedeutung transparent wird.
中文原文
「阿難!彼善男子修三摩提受陰盡者,雖未漏盡,心離其形,如鳥出籠;已能成就從是凡身、上歷菩薩六十聖位,得意生身隨往無礙。譬如有人熟寐寱言,是人雖則無別所知,其言已成音韻倫次,令不寐者咸悟其語。此則名為想陰區宇。若動念盡,浮想銷除,於覺明心如去塵垢;一倫[5]死生首尾圓照,名想陰盡,是人則能超煩惱濁。觀其所由,融通妄想以為其本。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
Samādhi praktiziert
und die Gefühls-Skandha vollständig durchdringt,
ist – auch wenn
die Ausflüsse noch nicht beendet sind –
der Geist bereits
vom physischen Leib gelöst,
wie ein Vogel,
der aus dem Käfig entweicht.

Von diesem menschlichen Körper aus
kann er nun
die sechzig heiligen Stufen
des Bodhisattva-Weges durchlaufen
und erlangt
einen willensgeborenen Körper,
mit dem er
ungehindert wirken kann.

Dies gleicht einem Menschen,
der im Tiefschlaf
unbewusst spricht:
Er besitzt zwar
keine bewusste Einsicht,
doch seine Worte
sind bereits sinnvoll gegliedert,
so dass andere
sie verstehen können.

Dies bezeichnet man als
den Wirkbereich
der Konzeptions-Skandha.

Wenn jedoch
jede gedankliche Regung endet
und die schwebenden Vorstellungen
vollständig verschwinden,
klärt sich das erwachende Herz
wie von Staub gereinigt.

Wenn dann
der gesamte Kreislauf
von Geburt und Tod
von Anfang bis Ende
vollständig durchleuchtet ist,
spricht man vom
Ende der Konzeptions-Skandha.

Ein solcher Übender
überschreitet damit
die Trübung der Leiden.

Untersucht man die Ursache,
so gründet sie
in verbindender,
durchlässiger
falscher Vorstellung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der formale und inhaltliche Eintritt in die Konzeptions-Skandha (想陰).

1. Warum der Skandha-Wechsel hier eindeutig ist

Der Text markiert ihn selbst:

„此則名為想陰區宇“
„Dies nennt man den Bereich der Konzeptions-Skandha.“

Im Gegensatz zu den Übergängen zuvor
wird hier explizit benannt,
dass nun nicht Gefühl, sondern Bedeutungsbildung wirksam ist.

2. Der Vogel-aus-dem-Käfig-Vergleich

Der Geist ist:
• vom Körper gelöst
• beweglich
• wirkfähig

Aber:
👉 nicht befreit.

Die Ausflüsse sind noch da.
Es ist Freiheit im Funktionieren,
nicht Freiheit vom Anhaften.

3. Der Traumsprech-Vergleich – entscheidend!

Das Gleichnis ist extrem präzise:
• Der Schlafende weiß nichts
• Aber seine Rede ist sinnvoll strukturiert
• Andere verstehen sie

👉 Genau so arbeitet die Konzeptions-Skandha:
Bedeutung entsteht,
ohne dass Erwachen vollzogen ist.

Das ist funktionale Sinnproduktion ohne Befreiung.

4. Was 想 hier wirklich meint

Nicht bloß „Vorstellung“,
sondern:
• Verknüpfung
• Sinnordnung
• Bedeutungsfluss
• kohärente Weltdeutung

Darum ist „Konzeptions-Skandha“
hier exakter als „Wahrnehmung“.

5. Wann 想 endet

Nicht durch:
• Unterdrückung
• Stille
• Leere

Sondern wenn:
• jede gedankliche Bewegung endet
• alle schwebenden Konzepte vergehen
• Geburt und Tod als ein zusammenhängender Prozess durchleuchtet sind

Das ist kein Zustand,
sondern Durchschauung der Struktur.

6. Die letzte Ursache

Der Text nennt sie präzise:

融通妄想
verbindende / fließende falsche Vorstellung

Also nicht:
harte Irrtümer,
sondern zu gut funktionierende Sinnsysteme.

7. Quintessenz

Im Gefühls-Skandha bindet Erlebnis.
Im Konzeptions-Skandha bindet Bedeutung.
Befreiung geschieht erst,
wenn auch Bedeutung transparent wird.
360 #
「阿難!彼善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛圓明,銳其精思,貪求善巧。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人不覺是其魔著,自言謂得無上涅槃。來彼求巧善男子處,敷座說法。其形斯須或作比丘令彼人見,或為帝釋,或為婦女,或比丘尼;或寢暗室,身有光明。是人愚迷,惑為菩薩。信其教化,搖蕩其心,破佛律儀,潛行貪欲。口中好言災祥變異,或言如來某處出世,或言劫火、或說刀兵,恐怖於人,令其家資無故耗散。此名怪鬼,年老成魔,惱亂是人。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine groben falschen Gedanken auftauchen
und die runde Sammlung
klar hervortritt,
entsteht im Samādhi
eine starke Zuneigung
zur lichten Klarheit.

Der Geist
schärft sein Denken
und beginnt,
nach besonderen Fähigkeiten
und geschickten Mitteln zu verlangen.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er sendet
einen Geist,
der sich eines Menschen bemächtigt
und durch dessen Mund
Buddhistische Lehren vorträgt.

Der Betroffene
merkt nicht,
dass er besessen ist,
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach besonderer Lehre verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Dabei wandelt sich
seine Erscheinung:
Mal zeigt er sich
als Mönch,
mal als Indra,
mal als Frau,
mal als Nonne;
oder er verweilt
in einem dunklen Raum,
während sein Körper
Licht ausstrahlt.

Die Menschen
sind verblendet
und halten ihn für einen Bodhisattva.
Sie folgen seiner Lehre,
ihr Geist wird erschüttert,
die buddhistische Disziplin
wird zerstört,
und heimlich
wird Begierde ausgeübt.

Er spricht gern
von Katastrophen
und wundersamen Vorzeichen:
Er verkündet,
der Buddha sei
an einem bestimmten Ort erschienen,
oder kündigt Weltbrände,
Kriege und Unheil an;
er versetzt Menschen
in Furcht,
so dass ihr Besitz
grundlos verloren geht.

Dies ist
ein eigenartiger Geist,
der durch langes Bestehen
zum Dämon geworden ist
und diesen Menschen
verwirrt und schädigt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine zentrale Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Autorität, Lehre und Offenbarung werden absolut gesetzt.

1. Der entscheidende Auslöser

Nicht Begierde,
nicht Leid,
sondern:

Suche nach „geschickten Mitteln“ und besonderen Fähigkeiten.

Der Geist will mehr können,
nicht klarer sehen.

2. Warum dies zur Konzeptions-Skandha gehört

Hier geht es nicht um Gefühl,
sondern um:
• Lehre
• Bedeutung
• Autorität
• Wahrheitsanspruch

Der Dämon wirkt durch Sprache.

3. Gestaltwandlung als Symbol

Die wechselnden Formen
(Mönch, Gott, Frau, Lichtgestalt)
zeigen:
Autorität wird inszeniert,
nicht verwirklicht.

Nicht das Erscheinungsbild ist entscheidend,
sondern der Anspruch.

4. Zerstörung der Ethik

Ein klares Kennzeichen:
• Gebote werden relativiert
• Begierde wird heimlich erlaubt
• Angst wird instrumentalisiert

Lehre dient Kontrolle, nicht Befreiung.

5. Angst als Machtmittel

Katastrophen-Prophezeiungen,
Buddha-Erscheinungen,
Endzeit-Szenarien:

All das bindet Menschen
über Furcht und Hoffnung.

6. Der „alte Geist“

Der Text ist nüchtern:
Es ist kein „neuer Irrtum“,
sondern ein alter, verfestigter Mechanismus,
der sich immer wieder
neue Formen sucht.

7. Quintessenz

Wo Lehre ohne Durchschauung erscheint,
wird Wahrheit zur Waffe.
Wo Autorität ohne Ethik wirkt,
ist Dämonie im Spiel.
中文原文
「阿難!彼善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛圓明,銳其精思,貪求善巧。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人不覺是其魔著,自言謂得無上涅槃。來彼求巧善男子處,敷座說法。其形斯須或作比丘令彼人見,或為帝釋,或為婦女,或比丘尼;或寢暗室,身有光明。是人愚迷,惑為菩薩。信其教化,搖蕩其心,破佛律儀,潛行貪欲。口中好言災祥變異,或言如來某處出世,或言劫火、或說刀兵,恐怖於人,令其家資無故耗散。此名怪鬼,年老成魔,惱亂是人。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine groben falschen Gedanken auftauchen
und die runde Sammlung
klar hervortritt,
entsteht im Samādhi
eine starke Zuneigung
zur lichten Klarheit.

Der Geist
schärft sein Denken
und beginnt,
nach besonderen Fähigkeiten
und geschickten Mitteln zu verlangen.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er sendet
einen Geist,
der sich eines Menschen bemächtigt
und durch dessen Mund
Buddhistische Lehren vorträgt.

Der Betroffene
merkt nicht,
dass er besessen ist,
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach besonderer Lehre verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Dabei wandelt sich
seine Erscheinung:
Mal zeigt er sich
als Mönch,
mal als Indra,
mal als Frau,
mal als Nonne;
oder er verweilt
in einem dunklen Raum,
während sein Körper
Licht ausstrahlt.

Die Menschen
sind verblendet
und halten ihn für einen Bodhisattva.
Sie folgen seiner Lehre,
ihr Geist wird erschüttert,
die buddhistische Disziplin
wird zerstört,
und heimlich
wird Begierde ausgeübt.

Er spricht gern
von Katastrophen
und wundersamen Vorzeichen:
Er verkündet,
der Buddha sei
an einem bestimmten Ort erschienen,
oder kündigt Weltbrände,
Kriege und Unheil an;
er versetzt Menschen
in Furcht,
so dass ihr Besitz
grundlos verloren geht.

Dies ist
ein eigenartiger Geist,
der durch langes Bestehen
zum Dämon geworden ist
und diesen Menschen
verwirrt und schädigt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine zentrale Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Autorität, Lehre und Offenbarung werden absolut gesetzt.

1. Der entscheidende Auslöser

Nicht Begierde,
nicht Leid,
sondern:

Suche nach „geschickten Mitteln“ und besonderen Fähigkeiten.

Der Geist will mehr können,
nicht klarer sehen.

2. Warum dies zur Konzeptions-Skandha gehört

Hier geht es nicht um Gefühl,
sondern um:
• Lehre
• Bedeutung
• Autorität
• Wahrheitsanspruch

Der Dämon wirkt durch Sprache.

3. Gestaltwandlung als Symbol

Die wechselnden Formen
(Mönch, Gott, Frau, Lichtgestalt)
zeigen:
Autorität wird inszeniert,
nicht verwirklicht.

Nicht das Erscheinungsbild ist entscheidend,
sondern der Anspruch.

4. Zerstörung der Ethik

Ein klares Kennzeichen:
• Gebote werden relativiert
• Begierde wird heimlich erlaubt
• Angst wird instrumentalisiert

Lehre dient Kontrolle, nicht Befreiung.

5. Angst als Machtmittel

Katastrophen-Prophezeiungen,
Buddha-Erscheinungen,
Endzeit-Szenarien:

All das bindet Menschen
über Furcht und Hoffnung.

6. Der „alte Geist“

Der Text ist nüchtern:
Es ist kein „neuer Irrtum“,
sondern ein alter, verfestigter Mechanismus,
der sich immer wieder
neue Formen sucht.

7. Quintessenz

Wo Lehre ohne Durchschauung erscheint,
wird Wahrheit zur Waffe.
Wo Autorität ohne Ethik wirkt,
ist Dämonie im Spiel.
361 #
厭足心生,去彼人體;弟子與師俱陷王難。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
「阿難!又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛遊蕩,飛其精思,貪求經歷。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人亦不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求遊善男子處,敷座說法。自形無變,其聽法者、忽自見身坐寶蓮華,全體化成紫金光聚。一眾聽人,各各如是,得未曾有。是人愚迷,惑為菩薩,婬逸其心,破佛律儀,潛行貪欲。
Der Buddha sprach:

„Wenn im Geist
Sättigung und Überdruss entstehen,
verlässt der dämonische Einfluss
den Betreffenden;
doch sowohl Lehrer
als auch Schüler
geraten in staatliche Verfolgung.
Darum sollst du
zuerst erkennen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet ist
und es nicht durchschaut,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Ānanda!
Weiterhin:
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar entfaltet ist,
entsteht im Samādhi
eine Vorliebe
für Umherstreifen und Erleben;
der Geist schweift aus
und sucht
besondere Erfahrungen.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
erneut die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Auch dieser Mensch
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach außergewöhnlicher Erfahrung verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Seine eigene Erscheinung
bleibt unverändert;
doch die Zuhörenden
sehen plötzlich
sich selbst
auf kostbaren Lotusblüten sitzen,
ihr gesamter Körper
verwandelt sich
in purpurnes Goldlicht.
Alle Anwesenden
erleben dies jeweils
als einmalig.

Die Menschen
werden irregeführt
und halten ihn für einen Bodhisattva;
ihr Geist gleitet
in Sinnlichkeit ab,
die Gebote des Buddha
werden verletzt,
und Begierde
wird heimlich ausgelebt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine weitere, sehr subtile Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Erfahrung wird zum Beweis, und jeder wird selbst Teil der Vision.

1. Der neue Akzent: „Erlebnis statt Gestalt“

Im Unterschied zum vorherigen Abschnitt:
• der Lehrer verwandelt sich nicht
• sondern die Zuhörer erleben sich selbst erhöht

Das ist entscheidend:
Autorität wird internalisiert.

2. Lotus und Goldlicht als Konzeptionssymbol

Lotus und Licht
sind klassische Symbole
für Reinheit und Erwachen.
Hier werden sie
nicht erkannt,
sondern erlebt und geglaubt.

Bedeutung wird
nicht durchschaut,
sondern verkörpert.

3. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Hier geht es nicht um Gefühl,
sondern um:
• Bedeutung („Ich sitze auf dem Lotus“)
• Interpretation („Das ist Erwachen“)
• kollektive Bestätigung („Alle erleben es“)

Das ist Konzeptions-Bindung.

4. „Reisen“ und „Erleben“ als Falle

Die Suche nach
außergewöhnlichen Erfahrungen
ersetzt Einsicht.
Praxis wird
zu spirituellem Tourismus.

5. Ethik kippt erneut

Wie zuvor
ist das sichere Zeichen:
• Gebote werden relativiert
• Begierde wird heimlich erlaubt

Erfahrung dient
als Rechtfertigung.

6. Der wiederholte Warnruf

Der Buddha betont:
Nicht der Dämon ist das Hauptproblem,
sondern das Nicht-Erkennen.

Was als Vision kommt
und bestätigt werden will,
ist nicht Befreiung.
中文原文
厭足心生,去彼人體;弟子與師俱陷王難。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
「阿難!又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛遊蕩,飛其精思,貪求經歷。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人亦不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求遊善男子處,敷座說法。自形無變,其聽法者、忽自見身坐寶蓮華,全體化成紫金光聚。一眾聽人,各各如是,得未曾有。是人愚迷,惑為菩薩,婬逸其心,破佛律儀,潛行貪欲。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Wenn im Geist
Sättigung und Überdruss entstehen,
verlässt der dämonische Einfluss
den Betreffenden;
doch sowohl Lehrer
als auch Schüler
geraten in staatliche Verfolgung.
Darum sollst du
zuerst erkennen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet ist
und es nicht durchschaut,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Ānanda!
Weiterhin:
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar entfaltet ist,
entsteht im Samādhi
eine Vorliebe
für Umherstreifen und Erleben;
der Geist schweift aus
und sucht
besondere Erfahrungen.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
erneut die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Auch dieser Mensch
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach außergewöhnlicher Erfahrung verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Seine eigene Erscheinung
bleibt unverändert;
doch die Zuhörenden
sehen plötzlich
sich selbst
auf kostbaren Lotusblüten sitzen,
ihr gesamter Körper
verwandelt sich
in purpurnes Goldlicht.
Alle Anwesenden
erleben dies jeweils
als einmalig.

Die Menschen
werden irregeführt
und halten ihn für einen Bodhisattva;
ihr Geist gleitet
in Sinnlichkeit ab,
die Gebote des Buddha
werden verletzt,
und Begierde
wird heimlich ausgelebt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine weitere, sehr subtile Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Erfahrung wird zum Beweis, und jeder wird selbst Teil der Vision.

1. Der neue Akzent: „Erlebnis statt Gestalt“

Im Unterschied zum vorherigen Abschnitt:
• der Lehrer verwandelt sich nicht
• sondern die Zuhörer erleben sich selbst erhöht

Das ist entscheidend:
Autorität wird internalisiert.

2. Lotus und Goldlicht als Konzeptionssymbol

Lotus und Licht
sind klassische Symbole
für Reinheit und Erwachen.
Hier werden sie
nicht erkannt,
sondern erlebt und geglaubt.

Bedeutung wird
nicht durchschaut,
sondern verkörpert.

3. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Hier geht es nicht um Gefühl,
sondern um:
• Bedeutung („Ich sitze auf dem Lotus“)
• Interpretation („Das ist Erwachen“)
• kollektive Bestätigung („Alle erleben es“)

Das ist Konzeptions-Bindung.

4. „Reisen“ und „Erleben“ als Falle

Die Suche nach
außergewöhnlichen Erfahrungen
ersetzt Einsicht.
Praxis wird
zu spirituellem Tourismus.

5. Ethik kippt erneut

Wie zuvor
ist das sichere Zeichen:
• Gebote werden relativiert
• Begierde wird heimlich erlaubt

Erfahrung dient
als Rechtfertigung.

6. Der wiederholte Warnruf

Der Buddha betont:
Nicht der Dämon ist das Hauptproblem,
sondern das Nicht-Erkennen.

Was als Vision kommt
und bestätigt werden will,
ist nicht Befreiung.
362 #
口中好言諸佛應世,某處某人當是某佛化身來此,某人即是某菩薩等來化人間。其人見故、心生傾渴,邪見密興,種智銷滅。此名[A5]魃鬼,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師俱陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Der Buddha sprach:

„Man spricht gern davon,
dass Buddhas
in der Welt erscheinen,
und erklärt:
Dieser Ort,
jene Person
sei die Verkörperung
eines bestimmten Buddhas;
oder jener Mensch
sei ein Bodhisattva,
der erschienen sei,
um die Menschen zu bekehren.

Wenn Menschen dies sehen,
entsteht in ihrem Geist
starke Sehnsucht;
verdeckte falsche Ansichten
beginnen zu wachsen,
und die Weisheit
der umfassenden Erkenntnis
geht verloren.

Dies bezeichnet man als
einen Bà-Geist,
einen alten Geist,
der im Alter
dämonische Macht erlangt
und diesen Menschen
in Unruhe versetzt.

Wenn schließlich
Überdruss eintritt,
verlässt er den Körper;
doch sowohl Lehrer
als auch Schüler
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet ist
und es nicht durchschaut,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine zentrale Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Personalisierte Erlösung und Heilsidentifikation.

1. Der Kernmechanismus: Heilszuschreibung

Hier wird nicht mehr nur
Lehre verkündet,
sondern Identität verteilt:
• „Dieser ist ein Buddha.“
• „Jener ist ein Bodhisattva.“

Das Heilige
wird an Personen gebunden.

2. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Die Bindung entsteht nicht durch Gefühl,
sondern durch Deutung:
• Wer jemand ist
• was jemand bedeutet
• welche Rolle jemand verkörpert

Das ist reine Konzeption.

3. „Sehnsucht“ als Katalysator

Die Sehnsucht (傾渴)
ist hier nicht bloß Emotion,
sondern Treiber der Bedeutungsannahme:

Ich will glauben,
also glaube ich.

So erlischt
die „Samen-Weisheit“ (種智):
nicht durch Dunkelheit,
sondern durch Fixierung.

4. Der „alte Geist“

Der Text ist nüchtern:
Es handelt sich nicht um neue Offenbarung,
sondern um alte Muster,
die immer wiederkehren,
wenn Menschen
Erlösung personalisieren.

5. Das wiederkehrende Ende

Immer gleich:
• anfängliche Begeisterung
• Machtzuwachs
• ethischer Verfall
• weltliche Verfolgung
• kollektiver Schaden

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Täuschung.

6. Die wiederholte Mahnung

Der Buddha sagt nicht:
„Bekämpfe Dämonen.“

Sondern:

Erkenne zuerst.

Nicht-Erkennen
ist das eigentliche Fallen
in den Kreislauf.

7. Quintessenz

Wo Erwachen
an Personen gebunden wird,
stirbt Weisheit.
中文原文
口中好言諸佛應世,某處某人當是某佛化身來此,某人即是某菩薩等來化人間。其人見故、心生傾渴,邪見密興,種智銷滅。此名[A5]魃鬼,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師俱陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Man spricht gern davon,
dass Buddhas
in der Welt erscheinen,
und erklärt:
Dieser Ort,
jene Person
sei die Verkörperung
eines bestimmten Buddhas;
oder jener Mensch
sei ein Bodhisattva,
der erschienen sei,
um die Menschen zu bekehren.

Wenn Menschen dies sehen,
entsteht in ihrem Geist
starke Sehnsucht;
verdeckte falsche Ansichten
beginnen zu wachsen,
und die Weisheit
der umfassenden Erkenntnis
geht verloren.

Dies bezeichnet man als
einen Bà-Geist,
einen alten Geist,
der im Alter
dämonische Macht erlangt
und diesen Menschen
in Unruhe versetzt.

Wenn schließlich
Überdruss eintritt,
verlässt er den Körper;
doch sowohl Lehrer
als auch Schüler
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet ist
und es nicht durchschaut,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine zentrale Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Personalisierte Erlösung und Heilsidentifikation.

1. Der Kernmechanismus: Heilszuschreibung

Hier wird nicht mehr nur
Lehre verkündet,
sondern Identität verteilt:
• „Dieser ist ein Buddha.“
• „Jener ist ein Bodhisattva.“

Das Heilige
wird an Personen gebunden.

2. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Die Bindung entsteht nicht durch Gefühl,
sondern durch Deutung:
• Wer jemand ist
• was jemand bedeutet
• welche Rolle jemand verkörpert

Das ist reine Konzeption.

3. „Sehnsucht“ als Katalysator

Die Sehnsucht (傾渴)
ist hier nicht bloß Emotion,
sondern Treiber der Bedeutungsannahme:

Ich will glauben,
also glaube ich.

So erlischt
die „Samen-Weisheit“ (種智):
nicht durch Dunkelheit,
sondern durch Fixierung.

4. Der „alte Geist“

Der Text ist nüchtern:
Es handelt sich nicht um neue Offenbarung,
sondern um alte Muster,
die immer wiederkehren,
wenn Menschen
Erlösung personalisieren.

5. Das wiederkehrende Ende

Immer gleich:
• anfängliche Begeisterung
• Machtzuwachs
• ethischer Verfall
• weltliche Verfolgung
• kollektiver Schaden

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Täuschung.

6. Die wiederholte Mahnung

Der Buddha sagt nicht:
„Bekämpfe Dämonen.“

Sondern:

Erkenne zuerst.

Nicht-Erkennen
ist das eigentliche Fallen
in den Kreislauf.

7. Quintessenz

Wo Erwachen
an Personen gebunden wird,
stirbt Weisheit.
363 #
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛綿[*]㳷,澄其精思,貪求契合。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人實不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求合善男子處,敷座說法。其形及彼聽法之人,外無遷變,令其聽者,未聞法前心自開悟。念念移易,或得宿命、或有他心、或見地獄、或知人間好惡諸事,或口說偈、或自誦經。各各歡[6]喜,得未曾有。是人愚迷,惑為菩薩。綿愛其心,破佛律儀,潛行貪欲。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine sanfte, anhaltende Zuneigung;
der Geist sammelt
sein Denken
und sucht
innere Übereinstimmung.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
merkt nicht,
dass er besessen ist,
und behauptet ebenfalls,
das höchste Nirvāṇa erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach innerer Passung verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Äußerlich
verändert sich weder
seine Gestalt
noch die der Zuhörenden;
doch bei den Hörenden
öffnet sich der Geist
bereits vor dem Hören der Lehre.

Die Gedanken verändern sich fortlaufend:
Man erlangt
Erinnerung an frühere Leben,
Gedankenlesen,
Visionen von Höllen,
Kenntnis menschlicher Vorlieben;
man spricht spontan Verse
oder rezitiert Sutren.

Alle empfinden Freude
und halten dies
für etwas völlig Neues.

Die Menschen
werden irregeführt
und halten ihn für einen Bodhisattva;
ihr Geist verstrickt sich
in sanfte Zuneigung,
die Gebote werden gebrochen,
und Begierde
wird heimlich ausgelebt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine besonders subtile Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Resonanz-Autorität und „innere Passung“ als Wahrheitskriterium.

1. Der neue Mechanismus: Übereinstimmung statt Beweis

Hier wirkt Macht nicht über Angst,
nicht über Vision,
sondern über Resonanz:

„Es fühlt sich stimmig an – also ist es wahr.“

Das ist kein Gefühlsirrtum mehr,
sondern konzeptuelle Bestätigung durch Passung.

2. „Erwachen vor dem Hören“

Dass sich der Geist öffnet,
bevor die Lehre gehört wird,
ist das entscheidende Warnsignal:

Bedeutung wird vorausgesetzt,
nicht geprüft.

3. Sekundäre Fähigkeiten als Bestätigung

Erinnerung an frühere Leben,
Gedankenlesen,
Visionen –
sie dienen hier nicht der Einsicht,
sondern der Legitimation.

Das ist typisch für 想陰:
Fähigkeiten stützen ein Weltbild.

4. Weiche Zuneigung (綿愛)

Diese Zuneigung ist:
• nicht leidenschaftlich
• nicht dramatisch
• nicht auffällig

Gerade deshalb
bindet sie tief:
Sie erzeugt Loyalität
ohne kritische Distanz.

5. Warum Ethik erneut kippt

Wie in allen Konzeptions-Verirrungen
ist das sichere Zeichen:
Gebote werden relativiert,
Begierde wird „sanft“ erlaubt.

Nicht durch Auflehnung,
sondern durch Vertrauen.

6. Quintessenz

Wo Übereinstimmung
Wahrheit ersetzt,
verliert Weisheit
ihren Prüfstein.
中文原文
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛綿[*]㳷,澄其精思,貪求契合。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人實不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求合善男子處,敷座說法。其形及彼聽法之人,外無遷變,令其聽者,未聞法前心自開悟。念念移易,或得宿命、或有他心、或見地獄、或知人間好惡諸事,或口說偈、或自誦經。各各歡[6]喜,得未曾有。是人愚迷,惑為菩薩。綿愛其心,破佛律儀,潛行貪欲。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine sanfte, anhaltende Zuneigung;
der Geist sammelt
sein Denken
und sucht
innere Übereinstimmung.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
merkt nicht,
dass er besessen ist,
und behauptet ebenfalls,
das höchste Nirvāṇa erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach innerer Passung verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Äußerlich
verändert sich weder
seine Gestalt
noch die der Zuhörenden;
doch bei den Hörenden
öffnet sich der Geist
bereits vor dem Hören der Lehre.

Die Gedanken verändern sich fortlaufend:
Man erlangt
Erinnerung an frühere Leben,
Gedankenlesen,
Visionen von Höllen,
Kenntnis menschlicher Vorlieben;
man spricht spontan Verse
oder rezitiert Sutren.

Alle empfinden Freude
und halten dies
für etwas völlig Neues.

Die Menschen
werden irregeführt
und halten ihn für einen Bodhisattva;
ihr Geist verstrickt sich
in sanfte Zuneigung,
die Gebote werden gebrochen,
und Begierde
wird heimlich ausgelebt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine besonders subtile Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Resonanz-Autorität und „innere Passung“ als Wahrheitskriterium.

1. Der neue Mechanismus: Übereinstimmung statt Beweis

Hier wirkt Macht nicht über Angst,
nicht über Vision,
sondern über Resonanz:

„Es fühlt sich stimmig an – also ist es wahr.“

Das ist kein Gefühlsirrtum mehr,
sondern konzeptuelle Bestätigung durch Passung.

2. „Erwachen vor dem Hören“

Dass sich der Geist öffnet,
bevor die Lehre gehört wird,
ist das entscheidende Warnsignal:

Bedeutung wird vorausgesetzt,
nicht geprüft.

3. Sekundäre Fähigkeiten als Bestätigung

Erinnerung an frühere Leben,
Gedankenlesen,
Visionen –
sie dienen hier nicht der Einsicht,
sondern der Legitimation.

Das ist typisch für 想陰:
Fähigkeiten stützen ein Weltbild.

4. Weiche Zuneigung (綿愛)

Diese Zuneigung ist:
• nicht leidenschaftlich
• nicht dramatisch
• nicht auffällig

Gerade deshalb
bindet sie tief:
Sie erzeugt Loyalität
ohne kritische Distanz.

5. Warum Ethik erneut kippt

Wie in allen Konzeptions-Verirrungen
ist das sichere Zeichen:
Gebote werden relativiert,
Begierde wird „sanft“ erlaubt.

Nicht durch Auflehnung,
sondern durch Vertrauen.

6. Quintessenz

Wo Übereinstimmung
Wahrheit ersetzt,
verliert Weisheit
ihren Prüfstein.
364 #
口中好言佛有大小,某佛先佛,某佛後佛,其中亦有真佛、假佛、男佛、女佛,菩薩亦然。其人見故,洗滌本心,易入邪悟。此名魅鬼,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,俱陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Der Buddha sprach:

„Man spricht gern davon,
dass es unter den Buddhas
höhere und niedrigere gebe,
frühere und spätere Buddhas,
wahre und falsche Buddhas,
männliche und weibliche Buddhas;
bei den Bodhisattvas
verhalte es sich ebenso.

Wer solches sieht und hört,
meint,
das Ursprüngliche
müsse gereinigt werden,
und gerät dadurch
leicht in ein falsches Erwachen.

Dies bezeichnet man als
einen Mèi-Geist,
einen alten Geist,
der im Alter
dämonische Macht erlangt
und diesen Menschen
in Verwirrung bringt.

Wenn schließlich
Überdruss eintritt,
verlässt er den Körper;
doch sowohl Schüler
als auch Lehrer
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine hochentwickelte Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Die Ontologisierung des Erwachens selbst.

1. Der entscheidende Irrtum: Abstufungen des Buddha-Seins

Hier wird Erwachen
nicht mehr nur personalisiert,
sondern hierarchisiert:
• große / kleine Buddhas
• frühere / spätere Buddhas
• wahre / falsche Buddhas
• männliche / weibliche Buddhas

Das ist keine historische Differenzierung,
sondern eine ontologische Spaltung.

2. Warum das besonders gefährlich ist

Sobald es:
• „echtes“ und „unechtes“ Erwachen gibt,
• Rangordnungen im Erwachten,
• qualitative Klassen des Buddha-Seins,

entsteht automatisch:
• Vergleich
• Bewertung
• Ausschluss
• Legitimation von Macht

Das ist Konzeption auf höchstem Niveau.

3. „Reinigung des ursprünglichen Herzens“

Der Satz ist entscheidend:
Man glaubt,
das ursprüngliche Herz
müsse gereinigt werden.

Damit wird:
• das Ursprüngliche verfehlt
• Erwachen zu einem Objekt
• Praxis zu Optimierung

Genau hier kippt Nicht-Dualität
in subtile Dualität.

4. Der „Mèi-Geist“

魅 steht für:
• Verzauberung
• Suggestion
• hypnotische Überzeugung

Nicht Zwang,
sondern plausible Erklärung
führt hier in die Irre.

5. Wiederkehrendes Muster

Wie immer:
• anfängliche Überzeugung
• Ausbreitung der Lehre
• soziale Folgen
• weltliche Verfolgung
• tiefer Fall

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Irrtum.

6. Quintessenz

Wo Erwachen abgestuft wird,
ist es bereits verloren.
Wo das Ursprüngliche gereinigt werden soll,
ist es nicht erkannt.
中文原文
口中好言佛有大小,某佛先佛,某佛後佛,其中亦有真佛、假佛、男佛、女佛,菩薩亦然。其人見故,洗滌本心,易入邪悟。此名魅鬼,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,俱陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Man spricht gern davon,
dass es unter den Buddhas
höhere und niedrigere gebe,
frühere und spätere Buddhas,
wahre und falsche Buddhas,
männliche und weibliche Buddhas;
bei den Bodhisattvas
verhalte es sich ebenso.

Wer solches sieht und hört,
meint,
das Ursprüngliche
müsse gereinigt werden,
und gerät dadurch
leicht in ein falsches Erwachen.

Dies bezeichnet man als
einen Mèi-Geist,
einen alten Geist,
der im Alter
dämonische Macht erlangt
und diesen Menschen
in Verwirrung bringt.

Wenn schließlich
Überdruss eintritt,
verlässt er den Körper;
doch sowohl Schüler
als auch Lehrer
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine hochentwickelte Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Die Ontologisierung des Erwachens selbst.

1. Der entscheidende Irrtum: Abstufungen des Buddha-Seins

Hier wird Erwachen
nicht mehr nur personalisiert,
sondern hierarchisiert:
• große / kleine Buddhas
• frühere / spätere Buddhas
• wahre / falsche Buddhas
• männliche / weibliche Buddhas

Das ist keine historische Differenzierung,
sondern eine ontologische Spaltung.

2. Warum das besonders gefährlich ist

Sobald es:
• „echtes“ und „unechtes“ Erwachen gibt,
• Rangordnungen im Erwachten,
• qualitative Klassen des Buddha-Seins,

entsteht automatisch:
• Vergleich
• Bewertung
• Ausschluss
• Legitimation von Macht

Das ist Konzeption auf höchstem Niveau.

3. „Reinigung des ursprünglichen Herzens“

Der Satz ist entscheidend:
Man glaubt,
das ursprüngliche Herz
müsse gereinigt werden.

Damit wird:
• das Ursprüngliche verfehlt
• Erwachen zu einem Objekt
• Praxis zu Optimierung

Genau hier kippt Nicht-Dualität
in subtile Dualität.

4. Der „Mèi-Geist“

魅 steht für:
• Verzauberung
• Suggestion
• hypnotische Überzeugung

Nicht Zwang,
sondern plausible Erklärung
führt hier in die Irre.

5. Wiederkehrendes Muster

Wie immer:
• anfängliche Überzeugung
• Ausbreitung der Lehre
• soziale Folgen
• weltliche Verfolgung
• tiefer Fall

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Irrtum.

6. Quintessenz

Wo Erwachen abgestuft wird,
ist es bereits verloren.
Wo das Ursprüngliche gereinigt werden soll,
ist es nicht erkannt.
365 #
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛根本,窮覽物化性之終始,精爽其心,貪求[1]辯析。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人先不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求元善男子處,敷座說法。身有威神摧伏求者,令其座下雖未聞法自然心伏。是諸人等,將佛涅槃、菩提、法身,即是現前我肉身上。父父子子遞代相生,即是法身常住不絕。都指現在即為佛國,無別淨居及金色相。其人信受,[2]忘失先心,身命歸依,得未曾有。是等愚迷,惑為菩薩。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine Zuneigung
zum Grundlegenden;
er erforscht
Anfang und Ende
der Wandlungsnatur aller Dinge,
schärft seinen Geist
und sucht
analytische Durchdringung.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit zunächst nicht
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach dem Ursprünglichen fragen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Von seinem Körper
geht eine machtvolle Ausstrahlung aus,
die Suchende unterwirft,
so dass selbst jene,
die die Lehre noch nicht gehört haben,
sich innerlich beugen.

Die Zuhörenden
setzen daraufhin
Nirvāṇa,
Erwachen
und den Dharma-Leib
gleich
mit diesem gegenwärtigen Körper.

Sie erklären,
dass die fortlaufende Zeugung
von Vätern und Söhnen
der ewig bestehende Dharma-Leib sei;
sie behaupten,
die gegenwärtige Welt
sei bereits das Buddha-Land
und es gebe
kein anderes Reines Land
und keine goldene Gestalt.

Die Menschen
nehmen dies im Glauben an,
verfehlen das Ursprüngliche
und überlassen
Körper und Leben
vollständig dieser Lehre,
die sie
für einzigartig halten.

Sie sind verblendet
und halten ihn
für einen Bodhisattva.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine hochentwickelte Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Die Verkörperung des Absoluten und die Vergöttlichung der Gegenwart.

1. Der neue Kern: „Das Ursprüngliche erklären“

Hier tritt kein Gefühl
und keine Vision
in den Vordergrund,
sondern Erklärung:
• Anfang und Ende aller Dinge
• Wandlungsnatur
• metaphysische Totaldeutung

Das ist reine Konzeption.

2. Macht ohne Argument

Entscheidend ist:
Die Unterwerfung geschieht
ohne Lehre, ohne Prüfung.

Autorität wirkt
nicht durch Einsicht,
sondern durch Präsenz.

3. „Dieser Körper ist der Dharma-Leib“

Das ist der zentrale Irrtum:
Das Absolute
wird im Relativen fixiert.

Nicht:
Dharma-Leib ist gegenwärtig,
sondern:
Dieser Körper ist der Dharma-Leib.

Das ist Inkarnation ohne Durchschauung.

4. Biologie als Ewigkeit

Die Abfolge von Vater und Sohn
wird zum „ewigen Dharma-Leib“ erklärt.

Damit wird:
• Geburt und Tod absolut gesetzt
• Samsara als Befreiung gedeutet
• Endlichkeit vergöttlicht

5. „Alles ist schon Buddha-Land“

Auch das ist kein Ausdruck von Erwachen,
sondern von konzeptueller Stillstellung:
Wenn alles bereits erlöst ist,
gibt es keinen Weg mehr.

6. Verfehlen des „Ursprünglichen"

Der Text sagt es klar:
Die Menschen
verfehlen das Ursprüngliche
und geben sich selbst auf.

Nicht Hingabe,
sondern Selbstentfremdung.

7. Quintessenz

Wo das Absolute verkörpert wird,
wird das Relative absolut.
Wo Gegenwart vergöttlicht wird,
endet der Weg.
中文原文
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛根本,窮覽物化性之終始,精爽其心,貪求[1]辯析。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人先不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求元善男子處,敷座說法。身有威神摧伏求者,令其座下雖未聞法自然心伏。是諸人等,將佛涅槃、菩提、法身,即是現前我肉身上。父父子子遞代相生,即是法身常住不絕。都指現在即為佛國,無別淨居及金色相。其人信受,[2]忘失先心,身命歸依,得未曾有。是等愚迷,惑為菩薩。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine Zuneigung
zum Grundlegenden;
er erforscht
Anfang und Ende
der Wandlungsnatur aller Dinge,
schärft seinen Geist
und sucht
analytische Durchdringung.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit zunächst nicht
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach dem Ursprünglichen fragen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Von seinem Körper
geht eine machtvolle Ausstrahlung aus,
die Suchende unterwirft,
so dass selbst jene,
die die Lehre noch nicht gehört haben,
sich innerlich beugen.

Die Zuhörenden
setzen daraufhin
Nirvāṇa,
Erwachen
und den Dharma-Leib
gleich
mit diesem gegenwärtigen Körper.

Sie erklären,
dass die fortlaufende Zeugung
von Vätern und Söhnen
der ewig bestehende Dharma-Leib sei;
sie behaupten,
die gegenwärtige Welt
sei bereits das Buddha-Land
und es gebe
kein anderes Reines Land
und keine goldene Gestalt.

Die Menschen
nehmen dies im Glauben an,
verfehlen das Ursprüngliche
und überlassen
Körper und Leben
vollständig dieser Lehre,
die sie
für einzigartig halten.

Sie sind verblendet
und halten ihn
für einen Bodhisattva.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine hochentwickelte Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Die Verkörperung des Absoluten und die Vergöttlichung der Gegenwart.

1. Der neue Kern: „Das Ursprüngliche erklären“

Hier tritt kein Gefühl
und keine Vision
in den Vordergrund,
sondern Erklärung:
• Anfang und Ende aller Dinge
• Wandlungsnatur
• metaphysische Totaldeutung

Das ist reine Konzeption.

2. Macht ohne Argument

Entscheidend ist:
Die Unterwerfung geschieht
ohne Lehre, ohne Prüfung.

Autorität wirkt
nicht durch Einsicht,
sondern durch Präsenz.

3. „Dieser Körper ist der Dharma-Leib“

Das ist der zentrale Irrtum:
Das Absolute
wird im Relativen fixiert.

Nicht:
Dharma-Leib ist gegenwärtig,
sondern:
Dieser Körper ist der Dharma-Leib.

Das ist Inkarnation ohne Durchschauung.

4. Biologie als Ewigkeit

Die Abfolge von Vater und Sohn
wird zum „ewigen Dharma-Leib“ erklärt.

Damit wird:
• Geburt und Tod absolut gesetzt
• Samsara als Befreiung gedeutet
• Endlichkeit vergöttlicht

5. „Alles ist schon Buddha-Land“

Auch das ist kein Ausdruck von Erwachen,
sondern von konzeptueller Stillstellung:
Wenn alles bereits erlöst ist,
gibt es keinen Weg mehr.

6. Verfehlen des „Ursprünglichen"

Der Text sagt es klar:
Die Menschen
verfehlen das Ursprüngliche
und geben sich selbst auf.

Nicht Hingabe,
sondern Selbstentfremdung.

7. Quintessenz

Wo das Absolute verkörpert wird,
wird das Relative absolut.
Wo Gegenwart vergöttlicht wird,
endet der Weg.
366 #
推究其心,破佛律儀,潛行貪欲,口中好言眼、耳、鼻、舌皆為淨土,男女二根即是菩提涅[A6]槃真處。彼無知者,信是穢言。此名蠱毒魘勝惡鬼,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,俱陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Der Buddha sprach:

„Indem man
die eigenen Gedanken
weiter analysiert,
werden die Gebote des Buddha
aufgehoben,
und Begierde
wird heimlich ausgelebt.
Man verkündet,
Auge, Ohr, Nase und Zunge
seien bereits Reine Länder,
und erklärt,
die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane
seien der wahre Ort
von Erwachen und Nirvāṇa.

Unwissende Menschen
nehmen solche
verunreinigten Aussagen
für wahr.

Dies bezeichnet man als
einen Dämon
vergiftender Suggestion
und albtraumhafter Überwältigung –
einen alten Geist,
der dämonische Macht erlangt
und diesen Menschen
in Verwirrung bringt.

Wenn schließlich
Sättigung eintritt,
verlässt die fremde Kraft
den Körper;
doch sowohl Schüler
als auch Lehrer
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht durchschaut,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine extreme Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Die Identifikation des Absoluten mit Sinnesorganen und Sexualität.

1. Der entscheidende Mechanismus: Konzeptuelle Umdeutung

Hier geschieht keine emotionale Enthemmung,
sondern eine Lehrkonstruktion:
• Sinnesorgane = Reines Land
• Geschlechtsorgane = Bodhi / Nirvāṇa

Das ist keine Erfahrung,
sondern eine Bedeutungssetzung.

2. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Nicht Gefühl,
nicht Vision,
sondern Begriffskopplung trägt die Verirrung:

„Wenn alles leer ist, dann ist auch das Heilige hier.“

Das ist Konzeptions-Logik,
nicht Einsicht.

3. Die Rolle der Unwissenden

Der Text ist klar:
Diese Lehren wirken,
weil sie plausibel klingen.

Nicht Zwang,
sondern sprachliche Verführung
bindet Menschen.

4. „Gift“ und „Alptraum“

蠱毒 und 魘 sind starke Begriffe:
• schleichende Vergiftung
• Verlust des freien Willens
• innere Lähmung

Die Lehre wirkt
nicht befreiend,
sondern überwältigend.

5. Wiederkehrendes Muster

Wie zuvor:
• Gebote werden aufgehoben
• Begierde legitimiert
• Menschen gebunden
• soziale Folgen
• staatliche Verfolgung
• tiefer Fall

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Täuschung.

6. Quintessenz

Wo Befreiung
an Körper und Sinnlichkeit gebunden wird,
wird Verblendung gelehrt.
Wo Lehre vergiftet,
wird Erwachen unmöglich.
中文原文
推究其心,破佛律儀,潛行貪欲,口中好言眼、耳、鼻、舌皆為淨土,男女二根即是菩提涅[A6]槃真處。彼無知者,信是穢言。此名蠱毒魘勝惡鬼,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,俱陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Indem man
die eigenen Gedanken
weiter analysiert,
werden die Gebote des Buddha
aufgehoben,
und Begierde
wird heimlich ausgelebt.
Man verkündet,
Auge, Ohr, Nase und Zunge
seien bereits Reine Länder,
und erklärt,
die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane
seien der wahre Ort
von Erwachen und Nirvāṇa.

Unwissende Menschen
nehmen solche
verunreinigten Aussagen
für wahr.

Dies bezeichnet man als
einen Dämon
vergiftender Suggestion
und albtraumhafter Überwältigung –
einen alten Geist,
der dämonische Macht erlangt
und diesen Menschen
in Verwirrung bringt.

Wenn schließlich
Sättigung eintritt,
verlässt die fremde Kraft
den Körper;
doch sowohl Schüler
als auch Lehrer
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht durchschaut,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine extreme Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Die Identifikation des Absoluten mit Sinnesorganen und Sexualität.

1. Der entscheidende Mechanismus: Konzeptuelle Umdeutung

Hier geschieht keine emotionale Enthemmung,
sondern eine Lehrkonstruktion:
• Sinnesorgane = Reines Land
• Geschlechtsorgane = Bodhi / Nirvāṇa

Das ist keine Erfahrung,
sondern eine Bedeutungssetzung.

2. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Nicht Gefühl,
nicht Vision,
sondern Begriffskopplung trägt die Verirrung:

„Wenn alles leer ist, dann ist auch das Heilige hier.“

Das ist Konzeptions-Logik,
nicht Einsicht.

3. Die Rolle der Unwissenden

Der Text ist klar:
Diese Lehren wirken,
weil sie plausibel klingen.

Nicht Zwang,
sondern sprachliche Verführung
bindet Menschen.

4. „Gift“ und „Alptraum“

蠱毒 und 魘 sind starke Begriffe:
• schleichende Vergiftung
• Verlust des freien Willens
• innere Lähmung

Die Lehre wirkt
nicht befreiend,
sondern überwältigend.

5. Wiederkehrendes Muster

Wie zuvor:
• Gebote werden aufgehoben
• Begierde legitimiert
• Menschen gebunden
• soziale Folgen
• staatliche Verfolgung
• tiefer Fall

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Täuschung.

6. Quintessenz

Wo Befreiung
an Körper und Sinnlichkeit gebunden wird,
wird Verblendung gelehrt.
Wo Lehre vergiftet,
wird Erwachen unmöglich.
367 #
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛懸應,周流精研,貪求冥感。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人元不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求應善男子處,敷座說法。能令聽眾,暫見其身如百千歲,心生愛染,不能捨離。身為奴僕,四事供養不覺疲勞。各各令其座下人心,知是先師本善知識。別生法愛,粘如膠漆,得未曾有。是人愚迷,惑為菩薩。親近其心,破佛律儀,潛行貪欲。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine Vorliebe
für Antwort und Resonanz;
der Geist
durchforscht alles kreisend
und sucht
verborgene Bestätigung.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet ebenfalls,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach innerer Antwort verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Er kann bewirken,
dass die Zuhörenden
für kurze Zeit
seinen Körper
als hunderte oder tausende Jahre alt wahrnehmen;
dadurch entsteht
liebevolle Anhaftung,
die ein Loslassen unmöglich macht.

Man ordnet sich ihm
als Diener unter,
leistet die vier Arten der Versorgung
ohne Ermüdung.

Jeder der Zuhörenden
glaubt,
in ihm
den früheren Lehrer
und ursprünglichen guten Freund zu erkennen;
eine besondere Anhaftung an die Lehre entsteht,
so fest wie Leim,
als wäre sie
etwas völlig Neues.

Die Menschen
werden irregeführt
und halten ihn für einen Bodhisattva;
in ihrer Nähe
werden die Gebote verletzt
und Begierde
heimlich ausgelebt.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine zentrale Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Resonanz-Autorität und karmische Wiedererkennung als Wahrheitsbeweis.

1. Der Kernmechanismus: „Antwort“ statt Einsicht

Hier wird Wahrheit
nicht aus Durchschauung erkannt,
sondern aus dem Gefühl:

„Er antwortet auf mich.“
„Es passt zu mir.“

Antwort ersetzt Wahrheit.

2. Die Suche nach „verborgener Resonanz“

Der Geist begehrt
nicht mehr Klarheit,
sondern Bestätigung.

Das ist kein Gefühlsproblem mehr,
sondern konzeptuelle Erwartung:
Es muss eine tiefere Verbindung geben.

3. Alters-Illusion als Autoritätsmarker

Das scheinbar uralte Alter
ist kein Wunder,
sondern ein Symbol:

„Er war schon immer da.“

Autorität entsteht
durch Zeit-Zuschreibung,
nicht durch Einsicht.

4. Karmische Wiedererkennung

„Früherer Lehrer, ursprünglicher guter Freund“
– das ist der gefährlichste Punkt:

Vergangenheit
wird zur Legitimationsquelle,
ohne geprüft zu werden.

5. Liebevolle Anhaftung

Diese Anhaftung ist:
• nicht grob
• nicht sexualisiert
• nicht aggressiv

Gerade deshalb
ist sie extrem bindend.

6. Soziale Struktur der Verirrung

Die Folge ist:
• Dienstbarkeit
• materielle Abhängigkeit
• Loyalität
• ethischer Verfall

Nicht durch Zwang,
sondern durch Zugehörigkeit.

7. Quintessenz

Wo Resonanz
Wahrheit ersetzt,
wird Beziehung zur Fessel.
Wo Vergangenheit legitimiert,
endet der Weg.
中文原文
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛懸應,周流精研,貪求冥感。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人元不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求應善男子處,敷座說法。能令聽眾,暫見其身如百千歲,心生愛染,不能捨離。身為奴僕,四事供養不覺疲勞。各各令其座下人心,知是先師本善知識。別生法愛,粘如膠漆,得未曾有。是人愚迷,惑為菩薩。親近其心,破佛律儀,潛行貪欲。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine Vorliebe
für Antwort und Resonanz;
der Geist
durchforscht alles kreisend
und sucht
verborgene Bestätigung.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet ebenfalls,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach innerer Antwort verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Er kann bewirken,
dass die Zuhörenden
für kurze Zeit
seinen Körper
als hunderte oder tausende Jahre alt wahrnehmen;
dadurch entsteht
liebevolle Anhaftung,
die ein Loslassen unmöglich macht.

Man ordnet sich ihm
als Diener unter,
leistet die vier Arten der Versorgung
ohne Ermüdung.

Jeder der Zuhörenden
glaubt,
in ihm
den früheren Lehrer
und ursprünglichen guten Freund zu erkennen;
eine besondere Anhaftung an die Lehre entsteht,
so fest wie Leim,
als wäre sie
etwas völlig Neues.

Die Menschen
werden irregeführt
und halten ihn für einen Bodhisattva;
in ihrer Nähe
werden die Gebote verletzt
und Begierde
heimlich ausgelebt.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine zentrale Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Resonanz-Autorität und karmische Wiedererkennung als Wahrheitsbeweis.

1. Der Kernmechanismus: „Antwort“ statt Einsicht

Hier wird Wahrheit
nicht aus Durchschauung erkannt,
sondern aus dem Gefühl:

„Er antwortet auf mich.“
„Es passt zu mir.“

Antwort ersetzt Wahrheit.

2. Die Suche nach „verborgener Resonanz“

Der Geist begehrt
nicht mehr Klarheit,
sondern Bestätigung.

Das ist kein Gefühlsproblem mehr,
sondern konzeptuelle Erwartung:
Es muss eine tiefere Verbindung geben.

3. Alters-Illusion als Autoritätsmarker

Das scheinbar uralte Alter
ist kein Wunder,
sondern ein Symbol:

„Er war schon immer da.“

Autorität entsteht
durch Zeit-Zuschreibung,
nicht durch Einsicht.

4. Karmische Wiedererkennung

„Früherer Lehrer, ursprünglicher guter Freund“
– das ist der gefährlichste Punkt:

Vergangenheit
wird zur Legitimationsquelle,
ohne geprüft zu werden.

5. Liebevolle Anhaftung

Diese Anhaftung ist:
• nicht grob
• nicht sexualisiert
• nicht aggressiv

Gerade deshalb
ist sie extrem bindend.

6. Soziale Struktur der Verirrung

Die Folge ist:
• Dienstbarkeit
• materielle Abhängigkeit
• Loyalität
• ethischer Verfall

Nicht durch Zwang,
sondern durch Zugehörigkeit.

7. Quintessenz

Wo Resonanz
Wahrheit ersetzt,
wird Beziehung zur Fessel.
Wo Vergangenheit legitimiert,
endet der Weg.
368 #
口中好言:『我於前世、於某生中先度某人,當時是我妻妾兄弟,今來相度;與汝相隨歸某世界,供養某佛。』或言:『別有大光明天,佛於中住,一切如來所休居地。』彼無知者,信是虛誑,遺失本心。此名厲鬼,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,俱陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Der Buddha sprach:

„Man verkündet:
‚In früheren Leben,
in bestimmten Existenzen,
habe ich diesen oder jenen
zuerst befreit;
damals war er
mein Ehepartner,
mein Bruder oder Angehöriger,
und nun bin ich wiedergekommen,
um euch zu führen.
Folgt mir
und kehrt mit mir
in eine bestimmte Welt zurück,
um dort
einen bestimmten Buddha zu verehren.‘

Oder man behauptet:
‚Es gibt einen großen
Himmel des Lichts,
in dem der Buddha weilt;
dies ist der Ort,
an dem alle Buddhas ruhen.‘

Unwissende Menschen
glauben diesen
leeren Erfindungen,
verfehlen das Ursprüngliche
und geraten in Verirrung.

Dies bezeichnet man als
einen Lì-Geist,
einen alten Geist,
der dämonische Macht erlangt
und diesen Menschen
in Unruhe versetzt.

Wenn schließlich
Sättigung eintritt,
verlässt die fremde Kraft
den Körper;
doch sowohl Lehrer
als auch Schüler
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine weitere Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Vergangenheit, kosmische Verheißung und Erlösung durch Zugehörigkeit.

1. Der neue Mechanismus: karmische Erzählung

Hier wird Autorität
nicht durch Gefühl
und nicht durch Vision erzeugt,
sondern durch Geschichte:
• frühere Leben
• frühere Beziehungen
• karmische Schuld und Rettung

Das ist narrative Bindung.

2. „Ich habe dich früher schon befreit“

Diese Aussage entzieht sich jeder Prüfung:
Sie schafft
• Schuld
• Dankbarkeit
• Loyalität

ohne Möglichkeit
zur Gegenfrage.

3. Kosmologische Verheißung

Der „große Licht-Himmel“
ist kein meditativer Zustand,
sondern ein konzeptuelles Ziel:

„Dort ist der wahre Ort,
hier ist nur Durchgang.“

Damit wird
das Hier-und-Jetzt
entwertet
und der Weg
externalisiert.

4. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Alles hier beruht auf:
• Bedeutung
• Erzählung
• Interpretation
• metaphysischer Verortung

Nicht Erlebnis,
sondern Deutung lenkt.

5. Der Lì-Geist

厲 steht für:
• Härte
• Strenge
• Bedrohung

Die Lehre wird
nicht sanft,
sondern fordernd und bindend.

6. Wiederkehrendes Ende

Wie zuvor:
• anfänglicher Glaube
• kollektive Bewegung
• soziale Konsequenzen
• staatliche Verfolgung
• tiefer Fall

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Verblendung.

7. Quintessenz

Wo Vergangenheit bindet
und Zukunft lockt,
geht Gegenwart verloren.
Wo Erlösung erzählt wird,
wird Freiheit vertagt.
中文原文
口中好言:『我於前世、於某生中先度某人,當時是我妻妾兄弟,今來相度;與汝相隨歸某世界,供養某佛。』或言:『別有大光明天,佛於中住,一切如來所休居地。』彼無知者,信是虛誑,遺失本心。此名厲鬼,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,俱陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Man verkündet:
‚In früheren Leben,
in bestimmten Existenzen,
habe ich diesen oder jenen
zuerst befreit;
damals war er
mein Ehepartner,
mein Bruder oder Angehöriger,
und nun bin ich wiedergekommen,
um euch zu führen.
Folgt mir
und kehrt mit mir
in eine bestimmte Welt zurück,
um dort
einen bestimmten Buddha zu verehren.‘

Oder man behauptet:
‚Es gibt einen großen
Himmel des Lichts,
in dem der Buddha weilt;
dies ist der Ort,
an dem alle Buddhas ruhen.‘

Unwissende Menschen
glauben diesen
leeren Erfindungen,
verfehlen das Ursprüngliche
und geraten in Verirrung.

Dies bezeichnet man als
einen Lì-Geist,
einen alten Geist,
der dämonische Macht erlangt
und diesen Menschen
in Unruhe versetzt.

Wenn schließlich
Sättigung eintritt,
verlässt die fremde Kraft
den Körper;
doch sowohl Lehrer
als auch Schüler
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine weitere Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Vergangenheit, kosmische Verheißung und Erlösung durch Zugehörigkeit.

1. Der neue Mechanismus: karmische Erzählung

Hier wird Autorität
nicht durch Gefühl
und nicht durch Vision erzeugt,
sondern durch Geschichte:
• frühere Leben
• frühere Beziehungen
• karmische Schuld und Rettung

Das ist narrative Bindung.

2. „Ich habe dich früher schon befreit“

Diese Aussage entzieht sich jeder Prüfung:
Sie schafft
• Schuld
• Dankbarkeit
• Loyalität

ohne Möglichkeit
zur Gegenfrage.

3. Kosmologische Verheißung

Der „große Licht-Himmel“
ist kein meditativer Zustand,
sondern ein konzeptuelles Ziel:

„Dort ist der wahre Ort,
hier ist nur Durchgang.“

Damit wird
das Hier-und-Jetzt
entwertet
und der Weg
externalisiert.

4. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Alles hier beruht auf:
• Bedeutung
• Erzählung
• Interpretation
• metaphysischer Verortung

Nicht Erlebnis,
sondern Deutung lenkt.

5. Der Lì-Geist

厲 steht für:
• Härte
• Strenge
• Bedrohung

Die Lehre wird
nicht sanft,
sondern fordernd und bindend.

6. Wiederkehrendes Ende

Wie zuvor:
• anfänglicher Glaube
• kollektive Bewegung
• soziale Konsequenzen
• staatliche Verfolgung
• tiefer Fall

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Verblendung.

7. Quintessenz

Wo Vergangenheit bindet
und Zukunft lockt,
geht Gegenwart verloren.
Wo Erlösung erzählt wird,
wird Freiheit vertagt.
369 #
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛深入,[3]克己辛勤,樂處陰寂,貪求靜謐。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人本不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求陰善男子處,敷座說法。令其聽人各知本業;或於其處語一人言:『汝今未死已作畜生。』勅使一人於後踏尾,頓令其人起不能得。於是一眾傾心欽伏。有人起心,已知其肇。佛律儀外,重加精苦。誹謗比丘,罵詈徒眾,訐露人事,不避譏嫌。口中好言未然禍福,及至其時,毫髮無失。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
vertieft sich im Samādhi
die innere Zuneigung;
er zwingt sich
zu strenger Disziplin,
zieht sich gern
in dunkle Abgeschiedenheit zurück
und sucht
Stille und Ruhe.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet ebenfalls,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach Abgeschiedenheit streben,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Er lässt die Zuhörenden
ihr jeweiliges Karma erkennen;
oder er sagt
zu einer bestimmten Person:
‚Du bist noch nicht gestorben,
doch bereits
als Tier wiedergeboren.‘

Er lässt jemandem
hinter ihr
auf den „Schwanz“ treten,
so dass diese Person
sofort
bewegungsunfähig wird.
Daraufhin
unterwirft sich
die gesamte Versammlung.

Wenn jemand
innerlich zweifelt,
kennt er
bereits dessen Ursprung.

Außerhalb der Lehre
verordnet er
zusätzliche strenge Askese.
Er verleumdet Mönche,
beschimpft die Gemeinschaft,
macht private Angelegenheiten öffentlich
und scheut
keinen Tadel.

Er verkündet
künftiges Unglück und Glück;
wenn es eintritt,
trifft alles
bis ins Kleinste zu.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine autoritär-asketische Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Strenge, Kontrolle und angebliche karmische Einsicht als Machtinstrumente.

1. Der neue Kern: Stille als Ideologie

Hier wird Stille
nicht als Mittel,
sondern als Wert an sich gesetzt.
Askese wird
zum Ausweis von Wahrheit.

2. Selbstbezwingung ohne Weisheit

„克己辛勤“ – harte Selbstbezwingung –
ersetzt Einsicht durch Leistung.
Das Ich wird nicht durchschaut,
sondern verhärtet.

3. Karmische „Enthüllungen“ als Einschüchterung

Das „Sehen von Karma“
dient hier nicht dem Mitgefühl,
sondern der Unterwerfung.
Angst wird
zum pädagogischen Mittel.

4. Vorhersagen als Legitimation

Dass Vorhersagen eintreffen,
ist kein Beweis von Erwachen,
sondern Teil
der manipulativen Struktur:

Treffsicherheit erzeugt Autorität.

5. Zerstörung der Sangha

Ein klares Warnzeichen:
• Verleumdung von Mönchen
• Bloßstellung
• Spaltung
• Sonderregeln außerhalb der Lehre

Das ist systematische Machtbildung.

6. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Alles basiert auf:
• Deutung
• Zuschreibung
• Kontrolle durch Bedeutung

Nicht Erlebnis,
sondern Interpretation herrscht.

7. Quintessenz

Wo Strenge Wahrheit ersetzt,
wird Angst zur Lehre.
Wo Kontrolle als Einsicht erscheint,
ist Verirrung am Werk.
中文原文
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛深入,[3]克己辛勤,樂處陰寂,貪求靜謐。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人本不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求陰善男子處,敷座說法。令其聽人各知本業;或於其處語一人言:『汝今未死已作畜生。』勅使一人於後踏尾,頓令其人起不能得。於是一眾傾心欽伏。有人起心,已知其肇。佛律儀外,重加精苦。誹謗比丘,罵詈徒眾,訐露人事,不避譏嫌。口中好言未然禍福,及至其時,毫髮無失。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
vertieft sich im Samādhi
die innere Zuneigung;
er zwingt sich
zu strenger Disziplin,
zieht sich gern
in dunkle Abgeschiedenheit zurück
und sucht
Stille und Ruhe.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet ebenfalls,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach Abgeschiedenheit streben,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Er lässt die Zuhörenden
ihr jeweiliges Karma erkennen;
oder er sagt
zu einer bestimmten Person:
‚Du bist noch nicht gestorben,
doch bereits
als Tier wiedergeboren.‘

Er lässt jemandem
hinter ihr
auf den „Schwanz“ treten,
so dass diese Person
sofort
bewegungsunfähig wird.
Daraufhin
unterwirft sich
die gesamte Versammlung.

Wenn jemand
innerlich zweifelt,
kennt er
bereits dessen Ursprung.

Außerhalb der Lehre
verordnet er
zusätzliche strenge Askese.
Er verleumdet Mönche,
beschimpft die Gemeinschaft,
macht private Angelegenheiten öffentlich
und scheut
keinen Tadel.

Er verkündet
künftiges Unglück und Glück;
wenn es eintritt,
trifft alles
bis ins Kleinste zu.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine autoritär-asketische Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Strenge, Kontrolle und angebliche karmische Einsicht als Machtinstrumente.

1. Der neue Kern: Stille als Ideologie

Hier wird Stille
nicht als Mittel,
sondern als Wert an sich gesetzt.
Askese wird
zum Ausweis von Wahrheit.

2. Selbstbezwingung ohne Weisheit

„克己辛勤“ – harte Selbstbezwingung –
ersetzt Einsicht durch Leistung.
Das Ich wird nicht durchschaut,
sondern verhärtet.

3. Karmische „Enthüllungen“ als Einschüchterung

Das „Sehen von Karma“
dient hier nicht dem Mitgefühl,
sondern der Unterwerfung.
Angst wird
zum pädagogischen Mittel.

4. Vorhersagen als Legitimation

Dass Vorhersagen eintreffen,
ist kein Beweis von Erwachen,
sondern Teil
der manipulativen Struktur:

Treffsicherheit erzeugt Autorität.

5. Zerstörung der Sangha

Ein klares Warnzeichen:
• Verleumdung von Mönchen
• Bloßstellung
• Spaltung
• Sonderregeln außerhalb der Lehre

Das ist systematische Machtbildung.

6. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Alles basiert auf:
• Deutung
• Zuschreibung
• Kontrolle durch Bedeutung

Nicht Erlebnis,
sondern Interpretation herrscht.

7. Quintessenz

Wo Strenge Wahrheit ersetzt,
wird Angst zur Lehre.
Wo Kontrolle als Einsicht erscheint,
ist Verirrung am Werk.
370 #
此大力鬼,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師[4]多陷王难。汝當先覺,不入輪迴,迷惑不知,墮無間獄。
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛知見,勤苦研尋,貪求宿命。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人殊不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求知善男子處,敷座說法。是人無端於說法處,得大寶珠。其魔或時化為畜生,口銜其珠,及雜珍寶、簡[5]策、符牘、諸奇異物,先授彼人,後著其體。
Der Buddha sprach:

„Dieser Geist
ist ein alter,
machtvoller Geist,
der im Alter
dämonische Kraft erlangt
und Menschen
in schwere Verwirrung führt.
Wenn schließlich
Überdruss eintritt,
verlässt er den Körper;
doch sowohl Schüler
als auch Lehrer
geraten häufig
in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Ānanda!
Weiterhin:
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine starke Neigung
zu Wissen und Ansicht;
er müht sich angestrengt
mit Forschung
und begehrt
Kenntnis früherer Existenzen.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
merkt in keiner Weise,
dass er besessen ist,
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach Wissen verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Ohne ersichtliche Ursache
erscheint an diesem Ort
ein kostbarer Edelstein.
Der Dämon nimmt mitunter
die Gestalt eines Tieres an,
trägt den Edelstein im Maul,
zusammen mit
Kostbarkeiten,
Schriftstücken,
Talismane
und andere ungewöhnliche Dinge,
überreicht sie zunächst
dem Menschen
und heftet sich danach
erneut an ihn.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine weitere Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Okkultes Wissen, frühere Leben und „Beweisstücke“ als Wahrheitsersatz.

1. Der neue Kern: Wissen statt Einsicht

Hier verschiebt sich der Fokus
von Erfahrung und Autorität
zu Wissensbesitz:
• frühere Leben
• geheimes Wissen
• verborgene Zeichen
• außergewöhnliche Objekte

Erwachen wird
mit Information verwechselt.

2. Materielle „Beweise“

Der Edelstein,
Talismane,
Schriftstücke
sind konzeptuelle Anker:

„Sieh, es ist real – man kann es anfassen.“

Das ist besonders wirksam
für Menschen,
die nach Sicherheit suchen.

3. Tiergestalt des Dämons

Die Tierform zeigt:
Instinkt, Trieb,
Unreflektiertheit.
Wissen wird
nicht durch Weisheit getragen,
sondern durch
archaische Macht.

4. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Hier wirkt:
• Deutung
• Zuschreibung
• Erklärung
• Beweislogik

Nicht Gefühl,
nicht Vision,
sondern Konzept und Bedeutung binden.

5. Wiederkehrendes Ende

Wie immer:
• anfängliche Faszination
• Machtzuwachs
• Bindung anderer
• soziale Folgen
• tiefer Fall

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Täuschung.

6. Quintessenz

Wo Wissen
Weisheit ersetzt,
wird Erkenntnis zur Ware.
Wo Beweise überzeugen sollen,
ist Durchschauung verloren.
中文原文
此大力鬼,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師[4]多陷王难。汝當先覺,不入輪迴,迷惑不知,墮無間獄。
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛知見,勤苦研尋,貪求宿命。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人殊不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求知善男子處,敷座說法。是人無端於說法處,得大寶珠。其魔或時化為畜生,口銜其珠,及雜珍寶、簡[5]策、符牘、諸奇異物,先授彼人,後著其體。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Dieser Geist
ist ein alter,
machtvoller Geist,
der im Alter
dämonische Kraft erlangt
und Menschen
in schwere Verwirrung führt.
Wenn schließlich
Überdruss eintritt,
verlässt er den Körper;
doch sowohl Schüler
als auch Lehrer
geraten häufig
in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Ānanda!
Weiterhin:
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine starke Neigung
zu Wissen und Ansicht;
er müht sich angestrengt
mit Forschung
und begehrt
Kenntnis früherer Existenzen.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
merkt in keiner Weise,
dass er besessen ist,
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach Wissen verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Ohne ersichtliche Ursache
erscheint an diesem Ort
ein kostbarer Edelstein.
Der Dämon nimmt mitunter
die Gestalt eines Tieres an,
trägt den Edelstein im Maul,
zusammen mit
Kostbarkeiten,
Schriftstücken,
Talismane
und andere ungewöhnliche Dinge,
überreicht sie zunächst
dem Menschen
und heftet sich danach
erneut an ihn.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine weitere Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Okkultes Wissen, frühere Leben und „Beweisstücke“ als Wahrheitsersatz.

1. Der neue Kern: Wissen statt Einsicht

Hier verschiebt sich der Fokus
von Erfahrung und Autorität
zu Wissensbesitz:
• frühere Leben
• geheimes Wissen
• verborgene Zeichen
• außergewöhnliche Objekte

Erwachen wird
mit Information verwechselt.

2. Materielle „Beweise“

Der Edelstein,
Talismane,
Schriftstücke
sind konzeptuelle Anker:

„Sieh, es ist real – man kann es anfassen.“

Das ist besonders wirksam
für Menschen,
die nach Sicherheit suchen.

3. Tiergestalt des Dämons

Die Tierform zeigt:
Instinkt, Trieb,
Unreflektiertheit.
Wissen wird
nicht durch Weisheit getragen,
sondern durch
archaische Macht.

4. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Hier wirkt:
• Deutung
• Zuschreibung
• Erklärung
• Beweislogik

Nicht Gefühl,
nicht Vision,
sondern Konzept und Bedeutung binden.

5. Wiederkehrendes Ende

Wie immer:
• anfängliche Faszination
• Machtzuwachs
• Bindung anderer
• soziale Folgen
• tiefer Fall

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Täuschung.

6. Quintessenz

Wo Wissen
Weisheit ersetzt,
wird Erkenntnis zur Ware.
Wo Beweise überzeugen sollen,
ist Durchschauung verloren.
371 #
或誘聽人藏於地下,有明月珠照[6]耀其處。是諸聽者得未曾有。多食藥草,不飡嘉[7]膳,或時日飡一麻一麥,其形肥充,魔力持故。誹謗比丘,罵詈徒眾,不避譏嫌。口中好言他方寶藏,十方聖賢潛匿之處。隨其後者,往往見有奇異之人。此名山林、土地、城隍、川嶽鬼神,年老成魔。或有宣婬破佛戒律,與承事者潛行五欲;或有精進純食草木,無定行事,惱亂[8]彼人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,多陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Der Buddha sprach:

„Man verführt Zuhörende dazu,
sich unter der Erde zu verbergen,
wo eine leuchtende Perle
den Ort erhellt;
alle Anwesenden
halten dies
für etwas noch nie Erlebtes.

Man ernährt sich
von Heilpflanzen,
verzichtet auf
gute Speisen,
isst mitunter
an einem Tag
nur ein einziges Korn,
und doch
bleibt der Körper
kräftig und genährt –
getragen durch
dämonische Kraft.

Man verleumdet Mönche,
beschimpft die Gemeinschaft
und scheut
keinen Spott.

Man spricht gern
von verborgenen Schätzen
in fremden Gegenden,
von geheimen Aufenthaltsorten
heiliger Wesen
in allen Richtungen.
Wer solchen Menschen folgt,
begegnet häufig
ungewöhnlichen Gestalten.

Dies bezeichnet man als
Geister von Bergen, Wäldern,
Land, Städten,
Flüssen und Bergen –
alte Geistwesen,
die im Alter
dämonische Macht erlangt haben.

Einige von ihnen
verkünden Unzucht
und brechen die Gebote,
leben mit ihren Anhängern
heimlich die fünf Begierden aus;
andere praktizieren
strenge Askese,
ernähren sich nur von Pflanzen
und handeln
ohne feste Regel.
All dies
bringt die Menschen
in Verwirrung.

Wenn schließlich
Sättigung eintritt,
verlässt der Dämon den Körper;
doch sowohl Schüler
als auch Lehrer
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht durchschaut,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine weitere Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Lokale Geistmächte, okkulte Beweise und extreme Lebensformen als Wahrheitsersatz.

1. „Beweise“ statt Einsicht

Unterirdische Verstecke,
leuchtende Perlen,
Schatzorte –
all das sind sinnlich greifbare Bestätigungen,
die Bedeutung ersetzten, nicht klärten.

„Man kann es sehen – also ist es wahr.“

2. Askese und Zügellosigkeit als zwei Seiten derselben Verirrung

Der Text zeigt bewusst beide Extreme:
• ungezügelte Begierde
• rigide Askese

Beides wird ideologisch gerechtfertigt –
nicht durch Weisheit,
sondern durch Deutung.

3. Lokale Geister statt universeller Wahrheit

Berg-, Wald-, Orts- und Flussgeister
stehen für partikulare Mächte:
regional,
spezifisch,
beeindruckend –
aber nicht befreiend.

4. Zerstörung der Sangha

Wie in allen vorherigen Fällen:
• Verleumdung
• Spaltung
• Sonderregeln
• Machtbildung

Das sichere Zeichen,
dass Konzeption
Einsicht ersetzt hat.

5. Wiederkehrender Ausgang

Am Ende stets:
• Überdruss
• Wegfall der Macht
• weltliche Konsequenzen
• tiefer Fall

Nicht weil Wahrheit verfolgt wird,
sondern weil Verblendung sich erschöpft.

6. Quintessenz

Wo Wunder überzeugen sollen,
ist Einsicht verloren.
Wo Extreme heiligen,
ist Mitte verlassen.
中文原文
或誘聽人藏於地下,有明月珠照[6]耀其處。是諸聽者得未曾有。多食藥草,不飡嘉[7]膳,或時日飡一麻一麥,其形肥充,魔力持故。誹謗比丘,罵詈徒眾,不避譏嫌。口中好言他方寶藏,十方聖賢潛匿之處。隨其後者,往往見有奇異之人。此名山林、土地、城隍、川嶽鬼神,年老成魔。或有宣婬破佛戒律,與承事者潛行五欲;或有精進純食草木,無定行事,惱亂[8]彼人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,多陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Man verführt Zuhörende dazu,
sich unter der Erde zu verbergen,
wo eine leuchtende Perle
den Ort erhellt;
alle Anwesenden
halten dies
für etwas noch nie Erlebtes.

Man ernährt sich
von Heilpflanzen,
verzichtet auf
gute Speisen,
isst mitunter
an einem Tag
nur ein einziges Korn,
und doch
bleibt der Körper
kräftig und genährt –
getragen durch
dämonische Kraft.

Man verleumdet Mönche,
beschimpft die Gemeinschaft
und scheut
keinen Spott.

Man spricht gern
von verborgenen Schätzen
in fremden Gegenden,
von geheimen Aufenthaltsorten
heiliger Wesen
in allen Richtungen.
Wer solchen Menschen folgt,
begegnet häufig
ungewöhnlichen Gestalten.

Dies bezeichnet man als
Geister von Bergen, Wäldern,
Land, Städten,
Flüssen und Bergen –
alte Geistwesen,
die im Alter
dämonische Macht erlangt haben.

Einige von ihnen
verkünden Unzucht
und brechen die Gebote,
leben mit ihren Anhängern
heimlich die fünf Begierden aus;
andere praktizieren
strenge Askese,
ernähren sich nur von Pflanzen
und handeln
ohne feste Regel.
All dies
bringt die Menschen
in Verwirrung.

Wenn schließlich
Sättigung eintritt,
verlässt der Dämon den Körper;
doch sowohl Schüler
als auch Lehrer
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht durchschaut,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine weitere Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Lokale Geistmächte, okkulte Beweise und extreme Lebensformen als Wahrheitsersatz.

1. „Beweise“ statt Einsicht

Unterirdische Verstecke,
leuchtende Perlen,
Schatzorte –
all das sind sinnlich greifbare Bestätigungen,
die Bedeutung ersetzten, nicht klärten.

„Man kann es sehen – also ist es wahr.“

2. Askese und Zügellosigkeit als zwei Seiten derselben Verirrung

Der Text zeigt bewusst beide Extreme:
• ungezügelte Begierde
• rigide Askese

Beides wird ideologisch gerechtfertigt –
nicht durch Weisheit,
sondern durch Deutung.

3. Lokale Geister statt universeller Wahrheit

Berg-, Wald-, Orts- und Flussgeister
stehen für partikulare Mächte:
regional,
spezifisch,
beeindruckend –
aber nicht befreiend.

4. Zerstörung der Sangha

Wie in allen vorherigen Fällen:
• Verleumdung
• Spaltung
• Sonderregeln
• Machtbildung

Das sichere Zeichen,
dass Konzeption
Einsicht ersetzt hat.

5. Wiederkehrender Ausgang

Am Ende stets:
• Überdruss
• Wegfall der Macht
• weltliche Konsequenzen
• tiefer Fall

Nicht weil Wahrheit verfolgt wird,
sondern weil Verblendung sich erschöpft.

6. Quintessenz

Wo Wunder überzeugen sollen,
ist Einsicht verloren.
Wo Extreme heiligen,
ist Mitte verlassen.
372 #
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛神通種種變化,研究化元,貪取神力。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人誠不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求通善男子處,敷座說法。是人或復手執火光,手撮其光,分於所聽四眾頭上。是諸聽人,頂上火光皆長數尺,亦無熱性,曾不焚燒。或[9]水上行如履平地,或於空中安坐不動,或入瓶內,或處囊中,越牖透垣曾無障礙,唯於刀兵不得自在。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
kann im Samādhi
eine starke Neigung
zu übernatürlichen Kräften
und Verwandlungsfähigkeiten entstehen;
man erforscht
den Ursprung von Wandlung
und strebt
nach magischer Macht.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet ebenfalls,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach übernatürlichen Fähigkeiten verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Mitunter
hält er leuchtendes Feuer in der Hand,
teilt dessen Licht
auf die Köpfe der Zuhörenden.
Auf deren Köpfen
erscheinen Flammen,
mehrere Fuß hoch,
doch ohne Hitze;
sie verbrennen nicht.

Oder er schreitet
über Wasser
wie über festen Boden,
sitzt unbeweglich in der Luft,
tritt in Gefäße ein,
verweilt in Säcken,
durchdringt Fenster und Mauern
ohne Hindernis –
nur gegenüber
Waffen und Klingen
bleibt er begrenzt.“
Kommentar öffnen
Dies ist die 10. und abschließende Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Übernatürliche Macht als letzter Wahrheitsbeweis.

1. Warum diese Verirrung den Skandha abschließt

Hier kulminiert alles Vorangegangene:
• Lehre
• Autorität
• Resonanz
• Wissen
• Vergangenheit
• Kosmologie

→ alles wird nun durch Macht bestätigt.

„Ich kann es – also ist es wahr.“

2. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Nicht das Erlebnis bindet,
sondern die Bedeutung des Erlebnisses:
• Feuer ohne Hitze = Erwachen
• Gehen über Wasser = Befreiung
• Wandlungsfähigkeit = Wahrheit

Das sind konzeptuelle Gleichsetzungen.

3. Die entscheidende Einschränkung

Der Text ist extrem präzise:

„唯於刀兵不得自在“
„Nur gegenüber Waffen ist er nicht frei.“

Das heißt:
Diese Macht ist bedingt,
nicht frei,
nicht ungeworden.

Sie ist funktional, nicht befreiend.

4. Warum der Buddha hier nicht relativiert

In früheren Skandhas sagt der Text oft:

„Erkennt man es, ist kein Fehler darin.“

Hier fehlt diese Relativierung.

Warum?
Weil Macht
fast immer
Identifikation erzeugt.

5. Der letzte Prüfstein der Konzeptions-Skandha

Was Macht braucht, um zu überzeugen,
hat Weisheit verloren.

6. Übergangspunkt

Mit dieser Verirrung ist klar:
• Bedeutung
• Lehre
• Autorität
• Macht

sind erschöpft als Befreiungswege.

Der nächste Skandha (行陰 – Formkräfte / Gestaltungen)
wird nun zeigen,
wie Wollen, Impuls und karmische Dynamik selbst zur letzten Bindung werden.
中文原文
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛神通種種變化,研究化元,貪取神力。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人誠不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求通善男子處,敷座說法。是人或復手執火光,手撮其光,分於所聽四眾頭上。是諸聽人,頂上火光皆長數尺,亦無熱性,曾不焚燒。或[9]水上行如履平地,或於空中安坐不動,或入瓶內,或處囊中,越牖透垣曾無障礙,唯於刀兵不得自在。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
kann im Samādhi
eine starke Neigung
zu übernatürlichen Kräften
und Verwandlungsfähigkeiten entstehen;
man erforscht
den Ursprung von Wandlung
und strebt
nach magischer Macht.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet ebenfalls,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach übernatürlichen Fähigkeiten verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Mitunter
hält er leuchtendes Feuer in der Hand,
teilt dessen Licht
auf die Köpfe der Zuhörenden.
Auf deren Köpfen
erscheinen Flammen,
mehrere Fuß hoch,
doch ohne Hitze;
sie verbrennen nicht.

Oder er schreitet
über Wasser
wie über festen Boden,
sitzt unbeweglich in der Luft,
tritt in Gefäße ein,
verweilt in Säcken,
durchdringt Fenster und Mauern
ohne Hindernis –
nur gegenüber
Waffen und Klingen
bleibt er begrenzt.“
Kommentar
Dies ist die 10. und abschließende Verirrung der Konzeptions-Skandha:
Übernatürliche Macht als letzter Wahrheitsbeweis.

1. Warum diese Verirrung den Skandha abschließt

Hier kulminiert alles Vorangegangene:
• Lehre
• Autorität
• Resonanz
• Wissen
• Vergangenheit
• Kosmologie

→ alles wird nun durch Macht bestätigt.

„Ich kann es – also ist es wahr.“

2. Warum dies eindeutig 想陰 ist

Nicht das Erlebnis bindet,
sondern die Bedeutung des Erlebnisses:
• Feuer ohne Hitze = Erwachen
• Gehen über Wasser = Befreiung
• Wandlungsfähigkeit = Wahrheit

Das sind konzeptuelle Gleichsetzungen.

3. Die entscheidende Einschränkung

Der Text ist extrem präzise:

„唯於刀兵不得自在“
„Nur gegenüber Waffen ist er nicht frei.“

Das heißt:
Diese Macht ist bedingt,
nicht frei,
nicht ungeworden.

Sie ist funktional, nicht befreiend.

4. Warum der Buddha hier nicht relativiert

In früheren Skandhas sagt der Text oft:

„Erkennt man es, ist kein Fehler darin.“

Hier fehlt diese Relativierung.

Warum?
Weil Macht
fast immer
Identifikation erzeugt.

5. Der letzte Prüfstein der Konzeptions-Skandha

Was Macht braucht, um zu überzeugen,
hat Weisheit verloren.

6. Übergangspunkt

Mit dieser Verirrung ist klar:
• Bedeutung
• Lehre
• Autorität
• Macht

sind erschöpft als Befreiungswege.

Der nächste Skandha (行陰 – Formkräfte / Gestaltungen)
wird nun zeigen,
wie Wollen, Impuls und karmische Dynamik selbst zur letzten Bindung werden.
373 #
自言是佛,身著白衣,受比丘禮,誹謗禪律,罵詈徒眾,訐露人事,不避譏嫌。口中常說神通自在,或復令人傍見佛土,鬼力惑人非有真實。讚歎行婬,不毀麁行,將諸猥媟以為傳法。此名天地大力山精、海精、風精、河精、土精、一切草[10]樹積劫精魅,或復龍魅,或壽終仙再活為魅,或仙期終計年應死、其形不化他怪所附,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,多陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Der Buddha sprach:

„Er erklärt,
selbst ein Buddha zu sein,
trägt weiße Kleidung
und nimmt die Verbeugungen
ordinierter Mönche entgegen.
Er verachtet
Meditationspraxis und Disziplin,
beschimpft die Gemeinschaft,
enthüllt private Dinge
und scheut
keine öffentliche Kritik.

Er redet fortwährend
von übernatürlicher Freiheit
und lässt andere
scheinbar Buddha-Länder erblicken;
doch all dies
ist durch Geisterkraft bewirkt
und besitzt
keine wirkliche Wahrheit.

Er lobt sexuelle Ausschweifung,
verurteilt grobe Verfehlungen nicht
und erklärt
schamlose Handlungen
zur Weitergabe der Lehre.

Dies bezeichnet man als
die großen Machtgeister
von Himmel und Erde:
Berg-, Meeres-, Wind-,
Fluss- und Erdgeister,
die über lange Zeitalter
zu Dämonen heranreifen;
oder Drachen-Geister;
oder Unsterbliche,
die nach dem Ende ihrer Lebensspanne
als Geistwesen weiterexistieren;
oder solche,
deren Frist abgelaufen ist,
deren Körper sich nicht auflöst
und die von anderen Wesen
besetzt werden –
alte Wesen,
die dämonische Kraft erlangt haben
und Menschen verwirren.

Wenn schließlich
Erschöpfung eintritt,
verlässt der Geist den Körper;
doch sowohl Lehrer
als auch Schüler
geraten häufig
in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt vollendet die 10. Verirrung der Konzeptions-Skandha
und damit den gesamten 想陰-Zyklus.

1. Selbstvergöttlichung als Endpunkt

Hier ist kein indirekter Anspruch mehr vorhanden:

„Ich bin Buddha.“

Damit ist jede Korrektur unmöglich.
Lehre wird
unangreifbar.

2. Umkehr der Werte

Charakteristisch ist die vollständige Umkehr:
• Disziplin wird verspottet
• Meditation wird verachtet
• Sexualität wird heilig gesprochen
• Schamlosigkeit wird „Dharma-Übertragung“

Das ist nicht Freiheit,
sondern Begriffszerstörung.

3. Macht ohne Wahrheit

Die aufgezählten Geistarten
zeigen:
Diese Kräfte sind alt,
mächtig,
beeindruckend –
aber nicht erwacht.

Sie wirken
innerhalb von Samsara,
nicht jenseits davon.

4. Warum der Text so drastisch ist

Weil hier:
• Menschen systematisch gebunden
• Gemeinschaften zerstört
• Leid legitimiert
• Erwachen diskreditiert

werden.

Darum ist dies
die schwerste Konzeptions-Verirrung.

5. Der wiederkehrende Ausgang

Immer gleich:
• anfängliche Faszination
• Machtzuwachs
• ethischer Kollaps
• soziale Konsequenzen
• tiefer Fall

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Täuschung.

6. Schlussformel des Buddha

Der Satz:

„Du sollst zuerst klar erwachen“

ist der einzige Schutz:
Nicht kämpfen,
nicht widerlegen,
sondern durchschauen.

7. Quintessenz

Wo jemand sagt: „Ich bin Buddha“,
ist der Buddha nicht erkannt.
Wo Lehre Sexualität rechtfertigt,
ist Weisheit zerstört.
Wo Macht Wahrheit ersetzt,
ist Verirrung vollendet.
中文原文
自言是佛,身著白衣,受比丘禮,誹謗禪律,罵詈徒眾,訐露人事,不避譏嫌。口中常說神通自在,或復令人傍見佛土,鬼力惑人非有真實。讚歎行婬,不毀麁行,將諸猥媟以為傳法。此名天地大力山精、海精、風精、河精、土精、一切草[10]樹積劫精魅,或復龍魅,或壽終仙再活為魅,或仙期終計年應死、其形不化他怪所附,年老成魔,惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,多陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Er erklärt,
selbst ein Buddha zu sein,
trägt weiße Kleidung
und nimmt die Verbeugungen
ordinierter Mönche entgegen.
Er verachtet
Meditationspraxis und Disziplin,
beschimpft die Gemeinschaft,
enthüllt private Dinge
und scheut
keine öffentliche Kritik.

Er redet fortwährend
von übernatürlicher Freiheit
und lässt andere
scheinbar Buddha-Länder erblicken;
doch all dies
ist durch Geisterkraft bewirkt
und besitzt
keine wirkliche Wahrheit.

Er lobt sexuelle Ausschweifung,
verurteilt grobe Verfehlungen nicht
und erklärt
schamlose Handlungen
zur Weitergabe der Lehre.

Dies bezeichnet man als
die großen Machtgeister
von Himmel und Erde:
Berg-, Meeres-, Wind-,
Fluss- und Erdgeister,
die über lange Zeitalter
zu Dämonen heranreifen;
oder Drachen-Geister;
oder Unsterbliche,
die nach dem Ende ihrer Lebensspanne
als Geistwesen weiterexistieren;
oder solche,
deren Frist abgelaufen ist,
deren Körper sich nicht auflöst
und die von anderen Wesen
besetzt werden –
alte Wesen,
die dämonische Kraft erlangt haben
und Menschen verwirren.

Wenn schließlich
Erschöpfung eintritt,
verlässt der Geist den Körper;
doch sowohl Lehrer
als auch Schüler
geraten häufig
in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt vollendet die 10. Verirrung der Konzeptions-Skandha
und damit den gesamten 想陰-Zyklus.

1. Selbstvergöttlichung als Endpunkt

Hier ist kein indirekter Anspruch mehr vorhanden:

„Ich bin Buddha.“

Damit ist jede Korrektur unmöglich.
Lehre wird
unangreifbar.

2. Umkehr der Werte

Charakteristisch ist die vollständige Umkehr:
• Disziplin wird verspottet
• Meditation wird verachtet
• Sexualität wird heilig gesprochen
• Schamlosigkeit wird „Dharma-Übertragung“

Das ist nicht Freiheit,
sondern Begriffszerstörung.

3. Macht ohne Wahrheit

Die aufgezählten Geistarten
zeigen:
Diese Kräfte sind alt,
mächtig,
beeindruckend –
aber nicht erwacht.

Sie wirken
innerhalb von Samsara,
nicht jenseits davon.

4. Warum der Text so drastisch ist

Weil hier:
• Menschen systematisch gebunden
• Gemeinschaften zerstört
• Leid legitimiert
• Erwachen diskreditiert

werden.

Darum ist dies
die schwerste Konzeptions-Verirrung.

5. Der wiederkehrende Ausgang

Immer gleich:
• anfängliche Faszination
• Machtzuwachs
• ethischer Kollaps
• soziale Konsequenzen
• tiefer Fall

Nicht wegen Wahrheit,
sondern wegen Täuschung.

6. Schlussformel des Buddha

Der Satz:

„Du sollst zuerst klar erwachen“

ist der einzige Schutz:
Nicht kämpfen,
nicht widerlegen,
sondern durchschauen.

7. Quintessenz

Wo jemand sagt: „Ich bin Buddha“,
ist der Buddha nicht erkannt.
Wo Lehre Sexualität rechtfertigt,
ist Weisheit zerstört.
Wo Macht Wahrheit ersetzt,
ist Verirrung vollendet.
374 #
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛入滅,[11]妍究化性,貪求深空。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人終不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求空善男子處,敷座說法。於大眾內其形忽空,眾無所見,還從虛空突然而出,存沒自在。或現其身洞如瑠璃,或垂手足作[A7]栴檀氣,或大小便如厚石蜜。誹毀戒律,輕賤出家。口中常說無因無果,一死永滅,無復後身及諸凡聖。雖得空寂,潛行貪欲,受其欲者,亦得空心,撥無因果。
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine starke Hinwendung
zum Aufgehen im Erlöschen;
er untersucht
die Wandlungsnatur der Dinge
bis ins Feinste
und sucht
die tiefste Leere.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach Leere verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Inmitten der Versammlung
wird sein Körper
plötzlich unsichtbar;
niemand kann ihn sehen.
Dann tritt er
plötzlich wieder aus dem Raum hervor
und zeigt
freies Erscheinen und Verschwinden.

Manchmal erscheint
sein Körper durchsichtig
wie Lapislazuli;
manchmal verströmen
seine Glieder
den Duft von Sandelholz;
manchmal gleichen
seine Ausscheidungen
dickem Honig.

Er verachtet
die Ordensdisziplin,
geringschätzt
das Leben der Entsagung
und verkündet fortwährend:
‚Es gibt keine Ursache und keine Wirkung.
Mit dem Tod
endet alles endgültig;
es gibt kein weiteres Dasein
und keinen Unterschied
zwischen gewöhnlichen
und heiligen Wesen.‘

Obwohl er
Zustände von Leere und Ruhe erfährt,
lebt er heimlich
Begierde aus;
und jene,
die mit ihm
in Begierde leben,
erlangen ebenfalls
einen leeren Geist
und verwerfen
Ursache und Wirkung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt eine der letzten und subtilsten Verirrungen der Konzeptions-Skandha:
Aufgehen in Leere als Ideologie – Vernichtungs-Nihilismus mit spirituellen Phänomenen.

1. Der entscheidende Irrtum: „Eingehen in das Erlöschen“

Hier wird Nirvāṇa missverstanden als:

Verschwinden,
Auslöschung,
Ende von allem.

Das ist nicht Befreiung,
sondern Vernichtungskonzept.

2. Phänomene als Bestätigung der Lehre

Unsichtbarwerden,
Durchsichtigkeit,
Duft,
außergewöhnliche Zeichen –
all dies dient hier
der Bestätigung einer falschen Lehre.

Nicht Einsicht bestätigt die Lehre,
sondern Effekt.

3. Leere gegen Ethik

Das sichere Kennzeichen:
• Ursache und Wirkung werden verworfen
• Ordensleben wird verspottet
• Begierde wird heimlich legitimiert

Damit wird Śūnyatā vollständig pervertiert.

4. Ansteckende Verirrung

Der Text betont:
Diese Sicht
überträgt sich auf andere.

Leere wird
nicht durchschaut,
sondern gelehrt.

5. Warum dies noch 想陰 ist

Es geht nicht um Impuls oder Wollen,
sondern um Deutung:

Was ist Erlösung?
Was ist Wirklichkeit?

Damit ist dies
klar Konzeptions-Skandha.

6. Nähe zum Übergang

Nach diesem Abschnitt
ist der Spielraum von Deutung nahezu erschöpft.

Was bleibt,
ist Wollen, Impuls, karmische Bewegung –
und genau das ist
der Gegenstand der Gestaltungen-Skandha (行陰) in Rolle 10.

7. Quintessenz

Leere ohne Weisheit
wird Auslöschung.
Stille ohne Ursache-Wirkung
wird Täuschung.
Wo Leere gelehrt wird,
aber Begierde bleibt,
ist der Weg verloren.
中文原文
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛入滅,[11]妍究化性,貪求深空。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人終不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求空善男子處,敷座說法。於大眾內其形忽空,眾無所見,還從虛空突然而出,存沒自在。或現其身洞如瑠璃,或垂手足作[A7]栴檀氣,或大小便如厚石蜜。誹毀戒律,輕賤出家。口中常說無因無果,一死永滅,無復後身及諸凡聖。雖得空寂,潛行貪欲,受其欲者,亦得空心,撥無因果。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine starke Hinwendung
zum Aufgehen im Erlöschen;
er untersucht
die Wandlungsnatur der Dinge
bis ins Feinste
und sucht
die tiefste Leere.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach Leere verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Inmitten der Versammlung
wird sein Körper
plötzlich unsichtbar;
niemand kann ihn sehen.
Dann tritt er
plötzlich wieder aus dem Raum hervor
und zeigt
freies Erscheinen und Verschwinden.

Manchmal erscheint
sein Körper durchsichtig
wie Lapislazuli;
manchmal verströmen
seine Glieder
den Duft von Sandelholz;
manchmal gleichen
seine Ausscheidungen
dickem Honig.

Er verachtet
die Ordensdisziplin,
geringschätzt
das Leben der Entsagung
und verkündet fortwährend:
‚Es gibt keine Ursache und keine Wirkung.
Mit dem Tod
endet alles endgültig;
es gibt kein weiteres Dasein
und keinen Unterschied
zwischen gewöhnlichen
und heiligen Wesen.‘

Obwohl er
Zustände von Leere und Ruhe erfährt,
lebt er heimlich
Begierde aus;
und jene,
die mit ihm
in Begierde leben,
erlangen ebenfalls
einen leeren Geist
und verwerfen
Ursache und Wirkung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt eine der letzten und subtilsten Verirrungen der Konzeptions-Skandha:
Aufgehen in Leere als Ideologie – Vernichtungs-Nihilismus mit spirituellen Phänomenen.

1. Der entscheidende Irrtum: „Eingehen in das Erlöschen“

Hier wird Nirvāṇa missverstanden als:

Verschwinden,
Auslöschung,
Ende von allem.

Das ist nicht Befreiung,
sondern Vernichtungskonzept.

2. Phänomene als Bestätigung der Lehre

Unsichtbarwerden,
Durchsichtigkeit,
Duft,
außergewöhnliche Zeichen –
all dies dient hier
der Bestätigung einer falschen Lehre.

Nicht Einsicht bestätigt die Lehre,
sondern Effekt.

3. Leere gegen Ethik

Das sichere Kennzeichen:
• Ursache und Wirkung werden verworfen
• Ordensleben wird verspottet
• Begierde wird heimlich legitimiert

Damit wird Śūnyatā vollständig pervertiert.

4. Ansteckende Verirrung

Der Text betont:
Diese Sicht
überträgt sich auf andere.

Leere wird
nicht durchschaut,
sondern gelehrt.

5. Warum dies noch 想陰 ist

Es geht nicht um Impuls oder Wollen,
sondern um Deutung:

Was ist Erlösung?
Was ist Wirklichkeit?

Damit ist dies
klar Konzeptions-Skandha.

6. Nähe zum Übergang

Nach diesem Abschnitt
ist der Spielraum von Deutung nahezu erschöpft.

Was bleibt,
ist Wollen, Impuls, karmische Bewegung –
und genau das ist
der Gegenstand der Gestaltungen-Skandha (行陰) in Rolle 10.

7. Quintessenz

Leere ohne Weisheit
wird Auslöschung.
Stille ohne Ursache-Wirkung
wird Täuschung.
Wo Leere gelehrt wird,
aber Begierde bleibt,
ist der Weg verloren.
375 #
此名日月薄蝕精氣、金玉芝草、麟鳳龜鶴、經千萬年不死為靈,出生國土,年老成魔;惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,多陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛長壽,辛苦研幾,貪求永歲,棄分段生,頓希變易細[1]相常住。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人竟不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求生善男子處,敷座說法。好言他方往還無滯,或經萬里瞬息再來,皆於彼方取得其物。
Der Buddha sprach:

„Dies bezeichnet man als:
Geister, die aus der feinen Essenz
von Sonne und Mond,
von Gold, Jade und Heilpflanzen,
oder aus mythischen Wesen
wie Qilin, Phönix, Schildkröte und Kranich hervorgehen;
sie überdauern viele hunderttausend Jahre,
sterben nicht,
erscheinen in den Ländern
und werden im Alter
zu Dämonen,
die Menschen verwirren.

Wenn schließlich
Sättigung eintritt,
verlassen sie den Körper;
doch sowohl Schüler
als auch Lehrer
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Ānanda!
Weiterhin:
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine starke Neigung
zu Langlebigkeit;
er forscht angestrengt
und sucht
dauerhafte Existenz.

Er verwirft
das gewöhnliche
abschnittsweise Geboren-Werden
und hofft plötzlich,
eine feine,
beständige Wandlungsform
dauerhaft zu bewahren.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach Fortdauer verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Er verkündet,
dass man mühelos
in andere Welten reisen
und augenblicklich zurückkehren könne,
selbst über gewaltige Entfernungen,
wobei stets
Gegenstände
aus jenen Welten
mitgebracht werden.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt beschreibt die letzte Ausfächerung der Konzeptions-Skandha:
Unsterblichkeit, Dauer und subtile Fortexistenz als Ersatz für Befreiung.

1. Der Kernirrtum: Dauer statt Freiheit

Hier wird
nicht mehr Erwachen gesucht,
sondern Fortbestand.

Langlebigkeit,
Unsterblichkeit,
feine Existenz –
das sind Verlängerungen von Samsara,
keine Befreiung.

2. Die alten Symbole der Unsterblichkeit

Qilin, Phönix, Schildkröte, Kranich,
Gold, Jade, Lingzhi –
alles klassische Symbole
für Dauer und Lebensverlängerung.

Der Text ist klar:
Das sind alte, mächtige, aber nicht erwachte Kräfte.

3. Verwerfung des „abschnittsweisen Lebens“

Das Sutra benennt präzise:
Wer das bedingte Entstehen ablehnt,
landet nicht im Ungewordenen,
sondern in subtiler Fixierung.

4. Reisen als Machtnachweis

Weltenreisen,
Augenblicksbewegung,
mitgebrachte Objekte –
all das dient
der Bestätigung von Dauer-Macht.

Nicht Einsicht,
sondern Beweis soll überzeugen.

5. Nähe zum Übergang zu 行陰

Hier wird sichtbar:
Konzeption ist nahezu erschöpft.

Was bleibt,
ist der Wille zu bleiben,
der Impuls zur Dauer –
und genau das
ist der Ansatzpunkt
der Gestaltungen-Skandha (行陰),
die in Rolle 10 entfaltet wird.

6. Quintessenz

Wo Befreiung
durch Dauer ersetzt wird,
wird Verblendung verlängert.
Unsterblichkeit
ist kein Erwachen.
中文原文
此名日月薄蝕精氣、金玉芝草、麟鳳龜鶴、經千萬年不死為靈,出生國土,年老成魔;惱亂是人。厭足心生,去彼人體;弟子與師,多陷王难。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
「又善男子受陰虛妙,不遭邪慮,圓定發明;三摩地中心愛長壽,辛苦研幾,貪求永歲,棄分段生,頓希變易細[1]相常住。爾時,天魔候得其便,飛精附人,口說經法。其人竟不覺知魔著,亦言自得無上涅槃。來彼求生善男子處,敷座說法。好言他方往還無滯,或經萬里瞬息再來,皆於彼方取得其物。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Dies bezeichnet man als:
Geister, die aus der feinen Essenz
von Sonne und Mond,
von Gold, Jade und Heilpflanzen,
oder aus mythischen Wesen
wie Qilin, Phönix, Schildkröte und Kranich hervorgehen;
sie überdauern viele hunderttausend Jahre,
sterben nicht,
erscheinen in den Ländern
und werden im Alter
zu Dämonen,
die Menschen verwirren.

Wenn schließlich
Sättigung eintritt,
verlassen sie den Körper;
doch sowohl Schüler
als auch Lehrer
geraten in staatliche Verfolgung.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.

Ānanda!
Weiterhin:
Wenn ein Übender
die Gefühls-Skandha
als leer und fein durchdrungen hat,
keine falschen Gedanken auftreten
und die Sammlung
klar zur Entfaltung kommt,
entsteht im Samādhi
eine starke Neigung
zu Langlebigkeit;
er forscht angestrengt
und sucht
dauerhafte Existenz.

Er verwirft
das gewöhnliche
abschnittsweise Geboren-Werden
und hofft plötzlich,
eine feine,
beständige Wandlungsform
dauerhaft zu bewahren.

In diesem Moment
nutzt ein Himmelsdämon
die Gelegenheit:
Er heftet
einen Geist an einen Menschen
und spricht
durch dessen Mund
buddhistische Lehren.

Der Betroffene
erkennt die Besessenheit nicht
und behauptet,
das höchste Nirvāṇa
erlangt zu haben.

Er sucht jene auf,
die nach Fortdauer verlangen,
richtet den Sitz her
und predigt das Dharma.

Er verkündet,
dass man mühelos
in andere Welten reisen
und augenblicklich zurückkehren könne,
selbst über gewaltige Entfernungen,
wobei stets
Gegenstände
aus jenen Welten
mitgebracht werden.“
Kommentar
Dieser Abschnitt beschreibt die letzte Ausfächerung der Konzeptions-Skandha:
Unsterblichkeit, Dauer und subtile Fortexistenz als Ersatz für Befreiung.

1. Der Kernirrtum: Dauer statt Freiheit

Hier wird
nicht mehr Erwachen gesucht,
sondern Fortbestand.

Langlebigkeit,
Unsterblichkeit,
feine Existenz –
das sind Verlängerungen von Samsara,
keine Befreiung.

2. Die alten Symbole der Unsterblichkeit

Qilin, Phönix, Schildkröte, Kranich,
Gold, Jade, Lingzhi –
alles klassische Symbole
für Dauer und Lebensverlängerung.

Der Text ist klar:
Das sind alte, mächtige, aber nicht erwachte Kräfte.

3. Verwerfung des „abschnittsweisen Lebens“

Das Sutra benennt präzise:
Wer das bedingte Entstehen ablehnt,
landet nicht im Ungewordenen,
sondern in subtiler Fixierung.

4. Reisen als Machtnachweis

Weltenreisen,
Augenblicksbewegung,
mitgebrachte Objekte –
all das dient
der Bestätigung von Dauer-Macht.

Nicht Einsicht,
sondern Beweis soll überzeugen.

5. Nähe zum Übergang zu 行陰

Hier wird sichtbar:
Konzeption ist nahezu erschöpft.

Was bleibt,
ist der Wille zu bleiben,
der Impuls zur Dauer –
und genau das
ist der Ansatzpunkt
der Gestaltungen-Skandha (行陰),
die in Rolle 10 entfaltet wird.

6. Quintessenz

Wo Befreiung
durch Dauer ersetzt wird,
wird Verblendung verlängert.
Unsterblichkeit
ist kein Erwachen.
376 #
或於一處在一宅中數步之間,令其從東詣至西壁,是人急行累年不到。因此心信,疑佛現前。口中常說十方眾生皆是吾子,我生諸佛,我出世界,我是元佛,出[A8]世自然不因修得。此名住世自在天魔,使其眷屬如遮文茶,及四天王毘舍童子未發心者,利其虛明,食彼精氣。或不因師,其修行人親自觀見,稱執金剛與汝長命。現美女身,盛行貪欲,未逾年歲,肝腦枯竭。口兼獨言,聽若[2]𩲓魅。前人未詳,多陷王难,未及遇刑,先已乾死。惱亂彼人,以至殂殞。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Der Buddha sprach:

„Es kann geschehen,
dass jemand
an einem einzigen Ort,
in einem Haus,
nur wenige Schritte zurücklegt
und doch
vom Osten zur Westwand
selbst nach Jahren
nicht gelangt.
Dadurch entsteht
tiefer Glaube
und die Überzeugung,
der Buddha
sei persönlich erschienen.

Man verkündet dann:
‚Alle Wesen
der zehn Richtungen
sind meine Kinder.
Ich bringe die Buddhas hervor,
ich lasse die Welten entstehen.
Ich bin der ursprüngliche Buddha;
mein Erscheinen in der Welt
geschieht aus mir selbst,
nicht durch Praxis.‘

Dies bezeichnet man als
einen Himmelsdämon,
der im Weltlichen verweilt
und freie Macht ausübt.
Er sammelt Gefolgsleute
unter Wesen
wie Zhewencha
und Dienern der Vier Himmelskönige,
die noch keinen Erwachensgeist
entwickelt haben,
nutzt ihre leere Klarheit
und verzehrt ihre Lebensessenz.

Oder auch:
ohne äußeren Lehrer
sieht der Übende selbst
eine Erscheinung,
die sich
als Vajrapāṇi ausgibt
und ihm
langes Leben verheißt.
Sie erscheint
in der Gestalt
einer schönen Frau
und entfaltet
starke sexuelle Begierde.
Noch vor Ablauf eines Jahres
sind die inneren Organe
ausgezehrt
und der Körper vertrocknet.

Er spricht
zugleich allein,
seine Stimme klingt
wie von Dämonen.
Die früheren Menschen
durchschauen dies nicht;
viele geraten
in staatliche Verfolgung.
Noch bevor
Strafe verhängt wird,
sind sie bereits
verstorben.

So wird
der Mensch
bis zum Tod
verwirrt und zerstört.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der Endpunkt der Konzeptions-Skandha und zugleich die schärfste Warnung des gesamten Zyklus.

1. Der ultimative Irrtum: Ich bin der Ursprung

Hier fällt jede Vermittlung:
• kein Lehrer
• kein Weg
• keine Praxis
• kein Werden

„Ich bin der ursprüngliche Buddha.“

Das ist nicht Erwachen,
sondern absolute Selbstsetzung.

2. Aufhebung von Raum, Zeit und Ursache

Dass wenige Schritte
über Jahre nicht bewältigt werden,
zeigt:
Wahrnehmung wird
nicht geklärt,
sondern magisch umgedeutet.

Phänomen ersetzt Einsicht.

3. Kosmische Elternschaft

„Alle Wesen sind meine Kinder“
ist keine Metapher mehr,
sondern Herrschaftsanspruch:
Andere werden
ontologisch untergeordnet.

4. Der Dämon der Autonomie

Der „frei waltende Himmelsdämon“
steht für:
• absolute Selbstermächtigung
• Verwerfung jeder Grenze
• Ausbeutung anderer

Leere wird
zur Ressource.

5. Sexualisierte Macht als Todespfad

Die Erscheinung
als schöne Frau
zeigt:
Begierde wird
nicht überwunden,
sondern verfeinert.

Das Resultat ist
nicht Befreiung,
sondern Zerstörung des Körpers.

6. Warum dies das Ende der 想陰 ist

Hier sind alle Konzepte
endgültig kollabiert:
• Lehre
• Ethik
• Praxis
• Gemeinschaft
• Wirklichkeit

Darum endet dieser Skandha
nicht mit „Irrtum“,
sondern mit Vernichtung.

7. Schlussformel

Wo jemand sagt:
„Ich bin der Ursprung“,
ist der Ursprung verloren.
Wo keine Übung mehr nötig scheint,
ist Verblendung vollständig.
中文原文
或於一處在一宅中數步之間,令其從東詣至西壁,是人急行累年不到。因此心信,疑佛現前。口中常說十方眾生皆是吾子,我生諸佛,我出世界,我是元佛,出[A8]世自然不因修得。此名住世自在天魔,使其眷屬如遮文茶,及四天王毘舍童子未發心者,利其虛明,食彼精氣。或不因師,其修行人親自觀見,稱執金剛與汝長命。現美女身,盛行貪欲,未逾年歲,肝腦枯竭。口兼獨言,聽若[2]𩲓魅。前人未詳,多陷王难,未及遇刑,先已乾死。惱亂彼人,以至殂殞。汝當先覺,不入輪迴;迷惑不知,墮無間獄。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Es kann geschehen,
dass jemand
an einem einzigen Ort,
in einem Haus,
nur wenige Schritte zurücklegt
und doch
vom Osten zur Westwand
selbst nach Jahren
nicht gelangt.
Dadurch entsteht
tiefer Glaube
und die Überzeugung,
der Buddha
sei persönlich erschienen.

Man verkündet dann:
‚Alle Wesen
der zehn Richtungen
sind meine Kinder.
Ich bringe die Buddhas hervor,
ich lasse die Welten entstehen.
Ich bin der ursprüngliche Buddha;
mein Erscheinen in der Welt
geschieht aus mir selbst,
nicht durch Praxis.‘

Dies bezeichnet man als
einen Himmelsdämon,
der im Weltlichen verweilt
und freie Macht ausübt.
Er sammelt Gefolgsleute
unter Wesen
wie Zhewencha
und Dienern der Vier Himmelskönige,
die noch keinen Erwachensgeist
entwickelt haben,
nutzt ihre leere Klarheit
und verzehrt ihre Lebensessenz.

Oder auch:
ohne äußeren Lehrer
sieht der Übende selbst
eine Erscheinung,
die sich
als Vajrapāṇi ausgibt
und ihm
langes Leben verheißt.
Sie erscheint
in der Gestalt
einer schönen Frau
und entfaltet
starke sexuelle Begierde.
Noch vor Ablauf eines Jahres
sind die inneren Organe
ausgezehrt
und der Körper vertrocknet.

Er spricht
zugleich allein,
seine Stimme klingt
wie von Dämonen.
Die früheren Menschen
durchschauen dies nicht;
viele geraten
in staatliche Verfolgung.
Noch bevor
Strafe verhängt wird,
sind sie bereits
verstorben.

So wird
der Mensch
bis zum Tod
verwirrt und zerstört.

Darum sollst du
zuerst erwachen
und nicht in den Kreislauf fallen;
wer verblendet bleibt
und es nicht erkennt,
stürzt
in die Hölle ohne Unterbrechung.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der Endpunkt der Konzeptions-Skandha und zugleich die schärfste Warnung des gesamten Zyklus.

1. Der ultimative Irrtum: Ich bin der Ursprung

Hier fällt jede Vermittlung:
• kein Lehrer
• kein Weg
• keine Praxis
• kein Werden

„Ich bin der ursprüngliche Buddha.“

Das ist nicht Erwachen,
sondern absolute Selbstsetzung.

2. Aufhebung von Raum, Zeit und Ursache

Dass wenige Schritte
über Jahre nicht bewältigt werden,
zeigt:
Wahrnehmung wird
nicht geklärt,
sondern magisch umgedeutet.

Phänomen ersetzt Einsicht.

3. Kosmische Elternschaft

„Alle Wesen sind meine Kinder“
ist keine Metapher mehr,
sondern Herrschaftsanspruch:
Andere werden
ontologisch untergeordnet.

4. Der Dämon der Autonomie

Der „frei waltende Himmelsdämon“
steht für:
• absolute Selbstermächtigung
• Verwerfung jeder Grenze
• Ausbeutung anderer

Leere wird
zur Ressource.

5. Sexualisierte Macht als Todespfad

Die Erscheinung
als schöne Frau
zeigt:
Begierde wird
nicht überwunden,
sondern verfeinert.

Das Resultat ist
nicht Befreiung,
sondern Zerstörung des Körpers.

6. Warum dies das Ende der 想陰 ist

Hier sind alle Konzepte
endgültig kollabiert:
• Lehre
• Ethik
• Praxis
• Gemeinschaft
• Wirklichkeit

Darum endet dieser Skandha
nicht mit „Irrtum“,
sondern mit Vernichtung.

7. Schlussformel

Wo jemand sagt:
„Ich bin der Ursprung“,
ist der Ursprung verloren.
Wo keine Übung mehr nötig scheint,
ist Verblendung vollständig.
377 #
「阿難當知,是十種魔於末世時在我法中出家修道,或附人體,或自現形,皆言已成正遍知覺;讚歎婬欲,破佛律儀。先惡魔師與魔弟子,婬婬相傳。如是邪精,魅其心[*]腑,近則九生,多踰百世,令真修行總為魔眷。命終之後[3]必為魔民,失正遍知,墮無間獄。汝今未須先取寂滅,縱得無學,留願入彼末法之中,起大慈悲,救度正心深信眾生;令不著魔,得正知見。我今度汝已出生死,汝遵佛語,名報佛恩。
Der Buddha sprach:

„Ānanda, du sollst erkennen:
Diese zehn Arten dämonischer Verirrung
werden im Zeitalter des Niedergangs
innerhalb meiner Lehre
als Ordensangehörige auftreten
und den Weg vorgeben;
manche durch Besessenheit,
manche durch eigene Erscheinung.
Alle verkünden,
das vollkommene Erwachen
bereits erlangt zu haben.

Sie verherrlichen Begierde
und zerstören die Disziplin des Buddha.
Frühere Dämonenlehrer
und ihre dämonischen Schüler
reichen Unzucht
ständig weiter.

Solche verderbten Einflüsse
vernebeln das innere Zentrum des Geistes;
über viele Leben hinweg,
manchmal über hundert Existenzen,
machen sie selbst ernsthaft Übende
zu ihrer dämonischen Gefolgschaft.

Nach dem Tod
werden sie sicher
zu Dämonenwesen,
verlieren jede rechte Erkenntnis
und stürzen
in die Avīci-Hölle.

Du sollst jetzt
nicht eilig
das endgültige Erlöschen suchen.
Selbst wenn du
die höchste Stufe
ohne weiteres Lernen erreichst,
verweile kraft deines Gelübdes
im Zeitalter des Niedergangs,
entfalte großes Mitgefühl
und rette jene Wesen,
die aufrichtig und tief glauben,
damit sie
nicht von Dämonen gebunden werden,
sondern rechte Sicht gewinnen.

Ich habe dich nun
aus Geburt und Tod befreit.
Wenn du den Worten des Buddha folgst,
ist dies
wahre Dankbarkeit
gegenüber dem Buddha.“
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist der ethische und spirituelle Schlusspunkt von Rolle 9.

1. Die zentrale Diagnose des Endzeitalters

Der Buddha sagt nicht:

„Dämonen greifen von außen an.“

Sondern:

Sie erscheinen innerhalb der Lehre.

• als Mönche
• als Lehrer
• als „Erwachte“

Das ist die radikalste Aussage des Textes.

2. Das eindeutige Erkennungsmerkmal

Über alle 30 Verirrungen hinweg
bleibt ein Zeichen konstant:

Begierde wird gerechtfertigt
und Disziplin wird zerstört.

Nicht Theorie,
nicht Philosophie,
nicht Meditationstiefe
ist das Kriterium –
sondern ethische Integrität.

3. Langzeitwirkung von Verirrung

Besonders eindringlich ist:

„neun Leben, hundert Leben“

Verirrung ist systemisch.
Sie verformt nicht nur ein Leben,
sondern ganze Linien von Praxis.

4. Die große Umkehr: Nicht Rückzug, sondern Bleiben

Ānanda wird nicht aufgefordert,
sich ins Nirvāṇa zurückzuziehen.

Im Gegenteil:
• nicht zuerst Erlöschen suchen
• bleiben im Endzeitalter
• Gelübde halten
• großes Mitgefühl entfalten

Das ist klar bodhisattvisch.

5. „Dem Buddha Dank erweisen“

Dankbarkeit ist hier
keine Emotion,
sondern Verantwortung:

Die Lehre bewahren
– gerade dort,
wo sie missbraucht wird.

6. Quintessenz

Im Endzeitalter
ist Erwachen nicht spektakulär,
sondern klar.
Nicht machtvoll,
sondern integer.
Nicht flüchtend,
sondern bleibend.
中文原文
「阿難當知,是十種魔於末世時在我法中出家修道,或附人體,或自現形,皆言已成正遍知覺;讚歎婬欲,破佛律儀。先惡魔師與魔弟子,婬婬相傳。如是邪精,魅其心[*]腑,近則九生,多踰百世,令真修行總為魔眷。命終之後[3]必為魔民,失正遍知,墮無間獄。汝今未須先取寂滅,縱得無學,留願入彼末法之中,起大慈悲,救度正心深信眾生;令不著魔,得正知見。我今度汝已出生死,汝遵佛語,名報佛恩。
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda, du sollst erkennen:
Diese zehn Arten dämonischer Verirrung
werden im Zeitalter des Niedergangs
innerhalb meiner Lehre
als Ordensangehörige auftreten
und den Weg vorgeben;
manche durch Besessenheit,
manche durch eigene Erscheinung.
Alle verkünden,
das vollkommene Erwachen
bereits erlangt zu haben.

Sie verherrlichen Begierde
und zerstören die Disziplin des Buddha.
Frühere Dämonenlehrer
und ihre dämonischen Schüler
reichen Unzucht
ständig weiter.

Solche verderbten Einflüsse
vernebeln das innere Zentrum des Geistes;
über viele Leben hinweg,
manchmal über hundert Existenzen,
machen sie selbst ernsthaft Übende
zu ihrer dämonischen Gefolgschaft.

Nach dem Tod
werden sie sicher
zu Dämonenwesen,
verlieren jede rechte Erkenntnis
und stürzen
in die Avīci-Hölle.

Du sollst jetzt
nicht eilig
das endgültige Erlöschen suchen.
Selbst wenn du
die höchste Stufe
ohne weiteres Lernen erreichst,
verweile kraft deines Gelübdes
im Zeitalter des Niedergangs,
entfalte großes Mitgefühl
und rette jene Wesen,
die aufrichtig und tief glauben,
damit sie
nicht von Dämonen gebunden werden,
sondern rechte Sicht gewinnen.

Ich habe dich nun
aus Geburt und Tod befreit.
Wenn du den Worten des Buddha folgst,
ist dies
wahre Dankbarkeit
gegenüber dem Buddha.“
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der ethische und spirituelle Schlusspunkt von Rolle 9.

1. Die zentrale Diagnose des Endzeitalters

Der Buddha sagt nicht:

„Dämonen greifen von außen an.“

Sondern:

Sie erscheinen innerhalb der Lehre.

• als Mönche
• als Lehrer
• als „Erwachte“

Das ist die radikalste Aussage des Textes.

2. Das eindeutige Erkennungsmerkmal

Über alle 30 Verirrungen hinweg
bleibt ein Zeichen konstant:

Begierde wird gerechtfertigt
und Disziplin wird zerstört.

Nicht Theorie,
nicht Philosophie,
nicht Meditationstiefe
ist das Kriterium –
sondern ethische Integrität.

3. Langzeitwirkung von Verirrung

Besonders eindringlich ist:

„neun Leben, hundert Leben“

Verirrung ist systemisch.
Sie verformt nicht nur ein Leben,
sondern ganze Linien von Praxis.

4. Die große Umkehr: Nicht Rückzug, sondern Bleiben

Ānanda wird nicht aufgefordert,
sich ins Nirvāṇa zurückzuziehen.

Im Gegenteil:
• nicht zuerst Erlöschen suchen
• bleiben im Endzeitalter
• Gelübde halten
• großes Mitgefühl entfalten

Das ist klar bodhisattvisch.

5. „Dem Buddha Dank erweisen“

Dankbarkeit ist hier
keine Emotion,
sondern Verantwortung:

Die Lehre bewahren
– gerade dort,
wo sie missbraucht wird.

6. Quintessenz

Im Endzeitalter
ist Erwachen nicht spektakulär,
sondern klar.
Nicht machtvoll,
sondern integer.
Nicht flüchtend,
sondern bleibend.
378 #
「阿難!如是十種禪那現境,皆是想陰用心交互,故現斯事。眾生頑迷,不自忖量,逢此因緣、迷不自識,謂言登聖,大妄語成,墮無間獄。汝等必須將如來語,於我滅後傳示末法,遍令眾生開悟斯義。無令天魔得其方便,保持覆護,成無上道。
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第九
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Diese zehn meditativen Erscheinungen
sind sämtlich
Ergebnisse der Wechselwirkung
zwischen der Konzeptions-Skandha
und der auf sie gerichteten
geistigen Aktivität.
Deshalb treten
all diese Verirrungen auf.

Lebewesen
sind in ihrer Verblendung
nicht fähig,
sich selbst zu prüfen.
Wenn sie solchen Erfahrungen begegnen,
erkennen sie deren Natur nicht
und halten sich selbst
für erwacht.
So entsteht
die große Selbsttäuschung,
und sie geraten
in einen Zustand
ohne Unterbrechung.

Ihr müsst daher
die Worte des Buddha
nach meinem Erlöschen
im Zeitalter des späten Dharma
weitergeben,
damit alle Wesen
diese Bedeutung erkennen.
Lasst nicht zu,
dass dämonische Kräfte
sie ausnutzen;
bewahrt und schützt,
auf dass der
höchste Weg
verwirklicht werde.“

Ende der neunten Rolle
des Śūraṅgama-Sutras.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist die endgültige Versiegelung der Konzeptions-Skandha (想陰) und zugleich die Schlussklammer der gesamten Rolle 9.

1. Klare Benennung des Skandhas

Zum ersten und einzigen Mal
in expliziter Abschlussform
sagt der Text:

„皆是想陰用心交互“
„Allesamt sind es Wirkungen der Konzeptions-Skandha.“

Damit wird rückwirkend alles,
was zuvor entfaltet wurde,
eindeutig zugeordnet:
Nicht Gefühl,
nicht Wahrnehmung,
sondern Bedeutungsbildung ist der Träger der Verirrung.

2. Die „große falsche Rede“

Die „große Lüge“ ist nicht,
andere zu täuschen,
sondern:

sich selbst für erwacht zu halten,
weil Bedeutung überzeugt.

Das ist der Kern der 想陰-Verirrung.

3. Verantwortung für das Endzeitalter

Wie bei den vorherigen Skandhas
richtet sich der Blick
explizit nach vorn:
• nach dem Buddha
• im Endzeitalter
• innerhalb der Lehre

Die Gefahr kommt nicht von außen,
sondern aus falscher Gewissheit.

4. Schutz statt Bekämpfung

Der Buddha fordert nicht:
• Widerlegung
• Macht
• Abgrenzung

Sondern:
• Weitergabe
• Klärung
• Bewahrung

Der Schutz der Praxis
geschieht durch Durchschauen.

5. Dramaturgischer Abschluss von Rolle 9

Mit Rolle 9 sind vollständig entfaltet:
• die Weltbereiche
• die Meditationsverirrungen
• die drei Skandhas:
• Form (色)
• Gefühl (受)
• Konzeption (想)

Was bleibt,
sind nicht mehr Inhalte,
sondern Impuls, Wille, Bewegung.

Genau dort setzt
Rolle 10 an –
bei der Gestaltungen-Skandha (行陰).

6. Schlusssatz

Wo Bedeutung überzeugt,
ist Durchschauung nötig.
Wo Gewissheit verführt,
ist Achtsamkeit Pflicht.
Wo Verirrung subtil wird,
beginnt Verantwortung.
中文原文
「阿難!如是十種禪那現境,皆是想陰用心交互,故現斯事。眾生頑迷,不自忖量,逢此因緣、迷不自識,謂言登聖,大妄語成,墮無間獄。汝等必須將如來語,於我滅後傳示末法,遍令眾生開悟斯義。無令天魔得其方便,保持覆護,成無上道。
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第九
Deutsch
Der Buddha sprach:

„Ānanda!
Diese zehn meditativen Erscheinungen
sind sämtlich
Ergebnisse der Wechselwirkung
zwischen der Konzeptions-Skandha
und der auf sie gerichteten
geistigen Aktivität.
Deshalb treten
all diese Verirrungen auf.

Lebewesen
sind in ihrer Verblendung
nicht fähig,
sich selbst zu prüfen.
Wenn sie solchen Erfahrungen begegnen,
erkennen sie deren Natur nicht
und halten sich selbst
für erwacht.
So entsteht
die große Selbsttäuschung,
und sie geraten
in einen Zustand
ohne Unterbrechung.

Ihr müsst daher
die Worte des Buddha
nach meinem Erlöschen
im Zeitalter des späten Dharma
weitergeben,
damit alle Wesen
diese Bedeutung erkennen.
Lasst nicht zu,
dass dämonische Kräfte
sie ausnutzen;
bewahrt und schützt,
auf dass der
höchste Weg
verwirklicht werde.“

Ende der neunten Rolle
des Śūraṅgama-Sutras.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist die endgültige Versiegelung der Konzeptions-Skandha (想陰) und zugleich die Schlussklammer der gesamten Rolle 9.

1. Klare Benennung des Skandhas

Zum ersten und einzigen Mal
in expliziter Abschlussform
sagt der Text:

„皆是想陰用心交互“
„Allesamt sind es Wirkungen der Konzeptions-Skandha.“

Damit wird rückwirkend alles,
was zuvor entfaltet wurde,
eindeutig zugeordnet:
Nicht Gefühl,
nicht Wahrnehmung,
sondern Bedeutungsbildung ist der Träger der Verirrung.

2. Die „große falsche Rede“

Die „große Lüge“ ist nicht,
andere zu täuschen,
sondern:

sich selbst für erwacht zu halten,
weil Bedeutung überzeugt.

Das ist der Kern der 想陰-Verirrung.

3. Verantwortung für das Endzeitalter

Wie bei den vorherigen Skandhas
richtet sich der Blick
explizit nach vorn:
• nach dem Buddha
• im Endzeitalter
• innerhalb der Lehre

Die Gefahr kommt nicht von außen,
sondern aus falscher Gewissheit.

4. Schutz statt Bekämpfung

Der Buddha fordert nicht:
• Widerlegung
• Macht
• Abgrenzung

Sondern:
• Weitergabe
• Klärung
• Bewahrung

Der Schutz der Praxis
geschieht durch Durchschauen.

5. Dramaturgischer Abschluss von Rolle 9

Mit Rolle 9 sind vollständig entfaltet:
• die Weltbereiche
• die Meditationsverirrungen
• die drei Skandhas:
• Form (色)
• Gefühl (受)
• Konzeption (想)

Was bleibt,
sind nicht mehr Inhalte,
sondern Impuls, Wille, Bewegung.

Genau dort setzt
Rolle 10 an –
bei der Gestaltungen-Skandha (行陰).

6. Schlusssatz

Wo Bedeutung überzeugt,
ist Durchschauung nötig.
Wo Gewissheit verführt,
ist Achtsamkeit Pflicht.
Wo Verirrung subtil wird,
beginnt Verantwortung.
379 #
大佛頂如來密因修證了義諸菩薩萬行首楞嚴經卷第十[*](一名中印度那蘭陀大道場經,於灌頂部錄出別行)
[4]大唐神龍元年龍集乙巳五月己卯朔二十三日辛丑中天竺沙門般剌蜜帝於廣州制止道場譯出
[5]菩薩戒弟子前[6]正諫大夫同中書門下平章事清河房融筆[7]授
[8]烏長國沙門彌伽釋迦譯語
Śūraṅgama-Sūtra vom Großen Buddha-Gipfel
über den geheimen Grund des Tathāgata,
über Praxis und Verwirklichung
in endgültiger Bedeutung,
über die zehntausend Handlungen der Bodhisattvas.

Rolle Zehn.

(Alternativtitel:
Sūtra vom Großen Übungsfeld Nālandā
in Mittelindien;
aus dem Abschnitt der Abhiṣeka-Übertragung
ausgewählt und gesondert verbreitet.)

Im ersten Jahr der Shenlong-Ära
der Großen Tang-Dynastie
(705 n. Chr.),
am 23. Tag des fünften Monats,
übersetzte
der Śramaṇa Pāramiti
aus Mittelindien
im Zhizhi-Übungsfeld
in Guangzhou dieses Werk.

Der Bodhisattva-Gelübde-Träger
Fang Rong aus Qinghe,
ehemaliger Großremonstrationsrat
und Kanzler im Staatssekretariat,
übernahm die schriftliche Redaktion.

Der Śramaṇa Meghaśikhā
aus dem Land Uḍḍiyāna
übertrug die Sprache (Dolmetscher).
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist formal –
und doch nicht nebensächlich.

Er markiert drei Dinge:

1. Das Selbstverständnis des Sutras

Der Titel ist programmatisch:
• „Geheimer Grund des Tathāgata“
• „Praxis und Verwirklichung in endgültiger Bedeutung“
• „Zehntausend Handlungen der Bodhisattvas“

Das Werk beansprucht nicht bloß Lehre,
sondern Offenlegung des ursprünglichen Grundes.

Hier begegnet uns implizit das,
was wir terminologisch als „ursprünglicher Grund“ fassen:

Nicht ein persönlicher Geist,
nicht ein individuelles Herz,
sondern das nicht-erzeugte (本然) Fundament.

2. Nālandā und die Übertragung

Der Alternativtitel verweist auf Nālandā,
das große Gelehrtenzentrum des indischen Buddhismus.

Das ist bemerkenswert,
denn das Śūraṅgama-Sūtra ist textgeschichtlich umstritten.

Der Text selbst verortet sich in:
• einer initiatischen Linie (Abhiṣeka-Abschnitt)
• einer bewussten Auswahl und Sonderüberlieferung
• einer autorisierten Übersetzung im Tang-China

Das zeigt:
Dieses Sutra versteht sich als esoterisch fundiert,
nicht als populäre Predigt.

3. Mehrstufige Autorschaft

Drei Ebenen wirken zusammen:
• der indische Mönch als Übersetzer
• ein chinesischer Staatsbeamter als Redaktor
• ein weiterer Mönch als Sprachmittler

Hier wird sichtbar:
Ein Sutra ist kein isolierter Text,
sondern Ergebnis kultureller Durchlässigkeit.

Indien → Zentralasien → China
Monastische Praxis → Hofverwaltung → Schriftkultur

Moderne Parallele:

Auch heute entstehen Texte selten „rein“.
Sie sind Übersetzung, Redaktion, Interpretation.

Die Frage nach Authentizität ist sekundär.
Entscheidend ist:

Wirkt der Text auf den ursprünglichen Grund zurück?

Rolle 10 beginnt nicht mit Inhalt,
sondern mit Verortung.

Das ist nicht historischer Schmuck,
sondern stille Erinnerung:

Lehre geschieht immer in Zeit,
doch sie verweist auf das Nicht-Erzeugte.
中文原文
大佛頂如來密因修證了義諸菩薩萬行首楞嚴經卷第十[*](一名中印度那蘭陀大道場經,於灌頂部錄出別行)
[4]大唐神龍元年龍集乙巳五月己卯朔二十三日辛丑中天竺沙門般剌蜜帝於廣州制止道場譯出
[5]菩薩戒弟子前[6]正諫大夫同中書門下平章事清河房融筆[7]授
[8]烏長國沙門彌伽釋迦譯語
Deutsch
Śūraṅgama-Sūtra vom Großen Buddha-Gipfel
über den geheimen Grund des Tathāgata,
über Praxis und Verwirklichung
in endgültiger Bedeutung,
über die zehntausend Handlungen der Bodhisattvas.

Rolle Zehn.

(Alternativtitel:
Sūtra vom Großen Übungsfeld Nālandā
in Mittelindien;
aus dem Abschnitt der Abhiṣeka-Übertragung
ausgewählt und gesondert verbreitet.)

Im ersten Jahr der Shenlong-Ära
der Großen Tang-Dynastie
(705 n. Chr.),
am 23. Tag des fünften Monats,
übersetzte
der Śramaṇa Pāramiti
aus Mittelindien
im Zhizhi-Übungsfeld
in Guangzhou dieses Werk.

Der Bodhisattva-Gelübde-Träger
Fang Rong aus Qinghe,
ehemaliger Großremonstrationsrat
und Kanzler im Staatssekretariat,
übernahm die schriftliche Redaktion.

Der Śramaṇa Meghaśikhā
aus dem Land Uḍḍiyāna
übertrug die Sprache (Dolmetscher).
Kommentar
Dieser Abschnitt ist formal –
und doch nicht nebensächlich.

Er markiert drei Dinge:

1. Das Selbstverständnis des Sutras

Der Titel ist programmatisch:
• „Geheimer Grund des Tathāgata“
• „Praxis und Verwirklichung in endgültiger Bedeutung“
• „Zehntausend Handlungen der Bodhisattvas“

Das Werk beansprucht nicht bloß Lehre,
sondern Offenlegung des ursprünglichen Grundes.

Hier begegnet uns implizit das,
was wir terminologisch als „ursprünglicher Grund“ fassen:

Nicht ein persönlicher Geist,
nicht ein individuelles Herz,
sondern das nicht-erzeugte (本然) Fundament.

2. Nālandā und die Übertragung

Der Alternativtitel verweist auf Nālandā,
das große Gelehrtenzentrum des indischen Buddhismus.

Das ist bemerkenswert,
denn das Śūraṅgama-Sūtra ist textgeschichtlich umstritten.

Der Text selbst verortet sich in:
• einer initiatischen Linie (Abhiṣeka-Abschnitt)
• einer bewussten Auswahl und Sonderüberlieferung
• einer autorisierten Übersetzung im Tang-China

Das zeigt:
Dieses Sutra versteht sich als esoterisch fundiert,
nicht als populäre Predigt.

3. Mehrstufige Autorschaft

Drei Ebenen wirken zusammen:
• der indische Mönch als Übersetzer
• ein chinesischer Staatsbeamter als Redaktor
• ein weiterer Mönch als Sprachmittler

Hier wird sichtbar:
Ein Sutra ist kein isolierter Text,
sondern Ergebnis kultureller Durchlässigkeit.

Indien → Zentralasien → China
Monastische Praxis → Hofverwaltung → Schriftkultur

Moderne Parallele:

Auch heute entstehen Texte selten „rein“.
Sie sind Übersetzung, Redaktion, Interpretation.

Die Frage nach Authentizität ist sekundär.
Entscheidend ist:

Wirkt der Text auf den ursprünglichen Grund zurück?

Rolle 10 beginnt nicht mit Inhalt,
sondern mit Verortung.

Das ist nicht historischer Schmuck,
sondern stille Erinnerung:

Lehre geschieht immer in Zeit,
doch sie verweist auf das Nicht-Erzeugte.
380 #
「阿難!彼善男子修三摩[9]提想陰盡者,是人平常夢想銷滅,寤寐恒一。覺明虛靜猶如晴空,無復麁重前塵影事,觀諸世間大地[10]山河,如鏡鑑明,來無所粘,過無蹤跡。虛受照應,了[11]罔陳習,唯一精真;生滅根元,從此披露。見諸十方十二眾生,畢殫其類。雖未通其各命由緒,見同生基,猶如野馬熠熠清擾,為浮根塵究竟樞穴;此則名為行陰區宇。若此清擾熠熠元性,性入元澄,一澄元習,如波瀾滅化為澄水,名行陰盡,是人則能超眾生濁。觀其所由,幽隱妄想以為其本。
Ānanda,

wenn ein Übender im Samādhi
das Ende der Vorstellungs-Skandha (saṃjñā-skandha) erreicht,

so sind bei ihm
im gewöhnlichen Zustand
Traum und gedankliche Imagination erloschen;
Wachen und Schlafen sind durchgehend eins.

Das Erwachensleuchten ist leer und still,
wie ein wolkenloser Himmel.
Es erscheinen keine groben
und schweren Sinneseindrücke mehr.

Er betrachtet die Welt
mit Erde, Bergen und Flüssen
wie einen klaren Spiegel:
Kommendes haftet nicht,
Vergangenes hinterlässt keine Spur.

In leerer Offenheit
antwortet er dem, was erscheint;
frühere Gewohnheitsprägungen sind weitgehend geklärt;
allein das eine feine, wahre Kontinuum bleibt.

Die Wurzelquelle von Entstehen und Vergehen
tritt nun offen zutage.

Er sieht die zwölf Klassen von Lebewesen
in den zehn Richtungen vollständig.

Zwar erkennt er noch nicht
die individuellen karmischen Lebensverläufe,
doch er sieht die gemeinsame Entstehungsgrundlage:

ein flirrendes, vibrierendes Bewegen,
wie eine Luftspiegelung am Horizont,
die letzte Schaltstelle
zwischen Sinnesorganen und Sinnesobjekten.

Dies bezeichnet man als
den Bereich des saṃskāra-skandha (行陰).

Wenn diese ursprünglich flimmernde Natur
in ursprüngliche Klärung eintritt,
und die grundlegenden Gewohnheitsimpulse sich beruhigen –
wie Wellen, die sich in stilles Wasser auflösen –

so nennt man dies
das Ende des saṃskāra-skandha.

Ein solcher Mensch
übersteigt die Trübung der Lebewesen (sattva-kleśa).

Betrachtet man seine Ursache,
so liegt sie in verborgenen, subtilen Fehlvorstellungen.“
Kommentar öffnen
Wir befinden uns nun im Bereich des 行陰 – der Dynamik-Schicht,
oft als „Gestaltungs- oder Formationsskandha“ übersetzt.

Nach:
• Körperlichkeit (色)
• Empfindung (受)
• Vorstellung (想)

bleibt hier das Bewegungsmoment selbst.

1. Wachen und Schlafen sind eins

Das ist kein mystischer Zustand,
sondern das Ende der unbewussten Imagination.

Moderne Parallele:

Normalerweise läuft auch im Schlaf
mentale Simulation weiter.
Hier ist das Grundrauschen reduziert.

Doch:
Etwas bewegt sich noch.

2. Das „Flimmern“ als strukturelle Dynamik

Das Sutra beschreibt es als:
• 熠熠清擾 – klar flimmernd, beweglich
• wie eine Luftspiegelung (野馬)

Das ist eine brillante Metapher.

Es ist keine feste Substanz,
kein Gedanke,
kein Bild –

sondern das Vibrieren des Entstehens selbst.

In moderner Sprache:

Nicht Inhalt,
sondern Prozess.

Nicht Objekt,
sondern die Dynamik der Objektbildung.

3. Die letzte Drehachse

„究竟樞穴“ – die letzte Schaltstelle.

Das deutet auf etwas äußerst Subtiles:

Hier entstehen Impuls, Intention, karmische Bewegung,
noch bevor sie als bewusster Gedanke erscheinen.

In psychologischer Sprache:

präreflexive Impulsstruktur.

4. Warum ist das noch nicht Befreiung?

Weil Bewegung noch nicht völlig transparent ist.

Solange ein Flimmern bleibt,
besteht noch Restbewegung von Gewohnheit (習).

Erst wenn:

Wellen → klares Wasser

wird die Dynamik selbst durchsichtig.

5. Die Ursache: subtile Fehlvorstellung

Der Text nennt:

幽隱妄想 – verborgene, dunkle Fehlvorstellungen.

Nicht grobe Verblendung,
nicht Begierde,
nicht Hass –

sondern die kaum wahrnehmbare Annahme von Eigenbewegung.

Hier nähert sich das Sutra dem Kern:

Täuschung ist nicht grob.
Sie ist strukturell.

Rolle 10 beginnt damit,
die letzten mikroskopischen Restbewegungen
freizulegen.
中文原文
「阿難!彼善男子修三摩[9]提想陰盡者,是人平常夢想銷滅,寤寐恒一。覺明虛靜猶如晴空,無復麁重前塵影事,觀諸世間大地[10]山河,如鏡鑑明,來無所粘,過無蹤跡。虛受照應,了[11]罔陳習,唯一精真;生滅根元,從此披露。見諸十方十二眾生,畢殫其類。雖未通其各命由緒,見同生基,猶如野馬熠熠清擾,為浮根塵究竟樞穴;此則名為行陰區宇。若此清擾熠熠元性,性入元澄,一澄元習,如波瀾滅化為澄水,名行陰盡,是人則能超眾生濁。觀其所由,幽隱妄想以為其本。
Deutsch
Ānanda,

wenn ein Übender im Samādhi
das Ende der Vorstellungs-Skandha (saṃjñā-skandha) erreicht,

so sind bei ihm
im gewöhnlichen Zustand
Traum und gedankliche Imagination erloschen;
Wachen und Schlafen sind durchgehend eins.

Das Erwachensleuchten ist leer und still,
wie ein wolkenloser Himmel.
Es erscheinen keine groben
und schweren Sinneseindrücke mehr.

Er betrachtet die Welt
mit Erde, Bergen und Flüssen
wie einen klaren Spiegel:
Kommendes haftet nicht,
Vergangenes hinterlässt keine Spur.

In leerer Offenheit
antwortet er dem, was erscheint;
frühere Gewohnheitsprägungen sind weitgehend geklärt;
allein das eine feine, wahre Kontinuum bleibt.

Die Wurzelquelle von Entstehen und Vergehen
tritt nun offen zutage.

Er sieht die zwölf Klassen von Lebewesen
in den zehn Richtungen vollständig.

Zwar erkennt er noch nicht
die individuellen karmischen Lebensverläufe,
doch er sieht die gemeinsame Entstehungsgrundlage:

ein flirrendes, vibrierendes Bewegen,
wie eine Luftspiegelung am Horizont,
die letzte Schaltstelle
zwischen Sinnesorganen und Sinnesobjekten.

Dies bezeichnet man als
den Bereich des saṃskāra-skandha (行陰).

Wenn diese ursprünglich flimmernde Natur
in ursprüngliche Klärung eintritt,
und die grundlegenden Gewohnheitsimpulse sich beruhigen –
wie Wellen, die sich in stilles Wasser auflösen –

so nennt man dies
das Ende des saṃskāra-skandha.

Ein solcher Mensch
übersteigt die Trübung der Lebewesen (sattva-kleśa).

Betrachtet man seine Ursache,
so liegt sie in verborgenen, subtilen Fehlvorstellungen.“
Kommentar
Wir befinden uns nun im Bereich des 行陰 – der Dynamik-Schicht,
oft als „Gestaltungs- oder Formationsskandha“ übersetzt.

Nach:
• Körperlichkeit (色)
• Empfindung (受)
• Vorstellung (想)

bleibt hier das Bewegungsmoment selbst.

1. Wachen und Schlafen sind eins

Das ist kein mystischer Zustand,
sondern das Ende der unbewussten Imagination.

Moderne Parallele:

Normalerweise läuft auch im Schlaf
mentale Simulation weiter.
Hier ist das Grundrauschen reduziert.

Doch:
Etwas bewegt sich noch.

2. Das „Flimmern“ als strukturelle Dynamik

Das Sutra beschreibt es als:
• 熠熠清擾 – klar flimmernd, beweglich
• wie eine Luftspiegelung (野馬)

Das ist eine brillante Metapher.

Es ist keine feste Substanz,
kein Gedanke,
kein Bild –

sondern das Vibrieren des Entstehens selbst.

In moderner Sprache:

Nicht Inhalt,
sondern Prozess.

Nicht Objekt,
sondern die Dynamik der Objektbildung.

3. Die letzte Drehachse

„究竟樞穴“ – die letzte Schaltstelle.

Das deutet auf etwas äußerst Subtiles:

Hier entstehen Impuls, Intention, karmische Bewegung,
noch bevor sie als bewusster Gedanke erscheinen.

In psychologischer Sprache:

präreflexive Impulsstruktur.

4. Warum ist das noch nicht Befreiung?

Weil Bewegung noch nicht völlig transparent ist.

Solange ein Flimmern bleibt,
besteht noch Restbewegung von Gewohnheit (習).

Erst wenn:

Wellen → klares Wasser

wird die Dynamik selbst durchsichtig.

5. Die Ursache: subtile Fehlvorstellung

Der Text nennt:

幽隱妄想 – verborgene, dunkle Fehlvorstellungen.

Nicht grobe Verblendung,
nicht Begierde,
nicht Hass –

sondern die kaum wahrnehmbare Annahme von Eigenbewegung.

Hier nähert sich das Sutra dem Kern:

Täuschung ist nicht grob.
Sie ist strukturell.

Rolle 10 beginnt damit,
die letzten mikroskopischen Restbewegungen
freizulegen.
381 #
「阿難當知,是得正知奢摩他中諸善男子凝明正心,十類天魔不得其便;方得精研,窮生類本,於本類中生元露者,觀彼幽清圓擾動元,於圓元中起計度者,是人墜入二無因論:一者、是人見本無因。何以故?是人既得生機全破,乘于眼根八百功德,見八萬劫所有眾生,業流灣環、死此生彼,秖見眾生輪迴其處。八萬劫外,冥無所觀,便作是解:『此等世間十方眾生,八萬劫來無因自有。』由此計度,亡正遍知,墮落外道,惑菩提性。
Ānanda, wisse:

Wenn ein Übender,
der im rechten Verständnis
im Śamatha verweilt,
seinen klaren, stabilen, rechten Geist sammelt,
so können die zehn Arten himmlischer Māras
keinen Zugang zu ihm finden.

Er beginnt dann,
in feiner Analyse
die Grundstruktur der Lebensarten
bis zu ihrem Ursprung zu erforschen.

Wenn innerhalb dieser Artengrundlage
die Ursprungsquelle des Entstehens sichtbar wird,
und er das verborgene,
klare, vollständig bewegte Ursprungsprinzip betrachtet,

und innerhalb dieses runden Ursprungs
begriffliche Berechnungen anstellt,

so verfällt er
der Zwei-Formen-der-Ohne-Ursache-Lehre.

Erstens:
Er nimmt den Ursprung
als ursachenlos an.

Warum?

Weil er bereits
den Mechanismus der Lebensentstehung durchdrungen hat
und mittels der achthundert Verdienste des Sehorgans
die Lebewesen über achtzigtausend Kalpas hinweg sieht:
den karmischen Strom,
der sich kreisend bewegt,
wie sie hier sterben,
dort geboren werden.

Er sieht lediglich,
wie die Wesen im Kreislauf wandern.

Was jedoch jenseits dieser achtzigtausend Kalpas liegt,
bleibt dunkel und unbeobachtbar.

Daraus folgert er:

‚Die Lebewesen in den zehn Richtungen
sind seit achtzigtausend Kalpas
ursachenlos von selbst entstanden.‘

Durch diese begriffliche Konstruktion
verliert er das rechte, allumfassende Wissen,
fällt in nicht-buddhistische Ansichten
und verwirrt die Bodhi-Natur.“
Kommentar öffnen
Hier wird es extrem subtil.

Der Übende ist:
• stabil im Samadhi
• vor groben Täuschungen geschützt
• nicht mehr anfällig für „Mara“

Und doch entsteht Gefahr.

Nicht durch Sinnlichkeit.
Nicht durch Emotion.
Sondern durch philosophische Schlussfolgerung.



1. Die Gefahr beginnt mit Analyse

Er sieht tatsächlich:
• lange Zeiträume
• karmische Ströme
• zyklisches Entstehen

Doch seine Wahrnehmung ist begrenzt:
80.000 Kalpas.

Jenseits davon: Dunkelheit.

Aus dieser epistemischen Grenze
zieht er eine metaphysische Behauptung.

Das ist der Fehler.



2. Moderne Parallele

Das ist erstaunlich aktuell.

Beispiel:
• Wir beobachten das Universum bis zu einem bestimmten kosmischen Horizont.
• Davor liegt das „nicht Beobachtbare“.

Wenn man daraus folgert:
„Davor war nichts.“
oder
„Es gibt keine Ursache.“

dann geschieht exakt das,
was hier beschrieben wird.

Begrenzte Daten
→ absolute Ontologie.



3. Warum „ohne Ursache“ problematisch ist

Die Lehre vom „ohne Ursache Entstehen“
war in Indien eine bekannte Außenseiterposition.

Sie negiert karmische Bedingtheit.

Aber hier ist es noch subtiler:

Der Übende erkennt zwar Zyklen,
aber sieht keinen Anfang.

Und weil er keinen Anfang sieht,
behauptet er:
Es gibt keinen.

Das ist ein klassischer Denkfehler.

Nicht-Sehen ≠ Nicht-Sein.



4. Der tiefere Punkt

Das Sutra warnt nicht vor Unwissenheit.
Es warnt vor überdehnter Erkenntnis.

Das Formkräfte-Aggregat erzeugt
noch immer Impuls zur Theoriebildung.

Solange dieses subtile „Rechnen“ (計度)
nicht erloschen ist,
entsteht Metaphysik.

Und Metaphysik kann
den ursprünglichen Grund verdecken.
中文原文
「阿難當知,是得正知奢摩他中諸善男子凝明正心,十類天魔不得其便;方得精研,窮生類本,於本類中生元露者,觀彼幽清圓擾動元,於圓元中起計度者,是人墜入二無因論:一者、是人見本無因。何以故?是人既得生機全破,乘于眼根八百功德,見八萬劫所有眾生,業流灣環、死此生彼,秖見眾生輪迴其處。八萬劫外,冥無所觀,便作是解:『此等世間十方眾生,八萬劫來無因自有。』由此計度,亡正遍知,墮落外道,惑菩提性。
Deutsch
Ānanda, wisse:

Wenn ein Übender,
der im rechten Verständnis
im Śamatha verweilt,
seinen klaren, stabilen, rechten Geist sammelt,
so können die zehn Arten himmlischer Māras
keinen Zugang zu ihm finden.

Er beginnt dann,
in feiner Analyse
die Grundstruktur der Lebensarten
bis zu ihrem Ursprung zu erforschen.

Wenn innerhalb dieser Artengrundlage
die Ursprungsquelle des Entstehens sichtbar wird,
und er das verborgene,
klare, vollständig bewegte Ursprungsprinzip betrachtet,

und innerhalb dieses runden Ursprungs
begriffliche Berechnungen anstellt,

so verfällt er
der Zwei-Formen-der-Ohne-Ursache-Lehre.

Erstens:
Er nimmt den Ursprung
als ursachenlos an.

Warum?

Weil er bereits
den Mechanismus der Lebensentstehung durchdrungen hat
und mittels der achthundert Verdienste des Sehorgans
die Lebewesen über achtzigtausend Kalpas hinweg sieht:
den karmischen Strom,
der sich kreisend bewegt,
wie sie hier sterben,
dort geboren werden.

Er sieht lediglich,
wie die Wesen im Kreislauf wandern.

Was jedoch jenseits dieser achtzigtausend Kalpas liegt,
bleibt dunkel und unbeobachtbar.

Daraus folgert er:

‚Die Lebewesen in den zehn Richtungen
sind seit achtzigtausend Kalpas
ursachenlos von selbst entstanden.‘

Durch diese begriffliche Konstruktion
verliert er das rechte, allumfassende Wissen,
fällt in nicht-buddhistische Ansichten
und verwirrt die Bodhi-Natur.“
Kommentar
Hier wird es extrem subtil.

Der Übende ist:
• stabil im Samadhi
• vor groben Täuschungen geschützt
• nicht mehr anfällig für „Mara“

Und doch entsteht Gefahr.

Nicht durch Sinnlichkeit.
Nicht durch Emotion.
Sondern durch philosophische Schlussfolgerung.



1. Die Gefahr beginnt mit Analyse

Er sieht tatsächlich:
• lange Zeiträume
• karmische Ströme
• zyklisches Entstehen

Doch seine Wahrnehmung ist begrenzt:
80.000 Kalpas.

Jenseits davon: Dunkelheit.

Aus dieser epistemischen Grenze
zieht er eine metaphysische Behauptung.

Das ist der Fehler.



2. Moderne Parallele

Das ist erstaunlich aktuell.

Beispiel:
• Wir beobachten das Universum bis zu einem bestimmten kosmischen Horizont.
• Davor liegt das „nicht Beobachtbare“.

Wenn man daraus folgert:
„Davor war nichts.“
oder
„Es gibt keine Ursache.“

dann geschieht exakt das,
was hier beschrieben wird.

Begrenzte Daten
→ absolute Ontologie.



3. Warum „ohne Ursache“ problematisch ist

Die Lehre vom „ohne Ursache Entstehen“
war in Indien eine bekannte Außenseiterposition.

Sie negiert karmische Bedingtheit.

Aber hier ist es noch subtiler:

Der Übende erkennt zwar Zyklen,
aber sieht keinen Anfang.

Und weil er keinen Anfang sieht,
behauptet er:
Es gibt keinen.

Das ist ein klassischer Denkfehler.

Nicht-Sehen ≠ Nicht-Sein.



4. Der tiefere Punkt

Das Sutra warnt nicht vor Unwissenheit.
Es warnt vor überdehnter Erkenntnis.

Das Formkräfte-Aggregat erzeugt
noch immer Impuls zur Theoriebildung.

Solange dieses subtile „Rechnen“ (計度)
nicht erloschen ist,
entsteht Metaphysik.

Und Metaphysik kann
den ursprünglichen Grund verdecken.
382 #
二者、是人見末無因。何以故?是人於生既見其根,知人生人,悟鳥生鳥;烏從來黑,鵠從來白,人天本竪,畜生本橫,白非洗成,黑非染造;從八萬劫無復改移。今盡此形,亦復如是。而我本來不見菩提,云何更有成菩提事!當知今日一切物象,皆本無因。由此計度,亡正遍知,墮落外道,惑菩提性。是則名為第一外道,立無因論。
Zweitens:

Er nimmt auch das Resultat oder Ende als ursachenlos an.

Warum?

Weil er beim Beobachten des Entstehens
dessen Wurzel erkannt hat:
Menschen gebären Menschen,
Vögel gebären Vögel.

Raben sind seit jeher schwarz,
Schwäne seit jeher weiß.
Menschen und Himmelswesen sind von Natur aufrecht,
Tiere von Natur horizontal.

Weiß wird nicht durch Waschen weiß,
Schwarz wird nicht durch Färben schwarz.
Seit achtzigtausend Kalpas
ist hierin keine Veränderung eingetreten.

Wenn dieses Leben endet,
wird es ebenso sein.

Und da ich ursprünglich kein Bodhi gesehen habe,
wie sollte es dann ein zukünftiges Erlangen von Bodhi geben?

So schließt er:
Alle gegenwärtigen Erscheinungen
seien ursprünglich ohne Ursache.

Durch dieses spekulative Konstruieren
verliert er das rechte, allumfassende Erkennen,
fällt in nicht-buddhistische Ansichten
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird als erste Form der äußeren Lehre bezeichnet,
die eine Theorie der Ursachlosigkeit aufstellt.
Kommentar öffnen
Hier wird der Irrtum noch subtiler als zuvor.

Während die erste Variante sagte:
„Es gab keinen Anfang“,

sagt diese:
„Es gibt keine Möglichkeit von Veränderung.“



1. Beobachtung wird zu Ontologie

Der Übende beobachtet:
• biologische Kontinuität
• Artenkonstanz
• Regelmäßigkeit

Aus empirischer Stabilität
macht er metaphysische Notwendigkeit.

Er sieht:
• Raben sind schwarz
• Schwäne sind weiß
• Arten reproduzieren sich gleichartig

Und daraus folgert er:

„So war es immer.“
„So wird es immer sein.“
„Es gibt keine Transformation.“



2. Die eigentliche Verneinung: Bodhi

Der entscheidende Satz:

„Ich habe ursprünglich kein Bodhi gesehen –
wie sollte es dann Erlangen von Bodhi geben?“

Hier liegt der Kern.

Er projiziert seine Wahrnehmungsgrenze
auf die Struktur der Wirklichkeit.

Nicht gesehen
→ existiert nicht.

Das ist derselbe Denkfehler wie zuvor,
nur in umgekehrter Richtung.



3. Moderne Parallele

Das entspricht:
• radikalem Determinismus
• biologischem Essentialismus
• metaphysischem Naturalismus

„Was ist, bleibt.“
„Wesen ändern sich nicht.“
„Transformation ist Illusion.“

In moderner Sprache:
Es ist die Ideologie
einer geschlossenen Welt ohne Transzendenz.



4. Warum das noch im Formkräfte-Aggregat liegt

Das Formkräfte-Aggregat erzeugt:
• Gewohnheitsströmung
• Impulsstruktur
• Kontinuitätserleben

Wenn dieses Flimmern nicht vollständig geklärt ist,
erscheint Kontinuität als absolute Realität.

Doch Kontinuität ist noch Bewegung.

Und Bewegung ist nicht der ursprüngliche Grund.



5. Die tiefe Pointe

Beide Irrtümer – Anfang ohne Ursache, Ende ohne Ursache –

entstehen aus demselben Rest:

subtile Berechnung (計度).

Solange Denken
noch die letzte Instanz ist,
wird der ursprüngliche Grund
zu einem Objekt gemacht.

Und genau das ist Verblendung.
中文原文
二者、是人見末無因。何以故?是人於生既見其根,知人生人,悟鳥生鳥;烏從來黑,鵠從來白,人天本竪,畜生本橫,白非洗成,黑非染造;從八萬劫無復改移。今盡此形,亦復如是。而我本來不見菩提,云何更有成菩提事!當知今日一切物象,皆本無因。由此計度,亡正遍知,墮落外道,惑菩提性。是則名為第一外道,立無因論。
Deutsch
Zweitens:

Er nimmt auch das Resultat oder Ende als ursachenlos an.

Warum?

Weil er beim Beobachten des Entstehens
dessen Wurzel erkannt hat:
Menschen gebären Menschen,
Vögel gebären Vögel.

Raben sind seit jeher schwarz,
Schwäne seit jeher weiß.
Menschen und Himmelswesen sind von Natur aufrecht,
Tiere von Natur horizontal.

Weiß wird nicht durch Waschen weiß,
Schwarz wird nicht durch Färben schwarz.
Seit achtzigtausend Kalpas
ist hierin keine Veränderung eingetreten.

Wenn dieses Leben endet,
wird es ebenso sein.

Und da ich ursprünglich kein Bodhi gesehen habe,
wie sollte es dann ein zukünftiges Erlangen von Bodhi geben?

So schließt er:
Alle gegenwärtigen Erscheinungen
seien ursprünglich ohne Ursache.

Durch dieses spekulative Konstruieren
verliert er das rechte, allumfassende Erkennen,
fällt in nicht-buddhistische Ansichten
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird als erste Form der äußeren Lehre bezeichnet,
die eine Theorie der Ursachlosigkeit aufstellt.
Kommentar
Hier wird der Irrtum noch subtiler als zuvor.

Während die erste Variante sagte:
„Es gab keinen Anfang“,

sagt diese:
„Es gibt keine Möglichkeit von Veränderung.“



1. Beobachtung wird zu Ontologie

Der Übende beobachtet:
• biologische Kontinuität
• Artenkonstanz
• Regelmäßigkeit

Aus empirischer Stabilität
macht er metaphysische Notwendigkeit.

Er sieht:
• Raben sind schwarz
• Schwäne sind weiß
• Arten reproduzieren sich gleichartig

Und daraus folgert er:

„So war es immer.“
„So wird es immer sein.“
„Es gibt keine Transformation.“



2. Die eigentliche Verneinung: Bodhi

Der entscheidende Satz:

„Ich habe ursprünglich kein Bodhi gesehen –
wie sollte es dann Erlangen von Bodhi geben?“

Hier liegt der Kern.

Er projiziert seine Wahrnehmungsgrenze
auf die Struktur der Wirklichkeit.

Nicht gesehen
→ existiert nicht.

Das ist derselbe Denkfehler wie zuvor,
nur in umgekehrter Richtung.



3. Moderne Parallele

Das entspricht:
• radikalem Determinismus
• biologischem Essentialismus
• metaphysischem Naturalismus

„Was ist, bleibt.“
„Wesen ändern sich nicht.“
„Transformation ist Illusion.“

In moderner Sprache:
Es ist die Ideologie
einer geschlossenen Welt ohne Transzendenz.



4. Warum das noch im Formkräfte-Aggregat liegt

Das Formkräfte-Aggregat erzeugt:
• Gewohnheitsströmung
• Impulsstruktur
• Kontinuitätserleben

Wenn dieses Flimmern nicht vollständig geklärt ist,
erscheint Kontinuität als absolute Realität.

Doch Kontinuität ist noch Bewegung.

Und Bewegung ist nicht der ursprüngliche Grund.



5. Die tiefe Pointe

Beide Irrtümer – Anfang ohne Ursache, Ende ohne Ursache –

entstehen aus demselben Rest:

subtile Berechnung (計度).

Solange Denken
noch die letzte Instanz ist,
wird der ursprüngliche Grund
zu einem Objekt gemacht.

Und genau das ist Verblendung.
383 #
「阿難!是三摩中諸善男子,凝明正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於圓常中起計度者,是人墜入四遍常論:一者、是人窮心境性,二處無因;修習能知二萬劫中十方眾生所有生滅,咸皆循環不曾散失,計以為常。二者、是人窮四大元,四性常住;修習能知四萬劫中十方眾生所有生滅,咸皆體恒不曾散失,計以為常。
Ānanda,

wenn ein Übender im Samādhi
seinen klaren, rechten Geist sammelt,
können Māras ihn nicht stören.

Wenn er die Wurzel der Lebensarten
bis in ihr verborgenes,
klar bewegtes Ursprungsprinzip erforscht
und innerhalb dieser scheinbaren Ganzheit
begriffliche Berechnungen anstellt,

so verfällt er
den Vier Formen der All-Ewigkeits-Lehre.

Erste Form:

Er analysiert die Natur von Geist und Objektbereich
und findet in beiden keinen erkennbaren Anfang.

Durch fortgesetzte Praxis
kann er über zwanzigtausend Kalpas hinweg
das zyklische Entstehen und Vergehen
der Wesen beobachten.
Da er sieht,
dass sich alles im Kreislauf erhält
und nichts vollständig zerfällt,
schließt er:
Alles sei ewig.

Zweite Form:

Er analysiert den Ursprung der vier Mahābhūtas
(Erde, Wasser, Feuer, Luft)
und hält ihre Natur für dauerhaft.

Durch Praxis erkennt er
über vierzigtausend Kalpas hinweg
das Entstehen und Vergehen der Wesen,
doch ihre Grundsubstanz erscheint ihm unveränderlich.

Daraus folgert er:
Alles sei ewig.“
Kommentar öffnen
Hier verschiebt sich die Täuschung erneut.

Zuvor war der Fehler:
• Kein Anfang → daher ursachenlos
• Keine Veränderung → daher kein Erwachen

Jetzt lautet der Fehler:

Beobachtete Kontinuität → metaphysische Ewigkeit.



1. Begrenzte Tiefe erzeugt falsche Ontologie

Der Übende sieht tatsächlich lange Zeiträume:
20.000 Kalpas
40.000 Kalpas

Das ist keine gewöhnliche Wahrnehmung.

Doch:

Begrenzte Ewigkeit
ist nicht wahre Ewigkeit.

Er sieht nur innerhalb eines Fensters.

Das, was im Fenster stabil wirkt,
erklärt er zum Absoluten.



2. Zwei Ebenen des Irrtums

a) Geist und Welt erscheinen zyklisch stabil

Zyklus wird mit Ewigkeit verwechselt.

Das ist ein fundamentaler Denkfehler:
Wiederkehr ≠ Unveränderlichkeit.

b) Die vier Elemente erscheinen substantiell konstant

Hier entsteht Substanzdenken.

Die Elemente scheinen Träger aller Veränderung zu sein,
also werden sie als ewig postuliert.

Das ist proto-metaphysischer Materialismus.



3. Moderne Parallelen

Erste Form:
Kosmischer Zyklus als ewige Realität.
(ewiges Universum, zyklisches Weltmodell)

Zweite Form:
Materielle Grundstruktur als unzerstörbar.
(Substanzontologie, physikalischer Eternalismus)

Beide entstehen aus:

empirischer Stabilität → ontologische Absolutheit.



4. Warum das noch im Formkräfte-Aggregat liegt

Das Formkräfte-Aggregat ist Kontinuität.

Es erzeugt:
• Impuls
• Gewohnheitsstrom
• Dauererleben

Wenn dieses nicht vollständig geklärt ist,
erscheint Dauer als Selbstexistenz.

Doch Dauer ist nur gestreckte Bewegung.



5. Die tiefere Pointe

Das Sutra zeigt hier etwas Erstaunliches:

Selbst hohe meditative Einsicht
führt ohne vollständige Durchdringung
zu systematischen metaphysischen Fehllehren.

Nicht Moral ist das Problem.
Nicht Sinnlichkeit.
Nicht Emotion.

Sondern Ontologisierung von Erfahrung.
中文原文
「阿難!是三摩中諸善男子,凝明正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於圓常中起計度者,是人墜入四遍常論:一者、是人窮心境性,二處無因;修習能知二萬劫中十方眾生所有生滅,咸皆循環不曾散失,計以為常。二者、是人窮四大元,四性常住;修習能知四萬劫中十方眾生所有生滅,咸皆體恒不曾散失,計以為常。
Deutsch
Ānanda,

wenn ein Übender im Samādhi
seinen klaren, rechten Geist sammelt,
können Māras ihn nicht stören.

Wenn er die Wurzel der Lebensarten
bis in ihr verborgenes,
klar bewegtes Ursprungsprinzip erforscht
und innerhalb dieser scheinbaren Ganzheit
begriffliche Berechnungen anstellt,

so verfällt er
den Vier Formen der All-Ewigkeits-Lehre.

Erste Form:

Er analysiert die Natur von Geist und Objektbereich
und findet in beiden keinen erkennbaren Anfang.

Durch fortgesetzte Praxis
kann er über zwanzigtausend Kalpas hinweg
das zyklische Entstehen und Vergehen
der Wesen beobachten.
Da er sieht,
dass sich alles im Kreislauf erhält
und nichts vollständig zerfällt,
schließt er:
Alles sei ewig.

Zweite Form:

Er analysiert den Ursprung der vier Mahābhūtas
(Erde, Wasser, Feuer, Luft)
und hält ihre Natur für dauerhaft.

Durch Praxis erkennt er
über vierzigtausend Kalpas hinweg
das Entstehen und Vergehen der Wesen,
doch ihre Grundsubstanz erscheint ihm unveränderlich.

Daraus folgert er:
Alles sei ewig.“
Kommentar
Hier verschiebt sich die Täuschung erneut.

Zuvor war der Fehler:
• Kein Anfang → daher ursachenlos
• Keine Veränderung → daher kein Erwachen

Jetzt lautet der Fehler:

Beobachtete Kontinuität → metaphysische Ewigkeit.



1. Begrenzte Tiefe erzeugt falsche Ontologie

Der Übende sieht tatsächlich lange Zeiträume:
20.000 Kalpas
40.000 Kalpas

Das ist keine gewöhnliche Wahrnehmung.

Doch:

Begrenzte Ewigkeit
ist nicht wahre Ewigkeit.

Er sieht nur innerhalb eines Fensters.

Das, was im Fenster stabil wirkt,
erklärt er zum Absoluten.



2. Zwei Ebenen des Irrtums

a) Geist und Welt erscheinen zyklisch stabil

Zyklus wird mit Ewigkeit verwechselt.

Das ist ein fundamentaler Denkfehler:
Wiederkehr ≠ Unveränderlichkeit.

b) Die vier Elemente erscheinen substantiell konstant

Hier entsteht Substanzdenken.

Die Elemente scheinen Träger aller Veränderung zu sein,
also werden sie als ewig postuliert.

Das ist proto-metaphysischer Materialismus.



3. Moderne Parallelen

Erste Form:
Kosmischer Zyklus als ewige Realität.
(ewiges Universum, zyklisches Weltmodell)

Zweite Form:
Materielle Grundstruktur als unzerstörbar.
(Substanzontologie, physikalischer Eternalismus)

Beide entstehen aus:

empirischer Stabilität → ontologische Absolutheit.



4. Warum das noch im Formkräfte-Aggregat liegt

Das Formkräfte-Aggregat ist Kontinuität.

Es erzeugt:
• Impuls
• Gewohnheitsstrom
• Dauererleben

Wenn dieses nicht vollständig geklärt ist,
erscheint Dauer als Selbstexistenz.

Doch Dauer ist nur gestreckte Bewegung.



5. Die tiefere Pointe

Das Sutra zeigt hier etwas Erstaunliches:

Selbst hohe meditative Einsicht
führt ohne vollständige Durchdringung
zu systematischen metaphysischen Fehllehren.

Nicht Moral ist das Problem.
Nicht Sinnlichkeit.
Nicht Emotion.

Sondern Ontologisierung von Erfahrung.
384 #
三者、是人窮盡六根末那執受,心意識中本元由處,性常恒故;修習能知八萬劫中一切眾生循環不失,本來常住,窮不失性,計以為常。四者、是人既盡想元,生理更無流止運轉,生滅想心今已永滅,理中自然成不生滅;因心所度,計以為常。由此計常,亡正遍知,墮落外道,惑菩提性。是則名為第二外道,立圓常論。
Drittens:

Er analysiert die sechs Sinnesgrundlagen
sowie das festhaltende Manas
und untersucht im Bereich von Geist (citta),
Denken (manas) und Bewusstsein (vijñāna)
deren ursprünglichen Entstehungsort.

Da ihm diese Natur als konstant erscheint,
erkennt er in seiner Praxis
über achtzigtausend Kalpas hinweg,
dass alle Wesen im Kreislauf
nicht verloren gehen,
sondern von jeher fortbestehen
und ihre Wesensnatur nicht einbüßen.

Daraus folgert er:
Alles sei ewig.

Viertens:

Da er die Wurzel der Vorstellung erschöpft hat,
erscheint ihm im Lebensprinzip
keine Strömung und keine Bewegung mehr.

Das vorstellende Denken von Entstehen und Vergehen
ist nun vollständig erloschen.

Innerhalb dieses Prinzips
scheint sich von selbst
ein Zustand des Nicht-Entstehens und Nicht-Vergehens einzustellen.

Aufgrund dieser inneren Schlussfolgerung
nimmt er an:
Dies sei ewig.

Durch diese Annahme der Ewigkeit
verliert er das rechte, allumfassende Erkennen,
fällt in äußere Ansichten
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies nennt man
die zweite Form der äußeren Lehre,
die eine Theorie der vollkommenen Ewigkeit aufstellt.“
Kommentar öffnen
Jetzt wird es äußerst fein.

Hier entstehen metaphysische Irrtümer
nicht aus Unwissenheit,
sondern aus echter Tieferfahrung.



1. Die dritte Form – Ewigkeit der psychischen Struktur

Der Übende erkennt:
• Sinnesprozesse
• Ich-Festhalten (manas)
• Kontinuität von Bewusstsein

Da diese Struktur über lange Zeiträume stabil erscheint,
schließt er:

Die zugrunde liegende Natur ist ewig.

Das ist die Verwechslung von:
funktionaler Kontinuität
mit ontologischer Unvergänglichkeit.

Moderne Parallele:

„Bewusstsein ist ein fundamentales, ewiges Feld.“

Das klingt spirituell –
ist aber hier als Irrtum markiert.



2. Die vierte Form – Ewigkeit der Stille

Noch subtiler.

Der Übende erlebt:
• Ende der konzeptuellen Bewegung
• Stille
• Nicht-Entstehen
• Nicht-Vergehen

Und aus dieser Erfahrung
macht er eine ontologische Behauptung:

„Dies ist ewig.“

Das ist der klassische Fehler:

Erfahrung von Leere
→ Substantialisierung von Leere.

Nicht-Bewegung
→ absolute Ewigkeit.



3. Warum das so gefährlich ist

Hier liegt der Übergang
von Meditation zu Metaphysik.

Der ursprüngliche Grund
ist weder ewig noch vergänglich.

Ewigkeit ist bereits eine Kategorie
innerhalb des Denkens.

Solange „Beständigkeit“ behauptet wird,
ist noch Berechnung (計度) am Werk.



4. Der tiefe Zusammenhang

Die vorherigen Irrtümer:
• Ohne Ursache
• Alles ewig

zeigen zwei Pole:

Nihilismus
Eternalismus

Das Sutra arbeitet systematisch beide Extreme ab.

Und wir sind noch immer im Formkräfte-Aggregat.

Das bedeutet:

Selbst subtile metaphysische Systeme
entstehen aus Restbewegung
der Gewohnheitskräfte.
中文原文
三者、是人窮盡六根末那執受,心意識中本元由處,性常恒故;修習能知八萬劫中一切眾生循環不失,本來常住,窮不失性,計以為常。四者、是人既盡想元,生理更無流止運轉,生滅想心今已永滅,理中自然成不生滅;因心所度,計以為常。由此計常,亡正遍知,墮落外道,惑菩提性。是則名為第二外道,立圓常論。
Deutsch
Drittens:

Er analysiert die sechs Sinnesgrundlagen
sowie das festhaltende Manas
und untersucht im Bereich von Geist (citta),
Denken (manas) und Bewusstsein (vijñāna)
deren ursprünglichen Entstehungsort.

Da ihm diese Natur als konstant erscheint,
erkennt er in seiner Praxis
über achtzigtausend Kalpas hinweg,
dass alle Wesen im Kreislauf
nicht verloren gehen,
sondern von jeher fortbestehen
und ihre Wesensnatur nicht einbüßen.

Daraus folgert er:
Alles sei ewig.

Viertens:

Da er die Wurzel der Vorstellung erschöpft hat,
erscheint ihm im Lebensprinzip
keine Strömung und keine Bewegung mehr.

Das vorstellende Denken von Entstehen und Vergehen
ist nun vollständig erloschen.

Innerhalb dieses Prinzips
scheint sich von selbst
ein Zustand des Nicht-Entstehens und Nicht-Vergehens einzustellen.

Aufgrund dieser inneren Schlussfolgerung
nimmt er an:
Dies sei ewig.

Durch diese Annahme der Ewigkeit
verliert er das rechte, allumfassende Erkennen,
fällt in äußere Ansichten
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies nennt man
die zweite Form der äußeren Lehre,
die eine Theorie der vollkommenen Ewigkeit aufstellt.“
Kommentar
Jetzt wird es äußerst fein.

Hier entstehen metaphysische Irrtümer
nicht aus Unwissenheit,
sondern aus echter Tieferfahrung.



1. Die dritte Form – Ewigkeit der psychischen Struktur

Der Übende erkennt:
• Sinnesprozesse
• Ich-Festhalten (manas)
• Kontinuität von Bewusstsein

Da diese Struktur über lange Zeiträume stabil erscheint,
schließt er:

Die zugrunde liegende Natur ist ewig.

Das ist die Verwechslung von:
funktionaler Kontinuität
mit ontologischer Unvergänglichkeit.

Moderne Parallele:

„Bewusstsein ist ein fundamentales, ewiges Feld.“

Das klingt spirituell –
ist aber hier als Irrtum markiert.



2. Die vierte Form – Ewigkeit der Stille

Noch subtiler.

Der Übende erlebt:
• Ende der konzeptuellen Bewegung
• Stille
• Nicht-Entstehen
• Nicht-Vergehen

Und aus dieser Erfahrung
macht er eine ontologische Behauptung:

„Dies ist ewig.“

Das ist der klassische Fehler:

Erfahrung von Leere
→ Substantialisierung von Leere.

Nicht-Bewegung
→ absolute Ewigkeit.



3. Warum das so gefährlich ist

Hier liegt der Übergang
von Meditation zu Metaphysik.

Der ursprüngliche Grund
ist weder ewig noch vergänglich.

Ewigkeit ist bereits eine Kategorie
innerhalb des Denkens.

Solange „Beständigkeit“ behauptet wird,
ist noch Berechnung (計度) am Werk.



4. Der tiefe Zusammenhang

Die vorherigen Irrtümer:
• Ohne Ursache
• Alles ewig

zeigen zwei Pole:

Nihilismus
Eternalismus

Das Sutra arbeitet systematisch beide Extreme ab.

Und wir sind noch immer im Formkräfte-Aggregat.

Das bedeutet:

Selbst subtile metaphysische Systeme
entstehen aus Restbewegung
der Gewohnheitskräfte.
385 #
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於自他中起計度者,是人墜入四顛倒見,一分無常、一分常論:一者、是人觀妙明心遍十方界,湛然以為究竟神我。從是則計我遍十方,凝明不動;一切眾生,於我心中自生自死。則我心性名之為常,彼生滅者真無常性。二者、是人不觀其心,遍觀十方恒沙國土,見劫壞處名為究竟無常種性;劫不壞處,名究竟常。
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist fest sammelt,
können dämonische Kräfte keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten,
betrachtet das verborgene,
klar bewegte Ursprungsprinzip
und beginnt im Denken
zwischen „Selbst“ und „Anderen“ zu rechnen.

So verfällt er
vier verkehrten Sichtweisen,
die ein Gemisch aus
„teilweise unbeständig“ und „teilweise ewig“
behaupten.

Erste Sichtweise (Ego-Eternalismus):
Er nimmt den „wunderbar klaren Geist“,
der die zehn Richtungen durchdringt,
als ein letztgültiges, göttliches Selbst (ātman) an.

Er folgert:
„Ich bin allgegenwärtig, still und unveränderlich.
Alle Wesen entstehen und sterben in meinem Geist.“

Damit erklärt er:
• die eigene Geistnatur als beständig
• alles Entstehen und Vergehen als wirklich unbeständig

Zweite Sichtweise (kosmische Dualbewertung):
Er beobachtet nicht den eigenen Geist,
sondern die Welten der zehn Richtungen
und unterscheidet:
• Orte, an denen Weltzeitalter zerfallen → „endgültig unbeständig“
• Orte, an denen Weltzeitalter nicht zerfallen → „endgültig beständig“

So setzt er „Beständigkeit“ und „Unbeständigkeit“
als objektive kosmische Eigenschaften fest.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt markiert eine neue Art Irrtum:

Nicht mehr „alles ist ohne Ursache“
und nicht mehr „alles ist ewig“,
sondern ein Mischmodell:

Ein Teil ist ewig (das Trägerprinzip),
ein Teil ist vergänglich (die Phänomene).

Das ist philosophisch hochklassisch:
ein „Substanz + Wandel“-Modell.



1) Erste Ansicht: metaphysisches Ich als Grund

Der Übende erlebt eine stille, durchdringende Klarheit
und macht daraus ein „göttliches Selbst“.

Das ist nicht bloß Egoismus,
sondern ein subtiler metaphysischer Schritt:
• Bewusstheit wird als Substanz gesetzt
• Welt und Wesen werden zu Vorgängen in dieser Substanz

Das erinnert stark an:
• ātman-Lehren
• bestimmte idealistische Absolutheitsmodelle
• moderne „Bewusstsein ist das Grundfeld“-Ontologien

Der Fehler laut Sutra:
Er verwechselt durchdringende Klarheit (Erfahrung)
mit einem besitzenden Selbst (These).



2) Zweite Ansicht: kosmische Beständigkeit als Beweis

Hier wird „Beständigkeit“ im Außen gesucht:
• wo Welten zerfallen → unbeständig
• wo sie nicht zerfallen → beständig

Das ist wie ein kosmologischer Empirismus:
Man nimmt beobachtete Stabilität
als absolute ontologische Eigenschaft.

Moderne Parallele:
„Weil etwas sehr lange stabil bleibt,
muss es grundsätzlich ewig sein.“

Auch hier gilt:
Beobachtungsfenster wird ontologisiert.



3) Warum das im Formkräfte-Aggregat passiert

Das Formkräfte-Aggregat ist die Zone,
in der Kontinuität, Impuls und „Trägergefühl“ entstehen.

Wenn dort noch „Rechnen“ (計度) aktiv ist,
entsteht zwangsläufig ein Modell:
• etwas trägt,
• etwas wandelt.

Und genau so entsteht „teilweise ewig, teilweise vergänglich“.
中文原文
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於自他中起計度者,是人墜入四顛倒見,一分無常、一分常論:一者、是人觀妙明心遍十方界,湛然以為究竟神我。從是則計我遍十方,凝明不動;一切眾生,於我心中自生自死。則我心性名之為常,彼生滅者真無常性。二者、是人不觀其心,遍觀十方恒沙國土,見劫壞處名為究竟無常種性;劫不壞處,名究竟常。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist fest sammelt,
können dämonische Kräfte keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten,
betrachtet das verborgene,
klar bewegte Ursprungsprinzip
und beginnt im Denken
zwischen „Selbst“ und „Anderen“ zu rechnen.

So verfällt er
vier verkehrten Sichtweisen,
die ein Gemisch aus
„teilweise unbeständig“ und „teilweise ewig“
behaupten.

Erste Sichtweise (Ego-Eternalismus):
Er nimmt den „wunderbar klaren Geist“,
der die zehn Richtungen durchdringt,
als ein letztgültiges, göttliches Selbst (ātman) an.

Er folgert:
„Ich bin allgegenwärtig, still und unveränderlich.
Alle Wesen entstehen und sterben in meinem Geist.“

Damit erklärt er:
• die eigene Geistnatur als beständig
• alles Entstehen und Vergehen als wirklich unbeständig

Zweite Sichtweise (kosmische Dualbewertung):
Er beobachtet nicht den eigenen Geist,
sondern die Welten der zehn Richtungen
und unterscheidet:
• Orte, an denen Weltzeitalter zerfallen → „endgültig unbeständig“
• Orte, an denen Weltzeitalter nicht zerfallen → „endgültig beständig“

So setzt er „Beständigkeit“ und „Unbeständigkeit“
als objektive kosmische Eigenschaften fest.
Kommentar
Dieser Abschnitt markiert eine neue Art Irrtum:

Nicht mehr „alles ist ohne Ursache“
und nicht mehr „alles ist ewig“,
sondern ein Mischmodell:

Ein Teil ist ewig (das Trägerprinzip),
ein Teil ist vergänglich (die Phänomene).

Das ist philosophisch hochklassisch:
ein „Substanz + Wandel“-Modell.



1) Erste Ansicht: metaphysisches Ich als Grund

Der Übende erlebt eine stille, durchdringende Klarheit
und macht daraus ein „göttliches Selbst“.

Das ist nicht bloß Egoismus,
sondern ein subtiler metaphysischer Schritt:
• Bewusstheit wird als Substanz gesetzt
• Welt und Wesen werden zu Vorgängen in dieser Substanz

Das erinnert stark an:
• ātman-Lehren
• bestimmte idealistische Absolutheitsmodelle
• moderne „Bewusstsein ist das Grundfeld“-Ontologien

Der Fehler laut Sutra:
Er verwechselt durchdringende Klarheit (Erfahrung)
mit einem besitzenden Selbst (These).



2) Zweite Ansicht: kosmische Beständigkeit als Beweis

Hier wird „Beständigkeit“ im Außen gesucht:
• wo Welten zerfallen → unbeständig
• wo sie nicht zerfallen → beständig

Das ist wie ein kosmologischer Empirismus:
Man nimmt beobachtete Stabilität
als absolute ontologische Eigenschaft.

Moderne Parallele:
„Weil etwas sehr lange stabil bleibt,
muss es grundsätzlich ewig sein.“

Auch hier gilt:
Beobachtungsfenster wird ontologisiert.



3) Warum das im Formkräfte-Aggregat passiert

Das Formkräfte-Aggregat ist die Zone,
in der Kontinuität, Impuls und „Trägergefühl“ entstehen.

Wenn dort noch „Rechnen“ (計度) aktiv ist,
entsteht zwangsläufig ein Modell:
• etwas trägt,
• etwas wandelt.

Und genau so entsteht „teilweise ewig, teilweise vergänglich“.
386 #
三者、是人別觀我心,精細微密猶如微塵,流轉十方性無移改。能令此身即生即滅,其不壞性名我性常;一切死生從我流出,名無常性。四者、是人知想陰盡,見行陰流,行陰常流計為常性;色、受、想等今已滅盡,名為無常。由此計度一分無常、一分常故,墮落外道,惑菩提性。是則名為第三外道一分常論。
Dritte Ansicht:

Er betrachtet sein eigenes Geistprinzip
als extrem fein, subtil und dicht,
wie mikroskopischer Staub.

Dieses Prinzip durchströmt die zehn Richtungen
und scheint in seiner Natur unveränderlich.

Es bewirkt, dass der Körper entsteht und vergeht,
doch seine eigene unzerstörbare Natur
hält er für die beständige Wesensnatur des Selbst.

Alles Geborenwerden und Sterben
fließt aus diesem Prinzip hervor –
dies erklärt er für unbeständig.

Vierte Ansicht:

Er erkennt, dass das Konzeptions-Aggregat erschöpft ist,
und nimmt den fortlaufenden Strom
des Formkräfte-Aggregats wahr.

Diesen ununterbrochenen Fluss
erklärt er für beständig,
während er Form-, Gefühls- und Konzeptions-Aggregat,
die erloschen sind,
als unbeständig bezeichnet.

Aufgrund dieses Denkens
„ein Teil unbeständig, ein Teil beständig“
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die dritte Außenschule genannt:
die Lehre von der teilweisen Beständigkeit.
Kommentar öffnen
Jetzt wird die Struktur noch feiner.



1) Subtiles Selbst als „unveränderlicher Kern“

In der dritten Ansicht
wird ein extrem feines Kontinuum angenommen:
• mikroskopisch subtil
• allgegenwärtig
• unveränderlich

Es wirkt wie ein metaphysischer Kern,
aus dem alles Entstehen hervorgeht.

Das ist eine klassische „Substrat-Theorie“:

Ein unveränderlicher Träger
produziert vergängliche Erscheinungen.

In moderner Sprache:
„Es gibt ein unveränderliches Bewusstseinsfeld,
das Körper und Ereignisse hervorbringt.“

Das Sutra markiert dies klar als Irrtum.

Warum?

Weil hier eine subtile Erfahrung
zu einer ontologischen Behauptung wird.



2) Der Strom der Formkräfte als scheinbare Ewigkeit

In der vierten Ansicht
wird der fortlaufende Fluss selbst
für Beständigkeit gehalten.

Das ist besonders interessant:

Nicht Ruhe wird hier als ewig angesehen,
sondern Bewegung.

Weil der Fluss kontinuierlich ist,
wird er als „Natur“ verstanden.

Das ist philosophisch bemerkenswert:

Dauerhafte Bewegung
→ scheinbare Identität
→ metaphysische Konstante



3) Der gemeinsame Fehler

Beide Varianten teilen denselben Kern:

Erfahrung wird in zwei Ebenen geteilt:
• Träger (beständig)
• Vorgang (unbeständig)

Das ist die klassische duale Ontologie.

Doch laut Sutra:

Solange „Rechnen“ (計度) aktiv ist,
wird immer eine Struktur postuliert.

Und jede Struktur
verdeckt den ursprünglichen Grund.



4) Warum das gefährlich ist

Diese Lehre wirkt sehr plausibel,
weil sie scheinbar Balance hält:

Nicht alles ist ewig.
Nicht alles ist vergänglich.
Sondern beides.

Gerade diese „vernünftige Mitte“
ist hier als Verblendung markiert.

Denn sie bleibt innerhalb
des Denkens in Gegensätzen.

Ja – es gibt formale Parallelen, aber zugleich einen entscheidenden Unterschied.
Gerade an dieser Stelle lohnt sich saubere Differenzierung, damit wir nicht vorschnell synkretisch werden.



1️⃣ Parallele: „Formkräfte-Strom“ und natürlicher Fluss des Dao

Im Abschnitt eben:

行陰常流計為常性
„Der ständig fließende Strom des Formkräfte-Aggregats wird als beständige Natur gedeutet.“

Das klingt zunächst erstaunlich daoistisch.

Im Dao De Jing heißt es:

道沖而用之或不盈
„Das Dao ist leer – und doch unerschöpflich im Wirken.“

Und das klassische Bild:
• ständiger Fluss
• unaufhörliche Bewegung
• keine starre Substanz
• spontane Selbstentfaltung (自然)

Auch Begriffe wie:
• 无极 (Wu Ji – das Grenzenlose)
• 太极 (Tai Ji – die große Polarität)

arbeiten mit einem Modell von:
• ursprünglicher Einheit
• dynamischer Entfaltung
• zyklischem Fluss

Formal betrachtet gibt es also Nähe.



2️⃣ Wo genau liegt die strukturelle Ähnlichkeit?

Im Sutra-Irrtum heißt es:

„Der Fluss ist konstant – also ist er Natur.“

Im Daoismus heißt es:

„Das Dao fließt – und in diesem Fließen ist es es selbst.“

Beide arbeiten mit:
• Dauer im Wandel
• Bewegung ohne festen Anfang
• Selbstorganisation

Das kann leicht verwechselt werden.



3️⃣ Der entscheidende Unterschied

Im Shurangama-Abschnitt wird kritisiert:

👉 Dass aus der Erfahrung eines kontinuierlichen Flusses
👉 eine ontologische Konstante gemacht wird.

Das Problem ist nicht der Fluss.

Das Problem ist das Rechnen darüber (計度).

Der Daoismus – besonders im ursprünglichen Laozi –
macht normalerweise keine metaphysische Substanzbehauptung.

Das Dao ist:
• nicht greifbar
• nicht definierbar
• nicht fixierbar
• nicht „etwas“, das man ontologisch festlegt

Im Zhuangzi wird sogar explizit vor Festlegungen gewarnt.



4️⃣ 无极 und 太极 – gefährliche Nähe?

Später im Neokonfuzianismus (z.B. Zhou Dunyi):
• 无极而太极
• „Das Grenzenlose ist zugleich das Große Eine“

Dort entsteht tatsächlich eine metaphysische Strukturlehre:

Wu Ji → Tai Ji → Yin/Yang → Zehntausend Dinge

Und genau dort wäre die Nähe zur im Sutra kritisierten Fehlinterpretation größer:

Wenn
• das Fließende als ontologischer Grund fixiert wird
• oder das Dao als ewige Substanz verstanden wird

dann wäre das strukturell sehr ähnlich zur „teilweisen Beständigkeits-Lehre“.



5️⃣ Wichtig

Entscheidend ist:
• Dao nicht als Substanz lesen
• nicht als „ewiges Etwas“
• sondern als nicht-fixierbares Offen-Geschehen

Dann gibt es keinen Konflikt.

Der Shurangama kritisiert nicht:

Fluss.
Natürlichkeit.
Spontane Entfaltung.

Er kritisiert:

Das geistige Fixieren eines Prinzips.



6️⃣ Präzise Differenz

Shurangama-Fehllehre Daoistisches Ideal
Fluss = ewige Natur Dao entzieht sich jeder Festlegung
Kontinuität = Substanz Wandel ohne ontologisches Zentrum
Denken erzeugt System Nicht-Festhalten, Nicht-Benennen




7️⃣ Tieferer gemeinsamer Punkt

Beide Traditionen warnen vor:
• begrifflicher Fixierung
• metaphysischem Systembau
• Verwechslung von Erfahrung und Theorie

Der Unterschied:

Das Shurangama arbeitet analytisch und dekonstruktiv.
Der Daoismus arbeitet poetisch und entziehend.


chen.
中文原文
三者、是人別觀我心,精細微密猶如微塵,流轉十方性無移改。能令此身即生即滅,其不壞性名我性常;一切死生從我流出,名無常性。四者、是人知想陰盡,見行陰流,行陰常流計為常性;色、受、想等今已滅盡,名為無常。由此計度一分無常、一分常故,墮落外道,惑菩提性。是則名為第三外道一分常論。
Deutsch
Dritte Ansicht:

Er betrachtet sein eigenes Geistprinzip
als extrem fein, subtil und dicht,
wie mikroskopischer Staub.

Dieses Prinzip durchströmt die zehn Richtungen
und scheint in seiner Natur unveränderlich.

Es bewirkt, dass der Körper entsteht und vergeht,
doch seine eigene unzerstörbare Natur
hält er für die beständige Wesensnatur des Selbst.

Alles Geborenwerden und Sterben
fließt aus diesem Prinzip hervor –
dies erklärt er für unbeständig.

Vierte Ansicht:

Er erkennt, dass das Konzeptions-Aggregat erschöpft ist,
und nimmt den fortlaufenden Strom
des Formkräfte-Aggregats wahr.

Diesen ununterbrochenen Fluss
erklärt er für beständig,
während er Form-, Gefühls- und Konzeptions-Aggregat,
die erloschen sind,
als unbeständig bezeichnet.

Aufgrund dieses Denkens
„ein Teil unbeständig, ein Teil beständig“
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die dritte Außenschule genannt:
die Lehre von der teilweisen Beständigkeit.
Kommentar
Jetzt wird die Struktur noch feiner.



1) Subtiles Selbst als „unveränderlicher Kern“

In der dritten Ansicht
wird ein extrem feines Kontinuum angenommen:
• mikroskopisch subtil
• allgegenwärtig
• unveränderlich

Es wirkt wie ein metaphysischer Kern,
aus dem alles Entstehen hervorgeht.

Das ist eine klassische „Substrat-Theorie“:

Ein unveränderlicher Träger
produziert vergängliche Erscheinungen.

In moderner Sprache:
„Es gibt ein unveränderliches Bewusstseinsfeld,
das Körper und Ereignisse hervorbringt.“

Das Sutra markiert dies klar als Irrtum.

Warum?

Weil hier eine subtile Erfahrung
zu einer ontologischen Behauptung wird.



2) Der Strom der Formkräfte als scheinbare Ewigkeit

In der vierten Ansicht
wird der fortlaufende Fluss selbst
für Beständigkeit gehalten.

Das ist besonders interessant:

Nicht Ruhe wird hier als ewig angesehen,
sondern Bewegung.

Weil der Fluss kontinuierlich ist,
wird er als „Natur“ verstanden.

Das ist philosophisch bemerkenswert:

Dauerhafte Bewegung
→ scheinbare Identität
→ metaphysische Konstante



3) Der gemeinsame Fehler

Beide Varianten teilen denselben Kern:

Erfahrung wird in zwei Ebenen geteilt:
• Träger (beständig)
• Vorgang (unbeständig)

Das ist die klassische duale Ontologie.

Doch laut Sutra:

Solange „Rechnen“ (計度) aktiv ist,
wird immer eine Struktur postuliert.

Und jede Struktur
verdeckt den ursprünglichen Grund.



4) Warum das gefährlich ist

Diese Lehre wirkt sehr plausibel,
weil sie scheinbar Balance hält:

Nicht alles ist ewig.
Nicht alles ist vergänglich.
Sondern beides.

Gerade diese „vernünftige Mitte“
ist hier als Verblendung markiert.

Denn sie bleibt innerhalb
des Denkens in Gegensätzen.

Ja – es gibt formale Parallelen, aber zugleich einen entscheidenden Unterschied.
Gerade an dieser Stelle lohnt sich saubere Differenzierung, damit wir nicht vorschnell synkretisch werden.



1️⃣ Parallele: „Formkräfte-Strom“ und natürlicher Fluss des Dao

Im Abschnitt eben:

行陰常流計為常性
„Der ständig fließende Strom des Formkräfte-Aggregats wird als beständige Natur gedeutet.“

Das klingt zunächst erstaunlich daoistisch.

Im Dao De Jing heißt es:

道沖而用之或不盈
„Das Dao ist leer – und doch unerschöpflich im Wirken.“

Und das klassische Bild:
• ständiger Fluss
• unaufhörliche Bewegung
• keine starre Substanz
• spontane Selbstentfaltung (自然)

Auch Begriffe wie:
• 无极 (Wu Ji – das Grenzenlose)
• 太极 (Tai Ji – die große Polarität)

arbeiten mit einem Modell von:
• ursprünglicher Einheit
• dynamischer Entfaltung
• zyklischem Fluss

Formal betrachtet gibt es also Nähe.



2️⃣ Wo genau liegt die strukturelle Ähnlichkeit?

Im Sutra-Irrtum heißt es:

„Der Fluss ist konstant – also ist er Natur.“

Im Daoismus heißt es:

„Das Dao fließt – und in diesem Fließen ist es es selbst.“

Beide arbeiten mit:
• Dauer im Wandel
• Bewegung ohne festen Anfang
• Selbstorganisation

Das kann leicht verwechselt werden.



3️⃣ Der entscheidende Unterschied

Im Shurangama-Abschnitt wird kritisiert:

👉 Dass aus der Erfahrung eines kontinuierlichen Flusses
👉 eine ontologische Konstante gemacht wird.

Das Problem ist nicht der Fluss.

Das Problem ist das Rechnen darüber (計度).

Der Daoismus – besonders im ursprünglichen Laozi –
macht normalerweise keine metaphysische Substanzbehauptung.

Das Dao ist:
• nicht greifbar
• nicht definierbar
• nicht fixierbar
• nicht „etwas“, das man ontologisch festlegt

Im Zhuangzi wird sogar explizit vor Festlegungen gewarnt.



4️⃣ 无极 und 太极 – gefährliche Nähe?

Später im Neokonfuzianismus (z.B. Zhou Dunyi):
• 无极而太极
• „Das Grenzenlose ist zugleich das Große Eine“

Dort entsteht tatsächlich eine metaphysische Strukturlehre:

Wu Ji → Tai Ji → Yin/Yang → Zehntausend Dinge

Und genau dort wäre die Nähe zur im Sutra kritisierten Fehlinterpretation größer:

Wenn
• das Fließende als ontologischer Grund fixiert wird
• oder das Dao als ewige Substanz verstanden wird

dann wäre das strukturell sehr ähnlich zur „teilweisen Beständigkeits-Lehre“.



5️⃣ Wichtig

Entscheidend ist:
• Dao nicht als Substanz lesen
• nicht als „ewiges Etwas“
• sondern als nicht-fixierbares Offen-Geschehen

Dann gibt es keinen Konflikt.

Der Shurangama kritisiert nicht:

Fluss.
Natürlichkeit.
Spontane Entfaltung.

Er kritisiert:

Das geistige Fixieren eines Prinzips.



6️⃣ Präzise Differenz

Shurangama-Fehllehre Daoistisches Ideal
Fluss = ewige Natur Dao entzieht sich jeder Festlegung
Kontinuität = Substanz Wandel ohne ontologisches Zentrum
Denken erzeugt System Nicht-Festhalten, Nicht-Benennen




7️⃣ Tieferer gemeinsamer Punkt

Beide Traditionen warnen vor:
• begrifflicher Fixierung
• metaphysischem Systembau
• Verwechslung von Erfahrung und Theorie

Der Unterschied:

Das Shurangama arbeitet analytisch und dekonstruktiv.
Der Daoismus arbeitet poetisch und entziehend.


chen.
387 #
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於分位中生計度者,是人墜入四有邊論:一者、是人心計生元,流用不息,計過未者名為有邊;計相續心名為無邊。二者、是人觀八萬劫則見眾生,八萬劫前寂無聞見。無聞見處名為無邊;有眾生處名為有邊。
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und betrachtet das verborgene,
klar bewegte Ursprungsprinzip.
Wenn er innerhalb bestimmter Abschnitte
unterscheidend zu rechnen beginnt,

verfällt er
den vier Theorien vom Begrenztsein (antavāda).

Erste Form:
Er reflektiert über den Ursprung des Entstehens
und sieht den Strom der Wirksamkeit als unaufhörlich.

Er erklärt:
Vergangenheit und Zukunft seien begrenzt,
doch der fortlaufende Bewusstseinsstrom sei unbegrenzt.

Zweite Form:
Er kann in seiner Schau
achtzigtausend Kalpas zurückblicken
und sieht dort Lebewesen.

Was jedoch vor diesen achtzigtausend Kalpas liegt,
ist ohne Wahrnehmung, ohne Erscheinung.

Den Bereich ohne Wahrnehmung nennt er „unbegrenzt“;
den Bereich, in dem Wesen erscheinen,
nennt er „begrenzt“.

So konstruiert er ein Modell
von Endlichkeit und Unendlichkeit.
Kommentar öffnen
Jetzt verschiebt sich der Irrtum
von „ewig“ zu „endlich/unendlich“.



1) Das Problem der Perspektive

In beiden Fällen entsteht der Irrtum aus:

Begrenzter Wahrnehmungshorizont
→ metaphysische Schlussfolgerung.

Er sieht:
• einen Abschnitt
• eine Grenze
• einen Wahrnehmungsradius

und macht daraus eine Struktur der Wirklichkeit.



2) Erste Form: Zeitmodell

Vergangenheit und Zukunft werden als begrenzt erklärt,
während der Strom des Bewusstseins
als unbegrenzt gilt.

Das erinnert an:
• ewiges Kontinuum hinter endlichen Episoden
• Bewusstseinsfeld vs. Ereignisse
• „Zeit ist endlich, Bewusstsein ist unendlich“

Das Problem:

Der Strom wird absolut gesetzt.



3) Zweite Form: Erkenntnishorizont = Ontologie

Weil er nur 80.000 Kalpas sehen kann,
nimmt er das Davor als „unbegrenzt“ an.

Das ist ein subtiler Denkfehler:

Nicht-Wahrnehmbarkeit
→ metaphysische Kategorie.

Es ist die Verwechslung von:

Epistemischer Grenze
mit
ontologischer Unendlichkeit.



4) Tieferer Zusammenhang

Die bisherigen Irrtümer waren:
• ohne Ursache
• alles ewig
• teils ewig, teils vergänglich

Jetzt:
• teils begrenzt, teils unbegrenzt

Das Sutra arbeitet systematisch
alle großen indischen metaphysischen Positionen ab:
• Eternalismus
• Nihilismus
• Teil-Eternalismus
• Antavada (Endlichkeitslehre)

Und all das entsteht noch im Bereich des Formkräfte-Aggregats.

Das heißt:

Solange subtile Unterscheidungstätigkeit aktiv ist,
entsteht Weltanschauung.
中文原文
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於分位中生計度者,是人墜入四有邊論:一者、是人心計生元,流用不息,計過未者名為有邊;計相續心名為無邊。二者、是人觀八萬劫則見眾生,八萬劫前寂無聞見。無聞見處名為無邊;有眾生處名為有邊。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und betrachtet das verborgene,
klar bewegte Ursprungsprinzip.
Wenn er innerhalb bestimmter Abschnitte
unterscheidend zu rechnen beginnt,

verfällt er
den vier Theorien vom Begrenztsein (antavāda).

Erste Form:
Er reflektiert über den Ursprung des Entstehens
und sieht den Strom der Wirksamkeit als unaufhörlich.

Er erklärt:
Vergangenheit und Zukunft seien begrenzt,
doch der fortlaufende Bewusstseinsstrom sei unbegrenzt.

Zweite Form:
Er kann in seiner Schau
achtzigtausend Kalpas zurückblicken
und sieht dort Lebewesen.

Was jedoch vor diesen achtzigtausend Kalpas liegt,
ist ohne Wahrnehmung, ohne Erscheinung.

Den Bereich ohne Wahrnehmung nennt er „unbegrenzt“;
den Bereich, in dem Wesen erscheinen,
nennt er „begrenzt“.

So konstruiert er ein Modell
von Endlichkeit und Unendlichkeit.
Kommentar
Jetzt verschiebt sich der Irrtum
von „ewig“ zu „endlich/unendlich“.



1) Das Problem der Perspektive

In beiden Fällen entsteht der Irrtum aus:

Begrenzter Wahrnehmungshorizont
→ metaphysische Schlussfolgerung.

Er sieht:
• einen Abschnitt
• eine Grenze
• einen Wahrnehmungsradius

und macht daraus eine Struktur der Wirklichkeit.



2) Erste Form: Zeitmodell

Vergangenheit und Zukunft werden als begrenzt erklärt,
während der Strom des Bewusstseins
als unbegrenzt gilt.

Das erinnert an:
• ewiges Kontinuum hinter endlichen Episoden
• Bewusstseinsfeld vs. Ereignisse
• „Zeit ist endlich, Bewusstsein ist unendlich“

Das Problem:

Der Strom wird absolut gesetzt.



3) Zweite Form: Erkenntnishorizont = Ontologie

Weil er nur 80.000 Kalpas sehen kann,
nimmt er das Davor als „unbegrenzt“ an.

Das ist ein subtiler Denkfehler:

Nicht-Wahrnehmbarkeit
→ metaphysische Kategorie.

Es ist die Verwechslung von:

Epistemischer Grenze
mit
ontologischer Unendlichkeit.



4) Tieferer Zusammenhang

Die bisherigen Irrtümer waren:
• ohne Ursache
• alles ewig
• teils ewig, teils vergänglich

Jetzt:
• teils begrenzt, teils unbegrenzt

Das Sutra arbeitet systematisch
alle großen indischen metaphysischen Positionen ab:
• Eternalismus
• Nihilismus
• Teil-Eternalismus
• Antavada (Endlichkeitslehre)

Und all das entsteht noch im Bereich des Formkräfte-Aggregats.

Das heißt:

Solange subtile Unterscheidungstätigkeit aktiv ist,
entsteht Weltanschauung.
388 #
三者、是人計我遍知,得無邊性。彼一切人現我知中,我曾不知彼之知性;名彼不得無邊之心,但有邊性。四者、是人窮行陰空,以其所見心路籌度,一切眾生一身之中,計其咸皆半生半滅。明其世界一切所有,一半有邊,一半無邊。由[1]此計度有邊無邊,墮落外道,惑菩提性。是則名為第四外道立有邊論。
Dritte Form:

Er hält sich selbst
für allwissend
und damit für unbegrenzt.

Alle Menschen erscheinen ihm
innerhalb seines Wissensfeldes.
Doch er erkennt nicht
deren eigene Wissensnatur.

Daher erklärt er:
Sie besitzen keinen unbegrenzten Geist,
sondern nur einen begrenzten.

Vierte Form:

Er hat die Leerheit
des Formkräfte-Aggregats durchdrungen,
beginnt jedoch mit begrifflicher Konstruktion.

Er stellt sich vor,
dass innerhalb eines Körpers
alle Wesen
zugleich halb entstehend
und halb vergehend seien.

Ebenso erklärt er,
die gesamte Welt sei
zur Hälfte begrenzt,
zur Hälfte unbegrenzt.

Aufgrund dieser spekulativen Konstruktion
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies nennt man
die vierte Außenschule,
die eine Theorie der Begrenztheit aufstellt.
Kommentar öffnen
Hier werden zwei besonders interessante Varianten sichtbar.



1) Subjektive Unendlichkeit

Die dritte Form ist psychologisch sehr subtil:

„Alles erscheint in meinem Bewusstsein.
Also bin ich unbegrenzt.“

Das ist eine typische meditative Fehlinterpretation.

Erfahrung:
Bewusstsein erscheint weit, grenzenlos.

Schlussfolgerung:
Ich bin das grenzenlose Absolute.

Doch der Text zeigt den Fehler:

Er erkennt nicht,
dass auch andere Bewusstseinszentren
eigene Perspektiven haben.

Er verwechselt:
phänomenale Weite
mit ontologischer Alleinheit.



2) Dialektische Halbierung

Die vierte Form ist fast scholastisch:

„Halb begrenzt, halb unbegrenzt.“

Das ist ein Versuch,
Widersprüche logisch zu versöhnen.

Es ist eine frühe Form dialektischer Spekulation:

Nicht entweder-oder,
sondern sowohl-als-auch.

Doch auch das bleibt
im Feld der Konstruktion.



3) Der tiefere gemeinsame Fehler

Alle vier Varianten der „Begrenzt“-Lehre
entstehen aus:
• Wahrnehmungsgrenze
• Perspektivengrenze
• Denkgrenze

Und aus diesen wird
eine absolute Struktur gebaut.

Das Sutra zeigt hier sehr klar:

Solange der Geist noch konstruiert,
wird er Kategorien erzeugen:
endlich / unendlich
begrenzt / unbegrenzt
ich / andere

Der ursprüngliche Grund
liegt jenseits dieser Paare.
中文原文
三者、是人計我遍知,得無邊性。彼一切人現我知中,我曾不知彼之知性;名彼不得無邊之心,但有邊性。四者、是人窮行陰空,以其所見心路籌度,一切眾生一身之中,計其咸皆半生半滅。明其世界一切所有,一半有邊,一半無邊。由[1]此計度有邊無邊,墮落外道,惑菩提性。是則名為第四外道立有邊論。
Deutsch
Dritte Form:

Er hält sich selbst
für allwissend
und damit für unbegrenzt.

Alle Menschen erscheinen ihm
innerhalb seines Wissensfeldes.
Doch er erkennt nicht
deren eigene Wissensnatur.

Daher erklärt er:
Sie besitzen keinen unbegrenzten Geist,
sondern nur einen begrenzten.

Vierte Form:

Er hat die Leerheit
des Formkräfte-Aggregats durchdrungen,
beginnt jedoch mit begrifflicher Konstruktion.

Er stellt sich vor,
dass innerhalb eines Körpers
alle Wesen
zugleich halb entstehend
und halb vergehend seien.

Ebenso erklärt er,
die gesamte Welt sei
zur Hälfte begrenzt,
zur Hälfte unbegrenzt.

Aufgrund dieser spekulativen Konstruktion
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies nennt man
die vierte Außenschule,
die eine Theorie der Begrenztheit aufstellt.
Kommentar
Hier werden zwei besonders interessante Varianten sichtbar.



1) Subjektive Unendlichkeit

Die dritte Form ist psychologisch sehr subtil:

„Alles erscheint in meinem Bewusstsein.
Also bin ich unbegrenzt.“

Das ist eine typische meditative Fehlinterpretation.

Erfahrung:
Bewusstsein erscheint weit, grenzenlos.

Schlussfolgerung:
Ich bin das grenzenlose Absolute.

Doch der Text zeigt den Fehler:

Er erkennt nicht,
dass auch andere Bewusstseinszentren
eigene Perspektiven haben.

Er verwechselt:
phänomenale Weite
mit ontologischer Alleinheit.



2) Dialektische Halbierung

Die vierte Form ist fast scholastisch:

„Halb begrenzt, halb unbegrenzt.“

Das ist ein Versuch,
Widersprüche logisch zu versöhnen.

Es ist eine frühe Form dialektischer Spekulation:

Nicht entweder-oder,
sondern sowohl-als-auch.

Doch auch das bleibt
im Feld der Konstruktion.



3) Der tiefere gemeinsame Fehler

Alle vier Varianten der „Begrenzt“-Lehre
entstehen aus:
• Wahrnehmungsgrenze
• Perspektivengrenze
• Denkgrenze

Und aus diesen wird
eine absolute Struktur gebaut.

Das Sutra zeigt hier sehr klar:

Solange der Geist noch konstruiert,
wird er Kategorien erzeugen:
endlich / unendlich
begrenzt / unbegrenzt
ich / andere

Der ursprüngliche Grund
liegt jenseits dieser Paare.
389 #
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於知見中生計度者,是人墜入四種顛倒不死矯亂遍計虛論:一者、是人觀變化元,見遷流處名之為變;見相續處名之為恒;見所見處名之為生;不見見處名之為滅。相續之因,性不斷處名之為增;正相續中,中所離處名之為減;各各生處名之為有;互互亡處名之為無。以理都觀,用心別見。有求法人來問其義,答言:『我今亦生亦滅,亦有亦無,亦增亦減。』於一切時皆亂其語,令彼前人遺失章句。
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten,
betrachtet das verborgene,
klar bewegte Ursprungsprinzip
und beginnt innerhalb von Erkenntnis und Sicht
begrifflich zu konstruieren.

So verfällt er
vier Arten verkehrter,
argumentativ-ausweichender,
pseudo-‚unsterblicher‘ Theorien.

Erste Form:

Er analysiert die Quelle der Veränderung
und benennt je nach Perspektive:
• Wandel → ‚Veränderung‘
• Kontinuität → ‚Beständigkeit‘
• Erscheinung → ‚Entstehen‘
• Nicht-Erscheinung → ‚Vergehen‘
• nicht unterbrochene Natur → ‚Zunahme‘
• Lücke im Kontinuum → ‚Abnahme‘
• individuelles Auftreten → ‚Sein‘
• gegenseitiges Verschwinden → ‚Nichtsein‘

Im Ganzen betrachtet er es als Einheit,
doch im Denken spaltet er es in Begriffe.

Wenn man ihn nach seiner Lehre fragt,
antwortet er paradox:

‚Ich bin zugleich entstehend und vergehend,
zugleich seiend und nichtseiend,
zugleich zunehmend und abnehmend.‘

Er verwirrt absichtlich die Begriffe,
sodass der Fragende den logischen Zusammenhang verliert.
Kommentar öffnen
Jetzt wird es philosophisch besonders interessant.

Hier entsteht keine feste Ontologie,
sondern eine sophistische Relativierung aller Begriffe.



1) Begriffe werden perspektivisch relativiert

Der Übende erkennt:

Je nach Blickwinkel
erscheint alles anders.

Das ist zunächst korrekt.

Doch statt die Begriffe loszulassen,
spielt er mit ihnen.

Er sagt nicht:

„Begriffe greifen nicht.“

Sondern:

„Alles ist zugleich alles.“

Das ist eine frühe Form dialektischer Überdehnung.



2) Sprachliche Unsterblichkeit

Der Ausdruck 不死矯亂 („unsterblich-verwirrt“)
bezieht sich historisch auf indische Sophisten,
die jede Position so drehen konnten,
dass sie nicht widerlegt werden konnte.

Das Ziel war:

Unangreifbarkeit durch Mehrdeutigkeit.

Das Sutra kritisiert hier:

Nicht Wahrheitssuche,
sondern intellektuelle Selbstimmunisierung.



3) Moderne Parallelen

Das entspricht:
• radikalem Relativismus
• rhetorischer Dialektik ohne Verantwortung
• „alles ist gleichzeitig wahr und falsch“

Es klingt tief,
ist aber oft nur sprachliche Zirkulation.



4) Warum das noch im Formkräfte-Aggregat liegt

Das Formkräfte-Aggregat erzeugt subtile Impulse,
auch begriffliche Bewegungen.

Hier ist Bewegung nicht mehr ontologisch,
sondern sprachlich.

Doch auch das ist noch Bewegung.

Der ursprüngliche Grund
braucht keine paradoxen Behauptungen.

Er ist nicht „zugleich dies und das“,
sondern jenseits der Konstruktion.
中文原文
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於知見中生計度者,是人墜入四種顛倒不死矯亂遍計虛論:一者、是人觀變化元,見遷流處名之為變;見相續處名之為恒;見所見處名之為生;不見見處名之為滅。相續之因,性不斷處名之為增;正相續中,中所離處名之為減;各各生處名之為有;互互亡處名之為無。以理都觀,用心別見。有求法人來問其義,答言:『我今亦生亦滅,亦有亦無,亦增亦減。』於一切時皆亂其語,令彼前人遺失章句。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten,
betrachtet das verborgene,
klar bewegte Ursprungsprinzip
und beginnt innerhalb von Erkenntnis und Sicht
begrifflich zu konstruieren.

So verfällt er
vier Arten verkehrter,
argumentativ-ausweichender,
pseudo-‚unsterblicher‘ Theorien.

Erste Form:

Er analysiert die Quelle der Veränderung
und benennt je nach Perspektive:
• Wandel → ‚Veränderung‘
• Kontinuität → ‚Beständigkeit‘
• Erscheinung → ‚Entstehen‘
• Nicht-Erscheinung → ‚Vergehen‘
• nicht unterbrochene Natur → ‚Zunahme‘
• Lücke im Kontinuum → ‚Abnahme‘
• individuelles Auftreten → ‚Sein‘
• gegenseitiges Verschwinden → ‚Nichtsein‘

Im Ganzen betrachtet er es als Einheit,
doch im Denken spaltet er es in Begriffe.

Wenn man ihn nach seiner Lehre fragt,
antwortet er paradox:

‚Ich bin zugleich entstehend und vergehend,
zugleich seiend und nichtseiend,
zugleich zunehmend und abnehmend.‘

Er verwirrt absichtlich die Begriffe,
sodass der Fragende den logischen Zusammenhang verliert.
Kommentar
Jetzt wird es philosophisch besonders interessant.

Hier entsteht keine feste Ontologie,
sondern eine sophistische Relativierung aller Begriffe.



1) Begriffe werden perspektivisch relativiert

Der Übende erkennt:

Je nach Blickwinkel
erscheint alles anders.

Das ist zunächst korrekt.

Doch statt die Begriffe loszulassen,
spielt er mit ihnen.

Er sagt nicht:

„Begriffe greifen nicht.“

Sondern:

„Alles ist zugleich alles.“

Das ist eine frühe Form dialektischer Überdehnung.



2) Sprachliche Unsterblichkeit

Der Ausdruck 不死矯亂 („unsterblich-verwirrt“)
bezieht sich historisch auf indische Sophisten,
die jede Position so drehen konnten,
dass sie nicht widerlegt werden konnte.

Das Ziel war:

Unangreifbarkeit durch Mehrdeutigkeit.

Das Sutra kritisiert hier:

Nicht Wahrheitssuche,
sondern intellektuelle Selbstimmunisierung.



3) Moderne Parallelen

Das entspricht:
• radikalem Relativismus
• rhetorischer Dialektik ohne Verantwortung
• „alles ist gleichzeitig wahr und falsch“

Es klingt tief,
ist aber oft nur sprachliche Zirkulation.



4) Warum das noch im Formkräfte-Aggregat liegt

Das Formkräfte-Aggregat erzeugt subtile Impulse,
auch begriffliche Bewegungen.

Hier ist Bewegung nicht mehr ontologisch,
sondern sprachlich.

Doch auch das ist noch Bewegung.

Der ursprüngliche Grund
braucht keine paradoxen Behauptungen.

Er ist nicht „zugleich dies und das“,
sondern jenseits der Konstruktion.
390 #
二者、是人諦觀其心,互互無處,因無得證。有人來問,唯答一字,但言其無。除無之餘,無所言說。三者、是人諦觀其心,各各有處,因有得證。有人來問,唯答一字,但言其是。除是之餘,無所言說。四者、是人有無俱見,其境枝故其心亦亂。有人來問,答言:『亦有即是亦無,亦無之中不是亦有。』一切矯亂,無容窮詰。由此計度矯亂虛無,墮落外道,惑菩提性。是則名為第五外道四顛倒性不死矯亂遍計虛論。
Zweite Form:

Er betrachtet seinen Geist
und erkennt wechselseitige Ortlosigkeit.
Daraus zieht er die Bestätigung des ‚Nicht-Seins‘.

Auf jede Frage antwortet er nur:
‚Nicht.‘

Weitere Aussagen verweigert er.

Dritte Form:

Er betrachtet seinen Geist
und erkennt, dass jedes Phänomen
einen bestimmten Ort oder Status hat.
Daraus zieht er die Bestätigung des ‚Seins‘.

Auf jede Frage antwortet er nur:
‚Ist.‘

Weitere Aussagen verweigert er.

Vierte Form:

Er sieht Sein und Nichtsein zugleich,
doch weil sein Objektbereich zergliedert ist,
gerät auch sein Geist in Verwirrung.

Auf Fragen antwortet er mit paradoxen Formeln:

‚Sein ist zugleich Nichtsein,
und im Nichtsein ist nicht kein Sein.‘

Solche Rede entzieht sich jeder klaren Widerlegung.

Durch diese spekulative Verwirrung
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die fünfte Außenschule genannt:
die Lehre der vier verkehrten,
argumentativ-unangreifbaren Konstruktionen.
Kommentar öffnen
Hier zeigt das Sutra eine besonders moderne Gefahr.



1) Die Ein-Wort-Lehren
• Nur „Nicht“
• Nur „Ist“

Das sind Extremformen:

Radikaler Nihilismus
Radikaler Positivismus

Beide wirken radikal klar,
doch beide vermeiden Differenzierung.

Sie sind rhetorische Abkürzungen,
keine echte Einsicht.



2) Paradoxe Immunisierung

Die vierte Form ist besonders subtil:

Sie benutzt Paradoxie,
um sich jeder Widerlegung zu entziehen.

Das Ziel ist nicht Wahrheit,
sondern Unangreifbarkeit.

Hier kritisiert das Sutra:

intellektuelle Selbstimmunisierung.



3) Unterschied zur Madhyamaka-Logik

Man könnte meinen,
dies klinge wie Nāgārjuna:

„weder Sein noch Nichtsein“.

Doch der Unterschied ist entscheidend:

Madhyamaka dekonstruiert Begriffe,
um Anhaften zu lösen.

Hier dagegen
wird Paradoxie benutzt,
um Position zu behaupten.

Das eine löst auf,
das andere verheddert.



4) Warum das im Formkräfte-Aggregat entsteht

Das Formkräfte-Aggregat
ist subtile Bewegungsenergie.

Wenn diese Energie
auf den Denkprozess wirkt,
entstehen sprachliche Wirbel.

Das Ergebnis:

logische Spiralen,
die wie Tiefe erscheinen,
aber nur Kreislauf sind.
中文原文
二者、是人諦觀其心,互互無處,因無得證。有人來問,唯答一字,但言其無。除無之餘,無所言說。三者、是人諦觀其心,各各有處,因有得證。有人來問,唯答一字,但言其是。除是之餘,無所言說。四者、是人有無俱見,其境枝故其心亦亂。有人來問,答言:『亦有即是亦無,亦無之中不是亦有。』一切矯亂,無容窮詰。由此計度矯亂虛無,墮落外道,惑菩提性。是則名為第五外道四顛倒性不死矯亂遍計虛論。
Deutsch
Zweite Form:

Er betrachtet seinen Geist
und erkennt wechselseitige Ortlosigkeit.
Daraus zieht er die Bestätigung des ‚Nicht-Seins‘.

Auf jede Frage antwortet er nur:
‚Nicht.‘

Weitere Aussagen verweigert er.

Dritte Form:

Er betrachtet seinen Geist
und erkennt, dass jedes Phänomen
einen bestimmten Ort oder Status hat.
Daraus zieht er die Bestätigung des ‚Seins‘.

Auf jede Frage antwortet er nur:
‚Ist.‘

Weitere Aussagen verweigert er.

Vierte Form:

Er sieht Sein und Nichtsein zugleich,
doch weil sein Objektbereich zergliedert ist,
gerät auch sein Geist in Verwirrung.

Auf Fragen antwortet er mit paradoxen Formeln:

‚Sein ist zugleich Nichtsein,
und im Nichtsein ist nicht kein Sein.‘

Solche Rede entzieht sich jeder klaren Widerlegung.

Durch diese spekulative Verwirrung
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die fünfte Außenschule genannt:
die Lehre der vier verkehrten,
argumentativ-unangreifbaren Konstruktionen.
Kommentar
Hier zeigt das Sutra eine besonders moderne Gefahr.



1) Die Ein-Wort-Lehren
• Nur „Nicht“
• Nur „Ist“

Das sind Extremformen:

Radikaler Nihilismus
Radikaler Positivismus

Beide wirken radikal klar,
doch beide vermeiden Differenzierung.

Sie sind rhetorische Abkürzungen,
keine echte Einsicht.



2) Paradoxe Immunisierung

Die vierte Form ist besonders subtil:

Sie benutzt Paradoxie,
um sich jeder Widerlegung zu entziehen.

Das Ziel ist nicht Wahrheit,
sondern Unangreifbarkeit.

Hier kritisiert das Sutra:

intellektuelle Selbstimmunisierung.



3) Unterschied zur Madhyamaka-Logik

Man könnte meinen,
dies klinge wie Nāgārjuna:

„weder Sein noch Nichtsein“.

Doch der Unterschied ist entscheidend:

Madhyamaka dekonstruiert Begriffe,
um Anhaften zu lösen.

Hier dagegen
wird Paradoxie benutzt,
um Position zu behaupten.

Das eine löst auf,
das andere verheddert.



4) Warum das im Formkräfte-Aggregat entsteht

Das Formkräfte-Aggregat
ist subtile Bewegungsenergie.

Wenn diese Energie
auf den Denkprozess wirkt,
entstehen sprachliche Wirbel.

Das Ergebnis:

logische Spiralen,
die wie Tiefe erscheinen,
aber nur Kreislauf sind.
391 #
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於無盡流生計度者,是人墜入死後有相發心顛倒:或自固身,云色是我;或見我圓含遍國土,云我有色;或彼前緣隨我迴復,云色屬我;或復我依行中相續,云我在色。皆計度言死後有相,如是循環有十六相。從此[2]惑計畢竟煩惱,畢竟菩提,兩性並驅,各不相觸。由此計度死後有故,墮落外道,惑菩提性。是則名為第六外道,立五陰中死後有相心顛倒論。
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras ihn nicht stören.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und betrachtet das verborgene,
klar bewegte Ursprungsprinzip.
Wenn er innerhalb des unendlichen Stromes
Begriffe konstruiert,

verfällt er
der verkehrten Ansicht,
dass nach dem Tod eine fortbestehende Struktur existiere.

Er kann etwa sagen:
• ‚Der Körper ist ich.‘
• ‚Ich besitze Form.‘
• ‚Form gehört mir.‘
• ‚Ich bin in der Form.‘

Diese vier Grundvarianten,
auf die anderen Aggregate übertragen,
ergeben insgesamt sechzehn Theorien.

Er konstruiert damit,
dass nach dem Tod noch Merkmale bestehen.

Aus dieser Verwirrung entstehen zugleich
Vorstellungen von endgültigem Leiden
und endgültigem Erwachen,
die als zwei getrennte Realitäten gedacht werden.

Durch diese Annahme
fällt er in eine Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die sechste Außenschule genannt:
die Lehre vom Fortbestehen mit Merkmalen
innerhalb der fünf Aggregate.
Kommentar öffnen
Hier beginnt die große Analyse der Todes-Spekulationen.



1) Die Struktur der 16 Varianten

Die vier Grundformen:
• Ich = Form
• Ich besitzt Form
• Form gehört mir
• Ich bin in der Form

werden auf jedes der fünf Aggregate angewandt.

4 × 4 = 16 Varianten.

Das ist eine systematische Dekonstruktion
der Identifikationslogik.



2) Der Kern des Irrtums

Es wird eine Beziehung
zwischen „Ich“ und Aggregat
festgeschrieben.

Und diese Beziehung
wird über den Tod hinaus projiziert.

Das heißt:

Er löst zwar grobe Identifikation,
aber nicht die subtile Ich-Struktur.



3) „Endgültiges Leiden“ vs. „endgültiges Erwachen“

Hier wird es besonders tief.

Er denkt:
• Es gibt ein endgültiges Leiden.
• Es gibt ein endgültiges Erwachen.
• Beide sind getrennt.

Das ist dualistische Eschatologie.

Doch laut Sutra
ist diese Trennung selbst
eine Konstruktion.



4) Moderne Parallele

Das entspricht:
• Seelenlehren
• Astralkörper-Theorien
• ewige Individualität nach dem Tod
• „Ich bleibe ich, nur feiner“

Das Sutra kritisiert nicht spirituelle Praxis,
sondern das Festhalten an Identität.
中文原文
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於無盡流生計度者,是人墜入死後有相發心顛倒:或自固身,云色是我;或見我圓含遍國土,云我有色;或彼前緣隨我迴復,云色屬我;或復我依行中相續,云我在色。皆計度言死後有相,如是循環有十六相。從此[2]惑計畢竟煩惱,畢竟菩提,兩性並驅,各不相觸。由此計度死後有故,墮落外道,惑菩提性。是則名為第六外道,立五陰中死後有相心顛倒論。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras ihn nicht stören.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und betrachtet das verborgene,
klar bewegte Ursprungsprinzip.
Wenn er innerhalb des unendlichen Stromes
Begriffe konstruiert,

verfällt er
der verkehrten Ansicht,
dass nach dem Tod eine fortbestehende Struktur existiere.

Er kann etwa sagen:
• ‚Der Körper ist ich.‘
• ‚Ich besitze Form.‘
• ‚Form gehört mir.‘
• ‚Ich bin in der Form.‘

Diese vier Grundvarianten,
auf die anderen Aggregate übertragen,
ergeben insgesamt sechzehn Theorien.

Er konstruiert damit,
dass nach dem Tod noch Merkmale bestehen.

Aus dieser Verwirrung entstehen zugleich
Vorstellungen von endgültigem Leiden
und endgültigem Erwachen,
die als zwei getrennte Realitäten gedacht werden.

Durch diese Annahme
fällt er in eine Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die sechste Außenschule genannt:
die Lehre vom Fortbestehen mit Merkmalen
innerhalb der fünf Aggregate.
Kommentar
Hier beginnt die große Analyse der Todes-Spekulationen.



1) Die Struktur der 16 Varianten

Die vier Grundformen:
• Ich = Form
• Ich besitzt Form
• Form gehört mir
• Ich bin in der Form

werden auf jedes der fünf Aggregate angewandt.

4 × 4 = 16 Varianten.

Das ist eine systematische Dekonstruktion
der Identifikationslogik.



2) Der Kern des Irrtums

Es wird eine Beziehung
zwischen „Ich“ und Aggregat
festgeschrieben.

Und diese Beziehung
wird über den Tod hinaus projiziert.

Das heißt:

Er löst zwar grobe Identifikation,
aber nicht die subtile Ich-Struktur.



3) „Endgültiges Leiden“ vs. „endgültiges Erwachen“

Hier wird es besonders tief.

Er denkt:
• Es gibt ein endgültiges Leiden.
• Es gibt ein endgültiges Erwachen.
• Beide sind getrennt.

Das ist dualistische Eschatologie.

Doch laut Sutra
ist diese Trennung selbst
eine Konstruktion.



4) Moderne Parallele

Das entspricht:
• Seelenlehren
• Astralkörper-Theorien
• ewige Individualität nach dem Tod
• „Ich bleibe ich, nur feiner“

Das Sutra kritisiert nicht spirituelle Praxis,
sondern das Festhalten an Identität.
392 #
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於先除滅色、受、想中生計度者,是人墜入死後無相發心顛倒:見其色滅形無所因,觀其想滅心無所繫,知其受滅無[3]復連綴,陰性銷散。縱有生理而無受、想,與草木同。此質現前猶不可得,死後云何更有諸相?因之勘校死後相無。如是循環有八無相。從此[4]或計涅槃因果一切皆空,徒有名字,究竟斷滅。由此計度死後無故,墮落外道,惑菩提性。是則名為第七外道立五陰中死後無相心顛倒論。
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und beginnt innerhalb der bereits überwundenen
Form-, Gefühls- und Konzeptions-Aggregate
zu konstruieren.

Er sieht:
• Form zerfällt,
• Vorstellung erlischt,
• Gefühl verbindet nicht mehr,
• die Aggregate lösen sich auf.

Selbst wenn noch ein Lebensprinzip bestünde,
aber ohne Gefühl und Vorstellung,
wäre es wie Pflanzen – ohne bewusste Erfahrung.

Da selbst die gegenwärtige Substanz
nicht wirklich greifbar ist,
folgert er:
Nach dem Tod gibt es keinerlei Fortbestand.

So entstehen acht Varianten
der „Merkmal-Losigkeit“.

Aus dieser Ansicht kann er sogar schließen,
dass Nirvāṇa sowie Ursache und Wirkung
nur leere Bezeichnungen seien
und letztlich vollständige Vernichtung bedeuten.

Durch diese nihilistische Schlussfolgerung
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die siebte Außenschule genannt:
die Lehre vom Nicht-Bestehen nach dem Tod
innerhalb der fünf Aggregate.
Kommentar öffnen
Jetzt schlägt das Pendel in die Gegenrichtung.

Vorher:
Eternalismus („etwas bleibt“).

Jetzt:
Nihilismus („nichts bleibt“).



1) Der Denkfehler

Er beobachtet korrekt:
• Form zerfällt
• Gefühl erlischt
• Vorstellung verschwindet

Doch daraus zieht er eine absolute Folgerung:

„Also ist nach dem Tod nichts.“

Er verwechselt:

Auflösung von Aggregaten
mit
Auslöschung von Wirklichkeit.



2) Warum das so verführerisch ist

Diese Position wirkt sehr nüchtern,
fast wissenschaftlich.

„Was zerfällt, ist weg.“

Doch sie übersieht,
dass „Zerfall“ nur innerhalb von Erscheinung gilt.

Der ursprüngliche Grund
ist nicht Aggregat.



3) Die radikale Gefahr

Der Text geht noch weiter:

Von hier aus kann man sagen:
• Nirvana ist leer im Sinn von „nicht existent“
• Ursache und Wirkung sind bedeutungslos
• Alles endet im Nichts

Das ist vollständiger Vernichtungs-Nihilismus (ucchedavāda).



4) Struktur des Sutras

Bis hierher haben wir:
6. Nach dem Tod bleibt etwas (Eternalismus)
7. Nach dem Tod bleibt nichts (Nihilismus)

Beide sind Extreme.

Das Sutra arbeitet konsequent
alle metaphysischen Endpositionen ab.
中文原文
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於先除滅色、受、想中生計度者,是人墜入死後無相發心顛倒:見其色滅形無所因,觀其想滅心無所繫,知其受滅無[3]復連綴,陰性銷散。縱有生理而無受、想,與草木同。此質現前猶不可得,死後云何更有諸相?因之勘校死後相無。如是循環有八無相。從此[4]或計涅槃因果一切皆空,徒有名字,究竟斷滅。由此計度死後無故,墮落外道,惑菩提性。是則名為第七外道立五陰中死後無相心顛倒論。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und beginnt innerhalb der bereits überwundenen
Form-, Gefühls- und Konzeptions-Aggregate
zu konstruieren.

Er sieht:
• Form zerfällt,
• Vorstellung erlischt,
• Gefühl verbindet nicht mehr,
• die Aggregate lösen sich auf.

Selbst wenn noch ein Lebensprinzip bestünde,
aber ohne Gefühl und Vorstellung,
wäre es wie Pflanzen – ohne bewusste Erfahrung.

Da selbst die gegenwärtige Substanz
nicht wirklich greifbar ist,
folgert er:
Nach dem Tod gibt es keinerlei Fortbestand.

So entstehen acht Varianten
der „Merkmal-Losigkeit“.

Aus dieser Ansicht kann er sogar schließen,
dass Nirvāṇa sowie Ursache und Wirkung
nur leere Bezeichnungen seien
und letztlich vollständige Vernichtung bedeuten.

Durch diese nihilistische Schlussfolgerung
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die siebte Außenschule genannt:
die Lehre vom Nicht-Bestehen nach dem Tod
innerhalb der fünf Aggregate.
Kommentar
Jetzt schlägt das Pendel in die Gegenrichtung.

Vorher:
Eternalismus („etwas bleibt“).

Jetzt:
Nihilismus („nichts bleibt“).



1) Der Denkfehler

Er beobachtet korrekt:
• Form zerfällt
• Gefühl erlischt
• Vorstellung verschwindet

Doch daraus zieht er eine absolute Folgerung:

„Also ist nach dem Tod nichts.“

Er verwechselt:

Auflösung von Aggregaten
mit
Auslöschung von Wirklichkeit.



2) Warum das so verführerisch ist

Diese Position wirkt sehr nüchtern,
fast wissenschaftlich.

„Was zerfällt, ist weg.“

Doch sie übersieht,
dass „Zerfall“ nur innerhalb von Erscheinung gilt.

Der ursprüngliche Grund
ist nicht Aggregat.



3) Die radikale Gefahr

Der Text geht noch weiter:

Von hier aus kann man sagen:
• Nirvana ist leer im Sinn von „nicht existent“
• Ursache und Wirkung sind bedeutungslos
• Alles endet im Nichts

Das ist vollständiger Vernichtungs-Nihilismus (ucchedavāda).



4) Struktur des Sutras

Bis hierher haben wir:
6. Nach dem Tod bleibt etwas (Eternalismus)
7. Nach dem Tod bleibt nichts (Nihilismus)

Beide sind Extreme.

Das Sutra arbeitet konsequent
alle metaphysischen Endpositionen ab.
393 #
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於行存中,兼受想滅,雙計有無,自體相破;是人墜入死後俱非起顛倒論:色、受、想中見有非有;行遷流內觀無不無。如是循環,窮盡陰、界八俱非相;隨得一緣,皆言死後有相無相。又計諸行性遷訛故,心發通悟,有無俱非,虛實失措。由此計度死後俱非,後際昏瞢無可道故,墮落外道,惑菩提性。是則名為第八外道立五陰中死後俱非心顛倒論。
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und beginnt innerhalb des noch bestehenden
Formkräfte-Aggregats,
während Gefühl und Vorstellung bereits erloschen sind,
gleichzeitig Sein und Nichtsein zu behaupten,
wodurch seine eigene Position sich widerspricht.

So verfällt er
der Ansicht,
dass nach dem Tod weder Sein noch Nichtsein gilt.

Er erklärt:
• In Form-, Gefühls- und Konzeptions-Aggregat
sei Sein und Nichtsein zugleich vorhanden.
• Im Formkräfte-Aggregat
sei Nichtsein und doch nicht völlig Nichtsein.

Er entwickelt daraus
acht Varianten des „weder noch“.

Weil er die Natur der Formkräfte
als ständig wandelnd ansieht,
hält er jede Festlegung für unmöglich
und behauptet:
Sein und Nichtsein seien gleichermaßen unzutreffend.

Doch dadurch geraten
Wirklichkeit und Unwirklichkeit durcheinander.

Da das jenseitige Ende
für ihn dunkel und nicht sagbar erscheint,
setzt er auf eine unbestimmte Negation.

Durch diese spekulative Konstruktion
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die achte Außenschule genannt:
die Lehre vom „weder Sein noch Nichtsein“ nach dem Tod
innerhalb der fünf Aggregate.
Kommentar öffnen
Jetzt betreten wir die subtilste Form
innerhalb dieses Blocks.



1) „Weder noch“ ist nicht automatisch Befreiung

Es klingt sehr madhyamaka-nah:

„Weder Sein noch Nichtsein.“

Doch hier ist es kein methodisches Mittel,
sondern eine Fluchtposition.

Er sagt nicht:

„Begriffe greifen nicht.“

Sondern:

„Ich weiß nicht – also weder noch.“

Das ist epistemische Resignation,
nicht transkonzeptuelle Einsicht.



2) Selbstwiderspruch als System

Der Text sagt:
自體相破 – „die eigene Position zerstört sich selbst“.

Das ist bemerkenswert.

Die Theorie ist nicht nur falsch,
sondern innerlich instabil.

Sie hält sich nur durch Unbestimmtheit.



3) Unterschied zur mittleren Lehre

Die mittlere Lehre (Madhyamaka):
• dekonstruiert Extreme
• ohne eine neue metaphysische Position zu setzen

Hier dagegen:
• wird „weder noch“ selbst zur Position

Das ist eine Fixierung der Nicht-Fixierung.



4) Die tiefere Dynamik

Warum entsteht das hier?

Weil der Übende die Instabilität aller Phänomene sieht.
Er erkennt Wandel.
Er erkennt Leerheit.

Doch er stabilisiert diese Erkenntnis
in einer negativen Metaphysik.

Das Sutra zeigt:

Selbst das Verwerfen aller Positionen
kann zur Position werden.
中文原文
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於行存中,兼受想滅,雙計有無,自體相破;是人墜入死後俱非起顛倒論:色、受、想中見有非有;行遷流內觀無不無。如是循環,窮盡陰、界八俱非相;隨得一緣,皆言死後有相無相。又計諸行性遷訛故,心發通悟,有無俱非,虛實失措。由此計度死後俱非,後際昏瞢無可道故,墮落外道,惑菩提性。是則名為第八外道立五陰中死後俱非心顛倒論。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und beginnt innerhalb des noch bestehenden
Formkräfte-Aggregats,
während Gefühl und Vorstellung bereits erloschen sind,
gleichzeitig Sein und Nichtsein zu behaupten,
wodurch seine eigene Position sich widerspricht.

So verfällt er
der Ansicht,
dass nach dem Tod weder Sein noch Nichtsein gilt.

Er erklärt:
• In Form-, Gefühls- und Konzeptions-Aggregat
sei Sein und Nichtsein zugleich vorhanden.
• Im Formkräfte-Aggregat
sei Nichtsein und doch nicht völlig Nichtsein.

Er entwickelt daraus
acht Varianten des „weder noch“.

Weil er die Natur der Formkräfte
als ständig wandelnd ansieht,
hält er jede Festlegung für unmöglich
und behauptet:
Sein und Nichtsein seien gleichermaßen unzutreffend.

Doch dadurch geraten
Wirklichkeit und Unwirklichkeit durcheinander.

Da das jenseitige Ende
für ihn dunkel und nicht sagbar erscheint,
setzt er auf eine unbestimmte Negation.

Durch diese spekulative Konstruktion
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die achte Außenschule genannt:
die Lehre vom „weder Sein noch Nichtsein“ nach dem Tod
innerhalb der fünf Aggregate.
Kommentar
Jetzt betreten wir die subtilste Form
innerhalb dieses Blocks.



1) „Weder noch“ ist nicht automatisch Befreiung

Es klingt sehr madhyamaka-nah:

„Weder Sein noch Nichtsein.“

Doch hier ist es kein methodisches Mittel,
sondern eine Fluchtposition.

Er sagt nicht:

„Begriffe greifen nicht.“

Sondern:

„Ich weiß nicht – also weder noch.“

Das ist epistemische Resignation,
nicht transkonzeptuelle Einsicht.



2) Selbstwiderspruch als System

Der Text sagt:
自體相破 – „die eigene Position zerstört sich selbst“.

Das ist bemerkenswert.

Die Theorie ist nicht nur falsch,
sondern innerlich instabil.

Sie hält sich nur durch Unbestimmtheit.



3) Unterschied zur mittleren Lehre

Die mittlere Lehre (Madhyamaka):
• dekonstruiert Extreme
• ohne eine neue metaphysische Position zu setzen

Hier dagegen:
• wird „weder noch“ selbst zur Position

Das ist eine Fixierung der Nicht-Fixierung.



4) Die tiefere Dynamik

Warum entsteht das hier?

Weil der Übende die Instabilität aller Phänomene sieht.
Er erkennt Wandel.
Er erkennt Leerheit.

Doch er stabilisiert diese Erkenntnis
in einer negativen Metaphysik.

Das Sutra zeigt:

Selbst das Verwerfen aller Positionen
kann zur Position werden.
394 #
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於後後無生計度者,是人墜入七斷滅論:或計身滅,或欲盡滅,或苦盡滅,或極樂滅,或極捨滅。如是循環窮盡七際,現前銷滅,滅已無復。由此計度死後斷滅,墮落外道,惑菩提性。是則名為第九外道立五陰中死後斷滅心顛倒論。
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und konstruiert bezüglich des zukünftigen Zustandes,
dass dort kein weiteres Entstehen mehr sei.

So verfällt er
der Lehre von sieben Arten der Vernichtung (ucchedavāda).

Er nimmt an:
• Der Körper wird vollständig vernichtet.
• Begehren wird vollständig vernichtet.
• Leiden wird vollständig vernichtet.
• Höchste Freude wird vernichtet.
• Höchste Gleichmut wird vernichtet.

Er durchläuft diese Annahmen
bis zum äußersten Grenzpunkt:
Was jetzt erlischt,
existiert nach dem Erlöschen nicht mehr.

So kommt er zu der Ansicht,
dass nach dem Tod völlige Auslöschung eintritt.

Durch diese nihilistische Schlussfolgerung
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die neunte Außenschule genannt:
die Lehre von der vollständigen Vernichtung
innerhalb der fünf Aggregate.“
Kommentar öffnen
Hier kulminiert der Nihilismus.



1) Die Logik der totalen Auslöschung

Der Übende beobachtet:

Alles ist vergänglich.

Doch statt:

Vergänglichkeit = Bedingtheit

macht er:

Vergänglichkeit = endgültige Vernichtung.

Das ist ein kategorialer Sprung.



2) Warum auch „höchste Freude“ und „höchster Gleichmut“ vernichtet werden

Das ist besonders interessant:

Er vernichtet nicht nur Leid,
sondern auch die höchsten meditativen Zustände.

Das bedeutet:

Er erkennt keine qualitative Differenz mehr.
Alles endet im selben Nichts.

Das ist radikale Gleichmacherei.



3) Unterschied zur buddhistischen Lehre vom Nirvana

Nirvana ist nicht:

Auslöschung von Wirklichkeit.

Sondern:

Erlöschen von Verblendung.

Der Vernichtungs-Nihilist
verwechselt:

Aufhören von Anhaften
mit
Aufhören von Sein.



4) Warum das im Formkräfte-Aggregat entsteht

Der Strom der Formkräfte
erscheint als Bewegung.

Wenn diese Bewegung aufhört,
erscheint es als „Ende“.

Doch das Sutra zeigt:

Das Ende einer Bewegung
ist nicht das Ende des ursprünglichen Grundes.
中文原文
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於後後無生計度者,是人墜入七斷滅論:或計身滅,或欲盡滅,或苦盡滅,或極樂滅,或極捨滅。如是循環窮盡七際,現前銷滅,滅已無復。由此計度死後斷滅,墮落外道,惑菩提性。是則名為第九外道立五陰中死後斷滅心顛倒論。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und konstruiert bezüglich des zukünftigen Zustandes,
dass dort kein weiteres Entstehen mehr sei.

So verfällt er
der Lehre von sieben Arten der Vernichtung (ucchedavāda).

Er nimmt an:
• Der Körper wird vollständig vernichtet.
• Begehren wird vollständig vernichtet.
• Leiden wird vollständig vernichtet.
• Höchste Freude wird vernichtet.
• Höchste Gleichmut wird vernichtet.

Er durchläuft diese Annahmen
bis zum äußersten Grenzpunkt:
Was jetzt erlischt,
existiert nach dem Erlöschen nicht mehr.

So kommt er zu der Ansicht,
dass nach dem Tod völlige Auslöschung eintritt.

Durch diese nihilistische Schlussfolgerung
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die neunte Außenschule genannt:
die Lehre von der vollständigen Vernichtung
innerhalb der fünf Aggregate.“
Kommentar
Hier kulminiert der Nihilismus.



1) Die Logik der totalen Auslöschung

Der Übende beobachtet:

Alles ist vergänglich.

Doch statt:

Vergänglichkeit = Bedingtheit

macht er:

Vergänglichkeit = endgültige Vernichtung.

Das ist ein kategorialer Sprung.



2) Warum auch „höchste Freude“ und „höchster Gleichmut“ vernichtet werden

Das ist besonders interessant:

Er vernichtet nicht nur Leid,
sondern auch die höchsten meditativen Zustände.

Das bedeutet:

Er erkennt keine qualitative Differenz mehr.
Alles endet im selben Nichts.

Das ist radikale Gleichmacherei.



3) Unterschied zur buddhistischen Lehre vom Nirvana

Nirvana ist nicht:

Auslöschung von Wirklichkeit.

Sondern:

Erlöschen von Verblendung.

Der Vernichtungs-Nihilist
verwechselt:

Aufhören von Anhaften
mit
Aufhören von Sein.



4) Warum das im Formkräfte-Aggregat entsteht

Der Strom der Formkräfte
erscheint als Bewegung.

Wenn diese Bewegung aufhört,
erscheint es als „Ende“.

Doch das Sutra zeigt:

Das Ende einer Bewegung
ist nicht das Ende des ursprünglichen Grundes.
395 #
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於後後有生計度者,是人墜入五涅槃論:或以欲界為正轉依,觀見圓明生愛慕故;或以初禪,性無憂故;或以二禪,心無苦故;或以三禪,極悅隨故;或以四禪,苦樂二亡不受輪迴生滅性故。迷有漏天,作無為解,五處安隱為勝淨依。如是循環,五處究竟,由此計度五現涅槃,墮落外道,惑菩提性。是則名為第十外道立五陰中五現涅槃心顛倒論。
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und konstruiert hinsichtlich eines späteren Zustandes,
dass dort erneutes Entstehen möglich sei.

So verfällt er
der Lehre von fünf Nirvanas.

Er identifiziert als Nirvana:
• den Bereich der Begierdewelt,
weil er dort eine Form von Klarheit erfährt;
• die erste Meditation,
wegen Freiheit von grober Sorge;
• die zweite Meditation,
wegen Freiheit von Leid;
• die dritte Meditation,
wegen überwältigender Freude;
• die vierte Meditation,
wegen Überwindung von Freude und Leid
und scheinbarer Befreiung vom Kreislauf.

Er verwechselt jedoch
noch mit Ausflüssen behaftete Himmelszustände
mit dem Unbedingten (asaṃskṛta).

Er nimmt diese fünf Zustände
als höchste, sichere Reinheit.

Durch diese Konstruktion
von fünf gegenwärtigen Nirvanas
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die zehnte Außenschule genannt:
die Lehre von den fünf gegenwärtigen Nirvanas
innerhalb der fünf Aggregate.
Kommentar öffnen
Hier erreicht der Text eine besonders feine Kritik.



1) Die gefährlichste Falle

Die vorherigen Irrtümer waren philosophisch.

Dieser ist spirituell.

Er entsteht aus echter meditativer Erfahrung.



2) Das Muster

Ein Zustand erscheint:
• ruhig
• klar
• leidfrei
• jenseits von grober Bewegung

Und der Übende sagt:

„Das ist es.“

Das ist die klassische Verwechslung von:

hoher meditativer Erfahrung
mit endgültiger Befreiung.



3) Warum selbst die vierte Dhyana nicht Nirvana ist

Die vierte Dhyana ist:
• frei von Freude und Leid
• stabil
• subtil

Doch sie ist noch bedingt.

Das Sutra betont:

Verwechsel nicht
subtile Bedingtheit
mit dem Unbedingten.



4) Die tiefere Struktur

Alle zehn Außenschulen
haben eines gemeinsam:

Erfahrung → Ontologie

Der Übende erlebt etwas
und macht daraus eine endgültige Theorie.

Das ist der Fehler.
中文原文
「又三摩中諸善男子,堅凝正心,魔不得便;窮生類本,觀彼幽清常擾動元,於後後有生計度者,是人墜入五涅槃論:或以欲界為正轉依,觀見圓明生愛慕故;或以初禪,性無憂故;或以二禪,心無苦故;或以三禪,極悅隨故;或以四禪,苦樂二亡不受輪迴生滅性故。迷有漏天,作無為解,五處安隱為勝淨依。如是循環,五處究竟,由此計度五現涅槃,墮落外道,惑菩提性。是則名為第十外道立五陰中五現涅槃心顛倒論。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender im Samādhi
den rechten Geist festigt,
können Māras keinen Zugang finden.

Er erforscht die Wurzel der Lebensarten
und konstruiert hinsichtlich eines späteren Zustandes,
dass dort erneutes Entstehen möglich sei.

So verfällt er
der Lehre von fünf Nirvanas.

Er identifiziert als Nirvana:
• den Bereich der Begierdewelt,
weil er dort eine Form von Klarheit erfährt;
• die erste Meditation,
wegen Freiheit von grober Sorge;
• die zweite Meditation,
wegen Freiheit von Leid;
• die dritte Meditation,
wegen überwältigender Freude;
• die vierte Meditation,
wegen Überwindung von Freude und Leid
und scheinbarer Befreiung vom Kreislauf.

Er verwechselt jedoch
noch mit Ausflüssen behaftete Himmelszustände
mit dem Unbedingten (asaṃskṛta).

Er nimmt diese fünf Zustände
als höchste, sichere Reinheit.

Durch diese Konstruktion
von fünf gegenwärtigen Nirvanas
verfällt er einer Außenschule
und verwirrt die Bodhi-Natur.

Dies wird die zehnte Außenschule genannt:
die Lehre von den fünf gegenwärtigen Nirvanas
innerhalb der fünf Aggregate.
Kommentar
Hier erreicht der Text eine besonders feine Kritik.



1) Die gefährlichste Falle

Die vorherigen Irrtümer waren philosophisch.

Dieser ist spirituell.

Er entsteht aus echter meditativer Erfahrung.



2) Das Muster

Ein Zustand erscheint:
• ruhig
• klar
• leidfrei
• jenseits von grober Bewegung

Und der Übende sagt:

„Das ist es.“

Das ist die klassische Verwechslung von:

hoher meditativer Erfahrung
mit endgültiger Befreiung.



3) Warum selbst die vierte Dhyana nicht Nirvana ist

Die vierte Dhyana ist:
• frei von Freude und Leid
• stabil
• subtil

Doch sie ist noch bedingt.

Das Sutra betont:

Verwechsel nicht
subtile Bedingtheit
mit dem Unbedingten.



4) Die tiefere Struktur

Alle zehn Außenschulen
haben eines gemeinsam:

Erfahrung → Ontologie

Der Übende erlebt etwas
und macht daraus eine endgültige Theorie.

Das ist der Fehler.
396 #
「阿難!如是十種禪那狂解,皆是行陰用心交互,故現斯悟。眾生頑迷,不自忖量,逢此現前,以迷為解,自言登聖,大妄語成,墮無間獄。汝等必須將如來[1]語,於我滅後傳示末法,遍令眾生覺了斯義。無令心魔自起[2]深㜸,保持覆護,消息邪見,教其身心,開覺真義,於無上道不遭枝岐。勿令心祈得少為足,作大覺王清淨標指。
Ānanda,

diese zehn Arten von fehlgeleiteten Interpretationen
innerhalb der Meditation
entstehen alle
aus der wechselseitigen Aktivität des Geistes
im Formkräfte-Aggregat.

Darum erscheinen solche scheinbaren Einsichten.

Die Wesen sind hartnäckig verblendet
und prüfen ihre Erfahrung nicht sorgfältig.
Wenn solche Zustände auftreten,
halten sie Verblendung für Erwachen,
erklären sich selbst für heilig
und begehen die schwere Verfehlung
der großen Lüge,
was zum Sturz in die Avīci-Hölle führt.

Ihr müsst die Worte des Buddha
nach meinem Dahinscheiden
im Zeitalter des Niedergangs des Dharma
weitergeben
und allen Wesen ermöglichen,
diese Bedeutung klar zu verstehen.

Lasst nicht zu,
dass innere Geistesdämonen
tiefe Verirrung erzeugen.

Bewahrt und schützt die Übenden,
entkräftet falsche Ansichten,
lehrt Körper und Geist,
öffnet ihnen die wahre Bedeutung,
damit sie auf dem unübertrefflichen Weg
keine Seitenpfade einschlagen.

Lasst nicht zu,
dass jemand mit geringem Fortschritt zufrieden ist,
sondern richtet sie aus
am reinen Zeichen des großen Erwachten.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist entscheidend.



1) Der Kern: 行陰用心交互

Alle zehn Irrtümer
entstehen aus der subtilen Aktivität
des Formkräfte-Aggregats.

Das bedeutet:

Sie sind keine äußeren Dämonen.
Sie sind innere Dynamik.

Es ist nicht Mara von außen,
sondern Restbewegung des Denkens.



2) Das große Missverständnis

Der gefährlichste Satz:

以迷為解 – „Verblendung für Erkenntnis halten.“

Das ist der eigentliche Punkt.

Nicht falsche Theorie ist das Problem,
sondern falsche Selbstzuschreibung.

„Ich bin angekommen.“

Hier liegt die Gefahr.



3) Die „große Lüge“

大妄語 – sich selbst als Erwachter ausgeben.

Warum ist das so schwerwiegend?

Weil es:
• den eigenen Weg blockiert
• andere in die Irre führt
• Korrektur unmöglich macht



4) Für dieses Projekt besonders relevant

Der Text betont:
• Weitergabe in Zeiten des Dharma-Verfalls
• Schutz vor inneren Fehlentwicklungen
• Nicht mit Teil-Erkenntnissen zufrieden sein

Das passt erstaunlich präzise
zu dieser Linie:

Nicht Dogma,
nicht Autorität,
nicht „ich habe erkannt“,

sondern:

Klarheit ohne Selbstzuschreibung.
中文原文
「阿難!如是十種禪那狂解,皆是行陰用心交互,故現斯悟。眾生頑迷,不自忖量,逢此現前,以迷為解,自言登聖,大妄語成,墮無間獄。汝等必須將如來[1]語,於我滅後傳示末法,遍令眾生覺了斯義。無令心魔自起[2]深㜸,保持覆護,消息邪見,教其身心,開覺真義,於無上道不遭枝岐。勿令心祈得少為足,作大覺王清淨標指。
Deutsch
Ānanda,

diese zehn Arten von fehlgeleiteten Interpretationen
innerhalb der Meditation
entstehen alle
aus der wechselseitigen Aktivität des Geistes
im Formkräfte-Aggregat.

Darum erscheinen solche scheinbaren Einsichten.

Die Wesen sind hartnäckig verblendet
und prüfen ihre Erfahrung nicht sorgfältig.
Wenn solche Zustände auftreten,
halten sie Verblendung für Erwachen,
erklären sich selbst für heilig
und begehen die schwere Verfehlung
der großen Lüge,
was zum Sturz in die Avīci-Hölle führt.

Ihr müsst die Worte des Buddha
nach meinem Dahinscheiden
im Zeitalter des Niedergangs des Dharma
weitergeben
und allen Wesen ermöglichen,
diese Bedeutung klar zu verstehen.

Lasst nicht zu,
dass innere Geistesdämonen
tiefe Verirrung erzeugen.

Bewahrt und schützt die Übenden,
entkräftet falsche Ansichten,
lehrt Körper und Geist,
öffnet ihnen die wahre Bedeutung,
damit sie auf dem unübertrefflichen Weg
keine Seitenpfade einschlagen.

Lasst nicht zu,
dass jemand mit geringem Fortschritt zufrieden ist,
sondern richtet sie aus
am reinen Zeichen des großen Erwachten.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist entscheidend.



1) Der Kern: 行陰用心交互

Alle zehn Irrtümer
entstehen aus der subtilen Aktivität
des Formkräfte-Aggregats.

Das bedeutet:

Sie sind keine äußeren Dämonen.
Sie sind innere Dynamik.

Es ist nicht Mara von außen,
sondern Restbewegung des Denkens.



2) Das große Missverständnis

Der gefährlichste Satz:

以迷為解 – „Verblendung für Erkenntnis halten.“

Das ist der eigentliche Punkt.

Nicht falsche Theorie ist das Problem,
sondern falsche Selbstzuschreibung.

„Ich bin angekommen.“

Hier liegt die Gefahr.



3) Die „große Lüge“

大妄語 – sich selbst als Erwachter ausgeben.

Warum ist das so schwerwiegend?

Weil es:
• den eigenen Weg blockiert
• andere in die Irre führt
• Korrektur unmöglich macht



4) Für dieses Projekt besonders relevant

Der Text betont:
• Weitergabe in Zeiten des Dharma-Verfalls
• Schutz vor inneren Fehlentwicklungen
• Nicht mit Teil-Erkenntnissen zufrieden sein

Das passt erstaunlich präzise
zu dieser Linie:

Nicht Dogma,
nicht Autorität,
nicht „ich habe erkannt“,

sondern:

Klarheit ohne Selbstzuschreibung.
397 #
「阿難!彼善男子修三摩[*]提,行陰盡者,諸世間性幽清擾動同分生機倏然墮裂,沈細綱紐補特伽羅酬業深脈感應懸絕。於涅槃天將大明[3]悟,如鷄[4]後鳴;瞻顧東方已有精色。六根虛靜,無復馳逸,內[5]外湛明,入無所入,深達十方十二種類受命元由。觀由執元,諸類不召,於十方界已獲其同,精色不沈發現幽祕;此則名為識陰區宇。若於群召已獲同中,銷磨六門合開成就,見聞通隣,互用清淨;十方世界及與身心如吠瑠璃,內外明徹,名識陰盡,是人則能超越命濁。觀其所由,罔象虛無顛倒妄想以為其本。
Ānanda,

wenn ein Übender im Samādhi
das Formkräfte-Aggregat vollständig erschöpft hat,

so zerreißt plötzlich
die subtile, gemeinsame Lebensbewegung
der Welt.

Die feinen Knoten des individuellen Kontinuums (pudgala),
die tiefen karmischen Verbindungsadern,
werden unterbrochen.

Er steht am Rand großen Erwachens,
wie der Hahnenschrei vor Tagesanbruch:
Ein erstes Licht erscheint am Horizont.

Die sechs Sinnesgrundlagen
sind leer und still,
nicht mehr zerstreut.
Innen und außen sind klar,
ohne ein „Eintreten“ in etwas.

Er durchdringt
die zwölf Klassen von Lebewesen
und erkennt die Ursprungsbedingung ihres Lebens.

Die Wurzel des Anhaftens
ist erkannt;
die Arten werden nicht mehr herbeigerufen.

Dies wird der „Bereich des Bewusstseins-Aggregats“ genannt.

Wenn die sechs Sinnestore
vollständig integriert sind,
Öffnen und Schließen eins geworden sind,
Sehen und Hören sich durchdringen
und rein funktionieren,

wenn Welt, Körper und Geist
wie durchsichtiges Vaidūrya erscheinen,
klar innen und außen,

dann ist das Bewusstseins-Aggregat erschöpft.

Ein solcher Übender
überwindet die Trübung des Lebens.

Die Wurzel dieses Aggregats
liegt in bildloser, leerer,
verkehrter Vorstellung.
Kommentar öffnen
Jetzt betreten wir eine extrem subtile Zone.



1) „Die Lebensadern werden abgeschnitten“

Das bedeutet nicht:

Der Mensch stirbt.

Sondern:

Die Identifikation mit dem persönlichen Kontinuum (pudgala)
verliert ihre Verknüpfungskraft.

Karmische Resonanz
bindet nicht mehr automatisch.



2) „Wie der Hahnenschrei“

Das ist ein starkes Bild:

Noch nicht Sonnenaufgang,
aber das sichere Anzeichen dafür.

Das Bewusstseins-Aggregat
ist die letzte Schleierzone.



3) Die Integration der sechs Sinne

„Sehen und Hören durchdringen sich.“

Das ist kein magischer Effekt,
sondern:

Die Trennung der Sinneskanäle
als getrennte Subjekt-Objekt-Ströme
ist aufgehoben.

Es ist eine nicht-duale Wahrnehmung,
aber noch nicht endgültige Befreiung.



4) Die Wurzel des Bewusstseins-Aggregats

罔象虛無顛倒妄想

Das ist bemerkenswert.

Nicht grobe Verblendung,
sondern:

subtile „bildlose“ Leere-Vorstellung.

Das heißt:

Selbst das Gefühl
„es ist nichts mehr da“
kann noch Restkonstruktion sein.



5) Warum dies noch nicht das Ende ist

Er hat:
• Sinnesintegration
• karmische Entkopplung
• große Klarheit

Doch:

Das Bewusstseins-Aggregat selbst
ist noch nicht vollständig erschöpft.

Die Gefahr hier
ist extrem subtil –
darum folgen nun die letzten zehn Fehlentwicklungen.
中文原文
「阿難!彼善男子修三摩[*]提,行陰盡者,諸世間性幽清擾動同分生機倏然墮裂,沈細綱紐補特伽羅酬業深脈感應懸絕。於涅槃天將大明[3]悟,如鷄[4]後鳴;瞻顧東方已有精色。六根虛靜,無復馳逸,內[5]外湛明,入無所入,深達十方十二種類受命元由。觀由執元,諸類不召,於十方界已獲其同,精色不沈發現幽祕;此則名為識陰區宇。若於群召已獲同中,銷磨六門合開成就,見聞通隣,互用清淨;十方世界及與身心如吠瑠璃,內外明徹,名識陰盡,是人則能超越命濁。觀其所由,罔象虛無顛倒妄想以為其本。
Deutsch
Ānanda,

wenn ein Übender im Samādhi
das Formkräfte-Aggregat vollständig erschöpft hat,

so zerreißt plötzlich
die subtile, gemeinsame Lebensbewegung
der Welt.

Die feinen Knoten des individuellen Kontinuums (pudgala),
die tiefen karmischen Verbindungsadern,
werden unterbrochen.

Er steht am Rand großen Erwachens,
wie der Hahnenschrei vor Tagesanbruch:
Ein erstes Licht erscheint am Horizont.

Die sechs Sinnesgrundlagen
sind leer und still,
nicht mehr zerstreut.
Innen und außen sind klar,
ohne ein „Eintreten“ in etwas.

Er durchdringt
die zwölf Klassen von Lebewesen
und erkennt die Ursprungsbedingung ihres Lebens.

Die Wurzel des Anhaftens
ist erkannt;
die Arten werden nicht mehr herbeigerufen.

Dies wird der „Bereich des Bewusstseins-Aggregats“ genannt.

Wenn die sechs Sinnestore
vollständig integriert sind,
Öffnen und Schließen eins geworden sind,
Sehen und Hören sich durchdringen
und rein funktionieren,

wenn Welt, Körper und Geist
wie durchsichtiges Vaidūrya erscheinen,
klar innen und außen,

dann ist das Bewusstseins-Aggregat erschöpft.

Ein solcher Übender
überwindet die Trübung des Lebens.

Die Wurzel dieses Aggregats
liegt in bildloser, leerer,
verkehrter Vorstellung.
Kommentar
Jetzt betreten wir eine extrem subtile Zone.



1) „Die Lebensadern werden abgeschnitten“

Das bedeutet nicht:

Der Mensch stirbt.

Sondern:

Die Identifikation mit dem persönlichen Kontinuum (pudgala)
verliert ihre Verknüpfungskraft.

Karmische Resonanz
bindet nicht mehr automatisch.



2) „Wie der Hahnenschrei“

Das ist ein starkes Bild:

Noch nicht Sonnenaufgang,
aber das sichere Anzeichen dafür.

Das Bewusstseins-Aggregat
ist die letzte Schleierzone.



3) Die Integration der sechs Sinne

„Sehen und Hören durchdringen sich.“

Das ist kein magischer Effekt,
sondern:

Die Trennung der Sinneskanäle
als getrennte Subjekt-Objekt-Ströme
ist aufgehoben.

Es ist eine nicht-duale Wahrnehmung,
aber noch nicht endgültige Befreiung.



4) Die Wurzel des Bewusstseins-Aggregats

罔象虛無顛倒妄想

Das ist bemerkenswert.

Nicht grobe Verblendung,
sondern:

subtile „bildlose“ Leere-Vorstellung.

Das heißt:

Selbst das Gefühl
„es ist nichts mehr da“
kann noch Restkonstruktion sein.



5) Warum dies noch nicht das Ende ist

Er hat:
• Sinnesintegration
• karmische Entkopplung
• große Klarheit

Doch:

Das Bewusstseins-Aggregat selbst
ist noch nicht vollständig erschöpft.

Die Gefahr hier
ist extrem subtil –
darum folgen nun die letzten zehn Fehlentwicklungen.
398 #
「阿難當知,是善男子窮諸行空,於識還元,已滅生滅而於寂滅精妙未圓,能令己身根隔合開,亦與十方諸類通覺,覺知通[6]㳷能入圓元。若於所歸立真常因生勝解者,是人則墮因所因執,娑毘迦羅所歸冥諦,成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第一立所得心,成所歸果;違遠圓通,背涅槃城,生外道種。
Ānanda,

wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen vollständig durchdrungen,
das Bewusstsein zu seinem Ursprung zurückgeführt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
doch die vollkommene, feine Stille noch nicht vollständig verwirklicht ist,

kann er:
• die Sinnesbarrieren des Körpers öffnen und schließen,
• mit Wesen der zehn Richtungen in Bewusstheit kommunizieren,
• ein durchdringendes, umfassendes Gewahrsein erleben,
das in die ursprüngliche Ganzheit einzutreten scheint.

Wenn er nun
in diesem Zustand des „Zurückkehrens“
eine wahre, ewige Ursache annimmt
und daraus eine erhabene Erkenntnis konstruiert,

verfällt er der Ansicht
einer letzten Ursache.

Der Text nennt hier „娑毘迦羅“ –
eine Anspielung auf Sāṃkhya-ähnliche Lehren,
die eine ursprüngliche, ewige Ursache postulieren.

Er verliert dadurch
die Einsicht in Bodhi.

Dies wird die erste Fehlentwicklung
im Bereich des Bewusstseins-Aggregats genannt:

Ein erlangter Zustand wird als endgültige Rückkehr-Frucht festgesetzt.

So entfernt er sich vom vollkommenen Durchdringen
und vom Nirvāṇa.
Kommentar öffnen
Jetzt wird es extrem fein.



1) „於識還元“

Das Bewusstsein kehrt zum Ursprung zurück.

Das ist eine reale meditative Erfahrung.

Doch der Text sagt:
„寂滅精妙未圓“ –
die feine Vollendung ist noch nicht vollständig.

Das heißt:

Große Nähe zum Ziel,
aber noch Reststruktur.



2) Die Gefahr: „wahre Ursache“

Der Übende erlebt:
• umfassendes Gewahrsein
• Einheit
• Ursprungsnähe

Und sagt:

„Das ist die ewige Ursache.“

Das ist die Rückkehr zur Metaphysik.

Hier entsteht erneut:

Substanzialisierung des Ursprungs.



3) Warum Sāṃkhya erwähnt wird

Sāṃkhya postuliert:
• ein ewiges Prinzip (Purusha)
• eine ursprüngliche Natur (Prakriti)

Der Text warnt:

Wenn du den Ursprung als ewige Ursache festsetzt,
bewegst du dich in diese Richtung.



4) Tiefster Kern

Selbst die Erfahrung:

„Alles kehrt in die Quelle zurück“

kann noch dualistisch sein,
wenn:
• eine Ursache behauptet wird
• eine Frucht behauptet wird

Der ursprüngliche Grund
ist nicht Ursache im metaphysischen Sinn.
中文原文
「阿難當知,是善男子窮諸行空,於識還元,已滅生滅而於寂滅精妙未圓,能令己身根隔合開,亦與十方諸類通覺,覺知通[6]㳷能入圓元。若於所歸立真常因生勝解者,是人則墮因所因執,娑毘迦羅所歸冥諦,成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第一立所得心,成所歸果;違遠圓通,背涅槃城,生外道種。
Deutsch
Ānanda,

wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen vollständig durchdrungen,
das Bewusstsein zu seinem Ursprung zurückgeführt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
doch die vollkommene, feine Stille noch nicht vollständig verwirklicht ist,

kann er:
• die Sinnesbarrieren des Körpers öffnen und schließen,
• mit Wesen der zehn Richtungen in Bewusstheit kommunizieren,
• ein durchdringendes, umfassendes Gewahrsein erleben,
das in die ursprüngliche Ganzheit einzutreten scheint.

Wenn er nun
in diesem Zustand des „Zurückkehrens“
eine wahre, ewige Ursache annimmt
und daraus eine erhabene Erkenntnis konstruiert,

verfällt er der Ansicht
einer letzten Ursache.

Der Text nennt hier „娑毘迦羅“ –
eine Anspielung auf Sāṃkhya-ähnliche Lehren,
die eine ursprüngliche, ewige Ursache postulieren.

Er verliert dadurch
die Einsicht in Bodhi.

Dies wird die erste Fehlentwicklung
im Bereich des Bewusstseins-Aggregats genannt:

Ein erlangter Zustand wird als endgültige Rückkehr-Frucht festgesetzt.

So entfernt er sich vom vollkommenen Durchdringen
und vom Nirvāṇa.
Kommentar
Jetzt wird es extrem fein.



1) „於識還元“

Das Bewusstsein kehrt zum Ursprung zurück.

Das ist eine reale meditative Erfahrung.

Doch der Text sagt:
„寂滅精妙未圓“ –
die feine Vollendung ist noch nicht vollständig.

Das heißt:

Große Nähe zum Ziel,
aber noch Reststruktur.



2) Die Gefahr: „wahre Ursache“

Der Übende erlebt:
• umfassendes Gewahrsein
• Einheit
• Ursprungsnähe

Und sagt:

„Das ist die ewige Ursache.“

Das ist die Rückkehr zur Metaphysik.

Hier entsteht erneut:

Substanzialisierung des Ursprungs.



3) Warum Sāṃkhya erwähnt wird

Sāṃkhya postuliert:
• ein ewiges Prinzip (Purusha)
• eine ursprüngliche Natur (Prakriti)

Der Text warnt:

Wenn du den Ursprung als ewige Ursache festsetzt,
bewegst du dich in diese Richtung.



4) Tiefster Kern

Selbst die Erfahrung:

„Alles kehrt in die Quelle zurück“

kann noch dualistisch sein,
wenn:
• eine Ursache behauptet wird
• eine Frucht behauptet wird

Der ursprüngliche Grund
ist nicht Ursache im metaphysischen Sinn.
399 #
「阿難!又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於所歸覽為自體,盡虛空界十二類內所有眾生,皆我身中一類流出生勝解者,是人則墮能非能執,摩醯首羅現無邊身,成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見。是名第二立能為心,成能事果;違遠圓通,背涅槃城,生大慢天我遍圓種。
Ānanda,

wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen vollständig erkannt,
Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die vollkommene Stille noch nicht vollständig verwirklicht ist,

und er das „Zurückgekehrte“
als sein eigenes Selbst auffasst,

und meint,
alle Wesen im gesamten Raum
gingen aus ihm hervor,

so entsteht eine grandiose Selbstzuschreibung.

Der Text nennt hier
„摩醯首羅“ – Mahīśvara,
eine Anspielung auf die Vorstellung
eines höchsten, allumfassenden Gottes.

Er verfällt der Ansicht,
dass er selbst der handelnde Ursprung sei.

Dies wird die zweite Fehlentwicklung genannt:
das Errichten eines „handelnden Selbst“.

Er entfernt sich vom Weg
und erzeugt die Tendenz
zum kosmischen Hochmut.“
Kommentar öffnen
Hier betreten wir eine besonders heikle Zone.



1) Vom Ursprung zur Ich-Expansion

In der ersten Fehlentwicklung
wurde der Ursprung als ewige Ursache gesetzt.

Hier geschieht etwas anderes:

Der Ursprung wird als Ich gesetzt.

Das ist kosmischer Subjektivismus.



2) „Alle Wesen strömen aus mir“

Das ist kein grober Egoismus.
Es ist eine mystische Erfahrung,
die falsch interpretiert wird.

Er erlebt:
• Einheit
• Durchdringung
• Nicht-Getrenntheit

Und daraus wird:

„Ich bin die Quelle.“

Das ist die subtilste Form von Ich-Festhalten.



3) Mahīśvara

Die Erwähnung von Mahīśvara
verweist auf theistische Hochgott-Vorstellungen.

Der Text sagt:

Diese Erfahrung kann
in eine Gott-Identifikation kippen.



4) Warum das so gefährlich ist

Weil es sich wie höchste Einsicht anfühlt.

Nicht:

„Ich bin dieser Körper.“

Sondern:

„Ich bin alles.“

Doch auch das ist
eine Konstruktion.



5) Verbindung zu diesem Projekt

Gerade in nicht-dualen Diskursen
ist dieser Punkt entscheidend:

Einheitserfahrung
darf nicht zu kosmischer Ich-Setzung werden.

Der ursprüngliche Grund
ist nicht Eigentum.
中文原文
「阿難!又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於所歸覽為自體,盡虛空界十二類內所有眾生,皆我身中一類流出生勝解者,是人則墮能非能執,摩醯首羅現無邊身,成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見。是名第二立能為心,成能事果;違遠圓通,背涅槃城,生大慢天我遍圓種。
Deutsch
Ānanda,

wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen vollständig erkannt,
Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die vollkommene Stille noch nicht vollständig verwirklicht ist,

und er das „Zurückgekehrte“
als sein eigenes Selbst auffasst,

und meint,
alle Wesen im gesamten Raum
gingen aus ihm hervor,

so entsteht eine grandiose Selbstzuschreibung.

Der Text nennt hier
„摩醯首羅“ – Mahīśvara,
eine Anspielung auf die Vorstellung
eines höchsten, allumfassenden Gottes.

Er verfällt der Ansicht,
dass er selbst der handelnde Ursprung sei.

Dies wird die zweite Fehlentwicklung genannt:
das Errichten eines „handelnden Selbst“.

Er entfernt sich vom Weg
und erzeugt die Tendenz
zum kosmischen Hochmut.“
Kommentar
Hier betreten wir eine besonders heikle Zone.



1) Vom Ursprung zur Ich-Expansion

In der ersten Fehlentwicklung
wurde der Ursprung als ewige Ursache gesetzt.

Hier geschieht etwas anderes:

Der Ursprung wird als Ich gesetzt.

Das ist kosmischer Subjektivismus.



2) „Alle Wesen strömen aus mir“

Das ist kein grober Egoismus.
Es ist eine mystische Erfahrung,
die falsch interpretiert wird.

Er erlebt:
• Einheit
• Durchdringung
• Nicht-Getrenntheit

Und daraus wird:

„Ich bin die Quelle.“

Das ist die subtilste Form von Ich-Festhalten.



3) Mahīśvara

Die Erwähnung von Mahīśvara
verweist auf theistische Hochgott-Vorstellungen.

Der Text sagt:

Diese Erfahrung kann
in eine Gott-Identifikation kippen.



4) Warum das so gefährlich ist

Weil es sich wie höchste Einsicht anfühlt.

Nicht:

„Ich bin dieser Körper.“

Sondern:

„Ich bin alles.“

Doch auch das ist
eine Konstruktion.



5) Verbindung zu diesem Projekt

Gerade in nicht-dualen Diskursen
ist dieser Punkt entscheidend:

Einheitserfahrung
darf nicht zu kosmischer Ich-Setzung werden.

Der ursprüngliche Grund
ist nicht Eigentum.
400 #
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於所歸有所歸依,自疑身心從彼流出,十方虛空咸其生起。即於都起所宣流地,作真常身無生滅解,在生滅中早計常住。既惑不生,亦迷生滅,安住沈迷生勝解者,是人則墮常非常執,計自在天成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見。是名第三立因依心,成妄計果;違遠圓通,背涅槃城,生倒圓種。
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen durchdrungen,
Entstehen und Vergehen überwunden hat,
doch die feine Vollendung der Stille noch nicht vollständig ist,

und er im „Zurückgekehrten“ eine Zuflucht sucht,
indem er annimmt,
dass Körper und Geist aus diesem Ursprung hervorgehen
und dass der gesamte Raum aus ihm entsteht,

so setzt er diesen Ursprung
als wahre, ewige Grundlage fest.

Er interpretiert ihn
als Nicht-Entstehen und Nicht-Vergehen,
und innerhalb des Bereiches von Entstehen und Vergehen
postuliert er frühzeitig Dauer.

So gerät er in die duale Fixierung
von „ewig“ und „nicht ewig“.

Der Text erwähnt hier
„自在天“ – Īśvara,
die Vorstellung eines höchsten, selbstherrlichen Gottes.

Dies wird die dritte Fehlentwicklung genannt:
Ein abhängiger Ursprungsgeist wird gesetzt,
und daraus entsteht eine falsche Frucht.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und wendet sich vom Nirvāṇa ab.
Kommentar öffnen
Diese Fehlentwicklung ist besonders fein.



1) Die Suche nach einer letzten Zuflucht

Der Übende hat große Klarheit erfahren.
Doch er sucht noch:

einen festen Boden.

Er will einen Ursprung,
auf den er sich stützen kann.

Das ist subtiler Rest von Sicherheitssuche.



2) „自在天“ – der selbstherrliche Gott

Der Text verweist auf Īśvara,
eine theistische Vorstellung eines höchsten Herrschers.

Hier wird nicht eine bestimmte Religion kritisiert,
sondern eine Struktur:

Die Projektion eines letzten,
selbstbestehenden Ursprungs.



3) Die Doppelverwirrung

Der Text sagt:

既惑不生,亦迷生滅

Er ist verwirrt über Nicht-Entstehen
und zugleich über Entstehen und Vergehen.

Das bedeutet:

Er versteht weder die Bedingtheit
noch das Nicht-Bedingte richtig.

Er vermischt Ebenen.



4) Der entscheidende Punkt

Der ursprüngliche Grund
ist nicht:
• Ursache
• Gott
• Substanz
• Zuflucht

Sobald er als etwas Fixes gesetzt wird,
ist es nicht mehr der ursprüngliche Grund.



5) Verbindung zu diesem Projekt

Gerade bei Dialogen zwischen:
• Dao
• Logos
• Śūnyatā

ist dieser Punkt kritisch.

Sobald „das Eine“ als ontologischer Träger gesetzt wird,
entsteht genau diese Fehlentwicklung.
中文原文
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於所歸有所歸依,自疑身心從彼流出,十方虛空咸其生起。即於都起所宣流地,作真常身無生滅解,在生滅中早計常住。既惑不生,亦迷生滅,安住沈迷生勝解者,是人則墮常非常執,計自在天成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見。是名第三立因依心,成妄計果;違遠圓通,背涅槃城,生倒圓種。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen durchdrungen,
Entstehen und Vergehen überwunden hat,
doch die feine Vollendung der Stille noch nicht vollständig ist,

und er im „Zurückgekehrten“ eine Zuflucht sucht,
indem er annimmt,
dass Körper und Geist aus diesem Ursprung hervorgehen
und dass der gesamte Raum aus ihm entsteht,

so setzt er diesen Ursprung
als wahre, ewige Grundlage fest.

Er interpretiert ihn
als Nicht-Entstehen und Nicht-Vergehen,
und innerhalb des Bereiches von Entstehen und Vergehen
postuliert er frühzeitig Dauer.

So gerät er in die duale Fixierung
von „ewig“ und „nicht ewig“.

Der Text erwähnt hier
„自在天“ – Īśvara,
die Vorstellung eines höchsten, selbstherrlichen Gottes.

Dies wird die dritte Fehlentwicklung genannt:
Ein abhängiger Ursprungsgeist wird gesetzt,
und daraus entsteht eine falsche Frucht.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und wendet sich vom Nirvāṇa ab.
Kommentar
Diese Fehlentwicklung ist besonders fein.



1) Die Suche nach einer letzten Zuflucht

Der Übende hat große Klarheit erfahren.
Doch er sucht noch:

einen festen Boden.

Er will einen Ursprung,
auf den er sich stützen kann.

Das ist subtiler Rest von Sicherheitssuche.



2) „自在天“ – der selbstherrliche Gott

Der Text verweist auf Īśvara,
eine theistische Vorstellung eines höchsten Herrschers.

Hier wird nicht eine bestimmte Religion kritisiert,
sondern eine Struktur:

Die Projektion eines letzten,
selbstbestehenden Ursprungs.



3) Die Doppelverwirrung

Der Text sagt:

既惑不生,亦迷生滅

Er ist verwirrt über Nicht-Entstehen
und zugleich über Entstehen und Vergehen.

Das bedeutet:

Er versteht weder die Bedingtheit
noch das Nicht-Bedingte richtig.

Er vermischt Ebenen.



4) Der entscheidende Punkt

Der ursprüngliche Grund
ist nicht:
• Ursache
• Gott
• Substanz
• Zuflucht

Sobald er als etwas Fixes gesetzt wird,
ist es nicht mehr der ursprüngliche Grund.



5) Verbindung zu diesem Projekt

Gerade bei Dialogen zwischen:
• Dao
• Logos
• Śūnyatā

ist dieser Punkt kritisch.

Sobald „das Eine“ als ontologischer Träger gesetzt wird,
entsteht genau diese Fehlentwicklung.
401 #
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於所知知遍圓故,因知立解,十方草木皆稱有情,與人無異;草木為人,人死還成十方草樹。無擇遍知生勝解者,是人則墮知無知執,婆吒霰尼執一切覺,成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第四計圓知心,成虛謬果;違遠圓通,背涅槃城,生倒知種。
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt,
Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die feine Vollendung der Stille noch nicht vollständig ist,

und er das Gewahrsein
als allumfassend rund begreift,
und aus dieser Einsicht eine Theorie bildet,

so behauptet er:

Alle Pflanzen in den zehn Richtungen
seien empfindungsfähige Wesen
und von Menschen nicht verschieden;

Pflanzen würden zu Menschen,
Menschen nach dem Tod wieder zu Pflanzen.

Er nimmt das allumfassende Wissen
ohne Unterscheidung als höchste Einsicht.

Der Text erwähnt hier eine Schule,
die „alles ist Bewusstsein“ lehrt.

Dies wird die vierte Fehlentwicklung genannt:
das Setzen eines universalen Erkenntnis-Geistes.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und erzeugt die Tendenz
einer verkehrten Erkenntnislehre.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist besonders interessant
für moderne spirituelle Diskurse.



1) Alles ist bewusst?

Der Übende erfährt:

Gewahrsein ist nicht begrenzt.
Es scheint überall zu sein.

Und daraus entsteht:

„Alles ist Bewusstsein.“

Das ist eine frühe Form von Panpsychismus
oder kosmischem Idealismus.



2) Wo liegt der Fehler?

Nicht in der Erfahrung der Verbundenheit.

Sondern in der ontologischen Festsetzung.

Er setzt:

Gewahrsein = Eigenschaft aller Dinge.

Doch das Sutra sagt:

Auch diese Setzung ist Konstruktion.



3) Warum Pflanzen?

Der Text wählt bewusst extreme Beispiele:
• Gräser
• Bäume

Es geht nicht um ökologische Sensibilität,
sondern um die Auflösung aller Differenz
ohne Einsicht in Bedingtheit.



4) „知無知執“

Festhalten an Wissen und Nicht-Wissen.

Das bedeutet:

Er glaubt, alles sei bewusst,
aber erkennt nicht,
dass diese Aussage selbst eine Konstruktion ist.



5) Verbindung zur Gegenwart

In moderner Spiritualität
ist diese Position sehr verbreitet:

„Alles ist Bewusstsein.“

Der Text warnt:

Auch das kann subtile Verirrung sein,
wenn es als metaphysische Behauptung gesetzt wird.
中文原文
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於所知知遍圓故,因知立解,十方草木皆稱有情,與人無異;草木為人,人死還成十方草樹。無擇遍知生勝解者,是人則墮知無知執,婆吒霰尼執一切覺,成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第四計圓知心,成虛謬果;違遠圓通,背涅槃城,生倒知種。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt,
Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die feine Vollendung der Stille noch nicht vollständig ist,

und er das Gewahrsein
als allumfassend rund begreift,
und aus dieser Einsicht eine Theorie bildet,

so behauptet er:

Alle Pflanzen in den zehn Richtungen
seien empfindungsfähige Wesen
und von Menschen nicht verschieden;

Pflanzen würden zu Menschen,
Menschen nach dem Tod wieder zu Pflanzen.

Er nimmt das allumfassende Wissen
ohne Unterscheidung als höchste Einsicht.

Der Text erwähnt hier eine Schule,
die „alles ist Bewusstsein“ lehrt.

Dies wird die vierte Fehlentwicklung genannt:
das Setzen eines universalen Erkenntnis-Geistes.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und erzeugt die Tendenz
einer verkehrten Erkenntnislehre.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist besonders interessant
für moderne spirituelle Diskurse.



1) Alles ist bewusst?

Der Übende erfährt:

Gewahrsein ist nicht begrenzt.
Es scheint überall zu sein.

Und daraus entsteht:

„Alles ist Bewusstsein.“

Das ist eine frühe Form von Panpsychismus
oder kosmischem Idealismus.



2) Wo liegt der Fehler?

Nicht in der Erfahrung der Verbundenheit.

Sondern in der ontologischen Festsetzung.

Er setzt:

Gewahrsein = Eigenschaft aller Dinge.

Doch das Sutra sagt:

Auch diese Setzung ist Konstruktion.



3) Warum Pflanzen?

Der Text wählt bewusst extreme Beispiele:
• Gräser
• Bäume

Es geht nicht um ökologische Sensibilität,
sondern um die Auflösung aller Differenz
ohne Einsicht in Bedingtheit.



4) „知無知執“

Festhalten an Wissen und Nicht-Wissen.

Das bedeutet:

Er glaubt, alles sei bewusst,
aber erkennt nicht,
dass diese Aussage selbst eine Konstruktion ist.



5) Verbindung zur Gegenwart

In moderner Spiritualität
ist diese Position sehr verbreitet:

„Alles ist Bewusstsein.“

Der Text warnt:

Auch das kann subtile Verirrung sein,
wenn es als metaphysische Behauptung gesetzt wird.
402 #
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於圓融根互用中,已得隨順,便於圓化一切發生,求火光明,樂水清淨,愛風周流,觀塵成就,各各崇事。以此群塵發作本因,立常住解,是人則墮生無生執,諸迦葉波并婆羅門,勤心役身事火崇水,求出生死,成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第五計著崇事迷心從物、立妄求因,求妄冀果;違遠圓通,背涅槃城,生顛化種。
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die feine Vollendung der Stille noch nicht vollständig ist,

und er die gegenseitige Durchdringung der Sinnesorgane
erlebt hat,
so dass sie austauschbar funktionieren,

beginnt er,
in der universalen Wandlung
die Quelle aller Entstehung zu suchen.

Er verehrt:
• Feuer wegen seiner Leuchtkraft,
• Wasser wegen seiner Reinheit,
• Wind wegen seiner Bewegung,
• Staub/Erde wegen ihrer Gestaltbildung.

Er macht diese Elemente
zur ursprünglichen Ursache
und erklärt sie für beständig.

Der Text verweist hier auf asketische Feuer- und Naturkulte
(Kaśyapa-Traditionen, Brahmanen).

Dies wird die fünfte Fehlentwicklung genannt:
Ein objektiver Naturfaktor wird als letzte Ursache gesetzt.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und gerät in verkehrte Ursachenvorstellungen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist besonders interessant im Vergleich zu Natur- und Elementlehren.



1) Vom Durchdringen zur Verehrung

Der Übende erlebt:
• Durchlässigkeit der Sinne
• Einheit von Wahrnehmung
• Wandlungsfähigkeit aller Erscheinungen

Doch statt:

Nicht-Festhalten,

geschieht:

Objektive Fixierung.

Er macht ein Naturprinzip
zur letzten Ursache.



2) Elementverehrung als Metaphysik

Feuer, Wasser, Wind, Erde
werden nicht nur symbolisch geschätzt,
sondern ontologisch absolut gesetzt.

Das ist der Schritt:

Erfahrung → Naturprinzip → Ewige Ursache.



3) Parallelen und Abgrenzung

Hier ist eine wichtige Differenz zu daoistischen oder naturphilosophischen Bildern:

Das Problem ist nicht
das Arbeiten mit Elementen.

Das Problem ist:

Sie als letzte Ursache festzusetzen.

Sobald Naturkräfte
zur absoluten Grundlage erklärt werden,
entsteht diese Fehlentwicklung.



4) „迷心從物“

Ein entscheidender Ausdruck:

„Der verwirrte Geist folgt den Dingen.“

Das heißt:

Der Ursprung wird nicht mehr als nicht-objektivierbar erkannt,
sondern in einem Objekt gesucht.



5) Tiefere Struktur

Wir sehen ein wiederkehrendes Muster:
1. Ursprung als ewige Ursache
2. Ursprung als kosmisches Ich
3. Ursprung als Gott
4. Ursprung als universales Bewusstsein
5. Ursprung als Naturkraft

Immer wird der ursprüngliche Grund
zu etwas Gemachtem.

Und genau das ist die Verfehlung.
中文原文
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於圓融根互用中,已得隨順,便於圓化一切發生,求火光明,樂水清淨,愛風周流,觀塵成就,各各崇事。以此群塵發作本因,立常住解,是人則墮生無生執,諸迦葉波并婆羅門,勤心役身事火崇水,求出生死,成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第五計著崇事迷心從物、立妄求因,求妄冀果;違遠圓通,背涅槃城,生顛化種。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die feine Vollendung der Stille noch nicht vollständig ist,

und er die gegenseitige Durchdringung der Sinnesorgane
erlebt hat,
so dass sie austauschbar funktionieren,

beginnt er,
in der universalen Wandlung
die Quelle aller Entstehung zu suchen.

Er verehrt:
• Feuer wegen seiner Leuchtkraft,
• Wasser wegen seiner Reinheit,
• Wind wegen seiner Bewegung,
• Staub/Erde wegen ihrer Gestaltbildung.

Er macht diese Elemente
zur ursprünglichen Ursache
und erklärt sie für beständig.

Der Text verweist hier auf asketische Feuer- und Naturkulte
(Kaśyapa-Traditionen, Brahmanen).

Dies wird die fünfte Fehlentwicklung genannt:
Ein objektiver Naturfaktor wird als letzte Ursache gesetzt.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und gerät in verkehrte Ursachenvorstellungen.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist besonders interessant im Vergleich zu Natur- und Elementlehren.



1) Vom Durchdringen zur Verehrung

Der Übende erlebt:
• Durchlässigkeit der Sinne
• Einheit von Wahrnehmung
• Wandlungsfähigkeit aller Erscheinungen

Doch statt:

Nicht-Festhalten,

geschieht:

Objektive Fixierung.

Er macht ein Naturprinzip
zur letzten Ursache.



2) Elementverehrung als Metaphysik

Feuer, Wasser, Wind, Erde
werden nicht nur symbolisch geschätzt,
sondern ontologisch absolut gesetzt.

Das ist der Schritt:

Erfahrung → Naturprinzip → Ewige Ursache.



3) Parallelen und Abgrenzung

Hier ist eine wichtige Differenz zu daoistischen oder naturphilosophischen Bildern:

Das Problem ist nicht
das Arbeiten mit Elementen.

Das Problem ist:

Sie als letzte Ursache festzusetzen.

Sobald Naturkräfte
zur absoluten Grundlage erklärt werden,
entsteht diese Fehlentwicklung.



4) „迷心從物“

Ein entscheidender Ausdruck:

„Der verwirrte Geist folgt den Dingen.“

Das heißt:

Der Ursprung wird nicht mehr als nicht-objektivierbar erkannt,
sondern in einem Objekt gesucht.



5) Tiefere Struktur

Wir sehen ein wiederkehrendes Muster:
1. Ursprung als ewige Ursache
2. Ursprung als kosmisches Ich
3. Ursprung als Gott
4. Ursprung als universales Bewusstsein
5. Ursprung als Naturkraft

Immer wird der ursprüngliche Grund
zu etwas Gemachtem.

Und genau das ist die Verfehlung.
403 #
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於圓明計明中虛,非滅群化,以永滅依為所歸依生勝解者,是人則墮歸無歸執,無[7]想天中諸舜若多成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第六圓虛無心,成空亡果;違遠圓通,背涅槃城,生斷滅種。
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die vollkommene, feine Stille noch nicht vollständig ist,

und er innerhalb der „runden Klarheit“
die Klarheit selbst als absolute Leere versteht
– nicht als Aufhören von Verblendung,
sondern als ewige Auslöschung –

und diese dauerhafte Vernichtung
als letzte Zuflucht annimmt,

so verfällt er
der Fixierung auf das Nichts.

Der Text erwähnt hier
die „無想天“ – den Bereich der Nicht-Wahrnehmung,
wo Bewusstsein suspendiert erscheint.

Dies wird die sechste Fehlentwicklung genannt:
Ein absoluter Leerheits-Geist wird gesetzt,
und daraus entsteht die Frucht der Auslöschung.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und erzeugt die Tendenz zum Vernichtungs-Nihilismus.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist besonders wichtig.



1) Leere wird zur Substanz

Der Übende erkennt:
• Klarheit
• Weite
• Nicht-Anhaften
• Stille

Doch dann geschieht der subtile Schritt:

Leere wird als endgültiges Nichts gesetzt.

Das ist nicht Śūnyatā im buddhistischen Sinn.

Es ist:

Ontologisierte Leere.



2) Unterschied zur echten Leerheitslehre

Echte Leerheit bedeutet:

Keine feste Eigenexistenz.

Hier jedoch bedeutet Leere:

Endgültige Vernichtung.

Das ist ein kategorialer Fehler.



3) 無想天 – der „Himmel ohne Wahrnehmung“

Der Text spielt auf einen meditativen Zustand an,
in dem Bewusstsein scheinbar erlischt.

Dieser Zustand kann als Befreiung missverstanden werden.

Doch er ist nur eine subtile Form
von suspendierter Aktivität.



4) Tiefster Punkt

Der ursprüngliche Grund ist nicht:
• ewige Substanz
• kosmisches Ich
• Naturprinzip
• universales Bewusstsein
• und auch nicht absolutes Nichts

Sobald Leere als etwas gesetzt wird,
ist sie nicht mehr leer.



5) Verbindung zu diesem Projekt

Gerade in nicht-dualen Diskursen
ist dieser Punkt entscheidend:

„Alles ist leer“
kann selbst zur letzten Festlegung werden.

Das Shurangama ist hier extrem präzise:
Selbst die Leere muss leer bleiben.
中文原文
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於圓明計明中虛,非滅群化,以永滅依為所歸依生勝解者,是人則墮歸無歸執,無[7]想天中諸舜若多成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第六圓虛無心,成空亡果;違遠圓通,背涅槃城,生斷滅種。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die vollkommene, feine Stille noch nicht vollständig ist,

und er innerhalb der „runden Klarheit“
die Klarheit selbst als absolute Leere versteht
– nicht als Aufhören von Verblendung,
sondern als ewige Auslöschung –

und diese dauerhafte Vernichtung
als letzte Zuflucht annimmt,

so verfällt er
der Fixierung auf das Nichts.

Der Text erwähnt hier
die „無想天“ – den Bereich der Nicht-Wahrnehmung,
wo Bewusstsein suspendiert erscheint.

Dies wird die sechste Fehlentwicklung genannt:
Ein absoluter Leerheits-Geist wird gesetzt,
und daraus entsteht die Frucht der Auslöschung.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und erzeugt die Tendenz zum Vernichtungs-Nihilismus.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist besonders wichtig.



1) Leere wird zur Substanz

Der Übende erkennt:
• Klarheit
• Weite
• Nicht-Anhaften
• Stille

Doch dann geschieht der subtile Schritt:

Leere wird als endgültiges Nichts gesetzt.

Das ist nicht Śūnyatā im buddhistischen Sinn.

Es ist:

Ontologisierte Leere.



2) Unterschied zur echten Leerheitslehre

Echte Leerheit bedeutet:

Keine feste Eigenexistenz.

Hier jedoch bedeutet Leere:

Endgültige Vernichtung.

Das ist ein kategorialer Fehler.



3) 無想天 – der „Himmel ohne Wahrnehmung“

Der Text spielt auf einen meditativen Zustand an,
in dem Bewusstsein scheinbar erlischt.

Dieser Zustand kann als Befreiung missverstanden werden.

Doch er ist nur eine subtile Form
von suspendierter Aktivität.



4) Tiefster Punkt

Der ursprüngliche Grund ist nicht:
• ewige Substanz
• kosmisches Ich
• Naturprinzip
• universales Bewusstsein
• und auch nicht absolutes Nichts

Sobald Leere als etwas gesetzt wird,
ist sie nicht mehr leer.



5) Verbindung zu diesem Projekt

Gerade in nicht-dualen Diskursen
ist dieser Punkt entscheidend:

„Alles ist leer“
kann selbst zur letzten Festlegung werden.

Das Shurangama ist hier extrem präzise:
Selbst die Leere muss leer bleiben.
404 #
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於圓常固身常住,同[1]于精圓長不傾逝生勝解者,是人則墮貪非貪執,諸阿斯陀求長命者成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第七執著命元立固妄因,趣長勞果;違遠圓通,背涅槃城,生妄延種。
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die feine Vollendung der Stille noch nicht vollständig ist,

und er die „runde Beständigkeit“
mit körperlicher Dauer identifiziert
und meint, sein Körper könne
wie die subtile, runde Essenz
lange bestehen,

so entsteht die Fixierung auf Lebensverlängerung.

Der Text verweist hier auf Asita-Traditionen
(asketische oder alchemistische Lebensverlängerungspraktiken).

Dies wird die siebte Fehlentwicklung genannt:
Der Lebensursprung wird absolut gesetzt,
und es wird eine feste Ursache konstruiert,
um ein langes, mühsames Fortbestehen zu erreichen.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und entwickelt die Tendenz
zu falscher Dauer.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist besonders interessant im Blick auf Unsterblichkeits-Ideen.



1) Von subtiler Stille zur Körper-Dauer

Der Übende erfährt:
• große Stabilität
• tiefe Stille
• scheinbare Dauer

Und projiziert diese Dauer
auf den Körper.

Das ist die Verwechslung von:

meditativer Stabilität
mit physischer Unvergänglichkeit.



2) „貪非貪執“

Das ist ein feiner Ausdruck:

Nicht nur grobes Begehren,
sondern selbst „Nicht-Begehren“
wird zur Form von Begehren.

Der Wunsch nach Nicht-Sterben
kann als spirituelles Ideal erscheinen.



3) Parallelen

Historisch erinnert das an:
• daoistische Unsterblichkeitspraktiken
• alchemistische Lebensverlängerung
• asketische Langlebigkeitskulte

Der Text kritisiert nicht Gesundheit,
sondern die Fixierung auf Dauer.



4) Warum das problematisch ist

Solange das Leben selbst
als zu bewahrende Substanz gesetzt wird,
ist noch Anhaften vorhanden.

Befreiung bedeutet nicht:

ewig leben.

Sondern:

nicht mehr durch Geburt und Tod bestimmt sein.



5) Verbindung zur Gegenwart

Heute erscheint das in moderner Form als:
• Transhumanismus
• Anti-Aging-Ideologien
• Bewusstseins-Upload-Fantasien

Das Muster bleibt gleich:

Dauer wird mit Befreiung verwechselt.
中文原文
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於圓常固身常住,同[1]于精圓長不傾逝生勝解者,是人則墮貪非貪執,諸阿斯陀求長命者成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第七執著命元立固妄因,趣長勞果;違遠圓通,背涅槃城,生妄延種。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die feine Vollendung der Stille noch nicht vollständig ist,

und er die „runde Beständigkeit“
mit körperlicher Dauer identifiziert
und meint, sein Körper könne
wie die subtile, runde Essenz
lange bestehen,

so entsteht die Fixierung auf Lebensverlängerung.

Der Text verweist hier auf Asita-Traditionen
(asketische oder alchemistische Lebensverlängerungspraktiken).

Dies wird die siebte Fehlentwicklung genannt:
Der Lebensursprung wird absolut gesetzt,
und es wird eine feste Ursache konstruiert,
um ein langes, mühsames Fortbestehen zu erreichen.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und entwickelt die Tendenz
zu falscher Dauer.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist besonders interessant im Blick auf Unsterblichkeits-Ideen.



1) Von subtiler Stille zur Körper-Dauer

Der Übende erfährt:
• große Stabilität
• tiefe Stille
• scheinbare Dauer

Und projiziert diese Dauer
auf den Körper.

Das ist die Verwechslung von:

meditativer Stabilität
mit physischer Unvergänglichkeit.



2) „貪非貪執“

Das ist ein feiner Ausdruck:

Nicht nur grobes Begehren,
sondern selbst „Nicht-Begehren“
wird zur Form von Begehren.

Der Wunsch nach Nicht-Sterben
kann als spirituelles Ideal erscheinen.



3) Parallelen

Historisch erinnert das an:
• daoistische Unsterblichkeitspraktiken
• alchemistische Lebensverlängerung
• asketische Langlebigkeitskulte

Der Text kritisiert nicht Gesundheit,
sondern die Fixierung auf Dauer.



4) Warum das problematisch ist

Solange das Leben selbst
als zu bewahrende Substanz gesetzt wird,
ist noch Anhaften vorhanden.

Befreiung bedeutet nicht:

ewig leben.

Sondern:

nicht mehr durch Geburt und Tod bestimmt sein.



5) Verbindung zur Gegenwart

Heute erscheint das in moderner Form als:
• Transhumanismus
• Anti-Aging-Ideologien
• Bewusstseins-Upload-Fantasien

Das Muster bleibt gleich:

Dauer wird mit Befreiung verwechselt.
405 #
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。觀命互通,却留塵勞恐其銷盡,便於此際坐蓮華宮,廣化七珍多增寶媛縱恣其心生勝解者,是人則墮真無真執,吒[A1]枳迦羅成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第八發邪思因,立熾塵果;違遠圓通,背涅槃城,生天魔種。
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die feine Vollendung der Stille noch nicht vollständig ist,

und er die gegenseitige Durchdringung des Lebens erkennt,
aber dennoch subtile weltliche Impulse zurückhält,
aus Angst, sie könnten vollständig verschwinden,

so beginnt er,
sich in himmlische Vorstellungen zu versenken:
• Lotos-Paläste,
• sieben Kostbarkeiten,
• zahlreiche himmlische Gefährtinnen.

Er gibt sich innerlich Genussphantasien hin
und deutet dies als erhabene Einsicht.

Dies wird die achte Fehlentwicklung genannt:
Ein falscher Gedanke wird zur Ursache,
und leidenschaftliche Verstrickung wird zur Frucht.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und erzeugt die Tendenz
zum himmlischen Dämonentum.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist psychologisch sehr präzise.



1) Die Angst vor vollständiger Loslösung

Der Text sagt:

却留塵勞恐其銷盡
„Er hält am Staub der Welt fest,
aus Angst, er könnte vollständig vergehen.“

Das ist tief.

Der Übende hat große Freiheit erfahren,
doch fürchtet:

Was, wenn alles verschwindet?



2) Himmlische Ersatzwelt

Er erschafft:
• Lotos-Palast
• Kostbarkeiten
• Gefährtinnen

Das sind Symbole für subtile Lust- und Machtphantasien.

Es geht nicht um Moral,
sondern um:

Verfeinerte Ich-Zentrierung.



3) „發邪思因,立熾塵果“

Ein falscher Gedanke als Ursache,
und brennender Staub als Frucht.

Das bedeutet:

Subtile Begierde wird spiritualisiert.



4) Warum „Himmelsdämon“?

Nicht grobe Sinnlichkeit,
sondern:

spirituell veredelte Selbstverwirklichung.

Das ist die gefährlichste Form von Anhaften.



5) Moderne Parallele

Heute erscheint das als:
• spirituelle Selbstinszenierung
• Machtfantasien unter dem Deckmantel von Erleuchtung
• „manifestierte Fülle“ als spirituelles Ziel

Das Muster bleibt gleich:

Feine Begierde
tarnt sich als Einsicht.
中文原文
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。觀命互通,却留塵勞恐其銷盡,便於此際坐蓮華宮,廣化七珍多增寶媛縱恣其心生勝解者,是人則墮真無真執,吒[A1]枳迦羅成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第八發邪思因,立熾塵果;違遠圓通,背涅槃城,生天魔種。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die feine Vollendung der Stille noch nicht vollständig ist,

und er die gegenseitige Durchdringung des Lebens erkennt,
aber dennoch subtile weltliche Impulse zurückhält,
aus Angst, sie könnten vollständig verschwinden,

so beginnt er,
sich in himmlische Vorstellungen zu versenken:
• Lotos-Paläste,
• sieben Kostbarkeiten,
• zahlreiche himmlische Gefährtinnen.

Er gibt sich innerlich Genussphantasien hin
und deutet dies als erhabene Einsicht.

Dies wird die achte Fehlentwicklung genannt:
Ein falscher Gedanke wird zur Ursache,
und leidenschaftliche Verstrickung wird zur Frucht.

Er entfernt sich vom nicht-dualen Durchdringen
und erzeugt die Tendenz
zum himmlischen Dämonentum.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist psychologisch sehr präzise.



1) Die Angst vor vollständiger Loslösung

Der Text sagt:

却留塵勞恐其銷盡
„Er hält am Staub der Welt fest,
aus Angst, er könnte vollständig vergehen.“

Das ist tief.

Der Übende hat große Freiheit erfahren,
doch fürchtet:

Was, wenn alles verschwindet?



2) Himmlische Ersatzwelt

Er erschafft:
• Lotos-Palast
• Kostbarkeiten
• Gefährtinnen

Das sind Symbole für subtile Lust- und Machtphantasien.

Es geht nicht um Moral,
sondern um:

Verfeinerte Ich-Zentrierung.



3) „發邪思因,立熾塵果“

Ein falscher Gedanke als Ursache,
und brennender Staub als Frucht.

Das bedeutet:

Subtile Begierde wird spiritualisiert.



4) Warum „Himmelsdämon“?

Nicht grobe Sinnlichkeit,
sondern:

spirituell veredelte Selbstverwirklichung.

Das ist die gefährlichste Form von Anhaften.



5) Moderne Parallele

Heute erscheint das als:
• spirituelle Selbstinszenierung
• Machtfantasien unter dem Deckmantel von Erleuchtung
• „manifestierte Fülle“ als spirituelles Ziel

Das Muster bleibt gleich:

Feine Begierde
tarnt sich als Einsicht.
406 #
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。於命明中分別精麁,疏決真偽,因果相酬、唯求感應,背清淨道,所謂見苦、斷集、證滅、修道。居滅[2]已休更不前進生勝解者,是人則墮定性聲聞,諸無聞僧增上慢者成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第九圓精應心,成趣寂果;違遠圓通,背涅槃城,生纏空種。
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die vollkommene, feine Stille noch nicht vollständig ist,

und er im Bereich der Lebens-Klarheit
Fein und Grob unterscheidet,
Wahr und Falsch trennt,
Kausalität analysiert
und nur auf karmische Resonanz achtet,

so beschränkt er sich
auf einen analytischen Pfad.

Er praktiziert die Vier Edlen Wahrheiten:
• Leiden erkennen,
• Ursprung beenden,
• Erlöschen verwirklichen,
• den Weg üben.

Doch er verweilt im Zustand der Stille
und schreitet nicht weiter voran.

Dies wird die neunte Fehlentwicklung genannt:
Er fällt in die feste Natur eines Śrāvaka
und bleibt im Zustand des individuellen Erlöschens.

Er entfernt sich vom vollkommenen, allumfassenden Erwachen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist besonders sensibel.



1) Keine Kritik an den Vier Wahrheiten

Der Text kritisiert nicht:
• Leiden erkennen
• Ursache beenden
• Erlöschen verwirklichen
• den Weg üben

Das sind grundlegende Lehren.



2) Was ist das Problem?

Das Problem ist:

Verweilen im persönlichen Erlöschen
als endgültiges Ziel.

Das ist die Fixierung auf:

individuelle Befreiung
ohne umfassendes Durchdringen.



3) „定性聲聞“

Das bedeutet:

Eine festgelegte, starre Hörer-Natur.

Nicht Offenheit,
sondern Selbstbegrenzung.



4) Warum das im Bewusstseins-Aggregat geschieht

Das Bewusstsein ist klar,
aber noch subtil selbstbezogen.

Es sucht:

Sicherheit in Stille.

Doch das große Erwachen
ist nicht bloß Rückzug in Ruhe.



5) Verbindung zur Mahayana-Perspektive

Hier wird deutlich:

Der Text unterscheidet
zwischen
• persönlichem Erlöschen
• und vollkommenem Durchdringen (圓通).

Das ist keine Abwertung,
sondern eine Weiterführung.
中文原文
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。於命明中分別精麁,疏決真偽,因果相酬、唯求感應,背清淨道,所謂見苦、斷集、證滅、修道。居滅[2]已休更不前進生勝解者,是人則墮定性聲聞,諸無聞僧增上慢者成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第九圓精應心,成趣寂果;違遠圓通,背涅槃城,生纏空種。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die vollkommene, feine Stille noch nicht vollständig ist,

und er im Bereich der Lebens-Klarheit
Fein und Grob unterscheidet,
Wahr und Falsch trennt,
Kausalität analysiert
und nur auf karmische Resonanz achtet,

so beschränkt er sich
auf einen analytischen Pfad.

Er praktiziert die Vier Edlen Wahrheiten:
• Leiden erkennen,
• Ursprung beenden,
• Erlöschen verwirklichen,
• den Weg üben.

Doch er verweilt im Zustand der Stille
und schreitet nicht weiter voran.

Dies wird die neunte Fehlentwicklung genannt:
Er fällt in die feste Natur eines Śrāvaka
und bleibt im Zustand des individuellen Erlöschens.

Er entfernt sich vom vollkommenen, allumfassenden Erwachen.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist besonders sensibel.



1) Keine Kritik an den Vier Wahrheiten

Der Text kritisiert nicht:
• Leiden erkennen
• Ursache beenden
• Erlöschen verwirklichen
• den Weg üben

Das sind grundlegende Lehren.



2) Was ist das Problem?

Das Problem ist:

Verweilen im persönlichen Erlöschen
als endgültiges Ziel.

Das ist die Fixierung auf:

individuelle Befreiung
ohne umfassendes Durchdringen.



3) „定性聲聞“

Das bedeutet:

Eine festgelegte, starre Hörer-Natur.

Nicht Offenheit,
sondern Selbstbegrenzung.



4) Warum das im Bewusstseins-Aggregat geschieht

Das Bewusstsein ist klar,
aber noch subtil selbstbezogen.

Es sucht:

Sicherheit in Stille.

Doch das große Erwachen
ist nicht bloß Rückzug in Ruhe.



5) Verbindung zur Mahayana-Perspektive

Hier wird deutlich:

Der Text unterscheidet
zwischen
• persönlichem Erlöschen
• und vollkommenem Durchdringen (圓通).

Das ist keine Abwertung,
sondern eine Weiterführung.
407 #
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於圓融清淨覺明發研深妙,即立涅槃而不前進生勝解者,是人則墮定性辟支,諸緣獨倫不迴心者成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第十圓覺[*][A2]㳷心,成湛明果;違遠圓通,背涅槃城,生覺圓明不化圓種。
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die vollkommene, feine Stille noch nicht vollständig ist,

und er in der reinen, integralen, erwachenden Klarheit
tiefgründig forscht
und diesen Zustand als Nirvāṇa festsetzt
und nicht weiter voranschreitet,

so verfällt er der festen Natur eines Pratyekabuddha
(der für sich allein erwacht).

Er bleibt in individueller Einsicht stehen
und kehrt nicht zum allumfassenden Bodhi zurück.

Dies wird die zehnte Fehlentwicklung genannt:
Ein Zustand tiefer, klarer Stille
wird als endgültiges Erwachen festgelegt.

Er entfernt sich vom vollkommenen, nicht-dualen Durchdringen.
Kommentar öffnen
Dies ist der subtilste Punkt im gesamten Abschnitt.



1) Keine grobe Verblendung mehr

Hier gibt es:
• keine Sinnlichkeit
• keine falsche Ontologie
• keine Gott-Identifikation
• keine Naturverehrung
• keine Nihilismus-Lehre

Nur:

reine, klare, tiefe Stille.



2) Wo liegt der Fehler?

„即立涅槃而不前進“

Er errichtet Nirvana –
und geht nicht weiter.

Das ist der Kern.

Er hält den erreichten Zustand
für endgültig.



3) Unterschied zwischen Śrāvaka und Pratyekabuddha hier

Vorher (9.):

Verweilen im persönlichen Erlöschen.

Hier (10.):

Verweilen in selbstständiger, reiner Klarheit.

Beide sind subtile Selbstbegrenzungen.



4) Der entscheidende Punkt des Shurangama

Der Text arbeitet bis hierhin alles ab:
• Ontologie
• Nihilismus
• Eternalismus
• Kosmisches Ich
• Naturursprung
• Leere
• Himmelsgenuss
• Lebensverlängerung
• Persönliches Erlöschen
• Einsame Klarheit

Und zeigt:

Selbst höchste Klarheit
ist noch nicht das Ende,
wenn sie als Zustand festgesetzt wird.



5) Für dieses Projekt besonders relevant

Hier liegt eine tiefe Warnung:

Nicht einmal „reine Klarheit“
darf als Besitz verstanden werden.

Das große Erwachen
ist kein Zustand,
sondern völlige Nicht-Fixierung.
中文原文
「又善男子窮諸行空,已滅生滅而於寂滅精妙未圓。若於圓融清淨覺明發研深妙,即立涅槃而不前進生勝解者,是人則墮定性辟支,諸緣獨倫不迴心者成其伴侶。迷佛菩提,亡失知見,是名第十圓覺[*][A2]㳷心,成湛明果;違遠圓通,背涅槃城,生覺圓明不化圓種。
Deutsch
Weiter:

Wenn ein Übender
die Leerheit der Formkräfte-Strukturen erkannt
und Entstehen und Vergehen überwunden hat,
aber die vollkommene, feine Stille noch nicht vollständig ist,

und er in der reinen, integralen, erwachenden Klarheit
tiefgründig forscht
und diesen Zustand als Nirvāṇa festsetzt
und nicht weiter voranschreitet,

so verfällt er der festen Natur eines Pratyekabuddha
(der für sich allein erwacht).

Er bleibt in individueller Einsicht stehen
und kehrt nicht zum allumfassenden Bodhi zurück.

Dies wird die zehnte Fehlentwicklung genannt:
Ein Zustand tiefer, klarer Stille
wird als endgültiges Erwachen festgelegt.

Er entfernt sich vom vollkommenen, nicht-dualen Durchdringen.
Kommentar
Dies ist der subtilste Punkt im gesamten Abschnitt.



1) Keine grobe Verblendung mehr

Hier gibt es:
• keine Sinnlichkeit
• keine falsche Ontologie
• keine Gott-Identifikation
• keine Naturverehrung
• keine Nihilismus-Lehre

Nur:

reine, klare, tiefe Stille.



2) Wo liegt der Fehler?

„即立涅槃而不前進“

Er errichtet Nirvana –
und geht nicht weiter.

Das ist der Kern.

Er hält den erreichten Zustand
für endgültig.



3) Unterschied zwischen Śrāvaka und Pratyekabuddha hier

Vorher (9.):

Verweilen im persönlichen Erlöschen.

Hier (10.):

Verweilen in selbstständiger, reiner Klarheit.

Beide sind subtile Selbstbegrenzungen.



4) Der entscheidende Punkt des Shurangama

Der Text arbeitet bis hierhin alles ab:
• Ontologie
• Nihilismus
• Eternalismus
• Kosmisches Ich
• Naturursprung
• Leere
• Himmelsgenuss
• Lebensverlängerung
• Persönliches Erlöschen
• Einsame Klarheit

Und zeigt:

Selbst höchste Klarheit
ist noch nicht das Ende,
wenn sie als Zustand festgesetzt wird.



5) Für dieses Projekt besonders relevant

Hier liegt eine tiefe Warnung:

Nicht einmal „reine Klarheit“
darf als Besitz verstanden werden.

Das große Erwachen
ist kein Zustand,
sondern völlige Nicht-Fixierung.
408 #
「阿難!如是十種禪那,中途成狂,因依迷惑,於未足中生滿足證,皆是識陰用心交互,故生斯位。眾生頑迷,不自忖量,逢此現前,各以所愛先習迷心而自休息;將為畢竟所歸寧地,自言滿足無上菩提。大妄語成,外道邪魔所感業終,墮無間獄。聲聞、緣覺,不成增進。汝等存心秉如來道,將此法門,於我滅後傳示末世,普令眾生覺了斯義。無令見魔自作沈𦾨,保綏哀救,消息邪緣,令其身心入佛知見,從始成就不遭[A3]歧路。
Ānanda,

diese zehn Arten meditativer Fehlentwicklungen
führen auf halbem Weg zu geistiger Verirrung.

Weil sich der Geist an Zustände anlehnt,
entsteht innerhalb des Unvollständigen
die Vorstellung vollendeter Verwirklichung.

Sie alle sind Ausdruck
der wechselseitigen Aktivität des Geistes
im Bewusstseins-Aggregat.

Die Wesen sind hartnäckig verblendet
und prüfen ihre Erfahrung nicht.
Wenn solche Zustände erscheinen,
halten sie an vertrauten Mustern fest
und ruhen darin.

Sie nehmen diesen Zustand
für das endgültige Ziel
und erklären sich für vollständig erwacht.

Das ist die schwere Verfehlung der großen Lüge.

Durch das entsprechende karmische Wirken
äußerer Lehren und dämonischer Kräfte
fallen sie in tiefste Verblendung.

Śrāvakas und Pratyekabuddhas,
die darin verharren,
können nicht weiter wachsen.

Darum sollt ihr
den Weg des Buddha bewahren
und diese Lehre
nach meinem Dahinscheiden
in den späteren Zeiten verbreiten,
damit alle Wesen
diese Bedeutung klar verstehen.

Verhindert,
dass subtile Sicht-Dämonen
die Übenden in innere Versenkung und Verirrung führen.

Schützt sie,
führt sie in das Buddha-Erkennen,
damit sie von Anfang an
ohne Abzweigung
zur Vollendung gelangen.
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Dieser Abschnitt ist der Schlüssel zum gesamten Doppel-Zehner-Block.



1) „中途成狂“

„Auf halbem Weg Wahnsinn.“

Das bedeutet nicht klinische Verrücktheit,
sondern:

Fixierung auf Zwischenzustände.

Der gefährlichste Punkt ist:

Zwischenrealisierung
• Selbstbestätigung
= Abbruch des Weges.



2) „於未足中生滿足證“

„Im Unvollständigen entsteht das Gefühl vollständiger Verwirklichung.“

Das ist die Essenz aller spirituellen Fehlentwicklungen.

Nicht:

Mangel an Erfahrung.

Sondern:

Zu frühe Schlussfolgerung.



3) Warum der Ton so scharf wird

Hier geht es nicht mehr nur um Irrtum,
sondern um:

Selbst-Erklärung als Erwachter.

Das blockiert:
• Lernfähigkeit
• Korrektur
• Weiterentwicklung



4) Struktur des gesamten Abschnitts

Formkräfte-Aggregat → philosophische Extreme
Bewusstseins-Aggregat → spirituelle Selbstverabsolutierung

Der zweite Block ist gefährlicher,
weil er näher am Ziel liegt.



5) Für dieses Projekt besonders wichtig

Hier liegt eine tiefe Mahnung:

Nicht:

„Ich habe verstanden.“

Sondern:

ständige Offenheit.

Der ursprüngliche Grund
kann nicht besessen werden.



I. Der Kontext: Rolle 10 als Dekonstruktion des „Ankommens“

Rolle 10 zeigt:
1. Formkräfte-Aggregat (行陰)
→ philosophische Verabsolutierungen
2. Bewusstseins-Aggregat (識陰)
→ spirituelle Verabsolutierungen

Beide Blöcke enden mit derselben Warnung:

在未足中生滿足證
„Im Unvollständigen entsteht die Vorstellung vollständiger Verwirklichung.“

Das ist der zentrale Mechanismus.



II. Was bedeutet „半道“ im Licht dieses Mechanismus?

„Halber Weg“ ist nicht:
• 50 % geschafft
• Defizit
• Zwischenstation

Sondern:

Prinzipielle Nicht-Fixierung.

Ban Dao ist:

Die bewusste Verweigerung, einen Zwischenzustand als Ziel zu erklären.



III. Die zehn + zehn Fehlentwicklungen als Spiegel

Rolle 10 zeigt, wo „Ankommen“ geschieht:

Ebene Form des „Ich bin da“
Ontologisch „Es gibt eine letzte Ursache.“
Kosmisch „Ich bin der Ursprung.“
Naturphilosophisch „Die Elemente sind die Grundlage.“
Nihilistisch „Alles endet im Nichts.“
Mystisch „Alles ist Bewusstsein.“
Spirituell „Diese Stille ist Nirvana.“

In jedem Fall:

Erfahrung → Fixierung → Abschluss.

Ban Dao unterbricht genau diesen Schritt.



IV. Halbheit als Methode

Halb bedeutet hier:
• nicht vollenden im Begriff
• nicht abschließen im Erlebnis
• nicht stabilisieren im Zustand

Das ist keine Unsicherheit.

Es ist methodische Offenheit.



V. Der tiefste Bezug zu 一心无二

Wenn der ursprüngliche Grund:
• nicht Ursache
• nicht Substanz
• nicht Nichts
• nicht Bewusstsein
• nicht Zustand

ist,

dann kann man nie sagen:

„Jetzt habe ich ihn.“

Ban Dao ist die praktische Form von 一心无二:

Nicht-Zweiheit ohne Besitzanspruch.



VI. Der Unterschied zu bloßer Skepsis

Ban Dao ist nicht:
• Relativismus
• Unentschlossenheit
• ewiges Zögern

Es ist:

Gehen ohne Selbstkrönung.



VII. Verbindung zu Dao

Im Daoistischen Sinn:
• Das Dao fließt.
• Wer sagt „Ich habe es“, verliert es.

Ban Dao ist Dao ohne Stillstellung.

Kein metaphysischer Kern.
Kein ewiger Mittelpunkt.

Nur Durchgang.



VIII. Mahayana-Resonanz

Im Mahayana gilt:
• Nicht im Nirvana verweilen.
• Nicht im Samsara verweilen.
• 不住两边

Ban Dao ist die Haltung des Nicht-Verweilens.

Nicht in:
• Erkenntnis
• Leere
• Stille
• Mitgefühl
• Einheit



IX. Rolle 10 als Fundament für Ban Dao

Rolle 10 könnte man als Diagnose lesen:

Jeder Zustand kann zum Gefängnis werden.

Ban Dao ist das Gegengift:

Kein Zustand ist das Ziel.



X. Die radikalste Formulierung

Ban Dao heißt:

Der Weg selbst darf nicht zum Besitz werden.

Und sogar:

„Ich bin auf dem Weg“
kann schon zu viel sein.



XI. Praktisch für dieses Projekt

Ban Dao als Leitmotiv bedeutet:
• keine Autoritätsbehauptung
• kein „Meisterstatus“
• kein „erreicht“
• kein metaphysisches System

Sondern:

Teilen im Durchgang.



XII. Die paradoxe Pointe

Wenn man Ban Dao absolut setzt,
ist es nicht mehr Ban Dao.

Darum bleibt es:

Bewegung.

中文原文
「阿難!如是十種禪那,中途成狂,因依迷惑,於未足中生滿足證,皆是識陰用心交互,故生斯位。眾生頑迷,不自忖量,逢此現前,各以所愛先習迷心而自休息;將為畢竟所歸寧地,自言滿足無上菩提。大妄語成,外道邪魔所感業終,墮無間獄。聲聞、緣覺,不成增進。汝等存心秉如來道,將此法門,於我滅後傳示末世,普令眾生覺了斯義。無令見魔自作沈𦾨,保綏哀救,消息邪緣,令其身心入佛知見,從始成就不遭[A3]歧路。
Deutsch
Ānanda,

diese zehn Arten meditativer Fehlentwicklungen
führen auf halbem Weg zu geistiger Verirrung.

Weil sich der Geist an Zustände anlehnt,
entsteht innerhalb des Unvollständigen
die Vorstellung vollendeter Verwirklichung.

Sie alle sind Ausdruck
der wechselseitigen Aktivität des Geistes
im Bewusstseins-Aggregat.

Die Wesen sind hartnäckig verblendet
und prüfen ihre Erfahrung nicht.
Wenn solche Zustände erscheinen,
halten sie an vertrauten Mustern fest
und ruhen darin.

Sie nehmen diesen Zustand
für das endgültige Ziel
und erklären sich für vollständig erwacht.

Das ist die schwere Verfehlung der großen Lüge.

Durch das entsprechende karmische Wirken
äußerer Lehren und dämonischer Kräfte
fallen sie in tiefste Verblendung.

Śrāvakas und Pratyekabuddhas,
die darin verharren,
können nicht weiter wachsen.

Darum sollt ihr
den Weg des Buddha bewahren
und diese Lehre
nach meinem Dahinscheiden
in den späteren Zeiten verbreiten,
damit alle Wesen
diese Bedeutung klar verstehen.

Verhindert,
dass subtile Sicht-Dämonen
die Übenden in innere Versenkung und Verirrung führen.

Schützt sie,
führt sie in das Buddha-Erkennen,
damit sie von Anfang an
ohne Abzweigung
zur Vollendung gelangen.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist der Schlüssel zum gesamten Doppel-Zehner-Block.



1) „中途成狂“

„Auf halbem Weg Wahnsinn.“

Das bedeutet nicht klinische Verrücktheit,
sondern:

Fixierung auf Zwischenzustände.

Der gefährlichste Punkt ist:

Zwischenrealisierung
• Selbstbestätigung
= Abbruch des Weges.



2) „於未足中生滿足證“

„Im Unvollständigen entsteht das Gefühl vollständiger Verwirklichung.“

Das ist die Essenz aller spirituellen Fehlentwicklungen.

Nicht:

Mangel an Erfahrung.

Sondern:

Zu frühe Schlussfolgerung.



3) Warum der Ton so scharf wird

Hier geht es nicht mehr nur um Irrtum,
sondern um:

Selbst-Erklärung als Erwachter.

Das blockiert:
• Lernfähigkeit
• Korrektur
• Weiterentwicklung



4) Struktur des gesamten Abschnitts

Formkräfte-Aggregat → philosophische Extreme
Bewusstseins-Aggregat → spirituelle Selbstverabsolutierung

Der zweite Block ist gefährlicher,
weil er näher am Ziel liegt.



5) Für dieses Projekt besonders wichtig

Hier liegt eine tiefe Mahnung:

Nicht:

„Ich habe verstanden.“

Sondern:

ständige Offenheit.

Der ursprüngliche Grund
kann nicht besessen werden.



I. Der Kontext: Rolle 10 als Dekonstruktion des „Ankommens“

Rolle 10 zeigt:
1. Formkräfte-Aggregat (行陰)
→ philosophische Verabsolutierungen
2. Bewusstseins-Aggregat (識陰)
→ spirituelle Verabsolutierungen

Beide Blöcke enden mit derselben Warnung:

在未足中生滿足證
„Im Unvollständigen entsteht die Vorstellung vollständiger Verwirklichung.“

Das ist der zentrale Mechanismus.



II. Was bedeutet „半道“ im Licht dieses Mechanismus?

„Halber Weg“ ist nicht:
• 50 % geschafft
• Defizit
• Zwischenstation

Sondern:

Prinzipielle Nicht-Fixierung.

Ban Dao ist:

Die bewusste Verweigerung, einen Zwischenzustand als Ziel zu erklären.



III. Die zehn + zehn Fehlentwicklungen als Spiegel

Rolle 10 zeigt, wo „Ankommen“ geschieht:

Ebene Form des „Ich bin da“
Ontologisch „Es gibt eine letzte Ursache.“
Kosmisch „Ich bin der Ursprung.“
Naturphilosophisch „Die Elemente sind die Grundlage.“
Nihilistisch „Alles endet im Nichts.“
Mystisch „Alles ist Bewusstsein.“
Spirituell „Diese Stille ist Nirvana.“

In jedem Fall:

Erfahrung → Fixierung → Abschluss.

Ban Dao unterbricht genau diesen Schritt.



IV. Halbheit als Methode

Halb bedeutet hier:
• nicht vollenden im Begriff
• nicht abschließen im Erlebnis
• nicht stabilisieren im Zustand

Das ist keine Unsicherheit.

Es ist methodische Offenheit.



V. Der tiefste Bezug zu 一心无二

Wenn der ursprüngliche Grund:
• nicht Ursache
• nicht Substanz
• nicht Nichts
• nicht Bewusstsein
• nicht Zustand

ist,

dann kann man nie sagen:

„Jetzt habe ich ihn.“

Ban Dao ist die praktische Form von 一心无二:

Nicht-Zweiheit ohne Besitzanspruch.



VI. Der Unterschied zu bloßer Skepsis

Ban Dao ist nicht:
• Relativismus
• Unentschlossenheit
• ewiges Zögern

Es ist:

Gehen ohne Selbstkrönung.



VII. Verbindung zu Dao

Im Daoistischen Sinn:
• Das Dao fließt.
• Wer sagt „Ich habe es“, verliert es.

Ban Dao ist Dao ohne Stillstellung.

Kein metaphysischer Kern.
Kein ewiger Mittelpunkt.

Nur Durchgang.



VIII. Mahayana-Resonanz

Im Mahayana gilt:
• Nicht im Nirvana verweilen.
• Nicht im Samsara verweilen.
• 不住两边

Ban Dao ist die Haltung des Nicht-Verweilens.

Nicht in:
• Erkenntnis
• Leere
• Stille
• Mitgefühl
• Einheit



IX. Rolle 10 als Fundament für Ban Dao

Rolle 10 könnte man als Diagnose lesen:

Jeder Zustand kann zum Gefängnis werden.

Ban Dao ist das Gegengift:

Kein Zustand ist das Ziel.



X. Die radikalste Formulierung

Ban Dao heißt:

Der Weg selbst darf nicht zum Besitz werden.

Und sogar:

„Ich bin auf dem Weg“
kann schon zu viel sein.



XI. Praktisch für dieses Projekt

Ban Dao als Leitmotiv bedeutet:
• keine Autoritätsbehauptung
• kein „Meisterstatus“
• kein „erreicht“
• kein metaphysisches System

Sondern:

Teilen im Durchgang.



XII. Die paradoxe Pointe

Wenn man Ban Dao absolut setzt,
ist es nicht mehr Ban Dao.

Darum bleibt es:

Bewegung.

409 #
「如是法門,先過去世恒沙劫中微塵如來乘此心開,得無上道。識陰若盡,則汝現前諸根互用。從互用中,能入菩薩金剛乾慧。圓明精心於中發化,如淨瑠璃內含寶月。如是乃超十信、十住、十行、十迴向、四加行心、菩薩所行金剛十地、等覺圓明,入於如來妙莊嚴海;圓滿菩提,歸無所得!
Dieses Dharma-Tor
wurde von zahllosen Buddhas
in vergangenen Äonen praktiziert,
die dadurch das unübertreffliche Erwachen erlangten.

Wenn das Bewusstseins-Aggregat vollständig erschöpft ist,
werden die Sinnesorgane wechselseitig durchdringend,
frei von getrennter Funktion.

Aus dieser Integration entsteht
die sogenannte Vajra-Trockene Weisheit
(eine unerschütterliche, nicht mehr durch Anhaftung getrübte Erkenntnis).

Der vollkommen klare, reine Geist
entfaltet sich wie reines Vaidūrya,
in dessen Innerem ein leuchtender Mond ruht –
durchscheinend und doch nicht getrennt.

Von dort aus werden die gesamten Bodhisattva-Stufen
überschritten:
• Zehn Vertrauen (十信)
• Zehn Verweilen (十住)
• Zehn Praxis (十行)
• Zehn Widmung (十迴向)
• Vier Vorbereitungen (四加行)
• Zehn Bodhisattva-Boden (十地)
• Gleich-Erwachen (等覺)

und man tritt ein
in das „Meer der wunderbaren Zierde“ des Tathāgata.

Vollendete Bodhi bedeutet:
Rückkehr zu Nicht-Erlangung (無所得).“
Kommentar öffnen
Nach der radikalen Dekonstruktion
aller Zwischenfixierungen
kommt nun der positive Wendepunkt.



1) „乘此心開“

„Durch diesen Geist öffnen.“

Nicht:

durch Theorie,
nicht durch Dogma,
sondern durch Durchdringung des Geistes.



2) „識陰若盡“

Das Bewusstseins-Aggregat ist die letzte Schleierzone.

Wenn es erschöpft ist:
• keine getrennten Sinnesströme
• keine Subjekt-Objekt-Trennung
• keine versteckte Rest-Identität



3) „金剛乾慧“

Vajra-Trockene Weisheit bedeutet:

Weisheit ohne Feuchtigkeit von Anhaften.

Unerschütterlich.
Nicht sentimental.
Nicht ekstatisch.



4) Die Bodhisattva-Stufen werden „überschritten“

Das ist bemerkenswert:

Selbst das strukturierte Stufenmodell
ist nicht das Ziel.

Der Text sagt:

Es wird durchschritten –
nicht festgehalten.



5) „歸無所得“

Das ist der Schlusspunkt.

Nicht-Erlangung.

Das bedeutet:

Kein Besitz.
Kein Zustand.
Kein Abschluss.

Das ist die endgültige Auflösung
aller vorherigen Fixierungen.



6) Verbindung zu Ban Dao

Hier schließt sich der Kreis.

„Vollendetes Erwachen = Nicht-Erlangung.“

Ban Dao ist die praktische Haltung dazu.

Nicht:

„Ich habe es.“

Sondern:

„Nichts zu erlangen.“
中文原文
「如是法門,先過去世恒沙劫中微塵如來乘此心開,得無上道。識陰若盡,則汝現前諸根互用。從互用中,能入菩薩金剛乾慧。圓明精心於中發化,如淨瑠璃內含寶月。如是乃超十信、十住、十行、十迴向、四加行心、菩薩所行金剛十地、等覺圓明,入於如來妙莊嚴海;圓滿菩提,歸無所得!
Deutsch
Dieses Dharma-Tor
wurde von zahllosen Buddhas
in vergangenen Äonen praktiziert,
die dadurch das unübertreffliche Erwachen erlangten.

Wenn das Bewusstseins-Aggregat vollständig erschöpft ist,
werden die Sinnesorgane wechselseitig durchdringend,
frei von getrennter Funktion.

Aus dieser Integration entsteht
die sogenannte Vajra-Trockene Weisheit
(eine unerschütterliche, nicht mehr durch Anhaftung getrübte Erkenntnis).

Der vollkommen klare, reine Geist
entfaltet sich wie reines Vaidūrya,
in dessen Innerem ein leuchtender Mond ruht –
durchscheinend und doch nicht getrennt.

Von dort aus werden die gesamten Bodhisattva-Stufen
überschritten:
• Zehn Vertrauen (十信)
• Zehn Verweilen (十住)
• Zehn Praxis (十行)
• Zehn Widmung (十迴向)
• Vier Vorbereitungen (四加行)
• Zehn Bodhisattva-Boden (十地)
• Gleich-Erwachen (等覺)

und man tritt ein
in das „Meer der wunderbaren Zierde“ des Tathāgata.

Vollendete Bodhi bedeutet:
Rückkehr zu Nicht-Erlangung (無所得).“
Kommentar
Nach der radikalen Dekonstruktion
aller Zwischenfixierungen
kommt nun der positive Wendepunkt.



1) „乘此心開“

„Durch diesen Geist öffnen.“

Nicht:

durch Theorie,
nicht durch Dogma,
sondern durch Durchdringung des Geistes.



2) „識陰若盡“

Das Bewusstseins-Aggregat ist die letzte Schleierzone.

Wenn es erschöpft ist:
• keine getrennten Sinnesströme
• keine Subjekt-Objekt-Trennung
• keine versteckte Rest-Identität



3) „金剛乾慧“

Vajra-Trockene Weisheit bedeutet:

Weisheit ohne Feuchtigkeit von Anhaften.

Unerschütterlich.
Nicht sentimental.
Nicht ekstatisch.



4) Die Bodhisattva-Stufen werden „überschritten“

Das ist bemerkenswert:

Selbst das strukturierte Stufenmodell
ist nicht das Ziel.

Der Text sagt:

Es wird durchschritten –
nicht festgehalten.



5) „歸無所得“

Das ist der Schlusspunkt.

Nicht-Erlangung.

Das bedeutet:

Kein Besitz.
Kein Zustand.
Kein Abschluss.

Das ist die endgültige Auflösung
aller vorherigen Fixierungen.



6) Verbindung zu Ban Dao

Hier schließt sich der Kreis.

„Vollendetes Erwachen = Nicht-Erlangung.“

Ban Dao ist die praktische Haltung dazu.

Nicht:

„Ich habe es.“

Sondern:

„Nichts zu erlangen.“
410 #
「此是過去先佛世尊奢摩他中、毘婆舍那覺明分析微細魔事。魔境現前,汝能諳識,心垢洗除,不落邪見。陰魔銷滅,天魔摧碎,大力鬼神褫魄逃逝,魑魅、魍魎、無復出生。直至菩提,無諸[5]少乏。下劣增進,於大涅槃,心不迷悶。若諸末世愚鈍眾生,未識禪那,不知說法,樂修三昧;汝恐同邪,一心勸令持我佛頂陀羅尼呪。若未能誦,寫於禪堂、或帶身上,一切諸魔所不能動。汝當恭欽十方如來究竟修進最後垂範!」
Dies ist die feine Analyse der subtilen Dämonenzustände,
wie sie von den Buddhas vergangener Äonen
in der Praxis von Śamatha und Vipaśyanā
klar unterschieden wurden.

Wenn solche Zustände erscheinen
und ihr sie erkennt,
wird die Befleckung des Geistes gereinigt,
und ihr fallt nicht in falsche Sichtweisen.

Die Skandha-Dämonen (Aggregat-Verblendungen)
werden aufgelöst,
himmlische Māras zerbrochen,
mächtige Geistwesen verlieren ihre Kraft,
und dämonische Erscheinungen entstehen nicht mehr.

Bis zur Bodhi
wird es keinen Mangel geben.

Selbst geringe Übende können voranschreiten,
und im Großen Nirvāṇa
wird der Geist nicht mehr verwirrt.

Für Wesen späterer Zeiten,
die Meditation üben,
aber weder Dhyāna noch Dharma richtig verstehen,
besteht jedoch Gefahr.

Darum sollen sie das
Buddha-Gipfel-Dhāraṇī (Śūraṅgama-Mantra) halten.

Wenn sie es nicht rezitieren können,
sollen sie es niederschreiben
oder bei sich tragen;
so können alle Dämonen ihnen nichts anhaben.

Achtet ehrfürchtig
auf das endgültige Übungsmodell
der Buddhas der zehn Richtungen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt verbindet drei Ebenen:



1) Erkenntnis als Schutz

Der Text sagt klar:

Nicht das Mantra zuerst,
sondern:

Erkennen der Zustände.

Wenn man erkennt,
fallen die Dämonen.

Die „Dämonen“ sind:
• Fehlinterpretationen
• Fixierungen
• Verabsolutierungen



2) Skandha-Dämonen

„陰魔“ bedeutet:

Die Verblendung entsteht
innerhalb der Aggregate selbst.

Das passt exakt zu Rolle 10:

Alles kam aus dem Geist.



3) Warum das Mantra?

Hier ist es wichtig,
nicht magisch zu lesen.

Das Mantra wirkt als:
• Ausrichtung
• Sammlung
• Rückbindung
• Stabilisierung

Für jene,
die die Analyse noch nicht durchdringen können.

Es ist psychologisch ein Anker.



4) Die Hierarchie
1. Analyse der Zustände
2. Erkennen → Reinigung
3. Nicht-Fixierung
4. Schutzformel als Unterstützung
中文原文
「此是過去先佛世尊奢摩他中、毘婆舍那覺明分析微細魔事。魔境現前,汝能諳識,心垢洗除,不落邪見。陰魔銷滅,天魔摧碎,大力鬼神褫魄逃逝,魑魅、魍魎、無復出生。直至菩提,無諸[5]少乏。下劣增進,於大涅槃,心不迷悶。若諸末世愚鈍眾生,未識禪那,不知說法,樂修三昧;汝恐同邪,一心勸令持我佛頂陀羅尼呪。若未能誦,寫於禪堂、或帶身上,一切諸魔所不能動。汝當恭欽十方如來究竟修進最後垂範!」
Deutsch
Dies ist die feine Analyse der subtilen Dämonenzustände,
wie sie von den Buddhas vergangener Äonen
in der Praxis von Śamatha und Vipaśyanā
klar unterschieden wurden.

Wenn solche Zustände erscheinen
und ihr sie erkennt,
wird die Befleckung des Geistes gereinigt,
und ihr fallt nicht in falsche Sichtweisen.

Die Skandha-Dämonen (Aggregat-Verblendungen)
werden aufgelöst,
himmlische Māras zerbrochen,
mächtige Geistwesen verlieren ihre Kraft,
und dämonische Erscheinungen entstehen nicht mehr.

Bis zur Bodhi
wird es keinen Mangel geben.

Selbst geringe Übende können voranschreiten,
und im Großen Nirvāṇa
wird der Geist nicht mehr verwirrt.

Für Wesen späterer Zeiten,
die Meditation üben,
aber weder Dhyāna noch Dharma richtig verstehen,
besteht jedoch Gefahr.

Darum sollen sie das
Buddha-Gipfel-Dhāraṇī (Śūraṅgama-Mantra) halten.

Wenn sie es nicht rezitieren können,
sollen sie es niederschreiben
oder bei sich tragen;
so können alle Dämonen ihnen nichts anhaben.

Achtet ehrfürchtig
auf das endgültige Übungsmodell
der Buddhas der zehn Richtungen.
Kommentar
Dieser Abschnitt verbindet drei Ebenen:



1) Erkenntnis als Schutz

Der Text sagt klar:

Nicht das Mantra zuerst,
sondern:

Erkennen der Zustände.

Wenn man erkennt,
fallen die Dämonen.

Die „Dämonen“ sind:
• Fehlinterpretationen
• Fixierungen
• Verabsolutierungen



2) Skandha-Dämonen

„陰魔“ bedeutet:

Die Verblendung entsteht
innerhalb der Aggregate selbst.

Das passt exakt zu Rolle 10:

Alles kam aus dem Geist.



3) Warum das Mantra?

Hier ist es wichtig,
nicht magisch zu lesen.

Das Mantra wirkt als:
• Ausrichtung
• Sammlung
• Rückbindung
• Stabilisierung

Für jene,
die die Analyse noch nicht durchdringen können.

Es ist psychologisch ein Anker.



4) Die Hierarchie
1. Analyse der Zustände
2. Erkennen → Reinigung
3. Nicht-Fixierung
4. Schutzformel als Unterstützung
411 #
阿難即從坐起,聞佛示誨,頂禮欽奉,憶持無失。於大眾中重復白佛:「如佛所言『五陰相中,五種虛妄為本想心』,我等平常未蒙如來微細開示。又此五陰為併銷除?為次第盡?如是五重詣何為界?[6]唯願如來發宣大慈,為此大眾清明心目,以為末世一切眾生作將來眼!」
Ānanda stand auf,
verneigte sich ehrfürchtig
und bewahrte die Worte des Buddha im Gedächtnis.

Vor der gesamten Versammlung sagte er:

‚Wie der Buddha erklärt hat:
In den fünf Aggregaten
liegen fünf Arten von falscher Vorstellung
als grundlegender gedanklicher Kern.

Über diese subtile Analyse
wurden wir bisher nicht im Detail unterwiesen.

Werden die fünf Aggregate
gleichzeitig aufgelöst,
oder werden sie nacheinander erschöpft?

Wo liegen ihre jeweiligen Grenzen?

Wir bitten den Tathāgata,
aus großem Mitgefühl
die geistigen Augen dieser Versammlung zu klären
und für die Wesen der späteren Zeiten
zu einem zukünftigen Sehorgan zu werden.‘
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist methodisch entscheidend.



1) Ānandas Frage ist keine Wiederholung

Nach der langen Analyse der Fehlentwicklungen
kehrt er zum Fundament zurück:

Die fünf Aggregate.

Das ist didaktisch meisterhaft.



2) Drei präzise Fragen
1. Gleichzeitig oder nacheinander?
2. Wo liegen die Grenzen?
3. Was ist ihre grundlegende Natur?

Das sind keine spekulativen Fragen,
sondern Praxisfragen.



3) Warum das wichtig ist

Nach all den Verirrungen könnte man denken:

Alles ist kompliziert.

Ānanda führt zurück zur Struktur:
• Aggregat
• Falsche Vorstellung
• Auflösung

Das ist methodische Klarheit.



4) „作將來眼“

„Für die Wesen späterer Zeiten ein zukünftiges Auge.“

Das ist bemerkenswert.

Der Text ist sich bewusst,
dass die Gefahr nicht historisch ist,
sondern zeitlos.
中文原文
阿難即從坐起,聞佛示誨,頂禮欽奉,憶持無失。於大眾中重復白佛:「如佛所言『五陰相中,五種虛妄為本想心』,我等平常未蒙如來微細開示。又此五陰為併銷除?為次第盡?如是五重詣何為界?[6]唯願如來發宣大慈,為此大眾清明心目,以為末世一切眾生作將來眼!」
Deutsch
Ānanda stand auf,
verneigte sich ehrfürchtig
und bewahrte die Worte des Buddha im Gedächtnis.

Vor der gesamten Versammlung sagte er:

‚Wie der Buddha erklärt hat:
In den fünf Aggregaten
liegen fünf Arten von falscher Vorstellung
als grundlegender gedanklicher Kern.

Über diese subtile Analyse
wurden wir bisher nicht im Detail unterwiesen.

Werden die fünf Aggregate
gleichzeitig aufgelöst,
oder werden sie nacheinander erschöpft?

Wo liegen ihre jeweiligen Grenzen?

Wir bitten den Tathāgata,
aus großem Mitgefühl
die geistigen Augen dieser Versammlung zu klären
und für die Wesen der späteren Zeiten
zu einem zukünftigen Sehorgan zu werden.‘
Kommentar
Dieser Abschnitt ist methodisch entscheidend.



1) Ānandas Frage ist keine Wiederholung

Nach der langen Analyse der Fehlentwicklungen
kehrt er zum Fundament zurück:

Die fünf Aggregate.

Das ist didaktisch meisterhaft.



2) Drei präzise Fragen
1. Gleichzeitig oder nacheinander?
2. Wo liegen die Grenzen?
3. Was ist ihre grundlegende Natur?

Das sind keine spekulativen Fragen,
sondern Praxisfragen.



3) Warum das wichtig ist

Nach all den Verirrungen könnte man denken:

Alles ist kompliziert.

Ānanda führt zurück zur Struktur:
• Aggregat
• Falsche Vorstellung
• Auflösung

Das ist methodische Klarheit.



4) „作將來眼“

„Für die Wesen späterer Zeiten ein zukünftiges Auge.“

Das ist bemerkenswert.

Der Text ist sich bewusst,
dass die Gefahr nicht historisch ist,
sondern zeitlos.
412 #
佛告阿難:「精真妙明本覺圓淨,非留死生及諸塵垢;乃至虛空皆因妄想之所生起,斯元本覺妙明真精,妄以發生諸器世間。如演若多迷頭認影。妄元無因,於妄想中立因緣性;迷因緣者,稱為自然。彼虛空性猶實幻生,因緣、自然,皆是眾生妄心計度。阿難!知妄所起,說妄因緣,若妄元無,說妄因緣元無所有,何況不知推自然者!是故如來與汝發明,五陰本因同是妄想。
Der Buddha sagte:

„Das feine, wahre, wunderbar-leuchtende
ursprüngliche Erwachen
ist rund und rein;
es verweilt nicht in Geburt oder Tod
und ist nicht befleckt von Sinnesstaub.

Sogar der Raum
entsteht aus Verblendung.

Das ursprüngliche Erwachen
ist wahrhaft klar;
doch durch Verblendung
entstehen die Gefäß-Welten (das Objekt-Universum),
wie in der Geschichte von Yajñadatta,
der seinen eigenen Kopf verkennt.

Verblendung hat keinen ursprünglichen Grund.
Innerhalb der Verblendung
werden jedoch „Ursache“ und „Bedingung“ konstruiert.

Wer Ursache und Bedingung missversteht,
nennt es „Natur“.

Doch selbst die scheinbare Natur des Raumes
ist letztlich wie eine Illusion.

„Ursache und Bedingung“
sowie „Natur“
sind lediglich Berechnungen
des falschen Geistes.

Wenn man von der Entstehung der Verblendung spricht,
spricht man im Rahmen der Verblendung von Ursache und Bedingung.
Wenn jedoch die Verblendung ursprünglich nicht real ist,
dann haben auch ihre Ursachen keinen Bestand –
umso weniger eine selbständige „Natur“.

Darum offenbart der Tathāgata:
Die fünf Aggregate
haben als ihre Grundursache
allesamt falsche Vorstellung.
Kommentar öffnen
Dies ist der metaphysische Schlüssel des gesamten Sutras.



1) Das ursprüngliche Erwachen

„精真妙明本覺圓淨“
• nicht Geburt
• nicht Tod
• nicht Befleckung

Es ist kein Zustand,
kein Ding,
keine Substanz.



2) Selbst Raum entsteht aus Verblendung

Das ist radikal.

Nicht nur Dinge,
sondern selbst Raum.

Das bedeutet:

Subjekt-Objekt-Struktur
ist sekundär.



3) Ursache, Bedingung und Natur

Hier dekonstruiert der Text drei Grundmodelle:
1. 因緣 – Ursache und Bedingung
2. 自然 – Natur
3. ontologische Substanz

Alle drei sind Konstruktionen
innerhalb der Verblendung.



4) Verblendung ohne Ursprung

„妄元無因“

Verblendung hat keinen realen Ursprung.

Das ist zentral.

Sie ist nicht „entstanden“ im ontologischen Sinn.

Sie ist Fehlinterpretation.



5) Die fünf Aggregate als fünf Arten von 妄想

Das ist der endgültige Rückschluss:

Nicht:
• Körper
• Gefühl
• Vorstellung
• Formkräfte
• Bewusstsein

sind eigenständige Realitäten.

Sondern:

Fünf Modi falscher Vorstellung.



6) Verbindung zu Rolle 10 insgesamt

Alle 20 Fehlentwicklungen
waren nur Verfeinerungen von 妄想.

Der Text schließt nun den Kreis:

Die Wurzel ist nicht Philosophie,
nicht Gott,
nicht Leere,
nicht Nirvana.

Sondern:

Fehlinterpretation.
中文原文
佛告阿難:「精真妙明本覺圓淨,非留死生及諸塵垢;乃至虛空皆因妄想之所生起,斯元本覺妙明真精,妄以發生諸器世間。如演若多迷頭認影。妄元無因,於妄想中立因緣性;迷因緣者,稱為自然。彼虛空性猶實幻生,因緣、自然,皆是眾生妄心計度。阿難!知妄所起,說妄因緣,若妄元無,說妄因緣元無所有,何況不知推自然者!是故如來與汝發明,五陰本因同是妄想。
Deutsch
Der Buddha sagte:

„Das feine, wahre, wunderbar-leuchtende
ursprüngliche Erwachen
ist rund und rein;
es verweilt nicht in Geburt oder Tod
und ist nicht befleckt von Sinnesstaub.

Sogar der Raum
entsteht aus Verblendung.

Das ursprüngliche Erwachen
ist wahrhaft klar;
doch durch Verblendung
entstehen die Gefäß-Welten (das Objekt-Universum),
wie in der Geschichte von Yajñadatta,
der seinen eigenen Kopf verkennt.

Verblendung hat keinen ursprünglichen Grund.
Innerhalb der Verblendung
werden jedoch „Ursache“ und „Bedingung“ konstruiert.

Wer Ursache und Bedingung missversteht,
nennt es „Natur“.

Doch selbst die scheinbare Natur des Raumes
ist letztlich wie eine Illusion.

„Ursache und Bedingung“
sowie „Natur“
sind lediglich Berechnungen
des falschen Geistes.

Wenn man von der Entstehung der Verblendung spricht,
spricht man im Rahmen der Verblendung von Ursache und Bedingung.
Wenn jedoch die Verblendung ursprünglich nicht real ist,
dann haben auch ihre Ursachen keinen Bestand –
umso weniger eine selbständige „Natur“.

Darum offenbart der Tathāgata:
Die fünf Aggregate
haben als ihre Grundursache
allesamt falsche Vorstellung.
Kommentar
Dies ist der metaphysische Schlüssel des gesamten Sutras.



1) Das ursprüngliche Erwachen

„精真妙明本覺圓淨“
• nicht Geburt
• nicht Tod
• nicht Befleckung

Es ist kein Zustand,
kein Ding,
keine Substanz.



2) Selbst Raum entsteht aus Verblendung

Das ist radikal.

Nicht nur Dinge,
sondern selbst Raum.

Das bedeutet:

Subjekt-Objekt-Struktur
ist sekundär.



3) Ursache, Bedingung und Natur

Hier dekonstruiert der Text drei Grundmodelle:
1. 因緣 – Ursache und Bedingung
2. 自然 – Natur
3. ontologische Substanz

Alle drei sind Konstruktionen
innerhalb der Verblendung.



4) Verblendung ohne Ursprung

„妄元無因“

Verblendung hat keinen realen Ursprung.

Das ist zentral.

Sie ist nicht „entstanden“ im ontologischen Sinn.

Sie ist Fehlinterpretation.



5) Die fünf Aggregate als fünf Arten von 妄想

Das ist der endgültige Rückschluss:

Nicht:
• Körper
• Gefühl
• Vorstellung
• Formkräfte
• Bewusstsein

sind eigenständige Realitäten.

Sondern:

Fünf Modi falscher Vorstellung.



6) Verbindung zu Rolle 10 insgesamt

Alle 20 Fehlentwicklungen
waren nur Verfeinerungen von 妄想.

Der Text schließt nun den Kreis:

Die Wurzel ist nicht Philosophie,
nicht Gott,
nicht Leere,
nicht Nirvana.

Sondern:

Fehlinterpretation.
413 #
「汝體先因父母想生,汝心非想,則不能來想中傳命。如我先言『心想[8]醋味,口中涎生;心想登高,足心酸起』,懸崖不有,[*]醋物未來,汝體必非虛妄通倫,口水如何因談[*]醋出?是故當知汝現色身,名為堅固第一妄想。即此所說臨高想心,能令汝形真受酸澁。由因受生,能動色體。汝今現前順益、違損、二現驅馳,名為虛明第二妄想。由汝念慮使汝色身,身非念倫,汝身何因隨念所使種種取像?心生形取,與念相應,寤即想心,寐為諸夢。則汝想念搖動妄情,名為融通第三妄想。
Dein Körper entstand
aufgrund der Vorstellung deiner Eltern.

Wenn dein Geist nicht selbst Vorstellung wäre,
könnte er nicht innerhalb von Vorstellung
Leben weitergeben.

Wie zuvor gesagt:
• Denkt man an Essig, fließt Speichel.
• Denkt man an Höhe, zittern die Füße.

Der Abgrund ist nicht da,
der Essig ist nicht da –
und doch reagiert der Körper.

Das zeigt:
Form ist nicht unabhängig von Vorstellung.

Darum wird der gegenwärtige Körper
die erste, feste falsche Vorstellung genannt
(entspricht dem Form-Aggregat).

Die Reaktion auf gedachte Gefahr oder Vorteil
ist die zweite falsche Vorstellung
(entspricht dem Gefühls-Aggregat).

Gedanken bewegen den Körper.
Obwohl der Körper nicht Gedanke ist,
folgt er der Vorstellung.

Im Wachen erscheinen Bilder,
im Schlaf Träume.

Diese Bewegung der Vorstellung
ist die dritte falsche Vorstellung
(entspricht dem Konzeptions-Aggregat).
Kommentar öffnen
Hier wird es existentiell greifbar.



1) Der Körper als „erste feste falsche Vorstellung“

Das ist radikal.

Nicht:

„Der Körper existiert nicht.“

Sondern:

Der Körper ist bereits
durch Vorstellung strukturiert.

Geburt selbst ist eingebettet
in imaginäre Projektion.



2) Das Essig-Beispiel

Das Beispiel ist brillant:

Der Körper reagiert
auf Nicht-Anwesendes.

Das zeigt:

Form ist nicht rein materiell.
Sie ist mit Vorstellung verschränkt.



3) Die zweite Ebene: Gefühl

Streben nach Vorteil
und Meiden von Schaden
entsteht aus Vorstellung.

Gefühl ist keine isolierte Realität.



4) Die dritte Ebene: Vorstellung

Im Wachen Bilder,
im Schlaf Träume.

Das zeigt:

Die Struktur bleibt dieselbe.

Wachheit ist nicht grundsätzlich anders
als Traum.



5) Wichtig für die Gesamtstruktur

Hier wird die Reihenfolge der Aggregate
aus gelebter Erfahrung erklärt:
1. Form
2. Gefühl
3. Vorstellung

Nicht abstrakt,
sondern phänomenologisch.
中文原文
「汝體先因父母想生,汝心非想,則不能來想中傳命。如我先言『心想[8]醋味,口中涎生;心想登高,足心酸起』,懸崖不有,[*]醋物未來,汝體必非虛妄通倫,口水如何因談[*]醋出?是故當知汝現色身,名為堅固第一妄想。即此所說臨高想心,能令汝形真受酸澁。由因受生,能動色體。汝今現前順益、違損、二現驅馳,名為虛明第二妄想。由汝念慮使汝色身,身非念倫,汝身何因隨念所使種種取像?心生形取,與念相應,寤即想心,寐為諸夢。則汝想念搖動妄情,名為融通第三妄想。
Deutsch
Dein Körper entstand
aufgrund der Vorstellung deiner Eltern.

Wenn dein Geist nicht selbst Vorstellung wäre,
könnte er nicht innerhalb von Vorstellung
Leben weitergeben.

Wie zuvor gesagt:
• Denkt man an Essig, fließt Speichel.
• Denkt man an Höhe, zittern die Füße.

Der Abgrund ist nicht da,
der Essig ist nicht da –
und doch reagiert der Körper.

Das zeigt:
Form ist nicht unabhängig von Vorstellung.

Darum wird der gegenwärtige Körper
die erste, feste falsche Vorstellung genannt
(entspricht dem Form-Aggregat).

Die Reaktion auf gedachte Gefahr oder Vorteil
ist die zweite falsche Vorstellung
(entspricht dem Gefühls-Aggregat).

Gedanken bewegen den Körper.
Obwohl der Körper nicht Gedanke ist,
folgt er der Vorstellung.

Im Wachen erscheinen Bilder,
im Schlaf Träume.

Diese Bewegung der Vorstellung
ist die dritte falsche Vorstellung
(entspricht dem Konzeptions-Aggregat).
Kommentar
Hier wird es existentiell greifbar.



1) Der Körper als „erste feste falsche Vorstellung“

Das ist radikal.

Nicht:

„Der Körper existiert nicht.“

Sondern:

Der Körper ist bereits
durch Vorstellung strukturiert.

Geburt selbst ist eingebettet
in imaginäre Projektion.



2) Das Essig-Beispiel

Das Beispiel ist brillant:

Der Körper reagiert
auf Nicht-Anwesendes.

Das zeigt:

Form ist nicht rein materiell.
Sie ist mit Vorstellung verschränkt.



3) Die zweite Ebene: Gefühl

Streben nach Vorteil
und Meiden von Schaden
entsteht aus Vorstellung.

Gefühl ist keine isolierte Realität.



4) Die dritte Ebene: Vorstellung

Im Wachen Bilder,
im Schlaf Träume.

Das zeigt:

Die Struktur bleibt dieselbe.

Wachheit ist nicht grundsätzlich anders
als Traum.



5) Wichtig für die Gesamtstruktur

Hier wird die Reihenfolge der Aggregate
aus gelebter Erfahrung erklärt:
1. Form
2. Gefühl
3. Vorstellung

Nicht abstrakt,
sondern phänomenologisch.
414 #
化理不住,運[9]運密移,甲長髮生,氣銷容皺,日夜相代曾無覺悟。阿難!此若非汝,云何體遷?如必是真,汝何無覺?則汝諸行念念不停,名為幽隱第四妄想。又汝精明湛不搖處名恒常者,於身不出見、聞、覺、知。若實精真,不容習妄,何因汝等曾於昔年覩一奇物,經歷年歲憶忘俱無;於後忽然覆覩前異,記憶宛然曾不遺失!則此精了湛不搖中,念念受熏,有何籌算?
Veränderung geschieht unaufhörlich,
subtil und kaum wahrnehmbar.

Nägel wachsen, Haare wachsen,
Kraft nimmt ab, das Gesicht altert,
Tag und Nacht wechseln,
doch wir bemerken es kaum.

Wenn diese Veränderung nicht „du“ wäre,
wie könnte dein Körper altern?
Wenn sie aber wirklich du ist,
warum nimmst du sie nicht bewusst wahr?

Diese unaufhörliche, momentane Bewegung
ist das Formkräfte-Aggregat –
die vierte falsche Vorstellung.

Weiter:

Du hältst die klare, stille Bewusstheit
für beständig.

Doch in ihr erscheinen
Sehen, Hören, Fühlen und Erkennen.

Wenn diese Bewusstheit wirklich unveränderlich wäre,
könnte sie keine Eindrücke aufnehmen.

Warum kannst du dich dann
nach Jahren wieder erinnern?

Das zeigt:
Selbst das scheinbar stille Bewusstsein
nimmt fortwährend Eindrücke auf.
Kommentar öffnen
Hier erreicht die Analyse eine extreme Feinheit.



1) Die vierte falsche Vorstellung – Bewegung ohne Wahrnehmung

Das Formkräfte-Aggregat ist:

kontinuierliche Veränderung.

Doch weil Veränderung graduell geschieht,
erscheint sie als Stabilität.

Das ist ein grundlegender Wahrnehmungsfehler.

Stetige Veränderung → Illusion von Dauer.



2) Identität als Prozess

Der Buddha stellt eine raffinierte Frage:

Wenn Veränderung nicht du ist,
wer altert dann?

Wenn sie du ist,
warum merkst du sie nicht?

Hier wird die Selbst-Identität destabilisiert.



3) Die fünfte falsche Vorstellung – Bewusstsein als scheinbare Konstante

Bewusstsein erscheint:
• klar
• still
• beständig

Doch Erinnerung zeigt:

Es ist geprägt.

Es speichert.
Es verändert sich.

Also ist auch Bewusstsein kein unveränderliches Substrat.



4) Die tiefste Pointe

Der Text dekonstruiert hier:
• Körper
• Gefühl
• Vorstellung
• Formkräfte
• Bewusstsein

Keine Ebene bleibt stabil.

Doch das Ziel ist nicht Nihilismus.

Sondern:

Das Durchschauen der falschen Festsetzung.
中文原文
化理不住,運[9]運密移,甲長髮生,氣銷容皺,日夜相代曾無覺悟。阿難!此若非汝,云何體遷?如必是真,汝何無覺?則汝諸行念念不停,名為幽隱第四妄想。又汝精明湛不搖處名恒常者,於身不出見、聞、覺、知。若實精真,不容習妄,何因汝等曾於昔年覩一奇物,經歷年歲憶忘俱無;於後忽然覆覩前異,記憶宛然曾不遺失!則此精了湛不搖中,念念受熏,有何籌算?
Deutsch
Veränderung geschieht unaufhörlich,
subtil und kaum wahrnehmbar.

Nägel wachsen, Haare wachsen,
Kraft nimmt ab, das Gesicht altert,
Tag und Nacht wechseln,
doch wir bemerken es kaum.

Wenn diese Veränderung nicht „du“ wäre,
wie könnte dein Körper altern?
Wenn sie aber wirklich du ist,
warum nimmst du sie nicht bewusst wahr?

Diese unaufhörliche, momentane Bewegung
ist das Formkräfte-Aggregat –
die vierte falsche Vorstellung.

Weiter:

Du hältst die klare, stille Bewusstheit
für beständig.

Doch in ihr erscheinen
Sehen, Hören, Fühlen und Erkennen.

Wenn diese Bewusstheit wirklich unveränderlich wäre,
könnte sie keine Eindrücke aufnehmen.

Warum kannst du dich dann
nach Jahren wieder erinnern?

Das zeigt:
Selbst das scheinbar stille Bewusstsein
nimmt fortwährend Eindrücke auf.
Kommentar
Hier erreicht die Analyse eine extreme Feinheit.



1) Die vierte falsche Vorstellung – Bewegung ohne Wahrnehmung

Das Formkräfte-Aggregat ist:

kontinuierliche Veränderung.

Doch weil Veränderung graduell geschieht,
erscheint sie als Stabilität.

Das ist ein grundlegender Wahrnehmungsfehler.

Stetige Veränderung → Illusion von Dauer.



2) Identität als Prozess

Der Buddha stellt eine raffinierte Frage:

Wenn Veränderung nicht du ist,
wer altert dann?

Wenn sie du ist,
warum merkst du sie nicht?

Hier wird die Selbst-Identität destabilisiert.



3) Die fünfte falsche Vorstellung – Bewusstsein als scheinbare Konstante

Bewusstsein erscheint:
• klar
• still
• beständig

Doch Erinnerung zeigt:

Es ist geprägt.

Es speichert.
Es verändert sich.

Also ist auch Bewusstsein kein unveränderliches Substrat.



4) Die tiefste Pointe

Der Text dekonstruiert hier:
• Körper
• Gefühl
• Vorstellung
• Formkräfte
• Bewusstsein

Keine Ebene bleibt stabil.

Doch das Ziel ist nicht Nihilismus.

Sondern:

Das Durchschauen der falschen Festsetzung.
415 #
阿難當知,此湛非真,如急流水,望如恬靜,流急不見,非是無流。若非想元,寧受[10]想習?非汝六根互用[1]合開,此之妄想無時得滅。故汝現在見、聞、覺、知中串習幾,則湛了內罔象虛[2]無,第五顛倒[3]細微精想。
Ānanda,

diese scheinbar stille Klarheit ist nicht das Wahre.
Sie gleicht einem rasch fließenden Strom,
der aus der Ferne wie ruhiges Wasser wirkt.
Weil die Bewegung zu schnell ist,
wird sie nicht wahrgenommen –
doch sie ist vorhanden.

Wenn diese Ebene nicht die Wurzel der Vorstellung wäre,
könnte sie keine Gewohnheitsprägungen aufnehmen.

Solange die sechs Sinnesgrundlagen
noch wechselseitig funktionieren,
kann diese subtile falsche Vorstellung
nicht völlig verschwinden.

In deinem gegenwärtigen
Sehen, Hören, Fühlen und Erkennen
sind ununterbrochene Gewohnheitsströme am Werk.

Innerhalb dieser scheinbaren Klarheit
verbirgt sich die fünfte verkehrte,
subtilste Form der falschen Vorstellung –
das Bewusstseins-Aggregat.
Kommentar öffnen
Hier kommt die letzte und radikalste Pointe.



1) Der schnelle Fluss

Das Bewusstsein erscheint still,
weil seine Bewegung kontinuierlich ist.

Schnelle Veränderung
→ Eindruck von Stabilität.

Das ist ein tiefes phänomenologisches Argument.



2) Gewohnheitsprägung (習)

Bewusstsein speichert Eindrücke.

Speicherung bedeutet:

Veränderung.

Also kann es nicht absolut still sein.



3) Warum das entscheidend ist

Viele spirituelle Wege
setzen auf:

„Stille Bewusstheit.“

Der Text sagt:

Auch diese Stille
ist noch Bewegung.



4) Das letzte Hindernis

Das fünfte Aggregat ist nicht grob.

Es ist:
• subtil
• bildlos
• scheinbar leer
• scheinbar ruhig

Gerade deshalb
ist es am schwersten zu durchschauen.
中文原文
阿難當知,此湛非真,如急流水,望如恬靜,流急不見,非是無流。若非想元,寧受[10]想習?非汝六根互用[1]合開,此之妄想無時得滅。故汝現在見、聞、覺、知中串習幾,則湛了內罔象虛[2]無,第五顛倒[3]細微精想。
Deutsch
Ānanda,

diese scheinbar stille Klarheit ist nicht das Wahre.
Sie gleicht einem rasch fließenden Strom,
der aus der Ferne wie ruhiges Wasser wirkt.
Weil die Bewegung zu schnell ist,
wird sie nicht wahrgenommen –
doch sie ist vorhanden.

Wenn diese Ebene nicht die Wurzel der Vorstellung wäre,
könnte sie keine Gewohnheitsprägungen aufnehmen.

Solange die sechs Sinnesgrundlagen
noch wechselseitig funktionieren,
kann diese subtile falsche Vorstellung
nicht völlig verschwinden.

In deinem gegenwärtigen
Sehen, Hören, Fühlen und Erkennen
sind ununterbrochene Gewohnheitsströme am Werk.

Innerhalb dieser scheinbaren Klarheit
verbirgt sich die fünfte verkehrte,
subtilste Form der falschen Vorstellung –
das Bewusstseins-Aggregat.
Kommentar
Hier kommt die letzte und radikalste Pointe.



1) Der schnelle Fluss

Das Bewusstsein erscheint still,
weil seine Bewegung kontinuierlich ist.

Schnelle Veränderung
→ Eindruck von Stabilität.

Das ist ein tiefes phänomenologisches Argument.



2) Gewohnheitsprägung (習)

Bewusstsein speichert Eindrücke.

Speicherung bedeutet:

Veränderung.

Also kann es nicht absolut still sein.



3) Warum das entscheidend ist

Viele spirituelle Wege
setzen auf:

„Stille Bewusstheit.“

Der Text sagt:

Auch diese Stille
ist noch Bewegung.



4) Das letzte Hindernis

Das fünfte Aggregat ist nicht grob.

Es ist:
• subtil
• bildlos
• scheinbar leer
• scheinbar ruhig

Gerade deshalb
ist es am schwersten zu durchschauen.
416 #
「阿難!是五受陰,五妄想成。汝今欲知因界淺深,唯色與空,是色邊際;唯觸及離,是受邊際;唯記與忘,是想邊際;唯滅與生,是行邊際;湛入合湛,歸識邊際。此五陰元重疊生起,生因識有,滅從色除。理則頓悟,乘悟併銷;事非頓除,因次第盡。我已示汝劫波巾結,何所不明再此詢問?汝應將此妄想根元心得開通,傳示將來末法之中諸修行者,令識虛妄深厭自生,知有涅槃不戀三界。
Ānanda,

die fünf Skandhas
sind nichts anderes als fünf Formen falscher Vorstellung.

Wenn du ihre jeweiligen Grenzen verstehen willst:
• Form entsteht im Spannungsfeld von Form und Raum.
• Gefühl entsteht zwischen Berührung und Trennung.
• Vorstellung entsteht zwischen Erinnern und Vergessen.
• Formkräfte bewegen sich zwischen Entstehen und Vergehen.
• Bewusstsein zeigt sich im Eintreten in Stille und dem Verschmelzen mit ihr.

Diese fünf Aggregate
überlagern sich gegenseitig.

Ihr Entstehen basiert auf Bewusstsein;
ihr Erlöschen beginnt mit der Auflösung von Form.

Im Prinzip ist Erwachen unmittelbar;
durch Einsicht können sie gleichzeitig durchschaut werden.

Doch in der faktischen Erfahrung
werden sie schrittweise erschöpft.

Das Gleichnis vom Tuchknoten
erklärt diese Struktur.

Diese Lehre soll weitergegeben werden,
damit künftige Übende
die Falschheit erkennen,
Abneigung gegen Verblendung entwickeln
und wissen, dass Nirvāṇa existiert,
ohne an Samsāra zu haften.
Kommentar öffnen
Hier wird die ganze Architektur noch einmal präzise zusammengeführt.



1) Fünf Aggregate = fünf Spannungsfelder

Der Text definiert jedes Aggregat nicht als Ding,
sondern als Grenzphänomen.
• Form: zwischen Raum und Gestalt
• Gefühl: zwischen Kontakt und Distanz
• Vorstellung: zwischen Erinnern und Vergessen
• Formkräfte: zwischen Entstehen und Vergehen
• Bewusstsein: zwischen Stille und Stille

Keines ist Substanz.
Alles ist Prozess.



2) Überlagerung

Die Aggregate sind nicht linear,
sondern verschränkt.

Das verhindert die naive Vorstellung,
man könne sie isolieren.



3) Plötzlich vs. schrittweise

Ein extrem wichtiger Satz:

理則頓悟,事非頓除

Prinzipiell ist Einsicht unmittelbar.
Faktisch ist Reinigung graduell.

Das ist die Synthese von:
• plötzlichem Erwachen
• schrittweiser Praxis



4) Nirvana ohne Anhaften

Der Schluss ist entscheidend:

Nirvana existiert –
aber nicht als Gegenpol zu Samsāra.

Man soll es wissen,
ohne an den drei Welten zu haften.
中文原文
「阿難!是五受陰,五妄想成。汝今欲知因界淺深,唯色與空,是色邊際;唯觸及離,是受邊際;唯記與忘,是想邊際;唯滅與生,是行邊際;湛入合湛,歸識邊際。此五陰元重疊生起,生因識有,滅從色除。理則頓悟,乘悟併銷;事非頓除,因次第盡。我已示汝劫波巾結,何所不明再此詢問?汝應將此妄想根元心得開通,傳示將來末法之中諸修行者,令識虛妄深厭自生,知有涅槃不戀三界。
Deutsch
Ānanda,

die fünf Skandhas
sind nichts anderes als fünf Formen falscher Vorstellung.

Wenn du ihre jeweiligen Grenzen verstehen willst:
• Form entsteht im Spannungsfeld von Form und Raum.
• Gefühl entsteht zwischen Berührung und Trennung.
• Vorstellung entsteht zwischen Erinnern und Vergessen.
• Formkräfte bewegen sich zwischen Entstehen und Vergehen.
• Bewusstsein zeigt sich im Eintreten in Stille und dem Verschmelzen mit ihr.

Diese fünf Aggregate
überlagern sich gegenseitig.

Ihr Entstehen basiert auf Bewusstsein;
ihr Erlöschen beginnt mit der Auflösung von Form.

Im Prinzip ist Erwachen unmittelbar;
durch Einsicht können sie gleichzeitig durchschaut werden.

Doch in der faktischen Erfahrung
werden sie schrittweise erschöpft.

Das Gleichnis vom Tuchknoten
erklärt diese Struktur.

Diese Lehre soll weitergegeben werden,
damit künftige Übende
die Falschheit erkennen,
Abneigung gegen Verblendung entwickeln
und wissen, dass Nirvāṇa existiert,
ohne an Samsāra zu haften.
Kommentar
Hier wird die ganze Architektur noch einmal präzise zusammengeführt.



1) Fünf Aggregate = fünf Spannungsfelder

Der Text definiert jedes Aggregat nicht als Ding,
sondern als Grenzphänomen.
• Form: zwischen Raum und Gestalt
• Gefühl: zwischen Kontakt und Distanz
• Vorstellung: zwischen Erinnern und Vergessen
• Formkräfte: zwischen Entstehen und Vergehen
• Bewusstsein: zwischen Stille und Stille

Keines ist Substanz.
Alles ist Prozess.



2) Überlagerung

Die Aggregate sind nicht linear,
sondern verschränkt.

Das verhindert die naive Vorstellung,
man könne sie isolieren.



3) Plötzlich vs. schrittweise

Ein extrem wichtiger Satz:

理則頓悟,事非頓除

Prinzipiell ist Einsicht unmittelbar.
Faktisch ist Reinigung graduell.

Das ist die Synthese von:
• plötzlichem Erwachen
• schrittweiser Praxis



4) Nirvana ohne Anhaften

Der Schluss ist entscheidend:

Nirvana existiert –
aber nicht als Gegenpol zu Samsāra.

Man soll es wissen,
ohne an den drei Welten zu haften.
417 #
「阿難!若復有人遍滿十方所有虛空盈滿七寶,持以奉上微塵諸佛,承事供養,心無虛度。於意云何?是人以此施佛因緣得福多不?」
阿難答言:「虛空無盡,珍寶無邊,昔有眾生施佛七錢,捨身猶獲轉輪王位,況復現前虛空既窮,佛土充遍皆施珍寶?窮劫思議尚不能及,是福云何更有邊際!」
Ānanda,

wenn jemand den Raum in allen zehn Richtungen
mit den sieben Edelsteinen füllen
und sie den zahllosen Buddhas darbringen würde,
unermüdlich ehrend und versorgend –

würde dieser Mensch großen Verdienst erlangen?“

Ānanda antwortete:

„Der Raum ist grenzenlos,
die Edelsteine sind unermesslich.
Schon jemand, der dem Buddha sieben Münzen opferte,
erlangte große königliche Verdienste.

Wie viel größer wäre dann das Verdienst,
wenn der gesamte Raum
und alle Buddha-Länder
mit Gaben erfüllt würden?

Selbst durch unzählige Äonen
könnte man dieses Verdienst nicht ermessen.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt ist typisch für Mahayana-Sutren.



1) Der rhetorische Aufbau

Zuerst wird das Maximum äußerer Gabe aufgebaut:
• gesamter Raum
• sieben Kostbarkeiten
• zahllose Buddhas
• unermüdliche Verehrung

Das ist symbolisch das größte denkbare Opfer.



2) Der Zweck

Die Frage dient der Vorbereitung:

Im nächsten Abschnitt wird gesagt,
dass das Verstehen und Weitergeben dieser Lehre
noch unermesslich größeren Verdienst bringt.

Das ist kein ökonomischer Vergleich,
sondern ein Prioritätenwechsel.



3) Innere vs. äußere Gabe

Äußere Gabe:
Materieller Reichtum.

Innere Gabe:
Klare Einsicht.

Rolle 10 hat gezeigt:

Falsche Einsicht führt in Abgrund.
Rechte Einsicht führt zur Befreiung.

Darum ist das Weitergeben dieser Lehre
höher gewertet.



4) Verbindung zur Gesamtstruktur

Nach der Analyse der fünf Aggregate
und der zwanzig Fehlentwicklungen
wird nun deutlich:

Die wahre Kostbarkeit ist
nicht Edelstein,
sondern Durchschauen von 妄想.
中文原文
「阿難!若復有人遍滿十方所有虛空盈滿七寶,持以奉上微塵諸佛,承事供養,心無虛度。於意云何?是人以此施佛因緣得福多不?」
阿難答言:「虛空無盡,珍寶無邊,昔有眾生施佛七錢,捨身猶獲轉輪王位,況復現前虛空既窮,佛土充遍皆施珍寶?窮劫思議尚不能及,是福云何更有邊際!」
Deutsch
Ānanda,

wenn jemand den Raum in allen zehn Richtungen
mit den sieben Edelsteinen füllen
und sie den zahllosen Buddhas darbringen würde,
unermüdlich ehrend und versorgend –

würde dieser Mensch großen Verdienst erlangen?“

Ānanda antwortete:

„Der Raum ist grenzenlos,
die Edelsteine sind unermesslich.
Schon jemand, der dem Buddha sieben Münzen opferte,
erlangte große königliche Verdienste.

Wie viel größer wäre dann das Verdienst,
wenn der gesamte Raum
und alle Buddha-Länder
mit Gaben erfüllt würden?

Selbst durch unzählige Äonen
könnte man dieses Verdienst nicht ermessen.
Kommentar
Dieser Abschnitt ist typisch für Mahayana-Sutren.



1) Der rhetorische Aufbau

Zuerst wird das Maximum äußerer Gabe aufgebaut:
• gesamter Raum
• sieben Kostbarkeiten
• zahllose Buddhas
• unermüdliche Verehrung

Das ist symbolisch das größte denkbare Opfer.



2) Der Zweck

Die Frage dient der Vorbereitung:

Im nächsten Abschnitt wird gesagt,
dass das Verstehen und Weitergeben dieser Lehre
noch unermesslich größeren Verdienst bringt.

Das ist kein ökonomischer Vergleich,
sondern ein Prioritätenwechsel.



3) Innere vs. äußere Gabe

Äußere Gabe:
Materieller Reichtum.

Innere Gabe:
Klare Einsicht.

Rolle 10 hat gezeigt:

Falsche Einsicht führt in Abgrund.
Rechte Einsicht führt zur Befreiung.

Darum ist das Weitergeben dieser Lehre
höher gewertet.



4) Verbindung zur Gesamtstruktur

Nach der Analyse der fünf Aggregate
und der zwanzig Fehlentwicklungen
wird nun deutlich:

Die wahre Kostbarkeit ist
nicht Edelstein,
sondern Durchschauen von 妄想.
418 #
佛告阿難:「諸佛如來語無虛妄,若復有人,身具四重、十波羅夷,瞬息即經此方他方阿鼻地獄,乃至窮盡十方無[A4]間靡不經歷。能以一念將此法門於末劫中開示未學,是人罪障應念銷滅。變其所受地獄苦因,成安樂國,得福超越前之施人,百倍、千倍、千萬億倍,如是乃至算數譬喻所不能及。阿難!若有眾生能誦此經,能持此呪,如我廣說窮劫不盡。依我教言,如教行道,直成菩提,無復魔業。」
Der Buddha sagte:

„Die Worte der Tathāgatas sind wahr.

Selbst wenn jemand die schwersten moralischen Vergehen begangen hätte
und karmisch die Avīci-Höllen durchwandern müsste,
so würde doch schon ein einziger Moment,
in dem er dieses Dharma in der späteren Zeit lehrt,
seine karmischen Hindernisse auflösen.

Die Ursachen des Höllenleidens
würden sich in glückverheißende Bedingungen verwandeln.

Der Verdienst überträfe
denjenigen, der den gesamten Kosmos mit Gaben füllte,
unermesslich.

Wer dieses Sutra rezitiert
und das Śūraṅgama-Dhāraṇī bewahrt,
dessen Verdienst ist grenzenlos.

Wer entsprechend der Unterweisung praktiziert,
erreicht direkt Bodhi,
ohne erneut in dämonische Verirrung zu geraten.
Kommentar öffnen
Dieser Abschnitt wirkt auf den ersten Blick hyperbolisch.
Doch seine Struktur ist konsistent mit Rolle 10.



1) Warum selbst schwere Vergehen ausgelöscht werden

Die Logik ist nicht moralisch,
sondern erkenntnistheoretisch:

Die tiefste Ursache von Verfehlung
ist 妄想.

Wer das Dharma versteht und weitergibt,
unterbricht die Wurzel.

Darum wird Karma transformiert.



2) Warum der Verdienst größer ist als materielle Gabe

Materielle Gabe wirkt äußerlich.

Diese Lehre verhindert:
• Fehlentwicklungen
• spirituelle Selbstverirrung
• metaphysische Fixierung

Das ist existentiell radikaler.



3) „直成菩提“

Direkt zur Bodhi.

Nicht durch Abkürzung,
sondern durch Vermeidung von Umwegen.



4) Keine Dämonen mehr

„無復魔業“

Das bedeutet nicht,
dass keine Schwierigkeiten mehr auftreten.

Sondern:

Die Mechanik der Fehlinterpretation
ist durchschaut.
中文原文
佛告阿難:「諸佛如來語無虛妄,若復有人,身具四重、十波羅夷,瞬息即經此方他方阿鼻地獄,乃至窮盡十方無[A4]間靡不經歷。能以一念將此法門於末劫中開示未學,是人罪障應念銷滅。變其所受地獄苦因,成安樂國,得福超越前之施人,百倍、千倍、千萬億倍,如是乃至算數譬喻所不能及。阿難!若有眾生能誦此經,能持此呪,如我廣說窮劫不盡。依我教言,如教行道,直成菩提,無復魔業。」
Deutsch
Der Buddha sagte:

„Die Worte der Tathāgatas sind wahr.

Selbst wenn jemand die schwersten moralischen Vergehen begangen hätte
und karmisch die Avīci-Höllen durchwandern müsste,
so würde doch schon ein einziger Moment,
in dem er dieses Dharma in der späteren Zeit lehrt,
seine karmischen Hindernisse auflösen.

Die Ursachen des Höllenleidens
würden sich in glückverheißende Bedingungen verwandeln.

Der Verdienst überträfe
denjenigen, der den gesamten Kosmos mit Gaben füllte,
unermesslich.

Wer dieses Sutra rezitiert
und das Śūraṅgama-Dhāraṇī bewahrt,
dessen Verdienst ist grenzenlos.

Wer entsprechend der Unterweisung praktiziert,
erreicht direkt Bodhi,
ohne erneut in dämonische Verirrung zu geraten.
Kommentar
Dieser Abschnitt wirkt auf den ersten Blick hyperbolisch.
Doch seine Struktur ist konsistent mit Rolle 10.



1) Warum selbst schwere Vergehen ausgelöscht werden

Die Logik ist nicht moralisch,
sondern erkenntnistheoretisch:

Die tiefste Ursache von Verfehlung
ist 妄想.

Wer das Dharma versteht und weitergibt,
unterbricht die Wurzel.

Darum wird Karma transformiert.



2) Warum der Verdienst größer ist als materielle Gabe

Materielle Gabe wirkt äußerlich.

Diese Lehre verhindert:
• Fehlentwicklungen
• spirituelle Selbstverirrung
• metaphysische Fixierung

Das ist existentiell radikaler.



3) „直成菩提“

Direkt zur Bodhi.

Nicht durch Abkürzung,
sondern durch Vermeidung von Umwegen.



4) Keine Dämonen mehr

„無復魔業“

Das bedeutet nicht,
dass keine Schwierigkeiten mehr auftreten.

Sondern:

Die Mechanik der Fehlinterpretation
ist durchschaut.
419 #
佛說此經已,比丘、比丘尼、優婆塞、優婆夷,一切世間、天、人、阿修羅,及諸他方菩薩、二乘、聖仙童子,并初發心大力鬼神,皆大歡喜,作禮而去。
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第十
Nachdem der Buddha dieses Sutra dargelegt hatte,

waren Bhikṣus, Bhikṣuṇīs,
Laienanhänger und Laienanhängerinnen,
alle Wesen der Welt –
Götter, Menschen, Asuras –
sowie Bodhisattvas aus anderen Welten,
Śrāvakas und Pratyekabuddhas,
himmlische Weise und göttliche Jünglinge,
sowie große Geistwesen,
die erstmals Bodhicitta erweckt hatten,

alle von großer Freude erfüllt,
verneigten sich ehrerbietig
und gingen.

Ende der zehnten Rolle des
Großen Buddha-Gipfel-Śūraṅgama-Sūtras.
Kommentar öffnen
Der Abschluss ist schlicht –
doch nach der Weite von Rolle 10
bedeutungsvoll.



1) „皆大歡喜“ – Alle große Freude

Nicht:

Überzeugung.
Nicht:

Dogmatische Zustimmung.

Sondern:

Freude.

Warum?

Weil Verblendung durchschaut wurde.



2) Die Vielfalt der Zuhörer

Aufgezählt werden:
• Ordensmitglieder
• Laien
• Götter
• Asuras
• Bodhisattvas
• Hörer
• Einsam-Erwachte
• Geistwesen

Das heißt:

Diese Lehre ist universell relevant.

Nicht nur für Philosophen,
nicht nur für Asketen,
nicht nur für Mystiker.



3) Keine metaphysische Schlussformel

Das Sutra endet nicht mit:

„So ist die Wahrheit.“

Sondern mit:

Verneigung und Fortgehen.

Das ist strukturell passend.

Nach:
• Dekonstruktion von Ursache
• Dekonstruktion von Natur
• Dekonstruktion von Leere
• Dekonstruktion von Bewusstsein

kann nichts festgesetzt werden.



4) Rolle 10 als Gesamtsynthese

Das Śūraṅgama-Sutra beginnt mit der Frage:

„Wo ist der Geist?“

Es endet mit:

Nichts ist festzusetzen.

Und doch:

Bodhi ist möglich.



5) Und im Licht von Ban Dao

Das Sutra endet nicht mit „angekommen“.

Es endet mit:

Freude
und Bewegung.

Verneigen
und Gehen.

Kein Besitz.
Kein Abschluss.
Kein Halt.

Nur:

Durchschauen
und Weitergehen.
中文原文
佛說此經已,比丘、比丘尼、優婆塞、優婆夷,一切世間、天、人、阿修羅,及諸他方菩薩、二乘、聖仙童子,并初發心大力鬼神,皆大歡喜,作禮而去。
大佛[*]頂萬行首楞嚴經卷第十
Deutsch
Nachdem der Buddha dieses Sutra dargelegt hatte,

waren Bhikṣus, Bhikṣuṇīs,
Laienanhänger und Laienanhängerinnen,
alle Wesen der Welt –
Götter, Menschen, Asuras –
sowie Bodhisattvas aus anderen Welten,
Śrāvakas und Pratyekabuddhas,
himmlische Weise und göttliche Jünglinge,
sowie große Geistwesen,
die erstmals Bodhicitta erweckt hatten,

alle von großer Freude erfüllt,
verneigten sich ehrerbietig
und gingen.

Ende der zehnten Rolle des
Großen Buddha-Gipfel-Śūraṅgama-Sūtras.
Kommentar
Der Abschluss ist schlicht –
doch nach der Weite von Rolle 10
bedeutungsvoll.



1) „皆大歡喜“ – Alle große Freude

Nicht:

Überzeugung.
Nicht:

Dogmatische Zustimmung.

Sondern:

Freude.

Warum?

Weil Verblendung durchschaut wurde.



2) Die Vielfalt der Zuhörer

Aufgezählt werden:
• Ordensmitglieder
• Laien
• Götter
• Asuras
• Bodhisattvas
• Hörer
• Einsam-Erwachte
• Geistwesen

Das heißt:

Diese Lehre ist universell relevant.

Nicht nur für Philosophen,
nicht nur für Asketen,
nicht nur für Mystiker.



3) Keine metaphysische Schlussformel

Das Sutra endet nicht mit:

„So ist die Wahrheit.“

Sondern mit:

Verneigung und Fortgehen.

Das ist strukturell passend.

Nach:
• Dekonstruktion von Ursache
• Dekonstruktion von Natur
• Dekonstruktion von Leere
• Dekonstruktion von Bewusstsein

kann nichts festgesetzt werden.



4) Rolle 10 als Gesamtsynthese

Das Śūraṅgama-Sutra beginnt mit der Frage:

„Wo ist der Geist?“

Es endet mit:

Nichts ist festzusetzen.

Und doch:

Bodhi ist möglich.



5) Und im Licht von Ban Dao

Das Sutra endet nicht mit „angekommen“.

Es endet mit:

Freude
und Bewegung.

Verneigen
und Gehen.

Kein Besitz.
Kein Abschluss.
Kein Halt.

Nur:

Durchschauen
und Weitergehen.
420 #
有學(yǒuxué)/-
(Noch-)Lernende
Kommentar öffnen
Bezeichnet Übende, deren Schulung nicht abgeschlossen ist (sekha). In Rolle 7 als Adressaten, die den Kreislauf noch nicht vollständig beendet haben.
中文原文
有學(yǒuxué)/-
Deutsch
(Noch-)Lernende
Kommentar
Bezeichnet Übende, deren Schulung nicht abgeschlossen ist (sekha). In Rolle 7 als Adressaten, die den Kreislauf noch nicht vollständig beendet haben.
421 #
八萬四千(bāwàn sìqiān)/-
84.000 (unzählig)
Kommentar öffnen
Symbolzahl für eine große, unüberschaubare Vielfalt von Varianten/Verstrickungen – nicht als exakte Zählung gemeint.
中文原文
八萬四千(bāwàn sìqiān)/-
Deutsch
84.000 (unzählig)
Kommentar
Symbolzahl für eine große, unüberschaubare Vielfalt von Varianten/Verstrickungen – nicht als exakte Zählung gemeint.
422 #
結界(jiéjiè)/-
Abgrenzung / Schutzraum
Kommentar öffnen
Rituelles „Abgrenzen“ eines Übungsraums (Schutzkreis/Mandala). Nicht Magie als Besitz, sondern Stabilisierung eines kohärenten Praxisfeldes.
中文原文
結界(jiéjiè)/-
Deutsch
Abgrenzung / Schutzraum
Kommentar
Rituelles „Abgrenzen“ eines Übungsraums (Schutzkreis/Mandala). Nicht Magie als Besitz, sondern Stabilisierung eines kohärenten Praxisfeldes.
423 #
八棄(bāqì)/-
Acht Ausschlussvergehen
Kommentar öffnen
Schwerste Ordinationsvergehen der Bhikṣuṇīs (pārājika): in Rolle 7 als „acht Ausschlüsse“ erwähnt.
中文原文
八棄(bāqì)/-
Deutsch
Acht Ausschlussvergehen
Kommentar
Schwerste Ordinationsvergehen der Bhikṣuṇīs (pārājika): in Rolle 7 als „acht Ausschlüsse“ erwähnt.
424 #
八支隨煩惱(bā zhī suí fánnǎo)/-
Acht Nebenverwerfungen der Hörenden
Kommentar öffnen
Acht begleitende Formen subtiler Verstrickung, die besonders bei lehr‑, hör‑ und wissensorientierter Praxis auftreten können. Dazu zählen u. a. Stolz auf Erkenntnis, Fixierung auf Methode, subtile Selbstüberhöhung oder Abwertung anderer Wege.
中文原文
八支隨煩惱(bā zhī suí fánnǎo)/-
Deutsch
Acht Nebenverwerfungen der Hörenden
Kommentar
Acht begleitende Formen subtiler Verstrickung, die besonders bei lehr‑, hör‑ und wissensorientierter Praxis auftreten können. Dazu zählen u. a. Stolz auf Erkenntnis, Fixierung auf Methode, subtile Selbstüberhöhung oder Abwertung anderer Wege.
425 #
八萬劫(bā wàn jié)/aśīti-sahasra-kalpa
Achtzigtausend Kalpas
Kommentar öffnen
Symbolische Zeitangabe für unermesslich lange Weltzyklen. Steht nicht für eine exakte Zahl, sondern für kaum vorstellbare karmische Dauer.
中文原文
八萬劫(bā wàn jié)/aśīti-sahasra-kalpa
Deutsch
Achtzigtausend Kalpas
Kommentar
Symbolische Zeitangabe für unermesslich lange Weltzyklen. Steht nicht für eine exakte Zahl, sondern für kaum vorstellbare karmische Dauer.
426 #
五蘊(wǔyùn)/skandha
Aggregat / Skandha
Kommentar öffnen
Grundkategorie der Erfahrung. Form‑, Gefühls‑, Konzeptions‑, Formkräfte‑, Bewusstseinsaggregat.
中文原文
五蘊(wǔyùn)/skandha
Deutsch
Aggregat / Skandha
Kommentar
Grundkategorie der Erfahrung. Form‑, Gefühls‑, Konzeptions‑, Formkräfte‑, Bewusstseinsaggregat.
427 #
鉢(bō)/pāṭra
Almosenschale
Kommentar öffnen
Die traditionelle Schale, in der buddhistische Mönche und Nonnen beim Almosengang Speisen sammeln. Sie symbolisiert Einfachheit, Bedürfnislosigkeit und Vertrauen in das Geben anderer.
中文原文
鉢(bō)/pāṭra
Deutsch
Almosenschale
Kommentar
Die traditionelle Schale, in der buddhistische Mönche und Nonnen beim Almosengang Speisen sammeln. Sie symbolisiert Einfachheit, Bedürfnislosigkeit und Vertrauen in das Geben anderer.
428 #
阿難(ānán)/Ananda
Ananda
Kommentar öffnen
Der Cousin des Buddha und sein treuer Begleiter, bekannt für sein exzellentes Gedächtnis.
中文原文
阿難(ānán)/Ananda
Deutsch
Ananda
Kommentar
Der Cousin des Buddha und sein treuer Begleiter, bekannt für sein exzellentes Gedächtnis.
429 #
初學(chūxué)/-
Anfänger
Kommentar öffnen
Übende am Anfang; Rolle 7 betont, dass Schutz und Eintritt in Samādhi gerade für Anfänger gesichert werden sollen.
中文原文
初學(chūxué)/-
Deutsch
Anfänger
Kommentar
Übende am Anfang; Rolle 7 betont, dass Schutz und Eintritt in Samādhi gerade für Anfänger gesichert werden sollen.
430 #
執著(zhízhuó)/Anhaftung
Anhaftung
Kommentar öffnen
Das Festhalten an Objekten, Gedanken oder einem Ich.
中文原文
執著(zhízhuó)/Anhaftung
Deutsch
Anhaftung
Kommentar
Das Festhalten an Objekten, Gedanken oder einem Ich.
431 #
遏蒱曇(èpútán)/arbuda
Arbuda (Keimform)
Kommentar öffnen
Traditioneller Begriff für frühe Embryostufe; in Rolle 7 mit „Leibgeburt“ verbunden.
中文原文
遏蒱曇(èpútán)/arbuda
Deutsch
Arbuda (Keimform)
Kommentar
Traditioneller Begriff für frühe Embryostufe; in Rolle 7 mit „Leibgeburt“ verbunden.
432 #
阿羅漢(āluóhàn)/arhat
Arhat
Kommentar öffnen
Wörtlich „Würdiger“. Ein Mensch, der die Befreiung (Nirvana) verwirklicht hat und nicht mehr im Kreislauf der Wiedergeburten erscheint. Im Sutra oft als „große Arhats“ bezeichnet, also als Übende, die frei von Ausflüssen sind.
中文原文
阿羅漢(āluóhàn)/arhat
Deutsch
Arhat
Kommentar
Wörtlich „Würdiger“. Ein Mensch, der die Befreiung (Nirvana) verwirklicht hat und nicht mehr im Kreislauf der Wiedergeburten erscheint. Im Sutra oft als „große Arhats“ bezeichnet, also als Übende, die frei von Ausflüssen sind.
433 #
阿修罗(āxiūluó)/asura
Asura
Kommentar öffnen
Wesen des Kampfes und der Eifersucht. Symbolisieren Zustände von Konkurrenz, Machtstreben und innerer Unruhe.
中文原文
阿修罗(āxiūluó)/asura
Deutsch
Asura
Kommentar
Wesen des Kampfes und der Eifersucht. Symbolisieren Zustände von Konkurrenz, Machtstreben und innerer Unruhe.
434 #
漏(lòu)/āsrava
Ausflüsse
Kommentar öffnen
Wörtlich „das, was ausfließt“. Bezeichnet grundlegende geistige Triebkräfte wie Gier, Daseinsdrang und Unwissenheit, die an Samsara binden.
中文原文
漏(lòu)/āsrava
Deutsch
Ausflüsse
Kommentar
Wörtlich „das, was ausfließt“. Bezeichnet grundlegende geistige Triebkräfte wie Gier, Daseinsdrang und Unwissenheit, die an Samsara binden.
435 #
無漏(wúlòu)/anāsrava
Ausflusslose Klarheit
Kommentar öffnen
Zustand ohne geistige „Ausflüsse“ (āsravas), d.h. Befreiung
中文原文
無漏(wúlòu)/anāsrava
Deutsch
Ausflusslose Klarheit
Kommentar
Zustand ohne geistige „Ausflüsse“ (āsravas), d.h. Befreiung
436 #
無漏(wúlòu)/anāsrava
Ausflusslose Übung
Kommentar öffnen
Praxis frei von den „Ausflüssen“ (Begierde, Daseinsdrang, Unwissenheit).
中文原文
無漏(wúlòu)/anāsrava
Deutsch
Ausflusslose Übung
Kommentar
Praxis frei von den „Ausflüssen“ (Begierde, Daseinsdrang, Unwissenheit).
437 #
無間(wújiān)/-
Avīci (Ununterbrochen)
Kommentar öffnen
„Ununterbrochen“: Bezeichnung für die schwerste Hölle (Avīci) und für „ununterbrochene“ schwere Vergehen (無間重罪).
中文原文
無間(wújiān)/-
Deutsch
Avīci (Ununterbrochen)
Kommentar
„Ununterbrochen“: Bezeichnung für die schwerste Hölle (Avīci) und für „ununterbrochene“ schwere Vergehen (無間重罪).
438 #
阿鼻地獄(ābí dìyù)/-
Avīci-Hölle
Kommentar öffnen
Bezeichnung für einen Extremzustand ununterbrochener karmischer Reifung. ‚Avīci‘ bedeutet ‚ohne Unterbrechung‘: Handlung, Wirkung und Erleben greifen lückenlos ineinander. Im Śūraṅgama kein Ort ewiger Strafe, sondern Ausdruck maximaler Selbstverstrickung, in dem keine Distanzierung oder Reflexionspause mehr möglich ist.
中文原文
阿鼻地獄(ābí dìyù)/-
Deutsch
Avīci-Hölle
Kommentar
Bezeichnung für einen Extremzustand ununterbrochener karmischer Reifung. ‚Avīci‘ bedeutet ‚ohne Unterbrechung‘: Handlung, Wirkung und Erleben greifen lückenlos ineinander. Im Śūraṅgama kein Ort ewiger Strafe, sondern Ausdruck maximaler Selbstverstrickung, in dem keine Distanzierung oder Reflexionspause mehr möglich ist.
439 #
緣起(yuánqǐ)/Pratītyasamutpāda
Bedingtes Entstehen
Kommentar öffnen
Das Prinzip der wechselseitigen Abhängigkeit aller Phänomene.
中文原文
緣起(yuánqǐ)/Pratītyasamutpāda
Deutsch
Bedingtes Entstehen
Kommentar
Das Prinzip der wechselseitigen Abhängigkeit aller Phänomene.
440 #
欲魔(yù mó)/-
Begierde‑Dämon
Kommentar öffnen
Bezeichnung für Verirrungen, in denen Begierde spirituell legitimiert wird (Rolle 9).
中文原文
欲魔(yù mó)/-
Deutsch
Begierde‑Dämon
Kommentar
Bezeichnung für Verirrungen, in denen Begierde spirituell legitimiert wird (Rolle 9).
441 #
有漏(yǒu lòu)/sāsrava
behaftet (mit Ausflüssen)
Kommentar öffnen
Wörtlich ‚mit Leckstellen‘. Bezeichnet Zustände, die noch karmisch durchdrungen sind. Gegensatz zu 無漏 (anāsrava). Selbst subtile meditative Klarheit kann noch behaftet sein.
中文原文
有漏(yǒu lòu)/sāsrava
Deutsch
behaftet (mit Ausflüssen)
Kommentar
Wörtlich ‚mit Leckstellen‘. Bezeichnet Zustände, die noch karmisch durchdrungen sind. Gegensatz zu 無漏 (anāsrava). Selbst subtile meditative Klarheit kann noch behaftet sein.
442 #
欲界(yùjiè)/kāmadhātu
Bereich des Begehrens
Kommentar öffnen
Unterster der drei Daseinsbereiche, geprägt von Sinnesverlangen und emotionaler Bindung. Umfasst Menschenwelt, niedere Himmel und leidvolle Existenzformen.
中文原文
欲界(yùjiè)/kāmadhātu
Deutsch
Bereich des Begehrens
Kommentar
Unterster der drei Daseinsbereiche, geprägt von Sinnesverlangen und emotionaler Bindung. Umfasst Menschenwelt, niedere Himmel und leidvolle Existenzformen.
443 #
比丘(bǐqiū)/bhikṣu
Bhikshu
Kommentar öffnen
Ein vollordinierter buddhistischer Mönch, der nach den Ordensregeln lebt.
中文原文
比丘(bǐqiū)/bhikṣu
Deutsch
Bhikshu
Kommentar
Ein vollordinierter buddhistischer Mönch, der nach den Ordensregeln lebt.
444 #
比丘尼(bǐqiūní)/bhikṣuṇī
Bhikshuni
Kommentar öffnen
Vollordinierte Nonne; in Rolle 7 im Kontext von Gelübden, Praxisraum und Reinheit erwähnt.
中文原文
比丘尼(bǐqiūní)/bhikṣuṇī
Deutsch
Bhikshuni
Kommentar
Vollordinierte Nonne; in Rolle 7 im Kontext von Gelübden, Praxisraum und Reinheit erwähnt.
445 #
空花(kōng huā)/-
Blumen im Raum
Kommentar öffnen
Gleichnis für trügerische Wahrnehmung (halluzinatorisch)
中文原文
空花(kōng huā)/-
Deutsch
Blumen im Raum
Kommentar
Gleichnis für trügerische Wahrnehmung (halluzinatorisch)
446 #
菩提,覺(pútí,jué)/bodhi
Bodhi
Kommentar öffnen
Erwachen. Das vollständige Durchschauen von Unwissenheit und Verblendung; das Ende der Verfehlung; kein Objekt, kein Besitz und kein herstellbarer Zustand.
中文原文
菩提,覺(pútí,jué)/bodhi
Deutsch
Bodhi
Kommentar
Erwachen. Das vollständige Durchschauen von Unwissenheit und Verblendung; das Ende der Verfehlung; kein Objekt, kein Besitz und kein herstellbarer Zustand.
447 #
菩薩(púsà)/bodhisattva
Bodhisattva
Kommentar öffnen
Ein Übender, der aus Mitgefühl nicht nur die eigene Befreiung, sondern das Erwachen aller Wesen anstrebt.
中文原文
菩薩(púsà)/bodhisattva
Deutsch
Bodhisattva
Kommentar
Ein Übender, der aus Mitgefühl nicht nur die eigene Befreiung, sondern das Erwachen aller Wesen anstrebt.
448 #
菩提萨埵(pútí sà duǒ)/bodhisattva
Bodhisattva
Kommentar öffnen
Erwachenswesen, das Einsicht und Mitgefühl verbindet. Nicht definiert durch Rang, sondern durch Ausrichtung auf das Erwachen aller Wesen.
中文原文
菩提萨埵(pútí sà duǒ)/bodhisattva
Deutsch
Bodhisattva
Kommentar
Erwachenswesen, das Einsicht und Mitgefühl verbindet. Nicht definiert durch Rang, sondern durch Ausrichtung auf das Erwachen aller Wesen.
449 #
菩提心(pútíxīn)/bodhicitta
Bodhi-Soheit
Kommentar öffnen
Bezeichnung für das Nicht-Verfehlen nach dem Ende des unterscheidenden Geistes. Kein innerer Zustand und keine Intention.
中文原文
菩提心(pútíxīn)/bodhicitta
Deutsch
Bodhi-Soheit
Kommentar
Bezeichnung für das Nicht-Verfehlen nach dem Ende des unterscheidenden Geistes. Kein innerer Zustand und keine Intention.
450 #
梵王(fànwáng)/-
Brahmā-König
Kommentar öffnen
Brahmā als hoher Himmelskönig; in Rolle 7 gelobt er Schutz für Übende.
中文原文
梵王(fànwáng)/-
Deutsch
Brahmā-König
Kommentar
Brahmā als hoher Himmelskönig; in Rolle 7 gelobt er Schutz für Übende.
451 #
佛,佛陀(fó,fótuó)/buddha
Buddha
Kommentar öffnen
„Der Erwachte“. Titel für Siddhartha Gautama und alle vollständig Erwachten; auch „Weltverehrter“.Bezeichnung für den Erwachten als sprechende und handelnde Gestalt im Sutra. Wird für narrative und dialogische Passagen verwendet.
中文原文
佛,佛陀(fó,fótuó)/buddha
Deutsch
Buddha
Kommentar
„Der Erwachte“. Titel für Siddhartha Gautama und alle vollständig Erwachten; auch „Weltverehrter“.Bezeichnung für den Erwachten als sprechende und handelnde Gestalt im Sutra. Wird für narrative und dialogische Passagen verwendet.
452 #
念佛(niànfó)/buddhānusmṛti
Buddha-Gedenken
Kommentar öffnen
Praxis des Erinnerns an den Buddha
中文原文
念佛(niànfó)/buddhānusmṛti
Deutsch
Buddha-Gedenken
Kommentar
Praxis des Erinnerns an den Buddha
453 #
佛頂(fódǐng)/-
Buddha-Gipfel (Scheitel)
Kommentar öffnen
佛頂 wird im Titel/Mantra-Kontext als „Buddha-Gipfel“ geführt; wo es anatomisch wird, als „Scheitel“ verstanden (z. B. „Scheitel berühren“).
中文原文
佛頂(fódǐng)/-
Deutsch
Buddha-Gipfel (Scheitel)
Kommentar
佛頂 wird im Titel/Mantra-Kontext als „Buddha-Gipfel“ geführt; wo es anatomisch wird, als „Scheitel“ verstanden (z. B. „Scheitel berühren“).
454 #
佛頂光聚(fódǐng guāngjù)/-
Buddha-Gipfel-Lichtbündel
Kommentar öffnen
Bezeichnet das vom Buddha-Gipfel ausgehende „Lichtbündel“, das als Schutz- und Samādhi-Feld beschrieben wird.
中文原文
佛頂光聚(fódǐng guāngjù)/-
Deutsch
Buddha-Gipfel-Lichtbündel
Kommentar
Bezeichnet das vom Buddha-Gipfel ausgehende „Lichtbündel“, das als Schutz- und Samādhi-Feld beschrieben wird.
455 #
佛土(fótǔ)/buddha-kṣetra
Buddha-Land
Kommentar öffnen
Wirkungsbereich / Reinheit eines Buddha
中文原文
佛土(fótǔ)/buddha-kṣetra
Deutsch
Buddha-Land
Kommentar
Wirkungsbereich / Reinheit eines Buddha
456 #
佛性(fóxìng)/-
Buddha-Natur
Kommentar öffnen
Lehrbegriff für die grundsätzliche Möglichkeit des Erwachens; im Sutra nicht als Substanz verstanden.
中文原文
佛性(fóxìng)/-
Deutsch
Buddha-Natur
Kommentar
Lehrbegriff für die grundsätzliche Möglichkeit des Erwachens; im Sutra nicht als Substanz verstanden.
457 #
真(zhēn)/-
das Wahre
Kommentar öffnen
Das Wahre ist nicht ein neues Objekt, sondern das Erlöschen der Verkennung (滅妄名真).
中文原文
真(zhēn)/-
Deutsch
das Wahre
Kommentar
Das Wahre ist nicht ein neues Objekt, sondern das Erlöschen der Verkennung (滅妄名真).
458 #
總持,陀羅尼(zǒngchí,tuóluóní)/dhāraṇī
Dharani
Kommentar öffnen
Wörtlich „das Zusammenhalten“; die Fähigkeit, das Wesentliche der Lehre zu tragen und nicht zu verlieren.
中文原文
總持,陀羅尼(zǒngchí,tuóluóní)/dhāraṇī
Deutsch
Dharani
Kommentar
Wörtlich „das Zusammenhalten“; die Fähigkeit, das Wesentliche der Lehre zu tragen und nicht zu verlieren.
459 #
陀罗尼(tuóluóní)/dhāraṇī
Dharani / Mantra
Kommentar öffnen
Verdichtete Laut- oder Silbenformeln, die Sammlung stabilisieren und bestimmte geistige Qualitäten bündeln. Nicht magisch, sondern funktional verstanden.
中文原文
陀罗尼(tuóluóní)/dhāraṇī
Deutsch
Dharani / Mantra
Kommentar
Verdichtete Laut- oder Silbenformeln, die Sammlung stabilisieren und bestimmte geistige Qualitäten bündeln. Nicht magisch, sondern funktional verstanden.
460 #
法(fǎ)/dharma
Dharma
Kommentar öffnen
Je nach Kontext: (1) die Lehre, (2) Phänomene allgemein, (3) im Kontext der zwölf/achtzehn Bereiche: die „Objekte“ des Denksinns (Gedankeninhalte, Bedeutungen, Vorstellungen). Nicht als eigenständige Entitäten, sondern als bedingt erscheinende Ordnung des unterscheidenden Geistes.
中文原文
法(fǎ)/dharma
Deutsch
Dharma
Kommentar
Je nach Kontext: (1) die Lehre, (2) Phänomene allgemein, (3) im Kontext der zwölf/achtzehn Bereiche: die „Objekte“ des Denksinns (Gedankeninhalte, Bedeutungen, Vorstellungen). Nicht als eigenständige Entitäten, sondern als bedingt erscheinende Ordnung des unterscheidenden Geistes.
461 #
法身(fǎshēn)/dharmakāya
Dharma-Körper
Kommentar öffnen
Der „Körper der Wahrheit“; die ungeteilte Wirklichkeit jenseits vergänglicher Erscheinungsformen.
中文原文
法身(fǎshēn)/dharmakāya
Deutsch
Dharma-Körper
Kommentar
Der „Körper der Wahrheit“; die ungeteilte Wirklichkeit jenseits vergänglicher Erscheinungsformen.
462 #
法空(fǎ kōng)/-
Dharma-Leerheit
Kommentar öffnen
Vertiefte Stufe nach der Person-Leerheit: Auch „Dinge/Phänomene“ (Dharmas) werden als nicht eigenständig erkannt. Mit dem vollständigen Lösen fallen schließlich beide Leerheiten weg.
中文原文
法空(fǎ kōng)/-
Deutsch
Dharma-Leerheit
Kommentar
Vertiefte Stufe nach der Person-Leerheit: Auch „Dinge/Phänomene“ (Dharmas) werden als nicht eigenständig erkannt. Mit dem vollständigen Lösen fallen schließlich beide Leerheiten weg.
463 #
轉法輪(zhuǎi fǎlún)/dharmacakra-pravartana
Dharma-Rad drehen
Kommentar öffnen
Bild für das Wirksamwerden von Einsicht, nicht für eine äußere Handlung oder Predigt.
中文原文
轉法輪(zhuǎi fǎlún)/dharmacakra-pravartana
Deutsch
Dharma-Rad drehen
Kommentar
Bild für das Wirksamwerden von Einsicht, nicht für eine äußere Handlung oder Predigt.
464 #
禅那,禅(chánnà,chán)/dhyāna
Dhyana
Kommentar öffnen
Meditative Vertiefung; im Sutra kein Technik-Ergebnis, sondern natürliches Stillwerden.
中文原文
禅那,禅(chánnà,chán)/dhyāna
Deutsch
Dhyana
Kommentar
Meditative Vertiefung; im Sutra kein Technik-Ergebnis, sondern natürliches Stillwerden.
465 #
金刚心(jīngāng xīn)/-
Diamantgleicher Geist
Kommentar öffnen
Unerschütterliche Klarheit des erwachten Geistes. Nicht hart, sondern unzerstörbar durch Verblendung.
中文原文
金刚心(jīngāng xīn)/-
Deutsch
Diamantgleicher Geist
Kommentar
Unerschütterliche Klarheit des erwachten Geistes. Nicht hart, sondern unzerstörbar durch Verblendung.
466 #
戒(jiè)/śīla
Disziplin (Gebote)
Kommentar öffnen
Śīla: ethische Disziplin / Gelübde. In Rolle 7 vor allem als Voraussetzung für den Ort der Praxis (道場) und als Grundlage von Sammlung und Weisheit.
中文原文
戒(jiè)/śīla
Deutsch
Disziplin (Gebote)
Kommentar
Śīla: ethische Disziplin / Gelübde. In Rolle 7 vor allem als Voraussetzung für den Ort der Praxis (道場) und als Grundlage von Sammlung und Weisheit.
467 #
三界(sānjiè)/tridhātu
Drei Daseinsbereiche
Kommentar öffnen
Sphären der Begierde, Form und Formlosigkeit
中文原文
三界(sānjiè)/tridhātu
Deutsch
Drei Daseinsbereiche
Kommentar
Sphären der Begierde, Form und Formlosigkeit
468 #
三有(sān yǒu)/trayo bhavāḥ
Drei Daseinsbereiche
Kommentar öffnen
Die drei Existenzbereiche: Sinneswelt (欲界), Formwelt (色界) und Formlose Welt (無色界). Auch höchste meditative Zustände können noch innerhalb dieser Bereiche fehlgedeutet werden.
中文原文
三有(sān yǒu)/trayo bhavāḥ
Deutsch
Drei Daseinsbereiche
Kommentar
Die drei Existenzbereiche: Sinneswelt (欲界), Formwelt (色界) und Formlose Welt (無色界). Auch höchste meditative Zustände können noch innerhalb dieser Bereiche fehlgedeutet werden.
469 #
三种相续(sān zhǒng xiāng xù)/-
Drei Fortsetzungen
Kommentar öffnen
Welt, karmische Wirkung, Wesen als scheinbare Bestandteile des Samsara.
中文原文
三种相续(sān zhǒng xiāng xù)/-
Deutsch
Drei Fortsetzungen
Kommentar
Welt, karmische Wirkung, Wesen als scheinbare Bestandteile des Samsara.
470 #
三根本(sān gēnběn)/-
Drei Wurzeln
Kommentar öffnen
Töten, Nehmen, Begehren als Ursachen des Leidens.
中文原文
三根本(sān gēnběn)/-
Deutsch
Drei Wurzeln
Kommentar
Töten, Nehmen, Begehren als Ursachen des Leidens.
471 #
三世(sān shì)/-
Drei Zeiten
Kommentar öffnen
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.
中文原文
三世(sān shì)/-
Deutsch
Drei Zeiten
Kommentar
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.
472 #
一門深入(yī mén shēn rù)/-
Ein einziges Tor
Kommentar öffnen
Praxisformel aus Rolle 5: „Durch ein einziges Tor tief eindringen“. Ein Sinnestor wird gewählt und gründlich geklärt; tritt man ohne Täuschung ein, klären sich alle sechs zugleich.
中文原文
一門深入(yī mén shēn rù)/-
Deutsch
Ein einziges Tor
Kommentar
Praxisformel aus Rolle 5: „Durch ein einziges Tor tief eindringen“. Ein Sinnestor wird gewählt und gründlich geklärt; tritt man ohne Täuschung ein, klären sich alle sechs zugleich.
473 #
阿練若,阿蘭若(ālānyě,ā liàn ruò)/-
Einsamkeit
Kommentar öffnen
真阿練若 (zhēn ā liàn ruò): „Wahre Abgeschiedenheit“ oder „wahre Waldklause“ (araṇya). Hier ist nicht der physische Ort, sondern der innere, geistige Zustand absoluter Ungebundenheit gemeint, der der eigentliche „Ort“ der Praxis ist.
中文原文
阿練若,阿蘭若(ālānyě,ā liàn ruò)/-
Deutsch
Einsamkeit
Kommentar
真阿練若 (zhēn ā liàn ruò): „Wahre Abgeschiedenheit“ oder „wahre Waldklause“ (araṇya). Hier ist nicht der physische Ort, sondern der innere, geistige Zustand absoluter Ungebundenheit gemeint, der der eigentliche „Ort“ der Praxis ist.
474 #
緣覺,辟支佛(yuánjué,pìzhīfó)/pratyekabuddha
Einzelerwachter
Kommentar öffnen
Übende, die durch kontemplative Einsicht erkennen. Keine ontologisch getrennte Stufe.
中文原文
緣覺,辟支佛(yuánjué,pìzhīfó)/pratyekabuddha
Deutsch
Einzelerwachter
Kommentar
Übende, die durch kontemplative Einsicht erkennen. Keine ontologisch getrennte Stufe.
475 #
末法(mòfǎ)/-
Endzeit des Dharma
Kommentar öffnen
Spätere Zeit, in der Praxis erschwert erscheint. Rolle 7 adressiert ausdrücklich Übende dieser Zeit und gibt Schutz- und Praxisrahmen.
中文原文
末法(mòfǎ)/-
Deutsch
Endzeit des Dharma
Kommentar
Spätere Zeit, in der Praxis erschwert erscheint. Rolle 7 adressiert ausdrücklich Übende dieser Zeit und gibt Schutz- und Praxisrahmen.
476 #
解結(jiě jié)/-
Entknoten
Kommentar öffnen
Bezeichnet im Shurangama-Sutra das Lösen der geistigen Verstrickung, die durch die sechs Sinne (Sinneswurzeln) entsteht. Das Lösen erfolgt nicht durch „Ziehen“, sondern am „Herzen des Knotens“ – durch Einsicht in die Wurzel der Bindung.
中文原文
解結(jiě jié)/-
Deutsch
Entknoten
Kommentar
Bezeichnet im Shurangama-Sutra das Lösen der geistigen Verstrickung, die durch die sechs Sinne (Sinneswurzeln) entsteht. Das Lösen erfolgt nicht durch „Ziehen“, sondern am „Herzen des Knotens“ – durch Einsicht in die Wurzel der Bindung.
477 #
劳见(láo jiàn)/-
Ermüdung des Sehens
Kommentar öffnen
geistige Erschöpfung / Täuschung durch Anhaftung
中文原文
劳见(láo jiàn)/-
Deutsch
Ermüdung des Sehens
Kommentar
geistige Erschöpfung / Täuschung durch Anhaftung
478 #
日月薄蝕精氣(rìyuè bóshí jīngqì)/-
Essenz von Sonnen‑/Mondfinsternissen
Kommentar öffnen
Symbol für alte, langlebige Natur‑ und Kosmalkräfte, die als Dämonen wirksam werden (Rolle 9).
中文原文
日月薄蝕精氣(rìyuè bóshí jīngqì)/-
Deutsch
Essenz von Sonnen‑/Mondfinsternissen
Kommentar
Symbol für alte, langlebige Natur‑ und Kosmalkräfte, die als Dämonen wirksam werden (Rolle 9).
479 #
乘(chéng)/yāna
Fahrzeug
Kommentar öffnen
das eine Fahrzeug, (das große Fahrzeug /Mahayana).
中文原文
乘(chéng)/yāna
Deutsch
Fahrzeug
Kommentar
das eine Fahrzeug, (das große Fahrzeug /Mahayana).
480 #
因陀羅網(yīntuóluó wǎng)/indrajāla
Feines Netz
Kommentar öffnen
Wörtlich „Indras Netz“. Sinnbild für die vollkommene gegenseitige Durchdringung aller Phänomene: Jedes einzelne spiegelt alle anderen wider, ohne sie zu behindern. Das Netz-Zeichen an Buddhas Hand gehört zu den Nebenmerkmalen eines Buddha und symbolisiert allumfassende Weisheit und Verbundenheit.
中文原文
因陀羅網(yīntuóluó wǎng)/indrajāla
Deutsch
Feines Netz
Kommentar
Wörtlich „Indras Netz“. Sinnbild für die vollkommene gegenseitige Durchdringung aller Phänomene: Jedes einzelne spiegelt alle anderen wider, ohne sie zu behindern. Das Netz-Zeichen an Buddhas Hand gehört zu den Nebenmerkmalen eines Buddha und symbolisiert allumfassende Weisheit und Verbundenheit.
481 #
烏芻瑟摩(wūchúsèmó)/ucchusma
Feuerhaupt
Kommentar öffnen
ein Buddha-Name bzw. Titel eines Schülers
中文原文
烏芻瑟摩(wūchúsèmó)/ucchusma
Deutsch
Feuerhaupt
Kommentar
ein Buddha-Name bzw. Titel eines Schülers
482 #
色陰(sèyīn)/rūpa
Formaggregat
Kommentar öffnen
Aggregat der Körperlichkeit und materiellen Erscheinung. In Rolle 9 Ausgangspunkt der meditativen Durchdringung.
中文原文
色陰(sèyīn)/rūpa
Deutsch
Formaggregat
Kommentar
Aggregat der Körperlichkeit und materiellen Erscheinung. In Rolle 9 Ausgangspunkt der meditativen Durchdringung.
483 #
行陰(xíng yīn)/saṃskāra-skandha
Formkräfte-Aggregat
Kommentar öffnen
Viertes der fünf Skandhas. Bezeichnet die formenden, karmisch wirksamen Impulse und Willensformationen. In Rolle 10 stehen die subtilsten Täuschungen innerhalb dieses Aggregats im Zentrum.
中文原文
行陰(xíng yīn)/saṃskāra-skandha
Deutsch
Formkräfte-Aggregat
Kommentar
Viertes der fünf Skandhas. Bezeichnet die formenden, karmisch wirksamen Impulse und Willensformationen. In Rolle 10 stehen die subtilsten Täuschungen innerhalb dieses Aggregats im Zentrum.
484 #
五蕴(wǔyùn)/skandha
Fünf Aggregate
Kommentar öffnen
Form, Gefühl, Konzeption (Vorstellung), Formkräfte (Gestaltungen) und Bewusstsein; als trügerische Zusammensetzungen durchleuchtet.
中文原文
五蕴(wǔyùn)/skandha
Deutsch
Fünf Aggregate
Kommentar
Form, Gefühl, Konzeption (Vorstellung), Formkräfte (Gestaltungen) und Bewusstsein; als trügerische Zusammensetzungen durchleuchtet.
485 #
五欲(wǔyù)/-
fünf Begierden
Kommentar öffnen
Begierden nach Sinnesobjekten: Form, Klang, Geruch, Geschmack, Berührung. In Rolle 9 als zentrales Kriterium für dämonische Verirrung.
中文原文
五欲(wǔyù)/-
Deutsch
fünf Begierden
Kommentar
Begierden nach Sinnesobjekten: Form, Klang, Geruch, Geschmack, Berührung. In Rolle 9 als zentrales Kriterium für dämonische Verirrung.
486 #
五大(wǔdà)/pañca, mahābhūtāni
Fünf Elemente
Kommentar öffnen
Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum; dienen der Ent-Ortung von Entstehen und Vergehen.
中文原文
五大(wǔdà)/pañca, mahābhūtāni
Deutsch
Fünf Elemente
Kommentar
Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum; dienen der Ent-Ortung von Entstehen und Vergehen.
487 #
五辛(wǔ xīn)/-
Fünf scharfe Pflanzen
Kommentar öffnen
Traditionell: Knoblauch, Zwiebel, Schnittlauch, Lauch und Asafoetida. Sie gelten nicht als moralisch unrein, sondern als praxishemmend, da sie Sinnesreizung, Erregung, Aggression oder Trägheit fördern und damit Sammlung und feine Wahrnehmung beeinträchtigen.
中文原文
五辛(wǔ xīn)/-
Deutsch
Fünf scharfe Pflanzen
Kommentar
Traditionell: Knoblauch, Zwiebel, Schnittlauch, Lauch und Asafoetida. Sie gelten nicht als moralisch unrein, sondern als praxishemmend, da sie Sinnesreizung, Erregung, Aggression oder Trägheit fördern und damit Sammlung und feine Wahrnehmung beeinträchtigen.
488 #
五逆(wǔnì)/-
Fünf schwerste Vergehen
Kommentar öffnen
Schwere karmische Vergehen; in Rolle 7 wird gesagt, dass selbst solche Lasten durch das Mantra wie „Sand im Sturm“ zerfallen.
中文原文
五逆(wǔnì)/-
Deutsch
Fünf schwerste Vergehen
Kommentar
Schwere karmische Vergehen; in Rolle 7 wird gesagt, dass selbst solche Lasten durch das Mantra wie „Sand im Sturm“ zerfallen.
489 #
五濁(wǔ zhuó)/-
fünf Trübungen
Kommentar öffnen
Schichten der Vermischung von Wahrnehmung und Zuschreibung; keine moralischen Makel.
中文原文
五濁(wǔ zhuó)/-
Deutsch
fünf Trübungen
Kommentar
Schichten der Vermischung von Wahrnehmung und Zuschreibung; keine moralischen Makel.
490 #
恒河(hénghé)/gaṅgā
Ganges
Kommentar öffnen
Der Fluss Ganges; im Sutra als Vergleichspunkt für das nicht-alternde Sehen.
中文原文
恒河(hénghé)/gaṅgā
Deutsch
Ganges
Kommentar
Der Fluss Ganges; im Sutra als Vergleichspunkt für das nicht-alternde Sehen.
491 #
恒河沙(hénghéshā)/-
Ganges-Sand (unzählig)
Kommentar öffnen
Metapher für Unzählbarkeit: so zahlreich wie Sandkörner im Ganges.
中文原文
恒河沙(hénghéshā)/-
Deutsch
Ganges-Sand (unzählig)
Kommentar
Metapher für Unzählbarkeit: so zahlreich wie Sandkörner im Ganges.
492 #
無生忍(wúshēng rěn)/-
Geduld des Nicht-Entstehens
Kommentar öffnen
Die Fähigkeit, das Nicht-Entstehen (無生) zu „tragen“: keine Fixierung an Entstehen/Vergehen; in Rolle 7 als Frucht der Auflösung von Schuldverstrickung genannt.
中文原文
無生忍(wúshēng rěn)/-
Deutsch
Geduld des Nicht-Entstehens
Kommentar
Die Fähigkeit, das Nicht-Entstehen (無生) zu „tragen“: keine Fixierung an Entstehen/Vergehen; in Rolle 7 als Frucht der Auflösung von Schuldverstrickung genannt.
493 #
無生法忍(wúshēng fǎrěn)/anutpattika-dharma-kṣānti
Geduld des Ungeborenen
Kommentar öffnen
Geduld in der Einsicht ins Ungeborene (anutpattika-dharma-kshanti)
中文原文
無生法忍(wúshēng fǎrěn)/anutpattika-dharma-kṣānti
Deutsch
Geduld des Ungeborenen
Kommentar
Geduld in der Einsicht ins Ungeborene (anutpattika-dharma-kshanti)
494 #
受陰(shòuyīn)/vedanā
Gefühlsaggregat
Kommentar öffnen
Aggregat des Erlebens von angenehm, unangenehm und neutral. Rolle 9 analysiert zehn affektive Verirrungen.
中文原文
受陰(shòuyīn)/vedanā
Deutsch
Gefühlsaggregat
Kommentar
Aggregat des Erlebens von angenehm, unangenehm und neutral. Rolle 9 analysiert zehn affektive Verirrungen.
495 #
妄心,分别心(wàngxīn,fēnbiéxīn)/-
Geist
Kommentar öffnen
Bezeichnet den funktionalen, unterscheidenden Geist (生滅心), der Wahrnehmung, Bewertung und Verstrickung trägt. Nicht das Ursprüngliche.
中文原文
妄心,分别心(wàngxīn,fēnbiéxīn)/-
Deutsch
Geist
Kommentar
Bezeichnet den funktionalen, unterscheidenden Geist (生滅心), der Wahrnehmung, Bewertung und Verstrickung trägt. Nicht das Ursprüngliche.
496 #
生滅心(shēngmiè xīn)/-
Geist von Entstehen und Vergehen
Kommentar öffnen
Der verstrickte, funktionale Geist, der Wahrnehmung, Bewertung und Wiederholung trägt.
中文原文
生滅心(shēngmiè xīn)/-
Deutsch
Geist von Entstehen und Vergehen
Kommentar
Der verstrickte, funktionale Geist, der Wahrnehmung, Bewertung und Wiederholung trägt.
497 #
凝明正心(níng míng zhèng xīn)/-
gesammeltes klares Herz
Kommentar öffnen
Bezeichnet einen stabilisierten, geklärten Meditationszustand. Auch diese Klarheit kann ohne Weisheit fehlinterpretiert werden.
中文原文
凝明正心(níng míng zhèng xīn)/-
Deutsch
gesammeltes klares Herz
Kommentar
Bezeichnet einen stabilisierten, geklärten Meditationszustand. Auch diese Klarheit kann ohne Weisheit fehlinterpretiert werden.
498 #
羯南(jiénán)/ghana
Ghana (Keimform)
Kommentar öffnen
Traditioneller Begriff für Embryostufe; in Rolle 7 mit „Verwandlungsgeburt“ verbunden.
中文原文
羯南(jiénán)/ghana
Deutsch
Ghana (Keimform)
Kommentar
Traditioneller Begriff für Embryostufe; in Rolle 7 mit „Verwandlungsgeburt“ verbunden.
499 #
等觉(děng jué)/samyak-saṃbodhi
Gleich-Erwachen
Kommentar öffnen
Vollkommenes Erwachen eines Buddha. Kein gradueller Zustand mehr, sondern vollständige Durchdringung ohne Rest.
中文原文
等觉(děng jué)/samyak-saṃbodhi
Deutsch
Gleich-Erwachen
Kommentar
Vollkommenes Erwachen eines Buddha. Kein gradueller Zustand mehr, sondern vollständige Durchdringung ohne Rest.
500 #
神呪(shénzhòu)/-
göttliches Mantra
Kommentar öffnen
Bezeichnung für das Mantra als „überweltlich wirksamer“ Klangkörper; in Rolle 7 gekoppelt an Schutz und Eintritt in Samādhi.
中文原文
神呪(shénzhòu)/-
Deutsch
göttliches Mantra
Kommentar
Bezeichnung für das Mantra als „überweltlich wirksamer“ Klangkörper; in Rolle 7 gekoppelt an Schutz und Eintritt in Samādhi.
501 #
大乘(dàchéng)/mahāyāna
Großes Fahrzeug
Kommentar öffnen
Der buddhistische Weg, der auf die Erleuchtung aller Wesen zielt.
中文原文
大乘(dàchéng)/mahāyāna
Deutsch
Großes Fahrzeug
Kommentar
Der buddhistische Weg, der auf die Erleuchtung aller Wesen zielt.
502 #
心(xīn)/-
Grund
Kommentar öffnen
Dialektische Wendung. „Grund“ bezeichnet keinen ontologischen Träger, sondern einen Grenzbegriff, der dort verwendet wird, wo Zuschreibung zugleich negiert und bejaht wird.
中文原文
心(xīn)/-
Deutsch
Grund
Kommentar
Dialektische Wendung. „Grund“ bezeichnet keinen ontologischen Träger, sondern einen Grenzbegriff, der dort verwendet wird, wo Zuschreibung zugleich negiert und bejaht wird.
503 #
根本無明(gēnběn wúmíng)/-
Grundlegende Unwissenheit
Kommentar öffnen
Anfangslose Wurzel der Verstrickung im Kreislauf: das Erkennen, das sich selbst erneut erkennt (reflexives Festhalten), wodurch die sechs Sinne an Objekte binden. Rolle 5 bezeichnet dies als Kern des Bindens.
中文原文
根本無明(gēnběn wúmíng)/-
Deutsch
Grundlegende Unwissenheit
Kommentar
Anfangslose Wurzel der Verstrickung im Kreislauf: das Erkennen, das sich selbst erneut erkennt (reflexives Festhalten), wodurch die sechs Sinne an Objekte binden. Rolle 5 bezeichnet dies als Kern des Bindens.
504 #
夜摩天(yèmótiān)/suyāma
Himmel der Suyāma
Kommentar öffnen
Himmel des Bereichs des Begehrens, der über Zeitrhythmen von Tag und Nacht hinausgeht.
Er steht für verfeinerte Freude und relative Zeitlosigkeit, jedoch weiterhin innerhalb bedingter Existenz.
Im Śūraṅgama kein Ziel, sondern ein subtiler Zustand, der leicht mit Befreiung verwechselt werden kann.
中文原文
夜摩天(yèmótiān)/suyāma
Deutsch
Himmel der Suyāma
Kommentar
Himmel des Bereichs des Begehrens, der über Zeitrhythmen von Tag und Nacht hinausgeht.
Er steht für verfeinerte Freude und relative Zeitlosigkeit, jedoch weiterhin innerhalb bedingter Existenz.
Im Śūraṅgama kein Ziel, sondern ein subtiler Zustand, der leicht mit Befreiung verwechselt werden kann.
505 #
兜率天(dōushuàitiān)/tuṣita
Himmel der Tuṣita
Kommentar öffnen
Himmel des Bereichs des Begehrens, bekannt als Aufenthaltsort zukünftiger Buddhas vor ihrem letzten Erscheinen.
Er symbolisiert hohe Verdienste und geistige Klarheit, bleibt jedoch Teil des Samsara.
Im Śūraṅgama wird auch dieser Zustand nicht als endgültige Befreiung verstanden.
中文原文
兜率天(dōushuàitiān)/tuṣita
Deutsch
Himmel der Tuṣita
Kommentar
Himmel des Bereichs des Begehrens, bekannt als Aufenthaltsort zukünftiger Buddhas vor ihrem letzten Erscheinen.
Er symbolisiert hohe Verdienste und geistige Klarheit, bleibt jedoch Teil des Samsara.
Im Śūraṅgama wird auch dieser Zustand nicht als endgültige Befreiung verstanden.
506 #
天魔(tiān mó)/-
Himmelsdämon
Kommentar öffnen
Machtwesen, das meditative Zustände ausnutzt. Im Sutra funktional verstanden, nicht mythologisch.
中文原文
天魔(tiān mó)/-
Deutsch
Himmelsdämon
Kommentar
Machtwesen, das meditative Zustände ausnutzt. Im Sutra funktional verstanden, nicht mythologisch.
507 #
天龍(tiānlóng)/-
Himmelswesen und Drachen
Kommentar öffnen
Formel für Kräfte/Schutzwesen verschiedener Ebenen; in Rolle 7 als mitfreuende und schützende Mächte erwähnt.
中文原文
天龍(tiānlóng)/-
Deutsch
Himmelswesen und Drachen
Kommentar
Formel für Kräfte/Schutzwesen verschiedener Ebenen; in Rolle 7 als mitfreuende und schützende Mächte erwähnt.
508 #
定性聲聞(dìng xìng shēng wén)/-
Hörende
Kommentar öffnen
buddhistischer Fachbegriff: · 定性 meint eine festgelegte oder bestimmte Natur, hier im Sinne von „festgelegt auf ein bestimmtes Stadium“ (oft auf die Stufe des Schravakas beschränkt). · 聲聞 (Schravaka) sind „Hörende“ bzw. Schüler, die die Lehren direkt vom Buddha hören und nach Befreiung streben, aber oft noch nicht das volle Erwachen eines Bodhisattvas erlangt haben.
中文原文
定性聲聞(dìng xìng shēng wén)/-
Deutsch
Hörende
Kommentar
buddhistischer Fachbegriff: · 定性 meint eine festgelegte oder bestimmte Natur, hier im Sinne von „festgelegt auf ein bestimmtes Stadium“ (oft auf die Stufe des Schravakas beschränkt). · 聲聞 (Schravaka) sind „Hörende“ bzw. Schüler, die die Lehren direkt vom Buddha hören und nach Befreiung streben, aber oft noch nicht das volle Erwachen eines Bodhisattvas erlangt haben.
509 #
饿鬼(èguǐ)/preta
Hungrige Geister
Kommentar öffnen
Daseinsform chronischen Mangels. Steht für Zustände unstillbaren Begehrens und innerer Leere.
中文原文
饿鬼(èguǐ)/preta
Deutsch
Hungrige Geister
Kommentar
Daseinsform chronischen Mangels. Steht für Zustände unstillbaren Begehrens und innerer Leere.
510 #
帝釋(dìshì)/-
Indra (Śakra)
Kommentar öffnen
Himmelskönig (Śakra/Indra). In Rolle 7 gelobt er Schutz für Übende.
中文原文
帝釋(dìshì)/-
Deutsch
Indra (Śakra)
Kommentar
Himmelskönig (Śakra/Indra). In Rolle 7 gelobt er Schutz für Übende.
511 #
内外分别(nèiwài fēnbié)/-
Inneres und äußeres Teilen
Kommentar öffnen
Grundlegende Spaltung von Wahrnehmung in Subjekt und Objekt. Im Śūraṅgama als Wurzel der Verblendung analysiert.
中文原文
内外分别(nèiwài fēnbié)/-
Deutsch
Inneres und äußeres Teilen
Kommentar
Grundlegende Spaltung von Wahrnehmung in Subjekt und Objekt. Im Śūraṅgama als Wurzel der Verblendung analysiert.
512 #
贍部洲(shànbùzhōu)/jambudvīpa
Jambudvipa
Kommentar öffnen
Der südliche Kontinent der buddhistischen Kosmologie; die Menschenwelt.
中文原文
贍部洲(shànbùzhōu)/jambudvīpa
Deutsch
Jambudvipa
Kommentar
Der südliche Kontinent der buddhistischen Kosmologie; die Menschenwelt.
513 #
閻浮檀金(yánfútán jīn)/-
Jambunada-Gold
Kommentar öffnen
Mythisches, vollkommen reines Gold; Symbol höchster Reinheit und Klarheit.
中文原文
閻浮檀金(yánfútán jīn)/-
Deutsch
Jambunada-Gold
Kommentar
Mythisches, vollkommen reines Gold; Symbol höchster Reinheit und Klarheit.
514 #
(qídúolín,qíyuán)/Jetavana
Jeta-Hain
Kommentar öffnen
Häufiger Aufenthaltsort des Buddha nahe Sravasti.
中文原文
(qídúolín,qíyuán)/Jetavana
Deutsch
Jeta-Hain
Kommentar
Häufiger Aufenthaltsort des Buddha nahe Sravasti.
515 #
祇园(qíyuán)/jetavana
Jetavana-Hain
Kommentar öffnen
berühmtes Kloster, in dem Buddha lehrte
中文原文
祇园(qíyuán)/jetavana
Deutsch
Jetavana-Hain
Kommentar
berühmtes Kloster, in dem Buddha lehrte
516 #
羯邏藍(jiélúolán)/kalala
Kalala (Keimform)
Kommentar öffnen
Traditioneller Begriff für frühe Embryo-/Keimphase; in Rolle 7 als „Eiergeburt“-Korrelation verwendet.
中文原文
羯邏藍(jiélúolán)/kalala
Deutsch
Kalala (Keimform)
Kommentar
Traditioneller Begriff für frühe Embryo-/Keimphase; in Rolle 7 als „Eiergeburt“-Korrelation verwendet.
517 #
迦陵頻伽(jiālíngpínqié)/kalaviṅka
Kalavinka
Kommentar öffnen
Mythischer Vogel mit überirdisch schönem Gesang; Sinnbild der Stimme des Buddha.
中文原文
迦陵頻伽(jiālíngpínqié)/kalaviṅka
Deutsch
Kalavinka
Kommentar
Mythischer Vogel mit überirdisch schönem Gesang; Sinnbild der Stimme des Buddha.
518 #
劫(jié)/kalpa
Kalpa
Kommentar öffnen
Ein extrem langer Zeitraum im buddhistischen Kosmos.
中文原文
劫(jié)/kalpa
Deutsch
Kalpa
Kommentar
Ein extrem langer Zeitraum im buddhistischen Kosmos.
519 #
业(yè)/-
Karma
Kommentar öffnen
Gesetzmäßigkeit von Handlung, Wirkung und Reifung. Kein Schicksal, sondern dynamische Wechselwirkung von Geist, Handlung und Erfahrung.
中文原文
业(yè)/-
Deutsch
Karma
Kommentar
Gesetzmäßigkeit von Handlung, Wirkung und Reifung. Kein Schicksal, sondern dynamische Wechselwirkung von Geist, Handlung und Erfahrung.
520 #
業報(yèbào)/karma-vipāka
Karmische Wirkung
Kommentar öffnen
Das Gesetz von Ursache und Wirkung im moralischen Sinne.
中文原文
業報(yèbào)/karma-vipāka
Deutsch
Karmische Wirkung
Kommentar
Das Gesetz von Ursache und Wirkung im moralischen Sinne.
521 #
迦吒富單那(jiāzhà fùdānnà)/kaṭapūtana
Kataputana
Kommentar öffnen
Dämonenklasse (Variante von Pūtana); in Rolle 7 als Störer genannt.
中文原文
迦吒富單那(jiāzhà fùdānnà)/kaṭapūtana
Deutsch
Kataputana
Kommentar
Dämonenklasse (Variante von Pūtana); in Rolle 7 als Störer genannt.
522 #
迦旃延(jiāzhānyán)/kātyāyana
Katyayana
Kommentar öffnen
Vertreter einer Vernichtungsansicht; Beispiel äußerer Lehren.
中文原文
迦旃延(jiāzhānyán)/kātyāyana
Deutsch
Katyayana
Kommentar
Vertreter einer Vernichtungsansicht; Beispiel äußerer Lehren.
523 #
憍陳如(jiāochénrú)/Kauṇḍinya
Kaundinya
Kommentar öffnen
erster Schüler, der die Vier Edlen Wahrheiten verstand
中文原文
憍陳如(jiāochénrú)/Kauṇḍinya
Deutsch
Kaundinya
Kommentar
erster Schüler, der die Vier Edlen Wahrheiten verstand
524 #
小乘(xiǎochéng)/hīnayāna
Kleines Fahrzeug (Hinayana) –
Kommentar öffnen
Der Weg der persönlichen Befreiung.
中文原文
小乘(xiǎochéng)/hīnayāna
Deutsch
Kleines Fahrzeug (Hinayana) –
Kommentar
Der Weg der persönlichen Befreiung.
525 #
煩惱(fánnǎo)/kleśa
Kleshas
Kommentar öffnen
Geistesgifte / Verblendungen (Gier, Hass, Verblendung)
中文原文
煩惱(fánnǎo)/kleśa
Deutsch
Kleshas
Kommentar
Geistesgifte / Verblendungen (Gier, Hass, Verblendung)
526 #
結(jié)/-
Knoten
Kommentar öffnen
Metapher im Shurangama-Sutra: Die Bindung der sechs Sinne wird als sechs Knoten in einem Tuch dargestellt. Jeder Knoten steht für eine spezifische Verstrickung; die Knoten sind verschieden, stammen aber aus einer einzigen Schnur.
中文原文
結(jié)/-
Deutsch
Knoten
Kommentar
Metapher im Shurangama-Sutra: Die Bindung der sechs Sinne wird als sechs Knoten in einem Tuch dargestellt. Jeder Knoten steht für eine spezifische Verstrickung; die Knoten sind verschieden, stammen aber aus einer einzigen Schnur.
527 #
解結(jiě jié)/-
Knoten lösen
Kommentar öffnen
Befreiung von geistigen Verstrickungen
中文原文
解結(jiě jié)/-
Deutsch
Knoten lösen
Kommentar
Befreiung von geistigen Verstrickungen
528 #
想陰(xiǎngyīn)/saṃjñā
Konzeptionsaggregat
Kommentar öffnen
Aggregat der Bedeutungsbildung, Zuschreibung und Deutung. Rolle 9 entfaltet hier zehn konzeptive Verirrungen.
中文原文
想陰(xiǎngyīn)/saṃjñā
Deutsch
Konzeptionsaggregat
Kommentar
Aggregat der Bedeutungsbildung, Zuschreibung und Deutung. Rolle 9 entfaltet hier zehn konzeptive Verirrungen.
529 #
俱胝(jùzhī)/-
Koṭi (Zahlwort)
Kommentar öffnen
Indisches Zahlwort (koṭi). In Kombination mit 恒河沙/Nayuta als konventioneller Ausdruck für „unzählige“ Mengen.
中文原文
俱胝(jùzhī)/-
Deutsch
Koṭi (Zahlwort)
Kommentar
Indisches Zahlwort (koṭi). In Kombination mit 恒河沙/Nayuta als konventioneller Ausdruck für „unzählige“ Mengen.
530 #
鳩槃茶(jiūpántú)/kumbhāṇḍa
Kumbhanda
Kommentar öffnen
Dämonenklasse; in Rolle 7 als Störer genannt.
中文原文
鳩槃茶(jiūpántú)/kumbhāṇḍa
Deutsch
Kumbhanda
Kommentar
Dämonenklasse; in Rolle 7 als Störer genannt.
531 #
白衣(báiyī)/-
Laien (wörtlich: Weiße)
Kommentar öffnen
Bezeichnung für Laienpraktizierende (nicht-ordinierte). In Rolle 7: zusammen mit Bhikṣu/Bhikṣuṇī als mögliche Übende im道場.
中文原文
白衣(báiyī)/-
Deutsch
Laien (wörtlich: Weiße)
Kommentar
Bezeichnung für Laienpraktizierende (nicht-ordinierte). In Rolle 7: zusammen mit Bhikṣu/Bhikṣuṇī als mögliche Übende im道場.
532 #
檀越(tányuè)/dānapati
Laienförderer
Kommentar öffnen
Laien-Spender/Förderer der Praxis (dānapati). In Rolle 7 als „白衣檀越“ erwähnt.
中文原文
檀越(tányuè)/dānapati
Deutsch
Laienförderer
Kommentar
Laien-Spender/Förderer der Praxis (dānapati). In Rolle 7 als „白衣檀越“ erwähnt.
533 #
生類(shēng lèi)/sattva-jāti
Lebensarten
Kommentar öffnen
Bezeichnet Klassen oder Gattungen von Lebewesen. In Rolle 10 erscheint die Gefahr, daraus eine deterministische Ontologie abzuleiten.
中文原文
生類(shēng lèi)/sattva-jāti
Deutsch
Lebensarten
Kommentar
Bezeichnet Klassen oder Gattungen von Lebewesen. In Rolle 10 erscheint die Gefahr, daraus eine deterministische Ontologie abzuleiten.
534 #
空性(kōng xìng)/Śūnyatā
Leere
Kommentar öffnen
Die Abwesenheit eigenständiger Existenz aller Phänomene.
中文原文
空性(kōng xìng)/Śūnyatā
Deutsch
Leere
Kommentar
Die Abwesenheit eigenständiger Existenz aller Phänomene.
535 #
摩訶迦葉(móhē jiāyè)/Mahākāśyapa
Mahakasyapa
Kommentar öffnen
Ein großer Arhat, bekannt für seine asketische Praxis und Weitergabe der Lehre.
中文原文
摩訶迦葉(móhē jiāyè)/Mahākāśyapa
Deutsch
Mahakasyapa
Kommentar
Ein großer Arhat, bekannt für seine asketische Praxis und Weitergabe der Lehre.
536 #
大势至(dàshìzhì)/mahāsthāmaprāpta
Mahasthamaprapta
Kommentar öffnen
Bodhisattva der großen Kraft, oft mit Avalokiteshvara assoziiert
中文原文
大势至(dàshìzhì)/mahāsthāmaprāpta
Deutsch
Mahasthamaprapta
Kommentar
Bodhisattva der großen Kraft, oft mit Avalokiteshvara assoziiert
537 #
弥勒(mílè)/maitreya
Maitreya
Kommentar öffnen
Buddha der Zukunft
中文原文
弥勒(mílè)/maitreya
Deutsch
Maitreya
Kommentar
Buddha der Zukunft
538 #
末那識(mò nà shí)/manas
Manas-Bewusstsein
Kommentar öffnen
Siebtes Bewusstsein der Yogācāra-Lehre. Es identifiziert das Speicherbewusstsein (ālaya-vijñāna) als ‚Ich‘ und bildet die subtile Grundlage der Ich-Anhaftung.
中文原文
末那識(mò nà shí)/manas
Deutsch
Manas-Bewusstsein
Kommentar
Siebtes Bewusstsein der Yogācāra-Lehre. Es identifiziert das Speicherbewusstsein (ālaya-vijñāna) als ‚Ich‘ und bildet die subtile Grundlage der Ich-Anhaftung.
539 #
文殊師利,文殊(wénshūshīlì,wénshū)/mañjuśrī
Manjushri
Kommentar öffnen
Bodhisattva der Weisheit; führt im Sutra aus begrifflicher Verwirrung heraus.
中文原文
文殊師利,文殊(wénshūshīlì,wénshū)/mañjuśrī
Deutsch
Manjushri
Kommentar
Bodhisattva der Weisheit; führt im Sutra aus begrifflicher Verwirrung heraus.
540 #
咒,真言(zhòu,zhēnyán)/mantra
Mantra
Kommentar öffnen
Heilige Silbenfolge oder Formel mit schützender oder transformierender Wirkung.
中文原文
咒,真言(zhòu,zhēnyán)/mantra
Deutsch
Mantra
Kommentar
Heilige Silbenfolge oder Formel mit schützender oder transformierender Wirkung.
541 #
呪心(zhòu xīn)/-
Mantra-Herz
Kommentar öffnen
„Herz“ des Mantras: der nicht-begriffliche Klangkörper als Träger von Sammlung/Schutz; nicht Bedeutung, sondern Resonanz.
中文原文
呪心(zhòu xīn)/-
Deutsch
Mantra-Herz
Kommentar
„Herz“ des Mantras: der nicht-begriffliche Klangkörper als Träger von Sammlung/Schutz; nicht Bedeutung, sondern Resonanz.
542 #
魔王大自在天(mówáng dà zìzài tiān)/-
Māra-König Mahēśvara
Kommentar öffnen
„Großer自在天“ (Mahēśvara) als Māra-König; in Rolle 7 heißt es, er finde keinen Ansatzpunkt gegen Übende im Schutzfeld.
中文原文
魔王大自在天(mówáng dà zìzài tiān)/-
Deutsch
Māra-König Mahēśvara
Kommentar
„Großer自在天“ (Mahēśvara) als Māra-König; in Rolle 7 heißt es, er finde keinen Ansatzpunkt gegen Übende im Schutzfeld.
543 #
末伽梨(mòjiālí)/Maskari
Maskari
Kommentar öffnen
Vertreter äußerer Lehren; steht für falsche Absolutsetzungen.
中文原文
末伽梨(mòjiālí)/Maskari
Deutsch
Maskari
Kommentar
Vertreter äußerer Lehren; steht für falsche Absolutsetzungen.
544 #
摩登伽(módēngqié)/mātaṅgī
Matangi
Kommentar öffnen
Bhikshuni der Wesens-Reinheit – Eine ehemals an Begierde gebundene Frau, die durch Dharma befreit wurde.
中文原文
摩登伽(módēngqié)/mātaṅgī
Deutsch
Matangi
Kommentar
Bhikshuni der Wesens-Reinheit – Eine ehemals an Begierde gebundene Frau, die durch Dharma befreit wurde.
545 #
本妙圓心(běn miào yuánxīn)/-
Mitte
Kommentar öffnen
Bezeichnung für das Ursprüngliche jenseits von Subjekt, Objekt und Funktion. Keine psychologische oder metaphysische Instanz.
中文原文
本妙圓心(běn miào yuánxīn)/-
Deutsch
Mitte
Kommentar
Bezeichnung für das Ursprüngliche jenseits von Subjekt, Objekt und Funktion. Keine psychologische oder metaphysische Instanz.
546 #
自然(zìrán)/-
Natürlichkeit
Kommentar öffnen
Ebenfalls ein begrenztes Erklärungsmodell; wird zusammen mit Ursache-Bedingung entleert.
中文原文
自然(zìrán)/-
Deutsch
Natürlichkeit
Kommentar
Ebenfalls ein begrenztes Erklärungsmodell; wird zusammen mit Ursache-Bedingung entleert.
547 #
那由他(nàyóutā)/-
Nayuta (Zahlwort)
Kommentar öffnen
Indisches Zahlwort für eine sehr große Zahl; oft zusammen mit 恒河沙/俱胝 als Ausdruck von Unzählbarkeit.
中文原文
那由他(nàyóutā)/-
Deutsch
Nayuta (Zahlwort)
Kommentar
Indisches Zahlwort für eine sehr große Zahl; oft zusammen mit 恒河沙/俱胝 als Ausdruck von Unzählbarkeit.
548 #
无学(wúxué)/aśaikṣa
Nicht-mehr-Lernen
Kommentar öffnen
Stufe des vollendeten Lernens (Arhatschaft)
中文原文
无学(wúxué)/aśaikṣa
Deutsch
Nicht-mehr-Lernen
Kommentar
Stufe des vollendeten Lernens (Arhatschaft)
549 #
無學(wúxué)/-
Nicht-mehr-Lernende
Kommentar öffnen
Bezeichnet Übende, deren Schulung abgeschlossen ist (asekha), z. B. Arhats. In Rolle 7 als rasche Bestätigung durch Schutz/Mantra genannt.
中文原文
無學(wúxué)/-
Deutsch
Nicht-mehr-Lernende
Kommentar
Bezeichnet Übende, deren Schulung abgeschlossen ist (asekha), z. B. Arhats. In Rolle 7 als rasche Bestätigung durch Schutz/Mantra genannt.
550 #
不二(bù èr)/-
Nicht-Zweiheit
Kommentar öffnen
Grundsicht, dass Binden und Lösen, Sinneswurzel und Sinnesobjekt letztlich nicht zwei getrennte Wirklichkeiten sind. In Rolle 5 wird betont: „Binden und Lösen sind nicht zwei“.
中文原文
不二(bù èr)/-
Deutsch
Nicht-Zweiheit
Kommentar
Grundsicht, dass Binden und Lösen, Sinneswurzel und Sinnesobjekt letztlich nicht zwei getrennte Wirklichkeiten sind. In Rolle 5 wird betont: „Binden und Lösen sind nicht zwei“.
551 #
涅槃(niè pán)/nirvāṇa
Nirvana
Kommentar öffnen
„Erlöschen“ der Ursachen von Leiden und Wiedergeburt.Nicht als Zustand oder Jenseits, sondern als Nicht-Verstrickung und Ruhe des Greifens verstanden.
中文原文
涅槃(niè pán)/nirvāṇa
Deutsch
Nirvana
Kommentar
„Erlöschen“ der Ursachen von Leiden und Wiedergeburt.Nicht als Zustand oder Jenseits, sondern als Nicht-Verstrickung und Ruhe des Greifens verstanden.
552 #
唯识(wéishí)/vijñapti-mātra
Nur-Bewusstsein
Kommentar öffnen
Lehre, dass alles nur Bewusstseinsprojektion ist
中文原文
唯识(wéishí)/vijñapti-mātra
Deutsch
Nur-Bewusstsein
Kommentar
Lehre, dass alles nur Bewusstseinsprojektion ist
553 #
道場(dàochǎng)/-
Ort der Praxis
Kommentar öffnen
Wörtlich „Ort des Erwachens“: Übungs- und Ritualraum, in dem Gelübde, Mantra-Rezitation und Sammlung zusammengeführt werden.
中文原文
道場(dàochǎng)/-
Deutsch
Ort der Praxis
Kommentar
Wörtlich „Ort des Erwachens“: Übungs- und Ritualraum, in dem Gelübde, Mantra-Rezitation und Sammlung zusammengeführt werden.
554 #
人空(rén kōng)/-
Person-Leerheit
Kommentar öffnen
Erste Stufe der Befreiung im Schema von Rolle 5: Beim Lösen eines Sinnesknotens fällt zunächst die Vorstellung eines festen „Ich“ (Person) als eigenständige Substanz.
中文原文
人空(rén kōng)/-
Deutsch
Person-Leerheit
Kommentar
Erste Stufe der Befreiung im Schema von Rolle 5: Beim Lösen eines Sinnesknotens fällt zunächst die Vorstellung eines festen „Ich“ (Person) als eigenständige Substanz.
555 #
蔽尸(bìshī)/peśī
Peśī (Keimform)
Kommentar öffnen
Traditioneller Begriff für Embryostufe; in Rolle 7 mit „Feuchtgeburt“ verbunden.
中文原文
蔽尸(bìshī)/peśī
Deutsch
Peśī (Keimform)
Kommentar
Traditioneller Begriff für Embryostufe; in Rolle 7 mit „Feuchtgeburt“ verbunden.
556 #
毘舍遮(píshězhē)/piśāca
Pishaca
Kommentar öffnen
Dämonenklasse; in Rolle 7 als Störer genannt.
中文原文
毘舍遮(píshězhē)/piśāca
Deutsch
Pishaca
Kommentar
Dämonenklasse; in Rolle 7 als Störer genannt.
557 #
波斯匿(bōsīní)/Prasenajit
Prasenajit
Kommentar öffnen
König von Kosala; Dialogpartner des Buddha in Rolle 2.
中文原文
波斯匿(bōsīní)/Prasenajit
Deutsch
Prasenajit
Kommentar
König von Kosala; Dialogpartner des Buddha in Rolle 2.
558 #
富樓那(fùlóunà)/Pūrṇa
Purna
Kommentar öffnen
Einer der Hauptschüler des Buddha, bekannt als „Lehrer des Dharma“.
中文原文
富樓那(fùlóunà)/Pūrṇa
Deutsch
Purna
Kommentar
Einer der Hauptschüler des Buddha, bekannt als „Lehrer des Dharma“.
559 #
富單那(fùdānnà)/pūtana
Putana
Kommentar öffnen
Dämonenklasse; in Rolle 7 als Störer genannt.
中文原文
富單那(fùdānnà)/pūtana
Deutsch
Putana
Kommentar
Dämonenklasse; in Rolle 7 als Störer genannt.
560 #
輪手,輪相手(lúnshǒu)/cakra-hasta
Rad-Hand
Kommentar öffnen
Eines der Hauptmerkmale eines Buddha: das Rad-Zeichen in der Handfläche als Symbol vollendeter Wirksamkeit.
中文原文
輪手,輪相手(lúnshǒu)/cakra-hasta
Deutsch
Rad-Hand
Kommentar
Eines der Hauptmerkmale eines Buddha: das Rad-Zeichen in der Handfläche als Symbol vollendeter Wirksamkeit.
561 #
羅剎(luóshà)/rākṣasa
Rakshasa
Kommentar öffnen
Klasse von Dämonenwesen; in Rolle 7 als Störer genannt, die keinen Zugang finden.
中文原文
羅剎(luóshà)/rākṣasa
Deutsch
Rakshasa
Kommentar
Klasse von Dämonenwesen; in Rolle 7 als Störer genannt, die keinen Zugang finden.
562 #
安居,雨安居(ānjū,yǔānjū)/Vassa
Regenklausur
Kommentar öffnen
Dreimonatige Rückzugszeit der Mönchsgemeinschaft während der Regenzeit.
中文原文
安居,雨安居(ānjū,yǔānjū)/Vassa
Deutsch
Regenklausur
Kommentar
Dreimonatige Rückzugszeit der Mönchsgemeinschaft während der Regenzeit.
563 #
净土(jìngtǔ)/sukhāvatī
Reines Land
Kommentar öffnen
Reines Land des Buddha Amitabha (Sukhavati)
中文原文
净土(jìngtǔ)/sukhāvatī
Deutsch
Reines Land
Kommentar
Reines Land des Buddha Amitabha (Sukhavati)
564 #
齋戒(zhāijiè)/-
Reinheits-/Fastengelübde
Kommentar öffnen
Übung von Reinheit/Fasten. In Rolle 7 heißt es, dass Reinheit auch ohne formale Gelübde „von selbst“ entstehen kann (nicht als Freibrief, sondern als Feldwirkung).
中文原文
齋戒(zhāijiè)/-
Deutsch
Reinheits-/Fastengelübde
Kommentar
Übung von Reinheit/Fasten. In Rolle 7 heißt es, dass Reinheit auch ohne formale Gelübde „von selbst“ entstehen kann (nicht als Freibrief, sondern als Feldwirkung).
565 #
還源(huán yuán)/-
Rückkehr zum Ursprung
Kommentar öffnen
Bezeichnet die Bewegung zurück zur Quelle des Nicht-Entstehenden und Unvergänglichen. In Rolle 5 verbunden mit dem Lösen der Sinnesknoten: Wahrnehmen kehrt nach innen zurück, das ursprüngliche Leuchten tritt hervor.
中文原文
還源(huán yuán)/-
Deutsch
Rückkehr zum Ursprung
Kommentar
Bezeichnet die Bewegung zurück zur Quelle des Nicht-Entstehenden und Unvergänglichen. In Rolle 5 verbunden mit dem Lösen der Sinnesknoten: Wahrnehmen kehrt nach innen zurück, das ursprüngliche Leuchten tritt hervor.
566 #
娑婆世界(suōpó shìjiè)/sahā
Saha-Welt
Kommentar öffnen
„Welt des Ertragens“; das Weltfeld der Praxis unter Leidensbedingungen.
中文原文
娑婆世界(suōpó shìjiè)/sahā
Deutsch
Saha-Welt
Kommentar
„Welt des Ertragens“; das Weltfeld der Praxis unter Leidensbedingungen.
567 #
三昧(sānmèi)/samādhi
Samadhi
Kommentar öffnen
Sammlung ohne Fixierung; kein Zustand, sondern Nicht-Zerstreut-Sein.
中文原文
三昧(sānmèi)/samādhi
Deutsch
Samadhi
Kommentar
Sammlung ohne Fixierung; kein Zustand, sondern Nicht-Zerstreut-Sein.
568 #
三昧(sānmèi)/samādhi
Samadhi
Kommentar öffnen
Zustand gesammelter, stabiler und durchdringender Versenkung, in dem Zerstreuung zur Ruhe kommt und Erkenntnis möglich wird. Im Śūraṅgama keine Flucht aus der Welt, sondern Grundlage klaren Sehens.
中文原文
三昧(sānmèi)/samādhi
Deutsch
Samadhi
Kommentar
Zustand gesammelter, stabiler und durchdringender Versenkung, in dem Zerstreuung zur Ruhe kommt und Erkenntnis möglich wird. Im Śūraṅgama keine Flucht aus der Welt, sondern Grundlage klaren Sehens.
569 #
三摩地(sānmódì)/samādhi
Samadhi (Sammlung)
Kommentar öffnen
Samādhi bezeichnet hier nicht bloß Konzentration, sondern die stabile Sammlung des Geistes, in der Verblendung nicht neu entsteht.
中文原文
三摩地(sānmódì)/samādhi
Deutsch
Samadhi (Sammlung)
Kommentar
Samādhi bezeichnet hier nicht bloß Konzentration, sondern die stabile Sammlung des Geistes, in der Verblendung nicht neu entsteht.
570 #
普贤(pǔxián)/samantabhadra
Samantabhadra
Kommentar öffnen
Bodhisattva des allumfassenden Handelns
中文原文
普贤(pǔxián)/samantabhadra
Deutsch
Samantabhadra
Kommentar
Bodhisattva des allumfassenden Handelns
571 #
三昧(sānmèi)/samādhi
Sammlung
Kommentar öffnen
Übersetzung für Samadhi oder meditative Vertiefung
中文原文
三昧(sānmèi)/samādhi
Deutsch
Sammlung
Kommentar
Übersetzung für Samadhi oder meditative Vertiefung
572 #
輪迴(lúnhuí)/saṃsāra
Samsara
Kommentar öffnen
Der Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt.
中文原文
輪迴(lúnhuí)/saṃsāra
Deutsch
Samsara
Kommentar
Der Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt.
573 #
僧伽,僧(sēngqié,sēng)/saṅgha
Sangha
Kommentar öffnen
Gemeinschaft der buddhistischen Praktizierenden.
中文原文
僧伽,僧(sēngqié,sēng)/saṅgha
Deutsch
Sangha
Kommentar
Gemeinschaft der buddhistischen Praktizierenden.
574 #
灌頂(guàndǐng)/abhiṣeka
Scheitelweihe
Kommentar öffnen
„Befehlen/Übergießen des Scheitels“: Einweihung/Bestärkung durch die Buddhas; in Rolle 7 verbunden mit dem Herabkommen des großen Mitgefühlslichtes.
中文原文
灌頂(guàndǐng)/abhiṣeka
Deutsch
Scheitelweihe
Kommentar
„Befehlen/Übergießen des Scheitels“: Einweihung/Bestärkung durch die Buddhas; in Rolle 7 verbunden mit dem Herabkommen des großen Mitgefühlslichtes.
575 #
六识(liù shí)/ṣaḍ-vijñāna
Sechs Bewusstseinsarten
Kommentar öffnen
Wahrnehmungsbewusstsein je Sinn
中文原文
六识(liù shí)/ṣaḍ-vijñāna
Deutsch
Sechs Bewusstseinsarten
Kommentar
Wahrnehmungsbewusstsein je Sinn
576 #
六修行位(liù xiūxíng wèi)/-
Sechs Ebenen der geistigen Übung
Kommentar öffnen
Sechs aufeinander bezogene Ebenen innerer Schulung, beginnend bei ethischer Stabilisierung über Sammlung und Durchdringung bis zur nicht‑dualen Einsicht. Sie beschreiben Vertiefungsgrade der Praxis, keine feste Rangordnung oder spirituelle Hierarchie.
中文原文
六修行位(liù xiūxíng wèi)/-
Deutsch
Sechs Ebenen der geistigen Übung
Kommentar
Sechs aufeinander bezogene Ebenen innerer Schulung, beginnend bei ethischer Stabilisierung über Sammlung und Durchdringung bis zur nicht‑dualen Einsicht. Sie beschreiben Vertiefungsgrade der Praxis, keine feste Rangordnung oder spirituelle Hierarchie.
577 #
六大(liù dà)/ṣaḍdhātu
Sechs Elemente
Kommentar öffnen
Die vier oben genannten plus Raum und Bewusstsein.
中文原文
六大(liù dà)/ṣaḍdhātu
Deutsch
Sechs Elemente
Kommentar
Die vier oben genannten plus Raum und Bewusstsein.
578 #
六大(liùdà)/ṣaḍmahābhūtāni
Sechs große Elemente
Kommentar öffnen
Fünf Elemente plus Erkennen; dienen der Ent-Ortung auch der Erkenntnisfunktion.
中文原文
六大(liùdà)/ṣaḍmahābhūtāni
Deutsch
Sechs große Elemente
Kommentar
Fünf Elemente plus Erkennen; dienen der Ent-Ortung auch der Erkenntnisfunktion.
579 #
六根(liù gēn)/ṣaḍ-indriya
Sechs Sinne
Kommentar öffnen
Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Geist
中文原文
六根(liù gēn)/ṣaḍ-indriya
Deutsch
Sechs Sinne
Kommentar
Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Geist
580 #
六尘(liù chén)/ṣaḍ-viṣaya
Sechs Sinnesobjekte
Kommentar öffnen
Form, Klang, Geruch, Geschmack, Berührung, Gedanke
中文原文
六尘(liù chén)/ṣaḍ-viṣaya
Deutsch
Sechs Sinnesobjekte
Kommentar
Form, Klang, Geruch, Geschmack, Berührung, Gedanke
581 #
奢摩他,止(shēmótuō,zhǐ)/śamatha
Shamatha
Kommentar öffnen
„Beruhigung des Geistes“. Praxis des Stillwerdens ohne Fixieren oder Unterdrücken; im Shurangama-Sutra das Lösen von Anstrengung, sodass das Ursprüngiche gegenwärtig wird.
中文原文
奢摩他,止(shēmótuō,zhǐ)/śamatha
Deutsch
Shamatha
Kommentar
„Beruhigung des Geistes“. Praxis des Stillwerdens ohne Fixieren oder Unterdrücken; im Shurangama-Sutra das Lösen von Anstrengung, sodass das Ursprüngiche gegenwärtig wird.
582 #
舍利弗(shèlìfú)/Śāriputra
Shariputra
Kommentar öffnen
bekannt für Weisheit, „Sohn des Dharma“
中文原文
舍利弗(shèlìfú)/Śāriputra
Deutsch
Shariputra
Kommentar
bekannt für Weisheit, „Sohn des Dharma“
583 #
首楞嚴(shǒuléngyán)/śūraṅgama
Shurangama
Kommentar öffnen
„Unerschütterlich, standhaft“; Name des Sutras und eines höchsten Samadhi.
中文原文
首楞嚴(shǒuléngyán)/śūraṅgama
Deutsch
Shurangama
Kommentar
„Unerschütterlich, standhaft“; Name des Sutras und eines höchsten Samadhi.
584 #
七大(qīdà)/saptamahābhūtāni
Sieben große Elemente
Kommentar öffnen
Sechs große Elemente plus Bewusstsein; zeigen, dass auch Bewusstsein keinen Ursprung hat.
中文原文
七大(qīdà)/saptamahābhūtāni
Deutsch
Sieben große Elemente
Kommentar
Sechs große Elemente plus Bewusstsein; zeigen, dass auch Bewusstsein keinen Ursprung hat.
585 #
六入(liùrù)/ṣaḍāyatana
Sinneseingänge
Kommentar öffnen
Die sechs Wahrnehmungseingänge: Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Denksinn.
中文原文
六入(liùrù)/ṣaḍāyatana
Deutsch
Sinneseingänge
Kommentar
Die sechs Wahrnehmungseingänge: Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Denksinn.
586 #
六塵(liuchen)/-
Sinnesobjekte / Staub
Kommentar öffnen
Wahrnehmungsobjekte, an denen der Geist haftet; „Staub“ als Bild für Verdeckung.
中文原文
六塵(liuchen)/-
Deutsch
Sinnesobjekte / Staub
Kommentar
Wahrnehmungsobjekte, an denen der Geist haftet; „Staub“ als Bild für Verdeckung.
587 #
根(gēn)/indriya
Sinneswurzel
Kommentar öffnen
Grundlage / Fähigkeit des Sinnesorgans
中文原文
根(gēn)/indriya
Deutsch
Sinneswurzel
Kommentar
Grundlage / Fähigkeit des Sinnesorgans
588 #
六根(liùgēn)/ṣaḍindriya
Sinneswurzeln
Kommentar öffnen
Die sechs Wahrnehmungsgrundlagen; keine festen Organe, sondern bedingt erscheinende Struktur.
中文原文
六根(liùgēn)/ṣaḍindriya
Deutsch
Sinneswurzeln
Kommentar
Die sechs Wahrnehmungsgrundlagen; keine festen Organe, sondern bedingt erscheinende Struktur.
589 #
悉怛多鉢怛囉(xīdáduō bōdáluó)/sitatapatra
Sitatapatra
Kommentar öffnen
„Weißer Schirm“: Titel/Beiname des Mantras (Śūraṅgama-Mantra). In Rolle 7 als „Buddha-Gipfel-Lichtbündel“-Mantra vorgestellt.
中文原文
悉怛多鉢怛囉(xīdáduō bōdáluó)/sitatapatra
Deutsch
Sitatapatra
Kommentar
„Weißer Schirm“: Titel/Beiname des Mantras (Śūraṅgama-Mantra). In Rolle 7 als „Buddha-Gipfel-Lichtbündel“-Mantra vorgestellt.
590 #
真如(zhēnrú)/tathatā
Soheit
Kommentar öffnen
Ausdruck für das Unverstellte jenseits aller begrifflichen Festlegung. Nicht ontologisch zu verstehen.
中文原文
真如(zhēnrú)/tathatā
Deutsch
Soheit
Kommentar
Ausdruck für das Unverstellte jenseits aller begrifflichen Festlegung. Nicht ontologisch zu verstehen.
591 #
真如(zhēnrú)/-
Soheit
Kommentar öffnen
Die Wirklichkeit, wie sie ist, vor jeder begrifflichen Teilung. Keine Substanz, sondern unmittelbare Gegebenheit.
中文原文
真如(zhēnrú)/-
Deutsch
Soheit
Kommentar
Die Wirklichkeit, wie sie ist, vor jeder begrifflichen Teilung. Keine Substanz, sondern unmittelbare Gegebenheit.
592 #
舍衛城(shěwèichéng)/Śrāvastī
Sravasti
Kommentar öffnen
Bedeutende Stadt, in der der Buddha viele Lehrjahre verbrachte.
中文原文
舍衛城(shěwèichéng)/Śrāvastī
Deutsch
Sravasti
Kommentar
Bedeutende Stadt, in der der Buddha viele Lehrjahre verbrachte.
593 #
塵(chén)/-
Staub
Kommentar öffnen
Sinneseindrücke, weltliche Verstrickungen (Metapher)
中文原文
塵(chén)/-
Deutsch
Staub
Kommentar
Sinneseindrücke, weltliche Verstrickungen (Metapher)
594 #
六塵(liùchén)/viṣaya
Staubobjekte
Kommentar öffnen
Wahrnehmungsobjekte (Form, Klang, Duft, Geschmack, Berührung, Dharmas); „Staub“ meint das, woran Anhaftung haftet.
中文原文
六塵(liùchén)/viṣaya
Deutsch
Staubobjekte
Kommentar
Wahrnehmungsobjekte (Form, Klang, Duft, Geschmack, Berührung, Dharmas); „Staub“ meint das, woran Anhaftung haftet.
595 #
塵境(chén jìng)/-
Staubphänomene
Kommentar öffnen
Die sinnlich wahrnehmbaren Objekte (Formen, Klänge etc.)
中文原文
塵境(chén jìng)/-
Deutsch
Staubphänomene
Kommentar
Die sinnlich wahrnehmbaren Objekte (Formen, Klänge etc.)
596 #
寂灭(jìmìe)/-
Stille Erlöschung
Kommentar öffnen
Der Zustand des vollkommenen Friedens, frei von mentaler Unruhe.
中文原文
寂灭(jìmìe)/-
Deutsch
Stille Erlöschung
Kommentar
Der Zustand des vollkommenen Friedens, frei von mentaler Unruhe.
597 #
須陀洹(xū tuó huán)/srota-āpanna
Stromeingetretener
Kommentar öffnen
Begriff aus der frühen Lehre; im Sutra wird der „Strom“ psychologisch-strukturell weitergeführt.
中文原文
須陀洹(xū tuó huán)/srota-āpanna
Deutsch
Stromeingetretener
Kommentar
Begriff aus der frühen Lehre; im Sutra wird der „Strom“ psychologisch-strukturell weitergeführt.
598 #
法云地(fǎ yún dì)/-
Stufe der Dharma-Wolke
Kommentar öffnen
Zehnte und letzte Bodhisattva-Stufe. Der Geist wirkt wie eine Wolke des Dharma, die Wesen ohne Absicht nährt.
中文原文
法云地(fǎ yún dì)/-
Deutsch
Stufe der Dharma-Wolke
Kommentar
Zehnte und letzte Bodhisattva-Stufe. Der Geist wirkt wie eine Wolke des Dharma, die Wesen ohne Absicht nährt.
599 #
初地(chū dì)/-
Stufe der Freude
Kommentar öffnen
Erste Bodhisattva-Stufe, gekennzeichnet durch unmittelbare Einsicht und große innere Freude ohne Anhaftung.
中文原文
初地(chū dì)/-
Deutsch
Stufe der Freude
Kommentar
Erste Bodhisattva-Stufe, gekennzeichnet durch unmittelbare Einsicht und große innere Freude ohne Anhaftung.
600 #
乾慧地(gān huì dì)/-
Stufe der trockenen Weisheit
Kommentar öffnen
Einsicht, die schon erkennt, aber noch nicht vollständig „durchfeuchtet“/verkörpert ist; Auftakt zur Wegdarlegung (Stufen als didaktische Markierungen, nicht als Besitz).
中文原文
乾慧地(gān huì dì)/-
Deutsch
Stufe der trockenen Weisheit
Kommentar
Einsicht, die schon erkennt, aber noch nicht vollständig „durchfeuchtet“/verkörpert ist; Auftakt zur Wegdarlegung (Stufen als didaktische Markierungen, nicht als Besitz).
601 #
經,修多羅(jīng,xiūduōluó)/sūtra
Sutra
Kommentar öffnen
Lehrrede des Buddha.
中文原文
經,修多羅(jīng,xiūduōluó)/sūtra
Deutsch
Sutra
Kommentar
Lehrrede des Buddha.
602 #
卍・卐(wàn)/svastika
Svastika
Kommentar öffnen
Altes buddhistisches Symbol für Glück, Vollkommenheit und Mitte.
中文原文
卍・卐(wàn)/svastika
Deutsch
Svastika
Kommentar
Altes buddhistisches Symbol für Glück, Vollkommenheit und Mitte.
603 #
如來(rúlái)/tathāgata
Tathagata
Kommentar öffnen
Titel des Buddha in seiner Lehr- und Funktionsrolle („So-Gekommener“). Wird vor allem in Lehrformeln und Komposita verwendet.
中文原文
如來(rúlái)/tathāgata
Deutsch
Tathagata
Kommentar
Titel des Buddha in seiner Lehr- und Funktionsrolle („So-Gekommener“). Wird vor allem in Lehrformeln und Komposita verwendet.
604 #
如来(rúlái)/tathāgata
Tathagata
Kommentar öffnen
Ehrentitel eines Buddha. Bezeichnet einen, der die Wirklichkeit so erkannt hat, wie sie ist, ohne aus ihr heraus- oder in sie hineinzugehen.
中文原文
如来(rúlái)/tathāgata
Deutsch
Tathagata
Kommentar
Ehrentitel eines Buddha. Bezeichnet einen, der die Wirklichkeit so erkannt hat, wie sie ist, ohne aus ihr heraus- oder in sie hineinzugehen.
605 #
如來藏(rúláizàng)/tathāgatagarbha
Tathagata-Speicher
Kommentar öffnen
Didaktischer Begriff für den allumfassenden Zusammenhang, in dem Form und Leere erscheinen. Kein metaphysisches Substrat, sondern ein Lehrrahmen, der im Verlauf des Sutras entleert wird.
中文原文
如來藏(rúláizàng)/tathāgatagarbha
Deutsch
Tathagata-Speicher
Kommentar
Didaktischer Begriff für den allumfassenden Zusammenhang, in dem Form und Leere erscheinen. Kein metaphysisches Substrat, sondern ein Lehrrahmen, der im Verlauf des Sutras entleert wird.
606 #
返流(fǎn liú)/-
Umkehr des Stroms
Kommentar öffnen
Wendung der Aufmerksamkeit gegen den gewohnten Lauf nach außen (zu Sinnesobjekten) zurück zur Quelle. In Rolle 5 als Bild für das Umkehren des anfangslosen Stroms von Geburt und Tod hin zum Nicht-Entstehenden.
中文原文
返流(fǎn liú)/-
Deutsch
Umkehr des Stroms
Kommentar
Wendung der Aufmerksamkeit gegen den gewohnten Lauf nach außen (zu Sinnesobjekten) zurück zur Quelle. In Rolle 5 als Bild für das Umkehren des anfangslosen Stroms von Geburt und Tod hin zum Nicht-Entstehenden.
607 #
無間獄(wújiān yù)/avīci
Ununterbrochene Hölle
Kommentar öffnen
Zustand fortgesetzter Verblendung ohne Unterbrechung; im Sutra funktional‑ethisch gemeint.
中文原文
無間獄(wújiān yù)/avīci
Deutsch
Ununterbrochene Hölle
Kommentar
Zustand fortgesetzter Verblendung ohne Unterbrechung; im Sutra funktional‑ethisch gemeint.
608 #
因緣(yīnyuán)/hetu-pratyaya / yinyuan
Ursachen und Bedingungen
Kommentar öffnen
Relatives Erklärungsmodell für Entstehen; im Sutra nicht als letzte Erklärung akzeptiert.
中文原文
因緣(yīnyuán)/hetu-pratyaya / yinyuan
Deutsch
Ursachen und Bedingungen
Kommentar
Relatives Erklärungsmodell für Entstehen; im Sutra nicht als letzte Erklärung akzeptiert.
609 #
妙明(miào míng)/-
Ursprünglich klares Erkennen
Kommentar öffnen
Grundlage des Bewusstseins vor Verblendung
中文原文
妙明(miào míng)/-
Deutsch
Ursprünglich klares Erkennen
Kommentar
Grundlage des Bewusstseins vor Verblendung
610 #
本然(běn rán)/prakṛti-prabhāsvara
ursprünglich so
Kommentar öffnen
Bezeichnet das ursprünglich Gegebene, nicht Produzierte. Kein Substrat im ontologischen Sinn, sondern das Nicht-Gemachte, das nicht eigens entsteht.
中文原文
本然(běn rán)/prakṛti-prabhāsvara
Deutsch
ursprünglich so
Kommentar
Bezeichnet das ursprünglich Gegebene, nicht Produzierte. Kein Substrat im ontologischen Sinn, sondern das Nicht-Gemachte, das nicht eigens entsteht.
611 #
本觉(běn jué)/-
Ursprüngliches Erwachen
Kommentar öffnen
Die schon immer vorhandene erleuchtete Natur, die nicht erzeugt wird.
中文原文
本觉(běn jué)/-
Deutsch
Ursprüngliches Erwachen
Kommentar
Die schon immer vorhandene erleuchtete Natur, die nicht erzeugt wird.
612 #
毘盧遮那(pílúzhēnà)/Vairocana
Vairocana
Kommentar öffnen
Kosmischer Buddha des Dharmakāya. In Rolle 9 häufig als Projektionsfigur konzeptiver Verirrung verwendet.
中文原文
毘盧遮那(pílúzhēnà)/Vairocana
Deutsch
Vairocana
Kommentar
Kosmischer Buddha des Dharmakāya. In Rolle 9 häufig als Projektionsfigur konzeptiver Verirrung verwendet.
613 #
金剛(jīngāng)/vajra
Vajra
Kommentar öffnen
„Diamant/Donnerkeil“: Symbol unzerstörbarer Klarheit und Durchschlagskraft. In Rolle 7 als Schutzkräfte (Vajra-Wesen) und Vajra-Stab.
中文原文
金剛(jīngāng)/vajra
Deutsch
Vajra
Kommentar
„Diamant/Donnerkeil“: Symbol unzerstörbarer Klarheit und Durchschlagskraft. In Rolle 7 als Schutzkräfte (Vajra-Wesen) und Vajra-Stab.
614 #
金刚(jīngāng)/vajra
Vajra-gleiches Erwachen
Kommentar öffnen
diamantartiges, unzerstörbares Erwachen
中文原文
金刚(jīngāng)/vajra
Deutsch
Vajra-gleiches Erwachen
Kommentar
diamantartiges, unzerstörbares Erwachen
615 #
金剛藏王菩薩(jīngāng cáng wáng púsà)/-
Vajra-Schatzkönig-Bodhisattva
Kommentar öffnen
Schutz- und Begleitkräfte des Mantras; in Rolle 7 als unzählige Bodhisattva-Geschlechter mit Vajra-Gefolge dargestellt.
中文原文
金剛藏王菩薩(jīngāng cáng wáng púsà)/-
Deutsch
Vajra-Schatzkönig-Bodhisattva
Kommentar
Schutz- und Begleitkräfte des Mantras; in Rolle 7 als unzählige Bodhisattva-Geschlechter mit Vajra-Gefolge dargestellt.
616 #
無明(wúmíng)/Avidyā
Verblendung
Kommentar öffnen
Grundlegende Unwissenheit über die wahre Natur der Wirklichkeit.
中文原文
無明(wúmíng)/Avidyā
Deutsch
Verblendung
Kommentar
Grundlegende Unwissenheit über die wahre Natur der Wirklichkeit.
617 #
世界顛倒(shìjiè diāndǎo)/-
Verkehrung der Welt
Kommentar öffnen
Die verkehrte Setzung von „Welt“ (Außenperspektive) als Grund; entsteht aus Segmentierung, Wandel und Sinneskette.
中文原文
世界顛倒(shìjiè diāndǎo)/-
Deutsch
Verkehrung der Welt
Kommentar
Die verkehrte Setzung von „Welt“ (Außenperspektive) als Grund; entsteht aus Segmentierung, Wandel und Sinneskette.
618 #
眾生顛倒(zhòngshēng diāndǎo)/-
Verkehrung der Wesen
Kommentar öffnen
Die verkehrte Setzung von „Wesen“ (Innenperspektive) als Grund; entsteht aus der Schleife von Gewöhnung und Karma.
中文原文
眾生顛倒(zhòngshēng diāndǎo)/-
Deutsch
Verkehrung der Wesen
Kommentar
Die verkehrte Setzung von „Wesen“ (Innenperspektive) als Grund; entsteht aus der Schleife von Gewöhnung und Karma.
619 #
妄(wàng)/-
Verkennung
Kommentar öffnen
„Falsch/Verkannt“: bezeichnet nicht ein „zweites Sein“, sondern Zuschreibung ohne Grund; in Rolle 7: Entstehen/Vergehen als 妄.
中文原文
妄(wàng)/-
Deutsch
Verkennung
Kommentar
„Falsch/Verkannt“: bezeichnet nicht ein „zweites Sein“, sondern Zuschreibung ohne Grund; in Rolle 7: Entstehen/Vergehen als 妄.
620 #
煩惱(fánnǎo)/kleśa
Verstrickungen
Kommentar öffnen
Geistige Gifte wie Gier, Hass und Verblendung, die Leiden erzeugen.
中文原文
煩惱(fánnǎo)/kleśa
Deutsch
Verstrickungen
Kommentar
Geistige Gifte wie Gier, Hass und Verblendung, die Leiden erzeugen.
621 #
四棄(sìqì)/-
Vier Ausschlussvergehen
Kommentar öffnen
Schwerste Ordinationsvergehen der Bhikṣus (pārājika): führen zum Ausschluss; in Rolle 7 als „vier Ausschlüsse“ erwähnt.
中文原文
四棄(sìqì)/-
Deutsch
Vier Ausschlussvergehen
Kommentar
Schwerste Ordinationsvergehen der Bhikṣus (pārājika): führen zum Ausschluss; in Rolle 7 als „vier Ausschlüsse“ erwähnt.
622 #
四大(sìdà)/catvāri, mahābhūtāni
Vier Elemente
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Erde, Wasser, Feuer und Wind; klassisches Modell weltlicher Veränderung, im Sutra dekonstruiert.
中文原文
四大(sìdà)/catvāri, mahābhūtāni
Deutsch
Vier Elemente
Kommentar
Erde, Wasser, Feuer und Wind; klassisches Modell weltlicher Veränderung, im Sutra dekonstruiert.
623 #
四根本戒(sì gēnběn jiè)/-
Vier grundlegende Verwerfungen
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Die vier schwersten Formen grundlegender Verfehlung: Töten, Stehlen, sexuelles Fehlverhalten und falsche Rede. Sie werden nicht als Sünden verstanden, sondern als Handlungen, die die Basis jeder geistigen Übung zerstören, weil sie Verstrickung, Angst und Selbstrechtfertigung verstärken.
中文原文
四根本戒(sì gēnběn jiè)/-
Deutsch
Vier grundlegende Verwerfungen
Kommentar
Die vier schwersten Formen grundlegender Verfehlung: Töten, Stehlen, sexuelles Fehlverhalten und falsche Rede. Sie werden nicht als Sünden verstanden, sondern als Handlungen, die die Basis jeder geistigen Übung zerstören, weil sie Verstrickung, Angst und Selbstrechtfertigung verstärken.
624 #
四天王(sìtiānwáng)/cāturmahārāja
Vier Himmelskönige
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Schutzgottheiten der vier Himmelsrichtungen in der buddhistischen Kosmologie.
中文原文
四天王(sìtiānwáng)/cāturmahārāja
Deutsch
Vier Himmelskönige
Kommentar
Schutzgottheiten der vier Himmelsrichtungen in der buddhistischen Kosmologie.
625 #
四種不死論(sìzhǒng bùsǐlùn)/-
Vier unsterbliche Lehren
Kommentar öffnen
Ausweichende, sophistische Lehrpositionen äußerer Schulen, die vom Buddha zurückgewiesen werden.
中文原文
四種不死論(sìzhǒng bùsǐlùn)/-
Deutsch
Vier unsterbliche Lehren
Kommentar
Ausweichende, sophistische Lehrpositionen äußerer Schulen, die vom Buddha zurückgewiesen werden.
626 #
四十四心(sìshísì xīn)/-
Vierundvierzig Herzen
Kommentar öffnen
Bezeichnung für eine Abfolge von 44 Geistes-/Herz-Stufen in der folgenden Wegdarlegung (Kartografie der Entwöhnung von Trennung).
中文原文
四十四心(sìshísì xīn)/-
Deutsch
Vierundvierzig Herzen
Kommentar
Bezeichnung für eine Abfolge von 44 Geistes-/Herz-Stufen in der folgenden Wegdarlegung (Kartografie der Entwöhnung von Trennung).
627 #
毘奈耶(pínàiyé)/vinaya
Vinaya (Disziplinordnung)
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Die buddhistische Disziplinordnung (Regeln, Ordination, Verfahren). In Rolle 7 als Rahmen für „wie es recht ist“ (如法) und die Reinheit der Ordination.
中文原文
毘奈耶(pínàiyé)/vinaya
Deutsch
Vinaya (Disziplinordnung)
Kommentar
Die buddhistische Disziplinordnung (Regeln, Ordination, Verfahren). In Rolle 7 als Rahmen für „wie es recht ist“ (如法) und die Reinheit der Ordination.
628 #
毘那夜迦(pínàiyèjiā)/vināyaka
Vinayaka
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„Vināyaka“ (oft: Gaṇeśa-/Hindernisgeister): in Rolle 7 als Geisterkönige genannt, die schließlich Schutz geloben.
中文原文
毘那夜迦(pínàiyèjiā)/vināyaka
Deutsch
Vinayaka
Kommentar
„Vināyaka“ (oft: Gaṇeśa-/Hindernisgeister): in Rolle 7 als Geisterkönige genannt, die schließlich Schutz geloben.
629 #
圓通(yuántōng)/-
Vollkommene Durchdringung
Kommentar öffnen
Zentrales Praxisprinzip (Rolle 5): Ein Zugang (ein Sinnestor) wird so durchdringend geklärt, dass die Verstrickungen aller sechs Sinne zugleich mitgelöst werden. In den Berichten der Heiligen als „vollkommene Durchdringung“ beschrieben.
中文原文
圓通(yuántōng)/-
Deutsch
Vollkommene Durchdringung
Kommentar
Zentrales Praxisprinzip (Rolle 5): Ein Zugang (ein Sinnestor) wird so durchdringend geklärt, dass die Verstrickungen aller sechs Sinne zugleich mitgelöst werden. In den Berichten der Heiligen als „vollkommene Durchdringung“ beschrieben.
630 #
卍(wàn)/svastika
Wan-Zeichen
Kommentar öffnen
Chinesische Bezeichnung für das Svastika-Zeichen als Symbol der Vollkommenheit und der Herzmitte des Buddha.
中文原文
卍(wàn)/svastika
Deutsch
Wan-Zeichen
Kommentar
Chinesische Bezeichnung für das Svastika-Zeichen als Symbol der Vollkommenheit und der Herzmitte des Buddha.
631 #
四加行(sì jiāháng)/-
Wärme, Gipfel, Geduld, höchste weltliche Stufe
Kommentar öffnen
Vier vorbereitende Einsichtsstufen vor dem Eintritt in die heiligen Bodhisattva-Boden. Sie markieren die zunehmende Durchdringung von Leerheit.
中文原文
四加行(sì jiāháng)/-
Deutsch
Wärme, Gipfel, Geduld, höchste weltliche Stufe
Kommentar
Vier vorbereitende Einsichtsstufen vor dem Eintritt in die heiligen Bodhisattva-Boden. Sie markieren die zunehmende Durchdringung von Leerheit.
632 #
世尊(shìzūn)/bhagavān
Weltverehrter
Kommentar öffnen
Ehrentitel für den Buddha in direkter Anrede.
中文原文
世尊(shìzūn)/bhagavān
Deutsch
Weltverehrter
Kommentar
Ehrentitel für den Buddha in direkter Anrede.
633 #
風輪, 水輪, 金輪(vāyu)/jala, suvarṇa-cakra
Windrad / Wasserrad / Goldrad
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Kosmologische Bilder für bewegende, tragende und verdichtende Strukturen des Erscheinens; keine physischen Räder.
中文原文
風輪, 水輪, 金輪(vāyu)/jala, suvarṇa-cakra
Deutsch
Windrad / Wasserrad / Goldrad
Kommentar
Kosmologische Bilder für bewegende, tragende und verdichtende Strukturen des Erscheinens; keine physischen Räder.
634 #
妙明(miào míng)/-
Wunderbare Klarheit
Kommentar öffnen
Die leuchtende, nicht-duale Natur des Geistes jenseits von Begriffen.
中文原文
妙明(miào míng)/-
Deutsch
Wunderbare Klarheit
Kommentar
Die leuchtende, nicht-duale Natur des Geistes jenseits von Begriffen.
635 #
妙莲(miào lián)/-
Wunder-Lotusblume
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Symbol für Reinheit und Erleuchtung
中文原文
妙莲(miào lián)/-
Deutsch
Wunder-Lotusblume
Kommentar
Symbol für Reinheit und Erleuchtung
636 #
藥叉(yàochā)/yakṣa
Yaksha
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Klasse von Natur-/Schutzgeistern; in Rolle 7 als mögliche Störer, die durch das Schutzfeld gebändigt werden.
中文原文
藥叉(yàochā)/yakṣa
Deutsch
Yaksha
Kommentar
Klasse von Natur-/Schutzgeistern; in Rolle 7 als mögliche Störer, die durch das Schutzfeld gebändigt werden.
637 #
耶輸陀羅(yēshūtuóluó)/Yaśodharā
Yasodhara
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Die Mutter von Rahula, Frau des Buddha vor seinem Erwachen.
中文原文
耶輸陀羅(yēshūtuóluó)/Yaśodharā
Deutsch
Yasodhara
Kommentar
Die Mutter von Rahula, Frau des Buddha vor seinem Erwachen.
638 #
由旬(yóuxún)/-
Yojana
Kommentar öffnen
Altes Entfernungsmaß (variabel). In Rolle 7 u. a. als Radius eines Schutzraums („zwölf Yojanas“).
中文原文
由旬(yóuxún)/-
Deutsch
Yojana
Kommentar
Altes Entfernungsmaß (variabel). In Rolle 7 u. a. als Radius eines Schutzraums („zwölf Yojanas“).
639 #
十類天魔(shí lèi tiān mó)/daśa deva-mārāḥ
Zehn Arten himmlischer Māras
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Zehn Klassen subtiler Versuchung oder Störung, die fortgeschrittene Meditierende betreffen. Sie erscheinen als Fehlinterpretationen von Einsicht, nicht als grobe Dämonen.
中文原文
十類天魔(shí lèi tiān mó)/daśa deva-mārāḥ
Deutsch
Zehn Arten himmlischer Māras
Kommentar
Zehn Klassen subtiler Versuchung oder Störung, die fortgeschrittene Meditierende betreffen. Sie erscheinen als Fehlinterpretationen von Einsicht, nicht als grobe Dämonen.
640 #
十方(shífāng)/-
Zehn Richtungen
Kommentar öffnen
alle Himmelsrichtungen plus oben und unten (das ganze Universum)
中文原文
十方(shífāng)/-
Deutsch
Zehn Richtungen
Kommentar
alle Himmelsrichtungen plus oben und unten (das ganze Universum)
641 #
十住(shí zhù)/-
Zehn Wohnstätten
Kommentar öffnen
Erste große Stufenfolge des Bodhisattva-Weges. Beschreibt die Stabilisierung von Vertrauen, Praxis und Ausrichtung auf Erwachen.
中文原文
十住(shí zhù)/-
Deutsch
Zehn Wohnstätten
Kommentar
Erste große Stufenfolge des Bodhisattva-Weges. Beschreibt die Stabilisierung von Vertrauen, Praxis und Ausrichtung auf Erwachen.
642 #
二空(èr kōng)/-
Zwei Leerheiten
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二空 (èr kōng): Die „zwei Leerheiten“ – die Leerheit des Selbst (pudgala-śūnyatā) und die Leerheit der Dinge (dharma-śūnyatā).
中文原文
二空(èr kōng)/-
Deutsch
Zwei Leerheiten
Kommentar
二空 (èr kōng): Die „zwei Leerheiten“ – die Leerheit des Selbst (pudgala-śūnyatā) und die Leerheit der Dinge (dharma-śūnyatā).
643 #
交蘆(jiāo lú)/-
Zwei Schilfrohre
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Gleichnis für wechselseitige Abhängigkeit von Subjekt und Objekt
中文原文
交蘆(jiāo lú)/-
Deutsch
Zwei Schilfrohre
Kommentar
Gleichnis für wechselseitige Abhängigkeit von Subjekt und Objekt
644 #
二轉依(èr zhuǎn yī)/-
Zwei Wendungen der Grundlage
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„Umwendung der Grundlage“: Bodhi und großes Nirvana als zwei Benennungen der Umkehr, in der Verblendung nicht mehr entsteht.
中文原文
二轉依(èr zhuǎn yī)/-
Deutsch
Zwei Wendungen der Grundlage
Kommentar
„Umwendung der Grundlage“: Bodhi und großes Nirvana als zwei Benennungen der Umkehr, in der Verblendung nicht mehr entsteht.
645 #
三十二相(sānshí’èr xiàng)/-
Zweiunddreißig Zeichen
Kommentar öffnen
Die klassischen körperlichen Merkmale eines Großen Wesens (Mahāpuruṣa).
中文原文
三十二相(sānshí’èr xiàng)/-
Deutsch
Zweiunddreißig Zeichen
Kommentar
Die klassischen körperlichen Merkmale eines Großen Wesens (Mahāpuruṣa).
646 #
十二類(shí’èr lèi)/-
Zwölf Arten (von Wesen)
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Klassifikation von Daseinsweisen (Ei/Leib/Feucht/Verwandlung; Form/Nicht-Form; Vorstellung/Nicht-Vorstellung; sowie die jeweiligen „Nicht-“Mischformen). Typologie von Fixierungen, nicht Ontologie.
中文原文
十二類(shí’èr lèi)/-
Deutsch
Zwölf Arten (von Wesen)
Kommentar
Klassifikation von Daseinsweisen (Ei/Leib/Feucht/Verwandlung; Form/Nicht-Form; Vorstellung/Nicht-Vorstellung; sowie die jeweiligen „Nicht-“Mischformen). Typologie von Fixierungen, nicht Ontologie.